Kitabı oku: «Muskelprobleme bei Pferden lösen»
ÜBER DIE AUTORIN

Renate Ettl ist ausgebildete Pferdeosteopathin, Pferdephysiotherapeutin, Pferdesporttherapeutin und verbandsgeprüfte Tierheilpraktikerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Tieren auf dem Reiterhof Silver Horse Ranch in Bayern. Die begeisterte Buchautorin- und Pferdefotografin betreibt eine Schule mit den Ausbildungsschwerpunkten Manuelle Pferdetherapie (Osteopathie), Pferdeheilpraktiker und Pferdegesundheitstrainer.
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Gestaltung und Satz: Crystal Verlag, Wentorf
Titelfoto: Peter Ettl
Lektorat: Martina Kiss
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ISBN: 978-3-95847-008-8
RENATE ETTL
MUSKELPROBLEME
bei Pferden lösen
Triggerpunktmassage
Mit einfachen Techniken
zum Erfolg
INHALT
VORWORT

Gesunde, athletische und leistungsfähige Pferde – welcher Pferdebesitzer wünscht sich das nicht? Die Realität jedoch sieht oft anders aus: Obwohl die meisten Pferde regelmäßig unter dem Sattel trainiert werden, sehen sie nicht wie Athleten aus. Die Muskulatur ist zu schwach oder unregelmäßig ausgeprägt, die Bewegungen unkoordiniert und der Arbeitswille des Vierbeiners lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Mit Sporen und Gerte wird schließlich versucht, das Pferd zu mehr Leistungsbereitschaft zu motivieren. Oft genug bleibt es bei diesem Versuch.
Die Ursachenfindung erstickt im Keim, die Begründung der Misere lautet schließlich: „Der ist halt ein wenig faul.“ Im Prinzip gibt es jedoch keine faulen Pferde, dies würde dem Naturell der Fluchttiere widersprechen. Wollen sich die Vierbeiner nicht gern bewegen, steckt meist weder Unwille noch Faulheit dahinter. Vielmehr können die Pferde die geforderte Leistung nicht abrufen. Die Ursachen sind vielfältig, dennoch ist es offenkundig, dass muskuläre und artikuläre Einschränkungen häufig der Grund für vermindertes Bewegungsverhalten sind. Hier hilft zunächst ein guter Osteopath oder Physiotherapeut weiter.

Die Behandlung der Muskulatur ist bei seriösen Pferdetherapeuten ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, da mehr als 80 Prozent der Probleme im Bewegungsapparat einen muskulären Hintergrund haben.
Seriöse Pferdetherapeuten untersuchen und behandeln sowohl die Weichgewebe als auch die Gelenke des Pferdes. Dabei haben erfahrungsgemäß mehr als 80 Prozent der gefundenen Blockierungen einen muskulären Hintergrund. Die Behandlung der Muskulatur des Pferdes hat deshalb oberste Priorität.
Der Therapeut kennt verschiedene Wege, eine verspannte Muskulatur zu behandeln. Neben der klassischen Massage gibt es ein spezielles System, das einfach, aber höchst effizient ist, sodass auch jeder Pferdebesitzer es anwenden kann. In der Humanmedizin ist es als Triggerpunkttherapie bekannt und mit weiteren Synonymen belegt wie Stresspunktmassage oder Osteopraktik. Die Triggerpunkttherapie lässt sich auch auf Pferde übertragen. Im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit als Pferdeosteopathin und -chiropraktikerin habe ich ein spezielles Triggerpunkt-Behandlungssystem für Pferde entwickelt, das auf die Anwendung durch den Pferdebesitzer zugeschnitten ist. Mit etwas Einfühlungsvermögen bedarf es somit keinen großen Aufwand, die Methode zu erlernen und richtig anzuwenden.
Das Triggerpunkt-Behandlungssystem beinhaltet mehrere Behandlungsstufen, die für eine umfassende und vor allem nachhaltige Therapie von entscheidender Bedeutung sind. Diese Behandlungsstufen sind so aufbereitet, dass sie von jedem Pferdebesitzer, der in der Regel keine medizinische Vorbildung hat, angewendet werden können, ohne seinem Pferd zu schaden, wenn er die angegebenen Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen beachtet. Damit wird das System für jeden nachvollziehbar und der Pferdebesitzer kann seinem Pferd ohne großen Aufwand helfen, Muskelverspannungen loszuwerden, Schmerzen zu lindern und den Bewegungsumfang zu verbessern.
Renate Ettl
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ANATOMISCHES BASISWISSEN

1.1 Die Muskulatur des Pferdes
Bevor man die Muskeln des Pferdes behandeln kann, ist ein gewisses Grundwissen hierüber notwendig. Das theoretische Wissen um die Muskeln und Muskelfunktionen des Pferdes erleichtert dem Pferdebesitzer, sich in das Pferd und speziell in die muskulären Strukturen hineinzufühlen. Die Entwicklung des Gefühls ist die wichtigste Voraussetzung, um mit lebendem Gewebe arbeiten zu können. Die Muskulatur des Pferdes ist nicht direkt zu ertasten, immer liegen verschiedene andere Schichten zwischen der menschlichen Hand und dem Muskel des Pferdes. Der Pferdebesitzer muss deshalb lernen, durch diese Strukturen wie Fell, Haut, Unterhautfettgewebe, Faszien und Blutgefäße hindurchzufühlen. Dies erfordert zunächst einen „Imageplan“, eine Vorstellung von den jeweiligen Strukturen, die ihm auf dem Weg zum Muskel begegnen. Ein Blick in den einen oder anderen Anatomieatlas über Pferde kann daher nicht schaden. Eine bildliche Vorstellung der einzelnen Strukturen und ganz besonders der Muskulatur selbst erleichtert die Arbeit mit dem Gewebe – sie macht sie erst wirklich möglich.
MERKE
Die Entwicklung des Gefühls und die mentale Vorstellung der Strukturen sind die wichtigsten Voraussetzungen, um mit dem Gewebe arbeiten zu können.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist eine Bewegungseinschränkung zu mindestens 80 Prozent muskulär bedingt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Behandlung der Muskulatur die meisten körperlichen Probleme des Pferdes lösen kann.
Bei vielen Erkrankungen reagiert die Muskulatur mit. Sie erhöht den Tonus, um mithilfe einer Schonhaltung Schmerzen oder Unwohlsein zu minimieren. Verletzungen und körperliche Gebrechen hängen in der Regel mit Schmerzen zusammen. In der Folge davon spannt sich die Muskulatur an. Der Körper versucht mithilfe der dadurch eingenommenen Schonhaltung, die Schmerzen zu kompensieren.
Selbst nach längst überstandener Verletzung oder Erkrankung bleibt in vielen Fällen der erhöhte Muskeltonus weiter bestehen. Die Ursachen von muskulären Verspannungen und Bewegungseinschränkungen können deshalb nicht immer ergründet werden. Es kommt sogar vor, dass der Grund in einer psychischen Komponente zu suchen ist. In der Regel sind Stressfaktoren der Auslöser für Muskelverspannungen. Nicht selten gründet die Ursache in einer ungünstigen Haltungsform.

Die Ursachen für Muskelprobleme sind vielfältig und liegen nicht selten auch in einer ungünstigen Haltungsform.

Trainingsstress ist ein häufiger Faktor, der muskuläre Probleme auslöst. Der Stress kann dabei sowohl körperlicher als auch mentaler Natur sein.
So ist die dauerhafte Boxenhaltung ein typischer Stressfaktor, da sie keinen ausreichenden Sozialkontakt zu Artgenossen gewährt, die Bewegungsmöglichkeiten zu sehr einschränkt und Langeweile hervorruft. Aber auch die Auslauf-/Offenstallhaltung kann ein nicht unerheblicher Stressfaktor sein, wenn die Herdenzusammenstellung unpassend ist und damit ein Pferd ständig verbissen oder vertrieben wird. Das rang-niedrige Tier kommt nicht zur Ruhe, fühlt sich allein und damit unsicher, weil ihm der Schutz der Herde fehlt.
Es gibt aber noch unzählige weitere Stressfaktoren, die dazu führen, dass Pferde einen erhöhten Muskeltonus haben, so beispielsweise der Fütterungs- und Trainingsstress. Dabei muss das Pferd beim Reiten nicht zwingend geschunden werden, um einen Trainingsstress zu verursachen, es reichen allein Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Reiter und Pferd oder ein unpassender Sattel, der auf die Muskulatur drückt.
Man kann davon ausgehen, dass jegliches Unwohlsein – physisch oder psychisch – eine negative Auswirkung auf die Muskulatur des Pferdes hat. Somit sind die meisten Muskelprobleme beim Pferd stets sekundärer Natur. Nur selten sind primäre Ursachen der Auslöser von Muskelschmerzen und -verspannungen. Darunter fallen beispielsweise Verletzungen wie Muskelrisse, -zerrungen oder Hämatome.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Muskulatur mitbetroffen ist, wenn das Pferd gesundheitliche Probleme plagen. Schließlich nimmt die Muskulatur mehr als 40 Prozent der Körpermasse des Pferdes ein. Sie bildet die äußere Form des Pferdes und stellt damit ein wichtiges Beurteilungskriterium des Exterieurs dar. Das Pferd besitzt in etwa 250 paarig angelegte und einige unpaarige Muskeln. Es versteht sich von selbst, dass die Muskeln auf der rechten Seite auch auf der linken Körperhälfte des Pferdes vorhanden sind. Die unpaarigen Muskeln sind somit logischerweise in der Körpermitte, im Bereich der sogenannten Medianlinie, die das Pferd längs durchschnitten in zwei Hälften teilt, angeordnet.
Bemerkenswert ist, dass das Pferd unter allen Haustieren die sehnigste Muskulatur aufweist. Unterhalb des Vorderfußwurzel- beziehungsweise Sprunggelenks besitzt das Pferd keine Muskeln, sondern nur noch Sehnen. Die Muskeln des Pferdes gehen sehr früh in sehnige Strukturen über, so ist das Pferd mit teils sehr langen Sehnensträngen ausgestattet. Die tiefe Beugesehne ist beispielsweise eine sehr lange Sehne, die an der Vorhand von der Karpalgelenksbeuge bis zum Hufbein zieht.
Aufgrund der stark sehnigen Struktur ist das Pferd sehr leistungsfähig, da Sehnen – im Gegensatz zur Muskulatur – nicht ermüden können. Dennoch hat diese Konstruktion der Natur auch Nachteile. Verletzungen von wenig durchbluteten Sehnen benötigen eine deutlich längere Heilungszeit als Muskeln. Während man bei den Muskeln einen Mittelwert von etwa sechs Wochen annimmt, sind Sehnen erst nach sechs bis zwölf Monaten ausgeheilt. Die Verletzungsdauer richtet sich selbstverständlich nicht nur nach der Struktur, sondern insbesondere auch nach der Art und Schwere der Verletzung.
1.1.1 Aufbau des Muskels
Je nach Gewebeart zeigt die Muskulatur eine unterschiedliche Struktur. Im Körper des Pferdes befinden sich drei verschiedene Muskelgewebearten. Grundsätzlich unterscheidet man quer gestreiftes und glattes Muskelgewebe. Die dritte Variante ist eine Mischung aus beiden Formen.
Die glatte Muskulatur findet man als Ummantelung von Hohlorganen wie Magen, Darm, Blase oder Blutgefäße. Sie ist nicht willkürlich steuerbar, sondern unterliegt einem autonomen, langsamen Rhythmus, der vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Die glatte Muskulatur weist eine gewisse Plastizität auf, das bedeutet, dass sich diese Form des Muskelgewebes auf eine bestimmte Dehnung über einen längeren Zeitraum einstellen kann, ohne zu erschlaffen. Die glatte Muskelzelle hat eine Länge von etwa 0,1 mm. Unter dem Mikroskop findet man weniger Aktin- und Myosinfilamente als in der quer gestreiften Muskulatur, wodurch eine Querstreifung nicht ersichtlich wird.

Jede Muskelfaser, aber auch der gesamte Muskel ist mit einer Bindegewebshülle, der sogenannten Faszie, umgeben. Die Faszien können bei Verspannungen der Muskulatur verkleben, was Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zur Folge hat.
Quer gestreifte Muskelfasern findet man hingegen in der Skelettmuskulatur. Sie sind das Muskelgewebe, mit dem man bei der Triggerpunkttherapie arbeitet. Dieses Muskelgewebe ist über das Nervensystem willkürlich steuerbar, der Impuls für die Kontraktion einer Muskelfaser geht somit vom Gehirn (Großhirnrinde) aus.
Der Muskel an sich ist mit einer Bindegewebsschicht, der sogenannten Faszie, umgeben und besteht aus mehreren Muskelfaserbündeln. Die Muskelfaserbündel werden ebenfalls von einer faszialen Haut umschlossen. Weiter unterteilen sich die Faserbündel in einzelne Muskelzellen. Die Muskelzellen der quer gestreiften Muskulatur werden auch Muskelfasern genannt und können mehrere Zentimeter lang sein. Die Skelettmuskelzellen sind von einem Sarkolemm (Membran der Muskelzelle) umgeben und beinhalten feine Eiweißfasern, die man Myofibrillen nennt. Diese sind für die Kontraktion des Muskels zuständig, wobei sich diese Eiweißmoleküle, die auch die Bezeichnung Aktin- und Myosinfilamente führen, ineinanderschieben. Die Anordnung der Aktin- und Myosinfilamente zeigt unter dem Mikroskop betrachtet eine Querstreifung auf, weshalb die Skelettmuskulatur auch quer gestreifte Muskulatur genannt wird.
In jedem Muskelbauch befinden sich außerdem spezielle Muskelfasern, die nur wenige Millimeter lang sind. Man bezeichnet sie als Muskelspindeln. Sie dienen in erster Linie als Dehnungsrezeptoren und stellen den Muskeltonus ein. Sie haben zudem die Aufgabe, die Länge und somit den Dehnungszustand der jeweiligen Muskelfaser zu registrieren und diese an das Gehirn zu übermitteln. Muskelspindeln sind nur in der Skelettmuskulatur vorhanden.
Am Übergang zwischen Muskel und Sehne befindet sich das Golgi-Sehnenorgan, das den Spannungszustand eines Muskels misst und über Nervenfasern an das Gehirn weiterleitet.
Die dritte Muskelgewebeart ist eine Mischung aus der quer gestreiften Muskulatur und der glatten Gewebeform. Es handelt sich um die Herzmuskulatur, die einerseits wie die Skelettmuskulatur eine Querstreifung aufweist, andererseits aber – wie die glatte Muskulatur – nicht willkürlich steuerbar ist. Die Herzmuskulatur nimmt somit eine Sonderstellung ein.
MERKE
Es gibt drei verschiedene Varianten von Muskelgeweben:
• Glatte Muskulatur (Hohlorgane, unwillkürlich steuerbar)
• Quer gestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur, willkürlich steuerbar)
• Herzmuskulatur (quer gestreift, aber unwillkürlich steuerbar)
Da für die Triggerpunkttherapie nur die Skelettmuskulatur von Belang ist, ist auch immer diese gemeint, wenn nachfolgend von der Muskulatur oder dem Muskel die Rede ist.
Der Muskel geht stets in ein Sehnengewebe über, womit er schließlich am Knochen befestigt ist. Die körpernahe Befestigungsstelle wird Ursprung, die körperferne Anhaftungsstelle Ansatz oder Insertion genannt. Zwar setzen die Muskeln über die Sehnen in erster Linie am Knochen an, dennoch können diese auch in Bänder oder Fasziengewebe einstrahlen.
Sehnen bestehen aus kollagenen Bindegewebsfasern, die sehr straff und fest sind. Diese Fasern sind zu einem Faserbündel zusammengefasst und ergeben den Sehnenstrang, der von Bindegewebe umhüllt wird. Die Dehnungskapazität von Muskeln und Sehnen ist höchst unterschiedlich. Eine Sehne hat eine Dehnungskapazität von nur etwa vier Prozent. Höhere Zugbelastungen führen bereits zu Überdehnungen und ab einer Dehnung von acht Prozent kommt es zu Zerreißungen der Sehnenfasern.

Überbelastungen der Sehne kommen zustande, wenn kurzzeitig zu hohe Zugbelastungen auf die Struktur einwirken, wie beispielsweise bei der Landung nach dem Sprung.
MERKE
Sehnen besitzen eine Dehnkapazität von etwa vier Prozent. Stärkere Zugbelastungen führen zu Verletzungen wie Überdehnungen oder Zerreißungen.
Aufgrund der geringen Dehnkapazität sind Sehnen stark verletzungsgefährdet. Insbesondere ist die Insertionszone – der Übergang des Sehnengewebes zum Knochen – von Verletzungen betroffen. Der Grund ist die große Belastung dieser Region, weil hier ein Ausgleich der Strukturen zwischen Sehne und Knochen geschaffen werden muss, deren Elastizität jedoch höchst unterschiedlich ausfallen. Da diese Kompensation nicht immer gelingt, ist die Ansatzstelle der Sehne einer hohen Beanspruchung ausgesetzt, wodurch es leichter zu Verletzungen kommen kann. So treten bei Pferden relativ häufig sogenannte Insertionstendopathien auf.
Diese und weitere Sehnenverletzungen entstehen insbesondere durch zu hohe und zu schnell einwirkende Zugbelastungen auf die Sehne, beispielsweise beim Auffußen nach dem Sprung. Eine Überbelastung kommt leichter zustande, wenn der Muskel-Sehnen-Bereich nicht genügend aufgewärmt ist. Fachgerechtes Aufwärmen steigert die Dehnungskapazität der myofaszialen Strukturen und schützt somit vor Verletzungen.
Sehnen sind deutlich weniger durchblutet als Muskeln, somit ist der Stoffwechsel im Sehnengewebe herabgesetzt, was zu erheblich längeren Heilungszeiten nach Verletzungen führt. Während Muskelgewebe relativ schnell regeneriert und – je nach Verletzungsgrad – mit nur einigen Wochen Heilungszeit gerechnet werden muss, müssen bei Sehnenschäden mehrere Monate bis über ein Jahr veranschlagt werden, bis eine Verletzung ausgeheilt ist.

Weiße Muskelfasern arbeiten im anaeroben Bereich und stellen kurzzeitig eine hohe Muskelkraft bereit, wie es beim Spin des Westernpferdes notwendig ist.
1.1.2 Verschiedene Muskelfasern
Es werden zwei Haupttypen von Muskelfasern unterschieden. So bietet die Skelettmuskulatur zum einen sogenannte weiße Muskelfasern, die auch helle (blasse), Fast-twitch-, F- oder Typ-2-Fasern genannt werden, zum anderen rote Muskelfasern mit den synonymen Bezeichnungen dunkle, Slow-twitch-, S- oder Typ-1-Fasern.
Das Verhältnis von roten und weißen Muskelfasern ist zum einen genetisch bedingt und rasseabhängig, zum anderen ist die Faserverteilung durch Training bis zu einem gewissen Grad auch veränderbar. So bestimmt unter anderem die Funktion des jeweiligen Muskels die Verteilung von roten und weißen Muskelfasern. Haltemuskeln sind mit einem höheren Anteil von Typ-1-Fasern ausgestattet, Bewegungsmuskeln hingegen beinhalten mehr Typ-2-Fasern. Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Eigenschaften zwischen den roten und weißen Muskelfasern.
Insbesondere ist die Kontraktionsgeschwindigkeit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Weiße Muskelfasern kontrahieren signifikant schneller als rote und arbeiten im anaeroben Bereich. Slow-twitch-Fasern hingegen benötigen Sauerstoff für ihre Muskelarbeit, funktionieren also vor allem im aeroben Bereich und werden deshalb auch oxidative Fasern genannt. Weil die weißen Muskelfasern im anaeroben Bereich arbeiten, können sie schnelle Muskelkraft bereitstellen, was bei sportlichen Leistungen wie Sprüngen, kurzen Sprints und schnellen Manövern mit hohem Kraftaufwand erforderlich ist. Die langsam zuckenden roten Muskelfasern benötigen mehr Sauerstoffkapazität und eignen sich deshalb nicht für hohe Kraftanstrengungen, sondern vielmehr für Ausdauerleistungen. Die Arbeit kann dafür über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden, jedoch ist die Intensität von Schnelligkeit und Kraft deutlich geringer. Weiße Muskelfasern hingegen ermüden frühzeitig, sie können hohe Kraftleistungen deshalb nur kurzzeitig erbringen.
Die langsam zuckenden roten Muskelfasern sind auf Ausdauerleistungen ausgelegt, wie sie insbesondere das Gelände- und Wanderreitpferd benötigt.

Die langsam zuckenden roten Muskelfasern sind auf Ausdauerleistungen ausgelegt, wie sie insbesondere das Gelände- und Wanderreitpferd benötigt.
Daraus folgt, dass weiße Muskelfasern für Aufgaben geeignet sind, die Schnellkraft erfordern. Rote Muskelfasern bieten sich vielmehr für Ausdauerleistungen an, weil sie eine mäßige Kraft über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können. Daraus lässt sich ableiten, dass Kurzstreckenrennpferde (Sprinter) im Verhältnis mehr weiße Muskelfasern benötigen. Das Distanz- und Wanderreitpferd hingegen ist mit einer höheren Anzahl von roten Muskelfasern besser bedient.
Die rote Färbung der Muskelfaser ergibt sich über eine höhere Myoglobinkonzentration, wodurch mehr Sauerstoff bereitgestellt werden kann. Die myoglobinarme (weiße) Muskelfaser erscheint im Gegensatz dazu aufgrund der geringeren Konzentration des Muskelfarbstoffs heller.
Muskelfasertypen


Die Skelettmuskulatur hat in erster Linie die Aufgabe, den Körper in Bewegung zu versetzen. Sie leistet aber auch Haltearbeit und hat somit mitunter eine stabilisierende Funktion.
Eine ausgeglichene Mischung aus roten und weißen Muskelfasern nennt man Intermediärtyp, der sich insbesondere durch Training in die eine oder andere Faserrichtung beeinflussen lässt. Bei einer andauernden Trainingsweise, die nicht mehr als 15 Prozent des maximalen Kraftaufwands erfordert – also der überwiegenden Arbeit im aeroben Bereich –, gelingt der teilweise Umbau von weißen in rote, langsam zuckende Muskelfasern. Die trainingsbedingte Umstrukturierung von Slow-twitch-Fasern in schnell zuckende Muskelfasern ist hingegen weniger erfolgreich.
1.1.3 Lage und Funktionalität
Sowohl für den Reiter als auch für den Muskeltherapeuten ist es besonders wichtig, die Lage der Muskeln im Pferdekörper zu kennen. Zudem ist die Kenntnis der Muskelfaserrichtung ein entscheidender Faktor, um einen Massagegriff korrekt anzusetzen. Beispielsweise muss bei der (in der Triggerpunkttherapie eingesetzten) Querfriktion eine – wie der Name bereits verrät – Reibung quer zur Muskelfaser erfolgen. Dies ist deshalb entscheidend, weil der Behandlungserfolg von der richtig ausgeführten Technik abhängt.
Nun verlaufen die Muskelstränge und Sehnen nicht immer geradlinig von A nach B, sondern werden über Knochenvorsprünge geführt, über sogenannte Sesambeine umgelenkt oder teilen sich in mehrere Muskelstränge auf. Der einfache Aufbau des Muskels mit einem Muskelbauch und zwei an Knochen ansetzenden Sehnen wird also nicht immer displizit eingehalten. Oft verzweigen sich die Muskelbäuche, haben somit einen Ursprung, aber mehrere Ansätze. Dies spiegelt sich dann meistens auch im Namen der Muskeln wider: Bizeps (zweiköpfig), Trizeps (dreiköpfig) oder Quadrizeps (vierköpfig). Um die Sache noch komplizierter zu gestalten, liegen die Muskeln außerdem nicht brav neben- oder übereinander. Sie tauschen manchmal Fasern untereinander aus, womit sie regelrecht miteinander verflochten sind. Somit darf ein einzelner Muskel nicht separat, sondern muss stets in Verbindung mit allen anderen Muskeln und Geweben gesehen werden. Die Lage und Funktionalität wird nicht allein von diesem einen Muskel bestimmt, sondern werden mitunter von Faszien, Bändern, Knochen, Nerven, Blutgefäßen und Bindegewebe entscheidend beeinflusst.

Man muss Ursprung, Ansatz, Verlauf und Funktion der oberflächlichen Muskulatur kennen, um deren Zustand durch Palpation beurteilen und letztendlich auch behandeln zu können.
Ein einzelner Muskel ist außerdem nicht in der Lage, seiner Aufgabe nachzukommen, wenn sein gekoppelter Partner nicht „mitspielt“. Muskeln können sich nämlich nur zusammenziehen (kontrahieren), jedoch nicht aktiv entspannen. Damit die Myofibrillen wieder auseinandergleiten, muss ein gegensätzlich arbeitender Muskel, der sogenannte Antagonist (Gegenspieler), kontrahieren. Jeder Muskel ist deshalb auf seinen Gegenspieler angewiesen, um optimal zu funktionieren.
Der aktive, kontrahierende Muskel wird Agonist (Spieler) genannt, der dadurch passiv in die Dehnung gebrachte Muskel wird als Antagonist (Gegenspieler) bezeichnet. Arbeiten zwei oder mehrere Muskeln gleichzeitig und ziehen einen Knochen in dieselbe Richtung, spricht man von Synergisten (Mitspielern).
Muskeln haben unterschiedliche Aufgaben. In erster Linie dient die Skelettmuskulatur dazu, bestimmte Knochen in eine Richtung zu ziehen, damit sich der Körper über eine Beugung oder Streckung im jeweiligen Gelenk bewegen kann. Die Muskulatur ist also für die Bewegung des Körpers verantwortlich. Doch Muskeln bewegen nicht nur, sie stabilisieren auch. Insbesondere die Muskeln der tiefen Ebene erfüllen die Aufgabe der Haltearbeit, so spricht man auch von Haltemuskeln im Gegensatz zu den meist oberflächlich liegenden Bewegungsmuskeln. Die tiefe Rumpfmuskulatur sendet außerdem ständig Signale an das Gehirn über die Lage und Bewegung des Körpers im Raum. Diese Wahrnehmung wird als Propriozeption bezeichnet.
MERKE
Muskeln haben unterschiedliche Aufgaben. Sie dienen insbesondere als Halte- oder Bewegungsmuskeln.
Obwohl die Muskeln nicht selten ineinander verwoben sind, kann man drei Muskelschichten unterscheiden: die oberflächliche, die mittlere und die tiefe Muskelschicht. Über die Massage und Triggerpunkttherapie wird man in erster Linie auf die oberflächliche Muskulatur einwirken. Es ist kaum möglich, mit manuellen Techniken die tiefen Muskelschichten direkt zu erreichen. Dennoch wird die tief gelegene Muskulatur stets auch indirekt beeinflusst. Zudem gewinnt man einen Zugriff insbesondere über Dehntechniken der Extremitäten und des Rumpfes.
Weil man bei der Behandlung der Muskulatur vor allem die oberflächlichen Muskelschichten palpiert (abtastet) und massiert, sollte man vor allem die Lage, den Verlauf und die Funktion dieser Muskeln kennen.
1.1.4 Einführung in den Muskelstoffwechsel
Sportliche Leistungen – aber auch jede einzelne Bewegung des Körpers – sind von der Muskelaktivität abhängig. Der Muskel benötigt jedoch für seine Arbeit eine Art von Treibstoff, der über chemische Stoffwechselvorgänge in Energie umgewandelt wird. Diese Energie besteht allerdings zu 75 Prozent aus Wärme, nur 25 Prozent der Energie wird für die Bewegung aufgewendet.
Dem Körper stehen hierfür verschiedene Energieträger zur Verfügung. Jede Energieform hat unterschiedliche Eigenschaften, die sich in ihrer Kapazität, der Schnelligkeit des Zugriffs und Dauer der Verfügbarkeit unterscheiden. Welche Energieträger angezapft werden, ist somit abhängig von der Art der Leistung, die dem Körper abverlangt wird.
Immer jedoch muss das Adenosintriphosphat (ATP) zur Verfügung stehen, das bei der Muskelarbeit gespalten wird. Um dieses zu generieren, stehen mehrere Energiedepots zur Verfügung. Zunächst jedoch werden geringe Mengen des ATP im Muskel vorrätig gehalten, damit sie sofort abrufbar sind, wenn sie benötigt werden. Durch die Spaltung des ATP entsteht das Zerfallsprodukt Adenosindiphosphat (ADP) sowie anorganische Phosphate. Auf diese Weise wird der Körper zwar sehr schnell, aber nur für extrem kurze Zeit mit Energie versorgt. Der Vorrat an ATP ist innerhalb von wenigen Sekunden bereits verbraucht, weil der Muskel nur geringe Mengen des energiereichen ATP speichern kann.
Soll der Muskel jedoch weiterarbeiten, muss der Körper die nächste Energiestufe anzapfen, um wiederum ATP herstellen zu können. Als weitere Energiequelle steht deshalb das Kreatinphosphat (KP) zur Verfügung, dem sich der Körper bedient, um in Verbindung mit ADP wiederum das ATP herzustellen. Der Vorrat des KP ist aber ebenfalls nach etwa 20 Sekunden intensiver Muskelarbeit erschöpft. Das Pferd müsste jetzt eine Pause einlegen und etwa drei Minuten warten, bis die Kreatinphosphatspeicher wieder gefüllt sind. Nachfolgend könnte das Pferd wiederholt eine knappe halbe Minute laufen oder springen.
Da jeder Pferdebesitzer schon aus Erfahrung weiß, dass das Pferd aber durchaus länger laufen kann, muss es weitere Energiequellen geben, die das Pferd plündert, sobald die Kreatinspeicher leer sind. Die gibt es selbstverständlich auch, und zwar in Form von Glykogen, der Speicherform von Glukose (Traubenzucker), und letztendlich auch Fettsäuren. Glykogen wird in der Muskulatur, aber auch in der Leber gespeichert. Der gespeicherte Vorrat reicht für etwa eine halbe Stunde Muskelarbeit. Sind nach dieser Zeit die Glykogenspeicher aufgebraucht, zapft der Körper schließlich die Fettreserven an.
Allerdings darf man sich die Verwertung der Energiequellen nicht so vorstellen, dass ein Depot zuerst vollständig geleert wird, bis die nächste Quelle ausgeschöpft wird. Die Energiequellen werden stets ineinander übergreifend angezapft. Dennoch gibt es die Regel, dass je kürzer und intensiver die Leistungsanforderung, desto eher werden die gespeicherten Phosphate als Energiequelle herangezogen. Je länger und moderater die geforderte Leistung hingegen ist, desto eher verbrennt der Körper Zucker und Fette.

Um den Fettstoffwechsel anzuregen, ist eine kontinuierliche leichte Arbeit wesentlich effektiver als kurzzeitige hohe Leistungsanforderungen.
Zucker und Fette werden mit der Nahrung aufgenommen, in eine speicherfähige Form gebracht und eingelagert. Fettreserven stehen dabei in fast unerschöpflichem Maß zur Verfügung. Wie viel Glykogen in den Speichern vorhanden ist, hängt vom Trainingszustand und von der Nahrungszufuhr über Kohlenhydrate ab. Die adäquate Fütterung spielt deshalb eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Leistungsfähigkeit des Pferdes.
Nach Verbrauch des gespeicherten Zuckers greift der Körper nun auf die Fettreserven zu. Dies kann er allerdings nur im aeroben Stoffwechsel. Bei kurzzeitigen Höchstleistungen können die Fettreserven nicht genutzt werden. Soll ein Pferd abspecken, ist eine kontinuierliche leichte Arbeit deutlich effektiver als hohe, aber kurzzeitige Leistungen. Das Pferd muss dabei im aeroben Stoffwechselbereich bleiben, wobei es nicht mehr als 15 Prozent der möglichen Muskelkraft aufwenden darf.
MERKE
Der Abbau von Fettreserven findet nur im aeroben Stoffwechsel statt, wobei das Pferd nicht mehr als 15 Prozent der maximalen Muskelkraft aufwenden darf.
Sollten selbst die Fettreserven zur Neige gehen, nimmt sich der Körper im äußersten Notfall Eiweiße als Energiequelle vor. Dieser Prozess allerdings zerstört die Zellen und führt somit zu körperlichen Schäden.

Die Überwachung der Herzfrequenz mit Hilfe eines Pulsmessers kann helfen, das Training des Pferdes zu optimieren.
Aerober und anaerober Stoffwechsel
Da die Energiequellen Adenosintriphosphat und Kreatinphosphat sofort verfügbar sind, aber mit nur kleinem Vorrat zur Verfügung stehen, eignen sich diese Depots für den anaeroben Stoffwechsel. Im Umkehrschluss nutzt der Körper die großen Speichervorräte von Glykogen und Fettsäuren für den aeroben Stoffwechsel, insbesondere auch deshalb, weil die Verfügbarkeit zeitlich verzögert ist.
Der aerobe Stoffwechsel findet unter Sauerstoffverbrauch statt. Das bedeutet in der Praxis, dass der aerobe Stoffwechsel nur dann gegeben ist, wenn nicht mehr Leistung abgefordert wird, als die Lunge an Sauerstoff liefern kann. Die sportliche Leistung ist dabei relativ gering, kann aber über einen langen Zeitraum aufrechterhalten werden. Arbeitet der Organismus hingegen im anaeroben Bereich, findet der Stoffwechsel ohne Sauerstoffverbrauch statt. In diesem Fall werden ATP und KP abgebaut (siehe oben). Zudem kann es zu einer unvollständigen Glukoseverbrennung mit anfallendem Laktat kommen. Die Leistung kann nur kurzzeitig aufrechterhalten werden, dann ist das Pferd „außer Atem“ und muss eine Pause einlegen (um die verbrauchten Phosphatspeicher wieder zu füllen).
Kommt es zur unvollständigen Verbrennung von Glukose mit Laktatbildung, übersäuert der Muskel. Dies spürt man als „Brennen“ im Muskel. Im Leistungssport wird die Laktatmessung herangezogen, um den Bereich zu finden, in dem der aerobe Stoffwechsel in den anaeroben übergeht. An dieser sogenannten Schwellenleistung erbringen Pferde die größtmögliche Ausdauerleistung. Aus diesem Grund möchte man die Tiere im Schwellenbereich trainieren. Doch eine Laktatmessung ist beim Pferd nicht praktikabel, so muss man auf die Herzfrequenzmessung ausweichen, um eine optimale Trainingsbelastung zu erreichen. Mit zunehmender Fitness eines Pferdes verlagert sich der Schwellenwert und somit der Übergang in den anaeroben Bereich. Das Pferd kann auf diese Weise mehr im aeroben Bereich leisten als ein untrainiertes Tier.
Es setzt viel Gefühl und Kenntnis voraus, ein Pferd optimal zu trainieren und Überforderungen zu vermeiden. Überlastungsphasen führen letztendlich zu Verletzungen in Muskeln, Sehnen oder Bändern. Die meisten Pferde haben muskuläre Probleme aufgrund unsachgemäßen Trainings.

Ein Muskelriss wird durch eine Delle im Muskelverlauf sichtbar.
1.2 Auffinden von muskulären Problemen
Muskuläre Probleme sind beim Pferd ein sehr häufiges Phänomen, was bei über 40 Prozent Körpermasse nicht ungewöhnlich ist. So ist es nicht verwunderlich, dass mehr als drei viertel der Bewegungseinschränkungen dem myofaszialen System zuzuordnen sind. Ein guter Grund, der Muskulatur mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Um muskuläre Probleme behandeln zu können, müssen sie zunächst erkannt und deren Ursachen beseitigt werden. Die Behandlung der Muskulatur muss stets mit der Ursachenfindung und -beseitigung Hand in Hand gehen, um eine langfristige Lösung zu erzielen.
1.2.1 Ursachen von Muskeldysfunktionen
Die häufigste Form der muskulären Dysfunktion ist die Muskelverspannung. Sie entsteht immer aufgrund einer Stresssituation, die nun allerdings sowohl physisch als auch psychisch bedingt sein kann. Stresssituationen sind sehr vielfältig und decken nicht nur den Trainingsbereich ab. So kennen wir auch den Haltungs- und Fütterungsstress (siehe auch Kap. 4.1.) sowie den Trainings- und Verletzungsstress.
Physische Überforderungen haben häufig auch Verletzungen zur Folge, die einen weiteren Aspekt für nachfolgende Muskelverspannungen darstellen. Verletzungen der Muskulatur entstehen immer aufgrund einer Überbeanspruchung der Struktur. Dabei darf man die Muskulatur nicht getrennt vom Sehnenapparat betrachten. Muskeln und Sehnen bilden eine Einheit und beeinflussen sich gegenseitig. Kommt es zu einer Sehnenzerrung, wird der dazugehörige Muskel mit kontrakten Fasern reagieren, die den Zug auf die verletzte Sehne weiter erhöhen. Bei der Behandlung sind deshalb stets beide Komponenten – Muskel und Sehne – zu berücksichtigen.
MERKE
Eine Sehnenverletzung hat immer auch eine Verspannung des zugehörigen Muskels zur Folge.
Überbeanspruchungen der Muskulatur können durch Fehltritte des Pferdes, Überlastungen im Training, eine ungenügende Aufwärmphase oder traumatische Ereignisse wie Tritte oder Schläge von Artgenossen entstehen. Die Auswirkungen sind unterschiedlich und richten sich mitunter nach der Schwere der Verletzung. In der Reihenfolge der Schwere der Verletzung werden Muskelläsionen wie folgt eingeteilt: Muskelzerrung – Muskelkater – Muskelfaserriss – Muskelriss – Muskelprellung – Muskelkrämpfe.
Doch jede Verletzung kann wiederum in verschiedene Schweregrade eingestuft werden, sodass die Reihenfolge der Auflistung nicht zwingend ist.
Man sieht, dass bereits ein Muskelkater eine Verletzung darstellt, die nicht verharmlost werden sollte. Bei einem Muskelkater handelt es sich nach aktueller Lehrmeinung um kleinste Muskelfaserrisse. Immer noch kursiert jedoch die veraltete Annahme, es handle sich um eine Muskelübersäuerung durch die Bildung von Laktat. Diese These ist allerdings längst widerlegt. Auch die Meinung, dass man bei einem Muskelkater das Pferd weiterhin bewegen sollte, ist veraltet. Vielmehr ist Schonung angesagt, bestenfalls nur leichte Bewegung und Wärmeapplikationen.
Muskelzerrungen sind häufige Verletzungen des Pferdes, wobei diese von den Reitern oft gar nicht erkannt werden. Das Pferd zieht sich eine Muskelzerrung durch zu intensive Belastung, falsches Training und mangelhaftes Aufwärmen zu. Der Muskel wird dabei bis zur Belastungsgrenze gedehnt, überschreitet die Elastizitätsgrenze jedoch noch nicht. Die nächste Stufe, bei der bereits einzelne Muskelfasern zerreißen, wäre der Muskelfaserriss. Die Ursachen sind dieselben wie bei einer Zerrung, jedoch wirken die auslösenden Faktoren intensiver ein. Bei noch größeren zerstörerischen Einwirkungen können ganze Muskelbündel reißen oder gar der gesamte Muskel. Da sich gerissene Muskelfasern aufrollen und einziehen, hinterlassen diese Verletzungen stets sichtbare Dellen im Bereich der Verletzungsstelle.
Vor Unfällen ist man nicht immer gefeit, dennoch kann umsichtiges Verhalten beim Reiten und im Umgang mit dem Pferd bereits viele Verletzungen vermeiden. Im Training kann man Verletzungen der Muskulatur am besten verhindern, indem der Reiter auf ausreichend lange und gut strukturierte Auf- und Abwärmphasen achtet.
Muskelprellungen erleiden Pferde meist aufgrund von Tritten durch Artgenossen. Um diese Verletzungen zu vermeiden, sollte man die Haltungsbedingungen überprüfen: Hat das Pferd genügend Ausweichmöglichkeiten im Herdenverband? Die häufigsten Verletzungsgründe sind zu wenig Auslauf bei zu hohem Pferdebe-satz sowie eine ungünstige Herdenkonstellation.
Muskelkrämpfe kommen bei Pferden eher selten vor und sind meist das Resultat eines Elektrolytverlusts durch Schwitzen. Zu hohe Leistungsanforderungen (Überlastung) bei zu geringer Mineralstoff- und Wasserzufuhr ist die häufigste Ursache.
Jegliche Muskelverletzungen gehen in der Regel mit Schmerzen einher, die wiederum zur Folge haben, dass die Pferde versuchen, über eine bestimmte Schonhaltung oder -bewegung eine Schmerzlinderung zu erreichen. Diese Schonhaltung steht zunächst mit einer angespannten Muskulatur in Verbindung. Die über einen längeren Zeitraum eingegangene Schonhaltung oder Vermeidungsbewegung ist fast immer eine unnatürliche Bewegung oder Haltung, was folglich muskuläre Überlastungen und daraufhin Verspannungen verursacht. Somit befindet sich das Pferd in einem Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.
Es reicht leider meist nicht aus, die Ursache zu finden und zu beseitigen, um muskuläre Verspannungen dauerhaft zu lösen. Deshalb ist die Unterstützung eines Therapeuten, der die Muskeln des Pferdes behandelt, ein wichtiger Aspekt im therapeutischen Gesamtkonzept, um eine langfristige Besserung herbeizuführen.

Schwitzt das Pferd aufgrund hoher sportlicher Leistungen regelmäßig sehr stark, kann es unter einem Elektrolytverlust leiden. Dies kann in schweren Fällen zu Muskelkrämpfen führen, wenn die Mineralstoff- und Wasserzufuhr nicht rechtzeitig ausgeglichen wird.
Bevor man muskuläre Verspannungen jedoch lösen kann, muss man sie zunächst erst einmal auffinden. Viele Reiter kennen den muskulären Zustand ihres Pferdes überhaupt nicht. Sie trainieren mehr oder weniger oft und intensiv, wissen jedoch nicht, wie sich die Muskulatur dabei entwickelt oder verhält. Nicht selten bauen Pferde eine muskuläre Schutzspannung gegen das (unsachgemäße) Training auf, sodass sich Muskeln nicht auf-, sondern eher abbauen.
MERKE
Pferde bauen muskuläre Schutzspannungen auf, um sich vor Verletzungen, Überforderung oder Schmerzen zu schützen. Die damit verbundenen Daueranspannungen und Fehlhaltungen können zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen und verhindern einen Muskelaufbau.
Dass etwas mit der Muskulatur des Pferdes nicht in Ordnung ist, kann der Reiter aber schon an verschiedenen Anzeichen erkennen. Taktunreine Gänge oder gar Lahmheiten sind nicht nur Zeichen von eventuellen Verletzungen, sondern auch muskulären Dysbalancen und Verspannungen. Verspannungen können aber auch ohne eine verletzungsbedingte Kombination entstehen.

Die Ausprägung der Muskulatur wird im Seitenvergleich beurteilt. Ausbalancierte Pferde haben meist auch eine symmetrische Muskulatur.
Ein verminderter Raumgriff, Unwilligkeit oder ein faul wirkendes Pferd sind ebenfalls Hinweise für mögliche muskuläre Probleme. Weigert sich das Pferd, eine bestimmte Bewegung auszuführen, ist dies ebenfalls ein Anzeichen. Ein typisches Beispiel hierfür ist, wenn das Pferd sich schlecht stellen oder biegen lässt. Gute Reiter erkennen muskuläre Probleme an einem festgehaltenen Rücken, wenig Raumgriff, unnachgiebigen Maul, einem fixiert getragenen Schweif oder verhaltenen Gängen. Wenn bereits Abwehrreaktionen beim Putzen auftreten, leidet das Pferd schon unter stark schmerzenden Muskelproblemen. Empfindlichkeiten an bestimmten Körperstellen können ebenfalls ein Hinweis auf eine muskuläre Dysfunktion sein.
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