Kitabı oku: «Noch mehr Lächeln auf vier Beinen»

Yazı tipi:

Beate Pürner (Herausgeberin)

Noch mehr Lächeln auf vier Beinen

Neue Hundegeschichten über die japanische Rasse Akita


Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Vorwort

Rassebeschreibung

Zusammenleben

Fellwechsel für Anfänger

von Elisabeth Schlager

Eine kleine Nachtmusik

von Heinz Penndorf

Der blaue Teppich

von Brigitte Zehetgruber

Wer ist hier der Boss?

von Mo Berlitz

Gefühlte Temperatur

von Anke Schober

Marotten

von Heinz Penndorf

Ken und sein Sofageheimnis

von Gabriela Richard

Ein Akitaleben

von Christiane Lorra

Welpe und Junghund

Frühstücksrunde mit Kollegen

von Anke Schober

Gesellschaft für Brindel – das Doppelpack zieht ein

von Margareta Proksch

Runter geht’s

von Beate Pürner

Unser Puyockl

von Heinz Penndorf

Wer hat Angst vorm grauen Wolf?

von Margareta Proksch

Das Familientreffen

von Gabriele Penndorf

Wie akita Herrchen konditioniert

von Heinz Penndorf

Erziehung

Die Hütchenspielerin oder wer braucht schon einen Abrufkurs!

von Anke Neumann

Ein Akita lernt Tricks

von Elisabeth Schlager

Nachdenkliches zu einer ganz besonderen Rasse

von Bettina Pinnekamp

Hopp und weg

Der grüne Schirm

von Mo Berlitz

Der dümmste Hase der Welt

von Annette Petzold

Fang mich doch, wer kann!

von Marianne Schwald

Wann ist ein Zaun ein Zaun?

von Marianne Schwald

Fundsache

von Mo Berlitz

Begegnungen

Patchwork

von Carlo Lanners

Aggressiver Hund?

von Martina Wagner

Altenheim

von Mo Berlitz

B&B – Baileys und Babou

von Carlo Lanners

Gruppenverhalten oder Wenn Mensch zu spät denkt

von Marianne Schwald

Ginas »Erzfeinde«

von Martina Wagner

Ausflug und Reise

Shoppen mit Aibo

von Elisabeth Schlager

Reiseunlust – Schon wieder ins Auto?

von Beate Pürner

Ko da ren

von Mo Berlitz

Mit Akita unterwegs

von Anke Neumann

Urlaub mal anders – ohne Hund

von Margareta Proksch

Gesundheit

Fuyu, mein tapferer Bub

von Marianne Thielen

Gina bei der Physiotherapie

von Martina Wagner

Mit Haut und Haar

von Anke Neumann

Ausbildung und Arbeiten

Longieren

von Elisabeth Schlager

Kleine Anekdoten aus dem Hundekurs

von Heinz Penndorf

Mantrailing? Was ist denn das?

von Anke Neumann

Rettungshunde-Ausbildung

von Ulrike Heni-Schiewe

Such & Bring

von Marianne Thielen

ZOS

von Elisabeth Schlager

Wetter und Wasser

Der Akita und das Wetter

von Martina Wagner

»Seehund«

von Mo Berlitz

Viel Lärm um nichts

von Elisabeth Schlager

Ungeliebter Baggersee

von Ulrike Heni-Schiewe

Eine Seefahrt, die ist lustig!

von Annette Petzold

Die Rache des Samouraï

von Heinz Penndorf

Unfreiwilliges Bad

von Mo Berlitz

Akita und andere Vierbeiner

Menschen am Rande des Zusammenbruchs

von Heinz Penndorf

Ein Akita hat’s nicht leicht

von Elisabeth Schlager

Hana zieht um

von Heinz Penndorf

Mini-Akitas

von Elisabeth Schlager

Jagd, Beute und Ernährung

Hilfe, mein Hund jagt!

von Anke Neumann

Wie gleicht man Maulwurfshügel aus?

von Gabriela Richard

Nahrungsergänzungsmittel

von Margareta Proksch

Alter und Abschied

Tora, Akitarüde – 13 Jahre und 3 Monate

von Bettina Pinnekamp

Der sechste Sinn der Tiere?

von Brigitte Zehetgruber

Erinnerungen

von Heinz Penndorf

Seelenverwandtschaft

von Anke Schober

Die Autoren

Stichwortverzeichnis

Bildnachweis

Elfchennachweis

Impressum

Fußnoten

Vorwort

In diesem Buch finden Sie »pralles« Akita-Leben: Alltägliches, Verblüffendes, Amüsantes, Trauriges … Achtzehn Autoren und Autorinnen aus vier Ländern (Deutschland, Österreich, Luxemburg und Frankreich) erzählen von ihren Akitas. Jeder aus seiner Sicht und auf seine Art und Weise. Allen gemeinsam ist die Freude und auch der Frust über unsere liebenswerten, aber auch sturen Akitas. So ist ein lebendiges Buch entstanden, das Ihnen einen umfassenden Eindruck über die Rasse vermittelt.

Seit 2003 das Buch Japanisches Lächeln auf vier Beinen erschien, ist eine neue Akita-Generation herangewachsen. Einige alte Bekannte treffen Sie wieder, aber viele der vierbeinigen Akteure von damals weilen nicht mehr unter uns. Neue Akitas und Akitaner sind dazugekommen: Ersthunde-Besitzer mit nur einem Hund, aber auch gestandene Akita-Liebhaber mit mehreren Hunden.

Inzwischen ist die Rasse Akita viel bekannter geworden. Seit 2009 bezaubert der Film Hachiko, eine wunderbare Freundschaft von Lasse Hallström mit Richard Gere die Zuschauer, aber leider vermittelt er ein völlig falsches Bild vom Akita. Die »Hunde-Mafia« und die »Wildwestzüchter« haben seitdem den Akita als lukrativen Markt erkannt. Sie verkaufen diese anspruchsvollen Hunde an jeden, der zahlt, ohne über die Rasse selbst zu informieren und ohne zu prüfen, ob das neue Zuhause über das nötige Hundewissen verfügt. Die vielen jungen Hunde, vor allem Rüden, bei Akita in Not sprechen eine beredte Sprache (www.akita-in-not.de).

Alle Autoren haben mit viel Freude und Engagement an diesem Buch mitgewirkt. Sie haben sich in der Akita-Mailingliste akita-de-l kennengelernt, wo sich seit vielen Jahren Akita-Besitzer austauschen (www.akita-mailingliste.de). Manche Hunde und Autoren kennen Sie vielleicht schon aus dem Adventskalender der Akita-Mailingliste.

Im April 2015

Beate Pürner

Rassebeschreibung

»Akita Inu«, das bedeutet »Hund aus Akita« (Akita ist eine Provinz auf der Insel Honshu, im Norden Japans). Die Ursprünge der Rasse lassen sich wahrscheinlich auf prähistorische Zeiten zurückführen. Der Vorfahr des heutigen Akitas ist der Matagi Inu, ein etwa 50 cm großer Hund, der ab dem 12. Jahrhundert bei der Jagd auf Bären und Großwild eingesetzt wurde. Nach den Ergebnissen jüngster Forschung gehört der Akita zu denjenigen Hunderassen, die mit dem Wolf genetisch am engsten verwandt sind.

In Japan ist es Sitte, zur Geburt eines Kindes oder an Kranke eine kleine Akita-Statue zu verschenken als Symbol für Glück, Gesundheit und langes Leben. In seinem Heimatland gilt dieser außergewöhnliche Hund seit 1931 als »lebendes Naturdenkmal«.


Einem Akita gegenüber gleichgültig zu bleiben, ist schwierig. Auf den ersten Blick fasziniert er durch seine natürliche Schönheit und die ausgestrahlte Würde, später, wenn man ihn näher kennt, vor allem durch seinen Charakter – selbst wenn gerade dieser dafür sorgt, dass der Akita kein Hund für jedermann ist. Der größte der japanischen Spitze (Hündinnen durchschnittlich 61 cm und Rüden 67 cm Schulterhöhe) zeigt sich im Allgemeinen sehr »zen«1 und liebt es, in der Nähe seines Menschen zu dösen. Lassen Sie sich dadurch nicht täuschen: Wenn es darauf ankommt, kann er von einem Augenblick zum anderen blitzschnell und völlig überraschend reagieren. Er hat einen starken Charakter, ist unabhängig und gegenüber Artgenossen sehr selbstbewusst (nicht zu verwechseln mit aggressiv!). Jemand, der dies nicht akzeptieren kann, ist mit einer anderen Hunderasse wahrscheinlich besser beraten. Dagegen wird jeder, der bereit ist, seinen Akita mit viel Liebe, Geduld und Konsequenz zu erziehen, einen treuen, zärtlichen, verlässlichen Freund fürs Leben gewinnen.


Auch wenn ein kleiner Akita-Welpe wie ein Teddybär aussieht: Sie müssen ihn erziehen, und zwar vom ersten Tag an, den er in Ihrem Zuhause verbringt. Der Akita ist ein »Spätentwickler« und wird erst mit drei Jahren erwachsen. Da der Akita kein Hund für nebenbei ist, wird die Zeit bis dahin Ihnen einiges abverlangen. Über Kenntnisse von Hundeverhalten sollten Sie schon verfügen, um sein Betragen zu verstehen und richtig zu reagieren, wenn er sich vermeintlich »stur« zeigt.

Der Akita ist intelligent, das Verstehen und Erlernen von Befehlen bereitet ihm keine Schwierigkeiten. Was allerdings nicht bedeutet, dass Sie sich blind darauf verlassen können, dass der Hund immer und überall gehorcht. Aufgrund seines eher selbständigen Wesens kann es durchaus passieren, dass auch ein gut ausgebildeter Akita in manchen Situationen den Gehorsam verweigert und/​oder beschließt, eigenmächtig zu agieren. Bei einigen Hunden ist der Jagdtrieb sehr stark und sie lassen sich nur schwer stoppen, wenn sie einer Fährte folgen oder vielleicht sogar bereits einen Hasen oder Wild aufgespürt haben.

Viele Akitas verstehen sich nicht mit Artgenossen, besonders nicht mit denen des gleichen Geschlechts. In der Stadt und in Zonen, in denen es Probleme geben könnte, sollten Sie einen Akita besser an der Leine führen.

Im Allgemeinen mögen Akitas Kinder und erweisen sich ihnen gegenüber als sehr geduldig. Wenn ein Baby oder Kleinkind im Hause lebt, sollte Ihre Wahl eher auf eine Hündin fallen, sie gehen meist zarter und vorsichtiger mit den Kleinen um. Sie sollten aber UNTER KEINEN UMSTÄNDEN ein kleines Kind oder ein Baby mit dem Hund allein lassen – das gilt grundsätzlich für jeden Hund. Kinder, die dies bereits verstehen, sollten unbedingt angeleitet werden, den Hund als Lebewesen zu respektieren und ihn nicht beim Fressen oder Schlafen zu stören. Der Akita sollte immer eine Rückzugsmöglichkeit haben, wenn er sich von ihnen bedroht fühlt.

Wenn Sie die Absicht haben, einen Akita als Zweithund bei sich aufzunehmen, ist es besser, einen Welpen von entgegengesetztem Geschlecht zu wählen. Nur sehr erfahrenen und engagierten Besitzern wird es gelingen, zwei gleichgeschlechtliche Akitas miteinander zu halten.

Hingegen leben viele Akitas ohne Probleme zusammen mit einer oder mehreren Katzen. Aber die Nachbarskatze wird, ebenso wie aufgeregt flatternde Hühner, eher als Beute betrachtet.

Mit einem Akita können Sie auch Hundesport ausüben, wie Gehorsamkeitstraining, Agility, Fährtensuche, Canicross. Jede dieser Sportarten ist – vor allem, wenn das Training mit positiver Verstärkung erfolgt – hervorragend dazu geeignet, den Hund auszulasten und das beiderseitige Vertrauensverhältnis zu festigen.

Zusammenleben


Verständnis

wortlos, einfühlsam

Mensch und Hund

über Jahre gewachsene Vertrautheit

kostbar

Fellwechsel für Anfänger

von Elisabeth Schlager

Gerade als Akita-Anfänger wartet man gespannt auf den ersten richtigen Fellwechsel des eigenen Hundes. Vor allem, weil man überall liest, dass ein Akita nur zweimal im Jahr Haare verliert und dazwischen so gut wie gar nicht. Als Aibo ca. ein Jahr alt war, fing es an: In allen Ecken und unter allen Möbeln bildeten sich plötzlich »Wollmäuse«, die sich in kürzester Zeit in Wollratten verwandelten – Haare, überall Haare. Am Sofa, im Teppich – unser Staubsauger gab langsam den Geist auf, ein neuer musste her, mit einem speziellen Aufsatz für Tier-Haare. Das Problem mit dem Teppich war somit gelöst, aber die Haare waren ja noch am Hund, also ab zum nächsten Tierfachhandel und Bürsten und Kämme kaufen. Tja, das alleine ist schon eine Herausforderung. Unterwollkämme, Zupfbürsten, Entfilzungsharken, Bürsten mit Kunststoffborsten und, und, und … Im Besitz von nun sechs unterschiedlichen Bürsten und Kämmen und hoch motiviert nehme ich mir Aibo vor.

Nach kurzer Zeit die Erkenntnis: Da hätte ich mal früher mit anfangen sollen. Hals, Rücken und Brust sind kein Problem, das scheint er sogar richtig zu genießen, er drückt sich regelrecht gegen die Bürste und sein Hinterlauf beginnt zu zucken. Aber wehe, WEHE, ich komme seinem Popo, der Rute und den Hinterläufen zu nahe, dann gibt’s Ramba-Zamba. Aibo hüpft herum wie ein Springbock und quietscht und jault dabei. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass weder der Hund verletzt, noch der Kamm gemeingefährlich ist, muss ich mir wohl oder übel eingestehen, dass das Ganze offenbar nicht so einfach wird wie erhofft.

Da Plan A nicht funktioniert hat, muss ich mir etwas Neues überlegen.

Plan B – Futter

Ich verteile Aibos liebste Lieblingsleckerlis auf dem Boden und während Aibo nun mit Suchen und Fressen beschäftigt ist, fange ich an zu bürsten. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber wiederum nur solange, bis ich mich den hinteren Extremitäten nähere, dann geht das Theater wieder von vorne los.

Plan C – Meditation

Wenn Aibo gerade am Dösen ist, schleiche ich mich mit der Bürste bewaffnet an ihn heran und beginne ihn hingebungsvoll zu kraulen und zu streicheln, nebenbei versuche ich ihn mit sanfter Stimme (guuuuuuter Huuuuuund, braaaaaaaaaver Huuuuuuuund, liiiiiieeeeeeber Huuuund) in einen hypnoseähnlichen Zustand zu versetzen. Als die Atmung merklich langsamer und ruhiger wird und die Äugelein zufallen, fange ich vorsichtig mit dem Bürstvorgang an. So schnell kann ich gar nicht gucken, wie die Augen wieder offen und schreckensgeweitet sind und Aibo natürlich genervt abhaut. Ich muss wohl zu drastischeren Mitteln greifen …

Plan D – Festgebunden

Ich leine Aibo am Geschirr an und binde ihn mithilfe der Leine relativ kurz auf der Terrasse an eine Betonsäule an. Problem: Ich kann ihm schlecht die Hinterbeine festbinden, also hüpft er wie ein Ziegenbock auf Ecstasy mit dem Hintern voran rund um die Säule. Das und der Umstand, dass sich ein Geschirr zum Kämmen ebenfalls nicht eignet, lässt mich den Plan sofort wieder verwerfen.

Plan E – Eingeklemmt

Ich klemme mir Aibo zwischen die Beine und versuche ihm auf diese Weise das hartnäckige Plüschfell auszukämmen. Aibo windet sich natürlich zwischen meinen Beinen durch und weg ist er. Aber der Ansatz gefällt mir, also gibt’s eine Änderung im Plan.

Plan E2 – Eingeklemmt 2.0

Das Gleiche wie Plan E, nur dass ich mir die Leine um ein Bein schlinge. Jetzt beim Schreiben merke ich erst, dass das von Anfang an keine gute Idee war …

Plan F – Zwei gegen Einen

So, aus. Ich gebe auf und mit einem genervten »SCHAAAAAAAATZ!!!!! Hilf mir mal!« wird der Mann des Hauses mit eingeteilt. Christian, der natürlich der Stärkere von uns beiden ist, muss Aibo festhalten und ihm gleichzeitig Extrawurst ins Maul stopfen, während ich anfange wie wild zu bürsten, sodass die Unterwolle nur so herumfliegt. Juhuu, es schneit, und juhuuu, Aibo lässt sich kämmen. Naja, mehr oder weniger …

Aber das kann doch unmöglich die Endlösung sein, denke ich mir. Also hole ich mir professionellen Rat und besuche mit Aibo einen Hundesalon. »Einmal Unterwolle auskämmen bitte!« Ich habe der Frisörin genau zugeschaut und das Lustige dabei war, dass Aibo die ganze Zeit stillgestanden hat – kein Jammern, kein Hüpfen. Gefallen hat es ihm nicht, aber er ließ die Prozedur brav über sich ergehen.

Wieder daheim, ein paar Tage später: Aibo lässt sich bürsten! Ohne Anbinden, ohne Futter. Wahrscheinlich hat er doch gemerkt, dass es nicht ganz so schlimm ist wie befürchtet … Oder er hat einfach Angst, dass ich ihn wieder zum Frisör schicke, wenn er nicht brav ist – keine Ahnung, das ist mir aber auch egal. Hauptsache, es klappt!

Eine kleine Nachtmusik

von Heinz Penndorf

 Nein, nein, ich schreibe keine Abhandlung über ein Werk Mozarts – bin doch kein Musikologe. Ich schreibe über unsere Akitahündin Tsubaki Hime.

 Was soll dann die Überschrift?

 Bitte um mehr akitanische Geduld. Nehmen Sie sich ein Beispiel an unseren Japanern. Hektik ist denen fremd.

Man behauptet, dass man mit dem Älterwerden weniger Schlaf braucht als ein junger Mensch. Reziprok: Ich werde jeden Tag jünger, denn von Jahr zu Jahr schlafe ich mehr, nicht weniger. So ging ich auch gestern wieder vor der besten aller Ehefrauen zu Bett; wie so oft begleitete mich Tsubaki Hime, unsere Hündin, und legte sich auf den Teppich neben mir.

Nach einem nasskalten Arbeitstag in frischer Luft schlief ich rasch ein. Es dauerte nicht lange, da weckte mich ein seltsames Geräusch. »Quiek«, dann erneut »Quiek, quiek, quiek«. Noch schlaftrunken wunderte ich mich. Was war das? Schon wieder eine rasche Folge Quieks. Jetzt war ich richtig wach und sah im fahlen Mondlicht unsere süße Hime andächtig musizieren. Musste sie sich dazu ausgerechnet die Schlafenszeit aussuchen und ihren Quietschekong?

Selbstvergessen intonierte sie weiter, immer »quiek, quiek, quiek«. Jetzt war sie der Meinung, dass sie diese Sequenz bereits ausreichend beherrschte, und übte nun verschiedene Rhythmen ein. »Quiek, quiek«, Pause, dann »quiek, quiek, quiek, quiek« und so weiter.

Eigentlich wollte ich mir die nächtliche Ruhestörung schon energisch verbitten, aber irgendwie war ich neugierig, was noch folgen würde. Ich täuschte mich nicht. »Quiiiiiiek, quiek, quiiiiiek«. Wow, sie hat nicht nur entdeckt, dass man mit Instrumenten einen Rhythmus vorgeben kann, sondern dass auch die Tonlängen variabel gestaltbar sind. Einige Minuten lang übte sie nun ihre erworbenen Fertigkeiten. Außerdem fand das musikalische Mädchen heraus, dass man das Quietschgeräusch der entweichenden Luft per Zubeißdruck variieren kann, mehr noch, dass mit derselben Technik auch das Quietschen der zurückströmenden Luft veränderbar ist.

So eröffneten sich für sie neue, bisher ungeahnte musikalische Welten und sie erfreute mich und sich selbst noch einige Zeit mit selbst komponierten Melodien. Für eine so prächtige Unterhaltung lässt man sich doch gerne wecken, oder etwa nicht?

Vielleicht sollte ich sie ermutigen, mit Kiyo im Duett zu spielen; der hat nämlich herausgefunden, dass sich durch das Bewegen der Küchentür das melodische Windspiel darüber zum Klingen bringen lässt. Wäre doch hübsch: »Ouiek, kling, quiiiiek, klong«.

Heureka, es wird am besten sein, ich melde die beiden zum Musikunterricht an. Vielleicht spielen sie mir ja tatsächlich einmal Mozarts Kleine Nachtmusik vor.

Jetzt klar, weswegen die Überschrift genau so lauten muss, wie sie lautet?


Tsubaki Hime

Der blaue Teppich

von Brigitte Zehetgruber

Als ich mit meiner Akitahündin Buki von der Stadt in unser Häuschen auf dem Land zog, waren diverse Umbauarbeiten und eine neue Möblierung fällig. Auch die Auswahl eines neuen Teppichs in der Stube gehörte dazu. Da sich dieser Teppich an – für meinen Hund – strategisch wichtiger Stelle befand (genau zwischen Küchentür und Esstisch), war die Qual der Wahl groß: Nehme ich einen hellen Teppich, sehe ich zwar keine weißen Hundehaare, aber dafür diverse Spuren von Leckerlis oder schmutzigen Hundepfoten. Nehme ich einen dunkleren, sehe ich zwar keine Schmutzspuren, dafür aber jedes Hundehaar.

Ich entschied mich für einen wunderschönen dicken dunkelblauen Gabeh, der von Buki sofort nach dem Auflegen in Beschlag genommen wurde. Von dort aus konnte sie mich »unauffällig« bei meinen Tätigkeiten in der Küche beobachten und ganz schnell zur Stelle sein, wenn eventuell etwas zu Boden fiel.

Dann kam der Tag, an dem ich mich von Buki nach fast taggenau zwölf gemeinsamen Jahren verabschieden musste. Völlig verloren stand ich – nachdem sie im Garten ihren letzten Platz gefunden hatte – in der Gegend herum und versuchte krampfhaft, etwas Sinnvolles zu machen. Da kam ich auf den Gedanken, Bukis »Lieblingsteppich« in die Wäscherei zu bringen – er hatte es doch nötig.

Beim Abholen übergab mir die Verkäuferin die Rolle mit den Worten »So, jetzt haben Sie wieder einen sauberen Teppich«. »Ja, « meinte ich, »aber leider keinen Hund mehr. Ein nicht so sauberer Teppich und ein noch lebender Hund wären mir bedeutend lieber.« Wir kamen ins Gespräch, ich erzählte von Buki und der Rasse Akita. Sie berichtete, dass sie im Internet Akita-Welpen gesehen hätte, da sie schon seit einiger Zeit einen kleinen Hund für ihren Sohn suchen würde.

Eigentlich war mir klar, dass ich keinen Welpen haben wollte, da – meiner Meinung nach – ein Welpe in einer Familie aufwachsen sollte, wo immer was los ist und er viel kennenlernen kann. Mir wäre ein etwas älterer Hund aus dem Tierschutz lieber, dem ich mit einem ruhigen Plätzchen, einer gut gefüllten Futterschüssel, vielen Streicheleinheiten und gemütlichen Spaziergängen eine Freude machen könnte.

Ich habe dann am Abend doch die Internetseite gesucht und auch die genannten Welpen gefunden. Aber ein Klick weiter unten blickten mich ein paar braune Augen etwas neugierig, aber auch vorsichtig an. Der Text dazu lautete: »Akita-Mix-Hündin Stella sucht ein Zuhause«. Die angegebene Telefonnummer gehörte zu einem kleinen privaten Tierheim, das in diversen östlichen Nachbarländern immer wieder mit Futter und auch Kastrationsprojekten hilft und »auf der Heimreise« jedes Mal ein paar Hunde aus diesen Ländern mitnimmt und sie hier vermittelt.


Stella

Schon ein paar Tage später war ich auf dem Weg, um Stella kennenzulernen. Bewaffnet mit einer großen Tüte Leckerlis ging ich auf den Hundeauslauf zu – die meisten Hunde standen direkt am Maschendrahtzaun, hüpften in die Höhe und machten einen Höllenlärm. Ich suchte nach Stella und dann sah ich sie: Etwa zwei Meter hinter dem Zaun auf einem kleinen Hügel stand sie ganz ruhig und blickte mich Stella aufmerksam an. Nachdem sämtliche Leckerlis in Windeseile in diversen Hundemägen verschwunden waren und wieder Ruhe einkehrte, erzählte die Betreuerin, dass Stella bereits als Welpe in einer Tötungsstation gelandet und von einem Tierfreund in eine »Auffangstation« gebracht worden wäre. Vor ca. sechs Wochen wäre sie dann mit der Ausreise nach Österreich dran gewesen.

Ich versuchte Kontakt mit Stella aufzunehmen, rief sie leise beim Namen. Sie kam ganz vorsichtig, schnupperte an meiner Hand, ließ sich streicheln, legte mir dann ihr Schnäuzchen aufs Knie und blickte mich seelenvoll an. Somit war klar, Stella würde bei mir einziehen.

Stella war ganz deutlich ein Mischling, ihre Beine und Pfoten sind für einen Akita zu schmal, die Rute liegt nicht auf dem Rücken, sondern zeigt senkrecht nach oben und auch der schwarze Fleck auf der rechten Schulter wurde sicher vom Vater vererbt. Dennoch, sie hat ein wunderschönes, weiches, silberbrindel Fell mit roter Unterwolle, aufmerksame Stehohren und sehr viel Akita-Charakter. Da schon seit geraumer Zeit meine Holzstiege im Haus geschliffen und frisch lackiert werden musste, habe ich Stella nicht gleich mitgenommen.

Die Renovierung habe ich immer wieder mit der Begründung »Das mache ich, wenn Buki einmal nicht mehr ist« hinausgeschoben, da ich ihr weder den Staub, noch den Lärm und den Geruch des Lacks zumuten wollte. Aber jetzt, da Stellas Einzug bevorstand, war es dringend. Als ich das Hundegehege verließ, drehte ich mich noch einmal um. Stella stand wieder auf diesem Erdhügel und blickte mich an, als wollte sie sagen: »Jetzt hast du dich die ganze Zeit mit mir beschäftigt und dann gehst du wieder?«

Eine Woche später glänzte die Stiege wie neu und ich stand mit Geschirr und Leine wieder vor dem Hundegehege. Ich hatte den Eindruck, dass Stella ihre bellenden Mitbewohner nicht ungern verließ. Kaum hatte sie ihr Geschirr an, zog sie mich zum Ausgang und sprang sofort fröhlich zu mir ins Auto.

Daheim angekommen, inspizierte sie das ganze Haus sehr genau. Sie nahm vorsichtig ein Leckerli und suchte sich dann einen Platz, um den Keks genussvoll zu verspeisen. Wo? Auf dem blauen Teppich, den sie seither als ihr Eigentum betrachtet. Er liegt ja auch strategisch günstig.

Wer ist hier der Boss?

von Mo Berlitz

Ein Anruf zwei Tage vor Weihnachten. Im Tierheim von X sitzt ein ausgesetzter Akita-Jungrüde und braucht dringend eine Pflegestelle über die Feiertage. Und weil ich doch am nächsten dran wohne, schon eine Akitahündin und somit Erfahrung habe, da könnte ich doch vielleicht?

Naja, nah dran? … Schlappe 150 km … Und zwei Tage vor Weihnachten hat man ja auch was anderes zu tun! … Und überhaupt will ich keinen zweiten Hund … Und schon gar keinen Rüden!

Andererseits hat man zwei Tage vor Weihnachten für ein gutes Werk ein offenes Herz … Und der arme kleine verlassene Hund? Und es ist ja auch nur über die Feiertage …

Also fahre ich mit Mann und Akitahündin einen Tag vor Weihnachten nach X, und wenn die Akitahündin mit dem Akitarüden kann, dann darf er mit – aber nur über die Feiertage!

Im Tierheim hören wir erst mal die Geschichte des Findelkindes. Ein Polizist ging mit seinem Hund spazieren, sah auf einer weiß verschneiten Wiese einen schwarzen Fleck, der sich bewegte – ein junger Hund – und brachte ihn ins Tierheim. Dort wurde der kleine, verschüchterte Kerl zu einem älteren, souveränen Retrieverrüden ins Gehege gesetzt, damit er nicht allein wäre und Zutrauen fassen könne. Nach einiger Zeit schaute man nach den beiden. Da kauerte der »souveräne« Retriever ängstlich in einer Ecke und vor ihm stand drohend aufgebaut der »verschüchterte Kleine«.

Also wurde der offenbar doch nicht so Verschüchterte in die Futterküche verbannt. Einige Zeit später schaute man wieder nach ihm – da hatte er die Küche umgeräumt.

Daraufhin rief man eine dem Tierheim bekannte Akitabesitzerin an und fragte nach einer Pflegestelle. Die rief mich an. Und so standen wir jetzt vor dem Rabauken und überlegten, ob wir uns den wirklich antun sollten. Aber Alewa fand ihn ganz in Ordnung – also durfte er mit. Aber nur über die Feiertage!


Zuhause angekommen, wusste der Jungspund wie ein Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier sofort, worauf es ankommt: erstens einen geschützten Schlafplatz und zweitens gesicherte Futterversorgung.

Der Schlafplatz war schnell gefunden – 1. Stock vorne rechts im Eckzimmer, die Kudde neben dem Menschenbett, schön weich mit Schaffell gepolstert, das wär’s. Ein Satz, ein paar Mal um die eigene Achse gedreht und – plumps – da lümmelte er.

Und rums – da flog er. Das von ihm ausgewählte Bett gehörte nämlich schon jemandem: Alewa. Und die ist, was ihr Eigentum angeht, sehr eigen und teilt nicht gerne. Also griff sie sich den Frechdachs und warf ihn aus ihrem Bett. Da saß er nun auf dem harten Boden und schüttelte sich – der Versuch war fürs Erste gescheitert.

Aber vielleicht klappte es ja mit dem Futter besser. Also wieder runter ins Erdgeschoss, kurz gewittert und da vorne links neben der Haustür, da roch es so verführerisch, das musste sie sein! Tatsächlich, die Küche. Rein ins Paradies, eine Erkundungsrunde gedreht, Blick in alle Ecken, Nase in alle Schränke, Pfoten auf die Bank, da – der Napf! Nase rein – bloß Wasser! Gibt es hier keinen Napf fürs Futter? Egal, der kommt noch, erst mal die Immobilie sichern. Er stellte sich breitbeinig und besitzergreifend mitten in die Tür und verkündete knurrend: »Ab sofort gehört die Küche mir!«

Aber da hatte er die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Ein roter Blitz, ein Sprung, ein Drachenfauchen, ein entsetzter Schrei, ein Winseln – Alewa hatte ihm mit dem Eckzahn ein Ohr an die Küchentür genagelt.

Seit damals sind hier die Fronten geklärt – Alewa ist die Chefin und Kuma, der Pflegehund »nur über die Feiertage« hat die Rangordnung akzeptiert.

Gefühlte Temperatur

von Anke Schober

Wozu braucht ein Hundebesitzer ein Thermometer?

Als Besitzer von drei wundervollen, aber völlig unterschiedlichen Hunden versucht man aus Liebe ab und an auf jeden Charakter einzugehen. Darum laufen wir unsere Hunderunden häufiger mit jedem einzeln.

Münstedt +2 Grad

Winterjacke, Handschuhe an, Schal rum und Mütze auf – Cooper ist der Erste. Der Husky legt sich ins Geschirr, seine Muskeln arbeiten, wir rennen los. Der Schweiß fließt mir den Rücken runter in die Poritze, auf dem Gesicht bilden sich Perlen, der Kopf ist hochrot unter der schönen warmen Mütze.

Es gibt keine Pause! Immer volle Spannung am Bauchgurt, man keucht, man japst. Die Hände, arbeitslos, hängen pitschnass vom Schweiß in den Handschuhen. Nach 30 Minuten ist die Runde vorbei. Die gefühlte Temperatur beträgt +25 Grad – mit Mütze, Schal und Handschuhen, versteht sich.

An der Tür steht erwartungsvoll Laki, Border-Collie-Labrador-Schnauzermischling, und wedelt.

Münstedt +2 Grad

Das Tempo wechselt zwischen schnellem Gehen und Rumstehen. Also ist es im Winteroutfit auch abwechselnd mal kalt, mal warm. Nach 40 Minuten erreiche ich unser Heim mit einer gefühlten Temperatur zwischen 0 und +10 Grad.

Dort erwartet uns geduldig und gelassen Miko, der freundliche Akita.

Münstedt +2 Grad

Ohne Schal, Handschuhe und Mütze – ist alles verschwitzt – geht es in Runde 3.

Jedes Pinkelplätzchen wird untersucht, ein Schritt vor, ein Schritt zurück. War dieser Grashalm gestern schon so krumm?

Akita schnüffelt, Akita untersucht, Akita denkt nach, Akita setzt sich hin und kratzt sich. Jedes Meterchen dauert eine Ewigkeit. Die Hände werden an der Leine kalt und gefühllos. Die Ohren tun weh und leuchten rot. Ich stehe da und bibbere vor Kälte.

Es war vor einer Stunde ganz sicher nicht soooooo kalt. Der Akita untersucht seine Umgebung in aller Ruhe weiter. Da ich als Besitzer ja Zeit habe, durchkrame ich mit den abgestorbenen, kribbelnden Händen meine Jackentaschen nach Eukalyptusbonbons, Labello und Taschentüchern. Wir schlendern weiter, denn jeder Hund soll ja auch mal seine Zeit für sich alleine haben …

Dank des lieben Akitas fallen mir jetzt bei der dritten Runde manche Dinge auf. Die Rüben wurden vom Feld geholt, die ersten Bäume gefällt und aufgestapelt und ein Hund aus dem Dorf hatte nach dem Genuss von einem Knochen Verstopfung.

Nach 70 Minuten komme ich völlig durchfroren zurück. Die gefühlte Temperatur liegt bei -25 Grad … ohne Mütze, Schal und Handschuhe, versteht sich.

Ratet mal, was der Blick aufs Thermometer sagt?

Münstedt +2 Grad

Nach einem kurzen »In-mich-Gehen« entscheide ich mich, die tatsächliche Temperatur zu ignorieren, und koche mir nach der gefühlten einen Glühwein.

Beim nächsten Mal laufe ich als Letztes mit Cooper, dann setze ich mich sicherlich im Bikini auf die Terrasse und trinke Eistee!

Marotten

von Heinz Penndorf

Marotten sind gelegentlich nervig, Marotten sind manchmal lästig, Marotten sind hie und da liebenswert. – Marotten sind Teil der Persönlichkeit.

Jeden Morgen startet Kiyo als Letzter von acht Akitas zu seinem Rundgang im Garten. Er hat eine Menge zu tun … Sich zu erleichtern, zum Beispiel, aber auch »die Zeitung« zu lesen, das heißt, alle Gerüche auf Neuigkeiten zu überprüfen und natürlich auch bei den Pferden, Eseln, Schafen und Hühnern nach dem Rechten zu sehen. Ist dies alles zu seiner Zufriedenheit erledigt, öffnet er eine der Türen und kommt zurück ins Wohnzimmer, wo sein Frühstück auf ihn wartet. Das ist der Ablauf eines »normalen« Morgens.

Ein Tag in der Woche ist aber nicht normal, es herrscht ein strenger Fastentag. Wozu sollte er es da eilig haben zurückzukehren? Kiyo sieht dazu nicht den geringsten Grund. Er öffnet wie gewohnt die Außentüren, denkt aber gar nicht daran hereinzukommen. Er legt sich lieber vor die Küchentür und wartet. Worauf denn? Na, auf Herrchen, der ist nämlich sein Partner bei seiner Marotte, ohne ihn funktioniert sie nicht. Der weiß das und geht bei geöffneter Tür zur Leckerlibox. Getrockneter Pansen ist da drin und getrockneter Fisch und andere Köstlichkeiten. Kiyo beobachtet scheinbar gelangweilt, ist aber höchst konzentriert, denn Herrchen kommt mit einer Leckerei in der geschlossenen Faust zu ihm und lässt ihn schnüffeln – schließlich muss Kiyo ja wissen, ob es sich lohnt zu kommen oder nicht, denn wegen ein wenig Trockenfutter oder Ähnlichem käme er niemals.

Nachdem er den Pansen gerochen hat, ist er sehr aufmerksam. Herrchen wirft den Belohnungshappen in die Küche auf den Boden … ein genauer Blick von Kiyo … zu klein das Stück … aufstehen lohnt sich nicht. Brav holt Herrchen noch ein Stückchen, diesmal etwas größer, und wirft es zu dem anderen. Gut, das kann ein Akita akzeptieren. Wie der Blitz ist der Rüde in der Küche, frisst die beiden Stücke und legt sich genüsslich zu Herrchen neben den Herd. Er sieht sehr zufrieden mit sich und der Welt aus. Darf er doch auch sein.

Herrchen ist genauso zufrieden, denn manchmal kann auch der Stärkere nachgeben, wenn er dazu noch der Klügere ist. Tja Kiyo, so ist das nun mal.

»Sagen Sie, warum erziehen Sie Ihre Hunde nicht? Meinen gewöhne ich solche Unarten ab!«

»Unarten erziehe ich meinen Hunden doch auch ab.«

»Warum dann nicht auch diese?«

»Weil es keine Unart ist, sondern eine Marotte.«

»Haarspalterei!«

»Nein, eine Unart ist etwas, was uns ärgert oder nervt, eine Marotte bringt uns zum Schmunzeln. Wie manches empfunden wird, hängt wohl von der Großzügigkeit des Beobachters ab. Oder sind Sie da anderer Meinung?«


Kiyo

Ken und sein Sofageheimnis

von Gabriela Richard

Ken ist ein 10-jähriger gestromter Akitarüde. Wir haben ihn selbst gezüchtet und er lebt zusammen mit Jojo, einer roten 8-jährigen Akitahündin bei uns im Haus. Ken und Jojo sind, wie die meisten Akitas, am liebsten in unserer Nähe, daher wandern sie unermüdlich von Raum zu Raum, wenn wir diesen wechseln.

Arbeite ich im Büro, liegt Jojo unter einem kleinen Tisch auf ihrer Decke und Ken entweder unter meinem Schreibtisch oder vor dem Büroschrank.

Sind wir in der Küche, liegen die beiden mitten im Raum, dort wo man am häufigsten über sie herübersteigen muss.

Anders ist es im Wohnzimmer. Nachdem Ken eines Nachts festgestellt hat, dass er auf dem Sofa viel bequemer liegt als auf einer Decke oder dem Teppich, versucht er diesen Ort möglichst frühzeitig am Abend zu erobern.

Während es sich Jojo schnell auf ihrer Decke bequem macht, wenn ich abends den Fernseher anschalte und es den Hunden klar wird, dass ich den restlichen Abend vor dem Fernseher verbringe, legt sich Ken auf den Teppich vor dem Sofa. Er weiß, dass er nicht auf das Sofa darf, aber auch nach zehn Jahren gibt er die Hoffnung nicht auf, dass ich eines Tages doch noch meine Meinung ändere.

In für ihn angemessenen Abständen – so etwa alle 30 Minuten – steht er auf, streckt sich und verlangt eine Streicheleinheit. Während er gestreichelt wird, stellt er immer wieder probeweise eine Vorderpfote auf das Sofa. Es könnte ja sein, dass ich doch weich werde und er sich zu mir auf das Sofa legen darf.

Wie immer sage ich »Nein«, er nimmt die Pfote mit resigniertem Blick vom Sofa und rollt sich wieder auf dem Teppich ein. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach an unseren Fernsehabenden.

Wenn ich dann den Fernseher ausschalte und mich auf den Weg nach oben mache, rollt sich Jojo wieder auf ihrer Decke zusammen und Ken folgt mir pflichtschuldig zur Treppe. Hat er sich jedoch davon überzeugt, dass ich tatsächlich nach oben ins Bett gegangen bin, kehrt er ins Wohnzimmer zurück und erobert sein Sofa.


Ken erobert das Sofa

Woher weiß ich das? Weil ich ihm schon einige Male hinterhergeschlichen bin und ihn schnell wieder vom Sofa gescheucht habe. Ohne großes Aufheben springt er dann herunter und legt sich auf den Teppich, um mit Sicherheit das Sofa wieder zu besteigen, wenn ich schlafen gegangen bin.

Doppelseitiges Klebeband hilft, solange es dort angebracht ist. Sobald es entfernt wird, schläft Ken wieder auf seinem Lieblingsplatz. Kisten, Kartons oder andere große Gegenstände werden vorsichtig zur Seite geschoben, damit man doch noch ein Plätzchen findet, und Kissen dienen nur als zusätzlicher Luxus für den Kopf.

Wenn ich morgens nach unten komme, begrüßen mich beide Hunde freundlich an der Treppe. Nur ein versehentlich auf den Boden gefallenes Kissen zeugt gelegentlich von Kens nächtlichem Sofaerlebnis.

Mittlerweile haben wir einen Kompromiss gefunden. Das Sofa gehört mir, wenn ich abends fernsehe. Sobald ich jedoch nach oben ins Bett gehe, darf Ken sein kleines »Geheimnis« hüten.

Ein Akitaleben

Zur Erinnerung an meine alte Choice (11. 07. 1999 - 13. 05. 2014)

von Christiane Lorra

An einem heißen Julitag erblickte Choice als Erste von vier Welpen das Licht der Welt. Es war der dritte und letzte Wurf meiner Hündin Toya. Vater Yozan, ein lmportrüde aus Japan, wohnte in Holland.

Choice hatte zwei Schwestern und einen Bruder. Für mich stand fest, ein Mädchen bleibt bei uns. Ich höre noch die Worte des Vorsitzenden des Akita Clubs, ob diese Entscheidung wohl züchterisch richtig sei. Er sollte recht behalten, wie sich später herausstellte;-).

Ich ließ mein Herz sprechen und schaltete den Verstand aus.

Choice blieb und entwickelte sich, wie auch die Geschwister, so gar nicht in Richtung väterliches Aussehen. Die Hauptzuchtwartin des Akita Clubs »drohte« scherzhaft schon mit einem Gentest. Trotzdem setzte ich meine Hoffnung für die Zucht in Choice.

Während der ersten Hitze war sie gegenüber fremden Rüden äußerst ablehnend. Sogar ihr geliebter Halbbruder Benkei musste Abstand halten. Bei den nächsten Läufigkeiten wird alles anders, so dachte ich. Ihre Mutter schmachtete schließlich jedem Rüden hinterher, wenn sie läufig war.

Bei Choice hingen die erzieherischen Zügel sehr locker – mein Fehler – und sie nutzte dies gnadenlos aus. Nicht nur die Jagd war ihre Leidenschaft, sondern auch das Einparfümieren mit uns äußerst unangenehmen Düften.

Auf einer Wanderung mit Mann und Hunden folgte Choice auf einem Feld einem Güllewagen in Aktion. Von oben ließ sie sich so richtig einsprühen, mein Brüllen ignorierte sie. Als wir später in der Nähe eines Baches kamen, bat ich, mehr im Spaß, meinen Mann, den Hund doch dort zu baden. Er hat es tatsächlich gemacht. Nur mit Unterhose bekleidet, tauchte er Choice in die Fluten. Welch ein Held!

Choice war ein dreiviertel Jahr alt, als wir Lubmin besuchten. Sie, Benkei und Mama Toya begleiteten mich. Bei einem Ausflug auf die Insel Usedom jagte Choice vom Strand ein Kaninchen in den Wald und verschwand dort. Zwei Stunden lang suchten wir nach ihr. Sie blieb verschwunden. Es wurde dunkel und ich immer verzweifelter, wollte ich doch ohne Choice die Insel nicht verlassen. Plötzlich sah ich ein älteres Paar am Strand und neben ihnen einen Hund, der sich genüsslich streicheln ließ: Choice!


Choice

Sie ließ mich ihre Erziehungsdefizite öfters spüren. Also beschloss ich, wie bereits mit Toya und Benkei, die Begleithundeprüfung zu machen. So war ich gezwungen, mit ihr zu arbeiten; ein ehrgeiziges Unternehmen, wie sich schnell herausstellte: Choice hatte keinen Bock auf die Übungen.

Dennoch meldete ich uns beide zur Prüfung an. Unter den strengen Augen des VDH-Prüfers absolvierten wir den Part mit Leine ganz gut.

Der Teil ohne Leine begann mit einem Fiasko. Choice sah nur noch den Ausgang des Platzes und weg war sie. Mir standen die Schweißperlen auf der Stirn. DAS war es jetzt, dachte ich. Der Prüfer, äußerst tolerant, gab uns noch eine Chance: Ich durfte den Hund zurückholen, ihn dabei aber nicht anfassen. Nie wieder habe ich soooo viel Motivation bei einem Hund eingesetzt wie an diesem Tag. Wir haben bestanden!

Nach der Zuchtzulassung sollte Choice von einem auserwählten Rüden gedeckt werden. Wir machten uns auf die Hochzeitsreise. Voller Vorfreude erreichten wir das Ziel. Und dann – peinlicher konnte es für mich kaum sein: Choice entwickelte sich zur Furie, sie hätte den Rüden am liebsten gekillt! Total gefrustet fuhren wir nach Hause. Dieses Verhalten zeigte Choice bei verschiedenen Rüden jedes Mal. Ich hatte den Eindruck, Hitzen sind ihr ein Gräuel. Im Alter von fünf Jahren ließ ich sie kastrieren. Es war die richtige Entscheidung.

Choice war nie krank und bis ins hohe Alter hat sie die Begeisterung fürs Jagen nicht verloren.

Choice wollte leben, fühlte sich im Rudel wohl, fraß gut, konnte aber zuletzt nur noch schwerlich laufen und stehen. Ich sah keinen anderen Ausweg, als sie über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen, was mir bei ihr besonders schwer fiel.

Sie wird, wie alle unsere Hunde, immer einen Platz in unseren Herzen haben!

Welpe und Junghund


Hängeöhrchen

kuscheliges Fell

unschuldiger, treuer Blick

frisst Schuhe, Teppich, Möbel

Satansbraten

Frühstücksrunde mit Kollegen

von Anke Schober

Ich bin stolze Welpenbesitzerin einer vier Monate alten Akitahündin! Ich liebe meinen kleinen Welpen! Und ich habe sehr nette Kollegen! Die fragen auch oft nach meinem Welpen … Ich habe keine Ahnung, was heute passiert ist, vielleicht hatte ich einfach nur einen langen Dienst auf dem Buckel. Aber ich glaube, die Ausrede gilt nicht.

Morgendliche Hauptarbeit geschafft, alle Bewohner gewaschen, wir sitzen am Frühstückstisch. »Anke, wie geht es deiner Kleinen?« Als stolze Welpenbesitzerin, die ihren Welpen ja so liebt, sprudelt es nur so.

»Wir haben gestern vier Stunden ausgehalten und keinen Bach in die Küche gemacht! Und wir haben den vierten Zahn verloren! Aber wir fressen immer noch laufend Steine oder kauen Walnussschalen!«

Ich plapperte und plapperte und plapperte, ohne Luft zu holen, und als ich fertig war, herrschte kurze Zeit völlige Stille. Eine Kollegin fragte dann sehr freundlich: »Wie ist es denn, wenn man mit fast 48 Jahren die ersten Milchzähne verliert?« Ohrenbetäubendes Gelächter! Alles brüllte, krümmte sich auf seinen Stühlen und wischte Tränen aus dem Gesicht! Ich war etwas geschockt und überlegte, ob meine Kollegen kurzfristig alle wahnsinnig geworden sind. Nach Sabines erster Frage überholten sich dann alle gegenseitig!

»Anke, das ist toll, dass ihr immer alle Mahlzeiten auffresst und danach noch um Coopers Napf drei Quadratmeter den Fußboden sauberleckt! Was sagt deine Waage denn dazu?«

»Anke, gab es von deinem Mann jemals Einwände, dass ihr einen Bach in die Küche macht? Wischt er das dann alles weg?«

»Anke, warum habt ihr Cooper denn in die Eier gezwickt?«

Kommen Menschen erst mal in Stimmung … Die halbe Stunde Frühstückspause war ein einzig kreischender, brüllender Weiberhaufen. Und mittendrin saß ich als stolze, liebende Welpenbesitzerin. Der krönende Abschluss war die Aussage: »Ihr habt es alle gehört! Anke hat gesagt, wir werden jetzt erwachsen!«

Ich habe jetzt fünf Tage frei und werde an meiner Formulierung arbeiten, denn so was passiert mir nicht noch einmal. Und für jeden, den es interessiert: Miharu war gestern vier Stunden dicht! Miharu hat schon vier Zähne verloren! Miharu frisst alles auf! Miharu hat Cooper in die Eier gezwickt! Miharu wird erwachsen!


Cooper mit Miharu

Gesellschaft für Brindel – das Doppelpack zieht ein

von Margareta Proksch

Im Sommer 2010 reifte in uns der Entschluss, unserem Rüden Brindel eine Gefährtin zuzugesellen. Schnell hatten wir Züchter gefunden, die Akita-Welpen abzugeben hatten. Dass wir dann zwei Mädels nahmen statt nur einem, ist sicher ungewöhnlich und auch mit viel Arbeit verbunden, aber unsere Tochter hatte den Sommer über Zeit und wollte uns bei der Eingewöhnung und Erziehung der Kleinen helfen.

Wir planten alles sehr sorgfältig. Der Einzug der beiden neun Wochen alten Akita-Schwestern Hime und Pippa und die erste Begegnung mit dem Jungrüden Brindel (1,5 Jahre) sollten in Ruhe, harmonisch und stressfrei für alle Beteiligten, Hunde sowie Menschen, verlaufen. Das Kennenlernen sollte auf neutralem Boden, sprich auf der Straße vor unserem Haus stattfinden.

Eine unserer Töchter und ihr Freund hatten sich bereit erklärt, einen langen, abwechslungsreichen Spaziergang mit Brindel zu machen, um ihn auszupowern. Die übrigen Familienmitglieder wollten sich das Abholen der kleinen Akita-Mädels bei den Züchtern nicht entgehen lassen und kamen mit.

Über Handy-Kommunikation klappte die Absprache perfekt; wir parkten in dem Moment vor unserem Haus, in dem Tochter und Freund mit Brindel die Straße entlang auf uns zukamen.

Und in dem Moment scheiterte unser schöner Plan.

Ein junger Akitarüde ist mit einem zweistündigen, abwechslungsreichen Spaziergang keineswegs auszupowern! Unser Brindel jedenfalls kam energiegeladen in großen Sprüngen und laut bellend auf uns zugedonnert, um die fremden Wesen vor seinem Grundstück zu inspizieren. Vor allem Hime, die weiße, war ihm unheimlich.

Wie der Blitz hatten sich die beiden Mädels aus ihren Halsbändern gewunden und waren unter dem Auto verschwunden. Pippa, die kleinere, mutigere der beiden, steckte aus ihrem sicheren Versteck den Kopf hervor und keifte und gilferte Brindel an.

Wir schafften den Rüden ins Haus. Nun war guter Rat teuer.

Das Wichtigste war erst einmal, die Mädels unter dem Auto hervorzuholen. Einer aus der Familie meinte, es würde zur Deeskalation beitragen, sich auf den Boden zu setzen.

Also verteilte sich die gesamte Familie um das Auto, setzte sich auf die Straße und versuchte die verschüchterten Welpen durch Leckerlis und liebe Worte hervorzulocken. Und natürlich kamen in diesem Moment auch alle Nachbarn vom Wochenendeinkauf zurück und wunderten sich über unser Sit-in. Als Erste traute sich Pippa hervor, Hime brauchte länger, um sich zu beruhigen, fasste sich dann aber auch ein Herz und folgte ihrer Schwester.

Im eingezäunten Garten fand die zweite Begegnung zwischen Brindel und den beiden Kleinen statt; wie beim ersten Mal reagierte er sehr argwöhnisch auf die weiße Hime, während er mit der brindelfarbenen Pippa schon vorsichtig Kontakt aufnahm. Die ließ sich aber auch nichts von ihm gefallen und gab ihm immer kräftig Kontra.

Was sich damals schon in den ersten Sekunden ihrer Begegnung bei den drei Hunden an Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen abzeichnete, hat sich bis heute, 4 Jahre später, nicht geändert, nur noch klarer und deutlicher entwickelt.

Die kleine, zierliche, temperamentvolle Pippa ist die Chefin des Rudels, um die sich alles dreht. Mit dem immer noch tapsigen Rüden Brindel verbindet sie eine tiefe Rauf- und Bolzgemeinschaft; sie sind sich einig im Unfug- und Blödsinnmachen. Ihrer Schwester Hime ist sie nach wie vor sehr zugetan, sie liebt sie heiß und innig und zeigt ihr das durch zärtliches Schlecken von Augen und Ohren, auch wenn Hime das nicht immer schätzt. Hime dagegen nimmt sich eher zurück, ist reserviert und wartet ab. Einer guten Rauferei mit Pippa und Brindel ist sie aber auch nicht abgeneigt. Und wenn Pippa ihren Chefsessel nach ihrer Läufigkeit räumt, weil sie ein paar Wochen den Blues hat und ihre Tage unter dem Bett verbringt, rückt Hime auf den verwaisten Posten nach, fängt Spiele an und gibt im Rudel die Marschrichtung vor; so lange, bis Pippa ihre gewohnte Laune wiedergefunden hat.

Dann zieht Hime sich wieder ins zweite Glied zurück, wahrscheinlich innerlich froh, ihre Führungsrolle abgeben zu können.


Pippa und Hime

Runter geht’s

von Beate Pürner


Anfang Februar 2008 zieht Oskar bei uns ein, 10 Wochen alt, ungewisser Abstammung mit viel Husky und Malamute und ein bisschen Akita drin. Unser Glück ist groß.

Rasch erobert Oskar seinen neuen Lebensraum und wir räumen: Schuhe in den Schuhschrank, Zeitungen auf den Schrank, den Wäschekorb auf den Tisch. Es gilt, die Wohnung welpensicher zu machen. Zwei Schutzgitter werden gekauft. Treppensteigen ist bei Welpen nicht angesagt, um die Gelenke zu schonen. Vorerst klemmen wir das eine Gitter im 1. Stock am oberen Ende unserer Treppe zwischen die Seitenwände.

Phase 1:

Hund wird getragen

Tagsüber tragen wir Oskar über die fünf Treppenstufen, die zum Hauseingang führen. Abends tragen wir Oskar die Treppe hinauf in den Schlafbereich. Oben angekommen, beugen wir uns über das Treppengitter und setzen ihn an der Flurseite ab. Dann heben wir erst das eine Bein über das Gitter und dann das andere – mit viel Schwung und mit sportlichem Einsatz.

Das Türgitter entpuppt sich als nicht so geeignet: Einklemmen zwischen Wand und Treppenharfe geht nur mit viel Krafteinsatz, Entklemmen nur mit einem kräftigen Ruck und darunter leidet die Tapete. Also bleibt das Gitter immer »drin«.

Morgens ist die Trageprozedur schwierig. Da muss ich mit geschwungenem Bein eine Treppenstufe tiefer landen: ein gefahrenvolles Unterfangen. Also stütze ich mich mit der einen Hand an der Seitenwand oder dem Treppengeländer ab, in der anderen halte ich unseren Oskar. Nach einigen Tagen gefällt Oskar dieser Vorgang nicht mehr: Er windet sich nach Welpenart und möchte sich befreien. Gott sei Dank ist er noch so klein, dass ein fester Handgriff genügt, um ihn sicher zu halten.

Phase 2:

Hund wird immer noch getragen

Welpen großer Rassen wachsen sehr schnell. Mit drei Monaten wiegt Oskar 17 kg bei einer Schulterhöhe von etwa 44 cm. Mühelos windet er sich aus der Hand. Wir ändern das Verfahren fürs Runtergehen: Ich stehe auf der einen Seite des Treppengitters, mein Mann auf der anderen und Oskar wird mit beiden Händen über das Treppengitter gereicht. Schwierig wird es, wenn ich allein mit Oskar bin. Ich klettere abwärts über das Gitter. Oskar sitzt derweil auf der Flurseite und wartet. Dann beuge ich mich über das Gitter, hebe Oskar herüber und trage ihn nach unten. Das klappt. Zumindest einige Tage lang, bis Oskar ein neues Spiel entdeckt: Man muss ja gar nicht vorm Gitter sitzen bleiben. Während ich meine Beine über das Gitter schwinge, setzt er sich außerhalb meiner Reichweite hin. Gut Zureden und Leckerchen locken ihn nur für kurze Zeit zum Gitter.

Jetzt sind Geduld und gute Nerven angesagt. Ich gehe alleine die Treppe hinab. Irgendwann möchte Oskar auch runter und fiepst. Wenn sein Wunsch, nach unten zu kommen, größer ist als sein Spieltrieb, kann ihn ganz schnell über das Gitter heben, aber es gibt auch andere Tage …

Phase 3:

Hund »treppelt« ein bisschen, wird meist noch getragen

Unten an der Treppe haben wir das zweite Gitter noch nicht befestigt: Unser kluger Oskar weiß wohl, dass er nicht alleine nach oben gehen soll. Die fünf Stufen zum Hauseingang läuft er jetzt selbst rauf und runter. Mühelos.

Phase 4:

Hund darf jetzt »treppeln«, will aber nicht

Oskar wächst weiter. Inzwischen wiegt er 20 kg. Unter der Woche bin ich allein mit Oskar zuhause. Das Hoch- und Runtertragen und das Drüberheben werden beschwerlich. Also entscheidet der Familienrat: Das Gitter oben kommt weg. Ich freue mich über den hindernislosen Weg.

Oskar freut sich nicht. Es stellt sich heraus, dass er sich nicht auf die Treppe traut, weder von oben nach unten noch von unten nach oben. Woran das wohl liegt? Durch unsere Treppe kann man hindurchgucken (wie in den meisten Reihenhäusern). Wir vermuten, dass Oskar der Blick »in die Tiefe« unheimlich ist.

Phase 5:

Wir experimentieren

Wir locken ihn mit Leckerchen. Fehlanzeige. Leckerchen holt er sich nur von der 1. und 2. Stufe, seine Hinterläufe verweilen auf dem normalen Fußboden. Er streckt sich ideenreich, um an das Leckerchen auf der 3. Stufe zu gelangen, aber er bewegt seine Hinterläufe keinen Millimeter vom Fußboden weg.

Also befrage ich unsere Mailingliste akita-de-l. Ich erfahre, dass es auch andere Hunde gibt, die Treppen nicht gerne benutzen. Die vielen Tipps beherzigen wir:

– mit Geschirr und Leine über die Treppe führen,

– in die Mitte der Treppe tragen und dort allein lassen,

– ganze tolle Leckerchen in der Mitte der Treppe platzieren,

– einen treppenerfahrenen Hund vorgehen lassen,

– Decken über die Treppe legen, die offenen Zwischenräume mit Pappe abdichten.

Nach einer Weile läuft Oskar zumindest von oben nach unten. Aber nichts fruchtet, damit Oskar von unten nach oben klettert.

Phase 6:

Hund »treppelt« rauf und runter in neuer Umgebung

Im Sommerurlaub verblüfft uns Oskar. Nach zwei Tagen läuft er im Ferienhaus die Treppe freiwillig in beide Richtungen. Warum? Unsere Vermutung: Die Treppe ist nicht offen zwischen den Stufen und die ersten drei Stufen am Fuß der Treppe führen geradeaus, erst dann kommt der Bogen.

Phase 7:

Hund »treppelt« in alter Umgebung nur runter

Zurück zuhause, das alte Spiel: Runter geht’s, rauf nicht. Abends legen wir Oskar sein Geschirr an und ziehen ihn die Treppe hoch. Nach einigen Tagen brauchen wir ihn nur noch die ersten drei Stufen zu ziehen, dann läuft er die restlichen entspannt hoch. Noch ein paar Tage und wir brauchen das Geschirr nicht mehr, sondern ein locker um seinen Hals gelegtes Halsband reicht, um ihn über die drei Stufen hinwegzuführen.

Dafür ist es jetzt nicht so einfach, Oskar abends einzufangen. Aber auch das bekommen wir in Griff. Wir? Bei meinem Mann macht Oskar nach ein oder zwei Wochen keine Einfangspirenzchen mehr. Bei mir leider doch.

Stand Oktober/​Anfang November: Oskar lässt sich inzwischen von mir mit Leckerchen einfangen und geht dann mit lockerem Halsband die Treppe entspannt hoch. Ohne Halsband geht’s bei mir nicht.

Ende November wird Oskar ein Jahr alt. Jetzt brauche ich keine Leckerchen mehr, nur noch das Halsband. Am 1. Dezember kann ich abends das Halsband nicht finden. Während ich noch suche, steht Oskar vor der Treppe, guckt mich an – geht es jetzt nicht bald nach oben? – und folgt mir anstandslos die Stufen hoch. Auch am 2. Dezember klappt’s. Wir haben’s geschafft. Kann es ein schöneres Adventsgeschenk geben;-)?

Unser Puyockl

von Heinz Penndorf

Hurrah, hurrah, der Kobold mit dem roten Haar.

Hurrah, hurrah, der Pumuckl ist da!

Meine Kinder und Enkel liebten diese Fernsehserie mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder und Hans Clarin als Pumuckls Stimme. Ja, ich gestehe, ich sah sie mir auch gerne an – das Kind im Manne. Die Streiche des rothaarigen Frechdachses waren einfach zu drollig, als dass sie nicht auch Erwachsene in ihren Bann geschlagen hätten … Solange man nicht selbst das Opfer derselben wurde, dann sind sie gar nicht mehr lustig. Aber ich will nicht vorgreifen.

Auch wir haben seit fünf Monaten einen rothaarigen Kobold zu Hause. Nur, im Gegensatz zum »echten« Pumuckl kann sich unserer nicht unsichtbar machen, zum Glück, und er hat vier Beine, statt nur zwei. Eigentlich haben wir den Kobold Daiyoko benannt, aber Puyockl wäre treffender gewesen.


Puyockl alias Daiyoko

Puyockl alias Daiyoko ist einer der neun Akitas, die bei uns aufwuchsen oder -wachsen. Vier davon wurden auch im Hause geboren. Alle diese Welpen waren einfallsreiche Blödsinnmacher, aber Daiyoko übertrifft sogar noch ihre Mutter Daiunme. Der »Kobold mit dem roten Haar« war im Vergleich zu ihr ein ganz braver Bub. Bezüglich der Haarfarbe beziehungsweise Fellfarbe und ihres Repertoires an dummen Einfällen sind sie aber Geschwister im Geiste.

Am liebsten treibt sie Schabernack, Leute ärgern, nicht zu knapp.

Von den fünf Paar Schlappen, die ich im Frühjahr erstand, zernagte sie fünf Schuhe … Das war eingeplant, deswegen habe ich ja mehrere gleiche Paare gekauft. Was aber macht man, wenn nur fünf rechte Sandalen übrig bleiben? Warum zerstört sie nur die linken? Politische Vorurteile oder einfach das feinere Aroma? Wer weiß das schon? Wie viele Gartenhandschuhe hat sie durchlöchert, wie viele Gummischuhe perforiert, wie viele Schuhe im Garten versteckt, wie viele Illustrierten zerfetzt? Wir haben aufgehört zu zählen.

Zurzeit durchlebt Puyockl ihren Zahnwechsel. Unsere »Beißerchen«, wie Kong oder Knochen usw., nimmt sie schon auch, aber viel besser gefallen dem Akitamädchen doch die selbst eroberten Dinge. Nichts ist vor ihr sicher, weder der Brotkorb, noch Zeitungen, noch Kissen und Teppiche. Wird sie erwischt, apportiert sie sofort ihre Beute – na ja, den Teppich nicht gerade –, setzt sich vor uns ab und blickt uns erwartungsvoll an. »Hab ich doch brav gebracht. Nicht wahr, Herrchen?« Soll man jetzt schimpfen? Sie würde den eigentlichen Grund doch gar nicht verstehen und ich Weichei schaffe es einfach nicht, dem Hundchen mit dem schmelzenden Blick so richtig böse zu sein. Sie macht, was sie will, und ich bin hilflos. Ja ja, beste aller Ehefrauen, ich torpediere Deine konsequente Erziehung, aber was soll ich denn tun? Die kleine Charmeuse wickelt mich doch um den kleinen Finger – äh, Zeh. »Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir!2«

Puyockl neckt, Puyockl versteckt …

Vor einigen Tagen jedoch schoss Yoko den Vogel ab. Wie jeden Vormittag will ich kurz die Nachrichten im Teletext lesen. Doch … Die Fernbedienung des Receivers ist weg; ich suche das ganze Haus ab, die beste aller Ehefrauen und die liebste aller Töchter helfen mit, natürlich nicht ohne nette Bemerkungen über den alten Schussel, der alles verlegt. Ich ärgere mich zwar, suche aber ruhig weiter, denn wenn ich mich jetzt über die Anschuldigungen beschwere, gibt es eine unfruchtbare Diskussion und die Damen hören auf zu suchen. Das wäre unproduktiv. Die männliche Logik sagt mir: Klappe halten! Die Fernbedienung bleibt indes verschwunden, ich hätte mich also ruhig beklagen dürfen.

Am nächsten Tag arbeite ich in der Scheune, vergesse, die Türe zu schließen. Klar besuchen mich meine anhänglichen Akitas, holen sich ihre Knuddeleinheiten ab und versäumen es nicht, beim Hinausgehen einiges »Spielzeug« mitzunehmen. »Nein! Gib!« Prompt apportieren die Hunde ihre Beute: einen Pferdestriegel, einen Gartenhandschuh und – das darf doch nicht wahr sein – Puyockl bringt mir meine Fernbedienung, schon ziemlich angeknabbert und nass vom Sabber. Funktioniert sie noch? Nein, sie funktioniert nicht mehr, aber ich bin wenigstens rehabilitiert. Ich ein Schussel, Blödsinn. Ich doch nicht!

Hurrah, hurrah, der Puyockl ist da.

Wer hat Angst vorm grauen Wolf?

von Margareta Proksch

Als die beiden Akita-Mädels Hime und Pippa noch klein waren, hatten sie ein beliebtes Spiel mit Brindel, unserem Rüden. Sie provozierten ihn, tatzten ihn an, und wenn er brummend und polternd auf sie zusprang, verschwanden sie wie der Blitz unter der Bank im Flur, vor entzücktem Gruseln laut quiekend. Aus ihrem sicheren Versteck heraus blafften sie ihn triumphierend an: »Ätsch, du kriegst uns nicht!«, bis er das Interesse an ihnen verlor und sich trollte.

Später wurde es immer schwieriger für die Mädels, schnell genug unter der Bank zu verschwinden, besonders unser dickes Himchen hatte Probleme; bei ihr passten nur noch Kopf und Schultern, der dicke Popo mit Schwänzchen und die Beine ragten nach draußen.

Und irgendwann war es ganz vorbei mit dem spielerischen Angstgruseln.

Mit den realen Ängsten hatten wir länger zu tun; jeder kennt die Furcht junger Hunde vor fremden Dingen, schwarzen Mülltonnen, Ackergeräten auf dem Feld, Pferden und Kühen auf der Weide, Menschen mit Schirm … Wir haben sie alle mit Geduld und Zeit abgearbeitet.

Bei unserem Tierarzt stand lange Zeit eine lebensgroße, schwarze Kuh am Praxiseingang, eigentlich geschäftsschädigend, denn vielen Hunden war dieses Ungetüm suspekt. Auch Brindel, mit dem wir wegen eines Kreuzbandrisses mehrere Wochen lang häufig in die Praxis mussten, hatte furchtbare Angst: Wir haben ihn manchmal zu zweit hineingetragen.

Schwieriger war es, wenn wir die Ursache der Angst nicht sehen oder hören konnten, da ist der Mensch mit seinen Sinnesorganen im Vergleich zum Hund ärmlich ausgestattet.

Hime zum Beispiel hatte immer wieder mal, auch heute noch mit vier Jahren, Angst davor, an einer bestimmten Weggabelung vorbeizugehen. Sie machte sich dann ganz lang und klein, senkte Schwanz und Ohren und ließ sich nur mit viel gutem Zureden zum Weitergehen veranlassen. Auch dass Brindel und Pippa vor ihr den Weg weiterliefen, nahm ihr nicht die Angst.

Ich fühlte mich als Versager, da ich ja als »Rudelführer« eigentlich ihr Vertrauen besitzen sollte.

Es dauerte lange, bis wir entdeckten, dass das Straßenschild »Durchfahrt verboten«, eine weiße Scheibe mit rotem Rand, ihre Angst auslöste. Je nach Lichteinfall wurde die Scheibe gut ausgeleuchtet und sah aus großer Höhe wie ein drohendes Gesicht auf sie herab. Da alle unsere Spaziergänge an diesem Schild vorbeiführten, konnten wir die Angst auch nicht ignorieren.

Wir machten uns sogar zum Affen und klopften das Schild mit aufmunternden Zurufen ab, um ihr dessen Harmlosigkeit zu demonstrieren. Viel Zureden, Geduld und Leckerlis brachten schließlich den gewünschten Erfolg.

Ein wesentlich schwierigeres Problem hatten wir auch mehrere Jahre mit Pippa, die ansonsten immer vorneweg und unbekümmert ihrer Wege lief.

Eines Tages weigerte sie sich, abends an einem Feld hinter unserem Haus vorbeizugehen, in dem sie am Morgen noch herumgestöbert hatte. Es hatte sich nichts geändert, keine Strohballen, kein Ackergerät, alles war so wie am Morgen. Aber Pippa wollte noch nicht einmal in die Nähe des Felds kommen. Sie stemmte die Beine in den Boden, krallte sich fest, zog nach hinten, wollte nach Hause.

Und wir Menschen sahen und hörten nichts und hatten mal wieder keine Ahnung.

Auch zu Hause zeigte Pippa Zeichen von Aufregung und Angst; mit hoch erhobenem Kopf lief sie durch den Garten, schnupperte immer in die Luft und auch Hime ließ sich von der Unruhe anstecken.

Wir standen vor einem Rätsel.

Nach einigen Tagen legte sich Pippas Angst, bis sie einige Zeit später urplötzlich wieder aufbrach; gleiches Verhalten, gleiche Panik vor dem Feld.

Zum wiederholten Mal scannten wir den Acker und die weitere Umgebung sorgfältigst ab, irgendwo musste die Lösung des Rätsels liegen, wir sahen sie nur nicht.

Alles war so wie immer, nur auf dem Boden waren Treckerspuren zu sehen, der Bauer war wohl zum Spritzen durchs Feld gefahren.

Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Der Geruch des Spritzmittels – das musste es gewesen sein.

Wir Menschen mit unserem kümmerlich entwickelten Geruchssinn waren nicht einmal auf die Idee gekommen, dass man nicht nur Angst haben kann vor Dingen, die man sehen, hören oder fühlen, sondern auch riechen kann.


Hime und Pippa

Das Familientreffen

von Gabriele Penndorf

Die Welpen wachsen und gedeihen; klar, dass sie da stets hungrig sind. Daiunme sollte allmählich abstillen, 20 kg Welpen laugen sie sonst zu sehr aus. Die junge Mama schläft deshalb in unserem Schlafzimmer, die Welpen im gleich daneben liegenden Kinderzimmer – pardon, Welpenzimmer. So hat sie in der Nacht ihre Ruhe. Wir wollen aber hören, ob bei den Welpen alles in Ordnung ist, also bleiben die Türen nur angelehnt. Die Hündin schläft extrem unruhig, steht immer wieder auf, winselt, hechelt und läuft herum, besucht mal mich, dann leckt sie meinem Mann die Hände ab. An eine erholsame Nachtruhe ist nicht zu denken. Doch endlich schlafen auch die Menschen ein.

Daiunme trappelt schon wieder herum – klingen irgendwie komisch, ihre Schritte; neben mir ertönt das »beruhigende« Schnarchen meines Mannes. Ich mache Licht und schaue …

Das darf doch nicht wahr sein! Daiunme hat beide Türen geöffnet und ihre Kinder zu uns geholt. Jetzt, da sie ihre Familie beisammen hat, rollt sie sich endlich zufrieden auf ihrem Schlaffell ein. Die Kleinen sind begeistert, ein tolles Abenteuer, so viele Verstecke, unter dem Bett, hinter dem Sessel, unter Herrchens Klamotten – nie räumt er sie freiwillig auf – und mein Göttergatte schläft trotz Licht und Lärm einfach weiter.

Ich spiele um drei Uhr nachts Welpenfängerin, was gar nicht so einfach ist. Schaut einer der Kleinen links unter dem Bett hervor und ich will ihn hochnehmen, saust er auf die andere Seite. Kaum habe ich einen wieder ins Welpenzimmer gebracht und hole den nächsten Frechdachs, wieselt der Erste schon wieder.

Jetzt reicht es aber! »Ihr kleinen Schlingel geht jetzt wieder in die Wurfkiste! Selber schuld!« Endlich kann ich mich wieder hinlegen und noch etwas schlafen, soweit das möglich ist, wenn neben einem »Flugzeugmotoren warmlaufen«.

Am nächsten Morgen bin ich unausgeschlafen und erzähle den Vorfall meinem Mann. Er sieht mich ganz ungläubig an und meint schließlich breit grinsend: »Warum hast du mich denn nicht geweckt? Ich hätte so gerne gesehen, wie du den Welpen hinterherwieselst!« Männer!


Wie akita Herrchen konditioniert

von Heinz Penndorf

Ich, Kumagai no Kiyoshi, habe große Mühe, die Tastatur des Schreibkastens zu bedienen – meine Pfoten sind einfach zu groß, sodass ich immer auf eine Menge dieser komischen Zeichen zugleich tappe –, aber mein persönlicher Sekretär übernimmt das für mich. Das ist echt nett, denn diese Geschichte muss ich Ihnen einfach erzählen.

Neulich spielte einer der Welpen mit Herrchens Hausschuh. Cool für ihn, für Herrchen weniger.

»Donne«, befahl er, doch der Kleine dachte nicht daran. Nochmals: »Donne!« Der kleine Bursche fand das lustig und spielte »Totschütteln« mit dem Schlappen – meinem Befehl hätte er gehorcht, sofort, denn ich strahle nun mal eine natürliche Autorität aus. Haben die Menschen einfach nicht.


Herrchen wurde ungehalten, schimpfte aber nicht, sondern nahm ein Stück herrlich duftenden Trockenpansen, hielt ihn dem Frechdachs hin und befahl wieder: »Donne!« Klar ließ dieser den Schlappen fallen, denn der ist nun mal trotz eines ähnlich verlockenden Duftes nicht essbar, der Pansen hingegen ist eine Delikatesse. »Braver Genji«, lobte Herrchen und räumte den Schuh weg. Wieso eigentlich, denn gleich darauf kam der Jungspund schon wieder in die Küche, den Schlappen wild schüttelnd im Mäulchen.

Herrchen atmete tief durch, tiefenentspannt wirkte er dabei nicht. Was tat der denn jetzt? Wieder zückte er ein Leckerli und befahl: »Donne!« Prompt fiel der Hausschuh vor seine Füße und ein Stückchen Käse wechselte den Besitzer. Herrchen stellte den Schuh diesmal in den Schrank.

Das war völlig überflüssig, denn – Sie ahnen es schon? – das pfiffige Kerlchen hatte den Trick voll durchschaut und kam Freude strahlend wieder mit – nein, nicht mit diesem Hausschuh, der war für Hunde unerreichbar – einem Turnschuh der Tochter. Herrchen stöhnte: »Donne!« Schuh zu Herrchen, Wurst zu Genji, aber das kennen Sie ja schon.

Allerdings schloss Herrchen diesmal die Türen. Er hatte den Trick endlich auch kapiert, nicht so schnell wie Genji, aber immerhin. Ich habe ebenfalls verstanden, habe sogar inzwischen mehrere Variationen auf Lager, aber davon ein andermal.

Erziehung


Welpenkurs

fünf Hundekinder

wuseln durcheinander

wollen spielen, nicht lernen

Spaß

Die Hütchenspielerin oder wer braucht schon einen Abrufkurs!

von Anke Neumann

Wir kennen das alle: Der Abrufkurs in der Hundeschule ist das absolute MUSS für jeden Akitabesitzer. Denn grundsätzlich kann ein Akita ja alles, außer eben auf Ruf sofort und freudig angelaufen kommen. Natürlich wollten wir da den anderen in nichts nachstehen und buchten für uns und unsere Shinny den Kurs.

1. Stunde: Zunächst wurden an die Besitzer sogenannte Igelbälle verteilt. Ein großes Fragezeichen machte sich über meinem Kopf breit. Ein Akita holt doch keine Bällchen!?

»Nein! Die sind nicht zum Werfen«, erklärte die Trainerin. »Die steckt ihr Besitzer euch bitte unter die Achseln. So vermeidet ihr nachher beim Abrufen wildes Gestikulieren mit den Händen oder Armen, denn das ist in diesem Kurs völlig kontraproduktiv! Wir wollen, dass eure Stimme im Vordergrund steht!« Ah ja! Das leuchtet ein.

Also gut. Schnell steckten die Bälle unter meinen Armen und sofort merkte ich, wie extrem eingeschränkt meine Bewegungsfreiheit war. Wir marschierten los.

Ich war von den unangenehm drückenden Bällen völlig gehemmt und steif. Irgendwie lief ich roboterartig. Shinny glotzte mich verständnislos an. Wie jetzt? Warum gehst du so komisch …? Verstehe! Das ist ein neues Spiel!

Kaum gedacht, getan. Shinny begann ähnlich steif und sehr albern neben mir herzuhopsen. Von »Fußgehen« keine Spur. Da ich meine Arme und Hände ja nicht großartig einsetzen konnte, versuchte ich es nun mit Stimme: »Shinny, nein!«

Shinny schnappte sich daraufhin kurzerhand die Leine, eröffnete ein Zerrspiel und sprang zu allem Überfluss auch noch an mir hoch. Flupp – weg waren die Bälle!

Ich machte mich also daran, die Bälle wieder einzusammeln, Shinny dabei noch immer wild an der Leine ziehend. Wir sahen völlig bekloppt aus. Lustiger Kurs! Wirklich!

Nächste Lektion: Hund absetzen, wenige Schritte entfernen, dann umdrehen und »ohne große Hand- oder Armbewegungen« (Ha! Wie auch! Ich hab Igelbälle unterm Arm!) den Hund mit einem freundlichen »Hiiiier« zu sich rufen.

Mein Hund schlenderte gelangweilt neben mir her. Kommando »Sitz« funktionierte und ich eierte mit steifen, an den Körper gepressten Armen ein paar Schritte weg. Nun eine elegante Drehung meinerseits und ein ausgesprochen freundliches »Hiiiiieer«. Ich wartete …

Und tatsächlich. Shinny stand auf und ging ein paar Schritte auf mich zu, schaute mich irgendwie mitleidig an und entschied sich dann, doch lieber interessiert am Boden zu schnüffeln.

Das wiederholte sich bei den darauffolgenden Versuchen.

»Gut, da ist wohl noch einiges an Übungsbedarf. Das macht nichts. Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.« Manche Kommentare können Hundetrainer sich definitiv sparen, finde ich.

Nicht nur Shinnys Konzentration näherte sich dem Nullpunkt, auch mich verließ langsam die Lust. Mich befiel der Verdacht, dass ich meinem Hund wegen meiner seltsamen Körperhaltung mit Sicherheit peinlich war! Fremdschämen nennt man das neudeutsch. Ich behielt diese Erkenntnis aber besser für mich.


Ein neuer Versuch: Um in kleineren Schritten zu üben, sollten in verschiedenen Abständen bunte Hütchen als Fixpunkte auf der Übungsfläche verteilt werden. An den Hütchenstationen sollte der Hund abgesetzt oder abgelegt werden, der Besitzer bis zur nächsten Station gehen und den Hund dann abrufen. So weit die Theorie.

Shinny entdeckte die Hütchen und war begeistert! Die mussten unbedingt näher begutachtet werden, es könnte ja schließlich etwas darunter versteckt sein …

Während die Trainerin nun die ersten Hütchen verteilte, machte sich Shinny »klammheimlich« auf den Weg. Der von ihr erbeutete Hütchenturm wurde fein säuberlich abgepackt, dann die einzelnen Hütchen zunächst nach Farben sortiert, um schlussendlich noch auf Haltbarkeit geprüft zu werden.

Alle Kursteilnehmer brachen in Gelächter aus. Selbst die Trainerin konnte nicht mehr ernst bleiben. Shinny hatte es mal wieder geschafft, eine Unterrichtsstunde zu sprengen. Wer braucht denn auch schon dieses ganze Üben? Bällchen, Hütchen etc. Pfffft!

Einige Minuten später habe ich Shinny dann ohne doofe Hilfsmittel unterm Arm »einfach so« abgerufen. Freudig und auf direktem Weg kam sie auf mich zugelaufen.

Es ist also doch ein Meister vom Himmel gefallen;-). Ein Akita IST eben anders!


Hütchenspielerin Shinny

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
208 s. 64 illüstrasyon
ISBN:
9783927708280
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