Kitabı oku: «Jakobsweg Infos: 101 Dinge, die man über den Jakobsweg wissen muss»
101 Dinge
die man über den
Jakobsweg
wissen muss
Renate Florl

Inhalt
Ein herzlicher Pilgergruß!
1Abenteuer | Im eigenen Schritt-Tempo in der schnelllebigen Welt unterwegs
2Alto del Perdón | »Wo sich der Weg des Windes mit dem Sternenweg kreuzt«
3Ankommen | Ich komme an … Ich werde wohlwollend aufgenommen … Es kommt darauf an …
4Arnika | Probates Mittel für vielerlei Beschwerden
5Aufbruch | Jedes Pilgern beginnt mit dem Aufbrechen – jeden Tag aufs Neue
6Ausrüstung | Was nehme ich mit? Was brauche ich wirklich?
7Bars | Sooo viele Einkehrmöglichkeiten entlang des Camino Francés
8Begegnungen | Diese sind auf dem Camino »das Salz in der Suppe«
9Betten | Jeden Tag ein anderes
10Blasen | Es gibt keine Verpflichtung, welche zu bekommen!
11Buen Camino | Zwei einfache Wörter als freundlicher und aufmunternder Pilgergruß
12Camino | Das spanische Wort »Camino« heißt auf Deutsch übersetzt »Weg«
13Codex Calixtinus | Uraltes Pilgerbrevier mit detaillierten Angaben zur Route
14Compostela | Schlangestehen für das begehrte Dokument in Santiago de Compostela
15Cruz de Ferro | Höchster Punkt auf dem Camino Francés in Spanien
16Dankbarkeit | Dankbarkeit hat eine erstaunliche Kraft
17Der Mond ist aufgegangen … | … so sind gar manche Sachen, die wir getrost belachen, weil uns’re Augen sie nicht seh’n …
18Durchhänger | Eine kleine, Mut machende Geschichte
19Endlichkeit | Annehmen, was unvermeidlich ist
20Etappen | Ich komme ans Ziel, egal ob ich 5 oder 50 Kilometer am Tag wandere
21Euro | Schauen wir »die Kehrseite der Medaille« mal etwas genauer an
22Faszination des Pilgerns | »Laufend« bereichernde Erfahrungen auf dem Jakobsweg machen
23Finisterre und Muxía | Für viele Pilger erst das eigentliche Ende des Jakobswegs
24Frühstück | Die meisten Pilger ziehen morgens ohne dieses los
25Füße erfrischen … | … in einem Bach? Tatsächlich Erfrischung oder eher eine Dummheit?
26Galgen- und Hühnerwunder | Das ist DIE Legende des Jakobswegs quer durch Europa
27Gebet | Hilfe in allen Lebenslagen?
28Gedanken | Sie begleiten uns jeden Tag, ja, sie »rattern« fast jede Minute
29Gegenwart | Das Leben findet im jeweiligen Moment statt
30Geheimnis des Jakobswegs | Gibt es heutzutage wirklich noch Geheimnisse?
31Gehen | »Es würde alles besser gehen, wenn man mehr ginge«
32Gelassenheit | Im Wort »Gelassenheit« steckt das Wörtchen »lassen«
33Gepäcktransport | Nur mit dem Tagesrucksack unterwegs – ein Vorteil?
34Glück | Was ist Glück, was ist Unglück?
35GPS | Moderne Satellitentechnik auf dem uralten Jakobsweg
36Grab des Jakobus | Heiligengräbern wird eine besondere Aura zugesprochen
37Grenzen | Sichtbare und unsichtbare Grenzen auf dem Jakobsweg
38Hallo! | Nichts ist überraschender, als an einem fremden Ort Bekannte zu treffen!
39Heiliges Jahr | Der Gedenktag Jakobus des Älteren ist der 25. Juli
40Herz und Verstand | Wenn wir uns entscheiden: Wer entscheidet dann?
41Höhepunkte | Auf dem Pilgerweg wie auch auf dem Lebensweg gibt es Höhepunkte
42Hospitaleras/Hospitaleros | Wichtiger Dienst der freiwilligen Helfer in den Herbergen
43Hostels/Hotels | Welche Unterkunft wähle ich?
44Hunde | Das Thema Tiere ist beim Pilgern immer wieder aufs Neue aktuell
45Innerer Akku | Nicht nur das Handy möchte regelmäßig geladen werden
46Internet | Die erste Frage in der Herberge lautet: Gibt es Wi-Fi?
47Jakobsweg | Der Jakobsweg kostet Kraft, der Jakobsweg gibt Kraft
48Jakobus der Ältere | Einer der beiden Donnersöhne, Schutzheiliger der Pilger und Reisenden
49Jeden Tag neu | Der Jakobsweg hat seinen eigenen Rhythmus
50Kilometer | 5 oder 50 Kilometer am Tag?
51Kirchen und Klöster | Früher waren dies die bevorzugten Pilgertreff- und Sammelpunkte.
52Kondition und Fitness | Wie viel brauche ich für den Jakobsweg?
53Kraftorte | Vieles kann ein besonderer Ort der Kraft sein
54Lieder, Gesänge und Musik | Was Kanons, Lieder und Gesänge für einen bedeuten können
55Luxus | Wie passen Luxus und Pilgern zusammen?
56Markierung | Gelbe Pfeile, Wegsteine mit Muscheln, kleine Kunstwerke
57Meseta | Die schier unendliche Weite im kastilischen Hochland
58Motivation? | Damals wie heute eine spannende Frage
59Muschel | Das Erkennungszeichen der Jakobspilger
60Nachtruhe | In den Herbergen muss eine festgelegte Nachtruhe eingehalten werden
61Natur | Vielfalt statt Eintönigkeit, Reichtum in Hülle und Fülle
62Ohrenstöpsel | Ein bisschen Abstand ist manchmal von Vorteil
63Orte, Dörfer und Städte | Einige Highlights entlang der Route
64Pilger | Pilger sind auf dem Weg zu heiligen Stätten
65Pilgerausweis | Dokumentation der zurückgelegten Route und Erinnerung
66Pilgergottesdienst und Pilgermesse | Berührende Momente in internationaler Gemeinschaft
67Pilgerheilige | Neben Jakobus dem Älteren werden weitere Schutzheilige angerufen
68Pilgerherbergen | Unzählige gute Geister sorgen für die Ankommenden
69Pilgermenü | Abendlicher Genuss in lockerer Runde
70Pilgersegen | Berührende Morgen- oder Abendgebete entlang des Jakobswegs
71Pilgerwanderung | »Laufend« etwas erleben, seelisch und geistig auftanken
72Pilgerweg und Lebensweg | Spannende Parallelen entdecken
73Plastiktüten | Das Rascheln lässt sich kaum vermeiden
74Quellen | Aus welchen Quellen schöpfe ich?
75Radpilger | Mit dem Rad auf dem Jakobsweg unterwegs
76Rast | Quelle der Erfrischung für Körper, Geist und Seele
77Regenbogen | Ein farbenprächtiges Naturschauspiel der besonderen Art
78Santiago de Compostela | Großes Pilgerziel aller Jakobswege in Europa
79Schritt für Schritt | Im persönlichen Schritt-Tempo unterwegs
80Schweißtropfen | Ohne Transpiration keine Inspiration?
81Segen | Segnen bringt Segen – am Morgen, tagsüber und am Abend
82Siebensachen | Pilger tragen ihre Sachen auf dem Rücken – wie eine Schnecke ihr Haus
83Souvenir | Kaum jemand kommt ohne ein Andenken vom Jakobsweg nach Hause zurück
84Spiritualität | Sie zeigt sich in vielen Formen
85Spuren | Sichtbares und Unsichtbares
86Stempel | Ein Pilgerausweis ist eine Sammlung von kleinen Kunstwerken
87Symbole | Auch ein kleines Bild sagt mehr als tausend Worte
88Tagebuch | Die vielfältigen Eindrücke schriftlich festhalten
89Tiefpunkte | Warum Durchhänger zwischendurch ganz normal sind
90Toiletten | Ein gewisses Bedürfnis verspürt jeder Pilger am Tag, meist sogar mehrmals
91Ultreia! | Und immer weiter …
92Verständigung | Warum auch »Guten Morgen«, »Grüß Gott« und »Guten Tag« wichtig sind
93Vertrauen | Manchmal ist es gut, nicht auf alles zu hören …
94Vorbereitung | Was brauche ich alles? Was brauche ich wirklich?
95Wege und Straßen | Uralte Verkehrswege, angenehme Pfade und moderne Autobahnen
96Wetter | Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter … oder es bleibt, wie es ist
97Wo fängt der Jakobsweg an? | Überall in Europa gibt es Jakobswege …
98X- und Y-Kreuz | Besondere Formen von Kreuzen in den Kirchen und unterwegs
99Zeit | Morgen ist das Heute schon gestern
100Ziel und Orientierung | Auf dem Camino orientiere ich mich an Muscheln und gelben Pfeilen
101Zufälle | Oft erscheinen einem die Zufälle wie kleine Wunder
Bildnachweis/Impressum
Ein herzlicher Pilgergruß!
Das Buch, das Sie in Händen halten, ist eine humorvolle, ernsthafte, informative, spirituelle und manchmal auch hintergründige wie auch witzige Hommage an den Jakobsweg – und seine zahlreichen Begleiterscheinungen.
Sie werden viel Bekanntes entdecken, manche Ereignisse insgeheim belächeln, sich in der einen oder anderen Begebenheit möglicherweise selbst erkennen, vielleicht manches Unbekannte erfahren und wer weiß, ob Sie nicht auch manches vermissen werden … Immerhin waren diesem Werk ganz klare Grenzen gesetzt: Mehr als 101 Dinge durften es auf keinen Fall werden. Und Sie werden es sicher schon selbst einmal erfahren haben: Das, was am Anfang nach viel ausgesehen hat, kann am Ende auch mal sehr wenig sein …
Falls Sie das erste Mal auf den Jakobsweg starten wollen: Sie finden in diesem Buch praktische Tipps, hilfreiche Informationen und inspirierende Gedanken. Herzlich willkommen zu Ihrem ersten Jakobsweg! Machen Sie den ersten Schritt in Richtung Santiago de Compostela – wo auch immer in Europa – und wandern Sie auf einem durchgängig markierten Weg bis zum Ziel!

Ganz viele unterschiedliche Kilometer wandern wir im Zeichen der Muschel.
Von Pilger(in) zu Pilger(in): Falls du gar eine erfahrene Pilgerin oder auch in Jakobsweg-Dingen ein »alter Hase« bist und womöglich den Jakobsweg wie deine Westentasche kennst: Schon alleine die Bilder werden dir beim Durchblättern deinen eigenen Weg mit manchen Details in Erinnerung rufen. Sicher wirst du hin und wieder schmunzeln, weil dir manche Situationen vertraut sind – herzlich willkommen zurück vom Jakobsweg! Dir ist ja dann sicher auch bekannt, dass Pilger normalerweise ganz selbstverständlich »per Du« sind. Doch aus Höflichkeit wird im Buch die »Sie-Form« verwendet. Ich hoffe dabei auf dein Verständnis!
Möglicherweise gehören Sie weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe? Sehr gut – lassen Sie sich von den 101 Stichwörtern inspirieren! Vielleicht bekommen Sie dann Sehnsucht nach den Geheimnissen des Jakobswegs, packen Ihren Rucksack und ziehen in Ihrem eigenen Schritt-Tempo los …
Dieses mit einem Augenzwinkern geschriebene Buch ist für alle Pilger – und für die, die es noch werden wollen – eine reiche Fundgrube an charmanten Erinnerungen, soliden Grundkenntnissen, nützlichen Empfehlungen, amüsanten Beispielen und unerlässlichen Warnungen. Und: Es soll Sie ein klein wenig zum Reflektieren anregen. Also, Ultreia, auf geht’s, brechen wir zusammen auf!
Ganz kurz möchte ich mich Ihnen vorstellen: Ich bin schon viele tausende Kilometer auf den Jakobs- und Pilgerwegen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich, Italien und der Schweiz zu Fuß unterwegs gewesen, auf manchen Wegen auch mehrfach. Allein, zu zweit, mit kleineren und mit größeren Gruppen. Eintägig, mehrtägig bis hin zu mehrwöchigen Touren. Da sammeln sich im Laufe der Jahre einige spannende und kuriose Erlebnisse an, die man – lassen wir es einmal dahingestellt, ob freiwillig oder unfreiwillig, absichtlich oder unabsichtlich – gemacht hat. Doch eines hat sich als Quintessenz dabei herausgestellt: Irgendwie geht es dann doch immer weiter …
Und möglicherweise haben Sie es ja auch schon erfahren: The camino, it never stops.
Einen guten Weg und Buen Camino!
Renate Florl
PS: Unter dem nachfolgenden Pilgergedicht gibt es eine »Gebrauchsanweisung«. Es lohnt sich, diese zu beachten!

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen … (Füße des Jakobus in Portomarin)

Pilgergedicht von Renate Florl
Pilgern heißt, täglich voller Vertrauen vorwärts zu gehen
Nein, es ist doch ganz klar
dass der Jakobsweg eine Schinderei ist
Ich glaube nicht
dass ich in dieser Zeit etwas Besonderes erlebe
dass ich vielfältige Begegnungen habe
dass ich neue Kraft schöpfe
Es ist doch vielmehr so
dass die Herbergen täglich voll sind
dass es einen »Run« auf die besten Plätze gibt
Ich kann mir nicht vorstellen
dass ich täglich kleine Wunder erlebe
dass ich mich beim Gehen auf dem Jakobsweg verändere
Vielmehr glaube ich
Am Ziel liegt – wie Luther schon vermutete – ein Hund begraben
Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn ich sage:
Santiago de Compostela ist ein würdiges Ziel aller Jakobswege!
Frage: Ob sich etwas verändert, wenn Sie den Text ein zweites Mal, nun von unten nach oben, lesen?
1 Abenteuer
Im eigenen Schritt-Tempo in der schnelllebigen Welt unterwegs
Früher waren Abenteuer waghalsige Unternehmungen, bei denen man im Voraus nicht wusste, wie sie letztendlich ausgehen würden. In dem Wort »Abenteuer« klingen doch unweigerlich weitere Assoziationen mit: Da ist viel Spannung im Spiel, dazu kommt eine gewisse
Faszination, etwas Ungewissheit und natürlich gehört eine gute Portion Risikofreudigkeit ebenfalls mit dazu. Selbstverständlich spielen auch fremde Länder mit ihren meist andersartigen Kulturen eine wesentliche Rolle.
Zu Fuß auf dem
Jakobsweg unterwegs zu sein, zählt zu den möglichen Abenteuern unserer Zeit. Inmitten unserer modernen und oft schnelllebigen Welt findet das Wandern im eigenen Schritt-Tempo immer mehr Freunde und überaus großen Anklang. Man muss sich diese Dimension einmal vor Augen halten: Jedes Jahr reisen tausende von Menschen aller Altersgruppen aus der ganzen Welt an, um zu Fuß und mit wenig Gepäck – also so ähnlich wie eine Schnecke mit ihrem Häuschen – nach
Santiago de Compostela zu wandern. Es ist ja tatsächlich so: Wer morgens startet, weiß oft noch nicht, wo er am Abend sein nächstes Nachtlager finden wird. Wer morgens um 7 Uhr auf den letzten 100 Kilometern vor
Santiago de Compostela unterwegs ist, wird sich manchmal ein Lächeln nicht verkneifen können: Wo sonst auf der Welt sind um diese Uhrzeit wirklich schon Scharen von Wanderern auf den Beinen? Dabei sind einige der
Pilger um diese Zeit auch schon mal bereits länger unterwegs. Bevor der Tag anbricht, wandern viele bereits mit Stirnlampen. Wie Glühwürmchen ziehen manche
Pilger durch die Nacht. Da kann so schnell kein anderer Trail mithalten …

Unterwegs zu Fuß und hoch zu Ross
Eine kleine Anekdote dazu: Im Hochsommer bricht man gerne früh auf. Klar, die Temperaturen können am Nachmittag zum Wandern auch mal zu hoch werden. Für Fußpilger sind die deutlichen Markierungssteine mit ihren Pfeilen im Licht der Stirnlampe oder in der aufkommenden Dämmerung auch in einem Waldstück gut zu sehen. Gut, manchmal muss man tatsächlich auch einmal an einer Verzweigung ein paar Schritte näher hingehen, um den Pfeil deutlich erkennen zu können.
Doch anders sieht das bei einem Reiter aus: Von seinem Sattel herab sind die wichtigen Zusatzpfeile an einer Gabelung im Walddunkel nicht immer zu erkennen. Einmal überholte uns ein Reiter am frühen Morgen und an der Gabelung kurz darauf ritt er hin und her und wusste nicht weiter. Von seinem Ross herab konnte er die Pfeilrichtung im Halbdunkel nicht erkennen. Wir konnten ihm den richtigen Weg weisen, wofür er sehr dankbar war. Man kann sich ja ausmalen, dass das jeweilige Absteigen vom Pferd nicht wirklich spaßig ist.
Ein fremdes Land zu bereisen, kann auch heute noch ein Abenteuer sein. Wenn wir aufbrechen, werden wir es ja selbst erleben … Was sagen wir denn, wenn uns etwas seltsam oder ungewohnt vorkommt? Genau: »Das kommt mir spanisch vor.« Doch was hat das mit Spanien zu tun?
Man sagt, dass diese Redewendung aus dem 16. Jahrhundert stammt. Kaiser Karl V. war 1516 spanischer König geworden, 1519 wurde er zum deutschen Kaiser gekrönt. Dieser neue Kaiser führte eine Reihe ungewöhnlicher Sitten an seinem Hof ein. Unter anderem soll er wohl die spanische Sprache zur neuen Verkehrssprache erklärt haben. Dieser plötzliche Einzug neuer Regeln war für die Untertanen des Kaisers ungewohnt. Sie kamen ihnen eben »spanisch« vor. Und was sagen die Spanier als Gegenstück dazu? »Esto me suena a chino«, also: »Das kommt mir chinesisch vor.«

Spannend und entspannend – Abenteuer Jakobsweg
2 Alto del Perdón
»Wo sich der Weg des Windes mit dem Sternenweg kreuzt«
Dieser markante und weithin sichtbare Höhenzug Alto del Perdón (»Berg der Läuterung«) befindet sich auf einer Höhe von 770 Metern zwischen Pamplona und Puente la Reina. Schon vor vielen Jahrhunderten war der Alto del Perdón ein heiliger Platz. Hier oben war ein Ort der Marienverehrung mit zwei Einsiedeleien. Heutzutage drehen sich auf dem meist recht windigen Höhenrücken der Sierra del Perdón eine ganze Reihe von Windkraftanlagen, die man schon aus vielen Kilometern Entfernung sieht. Und ein langer Pilgerzug mit Menschen und Tieren ist hier oben bei jeder Witterung unterwegs. Das eindrucksvolle Metallkunstwerk, das gerne und viel fotografiert wird, wurde von der navarrischen Wasserkraft- und Windanlagengesellschaft gestiftet, die die Windräder betreibt. Und auf diesem Kunstwerk findet man auch den oben zitierten Spruch in spanischer Sprache: »Donde se cruza el camino del viento con el de las estrellas«, was man übersetzen kann mit: »Wo sich der Weg des Windes mit dem Sternenweg kreuzt«.
Auf dem wunderschönen Platz auf diesem Höhenrücken sorgt an manchen Tagen ein Verkaufswagen mit Speisen und Getränken für das leibliche Wohl. Das Angebot wird von den durchziehenden
Pilgern natürlich sehr gerne in Anspruch genommen. Die phänomenale Fernsicht an Tagen mit klaren
Wetterbedingungen bleibt einem überaus lange im Gedächtnis.

Wird gerne fotografiert: das Kunstwerk auf dem Alto del Perdón
3 Ankommen
Ich komme an … Ich werde wohlwollend aufgenommen … Es kommt darauf an …
In dem Wort »Ankommen« schwingen mehrere Bedeutungen mit. Zum einen komme ich auf dem
Jakobsweg jeden Tag an einem anderen Ort an und damit habe ich zumeist auch mein selbst gestecktes Tagesziel erreicht. Ein Tagesziel, das jedes Mal ein Stück näher dran ist am »großen Pilgerziel«
Santiago de Compostela. Das rein äußerliche Ankommen in einem
Ort oder einer Stadt ist dabei natürlich nur die eine Seite. Das verbindet man in der Regel mit einem angenehmen Gefühl wie beispielsweise Erleichterung, Freude,
Dankbarkeit, Beine ausstrecken, Ruhe oder vielem anderem mehr.
Eine andere Seite des Ankommens ist die Bedeutung als »wohlwollende Aufnahme« in einer
Pilgerherberge oder anderen Unterkunft. Dieses Gefühl des Ankommens tut der Seele gut, man fühlt sich aufgehoben und lässt die Mühen des Tages von sich abfallen. Wenn sich dann noch herausstellt, dass nette Mitpilger, die man schon einmal getroffen hat, ebenfalls an gerade dieser Stelle Station machen, dann ist das Gefühl von Fremdsein sehr schnell vorbei.
Und schlussendlich kommt es in der dritten Bedeutung darauf an … Es kommt darauf an … Welche Assoziationen tauchen da in meinen Gedanken auf? Wirkt sich das aus auf meine Entscheidungen? Es kommt darauf an, was ich daraus mache …

Herzlicher Willkommensgruß auf dem Camino
4 Arnika
Probates Mittel für vielerlei Beschwerden
Wer tagtäglich zu Fuß unterwegs ist, den können auch mal kleine Wehwehchen plagen. Beim Wandern sticht das Knie oder man hat sich den Knöchel verstaucht, was macht man dann? Oder man hat eine Prellung oder möchte einer Entzündung entgegenwirken? Möchte man da gleich zum Arzt gehen? Dieser Aufwand ist für die meisten Pilger zu hoch.
Zuerst lindert man die Beschwerden auf andere Art und Weise. Da helfen zum Beispiel Quarkwickel. Wer die Echte Arnika als homöopathisches Mittel (Arnica montana beispielsweise als Globuli = Kügelchen) oder als Salbe kennt, möchte nicht mehr darauf verzichten. Die Verarbeitung der Pflanze mit den leuchtend gelben Blüten hilft bei vielen Gelenk- und Muskelschmerzen. Auch kleinere Verletzungen und Blutergüsse reagieren mit rascher Heilung darauf.
Die Arnika wächst in den alpinen Regionen und zählt europaweit zu den geschützten Pflanzen. Neben Deutschland erhält man in Frankreich Arnica montana in den allermeisten Fällen ganz selbstverständlich (und günstig) in den Apotheken und oft sogar auch in den
Pilgerherbergen. In Spanien findet man dagegen sehr wenige Möglichkeiten, dieses probate Mittel zu bekommen. Wer es also auf dem Camino dabeihaben möchte, muss es bereits von zu Hause mitbringen.

Arnika hilft bei Gelenk- und Muskelschmerzen.
5 Aufbruch
Jedes Pilgern beginnt mit dem Aufbrechen – jeden Tag aufs Neue
Sicher erinnern sich die meisten
Pilger an ihren allerersten Aufbruch auf den
Jakobsweg. Da waren neben erwartungsvoller Freude und Neugier bestimmt auch etwas Spannung und Ungewissheit, vielleicht auch mancher Zweifel mit dabei: »Habe ich auch wirklich alles eingepackt?«, »Wird alles gutgehen?«, »Schaffe ich es, täglich so viele
Kilometer mit dem Rucksack zu wandern?«, »Sind es die richtigen Schuhe?«, »Finde ich jeden Tag ein Bett?«. Doch wer mehrere Tage oder Wochen am Stück unterwegs ist, wird merken: Der tägliche Aufbruch wird nach einigen Tagen dann doch recht schnell zu einer gewissen Routine. Die verschiedenen Handgriffe sitzen, alles hat seinen bestimmten Platz im Rucksack gefunden. Die bangen Fragen des Anfangs rücken durch positive Erfahrungen (hoffentlich!) mehr und mehr in den Hintergrund.

Was kommt in mir zum Vorschein?
Doch können wir uns auch fragen: »Was möchte in mir aufbrechen? Was möchte zum Vorschein kommen?« Dann richten wir unseren Fokus auf neue Qualitäten, die sich gerade in solch einer Auszeit, wie es eine Wanderung auf dem Jakobsweg ist, zeigen können. Genießen wir das Wandern durch die Natur – allen Spielarten des
Wetters ausgesetzt – auf neue Art und Weise? Bekommen wir womöglich eine neue Wahrnehmung für die kleinen Dinge am Wegesrand? Wie erleben wir die
Begegnungen unterwegs? Spüren wir, dass wir neue Wesensqualitäten wie beispielsweise
Gelassenheit,
Dankbarkeit, Zuversicht oder Mut entwickeln?
Lassen wir uns also überraschen, was der tägliche Aufbruch für uns persönlich bedeuten kann. Andersherum könnte man natürlich auch fragen: Ist der Aufbruch auf den Jakobsweg ein Ausbruch?

Aufbrechen und losgehen
6 Ausrüstung
Was nehme ich mit? Was brauche ich wirklich?
Die Ausrüstung ist DAS große Thema bei den
Vorbereitungen vor dem Start auf den
Jakobsweg. Stundenlang kann man darüber diskutieren. Gerade bei Fragen über so manche Details herrschen völlig verschiedene Ansichten. Nehme ich ein, zwei oder drei Paar Ersatzsocken mit? Brauche ich einen Schlafanzug? Reicht eine Ersatzbluse? Nehme ich sicherheitshalber doch noch eine Ersatzhose mehr mit? Wie ist es mit einem Schlafsack und einer Liegematte? Kann ich auf das große Frotteehandtuch verzichten und mich mit einem kleinen Funktionshandtuch anfreunden? Brauche ich eine Karte? Auf alle Fälle muss jedoch der, die, das … mit – siehe
Luxus! Bewundert werden vor allem diejenigen, die mit einem kleinen (und damit leichten) Rucksack unterwegs sind und doch alles dabeihaben. Das ist die große Kunst! Und daran erkennt man auch die erfahrenen
Pilger. Natürlich fällt das Gepäck meist etwas umfangreicher aus, wenn man ein Zelt und die dafür nötigen Utensilien mit sich trägt.

Wie groß soll oder darf der Rucksack sein?
Es ist sinnvoll, diesem Teil der Ausrüstung die allergrößte Aufmerksamkeit zu schenken. Denn dieses Gepäckstück, in dem wir unsere ganzen Habseligkeiten, unsere
Siebensachen aufbewahren, ist täglich viele Stunden unser treuer Begleiter. Das heißt, er sollte auch – wie ein Freund – wirklich gut zu uns passen. Für einen Rucksackkauf sollte man sich also Zeit nehmen und mehrere Modelle ausprobieren. In den Läden gibt es Säcke mit Gewichten, die beispielsweise fünf Kilogramm Gepäck verdeutlichen. Nur damit lässt sich in etwa erahnen, wie sich der Rucksack tragen lässt, wenn er beladen ist. Jeder Rücken ist anders, daher macht es Sinn, sich Rucksäcke verschiedener Hersteller anzuschauen.
Tipp
Es hat sich bewährt, eine leichte und zusammenfaltbare Einkaufstasche mitzunehmen. Man kann diese nicht nur umweltfreundlich für einen Einkauf benutzen, sondern man hat abends oder in der Nacht einen zusätzlichen Stauraum für diverse Kleinigkeiten, die man gerne bei sich haben möchte.
Als Nächstes ist die ideale Größe eine entscheidende Frage. Bei mehrwöchigen Touren wird einem gerne zu einem größeren Rucksack geraten. Doch warum? Ob ich fünf oder fünfzig Tage gehe – macht das beim Gepäck einen Unterschied? Meist braucht man sowieso die ganze Ausstattung für Regen, Sonne und Kälte. Es ist tatsächlich so: Wer zu einem kleineren Modell greift, packt von vorneherein weniger ein. Und hat meist den Vorteil eines geringeren Leergewichts des Rucksacks. Nach dem Leergewicht zu fragen und dieses mit den anderen in der Auswahl zu vergleichen, ist die nächste Entscheidungshilfe.

Lasten zurücklassen
Das Thema Rucksack beziehungsweise Gepäck hat sogar eine
spirituelle Seite: Was brauche ich wirklich – auch im übertragenen Sinne? Wer sich diese Frage stellt, wird spüren, dass sie vielschichtig ist und sich nicht nur auf das Packen des Rucksacks beschränkt. Wir machen uns Sorgen und sorgen daher gerne vor: »sicherheitshalber« und »für alle Fälle«. Da ist es wichtig, abzuwägen und sich vor allem für einen möglichst kleinen Rucksack zu entscheiden. Wer nämlich noch einiges an Platz übrig hat, ist viel mehr geneigt, zusätzlich etwas einzupacken. Wer leicht vorwärts kommen möchte, darf nur leicht bepackt sein. Nur das, was man zu Hause lässt, muss man nicht tragen. Man darf sich auch mal fragen: Womit belaste ich mich im wahrsten Sinne des Wortes?

Barfuß oder Bergschuh?
Welcher Schuh ist für mich der richtige? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer auf dem Jakobsweg einmal den Blick auf das Schuhwerk der Wanderer richtet, wird dabei eine enorme Bandbreite feststellen. Man sieht bei der Wahl der Schuhe alle Varianten: von leichten Flip-Flops über Sandalen, Lauf- und Trekkingschuhe bis hin zu festen Bergstiefeln, mit denen man locker einen Viertausender besteigen könnte. Doch vorneweg: Die Flip-Flops werden doch eher als Notvariante bei Blasen an den Füßen angezogen und sind auf großen Strecken des Camino nicht wirklich gut geeignet.
Jeder
Pilger sollte sich daher rechtzeitig, am besten eine gute
Zeit vor seiner Wanderung, Gedanken über sein Schuhwerk machen.
Das Motto »Wer gut geht, dem geht es gut« bekommt hier seine reellste Bedeutung. Die Schuhe sind neben dem Rucksack die wichtigsten täglichen Begleiter, mit denen die Freude am Unterwegssein steht – oder fällt. Wer schon vorher immer mal wieder zu Fuß unterwegs war, kennt die alte Faustregel: Bei Wanderschuhen gleich welcher Art sollte vorne an den Zehen noch eine Fingerbreite Platz sein. Bei Schuhen mit einer herausnehmbaren Innensohle lässt sich das sehr gut erkennen. Gleichzeitig sollen die Schuhe an der Ferse gut sitzen. Mit zu kleinen Schuhen bekommt man viel Ärger – es können Blasen durch Reibung entstehen oder auch der blaue Zehennagel ist ein Beispiel dafür. Zudem muss man berücksichtigen, dass der Fuß beim stundenlangen Gehen im Schuh sehr warm werden kann und damit oft auch größer wird. Und es ist noch lange keine Garantie, dass Schuhe aus dem Vorjahr immer noch gut passen – die Füße verändern sich im Laufe des Lebens.
Ob man sich für flache oder knöchelhohe Modelle entscheidet, liegt an der persönlichen Vorliebe beziehungsweise Konstitution und Trittsicherheit. Der Jakobsweg führt über alle Variationen von Wegarten: von Abschnitten auf Teerbelag über Feld- und Forstwege bis hin zu schmalen steinigen Pfaden bergauf und bergab. Ein Paar leichte Schuhe für den Abend (Crocs, Flip-Flops oder Trekkingsandalen) dürfen mit auf Pilgerschaft.
Wer spezielle Wandersocken verwenden möchte, sollte diese am besten bei der Anprobe bereits dabeihaben. Und: Auch mal eine Strecke ganz ohne Schuhe zu gehen, kann eine wunderbare Erfahrung sein.
Ein Tipp für den Schuhkauf
Wer sich neue Wanderschuhe zulegen möchte, macht dieses Schuhe-Anprobieren an einem Nachmittag oder Abend. Idealerweise ist man an diesem Tag dann auch schon eine Strecke zu Fuß unterwegs gewesen. Dann haben die Füße vielleicht in etwa die Form angenommen, die später derjenigen auf dem Camino ähneln wird.

Der Kleiderschrank bleibt zu Hause!
Bei der Kleiderwahl würde man ja am liebsten seinen ganzen Kleiderschrank einpacken. Dann hätte man für alle
Wetterlagen das Passende dabei. Doch wer seine
Siebensachen selbst trägt, muss sich wohl oder übel beschränken. Auch wer sich für einen
Gepäcktransport entscheiden sollte, kann nicht endlos viel einpacken. Da ist es ganz praktisch, dass die modernen und leichten Stoffe für die Oberkleidung und die Wanderhosen nicht viel Gewicht auf die Waage bringen. Wer sich beispielsweise für ein T-Shirt aus Merinowolle entscheidet, wird zusätzlich erstaunt sein, dass man dieses nicht einmal jeden Tag waschen muss. So verringert sich die Ersatzkleidung wirklich auf ein Minimum. Eine bequeme Fleecejacke und eine Regenjacke beziehungsweise ein Anorak (je nach Jahreszeit) ergänzen das Wanderoutfit. Also, wer supersparsam packen möchte, hat eine Garnitur für tagsüber, für abends und für die Nacht dabei – basta!

Die Wandersocken-Diskussion
Wandersocken sind genauso individuell wie die Füße! Das Thema Wandersocken kann abendfüllend und leidenschaftlich diskutiert werden. In diese Rubrik fällt auch das
Füßeerfrischen in einem Bach oder Brunnen. Bei den einen geht das überhaupt nicht und die anderen genießen diese herrliche Abkühlung.
Doch zurück zu den Socken: Die einen schwören auf die speziell gepolsterten (und oft teuren) Wandersocken. Die anderen gehen in ganz normalen Strümpfen genauso gut. Es gibt Menschen mit eher empfindlichen Füßen, die kaum einen Tag unterwegs sind und schon haben sie die ersten Blasen. Dann gibt es Menschen, die Wollsocken, Baumwollsocken wie auch x-beliebige Strümpfe anziehen können und mit allem hochzufrieden sind. Manche Wanderer bevorzugen zwei Paar Socken übereinander und sind von ihrer Methode felsenfest überzeugt. Da gibt es Ratschläge, die Socken möglichst lange – ohne sie zu waschen – anzuziehen. Andere Füße lieben eher frisch gewaschene Wäsche. Übrigens, dickere Wandersocken brauchen länger zum Trocknen … Manche
Pilger raten dazu, die Füße vor dem Loslaufen einzucremen. Andere würden genau das nie tun …
Man sieht, die Bandbreite an Möglichkeiten ist riesig. Was soll man nun als Pilgerneuling tun? Am besten ist es, hierbei seinen eigenen
Weg zu finden und diesen auch zu nehmen beziehungsweise zu gehen. Das zu tun, was einem sympathisch erscheint und das, was den eigenen Füßen guttut. Das kann ja eventuell auch je nach Jahreszeit unterschiedlich aussehen. Das bedeutet wiederum, dass man schon zu Hause überlegt und die verschiedenen Varianten für sich ausprobiert, welche Socken und Schuhe gut miteinander harmonieren.

Handschuhe, Stirnband oder Mütze
Wie passt das zusammen – Spanien und Handschuhe, Stirnband oder Mütze?
Wer an Spanien denkt, der stellt sich Badeurlaub, Sonne, Sand und viele warme Tage vor, nicht wahr? Warum sollte ich dann im Mai oder im Frühherbst Handschuhe, Halstuch, Stirnband und Co. mitnehmen? Ja, auch der Camino Francés verläuft in Spanien. Doch ganz im Norden des Landes und nicht an einer der vielen sonnigen Südküsten. Der
Camino bewegt sich zudem über viele
Kilometer und Tage auf einer Höhe um die 800 bis 1.000 Höhenmeter und noch weit darüber. Da kann es im Frühjahr noch Schneefall geben und bis in den Frühsommer hinein (nicht nur) morgens empfindlich kühl sein. Wenn dann noch ein kräftiger Wind dazukommt, freut man sich, wenn Handschuhe, Stirnband oder Mütze im Rucksack zu finden sind, mit denen man sich schützen kann. Doch die Pilger werden nicht alleine gelassen: Unterwegs finden sich viele Möglichkeiten, wunderschöne Halstücher beziehungsweise Schlauchtücher mit Pilgermotiven zu erwerben. Dann hat man gleichzeitig ein schönes (und praktisches!)
Souvenir, das einen an die besonderen Tage auf dem Camino erinnert.

Sonnenschutz und Sonnenhut
Es ist sinnvoll, für jedes Wetter gewappnet zu sein. Da man jeden Tag weiterzieht, ja, weiterziehen muss, ist es sinnvoll, auf jedes
Wetter eine gute Antwort zu haben. Auf vielen
Etappen spenden Bäume Schatten, doch es gibt auch andere Passagen. An einem Tag im Hochsommer scheint zum Beispiel aus einem wolkenlosen Himmel die Sonne auf die baumlose Landschaft der
Meseta herab. Da ist man für einen umfassenden Sonnenschutz mit Sonnencreme, Sonnenhut und Sonnenbrille wirklich dankbar. Sonnenbrand und Hitzeschäden wie Hitzschlag oder Sonnenstich können ernst zu nehmende Folgen sein, wenn man stundenlang ohne Schatten und ohne geeigneten Sonnenschutz unterwegs ist. Vor allem für die ersten sommerlichen Wandertage auf dem Camino ist es überaus wichtig: ausreichenden Sonnenschutz verwenden. Bitte nicht an nur einem Tag braun werden wollen! Und dabei auch an die Ohrmuscheln denken, falls auf dem Kopf nur ein kleines Käppi sitzt. Und bei kurzen Hosen: Auch die Waden sind dankbar, wenn an sie gedacht wird.

Wanderstöcke
Der Stab bietet Schutz und Halt. Schon immer wurden
Pilger auf Bildern und in anderen Kunstwerken mit ihrem Wanderstab dargestellt. Dabei überragte der – damals oft aus Haselnussruten geschnittene – Stab den pilgernden Menschen deutlich. Früher hatten die Pilger auf ihrer Wanderschaft nur diesen einen Stab beziehungsweise Wanderstock in der Hand. Dieser konnte vielfältig eingesetzt werden: Zum einen half er beim Überqueren von Bächen, zum anderen konnte man angriffslustige Tiere besser auf Abstand halten oder verjagen. Auch in Santo Domingo de la Calzada ist der Einsatz der Stöcke verbrieft: Man wollte mit einem Schlag an den Käfig eine begehrte weiße Feder ergattern. Moderne Pilger rüsten sich dagegen eher mit zwei Trekkingstöcken aus. Diese können sowohl beim Bergauf- als auch beim Bergabgehen nützlich sein.

Regenponcho, Regenschirm
Gerade im nördlichen Spanien ist es im Frühjahr sehr grün. Galicien ist für seine regelmäßigen »Duschen von oben« bekannt. Da hilft bei eher windstillem
Wetter ein Regenschirm, ansonsten ist ein Regenponcho die bessere Wahl. Je nach Jahreszeit wählt man bei dem Poncho eine stabilere oder leichtere Variante. Die leichtere Variante bekommt man in Drogeriemärkten. Sie wiegt »nichts« und braucht auch sehr wenig Platz – solche Ausrüstungsgegenstände liebt man als
Pilger! Auch der oben erwähnte Sonnenhut kann bei einem Schauer zum Einsatz kommen. Brillenträger freuen sich dabei über die breite Krempe, da diese die Regentropfen abhält. Wenn der Hut in diesem Falle noch ein Band hat, mit dem man ihn bei kräftigen Windstößen befestigen kann, umso besser.
Wir wissen: Das Wetter schlägt europaweit und das ganze Jahr über Kapriolen – und wir sind womöglich einmal hautnah mittendrin. Da ist es am besten, wenn man das Beste daraus macht. Und für jedes Wetter ausgerüstet ist. Noch immer gilt die alte Weisheit: »Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung.«

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte
Mit einem Foto oder der Kamera des Mobiltelefons lassen sich persönliche Eindrücke und Erinnerungen sehr gut festhalten. Auch hierbei gibt es große persönliche Unterschiede: Manche Pilger machen mehrere hundert Bilder an einem Tag, andere begrenzen die Auswahl auf fünf besondere Motive – auch eine spannende Sache. Andere sind ganz ohne »Technik« unterwegs und nehmen die Eindrücke nur »in sich« auf. Fotos sind für den einen wie ein »Bildtagebuch«, das man nach der Rückkehr gerne immer wieder anschaut oder auch anderen zeigen kann. Mit manchen Fotos werden auch spezielle Erinnerungen verbunden. Schaut man sich ein gewisses Motiv an, dann stellen sich automatisch die dazugehörigen Emotionen ein. Die Fotos der Mobiltelefone dagegen werden in vielen Fällen sofort online oder auf »Status« gestellt. Sie sind ein Gruß an die Zuhausegebliebenen oder auch an die Mitpilger, die man kennen gelernt hat.

Mobiltelefone: ja oder nein?
Mit Mobiltelefon oder ohne? Das ist die Frage … Jeder hat seine eigene Meinung in Bezug auf Mobiltelefone beziehungsweise Smartphones. Viele Pilger – und das quer durch alle Altersgruppen – benutzen ein Smartphone. Manche bevorzugen ein »normales« Handy, andere wollen bewusst keines von beiden. Da gibt es kein »Richtig« oder »Falsch«, dabei zählen nur die persönliche Meinung und Einstellung.
So ein Smartphone kann ja wirklich vieles. Nachfolgend nur eine kleine Auswahl, die auf pilgertypische Dinge abzielt: Viele sparen sich mittlerweile den Fotoapparat und machen nur noch mit dem Handy Bilder und Selfies. Technikbegeisterte zeichnen den gewanderten Track auf und fügen dabei die passenden Fotos automatisch hinzu. Man kann eine Offline-Landkarte dabeihaben und weiß dank
GPS auch in größeren Städten den eigenen Standort. Oder man findet nachts mit der integrierten Taschenlampe auf die
Toilette, kann Radio hören, Nachrichten empfangen und welche schreiben, die aufgenommenen Bilder zu kleinen Kunstwerken weiterverarbeiten und an die Angehörigen zu Hause senden, sich verabreden und Kontakt halten, die nächste Übernachtung anfragen oder man hat gar den Wanderführer offline dabei. Mittlerweile sind europaweit gültige Flats die Regel, zudem gibt es fast durchgehend in den Unterkünften und
Bars kostenfrei WLAN. Die Leistungsfähigkeit der Geräte wird meist nur durch den Akku begrenzt. Doch irgendwo findet sich eine Steckdose oder man versorgt sich tagsüber mit einer Powerbank.

Karten: Praktisch für die Orientierung
In den Wanderführern der Jakobswege, die die meisten Pilger verwenden, sind zumeist Karten enthalten. Je nach Ausgabe sind es mehr oder weniger detailreiche Karten. Wer sich gerne unterwegs orientieren möchte, kann eventuell als Übersichtskarte zusätzlich eine Straßenkarte mitnehmen, notwendig ist dies jedoch nicht. Auch die regionalen Tourismus-Informationen bieten gute Übersichtskarten an, auf denen man die Route des Jakobswegs sehr gut verfolgen kann. In
Zeiten der Apps und digitalen Offline-Karten auf den diversen Smartphones ist die Orientierung sowieso ein Kinderspiel …

Je kleiner der Rucksack, desto überlegter und sparsamer packt man.

Welcher Schuh ist für mich persönlich der richtige?

Highlight am Jakobsweg: der Weinbrunnen beim Kloster Irache

Zum Wandern auf dem Jakobsweg gehören auch Pausen.
7 Bars
Sooo viele Einkehrmöglichkeiten entlang des
Camino Francés
Als
Pilger kann man sich den
Camino Francés nicht ohne seine unzähligen Bars vorstellen – und man möchte es auch gar nicht! Es gibt auf der ganzen Länge des Weges nur ganz wenige Weiler und Ortschaften, die keine Bar aufweisen. In diesen vielen Einkehrmöglichkeiten entlang der Route spielt sich ab frühmorgens das Pilgerleben ab. Man startet ja in den Herbergen zumeist ohne
Frühstück – daran gewöhnt man sich rasch, auch wenn man es sich vorher nicht unbedingt vorstellen kann – und wandert erst mal so eine oder zwei Stunden oder auch mehr, bis zur nächsten einladenden Bar eben.
Dann freut man sich auf einen frisch gepressten Orangensaft, einen Kaffee, einen Cappuccino, ein köstlich belegtes Bocadillo, ein warmes Sandwich, eine Banane, ein Stück Tortilla oder auch leckeren Kuchen oder später am Tag auf ein kühles Bier bis hin zu ganzen Mahlzeiten – auf wenig Raum gibt es in den Bars meist eine ganze Auswahl der »überlebenswichtigen« Dinge eines Pilgers. Dazu, nicht zu vergessen, gibt es meist einen schönen
Stempel in den
Pilgerausweis und, auch nicht zu verachten,
Toiletten. WLAN ist ebenfalls fast überall verbreitet, doch in Zeiten europaweit gültiger Flats hat das gar nicht mehr so große Priorität.

Kurze Rast »zum Auftanken« und Sich-Treffen
Jede Bar hat auch Tische und Stühle im Freien stehen – Sehen und Gesehenwerden entlang der Route ist überaus wichtig. Bei einer
Rast ist nämlich die Chance am größten, schon kürzere oder längere Zeit nicht mehr gesehene Mitpilger zu treffen. Da gibt es dann ein großes
Hallo. Doch allzu lange will man in den Bars meist auch nicht verweilen: Weiß man doch, dass man noch ein gutes Wegstück vor sich hat … also dann bis zum nächsten Mal …
Buen Camino!
Wer sich überlegen sollte, eine Bar entlang des
Camino zu eröffnen, muss beachten: Der Barbesitzer am Beginn eines Ortes hat die besten Karten, er macht in der Regel den meisten Umsatz. Nach einer womöglich schon etwas längeren »Durststrecke« fackelt man nicht lange: Sitzen da schon bekannte Gesichter, setzt man sich gerne dazu. Ein Barbesitzer weiter hinten in der Ortschaft braucht dann manchmal schon etwas Fantasie, damit er auch zu genügend Gästen kommt. Beispielsweise greift er zu einem Trick und bringt vor dem Ort ein gut sichtbares Schild an, auf dem steht: »I know that I know nothing. But the second bar is cool. Socrates«.

Automaten
In einigen
Orten wird mit einem Rund-um-die-Uhr-Service an die durstigen, hungrigen wie auch an die »pflegebedürftigen« Pilger gedacht: Man trifft entlang des Camino Francés auf relativ viele Automaten, an denen man sich 24 Stunden pro Tag mit Getränken, Essen oder auch Drogerie- oder Apothekenartikeln versorgen kann. Gerade in kleinen Orten wird dieses Angebot sehr rege genutzt.

Pilger unter sich – am Ortsanfang von Nájera

Leckeres Sandwich
8 Begegnungen
Diese sind auf dem
Camino »das Salz in der Suppe«
Begegnungen können nicht nur auf dem Jakobsweg dem Leben eine neue Richtung geben. Doch auf dem Camino bieten sich vielfältige Möglichkeiten dazu: seien es die Begegnungen mit anderen Pilgern, die Begegnungen mit Anwohnern, die Begegnungen mit den
Hospitaleras, Hospitaleros, Barbesitzern und Gastgebern, mit Gastfreundlichkeit allgemein und auch die Begegnungen mit Textstellen, Sprüchen,
Gebeten, Gerüchen oder Gerichten. All das kann dazu beitragen, nach der Rückkehr die Begegnungen im Alltag mit einer neuen Aufmerksamkeit wahrzunehmen.
Zu Beginn eines Gesprächs wird entlang des Camino oft das
Buen Camino stehen. Was sich aus diesem netten Gruß weiter entwickelt, ob man es bei diesem Gruß belässt oder ob sich eine längere oder kürzere Unterhaltung daraus ergibt, das hat jeder
Pilger selbst in der Hand.
Eines lässt sich feststellen: Wenn man überall so freundlich, hilfsbereit und nett wie auf dem
Jakobsweg miteinander umgehen würde, dann hätte die Welt ein anderes Gesicht!

Begegnungen mit anderen Pilgern
Täglich trifft man andere Pilger, sei es unterwegs oder in der
Pilgerherberge. Wie intensiv man mit ihnen ins Gespräch und in Kontakt kommt, hängt zum einen vom Interesse, vielleicht vom Wandertempo oder auch von den jeweiligen Sprachkenntnissen ab. Es gibt viele Beispiele von Freundschaften und Paaren, die sich auf dem Jakobsweg kennen gelernt haben. Andererseits gibt es auch Paare, die sich auf dem Jakobsweg getrennt haben – die Bandbreite ist auch in dieser Beziehung sehr vielfältig …

Begegnungen mit Anwohnern
Es ist immer wieder aufs Neue erstaunlich, wie viele freundliche Anwohner den Pilgern wohlgesinnt sind. Ein aufmunterndes
»Buen Camino« ist als Gruß Standard. Steht man an einer Kreuzung, an der man sich gerade überlegt, welche Richtung man einschlagen möchte, dann kann es gut sein, dass ein Autofahrer extra anhält, um einem weiterzuhelfen. Oder es gibt Körbchen mit Obst oder Getränken, an denen man sich bedienen kann. Oder Anwohner haben einen Stand aufgebaut mit allem zu essen und zu trinken, was das Pilgerherz erfreut, von süß bis herzhaft.

Begegnungen mit Gastgebern
Es macht schon einen Unterschied, ob man sich bei der Begrüßung in der
Pilgerherberge willkommen geheißen fühlt oder nicht. Auch wenn der Andrang noch so groß ist, geben sich die meist ehrenamtlich tätigen
Hospitaleras und Hospitaleros die allergrößte Mühe, die ankommenden
Pilger freundlich zu empfangen. Auch die Barbesitzer legen im Allgemeinen großen Wert darauf, den Pilgern ihre Wünsche zu erfüllen. Sogar Sonderwünsche werden meist gerne bedient.
Eine Begegnung ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. In der Bar neben der Ruine des Klosters San Anton, in der man mit Musik empfangen wird, hatte ich einen besonderen »Schlitten« entdeckt. Nachdem ich Tage vorher schon einmal so ein Gefährt gesehen hatte – ohne die Möglichkeit, mich bei jemandem nach der Funktion zu erkundigen –, fragte ich den Barbesitzer nach dem Namen und der Funktion des betreffenden Teils. Bereitwillig gab er Auskunft. Ja, nicht nur das, er bedankte sich sogar überschwänglich für die Frage. Er meinte, dass es ihn außerordentlich freuen würde, dass sich jemand für die Geschichte seines Landes und die der einstmals verwendeten landwirtschaftlichen Geräte interessieren würde.

Begegnungen mit Sprüchen und lokalen Speisen
Begegnungen mit Textstellen, Sprüchen,
Gebeten, Gerüchen oder speziellen lokalen Gerichten – schon an dieser Aufzählung erkennt man die Vielfalt der Möglichkeiten weiterer Begegnungen, die damit sicher noch immer nicht erschöpfend dargestellt sind.
Mir passiert es zum Beispiel immer wieder: Wenn ich gerade mit einer Frage oder einer Entscheidung beschäftigt bin, kann es sein, dass ich auf Sprüche oder Textstellen treffe, die ganz genau zu meinem Thema passen. Erstaunlich ist dabei, wo man auf solche »Antworten« trifft: Das können ganz triviale Werbeplakate sein, ein Spruch in einem Pilgergästebuch oder an einer Hauswand oder bei einem Gebet in der abendlichen Pilgermesse. Oder ich esse auf dem Cebreiro einen Queso con Miel – diese Erinnerung bleibt sehr lange im Gedächtnis gespeichert, weit über die kurze Zeit dieser kleinen Mahlzeit hinaus.

Begegnungen im Alltag
Wer die unterschiedlichen Begegnungen auf dem Camino einmal wahrgenommen hat, wird sie auch im Alltag viel häufiger erleben. In den verschiedenen Arten und Möglichkeiten dieser manchmal längeren oder auch kürzeren Kontakte steckt ein unglaublich großes Potenzial, das man neu für sich entdecken kann.

Freudige Überraschung am Camino: ein mobiler Verkaufsstand

Man lächelt automatisch mit, nicht wahr? Gesehen in den Pyrenäen …
9 Betten
Jeden Tag ein anderes
Als
Pilger schläft man jede Nacht an einem anderen
Ort, in einer anderen
Pilgerherberge – oder in einem anderen
Hostel/Hotel – und damit in einem anderen Bett. Dieses »Jeden-Tag-woanders-Schlafen« fällt manchen Pilgern leichter, doch manchen auch etwas schwerer. Man braucht dafür schon eine gewisse Portion Mut,
Vertrauen, Zuversicht und
Gelassenheit. Morgens weiß man im Allgemeinen noch nicht, was einen am Abend erwartet. Früher startete man in der Regel, ohne eine Reservierung gemacht zu haben, heutzutage kann in manchen Unterkünften vorreserviert werden.

Stockbetten
Aus Platzgründen sind in den
Pilgerherbergen Stockbetten weit verbreitet. Doch hinter diesem allgemeinen Begriff »Stockbett« verstecken sich ganz verschiedene Variationen und Ausgaben dieser doppelstöckigen Schlafmöglichkeit. Leider – und das muss man wirklich feststellen – gibt es viel zu wenige »gute« Stockbetten.
Was zeichnet denn ein gutes Stockbett aus? Man erkennt es daran, dass man auf dem unteren Bett sitzen kann, ohne dass man sich den Kopf an der oberen Bettkante anschlägt. An den Raumhöhen liegt es auf jeden Fall nicht, dass man so wenige bis gar keine dieser etwas besseren Exemplare aufstellt. Vielleicht müssten die Hersteller mal einen Praxistest in Betracht ziehen. Natürlich gibt es auch dabei verschiedene Varianten, das obere Bett zu erklimmen. Allerdings ist es für diejenigen schon etwas mühsam, die nachts rausmüssen …

Einzelbetten
Manchmal gibt es in den Zimmern auch Einzelbetten, was natürlich bei den Pilgern beliebt ist. Da hat man es abends nach einem langen Wandertag deutlich bequemer. Man kann gemütlich auf seiner Schlafstätte sitzen und die Sachen aus dem Rucksack holen. Oder man kann sich auch mal geschwind hinlegen und die Beine ausstrecken, was man sich angesichts der Klettertour hoch zum oberen Stockbett schon sehr gut überlegt …

Matratzen
Wer den ganzen Tag auf den Beinen war und am nächsten Tag wieder fit sein möchte, für den ist ein erholsamer Nachtschlaf wichtig. Da spielt natürlich die Beschaffenheit der Matratze eine wichtige Rolle. Allerdings darf man dabei seine Ansprüche nicht zu hoch schrauben …

Liegematte
Eine Liegematte ist im Allgemeinen nicht erforderlich. Doch natürlich gilt auch hier die Regel, dass es Ausnahmen geben kann.

Wanzen
Diese kleinen Tiere sind die größten Schreckgespenste auf dem Camino. Leider sieht man sie im Allgemeinen nicht, obwohl es auch andere Erzählungen über diese winzigen Tiere gibt. In den Unterkünften und Herbergen bemüht man sich redlich, die Anwesenheit dieser ungeliebten Bewohner zu unterbinden – es scheint kein leichtes Unterfangen zu sein. Wer selbst schon mal einen Wanzenbiss abbekommen hat, weiß, wie es sich anfühlt, und weiß auch, dass es bis zur Heilung mehr als einige Tage dauert. Und wer schon einmal Leidtragender war, erkennt auch die geplagten Mitpilger an ihren typischen Kratzbewegungen (oft am Unterarm).
Allerdings: Gegen den Juckreiz und um die Schwellung zu unterbinden gibt es ein probates homöopathisches Mittel. Wer dies bei seiner nächsten Pilgertour ausprobieren möchte, dem sei verraten: Es heißt Ledum. In Spanien bekommt man es eher schwierig; man müsste es daher schon vorsichtshalber von zu Hause mitbringen.

Jede Nacht schläft man in einem anderen Bett.
10 Blasen
Es gibt keine Verpflichtung, welche zu bekommen!
Viele
Pilger legen den
Jakobsweg ganz ohne Druckstellen oder Blasen an den Füßen zurück. Manche Pilger bekommen dagegen bereits am ersten Tag ihrer Wanderung welche. Das kann die Ferse, den Ballen, den kleinen Zeh oder viele andere Stellen mehr betreffen. Manche Füße sehen so schlimm aus, dass man sich kaum vorstellen kann, wie man damit weitergehen kann. Und zwischen diesen Möglichkeiten gibt es alle denkbaren Variationen.
Leider verursachen die meisten Blasen ein Schmerzgefühl an den Füßen. Wer
Glück hat, bekommt sie mit dem speziellen Blasenpflaster, das jede Apotheke und viele Automaten entlang des Camino Francés vorrätig haben, in den Griff. Auch ein rechtzeitiges Abkleben der empfindlichen Stellen mit Tape kann helfen. So ein Klebeband ist im Übrigen auch in anderen Situationen hilfreich: z. B. kann man damit Hosen, Hemden oder Blusen auf die Schnelle reparieren, wenn diese aus Versehen eine Triangel abbekommen haben …

Pilger sind (oder werden!) bei Problemen erfinderisch …
11 Buen Camino
Zwei einfache Wörter als freundlicher und aufmunternder Pilgergruß
Mit »Buen Camino« oder auch »Bon Camino« grüßen sich die Mitglieder der großen Pilgerfamilie aus aller Welt. Es ist ein Gruß, der zu allen Tageszeiten passt und zu jeder Gelegenheit verwendet werden kann. Er wird auch von allen
Pilgern, aus welchen Teilen der Welt sie auch kommen mögen, verstanden und erwidert. Dieser Gruß kann nicht nur aufmunternd wirken, er kann auch Mitgefühl äußern. Er kann als ein liebes Wort gemeint sein, wo aufgrund von Sprachproblemen keine andere
Verständigungsmöglichkeit besteht. Er kann trösten, Zuversicht spenden und vieles mehr. Auch Radfahrer,
Radpilger oder Einheimische grüßen Pilger mit diesen beiden Wörtern. Durch die Kürze der beiden Wörter kann er auch vom »Gegenüber« ohne große Anstrengung erwidert werden, auch wenn es beispielsweise den Berg hochgeht.
Doch eines muss man sich bewusst machen: Solange ich nur »Buen Camino« sage, kann mein Gegenüber nicht wirklich erraten, aus welchem Land ich komme. Und andersrum ist es genauso: Solange ich nur das »Buen Camino« höre, weiß ich ebenso wenig, woher mein Gesprächspartner kommt.
Doch: Was heißt es nun übersetzt? »Buen« heißt »gut« und »Camino« ist der »Weg«. Man wünscht sich also alles Gute für den und auf dem Weg.

Freundlicher Gruß an alle
12 Camino
Das spanische Wort »Camino« heißt auf Deutsch übersetzt »Weg«
Es gibt unzählige Wortverbindungen im Zusammenhang mit »Camino«. Als Beispiel sei der Camino Real (Königsweg, königlicher Weg) genannt oder auch Camino de Santiago als Überbegriff für alle
Jakobswege, die zum
Grab des
Jakobus nach
Santiago de Compostela führen.
Der bekannteste aller Jakobswege ist der Camino Francés (»Französischer Weg« = von Frankreich kommend). Dies ist der klassische Jakobsweg, der die Wege aus Mitteleuropa in sich vereinigt und mit einer Länge von rund 770 Kilometern vom Fuß der Pyrenäen in Roncesvalles quer durch Nordspanien bis nach Santiago de Compostela führt. Im Jahr 1993 wurde diese Route als UNESCO-Welterbe anerkannt. Wenn man von diesem Jakobsweg spricht, wird auch oft nur die Kurzform »Camino« verwendet. An dieser Route liegen viele bekannte und von Sagen umwobene
Orte und Städte. Die größten Städte mit ihren herausragenden Kathedralen sind Burgos und León.
Daneben gibt es in Spanien noch viele weitere Jakobswege, die ebenfalls zum Grab des Apostels führen: den Camino del Norte (Küstenweg), den Camino Primitivo, den Camino Inglés, den Camino Portugués, die Via de la Plata, den Camino de Levante und weitere mehr. Die Pilger dieser Caminos werden in der Statistik des Pilgerbüros in Santiago de Compostela ebenfalls erfasst.

Gesehen in Castrojeriz
13 Codex Calixtinus
Uraltes Pilgerbrevier mit detaillierten Angaben zur Route
Der Codex Calixtinus ist ein Reiseführer zum
Jakobsweg, dessen Ursprung auf das 12. Jahrhundert datiert wird. Früher wurde als Verfasser Papst Calixt II. genannt, neuere Forschungen können das nicht unbedingt bestätigen.
Dieser historische Reiseführer ist in fünf Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil findet man unter anderem Texte und Gesänge für Messen und Stundengebete, hauptsächlich zu den Festtagen des Jakobus. Im zweiten Teil wird von den Wundern berichtet, die
Jakobus bewirkt haben soll. Im dritten und vierten Abschnitt wird Geschichtliches erzählt: die Überführung des Leichnams von Jakobus und die Kämpfe Karls des Großen in Spanien. Im fünften Teil findet sich dann der eigentliche Pilgerführer, der die Hauptrouten nach
Santiago de Compostela beschreibt. Dieser Codex Calixtinus zählt dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf, beinhaltet jedoch auch Warnungen und Hinweise für die damaligen Pilger.
Eine kuriose Geschichte aus moderner Zeit dazu: Im Sommer 2011 wurde dieses historische Dokument aus dem Museum der Kathedrale in Santiago de Compostela entwendet. Ein Jahr später fand man es unbeschädigt in einer Garage eines ehemaligen Angestellten wieder.

Uraltes Pilgerbrevier – links Jakobus (roter Pfeil)
14 Compostela
Schlangestehen für das begehrte Dokument in Santiago de Compostela
Jeden Monat kommen in
Santiago de Compostela viele tausend
Pilger aus allen Winkeln der Erde an. Sie alle haben mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder die letzten 200 Kiometer mit dem Fahrrad oder auf dem Pferd zurückgelegt. Der Nachweis dafür ist im
Pilgerausweis mit den täglichen
Stempeln bescheinigt. Alle Pilger, die sich im Pilgerbüro melden, um ihre Compostela abzuholen, werden in der Statistik erfasst. Dabei werden das Alter, das Herkunftsland sowie der Startort erhoben. Diese Statistiken sind interessant und online auch für jeden einsehbar.
Mit der Urkunde Compostela wird jeder Pilgerin und jedem Pilger bescheinigt, dass das Ziel, die Kathedrale von Santiago de Compostela mit dem
Grab des Jakobus, erreicht wurde. Eine zusätzliche Urkunde kann man sich ausstellen lassen, wenn man sich die zurückgelegte Strecke bescheinigen lassen möchte. Manche der Ankommenden sind an ihrem Wohnort gestartet und mittlerweile seit mehreren Monaten zu Fuß unterwegs, manche haben diese Strecke sogar am Stück zurückgelegt, andere auf mehrere Jahre verteilt. Manche Pilger sind den mehrwöchigen Weg ab den Pyrenäen gelaufen und wiederum andere sind nur die vorgeschriebenen letzten 100
Kilometer ab Sarria zu Fuß unterwegs gewesen. Doch alle sind von dem Wunsch beseelt, die besondere Urkunde Compostela für das erfolgreiche Zurücklegen des Pilgerwegs zu erhalten. Die Pilgerausweise gewinnen nun an Bedeutung: Die jeweils mit Datum versehenen Stempel werden von den dort – ebenfalls zumeist ehrenamtlich – Tätigen auf Plausibilität geprüft. Eine Besonderheit gibt es für die ersten zehn Pilger eines jeden Tages: Sie werden einen Tag lang kostenlos im Paradorhotel Reyes de los Católicos verköstigt.

… und so sieht sie aus!
15 Cruz de Ferro
Höchster Punkt auf dem Camino Francés in Spanien
Schon seit langer Zeit gilt das Cruz de Ferro als ganz besonderer Punkt auf dem
Camino Francés. Die Stelle mit dem besonderen kleinen Eisenkreuz, das sich an der Spitze eines langen Holzstabes befindet, liegt auf einer Höhe von rund 1.500 Metern.
Es ist eine alte überlieferte Tradition, dass man an dieser Stelle einen Stein als
Symbol für seine Lasten und Sorgen ablegt. Manche
Pilger bringen diesen Stein sogar im Rucksack von zu Hause mit, andere suchen sich unterwegs ein Exemplar. So hat sich ein ganzer Berg von Steinen am Fuß des Kreuzes gebildet. Mittlerweile sieht man am Cruz de Ferro auch beliebige andere Dinge, die dort von den Pilgern abgelegt werden. Es gibt auch Stimmen, die erklären, dass das eigentliche Cruz de Ferro früher einmal einen Platz in der Nähe – und dafür weiter entfernt von der Straße – gehabt haben soll. Es wurde jedoch für die Auto- und Bustouristen an den heutigen Platz an der Straße verlegt. Für die Pilger macht es keinen Unterschied und warum sollen sich diejenigen, die nicht (mehr) gut zu Fuß sind, nicht auch an gewissen Highlights des Weges erfreuen dürfen?

Das Cruz de Ferro ist eine wirklich symbolträchtige Stelle.
16 Dankbarkeit
Dankbarkeit hat eine erstaunliche Kraft
Wenn man sein Tagesziel, sein Wochenziel oder
Santiago de Compostela erreicht hat, ist es ein herrliches Gefühl, es geschafft zu haben. Man ist erfüllt von Freude,
Dankbarkeit und
Glück. Eine so große Entfernung nur mithilfe der eigenen Füße zurückgelegt zu haben, ist immer wieder von Neuem ein eindrückliches Erlebnis.
»Danke« sagen kann man als Pilger doch tagtäglich für vieles mehr: für ein Lächeln, für einen netten Gruß, für einen Schluck Wasser zur richtigen Zeit, für eine Auskunft. Die Dankbarkeit wie auch die Aufmerksamkeit gegenüber kleinen Dingen wachsen mit jedem Tag des Unterwegsseins.
Wofür können wir, kann ich persönlich an diesem Tag dankbar sein? Vielleicht regt sich bei dem einen oder anderen auch Widerstand und er stellt sich eher die Frage: Muss ich überhaupt dankbar sein? Erinnert mich dies an meine Kindheit, wo es mir beigebracht wurde, »Bitte« und »Danke« zu sagen? Oder: Soll ich dankbar sein für Situationen, die mir überhaupt nicht gefallen? Interessant: Wenn ich auch dankbar sein kann für Situationen, die mir im ersten Moment weniger gefallen, dann nähere ich mich dem innersten Wesen der Dankbarkeit: Denn alles, was mir widerfährt, ist ein Geschenk an mich und möchte mir bei meiner Entwicklung helfen.
Ups, damit rechnet man doch im Allgemeinen nicht. Nicht immer erkenne ich dieses Geschenk für meine Entwicklung (hin zu mehr Geduld, mehr
Gelassenheit, mehr Liebe und vielem mehr) auf den ersten Blick. Doch wir haben sicher schon die Erfahrung gemacht, dass sich die Einstellung zu einer Situation im Laufe der Zeit verändert. Wer einmal erfahren hat, welche Kraft die Dankbarkeit mit sich bringt, wird ihr mehr und mehr in seinem Leben einen Platz einräumen wollen.

Geschmückter Erntedankaltar
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.