Kitabı oku: «Plautus in der Frühen Neuzeit»

Thomas Baier / Tobias Dänzer
Plautus in der Frühen Neuzeit
Narr Francke Attempto Verlag Tübingen
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© 2020 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen
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ISBN 978-3-8233-8323-9 (Print)
ISBN 978-3-8233-0216-2 (ePub)
Inhalt
Vorwort
1. Plautus-Philologie und EditionCamerario editore dei MenaechmiIl lavoro su B e l’edizione del 15301. Accordo tra B e l’edizione del 15302. Restauri suggeriti dai vestigia veteris scripturae3. Congetture dubbieProbabili ‘tracce’ del Camerario sui codici B e CAltri interventiIndicazione di atti e sceneTitoli correntiAnnotazioniBibliografiaCamerarius Camelarius1. The title explained; a proposition; the argumentum2. The Standard Account3. The Camels Described and Distinguished; Their Fate4. The Camels’ Origin5. Fabricius’ Letter of 15496. One Hump or Two?7. The Czeckered past of the Decurtatus8. Camerarius’ Confession9. ConclusionBibliographyThe Reception of Plautus’ Fragmentary Plays in the Scholarship of the Fifteenth to Seventeenth CenturyBibliographyEin Milchregen für die Schatten des UmbrersLiteraturverzeichnis
2. Plautus-Philologie und TheaterDas Amphitruo-Supplement, oder: Dichter können auch ganz gut PhilologeLiteraturverzeichnisAd imitatione delli antiqui1. Aus dem Leben eines Pomponianischen Humanisten2. Phaedras Plautinische Studien3. Die römische Feiern von 1513LiteraturverzeichnisDie Funktion des Plautinischen in Nikodemus Frischlins Iulius redivivusFrischlins Umgang mit Plautus im Iulius redivivusDie didaktische Intention des Iulius redivivusKommentierung aktueller EreignisseLiteraturverzeichnis
3. Plautinische PoetikDie Diskussion über Wesen und Wert der (Plautinischen) Komödie in lateinischen poetologischen Schriften zwischen 1350 und 1500Zu den spätantiken DramentheorienZur frühneuzeitlichen KomödientheorieFazitLiteraturverzeichnisAngelo Polizianos Rekonstruktion der antiken Komödie1. Die Rekonstruktion der Komödie: In Andriam Terenti2. Plautus in der Miscellaneorum centuria prima (1489)3. Der Menaechmi-PrologLiteraturverzeichnis
4. Der moralische PlautusPlautinische und antiplautinische Argumentationsstrategien in Poggio Bracciolinis An seni sit uxor ducendaLiteraturverzeichnisPlautus in the Adagia and Correspondence of Erasmus of RotterdamBibliographyDas gedruckte Exemplar der Aulularia des Plautus (Straßburg, Johann Prüß, [1508]) und ein 1508 von Bonifacius Amerbach (1495–1562) annotierter SammelbandLiteraturverzeichnis
5. Plautus und die KonfessionenI versi di Plauto nelle scuole dei GesuitiAppendiceBibliografiaIste se poetam iactatExpeditio polemico-poeticaRegnum poetarumIocus seriusJephtiasFazitLiteraturverzeichnisDer Reformator Martin Luther in den Pia hilaria des Jesuiten Angelinus GazaeusAnhang 1: Die Dämonenepisoden in den Pia hilaria des Angelinus GazaeusAnhang 2: Die beiden Texte mit Übersetzung und Kommentar1. Gazet, Luthers mitternächtliche Begegnung mit dem Teufel (Gazet 1657, 28–31)2. Gazet, Luthers Exorzismus (Gazet 1657, 90–93)3. Die Quellen zu Luthers ExorzimusLiteraturverzeichnisMit Plautus für Frieden und MonarchiePlautusverse in den PoliticaPlautusverse bei Bernegger und SchönbornerPlautusverse in weiteren tacitistischen SchriftenLiteraturverzeichnisVerzeichnis der Komödien des PlautusNamensverzeichnis
Vorwort
Als Nicolaus von Kues im Jahr 1429 eine Handschrift mit zwölf bis dato unbekannten Plautus-Komödien (den sog. codex Ursinianus) für Kardinal Giordano OrsiniOrsini, Giordano (Kardinal) nach Rom brachte und so die Zahl der erhaltenen Stücke auf 20 erweiterte, setzte eine intensive Phase frühneuzeitlicher Plautus-Rezeption ein. Die italienischen Humanisten nahmen sich der textkritischen Erschließung der Komödien an und sorgten für die Aufwertung des Plautus gegenüber dem im Mittelalter in sprachlicher wie moralischer Hinsicht bevorzugten Schulautor TerenzTerenz. Spätestens seit der 1472 veranstalteten editio princeps der Komödien durch Giorgio MerulaMerula, Giorgio wuchs das Interesse am älteren Komödiendichter auch im übrigen Europa, wo die Stücke Gegenstand zahlreicher lateinischer und vulgärsprachlicher Nachdichtungen, Bearbeitungen und Aufführungen wurden. Ein Markstein der Plautus-Philologie war etwa die von Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim besorgte Gesamtausgabe, die 1552 bei Johannes HervagiusHervagius, Johannes in Basel erschien. Die schöpferische Auseinandersetzung mit der plautinischen Komödie bereitete den großen nationalsprachlichen Komödiendichtungen den Weg und begründete die überragende Bedeutung, die das Theater in der Frühen Neuzeit erlangte.
Die hier versammelten Beiträge sind aus dem 20. Neulateinischen Symposium NeoLatina hervorgegangen, das vom 28.–30. Juni 2018 an der Universität Würzburg stattfand. Sie umfassen drei Jahrhunderte humanistischer Arbeit am und mit dem Plautustext und zeichnen ein vielschichtiges Bild der Plautus-Rezeption in der Frühen Neuzeit. Die 16 Beiträge sind nach ihren inhaltlichen Schwerpunkten in fünf Sektionen gruppiert, die die frühneuzeitliche Beschäftigung mit dem Komödienautor thematisch abbilden.
In der Sektion (1) Plautus-Philologie und Edition wird die Textgeschichte und Erarbeitung verlässlicher Komödientexte durch frühneuzeitliche Gelehrte beleuchtet. Giorgia Bandini gibt einen detaillierten Einblick in die philologische Arbeit des Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim d.Ä. und seine Verwendung des Codex B (Pal. lat. 1615, sog. vetus codex Camerarii) für die Erstellung der wichtigen 1530er Edition der MenaechmiMenaechmi. Der Beitrag von Michael Fontaine bietet eine neue Hypothese zu Herkunft, Identität und Besitzgeschichte des codex decurtatus (Pal. lat. 1613, auch alter codex Camerarii). Der Beitrag von Salvatore Monda widmet sich der philologischen Erschließungsgeschichte der fragmentarisch überlieferten Plautusstücke und stellt die Arbeit bedeutender Gelehrter wie Angelo PolizianoPoliziano, Angelo, Georg FabriciusFabricius, Georg, Joseph Justus ScaligerScaliger, Joseph Justus und Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich vor. Thorsten Burkard ediert und kommentiert ein Epigramm des Plautus-Herausgebers Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich, in dem dieser seine Verehrung für den Komödiendichter zum Ausdruck bringt.
Der Wechselwirkung von (2) Plautus-Philologie und Theater sind drei Beiträge gewidmet, die die Bearbeitung plautinischer Vorlagen für eigene (Nach)dichtungen und Aufführungen thematisieren. Ludwig Braun zeigt auf, wie der unbekannte Dichter des AmphitruoAmphitruo-Supplements bereits 1495 diejenigen Strukturparallelen des AmphitruoAmphitruo erkannt hat, auf die erst die Philologie des 19. Jahrhunderts aufmerksam wurde. Wie die plautinische Komödie in die renaissancezeitliche Festkultur Italiens eingegliedert werden konnte, erläutert Domenico Giordani am Beispiel des italienischen Humanisten Tommaso InghiramiInghirami, Tommaso, dessen philologische Studien insbesondere den Zwecken der szenischen Umsetzung dienten. Veronika Brandis und Magnus Ulrich Ferber arbeiten die vielschichtige Plautusrezeption in Nikodemus FrischlinsFrischlin, Nikodemus Komödie Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus heraus, in dem die plautinische Komödie für didaktische, stilistische und invektivische Ziele funktionalisiert wird.
Zwei Beiträge widmen sich der (3) Plautinischen Poetik, d.h. der humanistischen Gewinnung einer antiken Komödientheorie aus dem plautinischen Textbestand. Stefan Feddern gibt einen Überblick über die Auseinandersetzung der italienischen Humanisten mit der Komödientheorie und den antiken sekundärliterarischen Quellen. Der Beitrag von Tobias Dänzer stellt dar, wie der Dichterphilologe Angelo PolizianoPoliziano, Angelo aus den antiken Quellen das aristotelische Komödienbuch zu rekonstruieren versuchte und die gewonnenen Erkenntnisse zu plautinischer Textkonstitution und Nachdichtung nutzte.
Dass Plautus trotz seiner Frivolität sittlich gelesen werden konnte, belegt die Sektion (4) Der moralische Plautus. Hartmut Wulfram zeigt, wie PoggioBracciolini, Poggio BraccioliniBracciolini, Poggio im Dialog An seniBracciolini, PoggioAn seni sit uxor ducenda sit uxor ducendaBracciolini, PoggioAn seni sit uxor ducenda ein literarisches Spiel mit den Typen der plautinischen Komödie treibt, um seine späte Heirat mit einer jungen Frau vor seinen gelehrten Freunden zu rechtfertigen. Anhand des Umgangs mit Plautuszitaten in den AdagiaErasmus von RotterdamAdagia und den Briefen des ErasmusErasmus von Rotterdam von Rotterdam zeigt Martin Dinter, wie Plautus einerseits durch Zensur anstößiger Sentenzen zur moralischen Autorität aufgewertet und wie andererseits die Kenntnis plautinischer Sentenzen zum intellektuellen Erkennungszeichen der Gelehrtenkommunikation wurde. Wie Plautus in der Schlettstädter Lateinschule mit moralisch-pädagogischer Brille gelesen wurde, erläutert James Hirstein anhand der Annotationen des Schülers BonifaciusAmerbach, Bonifacius AmerbachAmerbach, Bonifacius zu einem Unterrichtswerk, das die plautinische Komödie für eine christliche Erziehung nutzbar macht.
Die abschließende Sektion (5) Plautus und die Konfessionen beleuchtet die ambivalente Rolle, die die Komödien im Umfeld religiöser Einrichtungen, insbesondere des Jesuitenordens, und zum Austrag politisch-konfessioneller Rivalitäten spielten. Renato Raffaelli legt am Beispiel der ProsodieRiccioli, GiambattistaProsodia Bononiensis des Jesuiten Giambattista RiccioliRiccioli, Giambattista dar, wie das entlegene plautinische Vokabular prosodisch und linguistisch erschlossen und für den praktischen Gebrauch aufbereitet wurde. Moralische und sprachliche Vorbehalte der Jesuiten gegen Plautus zeigt Caroline Dänzer anhand des Dichters Jakob BaldeBalde, Jakob, der auf die plautinischen Komödien vor allem zurückgriff, um einfache Komik zu erzeugen. Thomas Gärtner macht deutlich, wie der Jesuit Angelin GazetGazet, Angelin in den Pia hilariaGazet, AngelinPia hilaria, aus denen zwei Stücke ediert und kommentiert werden, plautinische Sprache und Motivik zur Verunglimpfung LuthersLuther, Martin einsetzt. Schließlich weist Gabriel Siemoneit nach, wie Plautus durch die PoliticaLipsius, JustusPolitica des flämischen Gelehrten Justus LipsiusLipsius, Justus zu einem bevorzugten Wortgeber protestantischer politischer Literatur wurde.
Die thematisch breite Ausrichtung des vorliegenden Bands beschreibt den Weg von der philologischen Aufarbeitung der plautinischen Komödien über ihren Einsatz auf der Bühne, ihre Bedeutung für Schule, Literatur und Wissenschaft bis hin zur religiösen und politischen Instrumentalisierung. Der Band möge Interesse wecken für die hier behandelten Autoren, den Blick schärfen für ein vernachlässigtes Rezeptionskapitel in der frühen Neuzeit und zu weiterer Forschung anregen.
Großen Dank schulden die Herausgeber der Fritz Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung, die das Würzburger Symposium in großzügiger Weise unterstützt hat. Dank gebührt der Stiftung Pegasus Limited, St. Gallen, für einen namhaften Druckkostenzuschuss sowie dem Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien in Innsbruck. Ferner danken wir dem Narr Francke Attempto-Verlag und seinem Lektor Tillmann Bub für die freundliche Zusammenarbeit.
| Würzburg, im Juni 2020 | T.B., T.D. |
1. Plautus-Philologie und Edition
Camerario editore dei Menaechmi
Giorgia Bandini (Urbino)
MenaechmiCamerarius d.Ä., JoachimNel 1552, fatto molto importante per gli studi su Plauto, esce a Basilea, per Ioannem Hervagium, quella che si può considerare l’edizione più significativa del Cinquecento, a cura del filologo e umanista tedesco Joachimus CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim.1 La rilevanza di questo testo delle venti commedie diligente cura et singulari studio Ioachimi Camerarii Pabeperg. emendatius nunc quam ante unquam ab ullo editae, così si legge nel frontespizio, sta nel fatto che CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim si basa per la prima volta su due codici fondamentali della tradizione plautina da lui, per così dire, riscoperti: il Pal. lat. 1615, indicato negli apparati come B e anche detto, per l’appunto, vetus codex Camerarii, contenente il corpus plautino completo, e il Pal. lat. 1613, noto come C, l’alter codex Camerarii o decurtatus, con solo le ‘dodici’ commedie.2
I due codici sono citati per la prima volta insieme nell’introduzione all’edizione del 1552, dove il filologo dichiara di avere adminicula duorum librorum, veterum quidem illorum, sed quos librariorum inscitia et futilitas foede depravasset.3 Va detto che nell’Epistola nuncupatoria dell’edizione parziale uscita a Lipsia nel 1545 – poi ristampata nell’edizione del 1552 – CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim cita il solo codice B; scrive infatti: anni iam sunt XX cum nactus fui exemplum Plautinum scriptum, sane vetus.4 Questo fa pensare che l’umanista già dalla metà degli anni venti del Cinquecento fosse in possesso di B e che abbia invece avuto tra le mani il codice C solo dopo il 1545.5
Ma che importanza CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim effettivamente diede a questi codici e come li impiegò? Si cercherà di rispondere a questa domanda circoscrivendo il campo d’indagine ai MenaechmiMenaechmi – probabilmente la prima commedia da cui il filologo ha iniziato il suo innovativo lavoro testuale su Plauto – e analizzando due differenti generi di ‘segni’: quelli che CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim ha posto in una sua edizione della commedia del 1530 e quelli che – forse – ha lasciato sugli stessi B e C.6
Il lavoro su B e l’edizione del 1530
Si può infatti rintracciare una testimonianza della consultazione del codice B nel primo lavoro plautino del filologo, un’edizione di due sole commedie, MenaechmiMenaechmi e MostellariaMostellaria, uscita a Norimberga nel 15301 – il codice C, come si è detto, non è ancora in suo possesso. Al proposito, nell’epistola prefatoria, CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim fornisce utili infomazioni sul suo metodo di lavoro:
Ioachimus CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim studiosis bonarum literarum, salutem.
In vestram utilitatem Plautinas hoc tempore fabulas MenaechmosMenaechmi et MostellariamMostellaria evulgavimus, quasi exhibentes specimen vobis industriae et operae nostrae, quam diu iam sumimus in auctoris huius Comoediis, quae reliquae mansere ἀναμφιβόλως. In quibus, quid alii fecerint pudet pigetque dicere, eiusmodi enim facinora sunt, quae cum laude memorari nequeant, nostrum autem ingenium a criminationibus semper abhorruit. Neque ego nostra aliorum repraehensione nobis probari uelim, sed suo merito, si quod illud fuerit, aut sane improbari si hoc nullum sit, sed cum gratitudine tamen erga nostrum studium vestra, et venia illorum qui his meliora protulerint. Pleraque autem omnia in hoc exemplo nostro discrepantia ab antevulgatis codicibus, nacti uetustum codicem, secundum illius scripturam exarauimus, qui sic ubi fuit, ut fieri non potuit, quin esset, interpolatus detersusve aut mendosus librarii vitio, nostrum iudicium necessario secuti, mutavimus sane nonnulla, ita ut quicque intellegi optime posse et maxime consentaneum argumento et stylo autoris uisum est. Ceterum insignivimus admodum studiose omnes locos diversos a priori lectione, ne cui a nobis imponeretur. Odi enim semper istos temerarios mutatores, qui quae ipsi, fere indocti, non intelligunt, sic deformant ut neque qualia fuerint omnino, neque qualia sint saepe appareat. Vbicumque igitur cernetis hoc signum α scietis eam scriptionem in antiquo codice nos reperisse. Vbi vero hoc * secutos nos quasi vestigia veteris scripturae reposuisse aliquid priscae lectionis. Hoc vero >-> ostendet de tota veritate dubitationem. Non tamen his in omni varietate usi sumus, nam illorum crebritas nimiam offensionem fuerat habitura, siquidem et illis impudentium mutationum et librarii quoque erratorum correctionibus, notas apponere voluissemus. Fecimus igitur in praecipuis tantum et notabilibus locis, quomodo si semper factum esset minus haberemus depravatorum codicum. Ego cum eruditione et ingenio meo non multum possim, sane non nihil, ut spero, fide et sedulitate mea vobis prodero, Valete καὶ διὰ καρτερεῖτε φιλομαθοῦντες. E Norico Idibus Martii.
Lo studioso dichiara esplicitamente di aver seguito il vetustum codicem – intervenendo dove questo fosse interpolatus detersusve aut mendosus librarii vitio2 – e di aver posto dei segni ai margini dell’edizione, in praecipuis tantum et notabilibus locis:3
α per le lezioni dell’antico manoscritto accolte nel testo,
asterisco per lezioni non presenti in B, così come sono, ma ricostruibili, e ricostruite dal CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim, sulla base, diremmo noi, di criteri paleografici,
altro simbolo per gli interventi più dubbiosi.
Quello che segue è il risultato di un’indagine analitica sull’edizione dei MenaechmiMenaechmi del 1530 per cercare di ricostruire il modus operandi e il lavoro di controllo e di riflessione dell’umanista su B.
Nel suddividere il materiale raccolto, seguo scrupolosamente i criteri enunciati dallo stesso CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim:
1. accordo tra manoscritto ed edizione;
2. ‘restauri’ legati alla lettura del codice;
3. congetture dubbie.
Si riportano i dati dello spoglio effettuato presentando i passi segnalati da CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim secondo il testo dell’edizione dei MenaechmiMenaechmi da me curata4 – e corredati da un apparato positivo, circoscritto alla lezione trattata, con le eventuali concordanze. Oltre al confronto sistematico tra l’edizione del ‘30 (Camerariusa) e il codice B,5 sono state tenute presenti le più importanti edizioni precedenti presumibilmente note allo studioso almeno in parte6 – segnalate solo dove si discostino dall’accordo della tradizione editoriale precedente (accordo che viene considerato implicito quando vi è l’indicazione del solo MerulaMerula, Giorgio).7 Sono state inoltre consultate le edizioni successive della commedia ad opera dello stesso CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim, anche in questo caso indicate solo quando differiscano da quella del ‘30.8 Infine, per dare al lettore un quadro più completo, sono citati – quando presentino lezioni degne di nota, che si discostino dal testo della tradizione editoriale successiva – il codice C, se pur non ancora utilizzato dal filologo, e altri testimoni per ovvie ragioni a lui non noti, il Vat. lat. 3870 (D),9 il palinsesto Ambrosiano (A) quando ne sia possibile la lettura.10
1. Accordo tra B e l’edizione del 1530
arg. 6 Circum omnis oras. post Epidamnum deuenit
versum habent B Camerariusa1 : om. CD MerulaMerula, Giorgio sed Circum et(cetera) add. in marg. manus Camerarii in C
23 ego illos non uidi, ne quis uostrum censeat
versum habent B Camerariusa : om. CD Merula Merula, Giorgio
uostrum censeat B : me censeat Camerariusa uerum add. in marg. alia manus in B2
32 Epidamniensis quidam ibi mercator fuit
Epidamniensis BCD ScutariusScutarius, Eugenius Camerariusa : Epidamnensis MerulaMerula, Giorgio3 cf. 33
33 is puerum tollit auehitque † Epidamnium
epidamnium BC Camerariusa4 : epidamnum D MerulaMerula, Giorgio cf. 32
44 et ipsus eodem est auus uocatus nomine
auus BC auos Camerariusa : om. D MerulaMerula, Giorgio
62 eumque heredem fecit, quom ipse obiit diem
quom Pius : quam B1CD MerulaMerula, Giorgio quum Pylades qua B3 Camerariusa diem B1CD MerulaMerula, Giorgio : die B3 Camerariusa
65 rapidus raptori pueri subduxit pedes
rapidus BC Camerariusa5 rapiđ D : rapide MerulaMerula, Giorgio
75–76 modo hic habitat leno, modo adulescens, modo senex,
pauper, mendicos, rex, parasitus, hariolus
versus habent BCD Camerariusa : om. Merula Merula, Giorgio 6
86 aut lapide excutiunt clauom. nugae sunt eae
eae BCD Camerariusa : hae MerulaMerula, Giorgio merae Pylades
90 dum tu illi quod edit et quod potet praebeas
edit B1 CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim : edat B3CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa7
110 ni mala, ni stulta sies
sis (sc. sies) BC Serv. ad Aen. III 686 Don. ad Eun. 328 Camerariusa8 : om. D MerulaMerula, Giorgio
186 ER. hodie id fiet. ME. in eo uterque proelio potabimus
proelio ScaligerScaliger, Joseph Justus : pro ilio BCD1 Camerariusa9 pro illo D4G
209 atque aliquid scitamentorum de foro obsonarier
scitamentorum A : sit amentorum B1CD Camerariusa10 sit omentorum B2 versum om. Merula Merula, Giorgio sitomentorum Pylades
210 glandionidam suillam, laridum pernonidam
pernonidam A : pernonidem B Camerariusa per non idem CD1 pernam idem D4 pernam itidem MerulaMerula, Giorgio
288 nunc opsonatu redeo. ME. responde mihi
opsonatu redeo B obsonatu redeo Camerariusa : ipso naturae deo CD MerulaMerula, Giorgio
334 tua uerba experior esse. MES. obseruato modo
experior esse Lipsius Lipsius, Justus Ant. 61 : exteriores se B1CD exterior esse B3 Camerariusa exterior sis MerulaMerula, Giorgio
361 animule mei, mi mira uidentur
animule mei B1CD : animule mi Bc Pylades Camerariusa lineola in C11 anime Merula Merula, Giorgio mi mira uidentur BCD Scutarius Scutarius, Eugenius Camerariusa : cur uideo Merula Merula, Giorgio Menaechme cur uideo Pylades
409/410 ubi rex Agathocles regnator fuit et iterum Pintia
Pintia GronoviusGronovius, Johann Friedrich : pinthia BCD Merula Merula, Giorgio Pynthia Pylades Panthia Camerariusa12
411 tertium Liparo, qui in morte regnum Hieroni tradidit
Liparo BCD Camerariusa : Lyparo Merula Merula, Giorgio Olympia Pylades
412 nunc Hiero est? ME. haud falsa, mulier, praedicas. MES. pro iuppiter
hiero est B Camerariusa : hiero es C heroes D Merula Merula, Giorgio Heroas Pylades
449 ubi ego dum | hieto, Menaechmus se subterduxit mihi
hieto B : mihi CD lineola in C om. Merula Merula, Giorgio haereo Pylades Camerariusa
524 Menaechme, amare ait te multum Erotium
Menaechme B Scutarius Scutarius, Eugenius Camerariusa enaech me D1 : Menaech me Dr enaedime C Menechine MerulaMerula, Giorgio
563 pallam ad phrigionem cum corona | ebrius
ebrius B Camerariusa : om. CD MerulaMerula, Giorgio ornatus hinc Pylades
590 apud aedilis pro eius factis plurumisque pessumisque
pro eius AB3 : proeliis B1 ut vid. CD Merula Merula, Giorgio praeliis Pylades hinc ebrius Camerariusa
621 responsant? eloquere. impune non erit. MA. nugas agis
responsant? eloquere Camerariusa13 : responde ante loquere B1 responsanti loquere B3 respons ante loquere CD1 responsa aut loquere MerulaMerula, Giorgio
625 ME. non edepol deliqui quicquam. MA. em rursum nunc nugas agis
versum habent BCD Camerariusa : om. Merula Merula, Giorgio
629 post ante aedis cum corona me derideto ebrius
corona me derideto B3 Camerariusa : coronam deri deto B1 coronam ederi deto CD corona hederae MerulaMerula, Giorgio
675 ER. quis hic me quaerit? ME. sibi inimicus magis quam | aetati tuae
inimicus BC Camerariusa : inimicias D inimicitias MerulaMerula, Giorgio
715 Graii esse praedicabant? MA. non equidem scio
graii esse D4 Camerariusa graiiesse BCD1 : Graeci esse MerulaMerula, Giorgio
723 an sis abitura a tuo uiro? an mos hic ita est
an mos B3 Camerariusa : annos B1CD an non Merula Merula, Giorgio an non mos Pylades
724 peregrino ut aduenienti narrent fabulas?
narrent BcC Camerariusa : inarrent B1 narraent D narrat MerulaMerula, Giorgio
744 quem tu | hominem <med> arbitrere, nescio
nulla nota personae BCD Camerariusa14 : nescio dat Mulieri MerulaMerula, Giorgio
745 ego te simitu noui cum Porthaone
simitu Camerariusa15 : si me tu B lineola in B sime non tu CD porthaone BC lineola in B : perthaones D perthaones Merula Merula, Giorgio parthaones Pylades parthaone Camerariusa
814 hanc domo ab se surrupuisse atque abstulisse deierat
deierat Camerariusa16 : delurat B1CD1 deiurat Bc delirat D4 MerulaMerula, Giorgio
846 prius quam turbarum quid faciat amplius. ME. enim haereo
hereo (sc. haereo) D4 Merula Merula, Giorgio : uero B3 Camerariusa B1 non legitur ereo CD1 lineola in C
848 pugnis me uotas in huius ore quicquam parcere
me BCD Camerariusa : nota MV in MerulaMerula, Giorgio
849 nei a meis oculis abscedat in malam magnam crucem
meis B1 Camerariusa : his B3 Merula miis CD1 is D3 Merula, Giorgio
853 ME. haud male | illanc amoui; nunc hunc impurissimum
amoui nunc B Camerariusa : amo uinum CD1 lineola in C amo uirum D3Merula
935 SEN. immo Nestor nunc quidem est de uerbis, praeut dudum fuit
immo nestor BD : immo nester C modestior MerulaMerula, Giorgio immo modestior Camerariusa17
953 MED. proinde ut insanire uideo, quattuor, nihilo minus
ut B Pius Pylades Camerariusa : ui D1C MerulaMerula, Giorgio exp. D4
963 quid ego nunc faciam? domum ire cupio : | uxor non sinit
uxor BCD MerulaMerula, Giorgio : sed uxor Pylades at uxor Camerariusa hiatus vitandi causa18
987 ita uenio aduersum. nunc fores pultabo, adesse ut me sciat
ita BCD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : om. Pylades
988 †neque utrum† ex hoc saltu damni saluom ut educam foras
utrum BCD Camerariusa : meum Merula Merula, Giorgio versum om. Pylades
1010 numquam te patiar perire, me perirest aequius
me perire est aequius Camerariusa praeeunte Saraceno (me perire citius) : me derideres te cuius B me derires te cuius CD lineola in C mederi te cuius Merula Merula, Giorgio me perire satius est Pylades19
1017 pecte pugnis. MES. agite abite, fugite hinc in malam crucem
pecte BCD Camerariusa : plecte MerulaMerula, Giorgio
1059 mepte potius fieri seruom, quam te umquam emittam manu
mepte B3 Camerariusa : mente B1 meapte CD me a te MerulaMerula, Giorgio
2. Restauri suggeriti dai vestigia veteris scripturae
arg. 2 Ei subrupto | altero mors optigit
ei BCD Merula Merula, Giorgio : ex illis Camerariusa altero mors optigit BcG2 altero mors obtigit Merula Merula, Giorgio : altero mors soptigit B1 aliae rumor soptigii CDG1 altero mortem oppetit Camerariusa1
65 rapidus raptori pueri subduxit pedes
pedes Saracenus Camerariusa cf. Ven. Fort. carm. II 16, 37-38 : A n.l. fides BCD
186 ER. hodie id fiet. ME. in eo uterque proelio potabimus
id fiet Poggius2 : id flet BCD1 id feci Merula Merula, Giorgio aliud feci Pylades ut fieret Camerariusa2
196 ME. sustine hoc, Penicule : exuuias facere quas uoui uolo
quas uoui uolo Camerarius Camerarius d.Ä., Joachim : A n.l. quas suo uiuolo BD quas suo uiuilo C quam suauum uolo Merula Merula, Giorgio quam suauium uolo Pylades quasi Ioui uolo Camerariusa3
249 ME. dictum facessas, datum | edis, caueas malo
datum edis caueas BCD lineola in B atque in C : datum et discaueas Merula Merula, Giorgio datum aedis caueas Scutarius1 elatum et discaueas Pylades doctum et discaueas Camerariusa
258 nam ita est haec hominum natio : in Epidamnieis
in Epidamnieis A : natio epidamnia BCD Merula Merula, Giorgio natio hic Epidamnia Camerariusa4
493 cur ausu’s facere, quoi | ego aeque heres eram?
heres LipsiusLipsius, Justus Ant. 61 : heris BCD lineola in C eras Merula Merula, Giorgio haeres Camerariusa5
776 SEN. salua sis. saluen aduenio? saluen accersi iubes?
saluen accersi BCD : seruo accersi Merula Merula, Giorgio sed cur accersi Camerariusa
859 osse fini dedolabo | assulatim uiscera
osse fini BCD : exossabo dein Camerariusa6 exossem nisi MerulaMerula, Giorgio
1142 potaui atque accubui scortum, pallam et aurum hoc * * *
versus mutilus in BCD MerulaMerula, Giorgio lineola in C : mihi dedit suppl. Camerariusa7
3. Congetture dubbie
164/5 facere coniecturam † captum sit collegium. †
collegium BCD MerulaMerula, Giorgio : A n.l. collegium augurum Pylades Camerariusa1
821 SEN. tu negas? ME. nego hercle uero. SEN. immo hercle † eludere † negas
eludere BCD : occludere Merula Merula, Giorgio impudenter Camerariusa
826 ME. quaeso, quid mi tecum est? unde aut quis tu homo es? * * * *
versus mutilus in BCD Merula Merula, Giorgio : quid nocui Pylades quid feci ego Camerariusa
984 † metum aut multum. prope est quando ceruso faciam † pretium exsoluet
metum aut BCD : mecum haud MerulaMerula, Giorgio metuam haud Pylades metuam ego haud Camerariusa
ceruso BCD lineola in C MerulaMerula, Giorgio : herus ut quod strenue Camerariusa
988 †neque utrum† ex hoc saltu damni saluom ut educam foras
ut educam foras Pareus Pareus, Johann Philipp : ute duo anfora BCD alium eluo anfora Merula Merula, Giorgio Scutarius Scutarius, Eugenius eliciam foras Camerariusa2
1019 nimis [aut] bene ora commetaui atque ex mea sententia
aut BCD secl. Bothe1 : haud Merula Merula, Giorgio Scutarius1 autem Camerariusa
Quello che si può dedurre appare abbastanza coerente. Il Pal. lat. 1615 consente al CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim di restaurare singole parole o interi versi omessi dalla tradizione editoriale precedente o perché già assenti nel Vat. lat. 3870 (6, 23, 44, 563) – codice da cui è dipesa, come si sa, la conoscenza delle ‘dodici’ commedie fino a questo momento – o perché tralasciati dall’editio princeps (75–76, 625) o dalle edizioni successive (987, 988).
È interessante notare che il simbolo più usato ai margini del testo sia quello volto ad evidenziare l’accordo con il vetus codex3. Nella maggior parte dei casi il filologo vuole così mostrare come il codice gli offra lezioni buone e innovative (65, 86, 288, 411, 412, 563, 629, 675, 715, 723, 724, 848, 849, 853, 1017, 1059) o gli permetta di ricostruirle (621, 745, 814, 987, 988); in alcune circostanze la lettura di B conferma soluzioni già trovate da editori precedenti (983, 987) e in due casi consente di ripristinare la corretta distribuzione di battute (744, 848).
Altre volte invece il codice presenta soluzioni che non vengono colte dal CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim (arg. 2, 449, 935) o, ancora, errori che invece lo sviano (62, 186, 209, 210, 334, 846).
Probabili ‘tracce’ del CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim sui codici B e C
Le lineolae
Dalla lettura dell’apparato proposto si sarà notato come in corrispondenza di un intervento editoriale del CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim possa ricorrere nei codici la presenza di una lineola tracciata sotto la lezione in questione. In effetti, sia in B sia in C si notano numerose sottolineature dall’inchiostro scuro e dal tratto spesso, che rivelano un’estrema disinvoltura nei confronti del manufatto antico.1 Sorge quindi la curiosità di indagare se il riscontro tra questi segni – che ricorrono simili nei due codici posseduti dal filologo – e il lavoro editoriale del CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim possa farne attribuire a lui la paternità.2
Nel vagliare tale ipotesi, ricercando il motivo che possa aver portato il filologo a porre questi segni, si riportano i dati ricavabili dai MenaechmiMenaechmi.
Lineola nel solo B
101 Cerialis cenas dat, ita mensas exstruit
mensas Fest. 408, 28 L. Pylades Camerariusa : mensam BCD MerulaMerula, Giorgio

B f. 98v l. 24
235 Histros, Hispanos, Massiliensis, Hilurios
Massiliensis BCD MerulaMerula, Giorgio : Massilienses Camerariusa
255 uiaticati hercle admodum aestiue sumus
aestiue Camerariusa : aestiuae BC estiuae D estiue MerulaMerula, Giorgio
363 magis quam domus tua domus quom haec tua sit
quom A cum MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : quam BCD
398 ER. pallam te hodie mi dedisse uxoris. ME. etiam nunc nego.
etiam C2 : ettam C1 sed iam BD1 Camerariusa sed etiam D4 iam MerulaMerula, Giorgio
405 ER. † iam, amabo, desine † ludos facere atque i hac mecum semul
iam BCD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa1 : iamiam CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim
546 ME. immo cedo aps te : | ego post tibi reddam duplex
duplex CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : dupelex B
745 ego te simitu noui cum Porthaone
simitu Camerariusa : si me tu B sime non tu CD
821 SEN. tu negas? ME. nego hercle uero. SEN. immo † haec eludere † negas
immo CD Merula Merula, Giorgio : inmo B nimio Camerariusa
886 Apollini autem brachium. nunc cogito
autem CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : autem autem B
955 ut parentur quibus paratis opus est. tu seruos iube
tu D4 Merula Merula, Giorgio Camerariusa : tuos B tus CD1
972 recordetur id
recordetur CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : recorde cordetur B
1065 ME. o | adulescens, salue, qui me seruauisti, quisquis es.
seruauisti B Camerariusa : seruasti CD MerulaMerula, Giorgio CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim2
1076 tu | erus es : tu seruom quaere. tu salueto : tu uale.
tu salueto tu B3 : tu salue to tu B1 salueto tu tu CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
1120 MES. qui id potest? ME. gemini ambo eramus. SOS. di me seruatum uolunt
qui id potest BCD : qui potest MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
Lineola nel solo C
101 Cerialis cenas dat, ita mensas exstruit
Cerialis Fest. 408, 27 L. : certalis B1CD1 certe talis B3 cerealis D4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa

C f. 41v l. 18
164/5 facere coniecturam † captum sit collegium. †
coniecturam B MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : coiecturam A1 coniecturum CD
168 nam ex istoc loco spurcatur nasum odore inlucido
spurca— A spurcatur B3D Non. 632 L. Camerariusa : purcatur B1 spurtacur C
nasum odore B3 Non. Merula Merula, Giorgio Camerariusa : nasum odori D4 nasum modori B1CD1
174 mi, tibi atque illi iubebo iam adparari prandium. PE. eu.
iubebo CD Pylades Camerariusa : iube— A iubeo B MerulaMerula, Giorgio2
175 ME. inde usque ad diurnam stellam crastinam potabimus
ad diurnam AD4 Merula Merula, Giorgio Camerariusa : addiurnum B1 ad diurnum B3CD1
182 ER. anime mei, Menaechme, salue. PE. quid ego? ER. extra numerum es mihi
mei B1CD Merula : mi B3 Pylades Camerariusa
188 tua est legio : | PE. adiudicato cum | utro | hanc noctem sies
tua est legio B3 Camerariusa : tuest legio B1CD tua legio est Pylades tu es legio Merula Merula, Giorgio sies BcD4 Merula Merula, Giorgio Camerariusa : scies B1C
204 PE. qui quidem ad mendicitatem properent se detrudere
mendicitatem AB3D Merula Merula, Giorgio Camerariusa : medicitatem B1 mendititatem C
210 glandionidam suillam, laridum pernonidam
suillam AB3 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : sullam B1CD
225 cocta sunt, iube ire accubitum. ER. redi cito. CI. iam ego hic ero
iube ire AB3D3 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : iubire B1CD1
234 hic annus sextus est postquam ei rei operam damus
ei rei Gruterus Gruter, Jan : ire hi B1CD1 ire hinc B3 huic rei D4 rei huic MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
239 acum inuenisses, sei appareret, iam diu
appareret BD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : apareret C
254 audin, Menaechme? quom inspicio marsuppium
audin CD Merula Merula, Giorgio : adi cum rasura B1 audi B3 Camerariusa
267 MES. quid metuis? ME. ne mi damnum in Epidamno duis
in epidamno duis Beroaldus Camerariusa : in epidamno dus B1 ut vid. in epidamno dias B3 ut vid. Merula Merula, Giorgio in epidam nodus CD1 in epidamno dus D4 ut vid.
316 MES. eu | hercle | hominem multum et odiosum mihi
eu B3 heu Camerariusa : tu B1CD MerulaMerula, Giorgio
322 quos tu parasitos loquere? MES. quod te urget scelus
parasitos D3 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : paratitos BCD1
350 asseruatote haec sultis, nauales pedes
sultis Pylades Camerariusa : si uoltis BD Merula Merula, Giorgio siuuoltis C
361 animule mei, mi mira uidentur
animule mei B1CD animule mi Bc Pylades Camerariusa : anime mi MerulaMerula, Giorgio
363 magis quam domus tua domus quom haec tua sit
tua sit A Merula Merula, Giorgio Camerariusa : tua B1 sit tua B3 itua CD
366 ulla mora intus
ulla mora B3 Camerariusa : si ullam ora B1 sullam oras CD versum om. Merula Merula, Giorgio
387 ER. eamus intro, ut prandeamus. ME. bene uocas : tam gratiast
tam BCD : tamen Merula Merula, Giorgio Camerariusa iam CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim3
391 ER. Peniculo. ME. quis iste est Peniculus? qui extergentur baxeae?
baxeae Scutarius Scutarius, Eugenius : bexeae B1CD buxeae B3Camerariusa bexe MerulaMerula, Giorgio
432/3 eho Messenio, | accede huc. MES. quid negoti est? ME. † sussciri †
sussciri B1D2 : ł sciscitari B3 in mg. ubi susurra add. alia manus4 susciri CD1 MerulaMerula, Giorgio scire uis Camerariusa
434 MES. quid eo opust? ME. opus est. scio ut me dicas. MES. tanto nequior
me dicas B1CD Merula Merula, Giorgio : mendices B3 men dices Camerariusa
435 ME. habeo praedam : tantum incepi | operis. ei quantum potes
ei GruterusGruter, Jan : et BCD Merula Merula, Giorgio tu Camerariusa
437 tu facito ante solem occasum ut uenias aduorsum mihi
tufacito BCD tu facito MerulaMerula, Giorgio Camerariusa5
449 ubi ego dum | hieto, Menaechmus se subterduxit mihi
dum hieto AB : dum mihi CD met Merula dum haereo Pylades Camerariusa Merula, Giorgio
451 qui illum di omnes perduint, quei primus <–> commentus est
quei primus CD1 qui primus B3D4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : que ciprimus B1
458 quibus negoti nil est, qui essum neque uocantur neque uocant
uocant B3D4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : uocauit B1CD1
461 quoi tam credo datum uoluisse quam me uideo uiuere
me AD4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : ne BCD1
466 potine ut quiescas? ego tibi hanc hodie probe
potine ut Bc : A n.l. potine me ut B1 potine ne ut CD1 potin ne ut D4 Merula Merula, Giorgio Camerariusa
ego A : sed dico B sed co CD1 sed ego D4 si ego MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
492 fecisti funus med absenti prandio
funus ABD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : fumus C
493 cur ausu’s facere, quoi | ego aeque heres eram
heres LipsiusLipsius, Justus Ant. 61 : heris BCD lineola in C eras Merula Merula, Giorgio haeres Camerariusa
559 MA. egone hic me patiar frustra in matrimonio
(m)e patiar A Camerariusa6 : medaciar B1CD1 me paciar B3 mendacier D3 mendiciar MerulaMerula, Giorgio
563 pallam ad phrygionem7 cum corona | ebrius
phrygionem Merula Merula, Giorgio Camerariusa : frygionem A phydrionem B fridionem CDc frididnem D1
564 ferebat, hodie tibi quam surrupuit domo
surrupuit BCD : subripuit Merula Merula, Giorgio surripuit Camerariusa
566 em | hac abiit, si uis persequi uestigiis
em AB hem MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : heen CD
567 atque edepol eccum | optume reuortitur;
optume C Merula Merula, Giorgio : op— A optime B obtume D ipsum optime Camerariusa hiatus vitandi causa
569 PE. idem quod semper : male habeas; sic censeo
habeas B1CD Merula Merula, Giorgio Camerariusa : hab— A habeat B3
571 ME. ut hoc utimur maxime more moro
moro LipsiusLipsius, Justus Ant. 61-62 : morum BCD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
584 habent rem paratam, mens est in quo * *
mens est Merula Merula, Giorgio Camerariusa : mensae BC mense D
593 sponsio fieret. quid ille? † qui praedem dedit †
qui ABCD : om. Merula Merula, Giorgio quid Pylades Camerariusa
601 placabit palla quam dedi
placabit B Camerariusa : placebit CD MerulaMerula, Giorgio
601a quam | hodie uxori abstuli atque huic detuli | Erotio
hodie CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : om. B8
605 MA. clanculum te istaec flagitia facere censebas pote?
istaec BD4 Merula Merula, Giorgio Camerariusa : ista ec D1 ista et C
663 eo domum. PE. quid mi futurum est, qui tibi hanc operam dedi?
eo Bentley Emend. 209 : ego BCD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
683 ME. mi tu ut dederis pallam et spinter? numquam factum reperies
reperies Prisc. gramm. II 151, 6 sgg. Osb. S 76, 9 B. MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : releceris B1 redixeris B3 relegeris CD
718 itaque adeo iure coepta appellari est Canis
canis B3D3 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : canes B1CD1
748 nouistin tu illum? ME. noui cum Calcha simul :
Calcha Prisc. II 239, 12 Char. 84, 2 B. Merula Merula, Giorgio Camerariusa : calcantes B1 calcante Bc calchante CD2 chante D1
760 quas si autumem omnis, nimis longus sermost.
sermost B : sermo est CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
799 hinc stas, illim causam dicis. SEN. si ille quid deliquerit,
illim B1CD1 : illinc B3 Merula Merula, Giorgio Camerariusa illius D4
801 quando te auratam et uestitam bene habet, ancillas, penum
ancillas penum Pylades ‘ex codicibus antiquis’ Camerariusa : anpillaspen BCD ampulla spem MerulaMerula, Giorgio amplius ne postules Saracenus ampulosam Pius ‘in priscis exemplaribus’
802 recte praehibet, melius sanam est, mulier, mentem sumere
sanam D4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : samnam BCD1
804 me despoliat, mea ornamenta clam ad meretrices degerit
ornamenta clam Acidalius Div. 264 : ornamenta iam B Camerariusa ornamentiam me CD1 ornamenta D4 ornamenta etiam MerulaMerula, Giorgio
820 ME. tun, senex, ais habitare med in illisce aedibus?
med CD : me B Merula Merula, Giorgio me in Pylades me hic Camerariusa
846 prius quam turbarum quid faciat amplius. ME. enim haereo
hereo (sc. haereo) D4 Merula Merula, Giorgio : B1 non legitur uero B3 Camerariusaereo CD1
853 ME. haud male | illanc amoui; nunc hunc impurissimum
amoui nunc B Camerariusa : amo uinum CD1 amo uirum D3Merula
858 ME. faciam quod iubes; securim capiam ancipitem, atque hunc senem
securim D4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : securi BCD1
867 cursu celeri facite in flexu sit pedum pernicitas
sit B3 Merula Merula, Giorgio Camerariusa : sunt B1 sint CD
928 perdormiscin usque ad lucem? facilen tu dormis cubans?
cubans Acidalius Div. 267 : curans BCD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
984 metum haud multum. prope est † quando ceruso faciam † pretium exsoluet
ceruso BCD MerulaMerula, Giorgio Pylades : herus ut quod strenue Camerariusa
1005a luci deripier in uia
lucideri pier B1CD1 luci deripier Merula Merula, Giorgio Camerariusa : lucide rapier B3 lucide eripi erum D4
1010 numquam te patiar perire, me perire est aequius
perire est aequius Camerariusa praeeunte Saraceno (me perire citius) : derideres te cuius B me derires tecuius CD mederi te cuius MerulaMerula, Giorgio
1079 SOS. tun meo patre es prognatus? ME. immo equidem, adulescens, meo;
meo (al.) C : om. B Merula Merula, Giorgio tuum Camerariusa9 nec D
1107 MES. est tibi nomen Menaechmo? ME. fateor. MES. est itidem tibi?
menechmo B menaechmo D : menechimo C menechinus Merula Merula, Giorgio menaechmus ScutariusScutarius, Eugenius Camerariusa
1123 quod nunc est, Menaechmo : | illum tum uocabant Sosiclem
menechmo BCD : menaechinus Merula Merula, Giorgio menaechmus ScutariusScutarius, Eugenius Camerariusa
1142 potaui atque accubui scortum, pallam et aurum hoc * * *
versus mutilus in BCD MerulaMerula, Giorgio : mihi dedit suppl. Camerariusa
Lineola in entrambi i codici
204 PE. qui quidem ad mendicitatem properent se detrudere
properent se As : se proderent B1CD se proderint B3 se properent MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
218 ER. euocate intus Culindrum mi quoquom actutum foras
culindrum BCD : —m A Cilyndrum Char. 261, 10 B Cylindrum MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
220 CI. habeo. ER. abi atque obsonium adfer; tribus uide quod sit satis1
habeo BD4 MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : abeo CD1
242 ME. ergo istuc quaero certum qui faciat mihi
istuc ACD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : istunc B2
249 ME. dictum facessas, datum | edis, caueas malo
datum edis caueas BCD : datum et discaueas Merula Merula, Giorgio elatum et discaueas Pylades doctum et discaueas Camerariusa
260 tum sicophantae et palpatores plurumei
plurumẹị A plurimi MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : pluri BCD
269 ego autem homo iracundus, animi perciti
iracundus Merula Merula, Giorgio Camerariusa : iracun- A iracundis BCD1 iracundi sum D4
270 id utrumque, argentum quando habebo, cauero
habebo Pylades Camerariusa : habeo BCD MerulaMerula, Giorgio
458 quibus negoti nil est, qui essum neque uocantur neque uocant
essum BCD : escunt A esum MerulaMerula, Giorgio Camerariusa
461 quoi tam credo datum uoluisse quam me uideo uiuere
uoluisse ABCD Pylades Camerariusa : noluisse MerulaMerula, Giorgio
683 ME. mi tu ut dederis pallam et spinter? numquam factum reperies
tu ut CD : ut tu B Camerariusa tu Prisc. gramm. 151, 6 sgg. nisi Osb. S 76, 9 et s373 B. Merula Merula, Giorgio

B f. 103v l. 29

C f. 51r l. 16
864 ut ego hunc proteram leonem uetulum, olentem, edentulum
edentulum Pius Camerariusa : edentius BC edentuis D MerulaMerula, Giorgio
10383 MES. saluom tibi ita ut mihi dedisti reddibo. | hic me mane.
tibi ita Non. 764 L. altero loco BCD Camerariusa : priore loco tibi item B lineola in B item tibi CD lineola in C tibi MerulaMerula, Giorgio
reddibo Non. Camerariusa : priore loco reddebo BC1D redhibeo C2 in marg. lineola in B atque in C altero loco redhibeo CD Merula Merula, Giorgio sed habeo B lineola in B atque in C
Spesso alle sottolineature corrispondono questioni meramente ortografiche – sentite evidentemente come anomalie da chi era educato ad altre norme4, e quindi segnalate di volta in volta o nel solo B (235, 2555) o nel solo C (182, 451, 718) o in entrambi i codici (218, 260).
Nella maggior parte dei casi – soprattutto in C – sono segnalati passi problematici, il più delle volte già risolti nelle edizioni precedenti, quasi a vagliarne la validità. Le lineolae evidenziano semplici errori desumibili dal contesto, voces nihili (sottolineate in B: 546), facili scambi di lettere (sottolineati in B: 363; in C: 101, 164/5, 168, 175, 204, 316, 322, 461, 492, 559, 601; in BC, sia quando l’errore è presente in entrambi, 269, o in uno solo dei due codici, 242); aplografie (in B: 1065 e in C: 210, 225, 239, 363); dittografie (in B: 886, 972 e in C: 802); errata divisio verborum (in C: 267, 366, 437, 605, 853, 1005a).
Si riscontrano lezioni segnate in quanto forse considerate errate proprio perché non presenti nella tradizione editoriale (in B: 1076, 1120; in C: 593; in BC: 458).
Si deve anche dire che la sottolineatura è presente in uno solo dei due codici anche quando siano entrambi in errore (in B: 745, 955; in C: 466 sed dico, sed eo, 559, 563, 683, 748, 1010) o in entrambi ricorra il medesimo errore (in B: 101 mensam, 235, 255, 363; in C: 101 certalis, 175, 234, 322, 350, 461, 493, 584, 801, 802, 858).
In altri casi alle sottolineature corrispondono viceversa termini recepiti a testo (in B6: 398; in C: 571, 663, 928). Sebbene non ci sia dato sapere se, come e quando, una volta venuto in possesso di C, lo studioso abbia confrontato i due manoscritti, nei casi in cui è sottolineata in C una lezione corretta – accolta già dalla tradizione editoriale e dall’edizione del CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim del ‘30 – ma errata in B, si potrebbe o ipotizzare che il filologo appunti come degna di nota la conferma che gli viene dal codice o sospettare un confronto tra i due manoscritti (in C: 174, 569, 601a; in BC: 242).
I casi più significativi, se pur pochi, sono tuttavia quelli in cui il filologo è il primo ad affrontare e spesso a risolvere un passo problematico: le lineolae rivelano una natura di ‘promemoria’ in vista di una più attenta riflessione nel corso del lungo e continuo lavoro testuale che CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim dedica negli anni a Plauto, che va da intelligenti ‘ritocchi’ paleografici (559, 745, 1010) a interessanti interventi congetturali (249, 1142).
L’impiego della sottolineatura deve essere evidentemente legato, proprio per la sua incostanza, a fasi e a intenti diversi se a buona parte delle congetture dell’umanista che ancora oggi trovano spazio nelle edizioni contemporanee di riferimento, non corrisponde alcun ‘segno’ di attenzione nei manoscritti.
Altri interventi
Se le sottolineature sono gli interventi di gran lunga più numerosi, nel codice B si possono tuttavia notare anche altre ‘tracce’ materiali di un lavoro che il riscontro con l’edizione consentirebbe di attribuire al CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim:
– l’indicazione in numeri arabi (da 1 a 7) di una corretta sequenza di versi: vv. 311-3191;

B f. 100r ll. 40–43
– la divisione di versi (351-364):2

B f. 104v ll. 25–38
– uno spostamento di parole accompagnato da una linea sinuosa:
763 repente expetit me, | ut ad sese irem
me ut ad sese BCD MerulaMerula, Giorgio : inuersionis lineola in B3 ad sese me ut Camerariusa
1007 mittite istunc. ME. obsecro te, quisquis es, operam mihi ut des
mihi ut des BCD : inuersionis lineola in B ut des mihi Camerariusa

B f. 106v l. 39.
Indicazione di atti e scene
In entrambi i codici si riscontrano rare e non sistematiche indicazioni – in una grafia cinquecentesca posata, ma presumibilmente sempre attribuibile al CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim1 – di una divisione della commedia in atti e in scene, che si inserisce in una tradizione umanistica non uniforme, e che, per gli atti, ha riscontro nelle prime edizioni dei MenaechmiMenaechmi (nel testo edito vengono indicati i numeri di atti e di scena nelle sole edizioni del ‘36 e del ‘42). Degno di nota è l’atteggiamento di CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim nel 1552, che disattende la precedente suddivisione adottata, già presente nell’edizione dell’Angelius, quasi a mostrare di preferire il testo senza alcuna ripartizione, così come lo si trova nei codici2:
– ac. 5 sc. 2 (Vt aetas)

B f. 104r l. 48
– Ac. 3. sc. 1 (Plus triginta – C f. 47r l. 21)
– MenaechmiMenaechmi 5 sc. 5 (Spectamen)

C f. 56r l. 1
Titoli correnti
In tutte le commedie si possono notare, in entrambi i codici, sporadiche indicazioni di titoli correnti inserite là dove mancanti e indubbiamente comode durante lo studio, chiaro ‘strumento’ per una più agile consultazione e riconsultazione dei manoscritti. Per quanto riguarda i MenaechmiMenaechmi ciò si constata due volte nel solo C ai ff. 41r e 52r:

C f. 52r
Annotazioni
Talvolta in una grafia svelta e sottile – riconducibile a quella del CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim – nei margini dei codici sono aggiunti termini o, addirittura, versi omessi da uno dei due Palatini:1
arg. 6 Circum omnis oras. post Epidamnum deuenit
B Camerariusa : versum om. CD Merula Merula, Giorgio Circum et(cetera) add. in marg. dx. manus Camerarii in C2

C f. 40v l. 4
495 qui mi male dicas homini hic ignoto insciens?
homini hic ignoto B3 Camerariusa3 : homini hic noto B1 hicnoto CD homini add. in marg. dx. manus Camerarii in C4 ignoto MerulaMerula, Giorgio
605 MA. clanculum te istaec flagitia facere censebas pote?
flagitia CD MerulaMerula, Giorgio Camerariusa : om. B sed. add. manus Camerarii

B f. 103r l. 1
In conclusione, se le sigle che si trovano nei margini della prima edizione plautina rilevano soprattutto il valore che il giovane filologo attribuisce al codice B; i segni lasciati sui due codici – se attribuibili al CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim – sembrerebbero piuttosto funzionali a individuare i ‘difetti’ che lo studioso riscontra nei due manoscritti e che lo hanno portato ad esprimere nel ҆52 quel giudizio alquanto negativo, per entrambi i codici, nei confronti della librariorum inscitia et futilitas.
Bibliografia
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Bandini, Giorgia: Il Camerario e la Rudens: tracce ‘materiali’ del lavoro nei codici plautini B e C, in: Renato Raffaelli / Alba Tontini (cur.): Lecturae Plautinae Sarsinates. XVII. Rudens, Urbino 2014, 109–123.
Cappelletto, Rita: La ‘lectura Plauti’ del Pontano. Con edizione delle postille del cod. Vindob. lat. 3168 e osservazioni sull’Itala recensio, Urbino 1988.
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Goetz, Georg: Zu Camerarius’ Plautusstudien, Rheinisches Museum für Philologie 41, 1886, 629–631.
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Plautinae viginti comoediae, emendatae per Georgium Alexandrinum [Merulam], Venetiis, opera et impendio Ioannis de Colonia atque Vindelini de Spira, 1472.
Plautinae viginti comoediae… recognitae per Eusebium Scutarium, Mediolani, in officina Ulderici Scinzenzeler, 1490.
Plautinae viginti comediae (!) emendatissimae cum accuratissima ac luculentissima interpraetatione (!) doctissimorum virorum Petri Vallae Placentini ac Bernardi Saraceni Veneti, Venetiis, per Simonem Papiensem dictum Bivilaqua, 1499.
Plautus integer cum interpretatione Ioannis Baptistae Pii, Mediolani, per magistrum Uldericum Scinzenzeler, 1500.
Plautus diligenter recognitus per Philippum Beroaldum, Bononiae, per Benedictum Hectoris, 1500.
[Plauti comoediae], ed. Pylades Buccardus, a Iacobo Britannico Brixiae impressae, 1506.
[Plauti comoediae], ed. Ioannes Adelphus Mulingus, Argentinae, Ioannes Gruninger imprimebat, 1508.
M. Actii Plauti Asinii comoediae viginti nuper emendatae et in eis Pyladae Brixiani lucubrationes, Thadaei Ugoleti et Grapaldi virorum illlustrium scholia, Anselmi Epiphyllides, Parmae, excusserunt formis Octavianus Saladius et Franciscus Ugoletus, 1510.
Plauti comoediae viginti, ex emendationibus atque commentariis Bernardi Saraceni, Ioannis Petri Vallae, Venetiis, per Lazarum Soardum, 1511.
M. Plauti sarssinatis (!) comedie viginti varroniane, ed. Simon Charpentarius, s. l., 1513.
Plauti comoediae viginti nuper recognitae et acri iudicio Nicolai Angelii diligentissime excussae, Florentiae, ex officina Philippi de Giunta, 1514.
Ex Plauti comoediis viginti, Venetiis, in aedibus Aldi et Andreae Asulani soceri, 1522.
M. Plauti comoediae viginti, Basileae, apud Andream Cratandrum, 1523.
M. Accii Plauti comoediae duae Menaechmei et Mostellaria, a mendis purgatae ac numeris suis, quoad eius fieri potuit restitutae [a Ioachimo Camerario], Norimbergae excudente Friderico Peypesio, 1530.
M. Accii Plauti Sarsinatis comici festivissimi comoediae viginti diligentiss. a mendis repurgatae, & in mensum suum genuinum, quod Menaechmei Mostellaria & Trinummus docent, restitutae, Basileae, ex officina Ioannis Hervagii, 1535.
M. Accii Plauti comoediae sex, Capteiuei Aulularia Miles Menaechmei Mostellaria Trinummus, Magdeburgi, per Michaelem Lotterum, 1536.
M. Accii Plauti comoediae quinque, a mendis purgatae, ac numeris suis, quo ad eius fieri potuit, restitutae, quibus addidimus Trinummum: Capteiuei Aulularia Miles Menaechmei Mostellaria Trinummus, Magdeburgi, excudebat Christianus Rodingerus, 1542.
M. Accii Plauti comoediae quinque [Amphitruo Asinaria Curculio Casina Cistellaria] magna cum cura emendatae a Ioachimo Camerario Pabepergensi, Lipsiae, in officina Valentini Papae, 1545.
M. Accii Plauti comoediae sex [Epidicus Bacchides Mercator Pseudolus Rudens Persa] magna cum cura emendatae a Ioachimo Camerario Pabepergensi, Lipsiae, in officina Valentini Papae, 1549.
M. Accii Plauti comoediae viginti, diligente cura et singulari studio Ioachimi Camerarii Pabepergensis emendatius nunc quam ante unquam ab ullo editae. Adiectis etiam eiusdem ad singulas Comoedias Argumenti et Annotationibus Basileae, per Ioannem Hervagium, [1552].
M. Accii Plauti comoediae viginti diligente cura Ioachimi Camerarii Pabepergensis editae. Accesserunt iam indicationes quoque multorum a Georgio Fabricio Chemnicensi collectae, Basileae, per Ioannem Hervagium et Bernhardum Brand, 1558.
T. Macci Plauti comoediae, ex rec. et cum appar. critico Fr. Ritschelii: II 3 Menaechmi, Bonnae 1851.
T. Macci Plauti comoediae, rec. instrum. critico et prolegom. auxit Fr. Ritschl sociis operae adsumptis Gustavo Loewe, Georgio Goetz, Friderico Schoell: III 5 Menaechmi, rec. Fr. Ritschl, ed. altera a Fr. Schoell recognita, Lipsiae 1889.
T. Maccius Plautus, Fabularum reliquiae Ambrosianae. Codicis rescripti Ambrosiani apographum, confecit et ed. G. Studemund, Berolini 1889.
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Camerarius Camelarius
A New Salt Road to the Modern World
Michael Fontaine (Ithaca)
Camerarius d.Ä., JoachimEt mihi Erasmiaco liceat re ludere more;
seria materia est, Musa iocosa levet.
1. The title explained; a proposition; the argumentum
In 2017 I discovered two letters that shed new light on the transmission of Plautus’ comedies from antiquity to the Early Modern period. One concerns (probably) the “Decurtatus” manuscript and the other concerns the 1552 Basel edition that Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim the Elder based on it.1 To keep the exposition moving, I’ve chosen a fun title inspired by ErasmusErasmus von Rotterdam’Erasmus von Rotterdam Praise of FollyErasmus von RotterdamLaus stultitiae (1509), which he dedicated to Thomas More:
I decided to write a fun essay in praise of folly. “What stroke of genius put that in your head?” you’ll say. Mainly it was your last name, More, which comes as close to the word moria (folly) as you are far from the thing.2
Like ErasmusErasmus von Rotterdam, I hope a little fun will lighten up the serious points I have to make. Consider this proposition:
Quisquis habet Plauti libros cimelia3, peccat:
qui vehit usque sales, iure camelus erit.
It’s natural to think of manuscripts of Plautus’ comedies as cimelia, heirlooms or rare books. But as vectors of sales – salt or jokes – we could also think of them as camels. Analogously, we can think of the scholars who deliver their cargo to us like the traders who have, from time immemorial, traversed the Sahara Desert on camelback to bring slabs of salt from mines to markets. And of all such camelarii, camel drivers, none enjoys greater glory than Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim (1500–1574). As the following argumentum summarizes, I intend to remap the “salt road” he traveled in bringing Plautus’ comedies from antiquity to his own times:
Carvanâ superat Libyae solitudines
Arabs camelorum, insulsis ut portet salem:
Modo qVo caballIs, asInIs DICVntVr ManV4
Exscripti in Latium allati super Alpes libri,
Leone5 duce: is Palatino tractas Lari
Asportat6 spolia, Plauti membranas duas
Relegatque Romam. Dignius CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim?
“Insulso cuique relegendo illos aperuit
Veteres vectores (nactus quos fuerat prior7)
Salis, salvomque ad nos DetulIt caMeLarIus.”
2. The Standard Account
In 1552 CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim published an epoch-making edition of Plautus’ comedies in Basel (reprinted there in 1558); later scholars heaped praised on him for “healing” the text of Plautus.1 If you read a standard account of the salt road CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim traversed to earn this praise, it goes like this2:
With the decline of Rome in the West, the majority of Plautus’ comedies were not recopied and eventually forgotten. For a thousand years nothing changed until, in 1428 or 1429, the German monk Nicholas of CusaKues, Nicolaus von (1401–1464), known as Cusanus, lit a stick of dynamite, threw it into Italy, and sparked the Renaissance.
Not real dynamite, of course, but a one-humped “camel.” In 1428, Cusanus had found a manuscript in Trier that contained twelve of Plautus’ lost plays (viz. BacchidesBacchides + EpidicusEpidicus to TruculentusTruculentus). He took it to Rome and gave or sold it to Cardinal Giordano OrsiniOrsini, Giordano (Kardinal) (1360/70–1438). Today that camel is called the codex Ursinianus, abbreviated manuscript D (Vaticanus Latinus 3870). Four decades later, the Venetian professor Giorgio MerulaMerula, Giorgio (c. 1430–1494) made it the basis for creating the first complete printed edition of Plautus; he published it in Venice in 1472. Others soon pirated MerulaMerula, Giorgio’s text, and it thus became the first vulgate.
Back in Germany, Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim was born in 1500 in Bamberg. In 1513, he began studying Plautus at Leipzig University with a charismatic professor and Plautophile named Veit (i.e. Vito) WerlerWerler, Veit (1480s – after 1536).3 In 1530, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim published two comedies in Nuremberg, MenaechmiMenaechmi and MostellariaMostellaria, that he had reedited on the basis of new manuscript sources. A decade later, he published two more partial editions in Leipzig, one in 1545 and the other in 1549. In 1552, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim finally published in Basel his epoch-making, complete edition of all of Plautus’ 20 comedies. In 1558, he published a corrected reprint that became the second vulgate; it remained the basis of every subsequent edition for the next 250 years.
In Milan in 1815, Cardinal Angelo Mai (1782–1854) stumbled on a new manuscript of Plautus, the Ambrosian Palimpsest, that warranted a radical new edition of Plautus.4 That manuscript is tremendously important, but I won’t mention it again in this paper.
What made that second vulgate so special and enduring? The answer is that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim based it on two valuable but previously unknown camels, known today as the Codex Vetus (B) and the Codex Decurtatus (C). To prevent information overload, I commissioned an allegory to help tell them apart.

The Allegory of the CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim Camelarius, by Lucy Plowe (2017). Note the weariness on his face.
3. The Camels Described and Distinguished; Their Fate
In the painting, the Vetus (B) is a Bactrian camel. It has two humps to symbolize the full 20 comedies of Plautus that it carries. Those comedies are depicted as slabs of salt that, by a nice coincidence, look like early modern folio editions. The other camel, C, the Decurtatus, is a dromedary. It has only one hump, to remind readers that it contains only the later 12 comedies (BacchidesBacchides + EpidicusEpidicus–TruculentusTruculentus).
We know CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim had these two camels because upon his death in 1574, they were found among his belongings. His sons JoachimCamerarius d.J., Joachim Jr. and PhilipCamerarius, Philip received them as a bequest, and for a time they let other scholars use them.1 In 1598, the boys sold them both to the elector Frederick IVFriedrich IV. von der Pfalz for his Palatine Library in Heidelberg, Germany (it is not to be confused with the Palatine hill in Rome). Frederick (1574–1610) paid them 26.10 coronati, and it is probably not a coincidence that a few months later, he appointed Joachim Jr.’s son, LudwigCamerarius, Ludwig, as his advisor (consiliarius).2
The man who prompted Frederick to buy the manuscripts was Janus GruterGruter, Jan (1560–1627), head of the Palatine Library. GruterGruter, Jan saw their extraordinary value for Plautine scholarship, and in time he used them to produce his own important edition (Wittenberg, 1621). Meanwhile, other editors came to Heidelberg to consult the camels, among them Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich (1565–1613), J. P. PareusPareus, Johann Philipp (1576–1648), and possibly Claude Salmasius (1588–1653).
PareusPareus, Johann Philipp is to blame for giving the camels their misleading nicknames Vetus (old) and Decurtatus (shortened or mutilated).3 I say “misleading” because the Decurtatus is no more “shortened” or “mutilated” than a one-humped camel is; it was never complete to begin with:
Tubera habet duo Bactrius, at dromedarius unum;
dic tamen, umquamne hiC semicamelus erit?
Even worse, the Decurtatus is older than the Vetus. According to Karl Zangemeister (1837–1902), GruterGruter, Jan’s eventual successor as head of the Palatine Library, the Vetus dates to the 11th century but the Decurtatus dates a bit earlier, to 10th/11th century. A 17th-century cataloguer in the Vatican Library described the Vetus as antiquus but the Decurtatus as antiquissimus.4
As noted in the argumentum above, in 1622 the Vatican librarian Leo Allatius Allatius, Leo(1586–1669) transported both manuscripts and many others from the Palatine Library over the Alps, tearing off their bindings to reduce weight and allegedly on horse- or muleback for part of the way, and deposited them in the Vatican Library, where they were rebound.5 The Vetus is there still. In 1797 the Decurtatus was taken to Paris, and in 1816 the Pope donated it to Heidelberg University Library, where it now resides.6
Both camels are good witnesses to the true text.7 Given their value, it is an abiding mystery why – as I shall discuss in a moment – CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim used the Vetus extensively in preparing his 1552 edition, but barely used the Decurtatus at all. Equally mysterious is how he obtained it. Since these mysteries stand in stark contrast to what we know of the Vetus, it is worth reviewing CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ claims about both manuscripts here.
4. The Camels’ Origin
CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ 1552 edition begins with a preface explaining why his new text of Plautus is important:1
Adminicula quaedam habuimus duorum librorum veterum quidem illorum sed quos librariorum inscitia et futilitas foede depravasset. Horum alteram nacti fuimus de bibliotheca praestantis dignitate et doctrina viri Viti Werleri Franci, cui pleraque debemus eorum quae a nobis fuerunt correcta.
Georgii autem Fabricii candor eximius et benevolentia summa erga nos, de incredibili studio diligentiae suae, communicavit nobiscum nuper suum quoque librum, in quem congesserat quicquid perquirere legendo potuit, quod ad Plautinarum fabularum tam emendationem quam explicationem aliquid momenti haberet.
Caetera sunt considerationis et curae ac studii nostri.
I got a certain amount of help from two books. They’re both old but scandalously disfigured by the idiocy and laziness of the scribes who copied them out. I got one of them from the library of Veit WerlerWerler, Veit of Franconia, who is both a scholar and a gentleman. I owe quite a few of my textual corrections to it.
Moreover, Georg FabriciusFabricius, Georg’ outstanding candor and kindness toward me, from the incredible enthusiasm of his diligence, recently shared his book with me, which he’d packed with whatever he could find out in his reading that had some bearing on emending and elucidating Plautus’ plays.
I alone am responsible for everything else in this book.
Because the 1552 text is printed as a single block, my paragraphing here is meant to clarify that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim is not talking about two books, but three. The first is the Vetus, but the second is not, as is sometimes thought, “Georg FabriciusFabricius, Georg’ book.” FabriciusFabricius, Georg’ book is a third book, a collection of fragments that was supposed to be reprinted in CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ edition but accidentally got left out; I will come back to it in ch. 8.2 The point to grasp here is that the “two books” CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim says he got help from are camels B and C – that is, the Vetus and the Decurtatus.
We know a lot about the origins of the Vetus because CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim had written in greater detail about it in the preface to the 1545 partial edition of Plautus he’d published in Leipzig.3 As he explains there, once upon a time Martin PollichPollich, Martin (1455–1513), the first rector of Wittenberg University, had owned it. In 1512, PollichPollich, Martin gave it Veit WerlerWerler, Veit, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ former professor at Leipzig mentioned above, and in 1525 the humanist Michael RotingRoting, Michael (1494–1588), WerlerWerler, Veit’s nephew, took it from WerlerWerler, Veit’s bookcase and gave it to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim. By 1552, therefore, when CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim published his complete Plautus in Basel, he had had the manuscript in his possession for 27 years.4
The situation with the Decurtatus is entirely different. CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim claims he got “help” (adminicula) from both manuscripts, but his claim does not match the evidence. As Ritschl puts it,
A glance at any page of my edition of BacchidesBacchides or at the notes in TaubmannTaubmann, Friedrich, GruterGruter, Jan, and PareusPareus, Johann Philipp on any scene at all in any one of Plautus’ twenty comedies can show that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim didn’t mention 1 % of its manuscript variants.
The editor of Ritschl’s Kleine Schriften interjects, “No kidding – not even 0.1%!”5
Equally strange is where and when CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim got the Decurtatus in the first place. Thanks to a subscription written on its first page, we know that the manuscript had once belonged to the library of the St. Corbinian abbey at Freising (Bavaria). But CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim does not say that or anything else about how it came into his possession. In his facsimile edition of the Decurtatus, Zangemeister complained,
I’ve completely failed to find out by what rights CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim called this “his” manuscript or what year he got it in, though it is clear that this [1545 prefatory] letter is his first mention of it. He chose to say nothing of its origins.6
A few years ago, Giorgia Bandini echoed him: “We cannot know how and when, once he had also gotten hold of C, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim compared the two manuscripts.” We have thus made no progress since Ritschl, who wrote in 1848 “By what vicissitudes it reached CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, is unknown,” and who ended an essay shortly before his death, “Anyone who can shed light on this mystery will be most appreciated.”7
I’m pleased to say the first letter I found in 2017 might finally shed light on this mystery.
5. FabriciusFabricius, Georg’ Letter of 1549

FabriciusFabricius, Georg’ 1549 letter to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 10431(1, Nr. 183 (fol. 201r))
In the Bavarian State Library in Munich there is a random collection of manuscript letters to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim and others from various scholars.1 Among them is one about editing Plautus from the humanist Georg FabriciusFabricius, Georg of Chemnitz (1516–1571). This is the same FabriciusFabricius, Georg that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim thanks in the 1552 preface (the two corresponded frequently over the years). FabriciusFabricius, Georg sent the letter on October 7, 1549, when he was rector of the Saint Afra school in Meißen (Saxony). The first two thirds are of great interest for the history of Plautine scholarship:
Plautinas aliquot comoedias recentis editionis tuae, cum Aldino et Parisiense exemplo contuli, et cum in lectione veteri, tum in carminum ratione restituenda, magnam diligentiam et planè singulare iudicium animadverti. Vellem totum illud opus nos integrum habere, quod cum videaris quam primum absolvere velle, minime eges hortatore.
Collegi scholasticum libellum ex illius poetae comoediis ad cotidiani sermonis usum, sed illum tam diu apud me retinebo, donec tuo labore frui possim.
Extitit aliquot fabularum exemplum antiquum in Hassensteniana bibliotheca, quo olim Sturnus usus est, eius si nondum vidisti credo tibi potestatem fieri posse. Successus huius operae maxime in bonis exemplaribus positus est, et manuscripta non raro sunt impressis meliora, propter correctorum quorundam imperitiam et temeritatem.
I compared the text of some of Plautus’ comedies in your new edition [sc. of 1549; ch. 7 below] to those in the Aldine and Paris editions. The pains you took and the good judgment you exercised were obvious in both the critical text and in fixing the meter of the polymetric cantica. I wish we had the complete edition! But since you seem eager to finish it off as soon as you can, you certainly don’t need me to cheer you on.
I’ve finished assembling a textbook of extracts from the comedies of Plautus to teach students how to speak everyday Latin, but I’m going to hang on to it until I can have you take a look at it.2
There is an ancient copy of some plays in HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s library; Sturnus used it once. If you haven’t seen it yet, I believe you can get access to it. The success of this effort rests mostly on using good model texts, and manuscripts are often better than printed books, because of the inexperience and thoughtlessness of certain “correctors.”
My heart skipped a beat when I came across this letter; I assumed the third paragraph describes a new, unknown, and ancient manuscript of Plautus, still sitting unexploited on some shelf in “HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s library.” Upon investigation, I have concluded the manuscript described must be one of CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ two camels, probably the Decurtatus. My case is only circumstantial, but if I’m right, then the mystery of that manuscript’s origin is partially solved. Here is my reasoning.
6. One Hump or Two?
“HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s library” refers to the Lobkowicz Library, a private library still in existence 35 km north of Prague. It was founded by the Bohemian aristocrat and humanist Bohuslaus von HassensteinHassenstein, Bohuslaus von (1461–1510) in Hasištejn castle, near Meißen and Chemnitz, where FabriciusFabricius, Georg lived, and not far from Leipzig. In his time, HassensteinHassenstein, Bohuslaus von amassed a huge library of more than 650 volumes. The library still possesses many of its manuscripts but it does not have one of Plautus, and has not since before 1520.1 According to Kamil Boldan, the Plautus manuscript “must have been taken away in the first years after Bohuslav’s death (1510) because the catalogue of the HassensteinHassenstein, Bohuslaus von library, which dates back to 1520, no longer lists it.”2 As I will explain, FabriciusFabricius, Georg’ 1549 statement affirming its existence in the library must, therefore, be based on out-of-date hearsay and memory, not autopsy, and it arouses the suspicion that FabriciusFabricius, Georg could be referring to the Vetus. I would like to raise that possibility only to dismiss it.
One of HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s close friends was the humanist Johannes Sturnus of Schmalkalden. He is the man FabriciusFabricius, Georg says once “used” (usus est) the manuscript. Sturnus is an obscure figure. He apparently wrote little and even his dates are unknown.3 Originally from Chomutov near the German border in Bohemia, he was a flatterer-turned-friend that hung around HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s library and taught school there; HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s works are filled with scores of affectionate poems to and from him.4 After HassensteinHassenstein, Bohuslaus von died in 1510, Sturnus went to Leipzig. In his biography of EobanusHessus, Eobanus HessusHessus, Eobanus, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim mentions Sturnus respectfully alongside Veit WerlerWerler, Veit.5
Sturnus next taught humaniora in a private school in Annaberg, Germany, near the Czech border. He was an old man by then,6 and between 1532–1535, a teenaged Georg FabriciusFabricius, Georg met him there.7 The two apparently never met again, and when FabriciusFabricius, Georg wrote the preface to a collection of HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s writings many years later, he gives the impression that he traveled rarely, that he had not been especially well-connected to Sturnus, and that he perhaps knew more of HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s Library by reputation than direct experience.8
The simple solution, therefore, is to assume that Sturnus told FabriciusFabricius, Georg about the Plautus manuscript on that occasion in 1532–1535, and hence FabriciusFabricius, Georg’ seemingly authoritative statement to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim in 1549 – 15 years later – about Sturnus having once (olim) used the book, is based on nothing but that memory. In other words, FabriciusFabricius, Georg had not seen the manuscript he was telling Camerarius Camerarius d.Ä., Joachimto go get access to; it had been gone for three decades or more, and he was wrong to assume it was still there.
After HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s death in 1510, many books were loaned or donated and never recovered.9 At the same time, a number of scholars visited to borrow his books; on a visit between 1513–1518, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim received a Greek manuscript as a gift.10 Now, if FabriciusFabricius, Georg’ “old manuscript” (exemplum antiquum) went missing between 1510 and 1520, it raises the obvious suspicion that it could have been the Vetus. Recall the tangled history of that manuscript (ch. 4):
Its first owner was Martin PollichPollich, Martin (1455–1513).
In 1512, PollichPollich, Martin gave it Veit WerlerWerler, Veit.
In 1525, Michael RotingRoting, Michael took and gave it to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim.
Where did PollichPollich, Martin get it? No one knows, but one might easily imagine Sturnus – who seems to have been a bit of a drifter – quietly removing the manuscript as he departed HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s court in 1510 and giving it to him. The timing is perfect, and another point one could make in favor of this hypothesis are the markings in the Vetus.
HassensteinHassenstein, Bohuslaus von did not use marks of provenance, but in his early years he did write some marginal notes in his books. Now, it is also the case that one or more early modern scholars added marks and notes to the Vetus and marks (but few notes) to the Decurtatus. Bandini 2014 attributes all of them in the Decurtatus to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, but in oral discussion of this paper in 2018, Ulrich Schlegelmilch opined that only the marks in red, and not the others, were from CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ hand. A lack of competence prevents me from deciding, and still less do I know about the marks and notes in the Vetus. If a skilled palaeographer will compare them to the notes HassensteinHassenstein, Bohuslaus von made in his own manuscripts, then the case could be made that FabriciusFabricius, Georg meant the Vetus, and we now know its origin.
I doubt it, however, and for two reasons. First, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim had had the Vetus since 1525 and had been publishing partial editions based on its variants for years. He said so explicitly in the 1545 edition (note 21 above) and by 1549, it is impossible that FabriciusFabricius, Georg did not know that.
Of course, if FabriciusFabricius, Georg (wrongly) believed Sturnus’ MS was still in HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s Library, then he could never have connected the two. Hence everything hinges on the second point, namely, FabriciusFabricius, Georg calls the manuscript a partial one (aliquot fabularum). That does not suit the Vetus – which is a two-humped camel – but it does describe the Decurtatus, our one-humped camel. It is time to return to it.
7. The Czeckered past of the Decurtatus
Recall that the Decurtatus had once belonged to Freising Abbey (ch. 4 above), but many of its manuscripts were carried off and dispersed in the 14th and 15th centuries.1 Because that is precisely the time HassensteinHassenstein, Bohuslaus von began amassing his collection, it is plausible to suppose – though it cannot be proven – that HassensteinHassenstein, Bohuslaus von acquired it there and then. And as I will now explain, it is also plausible to suppose CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim had, quite coincidentally, acquired the Decurtatus only shortly before FabriciusFabricius, Georg wrote him about it.
Consider the timing. In my view, the “new edition” (recentis editionis tuae) FabriciusFabricius, Georg refers to must be CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ 1549 partial edition of Plautus rather than his 1545 partial edition of Plautus. I say that because it begins with a preface dated August 24, 1549 – that is, only six weeks and a couple days before FabriciusFabricius, Georg’ letter of October 7.2 In it, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim writes (pp. 12–13):
[…] et nunc post priores quinque fabulas Plautinas […] nunc has alteras sex tradidimus exprimendas Valentino nostro […]. Sed ad operis perfectionem opus erit quasi Zephyri flatu quodam pacis et ocii […].
And now, after the first five comedies of Plautus […] I’ve now sent off this second batch of six to our friend Valentin [sc. Papa/Bapst, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ printer in Leipzig] to print […]. But to finish the job, I’m going to need a certain breeze of peace and quiet, as if from Zephyr.
In my view, FabriciusFabricius, Georg is echoing the words ad operis perfectionem, “to finish the job,” in writing totum illud opus […] cum videaris quam primum absolvere velle, “since you seem eager to finish the whole job off as soon as you can.”
Given the tight timeframe between CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ preface and FabriciusFabricius, Georg’ letter – just six weeks – it would be natural to assume that FabriciusFabricius, Georg’ letter is what prompted CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim to discover and go obtain the Decurtatus from the HassensteinHassenstein, Bohuslaus von library. It would also be natural to fix that moment between October 8, 1549, and 1552, when his Basel edition first appeared. That is what I assumed at first, and it is nearly what other scholars had assumed even without knowing about FabriciusFabricius, Georg’ letter. As noted above (n. 24), Zangemeister thought the 1552 edition was the first time CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim ever mentioned the Decurtatus. And Bandini writes,
CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim seems to cite both codices for the first time in the introduction to the 1552 edition […]. In the preface of the 1545 partial work, by contrast, he only cited B. This suggests CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim already had possession of the Vetus codex and that it was only after that date that he also had C in his hands.3
Nevertheless, as Marion Gindhart pointed out to me, our assumption is wrong, and the reality more complicated.
In truth, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim first alludes to the Decurtatus in ten endnotes in his 1549 edition – that is, the same edition that prompted FabriciusFabricius, Georg’ letter.4 He refers to it, vaguely, as “the other book” or “in one copy,” but the readings he cites match or fit those of the Decurtatus. He does not cite it in his EpidicusEpidicus or BacchidesBacchides, which are the first two plays in the book, and he says nothing descriptive about it at any point.
This situation suggests CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim edited the plays in the traditional order and did not revise his work after completing them. It also suggests that in 1548 or 1549 CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim must have quietly gotten the Decurtatus from someone while he was editing MercatorMercator. I suspect FabriciusFabricius, Georg simply overlooked these endnotes or did not understand them, and, by sheer coincidence, sent CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim to go find the very same manuscript he’d already taken possession of a year or two earlier.
How did CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim get the Decurtatus? In my view, the scant use to which he put it suggests it was an unwanted gift. By 1548, he had been editing Plautus for 23 years and publishing partial results. It would not be surprising if he closed his eyes to a “white elephant” at the eleventh hour. Who would want to redo everything at that point?
Invito data, redditur albus res elephantus.
The second letter I discovered in 2017 supports that impression.
8. CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ Confession
Esse ego ne nimius videar Camerariomastix,
conspice quod latuit saecula, lector, opus.
As promised above (ch. 4), I can now explain the reference to “the book of Georg FabriciusFabricius, Georg” that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim mentions in the preface to his 1552 Basel-HervagiusHervagius, Johannes edition.
The year after that edition appeared, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim published a little pamphlet, not in Basel with HervagiusHervagius, Johannes, but with Valentin Papa (Bapst) in Leipzig, the same local printer that had printed his 1545 and 1549 Plautuses. Its title is Indicationes multorum quae ad lectionem fabularum Plauti nonnihil momenti afferre possint. Quae collegit Georgius FabriciusFabricius, Georg Chemnicensis. Emendationes editi exempli Plautini (i.e. his printed 1552 copy) a Ioachimo CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim, de recognitione ipsius (i.e. by CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim himself, not FabriciusFabricius, Georg). The formatting of the title makes it hard to understand that this pamphlet contains two different works:
(1) CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ own corrections to his 1552 Basel text, and
(2) FabriciusFabricius, Georg’ collection of the fragments of Plautus.
Hence, although the positioning of FabriciusFabricius, Georg’ name at the top of the title page makes it look like he is the author of everything (and has been so catalogued), the book belongs to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim.
The sole copy to survive to modern times is held in the Dresden library. The last person to look at it was Ritschl, who wrote a short notice of it.1 He describes its contents, quotes a few lines from its prefatory letter to the printer, and then adds, “This pamphlet cannot be ignored by anyone who wants to get to know CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ true opinion and intention.”2 The context that FabriciusFabricius, Georg’ 1549 letter now gives us makes it clear that Ritschl was even more prophetic than he realized, for this uknown pamphlet was intended to supplement CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ 1552 Basel edition of Plautus. It consists of:
(1) a 1553 letter from CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim to Joannes HervagiusHervagius, Johannes, his printer in Basel,
(2) a 1550 letter from FabriciusFabricius, Georg to CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim consisting of a single paragraph; it is a cover letter to
(3) FabriciusFabricius, Georg’ collection of the fragments of Plautus, and
(4) CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ corrections and new notes to his 1552 Basel edition.
When HervagiusHervagius, Johannes reprinted CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim’ 1552 edition in 1558, he treated these four sections differently:
He silently disassembled and incorporated (4) ad locum in their entirety.
He reprinted (2) and (3) in their entirety.3
He suppressed (1) without saying a word.
It is, of course, (1) that is of greatest interest today, because in it, CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim confesses that he had been too lazy to proofread his manuscript before mailing it to HervagiusHervagius, Johannes (or less likely, that he was too lazy to check the galley proofs HervagiusHervagius, Johannes had sent him):4
Ioachimus CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim Pabeperg. Iohanni HervagioHervagius, Johannes Bibliopolae Basiliensi S.D.
Cum nuper ad te misissem absolutum tandem opus emendatarum5 Plauti fabularum, ut tua industria ederetur ad lectionem utilem studiosorum linguae Latinae, statim postea subiit vereri id quod expressis exemplis accidisse depraehendi, ne mendosius illae6 publicarentur. Cum enim multum temporis et cogitationum mearum in illius autoris scriptis recognoscendis posuissem, et non modo taedium iam quoddam in labore diuturniore, sed nonnunquam etiam dubitationes oborirentur, nunquid talis occupationis et profanitatem offensuram esse divinum numen, et tenuitatem contemtum iri a doctis, videretur esse pertimescendum, operam tum dedimus, ut illud quasi pensum, quod mihi mea voluntas dedisset quamprimum absolveretur, et mihi a molestia cum operae tum curae acquiescere liceret.
Etsi autem et mihi ipsi et aliis probasse me confido rationes consilii et facti mei, tamen tum accidit ut illud opus correctionum nostrarum, neque diligenter in fastidio, neque plane in festinatione, neque explicate inter multiplicia negotia quae tum mihi offerebantur, confectum ad te mitteremus.
Itaque, ut dixi supra, postea cogitans verebar, ne mendosius publicarentur exempla, cum mihi et meae negligentiae et incuriae operarum vestrarum in mentem veniret.
To Johannes HervagiusHervagius, Johannes, bookseller in Basel,
Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim of Bamberg sends greetings
Not long ago, right after I sent you the book of Plautine plays I’d finally finished emending, qualms crept in. I’d sent you those plays so you could carefully publish them for the benefit of Latin scholars, but I was worried those comedies would come out riddled with mistakes when they were published (I’ve seen it happen in printed copies).7 You see, I’d devoted a lot of time and energy to checking and rechecking Plautus’ writings, and I was getting a little sick and tired of the neverending work. And not only that, I also began doubting from time to time whether I should be afraid that God would get offended at the profanity of what I was working on, and/or that scholars would regard it as frivolous and turn their noses up at it.8
Because of that, I started doing everything I could to finish the job (which I’d given myself of my own free choice), to finish it as fast as I could so that I could get away from the toil and the anxiety and get back to normal.
Moreover, although I’m confident that the reasons of my work product have won me the esteem of myself and others (?), the fact of the matter is, I did send you a book of corrections I’d made that wasn’t completed carefully (because I was so sick of it), nor clearly (because I was rushing the job), nor as plainly as it could be (because many other matters kept getting in my way when I was trying to work on it).
And so as I said, as I was thinking about it afterwards, and every time that my own laziness and your proofreaders’ carelessness would come to mind, I kept getting anxious that copies of my edition would be published full of mistakes.
CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim goes on to say that the more he thought about it, the more he decided his work on Plautus was not blasphemous; on the contrary, it would prove useful, even necessary, for scholars to become acquainted with Plautus’ writings if they wanted to truly understand Latin. Confident in that belief, therefore, he adds:
[…] quod credibile esset te aliquando Plautina nostra exempla de officina tua denuo esse emissurum, sepositis aliis rebus, annotavi ea quae perperam expressa essent, ut altera editio tua esset inculpatior. Haec publice hic edi volui, ideo, ut qui iam exempla illa9 comparassent, de nostra subiectione errata possent corrigere, nam omnino decrevimus hoc quasi cumulo studii nostri extremam manum imponere ei labori, quem huic autori impendimus.10 Ne tamen nimis exilis et parvus esset hic libellus si nihil nisi correctiones erratorum in officina complecteretur, addidimus et Georgii Fabricii eruditiss. viri summi nostri, incredibilis diligentiae praeclariss. studio conquisita quaedam, habitura momenti et adiumenti allatura plurimum ad Plautinarum fabularum fructuosam lectionem. Quae mitto ad te et peto ut secundum illa ubi iterum edere Plauti fabularum nostrarum exempla volueris, libros corrigi, et, nisi tibi non videatur, hunc etiam libellum istic iam exprimi cures. [The rest of the letter is general flattery.]
Because it seemed likely you’d eventually republish my edition of Plautus, I put other business aside and drew up a list of things that had been printed mistakenly, so that your second printing would be less open to criticism. I wanted the list to be published here so that people who have already bought the first edition could use this appendix to correct the mistakes. You see, I have firmly decided that with this mass (as it were) of my attention [i.e. the list or appendix], to put my finishing stroke on the effort I’m giving to Plautus. Still, so that this pamphlet won’t be too small or insubstantial if all it contains is a list of typos, I’ve also added a number of things hunted down by Georg FabriciusFabricius, Georg. They will make a tremendous impact and offer a ton of help for reading Plautus’ plays properly. I’m sending them to you, and I ask than when you do want to reprint my edition of Plautus’ plays, you use it to correct them; and unless you don’t think it’s a good idea, I ask that you soon have this pamphlet printed there in Basel, too.
But HervagiusHervagius, Johannes ignored that last request. As the title page announces, the pamphlet was printed not in Basel but in Leipzig, where CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim lived. It is impossible to say whether HervagiusHervagius, Johannes took offense at what now looks like an “open letter to HervagiusHervagius, Johannes,” in which CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim waffles between accepting and rejecting blame for “mistakes” in the text, but it would be reasonable.
9. Conclusion
To sum up, my case remains circumstantial. I doubt the camel FabriciusFabricius, Georg mentions in his 1549 letter is the Vetus, though a palaeographer could change my mind (ch. 6), and I cannot prove it is the Decurtatus (ch. 7), because the Decurtatus contains no notes resembling HassensteinHassenstein, Bohuslaus von’s handwriting, and nothing is written on its untrimmed front, top, or bottom edges. If proof does exist – a shelfmark, say, or a handwritten title – a peek behind its binding might tell us. When I asked the Heidelberg librarian to pull it off and check, however, she politely refused.1
Nevertheless, if the salt road that brought us Plautus did pass through Bohemia, then in these days of increasing interest in provenance, some folks at the Lobkowicz Library might want their book back.
Hactenus en potui; tu nunc succede camelis
curandis, aliquis lector amice, mihi.
Summa: librum Decurtatum decorticet audax,
et Veteri impositas cum veter, ede notas.
Bibliography
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Camel C, the Decurtatus, is digitized online at https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpl1613/0001/image.
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CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, Joachim: M. Accii Plauti Comoediae VI. Lipsiae: in officina Valentini Papae, 1549 [contains EpidicusEpidicus, BacchidesBacchides, MercatorMercator, PseudolusPseudolus, RudensRudens, and PersaPersa].
CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, Joachim: Indicationes multorum quae ad lectionem fabularum Plauti nonnihil momenti afferre possint. Quae collegit Georgius FabriciusFabricius, Georg Chemnicensis. Emendationes editi exempli Plautini a Ioachimo CamerarioCamerarius d.Ä., Joachim, de recognitione ipsius, Lipsiae, in officina Valentini Papae, 1553 (= CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim 1553a).
CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, Joachim: Narratio de H. Eobano Hesso, comprehendens mentionem de compluribus illius aetatis doctis & eruditis viris, Nuremberg 1553 (= CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim 1553b).
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The Reception of Plautus’ Fragmentary Plays in the Scholarship of the Fifteenth to Seventeenth Century
Salvatore Monda (Molise)
The question of the authenticity of Plautus’ non-Varronian plays was already in antiquity a critical debate discussed so much that today most of our knowledge of the early Latin grammarians and of the scholarship of Republican Rome is derived from witnesses to the ancient textual criticism of Plautus. In the Middle Ages and at the beginning of Humanism interest in works transmitted in fragments suffered a considerable and general fall, from the sixteenth century it returned to the top of scholars’ interests.
In the Middle Ages Plautus’ plays were not known.1 However, knowledge of his name continued to be widespread, along with that of many other poets who were little known at that time and of whom today there remain only scanty fragments (NaeviusNaevius, EnniusEnnius, PacuviusPacuvius, and many others). This is the case, for instance, of some late-medieval lexica and other scholarly compilations, such as De poetis, De viris illustribus, and similar works.
An interest in the fragments of non-Varronian plays in the modern era would develop only once the corpus of twenty comedies was well known. But the study of fragments is necessarily connected to the cataloguing of the titles of the comedies ascribed to Plautus. When, in the first phase of Humanism, the main activity of scholars consisted in obtaining texts previously unknown, the first step was to compile indices of titles and to realize plans to rediscover and recover a great number of classical Latin manuscripts.2 For an author like Plautus at first there was no difference between titles of Varronian comedies and titles of lost comedies, even though GelliusGellius, who discussed this question, was well known. Let us look at the main stages of this story.
In the late Middle Ages many scholars compiled works in which they attempt to outline the biography of the Latin authors.3 Plautus is mentioned in the Speculum historiale by the Dominican Friar Vincent de BeauvaisBeauvais, Vincent de, which contains a chapter entitled De Plauto poeta comico et dictis eius,4 with scanty biographical information derived from GelliusGellius and a collection of sayings from the AululariaAulularia. The lemma Plaucius (later corrected to Plautus in the printed editions) that we find in the Liber de vita et moribus philosophorumBurley, WalterLiber de vita et moribus philosophorum by the scholastic philosopher Walter BurleyBurley, Walter5 certainly depends on Vincent de BeauvaisBeauvais, Vincent de. BurleyBurley, Walter’s work, which had an enormous fortuna, as witnessed by a very high number of manuscripts, is full of wrong attributions and gross chronological errors.6 On Plaucius BurleyBurley, Walter begins as follows: poeta comicus, Tulli discipulus, Rome claruit. From Gellius he draws the report that slavery for debts forced the poet to write and sell comedies. These data, however, will then be taken up, corrected, and supplemented by some Italian scholars of the Veronese and Paduan prehumanism,7 starting with Giovanni ColonnaColonna, Giovanni and his De viris illustribusColonna, GiovanniDe viris illustribus and Mare historiarumColonna, GiovanniMare historiarum.8 The chapter De Plauto comico poeta of the Liber de viris illustribus repeats almost word for word the passage of BurleyBurley, Walter, while in the Mare historiarum (De Ennio, Pacubio, Plauto et Nevio atque Possidonio qui per ea tempora in Italia claruerunt) ColonnaColonna, Giovanni also quotes Plautus’ epitaph. However, none of these works mentions Plautine titles or recalls the question of the uncertain attribution of some plays, at least not in terms of the problem raised by GelliusGellius. The first scholar to focus widely on the works of the authors he quotes is Guglielmo da PastrengoPastrengo, Guglielmo da,9 jurist and literatus from Verona, also known for his friendship and correspondence with Francesco PetrarcaPetrarca, Francesco. His De viris illustribus10 is structured according to the alphabetical order used already by BurleyBurley, Walter. He mentions some titles of Plautus’ comedies (p. 180–181 Bottari):
Plautus, poeta comicus, post secundum bellum Punicum non multum ultra annos XV, ut refert Agelius, in scena florens, scripsit comedias: Captivos, Cassinam, Deiphebum, Cistellariam, Pseudodoneam, Rudentem, Gurgilionem, Menechos, Bachides, Mustelariam, Asinariam, Truculentum, Militem gloriosum, Aululariam, Penulum, De natura deorum, Epidicum, Menegnos, Vidulariam, Amphidrionem, Persas, Merchatorem, Lenones, Calceolum, Astrabam, Bacariam.
The main source is PriscianPriscian (NoniusNonius Marcellus was not yet known to the scholars of Verona and for Festus we must wait for the recovery of the codex Farnesianus). Eighteen of the twenty-one extant plays of Plautus are cited (PseudolusPseudolus, StichusStichus, and TrinummusTrinummus are missing). The presence of the Deiphebus (sic) should be explained by the confusion of Plautus’ nomen, which was then thought to be AcciusAccius; the title is in fact also present among Accius’ tragedies (p. 14, 8 Bottari), who, again because of the same mistake, is called poeta comicus by GuglielmoPastrengo, Guglielmo da.11 VarroVarro’s Menippean satire Pseudodonea (for Pseudaeneas) and CiceroCicero’s De natura deorumCiceronat. deor. are errors due to the praenomen Marcus assigned to Plautus too.12 Menechos and Menegnos are of course the MenaechmiMenaechmi. The last four are non-Varronian plays: Lenones quoted by Priscian, Calceolus by MacrobiusMacrobius, Astraba by GelliusGellius, and Bacaria again by Macrobius. Other non-Varronian plays, together with StichusStichus and TrinummusTrinummus, appear under the entry dedicated to PacuviusPacuvius (p. 179 Bottari).
Compared to these first attempts at a bio-bibliographic arrangement of the material, the next generation of Renaissance humanists takes a major step forward, thanks, above all, to their very careful and intelligent use of ancient sources. As regards Plautus an example is the erudite work of Sicco PolentonPolenton, Sicco.13 In the second of his Scriptorum illustrium Latinae linguae libri XVIIIPolenton, SiccoScriptores illustrium Latinae linguae the section on comic poets is inspired by the canon of Volcacius SedigitusSedigitus, Volcacius (considered, as often happens among the humanists, to be Nigidius Figulus). The second poet is Plautus (pp. 53–55 Ullman). Sicco PolentonPolenton, Sicco provides essential information on Plautus’ life and art, also recalling the poet’s self-epitaph. He is the first scholar to deal with the number of the comedies (he uses Gell. 3, 3 and Serv. praef. in Aen. p. 4, 15 Thilo-Hagen):
Comoedias vero edidit Plautus multas […] quales autem et quot essent, quod multae dubii atque incerti nominis vagarentur, magnum inter peritos certamen fecit. Eas quidem numero esse nonnulli quinque et viginti, multi XL, aliqui centum, quidam XXX etiam super centum putant (p. 54 Ullman).
And, in this regard, Sicco PolentonPolenton, Sicco also forms his own judgment: quid autem verius, credi potius quam certo discerni potest. He recalls VarroVarro’s thesis on the possible confusion between two poets, Plautus and Plautius (auctorem hac in re Varronem sequor, p. 55 Ullman); he also claims that neque vero defuerant qui vere scriptas a Plauto sua vel temeritate vel arbitrio usurpassent, and then mentions GelliusGellius’ account, according to which Plautus would amend the comedies of previous poets too. His sources are almost all that we possess today to reconstruct the Plautine question. Sicco PolentonPolenton, Sicco never mentions any comedy titles, but his exposition is extremely clear and can be appreciated for the lucidity of his judgment. Much of his information was then taken by a pupil of PolitianPoliziano, Angelo, Pietro Ricci or del Riccio, better known as Petrus CrinitusCrinitus, Petrus, in his De poetis LatinisCrinitus, PetrusDe poetis Latinis.14 This work enjoyed a great success, so much so that the extract of Plautus’ life was printed in almost all editions of Plautine plays until the eighteenth century.
Some titles of non-Varronian comedies are collected, together with the testimonia on the life of the poet, in humanistic manuscripts containing the twenty comedies of Plautus. On more than one occasion these lives indicate the number of plays and mention the problem of authorship of some of them: always cited is GelliusGellius (often named Agellius) and what he wrote on this subject in 3, 3, 10–11.15 The composite ms. Escorialensis T. II. 8, which contains the corpus of twenty comedies in two parts, the first written about 1420 and the second about 1435, is the oldest known exemplar of the so-called Itala recensio. The manuscript presents a great number of marginal notes, ascribed by Alba Tontini to Antonio BeccadelliBeccadelli, Antonio, also known as Panormita.16 Before the text of the comedies there is a series of titles of non-Varronian plays from NoniusNonius Marcellus: Apud Nonium Marcellum has quoque allegatas inveni in:17 Cornicularia, Chryses (the final -s is added), Medicus (Medico then corrected), Astraba, Frivolaria, Plocinus (Plocino then corrected), VidulariaVidularia, Carbonaria. The author of the marginal notes must therefore have drawn this list of comedies from NoniusNonius Marcellus alone (the only author who calls the Cornicula by the name Cornicularia and who, this time like PriscianPriscian, abbreviates the Parasitus medicus as Medicus). The presence of PacuviusPacuvius’ Chryses is explained by the fact that NoniusNonius Marcellus (p. 105 Lindsay), after two quotations from Plautus, mistakenly quotes a line of the Chryses, assigning it to Plautus instead of Pacuvius (trag. 93 Ribbeck³). On the left margin is written: De astraba tamen dubitare se NoniusNonius Marcellus (p. 97 Lindsay) dicit utrum ea Plauti sit in vocabulo: apludas.
All this demonstrates a secondary interest in Plautus’ fragmentary plays: the scribe reported only titles found by chance, for, had he wished, he could have composed a more complete list of titles, since at that time VarroVarro, GelliusGellius, NoniusNonius Marcellus, and PriscianPriscian were available. The discovery, by Nicholas of CusaKues, Nicolaus von, of a manuscript with twelve new comedies is recent: Plautus is now a well-known playwright. But the lists of titles are still written in the hope of new discoveries: in the fifteenth century there is still no awareness of selecting and collecting fragments as such.
Niccolò PerottiPerotti, Niccolò, in his CornucopiaePerotti, NiccolòCornucopiae, a commentary on MartialMartial’s Liber spectaculorum and First Book of Epigrams, quotes a lot of passages unknown to us from various authors, including Plautus.18 These fragments are mentioned without giving them any particular weight. If they were authentic and not composed by PerottiPerotti, Niccolò himself or found in humanistic glossaries, we would think that he had not understood their importance, or perhaps even that he was not particularly aware of it. But most likely they are false fragments, which the scholar quoted in good faith. In 1947 Revilo Pendleton Oliver19 was the first to notice the presence of new fragments, especially of Latin authors of the Republican era. Oliver claimed that these fragments came from an edition of NoniusNonius Marcellus that was augmented, in comparison to the edition we now possess (NoniusNonius Marcellus auctus).20 However, Oliver’s proof of the existence of an exemplar of NoniusNonius Marcellus in the margin of which some learned monks added passages of lost glossaries that were still extant at that time is far from convincing. Ferruccio Bertini, on the other hand, presented in numerous articles his theory of the existence of a NoniusNonius Marcellus plenior.21 In my opinion this possibility is to be rejected too: many fragments cited by Perotti concern authors such as Apuleius who never (or almost never) appear in NoniusNonius Marcellus. In the fifteenth century there were in fact interpolated copies of the De compendiosa doctrina22 and the interpolations seem generally humanistic. Sebastiano Timpanaro, who examined the EnniusEnnius quotations, considered them a humanistic fake, arguing mainly on metrical and linguistic grounds.23 Among the authors most frequently quoted by Perotti the name of Plautus stands out, also for the presence of numerous ‘new’ fragments of the playwright.24
After the 16th March 1477 PerottiPerotti, Niccolò returned to Sassoferrato where he died on the 15th December 1480; it was in these years that he worked on the CornucopiaePerotti, NiccolòCornucopiae. The nephew, Pirro, to whom we owe the preface, says that the work served his uncle as personal study notes. Perhaps his library in Sassoferrato was not well-stocked with books. I suspect that often Perotti did not check the sources, quoting them from memory, and sometimes inventing some quotations. When a line seems perfect but contains a serious metrical error, the possibility that it could be a humanistic quasi versus is very high. I am thinking, for example, of a line attributed to Plautus by Perotti (ed. 1526, 10 = I 53 Charlet):
Coniice, conde, cela ne quis vĭdeat.
Furthermore, the assumption that conicere means abscondere, as PerottiPerotti, Niccolò argues, is simply untrue. In another passage Perotti assigns to Plautus a verb, fortificare, that is attested for the first time in Caelius Aurelianus. The fragment is (ed. 1526, 34 = I 168 Charlet):
fortifica animum
Robert EstienneEstienne, Robert in his Latin dictionary25 specifically mentions PerottiPerotti, Niccolò’s CornucopiaePerotti, NiccolòCornucopiae among his sources. Estienne usually gives very accurate quotations of the passages chosen as examples, while for the lemma fortifico (I 324) he simply writes Plaut. fortifica animum. It is clear that this example originated with Perotti. The erroneous attribution to Plautus of the verb will be questioned only by Forcellini: «quod ex Plauto afferunt quidam Lexicographi fortifica animum, suspectum, ne dicam falsum, valde est».26
Perotti is not an isolated case. In Domizio CalderiniCalderini, Domizio’s writings too we find incorrect and false lines, almost always from second-hand quotations.27 This is not surprising for someone who even invented the ancient historian Marius Rusticus, nor is it surprising that he, like PerottiPerotti, Niccolò, gives no emphasis to the ‘new’ fragments of Plautus. That someone in the fifteenth century would be interested in fragments is not self-evident.
Angelo Ambrogini, known as PolitianPoliziano, Angelo, was one of the few at that time to take an interest in the texts transmitted in fragments. He worked on CallimachusKallimachos’ Lock of Berenice, Hecale, and Aetia when other scholars were dealing only with the hymns, and he studied EupolisEupolis’ DemoiEupolisDemoi.28 PolitianPoliziano, Angelo dedicates chapter 91 of his Miscellaneorum centuria primaPoliziano, AngeloMiscellaneorum centuria prima to this comedy and, with regard to collections of fragments, writes:29
agedum (si placet) ipsos ex EupolidosEupolis δήμοιςEupolisDemoi (id enim comoediae nomen) versiculos subiiciamus, gratum puto futurum studiosis, si ceu spicilegium racemationemque faciamus, aut si tabulas veluti quaspiam ex hoc literarum naufragio collectas, in corpus aliquod restituamus.30
With this passage PolitianPoliziano, Angelo inaugurates the successful tradition of the shipwreck simile comparing the remains of ancient authors to those of a sunken raft, which was destined to become a topos when referring to the collections of fragments.31
When PolitianPoliziano, Angelo argues about the linguistic variety of a classical author or when he himself makes use of rare Latin words, he often turns to Plautus.32 In a couple of cases, fragments are involved. A few years ago, attention was drawn by Silvia Rizzo to a fragment taken from Plautus’ Frivolaria:33 on the basis of early manuscripts PolitianPoliziano, Angelo restored the term sororientes in Pliny the ElderPlinius d.Ä. (nat. hist. 31, 66). He used this hapax also in his poem Puella.34 Later, however, after finding in Plautus the attestation of sororiare (Frivol. VIII Monda, quoted by Festus p. 380 Lindsay), PolitianPoliziano, Angelo thought that Pliny’s reading should be corrected to sororiantes35 and so he wanted to replace this form also in his poem.36 Another Plautine fragment (inc. XV Monda), also drawn from Festus, is quoted by PolitianPoliziano, Angelo in his commentary on line 35 of TerenceTerenz’sTerenz AndriaTerenzAndr. (p. 42, 14 Lattanzi Roselli): ‘Deiurare’: eiuratio – ut Festus – significat id quod desideretur non posse praestari. Plautus: eiuravit militiam.
So, in the fifteenth century, excepting perhaps PolitianPoliziano, Angelo, there was no great interest in fragmentary works, nor for collecting them. In the case of Plautus (though the point can be extended to all the playwrights) there are no traces of editions of fragmentary plays in humanistic manuscripts. The advent of the printing press, however, favoured larger and more complex publishing operations.37 The VidulariaVidularia, of course, at this point remained one of the lost plays.
The editio princeps by Giorgio MerulaMerula, Giorgio (1472) and the two editions by Eusebius ScutariusScutarius, Eugenius (1490 and 1495) did not contain the fragments, but at the end of the fifteenth century the times were ripe for a collection of Plautus’ lost plays.38 Thus, in the Plautus cum correctione et interpretatione Hermolai, Merulae, Politiani et Beroaldi et cum multis additionibus, probably published in Milan in 1497,39 we find in the appendix a small sylloge of fragmentary texts: Ex multis Plauti comoediis hae reperiuntur citatae a gravissimis authoribus: M. Tulio C., Au. Gellio, Nonio Marcello, Festo Pompeio et Prisciano, quas ordine litterarum dissposuimus (sic). The collection contains only fragments of plays of which the titles are preserved: Astrabacum, Carbonaria, Commorientes, Cornicularia, Epodus, Frivolaria, Lenones, Lipargus, Medicus, Moechus, Nervus, Plotium, Polegus, Saturio, Stematicus, Synephoebi (sic), VidulariaVidularia. Many of them are clearly wrong; for instance the Synephebi is assigned to Plautus instead of Caecilius StatiusStatius; Epodus is the EpidicusEpidicus (35–36); from the Polegus is quoted the line ut rem video te inventum a vanitudine, which is actually Capt.Captivi 569 (with variant readings), which begins with the words pol ego, which have been mistaken for a title; the Moechus is explicitly taken from GelliusGellius 1, 7, 3, who writes ut in Plauti comoedia moechus eqs.; but, if moechus were a comedy title, it would be in the ablative case in Gellius’ passage: in the nominative case it must be the subject of the sentence and therefore this adulterer has to be recognized as a character (the situation recalls Bacch.Bacchides 918 or Poen.Poenulus 862).
Many other editions follow, including one, with a commentary, by Giovan Battista PioPio, Giovan Battista (Mediolani 1500) which does not contain fragments, but which often compares or restores Plautine passages with the help of fragments, or the edition by Symon CharpentariusCharpentarius, Symon (1513) which reproduces exactly the same fragments as those of the Milanese incunable.40
The first real edition of Plauti deperditarum fabularum fragmenta is that of Georg FabriciusFabricius, Georg,41 printed in the second edition of Plautus’ plays by Ioachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim in 1558.42 The first edition of this work,43 as is well known, marks a milestone in the history of modern Plautine criticism: CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim, who had at his disposal the manuscript B (Vat. Pal. Lat. 1615, 10th–11th century, the so-called Vetus Camerarii), was able to read, at the end of the TruculentusTruculentus, the note (f. 211v) Plauti | TruculentusTruculentus explicit incipit VidulariaVidularia | VidulariaVidularia.44 And so he was the first scholar to understand that VidulariaVidularia was one of the twenty-one Varronian comedies. His first edition did not contain the fragments, but in the introductory letter some titles of non-Varronian comedies are mentioned. The text is as follows (pp. 900–901):
Viginti tamen et unam Varronem Plauto sine dubitatione attribuisse accepimus quae et ‘Varronianae’ appellatae fuerunt. Eae, ut opinor, quae adhuc extant, et praeter illas insuper VidulariaVidularia, cuius et in nostro veteri libro nomen exaratum cernitur, sed in hac inscriptione ille finitur, cum magno crimine inertis et pigris scriptoris qui non addiderit ad titulum etiam fabulam. Verum, praeter illas, haec a grammaticis Latinis nomina fabularum Plautinarum commemorata annotavimus: Astraba, quod vehiculi genus est (Straba etiam legitur, haud scio an falso, in Nonio interpretante verbum ‘reciprocare’), Cornix, Cornicula, Cornicularia (nescio una ne a librariis mutato nomine, quod scriberetur in veteribus exemplaribus dimidiatum, an tres diversae), Parasitus, Medicus, Nervolaria, Frivolaria, Plocinona, Sisennaria, Carbonaria, Colax (quo nomine et Naevii fuit fabula), Lepargus, Lenones, Gemini (quod nomen in libro VI Prisciani legitur; in Gellio autem Gemini et Leones, ut videtur, mendose), Dyscolus, Artemona, Phasma, Patina vel Patinaria, Hortulus, Persae, Caecus, Praedones, Trigemini, CaptiviCaptivi (nam alia haec fuit, quam ea quae extat, cuius est nomen CaptiviCaptivi duo), Addictus, Saturio (quas in pistrino scripsisse perhibetur), Anus, Condalium, Bis compressa, Boeotia, Ἄγροικος, Fretum, Calciolus, Baccaria, Cacistus.
In the second edition45 the same text of the Epistola is anastatically reproduced: this implies that CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim mentions titles that present differences and omissions compared to FabriciusFabricius, Georg’ edition of fragments printed in the same volume. The edition of the fragments is preceded by a letter (p. 912) from FabriciusFabricius, Georg dated 1550, which testifies that his work was ready in 1550: we do not know why it was published only in 1558. FabriciusFabricius, Georg for the first time collects both fragments of comedies of which we know the title and fragments incertae sedis (pp. 913–935); there follows a list of sources (pp. 925–935). There are still many errors and wrong attributions, both often due to errors of transmission in the texts of the sources used.
The greatest difficulty in collecting fragments at that time lay in the fact that there were no reliable editions of their sources. And there was not yet any scholar who was really interested in collecting fragments. That remained the case until the debut on the philological scene of the figure who was destined to become the greatest scholar of his time, as was PolitianPoliziano, Angelo in the previous century: Joseph Justus ScaligerScaliger, Joseph Justus. ScaligerScaliger, Joseph Justus never published an edition of Plautine fragments, and his emendations in our critical apparatuses are flanked by those of other authors of adversaria philologa, such as Schoppius, Canter, Turnebus, and many others.46 Why, then, should we consider him the scholar who contributed most of all to the philological reconstitution of the texts transmitted in fragments?
ScaligerScaliger, Joseph Justus is not only the author of important writings on the sources of the fragments,47 but was also the promoter of many other works. In the same years in which he was working on VarroVarro, a collection of fragmentary Latin poets by Robert EstienneEstienne, Robert came out posthumously.48 The work was completed, after the death of Robert EstienneEstienne, Robert, in 1559, by his son Henri. The volume includes epic poets and playwrights, such as LiviusLivius Andronicus, NaeviusNaevius, EnniusEnnius, Caecilius, PacuviusPacuvius, and poets such as Lucilius, the neoteroi, and Petronius. There are no fragments of Plautus, which were also absent from the edition of the M. Plauti Comoediae XX edited by Stephanus in 1530.
Robert EstienneEstienne, Robert’s is an important collection of fragments, published by a friend of ScaligerScaliger, Joseph Justus, but an edition full of gaps and errors that can be easily explained if we recall that at that time there was not yet a reliable edition of the auctores who mention the greatest number of fragments: NoniusNonius Marcellus Marcellus, Festus, VarroVarro, and the grammarians. Probably Estienne’s experiment was considered inadequate by ScaligerScaliger, Joseph Justus, since he himself decided to engage in the study of some of the most important sources of fragments. In this regard, his Coniectanea in M. Terentium Varronem de lingua Latina published in 1565 are fundamental,49 also because all subsequent editors of Plautus took them into account. Also worth mentioning are ScaligerScaliger, Joseph Justus’s Castigationes on Festus: they were first published in 1575 and then again the following year.50 In these works it is remarkable how ScaligerScaliger, Joseph Justus’s greatest effort is devoted to emending the fragments quoted by Varro and Festus. In his Coniectanea, p. 168 ad 7, 104, speaking of some verses of EnniusEnnius, he takes up the simile of the shipwreck used by PolitianPoliziano, Angelo:51
Valde enim delectant me hae reliquiae veterum auctorum, tanquam quaedam ex naufragio tabellae.
ScaligerScaliger, Joseph Justus also planned an edition of NoniusNonius Marcellus Marcellus’ lexicon. However, he had to abandon the project because of the NoniusNonius Marcellus edited by Hadrianus Junius, which was published in 1565 by Plantin with an imperial privilege that prevented anyone else from editing NoniusNonius Marcellus for six years.52 A copy of this edition preserved in Oxford, Bodleian Library, Auct. S V 35, contains ScaligerScaliger, Joseph Justus’s handwritten marginalia,53 and his work on NoniusNonius Marcellus is also attested by a personal collation of a manuscript, which has been transcribed into a Venice 1513 and a Basel 1526 edition of PerottiPerotti, Niccolò’s CornucopiaePerotti, NiccolòCornucopiae with VarroVarro, Festus, and NoniusNonius Marcellus, both owned by Isaac Vossius (Leiden, University Library, 761 A 9 and 761 A 10).54
Essential for NoniusNonius Marcellus and Fulgentius, however, is the second edition by Josias MercerusMercerus, Josias,55 in which many of ScaligerScaliger, Joseph Justus’s observations are included. As regards the fragments, the uncertainties and contradictions are still many. MercerusMercerus, Josias is the only scholar to assume the existence of Tiberius as a comedy title, since he reads (p. 134) NoniusNonius Marcellus’ sentence introducing the quotation of Cornicula fr. II as follows: Plautus Cornicularia: Latrocinatus annos decem meret. Idem in Tiberio: Qui apud regem in latrocinio fuisti, stipendium acceptitasti. Yet MercerusMercerus, Josias himself in a footnote, recalling the same line of Plautus according to VarroVarro too, concludes with more judgment: «Itaque hic legendum, latrocinatus annos decem Demetrio, qui apud regem i. l. f. s. a. quae sunt Nonii explicantis Plautum, vel potius eius a quo NoniusNonius Marcellus exscribsit».
As far as the grammarians are concerned, the edition by Elias van PutschenPutschen, Elias van of the Grammaticae latinae auctores antiqui published in 1605 was encouraged by ScaligerScaliger, Joseph Justus’s philological activity. In 1598 Putschius studied law at the University of Leiden, where from 1593 ScaligerScaliger, Joseph Justus had succeeded Iustus LipsiusLipsius, Justus as professor. The edition by PutschiusPutschen, Elias van begins with a dedicatory epistle Illustri et incomparabili viro Iosepho Scaligero Iul. Caesaris filio in which he mentions ScaligerScaliger, Joseph Justus’s early writings on VarroVarro and Festus.
To return to Plautus’ fragments, ScaligerScaliger, Joseph Justus believed in the existence of a comedy of Plautus entitled Clitellaria (The comedy of the saddle), for he observed in the sources some quotations from passages of the CistellariaCistellaria that were absent from the manuscripts of the comedy. It was only after the discovery of the Ambrosian palimpsest that it was possible to read these quotations among the frustula of an act attested only in that manuscript. In his commentary on VarroVarro ling. Lat. 7, 64 ScaligerScaliger, Joseph Justus claims that in these grammatical sources the title CistellariaCistellaria must be corrected to Clitellaria, which is nothing more than a second title of the non-Varronian comedy Astraba (which in Greek means “saddle”, more or less like clitellae).
ScaligerScaliger, Joseph Justus, moreover, attributes to the Clitellaria an entire passage reconstructed on the basis of various fragments of the CistellariaCistellaria: the current lines 405, 407 (both from VarroVarro), 408 (from Festus and PriscianPriscian), and 383 (from NoniusNonius Marcellus). Elsewhere too he exploits the possibility of joining several fragments in order to compose a single one. In his Coniectanea, p. 168 ad Varr. ling. Lat. 7, 104, about some lines of EnniusEnnius, he writes:
Hi luculentissimi versiculi a nobis non solum emendati sunt, sed et, quod quatuor locis dispersi sunt apud Nonium, in unum corpus collecti et digesti.
The first collection of Plautine fragments that follows ScaligerScaliger, Joseph Justus’s studies on the sources is that of Pierre DanielDaniel, Pierre, published as an appendix to the 1577 edition of LambinusLambinus, Dionysius.56 It should be remembered that LambinusLambinus, Dionysius himself in two letters dated 1571 and 1572 asked ScaligerScaliger, Joseph Justus for help with some corrections and conjectures on the text of Plautus.57 The LambinusLambinus, Dionysius edition was published posthumously and was edited by Iacobus Helias, author of an introductory epistle explaining the criteria adopted and mentioning the work of reconstructing LambinusLambinus, Dionysius’ notes («Hi commentarii manu Lambini ita scripti erant ut non codex sed adversaria viderentur esse»). With regard to the fragments Helias writes: «Adiunximus Plautina loca ex antiquis Grammaticis a Georgio Fabricio collecta et a Petro Daniele Aurelio doctissimo viro quibusdam in locis correcta et aucta». In fact, the edition is not very different from that of FabriciusFabricius, Georg, of which it contains all the brief notes of comment, but it contains some additions and corrections, as well as an extra comedy, ScaligerScaliger, Joseph Justus’s Clitellaria.
The first edition of Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich, which appeared in 1605, also reproduces for the most part the edition by FabriciusFabricius, Georg with Daniel’s additions.58 The edition begins with a dedicatory epistle to ScaligerScaliger, Joseph Justus, LipsiusLipsius, Justus, and Casaubon. In the second edition of 1612, however, the fragments are provided with a broader commentary.59 TaubmannTaubmann, Friedrich accepts many of ScaligerScaliger, Joseph Justus’s conjectures and proposes the same reconstruction of the Astraba sive Clitellaria. In the preface to the fragments he writes (p. 1233): «Aliis itaque cunctantibus aut prorsus forte nolentibus ego hanc operam sumere coactus fui quod in priori editione a me fieri debuisse per epistolam ScaligerScaliger, Joseph Justus expostulaverat».60 TaubmannTaubmann, Friedrich also quotes an epistle by ScaligerScaliger, Joseph Justus (pp. 1314–1315) in which is written:
Quae non sunt Plauti, qualia illa olim Amphitruoni infulta et Prologus Bacchidum et reliqua non quidem recentioris sed tamen sequioris aevi in privatum locum coniici debent. Praeterea Fragmenta omnia sedulo ad calcem ponenda et illustranda. Hoc modo luculentum Plautum promittere potes.
Thus, ScaligerScaliger, Joseph Justus also gave instructions on how to do the edition. In fact, TaubmannTaubmann, Friedrich’s is organized in a different way from all the others that preceded it, because each title and fragment is immediately followed by the commentary with the specification of the source. The approach corresponds to that of modern editions of fragmentary texts.
The first edition of Johann Philipp PareusPareus, Johann Philipp is in open controversy with TaubmannTaubmann, Friedrich.61 The collection of fragments is based on that of DanielDaniel, Pierre, with the addition of a few notes in the margins. In the second edition PareusPareus, Johann Philipp has at his disposal the Latin grammarians by Helias Putschius and, for VarroVarro and Festus, he refers to ScaligerScaliger, Joseph Justus’s Coniectanea and Castigationes.62 The third and final edition is in 1641,63 published in disagreement with Janus GruterusGruter, Jan and his revised and corrected reprint of the TaubmannTaubmann, Friedrich edition.64 PareusPareus, Johann Philipp’ commentary is of some cultural interest in revealing seventeenth-century attitudes to the ancient authors and their texts, and even for his vain attempts to attribute some titles to M. AcciusAccius Plautus, others to A. Plautius, and others again to an M. Acutius. From this time on, approximately until Friedrich Bothe, the numerous editions of Plautus’ plays do not, at least in the fragments, present any important novelties.
A study dealing with the early modern tradition of Plautus’ non-Varronian plays shows once again the new kind of inquiry practised by sixteenth- and seventeenth-century scholarship on the texts transmitted in fragments. Apart from some interpretations that are now only of historical value, the great effort early modern scholars put into Plautus’ fragments is testified by the number and quality of their emendations still recorded in our critical editions. ScaligerScaliger, Joseph Justus and many other scholars of the time, with their ambitious and innovative writings, played a special part in the cultural process of modern Europe also by collecting and studying the fragmentary remains of the past.
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Ein Milchregen für die Schatten des Umbrers
Friedrich Taubmanns Epigramm auf Plautus
Thorsten Burkard (Kiel)
Taubmann, FriedrichDer Fleiß, den dieser Gelehrte daran gewendet hat, ist ungemein zu rühmen. Er hat aus den Anmerkungen der vornehmsten Gelehrten einen nützlichen Auszug gemacht, und auch das, was er von dem seinen darzu gesetzt hat, ist allezeit gelehrt und sinnreich. Es ist kein Wunder, daß ein Mann, der selbst so anmutig gescherzt, die Scherze des Plautus am besten verstanden hat.1
Der Dichtergelehrte, der dieses Lob vor 270 Jahren gespendet hat, ist den Gebildeten der heutigen Zeit noch wohlbekannt, sowohl als Dichter als auch als Gelehrter, der poeta philologus, dem dieses Lob galt, ist hingegen vergessen. Dieser kleine Panegyricus stammt von Gotthold Ephraim LessingLessing, Gotthold Ephraim, der in seiner Abhandlung über Plautus die Editionen, Kommentare und Studien zu diesem Autor Revue passieren lässt, der als Poet und Wissenschaftler Gerühmte ist der Wittenberger Professor Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich, der nur noch einigen deutschen Frühneuzeitforschern und Plautusexperten ein Begriff sein dürfte. Letztere kennen ihn vor allem eben wegen jener Ausgabe, auf die sich LessingLessing, Gotthold Ephraim bezieht und die zum ersten Mal 1605, ein zweites Mal in einer deutlich verbesserten Fassung 1612 erschien und schließlich zur Grundlage von Janus GrutersGruter, Jan Edition von 1621 wurde.2 Aber Plautus war für Friedrich TaubmannTaubmann, Friedrich nicht nur „ein philologisches Lebensthema“,3 sondern auch durch sein ganzes poetisches Schaffen hindurch ein dichterisches Vorbild, einmal bezeichnet er ihn sogar als meum Poëticum cor.4 TaubmannTaubmann, Friedrich, 1565 in Wonsees in der Nähe von Bayreuth geboren, seit 1595 Professor für Poesie an der Universität Wittenberg, war (worauf LessingLessing, Gotthold Ephraim anspielt) nicht nur Philologe, sondern auch ein gefeierter Dichter, parallel zu seinem universitären ‚Hauptberuf‘ sogar eine Art Hofpoet beim sächsischen Kurfürsten ChristianChristian II. (Kurfürst von Sachsen) II.5 TaubmannTaubmann, Friedrich war ein origineller Autor, der durch seine experimentelle Poesie Dichter wie seinen Schüler Caspar von BarthBarth, Caspar von (1587–1658) und Paul FlemingFleming, Paul (1609–1640) stark beeinflusste. Als er 1613 starb, verfasste kein Geringerer als Daniel HeinsiusHeinsius, Daniel (1580–1655) eine Elegie auf seinen Tod.6
TaubmannTaubmann, Friedrich bekundete seine Verehrung des Plautus zum ersten Mal 1592 im Nachwort zu den Epen MartinaliaTaubmann, FriedrichMartinalia und BacchanaliaTaubmann, FriedrichBacchanalia (s.u.).7 Dort bekennt er sich in einem Exkurs zur Verwendung plautinischen Vokabulars und verteidigt Plautus als classicus testis zum einen mit dem berühmten VarroVarro-Zitat (s.u. S. 93), zum anderen mit dem Hinweis auf antike und neuzeitliche Gelehrte, die Plautus überaus geschätzt hätten8 – beiden Argumentationsstrategien werden wir auch in dem unten behandelten Gedicht begegnen. In zahlreichen Gedichten kommt TaubmannTaubmann, Friedrich immer wieder auf Plautus zu sprechen, am ausführlichsten in einer 60 Verse langen Satire, in denen er den gegen ihn (TaubmannTaubmann, Friedrich) erhobenen Vorwurf des maßlosen Archaismus zurückweist.9 Hier soll aber ein kürzeres Gedicht vorgestellt werden, das sich ausschließlich mit Plautus beschäftigt und in gewisser Weise auf recht kleinem Raum den Kern von TaubmannsTaubmann, Friedrich Sicht auf diesen Dichter präsentiert.
Das im elegischen Distichon verfasste Epigramm mit dem Titel In Plautum wurde zum ersten Mal 1592 im Anhang der Lusus duo juveniles veröffentlicht. In dieser Sammlung vereinigte TaubmannTaubmann, Friedrich zwei im Jahr 1587 entstandene humoristische Kleinepen, die MartinaliaTaubmann, FriedrichMartinalia und die BacchanaliaTaubmann, FriedrichBacchanalia.10 Die zweite Ausgabe von 1593 verwendet dieselben Druckplatten wie ihre Vorgängerin, ist also identisch mit der ersten Auflage.11 Das Epigramm In PlautumTaubmann, FriedrichIn Plautum steht im Anhang nach zwei auf die BacchanaliaTaubmann, FriedrichBacchanalia folgenden Prosatexten, dem Nachwort und der Anrede an den Drucker, unter anderen zumeist kleineren Gedichten, die fast alle an einzelne Personen gerichtet sind.12 Das Gedicht ist also spätestens 1592 entstanden und damit zu einer Zeit, als TaubmannTaubmann, Friedrich die lutherische Fürstenschule in Heilsbronn besuchte (1582–1592).13 Der Entstehungskontext des Epigramms ist also der Schulbetrieb, was sich auch an der Anrede puer in v. 15 zeigt. In Plautum Taubmann, FriedrichIn Plautumwar ursprünglich dem Diakon Georg SpecknerSpeckner, Georg aus Creußen bei Bayreuth gewidmet.14 Diese Zueignung fehlt in der ersten Sammelausgabe von Taubmanns Taubmann, FriedrichGedichten, den Columbae PoeticaeTaubmann, FriedrichColumbae Poeticae von 1594, und sollte – seltsam genug – nie wieder restituiert werden.15 Doppelt so umfangreich wie die Columbae war die zweite Gesamtausgabe der TaubmannTaubmann, Friedrich’schen Carmina Neolatina, die 1597 erstmals erschienenen MelodaesiaTaubmann, FriedrichMelodaesia, die danach mehrfach wieder aufgelegt wurden. Dort steht das Plautus-Gedicht im vierten und damit letzten Epigrammbuch.16 Wir präsentieren das Gedicht hier in der ersten Textfassung der Lusus juveniles von 1592 bzw. 1593, da es sich hierbei um die umfangreichste Version handelt: Hier finden sich noch der Name des Adressaten und das ab 1597 fehlende Distichon v. 11–12.17
In Plautum.18
Ad
GEORG(IVM) SPECNERVMSpeckner, Georg, Creusen(atem)19
ET Venere et Charisin20 et Musis natus iniquis,21
Cui genius Plauti non sapit ad genium.
Ipsae adeò Musae Plauti sermone loquuntur.
O Umbri umbellam sit mihi posse sequi!22
Hic Veneres habet omneis.23 miscet hic utile dulci: 5
Ausit et huic punctum quisque negare suum?
Plautus Musarum decima: et flos Atticus: idem
Sermonis Latii regula certa sui.
Hunc penitis24 sollers adytis Sapientia clausum
Distinet, atque animas huc vetat ire rudes. 10
Scaligeris, LipsIs, Douzaeis25 atque Melißis
Ad gustum hic aliquid pinsere Pistor habet.26
Sat nobis hujus pulvisculus27 esse farinae
Creditur et Latiae mica pusilla molae.
O studiis damnate puer, ne scena TerentI 15
Vilescat mundi simplicitate sui!
Nî prius hic animum coluit; me judice, nusquam
In Plauti orchestrâ jure sedere potes.
COME, Venus, Charites, Musae; date lacteus imber
Supra umbras Umbri depluat uvidulas!28 20
Auf Plautus. An Georg SpecknerSpeckner, Georg aus Creußen
Dem Menschen waren Venus, die Grazien und die Musen schon bei seiner Geburt feindselig gestimmt, dem der Geist des Plautus nicht nach seinem eigenen Geiste schmeckt. Die Musen selbst reden doch fürwahr29 plautinisch. O möge es mir doch gegeben sein, auch nur dem kleinen Schatten des Umbrers30 folgen zu können! (5) Er besitzt jeden nur erdenklichen Liebreiz, er verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Würde irgendjemand31 es wagen, ihm seine Wählerstimme zu verweigern? Plautus ist die zehnte Muse, die herrlichste Blüte des Attischen und die unumstößliche Norm seiner lateinischen Sprache. Fern vom gemeinen Volk hält die kluge Weisheit ihn (10) im Innersten ihres Heiligtums umschlossen und verbietet unerfahrenen Seelen, hierher zu kommen. Für den Geschmack der Scaligeri, der Dousae, von Männern wie LipsiusLipsius, Justus und wie Melissus hat dieser Müller etwas zum Mahlen.32 Man glaubt, dass schon ein Staubkörnchen von dessen Mehl und ein winziger Krümel seines lateinischen Schrots uns genügen. (15) O Knabe, der du zu den gelehrten Studien verdammt bist, verachte nicht die Dramen des TerenzTerenz wegen der Schlichtheit ihres Schmucks! Wenn er nicht zuvor deinen Geist gebildet hat, hast du nach meinem Urteil kein Anrecht auf einen Platz in den vornehmeren Sitzreihen von Plautus’ Zuschauerraum. Gewährt freundlich, Venus, ihr Grazien und ihr Musen, dass sich milchiger Regen (20) ergießt über die feuchten Schatten des Umbrers!
Das Gedicht ist im ersten Teil ein geschickt arrangiertes Zitatenpastiche aus lobenden Urteilen bedeutender Gelehrter über Plautus. Diese unmarkierte Testimonienparade für den Kenner ist gewissermaßen das Präludium zu TaubmannsTaubmann, Friedrich Plautusausgabe, in der er unmittelbar nach der Vorrede an den Leser positive Bewertungen aus der Antike und der Neuzeit zitieren wird.33
Das erste Distichon ist eine Anspielung auf Joseph Justus ScaligersScaliger, Joseph Justus Satz: quis adeo auersus a Musis, vt eorum [scil. Plauti et Laberii]34 lepore non tangatur? („wer stünde den Musen so fern, dass ihn der Zauber eines Plautus und eines Laberius nicht berühren könnte?“).35 Die Formulierung im zweiten Vers ist plautinisch: Sapis multum ad Genium sagt Saturio zu Toxilus im PersaPersa (v. 108).36 TaubmannTaubmann, Friedrich hat hier dem Ausdruck allerdings eine andere Wendung gegeben.37 Der dritte Vers spielt auf einen berühmten Ausspruch VarrosVarro an, der auf dessen Lehrer, den Philologen L. Aelius StiloStilo, L. Aelius, zurückzuführen ist: In comoedia maxime claudicamus. Licet VarroVarro Musas, Aeli Stilonis sententia, Plautino dicat sermone locuturas fuisse, si Latine loqui vellent („In der Komödie hinken wir den Griechen ganz besonders hinterher – mag auch Varro sagen, dass die Musen nach der Meinung des Aelius Stilo in plautinischem Stile reden würden, wenn sie Latein sprechen wollten“).38 Das (zugegebenermaßen naheliegende) Wortspiel in v. 4 mit Umber – umbella ist wohl von Plautus inspiriert (vgl. auch v. 20): (Simo) Nec mihi umbra hic usquamst […] / (Tranio) Quid, Sarsinatis ecqua est? si Vmbram non habes – „Simo [über sein Haus]: Ich habe hier aber nirgends umbra (Schatten) […] Tranio: Wie? Hast du wenigstens eine Sarsinatin, wenn du schon keine Umbra (Umbrerin) hast?“ (MostellariaMostellaria 769–770). TaubmannsTaubmann, Friedrich Formulierung ist ein komisch-hyperbolischer Bescheidenheitstopos: Er fühlt sich so gering, dass er es noch nicht einmal wagt, Plautus’ Schatten zu folgen (geschweige denn Plautus selbst), sondern nur seinem kleinen Schatten.
Der erste Satz in v. 5 ist von LipsiusLipsius, Justus inspiriert, der Plautus eine geradezu einzigartige Atticorum venus zugestand.39 Der zweite Teil von v. 5–6 ist wörtlich nach HorazHoraz gestaltet: Omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci („Jede Stimme erhält, wer das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet“, Ars poeticaHorazars 343). Da die Komödien des Plautus damals wegen ihrer laxen Moral umstritten waren, wird TaubmannTaubmann, Friedrich das utile wohl nicht im Inhalt, sondern (wie auch im Falle des dulce) im Bereich des Sprachlichen sehen: Plautus nützt durch die großen Qualitäten seiner Sprache und empfiehlt sich dadurch als stilistisches Modell.
Das vierte Distichon vereinigt mehrere auctoritates: LipsiusLipsius, Justus hatte in einem Brief vom Oktober 1587 Plautus als zehnte Muse bezeichnet.40 TaubmannTaubmann, Friedrich führt diese Aussage des LipsiusLipsius, Justus häufiger an, so etwa auch in der Epistola dedicatoria der Dissertatio (1602, 8). Wenn Plautus hier als flos Atticus bezeichnet wird, so kombiniert TaubmannTaubmann, Friedrich wohl in dieser Formulierung zwei HieronymusHieronymus-Stellen miteinander:41 mira eloquentia et Attico flore variata und haec est Plautina eloquentia, hic lepos Atticus et Musarum, ut dicunt, eloquio comparandus!42 Mit dem „Attischen“ ist hier in übertragenem Sinn eine reine Sprache gemeint. Es scheint weniger um das Gegensatzpaar ‚Attizismus vs. Asianismus‘ zu gehen als vielmehr ganz generell um puritas und proprietas.43 Der Ausdruck Sermonis Latii regula certa sui geht wohl auf eine beiläufige Bemerkung ScaligersScaliger, Joseph Justus in De causis linguae Latinae zurück: Plautus, qui Romanae linguae lex quaedam fuit.44
Die neuzeitlichen Gelehrten, die TaubmannTaubmann, Friedrich bisher nur durch ihre Aussagen über Plautus im Text des Gedichtes evozierte, nennt er in v. 11–12 namentlich, er fügt sogar noch die Namen weiterer Plautusverehrer hinzu. Die Formulierung „für die Scaligeri usw. hat Plautus etwas nach ihrem Geschmack (ad gustum)“ weist zurück auf die Banausen, die im Eingangsdistichon beschrieben wurden (ad genium). Der Plural ist im Falle der Scaligeri und der Dousae ein echter Plural. Beide Scaligeri haben sich – wie auch LipsiusLipsius, Justus – positiv über Plautus geäußert, wie wir gesehen haben. Der Niederländer Janus DousaDousa d.J., Janus der Jüngere (1572–1596) hat 1587 den CenturionatusDousa d.Ä., JanusCenturionatus sive Plautinarum Explanationum libri iv seines gleichnamigen VatersDousa d.Ä., Janus (1545–1604) herausgegeben und arbeitete zum Zeitpunkt der Entstehung von TaubmannsTaubmann, Friedrich Gedicht an einer Plautusausgabe, die aber erst postum im Jahre 1598 erscheinen sollte. TaubmannTaubmann, Friedrich feierte Dousas Edition in seiner eigenen Ausgabe mit deutlichen Worten: Die nach CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim erschienenen Editionen seien wertlos exceptâ unâ Douzicâ („mit der Ausnahme von Dousas Ausgabe“).45 Dousa d.Ä.Dousa d.Ä., Janus wird vielleicht auch deswegen erwähnt, weil er sich in seiner fünften Satire (aus dem Jahr 1572) mit Kritikern des Hadrianus JuniusJunius, Hadrianus auseinandergesetzt hat, die bei Junius ein unzulässiges Archaisieren witterten.46 Warum Paulus Melissus SchediusSchede, Paulus Melissus (1539–1602), der zu Lebzeiten als monarcha poetarum Germanorum galt, genannt wird, lässt sich nur vermuten – abgesehen von TaubmannsTaubmann, Friedrich enger Freundschaft zu dem ebenfalls aus Franken stammenden SchediusSchede, Paulus Melissus. Zum einen finden sich in Melissus’ Dichtung viele Plautinismen – was allerdings auch mit seinem beeindruckenden Wortschatz zusammenhängt, sodass diese Eigenschaft nicht Teil einer bewussten und spezifischen Plautusnachfolge sein muss. Zum anderen adaptiert SchediusSchede, Paulus Melissus in einem Epigramm VarrosVarro (bzw. StilosStilo, L. Aelius) oben zitiertes Urteil über Plautus: Non alio usuras dulces sermone Camenas / Loqui Latinê si velint, / Praeter Plautinum; VarroVarro inquit.47
Wenn Plautus in diesem Distichon als Pistor („Müller“) bezeichnet wird, so natürlich wegen der insbesondere bei GelliusGellius zu lesenden Geschichte, Plautus habe sich nach seinem Scheitern als Geschäftsmann seinen Lebensunterhalt bei einem Müller als Sklave verdient.48 In den BacchanaliaTaubmann, FriedrichBacchanalia von 1597 wird Plautus mit o Pistor angeredet (2018, 106). Damit ist auch erklärt, warum TaubmannTaubmann, Friedrich im folgenden Distichon Getreidemetaphern verwendet.
In den nächsten beiden Distichen (v. 15–18) wird das Verhältnis zwischen den beiden großen römischen Komödiendichtern reflektiert. TerenzTerenz wird schlichter (simplicitas) Schmuck (mundus) zugesprochen – diese Eigenheit seiner Sprache dürfe aber nicht zu dem Fehlschluss verführen, dass er ein unbedeutender Autor sei. Dass Terenz’ Latein über jeden Zweifel erhaben war, wusste man aus CiceroCicero: [scil. Terentii] fabellae propter elegantiam sermonis putabantur a C. Laelio scribi (Briefe an Atticus 7, 3, 10).49 Zudem war es auch damals offensichtlich, dass Terenz’ Wortschatz begrenzter war als der des Plautus und somit auch ‚klassischer‘, sozusagen ‚simplicior‘ und ‚purior‘ wirken konnte. Daher spricht Julius Caesar ScaligerScaliger, Joseph Justus von den Terentianae munditiae und zieht den Stil des Terenz ob linguae cultum dem des Plautus vor (was nach seiner Aussage auch das Urteil seines Zeitalters sei).50 Mit munditiae ist die Stilqualität der puritas gemeint, die Terenz angestrebt habe51 – ein aus der Antike übernommenes Urteil.52 Da nach TaubmannsTaubmann, Friedrich Aussage Terenz für die Lernenden (s. puer in v. 15) einfacher als Plautus ist, erscheint es nur folgerichtig, dass er in diesen Versen die Lektüre des Terenz als Grundlage und Hinführung zur Plautus-Lektüre empfiehlt. In dem zu derselben Zeit wie unser Gedicht entstandenen Nachwort zu den Bacchanalia Taubmann, FriedrichBacchanaliaweist er ebenfalls darauf hin, dass Plautus nicht für jedes Alter und jedes ingenium geeignet sei: Man benötige ein gefestigtes und reifes Urteil, bevor man sich an diesen Dichter wage, denn: Plautus certè situs est in literarum quasi penitrali („Plautus befindet sich gleichsam im Innersten des Heiligtums“).53 Diese Metapher geht auf LipsiusLipsius, Justus zurück: Plautus in litterarum quasi penetrali est, quò non nisi initiati accedant, et qui à se Spernat profanum vulgus et arceat.54 TaubmannTaubmann, Friedrich verwendet in v. 9–10 von In Plautum dasselbe Bild noch einmal, wobei er jetzt nicht vom literarum penitrale, sondern von den adyta der Sapientia spricht, zu dem die animae rudes noch keinen Zutritt haben dürften. Diese recht deutliche Positionierung zeigt, dass es TaubmannTaubmann, Friedrich um eine Plautusimitatio mit Augenmaß geht, für die er ein sicheres iudicium für unabdingbar hält. Das Ziel ist also gerade nicht eine wahllose Nachahmung des Wortschatzes, sondern eine nach den Maßgaben der lateinischen puritas getroffene, kluge Auswahl, eben elegantia.
Was ist schließlich mit dem letzten Distichon gemeint? TaubmannTaubmann, Friedrich bittet die bereits in v. 1 genannten Gottheiten darum, einen „Milchregen“ auf die umbrae Umbri regnen zu lassen. Ein Milchregen im eigentlichen Sinne galt in der Antike wie Stein- oder Blutregen oder andere Portenta als ein Unheil kündendes Vorzeichen.55 Diese Implikation ist aber von unserer Stelle mit Sicherheit fernzuhalten. Die von TaubmannTaubmann, Friedrich evozierte Vorstellung hat wohl zwei Ursprünge: zum einen das in der Bibel mehrfach vorkommende Motiv der Milch- und Honigströme (etwa Exodus 3, 8 und 3, 17). Zum anderen wird die Milchmetaphorik schon in der Antike für geistliche oder geistige Nahrung verwendet, die Anfängern verabreicht werden soll, so etwa für den Bereich der Rhetorik: Quin ipsis doctoribus hoc esse curae velim, ut teneras adhuc mentes more nutricum mollius alant et satiari velut quodam iucundioris disciplinae lacte patiantur.56 Die Formulierung lacteus imber findet sich auch bei HeinsiusHeinsius, Daniel: Vatem surripe Diva tuum, qua lacteus imber / spirat, ab vmbrosis Meonidum latebris.57 Hier versinnbildlicht der Milchregen die poetische Inspiration.
Die am Anfang des Gedichts evozierten und am Ende angerufenen Göttinnen sollen also Schönheit (Venus), Liebreiz und Charme (Grazien) sowie Poetizität (die Musen) verleihen, und zwar „den Schatten des Plautus“. Damit kann nicht Plautus selbst gemeint sein, der als Schatten der Unterwelt zu denken wäre, denn wie das erste Distichon des Epigramms zeigt, besitzt Plautus all diese Attribute bereits. Das Wort umbra ist hier i.S.v. „Nachahmer“ zu verstehen. Diese durchaus geläufige Bedeutung des Wortes („Begleiter, einer, der einem anderen folgt“) ist sogar bei Plautus selbst belegt: certum est mihi, / Quasi umbra, quoquo ibis tu, te persequi (CasinaCasina 91–92).58 TaubmannTaubmann, Friedrich bittet also die Göttinnen darum, den Nachahmern des Plautus (und damit auch ihm selbst) dieselben poetischen Gaben zu verleihen, die sie an dem Meister bewundern. Dass damit alle Imitatoren gemeint sind, sowohl die fortgeschrittenen Dichter und Literaten als auch ganz besonders die Anfänger in den Schulen und Universitäten, wird aus v. 15 deutlich, in dem dezidiert die pueri angesprochen werden. Das Gedicht ist ja entstanden, als TaubmannTaubmann, Friedrich Schüler der Heilsbronner Fürstenschule war (s.o. S. 89).
Wie ‚plautinisch‘ sind nun Sprache und Stil dieses Gedichts? In der Tat verwendet TaubmannTaubmann, Friedrich, wie gesehen, einige Plautinismen, aber sie bleiben unauffällig, es sind gerade keine gesuchten, ausgefallenen Ausdrucksweisen – wie überhaupt das ganze Gedicht schlicht, geradezu attizistisch wirkt. Die Sprache ist einfach, die von Plautus’ Müller- und Bühnentätigkeit angeregten Metaphern naheliegend und alles andere als dunkel. TaubmannTaubmann, Friedrich hat sich sichtlich darum bemüht, als Plautus’ umbra dessen umbella zu folgen und ein stilistisch ausgewogenes, luzides Epigramm zu schaffen – gewissermaßen eine Plautusnachahmung im Zeichen der puritas und elegantia, der reinen und sorgfältig gewählten Sprache, wie es dem Nachahmer eines classicus testis eben zukommt.59
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Verweyen, Theodor / Wolfgang Srb: Zwei Autografen (Zincgref, Taubmanmn) als Paratexte zur Plautus-Ausgabe Janus Gruters, auch im Hinblick auf Lachfreiheit im Späthumanismus, Euphorion 109, 2015, 269–317.
Wiegand, Hermann: Taubmann, Friedrich, in: Frühe Neuzeit in Deutschland, 1520–1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon, Bd. 6, 2017, 259–276.
Woytek, Erich: T. Maccius Plautus. Persa, Einleitung, Text und Kommentar, Wien 1982.
2. Plautus-Philologie und Theater
Das Amphitruo-Supplement, oder: Dichter können auch ganz gut Philologe
Ludwig Braun (Würzburg)
AmphitruoMan denkt wohl nur selten darüber nach, wer eigentlich wichtiger ist: Wir, die Philologen, oder die Dichter. Ohne die Dichter wären wir nämlich gar nichts, wir hätten nichts zu edieren, kommentieren, interpretieren. Aber wenn wir die Dichter nicht edieren und interpretieren würden: Was wären dann die Dichter? Soweit scheint das Verhältnis ausgewogen, wir brauchen einfach einander wie das tägliche Brot.
Es kommt aber auch vor, daß Dichter uns das philologische Geschäft sozusagen vor der Nase wegschnappen – und es sehr ordentlich erledigen.
Ein Beispiel dafür bietet das AmphitruoAmphitruo-Supplement. Hier klafft eine große Lücke von zwei halben und zwei ganzen Szenen, es muß also viel rekonstruiert werden. Das ist eine Aufgabe, die philologisch mit Nachdruck erst 1848 angegangen wurde, von Emanuel Hoffmann in seiner Breslauer Dissertation De Plautinae Amphitruonis exemplari et fragmentis. Ein unbekannter Dichter, der Verfasser des AmphitruoAmphitruo-Supplements, hat sich aber bereits um 1495 mit eben dieser Frage beschäftigt, sicher, um für eine Aufführung einen lückenlosen Text herzustellen.
Erinnern wir uns kurz an die Handlung: Jupiter hat sich in Gestalt Amphitryons zu dessen Gemahlin Alcmene begeben, um mit ihr das Liebeslager zu teilen. Mercur begleitet den Göttervater in Gestalt von Sosia, dem Sklaven Amphitryons. Da nun der echte Amphitryon und der echte Sosia, von einem Feldzug heimkehrend, dazustoßen, ist die Verwirrung alsbald eine ungeheure. In immer neuen Kombinationen geraten die Menschen und ihre göttlichen Doppelgänger miteinander und mit Alcmene zusammen, bis schließlich Jupiter und Amphitryon sich spiegelbildlich gegenüberstehen. Damit sind die Möglichkeiten der Handlung in diesem Stück durchgespielt, die Lage ist reif, daß Jupiter die Hintergründe der Gaukelei enthüllt.
Es gibt dabei verschiedene Typen von Szenen: Zusammentreffen von Alcmene mit dem falschen oder echten Amphitryon (Alcmene-Szene: AS), von Herr und Diener, jeweils falsch oder echt (Herren-Diener-Szene: HDS), und von den Doppelgängern selbst (Zwillings-Szene: ZS). Diese Szenentypen sind in sinnvollen Parallelen und Symmetrien angeordnet, wie uns erst vor etwa 45 Jahren eine tüchtige philologische Arbeit klargemacht hat, von Udo Reinhardt 1974 – vorher hat das kein Philologe gesehen. Es ergibt sich folgendes Schema, in den Grundzügen von Reinhardt 1974, 120 entwickelt, hier wiedergegeben nach Braun 1980, 20:1

Danach liegen um das Ganze als Rahmen die zwei Doppelgängerszenen: 1, 1 die Szene Mercur-Sosia, 4, 3 die Szene Amphitryon-Jupiter. Das Kernmotiv, daß ein Mensch durch Götter an seiner Identität irre gemacht wird, wird zunächst auf der Sklavenebene behandelt, auf der kennzeichnend Sosia zuletzt der Gewalt weicht und sich damit abfindet, daß er sich nun eben verdoppelt hat. Amphitryon hingegen, als Freier und Feldherr, läßt sich nicht unterkriegen und setzt auch zuletzt noch zum Sturm auf sein Haus an.2
In diesem Rahmen entfaltet sich die Handlung in zwei parallelen und sich steigernden Schüben, 1, 1–2, 2 und 3, 1–4, 3, in denen jeweils zwei Szenen mit Alcmene stehen: die erste, 1, 3, Alcmene mit Jupiter, in ungetrübter Harmonie, Alcmene ahnt nichts Böses, bedauert nur, daß ihr geliebter scheinbarer Amphitryon sich schon wieder verabschiedet, 2, 2 aber erscheint der echte Amphitryon, und es kommt zu schweren Vorwürfen, jeder wähnt sich im Recht, schließlich geht Amphitryon, einen Gefährten zu holen, der ihm bezeugen soll: Er war in dieser Nacht nicht bei Alcmene. Aber selbst wenn es dazu käme, würde das Problem nicht gelöst, es könnte wieder nur Aussage gegen Aussage stehen. Wir stehen am Ende des ersten Teils und wären eigentlich somit an einem toten Punkt, aber hier greift Jupiter erneut ein, der zu Alcmene zurückkehrt, um nochmals die Freuden der Liebe zu genießen und um die Menschen in noch größere Verwirrung zu stürzen: Das ist die berüchtigte frustratio maxima (875). Dafür muß Jupiter indes in dem nächsten Auftritt mit Alcmene, 3, 2, diese erst einmal wieder friedlich stimmen, was nur unter Einsatz aller Künste des Charmeurs gelingt. Später, 4, 2a, trifft allerdings auf Alcmene wieder der echte Amphitryon, der nichts von einer Versöhnung weiß, und die gegenseitige Heftigkeit muß beträchtlich werden. Wir haben also zweimal die Folge Alcmene mit Jupiter, dann mit Amphitryon, mit Jupiter friedlich bzw. nach Verstimmung wieder friedlich, mit Amphitryon feindselig bzw. feindselig in zweiter Potenz.
Diese vierte Alcmene-Szene ist allerdings nicht erhalten und wurde von unserem Ergänzer auch nicht erschlossen, geschweige denn rekonstruiert. Die AmphitruoAmphitruo-Fragmente 7 bis 10, die auf diese Szene hinweisen, kannte er wie auch alle weiteren Fragmente offenbar nicht – erst die Ausgabe von Camerarius Camerarius d.Ä., Joachim(1552) hat die Fragmente gesammelt –, und allein aus der Symmetrie des Aufbaus wurde ihm die Szene auch nicht deutlich. Aber das sollten wir ihm nicht so übel nehmen, denn darauf ist keiner der berühmten Gestalter des Amphitryon-Stoffes je gekommen, nicht CamõesCamões, Luís de, de RotrouRotrou, Jean de, MolièreMolière, DrydenDryden, John, KleistKleist, Heinrich von.3
Um diese Kernszenen gruppieren sich Auftritte von Herren und Dienern, die im Grundton mit den Alcmene-Szenen kontrastieren: Geht es dort um eheliche Treue im Adelshaus, so hier um Gehorsam des Sklaven.4 2, 1 tritt auf Amphitryon mit Sosia, also zwei Echte, die an sich zusammengehören, aber der Herr ist verärgert, daß der Sklave ihn nicht, wie befohlen, in seinem Haus angemeldet hat, und daß er dafür völlig unglaubhafte Entschuldigungen vorträgt (Bezug auf 1, 1). 3, 3 bringt falschen Amphitryon und echten Sosia zusammen, in vorläufig spannungsloser Situation, Sosia hält Jupiter für seinen wirklichen Herrn und geht auf dessen Befehl ab, einen Gast herbeizuholen. Dann findet sich aber auch wieder Mercur als falscher Sosia im Hause ein, um, wie schon 1, 1, Jupiter vor ungebetenem Besuch zu schützen. So gerät der zurückkehrende echte Amphitryon 4, 2 an den falschen Sosia, der ihn nicht einläßt, sondern nur übel beschimpft und mit Gegenständen nach ihm wirft. Alsbald trifft der erboste Amphitryon auf den echten Sosia, der wieder einmal ausbaden muß, was sein Doppelgänger angerichtet hat, 4, 2b. Diesmal geht es aber nicht nur um scheinbare Pflichtvergessenheit, sondern um grobe Verbal- und Realinjurien des Sklaven gegenüber dem Herrn. So ist in diesem zweiten Durchgang jede Auseinandersetzung von größerer Heftigkeit geprägt. Zudem vernimmt Amphitryon im ersten Teil über den falschen Sosia wie auch über den falschen Amphitryon nur Berichte (2, 1 durch Sosia, 2, 2 durch Alcmene), im zweiten aber tritt er den beiden falschen Doppelgängern Aug in Aug gegenüber (4, 2 Mercur, 4, 3 Jupiter).
Nicht erhalten, sondern nur rekonstruiert sind in diesem Gesamtbild die Szenen 4, 2 teilweise, 4, 2a und b ganz, 4, 3 teilweise. Von unserem Ergänzer des 15. Jh.s ist, wie gesagt, die Szene 4, 2a zwar nicht erfaßt, aber das Ende von 4, 2; 4, 2b ganz, und der Anfang von 4, 3. Insgesamt übrigens 187 Verse.
Diese Szenen sind alle von Strukturparallelen betroffen, die Reinhardt auf Grund des eindeutig rekonstruierbaren jeweiligen Personals beobachtet hat: 4, 2 wiederholt steigernd die Sperrung des Hauszugangs durch Mercur 1, 1; 4, 2b und 2, 1 sind Auftritte des über Sosia entrüsteten Amphitryon; 4, 3 entspricht der Doppelgängerszene von 1, 1. Der Auftritt 1, 1 ist dabei sozusagen polyvalent,5 denn er gleicht in manchen seiner Elemente der Szene 4, 2: Abwehr eines Besuchers vom Haus durch den falschen Sosia, in anderen der Szene 4, 3: Begegnung, übrigens jeweils einmalige, von einem Paar von Doppelgängern.
Machen wir uns klar, daß wir erst durch Reinhardt die Augen geöffnet bekommen haben für diese Strukturparallelen. Der Verfasser des Supplements aber konnte auf derlei philologisch-analysierende Literatur nicht zurückgreifen, er mußte sich selber ein Bild machen von dem, was das Stück zusammenhält, und er hat zum großen Teil genau dasselbe gesehen wie Reinhardts Analyse, an die 500 Jahre vor diesem. Denn er hat in den erhaltenen Szenen die jeweiligen Abschnitte und Stufen der Auseinandersetzung erkannt und diese auf die verlorenen Parallelsituationen übertragen.
Zunächst zum Szenenpaar 1, 1 – 4, 2, wo jeweils Mercur erst Sosia, dann Amphitryon daran hindert, das Haus zu betreten: Daß er dem Sklaven Sosia auf ebener Erde gegenübertritt, dem Feldherrn Amphitryon hingegen nur vom sicheren Dach aus, steht so schon bei Plautus. Aber unser Ergänzer gestaltet nun auch die weitere Szene in Entsprechung zu 1, 1: Dort schüchtert Mercur den Sklaven zuerst mit Drohungen ein (295–369), traktiert ihn dann mit Faustschlägen (370–380) und läßt ihn zuletzt durch Argumente an seiner Identität irre werden (381–437, s. argumentis vicit 423). Ebenso beschimpft und bedroht Mercur Amphitryon in dem erhaltenen originalen Rest der Szene 4, 2 (tibi Iuppiter / dique omnes irati certo sunt qui sic frangas fores 1021–1022, senecta aetate a me mendicas malum 1032, quia enim te macto infortunio 10346), greift dann, nun im Ergänzten, zu Gewaltmaßnahmen, indem er einen Dachziegel auf Amphitryon wirft (Hac tegula tuum diminuam caput … accipe *5. *8), und macht ihm schließlich klar, er könne gar nicht Amphitryon sein, denn der genieße gerade drinnen die Freuden der Liebe mit Alcmene (abscede moneo, molestus ne sies, dum Amphytrio Cum uxore […] voluptatem capit *17f.).
Das alles läßt den Feldherrn nicht unbeeindruckt, aber, anders als Sosia 1, 1, gibt er nicht klein bei, sondern besteht darauf, daß dieser andere Amphitryon herbeigeholt werde (Cupio accersiri *32).
Der Wurf mit dem Ziegel verdient noch etwas mehr Aufmerksamkeit: Das Fragment 4 aus der Lücke geht in ganz ähnliche Richtung: optumo iure infringatur aula cineris in caput. Aber der Ergänzer hat die Fragmente insgesamt ja offensichtlich nicht gekannt, kommt nur mehrmals instinktiv in deren Nähe. Denn wie kann man gewaltsam auf einen Gegenspieler einwirken, wenn man sich hoch über ihm auf einem Dach befindet? Nicht direkt mit den Fäusten, wie gegen Sosia in Szene 1, 1, sondern nur mit Wurfgeschossen. Und wenn man schon auf einem Dach steht, gerät einem da nicht ein Ziegel sogar viel natürlicher in die Hand als ein Asche-Eimer?7 Man ist versucht, zu sagen, daß diese Ergänzung sogar das Original noch übertrifft.
Die zweite Szene des Supplements (= 4, 2b): zu Amphitryon kommt dessen Steuermann Blepharo zusammen mit Sosia, zeigt in erster Linie, daß der Ergänzer die Hinweise auf diese Szene im Erhaltenen sorgfältig berücksichtigt hat: Die bereits 589 und 1030 von AmphitruoAmphitruo angedrohten Prügel werden hier verwirklicht, entsprechend der wesentlich stärkeren Verärgerung Amphitruos.
Erheblich enger aber sind die Beziehungen in der dritten ergänzten Szene, der Begegnung von echtem und falschem Amphitryon (4, 3), zu ihrem Pendant in der allerersten Szene, der Begegnung von echtem und falschem Sosia (1, 1). Dort geht die Auseinandersetzung über mehrere Runden, wir haben eben schon auf die Folge von Drohungen, Tätlichkeiten und rationalen Beweisen, argumenta, geblickt. Mit Drohungen (*119, *138), dann Tätlichkeiten beginnt auch die dritte ergänzte Szene, Jupiter und Amphitryon packen sich gegenseitig am Hals (wie angekündigt 953 quom ego Amphitruonem collo hinc obstricto traham: *139 Ob istuc indignum dictum te obstricto collo hac diripiam, ausgesponnen bis *147), nur mühsam kann Blepharo die Kombattanten trennen.
Dann soll, unter Vorsitz des unparteiischen Blepharo, durch Zeichen entschieden werden (faciam id, si queo, signis palam *153). 1, 1 beginnt Sosia, durch Mercurs Anspruch fassungslos, mit einer Selbstbehauptung, in der er seine Identität versichert und seine letzten Erlebnisse und Verrichtungen aufzählt (403–408), doch Mercur nimmt alles Gesagte für sich selbst in Anspruch (410–415). Das entspricht genau den auftrumpfenden Tatberichten der zwei Amphitryone *163–177, bis zu den verzweifelten Ausrufen des Sosia und Amphitryon jeweils am Ende dieser Runde: So. egomet mihi non credo, quom illaec autumare illum audio: hic quidem certe quae illic sunt res gestae memorat memoriter (416–417), Amph.Amphitruo Dii immortales, iam mihimet non credo, ita hic omnia, quae facta illic, examussim loquitur (*178–179). Im AmphitruoAmphitruo folgen darauf die Fragen Sosias nach Einzelheiten, mit denen er den falschen Sosia überführen will, erst nach der patera des Pterela (418–422), dann nach der heimlichen Beschäftigung Sosias, dem stillen Weingenuß, wovon nur der echte Sosia wissen können sollte (425–430). Dem entsprechen im Supplement die Fragen Blepharos nach den Befehlen Amphitryons vor der Taphierschlacht (*154–156) und nach dem Geldbetrag in der Börse (*157–161; marsupium, womit allerdings wohl eher so etwas wie die Kriegskasse gemeint ist). Wieder unterstreicht zum Abschluß ein wörtlicher Anklang: So. mira sunt, nisi latuit intus illic in illac hirnea (432), Bl. Intus in crumena clausum alterum esse oportuit (*162).
Als letzte entscheidende Prüfung stellt Blepharo die Frage nach einer Narbe am Arm Amphitryons. Dies geht gleichfalls auf eine Anregung aus 1, 1 zurück, dort ebenso am Ende der Auseinandersetzung, wo Sosia sein Äußeres mit dem Mercurs vergleicht und nur Übereinstimmungen sieht, so daß er mit den Worten schließt: si tergum cicatricosum, nihil hoc similist similius (446). Sosia hat Prügelstrafen erlitten, die Narbe Amphitryons hingegen stammt aus einer Heldentat – wieder steigert der Ergänzer einleuchtend. Dieses einzige in 1, 1 nicht geprüfte Kennzeichen wird im Supplement zum kraftvollen Schlußeffekt, die Prüfung der Narbe findet hier statt, aber natürlich auch sie ohne Ergebnis: Bl. Supreme Iuppiter, quid intueor? Utrique in musculo / Dextro, eodem in loco, signo eodem apparet probe, / Ut primum coivit, cicatrix rufula, sublivida. / Iacent rationes, silet iudicium, quid dicam nescio (*184–187).
Übertragen ist also aus 1, 1, nach Handgemenge der Doppelgänger, der Dreischritt: 1.) zwei Fragenkomplexe, die auf Geheimwissen zielen, das anderen nicht bekannt sein kann, 2.) Tatenbericht als Selbstbehauptung, 3.) unveränderliche körperliche Merkmale (die Reihenfolge gegenüber Amph.Amphitruo 403–446 ist somit leicht verändert). Eine solche Übertragung geschieht ja gewiß nicht von selbst, unser Ergänzer muß die grundsätzlich vorgegebene Parallelität erkannt und als Konstruktionsprinzip bewußt seiner Ergänzung zugrunde gelegt haben.
Dieses Verfahren ist keineswegs unausweichlich. Pandolfo CollenuccioCollenuccio, Pandolfo, ein Zeitgenosse unseres Ergänzers, hat in seiner italienischen Fassung des AmphitruoAmphitruo gleichfalls die verlorenen Szenen des Stückes rekonstruiert.8 Mehrere Elemente, die der Ergänzer aus den Parallelszenen aufgegriffen und in neuer Wendung zur Geltung gebracht hat, werden bei Collenuccio aber nicht herangezogen. Um nur den markantesten Fall zu nennen: In Szene 4, 3 kommt es bei Collenuccio nicht zur Schlägerei zwischen echtem und falschem AmphitruoAmphitruo, und das, obwohl diese bei Plautus Amph.Amphitruo 953 angekündigt wird – also geringe philologische Aufmerksamkeit Collenuccios –, es kommt auch nicht zu Fragen Blepharos an beide Doppelgänger, die die wahre Identität klären sollen, und schließlich ebenso wenig zur Prüfung des unveränderlichen Kennzeichens, der Narbe am Arm.
Das AmphitruoAmphitruo-Supplement hingegen scheint mir ein wichtiges Beispiel für die häufiger zu beobachtende Erscheinung zu sein: Ein Dichter kommt oft nicht umhin, sich für sein eigenes Werk mit den Schöpfungen anderer Dichter auseinanderzusetzen, und das heißt, sie zu interpretieren. Er leistet also eine philologische Arbeit. Er tut dies aber nicht in eigentlich philologischer Form, denn das Ergebnis seiner Interpretation ist nicht ein Kommentar oder eine Literaturgeschichte, sondern seine Interpretation geht implizit in sein eigenes Werk ein. Es liegt übrigens auf der Hand, daß der Zunftgenosse, mindestens für bestimmte Fragen, ein wesentlich schärferes Auge hat als ein Philologe, der aus eigener Erfahrung und Praxis zumeist vom Dichten nichts versteht. Auch ein so entstandenes dichterisches Werk muß dann aber natürlich wieder von Philologen interpretiert werden. Die nicht explizierte proto-philologische Erkenntnis ist erst wieder herauszupräparieren. Dies wollte ich am AmphitruoAmphitruo-Supplement vorführen.9
Literaturverzeichnis
Braun, Ludwig: Scenae Suppositiciae oder Der falsche Plautus, Göttingen 1980 (Hypomnemata, Bd. 64).
Braun, Ludwig: Keine griechischen Originale für Amphitruo und Menaechmi?, Würzburger Jahrbücher 17, 1991, 193–215.
Collenuccio, Pandolfo: Comedia di Plauto (Amfitrione), Venedig 1530.
Hoffmann, Emanuel: De Plautinae Amphitruonis exemplari et fragmentis, Diss. Breslau 1848.
Pittaluga, Stefano: Pandolfo Collenuccio e la sua traduzione dell’‟Amphitruo” di Plauto, Res Publica Litterarum 6, 1983, 275–290.
Reinhardt, Udo: Amphitryon und Amphitruo, in: Udo Reinhardt / Klaus Sallmann (Hgg.), Musa Iocosa, FS Andreas Thierfelder, Hildesheim / New York 1974, 95–130.
Steidle, Wolf: Plautus’ Amphitruo und sein griechisches Original, Rheinisches Museum für Philologie 122, 1979, 34–48.
Ad imitatione delli antiqui
Philologie und Theater in den Plautinischen Studien des Tommaso “Fedra” Inghirami
Domenico Giordani (Oxford)
Inghirami, TommasoIm Gegensatz zum mittelalterlichen Theater nimmt das humanistische Theater zum ersten Mal ein historisches Bewusstsein gegenüber der klassischen Welt an, das auf halbem Weg zwischen dem kritischen Blick des Gelehrten und der Erkenntnis eines unheilbaren Verlustes liegt. In der Einleitung zu einem Band, in dem es um die römischen Feiern von 1513 geht, sagte Fabrizio Cruciani, der wichtigste Aspekt dieser Haltung sei «il tentativo, quantitativamente trascurabile ma qualitativamente privilegiato, di recupero e di restituzione del teatro classico»,1 ein Versuch, der immer von theoretischer Reflexion und philologischer Aktivität begleitet wurde.
Der Wunsch, den Seiten der Manuskripte einen Lebenshauch zu verleihen, die seit Jahrhunderten nur in ihrer Schriftlichkeit wahrgenommen und teilweise erst kürzlich entdeckt worden waren, wie im Fall der zwölf Komödien von Plautus (1429) und der Komödien von TerenzTerenz mit dem Kommentar von DonatDonat (1433), kennzeichnet von Anfang an die Tätigkeit der sogenannten römischen Akademie, einer Gemeinschaft von Schriftstellern, die sich um Pomponio LetoLeto, Pomponio während seiner Lehrjahre am Studium Urbis versammelt hat. Über die Akademie und ihre Mitglieder ist viel geschrieben worden, und es ist nicht meine Absicht, die Geschichte dieser Gemeinschaft nachzuvollziehen. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich eher auf einen der letzten und einflussreichsten unter denen, die aus LetoLeto, Pomponio nach dem Ausdruck von Giulio Simone Siculo «wie aus dem Trojanischen Pferd hervorgingen» (tamquam ex equo Troiano […] exiere),2 nämlich Tommaso “Fedra” InghiramiInghirami, Tommaso. Insbesondere werden wir seine Plautinische Studien in Betracht ziehen, um die Merkmale seines modus operandi zwischen der Kultur des Renaissance-Festivals und der Wiedererweckung des antiken Theaters näher zu bestimmen.
1. Aus dem Leben eines Pomponianischen Humanisten
Tommaso InghiramiInghirami, Tommaso wurde 1470 in Volterra in einer den Medici treuen Familie geboren. Nach der Ermordung seines Vaters im Jahre 1472 wurde er unter dem Schutz von Lorenzo de’ MediciMedici, Lorenzo de’ nach Florenz gebracht. Dieser wurde sich der besonderen Qualitäten des jungen InghiramiInghirami, Tommaso bewusst und beschloss, ihn 1483 nach Rom zu seinem Onkel Antonio, Sekretär und Cubicularius von Sixtus IV.Sixtus IV. (Papst), zu schicken. Hier nahm InghiramiInghirami, Tommaso an der Aktivität der römischen Akademie von LetoLeto, Pomponio teil, die unter dem Pontifikat von Sixtus IV.Sixtus IV. (Papst) wiedergeboren wurde, nachdem sie unter Paul II.Paul II. (Papst) wegen Verdachts auf eine Verschwörung unterdrückt worden war.1 Die Nachrichten über die Aktivitäten der Akademie sind in der Tat bis 1483, dem Jahr der Ankunft von InghiramiInghirami, Tommaso in Rom, eher selten. In diesem Jahr zeugt eine Passage aus dem Tagebuch von Jacopo GherardiGherardi, Jacopo, eines Volterranischen Humanisten und Mentors des jungen InghiramiInghirami, Tommaso, von der Erneuerung der jährlichen Feier zum Geburtstag Roms in Übereinstimmung mit den antiken Parilia:2
in Exquiliis prope Pomponii domum, die dominico qui sequutus est, a sodalitate litteraria, celebratum est Romanae Urbis Natale. Sacra sollemniter acta, Demetrio Lucensi, bibliotecae pontificiae prefecto operante, Paulus Marsus orationem habuit. pransum est apud Salvatoris sacellum, ubi sodalitas litteratis viris et studiorum studiosis elegans convivium paraverat […] et a diversis iuvenibus eruditis versus quamplures etiam memoriter recitati
Die Feier bestand also aus einer lateinischen Rede, gefolgt von einem prächtigen Bankett, an dem junge edle Literaten teilnahmen, die am Ende auswendig gelernte Verse rezitierten.
In seiner Pomponii VitaSabellico, MarcantonioPomponii Vita bezeugt Marcantonio SabellicoSabellico, Marcantonio, dass private Rezitationen im Hause Letos erneut anlässlich des Geburtstags Roms stattfanden und sie in Verbindung mit den offentlichen Pomponianischen Aufführungen des Plautus, TerenzTerenz und anderen neueren Komödien setzt.3 Die Rezitation von Reden, von auswendig gelernten poetischen Passagen und schließlich von ganzen Komödien legt nahe, dass die Bildung der Pomponianer, die sich hauptsächlich auf Redekunst konzentrierte, eine starke Fokussierung auf die Performance, auf actio beinhaltete. Für die jungen Schüler von PomponioLeto, Pomponio war die Schauspielerei eine notwendige Vorbereitung für zukünftige rhetorische Performance. Die Rezitation ermöglichte den angehenden Rednern, das Gedächtnis zu trainieren, eine gute Aussprache zu erlernen, alle non-verbalen Mittel, insbesondere Gebärden und Stimme, zu üben und ihre Wirkung auf das Publikum zu testen.4 Daher führt Paolo GiovioGiovio, Paolo 1527 in einer nostalgischen Retrospektive über die glänzenden Jahre der Accademia Pomponiana den Niedergang der Beredsamkeit auf das Verschwinden jener iucundissima […] studia Theatralium recitationum zurück, die damals schon von den unvermeidlich überwiegenden Vorstellungen in Vulgärsprache verdrängt wurden:5
Sed cur hodie doctorum ora aut conticescant aut satis inepte veterum vocem, gestum, ac totam huius subtiliores artificii rationem aemulentur, ut diligenter explices postulamus». Ad haec: «Ego, inquam, ut coniectura facile adsequimur, id duabus de causis arbitror evenisse. Primo quoniam iucundissima illa Theatralium recitationum veterumque praesertim comoediarum, quae per ingenuos et patritios adulescentes nuper agebantur apud Romanam iuventutem penitus fuerint intermissa, irrumpentibus in Scoenam vernaculis histrionibus in gratiam, ut putamus, foeminarum ac indoctae multitudinis
Gerade auf diese pädagogischen Zwecke bezieht sich eines der ersten Zeugnisse für eine öffentliche Aufführung von Mitgliedern der Akademie. Drei Jahre nach Inghiramis Ankunft in Rom, gegen Ende 1486 oder in den ersten Monaten 1487, veröffentlichte Giovanni SulpizioSulpizio da Veroli, Giovanni da Veroli, eine der Schlüsselfiguren der Accademia, die editio princeps von VitruvsVitruv De Architectura. Die Veröffentlichung von Verolis Vitruv stellt einen entscheidenden Moment in der Geschichte der Renaissance-Architektur dar und ist auch für die Entwicklung des humanistischen Theaters nicht ganz unerheblich. Im Vorwort an Kardinal Raffaele Riario Riario, Raffaele (Kardinal)erinnert SulpizioSulpizio da Veroli, Giovanni da Veroli an die Etappen der Wiederherstellung des klassischen Theaters in Rom:6
tu enim primus Tragoediae quam nos iuventutem exercitandi gratia et agere et cantare primi hoc aevo docuimus (nam eius actionem iam multis saeculis Roma non viderat) in medio foro pulpitum ad quinque pedum altitudinem erectum pulcherrime exornasti; eandemque postquam in Hadriani mole Divo Innocentio spectante est acta, rursus intra tuos penates, tamquam in media circi cavea, toto consessu umbraculis tecto, admisso populo et pluribus tui ordinis spectatoribus honorifice excepisti. Tu etiam primus picturatae scaenae faciem qua Pomponiani comoediam agerent nostro saeculo ostendisti
Nach der zeitnahen Rekonstruktion von SulpizioSulpizio da Veroli, Giovanni da Veroli bestand die Hauptaufgabe dieser Aufführungspraxis darin, junge Menschen auszubilden, indem sie Verse oder sogar ganze Stücke rezitierten und sangen. Mit der Zeit entwickelte sich diese Praxis, auch dank der Unterstützung von Kardinal RiarioRiario, Raffaele (Kardinal), zu einem Projekt, das antike Theater nach so langer Abwesenheit von den Bühnen Roms wiederzubeleben. Veroli erwähnt in der Tat eine tragische Vorstellung, die auf einer von RiarioRiario, Raffaele (Kardinal) im Forum errichteten Bühne stattfand und dann im Castel Sant’Angelo in Gegenwart von Innozenz VIII. und auch natürlich im Hof des Adelspalastes von RiarioRiario, Raffaele (Kardinal) selbst, d.h. im heutigen Palazzo della Cancelleria, wiederholt wurde.
Um welche Vorstellungen handelt es sich? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, auf die frühen 80er Jahre des 15. Jahrhunderts einzugehen, eine besonders wichtige Periode in der Geschichte der Plautus-Rezeption in der Renaissance. Tatsächlich fand gleich am 25. Januar 1486 die erste urkundlich belegte Aufführung einer vulgärsprachlichen Komödie des Plautus statt. Im Hof des Palazzo Ducale in Ferrara wurden die Menechini, die Version der Menaechmi Menaechmiim Volgare, während der von Ercole I d’Este zu Ehren von Francesco Gonzaga organisierten Feierlichkeiten aufgeführt.7 Genau ein Jahr später, im Januar 1486, wurde wiederum in Ferrara eine von Pandolfo Collenuccio ins Volgare übertragene Amphitrione aufgeführt, um die Hochzeit von Lucrezia d’Este, Ercoles unehelicher Tochter, mit Annibale Bentivoglio zu feiern. Beide Ereignisse stellen den Höhepunkt eines Prozesses der vulgärsprachlichen Aktualisierung der Komödien dar, der auf Initiative des Herzogs Ercole d’Este entstanden war.8
Die römischen Vorstellungen der Pomponianer waren zweifellos weniger prunkvoll und gingen hauptsächlich von einer anderen Perspektive auf die Antike aus. Wie bereits gesagt, beschreibt SulpizioSulpizio da Veroli, Giovanni da Veroli ein Projekt zur Wiederherstellung des klassischen Theaters in Originalsprache, das bereits mit der Vorstellung einer Tragödie und einer Komödie durchgeführt wurde. Erst 1486, im selben Jahr wie VitruvsVitruv editio princeps, wurde SenecasSeneca PhaedraSenecaPhaedr. in Rom unter dem Titel Hippolytus aufgeführt. Der Prolog ist in einer in der Bibliotheca Vallicelliana aufbewahrten Handschrift überliefert. Der Verfasser dieses Werkes ist erneut SulpizioSulpizio da Veroli, Giovanni da Veroli, der seine Idealvorstellung noch stärker unterstreicht:9
postid novis auctoribus (d.h. tragoedia […] vos augeat) qui usu abditos
revocant theatrales iocos et fabulas
ad vos iuvandos
Nach einer berühmten Anekdote war es dieser Darstellung zu verdanken, dass InghiramiInghirami, Tommaso seinen Spitznamen für immer erhielt:10
fu tenuto Poeta insigne, grandissimo Oratore, perfettissimo Filosofo, et eruditissimo in tutte le scienze, e buon’arti, et ebbe così pronta la poesia latina che recitandosi in casa il Cardinale S. Giorgio la Tragedia di Seneca detta l’Ippolito, et essendo per caso rovinato il ponte dietro alla prospettiva, mentre ch’egli, che rappresentava il Fedra, era solo in scena, continuò tanto il parlare all’improvviso in versi latini, che fu rimediato al disordine
Die Nachricht stammt von Curzio Inghirami, dessen Reputation als Fälscher wohlbekannt ist;11 doch ein der Aufmerksamkeit der Forscher bisher entgangenes Element scheint mir die Wahrhaftigkeit der Anekdote zu bestätigen. Denn die Anekdote spielt sich ab «in casa il cardinale S. Giorgio», nämlich im Palast von Raffaele RiarioRiario, Raffaele (Kardinal), seit 1477 Kardinal von San Giorgio al Velabro. Deshalb bezieht Curzio InghiramiInghirami, Tommaso sich hier auf die Darstellung «intra […] penates», die auch Veroli in seinem Vorwort erwähnt. Also scheint es sicher, dass der damals 16-jährige InghiramiInghirami, Tommaso an den inzwischen zu echten theatralischen Aufführungen gewordenen rhetorischen Übungen teilgenommen hat, indem er, soweit wir wissen, in der Rolle von Phaedra debütierte und seine Zeitgenossen mit seinen außergewöhnlichen Improvisationsgaben in lateinischen Versen erstaunte.
Während sich die drei von Veroli erwähnten Darstellungen einer Tragödie sicherlich auf die PhaedraSenecaPhaedr. beziehen, ist die Erwähnung einer «picturatae scaenae facies», in der die Pomponianer eine Komödie inszenierten, rätselhafter. Zunächst einmal ist es schwer zu verstehen, worauf Sulpicio genau Bezug nimmt. Forscher haben an eine mit Stoff bemalte oder bedeckte Hintergrundmauer, eine Stadtperspektive oder an eine malerische Ausschmückung der architektonisch gestalteten «frons scaenae» gedacht, wie sie für das Kapitolinische Theater und die Feste von 1513 entworfen worden war.12 Was die Komödie betrifft, wissen wir dank eines Briefes von Alessandro Cortesi,13 dass die jungen Schüler von PomponioLeto, Pomponio 1486, kurz vor der Vorstellung der Tragödie von Seneca, den Epidicus Epidicusvon Plautus auf dem Kapitol inszenierten und damit die Reihe der Plautinischen Darstellungen begannen, die sich durch die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts bis zum Höhepunkt der römischen Feste von 1513 fortsetzte. Im Gegensatz zu Ferrara zeigten die Pomponianer zunächst eine Vorliebe für die acht Komödien. Unter den Vorstellungen, denen der EpidicusEpidicus 1486 folgte, gibt es tatsächlich Nachrichten von einem AmphitruoAmphitruo und einem AululariaAulularia, die 1492 bzw. 1497 aufgeführt wurden. Die erste der aus dem Korpus der zwölf 1429 in Köln wiederentdeckten und um 1430 in Italien angekommenen Komödien ist die MostellariaMostellaria, die 1499 aufgeführt wurde.
Tommaso InghiramiInghirami, Tommaso, der damals als Phaedra bekannt war, hatte sich als bester Redner seiner Zeit einen Namen gemacht und im März von Maximilian I das Diplom des Pfalzgrafen und die Dichterkrone erhalten. Im Jahre 1498, ein Jahr vor der letzten bekannten Pomponianischen Aufführung, starb Pomponio Leto Leto, Pomponiound Inghirami Inghirami, Tommasoersetzte ihn am Lehrstuhl für Rhetorik am Studium Urbis. Eine eingehende Analyse der Pomponianischen Aufführungen wäre von großem Interesse für die Geschichte der Plautus-Rezeption in der Renaissance, aber sie geht über die Grenzen unseres Beitrags hinaus.14 Der neue Frühling des lateinischen Theaters und besonders des Plautus in Rom fällt genau mit den Karrierejahren Inghiramis zusammen. Daher werden wir im Folgenden versuchen, seine Plautinische Studien, die sicherlich von den Pomponianern beeinflusst wurden, mit seiner direkten Beteiligung an den Kapitolinischen Feiern von 1513 in Verbindung zu bringen.
2. Phaedras Plautinische Studien
Die Plautinischen Studien von Inghirami Inghirami, Tommasokeimen, wie wir gesehen haben, im Umfeld der Pomponianer. Obwohl es dafür keine Beweise gibt, scheint es sehr wahrscheinlich, dass ihm seine Anerkennung als Schauspieler, die ihm die Hauptrolle in SenecasSeneca Phaedra einbrachte, erlaubte, an den komischen Aufführungen der Jahre 1486–1499 teilzunehmen. Auch der erwachsene InghiramiInghirami, Tommaso verlor nicht das Interesse an Plautus und seine dauerhafte Arbeit an den Komödien wird deutlich durch eine Nachricht von Aulo Giano ParrasioParrasio, Aulo Giano über Inghiramis durch den Tod unvollendet gebliebenes Werk In Plauti comoedias scrupolosissimae quaestiones:1
Quis ultimam manum tot inchoatis operibus imponet? quae (non secus ac Apellis illa decantatissima Venus) interrupta pendent: luculentissimae scilicet orationes, Apologia Ciceronis in obtrectatores, quam mihi paucis ante diebus quam coepisset aestuare, domi suae per summam voluptatem legit […] in Horatii poeticam vigilantissima commentaria: in Plauti comoedias scrupolosissimae quaestiones
Der Verweis auf den Kommentar zu HorazHoraz’ Ars poeticaHorazars, der sich in der autographen Handschrift Vat. lat. 2742 erhalten hat, in der Plautus als genius Latinae linguae beschrieben wird (Vat. lat. 2742, f. 41v), legt nahe, dass die Plautinischen Forschungen Inghiramis im Rahmen der Kurse, die er ab 1497 als Nachfolger Pomponios am Lehrstuhl für Rhetorik abhielt, erfolgten und dass die Abfassung seines Werkes über Plautus bis zu seinem Tod 1516 andauerte.
Das Werk ist (noch) nicht wieder aus den Archiven aufgetaucht, aber wir können uns dank Inghiramis handschriftlicher Kopie von Plautus’ Komödien ein Bild von seinem Inhalt machen. Die Handschrift, die in der Biblioteca Medicea Laurenziana aufbewahrt ist (Laur. Plut. 3636), wurde zweifellos von Inghiramis Hand geschrieben. Die paläographische Untersuchung der Schrift erlaubt es uns, die Handschrift in die so genannte vierte Periode des Pomponianischen Stils einzuordnen, also in die Dekade um 1500, sicherlich nach 1497, und bestätigt damit die Hypothese, dass Inghiramis Plautus-Studien während seiner Lehrtätigkeit am Studium Urbis intensiver wurden.

Die Handschrift besteht aus 42 Fasciculi von 5 Bifolia + 1 anfängliches Bifolion und bietet ein schönes Beispiel für Inghiramis Handschrift. Der Text ist der des sogenannten codex Orsinianus (Vat. lat. 3870: D), den InghiramiInghirami, Tommaso “fotografisch” auch mit PoggiosBracciolini, Poggio Korrekturen und Glossen (D4) wiedergibt und ihnen die abgekürzte Anmerkung in antiquo voranstellt (Bild 1).2
Neben PoggiosBracciolini, Poggio Korrekturen hat InghiramiInghirami, Tommaso auch das Manuskript mit seinen eigenen Glossen niedergeschrieben. Im Allgemeinen haben sie rein gelehrten Charakter, mit häufigen Verweisen auf grammatische (NoniusNonius Marcellus, Carisius, PriscianusPriscian), historische (LiviusLivius) und literarische Quellen, insbesondere CiceroCicero und HorazHoraz, den InghiramiInghirami, Tommaso, wie gesagt, kommentiert hatte. Die Notizen enthalten häufig etymologische und prosodische Diskussionen. Am Rand finden sich auch Konjekturen von InghiramiInghirami, Tommaso selbst, verständlicherweise häufiger in den “neuen” 12 als in den bereits bekannten 8 und meist mit credo puto und vor allem mit quid si gekennzeichnet.3
Die Gelehrsamkeit von InghiramiInghirami, Tommaso erstreckte sich aber auch in andere Richtungen. Für diesen Beitrag habe ich eine Übersicht über die Komödien durchgeführt, von denen wir wissen, dass sie von den Mitgliedern der Akademie aufgeführt wurden, nämlich AmphitruoAmphitruo AsinariaAsinaria AululariaAulularia EpidicusEpidicus MostellariaMostellaria und PoenulusPoenulus. Am Rand der Blätter, die diese Komödien enthalten, finden sich Hinweise auf die theatralische Terminologie der Römer. Siehe zum Beispiel die Glosse bei Amph.Amphitruo 91 etiam histriones anno cum in proscaenio hic : proscenium locus ante scenam in quo exercebantur ludicra (f. 3r). Die gleiche Aufmerksamkeit für die Struktur des antiken Theaters findet sich auch in der ähnlichen Anmerkung zu Poen.Poenulus 17 scortum exoletum ne quis in proscaenio: locus ante scenam ubi actores agebant mit einem Zitat aus Virg. G. 2.380 ueteres ineunt proscaenia ludi (f. 295r). Darüber hinaus konzentrieren sich Inghiramis Beobachtungen manchmal auf Details der Bühnenperformance wie den Tonfall oder den Adressaten eines bestimmten Einsatzes. Nehmen wir zum Beispiel die Glosse über die affektive Wertigkeit der interjektiven Partikel em in Poen.Poenulus 161 vin dare malum illi? :: cupio :: em, eundem me dato : em quandoque pro en ponitur moraque distinctionis ostenduntur affectus (f. 298r). Noch interessanter sind die Anmerkungen zum Tonfall einiger Einsätze, etwa wenn InghiramiInghirami, Tommaso die Antwort von Mercurio / Sosia auf die wahre AmphitruoAmphitruo (Amph.Amphitruo 1021 quis ad fores est? :: ego sum :: quid ego sum?) mit iracunda et fastidii plena quaestio glossiert (f. 22v). In der letzten Szene der AsinariaAsinaria bemerkte InghiramiInghirami, Tommaso außerdem zuerst den wütenden Ton von Artemona gegen Filenio (As. 920: f. 47v iracunda in Philenium sciscitatio) und ein paar Verse später die Wiederholung von surge, amator, i domum von Artemona mit den Worten repetit ob fastidium et stomachum erläutert (As. 923: f. 47v).

Manchmal weist InghiramiInghirami, Tommaso darauf hin, dass ein Charakter den Zuschauer anspricht, wie im Fall von Poen.Poenulus 921 quae audiuistis modo: hier kopiert er im Text audiui und nennt am Rand die Lektion von D1 audiuisti unter Verwendung der Abkürzung in antiquo, die normalerweise den Korrekturen von PoggioBracciolini, Poggio (D4) vorbehalten ist. Als nächstes schlägt er audiuistis vor, die korrekte Lesart, die sich auch im Ambrosianus findet, indem er anzeigt, dass Milphio sich an die Zuschauer wendet (f. 311v quid si audiuistis et adloquatur spectatores) (Bild 2).
Angesichts der von den Pomponianern wahrgenommenen engen Verbindung zwischen Schauspiel und Redekunst ist es nicht verwunderlich, dass InghiramiInghirami, Tommaso bisweilen Analogien in der Terminologie herstellt. Zum Beispiel, Amph.Amphitruo 34 nam iusta ab iustis iustus sum orator datus erlaubt ihm zu unterstreichen, dass qui Prologum dicebat uicem oratoris exhibebat (f. 2r), während die richtige Definition von schema in Amph.Amphitruo 117 als uestis seruilis ihn zur Feststellung führt, dass sich der Name auch auf cultus et ornamenta orationis (f. 3v) bezieht.
Alle diese Elemente tragen dazu bei, die Interessen von InghiramiInghirami, Tommaso zu charakterisieren, da sie zumindest teilweise um die rein szenischen Komponenten des Plautinischen Textes kreisen. Das ist bei einem Schüler von Pomponio LetoLeto, Pomponio überhaupt nicht ungewöhnlich. Alba Tontini hat in den Randnotizen von Giovanni Andrea Bussi im Vat. lat. 11469, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts geschrieben wurde und acht plus sieben der zwölf Komödien (PerPersa. Men.Menaechmi Pseud.Pseudolus Poen.Poenulus MosMostellaria. MercMercator.Mercator Mil.Miles gloriosus) überliefert, bemerkenswerte Spuren besonderer Aufmerksamkeit für die Aspekte der Inszenierung des Textes erkannt.4 Mithilfe des kurz zuvor entdeckten DonatDonat-Kommentars zu TerenzTerenz glossiert Bussi einige Einsätze mit Adverbien (Amph.Amphitruo 899: yrate) oder partizipialen Genitiven, manchmal begleitet von einem Substantiv (Amph.Amphitruo 284: minantis / 569: despuentis et stomachantis est vox). Es gibt auch Anspielungen auf den Adressaten einiger Einsätze (Amph.Amphitruo 788: nunc derigit sermonem ad spectatores). Tontini hat dieses Interesse von Bussi, Freund und Mitarbeiter von Pomponio LetoLeto, Pomponio, auf die von GherardiGherardi, Jacopo und SabellicoSabellico, Marcantonio bezeugte Gewohnheit, laute Verse und sogar ganze Komödien zu spielen, zurückgeführt, was den Auftakt zu den eigentlichen Bühnenaufführungen der Pomponianer bildete. Obwohl meine Arbeit am Laur. Plut. 3636 nur ein erster Schritt in diese Richtung ist und solche Notizen bei InghiramiInghirami, Tommaso weniger häufig zu sein scheinen als bei Bussi, scheint mir, dass InghiramiInghirami, Tommaso immer noch eine gewisse Aufmerksamkeit für die theatralischen Komponenten des Textes zeigt.
Darüber hinaus ergab die Erforschung eine bemerkenswerte Reihe von Glossen in Bezug auf die Kostüme und Stile der alten Kleidung. Am Rand einer Passage aus EpidicusEpidicus (Epid.Epidicus 222ff.) beschreibt InghiramiInghirami, Tommaso mit großer Detailfülle alle darin erwähnten Kleidungsstücke (ff. 137v–138r); in einer weiteren Passage derselben Komödie (Epid.Epidicus 436) verweilt er stattdessen bei der vom miles getragenen militärischen chlamys (f. 141v). Auch an den Rändern zum PoenulusPoenulus befindet sich eine Notiz über das amiculum, die teilweise von Festus abgeleitet ist (Poen.Poenulus 349: f. 301r genus uestimenti a circuitu dictum = Paul. Fest. 26 L. genus est uestimenti a circumiectu dictum). Auch im PoenulusPoenulus verarbeitet er Material von GelliusGellius über den Unterschied zwischen der Kleidung der Römer und der der Karthager, die nur aus der tunica bestand (Poen.Poenulus 975: f. 312v Carthaginenses tunicatos non sine probro dix(it) EnniusEnnius (Enn. Ann. 303 Sk. zitiert von Gell. 6. 12. 7) tunica utebant(ur) R(omani) c(iues) substricta et breui et citra humerum desinente et sup(ra) tunicam togam ferebant) (Bild 3).

Die Notizen zeugen sicherlich in erster Linie von einem gelehrten Interesse an der Antike, doch gleichzeitig belegen sie, so etwa im Fall des miles von Epidicus Epidicusoder der karthagischen Kleidung im PoenulusPoenulus, eine besondere Aufmerksamkeit für die Kostüme der Bühnenfiguren. Anders als Bussi, der eine Phase reflektierte, in der der Text hauptsächlich in privaten Sälen gespielt wurde, scheint sich InghiramiInghirami, Tommaso für die “Regie”-Aspekte des Textes zu interessieren, in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass er in den Jahren, in denen er sein Manuskript annotierte, nicht mehr der junge Schauspieler der ersten Inszenierung von Seneca und Plautus war, sondern auf dem Weg zum Organisator und szenischen apparatore zu werden. Ein weiteres Element trennt den Fall von Bussi von dem von InghiramiInghirami, Tommaso. Während wir bei Bussi natürlich nicht in der Lage sind, den Zusammenhang zwischen den szenischen Anmerkungen und Schauspielpraktiken zu beurteilen, können wir dagegen bei InghiramiInghirami, Tommaso messen, ob und wie solch gelehrte Forschungen über Kleidung und Kostüm Einfluss auf die Inszenierung genommen haben. Um dies zu tun, müssen wir jedoch kurz Fedras Karriere von dort zurückverfolgen, wo wir ihn verlassen haben, nämlich vom späten 15. Jahrhundert bis zum 1513.
3. Die römische Feiern von 1513
In diesen Jahren hat InghiramiInghirami, Tommaso seine Reputation als großer Redner durch zahlreiche öffentliche Reden gefestigt. Seit der Wahl von Papst Julius II.Julius II. (Papst) im Jahre 1503 wuchs das Glück von InghiramiInghirami, Tommaso. Im Jahre 1505 erhielt er den Titel des praepositus der Vatikanischen Bibliothek, von der er fünf Jahre später, 1510, nach dem Tod seines Vorgängers und Freundes Giuliano Maffei, praefectus wurde. Zuvor, im Jahre 1508, hatte er dank dem Wohlwollen des Papstes della Rovere die Präfektur des Archivs von Castel S. Angelo und die Kanonie von S. Pietro erhalten. Dies waren auch die Jahre des berühmten, idealisierten Porträts von Raphael, das einen korpulenten und stark schielenden Mann darstellt, der in tiefen Gedanken eine Handschrift liest und sich Notizen macht.1
Was die Aufführungen betrifft, so wissen wir, dass InghiramiInghirami, Tommaso sicherlich die Funktion des Regisseurs geerbt hatte, der LetoLeto, Pomponio gewesen war. Paolo CortesiCortesi, Paolo berichtet von seinem kompetenten Urteil über die übertriebenen Gesten der Schauspieler einer AsinariaAsinaria, die 1482–1483 von Margret Dietrich falsch datiert und wahrscheinlich viel später inszeniert wurde, als Phaedra, der nun für sein Talent als Schauspieler in seiner Jugend gerühmt wurde, nicht mehr aktiv an den Aufführungen teilnahm:2
Thomas quidem Phedrus Volaterranus, homo qui in adolescentia celeriter ad absolutam ethologiam pervenire potuisset, nisi eum ad eloquentiam abstraxisset gloria expetita maior, cum Parilibus in Quirinali Plauti poetae AsinariaAsinaria ageretur, in summis actorum laudibus, gestuum tantum et manuum nimias argutias excepisse dicitur
Die Berühmtheit von InghiramiInghirami, Tommaso und seine neue Rolle als Regisseur zeigt sich auch in einer Botschaft vom 27. März 1510, in der Matteo Canale, der Vertreter des Herzogs von Ferrara in Rom, eine Einladung von König Ferdinando III. an «Fedria comico con la sua schola» nach Neapel verzeichnete:3
qui se dice che ’l Re de Napoli ha invitato Fedria comico con la sua schola per rapresentare comedie et egloghe ale noze de la Regina iovene et Duca di Calabria
Noch später, in den letzten Jahren des Pontifikats von Julius IIJulius II. (Papst)., war InghiramiInghirami, Tommaso für die Vorbereitung der allegorischen Szenen für die Krönungszeremonie von Vincenzo Pimpinella und Francesco Maria Grapaldo in den Gärten des Belvedere verantwortlich.
Phaedras Karriere endete auch unter dem Pontifikat von Leo X.Leo X. (Papst) nicht, auch wegen der guten Beziehungen der Familie InghiramiInghirami, Tommaso zu den Medici. Wir sind besonders an einer der wichtigsten Episoden interessiert, die die frühen Jahre des Pontifikats von Leo X. Leo X. (Papst) charakterisieren. Nach den prächtigen Feierlichkeiten nach der Wahl, dem sogenannten possesso, beschloss der Papst, seinem Bruder Giuliano de’ MediciMedici, Giuliano de’ und seinem Neffen LorenzoMedici, Lorenzo de’ die Privilegien der römischen Staatsbürgerschaft zu gewähren. Die Wahl ergab sich zum Teil aus der Absicht, die Autonomie Roms auf der Grundlage seines Ursprungsmythos zu bekräftigen, zum Teil aus dem Wunsch, ein Netzwerk familiärer Unterstützung durch den Aufbau einer offiziellen Beziehung der Medici zur Stadt zu schaffen. Die Zeremonie, an der nur Julian teilnahm, fand an zwei Tagen, am 13. und 14. September 1513, in großer Pracht statt. Um die Parade der Wagen und Aufführungen zu veranstalten, hat der Florentiner Architekt Pietro Rosselli ein Holztheater auf dem Platz des Kapitols gebaut. Die einzelnen Kompetenzen der Organisation können wie folgt rekonstruiert werden: Die Errichtung des Gebäudes wurde zwei römischen Adligen anvertraut, Girolamo Pico und Giulio Alberino, während Giovan Giorgio Cesarini sich um das Bankett kümmerte, das Giuliano de’ Medici angeboten wurde. Das dekorative Programm des Theaters und die allegorischen, bukolischen und komischen Aufführungen wurden Camillo Porzio und unserem Tommaso “Fedra” InghiramiInghirami, Tommaso anvertraut.

Die Resonanz und der Erfolg dieser römischen Feiern erlauben es uns, dank der zahlreichen überlieferten Berichte eine ziemlich genaue Vorstellung zu bekommen. Die Struktur des rechteckigen Theaters, das den größten Teil des Platzes einnimmt, wurde von Arnaldo Bruschi auf der Grundlage der Zeichnung wiederhergestellt, die in einem Band von Skizzen und Zeichnungen von Denkmälern des Renaissance-Roms gefunden wurde und dem deutschen Architekten Andreas Coner zugeschrieben wurde (Bild 4).4 Die Seitenwände wurden durch Säulen in sieben Tafeln unterteilt, in denen sich jeweils ein Fenster und ein Gemälde abwechseln. Obwohl die Namen der Maler unbekannt bleiben, geben die Quellen an, dass die Themen der Bilder, die aus den Episoden der Freundschaft und Allianz zwischen den Etruskern und den Römern stammen, von InghiramiInghirami, Tommaso selbst ausgewählt wurden. Als die Prozession, die GiulianoMedici, Giuliano de’ begleitete, das Kapitolium erreichte, ging die Feier mit einer gesungenen Messe weiter, gefolgt von einer lateinischen Rede von Lorenzo Vallati und einer Reihe von offiziellen Danksagungen. Dann folgte das Bankett, dessen extravagante und spektakuläre Abläufe in der Narratione von Paolo Palliolo da FanoPalliolo da Fano, Paolo, einem der vollständigsten Zeugen der Veranstaltung, genau beschrieben werden.5 Der erste Tag endete mit einer Parade von allegorischen Figuren und Wagen, die von Camillo Porzio nach den Konventionen des römischen Festes der Agone organisiert werden, wie unter anderem Aurelio Sereno aus Monopoli in einem Gedicht über die Feiertage berichtet. Am Ende des ersten Festtages wurde neben einigen anderen allegorischen Darstellungen eine pastorale Egloga vorgetragen, in der zwei Pastoren komisch über ihr vergangenes Unglück klagen und mit Lob an Julian und den Papst schließen.
Eine solche Komposition entspricht ziemlich gut dem Konzept der «comedia», das wir in der Frührenaissance hatten, nämlich eine Komposition in mittleren Stil, an einer erfundenen Geschichte angelehnt, in dialogischer Form ausgeführt (dramatisches Genre), die sich in der Regel mit den Charakteren des Alltagslebens beschäftigte und meist von einer ungünstigen Situation ausging, um zu einem glücklichen Ende zu gelangen Kurz gesagt: ein szenischer Dialog mit glücklichen Ende. Und in der Tat hatte das Komische der Komposition eine Wirkung auf das Publikum, so sehr, dass nach den Worten des Mantuaners Francesco Chierigati «ogniuno crepava per el riso».6 Der Autor war der junge Palladio Blosio, der auch am zweiten Tag als Schauspieler tätig war.
Am 14. September wurde die Feier mit neuen Wagen und einer allegorischen Pastoral wieder aufgenommen. Der Abschluss und Höhepunkt des Festes fiel jedoch mit der vollständigen Darstellung von PoenulusPoenulus unter der Regie von InghiramiInghirami, Tommaso zusammen. Paolo PallioloPalliolo da Fano, Paolo teilt uns mit, dass «a recitare così la comedia come li versi et poetici figmenti già detti non intervenne forestiero alcuno, né gente vile, ma soli Romani, quasi tutti figliuoli delli primi gentilhuomini di Roma, de aspetto belli et gratiosi, delle virtuti studiosi, de anni teneri, imperocché, in tanto numero, duo soli erano barbati».7 Von diesen jungen Leuten, sicherlich den Mitgliedern der Pomponianischen «schola», die jetzt von InghiramiInghirami, Tommaso geleitet wird, kennen wir zum Teil die Namen. Die Rolle der Annone spielte Palladio Blosio, der Autor der Egloga, während Paolo Canavaccio die Rolle des Dieners Milphio spielte.8
Über die Gestik und Aussprache der Schauspieler ist nicht viel zu finden. Im Gegenteil, PallioloPalliolo da Fano, Paolo liefert eine vollständige Beschreibung der luxuriösen Bühnenkostüme, an denen InghiramiInghirami, Tommaso selbst gearbeitet hat. Wir sind besonders an einer Beobachtung zu den Schuhen interessiert:9
gli habiti suoi tutti erano elegantissimi et di valore grandissimo certamente, cominciando dal capo fine ai piedi. Portavano tutti calze di colore incarnato per parere che mostrassero la gamba nuda ad imitatione delli antiqui, quali non soleano portarle. Sopra esse haveano certi stivaletti chiamati socci, di somacco azzurro, aggroppati dinanzi con bindelle di seta (d.h. gegerbte Lederstiefel mit Seidenschnürung an der Vorderseite). Questi socci tutti erano coperti di pietre pretiose di varie sorti
Das Kostüm reproduzierte also einerseits die Nacktheit der Beine der römischen Schauspieler und die Struktur der Schuhe, die mit dem alten Namen socci bezeichnet wurden, andererseits wurden diese Lederstiefel jedoch mit Edelsteinen verziert. Überdies, noch laut PallioloPalliolo da Fano, Paolo, Annone, die einen falschen weißen Bart trug:10
portava in capo un certo capelleto coperto di perle; la sua camiscia era di orteghino al modo de l’altre, il suo habito era una tonica longa de broccato de oro
Das Kostüm von Blosio / Annone spiegelte daher den gleichen Widerspruch wider. Es reproduzierte zweifellos die Eigenschaften der karthagischen Tracht, die auch von InghiramiInghirami, Tommaso selbst in der Glosse von Poen.Poenulus 975 notiert wurde. Gleichzeitig trug aber auch die auffällige Verwendung von Gold und kostbaren Stoffen dazu bei, das Kostüm der typischen Pracht der humanistischen Feste anzupassen. Derselbe PallioloPalliolo da Fano, Paolo, als er Adelphasium und Anterastile vorstellte, erkannte, dass sie gekleidet waren:11
non in habito di meretricule, ma con tanta pompa e gravitate che con la loro apparentia due gran Reine rappresentavano
Die Abweichung von der Wahrhaftigkeit ist dem Publikum nicht entgangen, wenn PallioloPalliolo da Fano, Paolo behauptet, daß:12
potrebbeno, forse non senza qualche ragione, quivi essere ripresi li mastri della commedia, quali pareno essersi non solo scostati ma al tutto partiti dalla verisimiglianza, et non havere servato il decoro in lo introducere de le persone, havendo per advocati (che pur devriano essere alquanto attempati et mediocremente vestiti, et per Collabisco villano che si finge essere ladrone, che se li converria aspetto rigido et habito vile) sopposti fanciulli de anni teneri et di aspetto mansuetissimi et gratiosi, ornati non da advocati, né come a ladrone si convene, anzi da gran signori. Dicesi che a Phedra, prefetto di questi giochi, piaceno di tale sorte et però così fatti gli elesse
Die Kritik an dieser «disproportionata suppositione» junger Schauspieler wird von PallioloPalliolo da Fano, Paolo sofort dadurch gemildert, dass InghiramiInghirami, Tommaso diese Wahl nicht so sehr wegen seines schwatzhaften homoerotischen Appetits getroffen hatte, als dass er die Feier mit zu unangenehm wirkenden Figuren und Kostümen nicht stören wollte. Die Wahl von InghiramiInghirami, Tommaso, der versuchte, den Teint der nackten Beine der antiken Schauspieler zu reproduzieren, verwendete die tunica für die karthagische Annone und wählte gleichzeitig Kostüme mit kostbaren Stoffen und mit Edelsteinen verziert, liegt somit auf halbem Wege zwischen seiner eigenen gelehrten Forschung über die Kostüme der Alten und der zeitgenössischen Kultur des Renaissance-Festes. Nicht zufällig kümmerte sich InghiramiInghirami, Tommaso im Jahr nach den theatralischen Feiern des Kapitols um die Ausrichtung folkloristischer und luxuriöser Agone, bei denen das Streben nach Wiederbelebung der antiken Pracht das in den Pomponianern fest verwurzelte Bedürfnis der philologischen Rekonstruktion der Antike überwog. Das Experiment vom Pomponianischen Theater scheint also, zumindest in der Interpretation von InghiramiInghirami, Tommaso, geteilt zwischen der Bestrebung, das klassische Theater nicht nur in der Sprache, sondern auch in den szenischen Strukturen und sogar in den Kostümen zu restaurieren, und dem Festhalten an zeitgenössischen szenischen Bräuchen.
Die Komödie und die Feiern im allgemeinen waren so erfolgreich, dass der Papst sie einige Tage später, am 18. September, in seinem Palast wiederholen ließ. In den folgenden Jahren scheint Inghiramis Interesse am Theater dennoch nachzulassen, da er sich, wie bereits erwähnt, der Organisation festlicher Agone und seiner Rolle als vatikanischer Bibliothekar widmet. In jenen Jahren wurden in Rom weiterhin lateinische Komödien aufgeführt (wir wissen von Darstellungen von AndriaTerenzAndr. und wieder von PoenulusPoenulus), aber es gab auch Stücke in der Vulgärsprache wie die CalandriaBibbiena, Bernardo Dovizi daCalandria von BibbienaBibbiena, Bernardo Dovizi da (1514) und die SuppositiAriosto, LudovicoSuppositi von AriostoAriosto, Ludovico (1519), die von einem langsamen, aber unaufhaltsamen Wandel im Geschmack zeugen. InghiramiInghirami, Tommaso starb 1516 und ließ unter anderem seine Plautinischen Forschungen unvollendet. Nach seinem Tod begann das Theater der Pomponianer unterzugehen. Nach der Plünderung Roms brachen die kulturellen Gewissheiten zusammen, die die Gelehrten im späten 15. und frühen 16. Jahrhunderten belebten. Auch der Traum der Pomponianer, das antike Theater wiederzuerwecken, gerät ins Wanken, und das einzige Ereignis nach 1527, das mit dem Kapitolinischen PoenulusPoenulus vergleichbar ist, sind die BacchidesBacchides von 1531 mit Szenen von Baldassare Peruzzi, aufgeführt anlässlich einer Hochzeit. Das lateinische Theater der Pomponianer war der goldene Herbst des klassischen Theaters.
Literaturverzeichnis
Ausgaben
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Die Funktion des Plautinischen in Nikodemus Frischlins Iulius redivivus
Veronika Brandis / Magnus Ulrich Ferber (Frankfurt)
Frischlin, NikodemusIulius redivivus Frischlin, Nikodemus Ludwig von Württemberg (Herzog)Als Herzog Ludwig von Württemberg im Frühjahr 1585 in Stuttgart Hochzeit feierte, bot sich dem Tübinger Professor für Poetik und Geschichte Nikodemus FrischlinFrischlin, Nikodemus die Gelegenheit, sein erklärtes Lieblingsstück,1 seine kurz zuvor erschienene Komödie Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus,2 zur Aufführung zu bringen und dabei selbst die Rolle des Dichters EobanusHessus, Eobanus zu übernehmen.
Der Inhalt des Stücks sei kurz umrissen: CaesarCaesar und CiceroCicero erhalten die Erlaubnis, die Unterwelt zu verlassen, um die militärischen wie kulturellen Fähigkeiten der Deutschen, von denen sie im Orcus schon gehört hatten, persönlich in Augenschein nehmen zu können. EobanusHessus, Eobanus und der deutsche Heerführer Hermann führen den beiden redivivi einschlägige deutsche Erfindungen vor und berichten vom zeitgenössischen Deutschland, was bei den Togaträgern großes Staunen hervorruft. Hier wird die im Untertitel formulierte Zielsetzung Comoedia in laudem Germaniae et Germanorum scripta humorvoll umgesetzt.
Gewitzt verknüpft der Autor den seit der Entdeckung der Germania des TacitusTacitus von den deutschen Humanisten geführten „Germania-Diskurs“3 mit der Gattung der für eine Hochzeit sehr passenden Komödie. Daher überrascht es nicht, dass die als unterlegen dargestellten Nationen Frankreich und Italien durch einen savoyardischen Krämer, den Allobrox, und einen rüden lombardischen Kaminfeger repräsentiert werden, die sowohl der württembergischen Alltagswelt der Zeit als auch der antiken Komödie entlehnt scheinen.
Neben CaesarCaesar, CiceroCicero und TacitusTacitus ist daher ein weiterer antiker Autor unverkennbar im Stück präsent: der Gattungsvorgänger Plautus, dessen Einfluss auf FrischlinsFrischlin, Nikodemus Komödie im Folgenden untersucht werden soll. Dabei wird in einer philologisch wie historisch angelegten Studie zuerst die sprachliche Gestaltung der Komödie untersucht; im Anschluss wird durch Hinzuziehen des reichen Quellenmaterials4 aus der dreizehnjährigen Zeit der Genese des Stückes eine Einordnung und eine Interpretation des Plautinischen bei FrischlinFrischlin, Nikodemus unternommen.
In der Analyse der sprachlichen und inhaltlichen Anleihen an Plautus im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus soll unter Benutzung der von Craig Williams (nach Conte und Barchiesi) modifizierten Terminologie für die zwei möglichen intertextuellen Modelle die Frage beantwortet werden, ob der betreffenden Passage bei Frischlin Frischlin, Nikodemuseine Plautusstelle als linguistic model, also als rein sprachlicher „Steinbruch“ („raw material“), oder als thematic model dient, bei dem der Inhalt oder die Struktur des Prätextes eine Grundlage der Auseinandersetzung bietet.5
Durch den glücklichen Umstand, dass sich solch eine Fülle von Briefen und anderen Dokumenten von, über und gegen den neuzeitlichen Dichter erhalten hat, kann belegt werden, welchen Grad der Quellenkenntnis der Autor bei seinem Publikum voraussetzen konnte. So lassen sich recht verbindliche Aussagen über die Intention beim Spiel mit den Reminiszenzen treffen, wobei zwei Aspekte im Mittelpunkt der Überlegungen stehen: zum einen die didaktische Zielsetzung des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus als Schuldrama und zum anderen das Bedürfnis FrischlinsFrischlin, Nikodemus, in seiner Komödie aktuelle Ereignisse gewitzt zu kommentieren.
FrischlinsFrischlin, Nikodemus Umgang mit Plautus im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus
Zu Beginn des ersten Aktes tritt CaesarCaesar auf die Bühne und spricht Worte, die den Hörer aufmerken lassen (FrischlinFrischlin, Nikodemus, Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 77–78):1
Magnis diurnis nocturnisque itineribus
In hunc locum contendimus, Marce CiceroCicero.
In langen Tages- und Nachtmärschen sind wir zu diesem Ort geeilt, Marcus CiceroCicero.
Nach CicerosCicero Antwort fährt er folgendermaßen fort (FrischlinFrischlin, Nikodemus, Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 89–96):
Quicquid vides terrarum, CiceroCicero, id à feris
Et barbaris olim tenebatur poplis.
Nam quibus ego temporibus in his fui locis,
Non praesidium, non castellum, non oppidum
Erat, non agri perculti, non vineae,
Sed maxima civitatibus laus tunc erat,
Vastatis finibus magnas undique loci
Habere solitudines.
Was auch immer du an Land siehst, CiceroCicero, das wurde einst von wilden Tieren und barbarischen Völkern bewohnt. Denn zu der Zeit, als ich in diesem Land war, gab es kein Bollwerk, keine Festung, keine Stadt, keine bebauten Äcker, keine Weinberge, sondern damals gereichte es den Stämmen zum höchsten Lob, durch Verwüstung der Randgebiete auf allen Seiten große Einöden zu haben.
Wie klingen für einen Zuschauer des ausgehenden 16. Jahrhunderts diese Worte in FrischlinsFrischlin, Nikodemus Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus aus CaesarsCaesar Mund? Einerseits bekannt: Deutlich stellt die nüchtern prosaische Ausdrucksweise den Zusammenhang mit den kulturgeschichtlichen Beschreibungen im Hauptwerk Iulius CaesarsCaesar her. Der gebildetere Zuschauer mag sogar die Prätexte aus dem 7., 4. und 6. Buch des Bellum GallicumCaesarBellum Gallicum, die mit geringfügigen Veränderungen übernommen sind, als linguistic model für den Komödienauftakt identifiziert haben.2 Andererseits klingen die Worte fremd, denn die Kommentarienprosa ist durch wenige Eingriffe in eine rhythmische Form gebracht worden. Dass die klare Syntax und das nüchterne Vokabular im Dramensprechvers präsentiert wird, wirkt befremdlich und musste das Stück sofort als Komödie und den CaesarCaesar als komischen Charakter entlarven. Durch die Umsetzung in jambische Senare sind gleichzeitig automatisch die Vorbilder der römischen Komödie, Plautus und TerenzTerenz, präsent.
Ausdrücklich stellt FrischlinFrischlin, Nikodemus seine metrische Gestaltung lateinischer Komödien in einem Brief an den Zürcher Theologen Johann Wilhelm StuckiStucki, Johann Wilhelm vom 18. November 1580 in die Nachfolge von Plautus und TerenzTerenz: Plautinam et Terentianam retinui numerorum libertatem.3 Anders als einige zeitgenössische Dichterkollegen nutzt er ganz bewusst die freie Gestaltung der Versfüße, die sich auch bei den antiken Vorbildern findet, um den heiteren Charakter der Komödie gegenüber dem Ernst der Tragödie herauszustellen.4 Wie Plautus und Terenz beschränkt er sich außerdem nicht auf den jambischen Senar, sondern gestaltet einige Passagen im jambischen Oktonar und im trochäischen Septenar.5
Abgesehen von der Gattung und der metrischen Gestaltung hat FrischlinFrischlin, Nikodemus den altlateinischen Komödiendichter Plautus noch auf zwei weiteren Ebenen rezipiert: Erstens dient er ihm in der sprachlichen Gestaltung als Modell, zweitens bezüglich des Handlungsverlaufs, der Charakterzeichnung und der Motivik, also thematisch.
In der allerersten Szene lernen wir CiceroCicero und CaesarCaesar als auferstandene „antike“ Römer kennen, die sich ihrer eigenen Diktion bedienen, also ihren Werken entnommene Phrasen, in Jamben gefügt, verwenden. Caesar zitiert, während er das heutige Deutschland mit dem antiken Germanien vergleicht, in fast jeder Redepartie sein Bellum GallicumCaesarBellum Gallicum. Dabei rekurriert er nicht nur auf den Germanenexkurs im 6. Buch,6 sondern fügt auch Phrasen zur Beschreibung von Landschaft, Sitten und Bräuchen aus anderen Büchern ein.7 Cicero antwortet kurz in unauffällig klassischer Syntax und flicht ab und zu Phrasen aus seinen Reden ein.8 An zwei Stellen, an denen Caesar genauer auf germanische Sitten eingeht, zitiert er TacitusTacitus’ Schrift GermaniaTacitusGerm.9 – ein Quasi-Anachronismus, der einen geistreichen Witz darstellt. Die Komödie beginnt also in nüchternem klassischem Sprachstil: CicerosCicero Antworten wie sic apparet equidem (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 121),10 sane hoc prudens consilium erat (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 213),11 ita est (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 194) und Ausrufe wie hercule (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 220. 225) scheinen den Verfassern des Bellum GallicumCaesarBellum Gallicum und der stilbildenden Prosareden völlig zu entsprechen. Erst gegen Schluss der Szene wird Cicero ein wenig lockerer: Als sie die württembergischen Weingärten bewundern, nimmt seine Sprache ein emphatischeres Kolorit an. Z.B. ruft er das plautinische cedò (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 238)12 und dic obsecro (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 245)13 aus, während Caesar weiterhin im Kommentarienstil Belehrungen über Land und Leute vorträgt.
In der 2. Szene tritt Hermann auf und spricht anfangs in einem Aparte zu sich selbst, ohne die antiken Helden zu bemerken. Diese hören ihm zu und versuchen, aus den Äußerungen über seine Erfolge im Feld seine Identität zu erschließen. Da Hermann in caesarischem Kommentarienstil, angelehnt an Bellum Gallicum CaesarBellum Gallicum1, 15, spricht, vermutet CaesarCaesar sofort, er müsse ein Soldat oder ein Heerführer sein, und begründet es mit dem Satz: indicio est oratio (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 265).14 Mit ganz ähnlichen Worten vergleicht in TerenzTerenz’ HeautontimoroumenosTerenzHaut. die Hure Bacchis Schönheit und Charakter der Dame Antiphila: nam mihi quale ingenium haberes, fuit indicio oratio (Ter. Haut. 384).15 Charakter und Sprache sind in der griechischen und lateinischen Literatur, z.B. bei PlatonPlaton, CiceroCicero und Seneca, häufiger in Entsprechung gesetzt worden; am bekanntesten unter den überlieferten Textpassagen ist die lateinische Version des griechischen Sprichworts bei Seneca: talis hominibus fuit oratio qualis vita (Sen. epist.Senecaepist. 114, 1–2).16
Dass FrischlinFrischlin, Nikodemus seinem CaesarCaesar, der sich selbst stilistisch bisher treu geblieben ist, als linguistic model nicht CicerosCicero oder SenecasSeneca pointierte Form des Sprichworts, sondern ausgerechnet die Worte des TerenzTerenz in den Mund legt, wird vermutlich weder zufällig noch aus metrischen Gründen geschehen sein. Frischlin Frischlin, Nikodemuswird – ob sein Publikum es verstehen sollte oder nicht – den Zusammenhang des Prätextes mit Bedacht einbezogen haben, um seiner Gattung entsprechende Komik zu erzeugen: Der römische Feldherr Caesar beurteilt den deutschen Feldherrn Hermann mit den Worten, die eine Hure lobend über eine Dame geäußert hat. Terenz fungiert hier also gleichzeitig als thematic model.
Als Hermann die beiden antiken Römer bemerkt, schaltet er sofort um und spricht plautinisch. Er fragt quid rei est? (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 284),17 befiehlt cedò (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 284)18 und eho dic (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 287).19 Nach einer Kontemplation über den Lauf der Zeit in ciceronischen Worten (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 293–297)20 beschwert er sich sehr plautinisch über die verrückten Reden der beiden, straft sie Lügen und will sie abführen lassen (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 304–309).
Wie kommt es zu diesem abrupten Stilwechsel? Hermann zeigt sich als Feldherr und Sprachmeister in der Nachfolge CaesarsCaesar. Er verkörpert sowohl die militärischen Vorzüge als auch die sprachliche Kunstfertigkeit des römischen Vorbilds. Dass dieser würdige Deutsche beim Zusammentreffen mit seinem Vorbild die Fassung verliert und durch sein abfallendes Sprachniveau plötzlich als typenhafter Komödienheld erscheint, verleiht dem Stück Spannkraft. Hier werden – wie schon bei CiceroCicero und CaesarCaesar in Ansätzen deutlich wurde – keine starren Charaktere gezeichnet, sondern gezielt Brüche und Überraschungen eingebaut.
In der 4. Szene des 2. Aktes wird eine neue, sehr plautinische Person eingeführt, der Allobrox, der auf Französisch ankündigt, was er vorhat. Er möchte sich an dem Dieb rächen, der ihm Geld gestohlen hat, während er selbst sich mit dessen Dirne vergnügte. Er will nun auf dem Markt Waren verkaufen, um seinen Verlust wieder gut zu machen. Nachdem die redivivi und Hermann eine Weile zugehört haben, spricht Hermann ihn auf Französisch an.21
Eine ähnliche Szene findet sich im PseudolusPseudolus des Plautus. Da diese Komödie der dominanteste aller Prätexte ist, sei der Inhalt kurz referiert: Calidorus liebt eine Dirne des Kupplers Ballio, die aber bereits einem Soldaten versprochen ist. Sie wurde zu drei Vierteln bezahlt und soll nun von dem Soldatendiener Harpax gegen das Restgeld und zwei Erkennungszeichen abgeholt werden. Calidorus’ Sklave PseudolusPseudolus schafft es über einige Umwege und Intrigen, das Geld aufzutreiben, die Erkennungszeichen zu entwenden und schließlich Calidorus die Dirne zu bescheren.
In ähnlicher Weise wie der Allobrox bei FrischlinFrischlin, Nikodemus tritt im PseudolusPseudolus Ballio auf, während PseudolusPseudolus und Calidorus noch auf der Bühne sind und ihn unbemerkt belauschen (Plaut. Pseud.Pseudolus 1. Akt, 2. Szene). Durch sein Selbstgespräch erfahren sie, dass er der Kuppler ist, dem sie die Dirne entwenden wollen. FrischlinsFrischlin, Nikodemus Allobrox und Plautus’ Ballio werden als ähnlich üble und schmierige Charaktere dargestellt, was ihr Gegenüber jeweils auf Latein bzw. Französisch äußert. Hermann ruft O l’homme effronté et impudent! und O l’homme rustique! (Iul. red. 1070. 1073).22 Calidorus lästert: Audin? furcifer quae loquitur? satin magnuficus tibi videtur?, worauf PseudolusPseudolus antwortet: Pol iste atque etiam malificus (Plaut. Pseud.Pseudolus 193–194).23 Diese Szene des PseudolusPseudolus ist möglicherweise ein thematic model für den Auftritt des Savoyarden.
Das plautinische Modell für den Sprachwechsel ist im PoenulusPoenulus zu finden: Im 5. Akt tritt dort der Karthager Hanno auf, der in einem Monolog über zwanzig Verse punisch spricht.24 Er ist auf der Suche nach seinen Verwandten, die als Kinder aus Karthago verkauft worden waren. In der nächsten Szene trifft er auf Agorastocles und den Sklaven Milphio, deren lateinische Sprache er bewundert.25 Wie der Allobrox und Hermann sprechen hier Hanno und Milphio die fremde Sprache, wobei sie für CaesarCaesar und für Agorastocles jeweils – mehr oder weniger richtig – übersetzt wird. Schon Plautus erzeugt durch die Wahl einer fremden, vermutlich für das römische Publikum kaum verständlichen Sprache, einen Witz.26 Die Übernahme des Verfahrens durch FrischlinFrischlin, Nikodemus, der dem Humanistenlatein der Komödie französische Passagen beifügt, ist als besonders gelungen zu bezeichnen: Dass die Sprache nicht nur explizit durch die unwissenden Römer als oratio tam rancida (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 992) und oratio semilatina (Iul. red. Frischlin, NikodemusIulius redivivus1019)27 bezeichnet wird, sondern implizit durch das Durchscheinen des plautinischen Prätextes auf einer Stufe mit dem Punischen der Barbaren steht, ist als selbstbewusster Seitenhieb des deutschen Humanisten auf das linksrheinische Nachbarvolk zu verstehen.28
Bemerkenswert ist hier, dass ebenso wie Hanno auch der Allobrox gutes Komödienlatein zu sprechen versteht. In beiden Komödien dauert die fremdsprachliche Szene 100 Verse an, danach wechseln die „Fremden“ zum Lateinischen über.29 Offensichtlich sind 100 Verse eine für das Publikum erträgliche Dauer, in der die Konzentration auf zwei Sprachen nicht überbeansprucht wird und der Witz sich nicht totgeritten hat.
In der 1. Szene des 4. Aktes des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus befindet sich der Allobrox auf dem Markt, um seine Waren zu verscherbeln. Hermann, der beobachten möchte, was seine Soldaten kaufen, trifft ihn und lässt sich Schmuck, Gewürze und Damenkleidung anbieten; nach einiger Zeit wird es ihm zu bunt, und er lässt den Allobrox abführen, weil er fremdländische Waren nach Deutschland einführe, die den Kampfgeist schwächten (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1719–1720). Der Anfang der Szene (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1639–1664) ist voll von Plautuszitaten, die vor allem dem PseudolusPseudolus entnommen sind. Der erste Beleg stammt aus dem 3. Akt, im Folgenden lehnt sich der Autor insbesondere an eine Schlüsselszene im 4. Akt sehr nahe an. Der Allobrox spricht stets mit den Worten des Kupplers Ballio.
Bei FrischlinFrischlin, Nikodemus sagt der Allobrox aus Angst vor Markträubern: Si quis furinum forum dicat, nomen dederit loco / huic aptissimum (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1639–1640).30 Der explizite intertextuelle Bezug führt direkt zur Kochszene im PseudolusPseudolus. Ballio hat sich einen Koch auf dem Markt angeheuert und sagt: Forum coquinum, qui vocant stulte vocant / nam non coquinum est, verum furinum est forum (Plaut. Pseud.Pseudolus 790–791),31 d.h. es ist kein Markt, auf dem Köche, sondern auf dem Diebe angeheuert werden. Es wird im Verlauf der Szene klar, dass Ballio unterstellt, dass alle Köche, die als Fremde ins Haus gelassen werden, stehlen, was der Koch auch zugibt (Plaut. Pseud.Pseudolus 848–853).32 Die Behauptung wird durch den (fälschlichen) etymologischen Zusammenhang von forum und fur gestützt.33
Dieses Wortspiel hat der Allobrox von Ballio übernommen und lobt es: Richtig sei die Benennung Diebesmarkt, weil dort Diebe seinen Waren nachstellten. Beide Protagonisten, die selbst windige Geschäfte gewohnt sind, haben Angst, bestohlen zu werden.
Im Anschluss an den Allobrox spricht Hermann. Der Allobrox entdeckt ihn, und jetzt beginnt in seinen Sprechpartien die Rezeption einer Schlüsselszene aus dem PseudolusPseudolus, wobei fast alle Worte des Allobrox auch in Ballios Redepartien zu finden sind. Der Allobrox macht sich über Hermann in gleichen Worten lustig wie der Kuppler Ballio über Harpax, den Soldatendiener. Zur Verdeutlichung werden die Texte synoptisch nebeneinander gestellt, die kurzen Redebeiträge Hermanns und Simos sind ausgelassen:
| Frischlin, Iul. red. 1647–1655 | Plaut. Pseud. 1124–1129 |
| ALLOBROX: redit miles. praeda haec mea est, quam portat hic / in loculo. […] hic homo meus est: | BALLIO: hic homo meus est. […] quia praeda haec meast: / scortum quaerit, |
| argentum habet. eum admordere nunc lubet, / dum recens est, dum calet. / (…) si decet. / | habet argentum. iam admordere hunc mihi lubet. / (…) dum recens est, / dum calet, dum datur, devorari decet iam. / |
| (…) improbi / me ditant, boni viri me pauperant. augent meam / rem mali. damno mihi sunt populi strenui, pigri / atque inertes usui sunt. | boni me viri pauperant, inprobi augent; / populo strenui, mi inprobi usui sunt. |
Die Synopse macht deutlich, dass die meisten Wörter bei FrischlinFrischlin, Nikodemus der Szene bei Plautus entnommen sind; in einigen Fällen sind sie durch Synonyme ersetzt: z.B. augent durch ditant, inprobi durch pigri atque inertes, wobei in beiden Fällen Plautus’ Wörter zusätzlich verwendet werden. Oft stehen sie im gleichen syntaktischen Zusammenhang, bisweilen sind sie umgestellt, einige Wörter sind in andere Satzkonstruktionen eingebaut, ergeben aber im Wesentlichen denselben Sinnzusammenhang.34 Inwiefern stimmt der Kontext überein, und welche Abweichungen gibt es?
Ballio möchte von dem Soldaten Harpax das Geld bekommen und den vorher abgemachten Handel durchführen. Seine großen Worte, dass er von ihm eine „Beute“ erwarte, dass er ihn „anbeißen“ möchte, „solange er noch frisch und warm ist“, dass er ihn zu den improbi zählt, die ihn bereichern, sind für diesen verabredeten Handel nicht treffend. Die übertrieben vulgäre, aufschneiderische Ausdrucksweise charakterisiert eher den Stand und das Geschäftstreiben Ballios im Allgemeinen, als dass sie die vorliegende Situation genau träfe.
Bei FrischlinFrischlin, Nikodemus dagegen findet kein verabredeter Austausch statt, sondern der Allobrox will sich von Hermann das Geld, das dieser ihm vermeintlich entwendet hat, durch linken Handel wieder holen. So ist sein Gerede von „Beute“, „Anbeißen, solange er noch warm ist“ usw., auch von den improbi, zu denen er den vermeintlichen Gelddieb zählt, eher gerechtfertigt, weil es sich ja um ein einseitiges Aufschwatzen von Waren zum Ausgleich seines Verlustes handelt. Ballios Worte, die in dessen Lage überzogen klingen, passen also sehr natürlich auf die Situation des Allobrox. Was vordergründig nach einer rein sprachlichen Adaptation aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gelehrte Auseinandersetzung mit dem antiken Autor.
Die enge Anlehnung mehrerer Verse an die Passage bei Plautus ist auffällig und bedeutet bei näherem Besehen wieder einen geistreichen Seitenhieb auf die Franzosen, denn sie stellt dem Savoyarden ein antikes Pendant an die Seite: So wie CaesarCaesar und CiceroCicero sich mit den gleichnamigen antiken Persönlichkeiten ihres ersten Lebens identifizieren, so wie Hermann sich als Nachkomme des Germanenfeldherrn Arminius ausgibt,35 hat der Allobrox im Komödienhelden Ballio sein antikes Alter Ego gefunden: Er kennt und lobt dessen Aussprüche, er zitiert Aussprüche des Kupplers und verhält sich häufig ebenso rüde, vulgär und linkisch wie dieser.
Auf das Prinzip, das hinter der Verwendung antiker Sprachvorbilder steht, gibt FrischlinFrischlin, Nikodemus durch seine Charaktere selbst den entscheidenden Hinweis: indicio est oratio lässt er CaesarCaesar – wie oben erwähnt – sagen. Diese drei (von TerenzTerenz stammenden) Worte fungieren als eine Art metapoetisches Programm für sein Vorgehen: Die Sprache, die FrischlinFrischlin, Nikodemus seinen Komödienhelden gibt, zeigt, was für einen Charakter oder Stand sie haben oder welche Tätigkeit sie ausführen. An einer bisher nicht zitierten Stelle gibt er durch CiceroCicero einen weiteren Hinweis. Im 2. Akt ist dieser mit dem neuzeitlichen Dichter EobanusHessus, Eobanus im Gespräch über Dichtung und Papier. Bevor EobanusHessus, Eobanus die neuzeitliche Papierherstellung erläutert, erklärt Cicero die Papyrusherstellung, sagt aber, er werde dies nicht in seinen eignen Worten, sondern in den Worten eines erfahrenen Künstlers – nämlich des Plinius (!) – tun. Frischlin, NikodemusFrischlin, NikodemusIulius redivivusEr begründet es mit dem Satz: Nam quilibet artifex / In arte sua eloquentissimus est (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 675–676) und fügt hinzu: Nam de praeliis / Nemo memorabit melius quam bellator, nemo de grege / Loquetur aptius quam pastor (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 676–678).Frischlin, NikodemusIulius redivivus36 Hier wird wiederum unterstellt, dass Sprache und Profession eng zusammengehören.
Beide Stellen zusammen genommen bedeuten, dass die sprachlichen Modelle jeweils dem Thema entsprechend gewählt werden. Geht es um Krieg, sprechen die Charaktere wie CaesarCaesar, geht es um Bildung, wie CiceroCicero, geht es um laszive Themen oder soll die Szene einen kolloquialen Ton haben, so ist Plautus (oder selten TerenzTerenz) Vorbild. Die einzelnen Personen sind jeweils nicht auf die Sprache eines Autors festgelegt. Wenn die Situation es erfordert, sprechen Cicero und Caesar – wenngleich maßvoll – auch plautinisch.
Nicht einmal der Allobrox ist ein konsistent plautinischer Charakter. Er übernimmt die Worte Ballios, wenn er über Vergnügungen, Dirnen, windige Geschäfte und allerlei Geplänkel plaudert. Sonst spricht auch er unauffällig klassisch (z.B. Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1118–1142).
Auch Hermann, der anfangs wie ein würdiger Stratege in der Nachfolge CaesarsCaesar auftritt und dem württembergischen Herzog und seinen adligen Hochzeitsgästen als Vorbild eines deutschen Musterfürsten vor Augen geführt wird,37 fällt, wie erläutert, bisweilen aus der Rolle. Die Wandelbarkeit seines Charakters zeigt sich pointiert durch die sprachliche und motivische Stilisierung seines letzten Auftritts am Schluss des 4. Aktes. In einem Monolog droht er, der Argumentation CaesarsCaesar folgend und gleichzeitig dem Germania-Diskurs entsprechend, Händler, die verweichlichende Waren aus anderen Ländern einführen, zu bestrafen. Geschickt verknüpft er diese Sittenstrenge mit einer Forderung, die seiner eigenen Unsittlichkeit Genüge tun soll: Er will den Allobrox für das Entführen seiner (also Hermanns) Dirne zum Tode verurteilen. Aus dieser Szene endlich wird deutlich, dass es tatsächlich Hermann war, der Allobrox um sein Geld gebracht hat; Hermann stellt also keineswegs einen sittenreinen Musterfürsten dar, da er sowohl mit Dirnen verkehrt als auch einen Diebstahl begangen hat. Hermanns Monolog endet passender Weise mit den Worten Ballios aus dessen letztem Auftritt (Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1788–1790):38
Nunc ibo, ut furcifero huic, qui puellam rapuit e domo hac
Impubem, hodie centuriata habeam capitis comitia.
Vos vero ne expectetis me, dum hac domum redeam via.
Jetzt werde ich gehen, damit ich diesen Galgenstrick, der mir ein junges Mädchen aus diesem Haus geraubt hat, heute zum Tode verurteilen lasse. Ihr aber wartet nicht auf mich, bis ich auf diesem Wege nach Hause zurückkehre.
Diese Worte sind angelehnt an die Trochäen aus dem PseudolusPseudolus (Plaut. Pseud.Pseudolus 1232–1234):
PseudolusPseudolus mi centuriata habuit capitis comitia,
qui illum ad med hodie adlegavit mulierem qui abduceret.
sequere tu. nunc ne exspectetis dum hac domum redeam via.
PseudolusPseudolus hat mich zum Tode verurteilt, der jenen heute zu mir geschickt hat, dass er mir die Frau entführe. Wartet ihr jetzt nicht, bis ich auf diesem Wege nach Hause zurückkehre.
So hat sich gezeigt, dass FrischlinFrischlin, Nikodemus Plautus nicht nur als linguistic model, sondern häufig auch als thematic model nutzt, wobei er die Reminiszenzen gezielt zum Zweck eines Witzes oder einer Überraschung einsetzt: Sie rufen bei einem kundigen Rezipienten automatisch den Kontext der jeweiligen Plautus-Stelle ins Gedächtnis, so dass sich eine Doppeldeutigkeit ergibt, die eine Spannung und damit einen Witz erzeugt.39
Die didaktische Intention des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus
Indicio est oratio ist ohne Zweifel auch das Bildungsziel, das FrischlinFrischlin, Nikodemus als außerplanmäßiger Professor für Geschichte und Poetik an der Universität Tübingen1 zu verfolgen hatte: Inhalt seiner Geschichts-Lektionen war vor allem die Aneignung des caesarischen Stils als zentrales Werkzeug eines Historikers.2 Noch offensichtlicher war das Ziel der Lektüre antiker Dichter in der Poetik, die die Studenten in die Lage versetzen sollte, antike Klassiker bei passender Gelegenheit zitieren oder gar selbst korrekt und ausdrucksstark in lateinischer Sprache Verse schmieden zu können. Zentrales didaktisches Instrument im Bereich der Poetik war bekanntlich das Schuldrama,3 für das auch FrischlinFrischlin, Nikodemus in Tübingen verantwortlich zeichnete: Indem die Schüler als Schauspieler auftraten und dafür ein beachtliches Corpus an Versen zu lernen hatten, wurde ihnen selbst poetisches Wissen vermittelt,4 auf das sie in ihrem späteren Lebensweg zurückgreifen konnten. Der Kniff im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus ist nun, wie wir gesehen haben, dass in diesem Drama v.a. Caesarisches und Ciceronianisches transportiert wurde, wofür im Schuldrama normalerweise kein Platz war.
Gerade die Editio princeps des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus von 1585 betont die didaktische Ausrichtung der Komödie. Obwohl die Figuren CaesarCaesar und CiceroCicero, wie gesehen, zuweilen in den plautinischen Sprachstil abgleiten können, betont FrischlinFrischlin, Nikodemus immer wieder die Stilreinheit seiner Protagonisten. In einem einleitenden Brief zum Druck seiner Komödie an die Scholarchen der Straßburger Akademie schreibt er:
Quod si qui erunt, qui argumentum huius Comoediae extenuare ausint, illorum ego animis hoc cogitandum relinquo, quanti illud sit, quòd, quicquid CiceroCicero loquitur, suis loquitur verbis, quibus adhuc vivus uti solebat, quaeque etiamnum in hominum extant memoria, et quòd CaesarCaesar, quicquid loquitur, id propè omne è commentariis suis depromtum loquitur.
Falls es Leute geben wird, die sich etwa erdreisten, den Inhalt dieser Komödie herabzusetzen, so gebe ich ihnen folgendes zu bedenken: welch großer Wert darin liegt, dass CiceroCicero alles, was er sagt, mit seinen Worten sagt, deren er sich bediente, als er noch lebte, und die heute noch im Bewusstsein der Menschen vorhanden sind, und dass CaesarCaesar, was immer er sagt, fast ausschließlich in Gestalt und Entlehnungen aus seinen Kommentaren vorträgt.5
Fast wortgleich äußert er sich in seiner epischen Beschreibung der Stuttgarter Hochzeit6 in den drei Versen
Quicquid enim CiceroCicero larvato dixerat ore
Dixerat ore suo. Quicquid narrarat Iulus
Haec scripto mimus depromserat omnia libro
Alles, was CiceroCicero nämlich unter der Maske gesagt hatte, hatte er mit seinen eigenen Worten gesagt. Und alles was CaesarCaesar erzählt hatte, hatte der Schauspieler dem geschriebenen Buch entnommen.7
FrischlinFrischlin, Nikodemus wirbt so für sein Stück als mögliche Schullektüre bzw. als Schuldrama und für sich selbst als Lehrer. Konsequenter Weise findet sich daher in den Paratexten der Editio princeps des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus auch das Arbeitszeugnis der Krainer Landstände für FrischlinsFrischlin, Nikodemus Tätigkeit als Rektor des Laibacher Gymnasiums von 1582 bis 1584.8 Dabei scheint er vor allem eine Tätigkeit in Straßburg im Auge gehabt zu haben, wo er sich im Winter 1584/85 aufhielt, um den Druck seiner Werke zu überwachen, u.a. der Editio princeps des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus.9 Daher ist die Komödie auch dem Straßburger Rat gewidmet10 und das Lob auf die Stadt, in der seit Jakob WimpfelingWimpfeling, Jakob der Germania-Diskurs heimisch war,11 und ihre Akademie nimmt in der Komödie breiten Raum ein.12
Neben caesarischem und ciceronianischem wird nun im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus auch plautinisches Latein als Vorbild für das Genre „Komödie“ didaktisch vermittelt. Plautus war zumindest in den protestantischen Studienordnungen der Zeit vertreten,13 musste aber oftmals hinter TerenzTerenz zurücktreten,14 der als weniger obszön eingeschätzt wurde. Dies gilt auch für Tübingen15 und im Übrigen auch für das Laibacher Gymnasium, dem FrischlinFrischlin, Nikodemus eine eigene Schulordnung hinterließ. Auch dort vertrat Terenz die Komödie, während FrischlinsFrischlin, Nikodemus ursprünglicher Plan, sein eigenes Bibeldrama SusannaFrischlin, NikodemusSusanna zur Pflichtlektüre zu machen, an den Laibacher Schulträgern scheiterte.16
Dennoch verwendete FrischlinFrischlin, Nikodemus nachweislich Plautus als Lehrstoff. Für das Jahr 1573 vermerkt der Tübinger Rhetorik-Professor Martin CrusiusCrusius, Martin, Frischlins Frischlin, NikodemusLehrer und schließlich erbittertster Feind, in seiner Hauschronik eine Aufführung des PseudolusPseudolus durch FrischlinFrischlin, Nikodemus und seine Schüler sowohl an der Universität Tübingen wie vermutlich auch am Stuttgarter Hof:
Frischlinus Pseudolum Plauti in Aula nova egit: sicut et alias multas Comoedias agere diversis temporibus solitus est. Nonnunquam etiam Stutgardiam cum 2 curribus histrionum vectus. Gratiosus enim apud nobilitatem et principes erat. Neminem illo doctiorum existimabunt. Quicquid peccaret, quoque facilè neglibatur.
FrischlinFrischlin, Nikodemus führte in der neuen Aula den PseudolusPseudolus des Plautus auf, so wie er gewöhnlich viele Komödien zu unterschiedlichen Zeiten aufführte. Zuweilen reiste er auch mit zwei Wagen mit Schauspielern nach Stuttgart. Er war nämlich beim Adel und bei den Fürsten beliebt. Sie glaubten, dass keiner gelehrter sei als er. Was auch immer er an Fehlern beging, es wurde auch leicht nachgesehen.17
Diese intensive Auseinandersetzung mit dem PseudolusPseudolus erklärt möglicherweise rein pragmatisch die dichte Anlehnung des Iulius an dieses Stück, da FrischlinFrischlin, Nikodemus just in diesem Jahr auch mit der Arbeit am Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus begann.18 Wie im Folgenden deutlich werden soll, darf dies aber nicht zu der Annahme führen, die Passagen mit den deutlichsten Anleihen am PseudolusPseudolus als die ältesten des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus anzusehen. Die antike Komödie war also nicht das ursprüngliche Vorbild, von dem sich FrischlinsFrischlin, Nikodemus Stück mit jeder Überarbeitungsphase mehr und mehr entfernte, sondern ein Reservoir, auf das FrischlinFrischlin, Nikodemus immer wieder zurückgriff. Dass er dabei den PseudolusPseudolus nicht nur als raw material, sondern auch als thematic model nutzen konnte, mag in dem Wissen begründet liegen, dass zumindest seine Schüler, die mit dem PseudolusPseudolus vertraut waren, seine Anleihen decodieren konnten und daher verstanden, dass beispielsweise der Allobrox wie Ballio spricht und Hermann anredet, als wäre dieser Harpax.
Obwohl FrischlinFrischlin, NikodemusIulius redivivus Plautus im Original auf die Bühne brachte, pflegte auch er prinzipielle Vorbehalte gegenüber der römischen Komödie. In der Vorrede der dritten Auflage seiner Bibelkomödie RebeccaFrischlin, NikodemusRebecca äußert er sich wie folgt:
Ego in meis Comaediis […] spoliavi Terentium et Plautum sua phrasi eamque in meliorem et sanctiorem usum converti.
Ich raubte in meinen Komödien […] von TerenzTerenz und Plautus den Stil und wandelte ihn zu einem besseren und tugendhafteren Gebrauch.19
Ziel seiner Plautus-Rezeption sollte also nicht die reine Imitation der antiken Komödie, sondern die moralische Besserung dieser literarischen Gattung sein – in diesem Fall durch Verwendung eines biblischen Stoffes, mit Rückgriff auf den in der Antike gewonnenen Sprachstil der Komödie. Auf diese Weise konnte eine Beschäftigung mit Komödien im Schulunterricht besser begründet werden. So lobte der Memminger Schulrektor Johannes Lang in einem Brief an den Autor vom 5. Dezember 1578 die Eignung von FrischlinsFrischlin, Nikodemus SusannaFrischlin, NikodemusSusanna für den Schulunterricht mit den Worten:
Hodierno quoque die in explicanda Susanna castissima verser. Hunc autem laborem ideo suscepi, ut pueri meae institutioni commendati non modo linguam puriorem ex hoc uberrimo fonte hauriant, sed ut simul etiam sacras historias cognoscant, nec non personarum ibidem introductarum sermones ac gestus aliquando reipsa exprimant et repraesentant sicque ad causas maximas in Republica Christiana agendas paulatim informentur.
Auch am heutigen Tag bin ich mit der Erklärung der überaus keuschen Susanna beschäftigt. Diese Arbeit habe ich nun deswegen auf mich genommen, damit die Knaben, die meiner Anstalt anvertraut sind, aus diesem wunderbar reichen Quell nicht nur eine reinere Sprache schöpfen, sondern zugleich auch die heilige Geschichte kennenlernen, Rede und Handlung der dort eingeführten Personen irgendwann einmal tatsächlich zum Ausdruck bringen und nachahmen und allmählich so ausgebildet werden, dass sie im christlichen Gemeinwesen bedeutende Rechtsgeschäfte wahrnehmen.20
Auch im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus gelingt die moralische Besserung der Gattung Komödie durch die Wahl des Themas: Das Lob auf Deutschland und die Deutschen ist weit entfernt von seinem antiken Vorbild mit seinen Ränken eines gewitzten Sklaven. Diese Wahl hatte nun ihrerseits eine weitere didaktische Komponente: Im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus konnten die Schüler die wichtigsten antiken Texte über Germanien kennenlernen und als beteiligte Schauspieler auch mnemotechnisch behalten. Darüber hinaus schuf FrischlinFrischlin, Nikodemus für das Deutschland seiner Zeit loci classici, wenn er etwa die Reichsverfassung beschreibt21 oder auf den Buchdruck zu sprechen kommt.22 In dieser Hinsicht wurde FrischlinFrischlin, Nikodemus selbst von den konfessionell von ihm weit entfernten Jesuiten sehr geschätzt, wie aus einem Brief des Jesuitendramatikers Georg StengelStengel, Georg23 an seinen Lehrer Matthäus RaderRader, Matthäus hervorgeht, worin die im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus behauptete Erfindung des Papiers durch die Deutschen erörtert wird. FrischlinFrischlin, Nikodemus wird dabei als nostri saeculi Plautus gelobt.24
FrischlinsFrischlin, Nikodemus Ziel, die Gattung Komödie aus dem Verdacht der Obszönität zu befreien und als didaktisches Instrument zu nutzen, legt nahe, dass der Württemberger Dramatiker sein Lob der Deutschen durch seine PseudolusPseudolus-Anleihen nicht unterschwellig konterkarieren wollte. Ein solches Vorgehen wird FrischlinFrischlin, Nikodemus in der modernen Forschung bezüglich seiner vordergründig streng lutherisch konzipierten Konfessionskomödie PhasmaFrischlin, NikodemusPhasma allerdings unterstellt, da darin die Theologen ZwingliZwingli, Huldrych und BrenzBrenz, Johannes in einer Debatte zum Abendmahlsstreit kurzzeitig einen Dialog aus Plautus’ AmphitruoAmphitruo vortragen25 – wie im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus mit klar markierten Rollen: ZwingliZwingli, Huldrych übernimmt den Part des von Jupiter gehörnten AmphitruoAmphitruo, der Lutheraner BrenzBrenz, Johannes den von dessen Diener Sosia, so dass auch hier die antike Vorlage als thematic model rezipiert wird und der Verdacht nahe liegt, dass die Theologen unabhängig von ihrer konfessionellen Zuordnung als komödiantisches Personal dargestellt werden sollen, die die wahre Gestalt Gottes nicht zu erfassen vermögen. Eine solche Interpretation ist für den Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus schon allein deswegen kaum fruchtbar zu machen, da die in dieser Komödie vorkommenden Akteure von ihrer Grundkonzeption komödienhafter angelegt sind und daher eine geringere Fallhöhe haben als die großen Reformatoren des 16. Jahrhunderts in PhasmaFrischlin, NikodemusPhasma.
Allerdings gibt es für eine solche Interpretation des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus etwa im Text der Marktszene, in der die Deutschen auch kritisiert werden, Anknüpfungspunkte26 und sie findet in dem Befund, dass FrischlinFrischlin, Nikodemus in seinen Ego-Dokumenten eher als württembergischer Territorialpatriot, denn als nationalbewusster Dichter erscheint,27 eine Stütze. Ein Blick in die Quellen legt auch nahe, dass FrischlinFrischlin, Nikodemus aus eher pragmatischen Gründen auf die Idee verfiel, ein Nationaldrama zu verfassen.
Denn als FrischlinFrischlin, Nikodemus auf dem Speyerer Reichstag 1570 versuchte, aus der Hand Kaiser Maximilians IIMaximilian II. (Kaiser). den Dichterlorbeer zu erhalten, legte er nicht nur einen Hymenaeus auf die dort zelebrierte Hochzeit der Kaisertochter Elisabeth mit dem französischen König Karl IX.Karl IX. (König) vor,28 sondern schrieb auch einen Brief an den Kaiser, in dem er darlegt, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Herrscher die Literatur zu wenig fördert. Darin heißt es u.a.:
Nam quis dubitet veterum quoque Germanorum et antiquissimorum in Germania parentum nostrorum, qui ante et post tempora CHRISTI fines suos longè lateque propagarunt et hostium assultus fortissime profligarunt, egregia et heroica fuisse facinora, quae hodie in tenebris iacent propterea, quòd litterarum lumen illis non accesserit?
Denn wer zweifelt daran, dass auch die Taten der alten Germanen und unserer ältesten Vorfahren in Germanien, die vor und nach den Lebzeiten Christi ihr Gebiet sehr weit ausdehnten und den Ansturm der Feinde kräftigst niederschlugen, herausragend und heldenhaft waren, die heute deswegen in Vergessenheit geraten sind, weil ihnen das Licht der literarischen Werke fehlte?29
Nachdem ihm in Speyer die Dichterkrönung versagt blieb, dürfte in FrischlinFrischlin, Nikodemus der Plan zur Ausarbeitung des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus nach der in diesem Brief greifbaren Argumentation gereift sein: Durch die gekonnte dichterische Umsetzung des seit der Wiederentdeckung der Germania des TacitusTacitus von den deutschen Humanisten geführten Germania-Diskurses wollte er unter Beweis stellen, dass er des Dichterlorbeers aus der Hand des Kaisers durchaus würdig gewesen wäre und welch propagandistischen Nutzen Maximilian aus der Förderung Frischlins Frischlin, Nikodemushätte ziehen können, da dessen Lob auf Deutschland unweigerlich auf seinen Kaiser zurückfiele.
Durchaus geistreich erscheint die Wahl des EobanusHessus, Eobanus als Vertreter der humanistischen Gelehrsamkeit der Deutschen, wenn man bedenkt, dass der neulateinische Dichter EobanusHessus, Eobanus HessusHessus, Eobanus (1488–1540), an den die Rolle angelehnt ist, selbst nie zum Poeta Laureatus erhoben wurde. In seinem ersten Auftritt in der Komödie sucht EobanusHessus, Eobanus nun mit folgenden Worten den Zutritt zum Kaiser (FrischlinFrischlin, Nikodemus, Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 609–610):
Quid ergo faciam? Numne ad Caesarem quidem me conferam,
In quo uno spes omnis mihi reposita est?
Was also soll ich tun? Soll ich mich wirklich zum Kaiser begeben, auf dem allein meine Hoffnung ruht?
CiceroCicero, der zufällig dabeisteht, missversteht den neulateinischen Dichter; er meint, EobanusHessus, Eobanus wolle zum CaesarCaesar redivivus und nicht zum aktuellen Kaiser.30 Wie bei einer Dichterkrönung üblich31 prüft nun Cicero die Gedichte des EobanusHessus, Eobanus,32 wobei er fast wortwörtlich eine Passage aus dem Brief FrischlinsFrischlin, Nikodemus an MaximilianMaximilian II. (Kaiser) zitiert (FrischlinFrischlin, Nikodemus, Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 1455–1457):
Nam nisi
Ad res gestas accedat lumen literarum, tum omnia
Iacent in tenebris
Denn wenn historische Taten von dem Licht literarischer Werke nicht beleuchtet werden, liegt alles in Finsternis.
CiceroCicero führt EobanusHessus, Eobanus schließlich zu CaesarCaesar, der den deutschen Dichter, wie gesagt in der Stuttgarter Aufführung von FrischlinFrischlin, Nikodemus selbst gespielt, zum Dichter krönt.33 Das Lob Deutschlands und der Deutschen war nun ohne Zweifel ein geschickt gewähltes Thema, um die eigene Dichterkrönung zu forcieren.34
Möglicherweise bestand der ursprüngliche Plan FrischlinsFrischlin, Nikodemus darin, den Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus auf dem folgenden Reichstag aufzuführen und den Kaiser dadurch dazu zu bringen, ihm den Dichterlorbeer zu überreichen. Als sich die Reichsstände allerdings 1576 in Regensburg tatsächlich wieder versammelten, schien FrischlinFrischlin, Nikodemus den Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus aus den Augen verloren zu haben, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt war. Stattdessen überreichte der Tübinger Poetik-Professor dort Maximilian II.Maximilian II. (Kaiser) kurz vor dessen Tod seine RebeccaFrischlin, NikodemusRebecca und erreichte damit sein Ziel: Maximilians Nachfolger Rudolf II.Rudolf II. (Kaiser) krönte FrischlinFrischlin, Nikodemus am Rande des Regensburger Reichstags zum Poeta Laureatus.35 Statt während eines Reichstags erreichte FrischlinFrischlin, Nikodemus das ursprünglich intendierte Publikum der Reichsstände während der Stuttgarter Hochzeit, die von einem entsprechenden Personenkreis besucht wurde. Interessanterweise beschränkte man sich dabei auf die Aufführung der ersten drei Akte,36 die das Lob auf Deutschland am konsequentesten verfolgen.
Kommentierung aktueller Ereignisse
Auch wenn das Zentralmotiv des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus eine gewisse Zeitlosigkeit zu beanspruchen scheint und die Komödie breit die kulturellen Errungenschaften Deutschlands im 16. Jahrhundert vor Augen führt, erweist sich ihr Kontext, wie das Beispiel der verweigerten Dichterkrönung zeigt, als ausgesprochen aktuell; ja die im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus verborgene Komik ist teilweise nur verständlich, wenn man die Lebenssituation des Autors selbst kennt. Dass eine Komödie aktuelle Entwicklungen aufs Korn nimmt, hat bekanntlich ihr antikes Vorbild weniger bei Plautus als vielmehr in der Alten Komödie und insbesondere bei AristophanesAristophanes, dessen griechische Sprache allerdings für das Theater des 16. Jahrhunderts ungeeignet war.
Dem wollte nun FrischlinFrischlin, Nikodemus selbst entgegenwirken: Er übersetzte gleichzeitig mit der Abfassung des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus1 fünf Komödien des AristophanesAristophanes ins Lateinische imitatione Plauti et Terentii, wie das Titelblatt vermeldet.2 Um also die Funktion des Plautinischen bei FrischlinFrischlin, NikodemusIulius redivivus richtig einschätzen zu können, ist es von zentraler Bedeutung zu wissen, dass Plautus für FrischlinFrischlin, Nikodemus das stilistische Vorbild für eine Aristophanes-Rezeption in lateinischer Sprache darstellt. Nun wurde auch die Auseinandersetzung mit Aristophanes aufgrund der Obszönität des Autors oft in Frage gestellt, doch verteidigt FrischlinFrischlin, Nikodemus die Methode seines antiken Vorbildes: In einer Defensio Aristophanis contra Plutarchi criminationes, die seiner Aristophanes-Ausgabe vorangestellt ist,3 betont FrischlinFrischlin, Nikodemus, dass es dem Athener Komödiendichter darum gegangen sei, moralische Verfehlungen seiner Zeitgenossen zu brandmarken, wozu er zugespitzte Formulierungen benutzte. Dieses Vorgehen mache ihn aber zu einem ausgewiesenen Moralisten, weshalb er auch Vorbild für die Komödiendichtung des 16. Jahrhunderts sein könne.
Wie sehr AristophanesAristophanes und Plautus von FrischlinFrischlin, Nikodemus in eins gesetzt wurden, wird auch innerhalb seiner Briefe deutlich: Als er etwa den Plautus-Herausgeber Joachim CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim d. Ä. (1500–1574) vergeblich bat, seine KallimachosKallimachos-Übersetzung Korrektur zu lesen, vermischte er Zitate aus Aristophanes und Plautus, um CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim zu loben:
Sciebam enim, cùm et librum ipsum mitterem et has iam literas exararem, mihi rem non fore cum phalerato quopiam et κομποφακελοῤῥήμονι4 causidico aut σϕραγιδονυχαργοκομήτῃ5 praefecto, quos homines, si adeas, abitum quàm aditum malis6: sed cum diserto et leni oratore, sed cum erudito et facili poëta, sed cum gravi et perhumano Theologo, à quo tetricorum quorundam Bartholorum triste supercilium remotissimum esse aliorum fama planissime comperi.
Denn ich wusste sowohl, als ich das Buch selbst schickte, als auch, als ich diesen Brief konzipierte, dass ich es nicht mit irgendeinem Ordensträger und einem hochtönende Reden haltenden Anwalt oder einem an allen Stellen geschmückten Beamten zu tun haben würde – Menschen, die man lieber verlässt als dass man sie besucht, sondern mit einem redegewandten und gemäßigten Rhetor, einem gebildeten und geschickten Dichter und einem ernsthaften und überaus freundlichen Theologen, von dem ich durch andere ausdrücklichst erfuhr, dass er dem traurigen Ernst irgendwelcher unfreundlicher Gesetzeskrämer sehr abgeneigt ist.7
Ähnlich verfuhr FrischlinFrischlin, Nikodemus in einem Brief an seinen Kommilitonen Johann Christoph GailingGailing, Johann Christoph8 vom 7. Mai 1582:
Cyclopas et centauros, Polymachaeroplacidas, Pyrgopolinices, Bombomachidas, Cluninstaridisarchidas, σφραγιδονυχαργοκομήτας minus metuo quam Lutherus Wormacienses tegulas.
Ich fürchte die Kyklopen und Kentauren, die ganzen lächerlichen Soldaten, die an allen Stellen geschmückt sind, weniger als LutherLuther, Martin die Wormser Dachziegel.9
FrischlinFrischlin, NikodemusIulius redivivus verwendet hier die komischen Soldatennamen des Plautus, den Polymachaeroplagides kennen wir aus dem PseudolusPseudolus, die anderen aus dem Miles gloriosusMiles gloriosus, mit derselben griechischen Vokabel aus den Wolken, die schon im CamerariusCamerarius d.Ä., Joachim-Brief verwendet wurde. Das Ganze wird vermischt mit einer Anekdote aus dem Leben LuthersLuther, Martin, der von sich in Bezug auf den Wormser Reichstag 1521 einmal behauptete:
Wenn ich gewust hette, das so viel teuffel auff mich gezilet heten, als zigel auff den dechern waren zu Worms, were ich dennoch eyngeritten.10
So wie LutherLuther, Martin sich nun nicht vor den Teufeln fürchtete, so gibt FrischlinFrischlin, Nikodemus hier vor, sich nicht vor den Vertretern der Reichsritterschaft zu fürchten, die seit der Veröffentlichung von FrischlinsFrischlin, Nikodemus Oratio de vita rusticaFrischlin, NikodemusOratio de vita rustica 1580 die Ächtung des Autors forderten, weil darin einige deftige adelskritische Passagen zu finden sind.11 Geradezu paradigmatisch für FrischlinsFrischlin, Nikodemus Verwendung der antiken Komödie als thematic model ist die Verwendung eines Plautus-Zitats im Fließtext der Oratio de vita rusticaFrischlin, NikodemusOratio de vita rustica: So wie sich die Kupplerin in der CistellariaCistellaria über das Verhalten von Edeldamen gegenüber ihresgleichen beschwert, kritisiert FrischlinFrischlin, Nikodemus wortgleich das Selbstverständnis des Adels zu seiner Zeit, ohne seine Quelle zu nennen.12 In dieselbe Richtung zielt die Gleichsetzung der Reichsritter mit den Soldaten des Plautus im Brief an GailingGailing, Johann Christoph, was einen tragfähigen intellektuellen Witz darstellt, der zu einer bemerkenswerten Aktualisierung der antiken Komödie in FrischlinsFrischlin, Nikodemus Werk führte.
Im Verlauf des Adelsstreits nahm FrischlinFrischlin, Nikodemus die Arbeit am Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus 1580 wieder auf.13 Am 18. März 1581 schrieb er an den Stuttgarter Hofprediger Lukas Osiander: Iulium Redivivum non potero ad finem perducere. Nam in Actu Tertio substiti.14 Dass die meisten Plautus-Anleihen wie oben gesehen im offenbar später verfassten vierten Akt des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus zu finden sind, dürfte somit aus der Genese des Stücks erklärbar sein. Der Adelsstreit führte auch zu der bereits bemerkten Änderung des Charakters des Hermann: Der deutsche Musterfürst verkörpert nun gleichzeitig einen Vertreter der deutschen Reichsritterschaft, der so verspottet werden darf wie einst die Soldaten durch Plautus. Diese Doppelstruktur des Hermann diente FrischlinFrischlin, Nikodemus im weiteren Verlauf des Adelsstreits auch als argumentative Absicherung, um bei Bedarf auf die positiven Eigenschaften Hermanns verweisen zu können. Noch kurz vor seinem Tode rühmt er sich in einem Brief an die Reichsritterschaft folgendermaßen:
Der ich doch mein leben lang den Adelstand geehret hab, vnd vil hundertt Adelspersonen ihn ihren leben vnd nach ihrem tod in meinen scriptis namhafftig gelobt, gerüempt vnd gebrisen hab, Ja auch vnser gantze Teutsche Nation in meinem Iulio Redivivo allen Andern Nationibus mitt waarheitt fürgezogen.15
Wie stark der Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus vom Adelsstreit geprägt sein sollte, wird aus einem handschriftlich überlieferten Argumentum der Komödie deutlich, das Frischlin Frischlin, Nikodemusum 1581 verfasst haben muss.16 Zahlreiche der dort erwähnten Szenen fehlen in der Umsetzung, darunter jene, in der CaesarCaesar […] narrat, quos Cyclopes in cauponis et tabernis viderit.17 Mit Kentauren und Kyklopen verglich FrischlinFrischlin, Nikodemus schon in der OratioFrischlin, NikodemusOratio de vita rustica und in dem zitierten Brief an GailingGailing, Johann Christoph den Adel. Vermutlich sollte die Szene den realen Auslöser des Adelsstreits nachstellen: Am 11. März 1580 nahm FrischlinFrischlin, Nikodemus an einem Gelage in Tübingen teil, auf dem der Dichter den Tübinger Obervogt Fritz Herter von HertneckHertneck, Fritz Herter von so beleidigt haben muss, dass dieser FrischlinFrischlin, Nikodemus schlug und den Hut über den Kopf zog,18 wogegen sich FrischlinFrischlin, Nikodemus mit der Veröffentlichung der OratioFrischlin, NikodemusOratio de vita rustica wehrte. Zwar berichtet Caesar im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus tatsächlich von einem Wirtshausbesuch,19 aber die versprochenen Kyklopen fehlen sowohl hier, als auch an der Stelle, in der laut Argumentum CiceroCicero[…] Eobanum solatur, ne ob acceptam iniuriam à paucis quibusdam Cyclopibus animum despondeat.20
Ebenso fehlt im Übrigen der im Argumentum angekündigte Streit zwischen Pluto, der am Ende der Komödie CaesarCaesar und CiceroCicero wieder in die Unterwelt holen will, und dem Caminarius, wer das schwärzere Gesicht habe, den Frischlin Frischlin, Nikodemusso witzig gestalten wollte, ut nihil in Plauto habeas simile.21
Andere Passagen des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus erhalten im Kontext des Adelsstreits ein völlig neues Gewicht. Der bereits zitierte erste Vers, den EobanusHessus, Eobanus auf der Bühne spricht, den also FrischlinFrischlin, Nikodemus selbst in Anwesenheit des württembergischen Herzogs vortrug (FrischlinFrischlin, Nikodemus, Iul. red.Frischlin, NikodemusIulius redivivus 609–610),
Quid ergo faciam? Numne ad Caearem quidem me conferam,
In quo uno spes omnis mihi reposita est?
Was also soll ich tun? Soll ich mich wirklich zum Kaiser begeben, auf dem allein meine Hoffnung ruht?
bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn man weiß, dass ebenjener Herzog FrischlinFrischlin, Nikodemus im Januar 1582 unter Hausarrest stellte, weil der Dichter sich wegen des Adelsstreits an den Kaiser gewandt hatte.22 Ganz im Zeichen des Adelsstreits dürfte somit die nicht datierbare Uraufführung des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus in Tübingen während der Zeit gestanden haben, in der FrischlinFrischlin, Nikodemus in Laibach weilte. Dabei kamen nur die ersten vier Akte zu Aufführung, die somit mit dem oben zitierten plautinisch gehaltenen Abgang des Hermann, des ambivalent gehaltenen Vertreters des deutschen Adels, endete.23
Wie Patrick Lucky Hadley in seiner Dissertation24 über die AristophanesAristophanes-Ausgabe FrischlinsFrischlin, Nikodemus überzeugend nachgewiesen hat, findet sich das Muster der Aktualisierung der antiken Komödie für FrischlinsFrischlin, Nikodemus eigene Lebenssituation auch in dieser Übersetzung. Nicht zufällig schreibt der Autor in seiner Widmungsepistel an Kaiser Rudolf II.Rudolf II. (Kaiser), dass sein Werk nicht nur als gelehrte Arbeit zu Aristophanes zu verstehen sei, sondern sich an ein Romani Imperii amplissimum theatrum,25 also an die Öffentlichkeit wende. Gerade FrischlinsFrischlin, Nikodemus Interesse an den Rittern des Aristophanes ist im Zusammenhang mit dem Adelsstreit leicht nachvollziehbar.26
Nicht nur im Adelsstreit zog FrischlinFrischlin, Nikodemus Plautus zur Verunglimpfung seiner Gegner heran, sondern auch in seiner langwierigen Auseinandersetzung mit den Professoren der Artisten-Fakultät in Tübingen, vor allem mit Martin CrusiusCrusius, Martin.27
In einer Invektive gegen seinen einstigen Lehrer28 spricht FrischlinFrischlin, Nikodemus diesen mit Euge homo lepide29 an, so wie im Miles gloriosusMiles gloriosus30 der intrigante Sklave Palaestrio für seinen Plan kritisiert wird, mit dem CrusiusCrusius, Martin hier gleichgesetzt wird. Und nachdem FrischlinFrischlin, Nikodemus erneut bei einer Berufung eines ordentlichen Professors übergangen wurde, kommentierte er dies gegenüber dem Rektor der Universität31 mit den sprichwörtlich gewordenen Hunden, die man zum Jagen tragen müsse, also dem Plautus-Vers Stultitiast, pater, venatum ducere invitas canes.32
Diese Auseinandersetzung wird im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus allerdings nur am Rande erwähnt, wenn man weiß, dass der zentrale Vorwurf gegen FrischlinFrischlin, Nikodemus von Seiten seiner Tübinger Kollegen sein Hang zum Alkohol war. Entsprechend wird in der Komödie der Streit zwischen dem Allobrox und Hermann durch Merkur dadurch entschärft, dass er den Einfluss französischer Luxuswaren auf die deutsche Kampfkraft mit Verweis auf den Einfluss des Weins auf die deutsche Kampfkraft nivelliert. Konsequent fordert der Gott zur Abholzung der Weinberge auf.33
Die beabsichtigte Aktualität der Komödie führt dazu, dass jede Aufführung und jede Veröffentlichung des Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus durch ihren Autor aus ihrem jeweiligen Kontext heraus unterschiedlich gedeutet werden kann. Dies muss auch für die letzte Aufführung des Stücks unter FrischlinsFrischlin, Nikodemus Regie im Karneval 1588 in Wittenberg gelten, wo der Poeta Laureatus ab September 1587 an der Universität Fuß zu fassen versuchte, aber nie über den Status eines Privatdozenten hinauskam, da er als Lutheraner an der damals philippistisch geprägten Leucorea nicht erwünscht war.34 Provokant, wie es seine Art war, wollte FrischlinFrischlin, Nikodemus zu seinem Abschied seine Konfessionskomödie PhasmaFrischlin, NikodemusPhasma aufführen, die in diesem Kontext als streng lutherisches Bekenntnis gedeutet werden muss. Die Aufführung wurde ihm daher auch untersagt.35 Stattdessen führte er seine Hildegardis magna, den Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus und seine Übersetzung des aristophanischen PlutosAristophanesPlut. auf.36
Während der Rückgriff auf den PlutosAristophanesPlut. aufgrund FrischlinsFrischlin, Nikodemus damaliger ökonomischer Situation, die als erbärmlich zu bezeichnen ist, leicht erklärbar ist, kann über die Motive der Aufführung der beiden anderen Stücke nur spekuliert werden. Ein Hinweis findet sich in seinem Brief an den Wolfenbütteler Hofprediger BasiliusBasilius (Kirchenvater) Sattler vom 17. Dezember 1587, wo er schreibt: Nam Pragae obstitit mihi religio: Vitebergae suevisonus.37 Da er also in Wittenberg schon durch seinen württembergischen Dialekt in den Verdacht geriet, ein Gnesiolutheraner zu sein, könnte sich FrischlinFrischlin, Nikodemus veranlasst gesehen haben, mit seiner Hildegardis magna seine Herkunft zu verteidigen, da diese Komödie analog zum Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus den Untertitel scripta in laudem totius Alemanniae38 trug. Um nicht zu provinziell zu erscheinen, schob er mit dem Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus das Lob auf ganz Deutschland sofort hinterher. Ob FrischlinFrischlin, Nikodemus den Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus für die Wittenberger Aufführung textlich aktualisierte, kann nicht belegt werden, wäre allerdings eine naheliegende Vermutung.
Zusammengefasst ergibt sich das Bild, dass FrischlinFrischlin, Nikodemus im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus sehr unterschiedliche Intentionen zusammenführt, wofür Plautus als Referenzautor in unterschiedlichen Funktionen sowohl als linguistic wie als thematic model herangezogen wird:
1 Der Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus hatte eine stark didaktische Intention. Im Mittelpunkt stand dabei zwar die Vermittlung von caesarischem und ciceronianischem Latein sowie zentraler Argumente des Germania-Diskurses, doch wurde auch plautinisches Latein eingeflochten, damit zentrale Merkmale des Genres „Komödie“ deutlich werden. Neben den textlichen Anleihen an Plautus ist dabei die metrische Imitation des antiken Vorbilds von zentraler Bedeutung.
2 Mit dem Lob der Deutschen wählte FrischlinFrischlin, Nikodemus in dieser Komödie einen Stoff, mit dem er sich thematisch stark von seinem antiken Vorbild abgrenzte. Die lateinische Komödie, die bei Plautus nach FrischlinsFrischlin, Nikodemus Überzeugung formal vorbildlich ausgeführt wurde, sollte dadurch moralisch verbessert werden. Das Vulgäre, das im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus gattungsbedingt auch seinen Platz findet, wird durch einen Stilwechsel hin zu Plautus markiert. Für die mögliche Vermutung, dass FrischlinFrischlin, Nikodemus die Grundaussage seiner Komödie durch Plautus-Anleihen konterkarieren wollte, gibt es keine zeitgenössischen Belege.
3 FrischlinFrischlin, Nikodemus verarbeitet im Iulius redivivusFrischlin, NikodemusIulius redivivus seine eigenen persönlichen Auseinandersetzungen und kommentiert sie aktuell. Er kritisiert darin seine Gegner, indem er sie mit lächerlichen Charakteren der plautinischen Komödie gleichsetzt und mit entsprechenden Formulierungen aus Plautus der Lächerlichkeit preisgibt. FrischlinFrischlin, Nikodemus sucht in seiner Komödie also die Aktualität, wofür eher AristophanesAristophanes als Plautus das antike Vorbild abgab. FrischlinFrischlin, Nikodemus beschränkte sich dabei nicht nur auf eine Adaptation des Aristophanes, sondern versuchte, diesen selbst zu aktualisieren, was nur in einer lateinischen Übersetzung möglich war. Dafür war Plautus wiederum das stilistische Vorbild.
Literaturverzeichnis
Ungedruckte Quellen
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Deutsches Literaturarchiv Marbach, B: Frischlin, Nicodemus.
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 274, Bü 41, 45, 49.
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Cod. poet. et. phil. 4° 15.
Universitätsarchiv Tübingen, 10/11.
Universitätsbibliothek Tübingen, Mh 443/I.
Universitätsbibliothek Uppsala, Waller’s Manuscript Collection, Waller Ms de–01490.
Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, RHR, Privilegia 1.
Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel, 37 Alt, Nr. 374
Staatsarchiv des Kanton Zürich, E II 380.
Textausgaben, Übersetzungen und Kommentare
Crusius, Martin: Adversus Nicodemi Frischlini quinque rei grammaticae et virulentarum calumniarum dialogos defensio necessaria, Basel 1587.
Frischlin, Nicodemus: Hildegardis Magna. Comoedia nova de admiranda fortuna Hildegardis, quae Hiltebrandi Suevorum et Alemannorum ducis filia et Caroli Magni Regis Francorum uxor fuit, scripta in laudem totius Alemanniae, Tübingen 1579.
Frischlin, Nicodemus: Oratio de vita rustica, Tübingen 1580.
Frischlin, Nicodemus: Operum poeticorum pars scenica, in qua sunt comoediae quinque, Rebecca, Susanna, Hildegardis, Iulius redivivus, Priscianus vapulans, tragoediae duae, Venus, Dido, Straßburg 1585.
Frischlin, Nicodemus: Aristophanes veteris comoediae princeps, poeta longe facetissimus et eloquentissimus repurgatus à mendis et imitatione Plauti atque Terentii interpretatus, Frankfurt 1586 (Ndr. Hildesheim 1982).
Frischlin, Nicodemus: Julius redivivus, herausgegeben von Walther Janell, Berlin 1912 (Lateinische Litteraturdenkmäler 19).
Frischlin, Nicodemus: Sämtliche Werke, Band III, 1. Priscianus vapulans, Der geschlagene Priscian, Iulius redivivus, Julius Caesars Rückkehr ins Erdenleben, herausgegeben und übersetzt von Christoph Jungck und Lothar Mundt, Stuttgart / Bad Cannstatt 2003.
Frischlin, Nicodemus: Sämtliche Werke, Band III, 3. Kommentar zu Priscianus vapulans, Der geschlagene Priscian, Iulius redivivus, Julius Caesars Rückkehr ins Erdenleben, bearbeitet von Christoph Junck und Lothar Mundt, Stuttgart / Bad Cannstatt 2014.
Goldast von Haiminsfeld, Melchior: Philologicarum epistolarum centuria, Frankfurt 1610.
Leyser, Polykarp IV: Sylloge Epistolarum B. D. Polycarpi Lyseri senioris Theologi, dum vivebat Wittebergensium, Brunsvicensium et tandem in aula Electorali Saxonica celeberrimi ex MSS. fide dignissimis cum cura ac sollicitudine eruta et in unum volumen congesta, Leipzig 1706.
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Plautus, T. Maccius: Comoediae recognovit brevique adnotatione critica instruxit Wallace Martin Lindsay, Bd. I und II Oxford 1903 (Ndr. 1963).
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