Kitabı oku: «Vermögensverwaltung 2.0: Das 1x1 der Robo-Advisors»

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ibidem Verlag, Stuttgart

Vorwort

Roboter können nicht nur Helfer im Haushalt und in der Industrie sein, sondern auch bei der Geldanlage. Das „neue“ Zauberwort in der Finanzwelt heißt Robo-Advisor (kurz Robo). Sie bringen einen großen Vorteil mit sich: Lästige Bankgänge können eingespart werden, denn die Beratung erfolgt bequem von zu Hause aus, PC, Smartphone oder Laptop genügen. Robo-Advisors sind – vereinfacht ausgedrückt – Computerprogramme, die mithilfe eines Algorithmus das Anlageprofil (oder Chance-Risiko-Profil) des Anlegers ermitteln und dazu passsende Anlagevorschläge machen. Dabei folgt der Robo-Advisor einem einfachen und standardisierten Muster. Zunächst wird der Kunde durch einem automatisierten Beratungsprozess geführt. Im Rahmen dieses Prozesses stellt der Robo-Advisor ausführliche Fragen zu Vermögen, Risikobereitschaft, Anlagezielen usw., ähnlich wie es ein menschlicher Bankberater tun würde.

Anhand der Antworten auf diese Fragen ermittelt der Robo-Advisor in Millisekunden das Anlageprofil des Anlegers. Er checkt nicht nur das Chance-Risiko-Profil, sondern ermittelt auch die passende Anlagestrategie und die Produkte zu ihrer Umsetzung. Die Anlagevorschläge werden in der Regel über börsengehandelte Fonds – ETFs – umgesetzt. Diese Fonds bilden einen bestimmten Index ab und sind günstiger als ein von Menschen verwalteter Fonds. Je nach Anbieter können auch Aktien, Anleihen, aktiv gemanagte Fonds, Rohstoffe oder Immobilien zum Einsatz kommen. Ist der Kunde mit dem Anlagevorschlag des Robo-Advisors einverstanden, schließt er einen Vertrag ab. Auf dieser Basis verwaltet der Robo-Advisor das Geld des Anlegers.

Robo-Advisors sind also digitale Vermögensverwalter. Sie können bereits bei einer Anlagesumme von wenigen Hundert Euro eingesetzt werden. Sie können damit auch Anlegern mit kleinem Geldbeutel Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung, Kostenvorteile und ein hohes Maß an Transparenz bringen. So ist es kein Wunder, das manch einer in der automatisierten und digitalisierten Vermögensverwaltung die goldene Zukunft sieht. Aber ist dem auch so? Es ist das eine, im Internet Kleidung zu bestellen und dabei algorithmisierten Kombinationsvorschlägen zu folgen. Einer Maschine sein Vermögen anzuvertrauen ist eine völlig andere Sache. Das Aufsehen um die Robo-Advisors erinnert an die Anfänge der Investmentfondsindustrie vor rund 50 Jahren. Damals ging es darum, Privatanleger für eine meist aktienorientierte Geldanlage zu gewinnen. Heute gibt es in Deutschland mehr als 9.000 zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds – eine Zahl, die für ihren Erfolg spricht. Robo-Advisors wird ein kräftiges zukünftiges Wachstum prognostiziert, weshalb sich nicht nur Start-ups auf das Thema stürzen. Auch immer mehr Banken arbeiten fieberhaft entweder an eigenen Robo-Advisors oder beteiligen sich an jungen Online-Vermögensverwaltungen.

Sind Robo-Advisors die bessere Alternative zum klassischen Vermögensberater alter Schule? Viele sagen: „Wohl kaum.“ Ihnen fehlt die Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die klassische Vermögensbetreuung erwächst. Man möchte ihnen zurufen: „Das habt ihr auch gesagt, als die börsennotierten Indexfonds (ETF) das Licht der Welt erblickten. Heute verwalten diese Fonds Vermögen über Billionen Euro.“ Es ist also höchste Zeit, um sich die digitalen Vermögensverwalter einmal genauer anzuschauen: Wer sind sie? Was können sie? Welche Kosten sind mit ihnen verbunden? Wie werde ich Kunde? Wie finde ich den besten Robo für mich? Welche Anbieter haben Substanz? Dies sind Fragen, denen Sie sich stellen müssen, wenn Sie sich mit Robo-Advisors beschäftigen wollen – und dieses Buch wird Ihnen dabei helfen. Es ist ein Ratgeber, der Sie in die Welt der Robo-Advisors einführt. Erfahren Sie auf den nächsten Seiten, was es mit den Robo-Advisors auf sich hat!

Für die freundliche Unterstützung bei dieser Arbeit möchte ich Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Götte danken.

In diesem Buch wurden teilweise Bezeichnungen verwendet, die eingetragene Warenzeichen sind; diese unterliegen als solche den gesetzlichen Bestimmungen. Sämtliche Daten, Formeln und Ausführungen in dem vorliegenden Buch wurden mit größter Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Dennoch können weder Verlag noch Autor sich für deren Richtigkeit verbürgen; jegliche Haftung seitens Verlages oder Autor für die Richtigkeit der in diesem Buch gemachten Angaben ist daher ausgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Vorhang auf – Grundlagen, Daten & Fakten zu Robo-Advisors

2.1 Was ist ein Robo-Advisor?

2.2 Robo-Advisor: So geht's!

2.3 Sesam öffne dich! – Mindestanlage und Sparplan mit Robo-Advisors

2.4 Wie verwalten Robo-Advisors mein Geld?

2.4.1 Was ist Rebalancing?

2.4.2 Die Anlagestrategie der Robo-Advisors

2.4.3 Grundkurs ETFs

2.4.3.1 ETF-Namen entschlüsseln

2.4.3.2 Währungsrisiko

2.5 Robo ist nicht gleich Robo

2.5.1 Was leistet ein Robo-Advisor für mich? – Service-Stufen der Robos

2.5.2 Welche Lizenz hat mein Robo-Advisor? – Die rechtliche Einordnung

2.5.2.1 Wer haftet bei einer „falschen“ Beratung?

2.5.2.2 Die dunkle Seite der Robo-Advisors

2.6 Weniger Gebühren, mehr Rendite! Die Kosten der Robo-Advisors

2.7 Rendite aus der Maschine – die Performance der Robo-Advisors

2.7.1 Der schwarze Schwan – wie verhalten sich Robo-Advisors in Krisenzeiten?

2.8 Blackbox? Robo-Advisors während der Anlage

2.9 Kündigung – das Ende

2.10 Schutz und Sicherheit des Geldes: Wer hat Zugriff auf das bei Robo-Advisors hinterlegte Geld?

2.11 Für wen eignet sich die Anlage in Robo-Advisors?

2.12 Blick in die Kristallkugel – wie werden sich Robo-Advisors in Zukunft entwickeln?

2.13 Die Gretchenfrage: Robo-Advisor, ja oder nein?

3. Wie finde ich den richtigen Robo-Advisor für mich?

3.1 Was Sie bei der Auswahl eines Robo-Advisors unbedingt beachten sollten

3.1.1 Robo-Advisors im Test

3.2 Vergleichsportale: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen?

3.3 Kunde werden – die Roadmap

4. Steckbriefe einiger Robo-Advisors

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Natürlich macht die Digitalisierung des Lebens auch vor der Finanzbranche nicht halt. Sie verändert zurzeit auf vielen Ebenen – Kommunikation mit den Kunden (immer mehr geht über das Internet) oder den Zahlungsverkehr (z. B. Online-Konten) – das traditionelle Geschäft der Banken. Eine der spannendsten Entwicklungen auf diesem Gebiet sind sicherlich die Robo-Advisors, also die digitale Vermögensverwaltung. Dabei handelt es sich um eine umfassende, transparente Vermögensverwaltung für den kleinen Geldbeutel.

So unterschiedlich wie die Robo-Advisor-Anbieter sind, so verschieden sind auch das Angebot, die Kosten, der Service, die Mindestanlagesummen und die Sicherheit. Zudem gibt es auch große Unterschiede bei den angebotenen Anlagestrategien. Damit Sie sich im Dschungel der Robo-Advisors nicht verirren, habe ich dieses Buch geschrieben. Denn ich bin davon überzeugt, dass Robo-Advisors gekommen sind, um zu bleiben – und sie werden sich ein kräftiges Stück vom Anlagekuchen nehmen!

Wie bei jeder Geldanlage gilt auch hier: Wer einen Robo-Advisor nutzen möchte, muss sich vorab intensiv damit beschäftigen, um ihn zu verstehen. Ansonsten droht ein Debakel. Im ersten Teil des Buches wird erklärt, was hinter Robo-Advisors steht. Sie werden erkennen, dass Robo-Advisors Geldanlagen nach Lehrbuch betreiben. Das bedeutet unter anderem, dass sie die Kundengelder breit streuen. Mit den Informationen dieses Kapitels können Sie entscheiden, ob ein Investment mit Robo-Advisors für Sie infrage kommt. Und dann stehen Sie vor der Frage, wie Sie den passenden Robo-Advisor finden. Anhand eines praktischen Beispiels zeige ich auf, wie Sie aus den mittlerweile 30 verschiedenen Robo-Advisors den richtigen für sich auswählen. Anschließend erkläre ich, wie Sie ein Konto mit einem Robo-Advisor eröffnen, wie Sie also Kunde werden. Das Buch schließt mit einer kurzen Vorstellung der wichtigsten Robo-Advisors am Markt ab. Mit diesen Informationen sind Sie gut gerüstet, um den für Sie geeigneten Robo-Advisor zu finden.

2. Vorhang auf – Grundlagen, Daten & Fakten zu Robo-Advisors

Roboter sind Stars zahlreicher Hollywood-Blockbuster, sei es als liebenswürdiger Druide in Star Wars oder als verliebte Müllpressmaschine WALL-E in einem Pixarfilm. Nun schicken sich Roboter an, die Finanzwelt auf den Kopf zu stellen. Sie übernehmen immer mehr Funktionen, die früher durch Menschen ausgeführt wurden. Einige glühende Anhänger der Roboter gehen sogar so weit zu sagen: Roboter demokratisieren die Geldanlage, weil durch sie auch Kleinanleger Anlagen tätigen können, die zuvor nur Großanlegern offenstanden. Einige gehen sogar noch ein Stück weiter und sagen: Robo-Advisor entzaubern die Anlageberatung, weil sie zeigen, dass das eigentlich eine sehr simple Angelegenheit ist. So ist es nicht verwunderlich, dass die Wachstumsraten der Robo-Advisors in den letzten Jahren enorm waren und immer wieder neue Anbieter auf den Markt drängen. Denn Robos betreiben eine kostengünstige Geldanlage nach Lehrbuch1. Das heißt, dass sie die Kundengelder sehr breit und nach einem nach den Bedürfnissen des Anlegers zugeschnittenen Risikoprofil investieren.

Auf den folgenden Seiten werden Sie lernen:

 Was ist ein Robo-Advisor?

 Robo-Advisor: So läuft es ab!

 Wie verwalten Robo-Advisors mein Geld?

 Ist mein Geld bei Robo-Advisors in sicheren Händen?

Aus dieser kleinen Aufzählung erkennen Sie vielleicht schon die Intention dieses Kapitels: Ich möchte Ihnen alle Informationen an die Hand geben, die Sie benötigen, um sich entscheiden zu können, ob ein Robo-Advisor zu Ihnen passt – oder eben nicht.

2.1 Was ist ein Robo-Advisor?

In den Augen vieler Menschen ist das Thema Geldanlage kompliziert und langweilig. Denn sonst würden sie das Ersparte nicht bei einer Nullverzinsung auf dem Sparkonto oder einfach auf dem Gehaltskonto liegen lassen. Genau an diese Menschen richten Robo-Advisors ihr Angebot: Geldanlage soll Spaß machen, wenig kosten, auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und natürlich ganz einfach vom Sofa aus möglich sein. Robo-Advisors (kurz Robo) sind digitale Geldberater. Dabei steht „Robo“ für die maschinelle Automation und „Advisor“ für die Anlageberatung. Allerdings ist ein Robo-Advisor keine Maschine in Beratergestalt, sondern vielmehr eine Software-Applikation (Computerprogramm) und darauf ausgelegt, Geld zu verwalten. Viele Menschen, die Robo-Advisors zum ersten Mal nutzen, staunen darüber, was mit ihnen alles möglich ist. Folgender Vergleich bringt es auf den Punkt: Die Vermögensverwaltung von Banken gleicht den gezeichneten Plänen eines Hauses. Robo-Advisors hingegen bieten von diesen Plänen ein 3-D-Modell an, welches man begehen kann.

Der erste Schritt zur Nutzung eines Robo-Advisors ist die Vorstellung. Der Robo-Advisor fragt nach der Anlagesumme, der gewünschten Anlagedauer und dem Ziel bzw. Zweck der Anlage. Anschließend möchte er wissen, welches Risiko der Kunde einzugehen bereit ist. Seine Neugier ist danach aber noch nicht gestillt. Er erkundigt sich nach dem Vermögen, nach Krediten, der Einkommenssituation, finanziellen Kenntnissen und bisherigen Erfahrungen mit Geldanlagen. Vielleicht werden Sie von den detaillierten Fragen abgeschreckt. Aber es steckt ein Grund dahinter: Der Robo-Advisor muss Sie als potentiellen Kunden kennenlernen, um Ihnen dann die richtigen Empfehlungen geben zu können. Mit den Informationen erstellt der Robo-Advisor einen Anlagevorschlag. Hierbei handelt es sich zumeist um breit gestreute Portfolios, die überwiegend aus ETFs bestehen. ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Funds, also für börsennotierte Indexfonds. Sie bilden passiv einen bestimmten Index ab.

Ist der Kunde mit dem Anlagevorschlag einverstanden, schließt er einen Vermögensverwaltungsvertrag ab. Von nun an verwaltet der Robo-Advisor das Depot des Kunden. Zunächst legt er das Kundengeld so an, wie er es dem Kunden vorgeschlagen hat. Wenn sich die ursprünglichen Gewichte der einzelnen Bausteine (Aktien, Anleihen) durch Kursänderungen an den Finanzmärkten verschieben, stellt er anhand klarer Regeln die Anfangsgewichtung (z. B. zwischen Aktien und Anleihen) wieder her. Dies wird als Rebalancing bezeichnet. Manche Robo-Advisor tauschen abhängig von der Marktentwicklung gar Fonds aus oder verändern die ursprüngliche Gewichtung der einzelnen Bausteine im Kundendepot. Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Risiko im Kundendepot konstant zu halten. Klingt vielversprechend? Stimmt, aber auch hier gilt:

Man darf bei der Geldanlage kein Träumer sein, sonst geht’s schief.

Also, Augen auf! Ich möchte gleich mit einem Missverständnis aufräumen: Viele meinen, dass es sich bei Robo-Advisors um eine Art künstlicher Intelligenz (Abk. KI)2 handelt. Die am Markt vorhandenen Robo-Advisors haben damit (noch) nichts zu tun. Sie sind also nicht in der Lage, selbstständig zu lernen, und können somit auch nicht aus „Gelerntem“ selbstständig Rückschlüsse ziehen und Entscheidungen treffen. Hierzu bedarf es immer noch des Eingreifens des Menschen.

Darum sagen Kritiker: Bisher setzen die meisten Robo-Advisor-Anbieter nur auf lange bekannte Algorithmen zur Auswahl von ETFs und bauen eine kundenfreundliche Nutzeroberfläche – und dann nennen sie dies, weil es hip klingt, Robo-Advisor. Dabei handelt es sich aber nur um ein hübsch verpacktes, mathematisches Produkt. Dem halten die Befürworter ein Gleichnis aus der Vergangenheit entgegen. Vor ein paar hundert Jahren war die Muskatnuss so teuer, dass die Pflücker Hosen ohne Taschen tragen mussten, damit sie das teure Gewürz nicht stehlen konnten. Nur Privilegierte konnten sich das Gewürz leisten. Heute dagegen sind Muskatnüsse quasi für jedermann erschwinglich. So etwas ähnliches könnte auch durch Robo-Advisors passieren, weil diese die Vermögensverwaltung für kleine Geldbeutel möglich machen. Schließlich findet man mithilfe eines Robo-Advisors schnell und einfach mit nur wenigen Mausklicks eine auf die Bedürfnisse des Anlegers abgestimmte Auswahl an Wertpapieren. Sie bieten einen einfachen Einstieg in die Geldanlage.

Die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Ich bin davon überzeugt, dass es auch bei der Geldanlage kein „Entweder-Oder“ gibt, sondern ein „Sowohl-Als-Auch“. So werden Robo-Advisors am Markt bestehen bleiben.

2.2 Robo-Advisor: So geht's!

Ein deutsches Sprichwort sagt: „Wer eine Leiter hinaufsteigen will, muss mit der untersten Sprosse anfangen.“ Was ist also der Startpunkt, die unterste Sprosse? Zunächst sollten wir uns mit dem Begriff Vermögensverwaltung auseinandersetzen, weil es sich bei Robo-Advisors um digitale Vermögensverwaltung handelt.

Bei der klassischen Vermögensverwaltung (auch Finanzportfolioverwaltung oder Asset-Management genannt) trifft ein Portfoliomanager (oder Vermögensverwalter) Anlageentscheidungen für das Vermögen des Kunden. Der Portfoliomanager kann dabei natürlich nicht willkürlich handeln. Er ist an einen Rahmen gebunden: die Anlagestrategie

Als Anlagestrategie werden die Vorgaben bezeichnet, nach denen ein Vermögensverwalter seine Investmententscheidungen trifft, d. h. das Geld des Anlegers verwaltet. Die Anlagestrategie des Kunden gibt beispielsweise Maximalgrößen für Aktien- oder Anleihequoten vor. Dementsprechend ist der Vermögensverwalter zu Beginn verpflichtet, Informationen über die persönlichen und finanziellen Verhältnisse, Kenntnisse und Erfahrungen mit Wertpapiergeschäften sowie über die Anlageziele einzuholen, um mit dem Kunden zusammen eine Anlagestrategie zu erarbeiten.

Zudem ist im Rahmen der Geeignetheitsprüfung festzustellen, ob die strategische Ausrichtung der Vermögensverwaltung mit der Anlagestrategie des Kunden vereinbar ist, ob die gewählte Anlagestrategie und die damit verbundenen Anlagerisiken für den Kunden finanziell tragbar sind und ob er mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen die Chancen und Risiken der Anlagestrategie verstehen kann. Das für Sie vielleicht Überraschende: Diese Analyse ist schon im Hintergrund passiert. Denn zur Feststellung der Geeignetheit dienen dem Vermögensverwalter die oben genannten Angaben des Kunden zu dessen Anlageziel, Anlagehorizont, Risikoneigung, Alter, Einkommen, Vermögen usw.

Ist die Hürde Geeignetheitsprüfung genommen, geht es an die konkrete Abwicklung der Vermögensverwaltung. Hierzu eröffnet der Kunde ein Wertpapierdepot bei einer Bank und gibt dem Vermögensverwalter eine Vollmacht für das Depot, auf Grundlage derer dieser Käufe und Verkäufe für den Kunden entsprechend der zuvor festgelegten Anlagerichtlinien tätigen kann. Fortan kümmert sich also der Vermögensverwalter um das Geld des Kunden. Dabei wendet er folgende allgemeine Grundsätze an:

 Hoch diversifiziertes Portfolio: Der Portfoliomanager investiert das Kundengeld in viele verschiedene Anlageklassen. Die Auswahl der Anlageklassen erfolgt dabei nicht durch den Kunden, sondern durch den Vermögensverwalter.

 Laufende Portfolioanpassung: Das Portfolio, das heißt die Aufteilung des Vermögens, wird laufend an die Marktsituation angepasst.

 Passende Anlagestrategie: Da die Risikoneigung unterschiedlich ist, werden auch die Strategien auf die persönlichen Anlagewünsche des Kunden abgestimmt.

 Regelmäßige Berichte: Der Vermögensverwalter ist verpflichtet, den Kunden regelmäßig über die Entwicklung seiner Geldanlage zu informieren.

Kann ein Robo-Advisor dies auch leisten? Dieser Frage gehen wir jetzt nach und sehen uns dazu die Funktionsweise eines Robo-Advisors an.


Abb. 1: Funktionsweise eines Robo-Advisors

Vermögensanlage ist im Kern Vertrauenssache. Um Vertrauen aufzubauen, muss man sich kennenlernen. Deshalb muss der Robo-Advisor, wie ein seriöser Arzt, zunächst eine Anamnese durchführen und erkennen, wen er vor sich hat. Jede gute Vermögensverwaltung beginnt mit Fragen und Zuhören. Denn nicht jede Kapitalanlage ist für jeden Anleger geeignet. Deswegen versucht der Robo-Advisor, ein individuelles Anlegerprofil zu erstellen. Zum Anlegerprofil gehören Anlageziel, Anlagehorizont, Risikoneigung, Alter, Einkommen, vorhandenes Vermögen und Verbindlichkeiten sowie die Erfahrungen und Kenntnisse am und über den Kapitalmarkt. Aus diesen Daten lässt sich u. a. die Risikotragfähigkeit abschätzen, ein wesentliches Element des Anlegerprofils.

Um das Anlegerprofil zu ermitteln, stellt der Robo-Advisor ähnliche Fragen, wie es ein Bankberater im Rahmen einer Vermögensverwaltung tun würde. Damit nichts vergessen wird, arbeitet der Robo-Advisor wie ein Pilot vor dem Start und der Landung eine Checkliste mit Fragen ab. Beispielsweise stellt er folgende Fragen:

 Wie lange soll das Geld angelegt werden?

 Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Anlage?

 Welchen Anlagehorizont haben Sie?

 Wie sieht es mit der persönlichen Risikoneigung aus?

 Wie sieht es mit Ihren Vermögensverhältnissen aus?

 Welche Wertpapiererfahrungen haben Sie?

 In welchen Anlagen haben Sie Kenntnisse erworben bzw. schon gehandelt?

 Wie hoch ist Ihr frei verfügbares Einkommen?

Die Beantwortung dieser Fragen ist ein kniffliger Punkt. Vor allem die Ermittlung der Risikobereitschaft des Kunden bereitet oftmals Schwierigkeiten. Der Aufwand, mit dem Robo-Advisors versuchen, das individuelle Risikoprofil der Kunden herauszufinden, unterscheidet sich gewaltig. Die größte Mühe gibt sich Investify. Dort bekommen Anleger in spe 24 Fragen gestellt. ROBIN und quirion fallen jeweils nur drei Fragen ein, um eine Vorstellung von der Risikoneigung ihres Kunden zu bekommen. Andere Robo-Advisors nutzen Kategorien wie mäßig oder stark risikobereit. Weitere stellen konkrete Fragen, etwa: Wie würden Sie reagieren, wenn die Märkte um 10 % nachgeben? Das Problem: Abhängig davon, wie der Kunde über Renditen und Risiken befragt wird, gibt er seine Antworten. So zeigen viele Versuche, dass viele Anleger ihre ursprünglichen Angaben zur eigenen Risikofähigkeit überarbeiten, wenn ihnen hohe Renditen in Aussicht gestellt werden. So werden Anleger dazu verleitet, ein höheres Risiko einzugehen als sie tatsächlich zu tragen bereit sind3. Denn jede Anlagestrategie ist ziemlich schnell zum Scheitern verurteilt, wenn der Anleger nicht mehr gut schlafen kann, sobald sein Depot um einen gewissen Prozentsatz schwankt. Robo-Advisors können nicht wie ihre menschlichen Kollegen durch gezielte Nachfragen die wirkliche Risikobereitschaft des Anlegers herauskitzeln. Um dieses Problem zu entschärfen, bemühen sich Robo-Advisors nicht nur, auf mögliche hohe Renditen aufmerksam zu machen, sondern versuchen auch, die damit einhergehenden Risiken zu verdeutlichen. Aber auch der Anleger kann selbst dazu beitragen, dass er nicht in diese Falle tappt, indem er sich an folgende Regel hält: 100 minus Lebensalter sollte der Anteil risikobehafteter Anlagen (wie Aktien) sein. Ein Sechzigjähriger sollte also maximal einen 40 %tigen Aktienanteil in seinem Portfolio haben. Anleger sollten die Fragen zum Risiko mit Bedacht beantworten und gegebenenfalls ein niedrigeres Risiko angeben als sie wirklich zu tragen bereit sind. Die Risikobereitschaft bestimmt nämlich die Aufteilung in Aktien und Anleihen des Depots und die Anlagestrategie des Robo-Advisors. Je geringer das gewünschte Risiko, desto mehr investiert der Robo-Advisor in Anleihen. Hat der Anleger eine hohe Risikoneigung angegeben, wird vermehrt in Aktien investiert. Je höher die Anlagedauer, umso mehr Aktien mischen die Robo-Advisor dem Portfolio zu, weil Aktien auf lange Sicht bei einem vertretbaren Risiko deutlich mehr Rendite versprechen.

Natürlich wertet der Robo-Advisor nicht nur die Fragen zum Risiko aus, sondern auch alle anderen gestellten Fragen, z. B. zu Wertpapiererfahrungen. Aus allen Antworten erstellt der Robo-Advisor das Anlageprofil (Chance-Risiko-Profil) des Kunden. Dieser Prozess ist das Herzstück der Robo-Advisors. Denn ein ausgeklügelter Algorithmus checkt nicht nur das Anlageprofil des Kunden, sondern errechnet in wenigen Millisekunden auch die passende Anlagestrategie mit entsprechenden Produkten – und zwar auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Ein Algorithmus ist kein Hexenwerk. Hinter dem Wort „Algorithmus“ steht folgendes simples Muster: Wenn dieses oder jenes passiert, dann musst du dieses oder jenes tun.


Was ist ein Algorithmus? Viele merken es nicht, aber Algorithmen begegnen uns täglich, sowohl auf der Arbeit als auch in der Freizeit. Die Einsatzgebiete von Algorithmen sind sehr vielfältig: Im Navigationssystem zeigen sie uns den kürzesten Weg, kontrollieren unseren Satzbau in Textverarbeitungsprogrammen oder empfehlen uns einen passenden Partner beim Online-Dating. Im Allgemeinen versteht man unter einem Algorithmus eine eindeutige Handlungsvorschrift, die Schritt für Schritt ausgeführt werden muss, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu bewältigen. Mit anderen Worten: Ein Algorithmus ist eine Handlungsanweisung, quasi ein Rezept, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Dabei wird häufig eine „Wenn-Dann-Formel“ verwendet: „Wenn“ eine bestimmte Eingabe erfolgt, „dann“ wird eine bestimmte Handlung bzw. Vorgehensweise ausgelöst. Beispielsweise bilden die in einem Kochrezept aufeinander folgenden Handlungsanweisungen zur Zubereitung einer Mahlzeit in ihrer Gesamtheit einen Algorithmus. Mit der Berechnung des Body-Mass-Index (BMI) lässt sich die genaue Vorgehensweise eines Algorithmus leicht veranschaulichen. Um den BMI auszurechnen, wird Folgendes benötigt: Eingabe (Anfangszustand): Gewicht und Körpergröße Der Algorithmus errechnet mittels der Formel den Body-Mass-Index. Ausgabe (Endzustand): berechneter BMI Aus dem Beispiel sind folgende Eigenschaften eines Algorithmus ableitbar: Eindeutigkeit: Der Algorithmus muss eindeutig beschrieben sein. Ausführbarkeit: Jeder Einzelschritt des Algorithmus muss ausführbar sein. Endlichkeit: Die Beschreibung des Algorithmus muss endlich sein. Der Algorithmus muss also irgendwann fertig werden. Terminierung: Der Algorithmus muss nach endlich vielen Schritten enden und ein Ergebnis liefern. Determiniertheit: Der Algorithmus muss bei gleichen Eingaben stets das gleiche Ergebnis liefern. Determinismus: Zu jedem Zeitpunkt der Ausführung eines Algorithmus, muss der nächste Rechenschritt klar vorgegeben sein. Das heißt, nach Abschluss eines einzelnen Schrittes muss immer klar sein, welches der nächste Schritt ist.

Zeit ist ein kostbares Gut. Deshalb führt der Algorithmus im Stillen die Geeignetheitsprüfung durch. Hierzu nutzt er den gewonnenen Datenschatz aus den gestellten Fragen. Er überprüft, ob die vorgeschlagene Anlagestrategie und die damit verbundenen Anlagerisiken für den Kunden finanziell tragbar sind und ob er mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen die Chancen und Risiken der Anlagestrategie verstehen kann. Der Robo-Advisor checkt natürlich im Rahmen der Geeignetheitsprüfung noch mehr ab, u. a.:

 Passen die empfohlenen Anlageprodukte (z. B. Auswahl der ETFs) zu den Anlagezielen des Kunden?

 Deckt sich das Risiko der Anlage mit der Risikobereitschaft des Kunden?

 Erfüllt die Anlagestrategie den gewünschten Zweck? Möchte der Kunde z. B. für den Ruhestand vorsorgen oder soll das eingesetzte Kapital schnell wieder verfügbar sein?

 Passt die Anlagestrategie zu den sonstigen Angaben des Kunden?

Besteht der Kunde die Geeignetheitsprüfung, geht es weiter. Besteht der Kunde nicht, bricht der Robo-Advisor ab, der Kunde kann ihn also nicht weiter nutzen.

Henry Ford erklärte einmal: „Der größte Feind der Qualität ist die Eile.“ Schenken wir den Algorithmen also noch etwas mehr Beachtung. Sie sind schließlich die DNA der Robo-Advisors. Das ist allerdings nicht ganz einfach, denn Robo-Advisors lassen sich nicht in die Karten schauen. Die Algorithmen werden genauso behütet wie die geheime Coca-Cola-Rezeptur. Aber bei der genaueren Analyse lässt sich dennoch Erstaunliches entdecken. Die Handlungsvorschrift für die meisten Algorithmen besteht aus fest vorgegebenen Regeln, die – einmal implementiert – bei den gleichen Eingaben immer wieder zu den exakt gleichen Ausgaben führen.

Um den Algorithmen auf die Spur zu kommen, muss man das Pferd von hinten aufzäumen. Nehmen wir dazu an, wir möchten einen Robo-Advisor selbst bauen. Zunächst erstellen wir Musterportfolios4, die jeweils unterschiedliche Risikoneigungen haben, von hoch (hoher Aktienanteil) bis niedrig (hoher Anleiheanteil). Um nicht unendlich viele Portfolios zu erstellen, orientieren wir uns an der gängigen Risikoneigung der Anleger. Je nach wissenschaftlicher Studie kann man schon mit drei unterschiedlichen Portfolios die Risikoneigung fast aller Anleger mehr oder minder genau abbilden. Um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen – mit den Portfolios –, kreieren wir noch eine Anlagestrategie, die wir über die Musterportfolios stülpen. Sie soll die Intention der Portfolios kurz und knackig beschreiben – hauptsächlich aus Marketinggründen, um Anlegern die Ausrichtung der Portfolios schnell nahezubringen. Die Strategien werden z. B. chancen- oder sicherheitsorientiert genannt. Im letzten Schritt müssen wir uns die Fragen, welche wir den potenziellen Kunden stellen wollen, ausdenken. Mit diesen Fragen ermitteln wir den Kenntnisstand und die Erfahrungen mit Wertpapieren, die finanzielle Situation, die persönliche Risikobereitschaft usw. des potenziellen Kunden. Die Fragen werden so gestellt bzw. konzipiert, dass die Antworten zielgerichtet auf eine Anlagestrategie führen. Hierdurch ist es möglich, einen Algorithmus einzusetzen. Er wird so definiert: „Wenn Fragen 1, 2, 3 mit X beantwortet worden sind, dann wähle die Anlagestrategie Y aus.“ Im nächsten Schritt wird dem potenziellen Kunden eines der vorher festgelegten Musterportfolios zugeordnet. Hierzu greift uns wiederum der Algorithmus unter die Arme: „Wenn Anlagestrategie Y, dann wähle Portfolio Z aus.“

Dieses Beispiel ist zwar stark vereinfacht, zeigt aber den generellen Aufbau eines Robo-Advisors. Die Robo-Advisors bieten Anlegern vorgefertigte Musterportfolios (und keine individuellen Portfolios), die auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse konzipiert wurden, an. Welches Portfolio für den Anleger davon infrage kommt, wird anhand des Fragebogens ermittelt. Dies bezeichnet man auch mit dem englischen Satz „matching people with portfolios“. Dieses Vorgehen der Robo-Advisors greift auf ein altbewährtes Konzept zurück, beispielsweise hält die Modeindustrie für ihre Kunden auch nur bestimmte Konfektionsgrößen parat. Diese passen vielen Leuten relativ gut, aber sie passen nicht perfekt. So ähnlich ist es mit den Musterportfolios der Robo-Advisors.

Die Unterschiede zwischen den Musterportfolios der verschiedenen Robo-Advisors sind beachtlich. Sie reichen von schlicht bis ausgetüftelt. Beispielsweise bietet der Robo-Advisor fintego fünf Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen an. Dagegen wirft der Robo-Advisor Ginmon zehn Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen ins Rennen (Stand 13.01.2021)5. Jeder Robo-Advisor bedient seine Kunden anders6.

Man könnte jetzt meinen: Je größer die Anzahl der hinterlegten Portfolios ist, desto genauer können die Anbieter das Portfolio auf den Anleger bzw. Kunden abstimmen. Das muss aber nicht zwingend besser als eine einfache Lösung mit wenigen Portfolios sein. Es ist wie bei den Schuhherstellern: Es gibt große Marken, die nur ganzzahlige Schuhgrößen (wie 40, 41, …) anbieten, andere bieten auch halbe Größen (wie 40,5, 41, 41,5 …) an und wiederum andere sogar drittel Größen (wie 40 1/3; 40 2/3; 41 …). Welcher Schuh Ihnen am besten passt, hängt vom Schnitt des Schuhs ab und nicht von der Anzahl der Schuhgrößen.

Vielleicht rümpft der eine oder andere von Ihnen jetzt die Nase, weil die Robo-Advisors Musterportfolios einsetzen. Hier ist jetzt eine neue Art des Denkens gefragt. Wie wir später noch sehen werden, kaufen die Robo-Advisor diese Musterportfolios nach und packen die enthaltenen Wertpapiere in ein Depot, das dem Anleger gehört. Somit verwaltet der Robo-Advisor strenggenommen nur das Musterportfolio und überträgt die Änderungen auf die Depots der Kunden, welche das gleiche Musterportfolio gewählt haben. So können die Robo-Advisors ihre Dienste deutlich günstiger anbieten als herkömmliche Vermögensverwalter.

Um die Kosten noch weiter zu drücken, werden die Musterportfolios mit ETFs (s. S. here ff.) bestückt. Dabei bilden die ETFs Aktienlisten nach, sogenannte Indizes wie den DAX, S&P 500 oder den Weltaktienindex MSCI World. Somit ermöglichen ETFs dem Robo-Advisor, mit einem Wertpapier kostengünstig in ganze Märkte zu investieren, also eine breit diversifizierte Anlage. Mit einem ETF erzielt der Robo-Advisor genau so viel Rendite wie die breite Masse der Aktieninvestoren, d. h. wie der Index, den der ETF abbildet. ETFs können – wie eine Aktie – jederzeit an der Börse gehandelt werden. Da das Prinzip der ETF sehr einfach ist, braucht es keine teure Fondsverwaltung. Deshalb fallen nur geringe Gebühren für die Verwaltung von ca. 0,3 % p.a. (per annum, pro Jahr) an, wobei die günstigsten ETFs schon ab 0,03 % p.a. zu haben sind. Diese Fondskosten (Verwaltungsgebühr) werden nach der Ermittlung vom Fondsanbieter direkt aus dem Fondsvermögen des ETFs entnommen.

Es ist wichtig, an dieser Stelle zu erwähnen, dass ein Robo-Advisor kein autonom handelnder Roboter ist. Er ist lediglich ein webbasiertes Beratungsinstrument. Hinter jedem Robo-Advisor stehen Menschen aus Fleisch und Blut, welche z. B. die Musterportfolios entwerfen. Ebenfalls ist der Algorithmus, nach dem ein Robo-Advisor handelt, von Menschenhand programmiert.

Leonardo da Vinci sagte einmal: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ Also lassen Sie uns die Zeit nutzen und den nächsten Schritt tun. Jetzt ist nämlich der Zeitpunkt gekommen, an dem der Robo-Advisor dem Kunden den Anlagevorschlag bzw. die -strategie mitteilt – natürlich in einer entsprechend aufbereiteten Form. Dazu dienen eine Allokations-Grafik, Simulationen einer erwarteten zukünftigen Wertentwicklung usw. Der Anlagevorschlag enthält aber noch mehr, nämlich eine strategische Asset-Allokation, d. h. eine geeignete Auswahl an Anlageklassen (z. B. Aktien oder Anleihen) und deren Gewichtung zueinander, mit denen der Anleger seine Ziele erreichen kann. Dies bleibt aber nicht auf einer theoretischen Stufe stehen, also z. B. „Investiere 50 % deines Anlagekapitals in Renten, 30 % in Immobilien und 20 % in Aktien“. Nein! Der Robo-Advisor geht noch ein Stückchen weiter7. Er empfiehlt auch gleich die passenden Produkte, also ETF XY, mit denen sein Vorschlag umgesetzt werden kann.

Die meisten Robo-Advisor-Anbieter setzen bei ihrer Produktauswahl bewusst nur auf ETFs, um die einzelnen Anlageklassen möglichst risikodiversifiziert abzubilden und die Fondskosten niedrig zu halten, sodass sie trotz ihrer zusätzlichen Vergütungsgebühr noch relativ günstig sind. Natürlich haben die Robo-Advisors deutlich höhere Kosten als ein reines ETF-Portfolio, aber meistens sind sie deutlich günstiger als die klassische Vermögensverwaltung durch eine Bank bzw. aktiv gemanagte Fonds.

Der Anleger sollte den Anlagevorschlag und dessen Umsetzung mit einem Portfolio bestehend aus ETFs oder Fonds genaustens studieren. Das ist ein weiterer Grund, warum Anleger ein gewisses Grundwissen mitbringen sollten, wenn sie Robo-Advisors nutzen. Denn sie sollten den Anlagevorschlag wirklich verstehen können. Viele Robo-Advisors bieten dem Anleger im Rahmen der grafischen Simulation des Anlagevorschlages die Möglichkeit, verschiedene Punkte individuell zu kalibrieren. So kann sich der Anleger beispielsweise für mehr oder weniger Risiko entscheiden, d.h. weitere Anlageklassen (z. B. Aktien, Renten, Rohstoffe usw.) hinzunehmen oder abwählen. Oder er kann die Gewichtung der Anlageklassen zueinander ändern und Anlageinstrumente – also bestimmte ETFs – nach eigenem Geschmack austauschen, um die für ihn optimale Aufstellung zu finden. Der Robo-Advisor unterstützt den Anleger in dieser Findungsphase. So können die Anleger mit nutzerfreundlichen Vergleichstools verschiedene Szenarien durchspielen und mögliche Auswirkungen der Veränderung der Depotzusammensetzung in Echtzeit simulieren. Wie Architekten mittels Software einen Hausbau simulieren und das Aussehen des Hauses in jedem Stadium darstellen können, können sich die Anleger über die Online-Applikation realistisch über die künftigen Folgen ihres Tuns ins Bild setzen. Ebenfalls leuchten Warnhinweise auf, wenn die neue Zusammenstellung nicht mehr dem eingangs ermittelten Anlegerprofil entspricht, und erst nach expliziter Genehmigung des Anlegers ordnet der Robo-Advisor dem Anleger das für den angepassten Anlagevorschlag notwendige neue Risikoprofil zu.

Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass sich der Kunde visuell mit den Unterschieden zwischen verschiedenen Anlagevorschlägen auseinandersetzen muss und so seine individuellen Präferenzen finden kann. Der Anleger darf aber niemals das Risiko aus den Augen verlieren. Dies geschieht leicht, weil er am Computerbildschirm nur eine Simulation vor Augen hat. Diese kann einen starken Kursrutsch nicht vorhersehen und so unter Umständen den Anleger dazu verleiten, mehr Risiko einzugehen als er gemäß seines Anlagezieles oder -horizontes aushalten kann.

Natürlich ist es für den Kunden bei automatisierten Robo-Advisors schwierig, Verständnisprobleme zum Anlagevorschlag zu äußern und Nachfragen zu stellen. Um dieses Problem etwas zu entschärfen, bieten viele Robo-Advisors eine „persönliche Beratung“ über Video-Chat oder Telefon an. Hat der Anleger sein Portfolio nach seinen Wünschen und im Rahmen seines Risikoprofils ermittelt, muss er nur noch den Kauf-Button drücken und der Robo-Advisor übernimmt fortan die Verwaltung seines Vermögens. Der Anleger erteilt dem Robo-Advisor damit das Mandat, die vom ihm ausgewählte Anlagestrategie für ihn umzusetzen. Der Anleger muss allerdings noch eine „Hürde“ überwinden, bevor er sich zurücklehnen und den Robo-Advisor für sich arbeiten lassen kann. Diese „Hürde“, welche der Robo-Advisor dem Kunden nicht abnehmen kann, ist die Eröffnung eines Depots und Verrechnungskonto (oder Depotverrechnungskonto genannt)8 bei der jeweiligen Partnerbank. Wie bei jeder Kontoeröffnung ist hierzu eine Identifizierung via Postident-Verfahren oder Videochat nötig. Robo-Advisors stellen in der Regel alle Unterlagen, die dafür erforderlich sind, im Zuge der Anmeldung online. Außerdem muss der Anleger ein Referenzkonto9 festlegen. Das ist meist das Girokonto.


Abb. 2: Geldfluss zwischen Robo-Advisor und Anleger

Zur weiteren Sicherheit wird das Depot bei der Partnerbank des Robo-Advisor-Anbieters geführt. Das Geld liegt also nicht bei „irgendeinem“, vielleicht noch unbekannten Robo-Advisor-Anbieter, sondern bei einer deutschen, lizenzierten Bank. Der Robo-Advisor-Anbieter hat zudem auch zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf das Geld des Kunden, d. h. der Robo-Advisor kann der Bank nur Anweisungen geben, um Umschichtungen des Depots durchzuführen. Denn nur die Bank ist berechtigt, Käufe und Verkäufe im Depot des Anlegers vorzunehmen – natürlich auf Weisung des Robo-Advisors. Alle daraus resultierenden Verkaufserlöse werden auf das Verrechnungskonto eingezahlt. Prinzipiell gehen alle Verkaufserlöse des Portfolios und Einzahlungen des Anlegers zunächst auf das Verrechnungskonto10. Auf diesem Konto „wartet“ das Geld so lange, bis der Robo-Advisor es investiert oder der Kunde eine Auszahlung auf sein Referenzkonto veranlasst. Auszahlungen vom Verrechnungskonto gehen ausschließlich auf das Referenzkonto des Anlegers.

Im Normalfall liegt immer etwas Geld auf dem Verrechnungskonto, welches vom Robo-Advisor gerade nicht investiert wurde. Denn nur in den seltensten Fällen ist ein Anleger voll investiert. Ein gewisser Prozentsatz an Liquidität hält der Robo-Advisor meistens vor, um z. B. Chancen am Finanzmarkt kurzfristig ergreifen zu können, oder als Sicherheitspuffer bei einem schwachen Börsenumfeld. Darum ist es wichtig, dass das auf dem Verrechnungskonto liegende Geld geschützt ist. Bei Banken in Deutschland oder der EU beträgt die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € pro Kunde. Somit ist die Sicherheit des Verrechnungskontos gewährleistet.

Ist dieser Schritt erledigt, d. h. sind Verrechnungs-, Referenzkonto und Depot eröffnet, wird der Kunde aufgefordert, den vereinbarten Betrag auf das Verrechnungskonto zu überweisen. Anschließend wird der Anlagebetrag in das entsprechende Portfolio investiert.

Immanuel Kant stellte trefflich fest: „Es gibt nur eine Ausflucht vor der Arbeit: andere für sich arbeiten zu lassen.“ Genau das passiert jetzt: Der Robo-Advisor arbeitet für den Kunden. Er überprüft regelmäßig das Depot – gibt es deutliche Wertänderungen bei den einzelnen Positionen, muss er handeln. Denn wenn einzelne Anlagen im Depot über Gebühr an Wert gewinnen oder verlieren, ändert sich der ursprüngliche Chance-Risiko-Mix im Portfolio des Anlegers. Dies balanciert der Robo-Advisor aus, indem er Gewinner-Anlagen verkauft und dafür Verlierer zukauft. Dieses Vorgehen nennt sich Rebalancing (s. S. here ff.). Ob und wie oft das Portfolio umgeschichtet wird, unterscheidet sich von Robo-Advisor zu Robo-Advisor und ist natürlich auch von der gewählten Strategie oder Risikobereitschaft des Anlegers abhängig. Beispielsweise setzt der Robo-Advisor von Scalable Capital auf ein dynamisches Risikomanagement auf Grundlage bestimmter Risikokennziffern. Hieraus ergeben sich recht häufige Änderungen im Depot und schwankende Aktienquoten. Dagegen verfolgt der Robo-Advisor von Truevest (vom Vermögensverwalter Patriarch) einen anderen Ansatz. Hier liegt das Risiko-/Strategiemanagement in der Hand von menschlichen Vermögensberatern. Der Robo-Advisor ermittelt lediglich den idealen Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf auf Grundlage charttechnischer Signale. Da Mensch und Roboter hier Hand in Hand arbeiten, spricht man von einen Hybrid-Modell. Wiederum andere Robo-Advisor führen das Rebalancing schlicht zu bestimmten Stichtagen durch, d. h. entweder monatlich, quartalsweise oder jährlich. Sie orientieren sich dabei an der Vorgehensweise der großen Indexanbieter, die ihre Indizes auch nur zu bestimmten Stichtagen anpassen.

In allen Phasen des Anlageprozesses ermöglichen die Robo-Advisors den Kunden ihre Depots über Smartphone-Apps und Internetseiten im Auge zu behalten. Die Anleger können ihre Portfolios jederzeit anpassen und ihre Präferenzen oder das Sparvolumen flexibel ändern. Natürlich können sie auch jederzeit ihre Depots verkaufen.

„Holz hacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht“, stellte Albert Einstein fest. So ähnlich ist der Erfolg der Robo-Advisors zu erklären. Schon nach knapp zehn bis zwanzig Minuten hält man einen Anlagevorschlag in der Hand. Zudem ist es den Robo-Advisors tatsächlich gelungen, den Prozess der Vermögensverwaltung vom Anlagegespräch, Geeignetheitsprüfung, Anlagestrategie sowie deren Umsetzung digital abzubilden. Sie entspricht im Großen und Ganzen der Vermögensverwaltung, die „menschliche“ Vermögensverwalter anbieten. Genauso wie zwischen „menschlichem“ Vermögensverwalter und Kunden muss natürlich auch die Chemie zwischen Robo-Advisor und Kunden stimmen. Sollten Sie sich mit dem Robo-Advisor wohlfühlen, weil Ihnen die Webseite oder die Bedienung gut gefällt, steht einer vertrauensvollen Zusammenarbeit nichts im Weg. Von einer Kleinigkeit abgesehen – der Mindestanlage.

2.3 Sesam öffne dich! – Mindestanlage und Sparplan mit Robo-Advisors

Charles Dickens stellte pointiert fest: „Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“ So ähnlich ist es bei der Mindestanlagesumme (oder Mindestanlage) mit Robo-Advisors. Man kann schon mit wenig Geld starten! Die Mindestanlagesumme ist derjenige Betrag, den ein Anleger mindestens anlegen muss, um sich der Dienste eines Robo-Advisors bedienen zu können. Wie die folgende Tabelle zeigt, variiert die Mindestanlage bei den einzelnen Robo-Advisors sehr stark. Während einige weder Mindestanlagebeträge noch Mindestsparbeiträge verlangen, ist der Einstieg bei anderen Anbietern erst ab 100.000 € möglich.

Tabelle 1: Mindestanlagesumme und Sparplan mit Robo-Advisors


Anbieter Mindestanlage Sparplan
growney 500 € ab 25 €
VisualVest 0 € mit Sparplan 500 € ohne Sparplan ab 25 €
fintego 0 € mit Sparplan 2500 € ohne Sparplan ab 50 €
Scalable Capital Einmalanlage ab 10.000 € ab 50 €
quirion Einmalanlage ab 1.000 € ab 100 €
Liqid 100.000 € keiner
WeltInvest Einmalanlage 50 € ab 50 €

(Stand 11.01.2021)

Aus der Tabelle erkennt man, dass die hohen Mindestanlagesummen für den einen oder anderen Anleger, der in Robo-Advisors investieren möchte, abschreckend wirken können, da man bei Liqid 100.000 € und bei Scalable Capital immer noch 10.000 € anlegen muss. Im Mittelfeld liegen die Robo-Advisors von Ginmon und VisualVest mit 1000 € bzw. 500 € Mindestanlagesumme. Dies sind schon anlegerfreundlichere Größen für diejenigen, die in die Welt der Robo-Advisors reinschnuppern möchten. Wem das noch zu viel ist, sollte einen Blick auf den Robo-Advisor von WeltInvest werfen, da er nur eine Mindestanlagesumme von 50 € hat. So kann man bei anfänglicher Skepsis gegenüber Robo-Advisors zunächst mit wenig Geld ohne viel Risiko testen und so vielleicht seine Scheu ablegen. Bei einigen Anbietern – wie z. B. quirion – darf die Mindestanlage bei Auszahlungen nicht unterschritten werden. Das Anlagevermögen darf bei quirion den Wert von 10.000 € nicht unterschreiten11. Für Auszahlungen gilt bei quirion ein Mindestbetrag von 2.000 €. Hat das Depot des Anlegers z. B. einen Wert von 11.000 € und er benötigt für eine unvorhergesehene Autoreparatur 2.000 €, müsste er das gesamte Depot kündigen und die Anlage komplett auflösen, da durch eine Auszahlung des benötigten Betrags das Depot unter die Mindestanlage fallen würde (Stand: Mai 2019).12 Allerdings ist die Höhe der Mindestanlage nicht in Stein gemeißelt. Sie kann in Rahmen von Aktionen gesenkt werden. So hat quirion im Oktober 2019 die Mindestanlagesumme im Rahmen einer Aktion von 10.000 € auf 1.000 € gesenkt.

Außerdem wird durch neue, auf den Markt kommende Robo-Advisor, wie Evergreen im Jahr 2020, Druck auf die übrigen Robo-Advisors ausgeübt. So bietet Evergreen eine Investition bereits ab einem Euro einmalig oder im Sparplan an. Ebenso wird durch die neuen Robo-Advisor auch Druck auf die Höhe der Gebühren ausgeübt. So betragen bei Evergreen die Depot-, Service- und Transaktionskosten 0,0 % im Jahr. Die Fondskosten (Kosten für die verwendeten Fonds) belaufen sich auf 0,59 % pro Jahr.

Wer den Robo-Advisors mit ihren teils hohen Mindestanlagesummen ein Schnippchen schlagen möchte und mit wenig Geld einsteigen möchte, der kann auf Sparpläne zurückgreifen. Denn Robo-Advisors bieten ihre Dienste oft schon für geringe Monatsraten an. Bei einigen Robo-Advisors kann man schon mit einer monatlichen Sparrate von einem Euro anfangen. Andere beginnen bei 50 € im Monat. Meistens sind die Beträge über die Mindestsparrate frei wählbar. Auf diese Weise eignet sich die Geldanlage in Robo-Advisors sowohl, um bestimmte Sparziele zu erreichen, als auch zum langfristigen Vermögensaufbau, beispielsweise zur Altersvorsorge.

Warren Buffett stellte fest. „Es ist nicht notwendig, außergewöhnliche Dinge zu tun, um außergewöhnliche Resultate zu erzielen.“ So ist es auch mit Sparplänen. Beispielsweise schaffte es quirion gegen Ende Februar 2019, viermal so viele Sparpläne zu verkaufen wie noch im Juli 2018. Deshalb wurde die Mindestsparrate von 50 € auf nur noch 30 € im Monat gesenkt, um noch mehr Sparer anzulocken. Bei solchen Erfolgsmeldungen lohnt sich ein näherer Blick auf die Robo-Advisor-Sparpläne, weil sie für viele Robo-Advisors immer mehr zu einer tragenden Säule des Geschäftes werden. Wie funktionieren also Sparpläne?

Im Allgemeinen ermöglichen Sparpläne den Anlegern auch mit geringen Anlagesummen z. B. Fonds oder Aktien zu erwerben. Dazu bündelt die Depotbank die Kundengelder, erwirbt eine entsprechende Anzahl an Anteilen und teilt diese auf die Depots der Kunden auf. So können auch Bruchteile von Aktien oder Fonds erworben werden, was bei festen Sparraten in der Regel notwendig ist. Da Sparpläne von mehreren Kunden zusammengefasst werden, gibt es häufig einen oder zwei Ausführungstage im Monat. Auch bei Robo-Advisors gibt es meistens nur einen Ausführungstag. Die Sparsumme wird üblicherweise automatisch per Lastschrift vom Referenzkonto des Kunden abgebucht. Im Gegensatz zum Sparplan bei einer herkömmlichen Bank investiert der Anleger damit allerdings nicht nur in einen einzelnen Fonds, sondern seine Sparrate wird wie im Musterportfolio vorgesehen auf die unterschiedlichen ETFs verteilt. Manche Robo-Advisors führen mit Sparraten zudem bereits notwendige Umschichtungen durch und verringern so die Gebühren, die sonst durch das Rebalancing anfallen können.

Leider bieten nicht alle Robo-Advisors die Möglichkeit, einen Sparplan zu nutzen. Bei manchen, wie z. B. Liqid, ist diese Option überhaupt nicht vorgesehen. Andere wiederum gestatten Sparpläne nur als Ergänzung zur Einzahlung eines Festbetrags in vier- bis fünfstelliger Höhe, wie z. B. Ginmon. Es gibt jedoch auch einige Robo-Advisors, wie growney, die ihren Kunden die vollkommene Kontrolle darüber überlassen, wann sie welchen Betrag anlegen möchten. Häufig fordern solche Robo-Advisors eine Sparrate ab einem Euro monatlich. Außerdem sind bei den meisten Robo-Advisors die Sparpläne jederzeit mit wenigen Klicks zu ändern. Die geänderte Sparrate wird dann zur nächsten Sparplanausführung berücksichtigt. Falls es einmal finanziell knapp wird, kann der Anleger einfach die monatliche Sparrate pausieren. Erfreulich ist, dass ein Sparplan bei einem Robo-Advisor üblicherweise keine zusätzlichen Kosten verursacht (s. S. here ff.).

Man könnte jetzt einwerfen: Lohnen sich geringe Beträge im Rahmen eines Sparplans überhaupt? Natürlich, weil bei der Geldanlage der Zinseszinseffekt gerade bei langfristigen Anlagen zu einem großen Wachstum führen kann. Welche Bedeutung der Zinseszinseffekt hat, zeigt sich daran, dass Albert Einstein ihn einst als das achte Weltwunder bezeichnete. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Dies zeigt u.a. die Legende vom Reiskorn. Schon den alten Persern war der Zinseszinseffektes bekannt. So forderte der König seine Untertanen auf, ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schaffte, sollte eine fürstliche Belohnung erhalten. Ein Höfling kam auf die Idee dem König das Schachspiel beizubringen. Der König war begeistert und wollte den Höfling belohnen. Zur Verblüffung des Königs sagte dieser: „Ich möchte nichts weiter als Reiskörner. Füllt einfach das Schachbrett mit Reis auf. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“ Der König lächelte über den bescheidenen Wunsch seines Höflings und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte, dass er nur ein kleines Säckchen voller Reis als Belohnung auszahlen müsste. Doch schnell musste er erkennen, dass er dank der 64-maligen Verdopplung (auf einem Schachbrett gibt es 64 Felder) mehr Reis brauchte, als auf der ganzen Erde wuchs, um die Forderung zu erfüllen.

Kehren wir von diesem abstrakten Beispiel zurück zur Anlagepraxis. Nehmen wir mal an, ein Anleger würde 20 Jahre lang 50 € monatlich in einen Robo-Advisor investieren, er zahlt also über 20 Jahre insgesamt 12.000 € ein. Die Robo-Advisors legen das Geld breit gestreut nach wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Deswegen darf man eine durchschnittliche Rendite von 4 bis 7 % pro Jahr erwarten, wie die Vergangenheit zeigt. Bei einer durchschnittlichen Rendite von 5 % könnte der Anleger einen Wertzuwachs von 8.377 € verzeichnen und hätte somit nach 20 Jahren 20.377 €. Diese Annahme gilt natürlich nur, wenn er die Erträge während der Ansparphase immer wieder reinvestiert. Gerade deswegen ist es besonders wichtig, z. B. bei der Altersvorsorge früh zu beginnen. Dann reichen geringe Beträge aus, um die Versorgungslücke im Alter deutlich leichter schließen zu können.

Viele Anleger setzen ihren Sparplan aus, wenn sich der Markt schlecht entwickelt. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber. Viele historische Betrachtungen zeigen, dass die Aktienmärkte sich innerhalb einiger Monate oder Jahre wieder erholen. Anleger, die den Mut haben, in Zeiten zu investieren, in denen die Märkte auf Talfahrt gehen, haben die Möglichkeit, günstige Zukäufe zu tätigen, die dann bei Marktsteigerungen dazu führen, dass sich das Depot deutlich schneller wieder erholt. Man sollte also den Sparplan nicht in schlechten Marktphasen aussetzen.

Für wen sind Sparpläne von Robo-Advisors geeignet? Eigentlich für alle, die daran interessiert sind, Vermögen aufzubauen und die dafür regelmäßig Geld zurücklegen möchten. Sparpläne sind nicht nur für Kleinanleger und Sparer sehr gut geeignet, sondern auch für jemanden, der größere Anlagesummen anlegen möchte. Ein Grund hierfür ist der Cost Average Effect (oder Durchschnittskosteneffekt). Konsequente und regelmäßige Einzahlungen von Sparraten in gleicher Höhe führen dazu, dass sich teure und günstige Käufe ausgleichen und so die Wertpapiere insgesamt günstiger erworben werden können, als wenn das Geld in einem „Rutsch“ investiert würde. Es handelt sich hierbei nicht um ein Allheilmittel, das zusätzliche Rendite erwirtschaftet, aber diese Strategie verringert die Wahrscheinlichkeit, Fondsanteile ausschließlich zu ungünstigen Zeitpunkten zu erwerben. Deshalb kann es für Anleger mit hohem Anlagevolumen und hohem Risiko (hohe Aktienquote) durchaus sinnvoll sein, ihr Geld Schritt für Schritt zu investieren. Wenn ein sehr junger Anleger einen Sparplan mit Robo-Advisors eröffnet, sollte er auf Folgendes achten: Der Robo-Advisor-Anbieter sollte genügend Musterportfolios zur Verfügung stellen, um unterschiedliche Risikostrukturen abzudecken. Denn das Risikoprofil ändert sich in unterschiedlichen Lebensphasen. Es wäre auch gut, wenn die Anleger die Möglichkeit hätten, innerhalb bestimmter Abstände das Portfolio in unterschiedliche Risikoklassen umzuschichten, ohne dafür zusätzliche Gebühren in Kauf nehmen zu müssen. Dies ist auch deshalb interessant, weil Anleger, die ihr Vermögen bald beanspruchen möchten, ihr Geld schrittweise in „sichere Häfen“ umschichten sollten. Bei vielen Robo-Advisors ist dies durch einen Strategiewechsel hin zu einem höheren Anleiheanteil (risikoarm) relativ leicht möglich, da oft die gleichen ETFs in unterschiedlicher Zusammensetzung genutzt werden. Allerdings ist der Strategiewechsel bei manchen Anbietern mit Hindernissen verknüpft und kostenpflichtig. Manchmal muss sogar das Depot aufgelöst und das Vermögen in die neue Strategie wieder angelegt werden. Ermöglicht der Robo-Anbieter unkompliziert einen Strategiewechsel, so ist es möglich, dass der Robo-Advisor den Anleger über sein gesamtes Berufsleben begleitet. Der Anleger kann dann unkompliziert nach und nach von den Portfolios mit hohem Risiko in Portfolios mit niedrigem Risiko wechseln, wenn er ins Rentenalter kommt.

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagte Lenin. Auch einem Robo-Advisor sollte man nicht blind vertrauen. Bevor man ihn nutzt, sollte man sich vorab intensiv damit beschäftigen, zu verstehen, wie der Robo das Geld anlegt. Gleiches gilt für das Risikomanagement, also warum und wann der Robo Umschichtungen im Portfolio vornimmt.

2.4 Wie verwalten Robo-Advisors mein Geld?

Die meisten Robo-Advisors setzen darauf, die Marktsteigerung einzelner Märkte möglichst genau abzubilden und investieren dafür in ETFs. Das heißt, sie verzichten bewusst auf Stock Picking13 oder Market Timing14. Stattdessen bleiben sie möglichst lange und vollständig in einem gesamten Index investiert. Damit aber nicht der ursprüngliche Chance-Risiko-Mix im Depot aus den Fugen gerät, führen sie ein Rebalancing durch.

2.4.1 Was ist Rebalancing?

Ich gebe es gerne zu: Es gibt wenige Themen in der Finanzwelt, die mich so beeindrucken oder gar elektrisieren, wie die im Verborgenen wirkenden unscheinbaren Investmenttools, wie das Rebalancing. Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, arbeitet der Robo-Advisor mit dem Anleger zusammen einen Chance-Risiko-Mix aus. Prinzipiell ist der Vorschlag zur Aufteilung auf Vermögensklassen (z. B. Aktien oder Anleihen) so lange gültig, wie sich die persönliche Situation und das Risikoprofil des Anlegers nicht verändert haben. Allerdings kann es im Zeitablauf zu Veränderungen auf dem Finanzmarkt kommen. Durch diese Kursänderungen verschieben sich die Anteile der Vermögensklassen im Depot des Anlegers, sodass sie nicht mehr mit der anfänglich bewussten und sorgfältig ausgewählten Aufteilung im Portfolio übereinstimmen. In einer solchen Situation erfolgt der Verkauf übergewichteter Positionen. Das dadurch frei gewordene Kapital wird im Regelfall zugunsten der im Laufe der Zeit untergewichteten Positionen investiert. So wird die ursprüngliche Depotaufteilung wiederhergestellt. Dieses regelmäßige Zurückführen des Portfolios auf sein Ausgangsgewicht nennt man in der Fachsprache „Rebalancing“. Dem Rebalancing wohnt ein wunderbar antizyklisches Moment inne. Man erhöht durch das Rebalancing den Anteil der Assets, die schlecht gelaufen sind, und führt das Gewicht der Assets, die gut gelaufen sind, zurück. Das ist der Stoff, aus dem Outperformances15 gemacht werden!

Zur Verdeutlichung sehen wir uns ein Beispiel (siehe auch Abb. 3, S. here) an. Ein Anleger hat 20.000 €, die er investieren möchte. Zusammen mit dem Robo-Advisor erarbeitet er einen Chance-Risiko-Mix für sein Depot aus. Dies sieht so aus, dass sein Portfolio zu gleichen Teilen aus Anleihen und Aktien bestehen soll. Dies setzt der Robo-Advisor auch so um, d. h. er investiert das Kapital zu 50 % in Aktien und zu 50 % in Anleihen.

Nach der Investition des Robo-Advisors entwickeln sich beide Märkte positiv. Allerdings legt der Aktienanteil deutlich stärker zu als der Anleiheteil des Depots. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Aktien zu Anleihen im Depot und liegt plötzlich bei 60 % Aktien zu 40 % Anleihen, d. h. 60 % des Gesamtkapitals des Anlegers entfällt jetzt auf Aktien und nur noch 40 % auf Anleihen. Hierdurch ändert sich der ursprüngliche Chance-Risiko-Mix im Depot. Dies ruft den Robo-Advisor auf den Plan. Er führt ein Rebalancing durch, indem er Gewinner (Aktien) verkauft und Verlierer (Anleihen) zukauft. Um den 60 %-Depotanteil der Aktien wieder auf den ursprünglichen Anteil von 50 % zu bringen, muss der Robo-Advisor so lange Aktien verkaufen, bis deren Verkaufserlös 10 % des Depotwertes (Wert der Anleihen und Aktien im Depot) entspricht. Danach investiert der Robo-Advisor den Verkaufserlös in Anleihen. So stellt er die ursprüngliche Aufteilung des Depots wieder her16.


Aktien-Anteil im Depot Anleihe-Anteil im Depot
Betrag Anteil Betrag Anteil
Start 10.000 € 50 % 10.000 € 50 %
Vor Umschichtung 16.500 € 60 % 11.000 € 40 %
Rebalancing Es werden 2.750 € (entspricht 10 % des Depotwertes vor Umschichtung; 27.500 € = 16.500 € + 11.000 €) der Aktien verkauft und wiederum für 2.750 € Anleihen zugekauft. Das Depot ist anschließend wieder ausbalanciert.
Nach Umschichtung 13.750 € 50 % 13.750 € 50 %

Abb. 3: Rebalancing

Dieses Rebalancing geschieht im Idealfall automatisch, ohne dass der Anleger sich gesondert darum kümmern muss. Diese Arbeit übernimmt der Robo-Advisor. Wann der Robo-Advisor eingreift, basiert auf mathematischen Formeln und dem Management, das hinter dem Anbieter steht. Jeder Robo-Advisor verwendet eine andere Regel zum Rebalancing. Die wichtigsten sind:

 Time Based Rebalancing: Das Rebalancing wird nach einem vorab bestimmten Stichtag – z. B. jeden ersten Montag im Monat – durchgeführt17. Die Anpassung erfolgt in der Regel täglich, wöchentlich, monatlich, quartalsweise oder auch jährlich.

 Performance Based Rebalancing: Festlegung von Grenzwerten für die Veränderung der Gewichtung der einzelnen Positionen im Portfolio, beispielsweise +/- 5 %. Das bedeutet: Über- oder unterschreitet eine Position die ursprünglich festgelegte Gewichtung um 5 %, wird das Rebalancing durchgeführt.18 Ein Depot besteht z. B. zu gleichen Teilen aus Anleihen und Aktien, d. h. 50 % des Kapitals sind in Aktien und 50 % in Anleihen investiert. Es wird ein Rebalancing durchgeführt, wenn der Aktien- oder Anleiheanteil 5 % über- bzw. unterschreitet (also unter 45 % fällt bzw. über 55 % steigt). Aufgrund einer guten Entwicklung der Aktienmärkte steigt der Aktienanteil auf 56 % des Depots. Dies führt dazu, dass das Rebalancing durchgeführt wird.

Viele Studien zeigen, dass regelmäßiges Rebalancing einen Mehrwert bietet. Es dient der Risikokontrolle. Das Risikoprofil des Portfolios läuft nicht aus dem Ruder, es bleibt immer nahe an der gewählten, persönlichen Strategie des Anlegers. Man bleibt immer in allen Anlagen investiert. Selbst dann, wenn man Gewinner zu früh verkauft, ist der Schaden gering, da man mit der Gewichtung des ursprünglichen Depots immer noch in der jeweiligen Anlageklasse engagiert ist. Außerdem werden Anteile an risikoreicheren Positionen (wie z. B. Aktien) in Hochphasen tendenziell abgebaut und in Tiefphasen wieder aufgebaut. Das verbessert langfristig die Renditechancen.

Doch alle Experten wissen, dass diese Medaille eine Kehrseite hat: Rebalancing ist nicht kostenfrei. Grundsätzlich fallen beim Handeln Transaktionsgebühren (jedes Handeln kostet Gebühren; zu häufiges Handeln kostet mehr als es bringt) an19. Zudem fallen bei Veräußerungen von Anteilen mit Gewinn (Veräußerungsgewinn) Steuern an, die die Performance des Portfolios belasten können20. Allerdings sollten Anleger die Risikominimierung durch Rebalancing gegenüber der Steueroptimierung bevorzugen. Bei kleineren Vermögen reicht meist der Steuerpauschbetrag schon aus, um Steuerzahlungen zu vermeiden.



Jeder Robo-Advisor-Anbieter versucht bei der Aufstellung seiner Rebalancing-Regel den Spagat zwischen akzeptabler Abweichung gegenüber der ursprünglichen Depotzusammensetzung auf der einen Seite sowie den Transaktionskosten und Steuern auf der anderen Seite zu finden. Wie führen die Robo-Advisors diesen Spagat durch?

2.4.2 Die Anlagestrategie der Robo-Advisors

Jede Rebalancing-Strategie hat seine Tücken. Anleger mit gemischten Aktien-Renten-Portfolios, die Ende 2008 Aktien an einem Tiefpunkt der Märkte nachkauften, konnten sich 2009 über phantastische Renditen freuen. Doch es gibt nicht nur kurzfristige Kurskorrekturen, sondern auch länger andauernde Marktturbulenzen. Sie stellen Rebalancing-Strategien bzw. die Anlagedisziplin auf eine harte Probe, wie die drei verlustreichen Aktienjahre 2000, 2001 und 2002 eindrucksvoll zeigten. Hätten Sie angesichts der DAX-Verluste von 7,5 % im Jahr 2000, im folgenden Jahr von 20 % und dem darauffolgenden 44-Prozent-Absturz im Jahr 2002 die Nerven besessen, jeweils zum Jahresende stoisch in Aktien umzuschichten und ihre Gewinner-Anleihen zu verkaufen? Ein Robo-Advisor hätte das. Er setzt anhand klarer Regeln und ohne Emotionen das Rebalancing um. Doch das Vorgehen der Robos unterscheidet sich voneinander.

Grob lässt sich die Anlagestrategie von Robo-Advisors zweiteilen. Auf der einen Seite gibt es Robo-Advisors, die eher einer aktiven Anlagestrategie folgen. Auf der anderen Seite stehen die Robo-Advisors, die einen passiven Investmentansatz umsetzen29. Was bedeutet das genau?


Strategie passiv semipassiv semiaktiv aktiv
Anlagen passiv gemanagte ETF und ETC passiv gemanagte ETF und ETC passiv gemanagte ETF und ETC aktiv gemanagte Fonds, Aktien, Anleihen, Rohstoffe usw.
Generelle Strategie Bei der passiven Strategie wird die Zusammensetzung des Portfolios nach der Depoteröffnung nicht mehr geändert, d. h. es findet kein aktives Umschichten statt. Die Rendite dieser Strategie hängt vom Wachstum der Märkte ab. Bei der aktiven Strategie sind die Robos jederzeit in der Lage, die Portfolios umzuschichten, um auf aktuelle Entwicklungen an den Aktienmärkten zu reagieren. Damit besteht die Chance, die Marktrendite zu schlagen. Ob das gelingt, liegt allerdings am Geschick des Robos.
Beschreibung Der Chance-Risiko-Mix des Depots soll dauerhaft gleich bleiben, daher werden einmal jährlich die Gewichte auf die Ausgangswerte zurückgesetzt (statisches Rebalancing). Sobald der Risiko-Mix des Depots (Mischung der Assetklassen zueinander) festgelegte Abweichungsgrenzen überschreitet (z. B. Abweichung um 10 %), wird der ursprüngliche Mix wiederhergestellt. Kleine Korrekturen können schon bei Ein- oder Auszahlungen vorgenommen werden. Hier wird nicht die Mischung der Anlageklassen im Portfolio konstant gehalten, sondern das gewünschte Anlagerisiko. Wenn sich das Risiko erhöht, werden Aktien und andere Risikopapiere abgebaut und verstärkt risikoärmere Titel, wie Anleihen, gekauft. Sinkt dagegen das Risiko, so läuft das Prozedere umgekehrt. Die Mischung der Assetklassen (wie Aktien, Anleihen usw.) wird je nach Markt- und Kapitalmarktlage umgeschichtet und/oder neu zusammengestellt. Ähnliches gilt, wenn technische Analysen für einen Ein- und Ausstieg an der Börse beachtet werden oder einzelne Anlagen neu bewertet werden.

*Eine eindeutige Kategorisierung der Robo-Advisor ist nur schwer möglich, weil sich die Anlagestrategien teilweise untereinander vermischen oder die Anbieter verschiedene Modelle anbieten. Besuchen Sie deshalb immer die Webseite des Anbieters und informieren Sie sich im Detail über die Anlagestrategie.

Abb. 4: Anlagestrategie der Robo-Advisors

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Robo-Advisors, die einen passiven Ansatz folgen. Wer diesen Ansatz mit Passivität gleichsetzt, hat ein falsches Bild vor Augen. Denn schon Carmen Sylva fand: „Die Geduld ist nicht passiv. Im Gegenteil, sie ist eine Tat, sie ist konzentrierte Kraft.“ Denn die Robo-Advisors, die sich diesem Ansatz verschrieben haben, verteidigen die mit dem Anleger zusammen erarbeitete Aufteilung des Depots gegen die Stürme an den Finanzmärkten. Deswegen findet nach der Eröffnung des Depots keine Veränderung der Gewichtung von Anleihen zu Aktien mehr statt. Damit dies gelingt, findet monatlich, quartalsweise oder jährlich ein Rebalancing statt, sodass die ursprüngliche Aufteilung der Gelder auf Aktien, Anleihen usw. wieder erreicht wird30.

Aus diesem Grund sind die erzielbaren Renditen in großem Maß davon abhängig, wie sich die Finanzmärkte entwickeln. Denn ein passiver Robo-Advisor versucht nicht durch aktive Umschichtungen die Marktrendite zu übertreffen, sondern er versucht so nah wie möglich die Marktrendite nachzubilden31. Er arbeitet nicht gegen den Markt, sondern mit ihm. Steigt die Börse, dann gewinnt auch das Portfolio an Wert. Fällt sie, dann kann auch die Maschine kaum mehr tun, als die Verluste durch Diversifikation zu begrenzen.

Ein Vorteil des passiven Ansatzes ist, dass die Rendite nicht von den Geschicken des Robo-Advisors abhängig ist. Zudem ist die passive Anlagestrategie nahezu risikolos, allerdings nur, wenn sie als Langzeitstrategie (mehr als zehn Jahre) angewendet wird. Es gibt weltweit nur wenige bedeutende Indizes, die über die letzten Jahrzehnte im Mittel Verluste eingefahren haben. Der Haken ist, dass viele Indizes auch jahrelange Phasen des Abstiegs aufweisen, d. h., dass der Anleger jahrelang auf Verlusten sitzenbleiben kann. Doch meist wird die Geduld des Anlegers belohnt, die Indizes kehren wieder in die Gewinnzone zurück und somit auch das Portfolio des Anlegers.

Warum entscheiden sich die passiven Robo-Advisors für diese Strategie? Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die allermeisten Fondsmanager den Markt nicht dauerhaft schlagen können. John Bogle, einer der Väter der ETF, sagte dazu: „Suchen Sie nicht nach der Nadel im Heuhaufen, kaufen Sie einfach den Heuhaufen.“ Folglich ist es eher entscheidend, Märkte möglichst genau und kostengünstig abzubilden. Da ETFs in die großen, breiten Indexe – wie DAX, Dow-Jones, S&P 500 usw. – investieren und deren Entwicklung nahezu 1:1 abbilden, sind sie genau die richtigen Investmentvehikel für Robo-Advisors. Zudem sind sie noch sehr kostengünstig. Bringt man es auf den Punkt, so sieht der passive Ansatz eigentlich „nur“ vor, die Geldanlage möglichst gut zu streuen – meist mit den breit diversifizierten ETFs, um dann im Anschluss immer wieder die ursprüngliche Allokation (Gewichtung der Anlageklassen) herzustellen. Durch dieses Rebalancing entsteht zudem ein antizyklisches Investment, weil die Anleger dann mehr in die Märkte investieren, wenn diese nicht stark nachgefragt sind, und dafür Anteile der Märkte verkauft werden, die sich gerade sehr gut entwickelt haben. Ketzerisch könnte man sagen, dass man für den passiven Ansatz, abgesehen von Feinheiten wie dem Rebalancing, gar keinen Computer bräuchte. Jeder halbwegs informierte Anleger könnte selbst ein ETF-basiertes 50-45-5-Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen zusammenstellen. Aber dann wird es knifflig: Führt der Anleger das Rebalancing strikt nach vorher festgelegten Regeln durch oder schichtet er sein Portfolio bei der erstbesten Gelegenheit doch wieder um? Die eigentliche Stärke der passiven Robo-Advisors liegt nicht in der Rechenpower, sondern darin, eine Strategie konsequent durchzuziehen, was die meisten Anleger aufgrund ihrer Emotionalität nicht schaffen.

Natürlich werden die Anlegergelder nicht nach Gutdünken auf verschiedene ETFs verstreut, sondern nach dem Konzept der modernen Portfoliotheorie angelegt. Hierzu berechnen die Robo-Advisors mithilfe der Markowitz-Theorie die optimalen Depots, d. h. die beste Aufteilung des Geldes auf Anlageklassen für eine bestmögliche Diversifizierung, um auch schweren Zeiten an den Finanzmärkten trotzen zu können. Folglich ermöglichen passive Robo-Advisors eine günstige Anlage nach Lehrbuch.



Theodor Fontane erkannte schon: „Der Zauber steckt immer im Detail.“ Um uns verzaubern zu lassen, sehen wir uns nun im Detail an, wie die Robo-Advisors das Rebalancing durchführen. Ein typischer Vertreter der passiven Robo-Advisors ist easyfolio mit seinen drei Anlagestrategien 30, 50 und 70. Die Zahlen 30, 50 und 70 entsprechen der jeweiligen Gewichtung von Aktien im Depot, der Rest entfällt auf Anleihen. Die prozentuale Verteilung der einzelnen Regionen im Aktienteil erfolgt entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung. In der Regel umfasst jedes Depot 15 ETFs. Easyfolio führt quartalsweise ein Rebalancing durch.

Bei vielen semipassiven Robo-Advisors erfolgt das Rebalancing schon, wenn die Anlageklassen um einen bestimmten Prozentsatz vom ursprünglichen Gewicht abweichen (abweichungsinduziertes Rebalancing). Nach diesem Ansatz managt der Robo-Advisor von fintego die angebotenen Portfolios: „Ich will’s defensiv“, „Ich will’s konservativ“, „Ich will streuen“, „Ich will mehr“ und „Ich will alles“. Je nach Risiko schwankt der Aktienanteil zwischen 10 bis 90 %. Investiert wird anhand der Risikotoleranz des Anlegers in Aktien global, Aktien Schwellenländer, Staatsanleihen Europa, Unternehmensanleihen Euro sowie Rohstoffe. Anders als beim passiven Ansatz legt fintego eine Obergrenze für die Abweichungen von der ursprünglichen Depotaufteilung fest. Bei einer 15 %-igen-Abweichung von der ursprünglichen Gewichtung erfolgt das Rebalancing. Zusätzlich führen viele passive Robo-Advisors, wie Ginmon, ein smartes Rebalancing durch. Hierbei werden bei jeder Anlage (Einmalanlage oder Sparplan) die Anlagebeträge so aufgeteilt, dass sich das Depot des Kunden so gut wie möglich wieder an die ursprünglich gewählte Struktur anpasst.

Mit diesen passiven, geduldigen Robo-Advisors konkurrieren die aktiven, hibbeligen Robo-Advisors um die Gunst der Anleger. Bei den aktiven Robo-Advisors wird nicht die „Anlagemischung“ (Aufteilung des Depots z. B. zwischen Aktien und Anleihen) verteidigt, sondern das Risiko im Depot wird konstant gehalten. Hierzu misst der aktive Robo-Advisor jeden Tag aufs Neue, welchem Risiko jedes einzelne Kundendepot ausgesetzt ist. Hierfür muss der Robo eine Unmenge von Daten sammeln, z. B. darüber, wie sehr die Kurse einzelner Wertpapiere steigen und nachgeben und wie die Entwicklungen verschiedener Wertpapiere miteinander zusammenhängen. Schwankt der Kurs einer Aktie stärker (als üblich), steigt das Risiko, damit Verluste zu erleiden, und der Robo-Advisor tauscht die Aktie ganz oder teilweise gegen weniger riskante Anlagen aus. Da allerdings „nur“ die Gewichtung der Assetklassen (wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe usw.) aktiv je nach Marktentwicklung verändert wird, wird diese Strategie als semiaktiv bezeichnet.

Beispielsweise verfolgt der Robo-Advisor von Scalable Capital eine semiaktive Strategie. Er bietet 23 Risikokategorien mit jeweils 10 bis 15 ETFs an. Zudem beobachtet er die Märkte dauerhaft und versucht Ereignisse, die zu großen Verlusten führen können, schon im Vorfeld zu erkennen, um dann rechtzeitig umzuschichten. Dafür stützt er sich auf die Risikokennzahl Value at Risk (VaR). Diese Kennzahl gibt an, dass eine bestimmte Verlustschwelle (vom Anleger festgelegt) mit 95- %-iger-Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Natürlich kann dies dennoch vorkommen, weil sich bestimmte Risiken nicht ausschalten lassen und unwahrscheinliche Ereignisse eintreten können. Je nachdem, was der Value at Risk sagt, schichtet der Robo-Advisor zwischen risikoreicheren oder risikoärmeren Anlageklassen um.

Erst wenn die Robo-Advisors noch eine Stufe weitergehen, wenn sie also Einzeltitel bzw. Fonds gezielt kaufen, kommen wir zu der „echten“, aktiven Vermögensverwaltung. Sie führt ein Stock Picking durch, d. h. der Robo-Advisor sucht nach der besten Aktie am Markt. Um diese Aktie zu finden, muss der Robo-Advisor Prognosen über die künftige Marktentwicklung anstellen und sie in seine Investmententscheidung miteinfließen lassen. Er sucht demnach die besten Ein- und Ausstiegschancen an den Börsen (dies wird als „Timing-Strategie“ bezeichnet). Ein aktiver Robo-Advisor würde eine Aktie ins Portfolio aufnehmen, wenn er erkennt, dass sich die Aktie in einem Aufwärtstrend befindet. Erkennt er dagegen, dass sich eine Aktie in einem Abwärtstrend befindet, so verkauft er. Auf diese Weise versuchen die aktiven Robo-Advisors die Krisen und Chancen an den Börsen für sich auszunutzen, während die passiven Robo-Advisors geduldig der Dinge harren müssen, die über sie hereinbrechen. Allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit für Fehlentscheidungen. Ein aktiver Robo-Advisor ist z. B. Fundamental Capital.

Aus dem hier Gesagten wird deutlich, wie vielfältig die Methoden des Rebalancing der Robo-Advisors sind. Eine kleine Auswahl zeigt die folgende Tabelle.

Tabelle 2: Rebalancing-Strategien ausgewählter Robo-Advisors


Robo-Advisor (am Markt seit) Anbieter Anlageprodukte (Risikoklassen) Anlagestrategie Rebalancing-Strategie
ROBIN (November 2017) Deutsche Bank ETF (Risikoklassen: individuell) semi-aktiv börsentägliche Überwachung, bei Bedarf erfolgt ein Rebalancing
Solivest (Mai 2015) DJE Kapital AG Aktien, Anleihen (Risikoklassen: 4) aktiv regelmäßige Anpassung an die ursprünglichen Gewichte
Privatbank Portfolio konservativ (2013) Sutor Bank ETFs, Indexfonds (Risikoklassen: 4) semi-passiv kein festes Intervall, mindestens monatliche Überprüfung
Liqid Global (September 2016) Liqid ETF, ETC (Risikoklassen: 10) aktiv tägliche Überwachung, automatische Anpassung bei Erreichen bestimmter Schwellenwerte
growney (Mai 2016) growney ETFs (Risikoklassen: 4) passiv einmal jährlich wird Rebalancing durchgeführt
Wüstenrot ETF Managed D. (Oktober 2016) Wüstenrot Pfandbrief-bank ETFs (Risikoklassen: 5) semi-passiv Rebalancing findet bei einer Abweichung von mehr als 15 % vom Risikoprofil statt
Easyfolio (Januar 2014) Hauck & Aufhäuser (Januar 2014) Dachfonds aus ETFs (Risikoklassen: 4) passiv bis semi-aktiv es findet ein quartalsweises Rebalancing statt (bei easyfolio 30, 50, 70), dagegen findet bei easyfolio flex die Anpassung kontinuierlich statt

(Stand: 12.10.2018)

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
26 mayıs 2021
Hacim:
278 s. 47 illüstrasyon
ISBN:
9783838275796
Yayıncı:
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