Kitabı oku: «Bewusstsein ist alles»

Yazı tipi:

Rupert Spira

Bewusstsein ist alles

Rupert Spira

Bewusstsein ist alles

Über die Natur unserer Erfahrung


VAK Verlags GmbH

Kirchzarten bei Freiburg

Titel der Originalausgabe:

The Transparency of Things © Rupert Spira 2008 ISBN 978-0-9558290-5-5 Erschienen bei: Non-Duality Press, Salisbury (Großbritannien)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

VAK Verlags GmbH

Eschbachstraße 5

79199 Kirchzarten

Deutschland

© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2011

Übersetzung: Dr. Jörg van Hoorn

Lektorat: Norbert Gehlen

Layout und Satz: Karl-Heinz Mundinger, VAK

Umschlagfoto: iStockphoto

Umschlagdesign: Sabine Fuchs, Fuchs_Design München

E-Book-Konvertierung: Satzweiss.com Print Web Software GmbH, Saarbrücken ISBN 978-3-95484-200-1 (ePub) ISBN 978-3-95484-201-8 (Kindle) ISBN 978-3-95484-202-5 (PDF)

Vorbemerkungen des Verlags

Viele Begriffe, die der Autor in diesem Buch verwendet, haben hier eine etwas andere Bedeutung als in der Alltagssprache. Dies wird verdeutlicht durch Besonderheiten der Schreibweise: Schreibung in ‚halben Anführungszeichen‘, Zusammensetzungen wie „Körper/Geist“, Wortneuschöpfungen wie „Einsheit“ u. Ä. Die deutsche Ausgabe orientiert sich dabei an den Vorgaben des Autors, mit einer Ausnahme: In vielen Fällen signalisiert der Autor die abweichende Wortbedeutung durch Großschreibung von Wörtern, die im Englischen normalerweise kleingeschrieben werden – diese Wörter sind hier in KAPITÄLCHEN gesetzt.

Dieses Buch wurde geschrieben mit Liebe und Dankbarkeit für Ellen, meine Lebensgefährtin, und für Francis Lucille, meinen Freund und Lehrer.

Was ist, vergeht nie.

Was nicht ist, entsteht nie

PARMENIDES

Vorwort

Dieses Buch ist eine Sammlung von Betrachtungen und Reflexionen über die Natur unserer Erfahrung. Sein einziger Zweck – soweit man überhaupt sagen kann, dass es einen Zweck hat – besteht darin, schlicht und einfach Erfahrung selbst, an und für sich, ganz genau zu betrachten.

Die Aussagen, mit denen wir im Allgemeinen unsere Erfahrung beschreiben, werden meistens als so absolut wahr angesehen, dass sie anscheinend keiner weiteren Untersuchung bedürfen. Doch hier in diesem Buch ist unser Ansatz genau umgekehrt: Überhaupt gar nichts wird als gegeben angenommen – mit Ausnahme der sprachlichen Konventionen, die es uns ermöglichen zu kommunizieren.

Schon als Kinder werden wir dazu angeregt, unsere Erfahrungen auf eine Art zu beschreiben, die diese Erfahrungen sowohl auszudrücken als auch zu bestätigen scheint. Später bestimmen diese Ausdrucksweisen dann, wie uns die Welt erscheint.

„David liebt Jane.“– „Tim sah den Bus.“ … Bereits unsere ersten Formulierungen unterteilen Erfahrung in ‚ich‘ und ‚anderes‘, ‚ich‘ und ‚die Welt‘, in ein Subjekt, das erfährt, und ein Objekt, das erfahren wird. Und unsere Erfahrung scheint von da an diese Formulierungen zu bestätigen.

Aber in einem bestimmten Stadium ahnen wir, dass diese Formulierungen nicht unsere Erfahrung zum Ausdruck bringen, sondern dass sie unsere Erfahrung bestimmen.

Dieses Buch beschäftigt sich nicht mit einzelnen Eigenschaften der Erfahrung, sondern mit Erfahrung selbst. Es erforscht die grundsätzliche Natur von Erfahrung. Was ist dieses ‚ich‘? Was ist dieses ‚andere‘, diese ‚Welt‘? Und was ist dieses ‚Erfahren‘, das die beiden Pole zu verbinden scheint?

Die essenzielle Entdeckung aller großen spirituellen Traditionen ist die Übereinstimmung von BEWUSSTSEIN und REALITÄT. Es ist die Entdeckung, dass die grundlegende Natur eines jeden Einzelnen von uns mit der grundlegenden Natur des Universums übereinstimmt.

Diese Entdeckung wurde auf vielerlei Arten zum Ausdruck gebracht: „Atman ist Brahman.“ – „Ich und mein Vater sind eins.“ – „Nirwana ist Samsara.“ – „Leere ist Form.“ – „Ich bin Das.“ – „Alles ist Bewusstsein.“ – „Es gibt keine zwei Dinge.“ – „Sat Chit Ananda.“

Jede spirituelle Tradition hat ihre eigenen Wege, zu diesem Verständnis zu gelangen. Es ist nicht nur ein intellektuelles Verständnis, sondern eher ein Wissen jenseits des Verstandes. Und in jeder Tradition gibt es genau so viele Variationen der Herangehensweisen, wie es Schüler dieser Tradition gibt.

Dieses Buch erforscht, was wirklich und wahrhaftig erfahren wird. Die Frage „Was ist die Natur unserer Erfahrung, jetzt in diesem Moment?“ wird uns wieder und wieder beschäftigen.

Und doch ist dieses Buch kein philosophisches Traktat. Es ist eine Sammlung von Betrachtungen und Erörterungen, in denen einige Grundideen immer wieder, jedes Mal unter einem etwas anderen Blickwinkel, untersucht werden. Ein gewisses Maß an Wiederholungen ist daher unvermeidbar.

Man könnte sagen, dieses Buch wurde wie ein Musikstück geschrieben, in dem ein einzelnes Thema erforscht, hinterfragt, variiert und neu vorgetragen wird. Und jedes Mal, wenn das Hauptthema wieder aufgenommen wird, hat es (hoffentlich) durch die vorhergehenden Betrachtungen an Tiefe und Resonanz gewonnen.

Die Bedeutung von Worten liegt nicht in den Worten selbst. Ihre Bedeutung liegt in den Betrachtungen, aus denen sie entstehen und auf die sie verweisen. Dieser Text ist daher mit vielen Zwischenräumen gestaltet, die das kontemplative Herangehen fördern sollen.

Die Schlussfolgerungen, die hier gezogen werden, sind einzig dafür da, die alten, konventionellen und dualistischen Formulierungen infrage zu stellen, die so tief in die Art und Weise eingebettet wurden, wie wir uns und die Welt zu erfahren scheinen.

Sind diese alten Formulierungen erst einmal infrage gestellt, so müssen sie nicht aufgegeben werden. Sie können als provisorische Ideen weiter verwendet werden, die in bestimmten Lebensbereichen eine Funktion erfüllen.

Die neuen Formulierungen sind vielleicht passendere oder präzisere Ausdrucksformen unserer Erfahrung als die alten, aber sie haben nicht das Ziel, die alten Sicherheiten durch neue zu ersetzen.

Sie führen einfach in ein offenes NICHTWISSEN, das von Moment zu Moment in Abhängigkeit von der gegebenen Situation formuliert werden kann. Zu solchen Situationen können dabei auch Fragen über die Natur der Erfahrung gehören.

Es gibt viele Wege, zu diesem offenen NICHTWISSEN zu gelangen. Das Demontieren unserer falschen Sicherheiten mittels Hinterfragen, wie es hier angeboten wird, ist nur einer davon.


Wenn unsere Aufmerksamkeit jetzt auf das weiße Papier hingelenkt würde, auf dem diese Worte geschrieben stehen, so würden wir jenes verblüffende Gefühl erleben, plötzlich einer Sache gewahr zu werden und gleichzeitig zu erkennen, dass es zu offensichtlich ist, um erwähnt zu werden. Und doch scheinen wir in dem Moment, da wir auf das Papier hingewiesen werden, etwas Neues zu erfahren.

Wir erleben die merkwürdig vertraute Erfahrung, dass wir einer Sache gewahr werden, deren wir tatsächlich schon gewahr waren. Wir werden gewahr, dass wir des Papiers gewahr sind.

Das Papier ist keine neue Erfahrung, die durch dieses Hinlenken unserer Aufmerksamkeit erst erschaffen wurde. Und doch scheint unser Gewahrsein des Papiers eine neue Erfahrung zu sein.

Nun, wie steht es mit dem Gewahrsein selbst, das des Papiers gewahr ist? Ist es nicht immer in und hinter jeder Erfahrung gegenwärtig, so, wie das Papier in und hinter den Worten auf dieser Seite gegenwärtig ist?

Und wenn unsere Aufmerksamkeit davon angezogen wird, haben wir dann nicht das gleiche merkwürdige Gefühl, dass unser Gewahrsein auf etwas gerichtet wurde, dessen wir immer schon gewahr waren, ohne es bemerkt zu haben?

Tatsache unserer Erfahrung, wesentlich für die und doch unabhängig von den speziellen Eigenschaften jeder einzelnen Erfahrung? So, wie das Papier die offensichtlichste Tatsache dieser Seite ist, wesentlich für und doch unabhängig von jedem einzelnen Wort?

Ist dieses Gewahrsein selbst nicht der Träger und die Substanz jeder Erfahrung, so wie das Papier der Träger und die Substanz jedes Wortes ist?

Muss dieser Seite etwas Neues hinzugefügt werden, damit wir das Papier sehen? Muss dieser momentanen Erfahrung etwas Neues hinzugefügt werden, damit wir des Gewahrseins gewahr werden, das Träger und Substanz dieser Erfahrung ist?

Wenn wir, nachdem wir das Papier bemerkt haben, zu den Worten zurückkehren, verlieren wir dann das Papier aus den Augen? Sehen wir nicht die beiden, die scheinbar zwei sind, gleichzeitig als eins? Und haben wir sie nicht bereits stets als eins erlebt, ohne es zu bemerken?

Und verlieren wir entsprechend jenes Gewahrsein aus den Augen, das wir in und hinter jeder Erfahrung bemerkt haben, wenn wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit wieder auf die objektiven Aspekte der Erfahrung richten? [„Objektiv“ meint der Autor in diesem Buch nicht im Sinne von „objektiver Berichterstattung“, sondern: bezogen auf die „Gegenstände“ von Erfahrung; und bei diesem Wort sollte man nicht nur materielle Gegenstände assoziieren! Anmerkung d. Verlags] Sehen wir die beiden, die scheinbar zwei sind, nun nicht gleichzeitig als eins? Und war es nicht immer schon so?

Beeinflussen die Worte das Papier? Ist dem Papier wichtig, was mit den Worten gesagt wird? Beeinflusst der Inhalt einer Erfahrung das Gewahrsein, in dem sie erscheint?

Jedes Wort auf dieser Seite ist tatsächlich nur aus Papier gemacht. Es drückt die Natur des Papiers aus, auch wenn das Wort vielleicht den Mond beschreibt.

Jede Erfahrung bringt nur GEWAHRSEIN oder BEWUSSTSEIN zum Ausdruck, auch wenn die Erfahrungen unendlich variieren.

GEWAHRSEIN oder BEWUSSTSEIN ist das offene NICHTWISSEN, auf das jede Erfahrung geschrieben wird.

Es ist so offensichtlich, dass es nicht bemerkt wird.

So nahe, dass es als Objekt nicht erkannt werden kann und doch immer bekannt ist.

So grundlegend, dass alle Erfahrungen, so winzig oder riesig sie auch sein mögen, völlig von dessen Präsenz gesättigt und durchdrungen sind.

So liebevoll, dass alles Vorstellbare bedingungslos darin aufgehoben ist.

So offen, dass es alles in sich aufnimmt.

So weit und grenzenlos, dass alles darin enthalten ist.

So gegenwärtig, dass jede einzelne Erfahrung in seiner Substanz schwingt.

Es ist nur dieses NICHTWISSEN, die Quelle, die Substanz und die Bestimmung jeglicher Erfahrung, auf die hier immer und immer wieder verwiesen wird.

Rupert Spira

Oktober 2008

Der Garten des Nichtwissens

Die abstrakten Konzepte des Verstandes oder Geistes können REALITÄT nicht erfassen, auch wenn sie Ausdruck von REALITÄT sind.

(Zur Erläuterung: Das Wort mind wird in diesem Buch in zwei Bedeutungen verwendet. Im vorausgehenden Satz gilt die erste Bedeutung, diese beinhaltet: a) Denken und Vorstellen, b) Spüren (bezogen auf körperliche Empfindungen) und c) Wahrnehmen, also Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Berühren, mittels derer die Welt ‚erkannt‘ wird. In dieser Bedeutung werden der Körper und die Welt als Projektionen des Geistes angesehen. Die zweite Bedeutung bezieht sich nur auf das Denken und die Vorstellungen. Meist ist die zweite Bedeutung gemeint, aber gelegentlich wird das Wort mind in seiner weiteren Bedeutung verwendet. Rupert Spira)

[Anmerkung des Übersetzers: Das englische Wort mind hat im Deutschen keine direkte, eindeutige Entsprechung. Wir verwenden hier in der Regel den Begriff „Geist“, der für die „geistigen Prozesse“ steht. Diese umfassen sowohl das, was wir als Verstand bezeichnen, als auch das, was im Wahrnehmen und Empfinden geschieht. Gelegentlich verwenden wir auch den Begriff „Verstand“, wenn die Ausführungen sich speziell auf diesen Aspekt beziehen.]

Dualität, die Polarisierung in Subjekt und Objekt, ist ein Bestandteil der Konzepte des Verstandes. Sprechen wir zum Beispiel vom ‚Körper‘, so beziehen wir uns auf ein Objekt, das wiederum ein Subjekt impliziert. Erforschen wir dieses Objekt, so entdecken wir, dass es als solches nicht existent und eigentlich nur eine ‚Empfindung‘ ist.

Allerdings ist auch ‚Empfindung‘ immer noch ein Objekt und weiteres Untersuchen zeigt, dass es aus ‚Empfinden‘ gemacht ist, sozusagen aus ‚geistigem Stoff‘ und nicht aus etwas Physischem.

Und dann entdeckt man, dass ‚Empfinden‘ wiederum aus ‚Wissen‘ oder ‚Erkennen‘ gemacht ist. Und wenn wir das erforschen, finden wir heraus, dass es aus BEWUSSTSEIN gemacht ist.

Wenn wir BEWUSSTSEIN untersuchen, stellen wir fest, dass es keine objektiven Qualitäten hat. Und doch ist es das, von dem wir zuinnerst wissen, dass wir es sind. Es ist das, was wir mit ‚Ich‘ bezeichnen.

Und wenn wir ‚Ich‘ erforschen, finden wir heraus, dass es gemacht ist aus …

Hier brechen die abstrakten Konzepte des Verstandes zusammen. Weiter kommen sie nicht. Es gibt keine angemessene Bezeichnung für das, in das sich der Verstand auflöst. Wir kommen zur äußersten Einfachheit direkter Erfahrung.

Diese Ent-Objektivierung ist der Prozess scheinbarer Rückbildung (Involution), durch den ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ seine Projektion des Körpers, des Geistes und der Welt zurückzieht und wieder entdeckt, dass es die eine Substanz der nahtlosen Totalität der Erfahrung ist.

‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘, die ABSOLUTE LEERE, in die der Geist zusammenbricht, projiziert sich dann selbst, in sich selbst, beschreitet wieder den Weg scheinbarer Objektivierung, um die Erscheinungen Geist, Körper und Welt erneut zu erschaffen.

‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ und doch manchmal als ‚ICH‘, ‚BEWUSSTSEIN‘, ‚SEIN‘, ‚PURES WISSEN‘ bezeichnet wird, nimmt die Form von Denken, Spüren oder Wahrnehmen an, um als ein Körper, ein Geist oder eine Welt zu erscheinen.

Dies ist der Prozess einer scheinbaren Evolution, durch den ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ einen Körper, einen Geist und eine Welt gebiert, ohne dabei jemals etwas anderes zu werden als es selbst.

Dieser Prozess von Evolution und Involution ist der Tanz der ‚EINSHEIT‘. ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ nimmt Gestalt an, löst sich wieder auf, vibriert in jeder Nuance von Erfahrung, geht in sich selbst auf, ist transparent, offen, leer und leuchtend.

Der Verstand versucht, die Modulationen dieser Leere zu beschreiben, die sich selbst als Fülle der Erfahrung manifestiert und deren Fülle sich selbst als Leere erkennt. Und er weiß, dass er damit eine Kerze in den Wind hält.

Der Verstand beschreibt die Namen und Formen, durch die sich ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ selbst aufteilt, um wie zwei oder wie viele zu erscheinen und um so die EINSHEIT von BEWUSSTSEIN/SEIN als BEWUSSTSEIN und SEIN erscheinen zu lassen.

Und der Verstand benutzt die gleichen Namen und Formen, um den scheinbaren Prozess zu beschreiben, durch den ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘ entdeckt, dass es nie zu etwas wird, dass es immer nur es selbst ist, es selbst ist, es selbst ist.

Jede der Aussagen hier ist lediglich vorübergehend wahr. Sie stimmt bezogen auf eine Aussage, ist aber falsch bezogen auf eine andere. Keine ist je absolut wahr.

Das Ziel jeder Aussage besteht darin, auf die Unrichtigkeit der vorangehenden hinzuweisen. Nur um dann darauf zu warten, selbst unmittelbar danach verworfen zu werden.

Jede Aussage ist ein Vermittler von WAHRHEIT, aber keine ist jemals wahr.

Der Geist (im weitesten Sinn des Wortes) besteht aus Konzepten und Erscheinungen. REALITÄT selbst kann er weder greifen noch begreifen.

Allerdings wird hier durch diesen Sprachgebrauch der Geist dafür verwendet, eher jene Erfahrung hervorzurufen, in der BEWUSSTSEIN sich selbst erkennt, als sie zu beschreiben.

In diesem Hervorrufen entsteht ein vorübergehender Ausdruck des ‚Das-was-nicht-benannt-werden-kann‘. Wie eine Blume, die einen Moment lang blüht und den Duft ihres Ursprungs im Garten des NICHTWISSENS verströmt.

Klar sehen

Diese Betrachtungen dienen lediglich dazu, die essenzielle Natur der Erfahrung klar zu sehen. Es wird nicht versucht, sie zu verändern oder zu manipulieren, einen glücklichen oder friedlichen Zustand hervorzurufen, sich von Leiden zu befreien oder die Welt zu verändern. Es geht nur um das klare Sehen der wahren Natur unserer gegenwärtigen Erfahrung.

Dieses klare Sehen ist kein intellektuelles Verstehen, auch wenn es vorübergehend in intellektuellen Begriffen formuliert wird, wo die aktuelle Situation das erfordert. Vielmehr ist es direktes, intimes und unmittelbares Erkennen unserer selbst: wie wir in der und als die formlose Weite der Präsenz ruhen und gleichzeitig in der Energie und Lebendigkeit jeder Geste, jeder Nuance von Körper, Geist und Welt tanzen.

Klar zu sehen, was ist, hat eine tiefe Wirkung auf das Erscheinungsbild von Körper, Geist und Welt. Allerdings ist das nicht Zweck dieser Untersuchung. Sie verfolgt keinen Zweck, kein Ziel.

Selbst das Ziel, klar zu sehen, stellt sich letztlich als zu viel heraus. Es ist nur ein Dorn zum Entfernen eines Dornes, und wenn selbst die letzte Spur des Werdens sich im Verstehen aufgelöst hat, so wird auch dies aufgegeben und nur SEIN verbleibt.

Meistens ist dieses Untersuchen allerdings ein Vorspiel für das Offenbaren des SEINS. Wir beginnen mit Erfahrung und halten uns an sie. Wir beginnen nicht mit einer Theorie, einem Modell, einer Landkarte oder einer Lehre, um dann zu versuchen, unsere Erfahrung an dieses Modell anzupassen. Überhaupt nichts wird als gegeben vorausgesetzt.

Wir beginnen mit Erfahrung, wir enden mit Erfahrung. Wir ermöglichen der nackten Klarheit der Erfahrung selbst, sich von der Bürde der Dualität zu befreien.

Wir betrachten einfach die Tatsachen der Erfahrung. „Stimmt dies für meine Erfahrung jetzt im Moment?“ Dies ist der einzige Bezugspunkt.

Die wenigen Kernüberzeugungen und vorgefassten Ideen, die wir über die Natur unserer selbst und die Natur der Welt haben, werden in dieser unvoreingenommenen Untersuchung offengelegt. Wir machen nichts mit diesen Überzeugungen. Wir versuchen nicht, sie zu zerstören, sondern wir wollen sie nur offenlegen.

Überzeugung und Zweifel sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Wenn eine Überzeugung aufgedeckt wird, so stellt sie sich entweder als richtig heraus (sie wird dann zur Tatsache und der implizite Zweifel ist somit aufgelöst) oder sie stellt sich als falsch heraus (Überzeugung und Zweifel finden dann ihr Ende).

Alle Gefühle und Verhaltensweisen, die auf dieser aufgedeckten Überzeugung beruhten, werden sich in angemessener Zeit ganz natürlich auflösen, da sie nicht länger von der Überzeugung genährt werden. Sie sterben an Vernachlässigung.

Diese Gefühle und Verhaltensweisen sind auf der Körperebene das Gegenstück zu den Überzeugungen und ihr Auflösen wird auf die gleiche Art erreicht. Was auf der Ebene des Geistes ein Abklären war, ist auf der Ebene des Körpers ein Erforschen.

Bei dieser Erforschung werden Gefühle und Verhaltensmuster aufgedeckt und dabei wird ihre Macht, zu trennen oder aufzuteilen, als nicht existent aufgezeigt. Trennung wird nicht nur als Illusion verstanden, sie wird als Illusion empfunden.

Die Gefühle, nicht länger von den Überzeugungen genährt, werden aufgedeckt und als das gesehen, was sie sind. Sie vergehen in der scharfen Präzision des klaren Sehens.

Das Auflösen von Überzeugungen und Gefühlen hat eine tiefgreifende Wirkung auf unser Leben, unsere Ideen, unsere Beziehungen, unsere Körper, unsere Arbeit, die Welt, einfach auf alles.

Und doch ist das Ziel dieses Abklärens und Erforschens nicht, etwas zu ändern. Das Ziel ist, klar zu sehen, was ist, und klares Sehen ist der Schrein, auf dem SEIN aufleuchtet.


Diese Art der Untersuchung ähnelt dem Anfertigen mehrerer MRT-Aufnahmen des gleichen Apfels. [MRT = Magnetresonanztomografie] Bei jeder Aufnahme liegt die Schnittebene im Apfel etwas anders, jede zeigt einen neuen Bereich, einen neuen Blickwinkel.

Der Apfel wird in diesem Prozess jedoch nie angerührt. Er bleibt immer, wie er ist, ganz, unberührt, unverändert, ungeteilt. Er scheint nur aufgeteilt zu werden und dieses scheinbare Aufteilen erlaubt ein vollständigeres Bild seiner wahren, ungeteilten Natur.

Genau so ist es mit unserer Erfahrung. Die Betrachtungen in diesem Buch sind wie MRT-Aufnahmen von unserer Erfahrung. Sie nähern sich der Erfahrung aus verschiedenen Richtungen an, öffnen sie, erforschen sie. Und doch bleibt unsere Erfahrung dabei immer eins.

Sie ist immer ein nahtloses, einheitliches Ganzes ohne Aufteilungen und ihre Natur ist immer reines BEWUSSTSEIN. Dies ist eine Erfahrungstatsache und es ändert sich nie, auch wenn wir denken, es wäre anders.

Die hier angewandte Art des Hinterfragens entstammt der Wahrheit direkter Erfahrung und führt daher dorthin zurück. Sie führt zur REALITÄT der Erfahrung, zur Erfahrung von BEWUSSTSEIN, das sich wissentlich oder bewusst selbst erkennt. Sie ist gleichzeitig rücksichtslos und sanft und äußerst einfach.

Manchmal wird diese Art des Hinterfragens als intellektuell und abstrakt angesehen und scheint wenig Verbindung mit unserer alltäglichen Erfahrung zu haben. Dies hat seine Ursache jedoch nur darin, dass unsere herkömmlichen, dualistischen Konzepte von der Natur der REALITÄT selbst so eng mit abstrakten und fehlerhaften Ideen verwoben sind, dass sie einer akribischen Dekonstruktion bedürfen.

Wird diese Herangehensweise als intellektuell und abstrakt angesehen, so wurde noch nicht erkannt, dass die Annahmen, die als normale Annahmen des gesunden Menschenverstandes betrachtet werden, selbst nur intellektuell und abstrakt sind – das heißt, sie haben mit den Tatsachen der Erfahrung wenig zu tun.

Am Ende dieses Buches wird hoffentlich klar sein, dass es tatsächlich unsere herkömmlichen Sichtweisen sind, die wenig mit unserer aktuellen Erfahrung von Moment zu Moment zu tun haben.

Und ich hoffe, dass im Kontrast dazu die hier formulierten Aussagen als einfache und offensichtliche Aussagen über die Natur unserer Erfahrung verstanden werden, soweit dies in den engen Grenzen unseres Geistes möglich ist.

So wird es zum Beispiel meist als unbestreitbare Tatsache des gesunden Menschenverstandes angesehen, dass der Körper und die Welt als physische Objekte in Raum und Zeit unabhängig und getrennt vom BEWUSSTSEIN existierten. Jeder Denkansatz, der andeutet, dass dies nicht der Fall sei, dass es vielleicht nur die Erfahrung von BEWUSSTSEIN gibt, das sich selbst in Objekten und als Objekte erkennt, wird manchmal als intellektuell und abstrakt angesehen.

Jedoch ist genau diese Idee selbst, dass der Körper und die Welt als Objekte in Raum und Zeit unabhängig und getrennt vom BEWUSSTSEIN existierten, intellektuell und abstrakt. Sie basiert nicht auf Erfahrung. Und die Idee, dass es nur die Erfahrung von BEWUSSTSEIN gibt, das sich selbst in Objekten und als Objekte erkennt, wird aus dem gleichen Grund zu einer selbstverständlichen, offensichtlichen und unbestreitbaren Tatsache der Erfahrung.

Physische Objekte erscheinen weiterhin, aber deren Erscheinen wird nicht länger mit REALITÄT verwechselt.

Es wäre sowieso ein Missverständnis, zu glauben, dass das Erscheinen von Objekten aufhören müsste, damit REALITÄT sich offenbaren könne. Es ist nur so, dass diese fehlerhafte Interpretation nicht länger der Erfahrung überlagert wird.

Der Körper und die Welt erscheinen weiterhin auf dieselbe Art, aber es wird klar gesehen, dass die Erfahrung, dass Körper und Welt erscheinen, gleichzeitig damit stattfindet, dass BEWUSSTSEIN um sich selbst weiß. Es ist die gleiche, es ist eine Erfahrung.

Die Erfahrung von BEWUSSTSEIN, wie es sich selbst wissentlich in allen Erscheinungen und als alle Erscheinungen erkennt, wird genauso offensichtlich und selbstverständlich wie zuvor die scheinbar offensichtliche und selbstverständliche Erfahrung, dass Objekte in Raum und Zeit existierten, unabhängig und getrennt von BEWUSSTSEIN.

Was wirklich und wahrhaftig ist

Das, was diese Worte sieht und versteht – was immer es auch sein mag –, das wird hier mit ‚BEWUSSTSEIN‘ bezeichnet. Es ist das, was wir unserer Erkenntnis nach sind, was wir mit ‚Ich‘ bezeichnen.

Alles, um was gewusst wird, um das wird durch BEWUSSTSEIN gewusst. Also ist alles, um was gewusst wird, nur so gut wie unser Wissen vom BEWUSSTSEIN.

Was wissen wir über BEWUSSTSEIN?

Wir wissen, BEWUSSTSEIN ist, und um alles wird von und mittels des Bewusstseins gewusst. Doch BEWUSSTSEIN selbst kann nicht Objekt dieses Wissens sein.

Hätte BEWUSSTSEIN irgendwelche objektiven Eigenschaften, die man erkennen könnte, so wäre Bewusstsein selbst das, was sich dieser Eigenschaften bewusst wäre, und es wäre somit unabhängig von ihnen. Daher können wir nichts Objektives über BEWUSSTSEIN wissen.

Wenn wir also nicht wissen, was BEWUSSTSEIN ist, was ‚ich‘ bin, aber wissen, dass es ist, und wenn alles, was wir erfahren, vom oder durch dieses wissende BEWUSSTSEIN gewusst wird, wie können wir wissen, was irgendetwas wirklich ist?

Alles, was wir sicher über ein Objekt wissen können, ist, dass es ist, und diese Eigenschaft von „Ist-heit“ wird hier mit SEIN oder EXISTENZ bezeichnet. Es ist jener Teil unserer Erfahrung, der real ist, der Bestand hat, der keine flüchtige Erscheinung ist. Daher wird dieser Teil auch als Realität der Erfahrung bezeichnet.

Wir wissen, dass BEWUSSTSEIN gerade anwesend ist, und wissen, dass, was auch immer gerade erfahren wird, existiert. Es hat EXISTENZ.

Wenn wir denken, dass wir etwas Objektives über uns oder die Welt wissen, dann wird das, von dem wir denken, dass wir es wissen, unsere weiteren Untersuchungen der Natur der Wahrnehmung beeinflussen. Also müssen wir, bevor wir wissen, was etwas ist, sofern dies überhaupt möglich ist, zunächst verstehen, dass wir nicht wissen, was irgendetwas wirklich ist.

Daher hat das Abklären unserer eigenen Natur und der Natur der Welt der Objekte anfänglich mehr damit zu tun, tief verankerte Ideen und Vorstellungen darüber offenzulegen, wie unserer Meinung nach die Dinge sind, als damit, neues Wissen anzusammeln. Es geht um das Aufdecken unserer falschen Sicherheiten.

Wird erst einmal eine Vorstellung, die wir als Tatsache angesehen haben, als Vorstellung aufgedeckt, so fällt sie auf ganz natürliche Art fort. Ob mehr erreicht werden muss als das Aufdecken unserer falschen Ideen über die Natur der Dinge, wird sich noch zeigen. Das können wir nicht wissen, solange nicht alle falschen Ideen entfernt wurden.

Viele unserer Ideen und Vorstellungen über uns selbst und die Welt sind so tief verwurzelt, dass wir ihrer nicht als Vorstellungen gewahr sind, sondern sie, ohne sie zu hinterfragen, als absolute Wahrheiten hinnehmen.

So nehmen wir zum Beispiel an, dass wir ein Körper seien, ein Mann oder eine Frau, und dass wir geboren seien und sterben würden. Wir denken, dass wir ein Wesen unter unzählbaren anderen Wesen seien und dass dieses Wesen seinen Sitz irgendwo im Körper habe, meistens hinter den Augen oder im Brustbereich.

Wir denken, dass wir das Subjekt unserer Erfahrung seien und alle anderen und alles andere das Objekt. Wir denken, dass wir, als dieses Subjekt, die Ausführenden unserer Handlungen, die Denker unserer Gedanken, die Fühlenden unserer Gefühle, die Entscheider bei unseren Entscheidungen seien. Wir glauben, dass dieses Wesen, als das wir uns betrachten, in manchen Bereichen der Erfahrung die freie Wahl habe und in anderen Bereichen nicht.

Wir glauben, dass Raum und Zeit tatsächlich erfahren würden, dass sie vor uns existierten und weiter existieren werden, wenn wir gestorben sind.

Wir denken, dass Objekte unabhängig davon existierten, dass sie wahrgenommen werden, dass BEWUSSTSEIN etwas Persönliches und Begrenztes sei, ein Nebenprodukt des Geistes, und dass der Geist ein Nebenprodukt des Körpers sei.

Diese Vorstellungen und viele weitere werden als so offensichtlich wahr angesehen, dass es gar nicht notwendig erscheint, sie zu hinterfragen. Sie alle zusammen ergeben eine Religion des Materialismus, der sich die große Mehrheit der Menschheit verschreibt. Besonders überraschend ist dies in den Bereichen des Lebens, die vorgeben, sich explizit mit Fragen zur Natur von REALITÄT zu beschäftigen, wie zum Beispiel Religion, Philosophie und Kunst.

Der einzig verfügbare Bereich für Untersuchungen ist Erfahrung. Das scheint zu offensichtlich, um es zu erwähnen, aber die Folgerungen reichen tief. Es impliziert, dass wir nie etwas außerhalb von Erfahrung erfahren. Falls es etwas außerhalb von Erfahrung gibt, haben wir absolut kein Wissen darüber und somit auch keine Berechtigung anzunehmen, dass es existiert.

Dies wiederum bedeutet, dass wir, wenn wir eine aufrichtige Untersuchung der Natur von REALITÄT vornehmen wollen, alle Vorannahmen verwerfen müssen, die nicht aus direkter Erfahrung hergeleitet sind; derartige Vorannahmen bezögen sich nämlich nicht auf die Erfahrung selbst und daher auch nicht auf uns selbst oder die Welt. Wenn wir aufrichtig bei unserer Erfahrung bleiben, werden wir überrascht bemerken, wie viele unserer Annahmen und Voraussetzungen sich als unhaltbare Vorstellungen herausstellen.

Jegliche Erfahrung findet hier und jetzt statt, also muss die Natur von REALITÄT, was immer dies ist, in der Intimität und Unmittelbarkeit der momentanen Erfahrung gegenwärtig sein.

‚ICH‘, BEWUSSTSEIN, ist gegenwärtig und irgendetwas, was immer es auch sei – diese Worte, Verkehrsgeräusche, ein Gefühl von Traurigkeit –, ist ebenfalls gegenwärtig.

Wir wissen nicht, was dieses Bewusstsein ist. Und auch nicht, was die REALITÄT dieser Worte oder der momentanen Erfahrung ist. Allerdings ist da das BEWUSSTSEIN von ‚etwas‘ und da ist die EXISTENZ von diesem ‚etwas‘. Beide sind in der momentanen Erfahrung gegenwärtig.

In welcher Beziehung stehen die beiden?


Der Verstand, als Teil des Geistes, hat ein machtvolles Geflecht von Konzepten über REALITÄT aufgebaut, das wenig mit tatsächlicher Erfahrung zu tun hat. Als Folge hat BEWUSSTSEIN sich vor sich selbst verborgen. Diese Konzepte wurden vom Verstand erschaffen und daher ist ihre Dekonstruktion eine der Methoden, mittels derer BEWUSSTSEIN wieder dahin kommt, sich selbst zu erkennen – das heißt, sich selbst wieder zu kennen.

BEWUSSTSEIN weiß immer um sich selbst. Durch dieses Dekonstruieren von Konzepten gelangt BEWUSSTSEIN allerdings dahin, nicht durch den reflektierten Schleier scheinbarer Objekte um sich zu wissen, sondern wissentlich, bewusst und direkt.

In diesem Prozess werden die Konzepte nicht zerstört. Sie stehen nach wie vor zur Verfügung, falls sie benötigt werden.

Die Betrachtungen in diesem Buch berücksichtigen, dass der Zweck der hier gezogenen Schlussfolgerungen nicht darin besteht, einen Rahmen oder ein Verständnis für REALITÄT zu schaffen. Allerdings berücksichtigen sie auch, dass der Verstand komplexe und überzeugende Ideen konstruiert hat, die ein Bild unserer selbst und der Welt postulieren, das weit von den Tatsachen unserer Erfahrung entfernt ist.

Diese Ideen haben uns davon überzeugt, dass es eine Welt gibt, die getrennt und unabhängig vom BEWUSSTSEIN existiert. Und sie haben uns dazu bewegt, anzunehmen, dass ‚ICH‘, das BEWUSSTSEIN, das diese Worte sieht, ein Wesen sei, das im Körper wohne, dass es geboren worden sei und sterben werde. Und dass es das Subjekt der Erfahrung sei, während alles andere, die ‚Welt‘, ‚anderes‘, das Objekt sei.

Auch wenn das nie unserer tatsächlichen Erfahrung entspricht, so ist doch der Verstand so überzeugend, dass wir uns selbst betrügen und denken, dass wir wirklich diese beiden Elemente erleben: die Welt getrennt und separat von unserem SELBST und unser SELBST als getrenntes und unabhängiges BEWUSSTSEIN.

In der unvoreingenommenen Betrachtung unserer Erfahrung wägen wir die Tatsachen unserer Erfahrung gegen diese Ideen ab.

Die Ideen, die der Verstand, ein Teil des Geistes, von der Natur der REALITÄT, von der Natur der Erfahrung hat, werden in dieser unvoreingenommenen Betrachtung als nicht zutreffend offengelegt.

Alle spirituellen Traditionen bestätigen, dass REALITÄT nicht mit dem Verstand erfasst werden kann. Als Ergebnis dieses Verständnisses bestreiten einige Lehren, dass der Verstand ein zulässiges Instrument des Hinterfragens oder Erforschens darstelle.

Es trifft zu, dass BEWUSSTSEIN jenseits des Verstandes ist und daher mit dessen abstrakten Konzepten nicht erfasst werden kann. Aber dies entwertet keineswegs den Nutzen des Verstandes bei dem Bemühen, die Natur von BEWUSSTSEIN und REALITÄT zu erforschen.

Ignoranz besteht aus Vorstellungen und Vorstellungen sind bereits eine Aktivität des Verstandes. Wenn wir die Zulässigkeit des Verstandes leugnen, warum sollten wir ihn dann verwenden, um Vorstellungen zu beherbergen?

Indem wir diese Worte lesen, stimmen wir bewusst oder unbewusst zu, dass wir die Zulässigkeit des Verstandes sowie seine Begrenzungen akzeptieren.

Wir betrachten den Verstand trotz seiner Begrenzungen als glaubwürdig. Wir würdigen seine Fähigkeit, mitzuhelfen, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was jenseits von ihm selbst oder außerhalb der Sphäre unseres Wissens ist.

Es wäre unaufrichtig, den Verstand zu verwenden, um seine eigene Zulässigkeit zu leugnen. Dass wir den Verstand nutzen, bestätigt seine Zulässigkeit. Und es ist etwas anderes, den Verstand zu nutzen, um seine Grenzen zu verstehen.

Am Ende eines Prozesses, in dem die Natur der Erfahrung erforscht wird und bei dem der Verstand seine Fähigkeiten des konzeptuellen Denkens voll eingesetzt hat, kann es gut sein, dass der Verstand die Grenzen seiner Fähigkeit, Wahrheit zu erfassen, erkennt und, als Resultat, spontan zu einem Ende kommt. Dass er, sozusagen, von innen heraus zusammenbricht.

Aber dies ist eine ganz andere Situation, als wenn dem Verstand jegliche (auch eine vorübergehende) Glaubwürdigkeit abgesprochen würde, und zwar auf der Grundlage, dass nichts, was er über REALITÄT äußere, letztlich wahr sein könne.

Das Offenlegen von Überzeugungen und Gefühlen, die vorgefassten, unbegründeten Vorstellungen über REALITÄT entspringen, eröffnet eine neue Herangehensweise, eine weitere Möglichkeit.

Diese Möglichkeit kann nicht vom Verstand erfasst werden, da sie jenseits des Verstandes liegt. Aber die Hindernisse auf dem Weg dorthin werden in dieser Untersuchung offengelegt und aufgelöst.

Sie werden aufgelöst, indem wir offen sind für die Möglichkeit, dass wir in diesem Moment tatsächlich nur eine Sache erfahren, dass Erfahrung nicht aufgeteilt ist in ‚ich‘ und ‚anderes‘, in Subjekt und Objekt, das Ich und die Welt, BEWUSSTSEIN und EXISTENZ.

Wir sind offen für die Möglichkeit, dass es nur ein einziges, nahtloses Ganzes gibt, dass BEWUSSTSEIN und EXISTENZ eins sind, dass es nur eine REALITÄT gibt.

Das Flechtwerk dualistischer Ideen, das durch Erfahrung bestätigt zu werden scheint, ist geschickt konstruiert, es beinhaltet Überzeugungen auf der Ebene des Geistes und Gefühle auf der Ebene des Körpers. Sie alle sind dicht ineinander verwoben und begründen und bestätigen sich gegenseitig.

Durch die unvoreingenommene Betrachtung dieser Ideen und Gefühle wird das Geflecht entwirrt. Wir sehen klar, dass unsere Ideen nicht mit unserer Erfahrung übereinstimmen. Das bahnt den Weg dafür, dass Erfahrung sich so zeigen kann, wie sie wirklich ist und wie sie immer ist, frei von der Ignoranz dualistischen Denkens.

Wir beginnen, uns und die Welt so zu erfahren, wie sie wirklich sind.

Unsere Erfahrung selbst ändert sich nicht, aber wir spüren, dass sich etwas ändert. REALITÄT bleibt so, wie sie immer ist, denn sie ist, was sie ist, unabhängig von unseren Ideen über sie.

Aber unsere Interpretation ändert sich und diese neue Interpretation wird zum Grundstein einer neuen Möglichkeit.

Diese neue Möglichkeit kommt aus einer unbekannten Richtung. Sie kommt nicht als ein Objekt, nicht als Gedanke, nicht als Gefühl. Sie wird meist durch eine Reihe von Enthüllungen offenbart, von denen jede Teile des früheren Flechtwerks dualistischen Denkens demontiert.

Und die Entwicklung dieser Enthüllung hat wiederum einen tiefen Einfluss auf das Erscheinen von Körper, Geist und Welt.


BEWUSSTSEIN verschleiert sich vor sich selbst, indem es vorgibt, sich auf ein separates Wesen zu beschränken, und dann vergisst, dass es dies nur vorgibt.

Als Folge dieser Selbstbeschränkung projiziert BEWUSSTSEIN alles, was nicht dieses ‚separate Selbst‘ ist, nach außerhalb seiner selbst. Diese Projektion ist das, was wir ‚die Welt‘ nennen. So wird die Trennung zwischen ‚ich‘ und ‚die Welt‘ geboren.

In Wirklichkeit hat diese Trennung nie stattgefunden. Suchen wir nach ihr, so können wir sie nie finden. Ignoranz ist eine Illusion. Es ist eine Illusion, die durch die konzeptuellen Kräfte des Verstandes, durch falsche Vorstellungen eingehämmert wird.

Diese Vorstellungen werden durch einen Prozess irregeführten Denkens erschaffen und aufrechterhalten, der keine Beziehung zur tatsächlichen Erfahrung aufweist. Das Auflösen dieser Vorstellungen wird erreicht, indem sie erforscht und aufgedeckt werden. Dabei dient direkte Erfahrung als Vergleichsmaßstab.

In diesem Prozess des Erforschens wird nichts Neues erschaffen. Das Ziel besteht nicht in Erleuchtung oder Selbstverwirklichung. Es besteht einfach darin, klar zu sehen, was ist.

Unsere Vorstellungen und Ideen sind die Wurzeln psychischen Leidens und werden durch einen Prozess kontemplativer Untersuchung demontiert.

Was wir im Allgemeinen als eine Untersuchungsreihe ansehen, beginnt mit Annahmen, die als in sich wahr gelten. In dieser Betrachtung beginnen wir mit den gleichen Annahmen, messen sie aber an der Wahrheit unserer Erfahrung. Wir bauen nicht auf ihnen auf, sondern wir zerlegen oder dekonstruieren sie.

Dieses Vorgehen führt zu einem Verstehen, das nicht im Verstand stattfindet. Es ist jenseits des Verstandes. Es ist ein Moment, in dem BEWUSSTSEIN sich selbst direkt und wissentlich erfährt.

Verstehen wird genau so wenig durch einen Prozess im Verstand herbeigeführt wie blauer Himmel durch Löcher in der Wolkendecke. Und es kann doch dadurch offenbart werden.

Dem Verstehen gehen oft eine Reihe von Untersuchungen voraus und später kann das Verstehen durch den Verstand formuliert werden. Eine derartige Formulierung, die dem Verstehen entspringt und nicht den Konzepten, hat die Kraft, uns zur Erfahrung der REALITÄT zu führen.

Durch die Kraft seines logischen Denkens wird der Verstand an seine eigenen Grenzen gebracht und als Resultat bricht das Gebäude des Verstandes zusammen. Dies ist die Erfahrung des Verstehens, der zeitlose Moment, in dem BEWUSSTSEIN sich selbst offenbart wird.

BEWUSSTSEIN nimmt sich selbst wahr. Es kennt sich selbst wissentlich.

Alles fügt sich zusammen

ICH, dieses BEWUSSTSEIN, das diese Worte sieht und das erfährt, was auch immer in diesem Moment erfahren wird, ist nicht in einem Geist angesiedelt. Der Geist ist nicht in einem Körper angesiedelt und der Körper nicht in einer Welt.

Der Körper ist lediglich die Empfindung des Körpers und die Welt ist lediglich die Wahrnehmung der Welt.

Entfernen Sie Empfinden und Wahrnehmen von der Erfahrung des Körpers und der Welt. Welche ihrer objektiven Eigenschaften verbleiben dann? Keine!

Empfindungen und Wahrnehmungen sind aus Geist gemacht – das bedeutet, sie sind aus Empfinden und Wahrnehmen gemacht.

Keine weitere Substanz außer Empfinden und Wahrnehmen ist an ihnen beteiligt.

Gäbe es eine weitere Substanz, unabhängig von Empfinden und Wahrnehmen, aus der der Körper und die Welt bestünde, so bliebe diese Substanz übrig, nachdem Empfinden und Wahrnehmen zurückgezogen wären.

Aber nichts Objektives verbleibt von der Erfahrung des Körpers und der Welt, nachdem Empfinden und Wahrnehmen abgezogen worden sind.

Wenn wir uns die Substanz des Geistes, die Substanz des Empfindens und Wahrnehmens, mit voller Klarheit anschauen, bemerken wir, dass diese nichts anderes ist als das BEWUSSTSEIN, in dem sie erscheint.

Gäbe es eine andere Substanz außer BEWUSSTSEIN, aus der der Geist bestünde, so bliebe diese Substanz übrig, nachdem das BEWUSSTSEIN von der Erfahrung des Geistes abgezogen wäre. Aber nachdem BEWUSSTSEIN vom Geist zurückgezogen worden ist, verschwindet der Geist völlig und nur BEWUSSTSEIN bleibt zurück.

Der Geist, der Körper und die Welt sind im BEWUSSTSEIN angesiedelt und nur aus BEWUSSTSEIN gemacht. Das ist unsere Erfahrung.

Dies ist keine neue Erfahrung, zu der man durch Untersuchung oder Meditation gelangt. Dies war schon immer unsere Erfahrung. Wir haben sie vielleicht nur nicht bemerkt. Beim Meditieren bemerken wir einfach, dass dies schon immer und auch jetzt so ist.


Versuchen wir, das wahrnehmende BEWUSSTSEIN als Objekt wahrzunehmen, so merken wir, dass dies unmöglich ist.

Nehmen wir als Analogie zum BEWUSSTSEIN den physikalischen Raum, also das, was alles beinhaltet. Stellen wir uns vor, dass dieser Raum, so wie BEWUSSTSEIN, bewusst ist, gewahr ist, dass er die Fähigkeit besitzt, wahrzunehmen, zu sehen, zu erfahren. Dass es ein ‚wahrnehmender Raum‘ ist.

Stellen Sie sich nun vor, was dieser Raum wahrnehmen würde, wenn er nach sich selbst Ausschau hielte, wenn er also versuchte, sich selbst anzuschauen.

Er sähe nichts Objektives, denn Raum kann nicht wahrgenommen werden. Er ist leer, transparent, farblos und unsichtbar. Dieser ‚wahrnehmende Raum‘ wäre sich selbst zu nahe, als dass er sich sehen könnte.

Der Raum, nach dem Ausschau gehalten wird, ist der Raum, der Ausschau hält.

Nur ein Objekt kann objektiv, als Gegenstand wahrgenommen werden; also sähe dieser wahrnehmende Raum nur die Objekte, die in ihm enthalten sind, aber nicht den Raum selbst.

Nun haben wir aber angenommen, dass dieser Raum, genau wie BEWUSSTSEIN, mit der Fähigkeit des Erfahrens ausgestattet ist, dass es ein ‚erfahrender Raum‘ ist. Also ist es nicht nötig, dass er nach sich selbst Ausschau hält, da er sich per Definition bereits selbst wahrnimmt. Er erfährt sich bereits selbst, weil dies das ist, was er ist. Seine Natur ist das ‚Erfahren‘.

Er selbst zu sein ist das Wissen um sich selbst oder das Erfahren seiner selbst.

Aber die Erfahrung des ‚Sich-selbst-Erfahrens‘ ist farblos, transparent und unsichtbar. Sie hat keine objektiven Eigenschaften. Es gibt nichts, was objektiv erfahren wird.

Und da dieser bewusste Raum daran gewöhnt ist, ‚Objekte‘ zu erfahren, deutet er diese ‚nicht-objektive‘ Erfahrung seiner selbst, diese farblose, transparente, unsichtbare Erfahrung, als ‚Nicht-Erfahrung‘. Er glaubt, dass er selbst, dieser bewusste Raum, nicht gegenwärtig sei.

An dieser Stelle hat der Raum drei Wahlmöglichkeiten:

Die erste ist, nach sich selbst als objektiver Erfahrung zu suchen, ohne zu verstehen, dass er sich bereits selbst erfährt und sich daher niemals irgendwo anders finden kann.

Die zweite Möglichkeit ist, sich mit einigen der gegenwärtigen Objekte zu identifizieren und so das Gefühl von Identität zu befriedigen, das ihm innewohnt. Dabei verwechselt er seine eigene Identität mit der eines Objekts.

Die dritte ist, klar zu sehen, dass er bereits nur sich selbst erfährt und dass dies schon immer so war.


Was auch immer gesehen oder wahrgenommen wird, ist ein Objekt, ein Objekt des Geistes, des Körpers oder der Welt.

Was auch immer wahrgenommen wird, ist nicht dieses wahrnehmende BEWUSSTSEIN. Es ist ein Objekt, das dem wahrnehmenden BEWUSSTSEIN erscheint und das in ihm erscheint.

Wenn BEWUSSTSEIN nicht als ein Objekt wahrgenommen werden kann, woher wissen wir dann, dass es eine Beschränkung hat?

Erfahren wir eine Beschränkung dieses wahrnehmenden BEWUSSTSEINS?

Es ist unmöglich, eine Beschränkung des BEWUSSTSEINS zu erfahren, denn eine derartige Beschränkung hätte definitionsgemäß objektive Eigenschaften.

Eine solche scheinbare Beschränkung müsste ein Objekt sein und erschiene somit, wie alle Objekte, selbst im BEWUSSTSEIN. BEWUSSTSEIN wäre dieser Beschränkung gewahr, aber nicht durch sie definiert.

Jedes Objekt, das im BEWUSSTSEIN erscheint, teilt uns nichts anderes über BEWUSSTSEIN mit, als dass BEWUSSTSEIN gegenwärtig und gewahr ist, dass es ist. So, wie ein Stuhl uns mitteilt, dass der Raum, in dem er erscheint, gegenwärtig ist.

Daher haben wir keine tatsächliche Erfahrung einer Beschränkung des BEWUSSTSEINS.

Und wenn es keinen auf Erfahrung basierenden Beleg dafür gibt, dass BEWUSSTSEIN einer Beschränkung unterliegt, wie kommen wir dann darauf, anzunehmen, dass es persönlich sei? Warum denken wir, dass wir, als BEWUSSTSEIN, ein individuelles Wesen in einem Körper seien?

Gedanken haben Beschränkungen. Körper haben Beschränkungen. Die Welt hat Beschränkungen. Aber es gibt keinen auf Erfahrung beruhenden Beleg für die Idee, dass BEWUSSTSEIN, in dem Geist, Körper und Welt erscheinen, Beschränkungen hätte oder persönlich wäre.

Wenn wir behaupten, dass BEWUSSTSEIN Beschränkungen habe, so muss es, per Definition, eine Erfahrung dieser Beschränkungen geben und somit eine Erfahrung dessen, was außerhalb dieser Beschränkungen existiert, dessen, was BEWUSSTSEIN eingrenzt.

Wie aber könnten wir die Erfahrung eines derartigen Objekts haben, wenn dieses Objekt selbst außerhalb der Schranken des BEWUSSTSEINS läge? Wie könnten wir uns eines Objekts jenseits des BEWUSSTSEINS bewusst sein?

BEWUSSTSEIN ist Voraussetzung für jede Erfahrung und es ist daher, per Definition, unmöglich, etwas außerhalb von BEWUSSTSEIN zu erfahren. Und wenn wir ein derartiges Objekt nicht erfahren, wie können wir dann behaupten, dass irgendetwas außerhalb von BEWUSSTSEIN existiert?

Wir haben keine Erfahrung, dass etwas außerhalb von BEWUSSTSEIN existiert, und daher haben wir keine Erfahrung eines begrenzten oder persönlichen BEWUSSTSEINS.

BEWUSSTSEIN ist transparent, farblos, selbstleuchtend, selbsterfahrend, selbsterkennend, selbstverständlich. Dies ist unsere Erfahrung in diesem Moment.

BEWUSSTSEIN ist ALLGEGENWÄRTIGKEIT, weil es nichts gibt, wo BEWUSSTSEIN nicht ist. Nicht, dass BEWUSSTSEIN überall wäre. Sondern ‚überall‘ ist im BEWUSSTSEIN.

BEWUSSTSEIN ist PURES WISSEN, weil alles, was gewusst wird, durch und mittels des BEWUSSTSEINS gewusst wird. Es weiß alles, was gewusst wird.

Es ist ALLMÄCHTIGKEIT, weil alles, was erscheint, in seiner EXISTENZ nur von BEWUSSTSEIN abhängig ist. Was immer erscheint, entsteht aus BEWUSSTSEIN, wird durch BEWUSSTSEIN aufrechterhalten und in BEWUSSTSEIN aufgelöst. BEWUSSTSEIN erschafft alles aus seinem eigenen Sein heraus.


BEWUSSTSEIN kann nicht durch den Geist erkannt werden. Der Geist ist ein Objekt. Er weiß nichts. Vielmehr gilt umgekehrt: BEWUSSTSEIN weiß um den Geist.

Daher kann BEWUSSTSEIN nicht vom Geist beschrieben werden. Die Bilder und Metaphern, die hier in diesen Betrachtungen verwendet werden, sind keine Beschreibungen des BEWUSSTSEINS. Sie sind ein Hervorrufen des BEWUSSTSEINS.

Sie sind ein Hervorrufen der nicht-objektiven Erfahrung des BEWUSSTSEINS, wie es um sich selbst weiß, sich selbst erkennt, sich an sich selbst erinnert. Sie sind Einladungen von BEWUSSTSEIN an BEWUSSTSEIN, wissentlich oder bewusst es selbst zu sein.

Wenn wir keine Erfahrung von Grenzen oder Beschränkungen des BEWUSSTSEINS haben und keine Erfahrung eines persönlichen BEWUSSTSEINS, woher wissen wir dann, dass das BEWUSSTSEIN ‚in Ihnen‘ und das BEWUSSTSEIN ‚in mir‘ verschieden sind? In unserer Erfahrung gibt es keinen Beleg dafür, dass sie unterschiedlich sind, noch einen Beleg dafür, dass es mehr als ein BEWUSSTSEIN gibt.

Der Geist kann nichts vom BEWUSSTSEIN wissen und doch ist gleichzeitig alles, was durch den Geist gewusst wird, das PURE WISSEN des BEWUSSTSEINS.

BEWUSSTSEIN kann sich selbst nicht in den Grenzen des Geistes definieren, auch wenn alles, was im Geist erscheint, Ausdruck des BEWUSSTSEINS ist.

Im Zuge unserer Untersuchung gelangen wir zu dem Verständnis, dass es keinen auf Erfahrung basierenden Beleg für ein separates, persönliches, begrenztes BEWUSSTSEIN gibt. Weiter kann der Geist nicht gehen.

Indem wir zu dieser tiefen Überzeugung gelangen, öffnen wir uns für eine andere, weitere Möglichkeit, die Möglichkeit, dass es nur ein BEWUSSTSEIN gibt. Wir erproben diese neue Möglichkeit in unserem Leben, experimentieren mit ihr und die Antwort, die wir vom Universum in unserer tatsächlichen Erfahrung erhalten, ist die Bestätigung dieser Möglichkeit.

Und während diese Überzeugung tiefer und tiefer wird, wird die Bestätigung durch das Universum immer offensichtlicher. Alles fügt sich zusammen.

Wie bei einer Landschaft, die sich ohne unser Zutun allmählich aus dem Nebel schält, so wird es ohne unser Zutun immer offensichtlicher, dass wir, BEWUSSTSEIN, immer nur unser eigenes, unbegrenztes SELBST erlebt haben und dass die Erfahrung der Welt die Offenbarung unseres eigenen, unbegrenzten und ewigen SEINS ist.


Das Beste, was der Geist (zu dem auch der Verstand gehört) unternehmen kann, ist, seine eigenen Grenzen zu erforschen und so zu dem Schluss zu gelangen, dass er weder weiß noch wissen kann, was irgendetwas wirklich ist.

Allerdings ist dies nur eine sprachliche Umschreibung. Es gibt keinen Verstand, keinen Geist. Der Geist ist nur der momentane Gedanke, wenn es einen momentanen Gedanken gibt. Und ein momentaner Gedanke kann nichts tun oder erforschen, genauso wenig, wie ein Laternenpfahl etwas tun oder erforschen kann.

Wenn wir sagen, dass der Geist seine eigenen Grenzen erforschen könne, so verwenden wir konventionelle, dualistische Sprache. Es sollte aber daraus nicht der Schluss gezogen werden, dass die impliziten dualistischen Vorannahmen, die in unserer Sprache eingebettet sind, hier stillschweigend geduldet werden.

Sagen wir, dass der Geist seine eigenen Grenzen erforschen könne, so sagen wir tatsächlich, dass BEWUSSTSEIN, das PURE WISSEN, welches BEWUSSTSEIN ist, die Gestalt abstrakten Denkens annimmt und mittels dieser Gestalt die eigene Fähigkeit erforscht, sich selbst in den abstrakten Begriffen der Gedanken zu repräsentieren.

Und dabei entdeckt es, dass die abstrakten Konzepte des Geistes nicht seine direkte, vertraute Erfahrung seiner selbst repräsentieren.

Es ist das Forschen und anschließende Entdecken, dass BEWUSSTSEIN durch den Geist, durch Denken weder gefunden noch repräsentiert werden kann, was diese Suche nach sich selbst im Geist wirklich zu Ende gehen lässt.

Und während der Geist im Suchen und Denken zu einem Ende kommt, wird das offenbart, was als Träger und Substanz des Geistes allgegenwärtig ist.

Dies ist die Erfahrung des Verstehens. Sie ist eine ‚nicht-objektive‘ Erfahrung und somit zeitlos.

Allerdings wird diese Entdeckung nicht durch das Verstummen des Geistes verursacht, ebenso wenig wie Licht durch Beenden von Dunkelheit verursacht wird. Es ist die Argumentationskette, die den Geist zu seinem natürlichen Ende führt, und während der Geist sich auflöst, wird das, was versteht, offenbart.

Während des Erscheinens des Geistes ist ‚Das-was-allgegenwärtig-ist‘ die Substanz dieser Erscheinung und gleichzeitig scheinbar als jene Erscheinung verkleidet. In diesem Fall erkennt BEWUSSTSEIN sich selbst nicht.

Sobald jedoch dieses Verstehen, diese SELBSTERKENNTNIS erst einmal stattgefunden hat, braucht BEWUSSTSEIN sich nicht mehr länger während des Erscheinens des Geistes (oder des Körpers oder der Welt) zu vergessen. Es erkennt sich selbst in und als die Aktivitäten des Geistes und auch in der Abwesenheit des Geistes.

Wodurch diese SELBSTERKENNTNIS hervorgebracht wird, ist ein Mysterium. Es ist so, als würde man in einen Spiegel schauen und ausrufen: „Oh, das bin ich!“

In dieser SELBSTERKENNTNIS entsteht das gefühlte Verstehen, dass BEWUSSTSEIN schon immer nur sich selbst erfahren hat. Es wird offensichtlich, dass keine neue Erfahrung stattgefunden hat.

Es wird verstanden, dass diese Erfahrung, sich selbst zu kennen, schon immer stattgefunden hat und dass es auch immer schon nur diese Erfahrung war, die stattfand. Und dass es daher keinen Sinn ergibt, einer Erfahrung, die schon immer gegenwärtig war, eine Ursache zuzuschreiben.

Nach einer Ursache dieser SELBSTERKENNTNIS zu suchen ist, genau wie die Suche nach ihrer Begründung, in sich selbst ein Leugnen der SELBSTERKENNTNIS. Und dieses Leugnen stellt wiederum gleichzeitig die Gestalt dar, die jene allgegenwärtige SELBSTERKENNTNIS zu diesem Zeitpunkt annimmt.

Wie kann man sagen, dass das, was die Grundlage, die Ursache aller Dinge ist, eine Ursache habe? Was könnte die Ursache für BEWUSSTSEIN sein, wenn jeder potenzielle Kandidat für eine solche Ursache selbst durch BEWUSSTSEIN verursacht ist?

BEWUSSTSEIN ist seine eigene Ursache. Das ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass es ohne Ursache ist.

Verweilen, wie wir sind

Meditation besteht einfach darin, als das zu verweilen, was man ist.

Wir bleiben, wie wir sind, und erlauben dem Geist und der Welt zu erscheinen und zu verschwinden, ohne uns dabei einzumischen. Wenn Einmischen stattfindet, so wird dies als Teil der Aktivitäten des Geistes verstanden und es wird erlaubt, dass dies so ist, wie es ist.

Unsere objektive Erfahrung besteht aus Gedanken und Bildern, die wir als den Geist bezeichnen, aus Empfindungen, die wir Körper nennen, und aus Sinneswahrnehmungen, die wir als die Welt bezeichnen. Dabei werden ein Geist, ein Körper, eine Welt als solche nicht erfahren. Wir erfahren Denken, Fühlen und Wahrnehmen.

Genau genommen nehmen wir nur unsere Wahrnehmungen wahr. Wir haben keinen Beweis, dass eine Welt außerhalb unserer Wahrnehmung einer Welt existiert. Wir nehmen keine Welt ‚da draußen‘ wahr. Wir nehmen unsere Wahrnehmung der Welt wahr und jegliche Wahrnehmung geschieht im BEWUSSTSEIN.

Beim Meditieren erlauben wir einfach diesem Denken/Fühlen/Wahrnehmen, von Moment zu Moment zu sein, was immer es ist. Dieses Denken/Fühlen/Wahrnehmen bewegt und verändert sich ständig. Wir erlauben ihm einfach, durch uns hindurchzufließen, zu erscheinen, zu verweilen und zu verschwinden. Das ist sowieso alles, was je geschieht.

Dasjenige, in dem dieses Denken/Fühlen/Wahrnehmen erscheint, ist das, was wir ‚Ich‘ nennen. Es ist die bewusste, bezeugende PRÄSENZ, die erfährt, was immer von Moment zu Moment erfahren wird.

Diese bezeugende PRÄSENZ braucht man nicht bewusst zu machen. Sie ist bereits bewusst. Man braucht sie nicht friedlich zu machen. Sie ist bereits friedlich. Man braucht sie nicht zu erwecken. Sie ist bereits und immer schon wach. Man braucht sie nicht unbegrenzt und unpersönlich zu machen. Sie ist bereits so.

Und man braucht nicht den Geist, den Körper und die Welt friedlich zu machen. Sie bewegen und verändern sich ständig.

Wir bleiben, wie wir sind, und wir erlauben dem Geist, dem Körper und der Welt, zu sein, wie sie sind.

Indem wir dies tun, kehren der Geist, der Körper und die Welt allmählich an ihren wahren Ort zurück und ihre Natur wird offenbar. Wir sehen, dass sie nie wirklich ihren wahren Ort verlassen haben, dass sie nie etwas anderes waren, als was sie wirklich sind. Wir hören einfach damit auf, sie als entfernt, getrennt und anders anzusehen, und als Ergebnis dessen hören sie auf, so zu erscheinen.


Stellen Sie sich ein Zimmer vor, das mit Menschen gefüllt ist, die miteinander sprechen. In dieser Metapher ist der Raum des Zimmers, also das, was von dem Zimmer umfasst wird, die bewusste, bezeugende PRÄSENZ, die wir ‚ICH‘ nennen. Die Menschen sind Gedanken und Bilder, körperliche Empfindungen und Wahrnehmungen der Welt.

In diesem Zimmer sind alle möglichen Menschen, große, kleine, freundliche, unfreundliche, intelligente, unintelligente, laute, leise und so weiter. Eine komplexe Vielfalt an Charakteren, die sich bewegen, verändern, interagieren, erscheinen, verschwinden. Sie alle tun, was sie tun.

Was kümmert den Raum dieses Zimmers das Verhalten dieser Menschen? Gibt es für den Raum etwas zu gewinnen oder zu verlieren, indem er versucht, irgendwelche dieser Menschen zu verändern? Verändert sich der Raum, wenn einer der Menschen sich verändert?

Der Raum ist unabhängig von den Menschen, auch wenn die Menschen vom Raum abhängig sind. Der Raum ist schon da, bevor die Menschen ankommen, er ist da, während sie dort sind, und er ist da, wenn sie gehen. Er war sogar da, bevor das ganze Gebäude gebaut wurde, und wird da sein, nachdem es abgerissen wurde. Er ist immer da.

Das gilt ebenso für BEWUSSTSEIN. Was immer gerade erfahren wird, findet im BEWUSSTSEIN statt und BEWUSSTSEIN selbst bleibt stets so, wie es immer ist. Unverändert, unmodifiziert, unbeteiligt.

BEWUSSTSEIN ist, was wir sind, und zu sein, wie wir sind, ist die höchste Form der Meditation. Alle anderen Meditationen sind einfach eine Modulation dieser Meditation des Verweilens, wie wir sind.

Anfänglich kann Meditation den Eindruck erwecken, etwas zu sein, was wir tun. Aber später entdecken wir, dass sie einfach das ist, was wir sind. Sie ist der natürliche Zustand aller Wesen.

Sie kann nicht herbeigeführt werden, da sie schon da ist. Sie kann nicht erreicht werden, denn sie ist, was wir immer schon sind. Sie kann nicht verloren gehen, denn sie kann nirgends hin.

Wir erlauben einfach allem, zu sein, wie es ist. Indem wir allem erlauben, zu sein, wie es ist, verweilen wir, zunächst ohne es zu bemerken, in unserer wahren Natur. Tatsächlich haben wir unsere wahre Natur nie wirklich verlassen, aber nun beginnen wir, uns wissentlich dort aufzuhalten.

Irgendwann dämmert es uns dann, dass das ‚ICH‘ nicht in seiner wahren Natur verweilt. Wen gäbe es, der dort in irgendetwas anderem als sich selbst verweilen könnte? Das ‚ICH‘ ist das einfach. Wir sind das einfach und waren es schon immer.

Selbst der Begriff ‚immer‘ ist nicht ganz passend, denn ‚immer‘ impliziert eine unendliche Zeitspanne. Die Idee einer unendlichen Zeitspanne erscheint von Zeit zu Zeit im ‚ICH‘, im BEWUSSTSEIN, aber das ‚ICH‘ erscheint niemals in einer unendlichen Zeitspanne.

Es ist einfach.

‚ICH‘, BEWUSSTSEIN, bin einfach.

Ein Tropfen Milch

Unsere Erfahrung besteht aus dem, um das gewusst wird, und dem, was darum weiß. Die Welt ist Teil dessen, um das gewusst wird, ebenso wie der Körper und der Geist.

Da die Welt Teil dessen ist, um das gewusst wird, kann sie nicht der WISSENDE sein. Sie kann nicht das sein, was weiß. Auch der Körper und der Geist sind Teil dessen, um das gewusst wird, und können daher nicht das sein, was weiß. Die Welt, der Körper und der Geist werden erfahren, können also nicht das sein, was erfährt.

Immer, wenn der Körper, der Geist und die Welt gegenwärtig sind, sind sie Teil dessen, um das gewusst wird. Das, was um den Körper, den Geist und die Welt weiß, ist sowohl während des Erscheinens von Körper, Geist und Welt als auch in deren Abwesenheit gegenwärtig.

Dasjenige, um das gewusst wird, kann nicht der WISSENDE sein und über den WISSENDEN kann nichts objektiv gewusst werden.

Meist sind wir nur dessen gewahr, um das gewusst wird. Wird jedoch die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart eines WISSENDEN gelenkt, auf das, was weiß und erfährt – was immer das auch sei –, so wird unmittelbar klar, dass etwas gegenwärtig ist, was sich des Körpers, des Geistes und der Welt bewusst ist.

Wenn wir dies tun, so scheint das, was weiß, plötzlich präsenter zu werden. Es leuchtet.

Tatsächlich wird aber einfach nur aufgedeckt, dass es immer schon präsent war, jedoch durch unseren exklusiven Fokus auf das Gewusste scheinbar verblasste.

Der WISSENDE ist BEWUSSTSEIN. BEWUSSTSEIN ist das, was weiß und erfährt. Es ist dieses BEWUSSTSEIN, auf das wir uns beziehen, wenn wir ‚ICH‘ sagen.

Wenn gesagt wird: „Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das, um das gewusst wird“, so bedeutet dies, dass ‚ICH‘, BEWUSSTSEIN, seine Aufmerksamkeit auf das richtet, um das gewusst wird.

Wenn gesagt wird: „Wir richten unsere Aufmerksamkeit stattdessen auf den WISSENDEN“, so bedeutet dies, dass ‚ICH‘, BEWUSSTSEIN, seine Aufmerksamkeit auf sich selbst richtet.

Natürlich ist BEWUSSTSEIN bereits es selbst. Es braucht die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu richten.

Wenn also gesagt wird: „Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den WISSENDEN, auf BEWUSSTSEIN“, so bedeutet dies in der Praxis, dass ‚ICH‘, BEWUSSTSEIN, seine Aufmerksamkeit von dem exklusiven Fokus auf das Gewusste, auf Objekte, zurückzieht.

Indem es dies tut, kehrt BEWUSSTSEIN, zunächst ohne es zu wissen, zu sich selbst zurück, das heißt, es wird seiner selbst gewahr. Es kehrt nicht wirklich zu sich selbst zurück, weil es sich nie verlassen hat. Es ist sich seiner selbst niemals nicht gewahr.

Auch wenn BEWUSSTSEIN exklusiv auf Objekte fokussiert ist, verlässt es sich nie. Es scheint sich nur von Zeit zu Zeit zu vergessen. Es scheint sich zu ignorieren.

Aber sogar, wenn es sich selbst ignoriert, wird um etwas gewusst; und dieses Wissen ist das PURE WISSEN des BEWUSSTSEINS, das um sich selbst weiß. Somit gibt es niemals eine wirkliche Ignoranz.

Daher gibt es keine Antwort auf die Frage nach der Ursache oder dem Grund von Ignoranz. Wie kann es eine Ursache oder einen Grund für etwas geben, was nicht existent ist?

Wir können die Frage nach dem Warum nicht beantworten, denn die Frage selbst erzeugt die Ignoranz, auf die sie sich bezieht. Offensichtlich erzeugt sie sowohl Zeit als auch Ursache und Wirkung und somit das Erscheinen von zwei Dingen, die sich als nicht existent herausstellen, wenn die Natur von Erfahrung klar gesehen wird.

Gleichzeitig weiß BEWUSSTSEIN um sich selbst schon im Wissen um diese Frage. Wie kann scheinbare Ignoranz dann als echte Ignoranz bezeichnet werden? Das ist nicht möglich.

Wenn BEWUSSTSEIN sich selbst sucht, verschmilzt es mit sich selbst. Es wird sich selbst offenbart und mit diesem Offenbaren löst sich die Frage auf. Es ist dieses PURE WISSEN jenseits des Geistes, das die echte Antwort auf alle Fragen zur wahren Natur von Erfahrung ist.

BEWUSSTSEIN gibt vor, etwas anderes zu sein, als es ist, und dann, als dieses scheinbar andere, sucht es nach sich selbst. Natürlich kann es sich selbst nie als Objekt finden, da es schon es selbst ist. So, wie das Auge sich nie selbst sehen kann.

Aber es braucht sich selbst auch nicht zu finden, da es schon es selbst ist. Nur das Vorgeben, nicht es selbst zu sein, sollte aufhören.

Was für jenes scheinbar andere ein Suchprozess ist, das ist für BEWUSSTSEIN einfach der Prozess, zu entdecken, dass es schon immer um sich weiß.


Der Geist besteht aus einer Reihe abstrakter Konzepte und Begriffe, die im BEWUSSTSEIN erscheinen. Jeder Gedanke ist ein Objekt. Daher kann das nicht objekthafte BEWUSSTSEIN, in dem Gedanken erscheinen, selbst nie als Gedanke erscheinen.

Alle Gedanken sind Objekte. Daher ist es unmöglich, an BEWUSSTSEIN zu denken.

Wenn wir an irgendetwas anderes denken als an BEWUSSTSEIN (oder WAHRHEIT oder REALITÄT oder welches Wort Sie auch immer dafür benutzen möchten), so gelangen wir zu einem Konzept, einem Begriff, einer Idee dieser Sache, die nicht die Sache selbst ist. Es ist eine Repräsentation dieser Sache im Code des Geistes – kurz gesagt, ein Begriff oder Konzept.

Das Denken an BEWUSSTSEIN oder REALITÄT ist allerdings einzigartig unter allen Gedanken. Versuchen wir, an BEWUSSTSEIN zu denken, so ist das wie der Blick in ein schwarzes Loch. Es ist noch nicht einmal schwarz. Der Geist kann dort einfach nicht hingehen. Er kann nicht an diesen objektlosen Ort gehen, denn der Geist ist selbst ein Objekt. Wie könnte ein Objekt in einen Raum passen, der keine Dimensionen hat?

Wenn der Geist sich dem BEWUSSTSEIN zuwendet, so löst er sich auf.

Er wird von dem aufgenommen, was aus seiner Sicht das Nichts des BEWUSSTSEINS ist. Aber sein Auflösen ist ein Aufzeigen von PRÄSENZ, das Aufzeigen dessen, in das Gedanken sich auflösen.

Das Denken an oder das Nachdenken über BEWUSSTSEIN ist also dadurch einzigartig, dass es nicht zu einem Begriff oder Konzept führt, zu einem Ersatz für das Ding selbst, sondern stattdessen zur REALITÄT von BEWUSSTSEIN. Der Gedanke führt direkt zu dem, worauf er sich bezieht, nicht zu einem Symbol. Er führt zu der direkten Erfahrung von BEWUSSTSEIN, das um sich selbst wissentlich weiß.

Nichts Objektives wird in diesem raumlosen Raum des BEWUSSTSEINS gewusst.

Es ist ein Wissen, aber kein Wissen um etwas. Es ist PURES WISSEN.

Das Denken, das nach BEWUSSTSEIN sucht, verschmilzt mit BEWUSSTSEIN. Es offenbart BEWUSSTSEIN.

Dieses suchende Denken ist wie ein Zuckerwürfel. Das Suchen nach BEWUSSTSEIN ist so, als legte man diesen Zuckerwürfel in eine Tasse Tee: Der Tee löst den Zuckerwürfel auf. Ebenso löst BEWUSSTSEIN das suchende Denken auf.

Eine bessere Metapher wäre die von einem Tropfen Milch in einem Glas Wasser. Die Milch ist im Wesentlichen die gleiche Substanz wie das Wasser, auch wenn sie durch einen Hauch Objektivität eingefärbt ist. Sie ist weiß, nicht farblos. Wir beobachten den Tropfen Milch, wie er sich im Wasser ausdehnt, allmählich die Form verliert, bis er völlig mit dem Wasser der Umgebung verschmolzen ist …

So geht es dem Denken, das BEWUSSTSEIN sucht und auf PRÄSENZ gerichtet ist. Es ist im Wesentlichen aus dem gleichen BEWUSSTSEIN gemacht, das es sucht, weiß dies jedoch noch nicht, und so entsteht eine scheinbare Unterscheidung zwischen ihm und BEWUSSTSEIN. Es ist opak. Es ist nicht transparent.

Während es nach BEWUSSTSEIN sucht, wird es mehr und mehr wie BEWUSSTSEIN, das heißt, es verliert sein Anderssein, seine Opazität, seine scheinbare Objektivität.

Das Wasser, das bereits in der Milch gegenwärtig war, verliert seine Weiße und bleibt, wie es ist: Wasser.

Das Ausdehnen des Tropfens Milch im Wasser der Umgebung entspricht dem Prozess des Verfeinerns, den unsere Gedanken durchlaufen, während wir versuchen, dem BEWUSSTSEIN näher zu kommen. BEWUSSTSEIN kann nicht als Gedanke gefunden werden, also wird der Gedanke allmählich von seiner Objektivität gereinigt, während er versucht, BEWUSSTSEIN zu finden.

Und dann kommt der Zeitpunkt, da der Gedanke seine letzte Schicht an Objektivität aufgibt und in PRÄSENZ aufgeht. Tatsächlich ist er PRÄSENZ, die allmählich die Identifikation mit feineren und feineren Schichten der Objektivität aufgibt, bis sie den Gedanken als das eigene Selbst erkennt.

WAHRHEIT findet der Geist nicht. REALITÄT findet der Geist nicht. Er wird darin aufgelöst.

Der Geist kann sich nicht selbst loslassen. Er wird in die unendliche Weite des BEWUSSTSEINS losgelassen, die seine Grundlage ist.

Verstehen ist das Auflösen des Geistes in seine Grundlage, in das, was ihn trägt. Es ist die Erfahrung von BEWUSSTSEIN, das um sich selbst weiß und wissentlich zu sich zurückkehrt.

Es ist keine objektive Erfahrung. Es ist die Erfahrung von WISSEN. Diese Erfahrung ist immer gegenwärtig, unabhängig davon, ob Objekte gegenwärtig sind.

Wir werden zu dem, an das wir denken.

Wir sind gleichzeitig das Subjekt und das Objekt des Gedankens, der BEWUSSTSEIN sucht.

Um sich selbst zu wissen bedeutet für BEWUSSTSEIN, es selbst zu sein; und es selbst zu sein bedeutet, um sich selbst zu wissen.

In jeder Erfahrung schimmert Bewusstsein

Meditieren ist keine Aktivität. Es ist das Enden einer Aktivität.

Letzten Endes kann über Meditation nichts absolut Wahres gesagt werden, noch nicht einmal, dass sie das Enden einer Aktivität sei. Denn Meditation findet jenseits des Geistes statt oder präziser, ist jenseits des Geistes präsent. Daher hat der Geist, per Definition, keinen Zugang zu ihr.

Um jedoch zu verstehen, dass Meditation keine Aktivität ist, müssen wir zunächst verstehen, dass sie das Enden einer Aktivität ist.

Dieses Verständnis ist ein sehr effizientes Hilfsmittel zum Ausräumen der Vorstellung, dass Meditieren etwas sei, was wir tun.

Haben wir erst einmal vollständig verstanden, dass Meditation keine Aktivität ist, so kommt die Aktivität, die wir zuvor als Meditation angesehen haben, ganz natürlich zu einem Ende. An diesem Punkt hat das Verständnis, dass Meditation keine Aktivität ist, seinen Zweck erfüllt und kann ebenfalls aufgegeben werden.

Hat der Dorn erst einmal den Dorn entfernt, so werden beide weggeworfen.

Um zu verstehen, dass Meditation keine Aktivität ist, verwenden wir das Beispiel einer geballten Faust. Nehmen wir unsere offene Hand, schließen wir sie langsam und drücken sie zusammen, dann bedeuten sowohl das Zusammendrücken als auch das Aufrechterhalten dieser kontrahierten Position eine gewisse Anstrengung.

Halten wir die Hand einige Zeit in dieser kontrahierten Stellung, so gewöhnen sich die Muskeln an die neue Position. Bald werden wir nicht mehr bemerken, dass ständig eine gewisse Anstrengung nötig ist, um sie beizubehalten.

Würde uns nun jemand dazu auffordern, die Hand zu öffnen, wäre unser Eindruck der, dass das Öffnen der Hand eine Anstrengung (Aktivität) erfordert. Irgendwann, während wir die Hand öffnen, werden wir der Tatsache gewahr, dass wir nicht eine neue Anstrengung leisten, um die Hand zu öffnen, sondern eine vorherige Anstrengung loslassen, beenden, deren wir schon gar nicht mehr gewahr waren.

Die scheinbare Anstrengung, die Hand zu öffnen, stellt sich als Loslassen oder Beenden der ursprünglichen Anstrengung heraus, die Hand zu kontrahieren. Was der Beginn einer Anstrengung zu sein schien, erweist sich als das Beenden einer Anstrengung.

Bei Meditation ist das ganz ähnlich. Unsere wahre Natur ist offen, unbegrenzt, frei, bewusst, selbstleuchtend und selbstverständlich. Dies ist unsere Erfahrung, von Moment zu Moment, auch wenn wir dessen vielleicht nicht gewahr sind.

Dieses offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN hat von selbst kontrahiert. Es hat sich scheinbar in den engen Rahmen eines Körpers und eines Geistes geschrumpft und sich selbst auf einen winzigen Ort in einem riesigen Raum und auf einen kurzen Moment in einer unendlichen Zeitspanne begrenzt.

Dies ist die primäre „Selbst-Kontraktion“, die das offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN von Moment zu Moment aus freiem Willen wählt.

Es zieht in dem nahtlosen Ganzen seiner Erfahrung eine Linie und sagt zu sich selbst: „Dies bin ich, das bin ich nicht.“ – „Ich bin hier, nicht dort.“ – „Ich bin ich und nichts anderes.“

Es fühlt sich isoliert und somit verletzlich und verängstigt. Daher beginnt das offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN nun, seine neue, sich selbst auferlegte Identität als Fragment zu unterstützen und zu beschützen.

Dafür verstärkt es seine Grenzen durch viele Schichten von Kontraktionen. Auf der Ebene des Geistes sind diese Kontraktionen auf der einen Seite aus Wünschen und Abhängigkeiten gemacht, auf der anderen Seite aus Ängsten, Widerständen und Ablehnungen. Alle zusammen bilden die vielen Gesichter unserer Vorlieben und Abneigungen, unser „Ich möchte …“ und „Ich will nicht…“.

Auf der Ebene des Körpers sind diese Kontraktionen aus körperlichen Empfindungen gemacht, mit denen das BEWUSSTSEIN sich identifiziert. Sie bilden den scheinbaren Ort des ‚Ich‘ im Körper.

Mit jeder neuen Schicht von Kontraktionen vergisst das freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN seine eigene unbegrenzte Natur immer mehr. Und verhüllt sich so selbst. Es versteckt sich selbst vor sich selbst.

Trotzdem durchdringt häufig etwas, was das BEWUSSTSEIN an seine wahre Natur erinnert, die selbst erzeugte Isolation, etwa das Lächeln eines Fremden, das Weinen eines Kindes, ein unerträglicher Kummer, ein kurzer Moment der Wunschlosigkeit nach der Erfüllung eines Wunsches, ein Moment des Humors, der Friede des Tiefschlafs, eine Pause im Denkprozess, eine Erinnerung an die Kindheit, der Übergang zwischen Schlafen und Aufwachen, das Erkennen von Schönheit, die Liebe eines Freundes, ein flüchtiges Verstehen …

Dies sind Momente, die der mittlerweile verschleierten Präsenz des BEWUSSTSEINS dargeboten werden, unzählige Geschmacksnuancen seiner eigenen FREIHEIT und seiner eigenen FREUDE. Sie erinnern BEWUSSTSEIN kurz an sich selbst, bevor es wieder durch die Effizienz der Verteidigungen verdunkelt wird, durch die es sich scheinbar eingeengt hat.

Mittels dieser vielen Schichten von Kontraktionen hat BEWUSSTSEIN sich so auf ein wehrhaftes, separates und verletzliches Wesen reduziert.

Dies ist keine Aktivität, die irgendwann in der Vergangenheit stattgefunden hat und nun unwiderruflich in Stein gemeißelt ist. Es ist eine Aktivität die nun, in diesem Moment, stattfindet.

Dieses offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN vollzieht, ohne es zu wissen, diese Aktivität der Trennung. Diese Aktivität definiert die ‚Person‘, das ‚separate Wesen‘.

Das separate Wesen ist etwas, was wir, als BEWUSSTSEIN, herbeiführen. Es ist nicht etwas, was wir sind.


BEWUSSTSEIN kontrahiert und sieht sich selbst als ein Fragment. Als Folge davon projiziert es alles, was nicht innerhalb der Grenzen dieser selbst auferlegten und begrenzten Identität ist, nach außen. Nun erscheint die Welt als ‚außen‘ und als ‚anderes‘. Sie wird zu all dem, was ‚BEWUSSTSEIN-als-ein-Fragment‘ nicht ist.

Diese Welt, die jetzt getrennt und außerhalb von BEWUSSTSEIN zu sein scheint, wirkt so, als ob sie die neue Sichtweise des BEWUSSTSEINS, die Sicht von sich selbst als begrenztem Fragment, perfekt bestätigte. Die Welt wird zu dem riesigen und potenziell gefährlichen Behältnis für dieses ‚BEWUSSTSEIN-als-ein-Fragment‘.

Ironischerweise ist es gerade deshalb, weil die Welt in Wirklichkeit eine Erscheinung im BEWUSSTSEIN und ein Ausdruck von BEWUSSTSEIN ist, so, dass diese Welt sehr genau den Vorstellungen entspricht, die BEWUSSTSEIN über sie hat.

Sieht BEWUSSTSEIN sich selbst als ein Fragment, als begrenzt, als gefangen und als Teil von Raum und Zeit, so wird die Welt als passendes Gegenstück zu dieser Vorstellung erscheinen.

Nachdem BEWUSSTSEIN sich selbst die eigenen Geburtsrechte, seinen ewigen, alles durchdringenden Status, abgesprochen hat, weist es genau diesen Status der Welt der Erscheinungen zu. Es überträgt seine eigene REALITÄT auf die Welt der Erscheinungen und übernimmt für sich selbst im Tausch dafür die flüchtige Fragilität dieser Welt.

Es verzichtet auf seine eigene REALITÄT als Grundlage und Natur jeglicher Erfahrung und projiziert diese stattdessen auf die eigene Schöpfung, auf die Welt der Erscheinungen.

BEWUSSTSEIN tauscht seine Natur mit der Welt der Erscheinungen. Es hat keine Alternative dazu.

Tatsächlich hört BEWUSSTSEIN nie auf, sich selbst zu erfahren. Eingebettet in jeder Erfahrung ist der Geschmack seiner eigenen Ewigkeit.

Allerdings muss es, nachdem es sich selbst als ein begrenztes und separates Wesen definiert hat, die eigene vertraute Erfahrung von PRÄSENZ, von SEIN, anderweitig zuordnen und überträgt sie daher auf die ‚Welt‘, auf ‚anderes‘.

So scheinen Raum und Zeit zur Grundlage und Substanz von REALITÄT zu werden, zum ‚sine qua non‘ unserer Erfahrung. BEWUSSTSEIN wiederum scheint die lückenhaften, begrenzten, veränderlichen Eigenschaften zu zeigen, die in Wirklichkeit zur Welt der Erscheinungen gehören.

BEWUSSTSEIN vergisst, dass es dies getan hat und dass es dies tut, und als Ergebnis scheint die Welt die Charakteristika von BEWUSSTSEIN zu erben. Die Welt scheint so zu werden wie BEWUSSTSEIN, solide, wirklich, permanent, substanziell.

Und dann scheint BEWUSSTSEIN seine eigenen, ihm innewohnenden Eigenschaften aufzugeben und stattdessen anzunehmen, dass diese zu Recht zur Welt der Erscheinungen gehören. So wird BEWUSSTSEIN scheinbar flüchtig, vergänglich, zerbrechlich und substanzlos.

Kurz gesagt, BEWUSSTSEIN erschafft sich eine Erscheinung, die mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt.

Genau genommen werden die ‚Vorstellung-von-sich-selbst-als-begrenztes-Fragment‘ und die ‚Erscheinung-der-Welt-als-solide-und-getrennte-Einheit‘ als nahtloses, sich gegenseitig bestätigendes Ganzes gemeinsam erschaffen.

William Blake sagte dies mit den Worten, dass ein Mensch das sehe, was er selbst sei. Man könnte das auch so sagen: „So, wie BEWUSSTSEIN sich selbst sieht, so erscheint die Welt.“ Es ist eine fast wasserdichte Verschwörung, gefertigt aus der Freiheit und der Kreativität des BEWUSSTSEINS selbst.

BEWUSSTSEIN sieht sich selbst als ein Fragment und die gleiche Kraft, die es der Welt ermöglicht, übereinstimmend mit dieser Sicht zu erscheinen, ermöglicht wiederum, dass die Welt übereinstimmend mit einer neuen Sicht des BEWUSSTSEINS erscheint. Mit der Sicht, die entsteht, wenn BEWUSSTSEIN beginnt zu erwachen, die eigene REALITÄT zu sein, sich an sich selbst zu erinnern.

Dies ist die magische Natur der Welt: dass dieselbe Welt sowohl so gesehen werden kann, dass sie Ignoranz bestätigt, als auch so, dass sie Verstehen bestätigt. Im Grunde ist es die magische Natur des BEWUSSTSEINS, seine Kreativität, seine Allmacht, die dies ermöglicht!


Wir sind immer dieses offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN, ob wir es wissen oder nicht. Und doch vergessen wir dies manchmal. Wir haben die Freiheit, zu vergessen.

Haben wir erst einmal vergessen, so haben wir keine Freiheit mehr, außer der Freiheit, uns wieder zu erinnern.

Auch wenn wir bereits dieses offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN sind, so scheinen wir doch von Zeit zu Zeit begrenzt. Wir fühlen uns begrenzt. BEWUSSTSEIN erlebt sich als durch seine eigene Projektion eingeschränkt.

Es hat diese Einschränkung in seine eigene Unbegrenztheit projiziert und identifiziert sich dann mit dieser Beschränkung. Es vergisst seine wahre Natur. Es ‚verfällt‘ in Ignoranz.

Daraus entsteht für BEWUSSTSEIN das Gefühl, dass seine eigene, wahre Natur irgendwie merkwürdig, unbekannt und unvertraut sei. Dass es verloren sei und wiedergefunden werden müsse. Dass es vergessen worden sei und wieder erinnert werden müsse. Dass es woanders sei, andersartig und getrennt.

BEWUSSTSEIN erkennt nicht, dass es bereits genau das ist, was es sucht, dass es bereits es selbst ist.

Es sieht nicht klar, dass gerade das PURE WISSEN um alles, um das in einem Moment gewusst wird, das Wissen um sich selbst darstellt.

Aber egal, wie tief BEWUSSTSEIN sich mit einem selbst produzierten Fragment identifiziert, egal, wie tief die Ignoranz und die nachfolgenden Gedanken, Gefühle und Aktivitäten sind, die aus dieser Ignoranz entstehen, egal, wie erfolgreich BEWUSSTSEIN die eigene Natur vor sich selbst versteckt – seine Erinnerung an sich selbst ist immer tiefer als sein Vergessen.

Dies trifft immer zu. Schon wegen der Tatsache, dass BEWUSSTSEIN, bevor es etwas anderes zu werden scheint als es selbst, immer nur es selbst ist.

BEWUSSTSEIN ist die primäre Erfahrung in jeglicher Erfahrung, unabhängig vom speziellen Charakter der Erfahrung. Und daher kann die Suche nach sich selbst, der Wunsch, zu sich selbst zurückzukehren, in sich selbst zu ruhen, nie ausgelöscht werden.

Und es ist Ironie, dass aus dem gleichen Grund die Suche beständig unterminiert wird. Denn wenn verstanden wird, dass BEWUSSTSEIN immer sich selbst erfährt, wird gleichzeitig verstanden, dass es nichts gibt, wohin BEWUSSTSEIN gehen oder was es werden könnte.

Daher ist aus dem Blickwinkel der Ignoranz die Suche der erste Schritt, den BEWUSSTSEIN unternimmt, um zu sich selbst zurückzukehren. Aus dem Blickwinkel des Verstehens ist die Suche der erste Schritt, den BEWUSSTSEIN unternimmt, um sich von sich selbst zu entfernen. In beiden Fällen geht BEWUSSTSEIN nie irgendwo hin.


Auch wenn BEWUSSTSEIN sich mit einer Hülle von Vorstellungen, Zweifeln, Ängsten und Gefühlen verschleiert hat, so ist doch der Geschmack seiner eigenen, unbegrenzten, freien und furchtlosen Natur in jeder Erfahrung eingebettet und wird häufig in Form einer Nostalgie oder Sehnsucht erlebt.

Diese Sehnsucht wird oft fälschlich mit einem Ereignis oder einer Zeit in unserem Leben assoziiert. Meistens mit etwas aus der Kindheit, als die Dinge besser zu sein schienen, das Leben glücklicher erschien. Diese Sehnsucht bezieht sich aber nicht auf einen Zustand aus der Vergangenheit, sie bezieht sich auf den Frieden und die Freiheit des dahinter liegenden Bewusstseins, das in jeder aktuellen Erfahrung verborgen ist.

Was ‚damals‘ als ‚GLÜCK‘ gegenwärtig war, das war einfach die unverschleierte Präsenz genau jenes Bewusstseins, das diese Worte sieht und versteht.

BEWUSSTSEIN projiziert die aktuelle Erfahrung nach außen. Und dann verliert es sich in dieser Projektion, in Geist/Körper/Welt, die es selbst aus sich heraus nach außen projiziert hat, und identifiziert sich mit einem Teil davon. So, als würde es sich sagen: „Ich bin nicht mehr dieses offene, freie, unbegrenzte BEWUSSTSEIN. Sondern ich bin dieses begrenzte Fragment, das ich gerade in mir selbst erschaffen habe. Ich bin ein Körper.“

Dabei vergisst BEWUSSTSEIN sich selbst. Vergisst seine eigene, unbegrenzte Natur. Dieses Vergessen wird als ‚Ignoranz‘ bezeichnet. Es ist BEWUSSTSEIN, dass sich selbst ignoriert.

Als Konsequenz dieses SELBSTVERGESSENS entsteht Nostalgie und BEWUSSTSEIN sehnt sich danach, zu sich selbst zurückzukehren, frei zu sein. Zu diesem Zeitpunkt erkennt es nicht, dass es in jedem Moment dieser Reise schon immer nur es selbst ist.

Meditation ist lediglich die Befreiung dieser Projektion von der Bürde der Trennung. Sie ist das ‚Ent-spannen‘ dieser Selbstkontraktion, das Entflechten dieses Netzes der Verwirrung.

Anstatt seine Aufmerksamkeit auf das begrenzte Fragment zu beschränken, auf jenes separate Wesen, als dass es sich selbst erschaffen hat, erlaubt BEWUSSTSEIN seiner eigenen Aufmerksamkeit, zu sich selbst zurückzukehren, zu dem, was es wirklich ist. Es kehrt zu sich selbst zurück. Es erinnert sich an sich selbst.

Und anstatt die Welt aus sich heraus, nach außen zu projizieren, fordert BEWUSSTSEIN sie wieder ein, sieht sie wieder als Teil von sich.

Die Aktivität, sich mit einem Fragment zu identifizieren, und die Aktivität, die Welt nach außen zu projizieren, sind ein und dieselbe. Daher hört mit dem Ende der einen Aktivität auch die andere auf.

BEWUSSTSEIN ist daran gewöhnt, sich selbst als begrenztes Wesen zu sehen und, damit einhergehend, die Welt nach außen zu projizieren. Daher erscheint es anfänglich wie eine ‚Gegen-aktivität‘, sich an sich zu erinnern, zu sich zurückzukehren. Es erscheint wie etwas, was BEWUSSTSEIN tun müsste, um sich zu finden.

So, wie beim Öffnen der Hand das Entspannen der Selbstkontraktion anfänglich eine Aktivität zu sein scheint.

Aber jedes Mal, wenn BEWUSSTSEIN zu sich zurückkehrt, seine Fixierung auf ein separates Wesen loslässt, jedes Mal, wenn es sich ohne Wahl oder Präferenz dem ganzen Spektrum der gerade erscheinenden Erfahrung öffnet, untergräbt es, ohne das zu wissen, die Gewohnheit, sich selbst und die eigene REALITÄT zu meiden.

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