Kitabı oku: «Kobudo 2»

Yazı tipi:

Roland Habersetzer

Kobudô

Band 2: Nunchaku, Tonfa, Polizei-Tonfa

Aus dem Französischen

von Frank Elstner

Palisander

Hinweis: Weder der Autor noch der Verlag übernehmen Verantwortung für Folgen, die sich aus dem Gebrauch oder dem Mißbrauch von Informationen, die in diesem Werk enthalten sind, ergeben können. Sie erinnern des weiteren daran, daß beim Umgang mit den hierin beschriebenen Waffen die jeweiligen landesspezifischen waffentechnischen Regelungen unbedingt einzuhalten sind. Es obliegt der Eigenverantwortung des Praktizierenden, sich über diese Bestimmungen ausreichend zu informieren. Allgemein gilt, daß der Umgang mit den Waffen des Kobudô vernünftig, vorsichtig, kontrolliert und angemessen zu erfolgen hat.

Der Verlag dankt Sven Hensel, Oliver Siegemund (CRB), Janett Kühnert und Norbert Wölfel vom Chemnitzer Karateverein, Helmut Götz, Mitglied des CRB aus Weiden und Franz Scheiner, Mitglied des CRB aus Würzburg, für die fachliche Unterstützung bei der Redaktion.

Deutsche Erstausgabe

1. Auflage 04/​2007

Titel der Originalausgaben:

Kobudo 2. Nunchaku et Tonfa

© 1986 by Éditions Amphora s.a., Paris

Tonfa - art martial, technique d’intervention

© 1996 by Éditions Amphora s.a., Paris

Deutsch von Frank Elstner

© 2007 by Palisander Verlag, Chemnitz

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Anja Elstner

Redaktion & Layout: Viola Börner und Frank Elstner

Illustrationen: Roland Habersetzer, Archiv Roland Habersetzer

Fotos: Gabrielle Habersetzer, Archiv Roland Habersetzer

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

ISBN 978-3-938305-42-3

www.palisander-verlag.de

In Zeiten des Krieges muß man die Künste des Budô üben, um überleben zu können, in Zeiten des Friedens, um länger leben zu können …

Matayoshi Shinpô (1922 - 1997)

Dem Andenken von Meister Matayoshi Shinpô gewidmet als Zeichen des Respekts und der Dankbarkeit für das, was er darstellte und für all sein Wissen. Mögen auch in Zukunft weitere dem Weg seines Kobudô folgen.

Roland Habersetzer


Roland Habersetzer mit Tonfa (Saint-Nabor, 2006)


Der Autor

Roland Habersetzer, Jahrgang 1942, ist seit 1957 Praktizierender der Kampfkünste. Bereits 1961 erhielt er den 1. Dan und wurde so zu einem der ersten französischen »Schwarzgurte« im Karate. Zu recht wird er sowohl als Spezialist der japanischen Kampfkünste (Budô) als auch der chinesischen (Wushu) angesehen. Nachdem er verschiedene Graduierungen in Frankreich, Japan und China erhalten hatte, wurde Roland Habersetzer im April 2006 in Japan durch O-Sensei Tsuneyoshi Ogura (10. Dan, Leiter des Dôjô Gembukan in Kofu, Schüler von Yamaguchi Gôgen und von Gima Makoto) der 9. Dan, Hanshi, sowie der Titel eines Soke (Meister-Gründer) für seinen eigenen Kampfkunststil »Tengû no michi«. (Tengû ryû Karatedô, Kobudô, Hôjutsu) verliehen. Diese Graduierungen und Titel wurden durch Tadahiko Ôtsuka vom Tokioter Gôjûkensha (anerkannter Meister des Gôjû ryû, des Naha te und des Shuri te und direkter Schüler von Higa Yûchoku, von welchem er den Titel des Hanshi erhalten hat) bestätigt. Damit wurden seine außerordentlichen Bemühungen bei der Verbreitung der Kampfkünste und die hohe Effektivität seines Wirkens gewürdigt. Bestätigt wurde hierdurch ebenfalls der Sinn, den Roland Habersetzer stets in den nunmehr 49 Jahren seiner Kampfkunstpraxis und in seinem Engagement für eine authentische Tradition gesehen hat, einer Tradition, die im Zeichen des größten Respekts vor den Stufen »Shu«, »Ha« und »Li« steht. Schließlich stellt dies auch die Legitimierung seines eigenen Konzepts der Praxis der Kampfkünste dar, des »Weges des Tengû«. (»Tengû no michi«).

Im Jahre 1968 erschien sein erstes populärwissenschaftliches Buch über die Kampfkünste. Heute besteht sein Werk aus über 70 Büchern, was ihn zum Autor der weltweit bedeutendsten Buchreihe auf diesem Gebiet werden läßt. Seine Bücher, die in mehrere Sprachen übersetzt worden sind, gelten in allen frankophonen Ländern als historisches, technisches und pädagogisches Standardwerk. Auch in vielen anderen Ländern besitzen sie hohes Ansehen.

Schon frühzeitig zeigte sich Roland Habersetzer enttäuscht von der Tendenz des Karate, sich von der Kampfkunst zur Sportart zu entwickeln. Daher gründete er 1974 das Centre de Recherche Budo (CRB), eine internationale, unabhängige Organisation, die zahlreiche Budôka zusammengeführt hat, denen vorrangig der Erhalt der geistigen Werte der japanischen und chinesischen Kampfkünste am Herzen liegt. Durch sein Wirken im Rahmen des CRB, durch zahlreiche Lehrgänge und Seminare auf der ganzen Welt und natürlich auch durch seine technischen Handbücher und historischen Werke leistete er echte Pionierarbeit, damit die traditionellen Werte seiner Kunst nicht verloren gehen. Zwischen 1962 und 2002 unterrichtete er in seinem Dôjô in Straßburg. Stets umfaßte sein Ausbildungskonzept sowohl die Kampftechniken als auch deren kulturellen Hintergrund. Nach wie vor ist er als Budôka sehr aktiv, auch wenn sich seine Lehrtätigkeit inzwischen auf wenige Lehrgänge und Seminare hohen Anspruchs pro Jahr beschränkt.

Der weltweit anerkannte Experte des Karatedô, des Kobudô und des Taijiquan interessiert sich leidenschaftlich für Kampfkünste in all ihren Erscheinungsformen. Nach Effektivität im Kampf zu streben bedeutet für ihn, alle Entwicklungen vorurteilsfrei zu betrachten. Diese Überzeugung führte den modernen »Ronin«, als den er sich sieht, dazu, seiner Praxis auch andere Techniken hinzuzufügen, was selbst den Umgang mit zeitgenössischen Waffen einschließt. So ist er (mit entsprechenden Diplomen aus den USA und der Schweiz) u. a. auch als Ausbilder im Kampfschießen mit Handfeuerwaffen tätig.

Mit seinem Institut Tengu, das er 1995 gründete, begann parallel zu seiner Tätigkeit als Budôka eine neue Etappe seiner Forschungen auf dem Gebiet der Kampfkünste. Das Ziel dieses Instituts besteht darin, auf Grundlage des Studiums und des praktischen Vergleichs zahlreicher Formen des Kampfes mit und ohne Waffe zu einem umfassenden Konzept der Selbstverteidigung zu gelangen, das den Gegebenheiten des heutigen Lebens gerecht wird. Die Absicht von Habersetzer Sensei besteht darin, der Praxis des Karatedô einen Sinn zu verleihen, der in der modernen Gesellschaft Bestand hat, einen Sinn, der nichts zu tun hat mit sportlichen oder spielerischen Varianten. Sein leidenschaftliches Streben gilt einer gültigen Neubestimmung des Konzepts des Kriegertums für unsere Epoche; Techniken, Taktiken und Verhaltensweisen der Praxis des klassischen Karatedô sollen mit den Gegebenheiten unserer Zeit in Einklang gebracht werden.

»Der Weg des Tengû«. (Tengû no michi) ist für ihn das Abbild einer neuen Bewußtwerdung, eines Willens, einer modernisierten Methode des Budô. Geistige Einstellung und technische Mittel entsprechen dabei den Anforderungen der heutigen Welt. Indem er nach langen Jahren auf dem Weg des klassischen Karatedô eine authentische Schule (Ryû) der vereinigten Kampfkünste (Shin Budô), »Tengû no michi«, gegründet hat, tat Habersetzer Soke nichts anderes, als den lebendigen Geist der Tradition in die Gegenwart zu einzubringen. Ganz im Sinne eines »Tatsujin«. (»aufrechter Mensch«) ist er somit seiner ursprünglichen Wahl treu geblieben, indem er die Tradition mit Nachdruck und Überzeugung ehrt und weitervermittelt.

Danksagungen

Der Autor dankt Herrn Jean-Pierre Richeton, 4. Dan, Herrn Jean-Claude Benis, 2. Dan und Herrn Christophe Sivy, 2. Dan, Experten des Centre de Recherche Budo, sowie Herrn Thierry Habersetzer und Herrn Pierre Stubbe vom »Dento Budo Dojo« in Straßburg, die mit ihm zusammen auf den Aufnahmen zu sehen sind. Er dankt ebenfalls den Meistern und Experten Matayoshi, Chinen, Izumi, Tamano und Hayashi für ihr Einverständnis, daß Fotos von ihnen in diesem Buch gezeigt werden dürfen. Des weiteren gilt sein Dank dem Unternehmen »G. K. International«, Paris, das ihm das auf den Seiten 175 und 176 dargestellte Material zur Verfügung gestellt hat.

Illustrationen

Die Fotos 66, 161 und 195 wurden uns freundlicherweise von Javier Brieva (Malaga) zur Verfügung gestellt, alle übrigen Fotos stammen vom Autor und von Gabrielle Habersetzer. Alle Zeichnungen stammen aus der Feder des Autors.

Die Fotos 68, 77, 87 und 88 wurden während Lehrgängen im Dôjô des CRB in Straßburg aufgenommen.

Vorwort zu Band 2 der deutschen Ausgabe des »Kobudô«

Ich habe mich von jeher für alles, was mit dem Kämpfen zusammenhängt, interessiert. Aus diesem Grunde habe ich vor etwa 20 Jahren damit begonnen, meine Praxis der klassischen Budôkünste auch auf Disziplinen auszuweiten, in denen moderne Waffen zum Einsatz kommen.1 Eine Waffe, welcher Art auch immer, ist stets nur eine Verlängerung der Hand, und sie ist Ausdruck eines Willens. Im Rahmen dieser parallelen Forschungen habe ich während meines ersten Aufenthaltes in den USA mit Erstaunen feststellen können, daß der Tonfa dort für Techniken zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verwendet wurde. Mir wurde bewußt, daß der als »Mehrzweckeinsatzstock«2 verwendete Tonfa eine natürliche Weiterentwicklung dieser Waffe darstellt. Diese Weiterentwicklung betrifft sowohl die Einsatzmöglichkeiten, für die der Tonfa als Waffe einst konzipiert wurde, als auch die technische Ausführung des Gerätes und seine Einsatzmethoden. Diese neue Zweckbestimmung einer jahrhundertealten Waffe außerhalb der Dôjô, in denen der Umgang mit ihr nach wie vor auf herkömmliche Weise trainiert wird, erinnert an den Einsatz von Jutte und Yawara durch die feudale japanische Polizei während der Ära der Tokugawa (1603 - 1868). Man sieht, daß die Erfindungsgabe des Menschen der Vergangenheit der des heutigen Menschen in nichts nachsteht. Auch für andere alte Waffen gibt es moderne Verwendungen innerhalb bestimmter Polizeieinheiten, vor allem in Japan.3 Hier verbinden sich Vergangenheit und Zukunft, und die Tradition paßt sich an, um nicht zu verlöschen. Dies sollte jenen zu denken geben, deren einziges Anliegen darin besteht, im Namen der Tradition ausschließlich Kampftechniken, die in der modernen Welt ohne praktischen Nutzen sind, zu reproduzieren.

Der Tonfa im klassischen Kobudô wird paarweise verwendet, und es existiert ein großer Reichtum an Verteidigungs- und Schlagtechniken, was seine Zweckbestimmung als Waffe für den Kampf auf Leben und Tod verdeutlicht. Der moderne Tonfa der Polizei wird dagegen als Einzelwaffe verwendet, und seine Haupteinsatztechniken bestehen darin, durch schmerzhafte Hebel Gehorsam zu erzielen. Auf diese Weise kann ein Verdächtiger unter Kontrolle gebracht werden, ohne daß seine körperliche Unversehrtheit gefährdet wird. Der letzte Teil dieses Buches ist der modernen Anwendung dieser alten Waffe gewidmet. Natürlich ist dieser Teil des Werkes ausschließlich für Personen bestimmt, die dazu berechtigt sind, den Tonfa im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zu tragen und einzusetzen (Polizisten, Mitglieder von Wachgesellschaften, Leibwächter usw.). Der Leser möge aufmerksam die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen studieren. Ich warne hiermit vor jeglicher Nachlässigkeit auf diesem Gebiet. Das gleiche gilt natürlich entsprechend auch für die anderen Waffen, die in den beiden Bänden vorgestellt werden. Ihre Handhabung unterliegt in einigen Ländern bestimmten Einschränkungen, über die sich der Leser im Klaren sein muß. Insbesondere sei darauf verwiesen, daß Besitz und Handhabung des in diesem Buch beschriebenen Nunchaku in manchen Ländern verboten ist.4

Roland Habersetzer, 9. Dan Karatedô (Japan), Hanshi

Soke: Tengû ryû

Saint-Nabor, März 2007

I

Nunchaku


1. Abschnitt – Hôjô undô (Grundtechniken)

1. Kapitel – Einführung5


Foto 1: Meister Matayoshi Shinpô beim Üben mit einem Nunchaku, das aus drei langen Abschnitten besteht. Die Aufnahme entstand im Sommer 1984 in seinem Dôjô in Naha.

1.1 Nunchaku: eine Waffengattung

Seit der Flut der Kungfu-Filme aus Hongkong ist das Nunchaku die zweifelsohne populärste Waffe des Kobudô im Westen. Tatsächlich stammt sein Vorläufer aus China. Im alten Reich der Mitte kannte man seit jeher vergleichbare Waffen; sie waren dort unter den Bezeichnungen Shuangchin-kun und Shao-tse-kun bekannt.

Ursprünglich soll das Nunchaku nichts weiter gewesen sein als ein Dreschflegel, mit dem Bauern ihr Getreide gedroschen haben. Ein Experte hat dem Autor hingegen erzählt, daß das Nunchaku als Gebiß des Pferdegeschirrs fungiert haben soll, diese Version erscheint jedoch nicht sehr glaubwürdig.

Die Waffe ist ein Muster an Einfachheit: Es genügt, zwei Holzstücke durch eine Schnur miteinander zu verbinden, um eine furchterregende Waffe zu erhalten. Diese Tatsache hat den Gesetzgeber bewogen, Besitz und Nutzung des Nunchaku starken Einschränkungen zu unterwerfen,6 aus Sorge darum, daß jeder Rowdy Mißbrauch damit betreiben könnte, ohne daß er das mindeste über Kobudô weiß. Ein Grund mehr dafür, daß Kampfkunstlehrer sehr sorgfältig darauf achtgeben sollten, wem sie die echte Kunst des Umgangs mit dem Nunchaku beibringen. Der Mißbrauch, der mit dieser Waffe zu kriminellen Zwecken getrieben wurde, hat das Nunchaku in der Öffentlichkeit unglücklicherweise in Mißkredit gebracht und damit das gesamte Kobudô in ein ungünstiges Licht gerückt.


Abbildung: Aufbau eines Nunchaku

Das Grundmodell des Nunchaku besteht aus zwei Stöcken aus hartem Holz von gleicher Länge (30 bis 60 cm), die an den freien Enden leicht verdickt sind, um dort das Gewicht zu erhöhen. Die Stöcke sind durch eine Schnur miteinander verbunden. Ursprünglich bestand diese Schnur aus Roßhaar oder aus geflochtenem Reisstroh. Manchmal wurde auch eine kleine Kette eingesetzt, um zu verhindern, daß die Verbindung durch eine Schnittwaffe getrennt werden konnte. Die Länge der Schnur beträgt rund 10 Zentimeter. Bei größerer Länge besteht die Gefahr, daß die Waffe aufgrund der größeren Schwingweite ihrem Nutzer gefährlich wird. Ist die Länge zu gering, wird die Freiheit der Handhabung eingeschränkt, der Wirkungsradius wird verringert, und die Abnutzung ist größer. Die genaue Länge der beiden Holzstücke richtet sich nach der Länge der Unterarme des Nutzers. Die ideale Länge entspricht dem Abstand zwischen Handmitte und Ellbogen.


Foto 2: Meister Izumi (Yonago, Japan) bei einer Vorführung. Das freie Ende des Nunchaku kann hohe Geschwindigkeiten erreichen. Es besteht die Gefahr, daß der Praktizierende sich selbst verletzt, wenn er die entsprechende Technik unzureichend beherrscht.

Aufgrund der Reichweite, der Kraft und der außergewöhnlichen Präzision seiner Waffe ist ein Meister des Nunchaku ein besonders furchterregender Gegner.

Es existieren zahlreiche Nunchaku-Arten, die sich in Form und Größe voneinander unterscheiden. Manche dieser Arten sind alt, wie z. B. der Dreschflegel mit drei oder vier Abschnitten, oder Nunchaku, die aus zwei Abschnitten unterschiedlicher Länge bestehen. Letztere ähneln den Dreschflegeln, die im europäischen Mittelalter als Waffe verwendet wurden. Andere Arten sind Neuerungen aus jüngster Vergangenheit, die vorrangig kommerziellen Zwecken dienen. Hierzu zählen Nunchaku mit besonders schweren Enden, die in aufgesetzten Hülsen enden oder mit Spitzen versehen sind, mit Blei beschwerte Modelle, Modelle aus Aluminium und immer mehr Modelle, deren Abschnitte durch Ketten miteinander verbunden sind. Durch Modelle aus Kunststoff sollen Risiken beim Training verringert werden (Sicherheits-Nunchaku, Soft-Nunchaku) oder gesetzlichen Bestimmungen Rechnung getragen werden.

Im Rahmen dieses Buches sind jedoch lediglich die traditionellen Arten des Nunchaku von Interesse:

 Hakakukei Nunchaku: zwei Abschnitte gleicher Länge mit achteckigem Querschnitt.

 Marugata Nunchaku: zwei zylindrische Abschnitte gleicher Länge.

 Sosetsukon Nunchaku: ein langer und ein kurzer Abschnitt. Durch diese Konstruktion wird vermieden, daß man sich verletzt, wenn der freie Abschnitt zurückschnellt, nachdem man damit zugeschlagen hat.

 Hankei Nunchaku: zwei Abschnitte gleicher Länge. Der Querschnitt ist halbkreisförmig. Dadurch wird, wenn beide Abschnitte aufeinandergelegt werden, ein zylinderförmiger Stab gebildet, wodurch ein einfacherer Transport ermöglicht wird.

 Sansetsukon Nunchaku: drei Abschnitte gleicher Länge. Die einzelnen Abschnitte können auch länger sein als beim klassischen zweigliedrigen Nunchaku, was zu einer recht schwierigen Handhabung führt (siehe Fotos 1 und 6 auf S. 13 bzw. 22), aber auch wesentlich kürzer. Es existiert auch eine Abart des Sansetsukon Nunchaku, bei dem ein Abschnitt normale Länge besitzt und die beiden anderen kürzer sind.

 Yonsetsukon Nunchaku: vier Abschnitte, von denen im allgemeinen zwei lang sind (die äußeren) und zwei kurz (die inneren).

1.2 Die Bereitschaftshaltungen (Nunchaku no gamae)

Es handelt sich um Haltungen und Positionen, die der unmittelbaren Vorbereitung zum Kampf dienen. Für das Nunchaku gibt es eine Vielzahl derartiger Haltungen. Die Besonderheit einer effektiven Bereitschaftshaltung besteht darin, es dem Kämpfenden zu ermöglichen, unverzüglich auf eine Aktion des Gegners zu reagieren. Hierfür sollen die günstigsten Bedingungen in bezug auf das Timing und den Abstand geschaffen werden. Eine Bereitschaftsstellung muß an die offenkundigen oder erahnten Absichten des Gegners, an die eigenen Angriffs- oder Verteidigungsabsichten, an den Abstand zwischen den Kämpfenden, der sich unaufhörlich ändert (Ma: normaler Abstand, Chika ma: sehr kurzer Abstand, Tô ma: weiter Abstand) und an die Angriffs- oder Verteidigungsbewegungen, die man bevorzugt, angepaßt werden.


Foto 3

Eine Bereitschaftshaltung kann auch eine Finte darstellen, durch die dem Gegner suggeriert wird, daß man eine bestimmte Angriffsart plant, während man tatsächlich eine andere vorbereitet.

Im folgenden sollen einige Beispiele klassischer Bereitschaftshaltungen aus dem besonders reichhaltigen Repertoire für das Nunchaku angegeben werden. Angemerkt sei, daß im Grunde genommen jede Art und Weise, eine Kobudôwaffe oder ein Paar solcher Waffen zu halten, eine mehr oder weniger originelle Bereitschafsstellung darstellen kann.

 Yoi gamae: Foto 3 zeigt diese klassische Vorbereitungsstellung zu Beginn des Kihon, des Kumite oder einer Kata.

 Ichimonji gamae: Das Nunchaku wird gestreckt über dem Kopf gehalten (ohne Abbildung).

 Waki gamae: Das Nunchaku wird gestreckt seitlich gehalten (Zeichnung 1).

 Gyakute waki gamae: Gleiche Position wie bei Waki gamae, aber die Waffe wird auf andere Weise gehalten: die Handflächen zeigen nach oben.


 Chûdan gamae (Variante 1): Das Nunchaku wird als Trapez vor dem Körper gehalten (Zeichnung 2).


 Chûdan gamae (Variante 2): Das Nunchaku wird vertikal in mittlerer Höhe vor dem Körper gehalten. Der hintere Abschnitt wird in Richtung Solarplexus gezogen. Diese Bereitschaftshaltung ermöglicht es anzugreifen, indem das Nunchaku, dessen Verbindungsschnur äußerst straff gespannt ist, nach vorn geschleudert wird (Zeichnung 3).

 Koshi gamae: Das Nunchaku wird horizontal hinter dem Rücken gehalten, auf Höhe des Gürtels (Zeichnung 4).

 Gyakute koshi gamae: Das Nunchaku hat die gleiche Position wie im Koshi gamae, wird aber auf andere Weise gehalten – die Handflächen zeigen nach oben (die Daumen zeigen nach außen).

 Katate muso gamae: Bereitschaftshaltung vor der Schulter. Das Nunchaku wird mit einer Hand gehalten, der zweite Abschnitt wird unter der Achselhöhle festgehalten. Zeichnung 5 zeigt die Phase, in der die Bereitschaftshaltung sich zu öffnen beginnt, damit die rechte Hand die Waffe von hinten nach vorn und von oben nach unten bringen kann (siehe auch Zeichnung c auf S. 56).


 Maki gamae: Über-Kreuz-Bereitschaftshaltung im Rücken (Zeichnungen 6). Es gibt eine identische Bereitschaftshaltung, bei der die Arme jedoch nicht über Kreuz sind.


 Kane gamae: Bei dieser Bereitschaftshaltung wird das Nunchaku so vor dem Körper gehalten, daß die Abschnitte im rechten Winkel zueinander stehen. Die Arme sind dabei nicht über Kreuz (Zeichnung 7).


 Muso gamae: Bereitschaftshaltung seitlich der Schulter (Foto 4).


Foto 4

 Hiji kakoi gamae: Ellbogen-Bereitschaftshaltung. Das offene Nunchaku wird im rechten Winkel vor dem Körper in einer vertikalen Ebene gehalten (Foto 5).


Foto 5

 Haimen gamae: Das Nunchaku wird ausgestreckt schräg hinter dem Rücken gehalten (Zeichnung 8).

 Waki hasami gamae: Ein Abschnitt des Nunchaku klemmt unter der Achselhöhle, die Verbindungsschnur ist gespannt. Aus dieser Position kann das Nunchaku nach vorn geschleudert werden (Zeichnung 9).


1.3 Das Halten des Nunchaku

Das Nunchaku wird für gewöhnlich mit einer Hand gehalten, die die Waffe entweder auf natürliche Weise (Honte mochi: Zeichnung a) oder im Rückhandgriff (Gyakute mochi: Zeichnung b) ergreift. Dies geschieht am unteren Drittel, oft so weit unten wie möglich, damit das äußere Ende sich frei auf der Handfläche bewegen kann (was für manche Block- oder Angriffstechniken erforderlich ist).

Der Griff ist verhältnismäßig locker, lediglich der kleine Finger preßt die Waffe sehr fest gegen die Handfläche, während die anderen Finger ohne große Anspannung geschlossen sind. Auf diese Weise werden Drehbewegungen des Handgelenks nicht verlangsamt, und die Zentrifugalkraft, die bei peitschenden Techniken auftritt, kann besser übertragen werden.


Abbildung: Die einzelnen Griffe des Nunchaku.

Man kann auch mit ein und derselben Hand die beiden Abschnitte des Nunchaku ergreifen und sie wie einen Kurzstab benutzen. Auf diese Weise verliert die Waffe natürlich alle Vorteile, die sich aus ihrer Entfaltung ergeben. Dieser spezielle Griff (Tokushu mochi) wird auch angewendet, um mit der Spitze zuzustoßen (Tatami zuki: Zeichnung c). Ein anderer Spezialgriff ist Ippon zuki, wie er in Zeichnung d dargestellt ist.

Das Nunchaku dient sowohl der Verteidigung als auch dem Angriff. Man kann mit ihm in geradlinigen Bewegungen die gegnerische Waffe blockieren und einen Gegenangriff ausführen. Häufiger sind jedoch kreisförmige Bewegungen, bei denen große Zentrifugalkräfte am äußeren Ende des freien Abschnitts entwickelt werden (siehe Foto 2 auf S. 15).

Wird die Waffe schließlich mit beiden Händen gehalten, kann man mit ihr das Handgelenk oder den Hals des Gegners einklemmen.

Natürlich gilt für das Nunchaku, wie für alle Waffen des Kobudô, daß die Handhabung auf effektive Weise mit Karatetechniken verknüpft werden kann, die entweder mit der freien Hand oder mit den Füßen ausgeführt werden. Der Einsatz der Füße ist jedoch eine relativ späte Ergänzung, die wahrscheinlich japanischen Ursprungs ist.


Foto 6: Meister Matayoshi Shinpô (1922 - 1997).

2. Kapitel – Die Verteidigungstechniken (Uke waza)

Um sicher mit einem Abschnitt oder mit beiden Abschnitten des Nunchaku – das heißt, mit einer relativ kleinen Fläche – einen gezielten Schlag, der mit großer Kraft geführt wird, abfangen zu können, ist es notwendig, die Grundtechniken gut zu beherrschen.

Bei einem Block mit offenem Nunchaku halten die Hände jeweils eines der äußeren Enden der Waffe. Es muß dabei ständig eine hohe Spannung zwischen den Abschnitten aufrechterhalten werden, d. h., die Verbindungsschnur muß straff gespannt sein. Auf diese Weise trifft die gegnerische Waffe auf einen festen Block. Außerdem werden genau im Moment des Auftreffens zusätzlich noch die Hände angespannt (Foto 7).


Foto 7

Meistens trifft die gegnerische Waffe auf die Abschnitte des Nunchaku, seltener auf die Verbindungsschnur (in letzterem Fall ist allerdings ein Nunchaku, dessen Abschnitte durch eine Kette verbunden sind, von Vorteil).

Wie auch im Falle eines Bô oder eines Sai gilt, daß man mit dem Nunchaku entweder direkt blocken oder eine Ausweichbewegung schützend begleiten kann.

Wie bei allen Kobudô-Künsten gilt: Der Körper muß sich als eine Einheit bewegen, und die Waffe ist in diesem Sinne nichts weiter als eine Verlängerung des Körpers.

2.1 Tiefe Abwehrtechniken (Gedan uke)

2.1.1 Fegende Abwehr (Gedan barai)

Erste Form:

Die Abwehr wird mit einem Abschnitt des Nunchaku, welcher die Außenseite des Unterarms verstärkt, ausgeführt. Sie eignet sich für alle im Bogen geführten Angriffe gegen die Seite oder den Bauch.

Fotos 8 und 9 zeigen diese Technik von vorn und von der Seite, und die Zeichnungen auf der folgenden Seite stellen den Ablauf dar. Man beachte auf den Fotos folgendes:

 den Zug durch die hintere Hand, durch welchen die Schnur des Nunchaku gespannt wird, um die Waffe zu verstärken. Dies ist auch eine Möglichkeit, die Hand in Hikite zu bringen;

 die Haltung des Oberkörpers (im Profil zu erkennen);

 die entgegengesetzte Stellung der Füße (Gyakuashi dachi), die eine bessere Positionierung der Seite ermöglicht;

 die Rolle, die der Zeigefinger spielt; er wird auf dem äußeren Ende plaziert, um die Bewegungsbahn des Nunchaku zu steuern;

 die Lage des Nunchaku, das fest zwischen Handgelenk und Ellbogen am Unterarm anliegt;

 die tiefe Haltung der Schultern; die Kraft konzentriert sich unter den Achseln und im Tanden.


Foto 8


Foto 9

Zeichnungsfolge 1 zeigt den Handlungsablauf der ersten Form. Zu Beginn wird das Nunchaku im Chûdan gamae als Trapez vor der Brust gehalten. Die linke Hand und der rechte Ellbogen stellen Fixpunkte dar, um die sich der rechte Unterarm dreht. Zu beachten ist die Art, wie man die Basis des Nunchaku in der Handfläche der rechten Hand schwingen läßt. Man blockt mit einer bogenförmigen Bewegung von oben nach unten und von innen nach außen. Siehe auch Fotos 20 bis 23 (S. 39), auf denen der von diesem Block ausgehende Gegenangriff dargestellt wird. Die Endposition (5) ist in Zeichnungsfolge 2 unter verschiedenen Blickwinkeln dargestellt.



Zweite Form:

Die Abwehr erfolgt mit einem Abschnitt des Nunchaku, der als Verlängerung des Unterarms gehalten wird. Sie dient in erster Linie zur Abwehr von geradlinigen Angriffen, die weniger kraftvoll sind als peitschenartige Schläge. Diese geradlinigen Angriffe können leicht durch eine Bewegung, die von innen nach außen geführt wird, abgelenkt werden (Zeichnung oben: die Position ist Sagiashi dachi). Zu beachten ist, daß die führende Hand den aktiven Abschnitt des Nunchaku am Kontei hält, während die andere Hand den anderen Abschnitt wie in der ersten Form dieser Technik hält.


2.1.2 Kreuzblöcke (Gedan juji uke)

Erste Form:

Man kreuzt die Abschnitte des Nunchaku, und man blockt mit der Gabel, die auf diese Weise gebildet wird. Die Verbindungsschnur ist straff gespannt. Diese Technik ist zur Abwehr direkter Stöße gegen die Bauchregion sowie gegen aufwärts geführte Stöße geeignet. Für den Einsatz dieser Technik in der Praxis empfiehlt sich ein Nunchaku, dessen Verbindungsschnur durch eine Kette ersetzt wurde.


Zweite Form:

Das Nunchaku wird auf gleiche Weise gehalten wie in der ersten Form, aber man blockt hier von oben nach unten, indem die gegnerische Waffe abgefangen und ein wenig nach unten gestoßen wird. Im Unterschied zur ersten Form wird die gegnerische Waffe nicht durch Zustoßen mit der Gabel eingefangen. Diese Technik wird im allgemeinen im Nekoashi dachi ausgeführt, und man weicht, während man sie einsetzt, in bezug auf die Angriffsachse nach innen aus.

Anmerkung: Diese Form des Juji uke kann auch unter der Kategorie der Otoshi uke behandelt werden (siehe folgende Technik).


2.1.3 Abwehr durch Stoß nach unten (Otoshi uke)

Zeichnungen unten: Man blockt direkt von oben nach unten, indem das Nunchaku bei Kontakt mit der gegnerischen Waffe nach unten gestoßen wird. Man nimmt dabei eine stabile Position ein, bei der der Schwerpunkt nach vorn verlagert ist (Zenkutsu dachi).


Folgendes ist zu beachten:

 Der rechte Arm ist gestreckt und im Gedan barai;

 Die Spannung wird durch die linke Hand aufrechterhalten.

 Die Abschnitte des Nunchaku werden im rechten Winkel zueinander gehalten.

 Die Ebene, in der der vordere Abschnitt des Nunchaku liegt, ist in bezug auf die Horizontale leicht geneigt.


Diese Technik ist zur Abwehr direkter Stöße gegen den Bauch geeignet, vor allem aber gegen nach oben geführte Stöße.

Wird das vordere Handgelenk nach außen gedreht, so daß der Daumen direkt nach unten zeigt, kann der Stoß nach außen abgelenkt werden. Dies stellt eine weitere Variante des Gedan barai dar, die der Form, die in der Zeichnung links dargestellt ist, sehr nahe kommt.

2.2 Hohe Abwehrtechniken (Jôdan uke)

2.2.1 Nach oben geführter Block (Jôdan age uke)

Erste Form:

Fotos 10 und 11: Die Abwehr wird mit einem Abschnitt des Nunchaku, der sich schützend vor dem Unterarm befindet, ausgeführt.


Foto 10


Foto 11

Diese Technik gehorcht den gleichen Prinzipien wie der Age uke des Karate:

 Der Arm wird schräg vor das Gesicht gebracht.

 Während der Arm von unten nach oben geführt wird, wobei die schräge Haltung ununterbrochen beibehalten wird, dreht er sich; am Ende zeigt die Handfläche der erhobenen Hand nach vorn.

 Während dieser Bewegung dreht sich das Ende des Nunchaku in der Handfläche. Somit wird am Ende der Bewegung das Kikonbu umgekehrt gehalten als zu Beginn.

 Die Spannung der Verbindungsschnur, die außen am Ellbogen straff anliegt, versteift den gesamten Arm.

 Der Oberkörper ist zu drei Vierteln seitlich abgedreht.

Dieser Block, wie auch seine in der Folge beschriebenen Varianten, ist gegen vertikale Schläge, die gegen den Kopf gerichtet sind, geeignet. Je nach Neigungswinkel des erhobenen Abschnitts des Nunchaku kann die gegnerische Waffe entweder abgestoppt oder gleitend abgelenkt werden. Im äußersten Fall kann zu einem Jôdan barai übergeleitet werden (siehe Foto 14 auf S. 32).

Zweite Form:

Foto 12 und Zeichnungsfolge 3. Die Abwehr erfolgt mit einem Nunchaku, dessen Abschnitte im rechten Winkel zueinander gehalten werden, wobei die Arme gekreuzt sind.


Foto 12

Die Zeichnungen auf der folgenden Seite stellen den Bewegungsablauf dar. Die Ausgangsposition ist Yoi, bei welchem das Nunchaku mit beiden Händen vorm Körper gehalten wird. Man blockt nun nach links (3) und, indem die Hände ihre Haltung tauschen, nach rechts (5).

Folgendes ist zu beachten:

 Ein Abschnitt des Nunchaku ist horizontal und der andere vertikal ausgerichtet (quadratischer Block). Zwischen den beiden Abschnitten wird ständig eine Spannung aufrechterhalten.

 Die Ellbogen sind nahe beieinander.

 Der Oberkörper ist zu drei Vierteln seitlich.

 Der vertikale Abschnitt des Nunchaku kann zusätzlich noch einen seitlichen Schlag abwehren, der von außen nach innen auf Kopf- oder Schulterhöhe geführt wird.

Foto 7 auf S. 23 zeigt diese Form der Abwehr mit Age uke in der Position Kôkutsu dachi, wobei man nach hinten ausweicht.


Dritte Form:

Zeichnung unten: Die Abwehr erfolgt mit rechtwinklig gehaltenem Nunchaku, wobei die Arme jedoch nicht gekreuzt sind. Die Spannung zwischen beiden Abschnitten der Waffe muß aber genauso groß sein wie in der vorigen Form. Zu beachten ist, daß der vertikale Abschnitt des Nunchaku zusätzlich einen seitlich auf Kopf- oder Brusthöhe geführten Schlag abwehren kann.


2.2.2 Kreuzblöcke (Jôdan juji uke)


Foto 13

Erste Form:

(Zeichnung Mitte und Foto 13). Die Abschnitte des Nunchaku werden gekreuzt, und der Block wird mit der auf diese Weise gebildeten Gabel ausgeführt, wodurch die Verbindungsschnur (bzw. vorzugsweise die Kette) gespannt wird. Diese Technik ist zur Abwehr von Schlägen, die vertikal gegen den Kopf geführt werden, geeignet. Die Arme sind angespannt und werden nach vorn und nach oben gestoßen.


Zweite Form:

Zeichnung unten. Dieser Block stellt die Umkehrung der vorigen Abwehr dar. Das Nunchaku wird trapezförmig gehalten. Der vertikal geführte Angriff wird durch den Winkel, der durch die voneinander entfernt gehaltenen Abschnitte gebildet wird, abgefangen. Auch hier empfiehlt sich der Einsatz einer Verbindungskette anstelle der Verbindungsschnur. Die Hände müssen das Nunchaku an den Jôkonbu halten, um den Angriff abfangen zu können. Die Arme sind angespannt und werden so hoch wie möglich gehalten. Es muß bei dieser Technik eindringlich darauf hingewiesen werden, daß ihre praktische Anwendung heikel ist. Es ist ratsam, sie mit einem allgemeinen Zurückweichen oder mit einer Ausweichbewegung des Kopfes zu verbinden.


2.2.3 Fegende Abwehr (Jôdan barai)

Von dieser Technik existieren mehrere Varianten. Sie ist vor allem geeignet, kreisförmige von außen geführte Angriffe abzuwehren.


Foto 14


Erste Form:

Foto 14 und Zeichnung oben. Die Abwehr wird mit einem Abschnitt des Nunchaku, der schützend vor den Unterarm gebracht wurde, ausgeführt. Man vergleiche Foto 14 mit Foto 10 (S. 28). Der Unterschied besteht in der Ausrichtung des oberen Abschnitts des Nunchaku, die hier vertikal ist. Das bedeutet, daß der obere Abschnitt als Sperre gegen einen seitlich geführten Angriff eingesetzt werden kann. Der Körper steht im Profil. Es geht bei dieser Technik nicht darum, wie im Fall des Age uke die gegnerische Waffe nach oben zu führen, sondern ihre Bahn zu unterbrechen.

Zweite Form:

Zeichnung links: Die Abwehr erfolgt mit dem im rechten Winkel gehaltenem Nunchaku. Ein Abschnitt ist horizontal ausgerichtet, der andere vertikal.


Dritte Form:

Zeichnung unten: Doppelter Block mit beiden Abschnitten des Nunchaku. Eine Hand hält den Kikonbu des unteren, die andere den Jôkonbu des oberen Abschnitts. Diese Technik gestattet es, auf einfache Weise mit dem oberen Abschnitt einen Gegenangriff mit Jôdan uchi auszuführen (siehe Foto 24 und die Zeichnungen auf S. 41).


Vierte Form:

Foto 15 und Zeichnung unten: Man leitet den Angriff mit dem oberen Abschnitt des Nunchaku ab. Das Nunchaku wird hierbei wie ein Stock gehalten, eine Hand hält das untere Ende, die andere entweder das obere Ende oder das Jôkonbu des zur Abwehr eingesetzten Abschnitts.

In beiden Fällen muß der obere Arm gestreckt sein, und eine kraftvolle Drehung der Hüften muß die bogenförmige Bewegung dieses Blocks unterstützen. Zu beachten ist die Haltung der vorderen Hand: die Handfläche zeigt in Angriffsrichtung und der Daumen nach unten. Die in der Zeichnung dargestellte Variante ist eine besonders wirkungsvolle Abwehr, wenn sie durch eine seitliche Oberkörperdrehung unterstützt wird.


Foto 15


2.3.1 Dreiecksförmige Abwehr (Chûdan uke)


Zeichnung links: Man wehrt die gegnerische Waffe mit dem Nunchaku ab, das wie in der Grundhaltung (Kamae – vergleiche Foto 3 auf S. 17 und Zeichnung 2 auf S. 18) keil- oder dreiecksförmig gehalten wird. Die Abwehrbewegung wird seitlich von innen nach außen geführt. Gleichzeitig weicht man in die entgegengesetzte Richtung aus. Der Körper wird dabei seitlich abgedreht und nimmt eine Position mit Schwerpunkt nach hinten ein (Shumoku dachi). Dieser Block wird gegen direkt geführte Stöße und gegen seitliche Angriffe eingesetzt.

Die rechte Zeichnung zeigt die gleiche Abwehr auf Jôdan-Höhe. In beiden Fällen bleiben die Ellbogen leicht angewinkelt, und die Hände halten das Jôkonbu mit festem Griff. Die Verbindungsschnur muß gespannt bleiben, und die gesamte Kraft muß im Punkt Saika tanden konzentriert sein.

2.3 Mittlere Abwehrtechniken (Chûdan uke)

2.3.2 Fegende Abwehr (Chûdan barai)

Hiervon existieren mehrere Formen, die jedoch lediglich Variationen der Techniken darstellen, wie sie bereits für Verteidigungen auf Jôdan-Höhe vorgestellt wurden.

Erste Form:

Zeichnung oben: Das Nunchaku wird im rechten Winkel gehalten, ein Abschnitt ist vertikal, der andere horizontal ausgerichtet. Der Körper bleibt im Profil. Zu beachten ist, daß die Spannung der Verbindungsschnur aufrechterhalten bleibt.


Zweite Form:

Zeichnung unten: Die Abwehr wird mit einem Abschnitt des Nunchaku ausgeführt, der sich schützend vor dem Unterarm befindet (die Abwehr entspricht einem Chûdan soto uke des Karate). Die Abwehr erfolgt hier durch eine Armbewegung von außen nach innen und nicht umgekehrt wie im Falle eines Jôdan barai.


Dritte Form:

Fotos 16 und 17: Man blockt, als ob man in der vorderen Hand nichts als einen Stock halten würde, mit einer seitlichen Bewegung von außen nach innen (Foto 16) oder von innen nach außen (Foto 17). Zu beachten ist dennoch, daß der hintere Abschnitt des Nunchaku mit der anderen Hand nach hinten gezogen wird, wodurch der aktive Abschnitt eine größere Stabilität erhält.


Foto 16


Foto 17

2.4 Abwehr mit dem in einer Hand gehaltenen Nunchaku


Zeichnungen 1 bis 3: Die beiden aneinanderliegenden Abschnitte werden mit einer Hand gehalten. Zeichnungen 1 bis 3 stellen einige Verteidigungstechniken dar, in denen das Nunchaku wie ein kurzer Stock eingesetzt wird. Die gleichen Techniken können auch für den Angriff eingesetzt werden.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß man das Ende eines Abschnitts des Nunchaku mit einer Hand hält. Es handelt sich hierbei um Furi-uchi-Techniken, die im 3. Kapitel behandelt werden, und die gleichermaßen zur Verteidigung wie für den Angriff eingesetzt werden können.


Foto 18: Momentaufnahme aus einer Nunchaku-Kata im Dôjô von Nagamine Shôshin in Naha. Diese Bewegung kann sowohl als horizontaler Angriff mit dem unteren Abschnitt oder als Beginn eines Gedan barai mit dem oberen Abschnitt interpretiert werden.

3. Kapitel – Die Angriffstechniken (Tsuki und Uchi waza)

Die Angriffe und Kontertechniken mit dem Nunchaku können grundsätzlich auf zwei verschiedene Weisen ausgeführt werden:

 Direkte Stöße (Tsuki) entweder mit dem inneren Ende (mit einem Ende oder mit beiden zugleich) oder mit dem äußeren Ende (mit einem oder mit beiden zugleich). Diese Art Stöße eignet sich besonders für den Kampf auf kurze Distanz und erfordert einen hohen Grad an Präzision und ein gutes Empfinden des Kime.

 Peitschende Schläge in weiten Bögen (Uchi), entweder mit beiden aneinandergefügten Abschnitten (siehe vorige Seite), wobei das Nunchaku wie ein kurzer Stock eingesetzt wird, oder indem ein Abschnitt völlig freigelassen wird, so daß das Nunchaku wie eine Peitsche wirkt. Letztere Techniken (Furi uchi) sind die bekannteren und die am häufigsten eingesetzten. Sie gestatten es, ohne weiteres auf größere Entfernung zuschlagen zu können. Aufgrund der hohen Bewegungsenergie am äußeren Ende des freien Abschnittes sind sie besonders zerstörerisch.

3.1 Direkte Angriffe (Tsuki waza)

3.1.1 Einfache Stöße (Tsuki)

Stoß mit dem äußeren Ende (Kontei zuki):

Foto 19 und die Zeichnungen auf der folgenden Seite stellen zwei Möglichkeiten dar, diese Art Angriff zu führen:


Foto 19

 Direkter Stoß (Foto 19 und Zeichnungsfolge 4): Bei diesem Stoß liegt normalerweise der Zeigefinger der Hand, die den Stoß führt, auf dem äußeren Ende des Nunchaku. Man beachte die Art und Weise, wie die Hand den Griff ändert.


 Rückhandstoß (Zeichnungen unten): Bei dieser Art Stoß zeigt die Faustaußenseite in Angriffsrichtung, das heißt, der Griff, den die Hand in der Grundbereitschaftshaltung hatte (Sakate zuki), wird beibehalten.


Anmerkung: In verschiedenen Varianten dieser Technik kann der Stoß länger – durch geradlinige Verschiebung (Beispiel unten) – oder kürzer – durch Entfalten des Nunchaku (Beispiel oben) – geführt werden.

Diese Technik kann ausgeführt werden, indem man zugleich entweder einen Schritt in Angriffsrichtung macht (nach Art eines Oi zuki), oder indem man am Ort eine Drehung des Beckens vollführt (nach Art eines Gyaku zuki: Fotos 20 bis 23).

Foto 20


Foto 21


Foto 22


Foto 23

Fotos 20 bis 23: Die Form im Gyaku zuki: Ablauf ausgehend von einem Gedan barai nach rechts (20). Beide Hände verändern ihren Griff im Laufe der Bewegung, bleiben aber in engem und dauerndem Kontakt mit dem Kikonbu. Foto 22 zeigt den abschließenden Gyaku zuki von der Seite und Foto 23 von vorn.


Stoß mit der Spitze (Kontô zuki):

Zeichnung 1: Die rechte Hand stößt nach vorn und unten, während die linke mit ausreichender Kraft den anderen Abschnitt nach hinten zieht, damit die Bewegung der Spitze stabil bleibt. Beide Abschnitte des Nunchaku bleiben in einer vertikalen Ebene.

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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
458 s. 531 illüstrasyon
ISBN:
9783938305423
Tercüman:
Telif hakkı:
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