Kitabı oku: «ALIEN TRÄUME»
Robert Eder
ALIEN TRÄUME
Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Das Buch
Personen
Der Autor
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Danksagung
Vom Autor bisher erschienen
Buch Rückseite
Impressum neobooks
Impressum
ALIEN TRÄUME
Ein Utopischer – Roman
Robert Eder
Texte: © Copyright by Robert Eder
Umschlag: © Copyright by Robert Eder
Verlag: Name des Selbstverlegers
Robert Eder
robert-eder@chello.at
Druck: epubli, ein Service der
neopubli GmbH, Berlin
Printed in Germany
Paperback ISBN: 978-3-7531-2188-8
Das Buch
Zum Andenken an Sepp und Guido
Julia ein bairisches Mädchen, arbeitet für ihre IT Firma in den USA. Dabei lernt sie eine Programmiererin kennen. Bei der macht sie Urlaub. Nach einem Black out findet sie sich etwa drei Jahre später in Dänemark wieder. Von dort gelangt sie über München zu einer Kommune im Waldviertel. Alpträume, deren Inhalt ihr unbekannt ist, quälen Julia. Ein Psychologie Student versucht mit einem Trick ihr den Inhalt der Träume zu Bewusstsein zu bringen. Der Inhalt der Träume ist für Alle überraschend. Die Frage ob es sich um die Auswirkung einer indianischen Droge oder um eine Entführung durch Aliens handelt möge der Leser entscheiden.
Personen
Julia: Informatikerin träumt Seltsames
Petra: Julias Halbschwester, sechs Jahre jünger
Gustav: Julias Verlobter in München, leider untreu
Guido: Proficharmeur
Bill: Mitarbeiter einer Firma in Boston
Linda, Herbert, Klaus: Mitarbeiter der Münchner EDV Firma
Ildico: Brünette Frau mit flaschengrünen Augen. Obwohl um die dreißig sieht sie aus wie sechzehn
Bob: Ildicos Nachbar, Farmer
Joe Kleine Eule: Ein alter Indianer. Medizinmann mit weißen Haaren
Urs: Schweizer der in Christiania Möbel und Instrumente baut
Rike: Freundin von Urs
Anke: Kommunardin in Christiania
Matje: Blöder Junge in Christiania
Harald: Kommunarde in Christiania
Ole: Kommunarde in Christiania, Koch
Lars: Besitzer des Ateliers in Christiania
Björn: Nachbar von Lars in Christiania
Gunda: Lernt Julia in Dänemark kennen
Andreas: Kommunarde aus dem Waldviertel
Hans: Kommunarde im Waldviertel, studiert Psychologie
Andreas: Julias Freund im Waldviertel.
Lydia: Kommunardin im Waldviertel.
Maria: Kommunardin im Waldviertel.
Roman: Biologe, Freund von Maria.
A-Haila: Erster der Traumtänzer, doch seine Gefährtin wurde getötet, spielt den guten Onkel
Hailo: Erhabene (Aliens in den Träumen.)
Hailu: Erhabene (Aliens in den Träumen.)
Der Autor
Robert Eder wurde 1949 in Sachsenburg (Kärnten) geboren. Nach dem Biologie Studium in Wien, arbeitete er dreißig Jahre im Außendienst eines österreichischen pharmazeutischen Unternehmens. Nach seiner Pensionierung begann er Fiktionen zu schreiben.
Kapitel 1
Ein milder Herbsttag im nördlichen Waldviertel geht zu Ende. Die Sonne nähert sich dem Horizont lässt dabei die Blätter der Bäume, die schon leichte Gelbfärbung zeigen, golden aufleuchten. Aus dem kleinen Moor in der Senke, das schon im Schatten liegt, steigen die ersten Nebelfahnen empor. Die Granitblöcke auf der leicht grasigen Erhebung geben die gespeicherte Wärme der Nachmittagssonne ab, die Vogelstimmen und das leise Rauschen der Blätter des nahen Birkenwaldes runden das romantische Bild ab. Auf dem größten der Granitblöcke liege ich – Julia – auf dem Rücken, schaue in den von wenigen Zirrus-Wolken durchzogenen blauen Himmel, während ich seit längerer Zeit wieder völlig glücklich bin. Nachdenklich, doch mit strahlendem Lächeln blicke ich auf das kleine blaue Glasstück in meiner Hand und bin mir jetzt völlig sicher, doch nicht verrückt zu sein. Das kleine blaue Glasstück ist ein etwa zwei Zentimeter langer Stöpsel eines Parfumfläschchens mit perfekter Rundung des konischen Stöpsels, völlig glatt und ohne jede Schliffspur. Im kugeligen Oberteil des Stöpsels sind leicht konkave Eindellungen ohne Ränder die dem kleinen Stück Glas ein geheimnisvolles Spiel von Reflexionen geben. Die Splitter des Fläschchens liegen unten am Fuß des Felsens, dessen bin ich mir jetzt ganz sicher, doch habe ich keine Eile sie zu suchen. Ich betrachte den kleinen blauen Stöpsel während meine Gedanken zu wandern beginnen, zu den netten Menschen in der Kommune im alten Dreiseithof am Fuß des Hügels, weiter zu den chaotischen letzten Tagen, die ich verursacht hatte. Das Bild eines Kaffees in München taucht auf, in dem ich den ersten Kontakt mit den Leuten der Kommune im Waldviertel hatte. Dann springen die Gedanken zurück nach Christiania, von dort nach Roskilde und das Gesicht Gundas taucht vor mir auf, während ich überlege wie es ihr wohl geht. Die Gedanken an Gunda sowie an ihr mögliches Schicksal bestätigen mir, dass Andreas recht hat und ich die Schachtel Disketten auszuwerten und zu ordnen hätte, nicht nur um Ordnung in mein „Chaotisches Hirn“, wie er sich ausdrückte zu bringen. Ich stehe langsam vom Moos der Felsoberseite auf und rutsche über den großen Granitblock auf den, von Nachbars Schafen kurz gefressenen, Wiesenboden. Auf dem kurzen Weg zum alten Bauernhof der Kommune überlege ich wie es zu den Disketten in der Schachtel gekommen ist. Seit einigen Monaten litt ich unter Träumen die mir nach dem Aufwachen ungenau in Erinnerung waren, aber in dem Augenblick in dem ich jemanden davon erzählen wollte war alles weg und mein Hirn wie leer. Auch aufschreiben konnte ich die Träume nicht, da in dem Moment, da ich zu schreiben begann auch alles weg war. Andreas, mit dem ich sehr befreundet bin glaubt, dass es eine unterbewusste Sperre sei und riet mir sie aufzuarbeiten. Die Bewältigungsarbeit, wie sie Hans unser Psychologiestudent empfahl, machte ich an einem speziellen Computer, den Andreas unser schlaksiger blonder Computerspezialist zusammenstellte. Das Ding war so konfiguriert, dass alles was getippt wurde von einem Zufallsprogramm verändert wurde und auch gespeichert nie wieder entschlüsselt werden konnte. Der Zufallsgenerator konnte nach dem Start des Computers eingeschaltet werden und lief ab dann unabhängig weiter auch wenn keine Taste betätigt wurde. Anfangs glaubte ich natürlich nicht an die Verschlüsselung und konnte deshalb auch keine meiner Erinnerungen an die Träume loswerden. Systematisch versuchte ich irgendwelche Texte die ich über den Zufallsgenerator eingab zu entschlüsseln und durchsuchte den ganzen Computerinhalt nach versteckten Speichern etc. und ich bin gut auf dem Gebiet. Die Maschine war wirklich sauber und nichts außer Disketten mit unverständlichen Zeichenfolgen blieb von meinen Aufschreibübungen der Träume über. Die Disketten überschrieb ich außerdem immer wieder und selbst hatte ich auch keine Erinnerung an das was ich geschrieben hatte. Diese Bewältigungsarbeit half mir oder ich glaubte es. In der Tat fühlte ich mich deutlich besser. Es traf mich wie ein Hammer als Hans mir die Kiste mit Disketten gab und alles was ich je in meiner Dachkammer getippt hatte, die ich jedes mal sorgsam abschloss bevor ich am Computer schrieb war auf diesen Disketten. Sicherlich haben Hans oder Andreas noch bündelweise Kopien davon. Es war auch nicht der Computer der mich verraten hatte sondern etwas ganz einfaches, das Keyboard hatte auch eine parallele Funk-Funktion. Damit wurde alles was ich schrieb von einer Anlage in Zimmer von Andreas, das genau unter meiner Dachkammer lag aufgezeichnet. Andreas benutzte diese kleine uralte Computeranlage sonst nur um fremde Disketten auf Viren zu untersuchen. Nachdem meine innersten Gedanken bekannt waren rastete ich völlig aus und machte zwei Tage lang Terror. Danach soff ich mich furchtbar an und weinte mich an Lydias Seite aus, als ich im Rausch einen fürchterlichen seelischen Katzenjammer bekam. Der heutige Morgen war furchtbar, doch nach einigen Tassen Tee, der am Stövchen stand, extra für mich, begann ich mich besser zu fühlen. Eigentlich waren wir alle heute bei unseren Nachbarn, Studenten der Teichwirtschaft, am nahen Fischteich eingeladen doch blieb ich mit meinem Kater allein zu Hause. Ich legte mich nochmals schlafen wodurch ich am späten Nachmittag wieder in Ordnung war. Ich spazierte auf den Hügel wo ich unter dem Felsblock den Stöpsel fand. Schon stehe ich vor dem großen Hoftor aus grauen rissigen verwitterten Brettern. Ich sehe am Kleinbus im Hof, dass alle wieder da sind. Links hinter dem Hoftor ist der alte Wohnteil des Bauernhauses und durch eine niedere Tür trete ich in einen kleinen Vorraum, der links hinter der Türe eine Garderobe hat auf der jetzt die Jacken der anderen Kommunenmitglieder hängen. Ich habe keine an, da ich nach dem Aufstehen nur in Jeans, Pullover und Sportschuhen auf den Hügel geeilt war. Ich rieche Kaffeeduft, öffne die Türe zur alten Bauernstube die uns als Wohnküche dient und sehe alle, bis auf Maria, am großen Jogltisch sitzen mit Kaffee in der Hand. Nur Maria steht am Herd wo sie gerade eine Rein mit Buchtel ins Backrohr schiebt. Ich sage leise: „Hallo“ und schaue hilflos in die Runde. Andreas steht auf kommt zu mir umarmt mich und hält mich fest. Ich schmiege mich an seinen Körper, vergesse einen Moment die Anderen und drücke ihn leidenschaftlich wie eine Ertrinkende an mich. Als wir uns loslassen schaue ich hilflos zu Boden und sage zu den Anderen nur: “Hallo - es tut mir sehr leid – verzeiht mir.“ „Lass nur, schon vergessen und außerdem haben wir vermutlich mehr Fehler gemacht als Du.“ sagt Roman. Roman ist groß und rund und trägt einen dunklen stark gelockten Vollbart. Er ist Biologe, wie auch Maria die kleiner aber auch dunkelhaarig sowie auch etwas rundlich ist. Maria sagt: “Schau wir haben dir Buchteln mitgebracht.“ .Ich blicke dankbar zu Maria und setze mich neben Andreas an den Tisch. Ich lächle als ich zu ihm sage: „Du hast recht gehabt, ich werde das Material sortieren.“ Maria bringt die Rein mit den gewärmten Buchteln und Andreas schenkt mir Kaffee ein und sagt: „Iß mal kräftig denn erzählen können wir danach bei einer Zigarette.“ Typisch Andreas das mit der Zigarette. Unser schlaksiger blonder Computerfreak ist der stärkste Raucher unter uns. Wir rauchen alle mehr oder weniger, aber außer Andreas braucht niemand von uns mehr als eine Packung Zigaretten pro Tag. Für Andreas gibt es fast immer einen Grund eine Zigarette zu rauchen. Nach den herrlichen Buchteln zünden sich Roman und Maria ihre Pfeifen an, wir Anderen haben uns eine Zigarette gerollt und angezündet. Jetzt kommt es denke ich und hebe meinen Blick vom Tabakpäckchen am Tisch zu den Anderen. Lydia die mich gestern getröstet hat streift ihre dunkelblonden Haare zurück und sieht mich fragend an. „Willst du darüber reden oder sollten wir uns nicht später unterhalten wenn sich alles abgesetzt hat?“ „Nein, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt und ich möchte mich nochmals bei allen entschuldigen.“ sage ich und schaue trotzdem wieder auf das Tabakpäckchen. Hans legt seinen Arm auf meine Schulter und fragt. „Hast Du schon Erinnerungen an etwas auf das sich deine Träume beziehen?“ Ich überlege kurz, dann erkläre ich, dass ich in die wirren Texte auf den Disketten flüchtig hineingeschaut hatte. Ich ließ weder meine Verwirrung noch die Gefühle aus. Ich war unfähig diese Texte genau zu lesen, da stäubte sich noch Einiges in mir. Zuerst glaubte ich ob der Tatsache, dass meine Geheimnisse, die selbst vor mir Geheimnisse waren, offen lagen platzen zu müssen, was ich die Gemeinschaft durchaus fühlen ließ. Dann kam jedoch ein wenig Ordnung in meine Erinnerungen. Die Erinnerungen an USA wie auch an Dänemark waren real wobei deren Rückruf in mir auch einen Verdacht erhärtete wie andere Erinnerungen die diashowartig sind in mein Hirn kamen. Sehr wichtig für mich war, dass mir vor allem Erinnerungen aus meiner Vergangenheit kamen, die nichts mit den Träumen zu tun hatten. Im Verlauf der Diskussion regte Andreas an ich solle zuerst meine Lebenserinnerungen aufzeichnen, sie ordnen und dann erst die Träume lesen, sortieren und dabei weglassen was mir nicht gefällt anderen zu zeigen. Über das Weglassen gab es noch einige Diskussionen. Hans unser Psychologe, er studiert es schließlich, setzte sich letztendlich mit dem Begriff Autorenfreiheit durch. Ihm und meinem lieben Andreas fiel es auch auf, dass ich die Kopie eines Ringes den ich einmal besaß am Ringfinger meiner rechten Hand trug. Den hatte ich, als ich mit Restalkohol gemischt mit Katzenjammer und Kater erwachte, als Erstes aus meinem Rucksack gekramt um in mir anzustecken. Andreas hatte es sofort bemerkt, doch Hans brachte die psychologische Erklärung, dass ich mich damit dem Kampf gegen die Gedächtnissperre stellen wolle. Sowohl Andreas als auch Hans regten mich an meine Erinnerungen sowie andere Aufarbeitungen so etwa in Romanform darzustellen, So will ich es tun und bitte Hans die Disketten mit meinen Traumtexten zu verwahren. Für mich selber beschließe ich nichts wegzulassen nur weil es mir peinlich ist.
Kapitel 2
Ich wurde in einer Münchner Klinik geboren, weil meine Mutter zum Zeitpunkt meiner Geburt bei meiner Großmutter, die am Stadtrand ein kleines Häuschen hatte, zu Besuch war. Vierzehn Tage später wurde ich dann, in einem kleinen Ort in der Nähe des Chiemsees, auf Julia getauft. Wir lebten auch in diesem kleinen Ort und ich war von der allgemeinen Einstellung der Leute infiziert, so verhielt ich mich einem kleinen Dorf entsprechend. Auch heute noch passe ich mich ganz gern der Allgemeinheit sowie dem Trend an, bin weder ein Querkopf noch eine Führernatur, obwohl ich für mich große Selbständigkeit entwickle. An meinen Vater kann ich mich nur geringfügig erinnern, außer dass er ein großer, blonder Mann mit Bart war weiß ich nichts über ihn. Meine Großmutter meinte über ihn „Für uns ist er tot – aus.“ Ich glaube er ist abgehauen als ich fünf Jahre alt war. Da meine Halbschwester Petra nur knapp sechs Jahre jünger ist, dürfte meine Mutter an der ganzen Sache auch nicht unschuldig gewesen sein und in dem kleinen Dorf bekam ich ja auch so allerlei zu hören. Petras Vater bemühte sich um meine Aufmerksamkeit was ihm aber nur teilweise gelang. Schulbesuch und die Klassenkameraden waren mein Lebensinhalt während ich meine Mutter und meine Halbschwester Petra damals ziemlich ignorierte. Petra jedoch war ein echter Fan ihrer großen Schwester und verehrte mich glühend. Zu Beginn meiner Pubertät ging mir die Kleine so auf den Geist, dass ich alles tat um zu meiner Oma nach München zu kommen. Der Besuch eines Gymnasiums, ohne weit mit dem Bus und der Bahn zu fahren, war ein guter Grund. Bei Oma in München war ich selig und lebte mich auch sehr rasch in meiner neuen Schulklasse ein. Bis auf einige mäßigere Zensuren in der Umstellungsphase war ich eine gute Schülerin und zwar nicht des Fleißes sondern des Interesses wegen. Die Lehrer meinten immer zu meiner Oma. „Die Julia passt super auf und begreift alles gut doch wenn sie noch zu Hause auch lernen würde, wäre sie die Klassenbeste.“ Kurz gesagt ich war gut ohne auch nur in den geringsten Geruch einer Streberin zu kommen. Dafür war mir die Gemeinschaft mit meinen Klassenkameraden zu wertvoll, es war eine schöne Zeit. Eines Tages, oh Schock, stand Petra mit einer Nachbarin aus unserem Heimatort vor Omas Türe. Eine Katastrophe für mich, die nur durch die Tatsache gesteigert wurde, dass ihre Eltern, meine Mutter und mein Stiefvater bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Glücklicherweise war Petra nicht mitgefahren und so blieb sie mir erhalten. Bisher war Petra immer nur meine Halbschwester für mich und eine nervende Göre die mich anstrengte. Irgendwie wollte ich ihr jetzt die Mutter ersetzen und von nun an war sie meine Schwester, so wurden wir die besten Freunde. Oma erhielt vom Gericht die Vormundschaft über uns doch irgendwie wurde sie, da sie jetzt die alleinige Verantwortung für uns hatte strenger und war nicht mehr so locker wie vorher, so kam es mir zumindest vor. Dies schweißte uns noch mehr zusammen. Unsere Bindung war so groß, dass ich als ich nach dem Abitur mit vollendetem achtzehntem Lebensjahr, als ich meinen Anteil am Erbe meiner Mutter ausbezahlt bekommen sollte, den Notar bat damit zu warten bis Petra auch ihren Anteil bekommen würde. Dies tat der Notar dann auch wirklich obwohl er dieses Ansinnen in seiner Praxis noch nicht erlebt hatte. Nach einem kurzen Informatik Studium das ein Teil eines Volkswirtschaftsstudiums war, welches mich aber überhaupt nicht interessierte, begann ich in München bei, einer kleinen aber rasch wachsenden, EDV Firma zu arbeiten. Der Betrieb war sehr familiär, das Arbeitsklima sehr kameradschaftlich und es war eine kreative Arbeit die auf die verschiedensten Kundenwünsche abgestimmt war. Bald zählte auch die Entwicklungsabteilung von BMW zu unseren Kunden was die Tätigkeit noch interessanter machte. Mittlerweile war auch Petra mit dem Abitur fertig und wir erhielten beide unser Erbteil ausbezahlt. Von dem Geld kauften wir uns eine kleine Eigentumswohnung mit Blick auf das BMW Gebäude und sprachen von der Wohnung als BMW – Blick. Die Wohnung hatte für jeden von uns ein Zimmer dazu eine gemeinsame Küche und ein gemeinsames Wohnzimmer war auch da. Petra fing bei BMW zu arbeiten an und nach kurzer Zeit konnte ich, mit Hilfe meines Chefs einen freien Job in der Entwicklungsabteilung für Petra ergattern. Der neue Job gefiel Petra nicht nur wegen der Atmosphäre und der besseren Bezahlung, sondern vor allem weil dort Walter ihr Freund arbeitete in den sie sich unsterblich verliebte und den Mann fürs Leben in ihm sah. Glücklicherweise war Walter ebenso sehr in Petra verliebt. Ich beschloss dem jungen Glück die Wohnung ganz zu überlassen und zu meinem Verlobten Gustav zu ziehen. Mit Gustav war ich schon mehr als zwei Jahre zusammen doch ich wollte vor dem vereinbarten Einzug bei ihm nur noch mit Petra unsere Wohnung etwas einrichten. Denn es fiel mir schwer die Kleine so ganz allein in der Wohnung zu lassen, obwohl das ja Blödsinn war, denn am Stadtrand gab es ja Oma die immer für uns da war. Mein Verlobter Gustav, im Aussehen eine Mischung aus Roy Black ohne Schmalz und Sylvester Stallone mit weniger Muskeln, war sehr seriös was bei seinem Beruf als Bankkaufmann auch nicht verwunderlich war. Ich lernte Gustav über meinen Job kennen, da er die Bankgeschäfte meines Chefs betreute. Ich wusste, dass Gustav baldigst nach meinem Einzug eine Heirat vorschlagen würde und war auch gerne dazu bereit doch wollte ich Petra auch versorgt wissen was ja jetzt der Fall war. Es war früher Nachmittag als ich den Entschluss zu einem Umzug fasste, dann schnappte ich mir Zahnbürste, Führerschein und Pass und schrieb ein paar Zeilen für Petra und Walter. Meinen Wohnungsschlüssel, der von nun an Walter gehören sollte, legte ich unter die Fußmatte. Gustav würde noch kurze Zeit zu arbeiten haben, aber im Büro konnte ich ihn möglicherweise schon verfehlen deshalb machte ich mich auf den Weg zu seinem Domizil. Unterwegs kaufte ich noch Sekt, französisches Weißbrot, Pasteten und eine Dose Schnecken. Den Schlüssel zu Gustavs Wohnung hatte ich schon fast zwei Jahre und ich wohnte öfters einige Tage bei ihm, war auch mit den Nachbarn ganz gut bekannt so dass mein Besuch der für immer gedacht war eigentlich auch nichts Ungewöhnliches war. Ich öffnete die Eingangstüre, stellte die Sachen im Wohnzimmer auf den Tisch und arrangierte alles sehr nett. Den Sekt müsste ich wohl kaltstellen aber verspielt wie ich war stellte ich mir vor Gustav käme gerade zur Türe herein und rief – Überraschung. Die Überraschung kam aber ganz anders als ich es mir je vorstellen hätte können. Es erschien nicht Gustav in der Eingangstüre, nein es war Luise, seine Sekretärin und sie erschien wie Gott sie geschaffen hatte aus dem Badezimmer. Um mein Unglück zu vervollständigen kam Gustav in Unterhosen und mit einem dümmlichen Grinsen aus dem Schlafzimmer. „Julia was machst du denn da?“ Das war alles was er sagte aber die reichte um mich endgültig zur Explosion zu bringen. Laut schreiend verließ ich seine Wohnung, dann irrte ich durch die Straßen von München völlig verzweifelt und aufgewühlt. Mit der Dämmerung kam auch ein leichter Nieselregen und ich flüchtete in eine Bar von denen es in der Umgebung des Bahnhofs viele gab.
Kapitel 3
Da saß ich nun in der Bar und starrte wie ein Häufchen Elend in meinen Kaffee. Petra und Walter waren sicher schon zu Hause und hatten meine Nachricht sicher schon gelesen. Vielleicht feierten sie ihr neues Zuhause, wenn ich jetzt kam würde ich sie vielleicht stören und in diese Richtung hatte ich für heute schon genug erlebt. Auch sonst müsste ich über meine Erlebnisse berichten und danach war mir gar nicht. Das Beste würde sein ich übernachtete in einer Pension in der Nähe. Als dieser Entschluss gefasst war fühlte ich mich schon etwas besser, suchte die Toilette auf und machte etwas für mein Aussehen. Das war eine ziemliche Arbeit, denn ich hatte geweint und der Nieselregen hatte auch seine Spuren hinterlassen, aber die Ausstattung dieser Bar war hervorragend. Es gab sogar einen Föhn und mit seiner Hilfe, vereint mit etwas Geduld, sah ich bald wieder menschlich aus. An meinen Platz zurückgekehrt war ich der Ansicht genug für meine Schönheit getan zu haben, sodass ein inzwischen kalter Kaffee mir nicht als nötig erschien. Zwar kann der gute Ruf einer Frau leiden wenn sie allein in einer Bar im Bahnhofsviertel Alkohol trinkt, aber für Gustav brauchte ich nun keinen guten Ruf, auch Gustav brauchte ich nicht mehr, auf mich selbst achtete ich nicht sehr in diesem Moment. Ich bestellte mir ein Glas Weißwein und nach wenigen Schlucken spürte ich wie sich meine Nerven beruhigten. Langsam gingen meine Gedanken zu meiner Zukunft oder besser das was ich mir nicht als Zukunft vorstellen konnte. Mit Gustav auch nur eine Silbe zu wechseln schien mir unmöglich und Luise könnte ich erwürgen aber sicher nicht ihr beim Tippen von Kontoauszügen zusehen. Meinen Chef konnte ich auch nicht gut zu einem Wechsel der Bank auffordern nur weil ich Beziehungsärger hatte. Andererseits konnte ich auch nicht gut sagen, ich gehe nicht zur Bank und rufe auch nicht dort an. Dazu sollte ich vielleicht noch auf einem Bein im Kreise hüpfen. Nein das war verrückt und Petra freute sich sicher dass sie mit Walter ein Nest hatte, das wollte ich nun schon gar nicht von Gustav zerstört sehen. Das Beste würde sein mir einen neuen Job in einer neuen Stadt zu suchen. Ich dachte an eine Firma in Hamburg die mir bei unserem letzten Auftrag die Betreuung ihrer EDV angeboten hatte. Gleich morgen würde ich dort anrufen und mit meinem Chef musste ich auch noch ein Gespräch führen. Doch dieses Gespräch würde für mich auch nicht leicht sein. Morgen also war sich ein eher unerfreulicher Tag doch heute war auch nicht besser. Ich trank den Wein aus und überlegte ob Gustav und Luise jetzt miteinander im Bett waren? Diese Vorstellung bedrückte mich und ich hob mein Glas um den Barmann zum Nachgießen zu veranlassen. Doch statt dem Barmann erschien ein gutaussehender Mann der mich schon vorher gemustert hatte. “Hallo, ich bin Guido. Kann ich dir irgendwie helfen du scheinst betrübt zu sein.“ Mit größter Selbstverständlichkeit reichte Guido mir seine Hand, nahm Platz und winkte dem Barmann, der auch sofort kam. Dieser brachte auch sofort eine Flasche „Gröbner Nacktarsch“ und Guido schenkte ein wobei er mir beim Zuprosten tief in die Augen sah. Eigentlich war dies genau das was ich jetzt stimmungsmäßig gar nicht wollte, doch schon beim nächsten Glas ritt mich der Teufel, denn was Gustav konnte das sollte ich nun auch können. Ich schenkte Guido ein Lächeln, rückte etwas näher zu ihm während ich mein Glas hob. Zwei Flaschen Wein lang und bis zur Sperrstunde dauerte unsere Unterhaltung wobei Guido sich als guter Zuhörer erwies. Für Guido war es selbstverständlich, dass ich bezahlte dabei lies er auch sein vorheriges Getränk auf meine Rechnung setzen. Auch das Taxi zu ihm bezahlte ich, nun ja Guido hatte mir den ganzen Abend zugehört und bei einem Psychiater wäre es doppelt so teuer aber halb so lustig. In seiner Wohnung erwies sich Guido als einfühlsamer Kavalier und es wurde doch noch eine befriedigende Nacht. Guido war in jeder Beziehung ein gut gebauter und sehr zärtlicher Mann doch schien er finanziell im Moment ein Tief zu haben, denn zum Frühstück schlug er ein nahes Fastfood Lokal vor, da er nichts zu Hause hatte. Dort bestellte er ein wirklich schönes Frühstück und bezahlte mit meiner Geldbörse, die er mir dann wieder unauffällig unter dem Tisch zuschob. Mir erschien Guido als Glückstreffer doch war ich im Moment nicht auf eine Beziehung aus und so verabschiedeten wir uns ohne eine weitere Verabredung. Beschwingt schlenderte ich zur nächsten U-Bahnstation. Beim Kauf der Fahrkarte fiel mir auf, dass sich die vier Hundertmarkscheine in meiner Geldbörse in vier Zehnmarkscheine verwandelt hatten. So ein Mistkerl – Guido war also ein Profi. Mein Selbstwertgefühl tat einen tiefen Sturz.
Kapitel 4
Eine eiskalte Hand griff nach meinem Herzen, Gustav – hol ihn der Teufel schlief mit seiner Sekretärin was ja gar nicht so unüblich war, ich jedoch trieb es mit einem Profi als Liebhaber. Nein das war keine Rache sondern ein ganz schlimmer Reinfall. In mieser Stimmung saß ich in der U – Bahn und das knutschende Pärchen in der hinteren Ecke gab mir den Rest. Ich stieg schon eine Station früher aus und ging zu Fuß zur Firma. Mein Chef empfing mich mit einem müden Grinsen und sagte. „Julia sage einmal gar nichts und komm mit.“ Ich folgt ihm in sein Büro und nachdem er der Sekretärin auftrug ihn die nächste Stunde nicht zu stören machte er Innen und Außentür des Büros zu, stellte einen Kaffee auf und schenkte ein großes Glas Bourbon ein das er mir in die Hand drückte. „Julia nimm Platz und höre mir zu, denn wenn du dann redest komme ich eh nicht mehr zu Wort, aber ich möchte dir etwas erzählen. Heute Morgen rief Petra an und fragte nach dir. Als sie erfuhr, dass du noch nicht da bist erzählte sie mir von deinem Umzug zu deinem Verlobten und meinte ihr würdet sicher euer neues Glück feiern. Ich wollte dir den Tag freigeben und habe in der Bank angerufen um eure Privatnummer zu erhalten, wurde aber dabei zu deinem wohl nun nicht mehr Verlobten verbunden. Ich fragte scherzhaft nach dem Hochzeitsdatum und die Reaktion war nur. „Äh, gulp, äh.“ Nun da wusste ich dass irgendetwas sehr schief gelaufen ist und ich kenne dich gut genug um zu wissen dass du jetzt vermutlich weg willst. Warte, du brauchst mir über die Sache nichts erzählen, wenn du nicht willst, aber höre dir meinen Vorschlag an. Unsere Gruppe in den USA hat große Probleme mit der Vernetzung von Analysenautomaten und braucht dringend Hilfe sonst können wir den Auftrag nicht zeitgerecht erledigen. Das würde sehr teuer für uns werden. Wenn du nach Boston gehen willst wäre mir sehr geholfen aber die einzige Bedingung ist, du musst noch heute Nachmittag fliegen. Das Ticket habe ich schon. Nach dem Job, kannst du auf Firmenkosten einen USA Urlaub, Rundreise oder so etwas machen. Was sagst Du Julia?“ Ich schaute etwas dumm, nahm einen Schluck und sagte. „Ja.“ Dann erzählte ich ihm die ganze leidige Sache und er verstand mich sehr gut. Er erzählte mir, dass er selbst geflogen wäre, während ich ihn hier vertreten hätte. Dies sei ihm lieber und er beteuerte dass ich durchaus auch von der Firma weggehen könnte falls ich drüben ein interessantes Angebot bekäme nur sollte ich diesen Job in Boston um Himmels willen positiv abschließen. Bis Mittags gingen wir die anstehenden Probleme, so weit sie von hier einsichtig waren durch. Dann fuhr mich mein Chef zu meiner ehemaligen Wohnung wo Petra und Walter auch da waren. Während er etwas zum Essen besorgte plauderten wir drei und packten meine Sachen zusammen. Nach dem Essen schnappte mein Chef meinen Koffer, die Reisetasche und trug sie in seinen Wagen. Nach heftiger Umarmung mit Petra gab ich Walter ein Küsschen und bat ihn auf Petra aufzupassen. Ab ging es zum Flughafen und nachdem das Gebäck verstaut war erhielt ich die Firmenunterlagen als Ausdrucke, eine ganze Aktentasche voller Papier. Mein Chef hat die Tasche so gewählt, dass ich auch meine Handtasche darin verstauen und das Ganze als Handgebäck mitnehmen konnte. Nach einem Abschiedssekt wurde ich zum Flugzeug in einem Flughafeninternen Taxi gebracht. Zuerst dachte ich es sei schon so spät dass ich so hinterher gebracht werden würde. Im Flugzeug erkannte ich dass dies der Service für Erste Klasse Passagiere bei dieser Fluglinie war. Bis New York hatte ich mit den Unterlagen genug zu tun um mich in die Probleme die mich in Boston erwarteten einzulesen. Dies konnte nur ein Höllenjob werden und das Ganze sollte von heute an in weniger als vier Wochen erledigt sein. Auf jeden Fall zum Grübeln würde ich keine Zeit haben. Den ganzen Flug nach New York arbeitete ich an den Unterlagen und hatte auch einige Ideen. Auf dem Flug von New York nach Boston schlief ich ein wenig. Am Flughafen von Boston angelangt wurde ich schon über Lautsprecher ausgerufen und Bill ein amerikanischer Mitarbeiter des Teams erwartete mich. Da die Zollformalitäten schon in N.Y. erledigt worden waren konnte Bill mein Gepäck gleich in seinen Van bringen. Bill war nicht gerade groß zu nennen und wirkte etwas rundlich, hatte rötliche Haare die in der Mitte schon etwas dünn waren. Er hatte immer ein freundliches Lächeln um die Lippen und war unser positiver guter Geist der sich durch unendliche Geduld auszeichnete. Auf der Fahrt durch Boston erklärte mir Bill die Probleme. Er war bei der amerikanischen Firma, die Analysenautomaten herstellte angestellt. Die Firma stellte neben Analysenautomaten für den klinischen Bereich auch noch Sonderanfertigungen für Industrie und Forschung her. Zu vernetzen waren Boston University, Harvard und ein privates Forschungsinstitut mit einer angeschlossenen Produktionsanlage. Diese Aufgabe bedeutete zwar einiges an Arbeit aber damit konnte man nicht berühmt werden und wurde dafür auch nicht aus Deutschland geholt. Bill erklärte, dass die Firma in den letzten Jahren mehrmals die Hersteller von Computern und auch die Programme ihrer Messgeräte gewechselt hatte. Dazu kamen bei beiden Universitäten noch deren Eigenentwicklungen. Das private Institut hatte verschiedene Computeranlagen mit eigenen Programmen doch in der Produktion wurden übliche amerikanische Industrie Normen verwendet. Doch die meisten Dinge wie Messgeräte und Programme waren Einzelstücke und nicht austauschbar. So war man gezwungen fast alles aneinander anzupassen. Die Messgeräte der beiden Universitäten ließen sich anders als befürchtet relativ leicht miteinander vernetzen. Die Programme des Forschungsinstitutes jedoch führten gegen alles und jedes Krieg und es gab Serienabstürze. Während Bill mir noch die sehr komplizierte Rechtskonstruktion dieser Vernetzung erklärte, erreichten wir das Forschungsinstitut in dem Linda Herbert und Klaus, alle drei aus unserer Firma aus München noch arbeiteten obwohl es draußen schon dunkel wurde. Nach herzlicher Begrüßung legte ich auch noch mit Hand an und einige meiner Ideen, die ich am Flug hierher hatte erwiesen sich als hilfreich. Es sah aus als ob wir es schaffen könnten. Bill meinte wir sollten aufhören solange die Stimmung so positiv sei, denn dann könne man besser schlafen. Wir fanden die Idee gut und Bill fuhr uns mit dem Van in unser Hotel wo wir noch ein Abendessen zu uns nahmen. Bill erwies sich als Engel, den er schaffte es uns kalifornischen Weißwein zu besorgen gut gekühlt und ohne Eiswürfel.
Kapitel 5
Die Idee von Bill, aufzuhören als die Stimmung gut war, war einfach genial. Es wurde ein vergnüglicher Abend. Linda, Herbert und Klaus waren optimistisch es zu schaffen und Bill war ja immer positiv eingestellt. Bei einem wirklich hervorragenden Weißwein aus Kalifornien klang der Abend gemütlich aus. Natürlich weihten mich die drei aus unserer Firma in alle Probleme die sie hatten ein und sprachen auch über die noch zu Erledigenden. War es der kalifornische Wein oder meine Ankunft, jedenfalls die Stimmung war gut und alle Probleme schienen lösbar. Auch am nächsten Morgen beim Frühstück war die Welt noch in Ordnung doch dürfte ich einen Fehler begangen haben der meinem Chef nicht passieren konnte. Scheinbar erwarteten die Drei aus unserer Firma, dass ich die Leitung des Teams an mich reißen würde und sie begannen ihre Aufgabengebiete abzugrenzen. Ich jedoch glaubte, dass dies zu meiner Orientierung geschah, doch es war der Beginn eines internen Krieges. Sicher war ich von allen dreien diejenige die am längsten in unserer Firma arbeitete, jedoch waren sie bis auf Linda alle älter und hatten schon von Anfang an in dem Projekt gearbeitet. Ich sah mich nur als weitere Arbeitskraft im Team, da die Zeit ein entscheidender Faktor zu werden schien. Durch meine Anfangserfolge, die ich gar nicht so hoch bewertete, oder auch durch die positive Stimmung des Abendessens wurden mir die Probleme des Teams gar nicht so bewusst. Das Problem dieser Gruppe lag nicht eigentlich im fachlichen Bereich sondern war stark im mentalen Sektor angesiedelt. Wenn ich wie mein Chef die Leitung übernommen hätte, wäre ich mit Protesten über die Arbeiteinteilung zugedeckt worden, hätte auch selbst nichts Produktives leisten können, doch die Arbeit im Team wäre vermutlich weitergekommen. Das Problem konnte auch der stets hilfreiche und optimistische Bill nicht ganz lösen. Keiner wusste so recht wer für die Leitung des Teams zuständig war. Wie sich noch herausstellen sollte hatte auch keiner der drei Mitarbeiter unserer Firma einen genauen Überblick was hier produziert wurde. Im Prinzip waren schon mehr als die Hälfte der anzuschließenden Computer und einige computergesteuerten Messgeräte miteinander verbunden, doch darf nicht übersehen werden, dass jede weitere Datenquelle auch die Zahl der Komponenten erhöht, die einen Fehler verursachen können. Im Prinzip ist es üblich, dass jede Firma ihre Betriebsgeheimnisse behalten will und die exakten Zahlen oder Daten braucht keiner in der EDV wissen aber um das Prinzip sollte man schon Bescheid wissen. Hier kannten wir unzählige ganz unnötige Details, aber wozu das Ganze gut war und was es bewirken sollte wussten wir nicht. Durch die Abgrenzungen, deren Anfänge ich gar nicht begriff, begannen Linda, Herbert und Klaus nur mehr in Einzelaufgaben tätig zu werden und ich kämpfte mit Bill mit den Messgeräten. Sehr bald hatte ich Bill entlockt, dass auch eine Anzahl von Analog – Rechnern in dem System der Produktion und dem Forschungsinstitut im Einsatz waren. Ich mag diese Dinger nicht besonders, da sie meistens wie ein Schuhkarton aussahen und nicht mit Keyboard oder Maus beeinflusst werden können. Sie werden über Drehpotentiometer, wie sie Radios älterer Bauart haben oder im schlimmsten der Fälle nur durch einen Techniker der mit dem Lötkolben verschiedene Einzelteile auswechselt, bedient. Wie gesagt mehrere wenn nicht sogar viele von diesen Dingern waren hier in Verwendung. Sehr bald hatte ich Bill entlockt, dass es zwischen dem Forschungsinstitut und der Produktion in den benötigten Daten eigentlich keinen Unterschied gab. Nur die Forschung ist nicht gewinnbringend und kann in USA gefördert werden, als Förderer schien mir hier in diesem Falle das Militär der Hauptsponsor zu sein. Produktion ist die Vorstufe von Verkauf und eindeutig mit Wirtschaft, Gewinn und Steuern verbunden. Dies waren die Gründe, dass es ein Forschungsinstitut und eine Produktion gab. Ziel von dem Ganzen war irgendetwas herzustellen und zu vertreiben. Was dieses Etwas war, war mir zu diesem Zeitpunkt ganz unklar. Irgendwie hatte es mit biologischen, biochemischen oder gentechnischen Sachen zu tun, darauf deuteten die verschiedenen Messungen hin. Jetzt wurde mir auch klar, dass das Forschungsinstitut und die Produktion als eine komplizierte Industrieeinheit anzusehen waren und die Art der Bezahlung war mir nicht mehr so fremd wie zu Beginn. Niedrige Aufwandsentschädigungen und Erfolgsprämien sind im EDV Bereich nicht ungewöhnlich. Die Höhe dieser Erfolgsprämie war es jedoch sicherlich. Ungewöhnlicher war dass der Erfolg streng an eine Zeit gebunden war sodass unsere Firma entweder vor diesem Termin den Auftrag erfolgreich beendete oder zu diesem Zeitpunkt, wobei im zweiten Falle wir zu mindestens die Aufwandsentschädigung erhielten. Nach Ablauf der Frist würden wir jedoch gar nichts erhalten und dies war schon ein etwas unüblicher Vertragspunkt. Ich dachte mir schon, dass zumindest einer der Auftraggeber die Zeit so angesetzt hatte um uns scheitern und das Werk von einem US Team vollenden zu lassen. Dieses erntet dann für kurze Arbeit den Ruhm, bekam jedoch vielleicht nur wenig Geld. Wir machten die Arbeit und hatten zum Schluss noch üble Nachrede und kaum die Ausgaben ersetzt. Ich glaubte die Falle zu riechen und dies hat auch meine Leistung beeinträchtigt. Die nächsten vierzehn Tage arbeiteten wir wie Sklaven stumpfsinnig vor uns hin und schlossen auch verschiedene Messgeräte und Computer an das von uns geschaffene Netzwerk an. Jedoch zeichnete sich kein Erfolg zu dem geforderten Datum ab. Sowohl Klaus als auch Herbert bemühten sich um Lindas Gunst und sie bemühte sich möglichst unnahbar zu erscheinen, was sie jedoch nicht abhielt Beide gegeneinander auszuspielen. Mich betrachtete Linda mit Argusaugen obwohl ich ihr die Beiden sicherlich nicht entwenden wollte. So war also die Situation des Team vierzehn Tage nach meiner Ankunft Diese vierzehn Tage waren erfüllt mit hektischer Aktivität die jedoch selten mit Erfolg gekrönt war. Wir luden einen Treiber und probierten den Computer und brauchten dann zwei Stunden um nach dem Systemabsturzes das Computersystem wieder hochzufahren nur um es innerhalb von zehn Minuten mit dem nächsten Versuch wieder abstürzen zu lassen. Die Stimmung im Team war gelinde gesagt miserabel. Auch Bill schien seine Heiterkeit allmählich einzubüßen. Dies war der Moment, in dem ich meinen Chef zum ersten Mal anrief. Vorher hat er angerufen aber meistens drängte sich Linda ans Telefon oder er verlangte mit Herbert zu sprechen. Ich wählte unser Büro an und die Verbindung war genauso gut wie ein Ortsgespräch. Ich berichtete über die Stimmung im Team und die Erfolgsaussichten. Letztere beeindruckten meinen Chef und ich merkte wie er seine Ruhe suchte. Ich sprach ihn auf meine Vermutung einer Falle an. Seine Antwort erstaunte mich etwas, aber sie erweiterte mein Wissen. Das Forschungsinstitut muss zu einem bestimmten Datum seine Produktion einsatzbereit melden sonst bekommen sie vom Kongress kein Geld. Ein Teil des Geldes ist aber schon in das Projekt eingeflossen und auch mein Ticket wurde von dem Geld bezahlt, das der Kongress erst bewilligen musste. Wenn alles läuft wird das Projekt zu einhundert Prozent bewilligt, denn sie brauchen diese Produktion extrem dringend. Nur deshalb haben sie uns in das Projekt hinein genommen, denn einigen politisch Verantwortlichen stand das Wasser bis zu den Ohren und nicht nur bis zum Hals. Ich setzte mich mit Bill zusammen und bat ihn mir den Produktionsablauf genau zu schildern soweit er Bescheid wusste. Was genau gemacht wurde wusste Bill nicht aber es handelte sich um Zellkulturen, die sehr empfindlich waren und ein Serum produzierten. Wofür oder wogegen wusste er nicht aber das war für unsere Arbeit auch nicht interessant. Wichtig für uns war, dass drei verschiedene Zellkulturen hintereinander geschaltet waren und dass die Lösungen, die von einer zur anderen Zellkultur gepumpt wurden, immer eine bestimmte Konzentration haben mussten da sonst entweder die Zellen abstarben oder kein Serum produzierten. Ein Großteil der Messgeräte diente dazu um diese Lösungen, die in die Zellkulturen gepumpt wurden, zu überwachen und für die Zellen in den Kulturen optimale Bedingungen zu erzeugen. Die Zuschaltung der beiden Universitäten diente nicht nur dazu um die Steuerkapazität zu erhöhen, sondern einige Analysen und Qualitätskontrollen konnten nur dort gemacht werden. Das war alles nicht lustig, denn das Herz der Anlage, die Steuerung der Zellkulturen war von uns noch gar nicht in Angriff genommen worden und wir hatten noch vierzehn Tage Zeit. Ich fragte Bill ob er jemanden kenne, den man ins Team nehmen konnte um damit vielleicht die Arbeit zu beschleunigen. Bill bejahte dies und meinte er müsse anrufen. Nach einer halben Stunde und vielen Telefonaten kam Bill und meinte er hätte die ideale Person doch müsse ich versuchen sie zur Mitarbeit zu bewegen. Sie sei gerade in Cambridge in einem Klub gar nicht weit von uns. Wir machten uns auf den Weg entlang dem Fuß durch eine sehr schöne Parklandschaft. Während wir der sinkenden Sonne nachgingen erzählte mir Bill über Ildico, dass sie vor etwa zehn Jahren schon Programme für Bills Firma gemacht hatte und diese Programme in den Messgeräten bis heute perfekt funktionierten und es nichts Besseres gab. Ildico war schon vor zehn Jahren eine Spitzenkraft und Bill beteuerte dass sie heute noch viel besser sei. Das Problem war Ildico hatte schon genug verdient und machte nur das wofür sie Lust hatte. Ildico war auch über drei Jahre einfach verschwunden gewesen, von einem Tag zum anderen einfach weg, angeblich in Europa und war erst seit kurzem wieder hier. Bill empfahl mir mit ihr deutsch zu sprechen, da sie in Wien geboren sei und erst später in die USA gezogen war. Er meinte der Zusammenhalt der Europäer könnte vielleicht den Ausschlag geben. Wir bogen vom Fluss ab, in Richtung Norden, durch eine Ansammlung winziger Gärtchen und vielen bunt gestrichenen Holzhäuschen. Bill erklärte, dass die Häuser deren Farbe schon stark verblichen war meist Universitätsangestellten gehörten. Die Leute zogen als Studenten ein und nur beim Einzug wurde das Haus gestrichen und je länger sie dort wohnten desto bleicher und verwaschener wurde die Farbe. Nach dem Aussehen einiger Häuser mussten dort wohl alte Universitätsprofessoren hausen. Nach einigen hundert Metern den Hügel hinauf betraten wir ein Kellerlokal, das aber nur von der Straßenseite über eine Kellerstiege zu betreten war und auf der gegenüberliegenden Seite Fenster mit grandiosem Blick zum Fluss hatte. Das Haus war halb in den Hang gebaut. Das Lokal war sehr gemütlich und zu der Zeit nicht allzu stark besucht. Bill winkte einem brünetten Mädchen an der Bar zu und marschierte zielgerichtet auf dieses zu. Als ich näher kam fand ich dass dieses Mädchen sehr jung aussah und ich schätzte sie auf höchstens achtzehn Jahre. Figur und Gesicht waren tadellos und das Mädchen war sehr hübsch und unverschämt jung. Bill stellte sie mir als ILDICO vor.
Kapitel 6
Bill führte uns zu einem freien Tisch in einer Ecke in der Nähe des Fensters und ich ging als Letzte und meine Gedanken kreisten um Ildico. Ihre Bewegungen waren nicht die eines Schulmädchens die oft an die eckigen Bewegungen junger Fohlen erinnern, nein das war Vollblut. Wenn sie schon vor zehn Jahren mit Bill gearbeitet hat, dann musste sie älter sein als sie aussah oder sie war ein Wunderkind das schon im Volkschulalter Programme schrieb. Am Tisch angekommen beschrieb Bill in etwa unser Projekt und Ildico sah uns eine Weile sinnend mit ihren flaschengrünen Augen an und bat mich ihr etwas über unsere Firma zu erzählen. Der Kellner brachte uns eine Flasche kalifornischen Weißweins und die unvermeidliche Schale mit Eiswürfeln. Nach dem Anstoßen meinte Bill er würde die Eiswürfel wegbringen und wir könnten inzwischen ein wenig deutsch sprechen. Ildico sprach deutsch mit Wiener Akzent und erwähnte, dass sie bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr in Wien gelebt hätte. Ich beschrieb ihr kurz die Firma in München, was wir so machten und kam dabei auch auf mich zu sprechen. Nicht ganz unabsichtlich, denn ich erwartete, dass auch Ildico einiges über sich erzählen würde. Vor allem ihr Alter bewegte mich. Wenn sie bis achtzehn in Wien war und vor zehn Jahren schon mit Bill gearbeitet hatte musste sie an die dreißig Jahre alt sein aber sah eher wie sechzehn aus. Nicht aus Höflichkeit sondern aus echtem Interesse nahm Ildico Anteil an meinem Leben und ehe ich mich versah hatte ich schon mit einer großen Lebensbeichte begonnen. Bill hatte unterdessen einige Leute getroffen mit denen an der Bar ein Bier trank. Als ich bei Gustav angelangte, war die Flasche Wein schon leer und Bill kam mit einer neuen. Mit Bill begann Ildico jetzt wieder auf Englisch über das Projekt zu sprechen und sie wusste weit mehr über die Messgeräte als jeder andere unserer Gruppe außer Bill selbst. Sie hatte ja schließlich mit Bill früher gearbeitet und die Firma dürfte sich schon lange mit diesen Spezialmessungen beschäftigt haben. Nun erst erfuhr ich, dass eine kontinuierliche Messung des Giftes gegen welches das Serum wirken sollte nicht möglich war. Dazu wurden Proben zu beiden Universitäten gebracht wo die Analysen erfolgten. Der Konzentrationsverlauf wurde mit einer Hochrechnung vorausberechnet und immer wieder durch neue Proben angepasst. In der Produktion wurde als grobe Messung durch einen Laserstrahl einer bestimmten Wellenlänge die Flüssigkeit zum Blitzen gebracht und die Zeitabfolge der Blitze war die Taktfrequenz eines Analogrechners der die Stärke dieser Blitze auswertete um die Zufuhr einiger Substanzen zu steuern. Ein ähnliches Messgerät ebenfalls analog doch mit sich anders verändernder Taktfrequenz versorgte die zweite Zellkultur mit den Stoffwechselprodukten der Ersten. Meine Frage ob es denn möglich sei mit festen Steuerfrequenzen zu arbeiten verneinte Bill. Ildico brachte aus Bill heraus, dass die Zellkulturen sich auch vermehrten und mit zunehmender Zellenzahl stieg die Geschwindigkeit der Produktion der Zellkultur, nur war diese Vermehrung nicht linear und auch keiner genauen mathematischen Funktion zuzuordnen. Aus dem Medium über der zweiten Kultur wurde eine Substanz herausgefiltert und dann mit neuen Nährlösungen in die dritte Kultur gepumpt. Stoffwechselprodukte der dritten Zellkultur wurden aus der Nährlösung gewonnen und ermöglichten, dass die Zellen in der ersten Kultur das Gift überlebten. Die Zellen der dritten wurden geerntet um aus ihnen das Antiserum gegen das Gift zu gewinnen. Ildico meinte das wir die veränderliche Steuerfrequenz nicht über Pufferspeicher anderen Computern als Datenstrom zugänglich machen könnten, das würde nie funktionieren. Sie hatte jedoch eine Idee wir sollten die digitalen Daten mit unterschiedlichen Frequenzen analog verarbeiten und dann erneut digitalisieren um so einen leicht zu verarbeiten Datenstrom zu erlangen. Diesen sollten wir leicht auf die verschiedenen Recheneinheiten des Netzwerkes zur Bearbeitung und Erstellung der Kontrolldaten für die Zellkulturen aufteilen können. Rechenkapazität und Leitungspotential hätten wir mehr als genug und so könnte es eigentlich keine Probleme geben. Nun war Bill an der Reihe der betonte dies könnte nicht funktionieren, denn einen neuen Analogrechner bekäme er in der verbleibenden Zeit nicht mehr. Ildico meinte er könne ja die Daten verkehrt herum in ein bestehendes Messgerät mit Hybrid-Computer speisen und sie in der Zeit zwischen den Messungen bearbeiten lassen. Dieses Gerät arbeite analog und digital und er bräuchte nur die Richtung des Datenstromes über einen Wechselschalter laufend zu ändern. Irgendwie machte es in meinem Hirn peng und ich verstand einen Moment gar nichts mehr. Dann aber verstand ich, dass ein guter Teil der Arbeit den wir schon erledigt hatten zu verwerfen war. Wir mussten das Pferd nun vor der anderen Seite einspannen und vieles neu machen also konnten wir genauso gut gleich aufgeben. Mittlerweile diskutierten die Beiden über das Messgerät und Bill schien das Ganze gut zu gefallen. Begeistert schilderte er mir nun wie er das durchziehen wolle und das eigentlich morgen schon das ganze Steuer- und Messpaket für die Zellkulturen geschnürt sein werde. Übermorgen sollte das Ganze mit verschiedenen Testlösungen geprüft werden und es sollte alles kein Problem mehr sein. Ildico könne schon eine Rechnung an unsere Firma schreiben. Nun hatte ich aber einiges einzuwenden, denn wir müssten alle Treiberprogramme umschreiben und für einige Vernetzungen die noch nicht erstellt worden sind gab es auch nichts umzuschreiben sonder das musste noch erarbeitet werden und ob die Zeit reichen würde war mehr als unsicher. Ildico lächelte mich an, hob ihr Glas und prostete mir zu. „Ich kann dir helfen, denn Morgen komme ich zu mir nach Hause und ich bringe dir eine Diskette mit einem Programm das die Treiber sucht und umbenennt. Bitte bringe eine Treiber und die Geräteliste mit. Treffen wir uns Übermorgen um achtzehn Uhr wieder hier und ich bringe dir alles.“ Bill gab mir ein Streichholzheftchen des Lokals auf dem neben dem Drachen Sandy auch die Telefonnummer stand. Dann sagte er, er könne vermutlich nicht mitkommen denn die Testserie sei um diese Zeit sicher noch nicht abgeschlossen doch ich könnte hier anrufen falls ich mich verlaufen sollte. Ildico verabschiedete sich von Bill und mir, darauf marschierten wir im Mondlicht am Fluss entlang zum Hotel. Im Hotel trafen wir Herbert an der Bar und er berichtete Linda hätte ein Beschwerdefax an die Firma geschickt, dass ich einen Lokalbummel mit Bill mache und deshalb die Arbeit vermutlich nicht fertig werden würde. Wir diskutierten was zu machen sei und Bill bestand darauf gar nichts zu tun denn solche Intrigen würden sich von selbst erledigen.
Kapitel 7
Am nächsten Morgen beim Frühstück war im Hotel nur Herbert anwesend, der mir berichtete Bill sei schon in der Stadt unterwegs um elektronische Bauteile zu besorgen. Er werde essen wenn er zurückkomme. Klaus und Linda hatten sich schon ans Werk begeben, doch Herbert meinte die Beiden kämen nicht weiter und wollten nur sicher nicht schuld sein wenn das Projekt nicht zeitgerecht abgeschlossen würde. Ich fragte Herbert nach seiner Meinung und wir diskutierten ein wenig, dann bekannte Herbert seine Meinung. „Julia wir könnten mit viel Zeit der Schlange jeden Zahn einzeln ziehen und jeden Anschluss von Instrument und Computer usw. den störrischen Programmen abzwingen, doch schon jetzt verbringen wir die meiste Zeit damit unser Teilnetzwerk nach jedem Absturz wieder hochzufahren. Wir müssten testen können ohne dass dies zum Absturz führt oder von der anderen Seite anfangen um mit weniger Einheiten auch die Fehlerzahlen geringer zu halten. Doch dann die beiden Teile zu einem Netzwerk zu verheiraten davor graust mir, aber ich hoffe immer auf ein Wunder.“ Ich eröffnete Herbert wozu Bill in der City unterwegs war und dass wir die Messgeräte in Angriff nehmen wollten. Ich bat ihn die von Ildico gewünschte Liste der Computer, Programm und Treiber-Namen für mich auszudrucken und er versprach beim heutigen Systemcheck auch die graphische Darstellung der Vernetzungen mit einem Funktionsdiagramm auszudrucken. Als Herbert mit seinem Frühstück fertig war kam Bill mit einem Blechkästchen und einer großen Papiertüte herein gestürmt und erzählte dass er alles Benötigte bekommen hätte. Sogar zum Schluss hätte er auch einen Highfreqency-Dataswitch fertig gefunden der sich für unsere Zwecke ganz sicher eignen würde. Er schüttete einen Becher Kaffee in sich hinein, darauf stürmten wir in die Produktionseinheit und begannen die Verschaltungen und Vernetzungen der Messgeräte mit den Steuerrechnern zu ändern. Dieses unscheinbare Blechkästchen mit dem Hochfrequenz Umschalter erwies sich als Geschenk des Himmels und Bill konnte die Vorschläge von Ildico ausführen. Bill drückte öfters seine Liebe für Analogrechner aus, da diese mit den heiklen Begriffen Null und Unendlich keine Probleme hätten, sich also nie aufhängten. Bis zum Mittagessen hatten wir wirklich die ganzen Leitungsumbauten bei den drei Zellkulturen hergestellt. Dabei wurde jedes Messgerät und jeder Computer für sich selbst getestet. Erfreut nahm ich den Vorschlag von Bill an, jetzt zu Essen und wir spazierten den Fluss entlang zum Hotel. Dort war Herbert eingelangt. Er gab mir ein Bündel Ausdrucke und ein riesiges Diagramm mit allen Vernetzungen die schon fertiggestellt waren, auch die Punkte die erledigt werden mussten waren in dem Diagramm enthalten. Linda und Klaus erschienen nicht zum Essen und Herbert berichtete dass die Beiden erbittert stritten und jetzt Jeder für sich allein arbeitete. Bill erläuterte unser Vorhaben die Zusammenschaltung des ganzen Steuer- und Mess- Systems der drei Zellkulturen mit allen Pumpen sowie Leitungen und wie das Ganze dann über alle Computer des Netzwerks steuerbar sein werde. Herbert war auch sehr optimistisch, er wollte die Absicherungen gegen Systemabstürze verändern und verbessern. Er wollte einige Computer für ein Experiment so zusammenschalten, dass sie die Verbindungen trennten wenn ein oder mehrere Computer abstürzten, damit es so nur zu Teilabstürzen kam. Das Hochfahren eines Teiles des Computerverbundes hatten wir schon programmtechnisch automatisiert, sodass dieses kaum mehr Arbeit aber dennoch Zeitverlust bedeutete. Ein hochfahren Müssen von sehr kleinen Teilen des Rechenverbundes sparte sicher viel Zeit. Der nun folgende Nachmittag war spannend und gab uns das Gefühl der Stärke. Es war einfach ein unsagbares Gefühl des sich abzeichnenden Erfolges der so bitter nötig war. Bill startete das erste Messgerät und ich steuerte es mit dem entsprechenden Kontrollrechner an. Dieser arbeitete analog und steuerte die Einheit über zwei Computer an und schickte die Daten über den Hochfrequenz-Umschalter über die Analogstrecke von einem Computer zum Anderen. Nachdem wir das Datenpaket gut ein Duzend mal hin und hergeschickt hatten schalteten wir nach und nach die verschieden Steuerpumpen und Messfühler, Zählkammern und vieles mehr dazu und bald stand die erste Zellkultureinheit. Nummer zwei und Nummer drei wurden auch so behandelt und dann wurde es noch einmal spannend. Vor dem Zusammenschalten der drei Kultureinheiten ließen wir uns noch von einem Pizzaservice etwas für den Bauch und viel Cola bringen. Frisch gestärkt wagten wir das große Experiment. Wir hatten einen genügend großen Computer der noch nicht vernetzt war zur Aufnahme der Datenmengen bereitgestellt und Bill drückte auf meine Bitte auf die Enter Taste und wir starteten. Natürlich gab es einige Meldungen über Adressenprobleme, aber das System der Messgeräte stand und in den nächsten Stunden besserte ich alle möglichen Missverständnisse in den Adressen der verschiedenen Geräte aus. Als alles beendet war kam der zweite große Moment. Diesmal drückte ich Eingabe und auch die dritte Einheit liebte die beiden anderen. Bill rief Herbert an um ihn vom positiven Fortschritt unserer Arbeit zu berichten. Natürlich musste ich noch einige kleine Adressprobleme beheben und dann kamen von jedem Messgerät bei Abruf Daten auf den Schirm. Diesmal wollte Bill nicht aufhören wenn die Stimmung gut war sondern wir steuerten über den Computer auch alle Pumpen, Heizstäbe, Rührwerke, also kurz und gut Alles, was vom Computer bewegt werden konnte, an und es reagierte. Nur ganz wenige Adressen waren zu korrigieren und zwei Stunden nach Mitternacht konnten wir uns ins Hotel zurückziehen. Vom vielen Cola und Kaffee und dem Gefühl des Erfolges waren wir so aufgeputscht dass wir glaubten noch nicht schlafen zu können, so begaben wir uns in die Hotelbar. Dort trafen wir Herbert über einigen Skizzen bei einem Glas Bier brütend. Er freute sich über unseren Erfolg und teilte uns seine Fortschritte bei der weiteren Absturzsicherung des Systems mit.
Kapitel 8
Am nächsten Morgen stand ich erst auf als die Sonne schon hoch am Himmel war und mich weckte. Herbert war noch nicht anwesend als ich zum Frühstück ging, so rief ich ihm im Zimmer an und eine Viertelstunde später genossen wir das ausgiebige amerikanische Frühstück sehr. Nachdem wir etwas für unser leibliches Wohl getan hatten, taten wir auch etwas für die Seele sprich unser Pflichtbewusstsein und gingen zu Bill in die Produktion. Natürlich war es auch Neugierde um zu sehen ob auch die echten Messwerte der Standards, die Bill in die Analysenautomaten füllte, die richtigen Daten lieferten. Zu unser aller Freude war dies der Fall. Ich war tief beeindruckt von dem Erfolg den die Anregung von Ildico bewirkt hatte. Bill hatte sicher Recht wenn er sie als die Beste auf ihrem Gebiet bezeichnete. Ich sollte sie ja heute noch sehen und nahm mir vor neben der Sache mit den Treibernamen auch mehr über ihr Alter zu erfahren, denn Bill bestätigte mir, dass das Programm des einen Messgerätes, das von ihr stammte, schon fast zehn Jahre perfekt funktionierte. Überhaupt imponierte mir Ildico in vieler Hinsicht. Ihr unverschämt junges Aussehen mit einem makellosen Teint sowie bester Figur waren nur eine Seite, denn auch ihre geschmeidigen Bewegungen und ihre Haltung die einen starken Kontrast zu ihrer Jugendlichkeit bildeten erregten meine Bewunderung. Übrigens waren da noch ihre Augen in einem abgrundtiefen Flaschengrün wie ich es vorher noch nie gesehen zu haben glaubte. Ihr wissender einfühlsamer Blick der mich seltsam berührt hatte ließ mich irgendwie nicht los. Ich riss meine Gedanken von ihr los. Ich konzentrierte mich auf die Arbeit. Bill, Herbert und ich waren schon am frühen Nachmittag mit allem für den Tag Geplanten fertig und konnten sagen geschafft, perfekt. Nach einem verspäteten Mittagessen gingen wir zum Fluss, plauderten und schauten einigen Anglern zu. Kurz nach fünf Uhr Nachmittag reichte mir Herbert die Tasche mit den Ausdrucken, sowie dem sauber gefaltetem Diagramm und wir wanderten flussaufwärts bis zu dem Gässchen das zu dem Lokal in Cambridge führte. Meine beiden Begleiter beschlossen ins Hotel zurückzugehen um dort ein Bier zu trinken und das Sündenkonto in Lindas Augen zu vergrößern wie sie sagten. Ich schlenderte langsam den Hügel empor und war kurz vor achtzehn Uhr vor dem Lokal. Als ich eintrat sah ich Ildico wieder an dem Tisch in der Ecke beim Fenster sitzen an dem wir auch das letzte Mal saßen und dies erschien mir als gutes Omen denn die Erfolge unserer letzten Begegnung waren groß. Ich eilte zu Ildico, gab ihr die Hand und spürte einen eigenartigen aber sehr angenehmen und anziehenden Duft ihres Parfums. Sie trug Turnschuhe, Jeans und einen locker sitzenden Pullover. Ihr schulterlanges Haar war offen. An ihrem rechten Mittelfinger trug sie einen Ring der meine Aufmerksamkeit erweckte obwohl er ganz schlicht war. Der Ring war aus mehreren Metallreifen zusammengesetzt. In der Mitte war ein leicht konkav wirkender Reif aus bläulichem Metall, daneben an beiden Seiten je ein Reif aus Rotgold und abschließend an jeder Seite ein Reif aus hellem Metall, vermutlich Silber und an den Seitenflächen des Ringes sah man Gelbgold, das die Innenseite des Ringes bildete. Dieses Schmuckstück war überhaupt nicht plump es war auch kaum breiter als ein breiter Ehering. Irgendetwas an diesem Ring sprach mich an und zog mich magisch an. Auch der Duft den Ildico trug verwirrte mich und ließ mich nicht los. Ildico schien diese Faszination gefallen, denn sie blicke mir tief in die Augen und lächelte mich an. In meinem Hirn machte es klick sowohl meine Konzentration als auch Fassung waren weg. Ildico schien dies nicht zu bemerken und nachdem der Barmann uns den Kaffee gebracht hatte bat mich Ildico um die Tabellen und das Diagramm das Herbert vorbereitet hatte. Während sie die Listen studierte schwand meine Konzentration und meine Gedanken schweiften vom Thema völlig ab. Irgendetwas an dem Duft sprach mich seltsam auf sexueller Ebene an, aber das war natürlich lächerlich, denn Ildico war eine Frau. Bisher hatte ich mit Frauen überhaupt nichts im Sinn gehabt. Ich dachte an irgendein neues Parfum mit Pheromonen oder Ähnlichem, da gab es ja schon Werbespots die in die Richtung zielten doch waren diese mir bisher immer als verrückt erschienen. Trug Ildico ein Männerparfum? Ich wusste es nicht denn so etwas hatte ich noch nicht erlebt außerdem hatte ich bisher die Wirkung von Parfums in diese Richtung als Werbegag betrachtet. Alles in mir drängte Ildico entgegen und ich fühlte mich wie ein junges Mädchen bei seinem ersten Date. Ildico rief mich in die Realität zurück und begann mir zu erklären wie ich ihrer Meinung vorgehen sollte. Sie gab mir eine Diskette mit einem Programm das die Verschaltungen angeblich von selbst erledigen sollte. Dies war so phantastisch, dass ich meine Konzentration wiederfand und ich ihren Ausführungen aufmerksam folgen konnte. Das Prinzip klang sehr einfach und sie argumentierte, das jedes Programm genug Dateien und Treiber hatte die über irgendeinen Programmteil fast immer mit irgendeinem Programm einer anderen Maschine in Dialog treten konnte. Man musste den Maschinen dies erlauben und dafür gab es ein kleines Suchprogramm das die Computer anregte sich selbst zu suchen was passend war. Wichtiger war der zweite Programmteil, der verhinderte dass es bei Fehlversuchen zu Abstürzen kam. Herrgott so etwas hat Herbert die ganze Zeit versucht zu bauen. Eine Sicherung gegen Systemabstürze. Wenn das funktionierte das wäre eine Sensation. Ildico erklärte mir, dass die Maschine (sie sagte immer nur Maschine und nicht Computer) Fehler der Verschaltungen nach wenigen Fehlversuchen übersprang und nur funktionierende Verbindungen speicherte. Dies war aber nicht bei der ersten passenden Verschaltung beendet sondern das ganze Innenleben des Computers wurde abgetastet und die Ergebnisse dann nach ihrer Leistungsfähigkeit gereiht gespeichert. Dieses Programm konnte an mehreren Stellen in ein System eingespeist werden und es bildeten sich zuerst Computerpaare, die dann weitere Computerpaare heirateten. Ein weiteres Programm auf der Diskette war eine Optimierung des Datentransportsystems der Vernetzung. Es machte aus einem Datenpfad eine Datenstraße und bei weiteren Bedarf eine Datenautobahn. Die Systeme merkten sich die einzelnen Verschaltungsmöglichkeiten, nutzten sie und verbesserten sie automatisch, Ildico zeigte mit die Punkte und Reihenfolge an denen ich die Verschaltung über diese Wunderdiskette aus starten sollte. Einfach die Diskette in das Laufwerk und als Eingabecode sollte ich „juliadiildico“ tippen darauf die Diskette entnehmen und beim nächsten Punkt am Schaltdiagramm wieder dasselbe tun. Ildico meinte es würde auch von einem einzigen Punkt aus funktionieren aber so ginge es schneller. Sie bat mich es selbst zu tun und die Anderen nicht zusehen zu lassen, den sie wolle keine Gerüchte über Wunderprogramme. Dann meinte sie wenn ich morgen nach dem Frühstück beginnen würde wäre spätestens mittags alles fertig und die Anderen könnten am Nachmittag alles testen. Noch vor dem Abend könnte der Erfolg gemeldet sowie die Rechnung gelegt werden. Übermorgen früh könnte die Überweisung erfolgt sein. Bei diesen Gelddingen erlahmte meine Konzentration und die Gedanken begannen sich wieder auf Ildico zu konzentrieren. Verdammt was war mit mir los, ich dachte und fühlte nur mehr unter der Gürtellinie. Die Angebetete räumte die Unterlagen zusammen, verstaute sie in ihrer Tasche, dann bestellte sie zwei Tequillas ohne Einwohner. Dabei erzählte Sie mir von der Sitte der Mexikaner eine Insektenlarve die sie als Wurm bezeichneten in das Getränk zu tun dazu meist auch noch Salz. Der Alkohol enthemmte meine Gedanken völlig und ich himmelte Ildico unverblümt an. Diese schien davon nichts zu bemerken und wir unterhielten uns gut doch ist mir von dieser Unterhaltung wenig in Erinnerung geblieben. Nur das wir beschlossen ich sollte mal ausspannen und den Amerikaurlaub, den mir die Firma angeboten hatte, sollte ich nützen um mich auch selbständig zu machen. Für das Erste sollte ich bei Ildico in ihrem Haus am Waldrand, wie sie es nannte wohnen. Ildico versprach mich übermorgen Mittag vom Hotel abzuholen und fuhr mich, eine glückliche und verwirrte Julia zum Hotel. Zum Abschied hauchte sie mir ein Küsschen auf die Wange und ich hätte sie am liebsten umarmt. Leise schlich ich von der Hinterseite in das Hotel und kam ungesehen in mein Zimmer. Ich wollte niemanden sehen, denn ich war so aufgewühlt und wollte nur allein sein wenn ich nicht mit Ildico zusammen sein konnte. Dieses Alleinsein führte zu einem Klingeln in meinem Hirn. Ich rief die Rezeption an und bat den anderen Mitgliedern des Teams mitzuteilen, dass sie den Vormittag nicht arbeiten sollten sondern sich erholen und entspannen dann um dreizehn Uhr pünktlich im Institut erscheinen, denn ein wichtiger Test sei angesetzt worden. Danach begab ich mich ins Bett und schlief sofort fest und traumlos.
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