Kitabı oku: «Von der Südküste in das Fjordland: Norwegen, eine Reisebeschreibung»
Rolf Schmidt
Von der Südküste in das Fjordland: Norwegen, eine Reisebeschreibung
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2014
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detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Copyright (2014) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Fotos © Rolf Schmidt
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Norwegen
Auf dem Weg nach Dänemark
Von Dänemark mit der Fähre nach Norwegen
Auf der Nordseestraße nach Stavanger
Einmal Preikestolen - hin und zurück!
Auf der Reichsstraße 13 zum Hardangerfjorden
Vöringsfossen und Hardangervidda
Vom Hardangerfjorden zum Fördefjorden
Richtung Westküste
Vom Fördefjorden zum Moldefjorden
Atlantikstraße und Mittsommernacht
Vom Moldefjorden zum Mjösasee
Vom Mjösasee zum Oslofjorden
Es geht leider wieder nach Hause
Nachwort
Empfohlener Reiseverlauf und Einzel-Fahrstrecken
Einige (unverbindliche) Tipps für Autofahrer
Quellenangaben
Vorwort
Wieso immer wieder Norwegen?
Ich glaube, schuld an meiner Vorliebe für die nordischen Länder ist höchstwahrscheinlich eine Informationsreise Anfang der 1990er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt habe ich in einem Omnibusbetrieb und Reisebüro gearbeitet. Mein damaliger Chef hatte mir die Aufgabe gestellt, für die Mitglieder eines privaten Omnibusunternehmerverbandes eine Kurzreise nach Norwegen zu organisieren. Die Reise sollte die Eigentümer und verantwortlichen Mitarbeiter der Unternehmen mit dem Land vertraut machen und gleichzeitig dazu anregen, künftig verstärkt Reisen in die nordeuropäischen Länder anzubieten. Ich weiß nicht, ob diese Reise dann auch ihren Zweck bei den einzelnen Teilnehmern erfüllt hat - bei mir hat es jedenfalls gefunkt.
In den zurückliegenden Jahren habe ich die Länder Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland bereits mehrfach besucht. Mein Hauptreisegebiet war aber immer Norwegen. Ich habe unter anderem die Lofoten, das Nordkap (schon zweimal) und das Gebiet der Telemark besucht. Diesmal sollen es nun die Südküste und das Fjordland sein. Dazu habe ich mir eine entsprechende Rundreise aus den vielen mir zur Verfügung stehenden Angeboten verschiedener Reisebüros ausgesucht und auch gebucht.
Mit einer Fährfahrt vom dänischen Hirtshals aus nach Kristiansand in Norwegen wird die Reise beginnen. Anschließend werde ich im Laufe von 10 Tagen laut Reiseroute die Orte Mandal, Stavanger, Molde und Gjövik besuchen. Die Rückfahrt in heimatliche Gefilde wird dann wieder mit der Fähre nach Hirtshals erfolgen. Aber dabei wird die Fährüberfahrt in Larvik beginnen.
Die Süd- und die Westküste sowie große Teile von Fjordnorwegen sind mir bislang noch völlig unbekannt. Das soll sich mit dieser Reise aber spürbar ändern. Ich bin schon sehr gespannt, welche neuen Eindrücke ich dabei gewinnen werde. Besonders freue ich mich darauf, endlich mal die Stadt Stavanger kennenzulernen. Hoffentlich spielt das Wetter auch mit. So ein bisschen Regen kann schon mal sein, aber nicht ständig.
Ich habe mir bereits im Vorfeld meiner Fahrt einige Gedanken gemacht, was ich alles besichtigen könnte. So habe ich mir fest vorgenommen, das Kap Lindesnes als den südlichsten Punkt Norwegens zu besuchen. Meine Planung sieht vor, dass ich unbedingt auch zum Preikestolen wandern werde. Der Berg Dalsnibba bei Geiranger und die bekannte Atlantikstraße bei Kristiansund werden weitere Ziele sein.
Das sieht meine bisherige Planung für den Verlauf der Reise vor. Ich habe mir entsprechende Prospekte bei einzelnen Touristeninformationen bestellt. Als Vorbereitung auf die Reise habe ich mir sogar noch einen neuen und aktuellen Straßenatlas von Norwegen gekauft. Das Internet habe ich genutzt, um weitere Erkundigungen über eventuell in Frage kommende Fährverbindungen auf den einzelnen Tagesetappen und über die Benutzung von Mautstraßen zu bekommen. Soweit es möglich war, habe ich mich gleich noch über die aktuellen Preise informiert.
Wieder einmal musste ich feststellen, dass es im Vorfeld einer solchen Reise doch recht schwer ist, schon von Zuhause aus konkrete Festlegungen für die einzelnen Tagesetappen zu treffen. Immer wieder bin ich beim Studium der Prospekte auf weitere interessante Sachen gestoßen, die es wert sein sollten, dass man sie besucht oder sich ansieht. So blieb es eben nur bei einer Grobplanung. Tagtäglich werde ich Vorort mich dann konkret zu Besuchen oder Besichtigungen und Fahrstrecken entscheiden. Auch das Wetter wird natürlich dabei eine nicht unbedeutende Rolle spielen.
Um die vielen Mautstrecken auf der Reise ganz ungehindert befahren zu können, habe ich mich per Internet bei www.autopass.no angemeldet. Diesen Service habe ich bei meiner letzten Reise noch nicht genutzt. Damals musste ich an den Mautstellen noch alles bar in Scheinen und Münzen bezahlen. Das hat natürlich immer ganz schön aufgehalten. Heute kam schon nach kurzer Zeit per Mail die Bestätigung, dass bereits 1 NOK abgebucht wurde und ich ab sofort die Mautstellen (bomstasjonen) auf den speziell dafür eingerichteten Videospuren ohne Halt passieren kann.
Die Fahrstrecke vom Wohnort bis zum Fährhafen in Dänemark ist doch ganz schön lang. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, mir unterwegs eine Zwischenübernachtung zu suchen. Auch dabei war mir das Internet eine große Hilfe. In der dänischen Stadt Kolding habe ich eine entsprechende Möglichkeit gefunden. Es ist eine kleine Pension in der Nähe des Hafens der Stadt. Im Übernachtungspreis ist auch das Frühstück am nächsten Tag enthalten. So hoffe ich, jeden Zeitdruck zu vermeiden und meine Reise nach und durch Norwegen ganz entspannt schon in Dänemark beginnen zu können. Man weiß ja nie, was alles auf einer so langen Anfahrt von fast eintausend Kilometern passiert. Wenn ich dann verspätet in Hirtshals ankomme, ist eventuell die Fähre fort und der Urlaub schon vor dem eigentlichen Beginn vorbei.
Bisher habe ich immer meine Reisen in die nördlichen Länder über verschiedene Reisebüros oder -agenturen gebucht. Die empfohlenen Touren habe ich aber stets mit eigenen Ideen ergänzt oder bin einfach vor Ort eigene Wege gefahren.
Gesichert waren bei diesen Reisen aber immer Unterkunft und Verpflegung. Ich habe dies einmal aus Bequemlichkeit meinerseits, zum anderen wegen der hohen Einzelpreise gemacht. Jetzt habe ich mir aber vorgenommen, eine meiner nächsten Reisen organisiere ich doch einmal selbst. Beginnend von der Anreise mit der Fähre über die Übernachtungen bis hin zur Verpflegung werde ich alles selbst in die Hand nehmen. Diese Reisevariante reizt mich schon lange. Es muss ja nicht immer ein großes und mit vielen Sternen versehenes Hotel sein, eine Ferienhütte tut es ja auch. Ich habe da schon eine schöne Strecke im Auge - aber verraten wird erst einmal nichts!
Norwegen
Was ist eigentlich dieses Norwegen für ein Land, das solch eine Anziehungskraft auf große Touristenströme ausübt?
Das Königreich Norwegen (Kongeriket Norge/Noreg) ist ein Land im äußersten Norden von Europa auf der skandinavischen Halbinsel, auf der auch noch Schweden liegt. Oftmals wird auch gern Finnland zu Skandinavien gezählt, obwohl es nach eindeutiger wissenschaftlicher Meinung eigentlich nicht so richtig dazugehört.
Mit einer Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung von mehr als 1.750 Kilometern ist Norwegen das längste Land Europas. Im Gegensatz zu dieser gewaltigen Länge steht die geringe Breite in Ost-West-Richtung mit nur 430 Kilometern. In Höhe der Stadt Narvik in Nordland, jenseits des Polarkreises, ist das Land lediglich etwa 7 Kilometer breit.
Norwegen ist über 385.000 Quadratkilometer groß und hat nach den allerneuesten Zählungen etwas mehr als 5,05 Millionen Einwohner. Es verzeichnet gegenwärtig als eines der wenigen Länder in Europa einen Bevölkerungszuwachs von mehr als 65.000 Menschen pro Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Norweger beträgt 80,5 Jahre. Während die Frauen etwa 83 Jahre lang leben, schaffen es die Männer lediglich auf nur 78 Jahre. Ich möchte nur mal wissen, warum das in fast allen Ländern so ist, dass die Frauen immer länger leben.
Norwegen ist ein Staat mit konstitutioneller Erbmonarchie. Seit 1991 ist König Harald V. das Staatsoberhaupt des Landes. Von ihm werden der Ministerpräsident und die Minister der Regierung ernannt. Das norwegische Parlament (Storting) umfasst 169 Abgeordnete, die vom Volk für die Dauer von 4 Jahren gewählt werden. Die Regierung wird gegenwärtig von Erna Solberg als Ministerpräsidentin geführt. Bereits seit dem Jahr 1913 besteht in Norwegen als einem der ersten Länder in Europa das Frauenwahlrecht.
Auch die zirka 60.000 bis 100.000 im Land lebenden Sami haben ein eigenes Parlament. Die genaue Zahl dieser Menschen lässt sich nur sehr schwer ermitteln, da große Teile der samischen Bevölkerung noch immer in ihren angestammten Siedlungsgebieten zwischen den Ländern Norwegen, Schweden, Finnland und Russland unterwegs sind. Im Oktober des Jahres 1989 wurde in Karasjok in Lappland das samische Parlament, das Sameting, durch Norwegens König Olav V. eröffnet. Seit diesem Zeitpunkt finden dort regelmäßige Sitzungen der gewählten Vertreter der Bevölkerungsminderheit zu Fragen der samischen Einwohner statt.
Norwegen hat auch sehr viele berühmte und bekannte Persönlichkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen hervorgebracht. So unter anderem:
den Dramatiker Hendrik Ibsen (1823–1906),
den Komponisten Edvard Grieg (1843–1907),
den Polarforscher Fridtjof Nansen (1861–1930),
den Maler Edvard Munch (1863–1944),
die Literatur-Nobelpreisträgerin Sigrid Undset (1882–1949),
den Naturforscher Thor Heyerdal (1914–2002).
In Norwegen ist eine sprachliche Besonderheit vorhanden. Es gibt zwei unterschiedliche, aber gleichberechtigte Sprachtypen. Zum einem ist es das Bokmal (die Buchsprache), das einen offiziellen Status hat. Es basiert hauptsächlich auf dem Dänischen. Bokmal wird von 85 bis 90 Prozent der norwegischen Bevölkerung geschrieben und gesprochen. Norwegen heißt in dieser Sprachart beispielsweise Norge.
Zum anderen ist da das Nynorsk (das Neunorwegische), das ebenfalls einen offiziellen Status besitzt. Dieser Sprachtyp ist im Gegensatz zum Bokmal eine Synthese aus den verschiedenen norwegischen Dialekten. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung bedienen sich Nynorsk. Hier heißt Norwegen dann Noreg.
Beide Sprachtypen sind im Land gleichberechtigt. Formulare und Vordrucke werden immer in den beiden Spracharten bereitgestellt. Auch Fernsehen und Radio bieten Sendungen in den jeweiligen Sprachen an.
Norwegens südlichster Punkt ist das Kap Lindesnes (57° 58´ 43´´ Nord), das auch zu meinem diesjährigen Besuchsprogramm gehören wird. Das Nordkap ist aber leider nicht, wie von vielen Besuchern angenommen wird, der nördlichste Punkt des Landes. Die 4,18 Kilometer westlich vom Nordkap gelegene Landspitze Knivskjellodden (71° 11´ 9´´ Nord) ragt noch ein ganzes Stück weiter in das Nordpolarmeer hinein.
Von den über 150.000 großen und kleinen Inseln, die sich vor der etwa 25.000 Kilometer langen Atlantikküstenlinie Norwegens befinden, sind aber nur 2.000 bewohnt.
Das Land ist geprägt von großen Gebirgsketten und riesigen Hochebenen, den Fjells. Mehr als 20 Gipfel dieser Gebirge sind über 2.300 Meter hoch. Der höchste Berg Norwegens ist der im Jotunheimen-Gebirge befindliche Galdhöpiggen mit 2.469 Metern.
Der Jostedalsbreen ist mit einer Fläche von über 450 Quadratkilometern der größte Festlandsgletscher des Landes und auch Europas. Sein Eis ist durchschnittlich 500 Meter stark.
Der Mjösa-See im Gudbrandsdalen, der sich von Eidsvoll im Süden bis Lillehammer im Norden hinzieht, ist mit 365 qkm der größte See Norwegens.
Der längste Fluss des Landes ist die Glomma mit einer Länge von 601 Kilometern.
Ungefähr 10.000 vor unserer Zeitrechnung besiedelten die ersten Menschen die Küstengebiete Norwegens. Bis zum 8. Jahrhundert entstanden dann überall viele ganz kleine Königreiche. Erst 872 vereinte Harald Harfagre (Harald Schönhaar) durch blutige Kriege die einzelnen Reiche. König Olav Haraldsson setzte mit großer Grausamkeit die Bestrebungen zur Reichseinheit und auch das Christentum in Norwegen weiter durch. Trotz seiner sehr umstrittenen Vorgehensweise wurde er nach seinem Tode 1030 für seine Verdienste um Norwegens Einigung als „Olav der Heilige“ verehrt und in Trondheim beigesetzt.
In den folgenden Jahrhunderten musste Norwegen verschiedene Pakte mit Schweden und Dänemark eingehen, die sich nicht immer positiv auf die weitere selbständige Landesentwicklung auswirkten. In Eidsvoll verk kamen 1814 insgesamt 112 Abgesandte aus dem ganzen Land zu einer Nationalversammlung zusammen. Unter den Teilnehmern waren neben anderen auch sieben Bauern, dreizehn Kaufleute und fünf Gutsbesitzer. Sie beschlossen am 14. Mai 1814 die erste Verfassung des Landes. Obwohl es bis zur endgültigen Loslösung Norwegens von Schweden und Dänemark noch ein langer Weg war, wird dieser Tag heute als Nationalfeiertag alljährlich mit einem großen Kinderumzug in Oslo durch die Stadt bis hin zum königlichen Schloss begangen.
Norwegen war eines der Gründungsmitglieder der NATO. Dennoch haben die Bewohner sich bereits im Jahr 1972 und dann nochmals 1994 in Volksabstimmungen eindeutig gegen den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union entschieden. Norwegen hat seit mehreren Jahren in der Welt den höchsten Lebensstandard. Die Grundlage dafür bilden neben einer sehr hohen Produktivität der Industrie auch die in den 1960-er Jahren entdeckten Vorkommen an Erdöl und Erdgas vor der Atlantikküste.
„Ja, vi elsker dette landet…“ - „Ja, wir lieben dieses Land…“
So beginnt die norwegische Nationalhymne, die von dem Literatur-Nobelpreisträger Björnstjerne Björnson (1832 - 1910) geschrieben wurde und sehr viel über die Einstellung der Norweger zu ihrem Land aussagt. In keinem anderen Land Europas erlebt man die unterschiedlichsten Aspekte der Natur und der Gesellschaft so eindrucksvoll wie in diesem:
… da sind die gewaltigen Fjorde, die sich von der Küste aus weit in das Land einschneiden, an deren Ufern sich schon vor langer Zeit die Menschen niedergelassen haben und noch heute erfolgreich Landwirtschaft und Obstbau betreiben.
… da sind die fast menschenleeren Bergregionen der Fjells, in denen sich die Natur und Tierwelt auch weiterhin ungestört entfalten kann.
… da sind die sonnigen Strände an der Südküste des Landes, die immer auch ein bisschen an die Mittelmeerregionen erinnern.
… da sind die weiten Gegenden nördlich des Polarkreises, in denen im Winter die Sonne kaum zu sehen ist, während sie im Sommer unentwegt scheint.
… da sind die Sami, die als Ureinwohner des Nordens mit ihren großen Rentierherden noch heute vielfach durch das Land ziehen.
… da ist der große Reichtum an Erdöl und Erdgas, der vor der Küste des Landes gefördert wird und da sind auch die enormen Fischbestände, die für viele Menschen Arbeit und Lohn bedeuten.
… da sind aber die hohen Preise für Alkohol, Benzin und Lebensmittel, die so manchen Urlauber davon abhalten, dieses Land zu besuchen.
… da ist das Nordkap, der letzte angenommene Festlandspunkt vor dem Nordpol, der jährlich zigtausende Menschen immer wieder in seinen Bann zieht.
… da ist das norwegische Königshaus, das in der jetzigen Form von der Bevölkerung anerkannt und geachtet wird und das beweist, dass Könige, Prinzen und Prinzessinnen auch nur Menschen sind, die Freuden, Sorgen und auch Fehler haben.
… da sind letztendlich die Menschen dieses Landes, die Fremden gegenüber stets etwas zurückhaltend sind; aber wenn man sie intensiver kennengelernt hat, sind sie aufgeschlossen und freundlich.
Diese Aufstellung lässt sich noch weiter bis ins Unermessliche fortsetzen und auf viele andere Bereiche erweitern. Aber jetzt soll endlich nach der langen Vorbereitungszeit meine Reise in den Süden Norwegens und in das Fjordland beginnen.
Auf dem Weg nach Dänemark
Heute ist Donnerstag. Jetzt geht es nun endlich los in Richtung Norden. Das Gepäck ist schon verladen und das Auto steht vollgetankt und abfahrbereit vor der Garage. Zunächst wird aber erst noch ausgiebig gemeinsam mit frischen Brötchen gefrühstückt und über die kommenden Tage gesprochen. Gegen 8:30 Uhr verlassen wir dann unsere Wohnung und fahren von nun an für eine gewisse Zeit getrennter Wege.
Vom Wetter her habe ich mir für meinen Start in den Urlaub keinen so schönen Tag ausgesucht. Es regnet mal wieder ziemlich stark. Eigentlich kann es nur noch besser werden. Aber trotz der Nässe lasse ich mir die Vorfreude auf die Reise nach Norwegen nicht verderben. Von Senftenbergaus geht es auf der Landstraße bis zur Anschlussstelle Klettwitz der Autobahn A 13. Mein nächstes Ziel ist das Schönefelder Kreuz. Ohne Staus oder sonstige Behinderungen komme ich ganz gut voran. Nur hinter der Anschlussstelle Bronkow muss ich verstärkt auf die Geschwindigkeit achten. Den Nachrichten zufolge soll hier irgendwo im Gebüsch ein gemeiner Blitzer stehen. Da ich mich aber fast immer an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten halte, komme ich ohne Foto an der Apparatur vorbei. Eng wird es dann aber in der langen Baustelle zwischen Lübbenau und Duben. Hier wird die Autobahn erweitert und mit neuem Belag versehen. Nach dem Passieren der Baustelle geht es zügig weiter und so erreiche ich schon nach etwa 50 Minuten das Schönefelder Kreuz. Hier muss ich mich entscheiden, ob ich meine Fahrt ab jetzt quer durch Berlin fortsetze oder ich die Stadt auf dem Berliner Ring, der Autobahn A 10, umfahren werde. Der Regen hat immer noch nicht nachgelassen und es sieht auch nicht so aus, als ob es in nächster Zeit passieren würde. Ich entschließe mich kurzentschlossen, meine Fahrt westwärts in Richtung Hannover fortzusetzen. Auf der östlichen Seite des Berliner Rings wird nämlich gegenwärtig das Autobahndreieck Schwanebeck total umgebaut. Es ist mit großer Sicherheit damit zu rechnen, dass es dort zu Staus im Bereich der Baustelle sowie schon bei der Anfahrt kommen wird. Meine Entscheidung über die westliche Fahrtrichtung war dann doch ganz gut. Denn je weiter ich mich von Zuhause entferne, desto mehr lässt der Regen ganz langsam nach und die Wolken reißen auch ab und zu mal kurz auf.
Auf dem westlichen Berliner Ring gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Dadurch wird das Fahren ganz entspannt, denn ich muss nicht immer in den Spiegel schauen, ob ein schnelleres Fahrzeug von hinten kommt. Natürlich gibt es immer Fahrer, für die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht so richtig gelten. Einige von dieser Sorte überholen die Kolonne, mit der ich in Richtung Norden fahre.
Ab dem Dreieck Havelland, an dem ich den Berliner Ring verlasse und auf die Autobahn A 24 einbiege, ändert sich das Wetter urplötzlich. Der Regen hört völlig auf und die Sonne kommt sogar ab und zu kurz heraus und schaut, ob es sich überhaupt lohnt, heute noch länger zu scheinen.
Auf allen bisherigen Autobahnabschnitten ist heute nur mäßiger Verkehr, so dass ich problemlos bisher durchgekommen bin. Auch auf dem jetzigen Teilstück der A 24, die nach Hamburg und nach Rostock führt, rollt der Verkehr. Kurz vor der Abfahrt Fehrbellin kommt die Raststätte „Linumer Bruch“. Hier mache ich erst einmal eine kleine Pause, um schnell einen Kaffee zu trinken. Jetzt am Vormittag ist hier noch ziemlich wenig los. Es ist nur schade, dass man nicht im Sommergarten sitzen kann. Der Regen hat zwar aufgehört, aber es ist einfach noch zu kalt. Mein nächstes Ziel ist jetzt das Autobahndreieck Wittstock an der Dosse, an dem ich heute in Richtung Hamburg abbiege. Immer, wenn ich in Richtung Norden fahre, muss ich erst einmal bis hierher fahren. Am Dreieck entscheidet sich, ob es über Kiel oder über Rostock nach Skandinavien geht. In diesem Jahr fahre ich weiter in Richtung Westen. Die Mehrheit der Fahrzeuge folgt meinem Beispiel und so fahren wir gemeinsam in Richtung Hamburg weiter.
Bald habe ich die Grenze zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern passiert. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dort, wo sich heute die Raststätte „Schaalsee“ und große Lager von bekannten Firmen befinden, war früher die Grenzübergangsstelle Marienborn. Jetzt sind es nur noch Hinweistafeln an der Autobahn, die an die ehemalige Grenze erinnern. Eigentlich machen wir bei unseren Fahrten nach Kiel oder Hamburg immer Pause an der Raststätte „Gudow“. Heute fahre ich aber weiter, da ich ja noch bis nach Dänemark will.
Gut 20 Kilometer vor dem Autobahnkreuz Hamburg-Ost verlasse ich an der Ausfahrt Schwarzenbeck/Grande die Autobahn A 24 und fahre auf Bundesstraße 404 weiter in Richtung Kiel. Auf dieser Straße ist immer sehr viel Verkehr. Da hier in der Vergangenheit sehr viele Unfälle passiert sind, hat man die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer reduziert. Auch das Überholen ist verboten. So schleiche ich in einer ziemlich langen Kolonne hinter einem schweren LKW hinterher. Erst am Kreuz Bargteheide wird aus der Bundesstraße die Autobahn A 21. Jetzt können wir an dem langsamen Brummi vorbei. Bald macht sich Hunger bemerkbar. Ich müsste mal etwas essen. Hinter Bad Segeberg gibt es die Raststätte „Schackendorf“. Dort werde ich meine Mittagspause machen. Zuallererst aber betanke ich mein Auto. Anschließend führt mein Weg mich in die Gaststätte. Im Restaurant ist heute auch sehr wenig Betrieb. Nur eine Familie mit zwei kleinen Kindern ist mit dem Essen beschäftigt. Aus der Speisenkarte wähle ich mir ein kleines Bauernfrühstück aus. Ich brauche nicht lange auf mein Essen zu warten und nehme zum Abschluss noch einen Cappuccino.
Nach der Pause fahre ich auf der Autobahn A 21 und der Bundesstraße 404 bis zu der kleinen Ortschaft Nettelsee und von dort aus weiter auf einer Landstraße bis nach Bordersholm. Hier komme ich dann auf die Autobahn A 7, die von Hamburg kommend über Flensburg bis nach Dänemark führt. Auch auf dieser Strecke fahren heute nicht viele Fahrzeuge. In den vergangenen Jahren habe ich während der Urlaubszeit schon ganz anderen Verkehr erlebt. Es war also doch von mir ganz gut gedacht, den diesjährigen Urlaub schon am Donnerstag beginnen zu lassen. So ist meine Rechnung bisher aufgegangen und ich bis jetzt keine Staus und Unfälle erlebt habe.
Eigentlich sind die Europäische Union und auch das Schengener Abkommen eine unwahrscheinliche Erleichterung vor allem für Urlauber. An den Ländergrenzen gibt es jetzt kein Anhalten und keine Ausweiskontrollen mehr. Ich kann mich noch sehr gut an die langen Fahrzeugschlangen an der Grenzstation bei unserer ersten Fahrt ins dänische Ferienhaus erinnern. Damals musste man schon viel Zeit für die Abfertigung mitbringen. Als ich heute an den Grenzübergang bei Flensburg komme, muss ich nur mal kurz die Geschwindigkeit verringern und schon bin ich in Dänemark.
Das Autofahren ist in Dänemark viel erholsamer als in Deutschland. Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt nur zwischen 110 und 130 km/h. Somit kommt kein Stress auf und letztendlich kann man auch noch Sprit sparen, was bei den heutigen Preisen ja von Vorteil ist. Da ich erst vor kurzem gut und ausreichend gegessen habe, brauche ich jetzt auch keine weiteren Pausen zu machen. So fahre ich auf der Europastraße 45 an den größeren Städten Aabenraa und Haderslev vorbei und komme meinem heutigen Übernachtungsort immer näher.
Ohne Behinderungen und Staus erlebt zu haben, verlasse ich nach über 7 Stunden Autofahrt schließlich kurz vor 16 Uhr die Autobahn und fahre auf einer Landstraße direkt in die Stadt Kolding hinein. Ich habe somit schon das erste Ziel auf meiner diesjährigen Nordlandreise erreicht.
Kolding ist eine Hafenstadt im südlichen Dänemark, die am Koldingfjord gelegen ist. Neben dem Güterumschlag ist sie ebenfalls ein Zentrum der Metall- und der Textilindustrie.
Der Ort wurde bereits im 12. Jahrhundert als Handelsplatz gegründet und hat heute etwa 57.500 Einwohner.
In der Stadt befindet sich der größte Holzimporthafen Dänemarks. Auch eine Universität ist in Kolding angesiedelt.
Sehenswürdigkeiten sind unter anderem das im 13. Jahrhundert erbaute Schloss Koldinghus, in dem heute ein Museum beheimatet ist. Aber auch die sehr gut erhaltenen Bürgerhäuser aus dem 17. Jahrhundert im Stadtzentrum sind eine Augenweide.
Ohne Probleme finde ich meine Übernachtungsstätte, das „Kolding Bed_& Breakfast“, da sich die Pension direkt an der Hauptstraße und in unmittelbarer Nähe des Hafens befindet. Nach einer Fahrstrecke von 697 Kilometern stelle ich mein Auto auf dem Parkplatz im Hinterhof des Gebäudes ab. Jetzt möchte ich nur noch mein per Internet bestelltes Zimmer beziehen. Leider ist aber die Tür zur Pension zu und auf mein mehrfaches Klingeln reagiert niemand. Manchmal hat man ja Glück und es kommt gerade ein Gast heraus - aber hier passiert nichts. Was kann ich jetzt tun? Da entdecke ich an der Eingangstür ein Schild, auf dem neben der Bezeichnung der Pension auch eine Telefonnummer steht. Per Handy versuche ich, die Nummer anzurufen. Aber wie oft in solchen Situationen habe ich vergessen, die Vorwahl von Dänemark zu wählen. Also versuche ich es gleich noch einmal und schnell habe ich auch eine Person am anderen Ende. Auf Deutsch begrüßt mich die Vermieterin und erklärt mir, wie ich in das Haus komme und wo ich dann mein Zimmer finde. Dazu gibt sie mir auch noch die Geheimzahl, die ich an der Schließanlage der Tür eingeben muss, damit ich das Haus betreten kann. Gleichzeitig will sie noch wissen, wann ich denn morgen mein Frühstück haben möchte. Da ich die Abfahrtszeit der Fähre in Hirtshals ja unbedingt einhalten muss, will ich spätestens um 8 Uhr von Kolding abfahren. Deshalb möchte ich ungefähr eine halbe Stunde vorher noch in aller Ruhe frühstücken.
Nach dem Telefonat nehme ich mein Gepäck auf und gebe die PIN-Zahl an der Tür ein. Und siehe da, die Tür lässt sich öffnen! Mein Weg im Haus führt mich jetzt hinunter in das Kellergeschoß. Hier befindet sich mein sehr schönes und helles Zimmer. Nachdem ich mich von dem Staub und Dreck des heutigen Tages befreit habe, mache ich erst einmal eine kurze Erholungspause und muss natürlich dabei auch das Bett mal schnell ausprobieren.
Aber schon bald treibt mich die Neugierde wieder aus dem Haus. Da ich noch nie in Kolding war, möchte ich mir unbedingt wenigstens einen kleinen Teil der Stadt ansehen. Der Spaziergang führt mich von der Pension aus durch einen Teil der Innenstadt bis hin zum berühmten Schloss Koldinghus. Um dorthin zu gelangen, muss ich einen kleinen Hügel erklimmen. Von hier oben kann ich mir einen allgemeinen Überblick über die Stadt verschaffen. Nach einem Rundgang um das Schloss herum, das leider schon verschlossen ist, steige ich wieder hinunter in den Ort. Anschließend bummle ich noch ein bisschen durch die ziemlich lange Fußgängerzone mit sehr vielen verschiedenen Geschäften und urigen Lokalen. Eine Seifenblasenmaschine vor einem Spielwarengeschäft ist ein Anziehungspunkt für zahlreiche Kinder. Eine Mutter hat es ganz besonders schwer, ihre vier Sprösslinge zum Weitergehen zu bringen. Wenn sie einen von ihnen überzeugt hat, steht ein anderer vor dem Automaten und pustet Blasen in die Luft. Nachdem ich eine ganze Weile diesem Schauspiel zugesehen habe, setze ich meinen Spaziergang fort.
In der Helligkorsgade 18 fällt mir ein uraltes, aber recht gut erhaltenes rotes Fachwerkhaus ins Auge. Ich schaue mal kurz in die Stadtbeschreibung und erfahre so, dass dieses Haus schon im Jahr 1598 erbaut wurde und somit das älteste Bauwerk in Kolding ist. Am guten Zustand des Gebäudes ist unschwer zu erkennen, dass man sich sehr viel Mühe gegeben und wahrscheinlich auch reichlich Geld in die Renovierung und Erhaltung dieses Hauses gesteckt hat.
Bei meiner kurzen Stadterkundung fällt mir auf, dass ich immer wieder auf viele Menschen aus südlichen und afrikanischen Ländern treffe, die ebenfalls mit Kind und Kegel bummeln gehen.
Gegen 19 Uhr bin ich dann wieder zurück in meinem Zimmer in der Pension. Ich mache mir erst einmal etwas zu essen. Brot, Butter und Wurst reichen heute vollkommen aus. Nach dem Essen, bei dem ich mir sehr viel Zeit lasse und noch einige Prospekte zu der bevorstehenden Reise lese, ist es noch viel zu zeitig, um ins Bett zu gehen. Also starte ich noch einmal durch, um jetzt die nähere Umgebung um die Pension herum und den Hafen zu erkunden.
Besonders der nahe Hafen lockt mich zu einem etwas längeren Spaziergang. Um auf das Gelände zu kommen, brauche ich nicht einmal ein Tor zu passieren. Am Pier haben drei größere Schiffe aus verschiedenen Ländern festgemacht und warten auf das Be- oder Entladen. Ich gehe an ihnen vorbei bis an die Spitze der Hafenmole. Dabei kann ich mir die Schiffe mal aus unmittelbarer Nähe ansehen. Während das Schiff, das aus Singapur kommt, einen ziemlich gepflegten Eindruck macht, sehen die beiden Frachter aus Russland doch schon ganz schön mitgenommen aus. Pflege und Wartung scheinen nicht so das Ding von deren Besatzungen zu sein. Ein bisschen Farbe könnte hier vielleicht wahre Wunder bewirken.
An einem großen Segelschiff sind viele Leute dabei, an den Masten und auf Deck Ausbesserungsarbeiten durchzuführen. Ich verstehe zwar nicht, was gesprochen wird, aber am andauernden Lachen erkenne ich, dass es bei Arbeit ziemlich locker zugeht.
Nach dem Abstecher in den Hafen wird es nun doch langsam Zeit, um zur Pension zurückzukehren. Morgen muss ich ausgeschlafen sein, denn erst sind es rund 250 Kilometer bis zum Fährhafen nach Hirtshals. Dann werde ich mit der Fähre in etwa drei Stunden nach Kristiansand übersetzen und schließlich muss ich noch einmal rund 50 Kilometer bis in die Kleinstadt Mandal im südlichen Norwegen zurücklegen.
Von Dänemark mit der Fähre nach Norwegen
Kurz nach 6 Uhr ist für mich die Nacht vorbei. Mein Handywecker reißt mich mit durchdringendem Ton aus dem Schlaf. Ich weiß ja nicht, wie stark der Verkehr heute auf der Autobahn Richtung Norden sein wird. So mache ich mich lieber etwas eher auf den Weg, als dass ich noch die Fähre verpasse oder im ungünstigen Fall bis nach Hirtshals ziemlich zügig fahren muss.
Ich habe sehr unruhig geschlafen, denn es ist lange nicht finster geworden. Dafür wurde es aber heute früh schon wieder ziemlich zeitig hell.
In der kleinen Küche, die sich unmittelbar neben meinem Zimmer befindet, klappern schon die Teller und Kaffeeduft zieht langsam herüber. Meine Vermieterin ist also auch schon da und bereitet für mich das Frühstück vor. In der Zwischenzeit gehe ich mich erst einmal waschen. Dann bekomme ich das Essen sogar auch noch auf das Zimmer gebracht. Das ist vielleicht ein hervorragender Service!
Der einzige kleine Nachteil dieser Übernachtung war, dass sich das Bad und die Toilette für mein Zimmer über den Gang befunden haben. Da hier unten im Kellergeschoss aber nur ein Zimmer ist, kann man das auch eigentlich akzeptieren.
Ganz planmäßig beginne ich meine Fahrt nach Hirtshals. Bei der Abfahrt von der Pension scheint sogar schon die Sonne und der Freitagsverkehr in der Stadt lässt auch noch auf sich warten. Langsam fahre ich am Hafengelände und einem großen Park vorbei zur Autobahn E 45. Dort ist der Verkehr doch schon ziemlich stark. Viele Urlauber sind auf dem Weg in ihre Ferienhäuser bzw. zu Campingplätzen. Sehr viele große Autos ziehen noch größere Wohnwagen hinter sich her. Erst nach der Abfahrt zur Stadt Aarhus wird die Anzahl der Autos immer weniger. Vorbei an Randers und Hobro geht es jetzt ganz entspannt bis zur Abzweigung bei Aalborg. Hier teilt sich die Autobahn. Auf der Europastraße 45 kann man bis nach Frederikshavn und dann nach einer Fährüberfahrt auf dem Inlandsvägen quer durch Schweden fahren. In der anderen nördlichen Richtung führt die Europastraße 39 direkt bis in den Fährhafen von Hirtshals. Dort muss ich jetzt hin, um anschließend mit der Fähre nach Norwegen fahren zu können, Es ist nur schade, dass es an den dänischen Autobahnen kaum Rast-und Tankstätten gibt. So ist es auch auf meinem jetzigen Weg. Schließlich kommt doch noch eine kleine Raststätte. Hier halte ich an und trinke einen Kaffee. Eigentlich ist der Grund für die Pause ein ganz anderer. Ich habe nämlich Zuhause beim Durchstöbern der Unterlagen von früheren Reisen einen 50 Kronen-Schein gefunden. Jetzt möchte ich wissen, ob der überhaupt noch gültig ist. Und siehe da, er ist es! Ohne Problem wird er von der Bedienung angenommen und ich erhalte dafür meinen Kaffee. Das Wechselgeld besteht aus aktuellen Scheinen und Münzen.
Nach dieser kurzen Pause trete ich den letzten Teilabschnitt meiner heutigen Fahrt auf dänischem Boden an. Die Autobahn führt jetzt fast schurgerade nach Norden. Es gibt kaum noch größere Kurven. Kurz vor 10 Uhr habe ich das Ende der Autobahn erreicht und somit auch die Stadt Hirtshals. Eigentlich ist noch genügend Zeit, um einen kurzen Bummel durch den Ort machen zu können.
Hirtshals ist eine Hafenstadt im Nordwesten Jütlands. Sie wurde im 16. Jahrhundert erstmalig erwähnt. Heute leben hier etwa 6.000 Einwohner. Diese arbeiten fast ausschließlich in der Fischerei und im Tourismus. In Hirtshals ist der zweitgrößte Fischereihafen Dänemarks. Außerdem fahren von hier Fähren nach Norwegen, Island und zu den Färöer Inseln. Die Schiffe der „Color Line“ und der „Fjord Line“ bedienen dabei die Häfen in Larvik, Kristiansand, Stavanger und Bergen. Island kann man mit einer Fähre der „Smyril Line“ erreichen.
Hirtshals verfügt als Touristenattraktion über das Nordsee-Aquarium mit über 70 verschiedenen Fischarten, das nach einem Brand im Jahr 2003 schon zwei Jahre später wieder eröffnet wurden konnte.
Der Weg zum Color Line-Terminal ist von der Autobahn her sehr gut ausgeschildert. Man kann sich überhaupt nicht verfahren, wenn man zur Fähre will. Ich hoffe auf eine Abzweigung in die Stadt. Irgendwann muss sie noch kommen. Aber urplötzlich stehe ich dann vor der um diese Zeit noch geschlossenen Hafenzufahrt. Ein Umkehren ist nicht mehr möglich, da es sich um eine Einbahnstraße handelt. Also stelle ich mich zwangsläufig zu den wenigen, bereits um diese Zeit wartenden Fahrzeugen.
Die Wartezeit dauert überhaupt nicht lange. Schon 20 Minuten vor dem offiziellen Start wird mit dem völlig unkomplizierten Einchecken begonnen. Ich brauche am Schalter nur meinen Voucher für die Fährüberfahrt abzugeben und schon bekomme ich dafür eine Bordkarte ausgehändigt. Außerdem muss ich am Innenspiegel meines Autos noch einen grünen Zettel mit dem Hinweis „Kristiansand“ befestigen. Dann sagt mir die Mitarbeiterin der Color Line die Nummer der Spur, in der ich für die Auffahrt auf die Fähre warten muss. Nach einer weiteren kurzen Fahrstrecke heißt es jetzt nur noch warten, warten, warten.
Erst einmal schaue ich mir die Leute an, die in den Autos neben mir auch auf die Fähre warten. Es sind sowohl alle Altersstufen als auch alle Fahrzeuggrößen vertreten. In einigen Fahrzeugen ist man bemüht, den Kindern die Wartezeit durch Spiele oder Bücher zu verkürzen. Bei meiner Beobachtung fällt mir ein Auto auf, dessen Fahrer trotz der Wärme von immerhin 22 Grad mit einem Schal um den Hals herumläuft. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass ich diesem Paar noch einige Male während meiner gesamten Rundreise begegnen werde.
Nachdem ich mir alles in meiner unmittelbaren Nähe genau angesehen habe, verlasse ich das Auto und mache mich auf, das Hafengelände zu Fuß zu erkunden. Bei meinem Rundgang stelle ich fest, dass die Autofahrer nicht nur auf die Fähre nach Kristiansand warten. An einer anderen Abfertigungsstelle stehen noch viele weitere Fahrzeuge, die auch nach Norwegen wollen. Ihr Zielhafen ist aber Larvik. Sie haben deshalb auch einen roten Zettel an der Scheibe. Die Fähre der Color Line für diese Strecke wird erst gegen 12 Uhr in Hirtshals ankommen. Ich gehe weiter bis an die Hafenkante. Einen Schritt weiter und ich kann ohne Auto nach Norwegen schwimmen. Einige ganz bequeme Wohnmobilisten haben ihre Fahrzeuge mit der Frontseite in Richtung Meer gestellt und können nun ohne Auszusteigen alles genau beobachten. Auch werden im hinteren Hafenbereich noch einmal Hunde aller Größen Gassi geführt. Dann kommt plötzlich ein Schiff um die Mole herum. Es ist eine Schnellfähre der „Fjord Line“, die gerade aus Kristiansand kommt. Dieses Schiff fährt so schnell, dass es für die Überfahrt von Dänemark nach Norwegen nur etwas mehr als 2,5 Stunden benötigt. Die Fähre der „Color Line“, mit der ich gleich fahren werde, benötigt für dieselbe Strecke genau eine Stunde mehr.
Dann kommt sie endlich. Ganz majestätisch umrundet die große Color Line - Fähre „Super Speed 1“ die Mole an der Hafeneinfahrt von Hirtshals. Das Schiff ist auch bedeutend gewaltiger als die Fähre der Fjord Line.
Die „SuperSpeed 1“ ist eine Schnellfähre der norwegischen Reederei Color Line, die auf der Strecke zwischen Kristiansand in Norwegen und Hirtshals in Dänemark eingesetzt ist. Das Schwesterschiff „SuperSpeed 2“ verkehrt täglich zwischen Hirtshals und dem norwegischen Larvik.
Die „SuperSpeed 1“ wurde im Jahr 2008 in Dienst gestellt und 3 Jahre später zum ersten Mal umgebaut. Sie ist über 211 Meter lang und 25,8 Meter breit. Insgesamt 2.400 Passagiere und bis zu 750 Fahrzeuge können befördert werden. Die Motoren leisten insgesamt 51.408 PS und damit erreicht die Fähre eine Geschwindigkeit von 27 Knoten (ca. 48 km/h).
Seit dem Umbau im Jahr 2011 besitzt dieses Schiff auch die größte Pizzeria Europas mit insgesamt 484 Plätzen.

„SuperSpeed 1“ läuft in den Hafen von Hirtshals ein
Da die Fähre von der Hafeneinfahrt bis zur Anlagestelle noch einen sehr weiten Weg zurücklegen muss, bleiben wir alle an unseren bisherigen Standorten am Kai stehen. Wir lassen das große Schiff an uns vorbeifahren, bevor wir zu unseren Fahrzeugen gehen. Es dauert noch eine gewisse Zeit und dann hat das Schiff am Kai festgemacht. Innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit verlassen alle Fahrzeuge, die aus Norwegen kommen, das Schiff. Dann sind wir endlich an der Reihe. Während in den unteren Schiffsteil die LKW und Wohnmobile einfahren, müssen wir PKW über eine lange Rampe in den oberen Teil des Schiffsdecks fahren. Es ist schon beeindruckend, wenn man sieht, wie sich der ehemals volle Warteplatz im Hafen in rascher Zeit leert. Fast pünktlich verlassen wir kurz nach 12:15 Uhr den Hafen von Hirtshals und es beginnt unsere dreistündige Überfahrt nach Norwegen.
Mein Auto ist sicher abgestellt und ich habe bis kurz nach 15 Uhr Zeit, um das Schiff zu erkunden. Als erstes stelle ich fest, dass es an Bord nur 45 Kabinen gibt. Diese sind dann auch nur vorzugsweise für die Fahrer der schweren LKW bestimmt, die ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten müssen. Dafür gibt es jede Menge an Sitzmöglichkeiten für die anderen Passagiere in allen Bereichen des Schiffes. Es ist das allererste Mal, dass ich auf so einer Schnellfähre der Color Line bin. Bisher fanden unsere Fahrten nach Norwegen stets mit den Schiffen „Color Fantasy“ bzw. „Color Magic“ ab Kiel statt.
In den Restaurants und Bistros der „SuperSpeed 1“ kann man sein Urlaubsgeld schon auf der Fahrt nach Norwegen loswerden. Wenn dann noch etwas übriggeblieben ist, so ist da noch ein riesiger Shoppingbereich, der neben Bekleidung und Parfüm auch über eine sehr große Lebensmittelabteilung verfügt.
Meinen Rundgang durch das Schiff nutze ich gleich noch zum Umtausch von EURO in norwegische Kronen. Ich schätze, dass eigentlich der Betrag von 2.500 Kronen für die gesamte Reise ausreichend sein müsste. Die Mautgebühren werden per Kreditkarte abgezogen, die Zimmer sind bezahlt und für die abendliche Verpflegung ist bis auf zwei Tage in Stavanger auch schon gesorgt.
Im Selbstbedienungsrestaurant leiste ich mir nach dem Geldumtausch ein großes Sandwich mit Lachs und einen Pott Kaffee. Zur Bezahlung nutze ich schon die eingetauschten Kronen. Dann ziehe ich mich auf einen freien Sitzplatz nahe der Rezeption in der Mitte des Schiffes zurück. Von hier aus beobachte ich das teilweise hektische Treiben der Passagiere. Dabei sind mir doch ganz plötzlich und auch nur ganz kurz die Augen zugefallen. Ich hoffe nur, dass ich während meines kleinen Nickerchens nicht allzu heftig geschnarcht habe.
Eine laute Durchsage reißt mich dann aus den Träumen. Leider wird aber nur norwegisch gesprochen. Ich kratze alle meine gelernten Vokabeln zusammen, um mitzubekommen, worum es geht. Soweit ich verstanden habe, kann unser Schiff wegen eines technischen Defektes nicht mit voller Kraft fahren. Wir werden deshalb Kristiansand erst mit einer halben Stunde Verspätung erreichen. Das stört mich aber nicht im Geringsten. Ich brauche vom Hafen aus nur noch etwa 50 Kilometer bis zu meinem Hotel in Mandal zurücklegen. Die Hauptsache ist, dass wir überhaupt noch heute in Norwegen ankommen.
Nach einer weiteren halben Stunde verlasse ich meinen Sitzplatz und mache mich auf den Weg zum Außendeck. Wir haben nämlich schon die Schären vor Kristiansand erreicht und fahren jetzt langsam zwischen den Felsen hindurch. Viele Passagiere sind nun auf das Deck hinausgegangen und genießen in der Sonne die letzten Minuten der Überfahrt. Immer wieder muss das Schiff kleinen und großen Inseln ausweichen. So kann man vom Schiff aus immer wieder auf die Stadt Kristiansand, die mit über 84.000 Einwohnern fünftgrößte Stadt des Landes, blicken. Auf den Inselhäusern wehen norwegische Flaggen in allen Größen. Da wir uns nur mit langsamer Geschwindigkeit dem Color Line Terminal nähern, bleibt genügend Zeit, um die Einfahrt in den Hafen zu genießen. Die Fähre gleitet gemächlich an dem markanten Gebäude des neuen „Kilden - Theater- und Konzerthaus“ vorbei.
Während der Wartezeit auf dem Schiff habe ich mich mit einem Prospekt von Kristiansand beschäftigt. Darin habe ich auch gelesen, dass die Kronprinzessin Mette-Marit aus dieser Stadt stammt. Dann macht die Fähre am Pier fest und wenige Minuten später kann ich an Land fahren. Dort geht es nun sehr, sehr langsam voran. Aus den drei Spuren, die aus dem Inneren des Schiffes kommen, wird nach wenigen Metern nur noch eine. Das Einordnen dauert ganz schön lange. Auch müssen wir erst einmal uns alle Bereiche des Hafengeländes bei der Ausfahrt ansehen. Die Autokolonne rückt nur langsam weiter. Unmittelbar nach dem Hafen komme ich an einen Kreisverkehr. Hier teilen sich die Fahrzeuge, die aus Dänemark kommen, einigermaßen schnell auf. Die meisten von ihnen fahren in Richtung Larvik und Oslo nach Osten. Nur wenige wollen, so wie ich, nach Westen.

Kilden - Theater- und Konzerthaus in Kristiansand
Auf der Europastraße 39 geht meine Fahrt nun in Richtung Mandal weiter. Aber schon bald stecke ich wieder im Stau. Am Ortsausgang von Kristiansand werden gerade umfangreiche Straßenbauarbeiten durchgeführt. Die bereits vorhandene Straße wird auf vier Fahrbahnen erweitert. Da heute Freitag und außerdem gerade Feierabend ist, hat sich ein Stau gebildet, der sich am Ende auf über 10 Kilometer hinzieht. Erst danach wird der Verkehr wieder flüssiger und ich kann endlich mal wieder 80 Stundenkilometer schnell fahren. Mit genügend Ausdauer und Geduld erreiche ich kurz vor halb sechs Uhr mein erstes norwegisches Ziel, die Kleinstadt Mandal.
Mandal ist die südlichste Stadt Norwegens und liegt in der Provinz Vest-Agder. Sie hat rund 15.260 Einwohner. Der Ort wurde um 1500 als Verladestation für Holz gegründet. Heute befinden sich hier noch Werftanlagen und die Redaktionen von verschiedenen lokalen Zeitungen. Erst im Jahr 1921 erhielt Mandal das Stadtrecht.
Der bekannte norwegische Bildhauer Gustav Vigeland wurde in Mandal am 11.04.1869 geboren. Im Jahr 1902 hat er die Medaille für den jährlich in Oslo vergebenen Friedens-Nobelpreis entworfen. Sein umfangreiches Werk kann man im Frognerpark in Oslo bewundern.
Charakteristisch für Mandal sind die vielen weißen Holzhäuser. Die im Jahr 1821 erbaute Kirche mit 1.800 Sitzplätzen ist das zweitgrößte sakrale Bauwerk Norwegens.
Dank meiner intensiven Reisevorbereitungen ist es kein Problem, das „First-Hotel Solborg“ zu finden. Es befindet sich in einer ruhigen Nebenstraße etwas abseits vom Zentrum. Von außen macht es einen nicht gerade Vertrauen erweckenden Eindruck. Die Fassade ist dringend renovierungsbedürftig. Dafür ist der Empfangschef umso freundlicher. Von ihm erhalte ich an der Rezeption nach Vorlage des Vouchers den Zimmerschlüssel und die Information, dass ich heute der einzige Gast mit Halbpension bin und mein Abendessen deshalb nicht im Hotel einnehmen kann. Damit ich aber nicht verhungern muss, hat man für mich einen Platz in einem der besten Restaurants in der Stadt reserviert. Der Mitarbeiter möchte von mir nur noch wissen, wann ich zu speisen gedenke. Auf einem Stadtplan zeigt er mir den Weg zu dem Restaurant „Hr. Redaktör“. Es ist nicht weit vom Hotel entfernt und in etwa 10 Minuten Fußmarsch zu erreichen. Ich entscheide mich für 19 Uhr. So habe ich noch genügend Zeit, um mein Zimmer zu beziehen und mich etwas frisch zu machen.
Dann starte ich den Weg zur Gaststätte. Sie befindet sich direkt im Zentrum der fast nur aus weißen Holzhäusern bestehenden Kleinstadt. Dank der guten Wegbeschreibung finde ich das Restaurant ganz schnell und werde auch freundlich begrüßt. Die Kellnerin führt mich zu einem für mich reservierten Platz. Als erstes leiste ich mir zum Abschluss des heutigen Tages ein großes Bier. Mein Abendessen besteht aus einer Vorspeise, Hühnchen auf Nudeln mit Gemüse und anschließend noch Joghurtspeise mit frischen Erdbeeren. Ganz zum Abschluss gibt es noch einen Kaffee. An einem der Nachbartische haben während meines Essens drei ältere und gutgekleidete Damen Platz genommen. Sie scheinen sich sehr viel zu erzählen zu haben. Während sie aufeinander einreden isst jede einen Hamburger. Gemeinsam trinken sie dazu eine ganze Flasche Rotwein aus.
Das Restaurant ist in dem Gebäude untergebracht, in dem sich auch die Redaktionen lokaler Tageszeitungen befinden. Deshalb hat es den für mich etwas ungewöhnlichen Namen. Während ich auf die einzelnen Gänge des Essens warte, schaue ich mich etwas im Raum um. An den Wänden sind Titel von Zeitungen aus der ganzen Welt aufgehängt. Darunter finde ich auch den des „Neuen Deutschlands“ aus dem Jahr 2008.

Zeitungstitel im Restaurant „Hr. Redaktör“
Nach dem Essen brauche ich nur mein Bier zu bezahlen und dann verlasse ich das Lokal. Ich schlendere noch etwas durch die Innenstadt.
Die gesamte Stadt besteht wirklich aus mit weißer Farbe gestrichenen Holzhäusern. Im Stadtzentrum sind in diesen Häusern meistens im Untergeschoß Geschäfte untergebracht. Auf großen Plakaten kann ich trotz meiner noch mangelhaften Kenntnisse der norwegischen Sprache lesen, dass an diesem Wochenende das alljährliche Sommerfest stattfindet. An verschiedenen Stellen sind auch schon kleine Bühnen aufgebaut, auf denen in der nächsten Zeit laut Programm verschiedene Künstler und Musikgruppen auftreten werden. Die Geschäfte haben heute bis 22 Uhr geöffnet. Viele Familien spazieren durch die schmalen Gassen zwischen den Holzhäusern. Auf dem winzigen Platz vor dem Restaurant „Hr. Redaktör“ kommen gerade alte amerikanische Straßenkreuzer an, die liebevoll gepflegt sind. Sie formieren sich und fahren dann im Korso durch die Stadt. An verschiedenen Stellen in der Innenstadt werden auch Spiele für und mit Kindern durchgeführt. Hinter dem Restaurant, das ich erst vor kurzem verlassen habe, spielt jetzt gerade eine Country Band. Es ist stellenweise sehr laut, da viele Gaststätten Sommergärten eingerichtet haben, wo die Gäste im Freien sitzen können.
Aber all diese vielseitigen kulturellen und sportlichen Angebote können mich jedoch nicht davon abhalten, Mandal noch ein wenig zu erkunden. Die kleinen und großen Holzhäuschen in den engen Kopfsteinpflasterstraßen sind super in Ordnung und fast alle mit Blumen geschmückt.

Gepflegte Holzhäuser in Mandal
Ich schlendere noch eine ganze Weile abseits des Zentrums durch die Stadt. Dabei entdecke ich ein ganz originelles Parkhaus. Wahrscheinlich hatte man innerhalb der Stadt nicht genügend Platz für Parkflächen. So wurde einfach eine große Höhle in den Hausberg geschlagen und schon waren genügend Parkmöglichkeiten vorhanden. Während ich noch dabei bin, die Stadt zu erkunden, beginnt es ganz sacht zu regnen. Deshalb mache ich mich gezwungenermaßen auf den Weg zurück zum Hotel. Bei einem Blick auf die Uhr erschrecke ich mich. Es ist schon weit nach 22 Uhr. Dadurch, dass es auch im Süden Norwegens während des Sommers nicht so richtig finster wird, ist mir ein bisschen das Zeitgefühl verloren gegangen. Auf dem Weg zum Hotel mache ich dann doch noch eine Entdeckung. Ein weißes Holzhaus mit einem kleinen Garten an der Ecke Grensegata/ Gustav Vigelands vei ist das Geburtshaus von Gustav Vigeland (1869–1943). So steht es jedenfalls auf einer kleinen Tafel an dem weißen Gartenzaun. Heute ist dieses Haus bewohnt und kann leider nicht besichtigt werden.
Zurückgekehrt im Hotel stelle ich fest, dass ich trotz des langen Tages überhaupt nicht müde bin. So setze ich mich noch eine Weile auf den kleinen überdachten Balkon meines Zimmers. Von hier aus kann ich beobachten, wie zwei Busfahrer bemüht sind, ihre Fahrzeuge zwischen den inzwischen vier bereits abgestellten Omnibussen zu parken. Das ist nicht so einfach, da ja auch noch eine Durchfahrtsmöglichkeit für den übrigen Verkehr gelassen werden muss. Aber gemeinsam beenden sie erfolgreich ihr Vorhaben und können in das Hotel zurückkehren. Außerdem habe ich festgestellt, dass vor einem Haus gegenüber dem Hotel ein ständiges Kommen und Gehen ist. Ich mache mir die Mühe und entziffere die Beschriftung an der Hausfront. Es ist eine Kirche der Zeugen Jehovas. Ausschließlich ältere Menschen kommen aus diesem Gebäude und steigen in PKW bzw. gehen zu Fuß in Richtung des Stadtzentrums.
Ich setze mich noch eine kleine Weile an den Schreibtisch und schreibe die Erlebnisse des heutigen Tages in das Reisetagebuch. Dann werde ich doch ganz langsam müde und ziehe mich in das Bett zurück. Hoffentlich hat sich morgen das Wetter gebessert. Der Regen muss unbedingt aufhören. Mit diesem Gedanken schlafe ich ein.
Auf der Nordseestraße nach Stavanger
In der Nacht muss es weiter geregnet haben. Als ich heute früh vom Balkon aus auf die Straße schaue, ist es immer noch ziemlich nass. Aber der Regen hat jetzt spürbar nachgelassen. Ich habe sehr gut geschlafen und bin auch richtig ausgeruht. Kurz vor halb acht stehe ich endlich auf und mache mich für den heutigen Tagesablauf fertig.
Im Frühstücksraum ist ganz schön Betrieb. Obwohl bereits zwei Busse abgefahren sind, sind freie Plätze an den Tischen rar. Ich finde doch noch ein Plätzchen und hole mir erst einmal ein Glas Apfelsaft. Dann genieße ich das erste norwegische Frühstücksbüfett. Nach dem Auschecken verstaue ich mein Gepäck wieder im Auto und verlasse dann Mandal. Bei endlich trockenem Wetter mache ich mich auf den Weg nach Stavanger. Zunächst geht es erst einmal zurück auf die Europastraße 39 und dann weiter bis zur kleinen Ortschaft Vigeland. Hier fahre ich quer durch den Ort und komme so zur Landstraße 460. Ihr werde ich jetzt rund 30 Kilometer bis an den südlichsten Punkt Norwegens folgen.
Nach einer endlos erscheinenden Fahrt durch kleine Ortschaften und viele Wälder wird es an den Straßenseiten immer felsiger. Es gibt kaum noch Bäume. 30 Minuten später habe ich den Parkplatz am Kap Lindesnes erreicht. So früh am Morgen ist hier natürlich noch nichts los. Nur vier oder fünf Wohnmobile stehen ganz am Rande des Parkplatzes im Schutze der Felsen. Deren Insassen haben höchstwahrscheinlich hier übernachtet. Sogar der Schalter am Eingang der Anlage, an dem man sonst das Eintrittsgeld bezahlen muss, ist um diese Zeit noch unbesetzt. Frühes Aufstehen hat eben manchmal auch seine Vorteile!
Kap Lindesnes ist der südlichste Festlandspunkt (57° 57` 35`` Nord) Norwegens. Von hier aus sind es genau 1.682 Kilometer Luftlinie bis zum Nordkap - mit dem Auto muss man über 2.500 Kilometer zurücklegen.
Auf einem Felsen steht der in Jahr 1915 erbaute Leuchtturm, der nach Modernisierungen auch heute noch unentwegt sein Licht auf das Meer hinaus schickt. Er soll in rund 19,4 Seemeilen von den Schiffen zu sehen sein. Sein Vorgänger, dessen Reste daneben stehen, wurde am 27. Februar 1656 gebaut und zunächst durch 30 Talglichter betrieben. Erst einige Jahre später wurden fünf Holzkohlefeuer dazu genutzt.
Nachdem ich mein Auto auf dem fast leeren Parkplatz abgestellt habe, beginne ich mit meiner Besichtigungstour. Am Eingang komme ich ja ohne Bezahlung vorbei. Dann muss ich aber erst einmal die 109 Treppenstufen bewältigen, um an den Fuß des Leuchtturms zu kommen. Im Reiseführer der Gemeinde Vigeland habe ich gelesen, dass jährlich rund 70.000 Besucher am Kap gezählt werden. Bestimmt sind es sogar noch mehr, denn es gibt auch heute wieder einige Leute, die schon vor der Öffnung der Kasse erschienen sind. Im Jahr 2000 wurde der Leuchtturm vom Kap Lindesnes in Norwegen durch eine Expertengruppe zur Attraktion des Jahrtausends gewählt.
Leider kann man heute nicht sehr weit auf das Meer hinausschauen. Der Horizont verschwindet im Nebel. So laufe ich eben ein bisschen um den Leuchtturm und das gesamte Gelände herum. Ich erkunde auch den Hügel, auf dem der Turm steht, und sehe dabei, dass sich nebenan noch Reste einer Bunker- und Geschützanlage aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Aber ein Besuch von irgendwelchen militärischen Anlagen des vergangenen Krieges ist nicht so meine Sache. Lieber schaue ich mir mal die Leute an, die auch schon so früh den Weg hierher gefunden haben.
In kleinen Gruppen oder einzeln erklimmen sie mehr oder weniger angestrengt ebenfalls den Leuchtturmhügel. Unter den Besuchern erkenne ich auch das Paar aus Hirtshals mit dem Auto mit dem Nürnberger Kennzeichen wieder. Es scheint so, als wenn sie auch die gleiche Reise wie ich gebucht haben. Ob das so stimmt, wird sich ja bei der nächsten Übernachtung zeigen.

Leuchtturm am Kap Lindesnes
Nach der Besichtigung des südlichsten Punktes Norwegens, fahre ich wieder zurück zur Europastraße 39. Ich benutze aber nicht den gleichen Weg wie bei der Herfahrt. Bei dem Ort Höllen verlasse ich die Straße 460 und fahre über kleine und schmale Nebenstraßen bis zur Ortschaft Lyngdal, wo ich die Europastraße erreichen werde. Dabei komme ich durch saubere und gepflegte Orte, die sich abseits der bekannten Touristenstrecken befinden. In dieser Gegend wird vorwiegend Landwirtschaft betrieben. Auf den Feldern beginnen die Kartoffelpflanzen zu blühen.
In Lyngdal biege ich wieder auf die Europastraße 39 ein und setze dann meine Fahrt in Richtung Westen fort. Während sich das Wetter beim Besuch des Kap Lindesnes von seiner trocknen Seite gezeigt hat, wird es jetzt wieder ziemlich wechselhaft. Mal regnet es ganz stark, dann nur noch ganz wenig und dann überhaupt nicht. Und so geht es immer weiter. Hoffentlich bleibt das Wetter nicht so während der ganzen Reise.
Bei Liknes überquere ich auf einer neuen Brücke den Fedafjorden. Die Europastraße verläuft jetzt unmittelbar am Ufer dieses Fjordes entlang. Kurz vor der Ortschaft Feda wendet sie sich vom Fjord ab und führt in das Inland. Nach weiteren 10 Kilometern habe ich die rund 9.000 Einwohner zählende Stadt Flekkefjord erreicht. Durch den jahrelangen Export von Holz und Fisch bestehen seit dem 13. Jahrhundert enge Verbindungen zu den Niederlanden. So soll es hier in der Stadt auch eine sogenannte „Holländerstadt“ mit Holzhäusern ganz im holländischen Stil geben. Da ich aber erstens noch einen weiten Weg bis nach Stavanger vor mir habe und es zweitens wieder einmal ziemlich stark regnet, muss der Stadtbesuch zu meinem Bedauern leider ausfallen.
In Flekkefjord verlasse ich die Europastraße 39, um meine Fahrt von nun an auf der Reichsstraße RV 44, dem Nordsjövegen, fortzusetzen. In allen Reiseführern, die ich in Vorbereitung auf diese Reise studiert habe, wird den Touristen empfohlen, diese Route abseits der Europastraße zu nutzen. Natürlich muss man dafür auch bedeutend mehr Zeit einplanen. Auf der Europastraße 39 erreicht man schon nach nur wenigen Stunden Fahrzeit Stavanger. Man hat bei dieser Variante nur das eintönige Betonband der Straße vor sich und fährt auch nur durch Wiesen und Felder.
Die Reichsstraße 44 folgt dem Verlauf der Südküste. Zunächst führt sie durch enge Täler und teilweise sehr hohes Gebirge. Ab der Stadt Egersund verläuft der Nordsjövegen dann unmittelbar am Ufer der Nordsee entlang. Sie ist somit die interessantere Straße, die vom Süden in den Westen des Landes führt. Die Reichsstraße 44 ist ziemlich schmal. Es ist aber zum Glück auch recht wenig Verkehr. Wenn doch mal ein Auto entgegenkommt, dann finde ich schnell eine entsprechende Ausweichstelle. Wenn nicht so viele Bäume vorhanden wären, könnte man denken, dass man schon im hohen Norden ist. Es gibt unzählige Felsen in Straßennähe. Teilweise ist sogar die gesamte Straße durch Felsen gehauen. In dem kleinen Dörfchen Ana Sira überquere ich auf einer sehr schmalen Stahlbrücke den Fluss Sireana. Mit der Auffahrt auf die Brücke verlasse ich die Provinz Vest-Agder. Als ich von der Brücke herunter fahre, bin ich in der Provinz Rogaland angekommen.
Am Jössingfjorden erreiche ich den mit 388 Metern höchsten Punkt der Straße. Hier komme ich nur hin, indem ich dem interessanten Verlauf der Reichsstraße 44 folge. Die Straße führt vom Ufer des Fjords durch Tunnel und sogar teilweise außen an einer Felswand entlang bis auf diese Höhe.

Straßenführung am Jössingfjorden
Es ist schon ein komisches Gefühl, dort außen entlang zu fahren. Rechts sind die senkrechten Felswände nach oben und links geht es fast senkrecht nach unten. Zum Glück ist die Straße aber breit genug, dass sich zwei Fahrzeuge mühelos begegnen können. So richtig kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich mich hier im Süden von Norwegen befinde. Alles erinnert mehr an die Alpenregion in Italien oder Österreich. Die Reichsstraße 44 führt in Serpentinen durch gebirgige und felsige Gegenden.
Kurz vor dem höchsten Punkt der Straße weist ein Schild auf einen Aussichtspunkt hin. Natürlich muss ich mir auch mal die Gegend von oben ansehen. Ich stelle mein Auto auf dem kleinen Parkplatz ab und klettere auf den durch Geländer abgesicherten Felsen. Von hier aus habe ich einen wunderbaren Blick hinunter auf den Jössingfjorden. Leider ist es zurzeit sehr nebelig und so kann ich auch nicht weit auf das Meer sehen. Beim Gang zum Auto zurück komme ich an einer großen Hinweistafel vorbei. In mehreren Sprachen wird über die im Jahr 1940 in diesem Fjord durchgeführte Aktion der Alliierten zur Aufbringung eines deutschen Transportschiffes mit Kriegsgefangenen informiert. Diese Aktion hat zwischen den Norwegern und den Briten für einige Verstimmung gesorgt. Das deutsche Versorgungsschiff „Altmark“ wurde im Jössingfjorden am 16. Februar 1940 von dem britischen Zerstörer „HMS Cossack“ geentert. Dabei wurden 303 alliierte Matrosen, die zuvor in Kriegsgefangenschaft geraten waren, befreit und nach England gebracht. Diese ganze Aktion war nicht mit der norwegischen Armeeführung abgestimmt worden.
Nach weiteren rund 30 Kilometern komme ich nach Egersund. Die Stadt ist größer als Flekkefjord und hat etwa 13.700 Einwohner. Sie war bis zum Jahr 1979 das Zentrum der Porzellanindustrie in Norwegen. Mit dem Erreichen von Egersund habe ich auch den gebirgigen Teil der Strecke hinter mir. Von hier aus führt die Reichsstraße 44 jetzt durch die Landschaft Jären. Diese Strecke ist auf einer Länge von 41 Kilometern zwischen den Orten Ogna und Bora als „Nationale Touristenstraße Jären“ (nasjonale turistvegen) ausgewiesen. Sie ist genau das Gegenteil vom ersten Abschnitt meiner heutigen Tagesetappe. Sie führt nicht mehr durch Gebirge, sondern durch flaches Land. Leider ist die Straße aber nicht breiter geworden. Auf der rechten Seite meines Weges befinden sich kleinere Orte oder einzelne Gehöfte. Dazwischen sind immer öfter große Felder, aber auch Weideflächen. Linksseitig habe ich wieder die Nordsee im Blick. Leider regnet es jetzt so stark, dass es überhaupt keinen Sinn macht, auch nur für kurze Zeit irgendwo anzuhalten. Durch den dichten Nebel ist außerdem auch noch die Sicht erheblich eingeschränkt. Trotzdem kann ich bei meiner Fahrt immer wieder lange Sandstrände erkennen, die mich an südlichere Gefilde erinnern. Trotz dieser unangenehmen Witterungsverhältnisse möchte ich bald doch noch eine kleine Pause machen. Ich finde eine Raststätte, die direkt an der Straße liegt und von deren Parkplatz man bei schönem Wetter wahrscheinlich einen herrlichen Blick auf das Meer und den Strand hat. Aber heute kann ich das alles nur erahnen. Ich kaufe mir für 15 NOK einen Becher Kaffee und setze mich damit in mein Auto. Zur Stärkung esse ich dazu einen von Zuhause mitgebrachten Knacker. Der Nebel ist jetzt so stark, dass es nicht einmal sinnvoll ist, den Versuch zu unternehmen, um Fotos zu machen.
Nach einer halben Stunde fahre ich weiter. Ich muss jetzt nur noch einen Supermarkt finden, in dem ich mich mit Lebensmitteln für mein heutiges und morgiges Abendessen eindecken kann. Es wäre schön, wenn ich das noch während der Fahrt erledigen könnte. So bräuchte ich nicht durch Stavanger zu irren, sondern könnte mich gleich auf die Stadterkundung konzentrieren.
Ungefähr 30 Kilometer vor Stavanger erreiche ich den kleinen Ort Bryne. Direkt an der Umgehungsstraße steht ein riesiges Einkaufscenter. Also verlasse ich an einem Kreisverkehr die Reichsstraße 44 und fahre zum Markt. Auf dem Parkplatz ist jetzt am Sonnabendnachmittag so viel Betrieb, dass es sehr schwer ist, noch einen freien Platz zu finden. Nach langem Suchen sehe ich doch eine Lücke und stelle dort sofort mein Auto ab. Schnell gehe ich in das Center, da es wieder einmal regnet. Im Gebäude sind sehr viele Geschäfte und einige Supermärkte. In einem davon decke ich mich mit dem Notwendigen ein. Neben Brötchen und Wurst muss auch unbedingt der berühmte Jarlsberg-Käse dabei sein. Ein Sechserpack Limonade geht auch noch mit. Somit ist die Verpflegung für die nächsten zwei Abende gesichert. Bei meinem Gang durch das Center fällt mir auf, dass es in jeder Etage mehrere Spielplätze für die Kinder gibt. Bei einem kann man sogar die Kleinen abgeben und in aller Ruhe die Einkäufe erledigen. Eine Erzieherin beschäftigt sich in der Zwischenzeit mit den Kindern.
Auf dem Parkplatz verstaue ich schnell meine Einkäufe und fahre anschließend wieder zurück auf die Reichsstraße. Meine Fahrt geht jetzt an dem kleinen Ort Kleppe vorbei. In Sandnes endet die Reichsstraße 44 und ich erreiche wieder die Europastraße 39. Auf ihr werde ich jetzt bis nach Stavanger fahren. Unmittelbar in Sandnes beginnt auch die Reichsstraße 13, die dann ab übermorgen meine Fahrtstrecke durch das Fjordland sein wird. Bis zu meinem heutigen Zielhotel sind es nur etwa 20 Kilometer. Dann habe ich auch schon im dichten Sonnabendverkehr die Vororte der Stadt Stavanger erreicht. Die Europastraße ist seit geraumer Zeit als vierspurige Autobahn ausgebaut, auf der man aber nur 70 Stundenkilometer fahren darf. Nach dem Passieren einer engen Brückenbaustelle muss ich mich darauf konzentrieren, dass ich nicht den richtigen Weg verpasse. Aber die Verkehrsbeschilderung ist eindeutig und so folge ich ab der Abfahrt Ullandhaugsveien der Umgehungsstrecke der Europastraße 39. Mein Hotel liegt nämlich nicht im Stadtzentrum, sondern etwas außerhalb am See Mosvatnet in der Henrik-Ibsen-Gate. Da das „First Hotel Alstor“ direkt an der Straße liegt, ist es auch schnell gefunden. Nach einer Fahrtstrecke von 275 Kilometern stelle ich mein Auto auf dem hoteleigenen Parkplatz ab und bin nun in Stavanger angekommen.
Stavanger ist die viertgrößte Stadt Norwegens und hat rund 129.500 Einwohner, die vorrangig in der Ölindustrie, im Tourismus und in der Fischindustrie beschäftigt sind. Die Stadt liegt in der Provinz Rogaland. Sie wurde zwischen 1122 und 1125 gegründet. Im Jahr 1125 ist auch mit dem Bau der größten Sehenswürdigkeit der Stadt, des Doms (stavanger domkirke), begonnen worden. Noch heute ist die historische Altstadt von Stavanger (gamle stavanger), die ausschließlich aus Holzhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts besteht, ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Stavanger hat sich von einer ehemals kleinen Industriestadt mit Fischkonservenproduktion zur größten Ölmetropole Norwegens entwickelt. Alle namhaften in- und ausländischen Ölfirmen haben in der Stadt ihre Niederlassungen.
In Stavanger wurde auch der bedeutende norwegische Schriftsteller und Autor Alexander Kielland (1849-1906) geboren. Schon zu seinen Lebzeiten gehörte er neben Ibsen, Björnson und Lie zu den „großen Vier“ der norwegischen Literatur des 19. Jahrhunderts.
Das Hotel macht einen viel besseren Eindruck als das gestrige in Mandal, das zur gleichen Gruppe gehört. Beladen mit Koffer und Fototasche mache ich mich auf den Weg vom Parkplatz ins Hotel. An der Rezeption gebe ich meinen Voucher für die heutige und morgige Übernachtung ab. Ein Blick in den Computer und ich erhalte die Schlüsselkarte und auch die Information, dass es von 7 bis 10 Uhr Frühstück im Restaurant gibt. Mein Zimmer befindet sich im zweiten Stock und hat einen kleinen Balkon, den ich aber wegen des andauernden Regens heute nicht nutzen kann. Nach dem Auspacken meiner Sachen probiere ich schon mal ganz kurz das Bett aus. Dabei muss ich doch wohl einfach eingeschlafen sein. Nach dieser kurzen Erholungspause mache ich erst einmal einen Rundgang durch das Hotel und erkunde so die Örtlichkeiten. Ich muss doch wissen, wo sich das Restaurant befindet. Dann brauche ich morgen nicht erst lange zu suchen.
Ich habe mir vorgenommen, noch heute die Stadt Stavanger zu erkunden. Nach dem Studium des Stadtplanes verwerfe ich aber meine eigentliche Idee, bis in das Zentrum zu laufen. Es scheint doch ein ganz schönes Stück bis dorthin zu sein. Also nehme ich noch einmal das Auto. Diese Entscheidung ist auch richtig. Bis in das Zentrum rund um den Stadthafen Vagen sind es etwa 4 bis 5 Kilometer. Das ist dann doch recht weit, zumal ich ja auch wieder zum Hotel zurücklaufen müsste.
Ich fahre also wieder auf die Europastraße 39 und dann immer weiter in Richtung Zentrum, das sehr gut ausgeschildert ist. An einem Kreisverkehr biege ich auf die Reichsstraße 509 in Richtung Osten ab. Vom Bahnhof aus muss ich durch den 705 Meter langen Bergelandstunnelen fahren, um auf die Seeseite der Stadt zu kommen. Vorbei an den Anlegestellen verschiedener Fähren und am 1999 eröffneten Ölmuseum fahre ich bis zum alten Hafen Vagen. Hier finde ich in der Skansegata sogar noch einen freien Parkplatz. Und weil heute Sonnabend ist, brauche ich auch nicht einmal etwas zu bezahlen.
Mein Spaziergang führt mich zuerst quer durch die Innenstadt. Vorbei an vielen Gaststätten und Kneipen, die alle sehr gut besucht sind, komme ich zum Marktplatz vor der Domkirche. Hier wird heute ein ganz besonderer Markt durchgeführt. An sehr vielen Ständen werden Lebensmittel und andere Delikatessen aus verschiedenen europäischen Ländern verkauft. Bei so vielen leckeren Sachen läuft mir sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen. An jedem Stand duftet es anders. Es gibt sowohl süße Sachen, als auch deftige Speisen. Eigentlich könnte ich ja wieder mal etwas essen. Als ich aber sehe, dass beispielsweise eine einfache Rostbratwurst aus Deutschland 65 NOK, also umgerechnet über 8 EUR kostet, habe ich auf einmal keinen Hunger mehr.
Dafür erklimme ich den Stadtberg, auf dem der 26 Meter hohe Valbergturm steht. Von der Aussichtsetage des Turmes aus soll man laut Prospekt einen sehr schönen Blick über die gesamte Stadt haben. Leider ist der Turm aber heute schon geschlossen, so dass ich diese Aussage im Reiseführer nicht überprüfen kann.
Nachdem ich den ehemaligen Feuerwachturm, der in den Jahren 1850 bis 1853 erbaut wurde, mehrmals umrundet habe und dabei doch etwas von der Aussicht auf die Stadt erhaschen konnte, mache ich mich wieder auf den Weg hinunter in das Zentrum der Stadt.

Valbergturm
Am Vagen vorbei gehe ich durch die engen Gassen der Innenstadt. Neben der teuersten Stadt Norwegens scheint Stavanger auch die Stadt mit den meisten Kneipen und Gaststätten zu sein. Immer wieder komme ich bei meinem Spaziergang an den verschiedensten Lokalitäten vorbei. Aus der „XO-Bar“ in der Skagen kommt laute Country-Musik. Vor dem Lokal stehen einige Leute, die der live gesungenen Musik zuhören. Auch ich bleibe eine ganze Weile stehen. Anschließend gehe ich hinunter zum Vagen. Von dort aus führt mich mein weiterer Weg in das auf der Westseite gelegene Gamle Stavanger, die historische Altstadt. Die kleinen und sehr gut erhaltenen Holzhäuser sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Stavanger. Viele Touristen werden tagtäglich durch dieses Stadtviertel geführt. Der Zustand und der Gesamteindruck rechtfertigen auch diesen Zustrom. Zwischen den Häusern schlängeln sich schmale Straßen mit uraltem Kopfsteinpflaster entlang.

Övre Strandgate in Gamle Stavanger
Wo es auch immer nur möglich ist, da haben die Bewohner für Grünpflanzen und Blumen vor ihren Häusern und in den kleinen Gärtchen gesorgt. Am Zustand der einzelnen Häuser kann man ganz eindeutig die Liebe der Anwohner zu ihrem Zuhause erkennen. Nicht nur, dass alle Holzhäuser wie frisch gestrichen aussehen, nirgendwo liegt irgendetwas herum. Sogar weggeworfene Papierreste kann ich nicht entdecken.
In regelmäßigen Abständen sind moderne Feuerlöscheinrichtungen installiert, die sich harmonisch in das Gesamtbild des Viertels einfügen. Bei einem etwaigen Brand sind die aus Holz bestehenden Häuser der Altstadt nur schwer zu retten. Wenn man die Häuser und auch die Enge der Gassen sieht, so kann man sich vorstellen, warum in früheren Zeiten ganze Städte ein Raub der Flammen wurden. Das muss man hier unbedingt vermeiden.
Langsam tun mir jetzt die Füße vom Gang über das Kopfsteinpflaster weh. Aber zum Stadtteil Böreviga mit den Fähranlegern und dem modernen Ölmuseum muss ich noch unbedingt. Diesmal gehe ich am Markt vorbei durch die Söregata auf die Ostseite der Stadt. Auf dem Parkplatz vor dem großen Museum hat wahrscheinlich ein Volksfest stattgefunden. Einige Stände für Getränke und Speisen stehen noch da, sind aber schon geschlossen. Ebenso sind noch Kinderbelustigungen, wie Karussell oder Skooter, vorhanden. Einige der Attraktionen werden aber gerade abgebaut und verladen.
Durch eine der vielen langen Einkaufsstraßen gehe ich ganz langsam wieder zurück zu meinem Auto. Mein Weg führt dabei wieder an zahlreichen Gaststätten vorbei. Als ich mir mal kurz die Speisekarten und die aufgeführten Preise ansehe, haut es mich fast lang hin. Die Preisspanne reicht dabei von umgerechnet 15 EURO für eine Suppe bis über 100 EURO für ein ganzes Vier-Gänge-Menü. Und das für eine Person! Trotz dieser enormen Preise sind die Lokale rappelvoll. Um einen Platz zu bekommen, muss man sogar anstehen. Ich schaue mir die langen Menschenschlangen genauer an. Dabei fällt mir auf, dass fast alle Norweger ganz akkurat gekleidet in die Restaurants gehen. Es gibt kaum jemanden, der mit T-Shirt und Jeans am Tisch sitzt.
Angesichts der hohen Preise in den Lokalen freue ich mich schon auf mein „karges“ Abendessen im Hotelzimmer. Ich habe gesehen, dass die Behauptung, dass Stavanger die teuerste Stadt Norwegens ist, stimmt.
Ich nehme an, die Gaststätteninhaber haben ganz schnell erkannt, dass alle, die mit Öl zu tun haben, schwer arbeiten müssen und dafür auch ziemlich gutes Geld verdienen. Somit sind diese Leute auch bereit, in den entsprechenden Lokalen die hohen Preisen zu bezahlen.
Mein Auto steht jetzt einsam und verlassen ganz allein in der Skansegata. Mit einer langsamen Rundfahrt beende ich meinen Besuch der Innenstadt. Ich glaube, wenn ich jetzt noch zu Fuß bis in das Hotel gehen müsste, würde ich lieber im Zentrum unter einem Baum übernachten. Meine Füße tun mir ganz schön weh. Aber ich sehe das als sehr gutes Training an. Morgen möchte ich nämlich bei hoffentlich schönerem Wetter eine weitere Wanderung unternehmen.
Gegen 22 Uhr bin ich wieder im Hotel. Ich setze mich zur Erholung erst einmal in das Foyer und trinke genussvoll einen Kaffee. Es ist in den meisten norwegischen Hotels so üblich, dass man sich in der Nähe der Rezeption mit kostenlosem Kaffee bedienen kann. Im Foyer ist ein ständiges Kommen und Gehen. Im Hotelrestaurant findet nämlich heute eine Veranstaltung für behinderte Kinder und deren Eltern statt. Schon vor dem Hotel begrüßt man sich mit großem Hallo. Alle sind freudig gestimmt. Es wird sehr viel geredet und gelacht. Leider verstehe ich aber fast nichts, da sie sehr schnell sprechen. Gutgelaunt gehen alle anschließend in das Restaurant. Dabei wird gegenseitig geholfen.
Jetzt erst bemerke ich, dass ich Hunger habe und so ziehe mich auf mein Zimmer zurück. Es gibt Brötchen mit Wurst und Käse. Dazu trinke ich eine kleine Flasche Cola. Ich lasse mir das selbstgemachte Abendbrot schmecken und schreibe anschließend sogar noch den Tagesbericht. Sehr interessant sind auch die heute gemachten Fotos, die ich gleich auf den Laptop überspiele. Ein bisschen zappe ich schließlich noch durch das Fernsehprogramm. Da aber nichts für mich interessant ist, schalte ich bald ab und versuche zu schlafen. Ich muss mich gut ausruhen, denn morgen wird wahrscheinlich ein anstrengender Tag werden.
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