Kitabı oku: «Verraten, verlassen und doch lebendig - Gottesdienste, Predigten und Impulse für die Passions- und Osterzeit»


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ISBN 978-3-7615-6834-7 E-Book
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Vorwort
Karfreitag und Ostern gehören zusammen und bilden gemeinsam die Grunderzählung des christlichen Glaubens. Die Freude an Ostern ist nicht ohne die Tränen von Karfreitag zu haben. Aber Karfreitag wäre kaum auszuhalten, ohne von der Auferstehung zu wissen. Das wird auf der erzählerischen Ebene deutlich. Die Ostererzählungen bilden kein Happy End. Sie sind eher ein Doppelpunkt, markieren kein Ende, sondern einen neuen Anfang. Zunächst ist die Osterbotschaft erschütternd. Sie sprengt jeden Erfahrungshorizont. Die ersten Hörerinnen werden von der Botschaft, dass Jesus lebt, bis ins Mark getroffen und fliehen aus Angst. Bis zur Osterfreude ist es noch ein langer Weg. Und umgekehrt sind die Passionserzählungen nicht einfach nur traurig. Sie besitzen Hoffnungskerne, die Ostern bereits vorwegnehmen. Nicht zuletzt feiert Jesus wenige Stunden vor seiner Verhaftung mit seinen Freunden das Passafest.
Die Leidensgeschichte Jesu und die Osterbotschaft waren schon bei ihrer Entstehung miteinander verwoben und aufeinander bezogen. Die Auferstehungshoffnung bildet den Grund, warum sich die Evangelisten daran machten, die Leidensgeschichte Jesu überhaupt zu erzählen. Ostern bildet den Zielpunkt ihrer Evangelien. Nur wo das berücksichtigt wird, kann heute über den Tod Jesu und über die Bedeutung des Kreuzes verantwortlich gesprochen werden. Über Jesu Kreuzigung zu predigen, fällt heute vielen schwer. Eine sühnetheologische Deutung des Kreuzes verbietet sich aus theologischen Gründen. Die dahinter liegenden Vorstellungen sind mit dem biblischen Gottesbild kaum in Einklang zu bringen. Gottes ist Liebe (1. Johannes 4,16), heißt es im ersten Johannesbrief. Gottes Wesen ist zutiefst von der Liebe geprägt. Das Kreuz ist Zeichen seiner Liebe und nicht seines Zorns. Gott gibt sich selbst für uns hin. Er ist nicht das Objekt der Versöhnung, sondern das handelnde Subjekt. Nicht er muss versöhnlich gestimmt werden. Gott sucht vielmehr uns Menschen auf, damit wir uns mit ihm versöhnen. „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2. Korinther 5,20) ist die Botschaft, die von Karfreitag ausgeht. Seither gilt: Glauben heißt, mit dem Versprechen zu leben, dass Gottes Liebe stärker ist als alle Todesmächte zusammen. Die vorliegenden Entwürfe versuchen, dem Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu in diesem Sinne nachzugehen.
Die Grundidee zu diesem Buch entstand im Rahmen des Wettbewerbs um den Gottesdienstpreis 2020. Die Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes hatte Gemeinden und Einrichtungen aufgerufen, innovative Karfreitagsgottesdienste einzureichen. Viele der eingesandten Gottesdienste waren preiswürdig. Die Auswahl fiel der Jury schwer. Warum also nicht ein Buch mit den Gottesdiensten herausgeben, die in die engere Wahl gekommen waren? Als dann im Jahr 2021 im Rahmen des neuen Wettbewerbs digitale Ostergottesdienste vorlagen, reifte die Idee zu einem gemeinsamen Buch, in dem Karfreitag und Ostern, Fastenzeit und österliche Freudenzeit zusammengebunden werden. Am Ende wird ein weiter Bogen gespannt, der kurz nach der Epiphaniaszeit beginnt und bis zum Ende des Osterfestkreises reicht und auch zwei digitale Entwürfe enthält.
Ein herzliches Dankeschön an alle Autorinnen und Autoren. Und auch Ihnen als Leserinnen und Lesern gilt mein Dank. Wenn Sie sich von den vorliegenden Entwürfen anregen lassen, wenn Sie sie nutzen und weiterentwickeln, dann hat dieses Buch sein Ziel erreicht.
Hannover, im Oktober 2021Stephan Goldschmidt
Inhalt
Vorwort 5
1. Fragst du nicht nach uns, Gott? 11
Predigt in der Vorfastenzeit
Stephan Goldschmidt
2. Verraten und verkauft 19
Kurzgottesdienst am Sonntag Invokavit
Stephan Goldschmidt
3. Du hast Recht! 25
Gottesdienst am Sonntag Judika
Stephan Goldschmidt
4. Gesegnete Zweige 37
Abendgottesdienst am Palmsonntag
Stephan Goldschmidt
5. Wachet und betet! 47
Tischabendmahl am Gründonnerstag
Stephan Goldschmidt
6. Mein Gott, mein Gott, warum? 57
Karfreitagsgottesdienst
Mariesophie Magnusson
7. Gott ist tot. Und wir haben ihn getötet 73
LABORa-Worship an Karfreitag
Hannes Langbein / Dietrich Sagert
8. „Wer das lesen könnt…“ 87
LABORa-Gottesdienst an Karfreitag
Gottesdienst mit Texten von Georg Büchner
9. Adieu, Jesus! 97
Eine Trauerfeier für unseren Herrn, Freund und Bruder –
gestaltet von Konfirmand*innen und deren Eltern
Emilia Handke
10. Wer wälzt uns den Stein fort? 111
Liturgische Feier in der Osternacht
Eva Hillebold / Frank Nolte / Stephan Goldschmidt
11. Das Leben blüht auf 123
Digitale Ostergottesdienste
Freudensprünge 125
Digitale Osterfeier ohne Worte
Johannes Ahrens / Dirk Dillmann / Matthis Hansen /
Birgit Lunde
Bewegte (W)Orte 130
Digitaler Osterspaziergang
Anne Helene Kratzert
12. Wahrhaftig auferstanden 139
Kurzgottesdienst am Ostersonntag
Stephan Goldschmidt / Michael Held
13. Leben mit einem Versprechen 145
Gottesdienst am Ostersonntag
Stephan Goldschmidt
14. Der Weg nach Emmaus 157
Osterspaziergang
Stephan Goldschmidt / Gerd Peter
15. Gott ist in der Mitte 169
Gottesdienst am Sonntag Jubilate
Stephan Goldschmidt
16. Weißt du, wo der Himmel ist? 181
Gottesdienst an Christi Himmelfahrt
Stephan Goldschmidt
Autor*innen 191
Hinweise und Quellen 192
1. Fragst du nicht nach uns, Gott?
Predigt in der Vorfastenzeit
Stephan Goldschmidt
Lesung (Markus 4,35-41)
Am Abend desselben Tages sprach Jesus zu den Jüngern:
Lasst uns ans andre Ufer fahren.
Und sie ließen das Volk gehen
und nahmen ihn mit, wie er im Boot war,
und es waren noch andere Boote bei ihm.
Und es erhob sich ein großer Windwirbel,
und die Wellen schlugen in das Boot,
sodass das Boot schon voll wurde.
Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.
Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm:
Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
Und er stand auf und bedrohte den Wind
und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme!
Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.
Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam?
Habt ihr noch keinen Glauben?
Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander:
Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!
Predigt
1.
„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“, fragen die Jünger. Sie kämpfen mit den Elementen, mit Wind und Wellen. Wie eine Nussschale wird das Boot von den Wellen hinaufgerissen, um im nächsten Augenblick wieder ins Wellental hinabzustürzen. Und was macht Jesus? Er liegt auf einem Kissen und schläft, während das Boot vollläuft. Ein Schiff, das vollläuft, geht unter. Das wissen die Jünger. Sie tun alles, um das zu verhindern. Die einen schöpfen verzweifelt Wasser – mit allem, was sie haben. Andere versuchen, in letzter Sekunde Land zu gewinnen. Und gleichzeitig liegt Jesus im Heck des Bootes und schläft. Er kriegt gar nicht mit, was geschieht. Er sieht nicht, wie sich seine Jünger abmühen und tun, was sie können.
„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Wer so fragt, hat Todesangst. Wer so fragt, ist voller Verzweiflung und Resignation. Kein Ausweg in Sicht: Wir gehen unter, wir kommen um! Die Jünger scheinen sich damit schon fast abgefunden zu haben. Dass nichts und niemand mehr helfen kann. Es sei denn, Jesus weiß Rat.
Um die Lage richtig einzuschätzen, ist eins entscheidend: Jesus sitzt mit den Seinen im selben Boot. Es ist ihm ganz und gar nicht egal, was aus den Jüngern wird. Auch er ist dem Sturm und den Wellen ausgesetzt. Die Jünger sind nicht allein. Jesus hat sie nicht vergessen und schon gar nicht verlassen. Er macht sich ihr Problem zu eigen. Er reagiert allerdings ganz anders als die Seinen. Sturm und Wellen scheinen ihn nicht zu kümmern. Er wird nicht panisch. Nicht kopflos. Er reagiert besonnen. Jesus ist die Ruhe selbst. Er lässt sich von den äußeren Begebenheiten nicht einschüchtern. Und das hat einen guten Grund: Sein Vertrauen in Gott ist ungebrochen. Er weiß: Nichts und niemand kann ihn aus Gottes Hand reißen. Auch nicht der größte Sturm und die auswegloseste Situation.
2.
„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ In dieser Frage steckt auch eine große Enttäuschung – die Enttäuschung, nicht wahrgenommen, sondern übersehen zu werden. Und das ausgerechnet jetzt in höchster Not. Die Jünger tun alles, um Wind und Wellen zu trotzen. Aber Jesus sieht es nicht einmal. Ist es ihm egal, dass der Wind zum Orkan wird und die Wellen das Boot unter sich begraben? Ist es ihm egal, wie bedroht die Hoffnungen und Träume seiner engsten Freunde sind? Fragt er nicht danach, dass sie in Lebensgefahr sind?
Wer unter uns hat in seinem Leben nicht schon ganz ähnliche Fragen gestellt? Man müht sich ab, tut sein Bestes, aber niemand fragt danach. Was man macht, wird nicht wahrgenommen. Die erhoffte Anerkennung bleibt aus – vom Chef, von der Kollegin, von einem Lehrer, vom Partner, von der Partnerin. Ausgerechnet der oder die, auf die es besonders ankommt, sagen nichts. Keine Wertschätzung oder Würdigung, kein Dank. Nur Leere. Und dann stellen sich erste Fragen. Bald beginnen sie uns zu verfolgen und werden immer bohrender: Hat er oder hat sie anderes zu tun? Wichtigeres? Oder schweigt sie bewusst, um mich zu kränken? Hat es ihm nicht gefallen? Liegt es an mir? Ist meine Leistung nicht gut genug? Oder hat sie etwas gegen mich? Übersieht er mich, weil ich für ihn unwichtig bin? Will sie mich ärgern oder sogar bewusst klein machen?
Und wenn erst einmal dieses Fragen-Karussell in Gang ist, kommt es nicht so schnell zur Ruhe. Wie bei den Jüngern. Aus der naheliegenden Frage, wo Jesus ist, wo er bleibt, wird am Ende der Vorwurf, ihm sei es egal, dass seine Jünger umkommen. Voll Enttäuschung und mit Wut im Bauch tobt in den Jüngern ein Sturm, der dem Orkan in nichts nachsteht, der über den See Genezareth wütet, der das Boot fast untergehen lässt, in dem neben den Jüngern aber auch Jesus sitzt.
„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Mit diesen Worten wird Jesus geweckt. Unsanft, laut, mit wütender Stimme. Und Jesus lässt sich wecken. Sieht, was los ist. Er steht auf, ruhig und gelassen. Keine schlagfertige Antwort auf den Vorwurf. Keine Gegenrede. Kein Streit. Jesus rechtfertigt sich nicht. Er beginnt auch nicht, das Wasser aus dem Boot zu schöpfen oder das Boot an Land zu steuern. Stattdessen stellt er sich aufrecht und gerade dem Wind und den Wellen entgegen und sagt nur zwei Worte. Und diese Worte spricht er – so beschreibt es der Evangelist – ruhig, ohne die Stimme zu heben. Im griechischen Urtext wird hier eine Vokabel verwendet, die nichts anderes bedeutet als sagen oder sprechen. Jesus ruft nicht, er schreit nicht, um den Sturm und das Rauschen der Wellen zu übertönen. Jesus spricht. Er sagt zwei Worte: „Schweig! Verstumme!“
Und auf einmal legt sich der Wind, und die Wellen kommen zur Ruhe. Es wird ganz still. Der Sturm ist zu Ende, der äußere, das Leben bedrohende Orkan und der innere Sturm, der in den Gedanken der Jünger herumwirbelt. Wie verwandelt sind die Jünger. Auch sie werden still. Und auf einmal haben sie den Blick frei. Statt auf ihre Sorgen und Nöte schauen sie auf Jesus. Sie sehen ihn mit neuen Augen an: „Wer ist dieser Mann, dass ihm Wind und Wetter gehorchen?“ Wer ist Jesus, dass in seiner Gegenwart Sturm und Wellen zur Ruhe kommen?
3.
„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Lässt du uns allein, Jesus, wenn es gefährlich wird? Oder gehst du unseren Weg mit bis ans Ende? Bleibst du bei uns, auch dort, wo es wehtut? Die Erzählung von der Sturmstillung ist wie ein Bild für das Leben, das immer wieder heimgesucht wird von Stürmen, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Äußere Stürme, aber vor allem die inneren Stürme: das Gefühl, nicht recht beachtet und geachtet zu werden, oder der Neid auf andere, die es scheinbar besser haben, die beliebter sind, denen vieles einfach so gelingt, wofür wir viele Kräfte brauchen.
Wellen bauen sich über uns auf. Wir verlieren den Überblick oder fühlen uns klein und zerbrechlich wie eine Nussschale. Es ist, als ob wir getrieben würden von einem Wellental zum anderen, als seien wir fremdbestimmt und nicht mehr Herr der Lage. Wir spüren, wie der Alltag unsere Kräfte raubt und wir kaum mehr zur Ruhe kommen.
Dabei geht es uns manchmal wie den Jüngern: Wir werden in solchen Zeiten hektisch und verlieren das große Ganze aus den Augen. Vielleicht aber finden wir ähnlich wie die Jünger einen Ausweg: Als sie weder aus noch ein wissen, als sie merken, dass sie mit ihren eigenen Kräften ans Ende kommen, da erinnern sie sich an Jesus. An den sie gar nicht mehr gedacht, den sie vergessen hatten. Jetzt merken sie, dass er mitten im Sturm bei ihnen ist. Dass sie ihn aufwecken und um Hilfe bitten können. Und so kommen sie zu Jesus mit ihrer Angst und ihrer Wut. Aber auch mit ihrer Ratlosigkeit: „Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“
Hinter dieser Frage – so haben wir es gesehen – stehen Todesangst, Verzweiflung, auch Enttäuschung. Aber zuletzt und zutiefst ist diese Frage ein Stoßgebet, eine Bitte: Hilf uns, wo uns sonst keiner mehr helfen kann, Jesus! Hinter den Vorwürfen hören wir eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit aus der Not. Eine Bitte um Erlösung aus der ausweglosen Situation. Hinter Zweifel und Kleinglauben verbirgt sich die Hoffnung, dass Jesus hilft. Jesus, der im selben Boot sitzt. Und unser Schicksal teilt. Noch mag der Glaube der Jünger klein sein, von Zweifel durchzogen. Aber er wendet sich an einen großen Gott. Und dem sind Wind und Meer gehorsam.
Amen.
Tagesgebet
Wir kommen heute zu dir, Gott,
mit unserer Sehnsucht nach Ruhe und Frieden.
Wir sind es leid, dass sich das Rad des Lebens
schneller und schneller dreht
und uns Tag für Tag antreibt.
Hilf uns loszulassen, was uns belastet
und uns innerlich gefangen nimmt.
Lass uns auf dein Wort hören,
dass wir bei dir zur Ruhe kommen
und inneren Frieden finden.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes, Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und Leben schafft in Ewigkeit.
Amen.
Fürbitten1
Guter Gott, danke, dass ich bei dir still werde
und zur Ruhe komme
wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter.
Dass diese Ruhe auch in der Welt einkehre,
die voll Unruhe ist und aus dem Gleichgewicht zu geraten droht,
die unter Krieg und Terror leidet,
darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:
Herr, erbarme dich.
Dass diese Ruhe in die Familien einkehre,
in denen Ärger und Streit herrschen
und sich Eltern und Kinder gleichgültig begegnen,
darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:
Herr, erbarme dich.
Dass diese Ruhe bei den Kranken einkehre
und auch bei denen, die am Ende ihres Lebens stehen,
die sich in Sorge über ihre Zukunft verzehren
oder allein sind und sich nach Liebe sehnen,
darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:
Herr, erbarme dich.
Dass diese Ruhe uns begleite
in diesen Tagen und den kommenden Wochen,
in der Zeit der Arbeit und der Zeit der Muße,
darum bitten wir dich, o Gott.
Amen
Liedvorschläge
WL: Wach auf, wach auf, ’s ist hohe Zeit (EG 244)
WL: Stimme, die Stein zerbricht (EG.E 21)
Liebster Jesu, wir sind hier (EG 161)
Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351)
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
Herr, wenn das Wasser uns bedroht (EG-Niedersachsen 639,1-5)
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (EG.E 17)
1 Nach: Stephan Goldschmidt: Denn du bist unser Gott. Gebete, Texte und Impulse für die Gottesdienste des Kirchenjahres, Neukirchen-Vluyn 2018, 96f.
2. Verraten und verkauft
Kurzgottesdienst am Sonntag Invokavit
Stephan Goldschmidt
Musik
Einstimmung
Passionszeit. Leidenszeit. Stille Zeit.
Die Passionszeit hat einen besonderen Klang.
Wir ziehen uns zurück, kommen zur Ruhe.
Krankheit und Leiden werden zum Thema.
Aber Passion bedeutet auch Leidenschaft,
etwas mit ganzem Herzen tun.
Passionszeit. Leidenszeit. Stille Zeit. Herz-Zeit.
Lied Holz auf Jesu Schulter (EG 97,1-3)
Gebet
Deinen Weg will ich bedenken, Jesus.
Du wirst verraten und verleugnet,
du wirst alleingelassen,
auch von den Deinen.
Du nimmst unser Leid auf dich,
trägst unsere Verzweiflung und Angst.
Steh uns bei, wenn wir allein und verraten sind.
Amen.
Lesung (Johannes 13,21-30)
Jesus wurde erregt im Geist
und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an,
und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.
Es war aber einer unter seinen Jüngern,
der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.
Dem winkte Simon Petrus,
dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.
Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn:
Herr, wer ist’s?
Jesus antwortete:
Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein
und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.
Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte.
Denn einige meinten,
weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!,
oder dass er den Armen etwas geben sollte.
Als er nun den Bissen genommen hatte,
ging er alsbald hinaus.
Und es war Nacht.
Kurzpredigt
„Einer unter euch wird mich verraten.“ Der Satz trifft mitten ins Herz. Ein Satz, und es wird bedrückend still. Keiner sagt ein Wort. Die Jünger schauen sich ratlos an. Vielleicht sogar verzweifelt. Eine gefühlte Ewigkeit lang drückt die Stille aufs Gemüt. Bis sich der Erste traut, die Frage zu stellen, die alle umtreibt: „Wer ist’s?“ Petrus und Johannes flüstern miteinander. Dann wird Jesus gefragt: „Wer ist’s, der dich verrät?“ Eine bange Frage. Kaum einer der Jünger kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht er der Verräter ist. Eigentlich ist es keinem von ihnen zuzutrauen. Oder jedem. Jeder würde von sich behaupten, für Jesus durchs Feuer zu gehen. Doch in wenigen Stunden werden fast alle Jesus im Stich lassen.
„Einer unter euch“, sagt Jesus. „Einer wird mich verraten.“ Verrat ist schlimm. Aber wenn ein Freund der Verräter ist, ist es noch schlimmer. Verrat in seiner grausamsten Form, die größte Enttäuschung, die es gibt. Niemand kann mehr verletzen als jemand, den man liebt. „Einer unter euch wird mich verraten.“ „Wer ist’s? Wer wird es tun? Jesus, sag es uns!“ Die Jünger möchten ihre Sorge hinausschreien. Und sie wollen Gewissheit. „Wer ist’s?“ „Der ist’s“, sagt Jesus, „dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und dann nimmt er ein Stück Brot und taucht es in eine der Schüsseln. Eine vertraute Geste, eine Zeremonie, die zum Passafest gehört. Gleich wird er einem der Männer das Brot geben. Aber weiß der Verräter schon, dass er gemeint ist? Hat er noch die Hoffnung, dass Jesus seinen Bissen einem anderen reicht?
„Einer unter euch wird mich verraten.“ Jetzt ist es überdeutlich, wen Jesus meint: „Du bist der Mann, Judas!“ Jesus gibt Judas den Bissen. Und der nimmt ihn aus seiner Hand. „Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen“, hat Jesus eben gerade gesagt. Nun beginnt sich die Vorhersage zu erfüllen. Judas isst Jesu Brot und geht dann hinaus in die Nacht. Gleich wird er Jesus verraten. Was eben nur eine Idee war, wird er jetzt tun. Warum noch warten? „Was du tust, das tue bald“, sagt Jesus zu ihm.
„Einer unter euch wird mich verraten.“ Ein Satz, der einen schweigen macht und traurig. Der Verrat ist der erste Schritt auf dem Weg Jesu ans Kreuz.
Amen.
Lied Manches Holz ist schon vermodert (freiTöne 105)
Fürbitten
Wie schwer ist es uns,
dein Leiden zu verstehen, Jesus,
du Bruder aller Menschen.
Du hast dich verraten lassen,
hast die Bitterkeit angenommen,
die Einsamkeit ertragen.
Was wir in diesen Tagen ertragen müssen,
legen es in deine Hände.
In der Stille sagen wir dir,
was uns bedrückt und belastet.
Stille
Für die Menschen,
die leiden müssen,
Schmerzen aushalten
und den Weg des Sterbens gehen,
bitten wir dich in der Stille.
Stille
Für die Trauernden,
die einen geliebten Menschen verloren haben
und die kaum mehr weiterwissen,
bitten wir dich in der Stille.
Stille
Für die Einsamen,
die sich alleingelassen fühlen,
die keinen haben, der sie besuchen kommt,
bitten wir dich in der Stille.
Stille
Vaterunser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Segen
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.
Amen.
Lied Weise uns den Weg (freiTöne 200)
Musik
3. Du hast Recht!
Gottesdienst am Sonntag Judika
Stephan Goldschmidt
Glocken
Musik zum Eingang
Votum
Begrüßung
„Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache.“ Ein paar Worte und wir sind mitten im Thema. Heute im Gottesdienst am Sonntag Judika, dem fünften Sonntag in der Passionszeit. „Schaffe mir Recht, Gott.“ Ein Notruf in Bedrängnis. Eher Klage als Bitte. Hier fühlt sich ein Mensch ins Unrecht gesetzt. Vom Schicksal, von den Menschen. Oder gar von Gott? Und er fordert ein, was jedem zustehen sollte, ein Grundbedürfnis: endlich Recht zu bekommen.
Lied Wir gehn hinauf nach Jerusalem (EG.E 3,1-3)
Psalm 43
Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
Kyrie
Stille – Tagesgebet
Das Tagesgebet schließt an das Stille Gebet an.
Lebendiger Gott,
dein Sohn hat unter uns gelebt,
er ist zu uns gekommen,
nicht um sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen
und sein Leben zu geben, damit wir leben.
Wir bitten dich, mach uns bereit,
füreinander da zu sein und uns beizustehen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und Leben schenkt in Ewigkeit.
Amen.
Lesung (Markus 10,35-45)
Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus,
gingen zu Jesus und sprachen zu ihm:
Meister, wir wollen, dass du für uns tust,
was wir dich bitten werden.
Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?
Sie sprachen zu ihm:
Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten
und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.
Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet.
Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke,
oder euch taufen lassen mit der Taufe,
mit der ich getauft werde?
Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir.
Jesus aber sprach zu ihnen:
Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke,
und getauft werden mit der Taufe,
mit der ich getauft werde;
zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken,
das zu geben steht mir nicht zu,
sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
Und als das die Zehn hörten,
wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen:
Ihr wisst, die als Herrscher gelten,
halten ihre Völker nieder,
und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
Aber so ist es unter euch nicht;
sondern wer groß sein will unter euch,
der soll euer Diener sein;
und wer unter euch der Erste sein will,
der soll aller Knecht sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,
dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene
und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Meditation2
Du veränderst diese Welt, Herr Jesus Christus,
vor dir werden die Kleinen groß
und die Großen lässt du klein dastehen.
Du veränderst die Welt,
weil du dich selbst niedrig machst,
weil du dir nicht dienen lässt,
weil du selbst zum Knecht wirst,
weil du dein Leben gibst
zur Erlösung auch für mich.
Ich dagegen will groß sein,
herauswachsen aus der Enge,
die mich klein macht.
Ich will immer noch erfolgreicher werden,
mich bekannt machen,
einen großen Namen haben.
Doch du willst,
dass ich werde wie ein Kind,
dass ich auf dich vertraue,
dass ich den Neid verlerne
und den vergleichenden Blick.
Ich dagegen will reich sein,
will mich bedienen lassen,
will, dass Menschen sich für mich
den Arm ausreißen.
Doch du willst, dass ich wie du zum Diener werde,
dass ich meine Gaben nicht einsetze,
um selbst vorwärtszukommen,
sondern um meinem Nächsten zu dienen.
Du willst mich erlösen,
willst mich befreien von meiner Sucht,
immer größer werden zu wollen,
immer besser und erfolgreicher.
Du willst dein Leben geben
zur Erlösung auch für mich.
Lied Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
Predigt
„Warum verfolgt ihr mich wie Gott?“, fragt Hiob. Ein Satz, der erschauern lässt. Weil er die Verzweiflung eines in die Enge Getriebenen erahnen lässt. Aber auch, weil es nichts Schlimmeres gibt, als wenn Menschen versuchen, wie Gott zu sein. Die reden oder handeln, als seien sie Gott. Hören Sie die Worte, mit denen sich Hiob gegenüber seinen Freunden rechtfertigt:
Alle meine Getreuen verabscheuen mich,
und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt.
Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch,
und nur das nackte Leben brachte ich davon.
Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde;
denn die Hand Gottes hat mich getroffen!
Warum verfolgt ihr mich wie Gott
und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?
Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden!
Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift,
mit einem eisernen Griffel und mit Blei
für immer in einen Felsen gehauen!
Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt,
und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist,
werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen.
Ich selbst werde ihn sehen,
meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.
Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.
(Hiob 19,19-27)
1.
„Du hast Recht!“ Ein Satz − und die ganze Atmosphäre ist eine andere. Das Eis ist gebrochen. Die beiden Männer können sich endlich wieder in die Augen blicken. Nach langer Zeit zum ersten Mal. „Du hast Recht!“ – ein Satz und die Tonlage ändert sich. Es ist wie eine Befreiung. Für alle Beteiligten. Bisher waren die beiden tief eingegraben in ihre selbst aufgeschütteten Gräben. Wie Kontrahenten. Fast wie Feinde. Dabei waren sie doch Kollegen. Hatten die gleichen oder zumindest ähnliche Ziele. Aber welcher Weg dorthin war der richtige? Beide hatten ihre Vorstellungen. Gegensätzliche Ideen. Keiner wollte einen Millimeter vom eigenen Standpunkt abweichen. Beide hatten Angst: Jedes Entgegenkommen könnte als Schwäche ausgelegt werden.
Alltag in den Businessetagen vieler Unternehmen. Im Geschäftsleben wird nicht selten mit harten Bandagen gekämpft. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Meistens geht es um sehr viel. Um Geld, um die Zukunft des Unternehmens und um Arbeitsplätze. Aber ums Rechthaben und Rechtbekommen geht es nicht allein in wirtschaftlichen Zusammenhängen. Dieselbe Melodie findet sich überall, wo Menschen miteinander umgehen.
Recht haben, Recht bekommen. Sich ins Unrecht gesetzt fühlen. Sich rechtfertigen: Das ist Alltag auf allen Feldern des Lebens. In den Familien, Beziehungen, unter Freunden. Auch in der Kirche und den Gemeinden geht es allzu oft darum. Jeder will Recht haben. Oder das eigene Handeln rechtfertigen. Da kommen die drei Wörter nur schwer über die Lippen: „Du hast Recht!“ Weil sie als Niederlage verstanden werden. Weil „Du hast Recht“ bedeutet: „Ich hatte bisher Unrecht“. Und wer will das schon, Unrecht haben? Wer will das zugeben, selbst wenn es so wäre?
Aber der dauernde Stellungskrieg zermürbt. Wer keinen Millimeter zurückweicht, ist nichts anderes als eingemauert. Steckt fest im eigenen Misstrauen. In seiner Gedankenspirale, die bis in schlaflose Nächte die Gedanken bestimmt. Was für eine Befreiung bedeuten dagegen die drei Worte: „Du hast Recht!“? Freiheit für beide Seiten. Für den, der Recht bekommt. Aber auch für den Nachgebenden. In solchen Fällen hieß es früher: „Der Klügere gibt nach.“ Vielleicht ist das ja der Fall, als einer der Streithähne dem Kontrahenten Recht gibt und über seine Mauer steigt. Über die Mauer, die das Misstrauen und die Angst vor dem Gesichtsverlust haben entstehen lassen. Endlich, endlich können sich zwei wieder in die Augen sehen. Nach langer Zeit.
2.
„Du hast Recht!“ Ein Satz − und die ganze Atmosphäre wäre eine andere. Das Eis wäre gebrochen. Hiob und seine Freunde könnten sich endlich in die Augen sehen. Vielleicht sogar in den Arm nehmen. Nach langer Zeit zum ersten Mal. Wie sehnt sich Hiob nach diesem einen Satz: „Du hast Recht!“ Er würde ihm so viel bedeuten. Er würde klar machen: Was dir geschehen ist, ist ungerecht. Zutiefst ungerecht. Aber der Satz fällt nicht. Stattdessen Schweigen, das unbarmherzig laut in den Ohren klingt. Die Freunde bringen es nicht über sich, diesen entscheidenden Satz zu sagen und Hiob Recht zu geben.
Die Freunde sind im Gegenteil zutiefst überzeugt, dass Hiob im Unrecht ist. Es kann gar nicht anders sein. Sie müssen Recht haben. Sonst … Ja, was wäre sonst? Sonst würde das ganze Gebäude ihres Glaubens, ihrer Theologie zusammenfallen. Nach dem das Ergehen eines Menschen zeigt, was in ihm steckt. Das äußere Leben − ist das nicht wie eine Spiegelung des inneren Lebens? Dem Gottlosen geht es nach dieser Logik an den Kragen. Er ist wie Spreu, das der Wind verweht. Der Gerechte dagegen ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen. So heißt es im ersten Psalm. Gott ist auf der Seite der Guten, der Frommen. Was sie tun, lässt er gelingen. Tun und Ergehen hängen aufs Engste zusammen. So muss es sein. Es muss sich doch lohnen, ein gottgefälliges Leben zu führen!
Hiob stellt diese Logik infrage. Sein Leben passt nicht ins Schema. Er ist fromm, er führt ein gottgefälliges Leben. Und doch muss er leiden. Er ist krank. Er hat alles verloren, was ihm wichtig ist: seine Familie und seinen Besitz, seine Gesundheit. Alles, was ein Leben schön und reich macht, ist ihm genommen. Er kann nur noch klagen. Und zu Gott rufen: „Schaffe mir Recht, Gott! Sprich du das Wort, das tröstet und befreit!“
Aber Gott schweigt. Und auch Hiobs Freunde schweigen. Dabei sind sie zu Hiob gekommen, wie es gute Freunde tun: Als sie von seinem Schicksal hören, machen sie sich auf den Weg. Und als sie ihn sehen, setzen sich zu ihm. Sie tun, was man tun kann, wenn ein Freund krank ist, wenn er trauert: Sie sind einfach da. Sie setzen sich zum Schwerkranken, zum Trauernden und trauern mit ihm.
Aber irgendwann ist das Schweigen kein Trost mehr. Es wird zur Anklage. Zum Auftakt zu langen rechthaberischen Reden. Aber die Freunde finden keine Worte des Trostes. Der Satz, den Hiob sich mit jeder Phase seines Körpers ersehnt, bleibt ungesagt. Keiner seiner Freunde spricht die entlastenden Worte „Du hast Recht!“ Stattdessen Worte wie Peitschenhiebe: Du bist schuld. Du musst gesündigt haben. Deine Krankheit ist der Beweis! Es muss doch einen Grund für dein Schicksal geben. Du musst dich irren. Sonst hätte ja Gott Unrecht. Und das kann nicht sein.
Hiob treffen die Worte seiner Freunde genauso hart wie sein Schicksal. „Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde“, ruft er. „Warum verfolgt ihr mich wie Gott?“
3.
„Du hast Recht!“ Wie oft hat sie diesen Satz schon gehört? Sie kann ihn nicht ausstehen. Kaum mehr ertragen. Immer wenn es ernst wird, erklingen diese drei Worte. Und beenden jede Auseinandersetzung. Die drei Worte nehmen ihr den Schwung, endlich zu sagen, was sie seit langem sagen will. Warum muss es dauernd harmonisch zugehen in dieser Beziehung? Warum darf es nie zum Streit kommen? Das ist doch nicht normal! Wie gern würde sie es mal aussprechen, was ihr auf der Seele brennt, was sie krank macht! Eigentlich ist sie gar nicht auf Streit aus. Aber dann kommen die Worte überfallartig aus ihr heraus. Und es tut gut, den Frust einmal in Worte zu packen. Auszusprechen, was sie bedrückt. Und dann: „Du hast Recht!“ Keine Gegenwehr, keine Auseinandersetzung, nicht einmal eine Rechtfertigung. Es kommt ihr vor, als stürme sie gegen eine Gummiwand. Kein harter Aufschlag, nur weiches Abfedern. Aber am Ende ändert sich – nichts. Alles bleibt beim Alten. Und dann ein neuer Anlauf, ein Aufbegehren gegen diese windelweichen, nichtssagenden Worte: „Du hast Recht!“ Drei Worte, die viel zu schnell über die Lippen gehen. Die billig wirken. Es fehlt ihnen die Ernsthaftigkeit. Ohne Auseinandersetzung sind diese Worte wenig wert. Ihr fehlt der Widerstand. Recht haben, Recht bekommen geht doch nur, wenn es schwerfällt, wenn es wehtut. Wie bei Hiob. Er ringt mit seinen Freunden, und er ringt mit Gott bis zur Erschöpfung: „Schaffe mir Recht, Gott!“ Hiob sehnt sich wochenlang nach diesem Recht, nach der Erlösung. Alles in ihm ist Verlagen. Endlich, endlich befreit zu werden aus seinen Qualen und gerechtfertigt dazustehen. Fast trotzig schleudert er den Freunden entgegen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Wie schlecht es mir auch geht, ich werde Gott schauen und werde von Gott ins Recht gesetzt werden. Das ist Hiob Sehnsucht: seinen Erlöser mit eigenen Augen zu sehen. Dann endlich wird er Recht bekommen. Sein ganzes Leben, seine Schmerzen und seine Trauer erschienen dann in einem neuen Licht.
4.
Recht haben, Recht bekommen – Grundbedürfnisse des Lebens, die Hiob lange verweigert werden. Die er braucht, um Frieden zu finden. Die aber mehr sein müssen als eine Floskel, um Streit zu vermeiden. Nicht nur Hiob will ins Recht gesetzt werden trotz allem, was dagegenspricht. Jedem Menschen geht es so. Recht haben und Recht bekommen sind Grundbedürfnisse eines jeden Lebens. Und dann werden wir ins Recht gesetzt von unerwarteter Seite. Nicht auf die leichte Tour, sondern auf einem Weg der Schmerzen, des Leidens. Da ist einer, der diesen Weg für uns geht. Dem es nicht darauf ankommt, selbst Recht zu haben. Sondern darauf, dass wir Recht bekommen vor Gott und den Menschen: Jesus. Er verzichtet auf ein gerechtes Urteil. Er nimmt die ungerechtfertigte Anklage hin und den offensichtlich falschen Richterspruch an. Er wehrt sich nicht dagegen. Er erträgt Spott und Hohn. Und geht schließlich den Weg zur Hinrichtungsstätte, ohne sich aufzulehnen. Ein doppelt schwerer Weg. Weil Jesus ihn auch für dich und für mich geht. Er achtet darauf, dass wir gerechtfertigt dastehen, auch wenn wir Unrecht haben. Er nimmt auf sich, was uns quält: Einsamkeit, Leiden, Angst, Schuld. Und gibt uns, was eigentlich ihm zusteht: Dass wir von Gott ins Recht gesetzt werden. Und vor ihm gerecht dastehen. „Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele“ (Markus 10,45).
Amen.
Bekenntnislied Ich steh dazu (freiTöne 132)
Fürbitten
Du gibst alles hin, Jesus Christus,
Macht und Größe,
selbst deinen Leib und dein Leben.
Danke, dass du unser Bruder wirst
und uns Recht schaffst.
Wir aber streben nach Ansehen und Einfluss,
wollen unseren Namen groß machen.
Dennoch nimmst du uns an, wie wir sind.
Du hilfst uns, dass wir uns selbst annehmen können,
und lässt uns frei werden für die Aufgaben,
die du uns gibst.
Wir bitten dich für uns,
mach uns bereit, dass auch wir
Verständnis haben mit den Unverstandenen,
lass uns die Traurigen trösten,
die Einsamen begleiten
und die Kranken besuchen.
Wir rufen und singen: Kyrie, Kyrie eleison (freiTöne 39)
Sei bei denen, die in diesen
Tagen und Wochen sterben.
Nimm sie auf in dein himmlisches Reich.
Und sei bei allen, die um sie trauern
und denen sie fehlen werden.
Wir rufen und singen: Kyrie, Kyrie eleison (freiTöne 39)
Wir bitten dich für deine Kirche.
Dass sie nicht Macht und Größe sucht,
sondern sich für die Schwachen einsetzt,
dass sie ungerechte Strukturen erkennt
und Leid und Unterdrückung mindert.
Wir rufen und singen: Kyrie, Kyrie eleison (freiTöne 39)
Wir bitten dich für die Welt, in der wir leben.
Lass Frieden einkehren, wo Gewalt herrscht.
Stille den Hunger nach Gerechtigkeit
und den Durst nach der Wahrheit.
Wir rufen und singen: Kyrie, Kyrie eleison (freiTöne 39)
Vaterunser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied Dieses Kreuz (freiTöne 140,2-3)
Sendung und Segen
Musik
2 Denn du bist unser Gott, 131f.
4. Gesegnete Zweige
Abendgottesdienst am Palmsonntag
Stephan Goldschmidt
Der Mittelgang des Kirchenraums ist mit Zweigen oder Palmblättern ausgelegt.
Musik
Votum und Begrüßung
Im Namen des Vaters, der uns geschaffen hat,
im Namen des Sohnes, der uns zu einem Leben ohne Angst befreit, und im Namen des Heiligen Geistes, der uns zu einer Gemeinschaft verbindet.
Die Zweige im Kirchenraum erinnern an die Palmblätter, mit denen die Menschen Jesus zujubeln. Er reitet auf einem Esel in die Stadt Jerusalem. Wie einen König empfangen die Leute ihn. Mit Palmzweigen stehen die Menschen am Wegesrand und huldigen ihm.
Doch schon bald kippt die Stimmung. Jesus entspricht nicht den Erwartungen. Der Weg, der mit Palmblättern ausgelegt ist, nimmt einen unerwarteten Verlauf. Er führt nicht an die Macht, sondern ins Leiden. Die gleichen Leute, die heute Hosianna rufen, fordern bald schon: Kreuzige ihn!
Lied Der Mond ist aufgegangen (EG 482,1-3.5)
Christushymnus (Philiperbrief 2,6-11)
Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selber
und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich
und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode,
ja zum Tode am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott erhöht
und hat ihm den Namen gegeben,
der über alle Namen ist,
dass in dem Namen Jesu
sich beugen sollen aller derer Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und aller Zungen bekennen sollen,
dass Jesus Christus der Herr ist,
zur Ehre Gottes des Vaters.
Liedruf Meine Hoffnung und meine Freude (freiTöne 43)
Klage
Wie oft werden wir schwere Wege geführt?
Wie oft stolpern wir und verletzen uns?
Wie oft hadern wir und klagen?
Alles, was uns belastet,
bringen wir zu Gott und bitten ihn:
Lass uns nicht allein mit unserer Bitterkeit.
Komm zu uns,
uns zu heilen und zu versöhnen:
Wir singen: Herr, erbarme dich!
Liedruf Herr, erbarme dich (EG 178.10)
Gebet
Unser Vater im Himmel,
du bist in deinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen,
du bist eingekehrt in unsere Welt.
Du hast uns nicht allein gelassen mit unseren Sorgen und Ängsten.
Hilf uns, dich aufzunehmen in unsere Familien und Häuser.
Wir sehnen uns nach deiner Nähe.
Und doch fällt es uns schwer,
dir zu folgen, wohin du uns rufst.
Wir weichen zurück,
wo du deine Hand nach uns ausstreckst.
Wir bitten dich,
mache uns bereit für dein Kommen,
dass wir dir Herzen und Tore öffnen.
Amen.
Schriftlesung (Johannes 12,12-19)
Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte,
dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen
und schrien:
Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn,
der König von Israel!
Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf,
wie geschrieben steht:
„Fürchte dich nicht, du Tochter Zion!
Siehe, dein König kommt und reitet
auf einem Eselsfüllen.“
Das verstanden seine Jünger zuerst nicht;
doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran,
dass dies von ihm geschrieben stand
und man so an ihm getan hatte.
Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus
aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte,
bezeugte die Tat.
Darum ging ihm auch die Menge entgegen,
weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.
Die Pharisäer aber sprachen untereinander:
Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet;
siehe, alle Welt läuft ihm nach.
Stille
Lied In einer fernen Zeit (EG.E 4)
Predigt
Jesus zieht in die Stadt Jerusalem ein, in die Stadt Davids, in die Königsstadt. Sein Einzug hat eine besondere Bedeutung, das spüren die Pilger, die jetzt zum Passahfest in der Stadt sind. Er scheint ein besonderer Mann zu sein, ein Nachkomme des Königs David. Soll aus diesem Geschlecht nicht der verheißene Messias kommen? Der Retter Israels? Jesus reitet auf einem jungen Esel in die Stadt. Als erfülle er die Weissagung des Propheten Sacharja: „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“
Und so jubeln die Menschen ihm zu: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ Sie haben Palmzweige von den Bäumen geschlagen und schwenken sie hin und her, um ihm wie einem Sieger zu huldigen. Die immergrünen Zweige der Palme sind Symbole des Sieges. Aber kommt Jesus, um die verhasste römische Besatzungsmacht zu besiegen? Oder ist sein Reich ganz anders, als es die Vielen meinen – ein Reich, das nicht von dieser Welt ist?
Die Menschen legen Palmzweige auf den Boden und bedecken den staubigen Weg. Wie über einen Teppich soll Jesus in die Stadt einziehen. Aber passen die Insignien der Macht zu diesem Wanderprediger aus dem Norden? Will Jesus ein König sein, der über den roten Teppich schreitet?
Wie aus einer Kehle klingen immer wieder die Rufe: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Jesus wird umjubelt, geehrt. Und das, obwohl er doch gar kein Siegertyp ist. In den nächsten Tagen wird das deutlich. Jesus handelt anders. Er passt nicht ins Schema. Entspricht nicht dem Bild, das sich die Leute von ihm machen. Und so wird er bald angeklagt. Jeder andere hätte sich gewehrt. Mit einem siegesbewussten Lächeln die Vorwürfe abperlen lassen. Aber Jesus rechtfertigt sich nicht vor dem Richter. Statt sich zu wehren, nimmt er die Schuld auf sich.
„Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ – heute noch wird Jesus mit diesen Rufen empfangen. Wie empfangen wir ihn, den Mann, in dem Gott in unsere Welt gekommen ist? Lassen wir ihn einkehren in unsere Herzen? Ziehen wir ihm entgegen mit einem Palmwedel in der Hand, wie die Männer und Frauen damals in der Stadt Jerusalem? Haben wir noch Zeit und Raum für den Gottessohn, der ja auch zu uns kommen will?
Oder wird in unserer schnelllebigen Zeit der Raum immer kleiner, den wir ihm geben? Unsere Sinne sind angefüllt mit dem, was noch getan und erledigt werden muss. Geht uns nicht längst die Ruhe aus, die wir brauchen, um ihn recht zu empfangen? Und wenn wir uns endlich die Zeit nehmen, um uns zu besinnen, dann sind unsere Herzen abgelenkt. Groll und dunkle Gedanken, zurückliegende Erlebnisse, aber auch der Blick in die Zukunft können eine Seele so ausfüllen, dass kaum Raum mehr da ist, Jesus zu empfangen.
Jesus reitet den Weg in die Stadt auf einem jungen Esel. Der Esel ist längst nicht mehr das Tier, auf dem die Könige reiten. Ein Esel ist heute das Lasttier armer Leute. Die Herren reiten hoch zu Ross. Sie kommen mit Schlachtross und Soldaten. Die Leute übersehen das. Sie sind in alten Vorstellungen gefangen, nach der ihr König auf einem Esel reitet. Das macht sie blind für die Wirklichkeit. Und so liegt schon der Keim der Enttäuschung im Jubel der Menge. Die Begeisterung wird umschlagen in Ernüchterung. Die, die heute Jesus mit Palmblättern ehren, werden sich morgen von ihm abwenden. Und bald werden sie sein Leben fordern und rufen: „Kreuzige ihn!“
Lied Wir gehn hinauf nach Jerusalem (EG.E 3)
Meditation
Hosianna – so jubeln dir die Menschen zu.
Hosianna dem Sohn Davids!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Hosianna in der Höhe!
Du kommst nach Jerusalem,
ziehst ein in die Stadt Gottes.
Wie ein König wirst du begrüßt,
die Menschen beugen ihre Knie,
sie huldigen dir, legen ihre Kleider in den Staub
und Palmzweige auf den Weg.
Doch bald werden sie nicht mehr jubeln,
sie werden rufen: Kreuzige, kreuzige ihn.
Du kommst zu uns Menschen,
und doch trittst du anders auf,
als wir denken.
Du reitest auf einem Esel,
du sitzt nicht hoch zu Ross,
trägst nicht die Insignien der Macht.
Du enttäuschst unsere Erwartungen,
lässt dich nicht benutzen für unsere Ziele.
Du kommst auch zu mir,
du näherst dich mir in unscheinbarem Gewand,
du kommst anders, als ich es mir wünsche,
enttäuschst auch meine Hoffnungen und Träume.
Will ich mich dir öffnen,
will ich dich empfangen,
will ich dir das Hosianna singen,
nicht nur heute, sondern auch morgen?
Lied Wie soll ich dich empfangen (EG 11,1-4)
FÜRBITTEN
1. Sprecher(in):
Herr Jesus Christus,
du wurdest in Jerusalem begeistert empfangen.
Wie begrüßen und empfangen wir dich?
Wie erwarten wir deine Gegenwart,
wo rechnen wir mit dir in unserem Leben?
Du kommst den untersten Weg,
den Weg, den keiner von uns gehen will.
Doch dein Weg ist der Weg der Liebe.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
2. Sprecher(in):
Hilf uns, dir auf deinem Weg zu folgen,
lass uns nicht nur nach dem immer Höheren trachten,
sondern den Weg der Liebe suchen.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
1. Sprecher(in):
Schenke uns die Kraft, einander zu lieben und zu achten,
gib uns den Mut, einander zu unterstützen und zu stärken.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
2. Sprecher(in):
Wir bitten dich für die Menschen,
die sich in den Höhen und Tiefen des Lebens
nicht mehr zurechtfinden,
deren Weg steil abgestürzt ist.
Lass sie in deinem Wort Halt finden.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
1. Sprecher(in):
Wir bitten dich für die Menschen,
die gestolpert sind auf ihren Wegen,
die keine Kraft mehr haben, wieder auf die Beine zu kommen.
Schenke uns wachsame Augen,
dass wir ihnen beistehen.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
2. Sprecher(in):
Wir bitten dich für uns,
dass du uns davor bewahrst, abzuheben und überheblich zu sein,
wo wir hochgejubelt und gefeiert werden.
Lehre uns, demütig zu sein,
auch im Glück und in den Erfolgen.
Wir rufen und singen: Herr, erbarme dich (EG 178.10)
Stille
Vaterunser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied Bleib bei mir, Herr, der Abend bricht herein (EG 488)
Segen
Musik
Palmzweige werden an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ausgang verteilt.
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