Kitabı oku: «Kinder, die zum Töten taugen», sayfa 2
Gerhard drückte und schob Michael derweil immer näher ans Geschehen. Es war ein ganz besonderes Drücken, ein Drücken, das Michael gar nicht als ein solches spürte, aber irgendwie war er plötzlich mittendrin. Er sah den nackten Unterleib, ihr Höschen an den Kniekehlen, die Hände seiner Freunde und das verzerrte Gesicht des Mädchens. Seine Gedanken fuhren Karussell. Dann fasste er dem Mädchen in den Schritt. Helmut zog den Reißverschluss des Kleides auf und streifte es über ihre Schultern. Der Anblick ihrer Brüste verstärkte ihre Raserei nur noch. Michael küsste ihre Brust und Peter griff so fest zu, dass Nadia laut "aua!" rief. Peter griff erneut zu, diesmal noch fester. Wieder ein Schrei.
"Sie quiekt!", meinte Gerhard, der einfach so daneben stand und das Treiben beobachtete, an Peter gewandt. "Ihr scheint das zu gefallen."
"Ja, es macht ihr Spaß!", lachte Peter und griff wieder fest zu. Michael war einen Schritt zurückgewichen, dafür hatte Helmut seinen Platz eingenommen und vergrub sein Gesicht auf ihrem Busen. Nadia bündelte all ihre verbliebene Kraft und begann sich zu wehren. Aber gegen einen Kerl wie Peter war das ein sinnloses Unterfangen. Sie begann zu weinen und zu beten.
"Schau mal, die Kleine! Ich denke du solltest ihr jetzt mal dein Rohr geben Peter." Gerhard war ein Meister im Anstacheln und Peter war fast wie von Sinnen. Nadia wehrte sich nun noch mehr und versuchte mit aller Kraft, sich aus ihrer Lage heraus zu winden. Aber Helmut hielt sie fest, während er weiter versuchte ihre Brustwarzen zu küssen.
"Lasst mich! Lasst mich jetzt in Ruhe!" Nadia wurde mehr und mehr klar, was vor sich ging, was die Kerle vorhatten. Das hatte sie nicht gewollt. Sie versuchte mehr dagegen anzukämpfen, aber all ihre Versuche und ihr Betteln und Flehen blieben erfolglos. Je mehr sie sich wehrte, umso mehr stachelte sie Peter an und umso mehr hielt Helmut sie fest. Peter zog ihren Slip noch weiter herunter. Sie strampelte mit den Beinen. Helmut hielt ihre Arme fest. Es war, als wären sie in einen Schraubstock gespannt. Peter war wie weggetreten. Niemand bemerkte, dass er gerade dabei war, vollends die Kontrolle zu verlieren. Niemand außer Gerhard. Der wähnte sich endlich am Ziel. Er wusste, dass er gewonnen hatte und er sah voraus, welch böses Ende ihr Treiben nun in Kürze haben würde. Das machte ihn zufrieden. In seinen Augen brannte ein lichterlohes Feuer und seine Lippen bebten.
Als Peter sich bückte, um dem Mädchen die Unterhose vollends über die Knöchel zu ziehen, traf ihn Nadia mit einem Tritt mitten ins Gesicht. Es war noch nicht einmal allzu fest, aber sofort blutete seine Nase. Mit einem Sprung war er über ihr. "Du kleine, verdammte Fotze!", schrie er sie mit wutverzerrter Miene an. So laut, dass die anderen regelrecht erschraken und die Vögel erneut aus den Bäumen aufstiegen. Die nächtliche Ruhe war spätestens jetzt vorbei. Der frühe Tag verlor seine Unschuld.
Seine Faust landete mit einem fürchterlichen Geräusch in ihrem Gesicht. Von oben herab hatte er mit all seiner Kraft, die er in den Hieb gelegt hatte, dem Mädchen einen Großteil der Gesichtsknochen gebrochen. Sofort folgte der zweite Schlag. Ohne jegliche Hemmung schlug er zu. Was die Treffer anrichteten, war ihm egal. Seine blinde Wut steigerte sich in exzessives Schlagen. Helmut, der das Mädchen bei den ersten Schlägen noch festgehalten hatte, hatte es angesichts des unerwarteten Gewaltausbruchs erschrocken losgelassen und schaute mit Entsetzen zu, was sein Freund mit dem Mädchen machte. Nadias Hände, die sie sich schützend vor ihr Gesicht hielt, bildeten keinen ernstzunehmenden Widerstand gegen den Schlaghagel, den ihr Peiniger auf sie nieder prasseln ließ. Jeder Treffer erzielte eine verheerende Wirkung. Dem Mädchen wurde schwarz vor Augen, alle Kraft verließ sie und sie wurde ohnmächtig.
Nadia lag regungslos auf der Motorhaube. Sie blutete überall aus ihrem entstellten und sofort vollkommen zugeschwollenen Gesicht. Sogar aus den Ohren lief ein kleines Rinnsal Blut. Wutschnaubend stand Peter über ihr. Er wischte sich den Schweiß und den Rotz aus dem Gesicht, der ihm während seines angsteinflößenden Kontrollverlusts aus der Nase gelaufen war. Völlig wirr schaute er in die Runde. In diesem Moment hörte man nur sein Atemholen, das sich ganz allmählich auf ein Normalmaß reduzierte. Helmut und Michael schauten fassungslos auf das wie leblos daliegende Mädchen. Gerhard, der hinter den beiden stand, beobachtete mit leicht zur Seite geneigtem Kopf die Szenerie. Fast hatte es den Eindruck, als ob sich seine Lippen zu einem Grinsen geformt hätten.
"Ach du Scheiße!", flüsterte Michael vor sich hin, ohne die Augen von Nadia abwenden zu können. Helmut sagte gar nichts und Peters wirr aufgerissene Augen schienen plötzlich Hilfe zu suchen. "Was ist, was guckt ihr so blöde? Was machen wir jetzt?", stammelte er und schaute seine Freunde reihum an. Die Situation wurde ihnen allen schlagartig bewusst.
"Die bewegt sich nicht mehr. Du hast sie totgeschlagen!", meinte Michael leise und machte dabei den gleichen hilflosen und verzweifelten Eindruck wie Peter. Alle waren schlagartig nüchtern, zwar nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, aber die Wirkung des Alkohols und des Dopes waren wie weggewischt.
"Die ist nicht tot, sie atmet doch noch", meinte Peter kleinlaut und man konnte deutlich die Hoffnung heraushören, die er in seine Feststellung gelegt hatte.
Plötzlich trat Gerhard hervor und ging zu dem bewusstlosen Mädchen. Er fühlte fachmännisch ihren Puls und hinterließ damit sofort Eindruck bei seinen Freunden.
"Sie wird sterben. Ihr Puls ist mehr als schwach, in ein paar Minuten ist sie tot." Gerhard sagte es ganz ruhig, fast schon professionell.
"Was erzählst du für eine Scheiße? Die Kleine ist nur bewusstlos, das wird schon wieder. Die hat bloß zuviel gesoffen." Peter wollte Gerhards Worte nicht wahrhaben.
"Da wird gar nichts mehr, Peter, ihr habt sie totgeschlagen." Gerhard wählte seine Worte mit Bedacht. Absichtlich sagte er "ihr". Er wollte sie alle zu Schuldigen machen, das gehörte zu seinem Plan.
"Was heißt hier ihr?", fragte Helmut empört.
"Peter hat geschlagen, wir haben doch nichts gemacht", pflichtete ihm Michael mit der gleichen Empörung bei. Peter schaute fassungslos in die Runde und dann blieb sein Blick an Gerhard hängen, gerade so, als wartete er darauf, dass er ihm zur Seite sprang. Gerhard tat ihm gerne den Gefallen.
"Michael, die Polizei ist nicht blöd. Sie werden die Leiche genauestens untersuchen und dann feststellen, dass ihr sie alle angefasst und begrapscht habt. Und glaubst du wirklich, dass Peter alleine die Schuld auf sich nehmen wird, wenn es eng für ihn wird? Ihr seid alle dran. Peter vielleicht ein bisschen mehr, aber sie werden auch deine Spuren finden und die von Helmut auch. Und ich hänge schließlich auch mit drin, da mache ich mir nichts vor und deshalb müssen wir gemeinsam eine Lösung finden, wie wir aus der Sache herauskommen. Am besten wäre es natürlich, das wäre alles nicht passiert und deshalb müssen wir es eben so drehen, als wäre es nicht passiert. Wir müssen das Mädchen verschwinden lassen. Sie darf nicht gefunden werden."
Alle schauten ihn wegen seiner messerscharfen Analyse an. Jedem fehlten zuerst einmal die Worte und sie mussten das Gehörte sacken lassen.
"Entschuldige mal, das Mädchen lebt!", echauffierte sich Michael.
"Es wird nicht überleben, Michael. So oder so. Besser wäre es, ihr würdet ihrem Leiden ein Ende bereiten." Wieder dieses kurze, gespenstische Sacken lassen der Worte.
"Wie meinst du das?", fragte Michael und fürchtete sich insgeheim vor der Antwort.
"Schlagt sie tot", antwortete Gerhard ohne jede Gefühlsregung.
"Du bist verrückt, du bist ja noch verrückter als der Psychopath da", kreischte Michael heraus und zeigte dabei auf Peter, der wie gebannt, aber vollkommen desorientiert, dem Disput lauschte.
"Ich komme noch ziemlich glimpflich aus der Sache raus, mein Freund, ich habe nur zugesehen, aber ihr habt sie angefasst und versucht, sie zu vergewaltigen."
"Quatsch, das war doch keine Vergewaltigung", mischte sich Helmut ein. Man sah ihm an, dass er überlegte.
"Das werden die bei Gericht anders sehen und wir kommen vor Gericht Helmut. Es sei denn ...", den Rest des Satzes ließ er geflissentlich offen, er bemerkte, dass das Nachdenken eingesetzt hatte. Dieses Nachdenken zermarterte seine drei Freunde, das wusste er nur zu genau. Eben jenes Wissen um die Qualen der jungen Männer bei ihrer Entscheidungsfindung verschaffte ihm eine tiefe Befriedigung. Gerhard wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass er gewonnen hatte. Peter und Helmut waren bereit. Bereit zu Töten. Und Michael? Es wird nur noch ein klein wenig Überzeugungskraft kosten, dann ist auch Michael im Boot, dachte sich Gerhard.
"Und du, Michael, was meinst du?", fragte Gerhard und stellte ihm gleich eine Perspektive in Aussicht. "Wir werden alle vor Gericht kommen und wir werden verurteilt werden. Ich könnte es schaffen, auf Bewährung bestraft zu werden, aber du und Helmut ihr seid dran. Fünf oder sechs Jahre Knast sind euch sicher, dann könnt ihr euer Abitur in die Tonne kloppen. Von Peter brauchen wir gar nicht zu reden, der Penner geht bestimmt zehn Jahre in den Bau. Mit vier Jungs, die ein junges Mädchen vergewaltigen und so zurichten, kennen die keine Gnade." Er konnte es sich leisten, Peter zu beschimpfen, denn er wusste, dass er ihn "sicher" hatte.
"Was sollen wir deiner Meinung nach tun? Sie wirklich totschlagen?" Michael sagte es aus der puren Verzweiflung heraus.
"Ja", antwortete Gerhard, ging zum Auto und öffnete den Kofferraum. Er fand, wonach er suchte. Einen Wagenheber. Dann kam er um das Auto herum, schob Nadias Körper achtlos von der Motorhaube und drückte Peter den Wagenheber in die Hand.
"Schlag zu! Wir schlagen alle ein Mal. Ist das okay? Mitgefangen, mitgehangen! Mach du den Anfang." Peter war entsetzt. Er hielt den Wagenheber in Händen und schaute sich apathisch um. Zuschlagen konnte er nicht. Gerhard nahm den Wagenheber
Was nun kam, überraschte sie und ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Mit dieser Konsequenz hatte niemand gerechnet. Alle starrten wortlos auf Gerhard.
Er holte aus und schlug dem Mädchen den Schädel ein. Ein fürchterliches Geräusch war zu hören, als das Knochengerüst brach. Spritzer von Blut und Sekret trafen sein Gesicht. Das austretende Blut verfärbte augenblicklich das Gras. Als er sich zu seinen Freunden hindrehte, war ein bösartiges, ihn völlig fremd wirkendes, Gesicht zu sehen. Seine Augen waren zusammengekniffen und er hatte ein teufliches Grinsen aufgesetzt. Er flößte Angst ein. Sofort ohne jegliches Zögern drückte er Peter das Mordinstrument in die Hand und schrie ihn an: "Na los, schlag zu! Ich hab´s auch getan, ich hab´ es sogar für dich getan! Mach endlich, oder willst du ins Gefängnis?"
Peter fühlte sich dermaßen unter Druck gesetzt, dass er glaubte, keinen Ausweg mehr zu sehen. Er schlug zu. Zwar nur mit halber Kraft, aber er schlug zu. Ihm liefen die Tränen über das Gesicht und er fing hemmungslos an zu weinen. Gerhard nahm ihm den Wagenheber aus den Händen und gab ihn an Helmut weiter. Er nickte ihm nur zu und sagte ansonsten kein Wort. Helmut wog die ganze Zeit seinen Kopf hin und her, schluckte und machte zwei, drei Schritte zu dem Mädchen hin. Dann ließ er den Wagenheber niedersausen. Sein Schlag traf punktgenau, obwohl er gar nicht hin sah. Er warf den Wagenheber mit Abscheu neben die tote Nadia und stellte sich zu Gerhard und Peter. Alle schauten nun auf Michael.
Michael weinte tränenlos. Er schüttelte den Kopf und schluchzte leise vor sich hin. Es war klar, was nun von ihm erwartet wurde. "Oh mein Gott, das geht nicht", stammelte er leise vor sich hin.
"Lass Gott aus dem Spiel und nimm dir den verdammten Wagenheber", forderte Gerhard ihn laut und bestimmt auf.
"Ich kann es nicht!"
"Doch, du kannst und du musst!" Gerhards Unnachgiebigkeit machte allen Angst. So hatten sie ihn noch nie erlebt.
"Ich kann nicht!", wiederholte Michael verzweifelt.
"Tu es!"
Michael trat langsam vor. Schritt für Schritt. Gerade so, als habe er Angst, dass der leblose Körper ihn jeden Moment anspringen könnte.
"Worauf wartest du?", stachelte ihn Helmut nun auch an. Er wollte alles nur noch so schnell wie möglich hinter sich bringen. Ihre Abiturfeier hatte sich zu einem einzigen Alptraum entwickelt.
Michael bückte sich und hob den Wagenheber auf. Er hielt ihn fest in der Hand. Dann schlug er zu. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal. Michael legte alle Kraft in seine Schläge. Seine Freunde schauten ihm fassungslos zu. Schwer atmend ließ er von der Leiche ab und ging zu den anderen. Den Wagenheber hielt er immer noch in den Händen. Er drückte ihn Gerhard fest in die Hand.
"Hier nimm, ich hoffe du bist zufrieden. Du bist ja ein wahrhafter Teufel!", sagte Michael und man spürte, wie angewidert er war. Von sich und von den anderen. Gerhard zuckte kaum merklich mit den Schultern und war mehr als zufrieden.
"Jetzt sollten wir mit der Selbstzerfleischung aber aufhören und das Mädchen wegschaffen. Sie darf nicht gefunden werden." Daran hatte bisher keiner von ihnen gedacht und eigentlich hätte ihnen auffallen können, wie kühl und berechnend Gerhard mit der Sache umging, aber zu sehr standen sie unter Schock. Einem Schock über ihr eigenes Verhalten und ihree Erkenntnis, dass sie zu Mördern geworden waren. Jeder Einzelne.
"Und wo willst du hin mit ihr?, fragte Helmut.
"Wir fahren zum Astplatz in Waldbachkleinheim, warten bis es hell ist und verbrennen sie."
"Du bist verrückt, du bist ja total krank!" Michaels Wut war kaum in Worte zu fassen, doch Gerhard blieb ganz ruhig.
"In der Dunkelheit kann man das Feuer von weitem sehen, deshalb warten wir bis es hell geworden ist und machen dann erst Feuer. Wir können alles vorbereiten und es wird schnell gehen. Ein bisschen Glück gehört dazu, aber um diese Uhrzeit ist noch niemand unterwegs. Es ist eine große Chance, dass sie niemals gefunden wird. Wer glaubt schon, dass auf dem Astplatz ein Mädchen verbrannt wird?" Die Antwort blieb offen, weil keinem angesichts ihrer irrwitzigen Situation ein wirkliches Gegenargument einfiel.
"Okay, lasst uns das Mädchen in den Kofferraum legen und dann fahren wir, damit wir hier wegkommen." Peter drängte.
Schließlich einigten sie sich auf Gerhards Plan. Während der Fahrt herrschte eisiges Schweigen. In Hattenbach tankten sie an einer 24-Stunden-Tankstelle und befüllten dabei den kleinen Reservekanister gleich mit Benzin. Helmut bezahlte. Er hatte kaum Spuren ihres blutigen Rituals auf seiner Kleidung abbekommen. Es lief reibungslos und unauffällig. Dann machten sie sich auf den Weg nach Waldbachkleinheim.
Der Holzplatz lag weit abseits der Gemeinde, auf einem Grundstück, das von wildem Baumbestand und Sträuchern umgeben und daher schlecht einsehbar war. Ein idealer Platz. Die Schranke war nur pro forma vorhanden und niemals verschlossen. Sie parkten den Wagen so, dass er im Vorbeifahren nicht gesehen werden konnte. Aber wer sollte schon um diese Uhrzeit vorbeifahren? Auf dem Astplatz gab es insgesamt drei Feuerstellen, zwei kleinere und eine größere. Sie entschieden sich für die am wenigsten einsehbare. Sie häuften dürre, ausgetrocknete Äste und vertrockneten Baum- und Strauchschnitt aufeinander und dann holten Peter und Helmut den Leichnam und legten ihn auf den aufgetürmten Haufen. Sie warteten noch zwei Stunden. Sie sprachen kaum ein Wort. Friedhofsstille lag über dem Platz. Peter, Helmut und Michael schauten aus unendlich leeren Augen entweder vor sich hin oder auf den Leichnam des Mädchens. Nichts wünschten sie sich sehnlicher, als ein Lebenszeichen von ihr. Aber diese Hoffnung wurde ihnen nicht erfüllt. Als es anfing hell zu werden, nahm Gerhard den Kanister und schüttete ihn bis auf einen minimalen Rest über Nadias Körper. Es schien als steigerte sich die gespenstische Stille sogar noch. Gerhard hielt Michael sein Feuerzeug hin. Es war nur eine Provokation. Er wusste, dass Michael nie das Feuer entzünden würde, es wäre wie ein zweites Mal Töten gewesen. Gerhard grinste ihn verächtlich an. Ihm war es inzwischen egal, er hatte längst sein Ziel erreicht. Er riss ein Stück von Nadias Kleid ab, tränkte es mit den letzten Tropfen Benzin und zündete es an. Dann warf er das brennende Stück Stoff auf den Haufen. Sofort schoss eine Flamme hoch und das Bündel Holz und Mensch stand lichterloh in Flammen. Sie standen wortlos um das Feuer und drei der vier hätten alles dafür gegeben, die letzte Nacht ungeschehen machen zu können. Sie schauten schweigend zu, wie Nadias Körper von den Flammen verzehrt wurde. Der süßliche Geruch des verbrannten Fleisches stieg ihnen in die Nase und sie wussten, dass sie ihn nie im Leben vergessen würden. Und doch war es faszinierend zu sehen, wie schnell ein Mensch verbrennt, wenn nur das Feuer groß genug ist und mächtig Hitze entwickelt. Sie ließen sich Zeit, ab und zu warf Gerhard ein Bündel Äste nach, um das Feuer groß genug zu halten.
"Wie geht´s jetzt weiter?", fragte Helmut schließlich in die Runde, als er glaubte, dass sie wieder fahren konnten, da sie ohnehin nichts mehr tun konnten. Das Feuer hatte nur fast ganze Arbeit geleistet. Um alle Spuren zu vernichten war das Feuer nicht heiß genug gewesen. Also scharrten sie mit bloßen Händen die Knochen zusammen und vergruben sie notdürftig in dem sandigen Boden. Es war eine ekelhafte Arbeit, aber sie wollten nichts dem Zufall überlassen. Es gab kein Zurück mehr und jeder von ihnen hatte zu diesem Zeitpunkt entschieden, sich nicht das Leben durch diesen Vorfall zerstören zu lassen. Sie waren jung, sie hatten gerade ihr Abitur gemacht und die Welt stand ihnen offen. Dass das allerdings längst passiert war, daran dachte keiner von ihnen. Keiner außer Gerhard! Nur bei genauerer Untersuchung hätte man feststellen können, dass hier vorhin ein Mensch verbrannt worden war. Nichts deutete mehr darauf hin. "Wir fahren jetzt alle erst einmal nach Hause und schlafen uns aus, damit wir wieder auf klare Gedanken kommen. Kein Mensch wird uns etwas anhängen können, wenn wir uns ganz normal verhalten und zusammenhalten", antwortete Gerhard.
"Aber man hat uns gesehen", meinte Michael in scharfem Ton.
"Das stimmt, aber wer will uns erkannt haben? Ist dir ein Bekannter über den Weg gelaufen? Und die Kiddies am Autoscooter können uns, wenn überhaupt, nur ganz vage beschreiben, da mache ich mir nicht viele Sorgen."
"Die Bullen sind nicht blöd, Gerhard, ich hab´ auch nicht gerade ein gutes Gefühl", bekräftigte Helmut Michaels Zweifel.
"Passt auf, Leute, was sollen wir jetzt hier groß diskutieren, ändern können wir eh nichts mehr. Wir legen uns eine Geschichte zurecht und an der müssen wir festhalten. Wobei die Frage ist, ob die Polizei überhaupt auf unsere Spur kommt. Das Mädchen hat gesagt, sie sei fünfzehn, und sie sah nicht gerade aus wie die Unschuld vom Lande. Selbst wenn sie schon als vermisst gemeldet ist, werden die Bullen nicht zwangsläufig von einem Verbrechen ausgehen. Die denken, dass sie vielleicht irgendwo herumvögelt, oder was weiß ich. Außerdem ist Hattenbach sechsundzwanzig Kilometer weg, also lasst uns nicht die Nerven verlieren und erst einmal drüber schlafen. Morgen treffen wir uns und dann sehen wir weiter. Und lasst eure Klamotten verschwinden, verbrennt sie am besten."
Das Wort „verbrennen“, ließ sie frösteln. Die andern überlegten, murmelten allesamt etwas vor sich hin und nickten Gerhards Plädoyer schließlich ab.
"Also kommt, lasst uns fahren."
*
Sie hatten sich für 15:00 Uhr im "Sam´s" verabredet, um sich auf eine endgültige Absprache festzulegen, die für jeden von ihnen bindend war. Peter und Helmut kamen zusammen, Michael ein wenig später. Es war wieder ein herrlicher Sommertag. Sie nahmen in der hintersten Ecke im Biergarten unter einer großen Linde Platz. Hier, etwas Abseits, hatten sie ein klein wenig das Gefühl von Sicherheit. Außerdem spendete der Baum Schatten. Allen ging es mehr als dreckig und keiner war richtig in der Lage, über die vergangene Nacht zu sprechen. Sie wollten auf Gerhard warten. Er war ihr Kopf geworden, der am besten und analytischsten die Situation beurteilen konnte. Aber Gerhard kam nicht. Nicht um 15:00 Uhr, nicht um 15:15 Uhr und nicht um halb vier. Sie begannen sich Sorgen zu machen und ein mulmiges Gefühl beschlich jeden von ihnen. Peter versuchte ihn anzurufen, bekam aber von der automatischen Ansage nur die Mitteilung, dass die Nummer nicht bekannt sei. Komisch! Sie warteten bis vier. Gerhard kam immer noch nicht. Er kam überhaupt nicht mehr. Er verschwand ganz einfach und hinterließ, außer seinen Abiturarbeiten im Laubachtal Gymnasium, nicht den geringsten Hinweis darauf, dass er je existiert hatte. Von diesem Samstag an war er wie vom Erdboden verschluckt. Alle Bemühungen der drei, herauszufinden, wo Gerhard geblieben war, blieben erfolglos. Es war unheimlich, machte Angst und ließ sie nicht mehr los.
Es sollten neunzehn lange Jahre vergehen, bis sich Gerhard mit grausamster Konsequenz und in neuem Gewand bei ihnen zurück melden würde.
*
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.