Kitabı oku: «Die Prätorianer»
152 Seiten mit 60 Abbildungen
Titelbild: Ausschnitt aus dem Cancelleria-Relief A
Umschlagbild hinten: Relief vom Konstantinsbogen in Rom
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2014 by Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Mainz am Rhein
ISBN 978-3-943904-52-9
Konzeption und Layout: Vollnhals Fotosatz
Satz: Noch & Noch GbR Satz- und Reprotechnik
Lektorat: Annette Nünnerich-Asmus, Mascha Schnellbacher, Frauke Itzerott
Gestaltung des Titelbildes: Gerald Habel, Scancomp GmbH
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten.
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Ritchie Pogorzelski
Die Prätorianer
Folterknechte oder Elitetruppe?

„ … und die Garde, die man auch als Prätorianer bezeichnet; diese leisteten dem gesamten übrigen Heer tapfer Widerstand, da sie körperlich die größten und Elitesoldaten waren; die gesamte übrige Menge aber stritt für Antoninus (Elagabal).“
(Herodian V, 4, 8)
Inhalt
Cover
Impressum
Titel
Zitat
Einleitung
Die Prätorianer
Die Prätorianer im 1. Jh. n. Chr. – eine kaiserliche Leibgarde
Die Aufgaben der Prätorianer
Organisation
Der Aufbau der Truppe
speculatores augusti
evocati augusti
statores augusti
cohortes urbanae – die städtischen Kohorten
cohortes vigilum – die Wachkohorten
Die Peregrini
Die Ausrüstung der Prätorianer
Das Friedensgewand
Das Festgewand
Die Paradeuniform
Der „kleine Dienstanzug“
Die Kampfausrüstung
Besondere Merkmale der Uniformen
Abzeichen
Signa und Tierfelle
Waffen und persönliche Ausrüstung
Die Helme
Die Schilde
Das Pilum
Die Ausbildung der Prätorianer
Die Bezahlung
Die Ränge
Die Kaiser des 1. Jhs. n. Chr. und ihre Prätorianerpräfekten
Augustus und sein Vermächtnis
Tiberius
Lucius Aelius Seianus und die Verschwörung
Idistaviso und der Angrivarierwall
Die castra praetoria
Friedhof der Prätorianer
Caligula
corona exploratoria
corporis custodes
Claudius – Kaiser von Prätorianergnaden
Nero
Die Pisonische Verschwörung
Die Krönung des Tiridates in Rom
Die Künstlerreise Neros nach Griechenland
Galba
Otho
Vitellius
Die zweite Schlacht bei Cremona
Vespasianus
Titus
Domitianus
Die Cancelleria-Reliefs
Nerva
Die Kaiser des 2. Jhs. n. Chr. und ihre Prätorianerpräfekten
Traianus
equites singulatores augusti: die kaiserliche Reitergarde
Der große traianische Schlachtenfries
Hadrianus
Antoninus Pius
Die Pätorianer und die Säule des Antoninus Pius
Lucius Aurelius Verus und Marcus Aurelius
Der erste Markomannenkrieg
Commodus
Pertinax
Didius Julianus
Die Kaiser des 3. Jhs. n. Chr. und ihre Prätorianerpräfekten
Septimius Severus
Caracalla
Macrinus
Elagabalus
Severus Alexander – und das Ende der kaiserlichen Dynastien
Maximinus Thrax – die Zeit der Soldatenkaiser
Gordianus I
Gordianus II
Pupienus und Balbinus
Gordianus III
Philippus Arabs
Decius
Trebonianus Gallus
Aemilianus
Valerianus und Gallienus
Gallienus
Das Gallische Sonderreich (Imperium Galliarum)
Postumus – Kaiser des Gallischen Sonderreichs
Claudius II
Victorinus – Kaiser des Gallischen Sonderreichs
Quintillus
Aurelianus
Ulpia Severina und Tacitus
Florianus
Probus
Carus
Carinus – Kaiser im Westen und Numerianus – Kaiser im Osten
Die Zeit der Tetrarchie
Diocletianus und die große Reform
Maximianus
Die Kaiser des 4. Jhs. n. Chr. und ihre Prätorianerpräfekten
Constantius Chlorus und Galerius und Severus
Licinius
Maximinus Daia
Maxentius – der verkannte Kaiser
Constantinus – man nennt ihn auch den Großen
Das Ende der Prätorianergarde – die Schlacht an der Milvischen Brücke
Schlussbetrachtung – Revision eines überkommenen Bildes
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis
Einleitung
Der Begriff Prätorianer ist seit ihrer Gründung mit einem eher negativen Bild verbunden. Kaisermörder und Kaisermacher sind nur zwei Begriffe, mit denen wir heute die Prätorianer bezeichnen. Doch woher kommt dieser negative Bekanntheitsgrad? War ihr Ruf wirklich so schlecht? Vielleicht hängt es mit ihrer Rolle als ausführendes Organ der kaiserlichen Macht zusammen? Schließlich waren die Prätorianer die einzige Möglichkeit des Kaisers, seine Macht direkt im Zentrum des Imperiums durchzusetzen, was sie oft wie Folterknechte des jeweiligen Kaisers aussehen lässt. Aber auch ihr Wandel von einer Ordnungsmacht zu einer Inthronisierungstruppe hat viel zu ihrem Negativimage beigetragen. Im Folgenden wird sich zeigen, dass die Prätorianer nicht nur Salonoffiziere, die in Rom ein durch Dekadenz und Luxus geprägtes Leben führten, sondern eine schlagkräftige und bestausgebildete Elitetruppe waren.
Wenn man sich die Anzahl der Kaiser ansieht, die durch die Prätorianer tatsächlich getötet wurden, und sie der Gesamtzahl aller römischen Kaiser gegenüberstellt, so wird schnell deutlich, dass Mord nur in sehr seltenen Fällen vorkam. Oftmals wird die komplette Garde als Mörder bezeichnet, obwohl die Tat in den meisten Fällen nur von einer kleinen Gruppe geplant und durchgeführt wurde. Oft waren es nur die Präfekten, die sich als Mörder betätigten und den Rest vor vollendete Tatsachen stellten. Wie wir sehen werden, waren es im 1. Jh. n. Chr. zwei, im 2. Jh. n. Chr. nur einer und im durch Krisen gekennzeichneten 3. Jh. n. Chr. sechs Kaiser, die durch die Hände der Prätorianer getötet wurden. Darunter waren Persönlichkeiten wie Caligula oder Domitian, die in der Geschichtsschreibung häufig negativ skizziert und als wahnsinnig oder grausam bezeichnet wurden. Dem gegenüber steht die weit größere Zahl von Herrschern, die durch Soldaten der Legionen zu Tode kamen. Durch die große Machtfülle ihrer Präfekten konnte die Garde schnell in politische Auseinandersetzungen hineingezogen werden. Der Ehrgeiz einzelner Präfekten sorgte oft für eine ungewollte Teilnahme der gesamten Garde am politischen Sturz bestimmter Kaiser. Die Garde war an sich nicht an der Politik, sondern vielmehr am Geld interessiert. Regierte ein in den Augen der Prätorianer eher geiziger Kaiser, griffen diese mitunter auch in die Politik ein. Jedoch bewies die Garde gerade bei guten und starken Kaisern absolute Loyalität.
„ …; darüber hinaus erhielten die Prätorianer pro Kopf 1.000 Denare, weil sie sich Sejan nicht angeschlossen hatten, …“
(Sueton, Tiberius, 48)
Von der Regentschaft Vespasians bis zum Tode des Commodus vergingen über 120 Jahre, in denen die Prätorianer dem jeweiligen Kaiserhaus treu ergeben waren. Nur bei „schlechten“ und schwachen Kaisern zog die Garde bzw. Teile von ihr die Konsequenzen und setzte ihre Macht ein, um einen neuen aus ihrer Sicht fähigeren Kaiser auf den Thron zu setzen. Auf Caligula folgte z. B. Claudius und auf Elagabalus Severus Alexander. Der Ruf der Prätorianer ist weitaus schlechter als ihre Taten in Wirklichkeit waren. Gerade unsere jüngere Vergangenheit und, nicht zu vergessen, Hollywood haben diesen Ruf erst geschaffen bzw. verstärkt und so zu unserem heutigen Verständnis beigetragen. Denn alle Leibgarden von Diktatoren oder anderen Despoten wurden über die Jahrhunderte automatisch mit den Prätorianern gleichgesetzt. Mit dem vorliegenden Band soll Licht in die bisher dunkle Geschichte dieser Garde gebracht und gezeigt werden, dass diese Soldaten nicht nur Folterknechte, sondern die Elitetruppe des römischen Heeres waren.

Abb. 1: Münze des Galba mit adlocutio-Szene. Galba steht auf einem Podest vor seinen Liktoren und Prätorianern. Der vorderste Soldat trägt einen rechteckigen Schild mit einem Umbo in Form eines Kopfes. Es scheint sich um das Gesicht Galbas zu handeln. Hierdurch sollte die enge Verbindung zu ihm verdeutlicht werden. (Fundort unbekannt, Privatbesitz). Aufnahme: Andreas Pangerl, www.romancoins.info.
Um das Problem gleichzeitig agierender kaiserlicher Protagonisten und ihrer Prätorianer aufzulösen und die teilweise eng miteinander verwobenen Geschicke der einzelnen Personen adäquat darzustellen zu können, hat sich der Autor zu einer konsequent chronologischen Darstellung der Kaiser und ihrer Prätorianerpräfekten entschieden.
Wie schon im ersten Band des Autors „Die Traianssäule in Rom – Dokumentation eines Krieges in Farbe“ wurden auch hier die Reliefs farbig gefasst, um eine größtmögliche Anschaulichkeit zu gewährleisten. Farbreste an Grabsteinen und Reliefs, literarische Hinweise über Farben der römischen Kleidung sowie die große Anzahl an Wandmalereien und bunten Mosaiken haben hierbei als Vorlage gedient.
Die malerischen Arbeiten von Angi Delrey waren dem Verfasser eine wertvolle Hilfe, mit der es möglich wurde, einen Großteil der hier abgebildeten Reliefs farbig darzustellen.
Für die Entstehung dieses Bandes dankt der Autor vor allem dem Nünnerich-Asmus Verlag für alle im Vorfeld notwendigen Arbeiten, um diesen Band erscheinen zu lassen, dem archäologischen Institut in Köln für die Möglichkeit der Recherche, Herrn Andreas Pangerl und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) für die freundliche Bereitstellung von Abbildungsmaterial. Einen Großteil der Informationen über die castra praetoria verdankt der Autor der Arbeit von Frau Alexandra W. Busch, die in ihrem Werk „Militär in Rom“ den archäologischen Befund zusammengefasst hat.
Außerdem sei Holger von Grawert für die Unterstützung beim Entstehen des Bandes gedankt.
Ganz besonders herzlich möchte der Autor sich bei seinen Kindern Janina und Nicolas bedanken, die oft auf ihren Vater verzichten mussten, damit dieser die für diesen Band notwendigen Arbeiten durchführen konnte. Ihnen ist dieses Buch gewidmet.
Die Prätorianer
Die Prätorianer (lateinisch: praetoriani) waren keine Leibwächter, sondern eine Leibgarde. Die Leibgarde unterscheidet sich in einem wichtigen Aspekt von einer Wache: Sie steht nur einem Souverän zu. Als wichtigste Truppe in Rom war die Leibgarde das Instrument des Kaisers, um Verschwörungen und Rebellionen zu verhindern und Unruhen niederzuschlagen. Ihre Angehörigen waren der Kern der kaiserlichen Macht, konnten allerdings auch seine tödlichsten Feinde werden. Bei einer Garde hat es sich schon immer um eine Elitetruppe gehandelt, deren Mitglieder nach strengen Kriterien aus der Armee ausgesucht wurden. Die Anforderungen, die an einen Gardisten gestellt wurden, waren außer einer bestimmten Mindestgröße auch Treue dem Herrscher gegenüber, Loyalität, militärische Disziplin, Fitness, Pflichterfüllung bis zur Aufopferung, ein gutes Erscheinungsbild und Intelligenz. Dies konnte nur von den Besten erfüllt werden. Über all dem stand der Korpsgeist als ideologischer Überbau.
Prätorische Kohorten bestanden schon in der Römischen Republik. Bei der Belagerung Numantias im Jahr 133 v. Chr. war es der römische Feldherr Scipio Aemilianus, der die bisherige Militärtradition wandelte. Auf seinen Befehl hin wurde eigens zu seinem persönlichen Schutz eine komplette Kohorte aufgestellt, die weder aus Liktoren noch aus Extraordinarii bestand. Somit ist sie schon während der Auseinandersetzungen der Republik das Leibregiment des Befehlshabers, des praetors. Mehr als alle anderen Einheiten war sie auf den Feldherrn eingeschworen. Der Begriff Prätorianer rührt vom Hauptplatz des Legionslagers mit dem Zelt des Feldherrn her, dem Praetorium. Es war Gewohnheit vieler römischer Generäle, aus den Rängen eine private Truppe von Soldaten auszusuchen, die als Leibgarde des Zeltes oder seiner eigenen Person agierten. Diese Truppe bestand sowohl aus Infanterie als auch aus Kavallerie. Die z. B. von Scipio auserwählten Männer fungierten ausschließlich als seine persönliche Leibgarde und wurden daher von nun an als prätorianische Garde bezeichnet. In Zukunft folgten viele andere Feldherren Scipios Beispiel und so wurde dieses spezielle Garderegiment, das man cohors praetoria nannte, auch von namhaften Männern wie etwa Iulius Caesar, Marcus Antonius oder Augustus während des Krieges eingesetzt (Abb. 2). Die prätorianische Garde war damit zu einem festen Bestandteil in der Armeestruktur sowie zu einem Statussymbol der jeweiligen Feldherren geworden. Im Jahr 25 v. Chr. wurden die Salasser von Terentius Varro besiegt. Der beste Teil ihres Landes wurde an einige Prätorianer verschenkt, wo später die Stadt Augusta Praetoria, das heutige Aosta, entstand. Nach der Seeschlacht bei Actium am 2. September 31 v. Chr. wurden viele Einheiten aufgelöst und die Veteranen zur Besiedlung der Kolonien Gunugu und Aosta verwendet.

Abb. 2: Denar des Marcus Antonius. Die Münze wurde zum Gedenken an die Unterstützung seitens der prätorischen Kohorten im Bürgerkrieg geschlagen (Fundort unbekannt, Privatbesitz). Aufnahme: Andreas Pangerl, www.romancoins.info.
Augustus entschied im Jahr 27 v. Chr., dass eine derartige Einheit nicht nur im Krieg, sondern auch in der Politik nützlich sein könne und rekrutierte aus den Rängen der Legionen und den meist italischen Gebieten Etrurien, Umbrien, Latium sowie den altrömischen Koloniestädten die Prätorianergarde. Daneben wurden nach Cassius Dio auch Gallier und Germanen rekrutiert. Das besondere Verhältnis der Gefolgschaft zu ihrem Feldherrn wurde nun auf die absolute Loyalität gegenüber dem Princeps erweitert. Die ursprüngliche Truppe unterschied sich erheblich von der späteren Garde. Während Augustus Schutz in der Innenpolitik benötigte, war er gleichzeitig darauf bedacht, den republikanischen Anschein seines Regimes zu wahren. Seit der Zeit der Gracchen kam es in Rom immer wieder zu regelmäßigen Straßenkämpfen konkurrierender Parteimitglieder. Sullas Marsch auf Rom im Jahr 88 v. Chr. oder der Konflikt zwischen Pompeius und Cäsar im 1. Jh. v. Chr. trugen dazu bei, dass das sakrale Gebiet, das Pomerium, für politische Zwecke kein Hindernis mehr darstellte. Bisher gab es Vorschriften, nach denen sich kein Heer innerhalb dieses Bereichs aufhalten durfte. Ausnahmen bildeten nur die Tripumphzüge, bei denen die Soldaten aber unbewaffnet im Zug marschierten.
Durch die Truppen der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt kam es immer wieder zu regelrechten Straßenschlachten. Es existierte kein Gegengewicht, welches die innere Sicherheit aufrechterhalten konnte. Daher erlaubte Augustus die Aufstellung von neun Kohorten mit je 500 Männern, von denen nur drei gleichzeitig ihren Dienst in der Hauptstadt absolvieren durften. Diese dauerhafte Stationierung von Soldaten in Rom markierte einen entscheidenen Wendepunkt zwischen Republik und Prinzipat. Die restlichen sechs Kohorten und eine geringe Anzahl von Kavallerieeinheiten (turmae) wurden außerhalb der Stadt Rom aufgestellt. Dort begann das imperium militae. Während sie unauffällig im Palast und in größeren Gebäuden patrouillierten, waren die Übrigen in den Städten der Umgebung Roms stationiert, sodass von diesen einzelnen Kohorten keine Bedrohung ausgehen konnte. Durch die Einsetzung von zwei Prätorianerpräfekten (Quintus Ostorius Scapula und Publius Salvius Aper) im Jahr 2 v. Chr. wurde dieses System nicht wesentlich verändert, sondern lediglich die Organisation und das Kommando verbessert. Die Prätorianergarde galt als ranghöchste Abteilung und Elitetruppe des römischen Heeres, besonders in Bezug auf die Ausbildung und die Ausrüstung. Auch ihre Dienstzeit war erheblich kürzer. Statt der im Jahr 13 v. Chr. üblichen 16 Jahre mussten sie nach Cassius Dio nur zwölf Jahre dienen. Bereits im Jahr 5 n. Chr. war die Dienstzeit der Legionäre auf 20 und die der Prätorianer auf 16 Jahre erhöht worden. Bei ihrer Entlassung erhielten sie wie die kaiserliche Reitergarde (equites singulares augusti) und die Hilfstruppen ein Bronzediplom. Diese wurden nur wegen des Heiratsrechts benötigt, da eine Heirat während der Dienstzeit nicht möglich war. Die Fundorte der Diplome deuten darauf hin, dass nur diejenigen Prätorianer ein Diplom erhielten, die in den Grenzländern eine Nichtbürgerin heiraten wollten. In Rom selbst brauchte ein Prätorianer kein Diplom, da alle Unterlagen bei der Truppe vorhanden waren. Selbst nach Caracallas allgemeinem Bürgerrechtserlass im Jahr 212 n. Chr., mit dem allen Bewohnern des römischen Reiches das römische Bürgerrecht verliehen wurde, erhielten sowohl die Prätorianer als auch die equites singulares augusti und die Soldaten der italischen Flotte weiterhin ein Diplom. Eine weitere Besonderheit der Prätorianerdiplome ist, dass der Kaiser als Befehlshaber die Verfügung in der Ich-Form schreiben ließ, was die Nähe des Kaisers zu seinen Prätorianern kennzeichnet. Bei allen anderen Truppen, selbst bei der Reitergarde, kam dies nicht vor.
Die Prätorianer im 1. Jh. n. Chr. – eine kaiserliche Leibgarde
Nach Augustus’ Tod am 19. August 14 n. Chr. verlas Tiberius eine Lobrede. Beim anschließenden Leichenzug waren nicht nur Senat und Ritterschaft anwesend, sondern auch die gesamte Prätorianergarde.
„ …, dann liefen sämtliche Berittene, nicht nur jene, die dem ordo equester angehörten, sondern auch der gesamte Rest und das Fußvolk der Garnison um den Scheiterhaufen und warfen all ihre Auszeichnungen, sofern einige dergleichen jemals von ihm für eine Großtat empfangen hatten, darauf. Anschließend ergriffen nach Senatsbeschluss Centurionen Fakeln und steckten das Holzwerk von unten her an.“
(Cassius Dio, Buch 56, 42, 2 – 3)
Der Tod des Augustus bedeutete auch das Ende des Friedens bei den Prätorianern. Durch die Intrigen ihres Präfekten Lucius Aelius Seianus wurde die Garde aus den italischen Kasernen nach Rom selbst verlegt. Im Jahr 23 n. Chr. überzeugte der Präfekt Kaiser Tiberius von der Notwendigkeit eines Lagers für die Prätorianer, das knapp außerhalb Roms errichtet wurde. Der Kaiser verfügte fortan über die gesamte Garde, war aber ebenso ihrer Gnade ausgeliefert. Das Ergebnis wurde im Jahr 31 n. Chr. deutlich, als Tiberius gezwungen war, sich gegen Seianus auf die Stadtwachen der vigiles zu stützen. Obwohl die Prätorianergarde ihre Treue unter Beweis stellte, wurde in diesem Moment ihr politisches Gewicht offenkundig.
Die Garde zog unter Tiberius erstmals 14 n. Chr. ins Feld, als er sich mit Meutereien unter seinen Armeen am Rhein und in Pannonien konfrontiert sah, die sich über ihre Dienstbedingungen beklagten. Die Legionen in Pannonien zerschlug Tiberius jüngerer Bruder Drusus, den zwei Kohorten Prätorianer, ein großer Teil der Prätorianerreiter und die germanische Leibwache (corporis custodes) begleiteten. Auch der Gardepräfekt Aelius Seianus war darunter. Die Rebellion der Rheinlegionen schlug Tiberius Neffe Germanicus nieder, der damals die Legionen und Abteilungen der Garde in einer Invasion Germaniens befehligte. Ein Mitglied der Garde, Cassius Charea, der sich später durch die Ermordung des Kaisers Caligula in der Nachwelt einen Namen machte, tat sich dadurch hervor, dass er sich mit dem Schwert einen Weg durch die ihm entgegenstehende bewaffnete Menge bahnte.
Diese Mitglieder der Elitetruppe galten nicht umsonst als gefürchtete Soldaten. So ist aus den germanischen Feldzügen des Germanicus überliefert, dass bei der Schlacht um den Angrivarierwall zwei Kohorten der Prätorianer die cheruskischen Stellungen im Wald bereits weit vor den regulären Legionen angriffen und die Germanen vernichtend schlugen. Dennoch galten sie nicht als unbesiegbar, wie die erste Schlacht bei Bedriacum zeigte, wo die Prätorianer, die für Otho stritten, den aus Germanien vorstoßenden Truppen des Vitellius unterlagen. Das hatte zur Folge, dass sich Otho nach nur 95 Amtstagen das Leben nahm. Weitere größere Erfolge feierten die Prätorianer im Mesopotamischen Krieg, wo viele gegnerische Soldaten schon vor der Schlacht ihr Heil in der Flucht suchten, als sie erfuhren, dass sie mit der römischen Elitegarde die Waffen kreuzen sollten. Grundsätzlich nahmen die Prätorianer an jedem Krieg teil, bei dem auch der Kaiser persönlich anwesend war.
Die Aufgaben der Prätorianer
Die Hauptaufgabe der Prätorianer war die Bewachung des Kaisers, seiner Familie und des kaiserlichen Palastes. Für die Bewachung des kaiserlichen Palastes wurde täglich eine ganze Kohorte zum Wachdienst abgestellt.
„Nero trat, begleitet von Burrus, heraus und vor die Kohorte, die nach militärischer Sitte die Wache bildete.“
(Tacitus, 12, 69)
„Doch dem stand entgegen, dass man auf die Kohorte Rücksicht nehmen musste, die zu diesem Zeitpunkt Dienst tat; sie sollte nicht noch mehr Haß zu tragen haben, weil sie es auch gewesen war, die damals auf Posten gestanden hatte, als Caius getötet und Nero im Stich gelassen worden war.“
(Sueton, Otho, 6, 1)
Auf dem Palatin wurde die Unterkunft der Prätorianer an der Südseite der Domus Tiberiana, nahe der Casa di Livia, lokalisiert. An den Wänden fanden sich Grafitti, die mit den Soldaten in Verbindung gebracht wurden.
Sie begleiteten die kaiserliche Familie nicht nur im Alltag, sondern auch auf Reisen, zogen mit dem Kaiser in den Krieg und nahmen daran aktiv teil. Unter Nero fuhren die Prätorianer den Nil hinauf und kamen laut Seneca sogar bis Meroe. Durch die Reisetätigkeit Hadrians quer durch die Provinzen kamen sie fast durchs gesamte Imperium. Zudem übten sie eine Art Polizeidienst aus.
„ … wurde der Auftrag (für Ruhe und Ordnung zu sorgen) an die Brüder Scribonius abgetreten (zwei kaiserliche Legaten Neros). Diesen wurde eine prätorische Kohorte zur Verfügung gestellt. Die Angst vor ihr und einige Hinrichtungen stellten die Eintracht unter der Einwohnerschaft wieder her.“
(Tacitus, 13, 48)
„Als einmal die Volksmasse von Pollentia den Leichenzug für einen Primipilar nicht eher vom Marktplatz hatte sich in Gang setzen lassen, bis sie den Erben durch die Androhung von Gewalt die Veranstaltung eines Gladiatorenspiels abgetrotzt hatte, ließ er eine Kohorte von Rom aus, eine weitere aus dem Königreich des Cottius losmarschieren, ohne mit dem Grund für den Marsch herauszurücken; plötzlich zeigten sie sich in voller Bewaffnung und die Signale zum Angriff ertönten, da ließ er sie in die Stadt einrücken; ein Großteil der Volksmasse und der Gemeinderäte ließ er lebenslänglich ins Gefängnis werfen.“
(Sueton, Tiberius, 37)
„Als aber nun das Volk Agrippina zum ersten Male ohne Begleitung der Prätorianer sah, da hütete sich die Mehrzahl, auch nur zufällig mit ihr zusammenzutreffen, und wenn irgendeiner ihr dennoch unbeabsichtigt begegnete, dann pflegte er hastig und ohne ein Wort zu verlieren, aus dem Wege zu gehen.“
(Sueton, Buch 61, 8, 6)
Auch für die Bekämpfung von Aufständen wurden die Prätorianer eingesetzt. In Tiberius Regierungszeit drohte in Italien ein Sklavenaufstand, der durch den Prätorianertribunen Staius und seiner starken Garde im Keim erstickt wurde. Sie scheinen auch die Gladiatoren in der Umgebung von Rom bewacht zu haben. Im Sommer 64 n. Chr. unternahmen die Gladiatoren der Stadt Praeneste (Palestrina), ca. 38 km südöstlich von Rom gelegen, einen Ausbruchsversuch aus ihrer Kaserne. Während das Volk schon von Spartacus und den alten Sklavenaufständen sprach, wurden die Gladiatoren jedoch durch die dort stationierten Prätorianerabteilungen unter Kontrolle gebracht. Die Soldaten wurden außerdem bei Zeremonien eingesetzt, wie uns Tacitus berichtet. Unter Kaisern wie Caligula verrichteten sie zudem Dienste als Henker, Folterknechte, Steuereintreiber und – allseits gefürchtet – als geheime Staatspolizei.
„Neue unerhörte Steuern ließ er zuerst durch Steuerpächter, dann, weil diese zu hohe Gewinne machten, durch die Centurionen und Tribunen der Prätorianerkohorten eintreiben.“
(Sueton, Caligula, 40)
Kaiser Caracalla ließ die Garde sogar gegen das Volk vorgehen:
„Als er nämlich einmal dem Wettrennen zuschaute, verspottete das Volk einen Wagenlenker, auf den er große Stücke hielt. Dies nahm er als eine persönliche Beleidigung auf, und gab der Leibgarde den Befehl, in das Volk zu fallen, es auseinander zu jagen, und diejenigen, welche auf den Wagenlenker geschimpft hatten, niederzuhauen. Die Soldaten ergriffen begierig diese Gelegenheit zu Vergewaltigung und Raub, und ohne zu untersuchen, wer die vorlauten Schreier gewesen, ergriffen sie schonungslos jeden, der ihnen in die Hände fiel, schleppten sie fort und töteten sie, oder schenkten ihnen erst, nachdem sie ihnen alles, was sie hatten, als Lösegeld abgenommen hatten, das Leben.“
(Herodian, IV, 6)
Allerdings führten die Prätorianer nicht alle ihnen aufgetragenen Aufgaben aus, wie folgendes Zitat beschreibt:
„Burrus erwiderte, die Prätorianer hätten dem ganzen Haus der Caesaren den Treueid geleistet und würden in der Erinnerung an Germanicus dessen Tochter keinesfalls ein Leid antun: Anicetus solle das zu Ende führen, was er versprochen habe.“
(Tacitus, Buch XIV, 7)
Organisation
Im Feld waren die Prätorianer jeder Einheit der römischen Armee gleichgestellt. Vom ersten Kaiser nur selten eingesetzt, waren sie ab der Regierungszeit des Tiberius (14 – 37 n. Chr.) häufiger in Schlachten aktiv. Sie kämpften am Angrivarierwall erfolgreich gegen Arminius und in der ersten Schlacht von Bedriacum für Otho, unter Domitian und Traian in Dakien und Mesopotamien, während sie unter Marcus Aurelius Jahre an der Donaufront verbrachten. Obwohl die Prätorianer Ähnlichkeiten mit den Legionstruppen aufwiesen, gab es doch einige Unterschiede. Ihre Kohorten waren ab Septimius Severus größer, der Sold und die zusätzlichen Leistungen waren besser und auf ihr militärisches Geschick war Verlass und sie erhielten höhere Geldgeschenke (donativa) von den Kaisern als die regulären Truppen. Wie bei den anderen Legionen war aber auch bei den Prätorianern nur ein kleiner Teil im Fall von Kriegshandlungen sofort einsetzbar.
Der Aufbau der Truppe
Die Legionen der damaligen Zeit bestanden aus über 6.000 Soldaten zu zehn Kohorten à 500 Mann; lediglich die erste Kohorte war doppelt so stark. Hinzu kamen der gesamte Offiziersstab mit seinen Bediensteten und die Mannschaft, die für den Tross zuständig war. Ob auch die erste Kohorte der Prätorianer größer war, kann nur gemutmaßt werden. Demnach bestanden unter Augustus die Kohorten der Prätorianer nach heutigem Forschungsstand aus mindestens 4.500 Mann, aufgegliedert zu neun Kohorten à 500 Mann. Auch hier müssen der Stab und die dazugehörige Mannschaft hinzugerechnet werden. Cassius Dio spricht von einer Stärke von 10.000 Mann. Septimius Severus hatte die Sollstärke der Prätorianer verdoppelt. Diese Prätorianerkohorten wurden equitatae genannt, sie bestanden also aus Reitern (equites praetoriani) und einer Mehrheit von Infanteristen (Abb. 3). Ob die Aufteilung wie bei den Hilfstruppen zu 3/4 Infanterie und 1/4 Kavallerie bestand, ist allerdings fraglich, da man sonst mit einer Gesamtstärke von ca. 1.400 Reitern rechnen müsste. Dementsprechend hätte in der castra praetoria auch Platz für die Stallungen der 1.400 Pferde bestehen müssen. Epigrafische und literarische Quellen bieten hierzu kaum ausreichende Informationen. Wir wissen aber, dass die Anzahl der Reiter weit höher war als die der Legion, in der gerade einmal 120 Reiter ihren Dienst absolvierten. Pseudo-Hygin gibt in seiner Marschlagerbeschreibung zumindest eine Stärke von 400 equites praetoriani an, was wiederum nur einen Teil ausmacht, da nicht die ganze Prätorianergarde vor Ort war. Diese equites cohortum praetoriarum ordnen sich in den laterculi, den Militärlisten, und auf den Grabsteinen jeweils einer centurie und keiner einzelnen turma zu.
Den Prätorianerkohorten waren zusätzlich noch Untereinheiten (speculatores augusti, statores und die evocati) beigegeben, die sich aus den Reihen der Prätorianer selbst rekrutierten bzw. ihnen beigeordnet waren. Befehligt wurden diese Kohorten von dem oder den beiden Prätorianerpräfekten; diese stammten aus dem Ritterstand. Jede Kohorte hatte einen Tribunen und sechs Centurionen als Offiziere. Die Letzteren waren untereinander gleich, mit Ausnahme des Trecenarius, der oberste von allen, dessen Name sich dadurch erklären lässt, dass er auch die 300 speculatores augusti leitete, und seines Adjutanten, des princeps castrorum. Kaiser Vitellius bildete im Jahr 69 n. Chr. aus den germanischen und Kaiser Septimius Severus im Jahr 193 n. Chr. aus den pannonischen Legionen eine neue Garde. Darüber hinaus stellte er einen Ersatz für die Ränge aus dem gesamten Reich zusammen. Tacitus berichtet, dass die Zahl der Kohorten im Jahr 47 n. Chr. von neun auf zwölf und im Jahr 69 n. Chr. kurzzeitig auf 16 aufgestockt wurde. Vespasian, der sich auf die Kohorten verließ, reduzierte ihre Zahl wieder auf neun, als er den Thron bestieg. Von Domitian wurden sie schließlich wieder auf zehn angehoben, sodass im Ergebnis mit den speculatores augusti eine Elitetruppe von mindestens 5.300 Mann und den 500 Mann der corporis custodes zur Verfügung stand. Mit der Eingliederung der equites singularis augusti wuchs diese Truppe sogar auf mindestens 6.800 Mann an. Sie wurden von Traian als zukünftigem Herrscher Roms aus seinen existierenden equites singulares gegründet, die ihm als Statthalter der Provinz Germania Superior zur Verfügung standen. Manche von ihnen gaben später auf ihren Grabsteinen in Rom an, dass sie aus der CCAA (Köln) stammten. Ab Septimius Severus, der den Sollbestand der Kohorten auf je 1.000 Mann erhöhte, wuchs die Truppe sogar auf 11.300 Elitekämpfer. Cassius Dio bestätigte die zehn Kohorten mit 10.000 Mann. Dem Kaiser standen aber auch noch andere militärische und paramilitärische Einheiten zur Verfügung, von denen zahlreiche Quellen berichten.

Abb. 3: Grabstele für Aurelius Saturninus (eques cohortis VIII praetoriae) Inschrift: D(is) M(anibus)/Aur(elio) Saturnino eq(uiti) coh(ortis) VIII pr(aetoriae) |(centuria)/Verissimi qui militavit in leg(ione) se/cunda Italica tesserarius ann(os) VI/qui vixit an(nos) XXVIII Aur(elius) Optatianus/eq(ues) fratri bene merenti posuit. Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Rom, Musei Vaticani, Galleria Lapidaria.
speculatores augusti
Die 300 speculatores augusti waren im gleichen Lager wie die Prätorianer untergebracht und unterstanden dem Befehl des Präfekten. Ihre Aufgabe war es, nicht nur die Sicherheit und die Begleitung des Kaisers zu gewährleisten, sondern auch speziellere Aufgaben zu erfüllen, wie die Hinrichtung von Verurteilten, von der uns Seneca berichtet. Ihre enge Bindung an den Kaiser äußerte sich schon in ihrem Namen speculator augusti. Äußerlich waren sie durch einen besonders langen Speer gekennzeichnet, der auch auf der Traianssäule abgebildet ist. Da sie einen eigenen Reitlehrer besaßen, muss auch ihr Reitstil anders gewesen sein. Kommandiert wurden sie von einem centurio speculatorum.
evocati augusti
Bei den evocati augusti handelt es sich um ehemalige Angehörige der Prätorianergarde, welche nach ihrer offiziellen Dienstzeit weiterdienten. Sie waren nicht nur im Stab der Prätorianerpräfekten, sondern wechselten oft zu den Legionen und wurden dort in höherem Rang eingestellt, meist als Centurionen oder Ausbilder. Somit nahmen sie aufgrund ihrer militärischen Erfahrung und den Aufgaben, die sie in Rom innehatten, eine herausragende Stellung bei der Ausbildung der römischen Armee ein. Dies setzt voraus, dass die Ausbildung in der Garde des Kaisers besonders effektiv war, sonst hätte der Kaiser sie nicht als Ausbilder zu den Truppen an die Grenze entsandt. Als ehrenvolle Auszeichnung sollen ihnen ein Goldring und ein stilisierter Rebstock, wie der der Centurionen, verliehen worden sein und sie trugen ein besonderes Schuhwerk, wie uns Cassius Dio berichtet (Abb. 4). Sie waren zumeist Spezialisten, deren besonderes Wissen und besondere Erfahrung auch nach ihrer Entlasung für die Kaiser von Bedeutung waren. Auf der Via dell’Abbondanza in Pompeji befindet sich das Haus eines ehemaligen evocatus augusti: Lucius Satrius Rufus. Als einziges Haus in dieser Stadt verfügte es über ein Namensschild an einem der Flügel seiner Eingangstür. Die kleine Bronzetafel trägt die Inschrift:
„L. SATRI RVFI, EVOCATIAVG (VSTI)A COMMENTAR(IIS)“
„Lucius Satrius Rufus, Berufener des Erhabenen als Berichterstatter“.

Abb. 4: Prätorianer als evocatus bei der Legion (siehe auch www.cohors-praetoria.eu).
Der berühmteste evocati augusti war Caius Vedennius Moderatus aus Antium. Er hatte zehn Jahre in der 16. Gallischen Legion gedient, bevor er wohl im Jahr 69 n. Chr. durch Vitellius zu den Prätorianern versetzt wurde. Dort diente er acht weitere Jahre und wurde dann ehrenhaft entlassen. Vom Imperator zurückberufen, wurde er als evocatus augusti zum Baumeister in der Waffenwerkstatt des Kaisers (arcitectus armamentarii Imperatoris) ernannt. Als evocatus augusti diente er 23 weitere Jahre und wurde zweimal mit militärischen Auszeichnungen von Vespasian und von Domitian geehrt.
statores augusti
Man nimmt an, dass die statores augusti, wie die statores der Legionen, mit Botendiensten betraut waren.
cohortes urbanae – die städtischen Kohorten
Von Augustus ca. 13 v. Chr. nach demselben Muster wie die prätorischen Kohorten organisiert, erfüllten diese drei Kohorten Polizeiaufgaben. Sie sollten Unruhen und Tumulte eindämmen, Sicherheit und Ordnung garantieren und die Disziplin bei den Spielen aufrechterhalten. Ihre Nummerierung von X–XII schloss an die der Prätorianer an. Die Zahl der Kohorten mit einer Mannschaftsstärke von 500 wurde bis zum Ende der julisch-claudischen Dynastie auf neun erhöht, von denen drei nicht in Rom, sondern in anderen Städten (Ostia, Puteoli und Lugdunum) stationiert waren. Somit kommen wir auf eine Stärke von ca. 3.000 Mann innerhalb Roms. Auch diese wurden unter Septimius Severus verdoppelt und in vier Abteilungen gegliedert. Im Bürgerkrieg 68/69 n. Chr. wurden die Städtischen Kohorten militärisch eingesetzt und dabei fast völlig aufgerieben. Kaiser Vespasian stellte vier neue Kohorten für Rom (X, XI, XII & XIX) sowie eine für Carthago mit der Nummer XIII auf. Befehligt wurden sie im 1. Jh. n. Chr. von einem adligen Stadtpräfekten senatorischen Ranges (praefectus urbi). So wurde dem Senat suggeriert, dass auch er eine Truppe zur Verfügung habe. Im 2. Jh. n. Chr. kamen sie dann aber unter den Befehl des Prätorianerpräfekten. In der Zeit von 20 – 23 n. Chr. wurden sie in demselben Lager wie die Prätorianer einquartiert, wo sie auch bis 270 n. Chr. blieben. Im Jahr 270 n. Chr. ließ ihnen Aurelian ein eigenes Lager bauen, die castra urbana am Forum Suarium in der Nähe des Marsfeldes. Ein Wechsel bzw. Aufstieg der Soldaten der städtischen Kohorten zu den Prätorianern war ein gängiges Verfahren. Die Einheiten blieben unverändert bis in konstantinische Zeit, wo sie durch das zivile officium des Stadtpräfekten ersetzt wurden.
cohortes vigilum – die Wachkohorten
Es bedurfte eines erneuten Großbrandes im Jahr 6 v. Chr., um Augustus die Problematik und die Notwendigkeit einer Umorganisation der Feuerwehren klar werden zu lassen. Augustus gründete nun die Organisation der vigiles (wörtlich „Wächter“), bestehend aus Freigelassenen, die zwei Funktionen ausübten: Nachtwache und ständige Feuerwehr. In Rom selbst befand sich mit den sieben Wachkohorten eine im Vergleich zu den Prätorianern und den cohortes urbanae erheblich weniger angesehene Truppe. Auch sie wurde unter Septimius Severus verdoppelt, sodass sie zu seiner Zeit eine Stärke von 7.000 Mann umfasste. Nach Cassius Dio stellten die vigiles auch Personal für die öffentlichen Thermen, die staatlichen Speicheranlagen und die Gefängnisse. Aus Trans Tiberim, dem heutigen Trastevere gibt es ein Graffito aus dem Wachraum der cohors VII. In den sieben stationes cohortium vigilum und 14 Wachlokalen (excubitoria) wurden diese Truppen über das gesamte Stadtgebiet verteilt untergebracht. Später wurden den Feuerwachen sogar eigene Kasernen zur Unterkunft bereitgestellt. Diese Truppe wurde ebenfalls militärisch organisiert. Das Oberkommando wurde einem aus dem Ritterstand stammenden praefectus vigilum übertragen. Nach Seneca (Epist. mor. 64, 1) patrouillierten die vigiles auch nachts durch ihre Bezirke, suchten nach möglichen Brandquellen und fahndeten nach Verstößen gegen die kaiserlichen Brandschutzvorschriften.
Aber auch die Prätorianer halfen aus, wie folgendes Zitat wiedergibt:
„Er (Drusus) wurde überdies ein solcher Trinker, dass er eines Nachts, als er zusammen mit den Prätorianern einigen Leuten, deren Besitz in Flammen stand, helfen musste …“
(Cassius Dio, Buch 57, 14, 10).
Später fielen den vigiles auch mehr und mehr polizeiliche Aufgaben zu. So konnte der römische Stadtpräfekt (praefectus urbi) sie bei Unruhen als Sicherheits- und im Notfall sogar als Kampftruppe einsetzen.
„In Puteoli und Ostia stationierte er je eine Kohorte, die die Aufgabe hatte, Feuersbrünste zu verhindern.“
(Sueton, Claudius, 25)
Die Peregrini
Die Peregrini bildeten keine feste Einheit, sondern waren Soldaten aus den verschiedenen Provinzen, die an einem Ort zusammengefasst waren. Diese wurden in der castra peregrina auf dem Caelius nahe dem kaiserlichen Palast stationiert. Das konnten abkommandierte Soldaten aus den Provinzen für einen speziellen Dienst in der Hauptstadt sein oder auch Flottensoldaten aus Misenum oder Ravenna. Die beiden größten Gruppen aber bildeten die speculatores legionis und die frumentarii. Die speculatores legionis zählten zum Stab des Statthalters und übermittelten Botschaften und Befehle zwischen den Provinzen und Rom. Sie waren mit einem besonderen Schuh, der speculatoria caliga, und einer besonderen Lanze (lanceae) ausgestattet, womit sie sich von den übrigen Soldaten des Heeres unterschieden. Wie diese genau aussahen, wird uns nicht überliefert. Befehligt wurden sie von einem princeps peregrinorum, seinem subprinceps und den centuriones peregrinorum.
Die Ausrüstung der Prätorianer
Der Annahme, die Prätorianer hätten antike, historisierende Waffen und Ausrüstung getragen, ist zu widersprechen. Man muss hier zwischen der Ausrüstung bei Zeremonien und der im Kampf getragenen unterscheiden. Die Prätorianer haben nach Quellen wie Herodian Waffen besessen, die reich mit Gold- und Silbereinlagen verziert waren. Über Farben der Tunika, des Helmschmuckes oder der Schilder haben wir allerdings kaum Kenntnisse. Es gibt lediglich eine kurze schriftliche Überlieferung eines Briefs von Kaiser Valerian an seinen Prätorianerpräfekten Mulvius Gallicanus mit der Bitte, den neuen Tribunen Probus mit zwei roten Tuniken auszustatten. Daraus ergibt sich, dass höhere Offiziere eine rote Tunika trugen und sich dadurch von den übrigen Chargen absetzten. Die Behauptung, dass Centurionen und gemeine Soldaten immer rot als Farbe trugen, ist demnach falsch. Auf kaum einem Relief oder Grabstein sind Farbreste erhalten. Hier müssen in Zukunft weitere wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen werden, um Farbreste zu belegen. Das einzige, was wir sagen können, ist, dass die Farben Purpur und Weiß nicht in Frage kommen. Es gibt zwar ein Mosaik, das sogenannte Nilmosaik von Palestrina (Abb. 5), auf dem zwei Soldaten gezeigt sind, die ein rechteckiges Schild mit sehr großem Skorpion, eine weiße Tunika und einen Helm mit weißem Busch tragen. Doch aufgrund der sie umgebenden Soldaten kann widerlegt werden, dass es sich um Prätorianer handelt. Die sie umgebenden Soldaten sind mit runden und ovalen Schilden ausgestattet. Sie tragen weiße, bläuliche und sandfarbene Tuniken und zum Teil phrygische Helme, die definitiv nicht römisch sind, sondern aus dem hellenistischen Raum stammen, zudem aus einer Zeit, als es die Prätorianergarde de facto noch nicht gab.

Abb. 5: Mosaik mit einer Nillandschaft. Teilausschnitt eines großen Mosaiks aus Palestrina mit einer kleinen Lagerszene unter einer Pergola am mittleren unteren Bildrand. Die Beschriftung des Mosaiks ist in griechischen Buchstaben gehalten. Museo Archeologico Nazionale (Palazzo Barberini).
Zudem wurden im alten Rom weiße Gewänder nur zu bestimmten Anlässen (Festlichkeiten, Opferungen usw.), aber auch von bestimmten Personen, denen ein besonderes Amt oblag, getragen. Kandidaten, die sich um ein Amt bewarben, trugen die sogenannte toga candita, eine speziell mit weißer Kreide behandeltete Toga, die so fast blütenweiß erschien.
„Weißen Gewandes steigt man hinauf zum tarpeischen Felsen. Denn für den festlichen Tag kleidet sich festlich das Volk! Neu ziehen die fasces voraus, neu schimmert der glänzende Purpur, neu ist die Last, die der Stuhl schimmernd zu tragen empfängt.“
(Ovid F.1, 79 ff. – Amtsantritt der Konsuln)
Die Farbe Weiß war also eine besondere Farbe für ein besonderes Gewand und einen bestimmten Anlass. Kaiser Gallienus (um 218 – 268 n. Chr.) hat, um die Soldaten auf seine Seite zu ziehen, das Recht, weißgekleidet zu defilieren auf die Mannschaften ausgeweitet. Diese albata decursio war seit Septimius Severus das Privileg der Centurionen. Somit wird ganz eindeutig darauf hingewiesen, dass eine weiße Bekleidung nicht nur für den gemeinen Soldaten, sondern auch für Centurionen nur zu bestimmten Anlässen getragen werden durfte. Ab wann weiße Kleidung nicht mehr als sakral angesehen wurde, ist nicht bekannt. So darf die Farbe Weiß für den einfachen Soldaten als auch für den Prätorianer bis zum Ende des 3. Jhs. n. Chr. ausgeschlossen werden. Die Darstellung von farbigen Tuniken obliegt also unserer modernen Vorstellung und ist reine Spekulation. Dass es eine spezielle Tracht für Prätorianer gab, zeigt uns eine Stelle bei Herodian (Buch 1, Kapitel 10), wo sich ein gewisser Maternus in der Tracht der Prätorianer unter dieselben mischen will, um Commodus bei einer Prozession zu ermorden.
Die Prätorianer hatten nach heutigen Erkenntnissen fünf verschiedene Uniformen:
das Friedensgewand (Toga) für den Wachdienst, das Festgewand, die Paradeuniform, den „Kleinen Dienstanzug“ und die Feldausrüstung.
Das Friedensgewand
In Rom trug der Prätorianer in der Regel die Toga ohne sichtbare Waffen. Beim Dienst in Rom trugen die Prätorianer in der Regel die Toga, unter der das Schwert nicht sichtbar getragen wurde. Das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit bzw. innerhalb des Pomeriums war strengstens verboten. Sie zu zeigen galt als gesetzeswidrige Gewaltandrohung und somit als Inbegriff der Verletzung des Sakralrechts.
Tacitus (16, 27) beschreibt hierzu das Senatsgericht gegen Thrasea Paetus im Jahr 66 n. Chr.:
„Am folgenden Morgen besetzten zwei prätorische Kohorten in voller Rüstung den Tempel der Venus Genetrix auf dem Caesarforum. Vor dem Eingang zur Kurie hatte sich eine Menge von Togaträgern gelagert, die aber ihre Schwerter schlecht verbargen, und auf den Marktplätzen und in den Basiliken waren ebenfalls Soldatenabteilungen aufgestellt.“
Tacitus berichtet auch, dass die Prätorianer beim täglichen Wachwechsel nicht in Uniform, sondern als cohors togata durch die Stadt zogen.
Das Festgewand
Zur Veranschaulichung dient uns die Schilderung Herodians (Buch 2, Kapitel 13), als Severus die Garde ausschalten will: „ … erlässt er ein allgemeines Schreiben an das gesamte Prätorianerkorps, worin er ihnen befiehlt, unter Zurücklassung des gesamten Gepäcks und der Waffenrüstung in friedlichem Aufzug aus dem Lager auszurücken, wie es dem Kaiser, wenn er ein Opfer oder einen Festzug hält, vorauszugehen pflegt. Dann sollte es dem Severus den Huldigungseid leisten … Die Soldaten vertrauten dieser Botschaft. Sie ließen ihre Waffen sämtlich zurück und zogen, nur mit ihren Festkleidern angetan und mit Lorbeerzweigen in den Händen, eiligst hinaus …“
Dies bedeutet, dass sie nur mit Tunika und Gürtel bekleidet waren.
Die Paradeuniform
Der heutige Begriff Paradeuniform ist ein wenig irritierend, da die römischen Soldaten bei den Paraden und Triumphmärschen in der Stadt Rom keine Rüstung tragen durften. Im Schmuck ihrer Waffen traten die Soldaten allerdings bei ihrem Soldempfang an, wo sie nicht nur ihre militärischen Auszeichnungen trugen, sondern auch ihre besten Kleider und Rüstungen (Abb. 6, 9). Diese Ausrüstung ist uns durch das „Prätorianer-Relief“ im Louvre (Abb. 32) bestens bekannt. Die Soldaten tragen einen Helm mit Federbusch, ein großes, gewölbtes Ovalscutum, Tunika, gladius, Brustpanzer, calceus equestes und ein cingulum militare. Im Hintergrund sind die Spitzen der pila zu erkennen.

Abb. 6: Prätorianer beim jährlichen Aufmarsch in Rom (Natale di Roma) (siehe auch www.cohors-praetoria.eu).
Der „kleine Dienstanzug“ (Abb. 7)
Dieser Dienstanzug ist uns sowohl von dem berühmten Cancelleria-Relief als auch vom Marmorsockel aus Puteoli bekannt. Er besteht aus der Tunika, der paenula oder dem sagum, dem cingulum mit pugio, dem gladius, dem großen gewölbten Ovalscutum und dem pilum mit zusätzlichem Gewicht. Das sagum als Mantel für die Garde bezeugt uns Cassius Dio 78, 13, 5 für die Zeit des Marcus Aurelius sowie die Abbildungen auf der Traianssäule. Im Gegensatz zur „Paradeuniform“ werden hier kein Helm oder Körperpanzer getragen. (Abb. 7)

Abb. 7: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria im „kleinen Dienstanzug“.
Die Kampfausrüstung (Abb. 8)
Diese Ausrüstung, der procinctus, ist auf den großen Reliefplatten des Konstantinbogens, der Traians- und Marc Aurel-Säule dargestellt. Der Ausdruck „esse in procinctu“ bedeutet, „im Kampfanzug gekleidet“ zu sein. Die Prätorianer trugen dazu einen Helm, der sehr archaisch erscheint und u. a. durch einen Skorpion oder einen Donnerkeil mit Blitzen auf den Wangenklappen und großen Federn gekennzeichnet ist. Die Reliefplatten des Konstantinbogens bestehen aus vier großen Ausschnitten, die aus traianischer Zeit stammen und ursprünglich zusammengehörten. Wahrscheinlich waren sie Teil des Traiansforums. Sie werden als der große traianische Fries bezeichnet. Auf diesen Reliefs werden die Reiter der Prätorianer im Schuppenpanzer und im Kettenhemd dargestellt. Auch die Helme der berittenen Garde sind durch den Skorpion auf den Wangenklappen gekennzeichnet. Auf dem Helm ist eine Helmzier aus Federn und einem kreisrundem Gebilde befestigt. Der normale Prätorianer wird auf dem Traianischen Fries mit der lorica segmentata, Rechteckscutum und caligae abgebildet. Die Cornicen und Tubicen tragen Schuppenpanzer. Die Ausrüstung entspricht also genau der der Legionäre. Wenn schon der gemeine Soldat seine Ausrüstung aufwertete, indem er sie u. a. mit Silber ausschmückte, so kann man davon ausgehen, dass die Prätorianer, aufgrund ihres höheren Soldes, dem in Nichts nachstanden.

Abb. 8: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria im procinctus (Kampfausrüstung).
Es gibt zudem eine schriftliche Quelle, die über das Aussehen der Prätorianer zur Zeit des Macrinus (Kaiser von 217 – 218 n. Chr.) aussagt:
„Dort errang er (Macrinus), dank der Entschlossenheit der Prätorianer einen Sieg – er hatte ihnen nämlich ihre Schuppenpanzer und röhrenförmigen umgreifenden Schilde genommen und sie auf diese Art für die Kämpfe erleichtert, …“
(Cassius Dio, Buch 79).
Die Ausrüstung muss wohl so hinderlich gewesen sein, dass er, entgegen jeder üblichen Praxis, die Prätorianer von dieser befreite.
Besondere Merkmale der Uniformen (Abb. 9,10)
Es gibt allerdings noch weitere Merkmale der Uniform, anhand derer wir die Prätorianer von anderen Soldaten unterscheiden können: Abzeichen, Signa und Tierfelle.
Abzeichen
Dass es Abzeichen zur Unterscheidung an den Uniformen gab, wissen wir, aber wir kennen diese insignia nicht. Tacitus schreibt in den Historien I 38:
„Dann ließ er das Zeughaus öffnen; sofort rissen alle die Waffen an sich, ohne militärische Zucht und Ordnung, sodass sich ein Prätorianer oder ein Legionär durch seine Abzeichen unterschieden hätte. Im Durcheinander bewaffneten sie sich mit Helmen und Schilden der Hilfstruppen …“
Dies bedeutet, dass die Helme und die Schilde der Prätorianer anders ausgesehen haben müssen als die der gemeinen Legionäre und Auxiliare. Die in Rom lagernden Truppen mussten ihre Waffen im Zeughaus (armamentarium) des Prätorianerlagers abliefern.

Abb. 9: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria im vollen Ornat.
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der Skorpion das Abzeichen der Prätorianer war. In der Tat tritt dieses Abzeichen sehr oft in Verbindung mit Soldaten auf, die in der Nähe des Kaisers zu sehen sind. Ein deutlicher Hinweis befindet sich auf dem Grabstein des Marcus Pompeius Asper (Abb. 12). Dort ist in der Standarte der III. Prätorianerkohorte ein Abbild eines Skorpions angebracht. Skorpione tauchen auch auf einem Fries aus Puteoli auf, der Soldaten zeigt, die rechts und links auf ihrem Schild einen Skorpion aufgemalt haben. Auch auf dem großen Traianischen Fries treten Soldaten auf, die auf ihren Wangenklappen einen Skorpion angebracht haben. Weshalb gerade der Skorpion das Zeichen der Prätorianer war, ist nicht ganz zweifelsfrei zu erklären. Vielleicht wurde dieses Zeichen aus Dankbarkeit der Prätorianer gegenüber dem Kaiser Tiberius übernommen: Denn er hatte den Prätorianern ihr eigenes, festes Lager errichten lassen und war im Zeichen des Skorpions geboren. Es treten aber auch andere Zeichen in Verbindung mit den Prätorianern auf: Stern und Halbmond. Prätorianergrabsteine des 3. Jhs. n. Chr. tragen stets diese Zeichen (Abb. 55). Schon Caligula verlieh den Prätorianern für die Überquerung des Rheins und den anschließenden Scheinangriff eine Krone mit Sternen und Mond. Auch auf dem berühmten Cancelleria-Relief (Abb. 18) sind die Schilde mit diesen Zeichen versehen. Es ist gut möglich, dass diese unterschiedlichen Zeichen nebeneinander existierten und vielleicht als Erkennungszeichen der einzelnen Kohorten dienten.

Abb. 10: Beschlagplatte aus Buntmetall mit in Silber eingelegter Inschrift des Prätorianers C. Iulius Gratus, Cohors V. Praetoria (Fundort unbekannt, Privatbesitz). Aufnahme: Andreas Pangerl, www.romancoins.info.
Signa und Tierfelle
Feldzeichen, die signa, sind z. B. auf dem Grabrelief des Pompeius Asper dargestellt (Abb. 11, 12). An diesem Signum ist ein Schild mit der Aufschrift COH.III.PR. angebracht. Das Signum besteht aus Corona, Namensschild, Skorpion, Mauerkronen, Imago, Viktoria, Adler und einer Speerspitze. Anders als bei den Legionen waren die signa der Prätorianer mit dem Portrait bzw. der Büste des Kaisers (imago) geschmückt. Dass mehrere imagines an einem Signum vorkommen können, zeigt, dass auch Angehörige des Kaiserhauses hier dargestellt waren. Die Prätorianerstandarte am Bogen der Argentarii aus dem Jahr 204 n. Chr. bestätigt diese These. Dort ist Caracalla und ein später zerstörtes Bildnis Getas an einer Standarte angebracht. Die Rangfolge der Bildnisse ist hier von oben nach unten zu lesen: Erst der Kaiser, dann die Angehörigen des Kaiserhauses; darunter auch Frauen. Die Loyalität der Soldaten galt also nicht nur den Imperatoren selbst, sondern auch ihren Familien und in besonderem Maße auch den weiblichen Angehörigen, die für den Fortbestand des Kaiserhauses standen. Es gibt allerdings auf frühkaiserzeitlichen Feldzeichen, die eindeutig den Legionen zuzuordnen sind, Porträts von Männern und Frauen. Solche Feldzeichen mit imagines scheinen spätestens in flavischer Zeit von den Stangenfeldzeichen aller Einheiten außer denen der Prätorianer verschwunden zu sein, was wohl als Ausdruck der besonderen Nähe zwischen Kaiser und Garde angesehen werden kann. Anhand der Anbringung eines imago am signum kann man zumindest für die Zeit ab den Flaviern also gut die signiferii der Prätorianer von denen der Legionen unterscheiden. Bei den Legionen und den Auxiliaren gab es spätestens ab dieser Zeit einen eigenen imaginifer, während es einen solchen nach heutigen Erkenntnissen weder bei den Prätorianern noch bei den equites singulares augusti, den cohortes urbanae und den cohortes vigilum gab. Die Einführung der imagines bei den Legionen und Auxiliaren diente in sakraler Hinsicht als Vertretung für den Kaiser, der weder den jährlich zu erneuernden Treueeid entgegennehmen noch die notwendigen Opferriten durchführen konnte. Die imagines waren die symbolischen Stellvertreter des nicht persönlich anwesenden Imperators.

Abb. 11: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria beim Römerfest „Salve Abusina“ in Eining, Deutschland.
Der Feldzeichenträger der Prätorianer unterschied sich auch insofern von den Feldzeichenträgern der Legionen, als er nicht nur ein Bärenfell (Wölfe sind nicht sicher nachzuweisen) trug, sondern auch das Fell von Raubkatzen. Das Tragen von Raubkatzenfellen war womöglich ein Privileg der Prätorianer, was ihren Status als Elitetruppe unterstreicht (Abb. 13). An Fellen kann es nicht gemangelt haben. Nero ließ bei einem einzigen Auftritt in der Arena 300 Löwen durch seine Gardereiter erlegen (Cassius Dio 61, 9). Noch zu Diokletians Zeiten waren die pelles leoninae und leopardinae keine sehr kostspieligen Objekte (Höchstpreiserlass 7, 39 – 41).

Abb. 12: Grabplatte für Pompeius Asper (Centurio cohortis III praetoriae) In diesem Rahmen ist der Text rechts und links von einem Signum eingerahmt. In der Mitte befindet sich ein weiteres Feldzeichen, der aquila. Die corona hinter dem Adler gehört zu den dona militaria (Auszeichnungen), die links vom Adler abgebildet sind. Dort sind vier armillae, neun phalerae dargestellt.
Rechts vom Adler sind die Hühner des Pullarius, der kein Soldat war, in einer Kiste abgebildet.
Der Text lautet: Für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Aniensis, den Centurio der Legio XV Apollinaris, dann Centurio der Cohors III. Praetoria, dann Primus Pilus der Legio III. Cyrenaica, dann Praefectus Castrorum der Legio XX Victrix, hat Atimetus, sein Freigelassener, der Pullarius, das Grabmal errichtet für sich selbst und für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Collina, seinen eigenen Sohn, und für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Collina, seinen jüngeren Sohn und für Cincia Saturnina, seine Gattin.
Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Rom, Palazzo Albani – Del Drago.
Waffen und persönliche Ausrüstung (Abb. 13 – 18)
Die Helme
Oft stellt sich die Frage, ob die aufwendige Darstellung der Helme wirklich nur eine künstlerische Beigabe ist oder nicht. Dies kann bis heute nicht mit Sicherheit gesagt werden, da es noch keinen Fund dieser speziellen Helme gibt. Warum sollte der Helm ein künstlerisch motiviertes Beiwerk sein, wenn die übrige Ausrüstung realistisch wiedergegeben ist? Die Helme wurden so detailreich dargestellt, dass es sich in der Tat um reale Gegenstände handeln könnte (Abb. 14). Darüber hinaus treten die gleichen Helme auf verschiedenen Reliefs auf, die mit Prätorianern in Verbindung gebracht werden. Zu bedenken ist auch, dass es sich um ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal der Prätorianer von den anderen Truppen handeln könnte.

Abb. 13: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria als Vexillifer mit Leopardenfell.

Abb. 14: Detailaufnahme des großen Traianischen Frieses, Rom, Konstantinsbogen.
Die Schilde
Die Form der Schilde scheint zumindest bei Paraden und dem „kleinen Dienstanzug“ die der klassischen republikanischen Schilde zu sein. Im Kriegseinsatz haben die Prätorianer vermutlich wie alle anderen Legionäre rechteckige scuta getragen, wie es auf dem großten traianischen Schlachtenfries abgebildet ist. Was die emblemata, die Schildmotive, betrifft, so kommen mehrere in Betracht. Auf der Traianssäule und auf dem großen traianischen Schlachtenfries sind bei den Rechteckscuta Adlerschwingen sowie Blitze und Donnerkeile zu erkennen (Abb. 44). Was wir heute als die typische römische Schildbemalung kennen, ist entsprechend der archäologischen Funde die Schildbemalung der Prätorianer. Die Bemalung der Legionsschilde erscheint ähnlich, wogegen in den meisten Fällen für die Legionstruppen aber andere emblemata verwendet wurden. Für die großen ovalen scuta, die traditionellen Schilde der Republik, gibt es verschiedene Zeichen. Die Bandbreite reicht von Skorpionen, Girlanden und Blumen bis zum Halbmond mit Sternen. Sehr wahrscheinlich trug jede Kohorte ihr eigenes Zeichen (Abb. 16, 18, 32).
Das Pilum
Des Öfteren werden Pila mit einer Kugel am oberen Schaft abgebildet. Dabei scheint es sich um ein Merkmal der Prätorianer zu handeln, da es sich bei den Abbildungen stets um Mitglieder der prätorischen Kohorten handelt, wohingegen diese Pila nicht im Zusammenhang mit normalen Legionären erscheinen. Auf der hier gezeigten Kugel ist ein Adler abgebildet. Dass es sich um ein zusätzliches Bleigewicht handelt, welches die Durchschlagskraft erhöhen soll, ist unwahrscheinlich, da ein Pilum mit Bleigewicht so schwer ist, dass es kaum noch zweckmäßig eingesetzt werden kann. Hier ist eher an eine hölzerne Kugel zu denken. Pilen mit Kugeln aus Holz ließen sich ohne Probleme ins Ziel werfen (Abb. 18).

Abb. 15: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria mit einem Helm des Typs Weisenau nach einem Fund aus Mainz.

Abb. 16: Dieses Relief war erst um 1908 bei Bauarbeiten in einem Privathaus ca. 150 m südwestlich des Amphitheaters von Pozzuoli entdeckt und über den Kunsthandel in die Vereinigten Staaten verkauft worden. Zu sehen ist ein etwas flacheres Bildfeld, in diesem zwei Soldaten, die sich überschneiden und im linken Seitenprofil gesehen sind. Diese beiden tragen Tunika, paenula und caligae. Der Legionär im Vordergrund, der nur etwa zur Hälfte erhalten ist, hat seinen Mantel über den angewinkelten linken Arm geworfen und schultert seine Lanze. Der Soldat im Hintergrund trägt ein großes ovales scutum wie auf dem Marsch üblich auf dem Rücken. Der Schild ist mit Ranken verziert, zwischen denen ein Skorpion zu erkennen ist. Die Schlaufe, in die der Zeigefinger seiner linken Hand greift, dient wohl eher zum Halten eines anderen Gegenstandes als dem des schweren scutums. Bei dem Block in Philadelphia handelt es sich um eine wieder verwendete Inschriftplatte, deren getilgter Text auf der Rückseite erhalten ist. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass die Platte ursprünglich zu einem Monument gehörte, das die Colonia Flavia Augusta Puteolana aus Dankbarkeit zu Ehren Domitians stiftete, als dieser zum fünfzehnten Mal die tribunizische Gewalt innehatte. Es handelte sich möglicherweise um einen Sockel einer Reiterskulptur, zu denen dieser Block gehörte. Nach der damnatio memoriae Domitians fiel das Denkmal möglicherweise dem Abbruch zum Opfer. Museum der Universität von Philadelphia. Malerei von Angi Delrey nach dem Original im Museum der Universität von Philadelphia.

Abb. 17: Relief mit Darstellung eines römischen Soldaten 1801 von Raffaele Compagnone in einem verfallenen Haus in Pozzuoli, Italien, gefunden. Der zugehörige Block (Bild 16) in Philadelphia ist aus einer wieder verwendeten Inschriftenplatte gearbeitet, deren getilgter Text in die Jahre 95/96 n. Chr. datiert werden kann. Berlin, Antikensammlung, Staatliche Museen. Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Berlin.

Abb. 18: Detailaufnahme des Cancelleria-Reliefs.
Gut zu erkennen sind die Adler auf den „Kugeln“ der pilae sowie ein speziell geformter Lanzenschuh. Die Soldaten tragen Strümpfe in den caligae, deren Fersen und Zehen frei blieben. Ebenfalls interessant ist die Lanze des linken Soldaten. Es könnte sich hier um die Lanze eines Beneficariers handeln. Im Gegensatz zu den anderen Soldaten trägt er einen kleinen Rundschild mit Blattmotiv. Diese Rundschilde wurden üblicherweise von Signaträgern und Blasmusikern getragen.
Die Ausbildung der Prätorianer
Bevor sie in die Garde aufgenommen wurden, hatten die Prätorianer harte, entbehrungsreiche Dienstjahre in den Legionen verbracht. Sie waren Aufsteiger, die schon oft für den Senat und das Volk von Rom ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten. Wie uns Herodian (5, 4, 8) berichtet, wurden nur die tüchtigsten und stattlichsten Männer ausgesucht. Nach etwa fünf Dienstjahren sah man die Männer als genügend erprobt und voll ausgebildet an. Ihr Ehrenkodex wurde von ihnen selbstherrlich eine Stufe höher angesetzt als jener der Legionen. Sie waren stolz auf das, was sie darstellten und besaßen einen ausgeprägten Korpsgeist. Die Ausbildung der Prätorianer auf dem campus cohortium praetorianarum vor der castra praetoria war aufgrund der Zeit, die ihnen neben dem Wachdienst und Reisen mit dem Kasier für die Ausbildung zur Verfügung stand, mit Sicherheit intensiver als die der Legionäre, wobei die Garde den gleichen Vorschriften folgte wie die restliche Armee. Ihr Campus war ganz speziellen Göttinnen (campestres) des Exerzierplatzes geweiht, die von der ganzen Truppe verehrt wurden. Die campestres waren somit für das Wesen der kompletten Garde von besonderer Bedeutung und zeigten deren intensive Kampfausbildung an. Diese eingehende Schulung in der Kampftechnik diente in erster Linie der Erhöhung der Schlagkraft der Garde. Dass bei den Prätorianern die Kampfübungen eine größere Rolle als bei den übrigen Truppen spielten, zeigen die hierauf bezogenen Dienstgrade. Ein doctor ist nur sicher für die Prätorianer bezeugt. Er war nach Vegetius Ausbilder an der Waffe. Der campidoctor ist bis zum Ende des 3. Jhs. n. Chr. ebenfalls nur für die Prätorianer und die equites singulares augusti bezeugt. Auch der exercitator armaturarum kommt nur bei den Prätorianern vor. In den Legionen kennen wir nur den Dienstgrad der armaturae und als Ausbildungsoffiziere die evocati, die ehemals Prätorianer waren, auch als armidoctores oder exercitatores bezeichnet. Nicht umsonst wurden länger dienende Prätorianer als evocati bei den Legionen als Ausbilder eingesetzt bzw. in den Stand eines centurio versetzt. Sie verbreiteten die in Rom erlernten Kampftechniken in den neuen Einheiten des gesamten Imperiums. Somit konnte eine gleichmäßige Ausbildung der Legionen nach den in der castra praetoria festgelegten Normen sichergestellt werden. Die Funktion der Garde war also nicht nur das politische Druckmittel der Kaiser gegenüber dem Senat sowie die Bewachung des Kaisers und seiner Familie, sondern auch eine Art Offiziers- und Kriegsschule für die römische Armee.
„Zu jener Zeit (24 n. Chr.) führte Tiberius den Senatoren den Drill seiner Prätorianer vor, so als wäre ihnen die Schlagkraft dieser Truppe unbekannt. Er verfolgte dabei das Ziel, dass sie ihn angesichts seiner zahlreichen Beschützer noch mehr fürchteten.“
(Cassius Dio, Buch 57, 24, 5)
Die Möglichkeit, in die Elitetruppe der Prätorianer aufzusteigen, erhielten nur die besten Soldaten der Legionen und nur die Besten stiegen in den Rang eines centurio oder eines Tribuns auf. Die Mindestgröße für einen Legionär betrug laut Vegetius 1,72 m, für die Prätorianer kann man eine ähnliche, wahrscheinlich aber höhere Anforderung annehmen. Von Neros eigener Legion wissen wir, dass diese sogar sechs Fuß groß sein mussten, also ca. 1,80 m. Wir dürfen nicht vergessen, dass es ihre wichtigste Aufgabe war, die Sicherheit des Princeps zu gewährleisten. Es ist also logisch, dass dieser sich der besten Soldaten versicherte, sowohl in Friedenszeiten als auch auf Feldzügen. Ihre Ernennung und Beförderung behielt sich der Princeps persönlich vor. Darüber, dass der Princeps Ungewöhnliches von ihnen forderte, waren sie sich bewusst. So ist es bezeichnend, dass Tiberius´ Sohn Drusus im Jahre 14 n. Chr. zusammen mit den Prätorianern eine Meuterei der Legionen in Pannonien niederschlug. Niemand, außer der kaiserlichen Garde, hätte es wagen dürfen, gewaltsam gegen die eigenen Leute vorzugehen.
Die Bezahlung
Die Gardisten erhielten deutlich höhere Bezüge als die anderen römischen Soldaten. Sie wurden nach einem System bezahlt, das sesquiplex stipendium genannt wurde, was den anderthalbfachen Sold bedeutet. Zur Zeit des Augustus bekamen Legionäre 225 Denare als Stipendium, die städtischen Kohorten in Rom 375 und die Prätorianer 750 Denare. Die Zahlung erfolgte dreimal im Jahr, im Januar, Mai und September. Laut Tacitus soll ein Prätorianer zur Zeit des Tiberius sogar zwei Denare täglich bekommen haben, wo hingegen ein gewöhnlicher Legionär nur mit 10 As auskommen musste. Hiervon hatte er noch Bekleidung, Waffen und Zelt zu bezahlen. Der Denar besaß den Wert von zehn Assen und war durch die Wertzahl X gekennzeichnet. Somit hätte ein Prätorianer sogar den doppelten Sold erhalten. Das stimmt auch mit dem folgenden Zitat aus Cassius Dio, Buch 53, 11, 5) überein:
„Und sogleich erwirkte er (Augustus) einen Beschluß, wonach seine Leibgarde doppelt so viel Sold wie die übrigen Soldaten empfangen sollte, damit er über eine zuverlässige Wache verfüge.“
Domitian erhöhte das Stipendium der Prätorianer auf 300 (drei Zahlungen, also insgsamt 900 Denare), Commodus auf 375, Severus auf 500 und Caracalla auf 700 Denare. Zu besonderen Anlässen erhielt die Garde vom Kaiser ein donativum. Seit der Erhebung von Claudius durch die Prätorianer beanspruchte die Garde geradezu das Gewohnheitsrecht, beim Regierungsantritt eines neuen Kaisers mit einem donativum beschenkt zu werden. Dieses machte mindestens den fünffachen Jahressold aus. Wenn ein Prätorianer in den Ruhestand ging, erhielt er 20.000 Sesterzen (5.000 Denare), ein Landgeschenk und ein Diplom.
„Die Soldaten waren über die dürftigen Belohnungen, die man ihnen wegen der damaligen Kriege gewährte, höchst ungehalten, und keiner wollte mehr über die normale Dienstzeit hinaus bei der Truppe bleiben. So beschloss man, jedem Angehörigen der Prätorianergarde nach 16 Dienstjahren 20.000 Sesterzen und den restlichen Soldaten nach zwanzig Dienstjahren 12.000 Sesterzen auszubezahlen.“
(Cassius Dio 23, 1 (5 n. Chr.)
Viele verpflichteten sich neu und wählten den Wechsel zu den evocati, während andere in der Hoffnung auf weiteren Aufstieg und hohe Positionen andere Möglichkeiten zu nutzen wussten. Die Legionäre und auch die Auxiliare durften seit dem Jahr 197 n. Chr. eine Ehe schließen, was den Prätorianern nicht erlaubt war. Sie konnten zwar eheähnlich mit Bürgerinnen oder Nichtbürgerinnen zusammenleben, erhielten aber nicht das conubium (Eherecht).
Die Ränge (Abb. 19 – 25)
Die Prätorianer hatten sehr gute Möglichkeiten aufzusteigen und Karriere zu machen. Pompeius Reburrus beispielsweise, ein Spanier, trat nach der Musterung in deren VII. Kohorte ein, diente danach als beneficiarius des Tribunen, als tesserarius, als optio, als signifer, als Finanzkurator, dann als cornicularius des Tribunen und schließlich als evocatus, genauer gesagt als kaiserlicher evocatus (evocatus augusti), ein Titel, der den Prätorianern vorbehalten war. Die Reihenfolge seiner Beförderungen lässt ganz deutlich erkennen, dass der Signumträger, entgegen der üblichen Meinung, in der Rangfolge über dem optio stand, obwohl dieser der Stellvertreter des centurio war. Wir kennen weiter eine Torwache, den ostiarius, einen Doktor der Bogenkunst, einen caelator (ein Graveur oder Ziseleur) sowie einen Priester mit Sonderbezeichnung sacerdos und antistes. Verwaltungsposten treten uns in Überfülle entgegen, was nicht überrascht, da der Prätorianerpräfekt auch als Minister, Richter und Kriegsminister fungierte.

Abb. 19: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria bei der Parade „Natale di Roma“.

Abb. 20: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria mit ihren gebläuten Rüstungen.
lectus
Der lectus bezeichnet einen als Rekrut ausgewählten Soldat; auch lectus ex legione, der aus einer legio ausgesucht wurde, um in eine cohors praetoria versetzt zu werden.
munifex
Als munifex bezeichnet man einen einfachen Soldat.
immunes
Immunes sind Mannschaftsdienstgrade, die von der normalen Arbeitspflicht (munera) der Soldaten befreit waren.
Im 5. Dienstjahr konnte der Prätorianer zu den den aeneatores (Musiker: Hornisten und Trompetern), den equites (Reitern) oder den speculatores (Elite der Prätorianer, die in der nächsten Umgebung des Kaisers diente) übergehen.
Für die Prätorianer sind 20 tubicines, 16 cornicines und zwei bucinatores bekannt. Bei den kaiserlichen Reitern sind diese Musiker bis auf die cornicines ebenfalls nachzuweisen.
speculator
Ursprünglich die Bezeichnung für Kundschafter. In der Kaiserzeit bildeten die berittenen speculatores praetoriani in der Stadt Rom die Elite der cohortes praetoriae.
principalis
Ab dem 8. Dienstjahr: tesserarius, optio, signifer (Abb. 21).

Abb. 21: Grabstele eines signifers der V. Prätorianerkohorte. Er ist mit Pferd, Ovalscutum, Helm, Lanze, Beinschienen, zwei torques, einem Armreif in Form einer Schlange, phalerae und einer corona civica abgebildet. Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Dion, Griechenland.
fisci curator peditum vel equitum
Dieser Rang bezeichnet den Zahlmeister der Fußtruppen und Reiter.
cornicularius tribuni cohortis praetoriae
Damit ist der Leiter des officium der Tribunen bezeichnet. Aus Matilica, Italien, liegt uns eine Ehreninschrift vor, die bezeugt, dass der corniculario tribuni Caius Arrius Clemens im dakischen Krieg mit torquibus, armillis und phaleris ausgezeichnet wurde. Unter Hadrian erhielt er die pura hasta und eine corona aurea.
cornicularius praefecti praetorio
Der cornicularius praefecti praetoriae (Abb. 22) ist der Leiter des officium der Präfekten. Von einem Grabstein aus Falerii Veteres (Civita Castellana, Italien) ist Folgendes überliefert: Der cornicularius praefecti praetorio, Quintus Albius Felix, erhielt im Krieg gegen die Parther unter Traian folgende militärische Auszeichnungen: torquibus, armillis und phaleris. Unter Kaiser Hadrian sogar hasta pura und corona aurea. Eine fragmentarische Soldatenliste der Prätorianergarde nennt uns für das Jahr 177 n. Chr. einen der cornicularii des Kaisers Marcus Aurelius, Caius Memorius Messor.

Abb. 22: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria als cornicularius praefecti praetorio.
beneficiarius praefectorum
Der beneficarius praefectorum bekleidet das Amt einer Ordonanz der beiden Präfekten.
architectus Augustorum
Aus Puteoli liegt uns eine Inschrift des Quintus Cissonius Aprilis vor, in der der Genannte als kaiserlicher Architekt der cohortes II praetoria tätig war. Diesen titulus gab es auch bei den equites singulares augusti.
tabularius
Der tabularius ist weder in den Legionen noch in den Auxiliareinheiten als regulärer Schreiber vertreten. Belegt ist er für die cohortes praetoriae und cohortes vigilum. Er ist ein öffentlich zur Anfertigung von Urkunden befugter Schreiber, eine Art Notar. Er wird mit Vorsteher des Archivs oder auch Rechnungsführer übersetzt.
evocati augusti
evocati augusti sind Prätorianer, die nach der Erfüllung der Regeldienstzeit (16 Dienstjahre) freiwillig länger dienten.
centurio
Die centurio cohortis praetoriae waren die Befehlshaber einer Centurie. Im Gegensatz zu den Legionen waren Prätorianercenturionen untereinander ranggleich. (Abb. 23)

Abb. 23: Grabaltar für einen centurio. Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Rom, Musei Vaticani, Galleria Lapidaria.
exercitator equitum praetorianorum
Als exercitator equitum praetorianorum konnten die ex equite romano (aus dem römischen Ritterstand stammende Offiziere) direkt in die praetorische Laufbahn eintreten und dienten als Lehrmeister und Ausbilder im Reiten.
princeps praetorii
Der princeps praetorii bekleidete das Amt des Chefs des kaiserlichen Stabes.
trecenarius
Als trecenarius wird der centurio der speculatores bezeichnet.
tribunes
Die tribunes cohortis praetoriae machten den niedrigsten Stabsoffiziersrang aus, bei den Prätorianern stammten diese üblicherweise aus der Ritterklasse. Im Gegensatz zur Legion waren sie Befehlshaber nur einer einzigen Kohorte. Die Tribunen bekamen auch vom caesar die Parole für den Tag.
„ … und als der Tribun nach des Dienstes Brauch um die Parole bat, gab Nero die Losung: ‚Der besten Mutter.‘“
(Tacitus, Buch XIII, 2)
vice praefectorum
Dieser war der Stellvertreter des Prätorianerpräfekten.

Abb. 24: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria in Paradeausrüstung (siehe auch www.cohors-praetoria.eu).
Präfekt
Aus der Rede des Maecenas an Augustus ist überliefert:
„ …, von den Rittern aber sollen die zwei besten deine Leibgarde befehligen; denn es bringt Gefahren mit sich, sie nur einem einzigen Manne anzuvertrauen, während eine größere Zahl als zwei Verwirrung stiftet. Zwei soll es daher von diesen Präfekten geben, damit du, wenn einer von ihnen sich unpäßlich fühlt, keineswegs ohne Beschützer bleibst. Männer sollen zu diesem Amt genommen werden, die schon wiederholt Feldzüge mitgemacht und zahreiche sonstige Verwaltungsposten versehen haben! Und befehlen sollen sie natürlich die Prätorianer als auch sämtliche in Italien stehenden Truppen und dabei das Recht haben, Übeltäter unter ihnen sogar mit dem Tode zu bestrafen, ausgenommen die Centurionen und jene anderen, die den Amtsträgern senatorischen Rangs zugeteilt sind. Denn über diese Soldaten sollen die senatorischen Beamten selbst Gerichtsbarkeit besitzen, damit sie dank der Möglichkeit, jene strafen und auszeichnen zu dürfen, ihrer unbedingten Hilfe sicher sein können. Über die restlichen Soldaten in Italien aber sollen die erwähnten Präfekten, unterstützt von nachgeordneten Offizieren, den Oberbefehl führen und außerdem noch die Caesarianer, sowohl diejeniegen, die sich in deinem Gefolge befinden, als auch die anderen, soweit sie gewisse Bedeutung haben. Und diese Präfekten sollen ebenso wie der Stadtpräfekt und Untercensor ihr Amt auf Lebenszeit haben! Bestelle noch einen anderen Beamten als praefectus vigilum und einen weiteren als verantwortlich für die Getreideversorgung und den Markt im Allgemeinen, beide aus dem Ritterstand, und zwar die besten Männer nach den Präfekten!“
(Cassius Dio, Buch 52, 24)
Die Präfekten (praefectus praetoriae) der Prätorianer wurden immer vom Kaiser ernannt. Diese hatten zunächst in erster Linie den Truppenbefehl über die Garde inne. Doch im Laufe der Zeit vergrößerte sich ihr Kompetenzbereich und weitete sich auf richterliche Aufgaben aus, die zunächst in Vertretung des Kaisers ausgeübt wurden, im 3. Jh. n. Chr. jedoch die Form einer selbständigen Gerichtsbarkeit annahmen. Neben den Kohorten unterstanden den Befehlshabern der Prätorianergarde, den praefecti, von denen es in der Regel jeweils zwei gab, weitere Truppenteile. Dies waren die speculatores und die statores (Polizei), die durch die Kaiser vor allem als politische Polizei, aber auch für Kurierdienste eingesetzt wurden, sowie die durch Traian geschaffene persönliche Kavallerie des Kaisers, die equites singulares augusti. Als Standeszeichen trugen die Präfekten, da sie Ritter waren, einen Goldring (anulus aureus) und einen vom Kaiser überreichten Dolch.
„ … als er (Traian) ihm (Suburanus) als Zeichen seiner Befehlsgewalt, wie üblich, einen Dolch überreichte, …“
(Aurelius Victor, Die römischen Kaiser, 13, 9)
Alexander Severus verlieh seinen Prätorianerpräfekten den senatorischen Rang und das Prädikat viri clarissimi, was zuvor nur selten oder nie der Fall gewesen war. In der Regel übersandte der Kaiser dem Nachfolger des Prätorianerpräfekten die mit einem Purpurstreifen besetzte Tunika durch einen Freigelassenen. Alexander Severus wollte die Prätorianerpräfekten deshalb im Stand der Senatoren sehen, damit nicht ein Nichtsenator über einen römischen Senator zu Gericht sitze. Vor ihm wurde die Senatorenwürde den Prätorianerpräfekten erst bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt verliehen.
Führende Ritter bekamen zwar in ihren Häusern von Familienmitgliedern, Freunden und Klienten ebenso Ehrenstatuen wie Senatoren. Ihre Ehrung in der Öffentlichkeit war dagegen höchstens insoweit vorgesehen, als diese z. B. am Forum Boarium oder im Hafengebiet aufgestellt wurden. Auf dem Forum Romanum, den Kaiserforen oder in den Tempeln der Kaiser suchte man sie vergeblich. Als Inhaber der höchsten ritterlichen Dienststellung bildeten die Prätorianerpräfekten eine Ausnahme. Es ist kaum eine Überraschung, dass jene Präfekten, die den Kaisern ganz besonders nahe standen und eventuell sogar in deren Familie aufgenommen wurden, in der Öffentlichkeit zahlreiche Ehrenmonumente erhielten. Das Ansehen, das ein Prätorianerpräfekt als Inhaber des höchsten ritterlichen Amtes besaß, entsprach vielfach dem eines Senators in hohem prätorischen oder konsularem Rang. Jedoch waren diese den Spitzensenatoren nicht gleichgestellt. Fast alle Prätorianerpräfekten, die eine Ehrenstatue in der Öffentlichkeit besaßen, hatten eine Sonderstellung, die sie aus dem Kreis ihrer Kollegen deutlich heraushob. Sie hatten entweder senatorischen Rang oder einen Status, der dem eines Senators entsprach. Dies konnte die Verleihung der ornamenta triumphalia oder consularia sein, wie sie z. B. der Präfekt Tigellinus bzw. Seianus erhielt. Hierdurch wurden sie den Senatoren gleichgestellt.
Der praefectus praetorio von Augustus bis Diokletian
Seit dem Jahr 2 v. Chr. war der Prätorianerpräfekt Kommandeur der römischen Gardetruppen, die den Kaiser beschützten. Ursprünglich ein Amt mit nur geringer Macht, änderte sich dies unter Tiberius. Mehrmals kam es zu Umsturzversuchen gegen den Kaiser. In späterer Zeit vereinigte das Amt mehrere Befugnisse (Verwaltung, Heer, Finanzen), insbesondere waren um 200 n. Chr. die Prätorianerpräfekten Papinian, Ulpian und Iulius Paulus bedeutende römische Juristen, die gleichsam als Justizminister tätig waren und Wesentliches zur Weiterentwicklung des römischen Rechtes beitrugen. Im Laufe der Zeit erhielten sie von den Kaisern weitgehende richterliche Befugnisse in Straf- und Zivilsachen und übten bereits im 3. Jh. n. Chr. eine selbstständige Gerichtsbarkeit in Stellvertretung des Kaisers aus. Die Zahl der praefecti schwankte. Urspünglich waren es zwei, später konnte es jedoch vorkommen, dass drei oder mehr Personen dieses Amt bekleideten, gerade weil sie im Laufe der Zeit so viele (auch zivile) Kompetenzen erhalten hatten.
Der praefectus praetorio seit der Zeit Konstantins des Großen
In der Spätantike änderte sich die Funktion des Amtes grundlegend. Die praefecti wurden im Jahr 312 n. Chr., in der Regierungszeit Konstantins des Großen, im Hinblick auf ihren militärischen Einfluss entmachtet. Zu oft hatten sie sich mit der Hilfe der Garde in die Politik eingemischt. Daher entband Konstantin sie von ihren militärischen Aufgaben – die Prätorianergarde, die Konstantins Rivalen Maxentius loyal gedient hatte, wurde aufgelöst – und wies ihnen stattdessen rein zivile Aufgaben zu. Die Prätorianerpräfektur wurde somit zum zentralen Verwaltungsorgan des Reiches und entwickelte sich schließlich zur ersten Verwaltungsebene unterhalb des Kaisers.
Im Verlauf des 4. Jhs. n. Chr. entstanden drei Prätorianerpräfekturen, die von jeweils einem Prätorianerpräfekten verwaltet wurden:
praefectus praetorio per Orientem (für Thrakien, Kleinasien, Syrien und Ägypten)
praefectus praetorio Illyrici, Italiae et Africae und
praefectus praetorio Galliarum (für Britannien, Gallien und Hispanien).

Abb. 25: Münze des Nero. Gezeigt ist hier eine Ansprache (adlocutio) vor den germanischen Leibwachen (corporis custodes). Es handelt sich um eine der wenigen Abbildungen dieser Kohorte. Sie tragen außer ihren Feldzeichen eine paenula, darunter eine kurze Tunika, ein cingulum mit Schurzstreifen sowie ein gladius an der rechten Seite. (Fundort unbekannt, Privatbesitz). Aufnahme: Andreas Pangerl, www.romancoins.info
Die Aufteilung des Reiches im Jahr 395 n. Chr. hatte Konsequenzen für die Präfekten, da die Präfektur Illyricum, Italica et Africa geteilt werden musste. Zum weströmischen Reich gehörten danach der praefectus praetorio Galliarum und der praefectus praetorio Italiae et Africae (dem auch Pannonien unterstand), zum Oströmischen Reich der praefectus praetorio per Orientem und ein praefectus praetorio Illyrici.
Seine wichtige Rolle behielt das Amt bis zum Ende der spätantiken Phase Ostroms im 7. Jh. n. Chr. Auch im Westen überdauerte es in Italien bis in die Zeit der Ostgotenkönige. Als es dann unter Kaiser Justinian I. gelang, 534 n. Chr. das Vandalenreich zu erobern, wurde das Gebiet sogleich einem neuen Prätorianerpräfekten unterstellt. Das gleiche geschah auch mit Italien nach den Gotenkriegen.
Um 540 n. Chr. führte der mächtige praefectus praetorio per Orientem Johannes der Kappadokier in Ostrom zahlreiche weitreichende Reformen durch. Erst mit dem Verlust der syrischen und afrikanischen Reichsgebiete zum Ende der Antike (632 n. Chr.) und der Neuorganisation des verbliebenen Reiches in Themen verlor das Amt des Präfekten seine zentrale Stellung und wurde bald abgeschafft. Die verbliebenen westlichen Gebiete in Italien und Nordafrika waren bereits unter Kaiser Maurikios als Exarchate reorganisiert worden.
Die Kaiser des 1. Jhs. n. Chr. und ihre Prätorianerpräfekten (Abb. 26 – 35)
Augustus (Caius Octavius) 30 v. Chr.– 14 n. Chr. und sein Vermächtnis
Die Wertschätzung dieses Kaisers an seine Prätorianer zeigt sich in der Tatsache, dass er in seinem Testament jedem Prätorianer 1.000 Sesterzen vermachte.
Quintus Ostorius Scapula (2 v. Chr.–14 n. Chr.)
Quintus Ostorius Scapula wurde im Jahr 2 v. Chr. zusammen mit Publius Salvius Aper zum ersten römischen Prätorianerpräfekten ernannt. Er war römischer Ritter und Sohn eines Ostorius. Nach Cassius Dio war sein Bruder Publius von 3 bis 10/11 n. Chr. praefectus Aegypti (Statthalter von Ägypten). Sein Sohn oder Neffe Publius Ostorius Scapula, sollte später der Statthalter von Britannien werden.
Publius Salvius Aper
Neben Scapua war er der zweite Prätorianerpräfekt. Wahrscheinlich stammte er aus Brixia in Oberitalien. Über ihn ist darüber hinaus kaum etwas bekannt.
Tiberius (Tiberius Iulius Caesar Augustus) 14 n. Chr.–37 n. Chr.
„Zu jener Zeit führte Tiberius den Senatoren den Drill seiner Prätorianer vor, so als wäre ihnen die Schlagkraft dieser Truppe unbekannt.“
(Cassius Dio, Buch 57, 24)
Lucius Seius Strabo (14 – 16 n. Chr.)
Lucius Seius Strabo war ein römischer Ritter aus Volsinii novi (dem heutigen Bolsena), der unter den Kaisern Augustus und Tiberius in die höchsten Staatsämter aufstieg, die seinem Stand möglich waren. Verheiratet war Seius Strabo mit Cosconia Gallitta, mit der er zwei Söhne hatte, Lucius Aelius Seianus, der von Sextus Aelius Catus adoptiert wurde (deshalb die Änderung des Namens von Seius in Seianus) und Lucius Seius Tubero, Suffektkonsul im Jahr 18 n. Chr.
Seius Strabo wurde praefectus praetorio, zunächst allein, dann im Jahr 14 n. Chr. gemeinsam mit seinem Sohn Seianus. 14 – 15 n. Chr. war er praefectus Aegypti.
Lucius Aelius Seianus (14 – 31 n. Chr.) und die Verschwörung
Lucius Aelius Seianus wurde um 20 v. Chr. in Volsinii, Etrurien, geboren. Sextus Aelius Catus adoptierte ihn, wodurch, entsprechend der römischen Namenskonvention, aus seinem Geburtsnamen Seius der Beiname Seianus wurde. Verheiratet war er mit einer Frau namens Apicata, von der vermutet wird, sie sei eine Tochter des Marcus Gavius Apicius. Apicius ist als der Feinschmecker der Antike bekannt. Er verfasste das Buch über die römische Küche. Nach Tacitus soll er während seiner Jugend ein Freund von Augustus’ Enkel Caius Caesar gewesen sein, der sich nach dessen Tod bei Tiberius einschmeichelte.
Nach außen zeigte er sich bescheiden, innerlich beherrschte ihn ein hemmungsloser Ehrgeiz, der ihn manchmal zu Verschwendungssucht und Üppigkeit trieb, häufiger aber zu angespannter Tätigkeit und Wachsamkeit. Seianus wurde bei der Thronbesteigung des Kaisers Tiberius im Jahr 14 n. Chr. zum Prätorianerpräfekten neben seinem Vater Lucius Seius Strabo ernannt und war somit eine Zeit lang der einflussreichste Bürger Roms. Noch im gleichen Jahr wurde sein Vater Statthalter von Ägypten, wodurch er so zum alleinigen Prätorianerpräfekten wurde. Dies nutzte er zum Ausbau seiner Macht und brachte Tiberius sogar dazu, die Prätorianer in ein einziges Lager, die castra praetoria, zusammenzulegen. Er hatte ein gutes Verhältnis zu den Soldaten, suchte den Kontakt mit ihnen und kannte ihre Namen. Die Centurionen und Tribunen wählte er sich selbst aus. Er unterließ es auch nicht, sich bei den Senatoren in Gunst zu setzen und verschaffte seinen Klienten Ämter und Statthalterposten. Im selben Jahr brach unter den Legionen in Pannonien ein Aufstand aus, da diese mit den Dienstbedingungen nicht zufrieden waren und gegen ihre Führer revoltierten. Die Nachricht darüber brachte Tiberius dazu, seinen Sohn Drusus mit einigen hervorragenden Männern des Staates und zwei prätorischen Kohorten zu entsenden, um dort einzuschreiten.
„Die Kohorten waren durch ausgewählte Soldaten in ungewöhnlichem Maß verstärkt. Beigegeben waren noch ein großer Teil der Prätorianerreiterei und die Kerntruppen der Germanen, die damals dem Kaiser als Leibwache dienten. Ferner war der Gardepräfekt Aelius Seianus dabei, …; er sollte dem jungen Drusus als Berater dienen und seinen Begleitern vor Augen führen, wie man sich in Gefahren zu benehmen und welche Belohnungen man zu erwarten habe.“
(Tacitus, Annalen, Buch I, 24)
Drusus standen in Pannonien drei Legionen gegenüber. Trotz ihrer Übermacht und ihrem Unwillen wagten sie keine gewaltsame Auseinandersetzung. Nur langsam gaben sie ihren Widerstand auf und die Feldzeichen wurden wieder an ihren alten Platz gebracht. Bei Tagesanbruch berief Drusus eine Heeresversammlung ein und tadelte ihr früheres und lobte ihr jetziges Verhalten. Nur wenn sie zum Gehorsam zurückkehrten, würde er ihre Anliegen seinem Vater schreiben.
„Darauf wurden die schlimmsten Unruhestifter herausgesucht. Einige, die außerhalb des Lagers umherschweiften, wurden von den Hauptleuten oder den Soldaten der Prätorianerkohorten niedergemacht, andere von den Manipeln selbst zum Beweis ihrer Pflichttreue ausgeliefert …. Zuerst kehrte die achte, dann die 15. Legion zurück. Die Leute der neunten … fühlten sich vereinsamt und kamen dem drohenden Zwang durch freiwilligen Entschluß zuvor.“
(Tacitus, Annalen Buch I, 30)
Drusus kehrte, als die Ruhe wiederhergestellt war, nach Rom zurück.
Im Laufe der folgenden Jahre wurde Seianus zu einem der wichtigsten Ratgeber des Kaisers, der ihn mit Ehrungen überhäufte. Tiberius zeigte sich willfährig und war ihm so geneigt, dass er ihn nicht nur im Gespräch, sondern auch im Senat und vor dem Volk als seinen Mitarbeiter pries und die Verehrung seiner Bildnisse in den Theatern, auf den Marktplätzen und an den Lagerhauptplätzen der Legionen zuließ. Durch Beseitigung ihm missliebiger Personen, darunter angeblich auch Tiberius’ Sohn Drusus im Jahr 23 n. Chr., festigte Seianus seine Macht über den Senat. Drusus hatte bei einem Streit die Hand gegen Seianus erhoben und ihn, als dieser auf ihn zutrat, ins Gesicht geschlagen. Seianus bekämpfte die Familie des Germanicus und versuchte im Jahr 25 n. Chr. vergeblich, Drusus Witwe Livilla zu heiraten, wodurch er Mitglied der kaiserlichen Familie geworden wäre. An Tiberius Rückzug auf die Insel Capri im Jahr 26 n. Chr. war Seianus angeblich maßgeblich beteiligt. Den von Tiberius seit langer Zeit geäußerten Wunsch nach Rückzug stärkte Seianus mit der Angst vor einer Verschwörung durch Agrippina, die in einer Verbannung endete. Dies stärkte Tiberius’ Vertrauen ihm gegenüber noch mehr, als er sich auf einem Landgut namens Spelunca aufhielt. Dort speiste man in einer natürlichen Grotte, als plötzlich Felstücke herabfielen und Seianus sich schützend über ihn warf. Im Jahr 28 n. Chr. gelang es ihm, seine Bande zur kaiserlichen Familie mit der Verheiratung seiner Adoptivschwester Aelia Paetina mit Tiberius Neffen Claudius zu festigen.
Durch die Abwesenheit des Kaisers wurde Seianus als dessen Stellvertreter in Rom faktisch zum mächtigsten Mann. So konnte er allein bestimmen, was Tiberius aus Rom erfuhr. Seinen eigenen Geburtstag ließ er zum römischen Feiertag erklären und sich durch das Aufstellen von Statuen mit seinem Konterfei öffentlich ehren, was beinahe der Verehrung um Kaiser Tiberius gleichkam. Als er dann im Jahr 31 n. Chr. Konsul geworden war, hielt Seianus seine Position für so unangreifbar, dass er womöglich damit begann, den Purpur für sich selbst zu reklamieren. Tiberius entdeckte das Vorhaben und handelte. Da Sejan bereits seit über 15 Jahren die Position des Prätorianerpräfekten ausübte, befürchtete der Kaiser, dass die Garde ihn bei etwaigen Maßnahmen protegieren könnte. Deshalb ernannte er heimlich Macro, den bisherigen Präfekten der Vigiles, im Jahr 31 n. Chr. zum Prätorianerpräfekten und sandte ihn nach Rom, um Seianus wegen dessen Ambitionen zu verhaften und zu verurteilen. So war es ihm möglich, die Prätorianer, die ihn und den Senat bewachen sollten, in ihr Heerlager zurückzuschicken. Seianus wurde mitsamt seinen Kindern vom Senat zum Tod verurteilt und am 18. Oktober 31 n. Chr. im Tullianum in Rom hingerichtet. Seianus fiel der damnatio memoriae anheim. Seine Statuen wurden zerschlagen. Über Seianus’ Sturz berichten mit äußerst negativer Tendenz Sueton in seiner Biografie des Tiberius und Tacitus in seinen Annalen. Ein positives Seianus-Bild gibt der Zeitgenosse Velleius Paterculus, dessen Werk allerdings entstand, als Seianus auf dem Höhepunkt seiner Macht war. Die Überlieferungen sind im Falle des Seinanus mit Vorsicht zu genießen, da alle Autoren recht parteiisch waren. Dass er nach der Herrschaft griff, ist sehr unwahrscheinlich, da er nur ritterlichen Standes war. Denn zur Zeit des Tiberius war es unmöglich, als Ritter und Nicht-Senator solch ein Amt zu bekleiden. Dies sollte erst 200 Jahre später gelingen. Auch die Verhaftung zeigt, dass seine Macht nur begrenzt war und er sich anscheinend nicht auf die Prätorianergarde verlassen konnte. Diese hielt treu ihren Eid zu Tiberius. Es ist eher daran zu denken, dass Tiberius Seianus nur als Werkzeug benutzte, um sich unbeliebter Konkurrenz zu entledigen.
„Nachdem er ihn (Sejan) aus dem Weg geräumt hatte, zeigte er sich grausam wie noch nie. Daraus dürfte doch ganz klar hervorgehen, dass es nicht Sejan war, der ihn immer und immer wieder zu solchem Verhalten getrieben hat, …“
(Sueton, Tiberius, 61)
Trotz der Treue seiner Prätorianer ging Tiberius mit aller Härte gegen seine eigenen Bewacher vor, wie folgendes Zitat belegt:
„Einen Soldaten der Leibgarde bestrafte er mit dem Tode, weil er aus seinem Garten einen Pfau gestohlen hatte.“
(Sueton, Tiberius, 60)
Idistaviso und der Angrivarierwall
In der Schlacht bei Idistaviso im Jahr 16 n. Chr. trat Germanicus mit folgender Ordnung an: die gallischen und germanischen Hilfstruppen an der Spitze, hinter ihnen die Bogenschützen zu Fuß. Darauf folgten vier Legionen und der caesar mit zwei prätorischen Kohorten und auserlesenen Reitern, dann die vier anderen Legionen, die Leichtbewaffneten mit den berittenen Bogenschützen und die übrigen bundesgenössischen Kohorten. Sein Gegner Arminius, der einige Jahre zuvor die Römer unter Varus vernichtend geschlagen hatte, wurde nun seinerseits von den Römern besiegt. Von der fünften Stunde des Tages bis zum Anbruch der Dunkelheit wurden die Feinde niedergemetzelt. Arminius entkam durch eine List, indem er sich sein Gesicht mit Blut beschmierte und sich so unkenntlich machte. Trotzdem gaben die Germanen nicht auf; sie überfielen Germanicus’ Heereszug am Angrivarierwall und brachten ihn in Unordnung. Dieser Wall bildete die Grenze zwischen den Angrivariern zu den Cheruskern. Germanicus, dem nichts verborgen blieb und der die Lage richtig einschätzte, ließ mit Schleuderern und Wurfschützen den Wall bekämpfen. Nachdem der Wall genommen war, führte Germanicus mit den prätorischen Kohorten zuerst einen Angriff auf die Wälder. Hier wurde Mann gegen Mann gekämpft. Die Germanen konnten ihre Schnelligkeit nicht ausnutzen und so wurden sie von den Prätorianern, den Schild dicht an die Brust gepresst, die Hand fest am Schwertgriff, niedergemacht. Die Angrivarier unterwarfen sich anschließend bedingungslos. Aufgrund des Sieges ließ Germanicus einen Waffenhügel mit folgenderInschrift errichten: „Nach Niederwerfung der Stämme zwischen Rhein und Elbe habe das Heer des Tiberius dem Mars Ultor und dem Augustus dieses Denkmal geweiht.“
Die Germanen waren geschlagen.
Am Ende des Jahres wurde in der Nähe des Saturntempels ein Triumphbogen geweiht und im darauffolgenden Jahr, am 26. Mai, hielt Germanicus seinen Triumph über die Cherusker, Chatten, Angrivarier und alle Volkstämme, die diesseits der Elbe wohnten. Man nahm an, dass der Krieg wirklich beendet sei.
„Die Cherusker und die übrigen aufrührerischen Stämme könne man jetzt, wo genug für Roms Rache geschehen sei, ihren inneren Zwistigkeiten überlassen“.
(Tacitus, Annalen Buch II, 26)
Die castra praetoria (praefectura praetorio)
Der politisch folgenreichste Schritt war die Kasernierung der Garde in Rom unter Tiberius. Dies bedeutete, dass 4.500 bestausgebildete, streng disziplinierte und bestens besoldete Soldaten dem Kaiser konzentriert und jederzeit zur Verfügung standen. Augustus stationierte nie mehr als drei Kohorten in der Stadt und auch diese nicht in einer Kaserne. Die restlichen pflegte er in die Umgebung der benachbarten Städte zu verlegen. Die einzige Stadt, die man in diesem Zusammenhang nachweisen kann, ist Ostia. Durch die ständige Präsenz dieser Truppen wurde der Anblick von Soldaten im täglichen Stadtbild zu etwas völlig Normalem.
„Die prätorischen Kohorten, die bisher in den nächstliegenden Landstädten oder über Rom zerstreut einquartiert waren, zog Tiberius in einem Lager bei der Stadt zusammen, in dem sie kaserniert wurden. Er nannte es praefectura oder mit einem Zusatz praefectura praetorio, denn die übrigen Schutzwachen und Befehlshaberstellen hatte Augustus eingerichtet.“
(Sextus Aurelius Victor, Epit.2)
Castro Pretorio war der XVIII. Stadtteil von Rom. Er lag im Osten der Stadt in dem Gebiet, in welchem sich die Diokletiansthermen erstreckten. Das Stadtviertel hat seinen Namen von der Kaserne der Prätorianer, der castra praetoria, die ab 23 n. Chr. hier errichtet wurde. Der Beschluss zum Bau erfolgte bereits im Jahr 21 n. Chr. auf Initiative des Prätorianerpräfekten Seianus. Das Wappen dieses Stadtteils stellt ein Feldzeichen der Prätorianergarde dar. Im antiken Rom lag die castra praetoria in der Regio VI auf dem campus Viminalis ca. 400 m von der servianischen Mauer entfernt. Dieser war der campus praetoriarum (Exerzierplatz) vorgelagert.

Abb. 26: Blick von der Viale del Policlinico auf die Nordmauer der castra praetoria.
Von einer Inschrift aus Rom wissen wir, dass diesem Exerzierplatz besonderer Verehrung zukam:
„Der heiligen Nemesis des Exerzierplatzes, zu Ehren unserer kaiserlichen Herrscher. Publius Aelius Pacatus, in die Tribus Aelia eingeschrieben, aus Scupi (Stadt in Moesien, heute Uskub) stammend, durch einen Traum veranlasst, hat reinen Herzens diese Widmung aufstellen lassen, die er gelobt hatte, als er Doktor der Kohorte war, jetzt da er Doktor des Exerzierplatzes ist in der gottesfürchtigen und rächenden I. Prätorianerkohorte.“
„Die Macht des Präfekten, die bisher nicht bedeutend war, hob er (Tiberius) dadurch, dass er die an verschiedenen Stellen der Stadt verstreuten Kohorten in ein einziges Lager zusammenzog. Sie sollten die Befehle gleichzeitig erhalten und durch Zahl, Stärke und enges Zusammenleben mehr Vertrauen zu sich selbst gewinnen und anderen mehr Furcht einflößen. Er schützte vor, der Soldat lasse sich, wenn er vereinzelt sei, leicht gehen; breche eine Gefahr herein, so könne man durch gleichzeitiges Eingreifen mehr Hilfe leisten; auch würden sie selbst strengere Zucht halten, wenn sie fern von den Lockungen der Stadt ein geschlossenes Lager bezögen.“
(Tacitus, Annalen Buch IV, 2)
„Über ganz Italien verteilt stationierte er in größerer Zahl als bisher üblich Soldaten. In Rom ließ er eine Kaserne bauen, in die die Prätorianerkohorten, die zuvor ohne festes Quartier über die Stadt verteilt untergebracht gewesen waren, geschlossen stationiert wurden.“
(Sueton, Tiberius, 37)
Wir wissen zwar, wo die castra praetoria lag, doch was sich im Inneren befunden hat, ist kaum bekannt. Das castrum in Rom umfasste ein Areal von mindestens 15,7 und höchstens 16,72 ha, was ungefähr zwei Dritteln eines normalen Legionslagers entspricht. Allerdings waren entlang der Innenmauern zusätzliche Räume vorhanden und die Kasernengebäude mindestens zweistöckig.
Die antiken Texte berichten von einem Bad, einem Tribunal, einer Waffenkammer, von Gebäuden und Altären, einer Lehrstätte, von einem Fahnenheiligtum, einer Unterbringungsmöglichkeit für Sklaven sowie einem Marstempel. Verehrt wurden aber auch andere Götter. So war Apollo bei den aus Illyrien und Thrakien stammenden Prätorianern der am meisten verehrte Gott. Die schola wurde laut der Inschrift CILVI 215 : 30717 von Vexillarius L. Locerius Costitutus und dem Centurio C. Iulius Priminus restauriert und eine Ädikula von diesen mit Marmor ausgestattet.
In der Mitte des Geländes befanden sich lange Reihen von Gebäuden mit Obergeschoss. Des Weiteren wissen wir von einem großen Bogen aus Marmor an der Westseite des Lagers. Bei Grabungen an der Nordseite des castrum konnte man keine der für andere Lager und Kasernen üblichen Gräben nachweisen.
„Ebenso ließ er Lepidas Sklaven, die im Prätorianerlager untergebracht waren, in den Gewahrsam der Konsuln bringen …“
(Tacitus Annalen, Buch III, 22)
Die Mauern bestanden aus großen Blöcken, die mit Ziegeln verkleidet waren. Jedoch war der Grundriss ein anderer als heute im Allgemeinen angenommen wird. Der heutige Verlauf der Mauer zeigt neben den ursprünglichen auch die in Mittelalter und Renaissance durchgeführten Restaurierungsarbeiten. Hierbei wurden ganze Abschnitte komplett neu errichtet, was sich in den in die Mauer eingearbeiteten päpstlichen Wappen widerspiegelt. Kaum verändert wurde die Nordseite des Prätorianerlagers (Abb. 26).
Wie bei vielen Gebäuden gab es auch hier verschiedene Bauphasen. Durch Erhöhung und Umgestaltung veränderte sich das Erscheinungsbild der castra im Laufe der Jahrhunderte zu einer Wehranlage, die ihren Höhepunkt erreichte, als Kaiser Aurelian sie in seine neue Stadtmauer miteinbezog.

Abb. 27: Gesamtplan der Baubefunde im Bereich der castra praetoria nach Alexandra W. Busch.
1. Bauphase:
Aufgrund der beschriebenen Erbauung des Lagers datiert diese Phase in die Jahre 21 – 23 n. Chr. Die Mauer des Lagers wurde als Schalenmauer mit Gusskern errichtet, für die außen eine Ziegelbauweise (opus latericium) gewählt wurde und innen Retikulat (opus reticulatum), welches gleichzeitig die Rückwand für die Räume bildete, die sich entlang der gesamten Innenmauer zogen und auf denen der Wehrgang verlief (Abb. 27). Diese Räume waren ca. 6 m tief, 3,60 m breit und wurden von einem Tonnengewölbe in 3 m Höhe abgeschlossen. Wandmalereien, Mosaikfußböden und Stuckdekor weisen auf Wohnräume hin. Die Ausstattung und die Größe des Gebäudes suchen im militärischen Bereich des Römischen Reichs ihresgleichen. Selbst in einem Marschlager genoss eine Prätorianerkohorte größere Annehmlichkeiten und erhielt nach Pseudo-Hygin den doppelten Raum einer Legionskohorte. Auch wenn sich, wie in diesem Fall, die Kohorte den Raum mit den primipilares und den evocati teilen musste. Durch größere Zelte hatten sie es als Elitetruppe etwas komfortabler. Wenn man diese Räume für die gesamte innere Umwehrung zusammenrechnet, so kommt man auf 348 bis 366 Räume. Bei einer Belegung von acht Mann, was einem contubernium der römischen Armee entspricht, hätten nur diese Räume allein schon Platz für mindestens 2.784 Soldaten geboten. Die gesamte Außenmauer war nach heutigen Erkenntnissen nicht verputzt.
In 3,30 m Höhe folgte ein ca. 20 cm hohes Gesims, worauf sich die 60 cm hohe Wehrmauer erhob, auf der im Abstand von ca. 2,30 m die Zinnen saßen. Die Zinnen hatten eine Höhe von 70 cm und eine Tiefe von 60 cm. Dahinter verlief der Wehrgang. Von den vier Ecktürmen und den vermutlich acht Türmen der Seitenmauern sind heute noch ein Eckturm und zwei Seitentürme erhalten, die lediglich 20 bis 30 cm hervorstehen (Abb. 28). Ein Ziegelbau in dieser Größe mit diesem Ausstattungsluxus und an dieser exponierten Stelle muss auf die Zeitgenossen eine ungeheure Wirkung gehabt haben.

Abb. 28: Eckturm zwischen Nord- und Ostmauer.
Zwei der insgesamt vier Tore des Lagers sind an der Nord- und Südmauer (Abb. 29) erhalten. Auch sie wurden in Ziegelbauweise errichtet. Durch spätere Bebauung wurden die Innenseiten der erhaltenen Tore zerstört. Die Tore wurden zu beiden Seiten von Türmen flankiert, die nur ca. 30 cm vorspringen und eine Breite von 4,13 m haben. Diese Türme haben in Höhe der Mauerzinnen zwei kleine Fenster, deren obere Einfassung einen Bogen bildet. Das heute nicht mehr erhaltene Westtor, welches zur Stadtseite lag, unterschied sich jedoch durch eine prunkvollere Außengestaltung. In der Nähe des vermuteten Tores fand man zwei Pilasterkapitelle, die auf einen marmornen Baudekor schließen lassen, außerdem eine Bauplastik in Form eines Reliefs mit einer geflügelten Victoria. Eine Kombination aus Ziegelmauerwerk und Marmor wäre daher denkbar.

Abb. 29: Nordtor der castra praetoria.
Ferner wurden noch vier Räume mit Tonnengewölben entdeckt, die ca. 7 × 3,5 m groß waren und von denen einige Treppenhäuser aufwiesen, was auf mindestens ein weiteres Obergeschoss schließen lässt. Dass keine Mosaiken oder Wandmalereien gefunden wurden, spricht gegen eine Nutzung als Wohnraum. Vielleicht ist aber eine Kombination von Unterkunft und Pferdestall möglich. Da den einzelnen Prätorianerkohorten Reiter zugeordnet waren, müssen im Lager auch Ställe zur Unterbringung von Pferden vorhanden gewesen sein. Weiter südlich wurde ein zweiflügliges Gebäude entdeckt, dessen Flügel durch einen Hof getrennt war. Im Westflügel kam ein Raum mit Bodenmosaik zutage. Auch ein horreum wurde im Südosten des Lagers aufgedeckt. Dieses Gebäude war über eine Rampe von Süden her zugänglich. Von dort gelangte man in einen 40 m langen, unterirdischen Korridor, von dem acht gleichgroße Räume abgingen, die etwa 40 m2 maßen.
2. Bauphase:
In der zweiten Bauphase entfernte man einige Zinnen und die oberste Ziegellage der Wehrmauer. Dabei wurden die Zwischenräume der Zinnen mit gelblichen sowie rotbraunen Ziegeln aufgefüllt. Eine zeitliche Zuordnung ist nur schwer möglich, die Bauphase könnte aber mit dem Bürgerkrieg des Jahres 69 n. Chr. zusammenhängen, wo sich die Prätorianer des Vitellius gegen die Truppen des Vespasians verschanzten.
3. Bauphase:
Die dritte Bauphase war eine größere bauliche Veränderung, bei der die Mauer um ca. 2 m erhöht wurde. Auch diese Mauer war wieder mit Zinnen bekrönt. Die hierbei verwendete Mauertechnik erinnert an die Ziegelfassade der Caracallathermen und der Mannschaftsunterkünfte der castra nova equitum singularium, welche in den Jahren 193 – 196 n. Chr. errichtet wurden und somit in die servische Zeit datiert werden können.
4. Bauphase:
In der vierten Bauphase wurde der Bereich am Nordtor überhalb des Architravs durch opus mixtum ersetzt. In dieses Tor, welches zuvor mit Zinnen besetzt war, wurden drei große Fenster mit Rundbögen eingesetzt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass an den übrigen Toren ähnliche Veränderungen vorgenommen wurden. Da sich die opus mixtum-Strukturen von der nachfolgenden Bauphase deutlich unterscheiden, muss die vierte Phase vor der Einbeziehung in die Aurelianische Stadtmauer vollzogen worden sein. Die Zinnen der Tore wurden verbreitert. In dieser Phase errichtete man an der Nordmauer zwei niedrige und breite Türme, die den Türmen des Nordtores entsprachen. Diese wurden ebenfalls mit opus mixtum verblendet. Diese Türme traten nicht hervor, sondern schlossen bündig ab (Abb. 30).

Abb. 30: Nordmauer mit deutlich erkennbaren Zinnen eine früheren Baupase.
5. Bauphase:
Nach zahlreichen Veränderungen kam es in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. zum größten baulichen Eingriff, als die castra praetoria im Jahr 271 n. Chr. in die Aurelianische Mauer einbezogen wurde. Dabei wurden das Nordtor und das Osttor zugemauert. Die Mauern wurden erneut um ca. 2 bis 3 m erhöht und erreichten die Höhe der Türme aus der vierten Bauphase. Aufgrund von Zeichnungen Rossinis wissen wir, dass die Tortürme des Osttores ein zweites Geschoss bekamen und nun so hoch waren wie die neue Aurelianische Stadtmauer. Die Mauer war somit zwischen 7 und 9 m hoch. Die Höhe der Mauern schwankte je nach Bauphase und kann deshalb nicht exakt angegeben werden. Durch die schwere Belastung der Fundamente wurde die Mauer durch eingesetzte Pfeiler an der Innenseite der Umwehrung verstärkt. Es wurden darüber hinaus neue Türme in Ziegelbauweise errichtet, die im unteren vorderen Bereich durch einen dreieckigen Sporn verstärkt wurden, welcher stark an Brückenpfeiler erinnert und als Wellenbrecher bekannt ist. Die Türme hatten eine rechteckige Form und besaßen an den Seiten pro Etage ein Fenster in Bogenform.
6. Bauphase:
An der Außenverschalung der Mauer haben sich an verschiedenen Stellen Reste von opus listatum erhalten, was auf eine nötig gewordene Reparatur schließen lässt. Diese Reparaturen wurden auch an der Aurelianischen Stadtmauer festgestellt. Der Wechsel von Tuff- und Ziegellagen war besonders unter Maxentius beliebt und legt eine Datierung in seine Regierungszeit nahe.
Ob die Westflanke des Lagers nach der Schlacht an der Milvischen Brücke wirklich geschliffen wurde, wie es Zosimus überliefert, ist archäologisch nicht nachweisbar. Auch Konstantin musste seine Truppen in Rom unterbringen und überdies noch seine Herrschaft sichern, da er noch Licinius als Mitregent des Römischen Reiches zur Seite hatte. Noch auf Kupferstichen des 16. und 17. Jhs. erscheint die Umwehrung des Lagers und wird als castrum praetorium oder auch als castrum custodiae bezeichnet. Zumindestens drei Seiten bestanden als Teil der Aurelianischen Stadtmauer fort und wurden abermals erhöht. Die Gesamtstärke der Mauer wuchs hierbei auf 2,30 m an. Durch Restaurierungsarbeiten der 30er- und 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist von den Zinnen kaum noch etwas erhalten. Die Baumaßnahmen lassen sich auch an anderen Stellen der Stadtmauer nachweisen und können Kaiser Honorius (weströmischer Kaiser von 395 – 423 n. Chr.) zugewiesen werden. Die Südseite des Lagers muss im Laufe der Zeit entweder zerstört oder aufgrund von Baufälligkeit eingestürzt sein. Der heutige Verlauf stimmt nicht mit der Ausbuchtung und die bauliche Ausführung nicht mit dem antiken Bestand überein, sie stammen aus dem Mittelalter. Weshalb es im Mittelalter zu dieser Abweichung des Mauerverlaufs kam, ist nur zu mutmaßen. Der Grundriss der castra praetoria war in tiberischer Zeit ein Rechteck (Abb. 27) mit abgerundeten Ecken und besaß, da man die Südmauer nicht genau festlegen kann, die oben genannte Fläche von 15,7 bis 16,72 ha.
Bei Baumaßnahmen für die Kaserne der päpstlichen Truppen, der caserma macao, in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. wurde auch im Bereich der castra praetoria Erdreich ausgehoben. Man stieß dabei auf Räume an der Innenseite der Mauer, Straßenpflaster und Bleirohre, die die Frischwasserversorgung des Lagers belegen. Bei der Umstrukturierung des gesamten Stadtviertels um 1870 begann die großflächige Zerstörung und Bebauung des Lagers. Dabei wurden bis zu 40 m der Nordmauer abgerissen und die Türme und Räume zerstört. Weitere Räume fielen beim Bau der Mannschaftsunterkünfte der caserma macao zum Opfer. Sowohl die Hauptachsen des Lagers als auch die Umgehungsstraße innerhalb des Lagers, die an den an die Umwehrung gebauten Räumen verlief, waren gepflastert. Die 3 m breiten Gassen zwischen den Mannschaftsunterkünften waren nicht gepflastert. Vor den Mannschaftsunterkünften verlief eine Portikus, sodass der gesamte Abstand zwischen den Gebäuden 8,50 m betrug. Diese Mannschaftsunterkünfte waren Doppelbaracken mit einer Ausdehnung von 76,65 × 12 m. Die normalerweise vorgelagerten Räume des Wohnbereiches fehlten, ebenso wie die Kopfbauten für die Centurionen, die sich normalerweise am Ende einer Mannschaftsbaracke befinden. Dafür weisen Reste von Treppenaufgängen darauf hin, dass diese Bauten mindestens zweistöckig waren. Insgesamt wurden 26 Mosaikfußböden nachgewiesen, die in den Mannschaftsbaracken und den Räumen entlang der Umfassungsmauer verliefen, die zusätzlich noch mit Malereien ausgestattet waren und mit Stuck verzierte Seitenwände besaßen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Kompositionen aus schwarz-weißen tesserae mit geometrischem Muster. Man fand aber auch künstlerisch aufwendigere Mosaike, wie eines mit grünen und gelben tesserae, das von einem Mäanderfries umgeben ist und Gladiatoren und einen von Säulen flankierten Krater darstellt. Auch eine Schwarz-Weiß-Darstellung einer Tierhetze und ein Mosaik, welches aus gelben und grünen tessarae besteht und eine Weiheinschrift an den Genius castrorum trägt, wurde gefunden. Sie werden heute im Museo Nazionale Romano, Terme di Diocleziano, aufbewahrt. Aber auch Mosaike mit Vögeln und Fischen kamen in den Mannschaftsunterkünften zutage. Die Wandmalereien der Mannschaftsunterkünfte sind heute nicht mehr erhalten. Es muss aber laut einem Reisebericht aus dem Jahr 1833 eine Wandmalerei mit Aphroditedarstellung in einem der Räume an der Umfassungsmauer gegeben haben. Ein weiterer großer Bau, dessen erhaltene Räume Ausmaße von bis zu 55 m2 aufwiesen, wurde in der Nordwestecke nachgewiesen. In einem Raum befand sich ein aufwendiges Mosaik mit Ranken- und einer Art Schachbrettmuster. Wohnbauten für Offiziere konnten bisher nicht lokalisiert werden. Das gilt insbesondere für die Tribunen und Kommandeure, was die Frage aufwirft, ob diese überhaupt im Lager untergebracht waren oder nicht doch außerhalb in ihren Privathäusern lebten. Es muss allerdings ein Stabsgebäude vorhanden gewesen sein. Die komplette Verwaltung der Einheit wird wohl kaum von außerhalb geführt worden sein; zumal uns Herodian von einem im Stabsraum aufbewahrten Fahnenheiligtum berichtet (Herodian 4, 4, 5). Eine Art sakraler Bereich entwickelte sich im westlichen Vorlagerareal mit zahlreichen Altären und kleinen Heiligtümern. In diesem Areal gab es zuvor schon ein Heiligtum der Minerva, wie ein Fund aus dem 19. Jh. belegt. Auch ein am Rande des campus gelegenes sacellum der dea Naenia ist uns überliefert. Neben zahlreichen Skulpturfunden wurden auch Weihedenkmäler für Mithras entdeckt.
In der Nähe des Lagers fand man auch Skulptur- und Architekturfragmente, die zu einem Bogenmonument gehören könnten, welches aufgrund des Baudekors stilistisch in die flavische Zeit passt. Daneben kamen zahlreiche Relieffragmente mit Abbildungen von tropea, vexilla und Kampfszenen ans Tageslicht, deren Figuren lebensgroß dargestellt waren. Ein vielleicht dazugehöriges Pfeilerfundament wurde allerdings im inneren Areal des Lagers entdeckt. Dies lässt darauf schließen, dass mit der Zeit die Fragmente außerhalb des Lagers zusammengetragen wurden. Ob sie wirklich zusammengehörten, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
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