Kitabı oku: «Liebe, wie geht's?»

Yazı tipi:

Sabine Bösel · Roland Bösel

Liebe,
wie geht’s?

52 Impulse für gelingende Beziehungen

gemeinsam mit Daniela Pucher


Inhalt

Sie haben das Potenzial für eine gelungene Beziehung!

Warum wir alle irgendwie komisch sind

1.Die Schlacht am heißen Buffet

2.Mit Rucksack durchs Leben

3.Romeo und Julia

4.Warum wir die Welt so sehen, wie wir sie sehen

5.Geerbte Sätze

6.Der Staffellauf

7.Ich bringe ein bisschen Schmutz mit

Wie konnte ich mich nur in die verlieben!

8.Der Zebraeffekt

9.Überlebensmuster sind kompliziert

10.Wenn der Partner unangenehm zupft

11.Ein Hungerkünstler kommt selten allein

12.Aufstiegshilfen

13.Mit Gummistiefeln und Schutzhelm

Wenn Sich-Ändern nur nicht so schwer wäre!

14.Raus aus der Komfortzone

15.Veränderungen sind besser als ihr Ruf

16.Den inneren Schweinehund austricksen

17.Vom Nutzen des Nervigen

18.Bewegung, Bewegung, Bewegung

19.Wer ist hier der Chef?

Wir müssen reden

20.Spieglein, Spieglein an der Wand

21.Let’s Talk About Monsters

22.Kein Theater im Theater

23.Sprache schafft Wirklichkeit

24.Immer sagst du nie etwas

25.Bitte dieses Kapitel vielleicht nicht lesen

26.Schreiben ist magisch, Schreiben ist grausam

27.Schubladendenken

Wenn’s im Bett nicht so gut läuft

28.Ein Brief an die Frauen

29.Ein Brief an die Männer

30.Sei nicht so zickig

31.Netzstrümpfe ohne Netz

32.Das hat mein Ex auch immer gesagt

33.Exklusivität als Einschränkung?

Streit, Konflikt und kleine Ärgernisse

34.Nichts wie weg. Beim nächsten Mann wird alles anders

35.Ich sag Ja, du sagst Nein

36.Der Kompromiss als Zeitbombe

37.Freunde der Beziehung

38.Geisterbahn fahren

39.Recht und Unrecht

40.Vergeben

41.Lass mich, ich bin nun einmal so

Den krisenfesten Paaren gehört die Zukunft!

42.Bodenständige Höhenflüge

43.Schau auf dich, dann schaust du auch auf die Beziehung

44.Der Meditationsraum in uns

45.Theorie und Praxis

46.Wasser und Brot oder Schlemmermenü?

47.Wertschätzung und Anerkennung

48.Ich gelobe

49.Mentalisieren – die Königsdisziplin der Liebe

50.Auf Schatzsuche

51.Träumen Sie

52.Couples for future

Sie haben das Potenzial für eine gelungene Beziehung!

Das Leben – und speziell das Leben in einer Beziehung – ist wie ein Labor, in dem es darum geht, dass zwei Menschen sich zu reifen Individuen entwickeln. Jeder rund um die 20 herum ist erwachsen, doch kaum jemand ist in diesem Alter bereits eine gereifte Persönlichkeit. Auf dem Weg dorthin haben wir noch viel zu lernen. Vieles von dem, was uns ausmacht, ist schon bei der Geburt angelegt und entwickelt sich in den ersten Monaten und Jahren. Manches davon verlieren wir wieder durch die Art, wie wir genährt und sozialisiert wurden.

Die Partnerin, der Partner ist oft ein guter Therapeut, um diese fehlenden, manchmal auch verleugneten Anteile ins Leben zurückzuholen. Dafür brauchen wir ein anderes Selbstverständnis von der Liebe, als wir es meist mitbekommen haben. Denn die Liebe ist eine Aktivität, kein Zustand. Da geht es schon darum, dass wir Probleme und Konflikte auch aufgreifen und als Chance sehen für den nächsten Entwicklungsschritt. Die Rahmenbedingungen, damit so etwas gelingen kann, sind Sicherheit und die Möglichkeit zur Potenzialentfaltung, wie der Neurobiologe Gerald Hüther sagt.

Mit diesen 52 Impulsen wollen wir Sie einladen, einen vielleicht ganz neuen, in jedem Fall geschärften Blick auf Ihre Beziehung zu werfen – oder, wenn Sie Single sind, auf sich selbst und Ihre persönliche Geschichte. Denn im Grunde haben Sie alles, was Sie brauchen, bereits in sich. Also gehen Sie es an und bleiben Sie dran, damit Sie Ihre Beziehung zu der tiefen Liebe entwickeln, von der Sie nicht einmal zu träumen wagen. Wir – Sabine und Roland – sind ein gutes Beispiel dafür, dass diese Aussicht nicht übertrieben ist. Wir haben in mehr als 40 Jahren sehr viele Höhen und Tiefen erlebt. Doch wir haben bis heute beide den Ehrgeiz, immer weiterzulernen, unsere Potenziale freizulegen und neugierig zu bleiben: auf uns selbst, auf Beziehungen, auf das Leben.

Die Beispiele, die Sie in diesem Buch finden, sind zum Teil aus unserem Leben gegriffen und manchmal überspitzt dargestellt. Wo auch immer Paare uns zu Beispielen inspiriert haben, haben wir die Geschichte so verändert, dass eine Wiedererkennung mit den realen Personen unmöglich ist. Sie werden sich vielleicht trotzdem darin wiederfinden, doch das zeigt nur, wie nahe die Geschichten von uns allen beisammen liegen.

Eines ist uns noch wichtig zu sagen: Wir beide sind heterosexuell orientiert und haben dieses Buch daher aus dieser Perspektive geschrieben. Wir möchten jedoch alle Menschen unabhängig von ihren sexuellen Neigungen ansprechen. Wir haben bereits viele gleichgeschlechtliche Paare begleitet und wissen, dass sich viele Themen ähnlich gestalten.

Wir laden Sie also ein, sich von unseren Impulsen inspirieren zu lassen. Trauen Sie sich, etwas Neues auszuprobieren und Ihr Leben dort neu auszurichten, wo Sie eine Sehnsucht nach Veränderung verspüren. Und denken Sie bitte daran, dieses Buch immer wieder auch zur Seite zu legen und den einen oder anderen Impuls gemeinsam zu besprechen und zu versuchen. Schauen Sie Ihrer Partnerin, Ihrem Partner in die Augen, gehen Sie in Verbindung und spüren Sie die Nähe.

Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen!

Sabine und Roland Bösel

Warum wir alle irgendwie komisch sind

Wir wundern uns oft über das seltsame Verhalten unseres Partners oder anderer Menschen – und dabei sind wir selbst genauso seltsam.

Was dahintersteckt und wie diese Weisheit uns hilft, uns selbst und anderen gegenüber verständnisvoller, gelassener, liebevoller und wertschätzender zu sein.


1. Die Schlacht am heißen Buffet

Mitmenschen – selbst unsere engsten Vertrauten – verhalten sich oft „komisch“. Was dahintersteckt und wie hilfreich es ist, sich das eigene Verhalten bewusstzumachen.

Er (kommt mit ihr verspätet zu einer Party): Ich sag dir, ich hab so riesigen Hunger! Hoffentlich haben sie ein gutes Buffet.

Sie: Ja, aber zuerst müssen wir schon ein paar Leute begrüßen.

Er sieht das Buffet und stürzt sich wortlos darauf, ohne auch nur einen Blick auf die vielen Freunde rundherum zu verschwenden.

Sie: Du bist so peinlich! Und dann schaufelst du dir auch noch den Teller so voll!

Gastgeber: Hey, ihr zwei! Na, dir schmeckt’s ja. Seid ihr schon länger da? Ich hab euch ja noch gar nicht gesehen.

Er: Ähm …

Wir Menschen sind allesamt ein seltsames Volk. Wir verhalten uns so, wie es uns vertraut ist – und ein anderer findet das eigenartig. Wir vergessen unsere Manieren und kapern das Buffet, weil der Magen knurrt, und wundern uns, dass der Gastgeber patzig reagiert. Oder wir nehmen bei Diskussionen gerne die Rolle des Kritikers ein, weil wir das sinnvoll finden, und müssen uns dann gefallen lassen, zurechtgewiesen zu werden.

Oder auch umgekehrt. Wir heben irritiert die Augenbraue, weil sich ein anderer vordrängelt, weil wir das ungehörig finden und selbst nie tun würden. Wir sitzen im feinsten Business-Outfit in einem Kunden-Meeting und sind sehr erstaunt, wenn die Kundin ungeniert ihre Brotjause auspackt und genüsslich zu mampfen beginnt.

Auf welcher Seite wir auch immer gerade stehen, in jedem Fall gibt diese Irritation des fremdartigen Verhaltens Anlass zur Verwunderung oder auch Verletzung, Frustration, zum Ärger oder Streit. Das liegt daran, dass jeder von uns instinktiv davon ausgeht, dass die eigene Welt die einzig existierende ist. Wir bewerten das Verhalten anderer vor dem Hintergrund unserer eigenen Sozialisierung. Was für uns „normal“ ist, nehmen wir als Maßstab.

Viele Konflikte würden gar nicht erst entstehen, wären wir in der Lage, über den Tellerrand zu blicken und die Welt unserer Mitmenschen ein bisschen besser kennenzulernen. Gleichzeitig kann auch das Konfliktpotenzial größer werden, je näher uns jemand steht, weil wir dann auch seine oder ihre Schattenseiten entdecken. Wenn der beste Ehemann von allen sich nicht benehmen kann und bei der Party nicht einmal die Gastgeber begrüßt, fragen wir uns unter Umständen, welchen Grobian wir da geheiratet haben. Wir schämen uns fremd, und später, auf dem Nachhauseweg, stellen wir ihn dann zur Rede, um ihm klarzumachen, dass man sich so nicht verhalten sollte und es uns peinlich war.

Als Paartherapeuten laden wir in solchen Situationen dazu ein, einen Blick hinter das Verhalten zu werfen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen hat der „Übeltäter“ nur so die Chance, sich sein inadäquates (oft unbewusstes) Verhalten bewusst zu machen und es so leichter verändern zu können. Zum anderen kann die „peinlich Berührte“ den Partner besser verstehen, Toleranz üben und helfen, dieses Verhalten zu verändern. Und nicht zuletzt entwickelt das Paar auf diese Weise auch das Miteinander weiter und vertieft die Beziehung. Dasselbe gilt natürlich auch für seltsames Verhalten von Geschwistern, Eltern, Kindern oder Freunden.

Nehmen wir das Beispiel vom Buffet. Ja, es ist unhöflich, verspätet auf einer Party zu erscheinen und dann nicht einmal den Gastgeber oder auch irgendjemand anderen zu begrüßen, sondern gleich das Buffet zu stürmen. Vielleicht denken Sie sich jetzt auch, dass das nun wirklich kein Drama sei, es käme schließlich öfter vor, dass sich Menschen am Buffet nicht benehmen können. Das stimmt, und gleichzeitig können wir genau deshalb ganz wunderbar zeigen, wie sehr wir alle von unserer Vergangenheit beeinflusst werden, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Dieser wortlos das Buffet stürmende Mann ist in den 50er Jahren geboren. Der Krieg war vorbei, der Aufbau führte zum Wirtschaftswunder und die Kühlschränke waren voll. Als Kind hörte er zwar davon, dass in Afrika die Kinder Hunger leiden, wenn er einmal nicht aufessen wollte, doch selbst kannte er den Hunger nicht. Es stellte sich heraus, dass sein Vater sehr wohl viel Hunger leiden musste. Er war im Krieg und in russischer Kriegsgefangenschaft, die er nur mit Glück überlebte. Als unser Mann also das Buffet stürmte, schlug sein emotionales Erbe durch: Plötzlich triggerte sein Hungergefühl diese „vererbte“ Angst vor dem Verhungern des Vaters, und er verhielt sich wie ein tatsächlich Verhungernder. Wer nichts zu essen hat, pfeift auf gute Manieren und schaut, dass er schnell etwas in den Magen bekommt!

Eigentlich hätte er dem Gastgeber als Entschuldigung sagen müssen: „Tut mir leid, mein Vater war in Kriegsgefangenschaft und hat sehr viel Hunger gelitten. Ich habe das quasi im Blut und das hat dafür gesorgt, dass ich unhöflich zu dir war.“ Wäre interessant gewesen zu erfahren, wie der Gastgeber darauf reagiert hätte. Vermutlich wäre er gleich noch irritierter gewesen.

Warum, so fragen Sie sich nun möglicherweise, muss ich wissen, welches Blut in meinen Adern fließt, woher es kommt und wohin es geht? Weil Bewusstheit der Schlüssel ist für ein gelungenes Leben! Wenn Sie bei einem „komischen“ Verhalten ertappt werden und sich der Hintergründe nicht bewusst sind, werden Sie immer mit fadenscheinigen Ausreden daherkommen. „Ach ja, ich habe dich seit einer Stunde schon überall gesucht!“, sagen Sie dann vielleicht dem Gastgeber. Oder: „Ja, witzig, oder, kaum war ich da, hat mir schon einer diesen vollen Teller in die Hand gedrückt.“ Wenn wir Pech haben, werden diese Notlügen auch noch schnell entlarvt und dann haben wir uns gleich doppelt danebenbenommen: unhöflich und auch noch unehrlich! Wenn Sie sich hingegen klarmachen, woher Ihr seltsames Verhalten herrührt, es also in Ihr Bewusstsein heben, können Sie es verändern. Nur was uns bewusst ist, können wir auch verändern!

In unserem emotionalen Erbe steckt viel Potenzial, und zwar im Positiven wie im Problematischen. Viele unserer Eltern und Großeltern, die den Krieg miterleben mussten, haben über ihre Erlebnisse nicht geredet. Das bedeutet, dass Ängste und Traumata, von denen es bestimmt genug gab, sich in ihren Seelen eingespeichert haben und unbewusst über die Generationen weitervererbt wurden. Der noch junge Forschungszweig der Epigenetik untersucht, unter welchen Bedingungen ein Gen aktiviert wird oder nicht. So hat man in manchen Studien herausgefunden, dass die Wirkung von Traumata bis in die dritte Generation nachgewiesen werden kann. Das ist der Grund, warum wir auch bei Kriegsenkeln und Kriegsurenkeln darüber nachdenken sollten, inwiefern es noch traumatische Spuren aus dem zweiten Weltkrieg gibt. Üblicherweise kommen diese vererbten Themen in einem ganz anderen Kleid daher, beispielsweise auch in Form psychosomatischer Reaktionen. Es lohnt sich wirklich, sie zu hinterfragen und zu verstehen, denn sonst bleiben sie weiterhin Teil des emotionalen Erbguts und belasten nicht nur uns selbst, sondern auch die nächste Generation.

Doch es sind nicht nur die Kriegserlebnisse unserer Vorfahren, die uns zu seltsamem Verhalten führen. Oft sind es auch Stimmungen im Elternhaus, unbewusste Aufträge, Loyalitäten zu Vater oder Mutter, die uns unbewusst leiten. In unserem Buch „Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?“1 haben wir uns ausführlich damit befasst, welches emotionale Erbe die Fäden in unseren aktuellen Beziehungen zieht. An dieser Stelle kommen unsere Partner ins Spiel, denn sie können besser als alle anderen ihren Finger auf dieses emotionale Erbe legen und uns herausfordern, damit uns unser Verhalten bewusst wird und wir es verändern können. Und es hilft uns auch, toleranter zu sein gegenüber all den „komischen“ Menschen auf dieser Welt!

1Orac, 2013

2. Mit Rucksack durchs Leben

Über die wichtige Erkenntnis, dass 90 Prozent unseres Tuns mit uns selbst zu tun haben und nur 10 Prozent mit unserem Gegenüber.

Ein paar Menschen warten vor der Supermarktkassa. Eine Frau kommt dazu, geht an der Warteschlange vorbei und bemerkt diese gar nicht. Nennen wir sie die „Verträumte“. Eine der wartenden Personen, die es oft eilig hat in ihrem Leben, begehrt auf. Nennen wir sie die „Getriebene“.

Getriebene (aufgebracht): Haben Sie keine Augen im Kopf? Wir warten hier auch. Hinten anstellen!

Verträumte (erschrocken): Oh, Entschuldigung, das habe ich übersehen.

G: Ja, das sagen sie alle. Tun so, als wären sie die Unschuld vom Lande und lavieren sich so durchs Leben.

V: Sie haben vollkommen Recht, ich stelle mich schon hinten an.

G (zu ihrem Vordermann): Ich packe das einfach nicht. Die Leute haben überhaupt kein Benehmen mehr!

Die Verträumte steht hinten und denkt: Oje, schon wieder einen Fehler gemacht. Dabei habe ich die Schlange wirklich nicht gesehen.

Am Anfang steht dieser so magische Moment: unsere Geburt, der Sprung ins Leben. Die meisten von uns sind zu diesem Zeitpunkt so richtig prall im Leben gelandet, und obwohl die Geburt auch für ein Baby Umstellungsstress bedeutet, pulsiert es dennoch vor lauter Lebenskraft und Energie. Das Leben wird dann bald herausfordernder, denn wir werden von außen beeinflusst, und zwar auf zweierlei Art: Wir werden von unseren Eltern (oder den entsprechenden Bezugspersonen) genährt und von ihnen sozialisiert. Unter Nähren verstehen wir, dass wir als Baby mit allen fünf Sinnen wahrgenommen und angesprochen werden. Ein Baby braucht Berührung, es braucht, dass jemand mit ihm spricht, dass es jemand anschaut, dass es Nahrung bekommt und vertraute Personen riechen kann. Das heißt, es geht darum, dass Mutter und Vater einen Input geben. Ein Baby, das gut genährt ist, bekommt die Grundbotschaft „Es ist gut, zu sein“ mit auf den Weg.

Sozialisation wiederum ist das, was man gemeinhin als „Erziehung“ bezeichnet. Während das Genährtsein für die ersten Lebensjahre wichtiger ist, hat die Sozialisation mehr Auswirkung in den Folgenjahren und in der Pubertät und Adoleszenz. Ein Kind, das ein weites Spektrum an Sozialisation erfährt, lernt, dass es gut ist, Verschiedenes auszuprobieren, und dass es gewisse Spielregeln für ein sinnvolles Miteinander gibt. Allerdings werden wir in der Sozialisation auch manipuliert und manchmal zu kleinen Robotern gemacht, die ganz nach der Pfeife der Bezugspersonen tanzen, anstatt aus der Fülle, die das Leben grundsätzlich für uns bereithält, zu schöpfen. Die Anweisung, immer schön brav still zu sitzen und nur ja nicht die Erwachsenen zu stören beispielsweise, schränkt kleine Kinder in ihrem natürlichen Bewegungsdrang ein und verhindert, dass sie neugierig die Welt erobern.

Wie wir genährt und sozialisiert wurden, formt unsere Persönlichkeit und eröffnet uns entweder ein weites oder enges Spektrum an Möglichkeiten. Und so sammeln wir Erfahrungen: Man bleibt bei der roten Ampel stehen, man wäscht sich die Hände vor dem Essen. Wenn man Wasser ins Feuer gießt, geht das Feuer aus. Regenwürmer kitzeln, wenn sie über die Handfläche krabbeln. Und genauso lernen wir: Eltern streiten und versöhnen sich nicht, also ist das Eheleben eine Last. Der Vater ignoriert mich, also muss ich mich sehr anstrengen, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Oder wir folgen bestimmten Sätzen, die wir immer wieder hören und an die wir unser Verhalten bis ins Erwachsenenleben anpassen. Ein Beispiel: „Klettere nicht auf den Baum, du wirst hinunterfallen.“ Als Kind lernen wir, dass wir unseren Impulsen nicht vertrauen können, weil die Mama weiß, dass da etwas passiert. Was ist die Folge? Wir klettern nie Bäume hoch, machen diese Erfahrung nicht – und am Ende sind wir wirklich sehr ungeschickt und fallen tatsächlich hinunter, wenn wir es dann doch einmal versuchen.2 Auf diese Weise füllt sich allmählich unser Rucksack mit den verschiedensten Erfahrungen, und den tragen wir immer mit uns herum. Dieses Repertoire haben wir stets zur Verfügung und wenden es je nach Situation an.

Kehren wir zu unserer Szene an der Supermarktkassa zurück. Stellen Sie sich zwei kleine Mädchen in zwei verschiedenen Familien vor. Beide sind Sandwich-Kinder, haben also ältere und jüngere Geschwister, beide fühlen sich nicht ausreichend wahrgenommen von ihren Eltern. Das eine Mädchen geht mit dieser Situation so um: Es schließt daraus, wie wichtig es ist, sich zu behaupten, um gesehen zu werden. Es erlebt vielleicht sogar, was es heißt, ausgeschlossen zu werden. Kinder kompensieren solche unangenehmen Erlebnisse unter anderem mit einem unbewussten Beschluss, der bei dem einen Mädchen lautet: „Ich werde es allen zeigen und ich werde für mein Recht kämpfen!“ Diesen Beschluss nimmt es unbewusst ins Erwachsenenleben mit. Das zweite kleine Mädchen geht mit seiner Situation anders um. Es erlebt ebenfalls, wie es ist, nicht wahrgenommen zu werden und zu kurz zu kommen. Doch es schützt sich anders, es beschließt: „Ich warte, bis ich drankomme. Ich komme ja ohnehin mit wenig aus.“ Dieser Beschluss steckt in ihrem Rucksack drin.

Diese beiden zu erwachsenen Frauen gewordenen Mädchen haben Sie weiter oben an der Supermarktkassa kennengelernt, und Sie erraten bestimmt, wer mit welchen Beschlüssen durchs Leben geht: Die Getriebene hat beschlossen zu kämpfen, sie begehrt sofort auf. Die Verträumte hat beschlossen, mit wenig auszukommen, sie unterwirft sich und ist still. Beide haben ganz bestimmt festgestellt, dass sich die jeweils andere komisch bzw. ungehörig oder irritierend verhalten hat.

Das ist das, was so spannend ist, wenn sich zwei Menschen begegnen. Wenn es zwischen den beiden kracht und man hinter die Kulissen schaut, haben sie, so unterschiedlich sie sich auch verhalten, oft sehr ähnliche oder sogar gemeinsame Themen. So ist das ganz besonders in Liebesbeziehungen. Es verlieben sich immer Seelenverwandte ineinander, und Seelenverwandtschaft heißt, dass wir vielleicht Unterschiedliches erlebt haben, aber in unserem Rucksack stecken ähnliche Emotionen zu einem bestimmten Thema, und daraus haben wir entsprechend unbewusste Beschlüsse gefasst.3 Die Strategien, die wir unbewusst entwickelt haben, um mit diesen Emotionen umzugehen, sind wiederum verschieden, und deshalb entstehen die Konflikte.

In der Imagotherapie sprechen wir davon, dass 90 Prozent unserer Frustrationen mit unserer Geschichte zu tun haben und nur 10 Prozent mit den aktuellen Umständen. Für bestimmte Situationen wurde uns als Kind ein gewisser Spielraum genommen, und mit der Zeit sind wir davon überzeugt, dass mehr als dieser eingeschränkte Spielraum gar nicht möglich ist. So wird auch unsere Kreativität eingeschränkt und wir reagieren in bestimmten Situationen nicht flexibel, sondern in eingefahrenen Mustern. Dabei gäbe es immer auch noch andere Möglichkeiten. Die Getriebene an der Kassa könnte auch ganz neutral und unaufgeregt denken: „Ah, interessantes Verhalten.“ Und sie könnte sagen: „Ich glaube, Sie haben übersehen, dass wir hier schon angestellt sind. Aber Sie haben ja nur so wenig eingekauft, ich lasse Sie vor.“ Dass sie zu diesem Denken und Verhalten nicht in der Lage ist, liegt an ihrem Rucksack. Sie hat gelernt, dass sie kämpfen muss, daher poltert sie los und verweist die andere ans Ende der Schlange. Der Humor, die Kreativität und Flexibilität und auch die Großzügigkeit, all das ist bei ihr verloren gegangen.

Und so ist es auch in Paarbeziehungen. Wenn wir uns die Mühe machen, einen Konflikt zum Anlass zu nehmen, um in unsere Rucksäcke zu schauen, können wir diese unbewussten Beschlüsse aus unserer Kindheit und die daraus entwickelten Strategien erkennen, auflösen und neue Möglichkeiten entdecken, wie wir uns in Zukunft anders verhalten wollen.

Wir können davon ausgehen: Wenn wir beim Partner ein „komisches“ Verhalten beobachten und uns das aus der Fassung bringt, lohnt es sich zu prüfen, ob vielleicht gerade die 90 Prozent aus unserer eigenen Geschichte durchkommen. Und was ist mit den restlichen 10 Prozent? Stellen Sie sich eine Garderobe vor mit Haken, an die jeder seinen Mantel hängen kann. Stellen Sie sich weiters vor, so ein Mantel repräsentiert die 90 Prozent und der Haken die 10 Prozent. So ist diese Formel zu verstehen: Ohne die 10 Prozent, die die aktuelle Situation ausmachen, fehlt uns der Aufhänger für unseren Mantel. Das heißt, gibt es keinen Anlass, kommt unser eingefahrenes Muster nicht zum Einsatz.

Daraus leitet sich auch die gute Nachricht für uns Paare ab: Meistens haben nur 10 Prozent eines Konflikts mit der aktuellen Situation zu tun, 90 Prozent lassen sich auf unsere Rucksäcke zurückführen. Warum das eine gute Nachricht ist? Weil wir mit dieser Sichtweise Konflikte ganz anders und viel nachhaltiger lösen können. Denn wenn wir uns – wie das oft so üblich ist – darum streiten, wer in einer bestimmten Situation nun Recht hat oder nicht, kommen wir nie weit. Wir kreisen dann ja auch nur um die 10 Prozent! Wenn wir uns stattdessen um die 90 Prozent kümmern, können wir feststellen: Ah, als Kind fühlte ich mich zwischen meinen Geschwistern so unbeachtet, daher also reagiere ich so empfindlich, wenn mir meine Partnerin dauernd ins Wort fällt, denn da fühle ich mich genauso missachtet. Schon allein dieses Wissen ist ein großer Schritt, um uns mit diesem für uns so heiklen Thema „Ich bin Luft für alle“ auszusöhnen. Damit Sie uns richtig verstehen: Die Erkenntnis, warum wir in bestimmten Situationen so unflexibel und übertrieben reagieren, ist nicht als Ausrede gedacht. Sie soll Ihnen jedoch das Verständnis erleichtern. Und noch etwas: Diese 90-10-Regel gilt natürlich nicht für alle Situationen: Wenn Ihnen Ihre Partnerin ein Bein stellt und Sie sich verletzen, wäre es reichlich deplatziert, nach Ihren 90 Prozent zu fragen!

Seien Sie Ihrer Partnerin, Ihrem Partner grundsätzlich dankbar für „komisches“ Verhalten. Denn es ist dieser 10-Prozent-Aufhänger, der Ihnen beiden klarmacht, dass sich dahinter Ihre Seelenverwandtschaft verbirgt. Das ist der Beginn, an dem sich ein Knoten auflösen kann. Denn wenn Sie Ihre 90 Prozent benennen können, tut sich auch Ihr Partner leichter, die 10 Prozent zu verändern!

2siehe auch Impuls Nr. 5

3siehe auch Impuls Nr. 8

3. Romeo und Julia

Wenn wir uns verlieben, haben wir immer auch zwei Familiensysteme im Hintergrund. Es ist für eine gelungene Beziehung entscheidend, dass wir uns davon emanzipieren und auf Basis unserer Historie ein eigenes System entwickeln.

Sie hat einen Ferienjob im Handwerks- und Handelsbetrieb der Familie ihres Liebsten begonnen und sitzt als Telefonistin im Büro. Da kommt ihr Schwiegervater in spe herein.

Schwiegervater: Na, wie gefällt es dir bei uns?

Sie: Ja, eh gut. Viel Trubel hier und viel zu tun!

Schwiegervater: Du könntest jederzeit bei uns einsteigen, das weißt du.

Sie: Aber du weißt doch, dass ich ganz bestimmt mein Studium abschließen möchte und dann Psychologin werde.

Schwiegervater: Klar weiß ich das. Aber wenn du richtig arbeiten willst, kannst du jederzeit zu uns kommen.

Sie (entrüstet): Psychologin zu sein ist doch auch richtige Arbeit!

Diese kleine Szene hat sich so ähnlich im Jahr 1980 im Unternehmen der Familie Bösel – einem großen Fleischereibetrieb in Wien – abgespielt. Wir ahnten noch nicht, wie sehr diese doch sehr unterschiedliche Sichtweise auf Arbeit unsere Liebe prägen würde. Für Roland war Arbeit das, was er von seinen Eltern vorgelebt bekam: identitätsstiftend und erfüllend, jedoch auch körperlich anstrengend und unternehmerisch riskant. Seine Eltern und Großeltern arbeiteten quasi rund um die Uhr, nur am Sonntag ruhten sie sich aus. Es war sonnenklar, dass er den Betrieb in der dritten Generation fortführen sollte. Dementsprechend war und ist es für ihn ein hoher Wert, „couragiert zu sein und anzupacken, wo es nötig ist“. Verstärkt wurde diese Sicht auch noch durch die Existenz eines Onkels väterlicherseits, der Künstler war. Es wurde von Rolands Vater erwartet, dass er seinen Bruder ins Unternehmen holt, denn Maler zu sein, „das ist ja kein ordentlicher Beruf“!

Sabine wiederum wurde geprägt durch eine Haltung, die sich in einem Satz ihrer Großmutter manifestierte: „Was du im Kopf hast, kann dir niemand mehr nehmen.“ Kein Wunder, wenn man die Geschichte der Großmutter kennt. Sie hat zwei Weltkriege durchgestanden, ihr gesamtes Geld verloren und die Shoah erlebt. Es war ihre Bildung, die ihr half zu überleben. Sabine besuchte eine teure Privatschule und es war sonnenklar, dass sie einen gehobenen und intellektuellen Beruf wählen würde. Sabines höchster Wert war, ganz in der Tradition ihrer Großmutter, die Bildung. Dass sie ihr Studium abschließen würde, stand völlig außer Frage.

So trafen wir aufeinander, die intellektuelle Sabine und der bodenständige Roland, beide mit unserer unterschiedlichen Sozialisation im Gepäck. Wir waren unter anderem genau deshalb auch so fasziniert voneinander: In Rolands Familie wurde nicht lange diskutiert. Wenn es ein Problem gab, da wurde angepackt – für Sabine eine ganz neue Welt. Und Roland umgekehrt war erstaunt, dass es Urlaube abseits von Erholung und Nichtstun geben kann. Er war schnell begeistert von Sabines Ideen, Bildungsurlaube zu machen und fremde Länder und Kulturen zu erforschen.

So ähnlich ist es bei jedem Paar, das sich ineinander verliebt. Jeder bringt die eigene Geschichte, das eigene So-geworden-Sein mit in die Beziehung. Jeder Mensch hat eine eigene Welt, die geprägt ist von den Eltern, Großeltern, Urgroßeltern. Jede Familie hat eigene Traditionen – und damit meinen wir nicht nur die Art, wie man Weihnachten und Neujahr begeht, sondern jedes Verhaltensmuster, das unbewusst von einer Generation in die nächste übernommen wird: ob man alle Entscheidungen vorher gemeinsam bespricht oder nicht, welche Erwartungen man an die Partnerin bzw. den Partner hat betreffend Familienplanung und -betreuung, ob man als Frau Karriere machen sollte und vieles mehr.

Wie sollte es auch anders sein? Wir werden in unsere Familie hineingeboren, und alles, was wir beobachten und erleben, übernehmen wir, und dieses Verhalten wird zu unserer Normalität. Unangenehme Erfahrungen oder gar Gewalt empfinden wir zwar auch als Kind nicht als Normalität und spüren, dass etwas nicht stimmt. Doch wir sind zu jung, um solche Erlebnisse zu reflektieren und zu verarbeiten. Stattdessen entwickeln wir Überlebensstrategien. All diese „seltsamen“ Verhaltensweisen sind Teil einer Tradition, und es liegt an uns zu entscheiden: Wollen wir sie fortsetzen oder durchbrechen und etwas Neues etablieren?

Wie stark Familientraditionen auf uns wirken, hat selbst die Weltliteratur vielfach aufgegriffen. Die Geschichte von Romeo und Julia kennen Sie bestimmt. Die beiden versuchen, sich gegen die alte Tradition – in ihrem Fall die Feindschaft zwischen den Familien – aufzulehnen, und scheitern doch sehr tragisch. Wir können uns unserer Geschichte nicht entziehen. Wir sind immer ein Produkt unserer Eltern und damit das Produkt zweier Familiensysteme, und jedes Elternteil ist wiederum ein Produkt zweier Familiensysteme. Wenn Sie sich in Ihren Partner verliebt haben, dann haben Sie nicht nur zu ihm, sondern implizit auch zu seiner Familie Ja gesagt – und dasselbe gilt auch umgekehrt. Dieser Umstand steht in direktem Zusammenhang mit dem, was wir in Impuls Nr. 2 geschrieben haben: 90 Prozent unseres Verhaltens wird geprägt durch unsere Vergangenheit – also unsere Herkunftsfamilie – und nur 10 Prozent durch die aktuelle Situation.

Das ist weder eine gute noch eine schlechte Nachricht, sondern eine Tatsache, die wir akzeptieren und anerkennen sollten. Denn wenn Sie wissen, dass Ihr Verhalten zu 90 Prozent durch Ihre Geschichte determiniert ist und nur zu 10 Prozent durch die Situation, in der Sie gerade sind, dann wirft das doch ein ganz anderes Licht auf die Möglichkeiten, die Sie haben! Um das Beispiel vom Beginn dieses Impulses noch einmal zu bemühen: Wenn Sie gerade darüber streiten, was denn „richtige“ Arbeit ist, dann brauchen Sie sich nicht länger darum bemühen herauszufinden, wer von Ihnen beiden Recht hat. Denn Sie wissen, dass Sie beide eine Meinung vertreten, die in Ihrer jeweiligen Welt nachvollziehbar ist. Gehen Sie diesen beiden Welten besser auf die Spur und versuchen Sie, die jeweils andere zu verstehen. Das bringt Sie viel weiter. Es kann gut sein, dass Sie eine ganz neue Definition von „richtiger“ Arbeit finden und damit eine neue Familientradition begründen.

Es ist unser Glück, dass wir heute viel freier sind und nicht mehr so sehr gefangen in unseren Familienverstrickungen wie Romeo und Julia. Solche Tragödien sind erfreulicherweise zumindest in unseren Breitegraden äußerst selten. Wir haben die Freiheit, jederzeit zu entscheiden, ob wir unsere Traditionen weiter pflegen wollen oder nicht. Goethe fasste das so zusammen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Schauen Sie sich gut an, was Sie auf Ihren Weg mitbekommen haben, entwickeln Sie es so weiter, dass es zu Ihrem (gemeinsamen) Leben und in Ihre Zeit passt. Das gilt für jede Entscheidung, die Sie zu treffen haben, und für jede Erfahrung und die Art, wie Sie mit ihr umgehen und sie in Ihr Leben integrieren. Denn, so setzte Goethe seine Weisheit fort: „Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“

4. Warum wir die Welt so sehen, wie wir sie sehen

Es gibt so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt auf dieser Welt. Ein psychologischer Blick hinter die Kulissen dieser Weisheit.

Er (sitzt mit seinem Freund beim Kaffee): Stell dir vor, gestern ist Susi erst nach Mitternacht von ihrem Frauenabend heimgekommen. Nach Mitternacht! Also ich glaube, da stimmt etwas nicht.

Freund: Was meinst du? Dass sie in Wahrheit bei einem anderen war?

Er: Na ja, ist das so abwegig? Sie ist ja eine fesche Frau!

Freund: Ja, schon. Aber deswegen muss sie ja noch lange nicht fremdgehen.

Er: Also ich weiß nicht … Wer weiß, ob sie mich wirklich liebt!

Wie wir bestimmte Situationen bewerten und wie wir uns verhalten, ist immer davon abhängig, was wir dazu in unserem Gehirn abgespeichert haben. Die Wissenschaften haben sich viel damit beschäftigt und die unterschiedlichen Phänomene systematisiert. Eines davon ist der sogenannte Priming-Effekt. Dabei geht man davon aus, dass die Art, wie wir Situationen betrachten, von einem aktuellen Reiz ausgelöst und dann mit früheren Erlebnissen und Erfahrungen gekoppelt wird. Das heißt, wir sehen, hören, riechen, schmecken oder empfinden etwas, und das ruft bestimmte Inhalte in unserem Gehirn ab. Je nachdem, worauf wir dabei zurückgreifen können, interpretieren wir die Situation. Das heißt, es werden durch eine Erfahrung Kerben in unserem Gehirn geschlagen, und die werden aktiviert, sobald wir in eine ähnliche Situation kommen. Ein klassisches Beispiel dafür: Wir haben ein Fahrrad gekauft – und plötzlich stellen wir fest, wie viele Menschen in unserer Umgebung Rad fahren.

Unser Gehirn lässt sich da relativ leicht austricksen. Machen wir ein kleines Experiment. Beantworten Sie bitte die folgenden Fragen: Welche Farbe haben Häuser in Griechenland? Ein Blatt Papier hat welche Farbe? Und ein Schneefeld? Eine Braut trägt meistens ein Kleid welcher Farbe? Was trinken Kühe?

Wenn Sie die letzte Frage mit „Milch“ beantwortet haben, dann herzlich willkommen im Club, denn dann ist es Ihnen ergangen wie den meisten Menschen. Keine Frage, die richtige Antwort wäre „Wasser“ gewesen. Doch die Fragen davor haben in Ihrem Gehirn eine Kerbe zur Farbe Weiß geschlagen, und da fällt uns im Zusammenhang mit dem Stichwort „Kuh“ sofort Milch ein.

Solche Kerben haben wir im Laufe unseres Lebens sehr viele entwickelt. Manche von ihnen haben sich zu wahren Autobahnen ausgewachsen. Jede Bewertung, die wir vornehmen, hat etwas mit dem zu tun, was wir erlebt haben, das betrifft sowohl positive wie auch negative Erfahrungen. Ein blühender Kirschbaum löst angenehme Gefühle aus, wenn er zum Beispiel mit vielen schönen Geburtstagen verknüpft ist, die immer zur Zeit der Kirschblüte gefeiert wurden. Der Anblick eines Kirschbaums kann aber auch traurig machen, wenn wir bei seinem Anblick von den Eltern erzählt bekommen haben, dass sie sich scheiden lassen werden.

Die gute Nachricht: Wir können diese Kerben umlenken und neu definieren. Wir können den armen Kirschbaum von seinem in unseren Augen schlechten Image befreien, indem wir die negative Erfahrung vom Baum entkoppeln und ihn mit anderen, positiven Assoziationen verknüpfen. Mit Frühlingsbeginn, blitzblauem Himmel und einer Weltmeisterschaft im Kirschkernweitspucken zum Beispiel.

Der Mann in unserer Einstiegsszene, der seiner Susi nicht vertrauen kann, hatte vermutlich bisher keine guten Erfahrungen in Sachen Vertrauen, und ihn plagt Unsicherheit. Vielleicht hat er bereits gescheiterte Beziehungen hinter sich, in denen er oder seine Partnerin Außenbeziehungen hatten, oder andere Erlebnisse, bei denen sein Vertrauen enttäuscht oder missbraucht wurde. Vielleicht hat er auch von seinem konservativen Elternhaus mit auf den Weg bekommen: „Frauen, die sich nach Mitternacht noch auf der Straße herumtreiben, sind leichte Mädchen.“

Was können Sie tun, um Ihre neuronalen Autobahnen umzulenken? Machen Sie sich bewusst, in welchen Situationen Sie von tiefen Kerben geleitet werden, und fokussieren Sie ganz bewusst auf das, was mehr Sinn macht. Im Falle des enttäuschten Vertrauens könnten Sie sich zum Beispiel darauf besinnen, wann und von wem Ihr Vertrauen in der Vergangenheit belohnt wurde. Welche guten Gründe fallen Ihnen ein, Ihrer Partnerin zu vertrauen?

Manche dieser gedanklichen Trampelpfade sind schwer zu identifizieren. Wenn Sie beispielsweise vor einem Berg Arbeit sitzen, es schon kurz vor Dienstschluss ist und sich der Schreibtisch immer noch biegt, fühlen Sie vielleicht Verzweiflung aufkommen. „Das schaffe ich nie, schon gar nicht heute, und dabei sollte ich doch noch diesem Kunden ein nettes Mail schreiben.“ Dann beschließen Sie, wenigstens diesem Kunden noch zu schreiben, bevor Sie heimgehen. Und stellen fest, dass Ihnen kein einziger netter Satz einfällt. Kein Wunder, wenn Ihre neuronalen Bahnen bereits komplett auf Verzweiflung und Versagen eingestellt sind!

In solchen Fällen empfehlen wir Ihnen: Drehen Sie den Computer ab, gehen Sie nach Hause und entspannen Sie sich. Machen Sie einen Spaziergang oder joggen Sie eine Runde durch die Siedlung, essen Sie etwas Feines. Tun Sie sich etwas Gutes, damit Ihr neuronaler Trampelpfad sich wieder glättet. Überlegen Sie, wo dieser Trampelpfad seinen Ursprung haben könnte. Liegt es daran, dass Ihre Eltern beruflich gescheitert sind oder Sie in jungen Jahren schwierige Phasen durchstehen mussten, in denen Sie nicht wussten, wie Sie über die Runden kommen sollen? Visualisieren Sie: Wie sieht mein aufgeräumter Schreibtisch morgen aus, sodass ich mit Leichtigkeit eine Sache nach der anderen angehen kann?

Je öfter es Ihnen gelingt, Ihre persönlichen Trampelpfade zu erkennen und sie zu positiven Bildern umzuleiten, desto besser. Es mag sein, dass Sie Rückschläge erleiden, doch dann denken Sie daran, wie oft es Ihnen schon gelungen ist, aus einem solchen Pfad auszusteigen und in ein anderes Erleben zu kommen. Und wenn Sie bemerken, dass Ihre Partnerin bzw. Ihr Partner gerade aus alten Pfaden aussteigt und neue entwickelt, geben Sie ihr bzw. ihm dafür eine dicke, fette Wertschätzung!

5. Geerbte Sätze

Sie machen uns manchmal das Leben schwer und beschränken uns in unseren Möglichkeiten. Über Glaubenssätze und innere Richter und wie sie unser Denken und Handeln prägen.

Sie und er sind mit ihrem sechsjährigen Sohn unterwegs, da treffen sie auf der Straße eine Bekannte.

Er: Wir waren gerade dabei, eine geeignete Volksschule in der Umgebung zu finden.

Bekannte: Ach, so groß ist euer Sohn also schon! Ja, ja, jetzt beginnt der Ernst des Lebens!

Zu Hause im Vorzimmer legen sie alle drei ihre Jacken und Schuhe ab.

Sie: Ich weiß nicht, irgendetwas ist mir über die Leber gelaufen.

Er: Du bist schon komisch, seit wir unsere Bekannte getroffen haben.

Sie (nach einigem Nachdenken): Jetzt, wo du es sagst: Ich kann es nicht ausstehen, wenn jemand meint, mit der Schule beginne der Ernst des Lebens. Da kommen in mir nur noch Stress und negative Gedanken an schwierige Lehrer und Zwänge hoch. Furchtbar!

Stellen wir uns ein Baby vor, ganz frisch zur Welt gekommen. Ist es nicht ein vollkommen wahrhaftiges Wesen? Frei von Zuschreibungen und Bewertungen schaut es in die Welt und saugt alles auf, aus reiner Neugierde, ohne die Nase zu rümpfen oder ein schlechtes Gewissen zu haben, ohne Empörung und Scham. So lang, bis wir es erziehen, denn dann beginnt der Prozess der Sozialisation. Der Begriff „Erziehung“ trifft es auf den Punkt: Wir ziehen an diesem neuen Erdenbürger herum und verbiegen seine neutrale, neugierige Weltsicht, damit er sich aus unserer Sicht richtig verhält.

Es sind viele Sätze, die unser Erwachsenwerden begleiten. „Lass das Baby ruhig schreien, es muss auch lernen, alleine zurechtzukommen“ oder später dann „Das macht man nicht“ oder „Sei ja schön brav und ärgere den Papa nicht“. Mit dem Älterwerden werden diese Sätze vielschichtiger: „Mach schneller!“ oder „Sei nicht so egoistisch“ oder „Es gehört sich nicht, so viele Fragen zu stellen“, „Sei nicht so naiv“ oder „Das steht dir nicht zu“. Die Variationen könnten wir hier wohl endlos fortsetzen, doch wir sind sicher: Sie haben bestimmt sofort selbst Sätze parat, die Sie von klein auf kennen – und die Sie vielleicht auch zu Ihren Kindern sagen oder gesagt haben. Viele dieser Anweisungen sind auch gut und hilfreich: „Setz eine Haube auf, es ist eiskalt draußen“ oder „Sag danke zu der freundlichen Frau“. Damit lernen wir den Umgang mit Gefahren und wie wir uns so verhalten, dass ein gutes und friedliches Miteinander in der Gesellschaft möglich ist.

Jede dieser Anweisungen nimmt das heranwachsende Kind auf. Es geht davon aus, dass sie wahr sind, und irgendwann werden sie zu einer Selbstverständlichkeit. Es verinnerlicht diese Anweisungen. Wenn es also von klein auf hört: „Mach schnell“, dann lernt es, dass man immer schnellmachen muss im Leben. Es lebt entsprechend dieser Prämisse und versagt sich damit aber auch die vielen Erlebnisse, die man nur hat, wenn man sich auch einmal Zeit lässt. Es wird ihm ein Teil seiner Potenziale genommen, die zu seiner Persönlichkeit gehören.

Zunächst – in der Kindheit – ist diese verinnerlichte Stimme unsere Verbündete. Wenn die Mutter vermittelt „Reiß dich zusammen, das tut doch nicht weh“ und wir uns dementsprechend verhalten, werden wir mit der Mutter weniger Konflikte haben. Das heißt, dass diese Verinnerlichung uns als Kind das Überleben sichert, weil wir schließlich in einer Abhängigkeit von den Eltern stehen. Beim nächsten Sturz mit dem Rad werden wir also die Zähne zusammenbeißen, weil wir nicht wehleidig sein dürfen, oder ganz im Gegenteil noch mehr den Schmerz zeigen und übertreiben, um dann endlich doch die ersehnte Aufmerksamkeit von Papa und Mama zu erhalten.

Fatal ist jedoch, dass diese Anweisungen und Ermahnungen sich zu einem inneren Richter entwickeln, den wir mit in unser Erwachsenenleben nehmen. Um beim Beispiel mit der Wehleidigkeit zu bleiben: „Das halte ich schon aus“, sagen wir, wenn wir aufgefordert werden, beim Umzug von Freunden zu helfen, obwohl wir seit Jahren chronische Kreuzschmerzen haben. Heimlich leiden wir dann vor uns hin, und wenn die Freunde merken, wie sehr uns die Schmerzen plagen, wundern sie sich über unser „komisches“ Verhalten: „Warum hast du denn nichts gesagt, es wäre doch in Ordnung gewesen, wenn du nicht geholfen hättest!“

Dieser innere Richter ist ziemlich ungnädig und kann sehr mächtig werden. Er manifestiert sich beispielsweise in den sogenannten fünf Antreibern, die der Psychologe Eric Berne in der Transaktionsanalyse definiert: Sei perfekt! Mach schnell! Sei stark! Mach es allen recht! Streng dich an! Innere Richter bilden sich auch dann in uns, wenn wir das Verhalten der Eltern kopieren oder auf die eine oder andere subtile Art manipuliert werden. Etwa, wenn eine Tochter vom Vater sexuell missbraucht wurde. Als wäre das nicht schlimm genug, wird sie auch noch angewiesen, nur ja nichts zu sagen. So vermittelt er ihr gleichzeitig, dass sie es ist, die etwas Böses getan hat. Die Einstellung „Mit mir stimmt etwas nicht“ kann sich aus dieser tragischen Konstellation entwickeln, eine Überzeugung, die ein überaus strenger Richter in allen Fragen der Körperlichkeit sein kann.

Ähnlich ist das mit Glaubenssätzen, die wir von unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen übernehmen. Der Unterschied zum inneren Richter ist, dass Glaubenssätze als eine Art Lebensweisheit in Sprüchen daherkommen: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Frauen gehören an den Herd. Geld verdirbt den Charakter. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Männer denken immer nur an das eine. Frauen können nicht logisch denken. Unternehmer sind Ausbeuter. Oder eben jener, der oben in unserer Szene ausgesprochen wurde: Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens. Wir sind sicher, Sie können diese Liste mit Glaubenssätzen aus Ihrer Familie ergänzen. Wie eine Tradition übernehmen wir diese Sätze und hinterfragen sie meistens nicht.

Sowohl Glaubenssätze als auch diese strengen Sätze des inneren Richters beeinflussen unser Denken und Handeln, indem sie uns einschränken. Frauen sind nicht gut in Mathematik? Wenn ich als Frau diesen Satz verinnerlicht habe und dann während meines Soziologie-Studiums in einer Statistik-Vorlesung nur das Wort „Mittelwert“ höre, werde ich reflexartig abschalten und mich gar nicht erst bemühen, die Zusammenhänge zu verstehen. Oder ein anderes Beispiel: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Es liegt nahe, dass ich viel eher burnoutgefährdet bin, wenn ich an diesem Glaubenssatz festhalte. Der innere Richter kann da ganz schön grausam und ungnädig sein, so sehr, dass wir uns damit gar nicht gerne konfrontieren wollen.

Doch darin liegt auch ein großes Heilungspotenzial, und deswegen haben wir uns eine Partnerin, einen Partner ausgesucht, der dann unbewusst an genau den richtigen Stellen zupft. Um mit diesen inneren Stimmen zurechtzukommen, brauchen wir Menschen als eine Art Blitzableiter, auf die wir diese Stimmen projizieren. Da ist der Partner, die Partnerin die beste Adresse. Mitunter wird daraus ein richtiger Machtkampf, der damit beginnt, dass der Partner einem genau die Sätze des eigenen inneren Richters um die Ohren haut. Denn möglicherweise hat er einen sehr ähnlichen inneren Richter.4 Wenn der Partner zu uns sagt „Jetzt reiß dich zusammen, ist doch nicht so schlimm“, dann hat er vielleicht einen inneren Richter, der ihm zuraunt „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ – und schon ist die höllische Mixtur beisammen und wir werden protestieren. Wie komme ich dazu, mir so etwas sagen zu lassen! So redest du nicht mit mir! Denn natürlich haben wir Gefühle und es geht nicht immer nur ums Zusammenreißen. Es geht genauso darum, dass der andere uns zuhört und uns tröstet. Gefühle zu zeigen ist die Würze des Lebens! So weist der eine auf das hin, was sie sich beide als Kinder nicht getraut haben, nämlich sich aufzulehnen gegen dieses strenge Regime. Letztlich aber ringen die zwei kleinen Kinder um die Befreiung von diesen inneren Richtern.

Achten Sie einmal darauf, was Ihr innerer Richter Ihnen so ins Ohr flüstert. Welche Glaubenssätze haben Sie mit auf den Weg bekommen? Prüfen Sie diese Sätze dann genau. Es muss ja nicht sein, dass sie Ihnen Probleme bereiten. „Mach schnell“ beispielsweise hat den großen Vorteil, dass private Projekte schnell voranschreiten und bald abgeschlossen sind, sodass sie einen nicht unnötig lang belasten. Wer jedoch deshalb sein Essen immer so schnell wie möglich hinunterschlingt oder im Urlaub nicht entspannt, weil er von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten rennen muss, tut sich nichts Gutes – und der Beziehung meist auch nicht.

Glaubenssätze prüfen Sie am besten, indem Sie überlegen, wie es wäre, ohne sie zu leben. Wir erinnern uns an ein Paar, bei dem beide den Glaubenssatz „Wir sind etwas Besseres“ hatten. Als sich das Paar vorstellte, ohne ihn zu leben, bekamen beide Angst. Wir haben einen Blick in ihre Vergangenheit geworfen und fanden auch den Grund: Beide kamen aus Familien mit Fluchthintergrund. Dieser Glaubenssatz half schon der Generation davor zu überleben. Das Paar selbst plagten die Ängste, ihre Heimatberechtigung, ihren Platz in unserer Welt zu verlieren.

Es ist eine Herausforderung, all diese geerbten Sätze loszuwerden. Manchmal hilft es, sich nach dem Motto „fake it until you make it“ auszuprobieren, um sich letztlich von ihnen zu befreien und etwas Neues gestalten zu können.

4In den Impulsen zum Thema „Wie konnte ich mich nur in den verlieben!“ können Sie lesen, warum dieser Gedanke naheliegt.

6. Der Staffellauf

Das Hölzchen, das wir von anderen bekommen, müssen und sollen wir auch nicht ungefragt weitertragen. Die nächste Generation wird es uns danken!

Sie und er gehen durch das Holocaust Memorial Museum in Washington, als er plötzlich aus tiefstem Herzen zu schluchzen beginnt.

Sie (legt ihren Arm um ihn): Du kannst doch nichts dafür! Hörst du mich? Du kannst nichts dafür!

Er (zwischen Schluchzern): Es ist so furchtbar, was da passiert ist. Ich kann den Schmerz richtig spüren!

Sie: Ja, es ist auch furchtbar. Das war jedoch vor deiner Zeit und du kannst nichts dafür. Für diese Gräueltaten sind wir nicht verantwortlich. Wir haben die Verantwortung, dass so etwas nie, nie wieder passiert!

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer Lichtung im grünen Gras, da kommt eine Figur auf Sie zu. Sie hat schwer zu tragen, und von diesen Gewichten, die sie umgehängt hat, sind manche grausig stinkend, andere hübsch poliert. Die Figur bleibt vor Ihnen stehen und sagt: „Da, nimm mir dieses grausige Gewicht ab, ich mag es nicht mehr tragen.“ Was würden Sie tun? Es nehmen?

Als Kind jedenfalls nehmen wir diese Gewichte ungefragt von unseren Eltern an. Nicht nur die grausigen, das muss man sagen, auch die hübsch polierten. Doch es sind die grausigen, die uns besonders prägen und so schwer belasten. Unsere Vorfahren haben viele schlimme Erlebnisse nicht verarbeitet und stattdessen Schuld, Trauer und seelischen Schmerz tief in sich vergraben, damit sie ihr Leben bewältigen konnten. Leider sind diese dunklen Seiten damit nicht beseitigt. Sie bleiben lebendig in Form von „komischem“ Verhalten unserer Eltern und anderer Bezugspersonen, und dieses Verhalten nehmen wir auf wie einen Staffelstab.

Darüber hinaus kompensieren wir mitunter auch das ungelebte Leben unserer Eltern. Da hat die Mutter davon geträumt, Balletttänzerin zu werden, doch der Krieg hat das für sie unmöglich gemacht – also übernimmt das Kind diesen Traum unbewusst als Staffelstab und wird Balletttänzerin, ohne viel zu hinterfragen, ob es das wirklich möchte. Oder der Vater wollte Medizin studieren und musste jedoch einrücken. Nach dem Krieg begann er eine Lehre als Bürokaufmann, weil ein Studium zu lange gedauert hätte und er eine Familie ernähren wollte. Und das Medizinstudium? Diesen Staffelstab übernimmt die Tochter und schreibt sich an der Uni ein. Es gibt auch berühmte Beispiele dazu: Konstantin Wecker erzählt, dass sein Vater Sänger und seine Mutter Literatin war, jedoch beide weder erfolgreich noch berühmt. Diesen Staffelstab hat er übernommen, er ist erfolgreicher Liedermacher, Schauspieler und Autor geworden. Wie C. G. Jung treffend sagte: „Nichts hat psychologisch gesehen einen stärkeren Einfluss auf ihre Umgebung und besonders auf ihre Kinder als das ungelebte Leben der Eltern.“

Diesen Dialog im Washingtoner Museum haben wir beide selbst geführt, und er ist ein sehr deutliches Beispiel dafür, wie heftig wir an diesen tonnenschweren Staffelstäben leiden, die wir von den Eltern übernehmen. Rolands Vater wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in eine Fleischerfamilie geboren, und damit aus ihm ein ordentlicher Fleischer wurde, steckte man ihn schon sehr früh ins Burschenzimmer des Betriebs, in dem die Lehrlinge und Gesellen lebten. Dort traf er auf lauter hartgesottene und muskelbepackte Männer, die vor allem Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus verband. Das prägte den Vater dementsprechend. Als dann der Nationalsozialismus stark wurde, war er entsprechend präpariert und dachte, das wäre die Lösung. Der Weg zur illegalen Hitlerjugend war nicht weit. Im Weltkrieg stand er zu hundert Prozent hinter dieser Ideologie und war dennoch gleichzeitig im Herzen ein liebender Mensch, der keinem anderen etwas zuleide tun konnte. Er schaffte es selbst im Partisanenkrieg, keinen einzigen Gegner zu töten, weil er das nicht über sich gebracht hätte.

Trotzdem war in seinem Leben damals kein Platz, um dieses Elend, diesen Schmerz und diese Ungerechtigkeit in sich zu spüren und an die Oberfläche zu bringen. Mit seiner Vorprägung hatte er den Entschluss gefasst: „Jetzt werde ich auch endlich etwas gelten.“ Dieser Beschluss machte ihn blind dafür, dieses Elend, diesen Schmerz, diese Scham und die große Not zu spüren, die daraus entstanden ist. Umgeben von lauter Nazis war er einer richtigen Gehirnwäsche unterzogen und es hätte schon sehr viel Mut und Rückgrat gebraucht, sich dagegenzustemmen. Auch nach dem Krieg dauerte es noch lange, bis er Schritt für Schritt dieses Unrecht realisieren konnte. Seine unbewussten Schuldgefühle haben ihm schwer zu schaffen gemacht und er hat es bis zu seinem Tod kaum geschafft, diese Gefühle zu verarbeiten.

Als Kind übernimmt man solche Staffelstäbe prinzipiell natürlich unbewusst. Und es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man übernimmt sie, indem man das übernommene Gedankengut fortsetzt, oder man verfällt ins Gegenteil. Beide Optionen sind schwierig und machen uns nicht frei, auch wenn das gegenteilige Verhalten uns glauben lässt, wir hätten uns befreit.5 Und so hat auch Roland diesen düsteren Staffelstab übernommen und das gegenteilige Verhalten gelebt. Es hat viele Jahre gebraucht, bis er sich davon wirklich befreien und einen Weg finden konnte, bei dem er den Schmerz und die Trauer bei seinem Vater lassen, die Verantwortung für das Hier und Jetzt und für die Zukunft jedoch bewusst und tatkräftig übernehmen konnte.

Gerade bei diesem Thema merkt man, wie wichtig es ist zu erkennen, dass weder die Fortführung noch das gegenteilige Verhalten den Staffelstab endgültig begraben. Genauso ist es bei allen anderen Staffelstäben, die wir übernehmen. Wir erinnern uns an eine Frau, deren Mutter von ihrem Ehemann total unterdrückt wurde, sodass sie sich nicht emanzipieren konnte. Als Tochter übernahm sie unhinterfragt diesen Konflikt der Eltern, indem sie sich ganz besonders um ihre Emanzipation bemühte, also das Gegenteil praktizierte. Sie emanzipierte sich nicht nur für sich selbst, sondern in erster Linie stellvertretend für die Mutter. Der Preis, den sie dafür zahlte, waren Probleme in ihrer Ehe, weil sie sich nicht fallen lassen und auf ihren Partner einlassen konnte. Erst in der Therapie wurde ihr klar, dass sie damit ihrem Vater etwas heimzahlen wollte – aus lauter Loyalität zu ihrer Mutter durfte sie die Liebe zu ihrem Vater gar nicht spüren, und somit war auch die Liebe zu den Männern in ihrem Leben abgeschnitten.

Es geht einmal mehr darum, eine neue, eigene Tradition zu begründen. Was brauchen wir dafür? Zum einen brauchen wir Achtung vor dem, was unsere Vorgeneration erlebt hat. Wir dürfen weder urteilen noch loben, sondern sollten Respekt dafür haben, wie unsere Eltern, Großeltern oder auch Urgroßeltern schwierige Situationen gemeistert und auch Irrtümern aufgesessen sind und Unheil gestiftet haben.

Stellen Sie sich vor, mit welchen schweren, belastenden Gewichten Ihre Mutter oder Ihr Vater durchs Leben gingen, und gleichzeitig machen Sie sich bewusst, dass sie auch viele glänzend polierte Ressourcen, Begabungen und Talente tragen. Überlegen Sie, was davon Sie gerne für Ihr Leben mitnehmen wollen. Welche Erfahrungen, welche Traditionen gibt es, die Sie übernehmen möchten? Und welche wollen Sie lieber bei den Eltern belassen? Wenn wir in unseren Generationen-Workshops eine Übung dazu machen, ist dies immer einer der stärksten Momente des gesamten Wochenendes. Für erwachsene Söhne und Töchter so entlastend – und auch für Väter und Mütter ein so emotionaler Moment, denn welche Mutter oder welcher Vater möchte sein Kind schon mit einer Last in die Welt schicken!

5In unserem Buch „Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?“ haben wir ein ganzes Kapitel diesem Thema gewidmet, das wir „Ich mache es ganz bestimmt anders“ genannt haben.

7. Ich bringe ein bisschen Schmutz mit

Über den Frust außerhalb der Beziehung, den man in die Beziehung mit reinnimmt.

Sie kommt von der Arbeit nach Hause und geht ins Wohnzimmer, wo er mit den Kindern spielt.

Sie: Ich bin’s!

Er: Hallo! Schön, dass du da bist!

Sie (schweigt und wirft einen Blick in die Küche): Wir hatten doch ausgemacht, dass es etwas zu essen gibt, wenn ich nach Hause komme.

Er: Was ist denn los? Du grüßt nicht und grantelst hier herum.

Sie: Ich ärgere mich. Du hast gesagt, du kümmerst dich um alles. Aber wie es aussieht, ist nichts geschehen.

Er: Was heißt da nichts geschehen? Das Essen ist ja fast fertig. Ich brauche nur noch zehn Minuten.

Sie: Aber fertig ist es noch nicht wie vereinbart!

Nach dem Abendessen räumen beide das Geschirr weg.

Er: Nun sag, was war denn heute los?

Sie: Bitte verzeih mir, dass ich vorhin so schlecht gelaunt war. Ich war ungerecht zu dir. Aber ich war außer mir. Wir hatten heute Teambesprechung, und da hat unsere Chefin meine Kollegin gelobt wegen des guten Projektfortschritts. Dabei ist das doch mein Projekt und sie hat es nur interimistisch übernommen, während ich in Karenz war. Die Chefin hat mich mit keinem Wort erwähnt und meine Kollegin hat nichts dazu gesagt. (Sie beginnt bitterlich zu weinen.)

So passiert es oft: Wir sind verletzt oder frustriert wegen einer Sache und können kein Ventil finden. Dann kommen wir nach Hause – und wer ist Ventilersatz? Die Partnerin oder der Partner. Das ist natürlich nicht fair. Doch das ist im Grunde genommen der „Deal“, den wir zu Beginn unserer Beziehung eingegangen sind. In der Verliebtheit haben wir diesen unbewussten Vertrag geschlossen, dass wir füreinander da sein wollen, wenn es eng wird. In guten wie in schlechten Zeiten. Nur das Kleingedruckte haben wir nicht gelesen, denn da steht: Du wirst damit deine liebe Not haben!

Im Grunde ist es ein Vertrauensbeweis, wenn wir unsere Partner als Blitzableiter verwenden. Das mag Sie überraschen, doch wenn wir uns das näher anschauen, liegt es auf der Hand. Die Frau in unserer Beispielszene fühlt sich offenbar im Teammeeting nicht sicher genug, um dort ihren Frust loszuwerden. Nur bei ihrem Mann, in ihrer Familie fühlt sie sich sicher und kann ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Nur, dass sie nicht ihren Schmerz loslässt, sondern ihn in Wut umwandelt, weil Wut ein Gefühl ist, das wir viel leichter aushalten können als Schmerz. Wenn es Ihnen gelingt, solche Situationen als Vertrauensbeweis zu sehen, haben Sie schon viel gewonnen!

In der Szene ist etwas Wunderbares passiert: Der Mann ist ruhig geblieben. Oft passiert es auch, dass der andere explodiert und die Situation dann eskaliert. Doch dieser Mann hat wohl schon vermutet, dass es um etwas geht, das gar nichts mit ihm zu tun hat, und hat seine Partnerin dann auch danach gefragt. Das hat ihr die nötige Sicherheit gegeben, um von ihrem Schmerz zu erzählen und sich von ihm trösten zu lassen. Im Unternehmen, wo sie als Projektleiterin mehrere Mitarbeiter führt und viel Verantwortung trägt, war es für sie nicht möglich, ihre Gefühle zu zeigen. Auch sie hat sich schließlich vorbildlich verhalten, indem sie ihn wegen ihres Grants um Verzeihung gebeten hat.

Unsere Partner sind also in solchen Situationen Blitzableiter. Es kann gut sein, dass diese Blitzableiter die Situation nicht so gut durchschauen wie der Mann in unserem Beispiel. Wir laden unseren Schmutz bei ihnen ab, der in eine ganz andere Baustelle gehört, und strafen sie für etwas, das gar nichts mit ihnen zu tun hat – und alles nur, weil wir bei niemandem sonst so viel Vertrauen und Sicherheit genießen. Da ist es wirklich nur recht, wenn wir im Nachhinein, wenn wir uns wieder beruhigt haben, sagen können: „Es tut mir leid!“ und auch „Danke, dass du bei mir bleibst, auch wenn ich meinen Schmutz bei dir ablade.“

Genauso wichtig wie das Verständnis, dass es ein Vertrauensbeweis ist, ist auch, Stopp zu sagen, und zwar in Liebe und Wertschätzung: „Bitte sag mir, worum es geht. Ich habe den Eindruck, deine Wut hat gar nichts mit mir zu tun. Kann es sein, dass du dich gerade verrennst?“ Wenn es in der Situation nicht möglich ist, genug Ruhe für diese geforderte Selbsterkenntnis zu finden, dann vielleicht ein paar Stunden später. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen und entwirren Sie diese Vermischung der Situationen. Analysieren Sie in aller Ruhe, was das eigentliche Thema ist. Das hilft Ihnen auch, den Schmutz dort zu bereinigen, wo er hingehört. In unserer Szene oben hat die Frau gleich am nächsten Tag das Gespräch mit ihrer Chefin gesucht und die Sache konnte geklärt werden.

Ein besonderes Phänomen in diesem Zusammenhang ist, wenn das Fass überläuft. In der Früh ist das Frühstücksbrot schimmelig, auf dem Weg zur Arbeit werden Sie von einem Auto angespritzt. Im Büro läuft es zäh, das Essen in der Kantine schmeckt Ihnen nicht, am Nachmittag haben Sie Kopfweh und zu allem Überfluss eröffnet Ihnen Ihre Kollegin, dass sie morgen nicht kommen kann und Sie für zwei arbeiten werden müssen. Dann kommen Sie nach Hause und geraten in einen Streit, den Ihre beiden Kinder miteinander gerade austragen. Es reicht dann schon ein falsches Wort Ihres Partners, und die Zündschnur wird gezündet und die Explosion folgt.

Auch an solchen Tagen, wo einfach zu viel zusammenkommt, geht es darum zu klären, wo der Schmutz hingehört. Und noch etwas gilt es zu lernen: früher schon den Stopp-Schalter umlegen. In unserer Leistungsgesellschaft ist das eine Herausforderung, weil wir doch so viel aushalten wollen, um als anerkannter und wertvoller Mensch dazustehen. Doch vielleicht gelingt es Ihnen beim nächsten Mal, schon früher zu bemerken, wenn es Ihnen zu viel wird. Vielleicht gönnen Sie sich eine Mittagspause außer Haus, bei der Sie gut durchatmen und Ihre Batterie wieder aufladen können. Dann sammelt sich gar nicht erst so viel Schmutz an. Und wenn Ihnen auffällt, dass Sie häufig in solchen ermüdenden Tagen landen, dann laden wir Sie herzlich ein, zu hinterfragen, weshalb Sie sich so antreiben lassen und sich viel zu spät eine Auszeit gönnen. Auch hier hilft ein Blick in Ihre Familienhistorie, denn möglicherweise gibt es eine vorgelegte Spur, die sich vielleicht sogar schon über Generationen hinzieht.

Ein letztes, sehr hilfreiches Tool, um zu verhindern, Schmutz von außen in die Beziehung hineinzubringen, ist zu lernen, gute Übergänge zu gestalten. Wir haben oft einen stressigen Tag und manchmal sind uns die verschiedenen kleinen Widrigkeiten, die uns die Laune verdorben haben, gar nicht bewusst. Da hilft es, Rituale zu finden. Freunde von uns haben sich angewöhnt, mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause zu fahren, weil die körperliche Anstrengung ihnen hilft, so manches wegzustrampeln. Bewährt ist auch alles, was mit Wasser zu tun hat: beim Heimkommen als Erstes Hände waschen, duschen oder auch ein Glas Wasser trinken. Auch die Kleidung zu wechseln hilft. Ein Paar hat uns erzählt, dass die Frau sich beim Heimkommen zuerst in die Tür stellt, sagt, dass sie sich freut, hier zu sein, und sich ansonsten ein paar Minuten ruhig umschaut und sich auf diese Weise eintaktet in die private Welt.

In Beziehungen ist es eine unserer größten Aufgaben, genau zu unterscheiden, wo der Schmutz hingehört, der auf unser Gemüt drückt, damit wir ihn nicht unserer Partnerin, unserem Partner um die Ohren schmieren. Damit reduzieren wir nicht nur die vielen kleinen Querelen und zeigen gleichzeitig Respekt und Achtung vor unseren Beziehungen, sondern sind auch noch ein gutes Vorbild für die nächste Generation.

Wie konnte ich mich nur in die verlieben!

Wenn der reizende Mensch, in den wir uns verliebt haben, zu einer Enttäuschung wird, zweifelt man gern an der eigenen Urteilskraft.

Warum wir uns ausgerechnet in diesen einen Menschen verlieben und in keinen anderen – und was das für einen unschätzbaren Wert hat.


8. Der Zebraeffekt

Was hinter der Magie der Partnerwahl steckt. Wie wir unseren Seelenverwandten finden und welche unschätzbaren Vorteile das hat.

Er: Wo gehst du hin?

Sie: Habe ich dir doch gesagt, ich habe heute Supervision.

Er: Wann kommst du nach Hause?

Sie (ungehalten): Weiß ich nicht.

Er: Das letzte Mal ist es so spät geworden.

Sie (verärgert): Ich kann es dir nicht sagen. Du wirst bestimmt schon schlafen, wenn ich komme, also ist es doch egal!

Er: Bitte sage mir, wann du kommst. Ich mache mir sonst Sorgen!

Sie schnaubt wütend, verdreht die Augen und macht die Tür hinter sich zu.

Es ist schon etwas Magisches daran: Wir gehen an einem Samstagabend mit Freunden aus, und da ist plötzlich jemand, der offenbar einen Magneten eingebaut hat. Beim bloßen Anblick dieses Menschen kribbeln Schmetterlinge im Bauch, wir bekommen Herzklopfen, unsere Wangen röten sich leicht. Alle anderen rundherum sind nicht mehr wichtig. Amor hat seinen Pfeil abgeschossen und getroffen. Wir haben uns verliebt.

Warum jedoch verlieben wir uns gerade in diese eine Person? Wir finden vielleicht mehrere attraktiv, aber diese eine Person hat es uns angetan – woran liegt das? Weil diese eine Person mit uns seelenverwandt ist. Und weil die Natur uns so ausgestattet hat, dass wir diese Seelenverwandtschaft intuitiv erkennen, obwohl wir sie kognitiv noch gar nicht erfassen konnten. Wir haben ein Erklärungsmodell für Sie, damit Sie sich das gut vorstellen können: den Zebraeffekt.

Ein Zebra hat, wie Sie wissen, ein gestreiftes Fell, am Rumpf ist es längs-, an den Beinen quergestreift, und dort, wo diese zusammenstoßen, entsteht ein Muster, das wie ein Daumenabdruck höchst individuell ist. Wird ein Zebrababy geboren, ist es abhängig von seiner Mutter, weil es nur von ihr genährt wird. Es ist also überlebenswichtig, die Mutter in der Herde jederzeit erkennen zu können. Daher macht sich das Zebrababy ein inneres Bild von diesem individuellen Streifenmuster seiner Mutter. Mit dem Strichcode hat die Natur also vorgesorgt, dass jedes Zebrababy überleben kann.

Auch für uns Menschen hat die Natur eine Art Strichcode vorgesehen. Ab dem Zeitpunkt der Geburt machen wir uns ein inneres Bild von unseren Eltern und anderen Bezugspersonen. Das geschieht natürlich alles unbewusst. Als hätten wir eine integrierte Kamera eingebaut, speichern wir viele Bilder ab: wie gut es ist, wenn wir vor Hunger schreien und schnell an die Brust genommen werden; wie beängstigend es ist, wenn Mama und Papa streiten; wie Mama und Papa nach Schulschluss nicht zu Hause sind und wie überfordernd es als Schlüsselkind ist, auch noch auf das jüngere Geschwister aufpassen zu müssen; wie einsam man sich fühlt, wenn sich in der Familie alles nur um den kranken Bruder dreht … All diese unzähligen Erfahrungen werden abgespeichert und ergeben unseren individuellen Strichcode, mit dem wir durch die Welt gehen. Wenn wir dann auf einen Menschen treffen, der einen ähnlichen Strichcode mit sich herumträgt, passiert es: Wir fühlen uns hingezogen und verlieben uns.

Je größer die Seelenverwandtschaft – je ähnlicher also der Strichcode –, desto stärker ist die Anziehung. Wir bekommen schwitzige Hände, Herzklopfen, die Hormone kribbeln im Bauch. Wir geraten in einen Zustand der Euphorie, kommen mit weniger Schlaf und weniger Essen aus. Ein ganzer Hormoncocktail sorgt dafür, dass unser Kritikzentrum ausgeschaltet ist. Wir finden diesen Menschen toll! „Er ist mein Fels in der Brandung“, sagen wir dann, oder: „Sie ist so wunderbar quirlig, ich liebe das!“ Wir sehen also quasi nur die hellen Streifen im Zebramuster, die dunklen blenden wir aus, die interessieren uns nicht. Umgekehrt zeigen wir uns auch von unserer besten Seite, präsentieren unser ganzes Potenzial und wagen dabei Dinge, für die uns sonst immer der Mut gefehlt hat. Das ist auch gut so, denn würden wir gleichzeitig auch die dunklen Seiten sehen, würden wir uns womöglich gar nicht verlieben und die Menschheit wäre längst ausgestorben!

Warum machen wir das? Die Wissenschaft ist sich einig darin, dass die Seelenverwandtschaft der entscheidende Aspekt für die unbewusste Partnerwahl und auch der Kitt in der Beziehung ist. Wir Menschen haben alle den Willen zur Entwicklung in uns, und dazu müssen wir Erfahrungen machen und Anregungen bekommen, um zu lernen. Auch in puncto Beziehung wollen wir Erfahrungen machen und uns in unserer Persönlichkeit weiterentwickeln, wir wollen unsere eigenen Themen, unsere Licht- und Schattenseiten neu sortieren, bearbeiten und vielleicht auch korrigieren. Seelenverwandtschaft heißt, dass wir zu ähnlichen Themen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sie aber meist unterschiedlich bewältigt haben. Ein Beispiel: Beide haben streitende Eltern erlebt und die Angst, die man als kleines Kind dabei empfindet. Der Mann hat als Kind beschlossen, dass er das nie wieder erleben will, und geht jedem Konflikt aus dem Weg. Die Frau entwickelte als Kind eine Loyalität zu ihrem Vater, der den Streit meistens angezettelt hatte, und ist dann diejenige, die Konflikte auf den Tisch legt und anspricht. Das heißt, wir suchen uns einen Partner, der uns einerseits an die hellen Streifen unserer Kindheit erinnert, der uns aber auch an unseren wundesten Punkten frustrieren kann.

Schon an diesem Beispiel können Sie erkennen, dass in der Seelenverwandtschaft auch das Potenzial für Krisen steckt. Und so nehmen Beziehungsgeschichten auch ihren typischen Verlauf: Sobald nach ein paar Monaten die Verliebtheit langsam abklingt und der Alltag einkehrt, wird auch die emotionale Bindung weniger und wir werden dadurch verunsichert. Haben wir den richtigen Partner gewählt? Was uns zu Beginn der Verliebtheit begeistert hat, bekommt Risse. Aus einem schwärmerischen „Er ist mein Fels in der Brandung“ wird ein frustriertes „Er ist so langweilig und unternimmt nichts mit mir“, aus „Sie ist so erfrischend quirlig“ wird ein „Sie nervt mit ihrer dauernden Quasselei“. Man könnte sagen, dass wir uns dann langsam darauf einarbeiten, uns mit den dunklen Streifen unseres Strichcodes zu befassen: Wir konfrontieren einander mit den unangenehmen und schmerzlichen Themen aus unserer Kindheit. Weil wir diese Themen selbst gut kennen, sind wir da als Partnerin bzw. Partner auch sehr kompetent!

So unangenehm das auch ist, so ist dies der Weg, den wir brauchen, wenn wir etwas weiterentwickeln wollen. Im Englischen heißt es: „You cannot heal, what you do not feel.” Unsere Partnerin, unser Partner konfrontiert uns mit unseren schmerzlichsten Themen, die wir ja meistens unbewusst in uns tragen. Indem uns unser Partner frustriert und einen Konflikt provoziert, spüren wir diesen Schmerz wieder, und nur so kann er auch geheilt werden.

Das macht Beziehungen so herausfordernd. „So hat mich noch nie jemand frustriert“, sagen wir dann und denken über Trennung nach. Dabei haben wir uns diesen Menschen doch selbst ausgesucht, und zwar aus gutem Grund: der Strichcode, die Seelenverwandtschaft, die der Nährboden dafür ist, damit wir alte Wunden heilen und uns in unserer Persönlichkeit weiterentwickeln können. Denn das ist die Kunst der Liebe: es zu schaffen, sich nicht nur in der Verliebtheit mit allen Ressourcen zu unterstützen, sondern ein Leben lang.

Seelenverwandtschaften sind nicht immer leicht erkennbar. In der Szene zu Beginn dieses Impulses haben wir einen Dialog von uns selbst abgebildet: Sabine reagiert ganz offensichtlich gereizt darauf, dass Roland wissen möchte, wann sie heimkommt. Sie fühlt sich dadurch eingesperrt, überwacht. Mit jedem „Wann kommst du wieder?“ drückt er bei ihr einen roten Knopf, der direkt in eine alte Erfahrung von ihr führt: Ihre Mutter hat sie überbehütet. Verständlich, wenn man die Geschichte kennt, denn zwei Jahre, bevor sie geboren wurde, starb ihre Schwester durch einen tragischen Unfall. Aus Angst, der jüngeren Tochter könnte auch etwas passieren, wurde sie quasi eingesperrt. Und noch etwas schwang mit, das ihr Vater einmal treffend auf den Punkt brachte: „Es war schlimm, dass deine Schwester starb“, sagte er, „doch dann kamst du, und dann war alles wieder in Ordnung.“ Es war also implizit ihr Auftrag, den Verlust wiedergutzumachen.

Auch in Rolands Geschichte gab es einen tragischen Verlust im Leben seiner Mutter, und auch er sollte etwas wiedergutmachen. In einem langen Gespräch mit seiner Mutter erfuhr er, dass sie im Krieg schon einmal verlobt war, ihr Verlobter aber im Krieg fiel. Wie es damals so war, sperrte sie ihren Schmerz und ihre Trauer in den hintersten Winkel ihrer Seele und beschloss unbewusst, nie wieder eine neue Liebe einzugehen. Doch wie das so ist mit negativ formulierten Beschlüssen6, kam es anders und sie verliebte sich – in Rolands Vater. Sie gebar drei Mädchen und dann kam endlich der lang ersehnte Stammhalter zur Welt. Und so hörte Roland tatsächlich denselben Satz wie Sabine: „Und dann kamst du zur Welt, und alles war in Ordnung.“

Ein weiterer Teil unserer Seelenverwandtschaft ist, wie wir als Kinder mit unseren Bedürfnissen gesehen wurden: Sabine, die zu viel Aufmerksamkeit bekam, so viel, dass es sie erdrückte und sie sich eingesperrt und unfrei fühlte. Roland, der viel zu viel alleine war, weil die Eltern sehr viel arbeiteten. Und so drücken wir beide in diesem Dialog auf den wunden Punkt des anderen und reagieren inadäquat: Roland drückt auf Sabines Wunde des Eingesperrtseins und Sabine drückt auf Rolands Wunde des Verlassenseins.

Das Wichtigste ist, dass wir wissen: Es ist die Seelenverwandtschaft, die starke Verbindungen erzeugt. Und jedes Mal, wenn wir dank dieser Seelenverwandtschaft auf wunde Punkte stoßen, sollten wir nicht böse auseinandergehen, sondern hinschauen, wie wir den eigenen Strichcode, den wir aussenden, verändern können. Zu jeder Beziehung gehören nun einmal nicht nur die hellen Streifen, sondern auch die dunklen. Und so, wie wir uns über die hellen Streifen freuen, sollten wir auch die dunklen als ein Geschenk, als Teil der gemeinsamen Entwicklung betrachten.7

6siehe auch Impuls Nr. 25

7Falls „Geschenk“ Sie ungläubig den Kopf schütteln lässt: Lesen Sie Impuls Nr. 10!

9. Überlebensmuster sind kompliziert

Was als Kind überlebensnotwendige Verhaltensmuster sind, sind meist hinderliche Verhaltensmuster im Erwachsenenleben. Über den Sinn des Auflösens.

Sie und er im Urlaub in Südspanien. Die Sonne scheint, der Oleander duftet und die Alhambra, die sie gerade besichtigen, beeindruckt in ihrer Perfektion und Einzigartigkeit.

Sie: Wow, schau dir das an! Ist es nicht beeindruckend, dieses Bewässerungssystem, das die Menschen damals schon entwickelt haben? Und da, diese Fliesen … Hey, du! Was ist mit dir?

Er (sorgenvoll): Du, schau einmal, ich habe doch da etwas auf der Lippe.

Sie: Was denn? (Sie sieht sich die Stelle an.) Da ist doch nichts. Eine leichte Rötung, nichts Besonderes.

Er (entrüstet): Nichts Besonderes? Das könnte Krebs sein!

Sie: Ach geh! Die Sonne hat dir vielleicht ein bisschen die Lippe gereizt. Hier, ich habe einen Lippenbalsam.

Er (geschockt): Was?! Ich habe hier vermutlich Krebs und du kommst mir damit? Ich hab schon mit meinem Hausarzt telefoniert! Er meint, das wäre nichts Schlimmes. Aber er kann das ja aus der Ferne gar nicht beurteilen!

Kurz darauf erreicht ihn ein Anruf aus dem Büro. Die Computer sind abgestürzt. Er telefoniert zwei Stunden lang und schafft es von Spanien aus, das Problem zu lösen. Als sie beim Abendessen sitzen, spricht sie ihn noch einmal darauf an.

Sie: Wie geht es denn deiner Lippe?

Er: Wieso? Was soll mit meiner Lippe sein?

Ja, wir Menschen können uns das Leben schon ordentlich schwermachen. Da könnten wir den Urlaub genießen und uns freuen, weil das Leben gerade sein Füllhorn über uns ausschüttet, und dann sorgen wir uns wegen eines roten Tüpfelchens auf der Lippe. Am wohl unterhaltsamsten und auch drastischsten hat es Hollywood im Film „Besser geht’s nicht“ mit Jack Nicholson als Zwangsneurotiker par excellence dargestellt. Seine Überlebensmuster zeigen sich anhand von Türschnallen, die er nicht angreifen kann, oder der Haustür, die er täglich im selben Ritual fünfmal nach links und dann nach rechts zusperren muss. Er legt damit sich selbst und auch sein Umfeld in Ketten und verpasst das Leben.

Überlebensmuster entstehen immer aus einer Not heraus, in einer Zeit, in der wir mit schwierigen Ereignissen nicht reflektiert umgehen können, also vor allem in unserer Kindheit. Der Dialog oben hat sich zwischen uns vor etlichen Jahren abgespielt. Dieses neurotische Verhalten hat seinen Ursprung, als der kleine Roland sich mit seiner Großmutter konfrontiert sah, die immer nur sterben wollte. „Ich will sterben“ war ihr Standardsatz und ergänzte quasi perfekt das insgesamt düstere Bild der schwarz gekleideten, gebeugten Frau, die am Rollator so oft an Rolands Zimmer vorbeizuckelte. Als kleiner Bub war ihm dieses Verhalten unheimlich und es machte ihm Angst. Doch es war nur selten jemand da, dem er sich anvertrauen konnte. Seine Eltern waren im familiären Betrieb eingespannt, und so war er viel alleine. Wenn er allerdings krank war, war seine Mutter präsenter. So lernte er dreierlei: Zum einen übernahm er die kreisenden Gedanken über den Tod, zum anderen, dass Krankheit manchmal Aufmerksamkeit beschert, und drittens zeigte ihm das Vorbild seiner Eltern, dass Arbeit einen wichtigen Wert hat und einen vor sorgenvollen Gedanken schützt.

Solche Schutzmechanismen bleiben in uns gespeichert und werden im Erwachsenenleben in bestimmten Situationen abgerufen, wie unser Dialog zeigt. Und sie verselbstständigen sich: Im schönsten Ambiente denkt er über den Tod nach, obwohl seine Frau ihm viel Aufmerksamkeit schenkt. Erst als der Anruf kommt, hat er sein vertrautes Überlebensmuster zur Seite gelegt und kann sich mit Arbeit ablenken. Das ist, was Schutzmechanismen ausmacht: Sie sind kompliziert und von außen rein objektiv auch nicht zu verstehen. Man versteht sie erst, wenn man hinter die Kulissen schaut.

Überlebensmuster vergleichen wir gerne mit Krücken. Zu einer Zeit, wo wir mit schwierigen Situationen nicht gut umgehen können, legen wir uns Krücken zu. Rolands Krücke ist, dass er sich gern in die Arbeit stürzt, damit kein Platz für düstere Gedanken entstehen kann. Wenn das nicht möglich ist – wie im Urlaub –, dann kriechen die großmütterlichen Energien hervor, und erst die Arbeit kann ihn wieder beruhigen. Wenn wir noch einmal einen Blick in den Film mit Jack Nicholson werfen, finden wir eine ganze Palette an Krücken: Er vermeidet es, auf Striche zu steigen, oder nimmt sich sein eigenes Besteck ins Restaurant mit, und alles nur, weil ihm das ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.

Genauso ist es eine Krücke, wenn Sie sich in zu viel Arbeit flüchten, um sich selbst, eine innere Traurigkeit oder einen Frust nicht allzu sehr spüren zu müssen. Oder wenn Sie sich unsichtbar machen aus Angst, etwas falsch zu machen und wie in Ihrer Kindheit geohrfeigt zu werden. Dieses letzte Beispiel zeigt auch ganz wunderbar, wie sehr eine Krücke in der Kindheit notwendig ist – und wie wenig passend sie im Erwachsenenleben ist: Ein Kind, das beobachtet, dass der Bruder immer wieder geschlagen wird, kann verschiedene Strategien entwickeln. Eine davon ist, dass es lernt, sich zu ducken und unsichtbar zu werden, um nur ja nicht auch die strenge Hand der Mutter zu spüren. Das ist eine sehr vernünftige Überlebensstrategie, nicht? Als Erwachsene zeigt sich diese Überlebensstrategie dann zum Beispiel darin, dass sie weiterhin unsichtbar bleibt: Sie kleidet sich unscheinbar, meidet es, Vorträge zu halten, und lehnt Einladungen zu TV-Talkshows ab, obwohl sie als Expertin viel zu sagen hätte.

Doch im Erwachsenenalter gibt es keine schlagende Hand, vor der man sich zu schützen hat. Trotzdem behält man seine Krücke und stützt sich auf sie, weil man sie verinnerlicht hat und gar nicht auf die Idee kommt, dass man auch anders leben kann. Wenn Sie zu jenen Menschen gehören, die sich aus welchen früheren Gründen auch immer zur Unsichtbarkeit entschieden haben, überlegen Sie: Was würde denn heute passieren, wenn Sie laut und klar Ihre Meinung sagen? Wenn Sie auf einer Bühne vor Publikum sprechen? Wenn Sie Ihren Wunsch durchsetzen und nicht wieder klein beigeben? Wäre dann Ihr Überleben bedroht? Höchstwahrscheinlich nicht.

Viel besser wäre es, Sie würden sich vornehmen, Ihr Verhalten zu verändern. Denn mit jedem Akt des Unsichtbarmachens unterdrücken Sie Ihr Potenzial und nützen es nicht. Das ist doch schade!

Wir Menschen werden geboren als Individuen, die sich entfalten wollen und wachsen, die ihre Lebendigkeit dadurch spüren wollen, indem sie alle Register ziehen, die sie zur Verfügung haben.

Diese Krücken stehen – psychologisch betrachtet – für das sogenannte „verlorene Selbst“. Wir sind mit einem Potenzial geboren, doch die Umstände in unserer Kindheit haben dazu geführt, dass wir manches davon verlieren. Und hier kehren wir zur Eingangsfrage zurück: Wie konnte ich mich nur in den verlieben? Genau darum: Weil Ihr Partner, Ihre Partnerin die perfekte Person ist, um Ihr verlorenes Selbst wiederzufinden und es in Ihr Leben zu reintegrieren.

Wir haben im Impuls Nr. 8 über die Seelenverwandtschaft geschrieben, die dafür verantwortlich ist, dass wir uns ineinander verlieben. Gleichzeitig erleben wir es oft, wie gegensätzlich wir sind: Sie ist ein Fels in der Brandung, der sich durch nichts erschüttern lässt – und er ist der quirlige Hans Dampf in allen Gassen. Das ist kein Widerspruch: Diesem konträren Verhalten liegt ein gemeinsames Thema zugrunde, das könnte durchaus ein ähnliches sein wie wir das beispielsweise bei den beiden Damen an der Kasse in Impuls Nr. 2 gezeigt haben. Und genau diese Gegensätze kommen uns beim verlorenen Selbst zu Hilfe.

Die Frau, die ihren Mann beim Verlieben durch ihre Ruhe und Besonnenheit so begeistert hat, hat vielleicht früh gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken. Wenn es Zoff im Büro gibt, will sie gar nicht weiter drüber reden. Das ist ihr verlorenes Selbst. Das verlorene Selbst des Mannes ist in diesem Beispiel diametral: Er wurde so geprägt, dass Gefühle gut sind und man sie zeigen muss. Was ihm fehlt, ist die Fähigkeit innezuhalten, nachzudenken und einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie erkennen bestimmt, wie schön sich die beiden ergänzen.

Solche Gegensätze führen jedoch zuerst einmal gerne in einen Konflikt: Sie ist eine Langweilerin und er eine Nervensäge, denn sie steigt nicht auf seinen Wunsch nach Abenteuer und Aktivität ein und er nicht auf ihr Bedürfnis nach Ruhe. Der Sinn einer Partnerschaft ist, dass beide die Chance nutzen und ihr verlorenes Selbst mithilfe des oder der anderen wiedererlangen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Wenn Sie sich am Bein verletzt haben und zwei Monate lang mit Krücken durch die Gegend humpeln mussten, werden Sie umfallen, wenn Sie von einem Tag auf den anderen die Krücken weglegen. Da ist es besser, Sie legen vorerst einmal nur eine weg. Doch wenn Sie sich Zeit lassen und langsam einen Schritt nach dem anderen tun, dann entwickeln Sie sich zu einem perfekten Team!

10. Wenn der Partner unangenehm zupft

Warum Frustrationen ein doppeltes Geschenk sind und über den Sinn, daher auch Unangenehmes anzusprechen.

Sie: Kommt gar nicht in Frage, das mache ich nicht!

Er: Aber warum denn nicht? Es ist doch keine große Sache, sich auf die Bühne zu stellen und diesen Vortrag zu halten.

Sie: Ich sterbe tausend Tode, bevor ich mich auf diese Bühne traue. Nie und nimmer mache ich das! Die vielen Leute im Publikum, die würden mich zerpflücken und in der Luft zerreißen.

Er (ungehalten): So ein Blödsinn. Du bist doch Expertin auf deinem Gebiet.

Sie: Und erst recht all die Neider, die mein Vortrag auf den Plan rufen wird. Das brauche ich wirklich nicht.

Er (mittlerweile richtig wütend): Das ist doch ausgemachter Unsinn! Du glaubst, wenn du dich versteckst, wird dein Leben einfacher? Ganz im Gegenteil!

Sie: Schluss jetzt. Ich will nicht mehr drüber reden.

Der bereits im Impuls Nr. 9 erwähnte Kinoheld Melvin Udall kann im Film „Besser geht’s nicht“ nicht einmal von seinem Psychiater von seinen Zwangsneurosen geheilt werden. Sehr wohl aber von Carol Connelly, gespielt von der genialen Helen Hunt. Nur sie schafft es, ihn in seine Schranken zu weisen. Warum? Weil er sich in sie verliebt und sie wohl die einzige Person in seinem Leben ist, die er ernst nimmt. Weil sie beide Seelenverwandte sind. Sie droht ihm mit Lokalverbot, wenn er sich nicht besser benimmt, und mehrmals macht sie ihm klar, dass es ihr reicht, so unmöglich, wie er sich verhält. Damit „zwingt“ sie ihn, sein Verhalten zu verändern, denn sonst würde er seine Seelenverwandte verlieren. Sie zupft ihn ganz gewaltig an seinen Marotten und Neurosen, und am Ende wird er tatsächlich zu einem erträglichen Menschen. Auch umgekehrt erfährt sie selbst durch diese Beziehung Heilung. Sie ist eine, die sich nicht helfen lassen will und alles alleine stemmen muss, was sie über ihre Grenzen der Belastbarkeit bringt mit ihrem kranken Sohn. Er zeigt sich trotz aller Schrulligkeit als großzügiger Helfer und unterstützt sie, damit ihr Sohn die richtige Behandlung bekommen kann. Und so lernt sie, dass man sich anderen anvertrauen und Hilfe annehmen kann.

In unser aller Leben ist es nicht immer so drastisch wie in diesem Film. Zu Beginn einer Beziehung, wenn wir verliebt sind, sehen wir die meisten Seltsamkeiten ohnehin nicht, oder wenn, dann sind wir voll der Liebe: Ach, sie traut sich nicht, einen Vortrag zu halten – wie bescheiden, wie rührend, wie süß! Das Überlebensmuster der Angebeteten wird schöngeredet. Vielleicht sind wir sogar ein bisschen froh über diese zurückhaltende Art, weil auch wir die Erfahrung gemacht haben, dass zu viel der überschießenden Lebenskraft ganz schön bedrohlich sein kann. Doch spätestens, wenn der Alltag unsere Beziehung bestimmt, kann diese Bescheidenheit unerträglich werden, weil wir erkennen: Sie steht auf der Bremse und stellt sich nicht ihren Herausforderungen.

Als Paartherapeuten orten wir hier jedoch ein Problem: Wir konfrontieren unsere Partnerin mit ihrem Überlebensmuster erst, wenn es uns wirklich schon reicht. Wir haben also quasi den Überlaufschwimmer, der den Wasserfluss rechtzeitig stoppt, viel zu hoch montiert. Und dann, wenn uns ihr Verhalten ohnehin schon viel zu lange gestört hat, bricht es aus uns heraus und wir reagieren verärgert und wütend. Und wie reagiert die Partnerin dann? Ganz klar: mit Abwehr. Es kann sogar nur noch schlimmer werden, weil sie dann ihre Überlebensmuster noch mehr verteidigen muss. Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt, muss sich zur Wehr setzen, so ist das nun einmal.

Max Frisch brachte es auf den Punkt, wie man als Überbringer einer Botschaft so ankommt, dass sich etwas verändern kann: „Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.“ Wertschätzung ist immer ein passender Mantel. „Ich weiß, dass du dich gern mit deinem Wissen versteckst. Als Kind hast du es gelernt, dass es eine gute Strategie ist, unsichtbar zu bleiben, weil du dadurch glimpflich davongekommen bist, während dein vorlauter Bruder geschlagen wurde. Unsichtbar zu sein war daher für dich eine wichtige Überlebensstrategie. Heute, als erwachsener Mensch, brauchst du diese Strategie jedoch nicht mehr.“ So könnte eine gute Kommunikation lauten, die es möglich macht, in die Lebenskraft zu kommen und sichtbar zu werden.

Unsere Partner und Partnerinnen brauchen nicht nur die Wertschätzung dafür, dass ihre Komfortzone eine wichtige Überlebensstrategie aus der Kindheit war. Sie brauchen auch das Verständnis, dass das Verlassen dieser Komfortzone mit viel Angst, Scheu und Scham verbunden ist. Da nützt es gar nichts zu sagen: „Ach, stell dich nicht so an.“ Es ist so, als würde jemand noch mit Krücken gehen, obwohl seine Fußverletzung schon seit Jahren geheilt ist. Da bringt es auch nichts, wenn man ihm von heute auf morgen die Krücken wegnimmt – die Muskeln wären so verkümmert, dass dieser Mensch trotz geheiltem Fuß nicht gehen könnte, und er würde umfallen. Da braucht es eine langsame Annäherung: zunächst mit nur einer Krücke üben und fleißig Kräftigungsübungen machen, und erst dann kann man den ersten Versuch wagen, ohne Krücken zu gehen.

Eines jedenfalls ist gewiss: Niemand hat große Lust darauf, das ganze Leben lang mit Krücken zu gehen. Es ist nur die Angst, die uns im Vertrauten hängen bleiben lässt. In Wahrheit sind wir wohl eher ambivalent: Wir wollen in der Komfortzone bleiben und wir wollen in die Lebensfreude kommen. Also zupfen Sie sich ruhig gegenseitig immer wieder! Idealerweise nicht erst, wenn das Fass schon am Überlaufen ist, und auf jeden Fall in Liebe und Wertschätzung.

Um Sie zu motivieren, aus Ihrer Komfortzone zu steigen: Frustrationen sind ein Geschenk – und nicht nur das, sie sind sogar gleich ein doppeltes Geschenk! Falls Sie uns jetzt für verrückt erklären: Wir beweisen es Ihnen anhand eines Beispiels aus unserem eigenen Leben.

Eines unserer Streitthemen früher war, dass Roland sich mit seinen Ängsten vor Krankheiten und dem Tod von Sabine nicht ernst genommen fühlte. Wenn er ihr seine Sorgen erzählte, schob sie diese schnell vom Tisch: „Ach, was du schon wieder hast. Da ist doch nichts!“ Dieses Verhalten frustrierte ihn sehr. In einer der damals zahlreichen Therapiesitzungen, die sie besuchten, erzählte er ihr dann von seiner Oma, die ihr Zimmer neben ihm hatte und ständig davon redete, dass sie sterben wolle, wie wir das in Impuls Nr. 9 schon erzählt haben.

Dieses Bewusstwerden über den Zusammenhang mit dieser alten Geschichte, das Aufarbeiten, das Heilen dieser alten Wunde und der damit entstehende Gewinn von Lebensfreude war das erste Geschenk für Roland. Und das zweite Geschenk kam gleich dazu: Indem Sabine diesen tiefen Schmerz verstehen konnte, konnte sie auch ihr Verhalten ihm gegenüber verändern und sich mutig als Frau zeigen.

So ist das mit dem Frust: Er entsteht, weil der größte Schmerz der einen Person mit der größten Not der anderen zusammenkommt. An diesem Punkt kann der eine seine alten Wunden heilen und die andere wachsen und sich entwickeln. Sie sehen: Beide profitieren! Eigentlich könnten Sie ab nun bei jedem Frust die Arme hochreißen und rufen: „Hurra, wir haben ein Problem!“ Denn dann sind Sie im Grunde genommen mitten drin in dem, was wir in unserer Einleitung geschrieben haben: Beziehungen sind wie ein Labor, in dem es darum geht, dass zwei Menschen sich zu reifen Individuen entwickeln.

11. Ein Hungerkünstler kommt selten allein

Wenn zwei sich finden, schaut Amor auf die Seelenverwandtschaft. Und er schaut auch darauf, dass Gegensätze aufeinandertreffen.

Er: Sag, warst du schon einkaufen? Der Kühlschrank ist fast leer! Sie: Ich war doch gestern einkaufen. (Sie schaut erstaunt in den Kühlschrank.) Aber es ist doch alles da, Milch, sechs Eier … Da wirst du doch wohl nicht verhungern!

Er (ungehalten): Bitte schau genau. In der Milchpackung ist gerade einmal ein Tropfen drin.

Sie: Okay, davon hätte ich schon mehr kaufen können, da hast du Recht.

Er (alarmiert): Und überhaupt. Wir wollten doch ein großes Frühstück machen und einen Kuchen backen. Du kaufst immer viel zu wenig ein! Was soll das?

Sie: Ach du, du übertreibst immer. Es ist immer genug da, und trotzdem ist es dir nie genug. Du wirst schon sehen, das passt schon.

Er: Nein, also wirklich. Mir reicht’s! Ich gehe jetzt zum Markt einkaufen.

So ist es oft: Wo der eine gähnende Leere im Kühlschrank sieht, erkennt die andere die Fülle. Wo der eine aufgebracht seine Wünsche einfordert, beschwichtigt die andere und gibt klein bei. Und so kennen Sie es vermutlich auch: Es gibt Themen, da sind Sie und Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin eindeutig uneins.

Wenn wir von Liebe sprechen, denken wir gerne an Seelenverwandtschaft – wie wir das im Impuls Nr. 8 mit dem Zebraeffekt dargelegt haben. Gleichzeitig sagt man: Gegensätze ziehen sich an. Auch das ist richtig, und es schließt das eine das andere gar nicht aus. Wenn wir es näher betrachten, erkennen wir, dass beides sogar eng miteinander verbunden ist: Es sind die gemeinsamen Themen und oft auch ähnlichen Gefühlszustände in der Kindheit, die uns den passenden Strichcode erkennen lassen. Doch sind wir in unserer Kindheit mit diesen Themen und Gefühlen unterschiedlich umgegangen, sodass sich daraus Gegensätzlichkeiten entwickeln. Ein Beispiel aus unserer eigenen Geschichte:

Wir haben beide das typische Schicksal der 50er-Jahre-Kinder erlebt, die Eltern waren mit dem Wiederaufbau beschäftigt und haben versucht, manches nachzuholen und zu kompensieren. Da war für uns als Kinder nicht viel Platz, was emotionale Zuwendung und Sichtbarkeit anlangte. Unsere Eltern haben uns natürlich geliebt, wie das fast alle auf dieser Welt damals wie heute tun, und sie haben alles ihnen Mögliche getan, damit es uns finanziell und physisch gutgeht. Doch wir wurden nicht ausreichend gesehen, unsere seelischen Bedürfnisse wurden nur wenig wahrgenommen. Das ist, was unsere – Rolands und Sabines – Seelenverwandtschaft unter anderem ausmacht.

Unsere Gegensätze entwickelten sich daraus, wie wir mit diesem Nicht-Gesehen-Werden umgegangen sind, welche kindlichen Schutzmechanismen wir entwickelt haben. Sabines Schutzmechanismus war der, dass sie sich zurückgezogen hat – so quasi nach der Logik: Wenn ich wenig Energie aufwende, brauche ich auch nicht viel. Außerdem beschloss sie unbewusst: Ich bleibe bescheiden und brav, vielleicht werde ich dann doch belohnt und bekomme ein Stück emotionaler Zuwendung. Ruhig bleiben und sich zurückziehen, das war Sabines Art, mit ihrer Welt damals zurechtzukommen.

Roland hielt es eher wie Pippi Langstrumpf, nach dem Motto: Wenn es etwas Gutes gibt, muss man sich ranhalten, sonst kommt man zu kurz. Natürlich war auch sein Beschluss unbewusst. Er war als Kind schon sehr aktiv. Ein Beispiel: Weil seine Eltern so wenig Zeit für ihn hatten und es eigentlich nur sonntags ein gemeinsames Frühstück gab, war er es, der meist schon am Vorabend den Tisch deckte. So sorgte er dafür, dass er bekam, was er sonst so vermisste: Nähe und Anerkennung. Sonst wäre er ja emotional verhungert!

Genauso können aus derselben emotionalen Kargheit andere Menschen ganz andere Schutzmuster entwickelt haben: Der eine stopft zu viel Essen in sich hinein, die andere isst nur heimlich, der Dritte plündert regelmäßig die Naschlade der Oma und die Vierte hortet kein Essen, dafür aber jede Menge Puppen in ihrem Zimmer. Ja, wir sind als Kinder sehr kreativ, wenn es darum geht, mit unserer Welt umzugehen, wenn wir sonst keine Mittel haben, uns zu wehren oder sie uns zu erklären.

Diese Schutzmuster sind meistens direkt mit unserem Hirnstamm verbunden – das ist der älteste Teil unseres Gehirns, das vier Reaktionsmuster kennt: Angriff, Flucht, Erstarrung (oder Totstellen) und Unterwerfung.8 Sie repräsentieren das, was wir mit allen Tieren gemeinsam haben, nämlich die möglichen Reaktionen auf Gefahr. Angreifen und Flüchten sind zwei Strategien, bei denen wir unsere Energie aktivieren und maximieren. Wenn wir erstarren oder uns unterwerfen, minimieren wir sie. In der Imagotherapie sprechen wir gerne von Hagelsturm und Schildkröte – Sie können sich bestimmt denken, dass der Hagelsturm der Maximierer und die Schildkröte die Minimiererin ist.

In einer Paarbeziehung treffen meistens ein Hagelsturm und eine Schildkröte zusammen, wobei aus unserer Beobachtung heraus mehrheitlich die Frauen der Hagelsturm und die Männer die Schildkröte sind. Haben Sie eine Idee, wer in Ihrer Beziehung welche Rolle hat? Wenn Sie gerade in keiner Beziehung leben: Wie war es in Ihrer letzten Beziehung? Kann sein, dass sich das auf den ersten Blick nicht gleich festmachen lässt. Doch dort, wo Stress auftaucht und wir mit unseren ältesten Schutzmustern konfrontiert werden, wird das deutlich. Hagelsturm und Schildkröte sind Sie nicht nur in Ihrer Paarbeziehung, sondern auch darüber hinaus, und nicht selten zeigt ein und dieselbe Person im Beruf die eine Qualität und privat die andere – und umgekehrt.

Bei uns Bösels ist es so, dass Sabine die Minimiererin ist und Roland der Maximierer. Wenn Sie die Szene zu Beginn dieses Impulses noch einmal lesen, werden Sie sehen, dass die beiden genauso gut wir beide sein könnten: Er, der Hagelsturm, sieht im letzten Tropfen Milch die Hungersnot ausbrechen. Ganz seinem unbewussten Schutzmuster folgend reagiert er alarmiert: Essen muss her! Und er aktiviert seine Energie: Er muss auf den Markt gehen und einkaufen! Sie, die Schildkröte, hat gemäß Schutzmuster gelernt, genügsam zu sein. Für sie ist der Kühlschrank ausreichend gefüllt. Auf seinen „Angriff“ reagiert sie beschwichtigend, sie gibt ihm Recht und zieht sich zurück. Hauptsache kein Streit!

Es liegt auf der Hand, dass aus Gegensätzen leicht Konflikte und Streit entstehen können – doch nur, weil es da ein offenes Thema gibt, das beide nicht aufgearbeitet haben. Deshalb überreagieren beide auch. Gäbe es zwar unterschiedliche Ansichten über die Fülle im Kühlschrank, aber kein emotional aufgeladenes Thema im Hintergrund, würden sie sachlich einen Check machen, ob tatsächlich alles da ist, was sie brauchen, und bei Bedarf einkaufen gehen oder nicht. Und die Sache wäre erledigt.

Hagelsturm und Schildkröte, diese Kombination ist gleichzeitig auch sehr wichtig: Gegensätze ermöglichen es, dass wir uns ergänzen. Stellen Sie sich vor, es gäbe in einer Paarbeziehung zwei Maximierer. Die hätten vermutlich drei Kühlschränke in der Wohnung – sofern sie sich nicht schon längst zerfleischt hätten mit ihrer aufbrausenden, lautstarken Art, mit der sie auf Konflikte reagieren. Und zwei Schildkröten wären vermutlich verhungert, jede in ihrem Panzer zurückgezogen. Nur in der Gegensätzlichkeit können wir gut leben. So wie ein Projektteam bei guter und verständiger Führung umso bessere Ergebnisse liefert, je vielfältiger die Kompetenzen der einzelnen Teammitglieder sind, so wichtig ist es auch für das „Team Liebespaar“, unterschiedliche Qualitäten einzubringen. Hagelsturm und Schildkröte können ganz wunderbar voneinander lernen: die Schildkröte, indem sie sich ihre Bedürfnisse einfordern traut, der Hagelsturm, indem er so manches ein bisschen weniger dramatisiert. Wie so oft hilft auch hier ein Blick hinter die Kulissen. Die Seelenverwandtschaft hat so viele Gesichter: Beide kennen die Einsamkeit als Kind oder haben keinen Platz in der Familie bekommen, beide haben wenig Anerkennung erfahren oder auch ähnliche Schicksalsschläge aller Art in der Familie erlebt wie Tod, Selbstmord, Depressionen oder schwere Krankheiten. Vielleicht haben es beide auch erlebt, entwurzelt zu werden, weil die Familien aus verschiedenen Gründen immer wieder umgezogen sind und dadurch immer wieder Freunde verloren haben. Gehen Sie Ihren Gemeinsamkeiten auf die Spur: Was hat Sie zur Schildkröte, zum Hagelsturm werden lassen? Welches gemeinsame Thema können Sie ausmachen? Lernen Sie ein neues Lied: das dynamische Duett!

8siehe auch Impuls Nr. 19

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