Kitabı oku: «Ganz allein – in Deinem Alter?»

Yazı tipi:

Inhaltsverzeichnis

Impressum 2

Einmal um die Welt in zwei Monaten 3

Vorwort der Autorin 4

1. Eine irreale Freiheit 10

2. Wie alles begann 14

3. Ein Reisegerüst muss her 21

4. Nicht ohne: … 26

5. Feinschliff 31

6. Finale Vorbereitungen 38

7. Ein holpriger Start 44

8. Ehrfurchtgebietendes Angkor Wat 49

9. Goldrausch in Thailand 54

10. Tagesablauf 66

11. Der Himmel so weit. Australien 86

12. Das rote Nichts 95

13. Eine zögerliche Annäherung. Melbourne 113

14. Von A nach B 126

15. Das Land der langen weißen Wolke. Neuseeland 129

16. Ein echter Höhepunkt – Neuseelands Südinsel 134

17. Atemberaubende Naturkulisse im Fjordland 142

18. Wie viel Schönheit erträgt der Mensch? 153

19. Ruppiger Abschied von Neuseeland 162

20. Buenos Aires, die große Enttäuschung 166

21. Salta la Linda, „die Schöne“ 170

22. Liebe wurde es nicht 176

23. Ein holpriges Ende 183

24. Wieder zu Hause 186

Literaturliste 190

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2021 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99107-659-9

ISBN e-book: 978-3-99107-660-5

Lektorat: Melanie Dutzler

Umschlagfotos: Rena Reisch; John Johnson, Alinamd, Valentin Armianu | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Rena Reisch; © Westermann Gruppe

Autorenfoto: Foto Furgler

www.novumverlag.com

Einmal um die Welt in zwei Monaten

Route:

Österreich – Italien – Thailand – Kambodscha – Australien – Neuseeland – Argentinien – Italien – Österreich

 44.800 Kilometer auf 15 Flügen

 1.728 Kilometer mit dem Auto

 22 verschiedene Unterkünfte, zwei davon auf der Erde im australischen Outback

 Stressfaktor: von niedrig bis sehr hoch

 Spaßfaktor: hoch

 Frustrationserlebnisse: etliche

 Reisebegleitung: keine

 Reiseerkrankungen: keine

 Ernährung: mittelschlecht

 Gewichtsabnahme: 3 Kilogramm

 Fazit: großartig


Vorwort der Autorin

„When I’m sixty-four.“

Irgendwann auf der Reise schoss mir dieser Beatles-Song in den Sinn und ich begann, ihn lauthals zu singen – sehr zur Belustigung meiner jungen Mitreisenden oder, besser gesagt, Mitleidenden auf der sechsstündigen Fahrt im Kleinbus von Alice Springs zum Uluru, dem roten Felsen im australischen Outback, bei 36 Grad Hitze. Die Beine eingekeilt und angeschwollen, Kreuzschmerzen vom schlecht gefederten Sitz, Staub im Bus wegen der offenen Fenster, keine Klimaanlage, kein Platz für das Gepäck und stundenlanges Fahren durch die australische Wüste – das war keine „Rentnerinnenreise“, sondern eine echte Herausforderung. Den Altersdurchschnitt im Bus hatte ich massiv angehoben, fast niemand war älter als 30 – außer ich in meinem 64. Lebensjahr.

Die Idee, dieses Buch zu schreiben, kam mir während meiner Reise, als ich bemerkte, wie sehr ich als selbstorganisierte, allein reisende, ältere Dame auffiel. Manchmal wurde ich ungläubig auf diesen Umstand offen angesprochen, viel häufiger aber waren es Fragen nach einem Ehemann oder sonstigen Begleitern, die mir signalisierten, dass meine Art des Reisens in diesem Lebensalter offenbar nicht die Norm war. Ich passte nicht ins Bild, sind doch die meisten Reisenden als Paare unterwegs oder mit Freundinnen und Freunden. Nur wenige junge Menschen traf ich, die ebenfalls allein unterwegs waren.

Bereits vor meiner Abreise gab es zu Hause sorgenvolle Kommentare und Fragen von Freunden und Verwandten wie: Du traust dich was, ganz allein? Ohne Reisebüro? Hast du keine Angst? Wird dir nicht langweilig? Und wenn dir was passiert, du bist ja nicht mehr die Jüngste? Und immer wieder dieses „Ganz allein?“ Und oft ganz unverblümt: „In deinem Alter?“

Und so begann ich, mich zu fragen, was denn daran so ungewöhnlich war, und stellte fest, dass die meisten Menschen, die ich kenne, NIEMALS allein verreisen. Immer ist jemand mit – sei es der Partner/die Partnerin, der Freund/die Freundin, die Freundesgruppe, die Reisegruppe oder jemand, den man gerade im Internet kennengelernt hat. Ich kenne Menschen, die sagen: „Wenn ich allein verreisen muss, dann verreise ich gar nicht, egal wie verlockend das Angebot auch sein mag.“ Und die erste Frage meines Frisörs nach meiner Rückkehr lautete: „Jetzt mal ganz im Vertrauen, Frau Reisch, wie war das so, ganz allein mit sich selbst?“ So, als ginge von einer Reise nur mit sich selbst eine gruselige Faszination aus.

Nun, faszinierend ist es schon, dieses „ganz allein“, spannend, immer wieder auch anstrengend und in jedem Fall teurer als zu zweit, denn viele Kosten können nicht halbiert werden. Allerdings können viele Hürden durch eine gute Vorbereitung vermieden werden, und durch sparsames Verhalten lassen sich auch die Kosten in Grenzen halten.

Allein und ganz selbstorganisiert um die Welt zu reisen, war jedenfalls mein Abenteuer, das ich mir in meinem doch etwas höheren Alter gegönnt habe. Denn ganz egal, in welchem Lebensabschnitt man sich befindet, mit einer guten Vorbereitung, der nötigen Umsicht und ein bisschen Mut lassen sich kleine und auch große Träume umsetzen.

Meine kleine Weltreise dauerte zwei Monate mit 15 Flügen, davon vier Langstreckenflügen zu je rund 13 Stunden Flugdauer, 1.728 Kilometer mit dem Auto und 22 verschiedenen Unterkünften, zwei davon auf der Erde im australischen Outback. Es war eine Reise einmal um die ganze Welt, ein langgehegter Traum, den ich mir erfüllte, denn ich wollte nicht jemand sein, der am Ende seines Lebens immer noch von der Weltreise träumte, zu der er nie den Mut hatte.

„Wann, wenn nicht jetzt, worauf soll ich warten?“, war stets meine Antwort auf die Fragen meiner Umwelt gewesen, ob ich denn nicht Angst hätte, mich so auf den Weg zu machen, ganz ohne eine schützende Organisation im Hintergrund und vor allem ohne einen Reisepartner.

Jetzt, wo uns das Corona-Virus fest im Griff hat und Reisen unmöglich macht, bin ich unendlich froh, mich energisch für diese Reise entschieden zu haben – gegen alle Vorbehalte und Unsicherheiten.

Ich musste mich vielen Ängsten und Sorgen stellen wie etwa, was ich in einem Verletzungsfall/Krankheitsfall tun würde. Würde mich ein Taxifahrer ausrauben? Was, wenn ich einen Autounfall wegen des ungewohnten Linksverkehrs hätte? Würde ich die anstrengenden Wanderungen im australischen Outback aushalten?

Meine beiden größte Sorgen während der ganzen Reise jedoch galten, so schräg das klingen mag, meinem Gepäck und meinem Smartphone – nach jeder Landung zitterte ich, ob mein Koffer wohl angekommen sei, denn ohne diesen wäre ich aufgeschmissen gewesen. Die Angst um den Verlust meines Smartphones ließ mich dieses streng bewachen, denn ohne das Handy hätte ich meine Reise nicht auf diese Art und Weise durchführen können. Der Verlust meines Reisepasses hätte mich nicht so getroffen wie der Verlust meines Smartphones.

Meine Weltreise war auch eine Reise zu mir, denn ich musste feststellen, dass ich mir viel zu viele Sorgen gemacht hatte. Das meiste ging glatt, ein paar Hoppalas waren wohl dabei und den größten Stress hatte ich mir selbst gemacht. Aber im Nachhinein denke ich, dass es besser war, sich auf alle Eventualitäten geistig einzustellen, als unvorbereitet in eine brenzlige Situation hineinzuschlittern.

Um es kurz zu machen: Es ist nichts passiert. Bei der nächsten Reise gehe ich es lockerer an – vielleicht. Die peniblen Vorbereitungen jedoch werde ich beibehalten, denn diese waren die Voraussetzung für das Gelingen der Reise. Wie lautet der schlaue Spruch? „90 Prozent des Erfolges liegen in einer guten Vorbereitung.“ Genau.

Die Reise war wie ein wunderbarer Traum, erfüllt von großartigen Begegnungen und unglaublichen landschaftlichen Schönheiten sowie von interessanten Einblicken in die Kulturen meiner ausgewählten Länder, und sie war auch geprägt durch meine ganz persönlichen Beobachtungen und Eindrücke.

Mein Anliegen ist es, mit diesem Buch jeder Frau, jedem Mann Mut zu machen, sich auf den Weg zu machen, um sich langgehegten Wünsche zu erfüllen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man diese immer wieder aufschiebt – oder aufschieben muss –, weil es äußere Umstände verlangen oder man einfach nicht die Courage hat, sie in die Tat umzusetzen, weil es zu viel an innerer und äußerer Veränderung erfordern würde.

Und je älter man wird, desto schwieriger wird es, den nötigen Schwung aufzubringen. Viel zu viele Ausreden bieten sich an – man ist nicht mehr so belastbar, der Körper ist nicht mehr so fit, man ist nicht vertraut mit den neuen Kommunikationssystemen, auf den Flughäfen ist alles automatisiert, es gibt keine persönliche Betreuung mehr, man könnte krank werden, eine so große Reise ist viel zu teuer und so weiter und so fort. Und daher spricht man zwar immer wieder mit Bedauern von seinen Reiseträumen, die sich leider nicht verwirklichen ließen. Wie schade! Denn mit der nötigen umsichtigen Vorbereitung ist alles möglich und machbar – vielleicht nicht auf meine Art und Weise – und das Leben erfährt eine ungeheure Bereicherung, von der man unendlich lange zehren kann.

Mit diesem Buch möchte ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dazu inspirieren, sich Reisen zuzutrauen, die nicht schablonenhaft über einen Reiseanbieter ablaufen, sondern die Möglichkeit bieten, selbstbestimmt Wunschziele auszuwählen und diese in einem ebenfalls selbstbestimmten Zeitraum zu bereisen.

Natürlich spricht nichts gegen vorgefertigte Reisen, die meist als Gruppenreisen angeboten werden. Auch hier sieht man viel von der Welt, allerdings nur das, was der Reiseanbieter vorgibt, und nur in der Zeit, die für gewisse Ziele vorgesehen ist. Man reist nicht, man wird gereist.

Auch auf meiner Weltreise hatte ich eine solche einwöchige Bus-Gruppenreise in Thailand zugebucht; sie war überladen mit Eindrücken und eine ziemliche Hetzerei. Aber sie war auch sehr bequem – ich musste mich um nichts kümmern, um keine Verpflegung, keine Übernachtungsmöglichkeit, keine Transportmittel, ja nicht einmal um eine Toilette, denn auch diese Stopps waren vorgegeben und man ging eben auf die Toilette, ob man nun musste oder nicht. Aber richtig eintauchen konnte ich nicht, ich besichtigte nur – im Vorbeifahren sozusagen. Dies zwar ausgiebig, aber immer in Eile und mit so viel Informationsüberflutung, dass ich am Ende nicht mehr wusste, welche Tempel ich wo gesehen hatte und wie all die Orte geheißen hatten, durch die wir gefahren waren. Aber ich hatte sehr viel gesehen; so viel, dass ich wahrscheinlich bis zum Ende meines Lebens keine Märkte und keine goldenen Tempel mehr zu besichtigen brauche. Wie praktisch! Und immer wieder war da das Antreiben durch die Reiseleitung – das Restaurant musste rechtzeitig erreicht werden, das Hotel wartete schon, die Märkte schlossen bald, schnell, schnell … Man ist zwar vor Ort, aber nicht wirklich dort und es ist nicht möglich, sich auf Land und Leute einzulassen. Und man hat immer die Gruppe um sich – wenn man Glück hat, ist es eine angenehme.

Viele Menschen reisen gerne so, weil es bequem ist, sich um nichts kümmern zu müssen. Das kann ich verstehen, mir jedoch liegt diese Art nicht unbedingt.

Ich brauche die Möglichkeit, Dinge in meinem eigenen Tempo und mit Muße zu tun, Orte und Gebäude mehrfach und zu unterschiedlichen Tageszeiten anzuschauen, Museen mehrmals zu besuchen, zum Fotografieren anzuhalten, wann immer sich ein großartiges Fotomotiv zeigt, sich unvorhergesehenen Situationen zu stellen und flexibel reagieren zu müssen. Sich auf eine zufällige Begegnung mit einem anderen einlassen und so lange plaudern zu können, wie man Lust hat, ohne dass ein nächster Besichtigungstermin oder eine Abfahrtszeit wie ein Damoklesschwert über einem schwebt. Und es ist diese gewisse Spannung, die eine solche Reise in sich birgt, das Meistern der vielfältigen täglichen Herausforderungen und Überraschungen, die sie zu einem großartigen persönlichen Erlebnis macht und jeden Reisetag mit einem Gefühl tiefer Befriedigung enden lässt.

Dieses Buch richtet sich nicht an ganz junge Traveller, die die Welt unbekümmert und viele Monate lang bereisen und über meine kleine, bescheidene Reise vielleicht milde lächeln werden. Es richtet sich an diejenigen, die ein bisschen ängstlicher und vorsichtiger sind, weil sie in ihrem Leben bereits viele – oft zu viele – unangenehme Erfahrungen machen mussten. Mit zunehmendem Alter werden wir vielleicht weiser, in jedem Fall jedoch vorsichtiger und weniger unbekümmert.

Dieses Buch soll Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, Lust und Mut machen, sich auf Reiseabenteuer zu begeben, von denen Sie vielleicht schon sehr lange träumen, jedoch nie den Mut hatten, sie zu verwirklichen.

Von mir bekommen Sie in diesem Buch einen ungeschönten Reisebericht, meine Reisevorbereitung, meine Packliste, meine verwendeten Buchungsplattformen, meine Tipps für umsichtiges Verhalten und meine ganz persönlichen Eindrücke und Beobachtungen, die großartigen sowie die frustrierenden.

Mit allen Produkten, die ich namentlich nenne, war ich außerordentlich zufrieden; ich bekomme keinen Cent dafür, dass ich sie hier anführe.

Indem ich dieses Buch für Sie schreibe, komme ich in den Hochgenuss, meine Reise sozusagen noch einmal zu machen – und diesmal nehme ich Sie mit, verehrte Leserin, verehrter Leser, und wünsche uns allen viel Spaß auf der Reise.

Möge die Übung gelingen!

1. Eine irreale Freiheit

„Aber warum denn allein?“

Diese Frage musste ich mir sehr oft anhören.

Ja, warum denn?

Nun, einen Partner/eine Partnerin für eine mehrmonatige Weltreise findet man nicht im Handumdrehen. Vielen ist die Reise schlicht zu teuer, viele haben keine Zeit, andere haben Versorgungspflichten. Selbst wenn ich einen festen Partner hätte, wäre ich nicht sicher, dass er mit mir gekommen wäre.

Daher suchte ich gar nicht nach einer Reisebegleitung, denn der Entschluss zu meiner Weltreise war gezwungenermaßen ein „Schnellschuss“, eine auf den ersten Blick überhastet wirkende Entscheidung, wie im nächsten Kapitel zu lesen ist.

Als begeisterte Reisende kenne ich nahezu alle Arten des Reisens: organisierte Gruppenreisen, individuelle Gruppenreisen, Reisen zu zweit und Reisen allein. Am wenigsten mag ich Gruppenreisen, egal, ob selbst organisiert oder über ein Reisebüro. Gruppenreisen bedeuten viel Hetzerei, zu viele unterschiedliche Bedürfnisse, zu viele Egospielchen, zu viel Tratsch– schlicht zu viele Menschen. Ich bin gerne für mich, obwohl ich durchaus gesellig sein kann. Aber ich brauche mehr Rückzug als andere. Mit zu vielen Menschen für längere Zeit auf engem Raum sein zu müssen, macht mich unrund.

Reisen zu zweit können sehr erfreulich sein, vorausgesetzt, man hat einen kompatiblen Reisepartner/eine Reisepartnerin. Man kann sich gegenseitig auf schöne Dinge hinweisen, zu zweit ist es im Restaurant und in der Bar lustiger, man motiviert sich gegenseitig, man lacht miteinander, man kann sich gegenseitig helfen und trösten, man tauscht sich aus und teilt die Kosten. Wenn zwei miteinander verreisen, sollten sie die Angewohnheiten und Ticks des jeweils anderen kennen und damit umgehen können. Gute Reisegefährten sind rar. In meinem großen Bekanntenkreis gibt es exakt zwei Menschen, mit denen ich problemlos für längere Zeit verreisen kann.

Allein zu verreisen hingegen kann eine lohnende Herausforderung sein.

Es bedeutet, eine Freiheit kennenzulernen, die sich im ersten Moment irreal anfühlt. Du musst niemandem gefallen und du kannst niemanden enttäuschen. Allein zu reisen, ist die Freiheit, tun und lassen zu können, was du willst. Niemand weiß genau, wo du bist, kein Mensch weiß, was du tust. Es bedeutet, nicht unter Beobachtung zu stehen, nicht von einer wohlmeinenden Freundin, nicht von einem kulturbeflissenen Kollegen oder dem kritischen Ehepartner. Du musst niemandem Rechenschaft ablegen.

Das heißt aber auch, zu entdecken, dass man vielleicht in vielen Perioden seines Lebens Rollen gespielt hat, die nicht dem ureigenen Prinzip entsprachen. Durch soziale Zwänge und eigene sowie fremde Erwartungen wird man unfrei und ständig gezwungen, sich anzupassen als Gattin, Mutter, Kollegin, Nachbarin, Tochter, Schwester. Irgendwann passiert es dann, dass man selbst nicht mehr weiß, welche Träume man eigentlich für sein Leben hatte, denn diese sind im Wust der Verpflichtungen untergegangen.

Auf meiner Reise habe ich langsam das abgestreift, was ich für andere und für mich selbst zu sein schien. Ich brauchte nicht die immer fröhliche Freundin sein, die allwissende Professorin, die kultivierte Dame, die sportliche Mittsechzigerin. Ich konnte so mutig oder so feige sein, wie ich wollte. Ich konnte dumm sein oder clever, freundlich oder abweisend, missmutig oder heiter, ich konnte ganz einfach sein. Es war vollkommen egal und kümmerte niemanden.

Also fragte ich mich jeden Tag, was ich wirklich wollte. Wollte ich tatsächlich etwas besichtigen oder besuchen oder wollte ich dies nur, weil „man“ dies oder jenes eben gesehen haben musste? Weil es im Reiseführer stand, weil es im Internet fantastische Berichte und noch großartigere Fotos davon gab oder weil jemand aus dem Bekanntenkreis gemeint hatte, dies oder jenes müsste man einfach gesehen haben? Und wenn ich das nicht täte, wäre ich dann ein schlechterer Mensch? Ein uninteressanterer, langweiligerer Mensch? Wollte ich nach meiner Rückkehr auftrumpfen mit allem, was ich von der Welt gesehen hatte, oder wollte ich eine Reise nur zu meinem ureigensten Vergnügen machen?

Während der gesamten Reise waren dies immer wieder schwierige Momente und es dauerte ehrlich gesagt eine ganze Weile, bis ich mir selbst auf die Spur gekommen war. Ich konnte oft nicht erkennen, was ich wirklich wollte. Erst als ich in tiefster Seele verstand, dass ich niemandem Rechenschaft für mein Tun oder eben Nicht-Tun schuldig war, war der Bann gebrochen. Niemand beobachtete mich, niemand kommentierte mein Tun. Ich war allein und ganz auf mich zurückgeworfen, ich konnte tun und mich verhalten, was und wie immer es mir beliebte. Es war eine schwierige Übung!

Im Laufe der Zeit erkannte ich, dass dieses „nicht unter Beobachtung zu stehen“ der größte Luxus einer langen Reise ganz allein ist. Auf meiner Weltreise war es vollkommen egal, ob ich fünfmal ins gleiche Museum ging, um mich an der Farbenpracht der Gemälde zu berauschen, es war egal, ob ich den ganzen Tag im Bett lag und in meinem E-Book las, es kümmerte niemanden, was ich aß oder trank, was ich anhatte, wie ich meinen Tag gestaltete. Ich konnte stundenlang die Welt an mir vorüberziehen lassen, ich konnte plaudern, mit wem auch immer ich wollte, und ich musste mich mit niemandem unterhalten, wenn ich keine Lust dazu hatte. Kurz, ich war bloß ein winziges Menschlein unter vielen anderen, völlig uninteressant und unwichtig.

Nicht wichtig zu sein, kann jemanden an den Rand einer Sinnkrise treiben oder aber in die Entdeckung des Gefühls einer eigenartigen Freiheit. Als ich erkannte, dass es tatsächlich NIEMANDEN kümmerte, was ich so trieb, hatte ich plötzlich das Gefühl, freier atmen zu können.

Natürlich bedeutet allein zu reisen auch, dass die Kommunikationsmöglichkeiten reduziert sind. „Mit wem redest du denn den ganzen Tag“, wollte eine Bekannte, eine sehr kommunikative Dame, wissen. Natürlich redete ich mit anderen, aber oft eben mit niemandem oder mit mir selbst. Es störte mich wenig. Während meiner Reise, vor allem in Neuseeland, als ich mit dem Auto unterwegs war, gab es immer wieder Tage, an denen ich kein einziges Wort mit jemandem wechselte. Es gibt Menschen, die viel Geld für „Schweigeseminare“ bezahlen, um zu sich selbst zu finden. Wenn man allein verreist, ist der Luxus, schweigen zu dürfen, sozusagen inkludiert.

Natürlich bedeutet allein zu reisen auch immer teure Einzelzimmerzuschläge. Damit lebe ich schon lange und habe versucht, diesem eine positive Seite abzugewinnen: Ich habe immer viel Platz in meinem Zimmer, kann so viel Unordnung machen, wie ich will, muss mich nicht um offene oder geschlossene Fenster, Temperatureinstellungen von Klimaanlagen oder die Badezimmerbenützung herumstreiten. Auch hier habe ich die Freiheit, zu tun, was ich will.

Aber es gibt auch Momente, die man gerne mit einem anderen teilen würde. Es wäre gelogen, so zu tun, als hätte ich diese auf meiner Weltreise nicht gehabt. Die leckeren argentinischen Steaks hätte ich gerne in angenehmer Gesellschaft verzehrt und die Schönheiten der neuseeländischen Landschaften wären mit der Möglichkeit, einem anderen davon vorzuschwärmen, noch großartiger gewesen. Und ein bisschen über dies oder jenes mit einem anderen lästern zu können, hätte Frusterlebnisse leichter ertragen lassen.

2. Wie alles begann

Ich gehe auf Weltreise. Allein. Das wollte ich schon immer machen.

Jetzt noch stockt mir der Atem, wenn ich das lese.

Ich heiße Rena, bin im 64. Lebensjahr und seit einem Jahr in Pension. Beruflich war mein Leben vielfältig –Professorin für Englisch und Geschichte an höheren österreichischen Schulen, selbstständige Unternehmerin als Vortragende, Farb-, Typ- und Imageberaterin, PR-Beraterin, Buchautorin. Privat war es ebenso abwechslungsreich – zwei Ehemänner, ein Sohn, viele Wohnorte, viele Reisen. Ich bin ein abenteuerlustiger und neugieriger Mensch.

Den Traum einer Weltreise hatte ich bereits jahrelang mit mir herumgetragen, jedoch hatte mein Beruf derartiges nicht zugelassen. Als ich noch selbstständige Vortragende war, hätte es klappen können, denn zu dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung, aber das Vorhaben scheiterte an familiären Verpflichtungen. Während meiner Zeit als Lehrkraft gab es nur die zeitliche Möglichkeit der zweimonatigen Sommerferien. Ich wollte aber unbedingt nach Australien und Neuseeland und zu dieser Zeit ist dort Winter, was mich abschreckte.

Und so war der erste Weg nach meinem Pensionsantritt in das auf Weltreisen spezialisierte Reisebüro. Ich deckte mich fürs Erste mit Katalogen ein, denn die Fragen der beratenden Dame nach Reiseroute, Reisedauer und Reisezeit konnte ich nicht beantworten, da die Idee noch viel zu vage war. Erst einmal wollte ich mir einen Überblick verschaffen und die angebotenen Möglichkeiten ausloten.

Die Enttäuschung war herb, als ich feststellen musste, dass es nur eine einzige Weltreisen-Route für ältere Semester gab, alle anderen hatten eine Altersobergrenze von 35 Jahren. Die „Oldies-Route“ jedoch schien mir nicht interessant, weil sie in Länder führte, die ich schon bereist hatte. Im Reisebüro wurde mir beschieden, dass ich selbstverständlich eine Wunschroute zusammenstellen lassen könne, was jedoch mit erheblichen Mehrkosten einhergehen würde. Ein typischer Fall von Altersdiskriminierung, dachte ich erbost und verließ unverrichteter Dinge und frustriert das Spezialreisebüro.

Mein Sohn riet mir, es auf Google zu versuchen – „und suche gleich nach Business Class Tickets, dann sind die Langstreckenflüge entspannt“. „Das kann ich mir nicht leisten“, bedauerte ich.

Mit Schrecken dachte ich an quälende zehn- bis zwölfstündige Flüge, zusammengefaltet in der Economy Klasse, Sitzabstand maximal 75 Zentimeter. In einem Alter von 63+ Jahren ist der Körper einfach nicht mehr so elastisch, um sich mit einem Maximum an Unbequemlichkeit locker abfinden zu können.

Ich erinnerte mich an grauenhafte Langstreckenflüge auf mittleren Sitzen, eingequetscht zwischen Schwergewichten, im steten Kampf um die Armlehnen und in immerwährender Abwehr schlafender Köpfe, die auf meine Schultern sanken. Ein besonders schrecklicher Flug war jener von Colombo nach Doha, wo symmetrisch um mich herum vier Kleinkinder angesiedelt waren, die abwechselnd schrien und für eine ununterbrochene fünfstündige Beschallung sorgten. Ganz zu schweigen von den Nies- und Hustenattacken der Mitpassagiere, die unweigerlich sofort anhoben, sobald die Klimaanlage heruntergedreht wurde. Und ganz besonders ekelhaft war jener Passagier, der seinen Fürzen ungehindert freien Lauf ließ und die Araberin neben mir veranlasste, sich mit Parfum zu überschütten. Ich kann mich auch erinnern, dass wir einmal kein Frühstück bekamen, weil zwei Damen darauf bestanden, in der Kitchenette zu beten. Auch die Frau, die neben meinem Ohr höchst deftig ihre Nudeln schlürfte, ist mir noch in alptraumhafter Erinnerung. Und jenen Passagier, der grässlich nach Zigaretten roch und den ich höchst energisch von meinem Schoß schubsen musste, weil er von seinem Mittelplatz unbedingt ständig aus dem Fenster fotografieren wollte, werde ich auch nicht vergessen. Nein, das würde ich nicht mehr aushalten, und ich bedauerte sehr, dass ich mir die Business Class nicht leisten konnte.

Fast hätte ich aufgegeben. Fast.

Doch da war dieser nagende Gedanke, nur einmal nachzusehen, ob es so etwas wie ein Weltreise-Business Class-Ticket überhaupt gäbe und was es wohl kostete.

Also gab ich zwei Wochen nach dem Gespräch mit meinem Sohn den Suchbegriff „Business Class around the world“ auf Google ein – und bekam einen Riesenschock, positiv, wohlgemerkt.

Ein Schnäppchen der Lufthansa mit der Route Mailand – Bangkok/Singapore – Sydney/Melbourne – Auckland – Buenos Aires/Los Angeles – Mailand erschien.

Der Preis: € 3.617,06.

Ich konnte es gar nicht glauben. All diese Destinationen zu diesem Preis in dieser Buchungsklasse?

Meine Gedanken überschlugen sich. Da saß ich nun, hatte zufällig eine Superroute zu einem sensationellen Preis gefunden und war nicht im Mindesten vorbereitet. „Du darfst die Seite ja nicht schließen“, schrie eine Stimme in meinem Kopf, „sonst ist dieses Angebot weg!“

Mir brach der Schweiß aus.

Ich hielt die Seite offen und begann zu überlegen – wohin würde ich überhaupt wollen? Zuerst nach Bangkok, denn Singapore kannte ich schon. Dann Australien und Neuseeland, langgehegte Wunschziele, und last but not least Buenos Aires, denn für die USA hatte ich andere Pläne.

Die nächste Frage: Wann und wie lange wo wollte ich bleiben, falls ich diese Reise machen würde? Es war der 26. Jänner 2019 – also vielleicht im Oktober, November, Dezember 2019? Da wäre es in Australien/Neuseeland Frühling und sicherlich schön, zu reisen, überlegte ich, und in Thailand wäre die Regenzeit vielleicht schon vorüber. Würde ich auch einen längeren Strandurlaub machen wollen? „Nein“, sagte ich zu mir, „Strandurlaub machst du gesondert. Jetzt willst du die Welt anschauen, vor allem die Kontinente und Plätze, wo du noch nicht warst. Am Strand liegen kannst du später immer noch“.

Die Lufthansa-Seite war immer noch offen.

Ich holte tief Luft, traf die Entscheidung, griff zu meinem Kalender und legte den Reisebeginn mit 22. Oktober 2019 ab Mailand fest. Erste Station Bangkok und dann – ja, wie lange denn bis zum nächsten Abflug nach Sydney? Ich beschloss, dass 16 Tage reichen mussten. Um die Details würde ich mich später kümmern. Nach Sydney also am 7. November – und wie lange wollte ich in Australien und Neuseeland bleiben? Ich schwitzte und fluchte, weil ich das JETZT entscheiden musste und völlig unvorbereitet war. Einen knappen Monat, beschloss ich, ich reiste ja allein, ewig wollte ich auch nicht unterwegs sein, außerdem – je länger, desto teurer. Dann noch eine Woche in Buenos Aires zum Ausklingen lassen und dann zurück nach Mailand. Ich holte nochmals tief Luft und vollzog den Buchungsvorgang. Bis dahin waren 15 Minuten vergangen.

Insgeheim erwartete ich eine Meldung, dies alles sei ein Fake gewesen, aber nein, „Gratulation, Sie haben das letzte Ticket zu diesem Preis erworben“ erschien auf meinem Bildschirm.

Ich schnappte nach Luft und begann, im Raum auf und ab zu marschieren, meine Hände zitterten und meine Gedanken rasten. Angst vor der eigenen Courage, nannte ich es später. Mein Cousin, Jäger, beschrieb es als „Schussfieber“. Dies sei, so erklärte er mir, der emotionalen Zustand eines Jägers nach einem Blattschuss. Wie überaus treffend!

Ich schickte die gesamte Buchung an meinen vielfliegenden Sohn mit der Bitte um Überprüfung und erhielt umgehend: „Wo hast du denn das gefunden, das ist ja fantastisch!“ Alles war richtig, alles war wahr – jetzt musste ich also weltreisen.

Ich benötigte etliche Tage, um mich von diesem Schock, den ich mir selbst versetzt hatte, einigermaßen zu erfangen. Denn in Wahrheit hatte ich mich völlig unvorbereitet in dieses Abenteuer gestoßen, hatte eine gute Gelegenheit beim Schopf gepackt und war damit erst mal überfordert. Allerdings währte dieser Zustand nicht allzu lange und nach zwei unruhigen Nächten hatte ich mich wieder gefangen.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich eine begeisterte Reisende bin. Ich war schon immer gerne unterwegs. Ich breche gerne in andere Welten auf, um Erfahrungen zu machen, zu denen ich in meinem alltäglichen Umfeld niemals in der Lage sein würde. Ich reise, weil ich in fremde Kulturen eintauchen möchte, ich bin neugierig auf die Lebenswelten fremder Menschen und freue mich stets auf Begegnungen mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis. Ich möchte, so gut es geht, den überwältigenden Reichtum dieser Erde kennenlernen. Ich gehe auf große Fahrt, weil mich das Unbekannte lockt, und ich ständig neue und unbekannte Dinge beobachten kann. Jedes neue Land ist eine Herausforderung, die sich mir entgegenstellt mit den fremden Gesichtern, den unbekannten Benimmregeln, der fremden Sprache. Ich bin ein neugieriger Mensch. Reisen inspirieren mich und erweitern meinen Horizont. Ich möchte ein Land riechen, seine Temperatur spüren, die Grundstimmung erfassen, die fremde Kultur erforschen und aus der Andersartigkeit lernen. Meine Reisen haben meinen Horizont ungemein erweitert.

So haben mich beispielsweise meine Reisen in asiatische Länder zu einer tiefen Wertschätzung für die Spiritualität der Menschen und die selbstverständliche Einbindung ihrer Religion in das Alltagsleben erzogen.

Leise und freundliche Gelassenheit und die „Wahrung des Gesichtes“ gelten dort als oberstes Gebot des sozialen Zusammenlebens. Salopp formuliert funktioniert das so: „Achte darauf, dass du nie dumm dastehst, und lass andere nie dumm dastehen“. Und so werden Anliegen und Beschwerden stets leise und beherrscht vorgetragen, das laut auf den Tisch zu hauen, um sein Recht einzufordern, wie wir es im Westen praktizieren, wird mit größter Missbilligung gesehen.

Früher ekelte ich mich oft, wenn man mir erzählte, dass Ratten, Schlangen und Würmer auf dem täglichen Speiseplan vieler Menschen in ärmeren Ländern standen, und ich hatte sie in meiner westlichen Arroganz als „primitiv“ und „unkultiviert“ bezeichnet, bis ich die dahinterliegende Botschaft verstand: Diese Menschen waren bitterarm und hatten nichts Anderes zu essen.

Ich empfand tiefe Ehrfurcht für die Weisheit und die Sanftheit zweier Ayurveda-Ärztinnen in Indien, die „Heilen“ völlig anders verstehen als wir hier im Westen, und die unbeschreibliche Atmosphäre beim Goldenen Felsen in Myanmar lässt mich noch heute erschauern. Der Duft der unzähligen Räucherstäbchen, die stille Friedfertigkeit der Pilger, das leise Murmeln der Gebete gemeinsam mit dem Leuchten des heiligen Felsens in der Abenddämmerung gehören zu den schönsten Momenten, die ich auf meinen Reisen erleben durfte.

In Japan faszinierte mich die Kunst, Ästhetik in jedem Lebensbereich zu zelebrieren und mit wenigen Stilmitteln Harmonie zu erzeugen. Dem Leisen, dem Eleganten, dem Höflichen wird dort der Vorzug gegeben. In der Mode lässt man es jedoch krachen: Je schräger, desto lieber, je abgefahrener, desto begehrter, so schien mir das Bekleidungsmotto der jungen Japanerinnen und Japaner zu sein und ich bewunderte diese Kunst, die unglaublichsten Kleidungsstücke stilsicher zu kombinieren.

Auch wenn es grob generalisierend klingt: Indien riecht anders als Thailand, Japan riecht gar nicht, Buenos Aires riecht nach Verzweiflung und Myanmar ganz und gar spirituell. Die Tierherden in der Masai Mara sind von einem magischen Zauber, in den USA gibt es selbst für rüpelhaftestes Benehmen kein einziges Naserümpfen und wir Europäer sind überempfindlich.

Reisen ist für mich unendlich interessant. Ich reise für mein Leben gerne.

Schon als Studentin trampte ich mutterseelenallein per Autostopp mehrmals nach Griechenland, damals noch über die „Autoput“ im ehemaligen Jugoslawien. Ich erlebte haarsträubende Verkehrssituationen, wahnwitzige Überholmanöver, Geisterfahrten auf griechischen Autobahnen, übernächtigte LKW-Fahrer und schikanierende Grenzbeamte. Damals war ich mir keiner Gefahr bewusst, so als hätte mich eine Aura der Unverwundbarkeit umgeben. Heute weiß ich, wie leichtsinnig ich war und wie unbedarft. Ich hätte zu Tode kommen können, man hätte mich vergewaltigen können, ich hätte bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt werden können. Nichts von alledem ist je passiert, jedoch haben meine Eltern nie von diesen Reisen erfahren und meinem eigenen Sohn hätte ich niemals erlaubt, per Autostopp die Welt zu erkunden.

Im Laufe meines Reiselebens habe ich viele Individualreisen organisiert und umfangreiche Kenntnisse und viel Routine im Umgang mit Buchungsplattformen und Fluganbietern erlangt. Diese Routine kam mir bei der Organisation meiner Weltreise sehr zugute. Diese Reise war von ganz anderem Kaliber als alle meine Reisen davor.

Diesmal war es besonders wichtig, mich möglichst gut vorzubereiten. Ein erfahrener Reisender hatte mir einmal folgenden guten Rat gegeben: „Lass’ Probleme gar nicht erst entstehen, dann brauchst du sie auch nicht zu lösen.“ Wie wahr! Denn wenn man nach einem langen Flug völlig übermüdet spätabends oder in aller Herrgottsfrühe in einer anderen Zeitzone aus dem Flugzeug wankt und den Transfer zum entlegenen Hotel noch nicht gebucht hat, ist es zu spät. Dem Stress und der Abzocke sind Tür und Tor geöffnet und nicht selten kann so ein unglücklicher Start eine ganze Reise vermiesen und viel unnötiges Geld kosten.

Mein Bestreben war es auch immer, möglichst kostengünstig zu reisen. Denn, so sagte ich mir stets, wenn ich sparsam bin, kann ich mir viele interessante Reisen leisten, anstatt alles für eine einzige Luxusreise aus dem Fenster zu werfen.

Auch meine Weltreise plante ich konsequent mit Blick auf Kostenoptimierung und gab für zwei Monate rund um die Welt inklusive vier Business Class-Langstreckenflügen und elf Inlandsflügen insgesamt nicht mehr als € 11.500 aus. Ich war zufrieden und mein Konto war es auch.

3. Ein Reisegerüst muss her

Wie legt man eine Reise an, wenn man die ganze Welt zur Auswahl hat?

Eigentlich war die Planungsphase das Spannendste der ganzen Reise, das sage ich hier ganz offen.

Da war ich nun, hatte vier Langstreckenflüge rund um die Welt gebucht und musste dieses Gerüst mit Ländern und Orten füllen. Manchmal stellte ich mir meine Reise wie einen menschlichen Körper vor – die großen Flugverbindungen waren das Skelett und alles, was ich noch hinzufügte, würde diesen Körper groß oder klein, dick oder dünn werden lassen.

Nach einer Phase der Unschlüssigkeit und der Frage, wie ich die Planung überhaupt anlegen sollte, begann ich mit Australien und Neuseeland, dem Hauptteil meiner Reise, oder, um in der Körperanalogie zu bleiben, mit dem Rumpf. Außerdem erinnerte ich mich, irgendwann von Australienreisenden gehört zu haben, man solle seine Unterkünfte und Mietautos mindestens ein halbes Jahr im Voraus buchen, denn zu den Hauptreisezeiten würden diese knapp werden.

Was wollte ich also dort erleben, was war möglich in der veranschlagten Zeit? Alice Springs und Uluru/Ayers Rock, den roten Felsen, wollte ich unbedingt sehen. So viele Bücher hatte ich über diese Stadt in der Mitte Australiens, mitten im Outback, gelesen und nun war die Gelegenheit da, die Hitze der australischen Wüste, den Staub und die rote Erde am eigenen Leib zu spüren und die magische Ausstrahlung von Uluru, dem heiligen Berg der Aborigines, zu erleben. Des Weiteren war Sydney, die Stadt mit dem wunderschönen Opernhaus und der berühmten Harbour Bridge, von der jedes Neujahr das erste Feuerwerk losgeht, ein Muss auf meiner Australienliste. Melbourne vielleicht auch noch, und dann musste ich irgendwie nach Auckland/Neuseeland kommen.

Wie bewegt man sich in Australien, diesem riesigen Kontinent, wenn man nicht alle Zeit der Welt hat? Mit einem Airpass der australischen Qantas Airlines, der – Wunder, Wunder – auch einen Flug nach Neuseeland beinhaltet. Meine Routine bei Flugrecherchen machte sich bezahlt, der Airpass war günstig – € 562 für drei lange Flüge: Sydney – Alice Springs – Melbourne – Auckland.

Nun kam das Schwierigste und das erwies sich als die größte Herausforderung für meinen Planungen: Die Fixflüge gaben ein Zeitkorsett vor und ich musste mit der Buchung festlegen, wie lange ich wo bleiben wollte, wenn ich diese günstigen Tickets erwerben wollte – und dies bereits neun Monate vor meiner Abreise. Mir war schon damals klar, dass ich Fehler machen würde: Waren vier Tage in Sydney zu viel oder zu wenig, reichten fünf Tage für Alice Springs und Uluru, sollte ich eine Woche in Melbourne bleiben und das dortige Umland mitsamt der Great Ocean Road, einem besonders schönen UNESCO-Weltnaturerbe-Landstrich, erkunden? Ginge sich noch etwas Anderes in Australien aus oder wollte ich lieber mehr Zeit in Neuseeland verbringen?

Ich muss gestehen, dass ich diese Planungsphase als überaus schwierig empfand – jeder Fehler, den ich hier machte, würde sich vor Ort bitter rächen. Ich ging nochmals in mich und fragte mich, was ich wirklich wollte, und kam zum Schluss, dass mich zwar Australien in seiner riesigen Dimension sehr verlockte, meine zeitlichen Möglichkeiten jedoch eine intensive Bereisung dieses Kontinents nicht zuließen. Natürlich hätte ich die Reise zeitlich ausdehnen können, aber zwei Monate erschienen mir damals als lange genug, überhaupt, da ich ja allein unterwegs war. Also entschloss ich mich für weniger Australien und mehr Neuseeland, zumal die Naturschönheiten Neuseelands stets mit Attributen der Superlative versehen werden – traumhaft, verzaubert, mystisch, das Naturparadies auf Erden – das wollte ich mit eigenen Augen sehen und hautnah erleben.

Also fixierte ich auch die Inlandsflüge und begann mir Gedanken über die Art der Fortbewegung in den jeweiligen Ländern zu machen.

Die Art des Vorankommens in Neuseeland beschäftigte mich besonders.

Dieses Land wollte ich möglichst intensiv erleben. Bus? Nein, ich bin kein Langstreckenbus-Typ. Außerdem kann man nie dort stehenbleiben, wo man möchte, um zu fotografieren oder einfach nur zu genießen. Camper? Als Einzelreisende? Auch keine wirkliche Option – das Handling erschien mir zu umständlich und, ehrlich gesagt, wollte ich am Ende des Tages in ein richtiges Bett in einem richtigen Zimmer steigen – mit Badezimmer und Toilette. Also fiel die Entscheidung auf ein Mietauto, was sich für meine Bedürfnisse als vollkommen richtig herausstellen sollte. Der Linksverkehr machte mir zwar ein bisschen Sorgen, aber ich sagte mir, ich würde das schon schaffen.

Somit waren alle großen Entscheidungen getroffen und die Routen festgelegt, sowohl zeitlich als auch verkehrstechnisch. Mein „Weltreise-Körper“ begann, Gestalt anzunehmen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es ein kleiner, zierlicher, damenhafter Körper war, kein großer, außergewöhnlicher, spektakulärer. Ich kann im Nachhinein auch sagen, dass ich gerne noch einen Monat drangehängt hätte, wäre dazu die Möglichkeit gewesen. Und jetzt weiß ich auch, wo ich mich länger hätte aufhalten wollen und worauf ich verzichten hätte können. Im Nachhinein ist man immer klüger.

Grundsätzlich war das Reisegerüst in Ordnung, von kleinen Planungsfehlern abgesehen. Der Aufenthalt in Bangkok war definitiv zu lange, für Neuseeland braucht man für den Vollgenuss der beiden Inseln mindestens vier Wochen und wenn man Australien intensiver erleben möchte, sind aus meiner Sicht mindestens sechs Wochen dafür zu veranschlagen. Eine Woche für Buenos Aires war viel zu viel, diese heruntergekommene südamerikanische Großstadt war eine einzige Enttäuschung. Die Landschaften des argentinischen Berglandes jedoch sind dramatisch schön und haben mir unerwartet noch einen letzten Höhepunkt zum Abschluss meiner Reise gewährt. Auch hier könnte man viel länger verweilen und ich überlege mir ernsthaft, noch einmal dort hinzureisen, um die gigantischen Landschaften der südamerikanischen Anden mit all ihrer bizarren Schönheit voll auszukosten.

Mittlerweile war es Anfang März, die Reise würde im Oktober beginnen. Was also war als Nächstes zu tun?

Lesen, lesen, lesen und sich schlau machen über die Destinationen, die ich ausgewählt hatte. Also besorgte ich mir Reiseführer über Südostasien, Australien, Neuseeland und Argentinien. Tagelang vertiefte ich mich in die Reiseführer von Marco Polo, Stefan Loose und Lonely Planet sowie ins Internet, um möglichst viel wichtige Reiseinformation aufzusaugen. Nach langem Hin und Her traf ich die Entscheidung, das australische Outback im Rahmen einer geführten Abenteuertour zu erleben. In Bezug auf Neuseeland schwankte ich lange, entschied mich jedoch dann für einen längeren Trip mit einem Mietauto auf der Südinsel und verzichtete auf die Nordinsel. Argentinien würde ich auf Buenos Aires beschränken, außerdem, so meinte ich, wäre dies die letzte Destination meiner Weltreise und wahrscheinlich würde ich mich ein bisschen erholen wollen.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir Bangkok, die allererste Station meiner Reise.

Ich würde dort am 23. Oktober ankommen und nach 16 Tagen in Richtung Sydney abfliegen. Somit hatte ich rund zwei Wochen Zeit für ein kleines Südostasien-Abenteuer, von dem ich noch nicht wusste, wie es aussehen sollte. Eine Freundin empfahl mir, gleich Vietnam und Laos mitzumachen, wenn ich schon einmal dort sei – die Halongbucht sei besonders schön. Ich überprüfte die Entfernungen auf Google Maps, checkte stundenlang Flugverbindungen und kam zum Ergebnis, dass dies viel zu stressig werden würde. Ich würde jeden Transfer selbst organisieren, mein Gepäck mit mir herumschleppen und mit knappen Flugverbindungen kalkulieren müssen. Nur ein einziger Flugausfall oder eine massive Flugverspätung würde meinen gesamten Reiseplan kollabieren lassen. Das wollte ich mir nicht antun. Die Halongbucht würde warten müssen. Eine andere Bekannte riet mir zu Nordthailand, Chiang Mai sei zauberhaft, das müsse man gesehen haben. Warum nicht, dachte ich mir, dann könnte ich gleich nach Myanmar weiterreisen, obwohl ich dort bereits zweimal gewesen war. Aber den Goldenen Felsen und die Shwedagon Pagode, das schönste buddhistische Bauwerk der Welt, würde ich mir gerne auch noch ein drittes Mal anschauen. „Aber da warst du ja schon, willst du nicht etwas Neues erleben?“, fragte mein Sohn. Ich musste zugeben, dass er recht hatte.

Also nahm ich – ganz Old School – meinen zerfledderten Schulatlas zur Hand, schlug Südostasien auf und versuchte, herauszufinden, was es Sehenswertes in einer sinnvollen Distanz zu Bangkok gab. Nordthailand würde mir zusagen und im Südosten gab es Siem Reap in Kambodscha mit der antiken Tempelstadt Angkor Wat. Die mystischen Dschungeltempel, UNESCO-Weltkulturerbe und legendär geworden durch Dreharbeiten zu bekannten Filmen, ja, das war es!

Weniger ist mehr, überlegte ich, ich würde nicht durch ganz Südostasien hetzen, sondern mich auf Thailand und Kambodscha beschränken und meine Ziele in entspanntem Tempo genießen. Ich beschloss, Angkor Wat in Eigenregie zu organisieren und Nordthailand als Gruppenreise zuzubuchen. Geschafft, damit war die komplette Reise festgelegt.

4. Nicht ohne: …

Nicht ohne … mein Handy.

Ich frage mich oft, wie wir früher verreist sind, als es noch kein Internet, kein Google und keine Smartphones gab. Über das Reisebüro, klar, aber Einzelreisen, individuell? Ohne Online-Flugsuchen, ohne Hotelbuchungen über Buchungsplattformen, ohne Google Earth, um sich schon mal anzusehen, wie es am Zielort aussieht, ohne Reiseforen, in denen man sich austauscht und Erfahrungen weitergibt? Unmöglich.

Das Internet gibt es erst seit 25 Jahren und Smartphones überhaupt erst seit circa zehn Jahren und alle, die schon lange vorher auf der Welt waren, wissen, wie mühsam sich damals die Informationsbeschaffung gestaltete. Wenn ich heute wissen will, wie das Wetter in Auckland ist, gebe ich den entsprechenden Suchbegriff auf meinem Smartphone in Google ein und erhalte augenblicklich die gewünschte Information. In Vor-Internetzeiten erfuhr ich dies entweder überhaupt nicht oder ich musste mir ein Buch mit Klimatabellen ausleihen oder kaufen, ich konnte mich ins Reisebüro begeben und dort nachfragen, ich konnte jemanden suchen, der diesbezüglich Erfahrungen hatte, oder ich gab das Vorhaben auf.

Viele Dinge, die sich heute mit einem Tastendruck erledigen lassen, waren damals überhaupt nicht möglich.

Individualreisen in ferne Länder hatten Expeditionscharakter, waren kostspielig und entsprechend selten. Selbst harmlose Urlaubsreisen mit dem Auto waren Kämpfe mit riesigen, oft ungenauen Straßenkarten und unzähligem Falschfahren, weil die richtige Abzweigung entweder übersehen wurde oder gar nicht eingezeichnet war. Fahrzeiten wurden großzügig geschätzt und vielfach schwer unterschätzt. Unterkünfte hatte man entweder per Brief (!) oder Telefon (sofern man ein solches überhaupt besaß) vorbestellt oder suchte sie selbst vor Ort, indem man von einem Hotel zum anderen ging. Flugreisen konnten nur über ein Reisebüro gebucht werden und waren elendiglich teuer. Allerdings wurde man auch in der normalen Touristenklasse von den Flugbegleitern, die damals Stewardessen hießen und ausnahmslos weiblich waren, verhätschelt, man dinierte und durfte im Flugzeug rauchen. Heutzutage unvorstellbar. Ich fühle mich wie ein Zeitzeuge für eine historische Epoche, in der das Reisen umständlich und vor allem teuer war.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich lobe und preise das Internet und die Erfindung des Smartphones, welche unser Leben unvorstellbar bequem und einfach gemacht haben.

Meine ganze Weltreise organisierte ich ausschließlich über das Internet zu Hause auf meinem Laptop und unterwegs über mein Smartphone. Die Buchungsplattform „checkfelix“ unterstützte mich bei der Suche nach guten und preiswerten Flügen, über „booking.com“ wickelte ich alle Unterkünfte ab, „GetYourGuide“ verhalf mir zu Airport-Shuttles und interessanten Ausflügen vor Ort. Mit Google Maps fand ich mich unterwegs zurecht und berechnete die Auto-Fahrzeiten in Neuseeland. Ich machte mich über Flughäfen schlau, indem ich die entsprechenden Namen eingab und herausfand, wo sich die Taxistände, die Gepäcksaufbewahrung und die Geschäfte für SIM-Karten befanden. Indem ich ihnen über WhatsApp regelmäßig Fotos schickte, konnte ich all meine Freunde und Verwandten mit auf meine Reise nehmen.

Da ich sehr gerne fotografiere, hatte ich früher meine Spiegelreflexkamera auf jede Reise mitgeschleppt, ein großes und vor allem schweres Ding. Heute zücke ich souverän mein Smartphone und die Bilder sind fast so gut wie die der Spiegelreflexkamera. Sicher, es hapert an der Tiefenschärfe und bei Nachtaufnahmen lässt mich das Smartphone im Stich. Aber der Komfort wiegt auf einer langen Reise die etwas schlechtere Bildqualität auf und ich fotografiere ja nicht für eine Vortragsreise oder einen Bildband, sondern ausschließlich für mein Vergnügen. Außerdem kann man die Fotos sogleich weiterschicken, ohne sie umständlich von einem Gerät auf ein anderes zu laden. Für alle, die die internetlose Zeit kennen, ist dies ein unglaublich gewaltiger Fortschritt. Ein Hoch dem Internet!

Nicht ohne … meinen Koffer.

Weltweit gingen im Jahr 2019 laut einer Studie des IT-Airline-Dienstleisters Sita auf Flughäfen 24,8 Millionen Gepäckstücke verloren. Jedes 20. Gepäckstück blieb langfristig verschwunden, 77 Prozent kamen verspätet an, 18 Prozent der Gepäckstücke wurden beschädigt.

Davon kann ich ein Lied singen!

Ein Urlaub in Sri Lanka begann damit, dass ich, gekleidet in ein Badetuch, würdevoll zum Sternebuffet schritt. Mein Koffer kam vier Tage verspätet an, ein Bekleidungsgeschäft war nicht in der Nähe. Paris überlebte ich ein Wochenende lang ganz ohne Koffer, den man praktischerweise gleich wieder nach Hause verfrachtet hatte. In San Salvador, Brasilien, war ich den Tränen nahe, als alle Passagiere fröhlich mit ihren Koffern davongezogen waren und das Rollband stoppte. Verzweifelt wartete ich noch einige Minuten, bevor ich mich dem kofferlosen Schrecken stellen wollte. Da erspähte ich zufällig, weit hinten auf einem ganz anderen Förderband, einsam und verlassen, meinen damals hellgrünen Koffer. Glücksgefühle können oftmals banale Ursachen haben!

Wohin verschwinden all die Gepäckstücke?

Viele werden ganz einfach gestohlen. Auf vielen Flughäfen werden Passagiere mittlerweile gewarnt, wegen erhöhter Diebstahlsvorfälle keine Wertsachen in ihrem Fluggepäck zu transportieren.

Manche fallen vom Förderband oder bleiben irgendwo hängen oder stecken. Einige kommen auf ein Abstellband, weil der Scanner die Banderole nicht richtig auslesen konnte.

Manchmal nimmt auch ein anderer Passagier den eigenen Koffer – so geschehen in besagtem Urlaub in Sri Lanka, wobei der „Täter“ allerdings mein damaliger Reisebegleiter war.

Ich: „Mein Koffer ist nicht da!!! Wir müssen zum Schalter!“ Es war vier Uhr morgens, die Ankunftshalle in Colombo war heiß und stickig und die Schlange am Lost & Found-Schalter bereits zu einer beängstigenden Länge angeschwollen. Der Flug war über einen arabischen Flughafen mit einer nur geringen Umsteigezeit gekommen. Ich sah einen Raum, der bis oben voll mit Koffern der Fluglinie war. „Welche Koffer sind denn das? Die haben ja die Banderolen der Fluglinie“, fragte ich hoffnungsfroh einen Angestellten, der mir mitleidig lächelnd erklärte, dies seien die verspäteten Koffer von den Tagen davor. Mir sank das Herz in die Hose. Mein Begleiter maulte, dass er müde sei und nun hier mit mir herumlungern müsse. Er habe ja seinen eigenen Koffer bereits und wolle eigentlich ins Hotel ins Bett. Die Schlange kroch mühsam vorwärts und irgendwann warf ich einen genaueren Blick auf das Gepäckstück meines schmollenden Begleiters. Und schaute ein zweites Mal hin. „Das ist ja gar nicht dein Koffer!“ Plötzlich wach, entsetzte er sich: „Das ist er wirklich nicht! Was mache ich jetzt bloß?“

Wir platzierten den Koffer gut sichtbar und weit entfernt von uns und harrten der Dinge, die da kommen würden. Keine fünf Minuten vergingen, als ein aufgelöster Inder aus der Schlange trat, ungläubig ausrief: „Das ist ja MEIN Koffer!!!“ und erleichtert von dannen zog. Wenigstens ein Mensch war an diesem frühen Morgen in der Ankunftshalle von Colombo glücklich. Wir beide waren weniger glücklich, denn unsere beiden Gepäcksstücke kamen um Tage verspätet an.

Auch auf meiner Weltreise bekam ich es mit einem solchen „Kofferräuber“ zu tun und ich bin mir noch heute für meine Wachsamkeit dankbar. Als ich aus dem Shuttlebus am Flughafen in Alice Springs stieg, hatte ein Mann bereits meinen Koffer in der Hand und wollte sich davonmachen. Ob absichtlich oder nicht, habe ich nie herausgefunden.

„Ach, sei doch nicht so ängstlich wegen des Koffers, du kannst ja alles kaufen, was du brauchst, die Fluglinie muss dafür aufkommen“, hörte ich des Öfteren von wohlmeinenden Mitmenschen, die sich noch nie in einer derartigen Situation befunden haben. Das ist richtig, aber meistens gibt es keine entsprechenden Geschäfte in unmittelbarer Nähe oder aber sie sind geschlossen; es gibt nichts, was einem passt, vor allem nichts Schickes. Und gäbe es tatsächlich das Gewünschte zu kaufen, werden Kreditkarten oft nicht akzeptiert und die Landeswährung hat man noch nicht erworben.

Kurzum, kommt ein Koffer nicht an, ist das lästig und zeitraubend und vermiest einem die ersten Urlaubstage. In Hongkong beispielsweise musste ich einen halben Tag aufwenden, um zu einem Markt zu fahren, wo es preisgünstige flugtaugliche Rollenkoffer gab. Bei meinem war der Teleskopgriff beschädigt worden und ließ sich nicht mehr einfahren. Keine Fluglinie der Welt transportiert Fluggepäck mit ausgefahrenem Teleskopgriff, also musste ein neuer Koffer her. Eigentlich wollte ich in Hongkong etwas anderes tun, als mich um einen Flugkoffer kümmern zu müssen.

Nach all diesen Erfahrungen ist daher mein Handgepäck stets riesig, immer am Gewichtslimit, vollgestopft mit Dingen, die ich für ein Überleben ohne Koffer brauchen würde.

Kurz gesagt, ich habe so etwas wie eine Hoffentlich kommt mein Koffer-Phobie und gehöre nicht zu den Reisenden, die tiefenentspannt am Förderband sagen: „Ach, mein Koffer ist nicht da, na, macht ja nichts“.

Auf den 15 Flügen meiner Weltreise stand ich also stets aufgeregt wie vor einer Prüfung am Gepäcksförderband und wischte mir den imaginären Schweiß von der Stirn, wenn ich meinen Koffer herunterrutschen sah. Wie heißt es so schön: „Am Gepäcksförderband gibt es immer Gewinner und Verlierer.“ Auf meiner Weltreise gehörte ich zu den Gewinnern.

5. Feinschliff

Nachdem das Gerüst für die Reise errichtet worden war, begann die Feinarbeit. Um in der Analogie eines Reisekörpers, des kleinen, zierlichen, damenhaften Weltreise-Körpers zu bleiben, so waren die Flugdestinationen das Skelett und mussten nun mit Fleisch gefüllt werden.

Dies bedeutete zunächst intensive Internetrecherchen, zuerst zum Thema „Australisches Outback“, denn dieses wollte ich möglichst hautnah erleben. Mit einem Mietauto von Alice Springs selbst dorthin zu fahren, hielt ich schlicht für zu gefährlich. Daher las ich unzählige Angebote zu Touren ins Outback, manche höchst luxuriös mit Flug bis Uluru Airport und Candle Light Dinner direkt am Felsen. Nicht mein Fall, dachte ich, erstens wollte ich von Alice Springs anreisen, um mir das Outback richtig nahezubringen, und zweitens waren diese Luxustouren richtig teuer.

Schließlich, ziemlich weit unten auf der Suchseite, fand ich einen Anbieter, der vielversprechend klang: „Erleben Sie alle Highlights des Australia Red Center in diesem 3-tägigen Outback-Abenteuer ab Alice Springs. Begeben Sie sich auf eine geführte Wanderung rund um den dramatischen Kings Canyon, genießen Sie eine beeindruckende Aussicht auf den berühmten Uluru und sehen Sie die beeindruckenden Felsformationen Kata Tjuta (The Olgas), während Sie das Tal der Winde erkunden. Das ist noch nicht alles: Lernen Sie auf einem geführten Mala Walk die Kultur der Aborigines kennen und campen Sie in einem traditionellen Swag oder Zelt unter den Sternen. 3-tägige Campingtour mit Uluru, Kata-Tjuta und Kings Canyon von Alice Springs aus. Beobachten Sie den faszinierenden Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem heiligen Uluru. Campen Sie im Outback und probieren Sie den typischen australischen Busch-Tucker Transport im klimatisierten Bus mit maximal 21 Passagieren. Perfekte Tour für Erstbesucher.“

Das gefiel mir und als ich mich genauer in das Angebot vertiefte, stellte ich fest, dass dieses Angebot von „backpackerdeals“ preis-leistungsmäßig das beste war, das auf der Suchseite zu finden war. Die Gruppen waren maximal 21 Personen groß und für das Schlafen auf dem Boden im Outback konnten zusätzlich zu den Swags auch Schlafsäcke gemietet werden. Swags sind so etwas wie Überschlafsäcke aus schwerem Segeltuch mit einer Art Kapuze und einer sehr dünnen Bodenmatte. Wer in der kühlen Wüstennacht nicht frieren und auch keine ungebetenen Gäste bei sich haben möchte, ist gut beraten, einen zusätzlichen Schlafsack zu benützen. Nun schläfst du also wieder auf dem Boden, lächelte ich in mich hinein, so wie in jungen Jahren, als Zelten die einzig leistbare Art von Urlaub war. Dass ich jede einzelne Minute dieser beiden Nächte verfluchen würde, wusste ich damals noch nicht. Die gesamte dreitägige Tour ab Alice Springs mit voller Verpflegung sollte € 247 kosten, das fand ich einen sehr guten Preis. Gesagt, getan – gebucht.

Die Gruppenreise nach Nordthailand fand ich auf die gleiche Art und Weise: Stichworte in Google eingeben, Angebote prüfen, Angebot auswählen und buchen. Diesmal war es die Seite des deutschen Anbieters ID-Reisewelt, auf der ich fündig wurde: eine siebentägige Busreise ab Bangkok mit zwei Hotelnächten in Bangkok um € 650, Einzelzimmerzuschlag inklusive. Die Stationen der Rundreise sollten die alten Königsstädte sein, mit zahlreichen Tempel- und Marktbesichtigungen, bis hinauf nach Chiang Mai. Das klang vielversprechend, also schlug ich kurz entschlossen zu. Wie es sich später herausstellte, waren es zwei gute Entscheidungen gewesen.

Alle Unterkunftsbuchungen tätigte ich über www.booking.com. Meiner Erfahrung nach ist dies die preiswerteste und verlässlichste Plattform. Die Beschreibungen der Unterkünfte stimmen mit den Tatsachen überein, allerdings sollte man auch immer die Erfahrungsberichte der Gäste lesen. Wenn es dort heißt, es war lebhaft, bedeutet dies Lärm und wahrscheinlich jede Menge betrunkener Gäste. Bei nicht ganz sauber klicke ich sofort weiter. Ganz wichtig ist für mich stets die unmittelbare Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn ein angepriesener „Nur kurzer Fußmarsch von wenigen hundert Metern zur nächsten U-Bahn“ kann bei Hitze oder Regen sehr enervierend sein. Es ist auch wichtig, zu erkunden, ob die Unterkunft überhaupt ein Fenster hat und wie geheizt beziehungsweise gekühlt wird. Als ich in einer Gästebewertung zu einer Unterkunft in Neuseeland die Aussage las: „Endlich ein warmes Zimmer“, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich hier besondere Sorgfalt walten lassen müsste, denn kalte Hotelzimmer sind mir ein Gräuel.

Die Frage, warum nicht airbnb, beantwortete ich stets damit, dass ich in einem Hotel das Zimmer wechseln könne, wenn es mir nicht gefiele. Des Weiteren hat man in einem Hotel immer einen Room Service, ein gutes Frühstück und eine Rezeption, die einem weiterhilft, sei es mit Informationen über Sehenswürdigkeiten, mit Taxis oder sonstigen Verkehrsmitteln und, wenn man es besonders bequem haben will, auch mit Ausflugsangeboten. Ein kleines Gespräch mit dem Rezeptionisten/der Rezeptionistin kann oft zu verblüffenden Ergebnissen führen.

Ich erinnere mich an eine Situation in Singapur, als ich den sehr jungen Rezeptionisten fragte, was er sich denn in der Stadt anschauen würde, wenn Tourist wäre. „Unbedingt das Nationalmuseum, Madam“, war seine überraschende Antwort. Ich war erstaunt – ein junger Mann erzählte mir begeistert von einem Museum? Ich zögerte lange, Nationalmuseum klang für mich richtig verstaubt. Gott sei Dank ging ich dann doch hin, zwar erst am letzten Tag meines Aufenthalts, weil ich noch ein bisschen Zeit vor dem Transfer zum Flughafen hatte. Was ich sah, verschlug mir den Atem: eine innovative und einzigartige Präsentation von Kultur und Geschichte mit dem Schwerpunkt des Einmarsches der Japaner während des Zweiten Weltkrieges. Ich staunte mir die Augen aus dem Kopf, solch eine ungewöhnliche und faszinierende Aufbereitung der wechselvollen Geschichte dieses Stadtstaates hatte ich nicht erwartet.

Taxifahrer sind eine weitere sehr gute Informationsquelle. Wenn es keine sprachlichen Hürden gibt, sind viele Taxifahrer stolz, wenn sie ihr Wissen weitergeben und quasi den Fremdenführer geben können. Auf meinen Reisen habe ich schon manch guten Tipp von den Taxlern bekommen. Aber ich schweife ab – zurück zur Weltreise.

Alle meine Zimmer buchte ich stets mit kostenloser Stornierungsmöglichkeit, die meistens bis 24 Stunden vor dem Einchecken galt. Auch wenn das Hotelzimmer dadurch eine Spur teurer wird, bleibt man doch flexibel, falls sich kurzfristig etwas ändern sollte. Und wenn man noch in der Planungsphase ist, kann man die Unterkünfte dadurch immer wieder ändern. Als ich versuchte, eine vernünftige und möglichst stressfreie Auto-Route über die neuseeländische Südinsel festzulegen, buchte ich die ausgewählten Hotels mindestens fünf Mal um.

Ein im Preis inkludiertes Frühstück war mir ebenfalls wichtig, denn gut bestückte Frühstücksbuffets ersparten mir auf meiner Reise zumindest das Mittagessen, und so brauchte ich mich nur einmal am Tag selbst um eine Mahlzeit zu kümmern. Dies war besonders dort von Vorteil, wo die hygienischen Bedingungen nicht einwandfrei waren, wie in Kambodscha oder Thailand. Ich esse grundsätzlich kein Streetfood, auch wenn dies in diversen Reiseratgebern oft als besonders authentisch angepriesen wird. Mein Verdauungssystem ist empfindlich und Durchfallerkrankungen können eine Reise ziemlich versauen.

Unser thailändischer Guide erzählte auf der Nordthailand-Rundreise schauerliche Geschichten von Reisenden mit Durchfall, so furchtbar, dass ich sie an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Als prompt zwei Mitreisende an Verdauungsstörungen erkrankten, war seine erste Frage: „Haben Sie Streetfood gegessen?“ Ja, natürlich.

Also hielt er im Bus einen kleinen Vortrag über Streetfood, vor allem über Fleisch- und Fischwaren, die stundenlang in der Sonne liegen, bevor sie verarbeitet werden, von unterbrochenen Kühlketten, von der zweifelhaften Herkunft der Waren, von Gemüse, das mit verseuchtem Wasser abgespült wird, und davon, dass das Verdauungssystem von Europäern nicht mit asiatischen Bakterien umgehen kann. Mir graute und ich beschloss, meine No-Streetfood-Strategie weiterhin strikt zu befolgen. Im Falle einer Durchfallerkrankung hätte ich niemanden, der mich versorgen würde – einer der Nachteile einer Soloreise. Außerdem war ich nicht so weit gereist, um mit einer selbstverschuldeten Verdauungserkrankung tagelang im Bett liegen zu müssen, nur weil ich unbedingt hatte authentisches Streetfood essen wollen. Natürlich kann man sich immer etwas einfangen, aber man muss es nicht unbedingt herausfordern.

Und so verpflegte ich mich auf meiner Reise oft mit Fertigsuppen, die nur mit heißem Wasser aufgegossen werden müssen, ich nahm das Abendessen hin und wieder im Hotel ein oder kochte selbst in Camp-Küchen und Hostels. Natürlich war meine Ernährung nicht übermäßig gesund und ausgewogen, aber mein Körper würde das schon eine Weile aushalten, sagte ich mir. Und wenn ich mich zu sehr um eine mangelnde Vitaminzufuhr sorgte, könnte ich immer noch Vitaminpillen einwerfen.

Welche Unterkünfte buchte ich also? Hotels, Hostels und Cabins auf Campingplätzen, immer als Einzelzimmer und immer kostenbewusst. In Melbourne beispielsweise wohnte ich in einem außerordentlich preiswerten Budget Hostel, das so groß und sauber war wie manch teureres Hotelzimmer nicht. Die Unterkünfte waren unterschiedlich in ihrer Ausstattung von sehr einfach (Bett, Tisch, Sessel oder gar nur zwei Betten, sonst nichts) bis sehr gut. Die besten Hotelzimmer fand ich in Thailand. Alle waren riesig groß und blitzsauber und boten herrliche Frühstücksbuffets. Die schlechteste Wahl hatte ich in Buenos Aires getroffen. Hier waren die Matratzen so durchgelegen, dass ich auch nach einem Zimmerwechsel die letzten beiden Nächte auf dem Boden schlief, weil meine Kreuzschmerzen bereits unerträglich geworden waren. Damals schwor ich mir, in Zukunft die Gästekommentare zu Matratzen unbedingt genau zu lesen.

Am schwierigsten gestaltete sich die Festlegung der Reiseroute durch Neuseeland. Auf der Südinsel würde ich ein Mietauto haben, aber wohin sollte ich fahren? Die Reiseführer schwärmten vom Milford Sound, von der Westküste und den Gletschern, vom Abel Tasman Nationalpark, von Dunedin im Südosten und der Otago Halbinsel mit den Pinguinen und Robben.

Ich griff zur Straßenkarte und stellte zunächst fest, dass es auf der Südinsel keine Autobahnen gab. Oh je! Das hieß, ich müsste genügend Zeit fürs Fahren einplanen und durfte die Etappen nicht zu lange wählen, um mich nicht vollkommen fertig zu machen. Damit fiel eine Durchquerung von Nord nach Süd aus, zu lange waren die Fahrtstrecken und zu wenig Zeit verblieb zum Verweilen. Also beschränkte ich meine Planung auf den Süden der Südinsel, denn dort lag der berühmte Milford Sound, den ich unbedingt sehen wollte. Ich beschloss, nach Queenstown zu fliegen, mir dort ein Auto zu mieten und dieses dann am Ende meiner kleinen Autoreise weiter nördlich in Christchurch zurückzugeben. Von dort wollte ich per Flugzeug nach Auckland zurückkehren, um weiter nach Südamerika zu fliegen, der letzten Etappe meiner Weltreise.

Also suchte ich zunächst nach Autovermietungen, die so etwas im Programm hatten. Bei der Budgetfirma „Dollar“ wurde ich zu einem guten Preis fündig. Sehr gut.

Nun ging es darum, die Etappen festzulegen.

Von Google Maps ließ ich mir Entfernungen und Fahrtzeiten berechnen, die alle fast bis auf die Minute genau stimmten, wie ich auf der Reise feststellen sollte. Es wurde mir sehr schnell klar, dass ich, wenn ich nicht den ganzen Tag im Auto verbringen und jede Nacht woanders schlafen wollte, mich beschränken und nochmals eine Auswahl würde treffen müssen. Nur, nach welchen Kriterien sollte ich sie treffen? Alles schien so sehenswert zu sein und ich wollte nicht durchs Land hetzen, sondern mindestens zwei oder drei Nächte an einem Ort verweilen, um die Gegend in Ruhe erkunden zu können.

Ich beschloss, die Wetterkarte als ein Kriterium heranzuziehen.

Es zeigte sich, dass die als wunderschön beschriebene Westküste unglaublich viel Regen abbekam und überdurchschnittlich viele Reisende in diversen Reiseblogs gestanden, außer Regen und Nebel nicht viel gesehen zu haben. Ich zuckte sofort zurück, denn dies erinnerte mich an einen komplett verregneten zehntägigen Urlaub in Irland, wo ich außer Regen, Wolken und nasser Straße nichts von der Insel zu sehen bekommen hatte.

Der Blick auf die neuseeländische Straßenkarte hatte mir außerdem gezeigt, dass die Straßen dort sehr kurvig waren, was ein langsames Vorankommen bedeutete. Nein, die Westküste würde ich streichen. Auch der Südosten reizte mich nicht so sehr, dass ich eine lange Autofahrt dorthin unternehmen wollte. Die schottisch angehauchte Stadt Dunedin würde wohl eher Schottland-Fans interessieren und Robben und Pinguine könnte ich vielleicht auch im Milford Sound beobachten. Ich wollte schöne Landschaften sehen, weite Täler, türkisfarbene Seen und einsame Landstriche.

„Weniger ist mehr“, überlegte ich und beschränkte mich nochmals. Ich buchte meine Unterkünfte in Queenstown, Te Anau und Twizel, alles Orte im Zentrum der Südinsel. Die Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus, denn als ich dann von dort WhatsApp-Nachrichten an Familie und Freunde schickte, schrieb ich Sätze wie: „So schöne Landschaften sah ich noch nie“, „Wieviel Schönheit erträgt der Mensch?“ oder „Ich bin von Schönheit umgeben.“

Nun konnte ich mich zufrieden zurücklehnen, alles war geplant, alles war organisiert. Es war April 2019, noch ein halbes Jahr bis zu meiner Abreise.

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
224 s. 25 illüstrasyon
ISBN:
9783991076605
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar