Kitabı oku: «Frauenfalle Orient»
Ruth Broucq
Frauenfalle Orient
(und der Muezzin ruft zum Gebet)
Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis
Titel
Spezialmassage
Oriental -Lover
Abzocker und Parasiten
Business, Drinks und Joints
Rattenlöcher und Schmarotzer
Orientalische Hochzeit
Chaos und Geldgier
Glück und Leid
Geben und nehmen
Neid und Intrigen
Zukunftspläne
Deutschlektion und Eifersucht
die Töchter
Undank ist der Lohn
Kulturschock
Doppeltes Spiel
Tempo orientalisch
11. September- der Umbruch
Neue Wege
Planänderungen
Partnerschaften
kuriose Vorschriften
Böse Überraschung
Zirkusreif
Leidensgenossen
Verlassen
klägliches Versagen
Frauenhandel
überaschende Wendung
Impressum neobooks
Spezialmassage
Titel
Frauenfalle Orient --
Untertitel
(.. und der Muezzin ruft zum Gebet)
Impressum
Copyright by:…. Ruth Broucq
42699 Solingen
Autorin3@gmail.com
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig.
Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
INDEX:
Reiselust
Spezialmassage
Oriental – Lover
Abzocker und Parasiten
Business, Drinks und Joints
Rattenlöcher und Schmarotzer
Orientalische Hochzeit
Chaos und Geldgier
Glück und Leid
Geben und Nehmen
Neid und Intrigen
Zukunftspläne
Deutschlektion und Eifersucht
Die Töchter
Undank ist der Lohn
Kulturschock
Doppeltes Spiel
Tempo orientalisch
11. September – der Umbruch
Neue Wege
Planänderungen
Partnerschaften
Kuriose Vorschriften
Böse Überraschung
Zirkusreif
Leidensgenossen
Verlassen
Klägliches Versagen
Frauenhandel
Überraschende Wendung
Vorwort:
Dieses Buch möchte ich allen Frauen widmen, die ähnliche Erlebnisse hatten und vor allen Dingen, allen alleinreisenden Frauen als kleinen Ratgeber mit auf den Weg geben.
Denn, wie wir alle längst wissen, ist das Gefühlsleben der Geschlechter, in Sachen Liebe, so grundverschieden, dass speziell die Alleinstehenden unter meinen Geschlechtsgenossinnen, meist mit offenem Herzen und geschlossenen Augen, in die romantische >Liebesfalle< gewissensloser Herzensbrecher und Ausbeuter stolpern, bevor sie merken an welch Exemplar Mann sie geraten sind.
Auch mich, die meinte, genügend Menschenkenntnis zu besitzen, hat das exotische Urlaubsfeeling, die Sonne, das Meer und die orientalische Freundlichkeit und Wärme gegen die Realität geblendet, wurde ein Opfer meiner Gefühle, Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft, verwechselte Sex mit Liebe und Habgier mit Zukunftsinvestition.
Auch ich musste einsehen, dass ich vorsätzlich getäuscht, ausgenutzt, belogen und betrogen wurde. Dass ich nicht daran zerbrochen bin, liegt allein an meiner psychischen Stärke und der Fähigkeit, mich zu befreien und gegen mein Herz zu entscheiden, wenn mein Verstand mir sagt, dass ich mir selbst wichtiger bin.
Da ich zum Glück erkannt hatte, dass mein Weg der Falsche war, hat mich meine Willenskraft noch rechtzeitig zur Umkehr bewegt, so dass ich den drohenden Konkurs, mit einer gewaltigen Portion Optimismus, grade noch verhindern konnte.
Viele Schicksalsgenossinnen hatten nicht die Kraft dazu.
Ich will mir nicht anmaßen, Irgendjemand vor seinem Schicksal bewahren zu können, aber ich hoffe, dass die Leserinnen meiner Erlebnisse, zumindest mit klarem Blick und Vorsicht die orientalischen Urlaubsfreuden genießen werden.
Reiselust
Einer der vielen, nervenden, aber ach so weisen, mütterlichen Sprüche
war: „Nur die dümmsten Kälber suchen sich ihren Schlächter selber.“ Ich kann mich nun langsam der Einsicht nicht mehr verschließen, dass ich zu deren Spitze gehöre, oder gar das Heer der Dummen zur Schlachtbank anführe. Wenn es doch wenigstens zuträfe, was meine selige Mutter weiter erwähnte: „Selbsteinsicht ist der erste Schritt zur Besserung.“ Aber ich muss mir eingestehen, sobald sich meine Brillengläser rosarot gefärbt haben, tappe ich wieder in die gleiche Falle: Ich lasse mich fressen mit Haut und Haaren. Bilde mir dabei ein, aus dem Kelch der Liebe zu trinken, bis ich feststellen muss, dass der Liebestrank immer bitterer wird und am Ende nur ein schaler Geschmack und bodenlose Leere übrigbleibt. Werde ich denn niemals klüger?
Nun bin ich fast im Rentenalter, bei Beziehung Nummer sieben angelangt, und das Schema ist wieder das gleiche. Nein, so kann es nicht weitergehen. Denn wenn ich das Ganze Revue passieren lasse, liegt die Schuld eindeutig bei mir, ich hatte nie anderen die Schuld gegeben. Eingesehen hatte ich meine Fehler immer, um dann gleich in den nächsten hinein zu stolpern. Suchte ich die `Härtefälle´? Stand mir ein `F´ auf der Stirn geschrieben? (für Freier?) Dabei weiß ich genau, was die Leute denken: Klarer Fall – Alternde Frau nimmt sich jungen, knackigen Gespielen – also muss sie Zugeständnisse machen – zahlen. — Möglich, dass ein Körnchen Wahrheit darin steckt, aber ganz so einfach ist das Dilemma sicher nicht. Eher: Junger, gutaussehender Mann, ohne Zukunftsaussichten- nimmt sich ältere, gutsituierte Frau, zwecks Verbesserung seiner Lebensbedingungen.
Ohne Überheblichkeit kann ich von mir behaupten, dass ich noch eine attraktive Frau bin, woran, zugegeben, mehrere gute Schönheits - Chirurgen maßgeblich beteiligt sind. Sodass man mir mein Alter nicht widerspruchslos abnimmt. Auch von meiner zierlichen Figur, dem gepflegten Äußeren und meiner modernen, manchmal etwas zu jugendlichen Kleidung her gesehen, werde ich oft um mehr als zehn Jahre jünger geschätzt. An der Intelligenz, die man mir, zeit meines Lebens, bescheinigte, zweifle ich allerdings, in manchen Situationen, ein wenig. Da ich aber (für eine Frau) ein beachtliches Erfolgsleben hinter mir habe, von dessen Früchte ich meinen selbst gewählten Vorruhestand in Freuden genießen könnte, kann ich eigentlich nicht die Dümmste sein.
Wie also ist es möglich, dass meine Lebenslage immer schwieriger wird? Obwohl ich doch eigentlich einen Teil meines Traumes schon verwirklicht habe. Dass ich immer wieder an den gleichen Typ Mann gerate? Ist es einfach die natürliche Sehnsucht nach Geborgenheit und Zweisamkeit, oder weibliche Naivität gepaart mit einer großen Portion Optimismus? Dass ich damit nicht alleine ausgestattet bin, habe ich in vielen ähnlichen Fällen beobachten können.
Es begann vor fast drei Jahren. Nachdem ich, nach einigen Diskussionen und Querelen, mit dem fünften Lebensabschnittsgefährten, diese Gemeinschaft nach zehnjähriger Dauer beendete, krempelte ich mein Leben total um. Ich verkaufte mein Mehrfamilienhaus an meinen Sohn, erwarb eine bekannte Gastroimmobilie mit Wohnanbau, und ließ das gesamte Objekt nach meinen Vorstellungen umbauen, so dass ich Geschäft und Wohnung in einem Haus hatte. Und was für mich sehr wichtig war, ich ließ mich liften. Bei dem wohl bekanntesten, aber sicher auch teuersten Schönheitschirurgen, dem Perser Dr. A., in Düsseldorf, leistete ich mir ein Halbface – Lifting. Zwei Eingriffe hatte er schon erfolgreich an mir vorgenommen. Die Korrektur der Oberlider (Schlupflider) und die Straffung der Unterlider, mit Entfernung der Tränensäcke. Das Ergebnis, der dritten Operation war auch zu meiner Zufriedenheit. Entschlossen setzte ich für mein weiteres Dasein neue Prioritäten. Ich hatte mir vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren, das Geschäft derart in Schwung zu bringen, dass die damit verbundene Wertsteigerung mir erlauben würde, nach dem Verkauf der gesamten Immobilie, meinen Altersruhesitz im Süden zu wählen. Fast zwei Jahre war mein Lebenssinn und –Zweck, nur Geschäft, Haus und meine jüngste Tochter. Es wurde eine schweißtreibende, Mannlose Zeit, die mir aber schon deshalb Spaß machte, weil ich ohne Rücksichten schalten und walten konnte und durch den geschäftlichen Erfolg, mein finanzieller Reservespeicher sich beachtlich füllte.
Am Anfang des Jahres 2001 beschloss ich, meine florierende Table – Dance - Bar über Karneval zu schließen. Diese unfruchtbare Zeit für Betriebsferien zu nutzen. Die zahlreichen Stammgäste maulten, doch meine Mitarbeiter stimmten erfreut zu. Barkeeper Mario, seines Zeichens der Ex – Ehemann meiner ältesten Tochter, schlug mir vor, mit ihm und seiner Freundin Marina, unserer portugiesischen Tänzerin, nach Ägypten zu fliegen. Das lehnte ich jedoch ab, weil ich weder Bock auf Betriebsausflüge, noch auf dieses Land hatte. Denn von zwei Reisen nach Ägypten, war von der Urlaubserinnerung, mit meinem Ex in Hurghada, nur gähnende Langeweile übrig geblieben. Wogegen allerdings die Nilkreuzfahrt mit meinem Vater eine meiner schönsten Reisen war. Auf der Suche nach einem klimafreundlichen Urlaubsort, (im Februar) fand sich leider wenig Auswahl. Für eine weitere Reise reichte die Zeit nicht und die Kanaren kannte ich, zum Erbrechen, in- und auswendig. Also beschloss ich dann doch eine Nilkreuzfahrt zu buchen, während Mario und Marina Badeurlaub am roten Meer bevorzugten.
Mein Flug von Düsseldorf, via München endete in Hurghada und von dort sollte es mit dem Bus nach Luxor weitergehen, um auf dem Kreuzschiff Nile Smile einzuchecken. Nicht gerade ein Kurztrip, der Tag wurde sehr lang. Aufenthalt in München, Pause in Hurghada, 4 Stunden Busfahrt im Konvoi durch die Wüste, mit zwei Pinkelpausen in schmuddeligen Rasthäusern, entpuppte sich nicht unbedingt als vergnügliche Reise. Doch das änderte sich schon im Reisebus. Dort erwartete mich der orientalische Charme. Nämlich die naiv – offene Anmache des ägyptischen Tourleaders. Er half mir galant in – und aus dem Bus, so dass ich mir leicht behindert vorkam. Er schlich sich ständig in meine Nähe, bis er beim ersten Päuschen neugierig fragte, ob ich verheiratet sei. Eigentlich pflegte ich darauf immer recht schnodderig zu antworten: ich sei 25 Jahre glücklich geschieden und ich wolle auch glücklich bleiben. Aber ich war so perplex, dass ich ehrlich verneinte. Worauf er verkündete: „Da bin ich aber froh!“ Warum war er darüber froh? Die Erklärung folgte umgehend. Ungeniert, ohne Rücksicht auf die umherstehenden Mitreisenden sagte er, laut und deutlich: „Ich finde Sie sehr hübsch.“ Die Mithörenden lachten amüsiert.
Mir fehlten die Worte. Dann stammelte ich: „Danke.“ Wie peinlich. Aber geschmeichelt fühlte ich mich dennoch. Mein Versuch, dem Galan aus dem Weg zu gehen, ihn zumindest zu ignorieren, misslang in der Enge des Busses kläglich. Achmed war beharrlich. Als Tourleader hatte er neben dem Fahrer den besten Platz, während ich ziemlich hinten einen Sitz belegt hatte. Was mich bei der Fahrt durch die stockfinstere Wüste nicht störte. Auch in dem schwachbeleuchteten Bus sah man kaum die Hand vor Augen. Die meisten Reisenden schliefen.
Kaum war Ruhe eingekehrt, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Ungeniert nutzte der Charmeur das Mikrofon und verkündete lauthals: „Ich habe hier vorne einen gemütlichen Sitzplatz, für eine bestimmte schöne Dame, anzubieten. Möchten Sie mir nicht Gesellschaft leisten? Kommen Sie doch zu mir.“ Mein Sitznachbar kicherte und nickte mir aufmunternd zu. Ein Glück dass es dämmrig war, denn ich fühlte das Blut hoch steigen. Wie unangenehm. „Hallo, schöne Frau, was ist? Warum kommen Sie nicht? Ich warte!“ ließ Achmed nicht locker. Unruhe verbreitete sich um mich. Die Schlafenden fühlten sich gestört. Mein Nachbar nickte wieder in meine Richtung.
Kam ich der Aufforderung nur nach um die Ruhe der Anderen nicht weiter zu stören, oder weil das schmeichelnde Werben des jungen Orientalen mich langsam neugierig machte? Sicher von allem ein wenig. Denn obwohl der große, stabile Achmed, rein optisch, nicht gerade mein Traummann war, hatte er zumindest das, was ich seit langem bevorzugte, er war jung.
Diese kleine Macke entwickelte sich nach Vollendung meines dreißigsten Lebensjahres von Beziehung zu Beziehung stärker. Nach meinem um zwei Jahre älteren Ehemann, waren meine Partner erst fünf, dann zehn, 16 und zuletzt 17 Jahre jünger als ich. Was bei meiner ältesten Tochter sowie manchen Bekannten und Unbekannten Leuten deutliche Missbilligung, bei mir jedoch Gefallen hervorrief. Ich lebte einfach nach dem Motto: ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Die ersten drei, waren Katastrophen – Beziehungen. Die vierte ein nettes Zwischenspiel und nur die letzte, mit dem 17 Jahre jüngeren Darkan, eine angenehme Zeit, die nur ein besseres Ende verdient gehabt hätte. Etwas jedoch hatten alle meine Beziehungen gemeinsam, ich habe dabei immer Federn gelassen und sie dann, vernünftigerweise, rechtzeitig beendet. Aber mein Hang zu jüngeren Männern blieb unübersehbar. Mir war schon seit Langem klar geworden, dass ich auf junge Männer eine eigenartige Anziehungskraft ausübte, während ich bei Herren meines Alters deutliche Ablehnung, ja fast Angst hervorrief.
`Warum eigentlich nicht?` dachte ich, als ich mich langsam durch den schaukelnden Bus nach vorn kämpfte. Obwohl ich ein spontanes Wesen und sexuell immer aktiv war, hatte ich von One – Night –Stands oder Urlaubsflirts nie etwas gehalten. Deshalb auf meinen vielen Urlaubsreisen auch nie Gebrauch davon gemacht, obwohl ich massenhaft Gelegenheit sowie Angebote gehabt hatte. In dem Bereich brauchte ich, zeit meines Lebens, die Kennenlern- und Aufwärmphase, bevor ich mich diesen Gelüsten hingeben konnte. Aber nun, nach zweijähriger Enthaltsamkeit, die nur ein wirklich schönes One Night – Erlebnis und 3 kläglich misslungene Beziehung-Anbahnungs – Versuche beinhaltete, könnte ein kleiner Urlaubsquicki sicher nicht schaden.
`Ägypter, das wär doch mal ´ne ganz neue Erfahrung. Also, gib Gas Ruthchen. Genieß den Trip voll und ganz! Das hast du dir verdient!` machte ich mir selbst Mut.
Galant nahm Achmed meine Hand, half mir auf den Reiseleitersitz und ließ sich neben mir auf dem Boden des Ganges nieder. Bei Tageslicht hätte ich sicher eine Super Aussicht gehabt, aber in der Dunkelheit sah ich nur die Rücklichter der vorausfahrenden Fahrzeuge. Die Schwierigkeit eine Unterhaltung zustande zu bringen, nahm Achmed mir ab, indem er munter erzählte. Mit Rücksicht auf die schläfrigen Fahrgäste, sprach er sehr leise. Ich konnte nur vermuten, dass er mir seinen Lebenslauf berichtete, denn das monotone brummen des Motors ließ mich kaum etwas verstehen. Außer: Hm – ja – aha – ach – und soso, blieb mir keine Möglichkeit zu antworten. Ihn schien das nicht zu stören und ich konnte mir eine Gesprächsbeteiligung, mangels Interesse am Thema, sparen. Schließlich brauchte ich keinen Mann fürs Leben, vielleicht Mal fürs Bett. Schon nach kurzer Zeit ermüdete sein Redefluss. Schweigend saßen wir nebeneinander. Ich gemütlich, er unbequem. Was sein hin – und her Gerutsche deutlich machte. Als Zeichen seiner Zuneigung oder unserer Vertrautheit, was immer es auch bedeuten mochte, nahm er plötzlich mein kleines Händchen in seine recht Große und hielt sie schweigend fest. ´Wo will denn der Bär mit dem Kätzchen hin?`
Gut dass er, bei der schwachen Beleuchtung, mein ironisches Grinsen nicht sehen konnte. Dennoch überließ ich ihm gutmütig das Eroberte. Nach einiger Zeit wurde die Haltung meines Armes unbequem und meine Handfläche feucht, von seinem Schweiß. Abrupt beendete ich die ungemütliche Situation, erhob mich: „Bis später.“ Wartete eine Antwort gar nicht erst ab und trollte mich zu meinem eigentlichen Platz.
Alles schlief, im Fahrgastraum, außer mir. Ich war zu aufgedreht. Um mir die Langeweile zu vertreiben, griff ich zum Handy und sandte SMS an meine Töchter Ramona und Rabea, sowie Sohn Renee.
– Reise lang und anstrengend, bin im Bus – unterwegs durch die Wüste nach Luxor, - bald am Ziel, Gruß Mama. –
Dann ritt mich wohl der Teufel und ich schrieb an die Anderen Ägypten – Urlauber:
- Netter Trip – interessantes Land – neue Erfahrung – kaum angekommen, schon die
erste Eroberung gemacht – Achmed sehr charmant – glaube, heut wird noch gepoppt.- Gruß Ruth. –
Umgehend kam die Antwort: So kenn ich dich wieder, Chefin. Endlich wieder die Alte. Viel Spaß. Mario.-
Ich lachte auf. Mein Nachbar brummelte vor sich hin und versuchte vergeblich eine bessere Schlafposition zu finden. Vor uns wurde es heller. Die Lichter von Luxor. Das Ziel rückte näher.
Der Anblick der `Nile Smile´, am Pier des Nil, weckte die Erinnerung an die schöne Reise, sieben Jahre zuvor, mit meinem, inzwischen verstorbenen, Vater. Lächelnd trottete ich in Gedanken versunken hinter den Mitreisenden her. Doch zu meinem Erstaunen führte Achmed uns auf einen anderen Kreuzer mit einem unaussprechlichen ägyptischen Namen. Was sollte das? Ich konnte deutlich auf meinem Urlaubsticket `Nile Smile´ lesen, so wie ich es auch gebucht hatte. An Bord wurden wir in den Speisesaal geführt und gebeten erst Mal Platz zu nehmen. Zwei Herren, mittleren Alters, stellten sich als zuständige Reiseleiter, dieser Tour, vor und erklärten die Situation. Wegen `Überbuchung´ sei man gezwungen gewesen, ein zusätzliches Schiff zu ordern, deshalb müsse man uns hier einchecken. Es sei, mit Sicherheit, kein Unterschied zu dem eigentlich vorgesehenen Dampfer. Auf Grund unserer langen Reise und wegen der vorgeschrittenen Uhrzeit, habe die Küche einen kalten Imbiss für uns vorbereitet. Nach der Mahlzeit werde man uns die Kabinen zuweisen. Guten Appetit!
Der Fraß war nicht wesentlich besser, als das unappetitliche Angebot in den schmutzigen Wüstenrasthäusern. Doch der Hunger war wohl, nicht nur bei mir, stärker. Lediglich das leise knurrig klingende Gemurmel im Saal, bestätigte mir, dass allgemeine Unzufriedenheit herrschte. Nachdem ich versucht hatte, das Beste raus zu picken, was sich als recht wenig entpuppte, war meine Magenleere etwas reduziert. Im Raum umsehend, konnte ich mir den lang verblichenen Glanz des Kreuzers ungefähr vorstellen. Das konnte ja heiter werden, sähen die Kabinen auch nur ähnlich aus.
Meine dunklen Vorahnungen wurden bei weitem übertroffen. Schon auf dem Gang im Unterdeck stolperte ich über den abgewetzten Bodenbelag, und der Ölgeruch wurde zunehmend penetranter, die Motorgeräusche bei jedem Schritt lauter. Meine Kabine im untersten Deck, unweit des Maschinenraumes, war alles andere als anheimelnd. Zerschlissene, schmuddelige Vorhänge, ein Bett mit durchgelegener Matratze, dessen Bezug dringend eine Wäsche nötig hatte , ein Wandschrank ohne die eigentlich dazugehörige Tür, war mehr als eingestaubt, der ehemalig schöne Teppichboden wies ein futuristisches Lochmuster auf, aber der Gipfel der Boshaftigkeit war das Bad. Wenn man die Kabine schon nicht als groß bezeichnen konnte, so war in der Enge des Bades kaum eine Drehung um sich selbst möglich. In dieser Mini Dusche würde der eklige, dreckige Vorhang mit Sicherheit am Körper festkleben. Das war doch wohl der Höhepunkt der Dreistigkeit, diesen alten vergammelten Pott mit der eleganten luxuriösen ´Nile Smile´ vergleichen zu wollen!
´Nein, meine Herren, nicht mit mir! Ich lasse mir von niemand, auf die Art und Weise, meinen Urlaub versauen! Das wollen wir doch mal sehen!´ Aufgebracht düste ich Richtung Oberdeck, wobei ich an dem irritiert glotzenden Achmed vorbei rannte, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Erst viel später fiel mir auf, dass er nicht mehr an Bord war. Ich sah ihn nie wieder. Begab mich auf die Suche nach den zuständigen Ansprechpartnern. In der Bar saßen einige Gäste bei ihrem ersten Drink und warteten wohl auch auf die Gesprächsmöglichkeit mit den Reiseleitern. Diese waren von Beschwerdesüchtigen umlagert. Sie machten bereits einen ziemlich frustrierten Eindruck. Also reihte ich mich mal erst in die Warteschlange ein.
Die beiden jungen Frauen, an deren Tisch ich mich niedergelassen hatte, teilten meine Empörung. So habe man sich das Schiff aber nicht vorgestellt, weil es im Prospekt doch viel besser ausgesehen habe. Das konnte ich nur bestätigen, erzählte von meiner Reise auf der ´Nile Smile`. Berichtete begeistert von der eleganten Ausstattung, dem köstlichen Buffet mit der reichlichen Auswahl und dem perfekten Service durch das zuvorkommende Personal. „Ich finde, Sie übertreiben ein wenig, Madam. Ich kenne das Schiff und soviel besser als dieses hier, ist es nun wirklich nicht.“ Erklang die Stimme eines der Reisebegleiter hinter mir.
Auf meinen Protest, er wolle lediglich von der Misere ablenken, indem er sich negativ über den anderen Kreuzer äußere, bot er uns an, das neben dem unseren liegende schwimmende Hotel zu besichtigen. Die beiden Damen stimmten sofort zu. Also dackelten wir zu dritt los.
Schon das noble Entree und freundliche Entgegenkommen des Rezeptionisten, uns durch das Schiff zu führen und letztlich auch noch die Kabinen zu zeigen, obwohl er betonte, dass man ausgebucht sei, beeindruckte meine Begleiterinnen zutiefst. Auf dem Rückweg zu dem Auslaufmodell waren wir einer Meinung. Man hatte uns verarscht. Nun war guter Rat teuer. Was konnten wir tun? Protestieren, Verlegung verlangen. Aber wohin? Das Gebuchte war voll belegt. „Wir werden sehen. Hier bleib ich jedenfalls nicht!“ sagte ich bestimmt. Die Damen nickten. Sie auch nicht. Endlich konnten wir mit einem unserer Betreuer reden. Er bedauerte die Situation sehr, gestand uns aber ein, dass er keine Möglichkeit sehe, uns auf einem anderen Schiff unterzubringen. Wegen Überbuchung, zurzeit keine Plätze frei. Konsequent verlangte ich, dann solle er mir ein Zimmer in einem guten Hotel in Hurghada buchen und mich dort hinbringen lassen. Bevor ich auf diesem `Dreckskahn` bliebe, zöge ich Badeurlaub am roten Meer vor. Er versprach, sein möglichstes zu tun, bat mich um Geduld bis zum nächsten Morgen. Ich war vorerst zufrieden.
Nach einer traumlosen Nacht erwachte ich, dank der deformierten Matratze, mit üblen Rückenschmerzen. Weil es recht spät war, musste ich mich mit einer Katzenwäsche begnügen, um die Frühstückszeit nicht zu verpassen. Das karge Speisenangebot trug nicht zur Hebung meiner miesen Laune bei. Zu allem Überfluss schmeckte der Kaffee verbrannt. Auch das noch! Toller Urlaub! Ich war dem Platzen nahe.
Beim Verlassen des Speisesaales prallte ich mit dem, meiner Meinung nach, Verantwortlichen zusammen. Bevor ich schimpfen konnte, legte der Ägypter seinen Arm um meine Schultern und erklärte mir mit strahlendem Lächeln: „Sie habe ich gesucht. Ich habe zwei Nachrichten. Eine gute und eine weniger gute. Welche wollen sie zuerst hören?“ Ohne meine Antwort abzuwarten redete er weiter: „Leider konnte ich keinen freien Platz auf einem anderen Schiff finden. Aber dafür habe ich ein wunderschönes Hotel in Hurghada gefunden, das noch ein Zimmer für Sie zur Verfügung stellen kann. Wenn Sie wollen, lasse ich Sie noch heute dort hinbringen. Allerdings wird das ein paar Stunden dauern, weil erst extra für Sie, ein Wagen geschickt werden muss. Na, was sagen Sie, schöne Frau? Wollen Sie? Oder möchten Sie lieber hier, bei mir, bleiben?“ dabei sah er mir tief in die Augen und sein Gesicht kam mir so nah, dass ich den Minzegeruch seines Kaugummis riechen konnte.
Die eben noch schlechte Stimmung war wie weggeblasen. Unmöglich seinem Charme zu widerstehen. Bevor ich wusste wie mir geschah, strahlte ich zurück, bedankte mich artig und nahm das Verlegungsangebot an. ‚Auch nicht schlecht´ dachte ich, ´den würd ich auch mal gerne vernaschen´. ´Was haben diese Ägypter nur an sich? Ich steh doch gar nicht auf Opi´s. Der Knabe ist doch bestimmt Mitte 40. Aber das muss ich ihm lassen, er hat ´nen unverschämten Charme. Unfassbar. Ruthchen, du überrascht mich. Da sieht dir so`n Daddy nur mal tief in die Augen und du bist heiß wie ´ne Bratkartoffel. Was ist los mit dir, Mädchen?` redete ich gedanklich mit mir selbst. Dabei hüpfte ich beschwingt die Treppen zu meiner Kabine runter. Ausgiebig widmete ich mich der Körper- und Schönheitspflege, wobei ich den klebrigen Duschvorhang einfach ignorierte. Bei meinem Haarstyling und dem dezenten Make up gab ich mir besonders viel Mühe. Für die ganze Prozedur benötigte ich ganze 2 Stunden. Nun ja, schließlich dauert es etwas länger, einen alten Rembrandt zu restaurieren. `So, fertig. Auf in den Kampf der Geschlechter. Wollen doch mal sehen was der Knabe so drauf hat. Heiß genug bin ich ja schon seit gestern. Hm, seltsam, der gestrige war zwar jünger, aber bei weitem nicht so sexy wie der ältere.` brachten mich meine Gedanken zum grinsen. Ein Kontrollblick in den Spiegel zeigte mir das Ergebnis meiner Arbeit. Eine zierliche Frau mit schulterlangem, leicht gelocktem, dunkelrot gefärbten Haar, schmalem Gesicht und braunen Augen. In eine schwarze Tuchhose und weißem Pulli gehüllt, unter dem man, mangels Büstenhalter, deutlich genug die wohlgeformten, mittelgroßen Brüste sehen konnte. (Dank der Bruststraffung ein Jahr zuvor und die nächste OP würde zwei Tage nach diesem Urlaub wieder von Chefarzt Dr. G. im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup vorgenommen werden.) Alles zusammen ein durchaus zufriedenstellendes Bild. ´Nicht schlecht, Frau Geheimrat. Dann wollen wir mal testen, wie die Chancen stehen.`
Auf dem Weg zu den oberen Decks meldeten sich leichte Zweifel an. Woher wollte ich wissen, ob er überhaupt interessiert war? Seine schmeichelnde Art nicht einfach sein Naturell oder gar nur rein geschäftlich war? `Heißes Teil` schalt ich mich selbst, `nimmt dich so´n Typ kameradschaftlich in´s Ärmchen, da springst du ihm fast mit den Beinen zuerst um den Hals. Schäm dich und benimm dich. Wo bleibt denn da die Dame?` Die unbequemen Zweifel einfach beiseite schiebend, ging ich auf Suche nach dem Opfer meiner sexuellen Phantasien. Doch zu meiner Enttäuschung konnte ich ihn nirgendwo finden. Leicht frustriert genehmigte ich mir einen Cocktail in der Bar. Saß eine Weile dumm rum, bis ich mich letztlich entschloss, meine Langeweile mit Koffer packen zu vertreiben. Als ich die letzten Stufen zum Rezeptionsdeck hinunter kam, sah ich den Gesuchten. Er saß, mit zwei Herren im Gespräch vertieft, auf der kleinen Sitzgruppe im Empfang. Blickte kurz in meine Richtung, um dann mit einem breiten Grinsen, ruckartig aufzustehen und mich ungeniert von oben bis unten zu mustern. Seinem Gesichtsausdruck konnte ich entnehmen, dass ihm gefiel was er sah. Selten war es mir so schwer gefallen, die letzten Schritte auf jemanden zuzugehen.
„Hallo, Madam. Schön Sie zu sehen. Kommen Sie, nehmen Sie bitte Platz.“ Er machte eine einladende Handbewegung, wandte sich seinen Gesprächspartnern zu, sagte etwas arabisches, worauf die Beiden sich sofort verabschiedeten. Wir waren allein. „Es ist zu schade, dass Sie nicht bleiben wollen“, bedauerte er. „Wir hätten sicher eine sehr schöne Zeit miteinander verbringen können. Ich hoffe sehr, es wird Ihnen später auch leid tun.“ Wieder vertiefte sich sein Blick, diesmal in meinen Ausschnitt, und dabei meinte er: „Ja wirklich, sehr schade, aber vielleicht kommen Sie noch mal wieder an den Nil? Und vielleicht sehen wir uns dann wieder? Ich möchte Ihnen gern meine Handynummer geben, natürlich nur wenn sie wollen. Dann können Sie sich bei mir melden. Zu schade, dass Sie heute gehen!“ Er löste seine Augen von meinem Brustansatz und schrieb ein paar Zahlen auf ein kleines weißes Kärtchen.
Ich lächelte etwas unsicher, suchte ungeschickt in meiner Handtasche nach meiner Brieftasche, fischte eine Visitenkarte heraus und während ich ihm diese reichte, ließ ich ihn wissen: “Ganz sicher, werde ich wiederkommen. Vielleicht schon in 2 oder 3 Monaten. Für alle Fälle gebe ich Ihnen auch mal meine Rufnummer. Aber Moment mal, ich muss noch meine Handynummer draufschreiben, da steht nur die Nummer von meinem Geschäft.“ Wir tauschten die Karten und lasen beide interessiert.
„Oh ha, Madam Ruth,” rief er deutlich überrascht. „Das ist ja mehr als interessant. Ruth´s Puppenhaus. Table – Dance – Bar. Donnerwetter. Wir sollten wirklich in Verbindung bleiben. Vielleicht können wir auch noch gute Geschäfte zusammen machen.“ Was er mit ´auch noch´ meinte, war unschwer zu erraten, zumal er dabei zart über meine Hand streichelte.
Seine Anspielung ließ mich leicht erröten, die Berührung ein wenig erzittern. „Aber Ihren Namen kann ich kaum lesen, von aussprechen ganz zu schweigen,“ versuchte ich meine Befangenheit zu vertuschen.
„Ganz einfach, sag einfach Sobeih, scharfes S, nach dem E eine kleine Pause, dann hi. Guck mal auf meine Lippen, ich mach es dir vor. So-be-hi.“ ging er, wie selbstverständlich, zum Du über. Beugte sich vor und spitzte ein wenig die Lippen um den Namen noch mal zu wiederholen.
Ich starrte fasziniert auf seinen Mund, unfähig ihm nachzusprechen, weil ich eine elende Trockenheit in dem Meinen fühlte. Unsere traute Zweisamkeit wurde unsanft unterbrochen, als just in diesem Moment der zweite Tourleader auftauchte. Der Zauber des Augenblicks war verflogen.
Ich stotterte: “Also, dann bis demnächst mal.“ Als ich die Flucht ergreifen wollte, rief Sobeih mir nach: “Wir sehen uns gleich noch, Ihr Wagen kommt erst gegen fünf. Bis nachher.“
Nachdem ich meine sieben Sachen zusammen gepackt hatte, ging ich erst mal zum Lunch. Auch mit viel guten Willen, konnte ich dem Fraß nichts Gutes abgewinnen, so dass ich mich mit Suppe, Salat und Brot begnügte. Von der Kulinarischen Seite gesehen war ich nicht traurig den Standort zu wechseln. Ich verbrachte den ganzen Nachmittag auf dem Sonnendeck, fühlte mich einsam und verlassen. Die Tourleader waren mit den anderen Reisenden auf einer Tempel – Besichtigung. Aus lauter Langeweile sandte ich einige SMS an meine Kinder und natürlich auch die Berichte über die neusten Ereignisse an Mario.
Seine Antwort war klar: - `hab dir doch gleich gesagt, komm mit nach Hurghada –hier ist es viel schöner als auf dem Nil. Wir freuen uns auf dich, bis bald. M u. M´
Gegen vier kam die Gruppe zurück und stürzte sich gleich auf Kaffee und das was die Küche als Kuchen bezeichnete. Sie erzählten von der beeindruckenden Tempelbesichtigung. Ich kannte diesen Trip von meiner ersten Nilkreuzfahrt. Sobeih sah ich nicht.
Langsam wurde es Zeit für meine Abfahrt das Gepäck bereit zu stellen, deshalb ging ich nach unten. Im Empfang lief er mir über die Füße. Mit einem bedauernden Blick auf die Uhr besorgte er mir einen Träger. Der Boy bemächtigte sich meines Koffers und schleppte diesen Richtung Treppe. Ich ging hinterher und stieß erneut mit dem Mann meiner Wünsche zusammen.
„Ja, dann...“ begann ich, doch er winkte ab. „Ist noch ein bisschen Zeit. Wir sehen uns noch.“ Und wie zum Trost, nahm er mich in den Arm und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Der Boy grinste. Sobeih ging Richtung Kabinen. Ich schweren Herzens zur Treppe hinauf.
Mein Gepäck war bei der Rezeption gut aufgehoben, so konnte ich noch von dem beginnenden, ach so romantischen Sonnenuntergang auf dem Nil, Abschied nehmen. Auf dem Sonnendeck war ich die Einzige, die dieses Schauspiel der Natur bewunderte. Nicht lange. Ich fühlte seinen Atem in meinem Nacken, roch gleichzeitig den schon vertrauten Minzegeruch, als er leise flüsterte: „Nicht traurig sein, ich weiß, wir sehen uns wieder.“ Ganz nah stand er viel zu kurze Zeit hinter mir, ich fühlte sein Herz schlagen und hörte das Blut in meinen Ohren rauschen. Dann hauchte er mir einen Kuss auf den Hals und ging.
Auch der eigens für mich bestellte Reisebegleiter erschien in gepflegter europäischer Bekleidung, während der Fahrer die Landesübliche Galabea und einen weißen Schal um den Kopf gewickelt trug. Ich ging von Bord. Niemand verabschiedete mich. Niemand vermisste mich. Was hatte ich erwartet? Vielleicht das Antreten der gesamten Besatzung, wie wenn der Kapitän das Schiff verlässt? Nein, mindestens einen, der mir traurig nachblickte.
In perfektem Deutsch stellte sich der Mitarbeiter von Egypt Air, als Mohammed vor. Der Fahrer verstaute schweigend mein Gepäck im hinteren Teil des Kleinbusses. ´Zuviel der Ehre` dachte ich, ´ein PKW hätte auch gereicht.` Beim abfahren warf ich einen letzten Blick auf den alten klapprigen Kahn und war tatsächlich ein bisschen down.
Mein Begleiter erwies sich als guter Unterhalter mit ebensolchen Manieren. Der erste Mann, auf dieser Reise, der mich nicht anmachen wollte. Gottlob. Auf der vierstündigen Fahrt erfuhr ich sehr viel über die Sitten und Gebräuche Ägyptens. Das überwiegend moslemische Land erwies sich als moralisch gefestigt und Sittenstreng. So war außerehelicher Verkehr nicht erlaubt. Männlein wie Weiblein mussten jungfräulich in die Ehe gehen. Es war immer noch normal, dass die Väter ihre heranwachsenden Kinder versprachen. Das innerhalb der Familie geheiratet, oder besser gesagt, verheiratet wurde. Und die meisten jungen Leute nicht den Mut aufbrachten, sich gegen die dominante Stellung der Väter, zur Wehr zu setzen. Das für die heiratsfähigen Mädchen von den Vätern des Bräutigams gezahlt werden musste. Somit das Leben, sprich Wohnung, Hausrat und eine Summe auf ein Konto oder in Gold als Brautgeschenk, als Sicherheit für den weiteren Lebensunterhalt der Braut und eventueller späterer Kinder, hinterlegt werden musste. Hatte also ein Vater viele Söhne, aber wenig Geld, blieb oft für die jüngeren nur die Möglichkeit außerhalb der Heimatstadt einen Job anzunehmen. Diese jungen Männer gingen dann in der Regel in die Urlaubszentren.. Dort fanden sie einen Job und oft auch eine Frau, die nichts kostete. Eine Touristin.
Letztendlich erzählte Mohammed von den Schwierigkeiten seiner Landsleute, so eine Urlaubsreise zu machen, wie es für mich, als Deutsche, eine Selbstverständlichkeit war. Auf meine erstaunte Frage nach dem wieso und warum, erfuhr ich von unglaublichen Problemen. In der Hauptsache lag es an der Politik der europäischen Länder, die, die Einreise außereuropäischer Personen erschwerten. Unfassbar. Dann an den geringen finanziellen Mitteln der Reisewilligen, und letztlich an der Angst vor dem Fremdenhass, hauptsächlich in Deutschland.
Energisch protestiere ich gegen diese Unterstellung. Es entwickelte sich eine ernsthafte Diskussion über die „Braunen“ in meiner Heimat und meinem Vergleich mit den fanatischen Glaubensverfechtern in Ägypten mit dem Hinweis auf das Desaster im Jahre 1997. Am Ende der Debatte musste er mir Recht geben, dass es sich in beiden Ländern nur um kleine Randgruppen und einzelne Vorfälle handelte. Dann schien es ihm wohl an der Zeit zum Kern seines Anliegens vorzudringen. Dass er seit Langem gerne mal nach Deutschland reisen würde, es aber nur eine einfache Möglichkeit gäbe, wenn ein deutscher Bürger oder (–in) ihn, Mohammed, einladen werde. So viele Leute habe er gefragt, auch immer Zusagen bekommen, aber niemand habe bis heute sein Wort gehalten. Am Schluss fragte er mich rundheraus, ob ich das nicht machen könne. Ich müsse lediglich zu der örtlichen Ausländerbehörde gehen und ein Formular ausfüllen. Damit wäre es für ihn dann kein Problem ein Visum zu erhalten. Ich müsse keine Sorge haben, dass er mir zur Last fallen, bei mir wohnen wolle, denn er habe genug Reisegeld und auch Freunde in Deutschland, die er besuchen könne. Hörte sich einfach an, so dass ich spontan zustimmte. Warum sollte ich einem solch netten, anständigen Kerl keinen Gefallen tun? Doch just in dem Moment änderte er seine Taktik. Lud mich ein, doch mal mit ihm auszugehen. Er könne mir Hurghada einschließlich der besten Discos zeigen. ´Hoppla, jetzt kam doch die Anmache? Nee, mein Jungchen, du bist nicht mein Typ und außerdem zu jung. Beim Kindergartenalter bin ich nun doch noch nicht angekommen.` dachte ich, deshalb beschränkte ich meine Zusage auch sofort. Ein Disco – Besuch gerne, aber nur zusammen mit meinen Freunden, die sich zurzeit in Hurghada aufhielten. Vielleicht morgen Abend, wenn meine Freunde Lust dazu hätten. Danach versandete das Gespräch.
Müde, von der langen Fahrt, konnte ich dann endlich, kurz nach 22 Uhr, vor dem Hotel Palm Beach aussteigen. Die hellbeleuchtete Hotelhalle war geräumig und großzügig ausgestattet. Mehrere komfortable Polstergruppen, schöne große Pflanzendekorationen, mächtige Kristallleuchter, sowie marmorbeschichteter Boden gaben dem Hotel ein elegantes Entree. Hinter der langen Theke standen 3 livrierte junge Männer, die mir freundlich: „Welcome in Egypt, and welcome in ouer Hotel.“ wünschten. Das erste Problem ereilte mich. Niemand sprach deutsch, ich nicht Englisch. Au weia, das konnte ja heiter werden. Sprachunbegabt, wie ich nun mal war, sah ich mich kleineren Schwierigkeiten gegenüber.
Von dem wirklich schönen Zimmer, gemütlich mit 2 großen französischen Betten, Frisierkommode, 2 Sesseln, Kofferablage und geräumigen Einbauschrank ausgestattet, war ich angenehm überrascht. Als ich die Badezimmertür öffnete, in den decken hohen Spiegel über dem Marmorwaschtisch sah, von der exklusiven Einrichtung begeistert. Doch ein Ausruf des Entzückens entfuhr mir, als ich den Balkon betrat. Hier hatte ich die gesamte Gartenanlage mit einem romantisch beleuchteten Swimmingpool zu meinen Füßen liegen, konnte am Ende der Anlage noch das Meer sehen, phantastisch. Dieses Hotel entschädigte mich für alle bisherigen Querelen.
Als ich jedoch eine gute Stunde später, nachdem ich ausgepackt und mich erfrischt hatte, die Hotelhalle betrat, erlebte ich eine Enttäuschung. Die Rezeptionsbesatzung zuckte auf meine Frage nach einem Imbiss, lediglich bedauernd die Schultern. Um diese späte Uhrzeit gäbe es keine Speisen mehr. Ein echter Minuspunkt für dieses gute Haus. Ich war gezwungen, hungrig schlafen zu gehen.
Herrlich ausgeruht und mal ohne Rückenschmerzen, wurde ich recht früh wach. Von meinem Balkon aus bot sich ein eben so schönes Panorama, wie in der Nacht zuvor. Nur diesmal mit strahlendem Sonnenschein. Ausgiebig duschte ich, zog Bikini an, einen Trainingsanzug darüber und begab mich Richtung Haupthaus, zum Speisesaal.
Ein Oberkellner prüfte meine Zimmerkarte, wies mir dann den Weg zu meinem Tisch. Das reichhaltige Frühstücksbuffet entsprach der Exklusivität des Viersterne-Hauses. Der sympathische Kellner war recht häufig mit der Kaffeekanne in meiner Nähe, lächelte mir auffällig oft zu, das ich zu der Vermutung neigte, schon wieder einen Verehrer gefunden zu haben. Dabei suchte ich nicht danach, denn meine Erinnerung an Sobeih erfüllte noch meine Gedanken.
Als erstes machte ich einen Spaziergang durch die schöne Hotelanlage. Der Muschelförmige Pool war in der Mitte mittels einer schmucken Holzbrücke zu überqueren und ringsherum standen weiße Holzliegen mit blauen Polsterauflagen. Zu der großen Poolbar hatte man großräumig Tische mit Stühlen platziert, die einen einladenden Eindruck machten. Einige Bäume der dort beginnenden Gartenanlage spendeten ausreichend Schatten. Viel Blumen und exotische Sträucher zogen sich bis zum Sandstrand hinunter. Auch am Strand hatte man Liegen unter pilzartige Strohdächer gestellt, und wieder für die kulinarischen Genüsse, ein kleines Strandrestaurant mit Sitzgelegenheiten geschaffen. Das Ende bildete ein ins Meer gebauter, langgezogener Anlegesteg für Boote und kleine Jachten.
Nachdem ich alles besichtigt hatte, lockte mich der Sonnenhunger zum Pool. Den Sand mied ich lieber, ich mochte nicht als ´paniertes Schnitzel´ rumliegen. Von der Handtuch Ausgabe am Pool musste ich keinen Gebrauch machen, weil ich lieber mein eigenes Badehandtuch benutzte. In der Nähe des kleinen Towelhouses erwischte ich eine alleinstehende freie Liege. Der dunkelhäutige Junge in dem kleinen Häuschen verfolgte jede meiner Bewegungen, als ich den Traini auszog. ´Mein lieber Mann, so jung und schon Spanner? Was ist denn los mit den Kerlen hier? Die sehen doch täglich halbnackte Weiber.` dachte ich und drehte im den Rücken zu. Andrerseits amüsierte es mich, Männern ein wenig den Mund wässrig zu machen, deshalb wälzte ich mich betont langsam auf der Liege herum. Schließlich musste ich meinen schlanken Körper nicht verstecken, nein, ich konnte mich durchaus sehen lassen. Auch auf meine schlanken Beine konnte ich zu Recht stolz sein. Dank Hautarzt Dr. J.-G., der die unschönen Besenreißer Äderchen, mehr oder weniger erfolgreich verödet (weggespritzt) hatte. Deshalb war mein Fahrgestell fast makellos. Das ehemalige kleine Speckröllchen am Bauch, hatte Dr. A., im gleichen Zug mit dem Halbface - Lifting, erfolgreich reduziert, indem er das Fett absaugte. Leider gelang die Vergrößerung meiner Lippen damit nicht. Das eingespritzte Bauchfett hatte sich schnellstens wieder aufgelöst. Wahrscheinlich fühlte es sich an dem neuen Platz, meinem Mund, nicht heimisch. Doch insgesamt machte ich, mit meinen 55 Jahren auf dem Buckel, ein ansehnliche Figur, um die mich manch wesentlich Jüngere beneiden konnte. Leider fühlte ich mich nicht immer so fit, wie ich aussah. Deswegen lautete stets meine ironische Antwort, auf die Frage nach meinem Alter verbunden mit einem Kompliment bezüglich meines Aussehens: ´Manchmal fühl ich mich wie 80, meistens aber wie 18.` Vor meiner Abreise war ich eher dem höheren Alter näher gewesen.
Gottlob hatte ich nun noch 6 Tage Zeit mich zu erholen. Kraft zu tanken für den nächsten Arbeitsmarathon. Wollte einfach in der Sonne faulenzen, relaxen. Und natürlich mit möglichst viel Bräune in das kalte Deutschland zurückkehren.
Während ich mich faul in der Sonne wälzte hielt ich weiter den SMS Kontakt zu Marina und Mario aufrecht. So erfuhr ich, dass die Beiden am nächsten Tag einen Kulturtrip geplant hatten. Genau dort hin, wo ich eben hergekommen war, nach Luxor. So verabredeten wir ein Treffen für den Donnerstagabend.
Am frühen Abend, auf dem Weg zum Dinner, erwartete mich eine Überraschung. Fast aufgeregt winkte mich einer der Angestellten zur Rezeption und avisierte mir einen Anruf. Spöttisch grinsend reichte er mir den Hörer. Irritiert nahm ich das Telefonat entgegen und fragte verwirrt, mit wem ich denn spräche. „Mohammed hier. Hast du mich schon vergessen? Wir waren doch heute verabredet. Wann soll ich dich abholen? Vielleicht gegen zehn?“
Auch das noch. Den hatte ich tatsächlich völlig vergessen. Der Discoabend. Aber doch nicht heute? Darauf hatte ich nun gar keinen Bock. Was für eine Nervensäge. Ich hatte ihm zwar auch meine Telefonnummer gegeben, aber deutlich gesagt, ich riefe ihn an. Es aber bewusst unterlassen. Da rief mich dieser aufdringliche Typ doch ausgerechnet über die Hotelleitung an.
Etwas unbeholfen stotterte ich, dass ich mich nicht melden konnte, weil Visitenkarte verloren, außerdem meine Freunde auf einer Tour seien, übermorgen erst zurück, deshalb müsse man das verschieben. Ließ mir dann noch mal seine Nummer geben, werde mich melden. Bye. Und gab genervt den Hörer zurück. Das Grinsen des Rezeptionisten wurde noch breiter, dass seine Ohren Besuch von seinen Mundwinkeln bekamen. ´Blöder Affe, was gibt es zu lachen?´ dachte ich empört und wandte mich ab.
Die nächsten beiden Tage vergingen mit sonnen und faulenzen ohne besondere Vorkommnisse, nur eine Kleinigkeit viel mir auf. Alle Hotelangestellten waren männlich, und mit welchem ich auch zu tun hatte, keiner sprach deutsch, so dass ich gezwungen war, teilweise mit Handzeichen zu verdeutlichen was ich wollte, oder die paar Bröckchen Englisch aus dem Gedächtnis zu kramen, die mir zur Verfügung standen. Äußerst lästig. Außerdem wurde deutlich, dass jeder, mit dem ich sprach, mich mit den Augen verschlang, dabei irgendwie versuchte, näheren Kontakt zu knüpfen. Damit waren die Herren bei mir allerdings völlig falsch, die meisten von ihnen gefielen mir nicht. Sie waren von unterschiedlicher Hautfarbe, von hell-, über bronzen oder dunkelbraun bis ganz schwarz und ich hatte nicht gerade eine Vorliebe für Farbige, außerdem waren sie überwiegend noch halbe Kinder. Der Hauptgrund jedoch hieß Sobeih. Ich wählte mehrmals seine Handynummer, doch ohne Erfolg. Niemand nahm das Gespräch an. Ich war enttäuscht, gab aber nicht auf.
Den ersten gutaussehenden Mann in diesem Hotel, sah ich am Pool. Ich hatte längere Zeit auf dem Bauch gelegen, um auch meine Rückseite gleichmäßig zu rösten. Wollte mit einer eleganten Drehung die Lage wechseln, dabei kam mein Bikini Oberteil gefährlich ins Rutschen. Weil ich die Träger abgestreift hatte, war es nicht einfach, gleichzeitig das Oberteil festzuhalten und die Drehung hinzukriegen. So blieb mir nichts anderes, als mich aufzusetzen. Im Aufrichten sah ich geradewegs in ein freundlich lächelndes, männlich schönes, hellbronzenes Gesicht. Irgendwie musste ich mich vor Schreck verhalten haben, ein schmerzhafter Stich im Rückenbereich entlockte mir einen Wehlaut. Der Schmerz veranlasste mich aufzustehen, nach der Stelle zu greifen, sowie mit rechts – links Drehungen eine Lockerung der Muskeln zu versuchen. Der Schöne kam näher, lächelte, wies auf meinen Rücken und sprach leise auf mich ein. Mehr an seiner Gestik als seinem Englisch, verstand ich, das er mir zu Massagen riet. Ich lehnte freundlich ab. Dann versuchte er mich zur Gymnastik zu animieren, was ich ebenfalls mit einem energischen Kopfschütteln bedachte. „Ich will nur relaxen.“ Achselzuckend, mit gleichbleibendem Lächeln, wandte er sich zum gehen. Ich sah ihm nach, nicht sehr groß aber dafür sehr breit, ein durchtrainiertes Muskelpaket. Man sah den Bodybilder. Sein Gang glich einem tanzenden Bär.
Nach dem Vorfall passierte es des Öfteren, dass ich bei meinen Wendemanövern in sein lächelndes Gesicht sah. Dabei stand er immer an der gleichen Stelle, neben dem kleinen Handtuchhäuschen, und sah interessiert auf mich herab. Bewusst achtete ich schon vor meiner Liegekorrektur darauf, die Drehung so elegant wie möglich hinzukriegen, in der Vorahnung, dass der Muskelprotz auf seinem Beobachtungsposten stand. Einmal, als ich sein jungenhaft, leicht verlegenes Lächeln erwiderte, dachte ich: `Nee Jungchen, du bist zwar die süßeste männliche Ausgabe, die mir hier begegnet ist, aber für mich leider zu jung.` Ich schätzte ihn auf Anfang zwanzig. `Außerdem stehe ich überhaupt nicht auf Bodybilder.` Dennoch sah ich ihm immer nach, mich faszinierte sein elastisch tänzelnder Gang.
Meinen kleinen Kellner hingegen, sicher schon Ende zwanzig, oder Anfang dreißig, hätte ich wahrscheinlich nicht von der Bettkante gestoßen. Aber, da blockierte ja ein anderer meine Wunschvorstellungen, Sobeih.
Donnerstag nach dem Abendessen wollte ich dann die anderen beiden Urlauber treffen. In der Hotelhalle fand ich eine kleine Taxirezeption, die Wagen standen draußen bereit. Das Ortszentrum war 17 Kilometer entfernt und gleich an dessen Anfang fand ich das Hotel Shedwan Golden Beach. In dem Marina und Mario wohnten. Schon beim Aussteigen sah ich die Beiden. Sie saßen auf der Terrasse des Restaurants Mafia, das sich gleich neben dem Hoteleingang befand.
Mit freudigem Hallo begrüßten wir uns und Mario konnte es sich nicht verkneifen zu frotzeln: „ Na du, hab ich dir nicht gleich gesagt, dass es hier viel interessanter ist, als auf `nem Schiff? Hier ist Leben. Die tote Hose Luxor kannst`e ja wohl vergessen. Ist sicher mal ganz nett, so`n Trip, aber uns hat ein Tag schon gereicht. Aber `ne ganze Woche? Nee, du. Lass mal, pass mal auf, Schnecke, ich werd dir gleich mal die Stadt zeigen. Hier ist der Bär los!“
Bevor ich auch nur einen Ton entgegnen konnte, redete er munter weiter: „Und erzähl. Was macht die Liebe? Wie viel Kerle haste denn schon verrückt gemacht? Wie ist dein Hotel? Schön? Ich wohn ja am liebsten hier im Shedwan. Hier fühl ich mich wie zu Hause. War ja schon dreimal hier. Aber es ist auch ein wirklich schönes Haus.“
„Ach Mario, was Du finden schön. Zimmer haben kein schönes Möbel. Und Essen isse auch nich so toll. Auch nix richtig sauber alles. Haben isch schon viel besser gesehen.“ Widersprach Marina heftig in ihrem fürchterlichen Ausländerdeutsch.
Obwohl ich nicht begreifen konnte, wie jemand so dumm und faul sein konnte wie die Portugiesin, schon 5 Jahre in Deutschland und hatte unsere Sprache immer noch nicht gelernt, verzichtete ich auf Korrektur. In den fast 2 Jahren, die sie bei mir arbeitete, hatte ich unzählige Male versucht, ihr die Feinheiten unseres Sprachgebrauches zu erklären. Vergebliche Liebesmüh. Sie konnte und wollte keine Lehre annehmen, sie war zu narzisstisch. Meinen Ohren tat es dennoch immer wieder weh, ihr zuzuhören. ´Wenn Dummheit weh täte, würdest du den ganzen Tag schreien` dachte ich.
Als der Kellner nach meinen Wünschen fragte, gab Mario mal wieder eine Kostprobe seiner Art. In einem Kauderwelsch deutsch – englisch versuchte er zu dolmetschen, wobei er seine Vertrautheit mit dem Ägypter demonstrierte. Der Mann reagierte freundlich, nannte Mario beim Vornamen, und lachte über dessen Witze, die er bestimmt genauso wenig verstanden hatte, wie ich. Typisch Mario, ein Hans – Dampf – in allen Gassen, das kannte ich an ihm. Oft schoss er dabei leicht übers Ziel hinaus, machte Jedermann zu seines Gleichen, manchmal so unpassend, dass es mir peinlich gewesen war. Das Gefühl der Peinlichkeit kannte Mario überhaupt nicht. Na ja, alles eine Frage der Kinderstube. Bei der Mutter, von geringer Intelligenz, dafür sehr lieb und familiär, eben karoeinfach gestrickt, kein Wunder. Wie meine sterile Tochter Ramona, die immer auf diskretes Benehmen bedacht war, mit diesem Mann 16 Jahre hatte Zusammensein können, blieb mir auf ewig ein Rätsel. Wir erzählten uns gegenseitig die bisherigen Erlebnisse, wobei Mario mit seinen Ortskenntnissen und den fielen ägyptischen Freunden, deutlich im Vorteil war.
Dann schlenderten wir durch die nahegelegene kilometerlange City, in der sich ein Souvenir – und Goldshop, an den anderen reihte. Die Verkäufer standen alle vor den Läden, begrüßten jeden vorbeigehenden Touristen mehrsprachig und versuchten diese ins Geschäft zu locken. Ein buntes, exotisches Bild, das ich bei meinem vorherigen Besuch nicht gesehen hatte. Jeder dritte kannte Mario´ s Namen, rief ihm freundlich lachend etwas zu, wie: “Wie geht es?“ Oder: „Komm doch rein.“ „Trink einen Tee mit mir.“ Offensichtlich war er hier wirklich gut bekannt, was mich bei seiner Art eigentlich nicht sonderlich wunderte.
Nach einigen Kilometern Fußmarsch, verging mir, dank der schlechten Straße, die Lust. Ich hatte für dieses Pflaster, oder wie man den unterschiedlichen, stückweise fehlenden, Straßenbelag, auch nennen konnte, die falschen Schuhe an. Meine schicken Riemchen -Sandaletten hatten viel zu dünne Sohlen, und wegen des offenen Schuhwerks, behinderten mich ständig kleine Steinchen. Auf dem Rückweg entschlossen wir, uns zum Ausklang des Abends, noch einen Drink zu nehmen. Auch in dem einheimisch geführten Kaffeeshop kannte man Mario.
Nachdem der Luftikus mir einen Kleinbus angehalten, mich von der Kunst seines Verhandlungsgeschickes, bezüglich des Fahrpreises, überzeugt hatte, war ich endlich auf dem Rückweg zum Hotel. Ich war hundemüde.
Der nächste Sonnenanbetungstag war ruhig und erholsam, obwohl die Towelboys ständig versuchten, mir eine Massage schmackhaft zu machen. Hierbei kam mir mein mangelndes Englisch zugute. Ich mimte die Nichtverstehende. Der hübsche Muskelmann stand wieder mehrmals auf Beobachtungsposten. Es amüsierte mich. Mehrere Male wählte ich die verflixte Handynummer, es klingelte bis zum Besetztzeichen, keiner antwortete.
Am Abend besuchten mich M und M in meinem Hotel. Fanden die Lage zu weit außerhalb, waren jedoch von der Anlage begeistert. Marina sauer, fragte sogleich: „Warum du mich nich bringen, in so schöne Hotel? Isse viel besser als scheiß Shedwan.“
Mario verzichtete auf eine Entgegnung, ignorierte die Bemerkung einfach.
In der Hotelbar war der Betrieb recht mäßig. Wir langweilten uns an, bis mein kleiner Lieblingskellner an unseren Tisch kam, mit einem freundlich “Hello,“ unsere Hände schüttelte und mich fragte: „ Your daughter?“ Ich verneinte kopfschüttelnd, versuchte mich in Englisch: „No, dis is my son. And dis is sein girlfriend“
Ungläubig meinte er: “No, I cant believe it. He looks older then you. I Think, you joke me.”
Nachdem die Beiden sich verabschiedet hatten, versuchte ich zum xten Mal die Handynummer. Ohne Erfolg. Frustriert schlief ich ein.
Beim Aufwachen erinnerte ich mich an meinen konfusen Traum von wildem Sex. Eigenartigerweise hatte das Opfer meiner sexuellen Gelüste zwar Sobeih´s Gesicht, doch den Körper des schönen Bodybilders. `Geiles Huhn,` schalt ich mich selbst. `Ist es schon so weit gekommen, dass du dir den Mann deiner Träume selber strickst? Wie kann man denn in deinem Alter noch so geil sein. Nun sei ein braves Mädchen, vergiss es und geh lieber frühstücken.´ Beim duschen musste ich kichern weil mir unvermittelt einfiel: `Strühficken wär mir jetzt lieber.`
Beim Verlassen meines Bungalowhauses sah ich aus dem gegenüberliegenden Massageraum eine Frau mittleren Alters, ziemlich zerzaust, mit erhitzten Gesichtsausdruck, eilig die Tür schließen. Das musste ja eine tolle Massage gewesen sein, so zerrupft wie die aussah. `Frisch gefickt sah die eher aus,` dachte ich. Schämte mich gleichzeitig meiner Gedanken. `Meine Güte, Ruthchen, kannst du denn auch mal an was anderes, als Sex, denken? Nee. Im Moment nicht. Ich bin einfach geil. Vielleicht macht das die Sonne, die Ruhe und das Meer. Oder das Überangebot an sexhungrigen Männern!´
Doch der Tag wollte nicht zu Ende gehen, ohne die ständigen Gedanken an Sex. Im gehen, stehen, sitzen und liegen, bei jeder Gelegenheit, jedem Anlass, ich dachte nur an das Eine. Den Help your self Versuch konnte ich mir sparen, dazu fehlte mir die Fingerfertigkeit. Und meinen batteriebetriebenen Brummi hatte ich leider zu Hause gelassen.
Auch die nächsten beiden Tage beinhalteten nur Müßiggang mit sexuellen Phantasien, und der ständigen offenen sowie versteckten Angeboten der Männer in meiner Umgebung. Am letzten Tag vor meiner Abreise, verließ mich die Sonnenlust recht früh mit dem Aufkommen eines kühlen Windes. Weil ich auch keine Lust hatte, bis zum Abendessen vor der Glotze rumzusitzen, wollte ich die Zeit mit einer Massage überbrücken. Nach langem hin und her Geschiebe mit der Zeit, einigte ich mich mit dem baumlangen, dürren Neger auf 17 Uhr. Hoffentlich massierte er besser, als er Termine machte. Gut gelaunt ging ich auf mein Zimmer, duschte ausgiebig, nahm mir viel Zeit für meine Frisur. Mitten im stylen klingelte das Zimmertelefon. Zu meinem Erstaunen erklärte mir eine männliche Stimme, ich habe den Massagetermin vergessen, er warte seit 15 Minuten auf mich. Tatsächlich war es schon 17.15. Wie peinlich. Ich versicherte, ich käme sofort, sprang in die bereitgelegte Kleidung, betrachtete mich noch mal kurz im Spiegel. Hautenge schwarze Samthose mit Schlag, passendes Top sowie Jäckchen mit Kunstpelzkragen, für die abendliche Kühle. Gut so, ich war für das anschließende Essen perfekt angezogen.
Als ich die Haustür hinter mir ins Schloss warf, auf den Massageraum zu düste, sah ich sofort die beiden Ägypter vor der Massagetür stehen. Der dünne Schwarze und Mister Muskelprotz. Einer pfiff anerkennend durch die Zähne. Das verunsicherte mich etwas. `Nur nicht stolpern.` dachte ich.
Der Schwarze wandte sich zum gehen, Muskelmann sah mir grinsend entgegen und hielt mir die Tür auf. „Bist du der Masseur?“ fragte ich verdattert. Er nickte schweigend.
Der Raum war wie die Gästezimmer geschnitten, aber spärlich eingerichtet. Außer der großen breiten Massageliege, einem kleinen Korbsessel als Kleiderablage, dem üblichen Frisiertisch, der hier als Schreibtisch dienlich war und einem Stuhl, hatte man keine weitere Möblierung für nötig befunden.
Er wies mich an die Kleidung auf den Sessel zu legen und drehte mir den Rücken zu, um frische Badetücher zu holen. Hastig zog ich mich bis auf den Slip aus, stand dann verlegen mitten im Raum. Oh Gott, wie unangenehm. Nachdem er die Tücher auf der Liege ausgebreitet hatte, deutete er mit einer stummen Geste an, ich solle mich legen. Schamhaft legte ich mich auf den Rücken und starrte angestrengt zur Zimmerdecke. Wieder nur mit der Drehung seiner Hand wies er mich an, ihm meine Rückseite zuzuwenden. Er beschäftigte sich kurz mit der kleinen Musikanlage, ging noch mal ins Bad, kam mit frisch gewaschenen Händen zurück und fragte: „What for Oil You like, Peppermint or Roses?“
„Rosen. Bitte.“ Krächzte ich heiser. Was war mit meiner sonst so dunklen kräftigen Stimme? Dann begann er mit meinen Beinen. Ich schloss die Augen. Seine Hände waren warm, klein, kräftig und sehr glitschig. Mit dem Öl hatte er nicht gespart. Ein angenehmer Rosenduft umhüllte meine Sinne und wunderschöne alte Lovesongs klangen leise aus den Lautsprechern. Ich ließ mich fallen, fühlte mich wunderbar relaxt und gleichzeitig sexuell stimuliert. Er verstand sein Handwerk.
Bei der Lovestory summte er leise mit und massierte am Schluss meine Hände, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Ein Strom von seltsamer Energie ging von ihm aus, faszinierte mich so sehr, das ich mich hätte verlieren können. Was bezweckte er damit? Oder war es einfach nur seine Art, seinen Job zu machen? Er machte nicht einen unsittlichen Griff, so wie ich es mal in Spanien erlebt hatte, aber er heizte mich auf. Unglaublich.
`Verdammt, was bildest du dir ein, Ruth? Der Junge macht doch gar nichts Ungewöhnliches. Reiß dich zusammen. Gleich ist er fertig. Dann ist der Spuk vorbei. Denk lieber an das leckere Buffet statt an den schönen Jüngling. Was soll der denn von ´nem Barockteenie wollen?`
Endlich ließ er meine Hände los. Fertig. Ich richtete mich auf, wollte von der Liege hüpfen, aber er schüttelte den Kopf. Sah mir lächelnd in die Augen und deutete mir an sitzen zu bleiben. Er stellte sich vor mich, legte meine Hände auf seine Schultern, die Seinen auf die Meinen und demonstrierte mir, dass ich tief ein und ausatmen solle. In dieser Position war sein Gesicht mir so nah, dass mich seine Nase fast berührte. Er sah mir tief in die Augen und atmete mit mir im Gleichklang. Aus Angst, er könne meine Gedanken lesen, meine sexuellen Träume in meinen Augen sehen, schloss ich diese schnell. So stehend massierte er noch einmal meine Nackenmuskeln.
Am Ende der kuriosen Zeremonie musste ich mich wieder hinlegen um abzuspannen. Er legte mir ein frisches Tuch über und ging ins Bad. Ich hörte das Wasser rauschen. Nachdem ich mich angezogen und gezahlt hatte, fragte er ob ich einen Termin für den nächsten Tag wünsche. Etwas umständlich erklärte ich ihm, dass dies nicht ginge, da ich abreisen müsse. Nach einigem hin und her, bedingt durch unsere Sprachschwierigkeiten, hatte er mich dennoch überzeugt, dass ich die Zeit nutzen solle, um eine letzte Massage zu buchen. Wir einigten uns auf 10 Uhr, da der Transfer zum Flughafen erst um 13.30 vorgesehen war. Ob ich nun den gleichen aufgewühlten Eindruck machte, wie die massierte Dame letztens? Egal, ich wusste jetzt warum. Diese Massage war es wert. Der Masseur auch.
Total aufgekratzt, herrlich erfrischt, aber auch ziemlich ölig, eilte ich Richtung Speisesaal. Doch während ich zum letzten Mal das köstliche Buffet genoss, schlich sich eine kurz, vergessene Sehnsucht wieder ein. Sobeih. Gelangweilt schlenderte ich durch die Hotelhalle, bis das Schild „Callcenter“ mir ins Auge stach. Das war doch die Lösung meines Problems. Auf dem kleinen weißen Kärtchen stand auch eine Rufnummer in Kairo, Sobeih`s Privatnummer. Hatte er nicht gesagt, dort könne ich ihn dann erreichen, wenn sein Handy nicht funktioniere? Klar, das wollte ich versuchen. Gedacht, getan. Beim dritten Anruf meldete sich eine Frauenstimme. Leider konnten wir einander nicht verstehen. Meine Versuche, zu erklären, dass ich Sobeih sprechen möchte, scheiterten an der Sprache. Sie sprach nur arabisch. Ich gab auf. Meine eben noch gute Stimmung sank auf den Nullpunkt.
Nachdenklich ließ ich mich in einer Sitzgruppe im der Halle nieder. Beobachtete gedankenverloren die Leute. Plötzlich fiel mir der hässliche Mann auf, der in der Hotelhalle einen Souveniershop betrieb. Ich hatte ihn schon mehrfach gesehen, wegen seiner unangenehmen Hässlichkeit jedoch nie einen Gedanken an ihn verschwendet. Jetzt stand er ganz in meiner Nähe und ich hörte seiner Unterhaltung zu, weil er ausgezeichnet deutsch sprach. Er sagte gerade: „Gerne, wenn ich jemanden helfen kann. Immer gerne.“
Das war ja perfekt, wenn er so gerne half, warum nicht auch mir? Fragen kostet nichts. Also wartete ich bis sich seine Gesprächspartner verabschiedet hatten. Dann ging ich zum Angriff über. „Vielleicht können Sie mir auch helfen?“ rief ich ungeniert, dabei setzte ich mein charmantestes Lächeln auf und sah ihn an.
Interessiert kam er näher. „Gerne, schöne Frau. Wo liegt das Problem? Was kann ich für Sie tun?“ antwortete er freundlich. Nur sein Blick, der mich von oben bis unten musterte, sodass ich das Gefühl hatte, er zöge mich mit den Augen aus, ließ mich frösteln.
Egal, ich erklärte ihm mein Problem mit der arabischen Sprache während des Telefonates. Sofort bat er um die Rufnummer, nahm sein Handy und wählte. Auf meinen Protest, dies sei zu teuer, er könne doch vom Callcenter, ich wolle ihn nicht auf Kosten treiben, dies sei meine Sache, somit auch meine Rechnung, lehnte er ab: „Für eine schöne Frau, wie Sie, ist mir nichts zu teuer.“
Zu schleimig für meinen Geschmack. Aber im Hinblick auf den zu erwartenden Erfolg, schwieg ich. Belohnte ihn mit einem Augenaufschlag.
Er hatte tatsächlich Erfolg, sprach kurz arabisch, hörte dann eine Weile zu, wobei sich sein Gesichtsausdruck zunehmend verfinsterte. Er beendete das Gespräch, sagte etwas, was sich dem Tonfall nach nicht nett anhörte und meinte: „Vergessen Sie diesen Scheißkerl. Die Frau hat mich beschimpft, dass es eine Zumutung war. Woher kennen Sie den Kerl denn? Ist er auch einer von den Tourleadern, die allen Frauen das Blaue vom Himmel versprechen, und Frau und Kinder zu Hause haben? Haben Sie das nötig? Eine Frau wie Sie? Nein! Vergessen Sie den ganz schnell wieder. Entschuldigung, aber solche Männer gibt es hier sehr viele. Und es regt mich immer wieder auf, dass ausgerechnet die schönsten Frauen, auf so einen reinfallen. Nicht böse sein, bitte. Kommen Sie, ich lade Sie zum Trost zu einem Tee ein. Kommen Sie schon, ich beiße nicht.“ Lachte er, nahm mich bei der Hand und zog mich in Richtung seines Bazars. Na ja, ich schuldete ihm was. Also ging ich mit, obwohl ich eigentlich keine Lust hatte. Aber warum nicht. Schließlich wusste ich eh nichts mit dem langweiligen Rest des Abends anzufangen.
Sein Mitarbeiter begrüßte mich wie eine alte Bekannte, lief dann hinaus und brachte kurz darauf heißen schwarzen Tee in den üblichen kleinen Gläschen. Der Gastgeber stellte sich als Mustafa vor und ich gab ihm meine Visitenkarte. Er war ein charmanter Unterhalter. Wir plauderten über Gott und die Welt, ich erfuhr dass er mit einer Tschechin verheiratet war, täglich auf die Geburt seines ersten Kindes warte. Irgendwann lenkte er das Gespräch geschickt auf meine geschäftlichen Aktivitäten, fragte ob wir denn auch ein Bauchtanzkostüm hätten und als ich verneinte, brachte er es tatsächlich fertig, mich davon zu überzeugen, dass dies sicher eine Bereicherung für uns sei. Er war kein schlechter Verkäufer. So schlecht fand ich die Idee schon deshalb nicht, weil ich bis dato kein Mitbringsel für Rabea gekauft hatte. Also sah ich mir seine Bauchtanzkollektion an. Da sich die Kostüme im Großen und Ganzen lediglich in den Farben unterschieden, entschied ich mich für ein royal blaues. Über den Preis von 200 DM ließ er nicht mit sich handeln. Weil ich nicht so viel in der Tasche hatte, wollte ich das Geld vom Zimmer holen. Er meinte, ich möge gegen 23 Uhr kommen, da er mal kurz nach Hause müsse, nach seiner hochschwangeren Frau sehen. Sein Mitarbeiter werde mir das Kostüm nicht zu diesem günstigen Preis überlassen, daher sei es sinnvoll, ich käme, wenn er zurück sei. Das sah ich ein. Also langweilte ich mich die Zeit bis dahin mit fernsehen auf meinem Zimmer.
Punkt 23 Uhr betrat ich den Laden. Mustafa war allein. Er hatte das gute Stück, wie er mir versicherte, schon bereit gelegt. Meinte aber, ich müsse es unbedingt probieren. Ich protestierte, schließlich sei es für meine Tochter und die habe ganz andere Formen als ich. Er überzeugte mich jedoch, dass ich wenigstens mit der Anprobe des Oberteiles, eine Vorstellung von der Qualität und des Passvermögens bekäme. Schließlich wolle ich doch, als Geschäftsfrau, nicht die Katze im Sack kaufen. Ich ließ mich in die kleine Kabine schieben und mir den BH in die Hand drücken. Dass dieser Strolch ganz andere Beweggründe hatte, wurde mir sehr bald klar. Kaum hatte ich den Oberkörper frei, schob er den Vorhang beiseite und drängte sich in die enge Kabine. Ich wies ihn empört aus der Kabine und griff gleichzeitig zu meinem Pulli. Doch er hatte wohl schon Übung darin, die enge Kabine zu versperren und gleichzeitig seinen Penis aus dem Hosenschlitz zu holen.
Entsetzt sah ich sein kleines schwarzes Schwänzchen, das genau so hässlich war, wie sein Besitzer, aufrecht aus seiner Hose ragen. Ich schimpfte:„Lass mich sofort hier raus, du Schwein.“ Dabei versuchte ich an ihm vorbei zu kommen.
Rechts, links, unmöglich, geradeaus ebenso, der Ausgang war versperrt. Er rückte mir näher, so dass ich vor Schreck auf den Hocker fiel. Ich saß. Sein hässliches kleines Ding rückte meinem Gesicht bedenklich näher, während er bettelte: „Komm, nimm ihn doch nur einmal in den Mund. Sei doch nicht so. Ich bin so geil. Hab so lange keinen Sex mehr gehabt. Du weißt doch, meine Frau ist hochschwanger. Ich will nicht ficken. Nur ein bisschen blasen, bitte, bitte. Du bist doch sicher auch geil. Alle Frauen die hier hin kommen, sind geil. Mach doch endlich, sonst spritz ich noch vorher. Bi.....“
Angeekelt versuchte ich aufzuspringen, unmöglich, er drückte mich nieder. Verzweifelt schrie ich, so laut ich konnte: „Hilfe, Hilfe, ist denn niemand.....“
Er hielt mir den Mund zu, packte in Windeseile mit der anderen Hand sein ekliges Ding ein, und flüsterte ängstlich: „Schon gut, schon gut. Ich lass dich ja raus. Bitte sei still. Entschuldige bitte, ich weiß auch nicht was in mich gefahren ist. Aber bitte, mach mir keine Schwierigkeiten. Verzeih mir. Ich gehe ja schon. Zieh dich an und bitte, bitte, mach kein Theater. Bitte.“ Damit verließ er die Kabine. Der Weg war frei.
Ich warf meinen Pulli drüber, griff meine Handtasche und raste raus aus der Falle. Wollte so schnell an ihm vorbei, dass ich fast das Kostüm vergessen hätte. Leider hatte er schon das Geld. Er hielt mir eine Tüte hin. Ich riss ihm den Plastikbeutel aus der Hand und sauste ihm Eilschritt Richtung Halle. So ein mieses Schwein. Ich schämte mich. Wie konnte so etwas ausgerechnet mir passieren? Hielt ich mich doch für ausgeschlafen und siebenmal chemisch gereinigt. Dann so was. Tappe wie ein Dorftrampel in so eine billige Falle. Hatte meine Geilheit mir tatsächlich schon das Denkvermögen vernebelt? Ich beschloss, niemals jemanden davon zu erzählen.
Lange lag ich wach, hatte eine Stinkwut im Bauch, mehr auf mich selbst, als auf den Dreckskerl. Dachte über die Orientalen nach, die ich bis dato kennen gelernt hatte, kam zu der Weißheit letztem Schluss, besser doch kein Urlaubsflirt. Dass meine lebenslange Einstellung zum Thema Urlaubsliebe doch die Richtige war. Also abhaken, die Kerle hier. War ne schöne Reise, aber nicht unbedingt wiederholungsbedürftig.
Das penetrante Klingeln des Telefons riss mich aus einem wilden, konfusen Traum. In Schweiß gebadet sah ich mich im Raum um, ach ja, Palm Beach. Aber wer ließ denn so lange dieses blöde Telefon klingeln. Genervt hob ich ab. Der Masseur, ich hatte den Termin verpennt. „Sorry.“ Stammelte ich. “Aber jetzt ist es zu spät. Sorry.“
„NO NO.“ Widersprach der schöne Masseur heftig. „I cancel the next Dating. Please, come.”
“Ok. In zehn Minuten.” Versprach ich und sprang aus dem Bett, rannte ins Bad, musste auf die Dusche verzichten. Katzenwäsche, Zähne, Gesicht, Ohren, Hals, Achselhöhlen und Genitalbereich, reinigen, musste im Moment genügen. Rein in Bikini und Traini und los.
Er stand wieder in der offenen Tür und der Anblick des Schönlings ließ mich erschaudern. Wieder behielt ich das Höschen an, diesmal legte ich mich gleich auf den Bauch. Die Badezimmergeräusche, das Erklingen der sanften Musik und der Rosenduft, waren mir schon vertraut. Diesmal kam hinzu, dass er den Raum leicht abdunkelte. Warum war ich so nervös? Wegen der vorgeschrittenen Uhrzeit, oder der spannungsgeladenen Atmosphäre, die im Raum schwang? Er spürte es wohl auch. Mit leisen Zischlauten suchte er mich zu beruhigen. Dann begann er.
Ich gab mich mit geschlossenen Augen seinen Händen hin und träumte dabei, er sei nackt. Die Vorstellung erregte mich aufs Höchste. Fest presste ich die Lippen zusammen um nicht vor Wollust zu stöhnen. Dabei hatte ich das eigenartige Gefühl, er massiere diesmal anders. Manchmal hielt ich die Luft an, wenn er eine besonders sensible Stelle an mir erwischte, von der ich nie zuvor gewusst hatte, dass ich dort so empfindlich war. Danach versuchte ich, die angehaltene Luft, so leise als möglich, wieder abzulassen.
Es war ein Genuss und Qual zugleich. Nie hatte ich derart seltsame Gefühlschwankungen bei einer Massage empfunden. Er war ein Magier. Beherrschte die Magie der Erotikerzeugung. Diesmal ließ er meine Hände unberücksichtigt. Schon fertig? Schade. Oder wieder die Sitzmassage? Ich wollte mich aufrichten. Nein, er deutete mir an mich umzudrehen. Rückenlage? Was gab das denn? Ganz was Neues. Mit offenen Augen, gespannt der neuen Variante, lag ich freibusig vor ihm. Seine Augen tasteten unverhohlen meinen Körper ab. Blieben kurz an meinem Busen hängen, um sich dann in meinen Augen zu vertiefen. Er lächelte diesmal nicht. Ein kribbeln durchlief meinen Körper, als er sich hinter die Kopfseite stellte, auf mich herabsah, und begann meinen Kopf und Nackenbereich zu massieren. Dabei löste er keine Sekunde den Blick aus meinen Augen. Leise begann er zu mitzusingen, es war ein orientalisches Lied. Es klang sehr traurig. Ich war total verwirrt, unfähig mich seinem Blick zu entziehen. Völlig in dem Bann seiner sentimentalen Stimmung gefangen. An den Armen langsam herunter gleitend kam er dann zu der Handmassage. Der Höhepunkt der Sinnlichkeit. Er rieb unsere Handflächen gegeneinander, verkeilte seine Finger zwischen die Meinen, und mir kam der Verdacht, dass es denkbar wäre, auf diese Weise einen sexuellen Höhepunkt zu erleben. Das war keine Massage mehr, das war Sex. Auf einer ganz ungewöhnlichen Ebene.
Mir entwich ein Stöhnen und ich schloss erschrocken die Augen. Das hatte ich die ganze Zeit vermeiden wollen. Sekunden später fühlte ich seinen Atem über mein Gesicht gleiten, ich öffnete die Augen, sein Mund war mir ganz nahe. Er lächelte, küsste mich zart und zaghaft, seine Hände glitten gleichzeitig zu meinem Busen, den er zärtlich mehr streichelte als massierte. Ich erwiderte seinen Kuss indem ich die Lippen ein wenig öffnete. Mit erleichtertem Stöhnen öffnete er den Mund und seine Zunge berührte die Meine. Sein Kuss wurde wild und leidenschaftlich, seine Hände tasteten meinen Körper hinunter, über den Bauch bis zum Schamhügel.
Er löste seine Lippen, sah mich an und fragte erregt: „You want Sex?“
„Yeah.“ Hörte ich mich sagen und es kam schneller als ich denken konnte.
Im Schnelltempo warf er seine Kleidung ab, einfach auf den Boden. Nackt rannte er ins Bad. Welch ein Anblick, seine nackte Rückseite. Welch ein geiler Arsch. Wahnsinn. Ein Traum? Nein, er kam zurück, nackt wie Gott in schuf. Traumhafter muskelgestählter Köper, mit hochstehendem steifen Penis. Ein Kondom in der Hand, dessen Verpackung er im Gehen aufriss, sich das Gummi überstreifte und mit einem Satz auf die Liege sprang. Automatisch öffnete ich die Schenkel, er stieß seinen Schwanz so heftig in meine Muschi, dass ich aufstöhnte.
Schnell und hart waren seine Bewegungen, suchend und liebkosend sein Mund, und von sanfter Weichheit seine Haut. Jedoch ohne jeden Laut rammelte er kurze Zeit, bis zu seinem Höhepunkt, den ich erst bemerkte, als er sich zurückzog. Genauso hastig wie er gekommen war, sprang er von der Liege und ging ins Bad. Das Wasser rauschte und ich wusste nicht ob ich nun lachen oder mich ärgern sollte. Wusste nicht wie mir geschah.
Sollte das schon alles gewesen sein? Ein kurzes Gerammel ohne Vor – und Nachspiel? Hauptsache er war fertig? Na, Bravo. Das war doch genau der Sex, wie ich ihn liebte. Mist, das hätte ich mir sparen können.
Er kam zurück, mit steifem Schwanz. Lächelte verlegen, nahm mich in den Arm, küsste mich und aus seinen Erklärungen verstand ich lediglich, dass er sich damit entschuldigen wollte, dass er seit Monaten keinen Sex mehr gehabt habe. Schien ja in diesem Land ne Volksseuche zu sein.
Ein wenig besänftigt, nickte ich und ging ins Bad. Duschte erst mal kurz, danach fühlte ich mich besser. Als ich zurück kam, saß er auf der Liege und sah mir entgegen. Ebenfalls wartete auf mich, sein immer noch stehender Schwanz.
Sein Blick folgte dem Meinen, er hielt mir seine Hand hin, zog mich heran und fragte, das charmante Jungenhafte Lächeln im Gesicht: „You want still again?“
Als ich nickte, rannte er strahlend los, kam wieder mit einem Kondom in der Hand zurück und erklärte: „The last.“
Wenn ich gehofft hatte, die Sache werde nun anders laufen, so hatte ich mich in einem Punkt getäuscht, das Vorspiel fiel aus, dafür dauerte der Akt diesmal umso länger. Er wechselte auch mehrfach die Stellung, und zeigte nun eine Ausdauer, um die ihn mancher Marathonläufer beneidet hätte. Am Ende meiner Kräfte kam ich tatsächlich zum Orgasmus.
Auch das war mir bei dieser Art von Sexpraktik noch nie zuvor passiert. Meine Ansprüche waren aufgrund meiner Erfahrungen, meiner Partner, besonders nach dem letzten Lebensgefährten, doch recht hoch und die Art und Dauer des Vorspiels sehr wichtig. Und nun belehrte mich dieser Jüngling eines Besseren? Unvorstellbar, aber wahr. Fix und fertig, völlig erschöpft, wartete ich auf das freiwerden des Badezimmers.
Ich wusch mich nur, denn ich musste, nach dem Koffer packen sowieso noch duschen und Haare waschen. Oh Gott, die Zeit lief mir weg. Schon 11.30 Uhr. Nur noch 2 Stunden. Mein Magen begehrte auch schon auf, diese Raumlehre war er nicht mehr gewöhnt. Schnell zog ich meine Sachen über und griff zur Geldbörse. Zahlte die Massage, wollte mich verabschieden, doch er hielt meine Hand fest.„You want have my Phonnumber? To send me a Message?” fragte er bittend.
Ich nickte. Er riss einen Streifen Papier aus dem Terminbuch und schrieb seine Handynummer auf. „My Name is Sady.“
Nett das auch mal zu wissen.
Ich holte die letzte Visitenkarte hervor, schrieb meine Handynummer auf die Rückseite und sagte: „Mein Name ist Ruth. Das ist meine Adresse, und meine Handynummer.“
Er nahm die Karte ohne seinen Blick von mir zu wenden und fragte verlegen: „You will send me? Maybe you come back again?“
“Vielleicht? Nein Sady, bestimmt!” Versicherte ich und er strahlte. Dann fielen mir die beiden Kondome ein, die schon ewig nutzlos in meiner Handtasche ruhten, fischte sie heraus, und drückte ihm diese kommentarlos in die Hand.
Er schüttelte verwundert den Kopf: „ No, I dont need it.“
Ich nickte bestimmt: „Doch, nimm. Es waren deine letzten.“ Nachdem er mich zum Abschied geküsst hatte, ging ich schnell.
Ich fühlte mich leicht, wie von einer Last befreit und ein wenig traurig, abreisen zu müssen.
Mein hektisches Kofferpacken und duschen wurde zweimal unterbrochen. Der Boy wollte mein Gepäck holen, und die Rezeption rief an, wann ich denn das Zimmer räumen werde. Endlich war ich fertig. Hastig rannte ich in die Halle, beauftragte die Rezeption, mein Gepäck holen zu lassen, bezahlte per Scheckkarte die Getränkerechnung, dann ging ich zum Pool Restaurant. Eben eine Kleinigkeit essen, mein Magen rebellierte laut und deutlich.
Schon von weitem sah ich Sady. Er stand an der Poolbar mit einem Kollegen. Zögernd steuerte ich auf die Tische zu, unsicher wie er sich verhalten würde. Befürchtete vor den Kellnern bloßgestellt zu werden. Sollte ich umkehren? Zu spät, er hatte mich schon entdeckt. Mir blieb keine Wahl. Ich musste da durch, komme was wolle. Als ich auf ihn zukam, reichte er mir artig die Hand, wünschte mir eine gute Reise. Wie einer Fremden. Dann ging er.
Enttäuscht sah ich ihm nach. `Eben noch gepoppt, jetzt so kalt? Welch eine Mentalität haben diese Männer? Bin ich ein altes Handtuch? Benutzt, beschmutzt und weggeworfen? Selber schuld. Dreifache Mutter und Großmutter, und benimmst dich wie eine läufige Hündin. Schäm dich. Was erwartest Du? Liebe? Ach, Schwamm drüber. Vergiss es.´
Nach dem kleinen Imbiss fühlte ich mich besser, der Bus musste gleich kommen. Ich war kaum in der Halle, der Bus fuhr vor. Während der Fahrer mein Gepäck verstaute, ließ ich mich in einer freien Sitzreihe nieder.
Mein Handy piepste zweimal. Na nu, ne SMS? Jetzt? Von wem? Ich öffnete die Nachricht, glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Nachricht von Sady. „ I wash you a nic trap, dont forget me. Sady” Ich strahlte vor Glück.
Schnell leitete ich die Nachricht an Rabea weiter, schrieb hinterher: `Verstehe ich nicht, was meint er?´
Umgehend kam die Antwort: `Wer ist Sady? Was soll das sein? Englisch? Ich denke: Er wünscht dir eine schöne Reise. Und du sollst ihn nicht vergessen. Was hast du angestellt, Mama?´
Antwortete: `Mein Urlaubs – Quicki! Der Hotel – Masseur! Ganz Süss, schätze ihn auf circa 21/22. Erzähl ´s dir zu Hause. Küsschen´
Während des ganzen Fluges war ich überglücklich. Konnte mich weder auf lesen, noch auf den Spielfilm konzentrieren. Ich träumte von Sady. `Ja, Sobeih, wer zu erst kommt, mahlt zu erst.
War ich verliebt? Ich hätte es nicht sagen können. Eines aber wusste ich genau, diese Reise war dringend wiederholungsbedürftig.
Als ich in Düsseldorf am Gepäckband stand, mein Handy einschaltete, piepste es erneut. Ich öffnete die Nachricht und las: „Welcom back in Garmany. Sady“ Am liebsten hätte ich vor Glück laut gejauchzt.
Rabea und Renee standen zur Abholung bereit. Während die Kleine mich freudig begrüßte, fragte mein Sohn schmunzelnd: „Na Mutsch, war ´s schön in Ägypten?“
„Toll!“ strahlte ich wahrheitsgemäß, „wirklich schön! Da musst du unbedingt mal Urlaub machen.“
Er grinste ironisch, wollte wissen: „Und was soll ich mit `nem 21jährigen Masseur?“
„Blödmann,“ war alles, was mir in meiner Verblüffung einfiel, dabei warf ich Rabea einen strafenden Blick zu.
„Ich kann nichts dafür, Mama,“ verteidigte sich die Kleine, „Renee hat es gelesen. Er stand hinter mir, als deine Nachricht kam. Ich hab nichts gesagt.“
„Vergiss es. Schwamm drüber. Bin schließlich alt genug, um zu wissen, was ich tue.“ Beendete ich, leicht verärgert das Thema.
„Bist du sicher?“ frotzelte Renee. Ich verzichtete auf eine Antwort.
Auf meine Kinder konnte ich, zu Recht, stolz sein. Obwohl ich geschäftlich nie die üblichen einfachen Wege gegangen, immer in der halbseidenen Welt zu Hause gewesen war, hatte ich es irgendwie geschafft, meine Kinder zu soliden, rechtschaffenen Menschen zu erziehen. Dass sie äußerlich sowie charakterlich grundverschieden waren, lag daran, dass sie von verschiedenen Vätern stammten.
Während Renee der typisch blonde Deutsche, grünäugig und von normaler Größe war, mit einer kleinen Brille, die ihm einen seriösen Touch verlieh, war die Kleine mit ihren langen dunklen Haaren, dem samtbraunen Teint, mit ihren 18 Jahren schon ein Rasseweib. Das Erbe ihres italienischen Vaters war unübersehbar.
Schon im Kindesalter war es kaum jemanden möglich, dem lausbubenhaften Charme meines Sohnes zu widerstehen. Dies wusste der süße Bengel immer zu seinem Vorteil zu nutzen, in dem er es in bare Münze umwandelte. Auch bis dato präsentierte er für Gefälligkeiten stets schnell die Rechnung. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass er bereit war, für seine materiellen Ansprüche dementsprechende Leistung zu bringen. Er sagte genau so ungern „Danke“, wie ich. Immerhin hatte er es mit seinen 32 Jahren schon zum selbständigen Malermeister und einem Mehrfamilienhaus gebracht. Renee gab sich gern ironisch und neigte leicht zu schwarzem Humor. Auch war er immer bemüht neutral zu bleiben. Ich wusste genau, dass er nur äußerlich eine raue Schale zeigte, um seinen weichen Kern zu schützen. In sein Innerstes gab er nur wenigen Menschen, sehr selten Einblick. So wollte er sich jegliche unnötige Belastung ersparen.
Auch Rabea war schon als Kind bei allen Leuten beliebt, weil sie ein offenes, freundliches Wesen hatte. Meistens trug sie ihr Herz auf der Zunge, war manchmal zu ehrlich und vertrauensselig, was ihr schon mal Enttäuschungen einbrachte, wenn sie falschen Freunden vertraut hatte. Es entsprach ihrer lieben Art, ausgleichend und vermittelnd zu wirken, Streitigkeiten versuchte sie gerne zu schlichten. Sie hasste Streit, was jedoch nicht hieß, das sie sich nicht behaupten konnte, wenn es notwendig war auch recht tatkräftig. Mit ihrer Intelligenz und Zielstrebigkeit erstrebte sie eine Ausbildung, die ihr ideell und materiell einen höheren Lebensstandard sichern sollte, so dass sie nach dem Abitur vermutlich zu studieren gedachte. Obwohl sie zeitweilig ein bisschen gemütlich sein konnte, war sie gewillt, für besondere Wünsche selbst zu sorgen. Schon kurz vor ihrem 18 Geburtstag bestand sie darauf, ihr Taschengeld durch Tanzen, in meinem Lokal, aufzubessern. Ein bisschen Abenteuerlust war dabei sicher auch im Spiel. Weil diese Wochenend -Tätigkeit unter meiner Aufsicht stattfand, fehlten mir letztlich die Gegenargumente. Als Inhaberin einer Stripbar konnte ich diesen Job nicht abwerten. Sie machte ihre Sache so anmutig, das ein Gast einmal andächtig sagte: `Bei dem Mädchen hat sich der liebe Gott aber besonders viel Mühe gegeben.´
Auf der Heimfahrt erzählte ich von den Erlebnissen mit Land und Leuten, ließ bewusst diskretes aus. Hatte keine Lust, mir von Renee`s Kommentaren die Stimmung verderben zu lassen.
Erst als ich mit Rabea alleine war, gab ich auf ihre stürmischen Fragen Auskunft. Erzählte ihr von Sady und Sobeih, dem Land mit seinen vielen Varianten und dem herrlichen Klima, sowie der Freundlichkeit der Einheimischen. „Das ist ein Land für dich, Maus. Du wärst so begeistert, dass du nicht mehr nach Hause wolltest. Besonders wegen der Männer. Ganz nach deinem Geschmack, von hellbraun bis pechschwarz. Und eine Riesen Auswahl, alle in deiner Altersklasse.“
Sie maulte: „Hättest mich ja mitnehmen können. Nur wegen den paar Tagen, die ich in der Schule gefehlt hätte, musste ich ja zu Hause bleiben.“
„Hör auf zu meckern, du kannst über Ostern mitfahren. Ich lad dich ein.“ Tröstete ich die Kleine. Sie war Feuer und Flamme, wollte wissen wann wir die Reise buchen.
„Anfang nächster Woche, Maus. Erst mal muss ich den OP hinter mir haben. Danach buchen wir, das verspreche ich dir.“ Beendete ich die Diskussion.
Die nächsten beiden Tage vergingen mit Vorbereitung und Voruntersuchung sowie der Operation meiner Brust. Mario begleitete mich nach Münster, weil ich nach dem ambulanten OP einen Fahrer brauchte. Außer der unangenehmen Begleiterscheinung, dem häufigen Brechreiz nach der Narkose, verlief der Eingriff genauso gut wie der erste dieser Art. Schon 2 Tage nachher stand ich wieder hinter der Theke meines Lokals.
Zwischenzeitlich erhielt ich mehrmals SMS von Sady, die ich mir von Rabea übersetzen lassen musste. Aber auch sie hatte damit ernorme Schwierigkeiten, denn Sady ´s Englisch war mehr als schlecht. So war oftmals raten angesagt. Für meine Antworten holte ich mein kleines Englisch Wörterbuch aus der Versenkung hervor, versuchte, mit dessen Hilfe, alleine klar zu kommen. So begann ich mit 55 Jahren eine Sprache zu lernen, die ich immer gehasst hatte. Aber ich wollte mich, bei meinem nächsten Besuch, ja schließlich besser mit Sady verständigen können. Sex alleine war schließlich keine Unterhaltungsbasis auf Dauer.
Nach dem erfolgreichen Wochenendgeschäft erinnerte Rabea an unser Buchungsvorhaben. So gingen wir Montags Nachmittag gleich ins nächste Reisebüro. Bestimmt verlangte ich das gewünschte Hotel vom12. bis 19. April zu buchen. Zum Glück erwischten wir die beiden letzten Plätze in dem Flieger. Ägypten war in. Das war ganz was Neues für mich.
Wir hatten nur noch ein Thema, Hurghada. Auch Mario hatte ständig SMS Kontakt zu seinen ägyptischen Freunden, dem Goldshop Besitzer Nabir und dessen deutscher Ehefrau Edit, einer Kölnerin. Mario meinte des Öfteren, dass ich die beiden unbedingt kennen lernen müsse, deshalb solle ich bei dem nächsten Aufenthalt dort hingehen. Da er schon von mir erzählt hatte, kamen regelmäßig auch Grüße an mich mit.
Je näher der Reisetermin rückte, desto häufiger wurden Sady ´s SMS und meine Vorfreude. Auch Rabeas Nervosität wuchs. Dann fragte mein Lover an, ob ich ihm ein paar Turnschuhe mitbringen könne, wobei er mir gleichzeitig die Größe mitteilte. Möglichst Nike. Obwohl ich schon ein Herren Parfüm von Joop gekauft hatte, rannte ich sogleich los, das gewünschte zu besorgen.
Ein paar Tage hörte ich nichts von ihm, plötzlich kam seine Nachricht von einer anderen Rufnummer. Sady schrieb, sein Handy sei kaputt, weil es ins Wasser gefallen sei. Sorry, deshalb könne er nun nicht mehr so oft schreiben, da er das Telefon seines Freundes benutzen müsse, ein neues Handy zu teuer sei. Als nächstes schlug er mir vor, eine Wohnung für meinen Aufenthalt zu mieten, damit wir mehr Zeit miteinander verbringen könnten. Erst zu dem Zeitpunkt berichtete ich, dass ich mit meiner 18jährigen Tochter käme, die ich nicht allein im Hotel lassen wolle. Beim nächsten Besuch vielleicht.
Drei Tage vor unserem Start bekam ich überraschend Nachricht von Sobeih. - Hallo Ruth, wie geht es dir? Habe auf Nachricht von dir gehofft, kommst du bald wieder zum Nil? Oder hast du mich schon vergessen? Melde dich doch mal. Gruß Sobeih.
Erfreut rief ich ihn sogleich an. Er freute sich ebenfalls, von mir zu hören. Nachdem wir einige Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht hatten, erzählte ich ihm, dass ich schon in drei Tagen nach Ägypten kommen werde, jedoch nach Hurghada, in das gleiche Hotel, welches er für mich ausfindig gemacht hatte. Obwohl er nicht verstand, dass ich nicht auf einem Nilkreuzer gebucht hatte, wollte er mich unbedingt wiedersehen. Er versprach, mich in Hurghada zu besuchen, da er zufällig zum gleichen Zeitpunkt Urlaub habe und bat mich, ihm Jacobskaffee mitzubringen. Na, das konnte ja heiter werden, gleich zwei Verehrer in einem Hotel. Rabea fand es lustig.
Am Tag vor der Reise erstand ich noch ein gebrauchtes Nokia Handy. Schließlich sollte Sady nicht dauernd auf andere Leute angewiesen sein. Dann schrieb ich ihm, er solle am nächsten Tag um 13 Uhr einen Termin für mich freihalten. Früh morgens begann unsere Reise. Rabea war genau so aufgeregt wie ich. Wir landeten gegen 12 in Hurghada. Ungeachtet der Reiseleitung steuerten wir auf ein Taxi zu. Nach umständlichen Verhandlungen einigte ich mich mit dem Fahrer, wie ich meinte, auf zwanzig Pfund. Er hatte zuletzt fünfundzwanzig verlangt. Auf der Fahrt war Rabea sehr schweigsam. Vor dem Hotel angekommen, entbrannte eine heftige Diskussion über die strittigen fünf Pfund. Da ich nur noch zwanzig in Landeswährung hatte, gab ich ihm zwei US Dollar extra und schimpfte: „Nun muss es aber genug sein. Finito.“ Rabea machte einen peinlich berührten Eindruck und schwieg weiterhin. Der Portier kam mir zu Hilfe. Er ließ einen Schwall arabischer Worte los, die sich sehr unfreundlich anhörten, mit dem Erfolg, dass der Taxifahrer einstieg und wegfuhr. Sofort kam ein Boy und bemächtigte sich unseres Gepäcks.
An der Rezeption wurden wir freundlich empfangen: „Welcome back in ouer Hotel. Nice to see you again.“ Mit stolz geschwellter Brust, hier schon bekannt zu sein, bat ich um das gleiche Zimmer wie bei meinem letzten Aufenthalt: „Ich möchte gern Zimmer six seven one, please.“ Gerne kam man meinem Wunsch nach und der Kofferboy trug unser Gepäck vor uns her. Als wir in unserem Zimmer waren meinte Rabea erleichtert: „Mensch Mama, ich hab gedacht, du spinnst. Wo bringt die mich denn hin? In dieser Einöde, mitten in der Wüste, nur Dreck und Ruinen am Weg, da soll es schön sein? Ich war total sprachlos. Aber jetzt, in dem tollen Hotel, jetzt versteh ich dich. Ich glaube, das es ein schöner Urlaub wird.“ Ungeduldig bat ich: “Komm Maus, lass uns mal erst an der Poolbar was trinken. Auspacken können wir später.“ Gesagt, getan. Wir waren die einzigen Gäste. Klar, Mittagszeit. Bei einer kalten Cola genossen wir den Anblick der sonnenüberfluteten Poolanlage. Rabea schien meine Gedanken zu lesen, wollte wissen: „Wo bleibt denn dein Sady. Ich bin schon ganz gespannt.“ Keine Ahnung, wollte ich antworten, doch die Stimme versagte mir. Wie aus dem nichts stand er plötzlich auf der anderen Seite des Pools, seinem üblichen Platz neben dem Towelhaus. Neben ihm ein Kollege. Sady sah durch eine große gelbe Sonnenbrille in unsere Richtung. Breitbeinig und – schultrig, mit kahl rasiertem Kopf, besagter gelber Brille, der Hotelkluft, weißem Sweatshirt und dunkelblauer Hose, wirkte er massig neben dem um Kopfeslänge größeren, aber sehr dünnen Kollegen.
Rabea war meinem Blick gefolgt und sagte gespannt: „Jetzt sag nicht, der geile Kerl mit der Brille ist Sady. Mann Mama, der ist genau mein Typ. Ich erblasse vor Neid.“
In seiner gelassen tänzelnden Gangart setzte er sich in Bewegung, kam auf uns zu. Der andere folgte ihm. Heiser bestätigte ich: „Doch, das ist er. Mensch, Bea, ich bin total fickerich. Sieht der nicht unverschämt gut aus? Und so braun ist der geworden, toll.“
Sie kicherte: „Mit dem Fickerchen wirst du wohl noch ein bisschen warten müssen.“
Artig reichte er mir die Hand: „Welcome back, Ruth. This My Friend Walit.“ stellte er den anderen vor. Sein Händedruck ging mir bis in die Zehenspitzen und ich fühlte die Röte in ´s Gesicht steigen. Mir wurde heiß, und ich wusste, das kam nicht von der Sonne allein.
„Thank you. Ich bin auch happy.. Und dis ist my Tochter, Rabea.“ Brachte ich mühsam heraus, dabei dachte ich, `Mein Gott, bist du ein heißes Teil. Ich wusste gar nicht mehr, wie gut du aussiehst. Und das mir, ich kann ´s kaum glauben.`
„Nice to meet you, and thank you for your welcome. I am happy to be here. It is really nice here.” Rettete Rabeas besseres Englisch die Familienehre. Sofort überschüttete der dünne Walit meine Kleine mit Komplimenten über ihr gutes Englisch, baggerte sie direkt an.
Rabea schien das zu gefallen, sie flirtete heftig mit ihm. So glaubte ich, dass die Beiden nicht sahen, das Sady mich mit eindeutigen Gesten drängte, in den Massageraum zu kommen. Ich nickte nur. Schnell verabschiedete sich der Ungeduldige: „Have a nice time. See you later.“ Er zupfte seinen Kollegen am Ärmel und ging. Mit bedauerndem Schulterzucken verabschiedete sich dieser ebenfalls und lief hinter Sady her.
„Alle Achtung, Mama, der Junge ist ja mal was ganz Knackiges. Der könnte mir auch gefallen.“ bestätigte Rabea meine Gedanken.
„Finger weg. Der gehört mir. Für dich läuft hier noch genügend von der Sorte rum. Und sein Freund ist ja auch nicht schlecht.“ Sagte ich warnend.
Sie lachte: „Keine Panik, Mama, ich will ihn dir nicht ausspannen. So was mach ich nicht. Hab ich noch nie gemacht und bei meiner Mutter würde ich das mal überhaupt nicht tun.“
„Weiß ich doch, Maus. War doch nur Spaß. Aber mal ganz ehrlich, sieht der nicht unverschämt gut aus? Und die Glatze, die hatte er letztens noch nicht, die macht ihn noch schöner. Ich kann es kaum fassen, das der Junge Bock auf mich hat. Der ist ja eigentlich viel zu jung für mich. Was meinst du?“ zweifelte ich ganz offen.
„Quatsch, was soll das? Bist doch sonst so selbstsicher. Du bist eine attraktive Frau, und das der geil auf dich ist, war nicht zu übersehen. Oder glaubst du, ich hab das nicht mitgekriegt? War ziemlich deutlich, seine Aufforderung. Also, mach hin und bummele nicht. Der wartet.“
Mein Handy piepste. Als ich die Nachricht las, wurde mir noch wärmer. - Come, im wait. Sady –
„Meine Güte,“ lachte ich geschmeichelt und verunsichert zugleich, „der hat es aber wirklich eilig. Ich will doch zumindest mal erst duschen und mich umziehen. Was denkt der denn? Nach der langen Reise, fühl ich mich klebrig. So mach ich doch kein Nümmerchen.“ Also antwortete ich: - Later –
„Na du hast ja Nerven,“ wunderte sich Rabea, „Wochenlang sprichst du von nichts anderem, bist heiß verliebt, wartest sehnsüchtig auf das Wiedersehen, und jetzt? Jetzt bist du hier und hast die Ruhe weg? Das versteh wer will, ich nicht. Oder hast du etwa Angst? Ist ja mal ganz was Neues. So kenn ich dich noch gar nicht. Meine coole Mutter, hat Angst wie ein Teenie. Ich lach mich schlapp.“ Lachte sie tatsächlich laut los.
„Red keinen Quatsch. Ich geh jetzt auf´ s Zimmer, muss mich umziehen. Kommst du mit?“ knurrte ich, denn sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte weiche Knie.
„Bis gleich.“ Verabschiedete ich mich, frisch geduscht und startklar, von Rabea, nahm die Geschenktüte und machte mich auf den Weg zu meinem Abenteuer. Sie ging zurück zum Pool.
Auf mein Klopfen öffnete er verschlafen die Tür, drehte mir den Rücken, um gleich zurück in den Raum zu gehen. Unsicher folgte ich ihm. Dabei betrachtete ich seinen muskulösen Körper. In dem Achselshirt wirkte sein Oberkörper noch massiger und seine Gesäßmuskeln spannten sich unter der dünnen Boxershorts, so dass ich das aufreizende Bewegungsspiel seines geilen Po ´s fasziniert beobachten konnte. Welch ein Anblick. Vor der Massageliege blieb er stehen, drehte sich mir zu und sah mir mit jungenhaftem Lächeln entgegen. Kaum war ich ihm nahe genug, zog er mich in seine Arme und überhäufte mich mit leidenschaftlichen Küssen. Gleichzeitig zerrte er an meinen Kleidern, so dass ich Mühe hatte, die mitgebrachte Plastiktüte sicher zu Boden gleiten zu lassen. Er küsste meine Brüste, hielt mich mit einer Hand im Nacken fest und entledigte sich mit der freien Hand seiner wenigen Kleidung. Als auch ich nackt war, hob er mich auf die Liege. Wie von Zauberhand sah ich das Kondompapier zu Boden fallen und seine Hand streifte das Gummi geschickt über sein erigiertes Glied.
„Sorry, Sady, die Tür. Ich hab die Tür nicht abgeschlossen.“ Fiel mir im unpassendsten Moment ein und ich deutete aufgeregt in diese Richtung. Nackt, wie Gott ihn schuf, ging er gelassen zur Tür und verriegelte diese. Die kleine Unterbrechung schien ihn gar nicht gestört zu haben, denn sein Penis war standhaft geblieben. Er kam im gleichen gemäßigten Tempo zurück und sprang mit einem Satz auf die Liege.
Endlos lang war der Akt, bei dem ich zeitweilig den Eindruck hatte, mit Gummiknochen ausgestattet zu sein. Denn er war so wild, fast brutal, dass ich manchmal nach Luft rang. Dennoch gelang es ihm wieder, auch mir mehrere Höhepunkte zu bereiten. Außer zum Duschen, blieb mir keine Zeit der Erholung, Sady schien versäumtes nachholen zu wollen. Er schaffte mühelos ein zweites und drittes Mal. Dann endlich, nach mehr als ein und einhalb Stunden, war er zufrieden. Ich fix und fertig.
Als wir wieder in unseren Kleidern voreinander standen, überreichte ich ihm die Mitbringsel. Die Nike Schuhe waren offensichtlich ganz nach seinem Geschmack, der Joop Duft zu süß und das gebrauchte Handy beachtete er kaum. Trotzdem bedankte er sich artig. Ich war enttäuscht, hatte schon etwas mehr Freude erwartet. Stattdessen fragte er, ob ich Kondome mitgebracht hätte, er habe keine mehr. Ich nickte, versprach beim nächsten Treffen daran zu denken. Dann erklärte er, dass er nun zum Lunch gehen wolle. Er sei recht spät dran, müsse sehen, dass er noch was zu essen bekäme. Ein netter Hinauswurf. Ich ging.
„Mein Gott, was hast du denn so lange gemacht?“ empfing mich Rabea vorwurfsvoll.
„Na was wohl?“ lachte ich und ließ mich ächzend auf der Sonnenliege, neben ihr nieder.
„Du siehst total durchgenudelt aus. Jetzt sag nicht, ihr habt es die ganzen 2 Stunden getrieben.“ Konnte sie ihre Neugierde nicht verbergen.
Ich nickte müde: „Doch. Ganz schön agil, der Herr. Bin alle, brauch jetzt dringend ne Abkühlung. Erst was zu trinken und dann in den Pool. Bestellst du mir mal ne Sprite?“ Dabei zog ich den Traini aus und steckte mir eine Zigarette an.
Sie winkte einen Kellner heran und kommentierte kopfschüttelnd: „Nee Mama, ich glaub du solltest die Sache etwas vorsichtiger angehen. Schließlich bist du kein junger Hüpfer mehr. Ok, ich mein es doch nur gut mit dir, du bist ja total groggy. Siehst eher nach nem Wettkampf aus, aber nicht nach liebevollem Sex. Der Knabe muss ja ziemlich wild sein. Pass mal auf, dass er dir nicht zu anstrengend wird.“
„Nur kein Neid,“ lachte ich, „wer hat, der hat. Ich komm schon klar“
Der Kellner erinnerte sich auch noch an mich und hieß mich freundlich willkommen. Erstaunlich schnell brachte er das gewünschte. Nachdem ich beide Abkühlungen genossen hatte, streckte ich mich der Sonne entgegen. Es war schon sehr heiß so dass ich immer wieder ins kühle Nass springen musste, wobei ich mich auf den Nichtschwimmer Bereich beschränkte. Denn schwimmen hatte ich nie lernen wollen, weil ich im Alter von 5 Jahren fast ertrunken war. Diese schlimme Erinnerung hatte eine tiefe Angst hinterlassen, dass jeder Versuch, mir das Schwimmen beizubringen, fehlgeschlagen war.
Keine 2 Stunden, nachdem ich ihn verlassen hatte, meldete sich mein Lover per SMS. – plase com in my room, at four clock. Sady –
“Was? Schon wieder?” entfuhr es mir überrascht.
Rabea lachte spöttisch, meinte jedoch anerkennend: „Da kann man ja wirklich neidisch werden. Der ist ja unersättlich. Also los, Mama. Dein Lover wartet.”
Das war mir nun doch zu viel, schließlich wollte ich auch die Sonne genießen, Urlaub machen und keinen Stress haben, auch nicht durch Sex. Deshalb lautete meine Antwort per SMS – Later –
Nach zweimaligem Nachrichtenwechsel, bezüglich seiner anderen Termine, ließ ich mich dann doch noch auf 18 Uhr überreden.
Rabea maulte: „Und wann gehen wir dann zum Abendessen, wenn Du wieder 2 Stunden rumturnst?“ Ich versprach, sie nicht lange warten zu lassen.
Schon ein wenig genervt betrat ich mit 15 Minuten Verspätung den Massageraum. Er sah demonstrativ auf die Uhr, was ich diskret übersah. Als erstes fragte er nach den Kondomen, die ich sogleich aus meiner Handtasche kramte. Übergangslos zog er die Kleidung aus, gab mir einen Wink, es ihm gleich zu tun, und ging ins Bad. Als er wie gewohnt im Gehen das Kondom über den steifen Penis streifte, verging mir die Lust. Was sollte das? War ich nur sein Lustobjekt? Er sah es mir wohl an, denn er fragte: “What happen?“ dabei setze er sich auf die Liege. Sein betrübter Gesichtsausdruck brachte mich zum lachen, dass er zu glauben schien, alles sei in Ordnung. Sogleich hob er mich neben sich auf die Liege. Doch nun streikte ich endgültig, denn schon der Gedanke, an einen Rammel - Marathon, verursachte mir Schmerzen im Genitalbereich. Ich schüttelte stumm den Kopf, drückte ihn auf die Liege, so dass er auf dem Rücken lag und riss das Gummi von seinem Glied. Entsetzt rief er: „What you do?“ Als ich seinen steifen Schwanz mit dem Mund umschloss, stöhnte er wieder erschrocken: „What you do?“
Doch während ich den Penis liebevoll saugte und schleckte, dabei den unteren Bereich zart massierte, stöhnte er nur noch: „Oh, that´s hot. Very hot.“ Er kam nach so überraschend kurzer Zeit, dass ich, vor Schreck, schluckte. Im ersten Moment war ich geschockt, das war das Letzte, was ich gewollt hatte. Zum Glück war sein Samen völlig Geruch- und Geschmacklos, denn nichts fand ich ekelhafter als üblen Geruch oder Geschmack.
Anschließend gestand er verschämt, dass er so etwas zum ersten Mal erlebt habe. Unglaublich, also doch Kindergartenalter? `Eben doch zu jung für mich. Aber süß.´ Weil er auf den nächsten Massagetermin hinwies, verabschiedete ich mich nach einigen Küssen. Er war zufrieden und ich auch.
Oriental -Lover
Auch Rabea war wegen meiner raschen Rückkehr zufrieden, so konnten wir uns für das Abendessen fein machen. Auf dem Weg zum Speisesaal fiel mir plötzlich ein: „Oh Schreck, Bea, ich hab total vergessen, das Sobeih doch heute kommen wollte. Auch das noch. Was mach ich denn bloß mit dem? Wie soll ich das denn Sady erklären, wenn hier plötzlich so ´n Typ auftaucht?“
„Tja, Mama, da kriegst du ein Problem. Da kann ich dir auch nicht helfen. Warum hast du den auch hier hin bestellt?“ Sagte sie und es klang ein wenig schadensfroh. Als sie meine betretene Miene sah, schwächte sie ab: „Warte mal erst ab. Vielleicht kommt er gar nicht, und du hast dir umsonst Gedanken gemacht.“ Das köstliche Buffet ließ mir keinen Platz für andere Gedanken. Wir schlemmten ausgiebig.
Rabea frotzelte: „Hau rein, Mama. Bei deinen anstrengenden Turnübungen brauchst du viel Kraftfutter.“ Schließlich verließen wir das Restaurant und schlenderten gemächlich in die Halle, die schon recht belebt war.
Rabea wollte wissen, was wir mit dem restlichen Abend anfangen könnten, was ich achselzuckend beantwortete: „Ich weiß auch nicht. Hier im Hotel ist nur ne Minidisco und da ist meist tote Hose. Wir müssten schon in die Stadt fahren. Aber ich kann doch nicht einfach wegfahren, falls Sobeih doch noch kommt. Lass uns hier nen Kaffee trinken und mal etwas warten. Ist ja noch früh.“ Damit nahm ich einen der großen, gemütlichen Sessel ein. Gelangweilt folgte die Kleine meinem Bespiel, obwohl ihr anzusehen war, das ihr ein Trip in die City lieber gewesen wäre. Wieder einmal fiel mir auf, dass jedes männliche Wesen, bei Rabeas Anblick Stielaugen bekam. Ich schmunzelte in mich hinein, das kannte ich schon. Zum ersten Mal war es mir aufgefallen, als wir, 2 Jahre zuvor, zusammen auf Ibiza waren. Immer und überall hatte sie die bewundernden Blicke der Männer auf sich gezogen, was mich mit viel mütterlichem Stolz erfüllte. Manche Geschlechtsgenossinnen hingegen, betrachteten meine schöne Tochter voller Neid und Missgunst. Obwohl ich seit diesem Zeitpunkt zu einem Schattendasein, an ihrer Seite, degradiert war, neidete ich ihr den Erfolg keine Sekunde. Im Gegenteil, ich sah es als meinen Verdienst an. Schließlich haben nicht alle Mütter eine so rassige Tochter.
„Ich fass es nicht, Bea, da hinten sitzt er. Komm.“ Rief ich erstaunt und erfreut zugleich und sprang auf. Am anderen Ende der Halle, saß Sobeih tatsächlich in einem Sessel und sah sich im Raum um. Ich eilte auf ihn zu, Rabea zögernd hinter mir her. Erst als ich schon fast vor ihm stand, glitt ein Lächeln des Erkennens über sein Gesicht.
Er erhob sich, kam mir ein paar Schritte entgegen und strahlte: „Hallo, Ruth, wie schön dich zu sehen.“ Nahm mich in die Arme und küsste, in Landessitte, meine Wangen. „Ich hab schon gedacht, du wärst noch nicht angekommen. Ich hätte das Datum fasch verstanden. Den ganzen Nachmittag sitz ich hier und warte. Aber jetzt bist du ja da. Hamdulilah. Wie geht’s dir? Gut siehst du aus. Gott, wie freu ich mich. Komm, setz dich zu mir. Erzähl, wie ist es dir inzwischen ergangen?“
Abwehrend hoch ich lachend die Hände: „Meine Güte, so stürmisch kenn ich dich gar nicht. Ich freue mich auch, ehrlich. Aber ich bin nicht alleine. Sobeih, darf ich dir meine Tochter, Rabea, vorstellen?“
Bei Bea´s Anblick reagierte er wie alle Männer. Mit strahlend, charmantem Lächeln, aber auch dem gleichen gierigen Augenausdruck, nahm er ihre Hand, dabei sagte er: „Bei Allah, welch schöne Tochter, ganz die Mutter. Ich freue mich sehr, dich kennen zu lernen. Oh, entschuldige, darf ich du sagen? Ich bin Sobeih.“ Und er schien ihre Hand nicht mehr loslassen zu wollen.
` Alter Charmeur` dachte ich, dabei fühlte ich zum ersten Mal so etwas wie Eifersucht in mir aufkommen. `Bist du blöd, Rutchen? Das ist doch die Lösung,´ kam mir der rettende Gedanke, ´auf die Art bist du ein Problem los.` ich wusste zwar genau, das ein Daddy, wie er, bei der Kleinen Null Chance hatte, aber wenn sie sein Interesse von mir ablenkte, brauchte ich ihm nichts zu erklären. Der Weg war frei für Sady. Denn gegen den knackigen Sady hatte der charmante Daddy bei mir keine Chance. Und auf zwei Hochzeiten zu tanzen, war noch nie mein Ding gewesen. In solchen Fällen pflegte ich immer zu sagen. ´Ich kann mich nicht teilen – und ich kann auch nicht teilen.`
Nachdem die Kleine ihre Hand wieder frei hatte, wollte sie wissen, ob wir nun eine Stehparty machen, oder irgendwo sitzend was trinken wollten. Aber Sobeih hatte bis dato seine Zeit mit warten verbracht, so dass er noch nicht zu Abend gegessen hatte. Das wollte er nun als erstes tun. Wir vereinbarten, uns eine Stunde später in der Hotelbar zu treffen, um bei einem Drink zu plaudern.
Die Wartestunde nutzten wir um unser Make up aufzufrischen und nach mehrmaligem Durchforsten unserer Garderobe dann doch bei dem zu bleiben, was wir trugen. Er erwartete uns bereits in der mäßig besetzten Bar, sah uns, nein eher Rabea, gespannt entgegen. Höflich stand er auf und setzte sich erst wieder, nachdem wir Platz genommen hatten. ´Sieh an, ein Gentleman der alten Schule.`
Ich bestellte nur Cola, während Bea was alkoholisches bevorzugte, sich aber nicht entscheiden konnte. Sobeih half ihr bei der Auswahl, er schlug Wodka Orange vor, was sie gerne akzeptierte. ´Die alte Schnapsdrossel wäre mit allem alkoholischen einverstanden gewesen.` Dachte ich. Denn sie hatte nicht nur die Neugierde alles mal zu kosten, sondern auch noch den Vorteil, dass sie das Wort ´Kater` nur als Bezeichnung eines Tieres kannte. Das war eine Stärke, um die ich sie schon oft beneidet hatte, weil ich, nach auch nur geringem Alkoholgenuss, am nächsten Tag sterbenskrank war. Wieder bewunderte ich die charmante, weltoffene und lockere Art Sobeih ´s, Smal talk zu halten. Er berichtete von dem neuen Kreuzschiff, auf dem er nun tätig war. Bestätigte mir gleichzeitig, meine Meinung über das ´Auslaufmodell` auf dem wir uns kennen gelernt hatten. Und letztlich erzählte er über seine Erlebnisse als Reiseleiter. Als Rabea wissen wollte, welche Ausbildung man für diesen Beruf bräuchte, klärte er sie über die diversen Wege auf. Er selbst habe Ägyptologie und Deutsch studiert, aber über ein Reiseunternehmen sei die Lehrzeit einfacher und kürzer. Wobei er, mit seinem Studium, auch die Führung zu den Tempeln und anderen Sehenswürdigkeiten leiten und die Vorträge über die Geschichte seines Landes, erklären könne und müsse. Die einfachere Ausbildung aber, lediglich für die Betreuung der Urlauber in den Hotels und den Transfer vor Ort beinhalte. Bea zeigte sich an dem Ägyptologie Studium sehr interessiert, fand aber die Tätigkeit eines Reiseleiters – oder -führers zu simpel und langweilig. Er bestätigte ihr, dass sie mit einem derartigen Studium auch bessere Berufsmöglichkeiten habe. Über die versteckte Abwertung seines Berufes merkte man ihm keinerlei Missstimmung an. Die Kleine hatte es sicher nicht böse gemeint, trotzdem war es mir etwas peinlich, dass sie Mitten in ein Fettnäpfchen getreten war. Ich glaubte aber zu wissen, dass Sobeih ihr alles verziehen hätte, denn er fraß sie nicht nur mit den Augen auf, er konzentrierte seine gesamte Aufmerksamkeit ausschließlich auf sie. Ich war gelangweilter Zaungast. Träumte von Sady.
Langsam hatte sich die Bar gefüllt, weil an diesem Abend ein Programm vorgesehen war. Eine Bauchtänzerin wurde erwartet, ein Ratewettbewerb sollte stattfinden, und ein Moderator würde durch das Programm führen. Zum Glück hatte Sobeih, gleich vorn an der kleinen Tanzfläche, einen guten, sichtfreien Platz ausgesucht. Die Darbietung der Tänzerin war nichts berauschendes, der Musik – Ratewettbewerb, dank der Unfähigkeit des DJ´s, eine Katastrophe und die affigen Kommentare des Moderators einfallslos. Ich hatte schon weit bessere Unterhaltung erlebt. Dennoch war unsere Stimmung sehr gut, der Abend recht nett.
„Mama, wo bist du mit den Gedanken? Sobeih hat dich was gefragt.“ Holte mich Rabea ´s Stimme in die Gegenwart zurück.
„Ja bitte? Was denn?“ wollte ich wissen und sah ihn an. Er beugte sich etwas vor und fragte: „Ich wollte wissen, ob du auch manchmal rauchst?“
`Doofe Frage, das siehst du doch. Oder was mach ich hier mit der Zigarette in der Hand?´ dachte ich. Antwortete jedoch höflich: „Klar rauche ich.“
Er schüttelte den Kopf und sah hilfesuchend zu der Kleinen rüber. Die lachte laut und beugte sich zu mir: “Nein, Mama, das sieht er ja. Er meint nen Joint.“ Kicherte sie.
„Ach so. Ja früher Mal, zuletzt vor 6 Jahren. Warum?“ sagte ich ehrlich.
„Weil ich was bei mir habe, und wir eine rauchen wollen. Auf meinem Zimmer. Hast du Lust mitzukommen?“ wurde er nun direkt.
„Klar. Warum nicht? Kann ich ja noch mal probieren“ erklärte ich mich einverstanden.
Er rief den Kellner herbei und verlangte die Rechnung. Dann gab er uns seine Zimmernummer mit der Anweisung, ihm etwas später zu folgen, damit niemand sähe, dass wir mit auf sein Zimmer gehen. Das fand ich zwar blöd, aber so hatte ich noch Zeit eine der mitgebrachten Champagnerflaschen und den gewünschten Jacobskaffee zu holen.
Sein Raum befand sich im hinteren Teil der großflächigen Hotelanlage, Marke Billigzimmer, statt Pool – oder Meerblick, Aussicht auf die Wüste. Wir mussten bis zum äußersten Ende laufen. Dabei erzählten und kicherten wir, wohl laut genug, um zwei neugierige Wachleute anzulocken. Sie musterten uns und die Mitbringsel in unseren Händen, entfernten sich dann aber schweigend. Über den Kaffee freute er sich sehr und die Idee einen echten französischen Champagner zu trinken, fand er toll. Er hatte inzwischen ein paar Joints gedreht, wobei er Wert darauf legte, dass er Gras (Marihuana) verwendet hatte, weil das ein reines Naturprodukt sei. Doop (Haschisch) verwende er nicht. Man wisse nie, mit welcher Chemikalie es gestreckt sei. `Schwachsinn´ dachte ich. `Joint ist Joint. Hasch oder Schit, beides ist der gleiche Scheiß. Besser ist beides zu lassen, denn beides zu häufig konsumiert, macht doof.`
Das beste Beispiel dafür, das Menschen, die durch zu häufigen Genuss von Drogen, auch wenn es nur leichte, wie Gras und Hasch sind, in die Abhängigkeit geraten, hatte ich zehn Jahre an meiner Seite gehabt. Darkan rauchte täglich mehrere Joints, und wenn er mal eine oder zwei Wochen nichts hatte, weil der Markt tot war, kam er auf Entzug. Das machte sich an seiner miesen Laune und seinen Depristimmungen bemerkbar. Das Langzeit – Kiffer nur noch ein Kurzzeit Gedächtnis besaßen, vermutlich weil die Drags ihr Gehirn schon zugenebelt hatten, war ihm deutlich anzumerken. Oft hatte ich mit ihm darüber sprechen wollen, doch er lachte mich immer aus. Obwohl ich, am Anfang unserer Beziehung, oft mitgeraucht, weil ich den Sex schöner gefunden hatte, verzichtete ich schon bald darauf. Denn ich hatte an mir selbst festgestellt, dass ich mich am nächsten Tag, ja manchmal sogar während des Rauchens, an manche Zusammenhänge nicht erinnern konnte. Darkan konnte weder meine Erkenntnisse, noch meine Weigerung weiterhin mit zu rauchen, verstehen. Er lachte darüber. Ich jedoch, fand meine selbst gewählte Abstinenz besser.
Wir tranken den Schampus aus Wassergläsern, er schmeckte Sobeih trotzdem. Für uns war es ein Arbeitsgesöff, nichts besonderes. Er erzählte von lustigen Anekdoten mit Urlaubern, und von den festlichen Gebräuchen seiner Heimat, es war interessant ihm zuzuhören. Dann meinte Rabea einwenden zu müssen: „Ich finde ja dein Land sehr interessant, aber das Männer diese Bettlaken tragen, finde ich blöd. Europäische Kleidung find ich männlicher.“ Daraufhin holte Sobeih Fotos von einer Bordparty heraus, darauf war er in einer Galabea zu sehen. Zum zweiten Mal war meine Kleine ins Fettnäpfchen getreten. Plötzlich wurde Rabea müde, wollte schlafen gehen. Als auch ich mich erhob, protestierte er. Zumindest ich müsse bleiben, um die Flasche mit ihm zu leeren. Ich blieb.
Kaum waren wir allein, kam er zum Thema. Er müsse mir erklären, warum ich ihn damals nicht erreichen konnte, er sich erst nach Wochen bei mir gemeldet habe. Blah Blah Blah. Ich wollte ihn unterbrechen, die veränderte Sachlage klären, er machte keine Pause, ließ keinen Einwand zu. Zum Schluss meinte er: „Keine Sorge, Ruth, wir machen schon noch.“
`Was? Ich will gar nichts mit dir machen! Mein Gott, bist du selbstgefällig. Hältst du dich für so unwiderstehlich, dass du denkst, alle Weiber würden nur auf dich warten? Ich nicht.´ „Sobeih, hör mir bitte mal zu,“ begann ich, da klingelte das Telefon.
Er nahm ab, hörte kurz zu, nickte dabei wiederholt, sagte etwas arabisches und legte auf. Mit bedauernder Miene erklärte er: „Tut mir leid, Ruth, du musst gehen. Das war die Hotel –Security. Damenbesuche sind nicht erlaubt. Du sollst sofort das Zimmer verlassen. Tja, entschuldige, aber das ist halt so in unserem Land. Rückständig vielleicht, aber in unserem strenggläubigen Land, verbietet es die Sitte und Moral, wenn unverheiratete alleine in einem Raum sind.“
„Kein Problem,“ antwortete ich schnell, und ich war den Wachsamen insgeheim sehr dankbar. „Ich bin sowieso müde, außerdem haben wir ja noch 2 Tage. Ok, dann schlaf gut. Bis morgen.“ Damit schlich mich schnellstens hinaus.
Dummerweise hatte ich keinen Schlüssel, da das zweigeschossige Haus, in dem wir unser Zimmer auf der 1 Etage hatten, abgeschlossen war, stand ich draußen. Was tun? Rufen? Mitten in der Nacht? So blieb mir keine andere Wahl, als von der Rezeption aus, anzurufen. Bea stand schon an der Haustür, als ich abgehetzt angelaufen kam. “Wir sind aber auch beide blöd,“ sagte sie. „Daran hätten wir vorher denken müssen. Und, erzähl, hast du es ihm gesagt?“
„Nee, ich kam nicht dazu. Als ich es grade wollte, hat mich die Security rausgeworfen,“
„Was? Warum das denn? Was haben die denn damit zu tun?“ Staunte sie.
Zum ersten Mal erfuhr meine Tochter von den strengen Gesetzen dieses Landes. Sie fand es unglaublich rückständig, ja unmenschlich, besonders die Tatsache, dass außerehelicher Geschlechtsverkehr verboten war. „Und wieso wollte dein Sady dann eine Wohnung für euch mieten? Geht das denn überhaupt?“ fragte sie nachdenklich.
Ich lachte, belehrte sie schmunzelnd: „Dürfen und tun, sind oft zwei verschiedene paar Schuhe, Maus. Hast du noch nie was gemacht, was du eigentlich nicht durftest? Das ist hier auch nicht anders. Hier machen die Leute eben heimlich, was sie nicht dürfen. Bei uns ist es etwas toleranter, dabei gibt es genügend Dinge, die auch in Deutschland verboten sind. Nicht lange und wir schliefen, erschöpft von dem langen Tag, selig ein.
Top fit erwachte ich, sah auf die Uhr, neun. Ich fühlte die Raumlehre im Magen und sprang aus dem Bett. Riss die Vorhänge auf, zupfte an Bea´s Arm und rief fröhlich: „Aufstehen, du Schlafmütze, frühstücken!“ Dann rannte ich ins Bad. Als ich zurück kam lag sie noch immer im Bett und räkelte sich. „Nun mach schon, sonst ist die Frühstückszeit vorbei. Ich habe Hunger. Mach, oder ich geh allein.“
Maulend quälte sie sich aus den Federn. Knurrte was von Hektik und Urlaub, aber sie trottete ins Badezimmer. In der Halle begegneten wir Sobeih. Er hatte die Mahlzeit längst hinter sich. Wir baten ihn, er möge für uns die Sonnenliegen reservieren. Was er versprach. Als wir zum Pool kamen, fanden wir unseren Gesellschafter auf der falschen Seite, gegenüber meinem Stammplatz. Ich sah noch freie Liegen in der Nähe des Towelhouses und drängte dort hin umzuziehen. Obwohl Sobeih etwas erstaunt drein blickte, packte er kommentarlos seine Sachen und kam mit. Wir hatten uns kaum niedergelassen, als, wie aus dem Erdboden gewachsen, Sady auf seinem Beobachtungsposten stand. Ich lächelte ihm zu. Kein Echo. Hatte er mich nicht gesehen? `Schiel ich, oder was?´ dachte ich, ´aber er sieht mir doch gradewegs ins Gesicht. Welche Laus ist dem denn über die Leber gelaufen? Ach ja, der Mann bei uns. Sobeih! Hi Hi, der ist ja eifersüchtig.` freute ich mich innerlich. Mir blieb nicht lange Zeit zur Freude, er wandte mir den Rücken und stapfte davon. Bea war meinem Blick gefolgt und sah mich fragend an. Ich zucke die Schultern.
Mein Handy piepste. Ich grinste und las – com fast in my room. Sad – Das Grinsen gefror auf meinem Gesicht, ich dachte empört, ´was soll das denn? Kommandoton? Bin ich sein Hund?` Meine lakonische Antwort lautete erneut – Later –
Fast halbstündlich erschien mein Lover nun am Pool und stand mit finsterer Miene an der üblichen Stelle. Ich übersah ihn diskret, lachte absichtlich laut über Sobeih ´s Erzählungen, auch manchmal wenn es eigentlich nicht lustig war. Dem kleinen Großkotz würde ich schon zeigen, wie er mit mir umzugehen hatte. So nicht. Das fehlte mir noch, dass er pfiff und ich sprang. Im Leben nicht. Drei mal versuchte er die Sache noch auf die kurze, aber von mal zu mal freundlichere Tour zu regeln, befahl nicht mehr, sondern bat mich in seinen Raum, dann gab ich endlich nach. Schrieb ihm: - ok. I come one clock. –
„Ich muss gleich zur Massage, Bea. Du kümmerst dich doch um Sobeih? Es macht dir sicher nichts aus, wenn du ein Stündchen mit Bea allein bleibst, Sobeih?“ fragte ich scheinheilig, dabei lächelte ich ihn lieb an. Er beeilte sich, zu versichern, ich könne mir ruhig Zeit lassen, er werde sich mit Bea sicher nicht langweilen. `Ja, das denk ich mir. Am liebsten wärst du mit ihr auf ner einsamen Insel, du alter Schmecklecker. Pech für dich, dass du ne Chance hast, wie ein Schneeball auf nem heißen Ofen.` Dann düste ich noch schnell auf mein Zimmer, machte mich frisch und eilte zu meinem Date.
Sady machte noch immer ein brummiges Gesicht. Ging zurück in den Raum, lehnte sich rückwärts stehend an die Liege und verschränkte die Arme vor der Brust. „Who is the egyptschen man?“ fragte er sauer.
„Nur ein friend. Sady. Nichts anderes.“ Sagte ich und wollte ihn umarmen. Doch er wich zurück, wollte wissen woher ich ihn kenne und was der Mann hier suche. Mit viel Mühe und umständlichen Erklärungen, in deutsch – englischem Durcheinander, beruhigte ich ihn. Währenddessen betrachtete ich den Eifersüchtigen eingehend. Alles an ihm war unproportional. Für seinen männlichen Athletenkörper war er, mit circa 1 Meter und fünfundsechzig, etwas zu kurz geraten. An dem kahl rasierten runden Kopf, mit dem schmalen Gesicht, prangten leicht abstehende, relativ große Ohren. Unter seinen bernsteinfarbenen Augen, waren nur die Löcher der mittelgroßen Nase ein wenig zu breit. Wäre nicht seine hellbronzene Hautfarbe gewesen, hätte man ihn, bei dem großen vollen Mund und dem hochstehenden, Melonenrunden Po, für einen Neger halten können. Dennoch war er ein sehr attraktiver Mann mit ernorm viel Sexappell. Ja, nun wusste ich endlich, ich war verliebt wie ein Teenager. `Dritter Frühling, Ruthchen?´ dachte ich schmunzelnd, `wenn ich ihn so ansehe, könnte ich ihn glatt vergewaltigen.´
Als könne er meine Gedanken lesen, nahm er mir diese Arbeit ab. Hart packte er mich bei den Schultern, wirbelte mich herum und drückte mich bäuchlings auf die Liege. Zog mir mit einem Ruck die Trainings – samt Badehose herunter und drang mit einem kräftigen Stoß in mich ein.
„Au!“ schrie ich erschrocken, stieß ihn zurück und schnellte gleichzeitig hoch. Er hatte den falschen Eingang genommen. „Bist du verrückt?“ schimpfte ich vor Schmerz, während ich mich umdrehte. „Das ist das falsche Loch! Mach das nicht noch Mal. Da hast du nichts zu suchen! Bleib von meinem Arsch!“ Auch wenn er kein Wort verstanden hatte, meine Reaktion war unübersehbar.
Mit betretener Mimik sah er mich an und flehte beschämt: „Sorry, Darling. Sorry. I dont want hurt you. Forgive me.”
Eben noch der starke Muskelmann, jetzt ein geknickter, reumütiger Junge, war recht komisch. Auch der Anblick seines traurig herunter hängenden, geschrumpelten Schwänzchens, mit dem lang baumelnden Gummi - Zipfelmützchen, verleitete mich, laut aufzulachen.
Er strahlte erleichtert und fragte: „Everything ok again?“ Ich nickte, konnte ihm nicht länger böse sein. Sein verlegenes Lächeln ließ mich den Schmerz schnell vergessen. Zärtlich unbeholfen streichelte er meine Wange, zog mich näher heran und küsste mich liebevoll. Dann wandte er sich abrupt ab um gelassenen Schrittes ins Bad zu gehen. Die Dusche rauschte.
Ich war perplex. Wie konnte ein Mensch nur so wechselhaft sein? Erst brutal, dann voller Zartgefühl und im nächsten Moment völlig desinteressiert? Diese Mentalität verstand ich nicht.
Er ließ mir keine Zeit lange nachzudenken. Kam gemächlich zurück, mit steifem Glied und neuem Kondom darüber. Bevor ich mich von meiner Verblüffung erholen konnte, hob er mich auf die Liege und sprang hinterher. Drehte mich mit einem Griff auf den Bauch und nahm mich von hinten. Diesmal wählte er den normalen Weg. Während des ausgiebig langen Aktes drückte er meinen Oberkörper immer wieder, fast brutal, fest auf die Liege. Meinen Po hingegen zog er oft in die Höhe, um tiefer eindringen zu können. Seine Füße standen quer auf dem Rand der schmalen Liege, so dass er über mir hockte. Er vollbrachte eine akrobatische Leistung, in dieser Haltung, mit enormer Kraft und Schnelligkeit, die Ehestandsbewegungen auszuführen ohne abzurutschen. Beim Samenerguss zog er mich an den Haaren höher, um mich zu küssen. Doch es war eher beißen. Dann trabte er, wie immer wortlos, ins Bad. Ich fiel ächzend auf den Bauch, war am Ende meiner Kraft. Brauchte dringend eine Pause. Der Sex mit ihm war gleich Kraftsport. Trotzdem fühlte ich mich leicht und beschwingt, wie lange nicht mehr. Sady war die Anstrengung wert.
Rabea lag relaxt auf der Liege und genoss die Sonne. „Wo ist denn Sobeih?“ staunte ich.
„Telefonieren.“ Sagte sie mit geschlossenen Augen.
„Wo? Der hat doch ein Handy.“ Sie sah mich an, meinte gelangweilt: „Setz dich. Du stehst mir in der Sonne. Der ist zum Callcenter gegangen, wollte son´ne Tussi in Deutschland anrufen.“ Sie kicherte: “Ich glaube, der Knabe hat ein Problem. Die machte ihm ganz schön Stress, die Dame. War ihm ausgesprochen peinlich, dass ich mithörte. Er versprach, sie zurück zu rufen, entschuldigte sich bei mir, und ging ins Haupthaus. Wird ganz schön teuer, das Gespräch. Der ist schon zwanzig Minuten weg.“ Verächtlich fügte sie hinzu: „Als ob mich das interessiert, mit wem der rum macht. So ein Schwachsinn.“
Seufzend streckte ich mich auf dem Liegestuhl aus. „Was ist, Mama?“ fragte sie mit einem besorgten Blick. „Ist wohl doch ein bisschen viel, der junge Lover, was? Echt, du siehst wieder richtig verorgelt aus. Willst du das jetzt die ganze Woche machen? Zwei mal täglich? Ich dachte immer, Sex soll Spaß machen. Aber du machst ja nen gequälten Eindruck, als hättest du jetzt schon Panik vor dem nächsten Mal. Nee, weißt du, der Junge ist zwar ganz süß, aber wenn das in Arbeit ausartet, nee danke.“
Resigniert verzichtete ich auf eine Entgegnung, wollte mich einfach in der Sonne erholen. Fast war ich eingeschlafen, als ich durch einen Schatten über mir hoch schreckte. Sobeih versuchte seinen leicht genervten Eindruck mit dem üblichen Charming Lächeln zu vertuschen. Er setzte sich auf den Rand meiner Liege und erzählte, er wolle uns abends zum Essen einladen. Er habe sich nach der Adresse des besten Fischrestaurants erkundigt, das dürften wir auf gar keinen Fall versäumen. Bea mochte zwar nicht so gerne Fisch, aber die Aussicht, endlich mal in die Stadt zu kommen, rief ihre begeisterte Zustimmung hervor. Ich erklärte mich auch gerne einverstanden.
Gut gelaunt und frisch gestylt wollten wir gegen achtzehn Uhr das Zimmer verlassen, als mir einfiel: „Stopp, Bea. Die Kamera. Ich will doch endlich mal Fotos machen. Wo hast du die hingelegt?“ „Ich? Hab deine Kamera nicht gesehen. Die hast du doch in der Tasche gehabt.“ Korrigierte sie mich. Wir suchten gemeinsam, ohne Erfolg. Überlegten hin und her, wir erinnerten uns nicht. Schließlich blieb nur die Möglichkeit, dass ich das gute neue Stück im Flieger liegen gelassen hatte, denn dort hatte ich mein Handgepäck umgeräumt. Ich war kotzsauer. Schon beim letzten Aufenthalt hatte ich keine Erinnerungsfotos gemacht, mir extra die moderne Kamera mit Zoom gekauft, nun war sie weg. Shit.
„Nun reg dich ab.“ Versuchte die Kleine zu beruhigen, „Pech. Weg ist weg. Vergiss es. Nützt ja nichts mehr, hinterher zu heulen. Kauf dir halt ne neue. Und diesmal ne einfache, billige, falls du sie noch mal verlierst. Komm jetzt endlich, Sobeih wartet schon.“ Sie wandte sich zum Ausgang. Sauer folgte ich ihr.
Das Hoteltaxi brachte uns in die City und hielt gleich vor der gesuchten Adresse. Das beste Restaurant sah Möblierungsmäßig eher nach liebloser Wartehalle aus. Es war zwar sauber aber mit Metalltischen und –Stühlen mehr als einfach eingerichtet. Und es war, wegen der sehr frühen Abendstunde, total leer. Die Enttäuschung wegen der Atmosphäre wich unserem begeisterten Staunen über die Mengen, Vielfalt und Köstlichkeit der diversen Fischsorten. Bea und ich waren eigentlich schon nach der Suppe satt, zwangen uns jedoch zumindest ein wenig von den Riesenportionen zu probieren. Auch Sobeih schaffte nicht einen kleinen Teil von dem, was er hatte auffahren lassen. Er maulte, wir äßen zu wenig. Als dann die Rechnung kam, war die Einladung vergessen, er bat um Beteiligung, hatte nicht genug Geld. Feiner Kavalier.
Anschließend bummelten wir durch die Stadt, Rabea bestaunte das frohe Treiben, die bunte Vielfalt der Souvenirs und die Verschiedenheit des gemischten Volkes. Vor einem Fotoladen blieb sie stehen, erinnerte mich an die Kamera, drängte ich solle eine kaufen. Also erstand ich ein einfaches Modell, mit Film, für achtzig Pfund, circa vierzig DM. Noch in dem Fotoshop baten wir den Verkäufer, uns drei zu fotografieren. In einem Kaffeeshop tranken wir noch einen Kaffee, probierten dabei zum ersten Mal eine Wasserpfeife, was uns ein wenig schwer fiel, aber sehr lustig war, dann machten wir uns auf den Rückweg.
Im Hotel wollte unser Begleiter unbedingt noch einen Schlummertrunk in der Bar nehmen. Lustlos ging ich anstandshalber mit, weil Bea mich darum bat. Ich langweilte mich, war müde und schlapp, froh dass die Unterhaltung an mir vorbei lief. Plötzlich wurde ich hellwach, bekam grade noch mit, dass Bea sagte: „Ja, Sobeih, dann habt ihr beide ja die gleiche Macke. Mama steht auch auf jüngere Männer. Stimmt ´s Mama?“
Das war die Gelegenheit, ich ergriff sie sofort: „Stimmt. Auf viel jüngere.“ Die Definition überließ ich dann wieder der geschickten Kleinen. Sie klärte ihn mit unübersehbarer Schadenfreude darüber auf, warum ich ein zweites Mal das gleiche Hotel gebucht hatte. Wegen einem Lover. Den Namen verschwieg sie allerdings. Gut so. Als Sobeih das hörte, schien er im ersten Moment leicht beleidigt zu sein, fasste sich jedoch schnell. Offensichtlich tröstete er sich damit, dass er nun sein Faible für Rabea nicht mehr verstecken musste. Wir sagten nicht, dass uns dies längst klar war. Neugierig wollte er wissen: „Wie alt ist er denn?“
„Schon Siebenundzwanzig.“ Sagte Rabea schadenfroh. „Was, so jung? Ruth, ich bitte dich, Meinst du nicht, das der viel zu jung für dich ist? Schließlich bist du doch schon 55.“ Empörte sich Sobeih.` Danke, sehr charmant, mir mein Alter unter die Nase zu halten´ dachte ich. Bevor ich etwas erwidern konnte, versetzte die kleine Hexe dem Ärmsten den letzten Stoß: „Ach das geht doch noch. Mama hatte gedacht, dass er genauso alt ist wie mein Freund, 21. Aber ich habe mich bei seinem Freund erkundigt, weil sie sich nicht getraut hat zu fragen.“ Dabei sah sie mich verschwörerisch an. `Kleines Biest, hast ja gar keinen Freund mehr. Aber danke für die Auskunft.` Sie hatte ihm geschickt alle Hoffnungen genommen. Raffiniert gemacht, eben ganz meine Tochter.
Der Abend endete mit einer Missstimmung. Sobeih bewahrte Haltung, auch wenn sein Lächeln leicht gekünstelt war, erklärte uns, das er müde sei, am nächsten Tag abreisen müsse, deshalb gehe er jetzt schlafen. Bis morgen.
Im Bett maulte Rabea ununterbrochen. Wo denn alle die schönen jungen Männer wären, von denen ich berichtet hatte, bis dato habe sie noch keinen gesehen. Hauptsache ich habe meinen Spaß, aber sie wolle auch was Nettes kennen lernen. Irgendwann schlief ich einfach ein.
Diesmal erwachten wir beide früh, der Hunger hatte uns überfallen. Schnell machten wir uns frisch, griffen unsere Badesachen und eilten hinaus. Im Vorübergehen warfen wir unsere Badetücher auf die Liegen und gingen dem Kaffeeduft entgegen. Auch Sobeih schien einen angenehmen Schlaf hinter sich zu haben, man merkte ihm die abendliche Missstimmung nicht mehr an. Wir genossen gutgelaunt das köstliche Frühstück, dann gingen wir zu unserem letzten gemeinsamen Sonnenbad.
Mein Lover stand mehrmals kurz auf seinem Stammplatz und sah mit undefinierbarem Gesichtsausdruck auf mich herab. Mehrmals fragte Sobeih noch nach, wer denn mein Liebhaber sei, doch ich wollte seine Neugierde nicht befriedigen. Um die Mittagszeit ging Sobeih kurz in sein Zimmer und kam mit kleinen Geschenken zurück. Für Bea brachte er zwei kleine Parfümöl Fläschchen und ein Päckchen Zigaretten und mir präsentierte er eine verbeulte Schirmkappe, damit ich mir keinen Sonnenstich hole. Nett, so deutlich zur zweiten Garnitur degradiert zu werden. Egal.
Die Zeit des Abschieds war gekommen, Sobeih wurde abgeholt. Auch egal. Wen interessierte das? Uns nicht. Die üblichen Wangenküsse, das Versprechen, in Verbindung zu bleiben. Dann ging er.
Wieder ohne Begleiter langweilten wir uns ein wenig, bis Bea Hunger bekam. Wir setzten uns an einen der Poolbar Tische, um eine Kleinigkeit zu essen. Sady und sein ewiger Schatten Walit kamen angeschlendert. Sie begrüßten uns freundlich, lehnten jedoch unsere Aufforderung Platz zu nehmen ab. Rabea fragte nach einem Massagetermin. Sofort bot Walit sich an, schnell einigten sie sich auf 15 Uhr. Sady schwieg, aber seine Mimik verfinsterte sich. Keine Andeutung wegen meines Termins, kein Lächeln oder Blick, ich war ein wenig erstaunt, verkniff mir, zu fragen.
Nachdem die beiden gegangen waren, knurrte ich: „Nett, ich glaube meinem Lover ist ne Laus über die Leber gelaufen. Hast du gesehen, welch düstere Miene er machte, als Walit den Termin mit dir klar machte? Vielleicht hat Sady ja Bock auf dich und würde die Massage lieber selber machen? Mich hat der gar nicht mehr gesehen. Geschweige denn, einen Termin zu vereinbaren. So schnell ändern sich also die Zeiten.“
„Quatsch, Mama!“ widersprach Rabea energisch. „Was du immer gleich denkst. Der wollte nur nicht so öffentlich fragen. An mir hat der bestimmt kein Interesse. Pass auf, gleich kommt ne SMS.“ Nichts kam. Schweigen.
Mein Unmut wuchs umso mehr, als Rebea mir fröhlich: „Bis gleich!“ zurief und ging. Als sie zurück kam, fragte ich, wie Walit denn massiere.
„Weiß nicht. Hab ihn nicht gesehen. Sady hat massiert.“ Sagte sie gähnend, „War klasse.“ „Und war was besonderes?“ fragte ich mit einem komischen Gefühl in der Magengegend. „Nee, wieso? Ach, jetzt versteh ich.“ Und sie lachte laut auf. „Madam ist eifersüchtig. Hi Hi, ganz was neues. Mama, die Massage war ganz normal. Kein unsittlicher Griff, keine Andeutung, nichts. Der Kerl steht auf dich. Nun glaub es endlich. Ist es denn wahr? Außerdem, wie oft muss ich dir sagen, ich spann keiner anderen den Kerl aus. Punkt.“ Nachdrücklich schüttelte sie den Kopf. Ich schämte mich fast ein wenig.
Per SMS kam mein Termin, - six clock in my room. -Keine Bitte, ein Befehl.
In meiner Freude, dass er nichts anderes ins Auge gefasst hatte, übersah ich diese Tatsache. Voller Freude machte ich mich auf den Weg. Er brummelte was Arabisches vor sich hin, als er die Tür öffnete und wies auf die Massageliege.
„Was ist los? Hast du schlechte Laune?“ wollte ich wissen. Er schimpfte: ständig mache dieser Walit einfach Massagetermine. Aber er sei kein Masseur, wolle nur die Frauen ficken. Und wenn er mal zu weit ginge, eine Kundin sich beschweren würde, müsse er, Sady, das ausbaden, denn schließlich habe er die Verantwortung. Es mache ihm nichts aus, wenn Walit den Massageraum nutzen wolle, aber außerhalb der Geschäftszeit und privat. Der Masseur sei nur er, Sady.
Mein Versuch, ihn zu beruhigen: „Aber Walit ist doch dein Freund“, machte ihn nur noch ärgerlicher.
Er schimpfte: „What Friend? Fucking Friend, he make me Problems:“ Dann wendete sich seine Stimmung in Sekundenschnelle ins Gegenteil. Sein jungenhaftes Lächeln erhellte sein Gesicht und er griff nach mir. „Now me want fuck you. Yalla!”
Wie immer verschwand er ins Bad, kam nackend zurück, und stülpte im Gehen das Kondom über seinen prallen Schwanz. Wie ein gehorsames Kind hatte ich mich inzwischen der Kleidung entledigt. Ich war bereit. Der Geschlechtsakt war hart, langwierig und anstrengend wie zuvor. Und wie immer ohne jegliches Vor- oder Nachspiel. Danach verhielt er sich wieder, als sei nichts gewesen. Ich schaffte es gerade noch, ihn zu fragen, ob er Lust habe mal mit uns eine Disco zu besuchen, worauf er nur knapp antwortete: „Ok, tomorrow at night.“ Damit komplimentierte er mich bestimmt hinaus.
Nach dem Abendessen beschlossen wir durch die City zu bummeln. Wir ließen uns von dem Hoteltaxi fahren. Am Ziel erkundigte sich der Fahrer , ob wir ein Handy hätten, damit wir ihn rufen könnten, wenn wir zurück wollten. Die Stadttaxen seien zu teuer und die Busse führen nicht so oft nach außerhalb. Er gab uns seine Visitenkarte. Wir hatten das Taxi genau vor der Schmuck – Vitrine, dem Shop von Marios Freunden, verlassen, so dass ich beschloss, diese nun kennen zu lernen. Leider waren die Besitzer nicht anwesend, der Angestellte meinte, wir sollen am nächsten Tag wieder kommen. Also bummelten wir durch den Teil der Stadt, den ich schon mit Marina und Mario besucht hatte. Die ganze Flut orientalischen Charmes prasselte auf uns hernieder. Rabea fand es sehr spaßig, ich etwas zuviel und deshalb lästig. Es war unmöglich in Ruhe die Angebote zu begutachten. Jeder Ägypter versuchte uns in seinen Laden zu locken. Entweder mit der Einladung zum Tee oder Supersonderangeboten, Aber die häufigste Anrede war wohl: „Where you come from?“ Oder: „Verzeihung, ich habe nur eine Frage.“
Um so vielen Leuten eine Antwort zu geben, musste man schon ein Tonband im Bauch haben, für meinen Geschmack war es zu viel. Noch dazu kam man nur mühsam vorwärts, denn immer wieder versperrte ein eifriger Verkäufer den Weg. Bald waren wir die Hürden Lauferei leid und kehrten um. Am Ausgangspunkt unseres Hindernis Bummels sahen wir ein einladend wirkendes Lokal, mit einer vorgebauten offenen Holzterrasse. Dort wollten wir bei einem Drink auf unser Taxi warten. Die Atmosphäre war wirklich gemütlich, die Musikmischung, ein Mix aus alter und neuer Popmusik, sehr schön und das Personal sehr freundlich und aufmerksam. Mir fiel auf, das meine Tochter nicht nur die Aufmerksamkeit der anderen Gäste, sondern speziell der beiden netten Kellner auf sich zog, sondern, auch sie ganz offenes Interesse an diesen Beiden kundtat. Ich gönnte ihr schmunzelnd den Spaß. Es wurde ein netter Abschluss unseres Ausfluges. Das Taxi kam viel zu früh.
Im Zimmer zauberte Rabea dann eine unförmige Zigarette hervor und erklärte mir grinsend, dies sei eines von Sobeih´s Geschenken. Wir machten ein paar Züge aus der dicken Tüte, löschten dann die Glut, denn wir wollten uns den Rest für den nächsten Tag aufheben. Dann schliefen wir selig ein.
Der nächste Tag begrüßte uns erneut mit strahlendem Sonnenschein, was sich auf unsere Laune niederschlug. Nach dem ausgiebigen Frühstück eilten wir zum Pool. Das erste, was ich sah, war mein Sady. Er hockte am Beckenrand und beugte sich zu einer Blondine hinab. Das war doch die Höhe. Mir gegenüber blieb er immer auf kühler Distanz, und mit der flirtete er ganz öffentlich, und zwar heftig. Er amüsierte er sich ganz köstlich, lachte laut und hielt lang und ausdauernd ein Pläuschchen. Was ging denn da ab? Freute er sich schon so, auf einen „Massagetermin“? Ich war stocksauer. Mein Magen krampfte sich zusammen, dass ich befürchtete mich gleich übergeben zu müssen.
Rabea war meinem Blick gefolgt und sprach aus, was ich dachte: „Dein Sady scheint ja ne Super Laune zu haben. Was will der denn von der Alten? Pass mal ein bisschen auf den auf, nicht dass der auf Abwegen ist.“
Als er dann noch an uns vorbei ging, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen, von einem Gruß ganz zu schweigen, stand für mich fest, der Kerl betrügt mich. Oder er hatte ein neues Spielzeug gefunden, das Alte, mich, hatte er satt. Na Bravo. Ich war missbraucht und verraten worden.
Mehr als eine Stunde verbrachte ich in quälender Ungewissheit, so dass ich glaubte, das schmoren in der Hölle könne nicht schlimmer sein, dann kam sein Befehl: - come so fast in my room –
„Du willst doch jetzt nicht im Ernst springen, wenn der Herr dich zu sich befielt?“ empörte sich Rabea. „Oder willst du den Ersatzmann spielen, weil die Alte vielleicht nicht so wollte wie er?“ stichelte sie. „Dafür wäre ich mir aber zu schade.“
Ich war so aufgebracht, dass ich, mit Bea ´s Hilfe, antwortete: - i dont want, im not your game, -
Sofort kam die Frage – wat happen? –
Ich verkniff mir die Antwort. Kurz darauf erschien er, blieb auf seinem üblichen Platz stehen und sah mich fragend an. Es kostete mich Mühe, an im vorbei zu sehen. Dennoch blieb ich stur. Er stand länger als sonst auf demselben Fleck, wartete. Auf was? Das ich einlenkte? Da konnte er lange warten. Nun spielten wir mal nach meinen Regeln, ´wollen doch mal sehen, wer den längeren Atem hat.`
Er stapfte davon. Kurz darauf kamen noch zwei SMS mit der gleichen Anfrage, was mit mir los sei. Ich ließ ihn schmoren, wollte ihn fühlen lassen, wie dicht Himmel und Hölle beieinander liegen. Seinen Beobachtungsposten bezog er noch zwei Mal, jedoch ohne mir näher zu kommen. Direkt zu fragen, schien zuviel von ihm verlangt. Gegen Mittag wich meine Bockigkeit langsam der Befürchtung zu weit zu gehen, und ich schrieb ihm, ich wolle um 14 Uhr mit ihm reden.
Die schnelle Reaktion überraschte mich sehr – no, thats my lunch time –
„Ok, dann eben nicht.“ Ärgerte ich mich laut. Rabea schüttelte missbilligend den Kopf: „Was erwartest du eigentlich, Mama? Du hast ihn die ganze Zeit auflaufen lassen, jetzt soll er springen? Ist doch klar, dass er dich jetzt warten lässt. Mach dir keine Sorgen, der kriegt sich schon wieder ein. Nach dem Essen meldet der sich schon. Warte nur ab.“
Trotzdem war ich beleidigt. Schließlich hatte er Mist bebaut, nicht ich. Aus lauter Frust ging ich auf unserer Zimmer. Rabea blieb am Pool. Ich holte den Joint hervor und machte ein paar Züge, dann löschte ich die Tüte wieder. Zurück zur Sonnenliege schaffte ich noch, dann wurde mir etwas eigenartig zu Mute. Nach einigen Minuten ruhigen Liegens bekam ich einen extrem trockenen Mund. Ich bat meine Tochter mir was zu Trinken zu holen. „Bin ich dein Neger?“ brummte sie nur und räkelte sich faul. Ich fühlte mich nicht in der Lage aufzustehen, befürchtete zu stolpern, weil ich weiche Knie hatte. Davon wollte ich nichts sagen, weil die Kleine von meinem Kiffer Alleingang nichts merken sollte. Mehrmals versuchte ich den lästigen Angriff einer Fliege abzuwehren, doch das Insekt erschien mir immer größer und anhänglicher. „Mann, hier gibt ´s ja Elefantenfliegen. Mach die doch mal weg.“ Bat ich um Hilfe.
Rabea richtete sich auf, sah mich an und lachte los: „Mama, du bist ja total bekifft! Ist es denn wahr? Deshalb warst du eben oben. Du hast von der Tüte genascht. Hi Hi Hi, meine Mutter. Das müsste jemand von unseren Bekannten sehen, oder meine Geschwister, die wären platt.“ Verständnisvoll lenkte sie ein: „Na, dann will ich dir mal was zu trinken bestellen. Was willst du denn? Am besten Wasser, denke ich.“ Ich nickte nur dankbar. Sie besorgte das gewünschte.
Langsam verbesserte sich mein desolater Zustand, die Wirkung des Joints ließ nach. Ich wollte Rabea meinen Alleingang erklären, doch sie versicherte mir, dass sie davon sowieso nichts mehr haben wollte, weil der Joint ihr zu stark sei. In dem Moment kam eine sehr liebe bittende SMS von Sady, ich möge doch möglichst jetzt zu ihm kommen, später habe er zu viele Termine. Ich schrieb ihm, ich käme in 15 Minuten. Da ich mich noch nicht so ganz sicher fühlte, mich aber erst frisch machen wollte, bat ich die Kleine, mich aufs Zimmer zu bringen. Verständnisvoll kam sie meiner Bitte nach. Wieder allein im Raum, wusch ich mich und kam auf eine nette Idee. Da Bea ja nichts mehr haben wollte, könnte ich schnell noch ein paar Züge machen, denn ich erinnerte mich noch gut an die stimulierende Wirkung eines Joints beim Sex. Dies hatte mir damals mit Darkan sehr viel Spaß gemacht. Ich zündete die Tüte an und nahm sie mit, versteckte sie in der hohlen Hand.
Sady öffnete mir strahlend die Tür, diesmal hielt er sie auf und schloss hinter mir ab. Als wir uns gegenüber standen, schnüffelte er plötzlich, fragte: „what is it for a smell?“
Ich öffnete die Hand und er schimpfte erbost: „What is that? Who give you this? This fucking egyptschen man? He is really a bad man. Give me.” riss mir die Tüte aus der Hand und inhalierte gierig. Dann lachte er. Ich hatte wohl ziemlich verdattert ausgesehen.
Er nahm sich Zeit, ließ mir nichts mehr übrig. Dann verzichtete er ungewöhnlicherweise auf den Gang ins Bad, sondern riss mir fast die Kleider vom Leib. Entledigte sich der seinigen, und fiel wild über mich her. Das Kondom war wie herbeigezaubert auf seinem Glied, aber seine Gangart war anders. Sanfter, fast zartfühlend, beglückte er mich, so dass ich im ersten Moment nicht einmal erschrak, als er in meinen After eindrang. Doch nach ein paar Zentimetern fühlte ich die schmerzhafte Dehnung und wollte entfliehen. Aber er hielt mich fest, flüsterte mir etwas ins Ohr, was ich nicht verstand, dabei zog er sich langsam zurück. Er griff über mich hinweg nach der Ölflasche, dann glitt sein Finger, voller Öl, langsam in meinen Po. Er schob ihn ein paar Mal sanft hin und her, und ich wunderte mich, dass es mir gefiel, ja sogar Appetit auf mehr machte. „Oh ja, mehr.“ Stöhnte ich auf. Dann glitt sein Finger hinaus und er führte langsam seinen steifen Schwanz ein. Mehrmals stöhnte ich: „Langsam, bitte langsam.“ Bis ich ihn ganz in mir fühlte. Er steigerte langsam den Rhythmus, bis zur Extase. Ich kam mehrmals zum Höhepunkt, war so geil, dass ich laut jauchzte, als er den Eingang wechselte und wild bis zu seinem Erguss rammelte.
Als er nach längerer Zeit aus dem Bad zurück kam, hatte ich mich etwas erholt. Auch ich duschte ausgiebig, dann schlüpfte ich in meine Kleidung. Mit einem liebevollen Lächeln nahm er mich in die Arme, küsste mich mehrmals, dann sagte er ernst: “Now im your husband.“ Verwundert fragte ich: „Was, ich bin dein husband?“ Er schüttelte sich vor lachen, konnte sich kaum beruhigen, korrigierte aber: „No, not you. Me.“
Zum Abschied küsste er mich noch einmal sehr zärtlich, erklärte mir wo und wann wir uns am Abend treffen sollten, dann ging ich glücklich zum Pool zurück.
„Mensch Mutter, du siehst ja vielleicht mal wieder durchgenudelt aus. Ich mach mir echt Sorgen um dich. Das hält doch auf Dauer kein Pferd aus. Nee, muss der ein Hengst sein. Oder du verträgst das nicht mehr, nach so langer Pause.“ Flachste Rabea.
Ich winkte ab: „Lass mal, ich pack das schon. Ist ja nicht mehr so lange. Bald sind wir wieder zu Hause und was hab ich da schon, außer Maloche?“
Als ich ihr dann von der Verabredung zum Discoabend erzählte, freute sie sich: „Vielleicht lern ich da mal nen netten Boy kennen. Prima.“
Diesmal verbrachten wir die Zeit nach dem Abendessen auf unserem Zimmer. Der vereinbarte Zeitpunkt 22.30 Uhr war noch Stunden entfernt. Wir sahen uns einen Spielfilm auf RTL an, machten uns dabei sorgfältig stadtfein, dann nahmen wir das Taxi. Schon von weitem sah ich Walit, doch wo blieb mein Sady? Als ich ausstieg, kam er von der anderen Straßenseite auf mich zu.
Anerkennend bemerkte Rabea: „Sieht verdammt gut aus, dein Lover. Aber seinen doofen Freund musste er nun wirklich nicht mitbringen. Der verdirbt mir noch den ganzen Abend. Auf den hab ich keinen Bock. Der ist mir zu dünn, und ich find ihn auch hässlich. So ein Mist. Wie soll ich denn jetzt was anderes kennen lernen?“
Mir blieb keine Zeit sie zu besänftigen, denn mich faszinierte die Erscheinung meines Liebhabers zu sehr. In seinem engen weißen Bodyshirt und der ebenso engen Jeans, kam sein muskulöser Körper voll zur Geltung. Er sah er zum anknabbern sexy aus. Die beiden reichten uns die Hand zum Gruß und marschierten kommentarlos auf den Eingang des ´Aqua fun´ zu. Es waren erstaunlich wenige Gäste in der großen dunklen Disco. Die beiden steuerten zu einem Tisch in der hintersten Ecke des Raumes und ließen sich auf der Rundcouch nieder. Uns blieb nur, ihnen zu folgen.
Der Abend begann recht langweilig. Die Musik war übertrieben laut, der Raum zu dunkel und die durchgesessene Couch unbequem. Auch die Verständigung war nur schreiend möglich, wegen der lauten Musik und bedingt durch unsere distanzierten Sitzpositionen. Hinzu kamen noch meine Sprachschwierigkeiten, so dass Bea ausreichend mit Übersetzungen beschäftigt war. Als fleißige Tänzer entpuppten sich die Herren auch nicht grade, und Sady wurde immer schweigsamer. Dafür redete Walit wie ein Maschinengewehr auf die arme Bea ein. Aus lauter Frust begann sie ein Trink Wettkampf mit Sady. Walit versuchte mitzuhalten, während ich mal wieder den Alkohol mied. Dann wollte wir Damen mal das Örtchen aufsuchen, erhoben uns und Sady folgte uns wie ein Schatten. Er wartete tatsächlich vor der Tür bis wir unser Geschäftchen und die Make up Auffrischung beendet hatten. Was sollte das denn? Wir brauchten doch keinen Babysitter. Walit erklärte, man müsse uns vor der stürmischen Anmache der männlichen Solo Gäste schützen. ´So ein Schwachsinn.` Endlich hatten wir alle keine Lust mehr, wollten gehen. Sady bat den Kellner um die Rechnung. Als sie endlich gebracht wurde, rührte sich keiner der beiden diese in Empfang zu nehmen. Peinlich, also griff ich zu. 530 LE, oh Schreck. So viel hatte ich gar nicht in Landeswährung. Also kramte ich Pfund, DM und sogar noch US Dollar zusammen, aber es fehlten noch 80 Pfund. Schließlich legte Sady den Rest dazu.
Als das Taxi vorfuhr, stieg Sady vorne wir drei hinten ein. Weit vor der Hotelanlage hielt der Wagen an und die Beiden verließen das Taxi. Kein nettes Wort, kein Kuss und auch kein Händedruck zum Abschied, nur „Bye bye, see you.“ das war alles. Das Taxi musste ich dann später auch noch bezahlen. Doch, so ungefähr hatte ich mir den netten Abend vorgestellt. So ein Reinfall! Und zahlen durfte ich für den ganzen Mist auch noch.
Im Bett maulte Rabea dann auch noch über den langweiligen Abend, die Shit Disco, die aufdringliche Anmache des blöden Walit, keine nette Eroberung gemacht, blah blah blah. Ich verzichtete darauf, ihr begreiflich zu machen, wer nun die Dümmste des Abends gewesen war. Ich war zu enttäuscht und müde. Dann hörte ich sie nur noch von dem netten Lokal mit den süßen Kellnern reden, dass sie da unbedingt noch mal hingehen wolle. „Morgen.“ Murmelte ich im Einschlafen.
„Bea, wach auf. Schon halb zehn. Gleich ist die Frühstückszeit vorbei. Los, mach schon, ich habe Hunger.“ Rief ich erschrocken und sprang aus dem Bett. Schnelle Katzenwäsche, die Haare kämmen, zusammen binden und in den Trainingsanzug springen, war in zehn Minuten geschafft. Sie räkelte sich im Bett, knurrte verdrießlich: „Mach doch nicht so ´ne Hektik, wegen dem blöden Frühstück. Kannst ja schon mal gehen, ich komm gleich nach.“
„Wenn du gleich nichts mehr kriegst, bist du ´s selbst schuld.“ Konnte ich mir nicht verkneifen und rannte hinaus. Gierig schlürfte ich drei Tassen Kaffee und ebenso viele Gläser Orangensaft. Die Schlafmütze tauchte fünf Minuten vor Buffetschluß auf. Sah zu wie ich meinen Durst stillte und wunderte sich: „Hab ich gestern gesoffen oder du? Von was hast du denn so ´nen Brand?“
“Weiß nicht. Aber plappere nicht, mach hin, ich will in die Sonne. Der Pool war schon ziemlich voll.“ Versuchte ich sie zur Eile zu drängen.
“Nun mach mal langsam, bin doch kein D-Zug. Außerdem möchte ich heute mal zum Strand gehen. Ja, ja, ich weiß, du liegst nicht gerne im Sand. Aber ich muss da unbedingt mal hin. Hab da gestern einen ganz süßen Farbigen gesehen. Pechschwarz! Den will ich mir mal genauer angucken.“
Als sie meinen ablehnenden Gesichtsausdruck sah, meinte sie grinsend: „Keine Sorge, Mama, dein Sady findet dich da auch. Der läuft doch immer in der ganzen Anlage rum. Hab ich gestern auch gesehen.“
Am Strand waren ebenfalls schon sehr viele Liegen belegt, nur in der hintersten Reihe waren noch welche frei. Rabea holte einen Boy herbei und bat diesen, zwei Liegen nahe ans Wasser zu tragen. Dann deutete sie aufs Meer und sagte: „Der da, auf dem Surfbrett, das ist er. Er ist hier der Surflehrer. Ist der nicht süß?“
“Weiß nicht, kann ich nicht sehen. Er ist zu weit weg. Ich sehe nur was ganz Schwarzes, auf nem weißen Brett stehen. Bisschen sehr dunkel. Für meinen Geschmack zu dunkel. Nachts würde ich mich neben dem fürchten.“
“Ich nicht,“ kicherte sie, „find ich total geil. Je dunkler umso geiler.“
Diese Vorliebe kannte ich von ihr schon. Oft genug hatten wir unsere unterschiedlichen Geschmäcker und Ansichten ausgetauscht. Durch unsere enge, offene Art miteinander zu reden und uns auszutauschen oder beraten, konnte man bei uns beiden nicht von einer Mutter – Tochter Beziehung, sondern wirklich von Freundinnen sprechen. Sie erzählte mir alles und ich ihr auch. Na ja, fast alles. Das meiste jedenfalls.
Sady und sein Schatten kamen auf uns zugeschlendert, blieben manchmal bei anderen Gästen stehen, um ein paar Worte zu wechseln, dann hatten sie uns endlich erreicht. Schnell hatte Walit gecheckt, dass Rabea ´s ganze Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung ging, deshalb setzte er sich auf das Fußende ihrer Liege um ihr die Aussicht zu versperren. Sie verzog keine Miene, richtete sich auf und wendete gelassen den Oberkörper, so dass sie wieder freie Sicht hatte. Doch so leicht ließ der Anhängliche sich nicht ins Abseits drängen, er redete auf die arme Bea ein, gab seinen ganzen Charme.
Außer: „good morning. How are you today?” war aus meinem Sady nichts weiter rauszuholen. Er trampelte unruhig von einem Fuß auf den anderen, fühlte sich offensichtlich nicht am rechten Fleck. Er sah mich kaum an, sein Blick schweifte unruhig umher. Dann richtete er ein paar arabische Worte an seinen Freund, drehte sich um und stapfte gelassen davon. `Was ist ihm denn jetzt schon wieder in den falschen Hals gekommen? Aus dem Kerl soll mal einer schlau werden.´ dachte ich frustriert.
Auch Walit verzog sich kurze Zeit später, da Rabea sich einfach wieder hingelegt und mit geschlossenen Augen nur noch mit: „Hm.“ Antwortete. Deutlicher ging es nicht, ihm ihr Desinteresse klar zu machen.
Im gleichen Augenblick, mit dem Piepsen meines Handy ´s erschien der schwarze Surflehrer bei uns. Rabea setzte sich sofort in Position um heftig zu flirten, während ich die SMS las. – can you com now to me? Sady –
“Bea, du musst mir mal eben helfen. Ich will ihm schreiben, dass ich aber diesmal ne richtige Massage haben möchte. Nicht immer nur – du weißt schon.“ Bat ich. Damit reichte ich ihr mein Handy. Sie nahm es, schrieb etwas und gab es mir zurück. Ich las, - Yes, but i like to have a really massage. –
Die Zusage kam umgehend. Voll Vorfreude düste ich los.
Strahlend öffnete er die Tür und zog mich in den Raum. Wie ein Ertrinkender küsste er mich, drückte mich so fest an sich, das ich sein hartes Glied spüren konnte und zog an meinem Traini. „Stop, Stop. Langsam, Sady. Ich brauch wirklich dringend eine Massage. Das Andere danach. Ok? Later.“ Versuchte ich ihn zu bremsen.
Er schien mich verstanden zu haben, denn er deutete auf die Liege und ging zum Hände waschen. Leise sanfte Musik, der Geruch von Rosenduft und seine warmen ölig glitschigen Hände nebelten mich wohlig ein. Ich ließ mich fallen, war herrlich entspannt, als er fertig war. Relaxt blieb ich mit geschlossenen Augen auf dem Bauch liegen. Ohne den Raum zu verlassen, entkleidete er sich, streifte das Kondom über und sprang auf die Liege. Er streichelte meinen Rücken bis hinunter zum Po, griff mich, zog mein Gesäß hoch und wollte so in mich eindringen.
„Au!“ schrie ich empört. „Nicht schon wieder so grob. Wenn du schon unbedingt da hinten rein willst, nimm wenigstens etwas Öl. Sonst tust du mir weh.“
“Sorry darling“ stammelte er geknickt, dabei griff er über mich hinweg zu der Ölflasche. Dann schob er erneut seinen Penis langsam in den hinteren Eingang.
“Au. Das brennt ja wie Feuer. Bist du verrückt? Das ist ja Minzöl.“ Schrie ich auf, so dass er sich erschrocken zurück zog. Ich sprang von der Liege und raste ins Bad. Hörte nur noch: „Sorry, darling, sorry.“
Vor der Badezimmertür nahm er mich in Empfang, fragte mit zerknirschter Miene: „Everything ok again? Forgive me, that i dont want. Was a mistek.”
Als ich dank seines Gesichtsausdruckes lachen musste, kicherte er auch, hob mich hoch und trug mich zur Liege zurück. Zum ersten Mal küsste er meinen ganzen Körper, bis zum Schamhügel, dann drang er ganz vorsichtig auf dem normalen Weg ein. Es wurde ein schöner gefühlvoller Akt. Beim Begleichen der Massage, entschuldigte er sich umständlich für den vergangenen Abend, erklärte mir, dass er mit seinem geringen Verdienst, eine solch hohe Rechnung nicht bezahlen könne, ihm die Sache sehr peinlich sei. Irgendwie verstand ich ihn und ich empfand solches Mitleid, dass ich ihm 50 Dollar extra gab, um seine Ausgaben zu erstatten. Schließlich hatte ich um seine Begleitung gebeten, ohne seine finanziellen Möglichkeiten zu kennen.
Auf dem Weg zum Strand dachte ich: `Aber seinen Freund hatte ich nicht eingeladen und wenn er schon die Preise kennt, warum säuft er dann so viel? ´
Abzocker und Parasiten
Die nächsten Stunden ließen sich weder Sady noch Walit blicken. Schon recht früh verging uns die Lust aufs rumliegen. Bea schlug vor in die Stadt zu fahren. Gute Idee, also machten wir uns Stadtfein und nahmen das übliche Taxi. Diesmal war es relativ erträglich, durch die Straßen zu bummeln. Oder hatten wir uns schon mit dem Hindernislauf abgefunden? Wir erstanden ein großes Badetuch und einen schönen Schal mit Ägyptischen Motiven. Dann gingen wir noch einmal zu Marios Bekannten.
Die Ex – Kölnerin war eine große stabile Frau mit der typisch lockeren rheinischen Art und noch immer einem leicht kölschen Dialekt. Sie begrüßte uns wie lang erwartete liebe Bekannte. Ihr ägyptischer Ehemann war wohl einige Jahre jünger, ein gutaussehender Mann, an dem lediglich der Fünfmarkstück große Leberfleck, mitten auf der Stirn, störend wirkte. Edit erzählte, dass Marios Eltern auch derzeit hier Urlaub machten und diese habe sie gestern kennen gelernt. Nach ein paar Freundlichkeiten verabschiedeten wir uns, mit dem Versprechen, noch mal rein zu schauen.
Dann hatte Rabea plötzlich sehr großen Durst. Sie wollte unbedingt in das Lokal, dass ihr am Vortag zu gut gefallen hatte. Als wir auf der Terrasse standen, sah Rabea fasziniert zur Tanzfläche im inneren. Ein hübscher junger Ägypter tanzte nach einem mitreißenden Latino Song. Er bewegte sich so rhythmisch und gekonnt, dass ich ihr Interesse verstehen konnte. Dann lachte er ihr zu und ich sah ihr an, sie war gefesselt. Mein Versuch sie zum gehen zu bewegen stieß auf energischen Protest. Nach einer kleinen Diskussion einigten wir uns darauf, in unserem Hotel die Einkäufe abzuladen und zu essen, dann noch mal zurück zu fahren.
Vergebens hielt ich im Hotel Ausschau nach meinem Lover. Zu gerne hätte ich ihn mitgenommen. Aber weder von ihm, noch von Walit war etwas zu sehen. Rabea zog sich um und schminkte sich noch einmal, dann brachte das Taxi uns zurück in die Stadt.
`Mama `s Bar´ war inzwischen voll. Die Stimmung auf Hochtouren, die Mucke mitreißend. Auf der Außenterrasse fanden wir grade noch zwei Randplätze an einem der großen Tische. Kaum hatten wir unsere Getränke, als der Schöne uns entdeckte. Sofort holte er Rabea zum tanzen.
Alle Leute, ob Gäste oder Kellner, starrten fasziniert auf meine Tochter. Ihr Tanz war eine sexuelle Herausforderung. Sie bewegte sich wie ein Schlangenmensch, halb Bauchtanz halb Ehestandsbewegungen. Wackelte auffordernd mit den Brüsten und machte eindeutige Bewegungen mit dem Unterleib, dabei sah sie ihrem Tanzpartner ununterbrochen in die Augen. Ich wusste in diesem Moment nicht, welches Gefühl überwog, der mütterliche Stolz auf diese schöne Tochter, oder die Scham über ihr provozierendes Verhalten. So hatte ich die Kleine noch nie erlebt. Wie dem auch sei, waren wir somit im Mittelpunkt des Interesses.
Atemlos erzählte sie, Samma sei der Manager dieses Lokals und es gäbe noch eine weitere Filiale, nämlich ´Mama ´s 1´ in einem anderen Teil der Stadt. Rabea war Feuer und Flamme, heiß wie eine Bratkartoffel. Endlich mal ein süßer Typ, der ihr gefiele. Der Süße ließ nicht lange auf sich warten. Er begrüßte mich artig, fragte was er uns zu trinken ausgeben dürfe. Ich entschied mich für Sprite, Rabea startete ein Wett trinken mit ihrem Verehrer, mit Tequilla. Erstaunlicherweise sah man ihr den massiven Alkoholgenuss wieder mal kein bisschen an. ´Diese Saufziege, wie verkraftet die das nur?` wunderte ich mich.
Nach zwei Stunden hatte ich keine Lust mehr, wollte ins Bett. Bea knurrte, jetzt, da es grade so schön sei, sie wolle noch bleiben, sie käme schon allein klar. Ich war zu müde, langweilte mich auch, also bestellte ich das Hoteltaxi.
Im Bett fiel mir Sady ein, fand es zu schade, dass ich ihn nicht hatte mitnehmen können. Dachte über unsere eigenartige Beziehung nach und kam zu dem Schluss, dass es nichts weiter als ein Urlaubsflirt war, schon wegen der räumlichen Entfernung. Auch über meine jüngste Tochter und deren Verhalten drehten sich meine Gedanken. Ihre Art, diesen schönen Jüngling anzubaggern, war für mich eine völlig andere, unbekannte Seite, an ihr gewesen. Bei unserem ersten Mutter – Tochter Urlaub, auf Ibiza, war sie zwar mit Angeboten überschüttet worden, hatte sich aber für keinen Verehrer wirklich interessiert. Und nun das. Woran das wohl lag? Vielleicht weil sie damals noch in der festen Beziehung mit ihrem langjährigen Freund Erkan war und sie ihm die Treue hielt? Irgendwann in der Nacht hörte ich Rabea ins Zimmer schleichen.
Der vorletzte Tag begann recht langweilig. Irgendwie waren wir beide lustlos. Auf Rabeas Wunsch gingen wir zum Strand und ich konnte mir nicht verkneifen zu fragen: „Was ist los mit dir? Kater oder knurrig? Wie war´ s denn gestern? Nach deiner Laune zu urteilen, nicht so toll. Erzähl.“
“Na ja, es war ganz nett.“ Brummte sie wortkarg.
“Was, nur ganz nett? Du warst doch so heiß auf den Typ. Was ist schief gelaufen?“ wurde ich hellhörig.
Sie richtete sich auf, sah mich fragend an: „Ist es Dir auch schon mal passiert, das du nach dem Sex keinen Bock mehr hattest? Weißt du, ohne Vor – und Nachspiel, nur rammeln, das ist nicht mein Ding. Dann hatte er auch noch son ´nen Kleinen, dass ich schon fragen wollte, wann er das Ding mal ausfährt. Es ist zum verrückt werden, da trifft man mal nen tollen Typ, alles passt, nur der Sex ist langweilig. Hauptsache er hatte seinen Spaß? Nee, nichts für mich. Dann lieber gar nicht. Soll man da noch gute Laune haben?“ brach der Ärger heraus.
Ich kicherte, versuchte abzuschwächen: „Du stellst aber auch Ansprüche, an das erste Mal. Das ist oft so, dass es nicht so toll ist. Man muss sich doch erst mal kennen lernen. Aber mit dem drum herum, hast du recht. Davon hält mein Sady auch nichts. Klappt trotzdem. Aber ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich das noch bessert. Tja und groß ist sein Penis auch nicht grade. Ich werfe aber nicht gleich das Handtuch, so wie du.“
Sie brummelte nur etwas Unverständliches. Da fiel mir auf: „Apropos Sady, da fällt mir auf, das der sich heute noch gar nicht gemeldet hat. Hilf mir mal, muss ihm mal schreiben. Wie schreib ich denn, - Was ist los? Keine Lust heute? –„
Sie wollte mein Handy nehmen, ich bestand jedoch darauf, selbst zu schreiben. Also diktierte sie. – Whats happen? Do you dont have mood today? –
Die Antwort war klar, - im buisy –
Ich war empört. Ohne einen späteren Zeitpunkt zu benennen, ohne die sonst übliche Entschuldigung und ohne jegliche Freundlichkeit. Da stimmte was nicht. Mit wem war er denn so beschäftigt? Deshalb antwortete ich sauer, - ok, if you have woman to much, today.
Seine Reaktion war, - i have to work, or you think, im a six macine? Im only fuck?-
Tödlich beleidigt verzichtete ich auf weitere Antworten.
Gegen Mittag fühlten wir uns hungrig, Rabea wollte am Strand essen, ich jedoch an der Poolbar. Denn ich hatte vor, den weiteren Tag am Pool zu verbringen, weil ich mich abkühlen wollte und nicht im Meer baden mochte. Obwohl es ihr nicht passte, trottete sie hinter mir her.
Nachdem wir gegessen hatten, ließen wir uns in der Nähe der Bar nieder, weil alle Liegen in meiner Lieblingsecke belegt waren. Interessiert beobachtete Rabea die Arbeit des Tatto Zeichners, ganz in unserer Nähe. „Mama, guck mal welch tolle Tatto´s die hier machen. Das lass ich mir auch machen. Ich frag mal, was das kostet.“ Sagte sie und stand auf.
“Bea, du bist verrückt. Du hast doch schon zwei. Willst du aussehen wie ein Graffiti Plakat? Noch eines, das ist doch zu viel.“ Versuchte ich sie zurück zu halten.
“Ach Mama, das ist doch nur Henna, das hält doch nur ein paar Wochen, es verschwindet durchs waschen.“ Rief sie mir lachend zu und ging um den Preis zu erfragen. Sie kam zurück und meinte: „Ist spott billig. Gleich bin ich dran. Lass dir doch auch mal eins machen. Sieht cool aus, und geht wieder weg.“
Als ich ablehnend den Kopf schüttelte, flachste sie: „Du willst doch sonst so modern sein. Tattos sind in. Das musst du unbedingt auch mal haben. Versuchs doch mal.“
“Ach nein, ich find diese Motive doof. Das gefällt mir nicht an mir. Vielleicht wenn es was schöneres, spezielles gäbe, aber nicht diese abstrakten Bilder. Nee, lass mal.“ gab ich zu bedenken.
Sie bohrte weiter, wollte mich überzeugen: „Der Junge ist ein Künstler, glaub mir. Der kann sicher auch andere Motive zeichnen. Frag ihn einfach mal, wenn du weißt, was du haben willst.“
Mir kam eine Idee, fragte deshalb grinsend: „Meinst du, er kann auch Namen in arabischer Schrift zeichnen?“
“Klar, kann er das. Ist ja seine Muttersprache.“ Rabea lachte amüsiert und flachste mich: „Ich weiß schon, was du vorhast. Du willst dir deinen Sady tätowieren lassen. Gute Idee. Wenn es dir dann doch gefällt, kannst du das zu Hause nachstechen und somit verewigen lassen. Also, frag ihn.“ Ermunterte sie mich.
´Nicht schlecht. Bestimmt freut Sady sich über die Idee, mir seinen Namen auf den Brustansatz schreiben zu lassen. Der wird vor Stolz platzen.` dachte ich. Gedacht, getan, ich sprach mit dem Tätowierer. Er meinte, das sei leicht für ihn, er werde es vor Rabeas Tattoo machen, da es nicht sehr viel Zeit in Anspruch nähme. Wir einigten uns auf 40 Pfund, er legte auch sofort los. Zeichnete erst mit einem dünnen Filzstift vor und trug dann dick die Hennafarbe auf. Nun solle ich das Ganze circa 20 Minuten in der Sonne trocknen lassen, dann werde er die überflüssige Farbe abwaschen und nahm er sich Rabeas Tattoo vor.
Ich hatte mich kaum auf der Liege ausgestreckt, als ich Sady im ungewohnten Eilschritt auf die Bar zueilen sah. Grinsend beobachtete ich ihn aus halb geschlossenen Lidern. Auf dem Weg riefen die Kellner ihm etwas zu, jedoch reagierte er nicht. An der Bar blieb er stehen, sah mit düsterer Miene zu mir herüber um sich umgehend wieder abzuwenden. Dann stampfte er, ohne mich eines Blickes zu würdigen, mit noch finstererem Gesichtsausdruck, an mir vorbei, Richtung Massageraum. `Den Kerl versteh wer will. Ich nicht. Was ist denn nun schon wieder?` dachte ich, als ich ihm hinterher sah. Bevor er aus meinem Blickfeld verschwand, drehte er sich noch einmal um und hob drohend die Faust in meine Richtung. `Das wollen wir mal direkt klären.` dachte ich wütend und sprang auf.
“Ich bin gleich zurück!“ rief ich der Kleinen zu und eilte hinter Sady her. Klopfte hart und auffordernd an die Tür. Er öffnete so überraschend schnell, als habe er dahinter stehend auf mich gewartet. Warf die Tür mit lauten Knall ins Schloss und schimpfte laut los. Ich hatte Mühe zu verstehen, was er meinte, bekam jedoch mit, dass ihn mein Tattoo so ärgerte, weil ihn wohl jeder Kollege gefragt hatte, ob er dieser Sady sei. Da unter den 280 Hotelangestellten aber nur einer den Namen Sady trug, gab es keinen Zweifel. Ich verstand etwas von Kinderspielen und Problemen, wegen seinem Job, weil es verboten sei, sich mit Touristinnen einzulassen, und stand ihm fassungslos gegenüber.
Kleinlaut stotterte ich: “Sorry, Sady. Tut mir echt leid. War doch nur ein Jok. Bitte, sei nicht böse.“
Doch er schimpfte weiter und stieß mich zurück, als ich ihn umarmen wollte. Das war mir nun doch zu viel. Ich wurde ebenfalls zornig, sagte böse: „Ach, fuck you!“ hob wenig Damenhaft den Mittelfinger hoch und rannte hinaus.
Mehrmals erschien er im Laufe des Nachmittags am Pool, anfangs übersah er mich noch, dann fiel mir auf, dass er mich mit kurzen Seitenblicken streifte. Ich ignorierte ihn völlig, fand die Strafe müsse sein, er war etwas zu weit gegangen.
Walit war es, der den Versuch startete, eine Versöhnung herbei zu führen. Er setzte sich zu uns und sprach mit Rabea. Ich hörte einfach nicht hin. Als er gegangen war, klärte sie mich auf, Walit habe uns eingeladen, um 17 Uhr in den Massageraum zu kommen, um gemeinsam einen Joint zu rauchen. Konsequent lehnte ich ab. Bea versuchte einzulenken, mich, trotzt allen Verständnisses für mein Verhalten, dazu zu bewegen, mitzugehen. „Nun gib ihm doch noch ne Chance. Er hat sich doch wieder abgeregt. Wenn du genau über seine Situation nachdenkst, siehst du doch selber ein, dass er nicht so ganz unrecht hatte. War ja auch ne blöde Idee. Und ich hab dich auch noch unterstützt. Komm mit, du liebst ihn doch.“ redete sie mit Engelszungen auf mich ein.
Ich blieb stur, lehnte eigensinnig weiter ab. Nach längerem Hin und Her wurde sie ungeduldig, knurrte: „Mensch Mama, sei doch nicht bockig wie ein Kleinkind. Ok, wenn du nicht mit ihm reden willst, lass es. Du musst selbst wissen, wie weit du gehen willst, aber verdirb mir nicht meinen Spaß. Du weißt genau, dass ich ohne dich nicht da hin gehe. Also bin ich gezwungen, auf den Joint zu verzichten, obwohl ich gerne mitrauchen würde. Du könntest wenigstens mir zuliebe mitgehen. Hab hier sowieso noch keinen richtigen Spaß gehabt. Also komm, gib deinem Herzen einen Stoß und mach es mir zuliebe.“ Bettelnd sah sie mich an. Wie meistens konnte ich ihr den Wunsch nicht abschlagen. So wie mit ihrer Brust-Vergrößerung, Ende 1999. Auch damals hatte ich mich lange, aber erfolglos, dagegen gewehrt, ihr, im jungen Alter von 17 Jahren, diese Operation zu erlauben. Nach langem Betteln und endlosen Diskussionen, hatte sie dann doch ihre Silikonimplantate bekommen und war zufrieden. Seither nannte ich sie manchmal scherzhaft `Sili-Lilly´.
„Also gut, aber nur dir zuliebe. Ich will sowieso keinen Joint rauchen. Die letzte Erfahrung, den Horrortrip, mit den Elefanten Fliegen, hab ich nicht vergessen, das reicht fürs erste. Ich lass die Drogen lieber und das solltest du auch tun. Reicht ja schon, dass du jetzt zwei Tage hintereinander besoffen warst. Auch in deinem Alter, sollte man nichts übertreiben und ab und zu mal an die Gesundheit denken. Ich gehe mit, wenn du unbedingt willst. Aber ich spreche kein Wort mit dem Blödmann. Bin doch nicht sein Äffchen.“ Gab ich zögernd nach. Sie strahlte, hatte es wieder mal geschafft, mich zu überreden.
Walit öffnete die Tür und ich dackelte hinter Rabea her, durch die kleine Diele, ins Innere. Sady lehnte rückwärts an der Liege, sah mir entgegen. Ich ließ mich gleich am Anfang des Raumes in den Besuchersessel fallen und gab mir Mühe, desinteressiert an ihm vorbei zu sehen. Walit holte eine dicke Tüte hervor und steckte das Monstrum in Brand. Zog gierig daran und gab sie an Rabea weiter. Auch sie inhalierte dreimal um den Joint dann an Sady weiterzugeben. Während er genüsslich rauchte, versuchte er mir in die Augen zu sehen, doch ich wandte mich ab. Er hielt mir den Glimmstängel hin, ohne sich von der Stelle zu bewegen, sagte: „Ruth. For you.“ Ich war gezwungen etwas zu erwidern, wollte ich nicht unhöflich sein. „No, thank you. Ich will nicht rauchen.” Sie versuchten mich zu überreden, doch ich blieb standhaft.
Sady kam auf mich zu, gab im Vorübergehen die Zigarette an seinen Freund weiter, zog mich an beiden Händen von meinem Sitz hoch und sah mir lächelnd in die Augen. „I know, im crazy. So sorry, darling. Forgive me. Ok?” und küsste mich ohne Rücksicht auf die Anderen im Raum. Ich war perplex, hatte diese Offenheit, in Rabea und Walit´ s Anwesenheit nicht erwartet, sah dann sein jungenhaftes Lächeln und schmolz dahin.
Als wir das Zimmer verließen, fand ich mein Tattoo plötzlich auch albern, deshalb klemmte ich mir ein Taschentuch halb unter das Bikinioberteil um so die Tätowierung zu verdecken.
Zurück am Pool hatte Rabea keine Lust mehr auf sonnen, sie schlug vor, diesmal früh das Essen einzunehmen und anschließend ins ´Mamas ´ zu fahren. Dank der Versöhnung mit Sady war ich so guter Laune, dass ich sofort zusagte.
In dem gemütlichen Lokal war tote Hose, bis auf zwei gelangweilt aussehende Männer an der Theke und einem Pärchen hatten sich noch keine Gäste eingefunden. Auch von Rabeas Verehrer keine Spur. Die beiden netten Kellner schienen erfreut, endlich Gesprächspartner gefunden zu haben, setzten sich zu uns und erzählten, dass diese Leere um die Uhrzeit normal sei. Zur Dinner Time wäre das eine willkommene Pause, die Ruhe vor dem Sturm. Beide versuchten mit meiner Tochter zu flirten, doch sie zeigte wenig Interesse. Außer ein paar Erinnerungsfotos, war ihr keine Aktivität abzugewinnen. Wir beratschlagten, was wir machen könnten, da wir aber beide recht lustlos waren, bestellten wir unser Hoteltaxi und fuhren früh dorthin zurück. Schlafen zu gehen fanden wir dann doch zu früh, aber meinen Wunsch ein wenig fern zu sehen, lehnte Rabea als langweilig ab, das könne sie schließlich genügend zu Hause. Sie wollte noch einen Schlummertrunk in der Hotelbar einnehmen. Also ging ich lustlos mit. Dort war auch absolute Leere. Nur die Kellner und der DJ bevölkerten spärlich den halbdunklen Raum. Als Rabea dann zu dem DJ ging, um `vernünftige Mucke´ zu bestellen, griff ich gelangweilt zum Handy. Schrieb an Sady – I like to see you –
Seine umgehende Antwort brachte mich in Rage, - my work ist finish now –
`So eine Frechheit.` dachte ich erbost,´ Was bin ich? Arbeit? Fehlt nur noch das ich für seine Rammelei bezahlen muss! Dann such ich mir meinen Stecher aber selber. Und zwar einen besseren als dich. Was bildest du kleines Arschloch dir eigentlich ein?`
Endlich kam Rabea zurück und ich berichtete ihr empört diese Dreistigkeit. Sie versuchte mich zu beruhigen: „Das hat er bestimmt nicht so gemeint, Mama. Reg dich nicht immer gleich so auf. Der Junge wird müde sein und vielleicht auch ein bisschen bekifft. Wenn die noch mehr von dem Kraut geraucht haben, dann ist der total zu. Das war nämlich ne Hammertüte. Ich vermute, die hatten noch mehr davon. Komm, take it easy, morgen ist alles wieder ok. Amüsier dich auch ein bisschen.“
“Woher kommt denn so plötzlich deine gute Laune?“ staunte ich. Sie grinste verschmitzt und gestand mir: „Du, der DJ ist ja vielleicht süß, das hab ich letztens gar nicht gesehen. Der könnte mir gefallen. Groß, schlank, wunderschöne Augen, wenn auch nicht grade dunkelhäutig, aber ganz süß, wirklich. Bist du böse, wenn ich dich noch nen Augenblick allein lasse?“
“Oh je, schon wieder einer? Du bist ja vielleicht sprunghaft.“ Stöhnte ich leicht genervt. „Aber geh nur, ich bleib noch ein wenig hier sitzen. Wenn ich keinen Bock mehr habe, sag ich dir bescheid.“ Dann fiel mir ein, `das ist doch nicht etwa der Trottel, der letztens ständig die falsche Musik aufgelegt hat? `
Sie wollte grade aufstehen, als ein sehr großer Mann auf unseren Tisch zukam. „Das ist er.“ Wisperte sie und strahlte ihm entgegen. Höflich reichte er mir die Hand, sagte was Unverständliches und ließ sich auf einem Sessel nieder. Außer das er sehr lange Beine hatte, mit denen er wohl ständig auf Kriegsfuß stand, denn er versuchte vergeblich diese irgendwie unterzubringen, konnte ich nichts Besonderes an ihm feststellen. `Na ja, über Geschmack lässt sich zwar nicht streiten, aber was an dem ist denn so süß?´ Dachte ich.
Die Beiden tanzten nach den Songs, die mir als Beas Lieblingslieder bekannt waren. Ein ungleiches Paar, die kleine Bea, grade Einmeter vierundsechzig mit dem einmeterneunzig Mann. Der Kampf mit seinem Fahrgestell, bei dem was er unter tanzen verstand, war lustig anzusehen. Sie amüsierte sich köstlich, ich nicht. Schon wollte ich schlafen gehen, als der Moderator des Bauchtanz – und Rateabends herein kam. Er gesellte sich zu uns, forderte mich direkt zum tanzen auf, und so hüpfte ich auch eine Weile herum. Bea machte fleißig Fotos, bat mich, auch sie mit ihrem Tanzpartner zu knipsen. Nach einer Stunde verging mir die Lust, leichte Müdigkeit schlich sich ebenfalls ein, so dass ich Rabea sagte, ich wolle ins Bett. Sie wollte bleiben, es war mir egal. So ging ich mal wieder allein.
Schon bald kam sie und plapperte drauf los- sie habe nur Pech, endlich habe sie mal einen süßen Jungen getroffen, wollte ein bisschen allein mit ihm sein und der Boy habe keine Wohnung. Auf unser Zimmer ginge ja auch nicht, so wären sie zum Strand gegangen. Aber diese blöde Security habe sie beide entdeckt und riesen Trouble gemacht. Dabei wäre außer ein bisschen knutschen nichts gewesen. Trotzdem seien sie verjagt worden. So hätten sie sich voneinander verabschieden müssen. So ein Mist. –
“Morgen ist ja auch noch ein Tag.“ Brummte ich. „Schlaf jetzt, ich bin müde.“
“Ja, aber der letzte. Du hast ja nen Lover, dir egal, was ich hab. Ist klar.“ Maulte sie noch.
Schon am frühen Morgen begrüßte uns der letzte Urlaubstag mit strahlendem Sonnenschein und ungewöhnlicher Wärme. Es war so drückend heiß und windstill, dass ich kaum Hunger verspürte. Oder war es der nahende Abschied?
Während des Frühstücks redete Rabea unentwegt, es war ein Schwanken zwischen Glücklichsein und Traurigkeit. Das wir jetzt abreisen mussten, da sie endlich den süßesten Jungen kennen gelernt habe und wie schön der gestrige Abend war, wenn auch mit einem blöden Ende. Er habe nur noch `bis morgen´ sagen können. Selbst wenn ich hätte antworten wollen, sie ließ mir nicht die Zeit dazu. Dann rannte sie mitten im Frühstück kurz hinaus, kam zurück und meinte betrübt: „Schade, er war es doch nicht. Ich dachte, ich hätte Hedy draußen vorbei gehen sehn.“
“So, Hedy heißt der lange Lulatsch also. Komischer Name.“ Brummte ich.
“Was ist los, Mama? Schlechte Laune? Dont worry, dein Sady meldet sich heute schon.“ Schien sie mich aufmuntern zu wollen.
“Ach der kann mir doch den Buckel runterrutschen. Seine Spielchen kann er mit jemand anders machen. Da hab ich keinen Bock drauf.“ Ärgerte ich mich laut.
“Na du bist ja vielleicht mies drauf, heute Morgen. Nur weil du mal einen Tag nicht gepoppt hast, ist deine Laune so mies? Benimmst dich ja wie ein Süchtiger auf Entzug.“ Lachte sie mich aus.
Ärgerlich wies ich sie zurecht: „Ein bisschen nett bitte, ja? Du sprichst mit deiner Mutter. Nicht mit deinesgleichen.“
Sie lenkte sofort ein: „Tschuldige Mama, aber dann benimm dich auch so. Ist doch wahr. Ihr hattet doch gestern genug Krach, das musst du doch nicht noch ausweiten. Sei nicht so nachtragend, bist doch sonst nicht so.“ Als ich ihr nicht antwortete, meinte sie besänftigend: „Komm, sei lieb, wie immer. Lass uns den letzten Tag genießen, und verdirb ihn dir nicht selbst. Warte nur ab, dein Lover weiß auch dass wir morgen abreisen müssen. Ich wette, der kommt gleich reumütig angekrochen. Der ist doch so heiß auf dich, dass er sich die letzte Gelegenheit nicht entgehen lässt. Komm, ich bin fertig, wir gehen an den Pool.“ Vor mich hin brummeln folgte ich ihr.
Kaum hatten wir unseren Lieblingsplatz eingenommen, kam tatsächlich eine SMS von Sady, - dont be angry because jesteday, pleese com after won hour to my room –
“Was will er Bea? Ich versteh das nicht. Guck doch bitte mal.“ Bat ich kopfschüttelnd.
“Unmöglich, hat der ein beschissenes Englisch!“ sagte sie und versuchte die Nachricht zu enträtseln. „Also ich vermute, das du wegen gestern nicht böse sein sollst, das er dich bittet, ja tatsächlich; Mama, er bittet dich in einer Stunde zu kommen. Siehst Du, was hab ich dir gesagt? So ändert sich der Tonfall. Hi Hi, er schreibt bitte.“ Kicherte sie.
Ich strahlte: „Siehst du, man muss nur mal hart sein, nicht gleich springen, wenn der Herr was wünscht. Dann geht es doch. Meine Erziehungs- - Maßnahmen fruchten.“
“Ja klar, du warst ja sehr hart gestern. So hart, das du ihn abends noch mal sehen wolltest. Nun hör schon auf, hier die Coole zu spielen. Ist doch ok, dass du verliebt bist. Gib es einfach mal zu. Ist ja nichts Schlimmes bei, bist ja alt genug.“ Wollte sie mich flachsen.
“Danke, wie alt ich bin weiß ich selbst.“ Knurrte ich beleidigt.
“Mensch, sei doch nicht gleich so angenickelt. War doch nicht so gemeint. Du bist aber auch heute empfindlich. Ich sag gar nichts mehr.“ Maulte sie ärgerlich.
Auf dem Weg ins Zimmer, mich schnell frisch zu machen, sowie zu dem Massageraum, klemmte ich mein Zigaretten Päckchen unter den BH Rand, um das Tattoo zu überdecken. Er begrüßte mich freundlich, schloss die Tür und nahm mich in die Arme. Liebevoll streichelte er über mein Haar und bedeckte Gesicht, Hals und Brustansatz mit zärtlichen Küssen. Dabei murmelte er: „Forgive me darling. Im crazy. I like you to much.“ Dann begann er mich zu entkleiden, hob mich auf die Liege, drehte mich auf den Bauch und begann zu massieren. Ich war vor Überraschung sprachlos, hatte ich doch gar keine Massage bestellt. Welch eine angenehme Geste der Versöhnung. Von den Füßen bis zum Gesäß war er ganz sanft, am Rücken kräftiger, den Nackenbereich knetete er richtig hart, um dann wieder zum Po hinunter zu gleiten. Die schönsten Griffe kamen erst dann. Er massierte sehr geschickt und intensiv mit beiden Daumen die Leisten zwischen Schenkeln und Genitalbereich. Ich stöhnte auf, fühlte das Vibrieren der Nerven im After und Scheidenbereich und hatte das Gefühl gleich zum Orgasmus zu kommen. Ich wartete darauf, nein sehnte mich danach, dass er endlich mit dem Daumen höher ginge, aber er löste eine Hand. Mit der verbleibenden glitt er zwischen Schenkeln und After hin und her, von rechts nach links und zurück. Dann kniff er mich in den Schamhügel und schüttelte diesen sanft. Ein heiseres Ächzen entfuhr mir, und gleichzeitig spürte ich die Bewegung der Liege, als er sich über mich schwang und sein Schwanz ruckartig eindrang. Hart, schnell und sehr lange dauerte der Akt bis zu seinem Höhepunkt. Ich war nicht in der Lage, die meinen zu zählen.
Völlig fertig wartete ich bis er endlich zu Ende geduscht hatte. Mühsam kletterte ich von der hohen Liege und schleppte mich fast ins Badezimmer. Nach der ausgiebigen Dusche fühlte ich mich besser. Er grinste nur und sah auf die Uhr. Zeit für mich zu gehen. Schnell sprang ich in die Kleidung. „Sorry darling, my next Massage.“ sagte er und schob mich zur Tür.
`Netter Abschied` dachte ich ein wenig frustriert, `aber Job ist Job und der geht ja vor.
Rabea überfiel mich gleich: „Na, alles wieder klar? Sieht man dir an. Du strahlst. Nur ich hab mal wieder Pech. Ich hab Hedy noch nicht gesehen, hab schon an der Rezeption nach ihm gefragt, aber die wissen nicht wo er ist. Vielleicht wohnt der gar nicht hier im Hotel. Ich hoffe nur, ich seh ihn heute noch.“
Diesmal versuchte ich, sie zu beruhigen: „Bleib locker, Maus. Spätestens heute Abend, siehst du ihn bestimmt. Er muss ja arbeiten. Ich möchte jetzt erst mal ein bisschen ruhen, war total geil, die Massage. Aber anstrengend.“
Sie kicherte: „Bei dieser Art von Massage und der Dauer, kein Wunder. Bin ja kein Spanner, aber da möchte ich doch mal Mäuschen spielen. Wenn ich dich danach so betrachte, denk ich, dass die Nummern Hammerhart sein müssen. So fertig, wie du immer aussiehst.“
“Nee, lass mal, dann könnt ich nicht. Ne dritte Person im Raum, ist eine zu viel. In diesen Dingen bin ich ziemlich altmodisch.“ Lachte ich.
“Tja,“ überlegte sie, „du hast sowieso recht gegensätzliche Ansichten. Aber, so wie du bist, bist du schon ganz ok.“
“Danke, nettes Kompliment.“ Fand ich.
Zum Mittag einigten wir uns auf das Strandrestaurant. Rabea hatte Appetit auf was gegrilltes. Danach wollte ich noch ein letztes Mal auf den Boot Steg hinaus spazieren, doch sie hatte keine Lust. Der Grund war der schwarze Surflehrer. Er hatte Rabea zu gewinkt, worauf sie direkt in seine Richtung ging. Also machte ich mich allein auf den Weg. Von weitem sah ich sie mit dem Schwarzen schäkern. `Kleines Luder` dachte ich, du hältst dir auch alle Türen offen. Aber eigentlich richtig so.`
Als ich den Rückweg zum Strand antrat, verabschiedete sich auch die Kleine von ihrem Flirt. Ich wollte wieder zum Pool, dazu hatte sie aber keine Lust mehr. Der aufgekommene Wind sei ihr zu kalt und sie wolle noch mal in die City. Gut gelaunt gab ich mal wieder nach. Wir rafften unsere Badesachen zusammen und gingen zum umziehen.
Kurz vor 15 Uhr fuhren wir Richtung Innenstadt. Vor Mamas Bar stiegen wir aus, einer der Kellner winkte uns zu, als wären wir alte Bekannte. Wir gingen vorbei, wollten zu Marios Bekannten. Auch Edit und Nabir zeigten sich sehr erfreut und gaben uns das Gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen. Sofort boten sie uns Platz und was zu trinken an, wir sprachen über Marios Eltern, die wohl inzwischen wieder abgereist waren. Währenddessen schaute Rabea sich die Auslagen der Schmuck Vitrinen an. Sie wollte ein Goldkettchen fürs Fußgelenk kaufen. Neugierig ging ich zu ihr, fand aber die Preise zu hoch. Rabea sucht sich eine Kette aus, als ich ihr abraten wollte, meinte sie, sie würde das allein entscheiden. Schließlich bezahle sie das von ihrem Taschengeld, und sie habe ja noch nicht viel ausgegeben. `Klar, weil ich fast alles bezahlt habe. Deshalb kannst du jetzt deine Kohle für Kinkerlitzchen ausgeben.` Also schwieg ich leicht verärgert.. Dann fragte sie noch, wo sie hier Schwarzkümmelöl bekäme. Sofort meinte Edit, dies sei sehr teuer, aber Nabir werde es für Rabea besorgen können. Als ich den Preis hörte, war ich erstaunt, das Rabea bereit war 100 DM für das Öl auszugeben. So rannte Nabir los, die Kette kürzen zu lassen und besagtes Öl einzukaufen. Als er nach 15 Minuten zurück kam, brachte er ein winziges Fläschchen und zwei kleine Kettchen, jeweils eines für Fuß – und Handgelenk. Zusammen musste sie 300 DM bezahlen. Das Problem war, das Rabea ihr Geld im Hotel hatte, mich wollte sie wohl nicht fragen und ich dachte auch nicht daran, ihr anzubieten, in Vorlage zu gehen.
Edit fand sofort eine Lösung, sie würden schnell mit in unser Hotel fahren, denn ein kleiner Ausflug, wäre mal eine willkommene Abwechslung. Außerdem kannten sie dieses Hotel noch nicht und ihr kleiner Sohn fahre so gerne mit Autos. Leider hätten sie selber keins. Flugs organisierte Nabir einen Kleinbus. Unterwegs lud ich die Familie, auf ein Getränk an der Poolbar ein. Dies erwies sich erst einmal als kleines Problem. Denn Nabir meinte, es sei nicht sicher, das er mitgehen könne, denn in den meisten Hotels wurden Ägypter nicht eingelassen. Das sei nicht erlaubt.
“Bitte? Das kann wohl nicht wahr sein?“ fragte ich empört, „wieso das denn? Welch ein Blödsinn.“ Ihr geht jetzt einfach mit, und wenn jemand damit ein Problem hat, werde ich das schon klären.“ Versicherte ich zuversichtlich. Die Busfahrt zahlte ich, mal wieder.
Also steuerte ich gleich auf die Rezeption zu und sagte bestimmt: „Das sind Freunde von mir, die ich zu einem Kaffe eingeladen habe. Sie haben doch nichts dagegen?“ sah die Bediensteten herausfordernd an, um mich dann gleich umzudrehen und Richtung Poolanlage zu marschieren. „Kommt, alles klar;“ rief ich ihnen zu und dabei gab ich das Handzeichen mitzugehen. Niemand erhob Einwand.
Unsere neugewonnenen Freunde fanden die Anlage sehr schön, bestellten Kaffee, Pommes für den Kleinen, Eis und kalte Getränke, und ich wunderte mich, was sie alles nacheinander verzehren konnten. Dann sah ich Sady und Walit auf uns zugeschlendert kommen, wollte meinen Lover voller Stolz vorstellen, doch sein ernstes Gesicht und sein warnender Blick hinderten mich daran. Sie blieben zwar kurz bei uns stehen, hielten Smal Talk auf Arabisch, doch für mich hatte mein Liebhaber nur ein kurzes: “How are you today?“ Wie immer ging er als erster. Walit schwatzte noch ein wenig, bis er Sady folgte.
“Nette Jungs, besonders der Kleinere.“ Meinte Edit.
“Ja, deshalb bin ich zum zweiten Mal hier. Wegen dem Kleineren,“ konnte ich mir nicht verkneifen und grinste. Nabir sah mich eigenartig an, Edit lachte nur: „Du hast keinen schlechten Geschmack. Das muss man dir lassen.“
Als sie sich verabschiedeten, staunte ich, das Rabea sie in die Hotelhalle begleitete. Seit wann war meine Kleine denn so zuvorkommend? Sonst war sie für solche Höflichkeiten immer viel zu bequem. Zu Hause würde sie sagen, die brauchen doch keinen Blindenhund, den Ausgang finden die auch alleine. `Oh Gott, bin ich manchmal blöd. Klar, sie ist auf Suche nach dem Lulatsch.`
“Na, hast Du ihn gefunden?“ fragte ich amüsiert, als sie strahlend wieder vor mir stand.
“Woher weißt du? „ lachte sie.
„Na du bist gut. Ich kenne dich als ob ich dich geboren hätte. Meinst du, nur du siehst mir meine Stimmungen an? Maus, du strahlst mit deinen Goldkettchen um die Wette.“ Flachste ich.
“Mama, du müsstest mich doch am besten verstehen. Oder nicht? Jetzt hab ich ihn endlich gesehen und wir haben uns für heute Abend verabredet. Ich bin wie du, jetzt geht’s mir wieder besser. Wie sagst du immer? Der Apfel fällt nicht weit...“
“... vom Pflaumenbaum. Ja ja. Ich versteh dich doch, Maus.“ Vollendete ich meinen Spruch.
Mein Lover schickte mir eine Nachricht, - can you com now, plees? –
“Was, schon wieder?“ staunte Rabea, als sie die Nachricht las.
Ich schüttelte den Kopf, wunderte mich ebenfalls, „kann ich mir schlecht denken. Er hat mir heute morgen gesagt, dass er heute sehr viele Termine hat. Ich geh mal kurz gucken. Bin gleich zurück.“
Sady stand in der Tür, sagte: „Im really buisy, want only ask, you like go with me to dinner, tonight? To eat fish?” Als ich freudig nickte, wies er mich an, um 21.30 Uhr das Taxi zu nehmen, er werde dann zusteigen. Auch darauf blieb mir nur die kurze Bestätigung, denn in diesem Augenblick, kam seine Massage – Kundin. Es war die Blondine mit der er sich, letztens am Beckenrand, so angeregt unterhalten hatte.
In einem Anflug von leichter Eifersucht dachte ich, ´ Auch das noch. Ausgerechnet die! Warum angele ich mir auch nen Masseur, der jeden Tag nackte Weiber begrabscht. Zum Teufel mit diesem Scheiß – Job.`
Ich schob den Gedanken beiseite, denn schließlich hatte er mich zum Essen eingeladen, nicht die Blonde oder irgendeine Andere. Dann konnte ich endlich mal mit ihm, außerhalb des Massageraumes, alleine sein. Mal richtig nett zusammen sitzen und unterhalten. Aber das würde sicher lustig werden, er sprach nicht meine Sprache, ich nicht die Seine und mit meinem Englisch war es auch recht dünn. Egal, Hauptsache mal in einer anderen, neutralen Umgebung, zu zweit allein sein.
Auch Rabea fand es zwar schön, dass ich mal alleine mit ihm ausging, machte sich jedoch die gleichen lustigen Vorstellungen, über unsere Konversation. Trotzdem ging ich mit ihr zum letzten Abendessen im Hotel, wollte ihr nur Gesellschaft leisten und eine Kleinigkeit zu mir nehmen. Dann konnte ich dem leckeren Angebot des Buffets jedoch nicht widerstehen. Zwar aß ich in Maasen, war zum Schluss dennoch randvoll. Rabea tröstete mich, in drei Stunden würde ich vielleicht wieder Hunger haben, oder zumindest eine Fischsuppe vertragen. Sie freute sich schon auf ihr Treffen mit Hedy, um 20 Uhr im Billardraum. In der verbleibenden Stunde spazierten wir durch die Gartenanlage, ein wenig traurig, dass der schöne Urlaub am nächsten Mittag enden musste. Wir waren uns einig, dass er ein schöner Urlaub war. Auch darüber, dass es nicht unser letzter Ägypten – Urlaub sein würde. Während sie zu ihrem Date ging, durchwühlte ich noch einmal meinen, fast fertig gepackten Koffer, konnte mich jedoch zum Wechseln meiner Kleidung nicht entschließen. Nach Überprüfung meines Make up`s war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Noch fünfundsiebzig Minuten bis zum Treffen. Was sollte ich solange tun? Vielleicht in der Halle einen Kaffee trinken. Also machte ich mich auf den Weg.
Rabea saß in der Lobby mit frustrierter Miene. „Was ist, Maus? Wo ist denn Hedy? Von Pünktlichkeit hält der Lange wohl nicht viel?“ fragte ich mitfühlend.
Sie zuckte die Schultern, versuchte sich selbst aufzumuntern: „Kann ja immer mal was dazwischen kommen. Er wird sicher bald hier sein. Ich warte mal noch ein bisschen.“
Ich nickte nur, sagte kameradschaftlich: „Ich hab ja auch noch Zeit. Warten wir eben zusammen. Trinkst du nen Kaffee mit?“ Sie nickte nur. Als der Kellner die Bestellung aufnehmen wollte, bestellte sie aber einen Tequilla dazu.
“Alte Schnapsdrossel.“ Neckte ich. „Ohne Alk geht’s wohl nicht?“ Mein Versuch sie abzulenken war nicht sehr erfolgreich. Immer wieder stellte sie die gleiche Frage. „Meinst du, der kommt noch?“ „Klar!“ erwiderte ich im Brustton der Überzeugung. „Der lässt sich doch so ne süße Maus nicht entgehen. Das wäre der Erste. Nee, das glaub ich nicht. Hab Geduld, der hat sicher nen guten Grund. Außerdem muss er doch gleich arbeiten. Spätestens dann muss er ja kommen. Wart mal ab.“
Es war Zeit für mich das Taxi zu nehmen. Rabea wünschte mir einen schönen Abend, ich verzichtete darauf, ihr das gleiche zu wünschen. Langsam fand ich die Situation eigenartig. Doch ich wollte meinen Abend genießen, deshalb wendete ich mich angenehmeren Gedanken zu.
Das Taxi fuhr die endlos lange, dunkle Landstraße hinauf, von Sady war nichts zu sehen. Langsam befürchtete ich, ebenfalls versetzt worden zu sein, als im Scheinwerferlicht 2 Personen sichtbar wurden. Oh nein! Dieser blöde Walit war auch dabei! ´So ein Scheiß, braucht der ne Gouvernante? Ich hasse diesen Walit`: dachte ich kotzsauer.
„Stopp hier, please“ wies ich den Fahrer an. Zu allem Überfluss musste ich noch gute Miene zu dem lästigen Anhängsel machen, als er mich überschwänglich freundlich begrüßte. Meine Laune besserte sich sofort, als mein Lover sich zu mir in den Fond des Wagens setzte. Auf der weiteren Fahrt wollte ich Sady´s Hand nehmen, die er mir jedoch sofort wieder entzog. Mit einer Kopfbewegung deutete er mir an, dass der Fahrer dies nicht sehen dürfe. ´So ein Quatsch. Als ob es noch irgendeinen Kollegen gäbe, dem unser Krös´chen noch nicht bekannt ist.` hätte ich am liebsten laut gesagt. Aber wozu, mich hätte sowieso keiner der drei verstanden.
Walit wollte sofort wissen, wo den meine Tochter sei, da konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen: „ In Hotel. I think, Sady come alone.“ Er redete auf mich ein, doch ich antwortete einfach nicht. War stocksauer.
Wir stiegen vor dem gleichen Fischrestaurant aus, in dem wir schon mit Sobeih waren. Sady war dort offensichtlich gut bekannt, denn sämtliches Personal begrüßte uns mit Handschlag. Während Sady bestellte, wollte Walit unbedingt, dass ich Rabea anriefe. Ich hatte nicht nur Mühe ihn zu verstehen, noch mehr, ihm begreiflich zu machen, das sie kein Handy mit hatte. Zwischen Walit ´s Attacken fragte mein Lover, was ich denn essen wolle. Ich bestellte aus Höflichkeit eine Fischsuppe, der Appetit war mir eh vergangen. Dann war Sady die Penetrans seines Freundes wohl leid, er bat mich ganz lieb, ich möge unseren Taxifahrer anrufen, in beauftragen, Rabea zu bringen. „Mach du es. Ruf du an.“ Knurrte ich nur.
Er ließ sich von mir die Nummer geben und rief ihn an.
Rabeas Gesichtsausdruck ließ nicht auf gute Laune schließen, besonders bei Walits Anblick. Sie bemühte sich aber freundlich zu bleiben. Essen wollte sie zwar nichts, bestellte nur eine Cola. Da die Männer sich hingebungsvoll ihrem Essen widmeten, nörgelte sie mit mir: „Mama, du willst dich doch hoffentlich nicht lange hier aufhalten? Oder anschließend noch woanders hingehen? Wenn ich gewusst hätte, wer und was mich hier erwartet, wär ich sowieso nicht gekommen. Ich will schnellstens zurück, weil H. noch nicht da war. Verstehst du? Es ist unser letzter Abend, also auch meine letzte Gelegenheit H. zu sehen. Ich will auch ein bisschen Spaß gehabt haben. Nicht nur du. Und mit diesem Ekelpaket hier, hat mir der Disco Abend gereicht. Das verstehst du doch, oder?“
“Ja ja, ich weiß.“ Stimmte ich ihr zu, „meinst du ich war begeistert, als ich zwei Leute einsteigen sah? Bestimmt nicht. Lieber leg ich mich in die Koje und guck in die Glotze, bevor ich mir noch mal so einen idiotischen Disco Besuch reinziehe. Nee, ich verzichte lieber auf meinen Stecher, glaub mir. Sobald die fertig sind hauen wir ab.“
Nach dem die beiden aufgegessen hatten, boten sie uns Zigaretten an und rauchten ebenfalls. „Gut dass du den Fotoapparat mit hast, Bea. Mach doch mal ein schönes Bild von uns beiden. Aber ganz nah, ich möchte ein schönes Erinnerungsfoto von Sady haben. Dann bestellen wir den Wagen. Erklär den Beiden einfach, wir sind müde.“ Bat ich und setzte mich in Positur. Auch Sady setzte sein – Strahler 70 – Lächeln auf, als Rabea die Kamera auf uns richtete. Sie knipste zur Sicherheit gleich zweimal. Keiner erhob gegen unseren Wunsch, schlafen zu gehen, Einspruch. Irgendwie hatten die Beiden wohl nichts anderes erwartet. Diesmal zahlte Sady die Rechnung. Sein Freund rührte sich nicht. `Schmarotzer.` dachte ich. Die Rückfahrt verlief schweigsam. Nur Sady redete unentwegt auf den Fahrer ein. ´Jetzt würd ich gern arabisch können,` dachte ich, musste mir aber im Stillen eingestehen, ´von was träum ich denn? Ich kann ja nicht mal englisch.` Ich nahm mir vor Unterricht zu nehmen.
Wie gewohnt stiegen die beiden grußlos, weit vor dem Hotel, aus.
Sofort steuerte Rabea auf die Hotelbar zu, als ich die andere Richtung einschlagen wollte, bat sie: „Komm, jetzt sei lieb und geh auf einen Drink mit. Ich hab ja auch bis jetzt ausgehalten. Wenn er da ist, kannst du schlafen gehen, wenn nicht, gehen wir zusammen.“ Ich nickte ergeben, Lust hatte ich keine.
Von dem Lulatsch war nichts zu sehen. Rabea fragte den Barmann, der berichtete, dass Hedy nicht zur Arbeit erschienen sei, er wisse auch nicht warum. Die Kleine war endgültig so sauer, dass sie auf den letzten Drink keinen Appetit mehr verspürte. Zu meiner Freude wollte sie lieber ins Bett.
Während ich noch ein wenig beim fernsehen entspannen wollte, warf sie unlustig ihre Sachen in den Koffer. Dabei maulte sie ununterbrochen. Meinetwegen habe sie wahrscheinlich ihren Hedy verpasst, der sei bestimmt kurz da gewesen, wenn sie ihn jetzt nicht mehr träfe, vor unserer Abreise, sei das nur wegen dem blöden Essen. Ich hatte keine Lust auf noch mehr Frust, der verdorbene Abend war ausreichend mies gewesen, so dass ich auf die Richtigstellung verzichtete. Deshalb versprach ich ihr, ich werde Sady beauftragen, für sie die Telefonnummer von Hedy zu besorgen. Das besänftigte sie dann etwas. Endlich gab sie Ruhe, legte sich auch ins Bett und wir schliefen umgehend ein.
Das Piepsen meines Handys weckte mich schon kurz vor 8 Uhr. Sofort war ich hellwach, wusste dass unser Abreisetag begonnen hatte. Nur noch ein paar Stunden, dann ginge es wieder heimwärts. Ich öffnete die Nachricht, - pleese com 9 clock. Sady – las ich.
Schnell sprang ich aus dem Bett, düste ins Bad und duschte. “Mach doch nicht so nen Krach.“ stöhnte Rabea genervt. Sah auf die Uhr und wunderte sich: „Was bist du denn so eilig? Ist ja noch so früh.“
“Schlaf noch ein bisschen, Maus. Ich muss gleich zu Sady. Wenn ich wieder komme, können wir zusammen frühstücken.“ Versuchte ich sie zu beschwichtigen.
“Warum denn so früh?“ gähnte sie schläfrig.
“Vergessen, dass wir gleich abreisen?“ fragte ich kurz angebunden.
“Oh Schreck!“ rief sie und richtete sich auf. „Tatsächlich, so´n Mist. Wann musst du denn zu ihm? Können wir nicht vorher frühstücken geh´n?“
“Nee, das wird knapp. Hab Termin um 9.“ Erwiderte ich, dabei durchsuchte ich meinen Koffer nach einem frischen Slip.
“Ach komm, ist doch erst zehn nach acht. Das schaffen wir doch. Ich hab Hunger und tierischen Durst. Solange kann ich nicht warten und alleine hab ich keine Lust. Bin auch in zwei Minuten fertig.“ Bettelte sie.
“OK. Dann mach aber auch.“ Gab ich nach, denn mich quälte ebenfalls ein starkes Durstgefühl.
Während sie im Bad war, leerte ich ein kleines Päckchen Erfrischungstücher, packte es voll mit Kondomen und steckte einen Hundertmark Schein dazwischen. Dann ließ ich es schnell in der Handtasche verschwinden. Tatsächlich saßen wir bereits zehn Minuten später am Frühstückstisch. Die letzte Mahlzeit genossen wir beide, obwohl wir nur zwei Themen hatten. Sie maulte wegen des letzten Abends, dem verpassten Date, ich wegen der Müdigkeit des Kellners, der meinen Wink nach der Kaffeekanne einfach nicht zu sehen schien.
“Mann, ist das ne Schlaftablette. Ich will noch Kaffee. Meinst du, der übersieht mich absichtlich? Oder ob der ne Brille braucht? Ich krieg gleich ne Krise!“ schimpfte ich letztlich empört.
Kopfschüttelnd stand Rabea auf, ging zu dem Kurzsichtigen, wechselte ein paar Worte und der Kellner folgte ihr wie ein Schoßhund zu unserem Tisch.
“Sorry, Madam. Sorry.“ entschuldigte er sich und füllte meine Tasse.
Ich nickte nur gnädig. „Mit Charme geht alles besser.“ Konnte die Kleine sich nicht verkneifen.
“Für solchen Blödsinn hab ich jetzt keine Zeit,“ knurrte ich und schlürfte meinen Kaffee. „Scheisse, warum ist der denn so heiß?“ fluchte ich gereizt.
“Hat frischer Kaffee so an sich. Nun sei friedlich, Mama und mach langsam. Dein Sady läuft dir nicht weg.“
Ich sah auf die Uhr, sprang auf, griff meine Tasche, sagte hastig: „Mensch Bea, schon zehn nach, bin wieder zu spät. Sag ich doch, hab keine Zeit für Blödsinn. Bis gleich.“ Und rannte hinaus.
Von der Rezeption winkte ein Angestellter mir zu, wollte wissen, wo meine Tochter sei. Ich sagte nur: „Kommt gleich.“ Zeigte in Richtung Speisesaal und lief weiter.
Sady brummte etwas unverständliches, vermutlich wegen der Verspätung und seines Terminplanes, ich antwortete nicht. Küsste ihn kurz auf die Wange und entkleidete mich. Als ich nackt auf der Massagebank lag, kniff er mich in eine Brustwarze. „Au,“ stöhnte ich entsetzt, „Bist du crazy? Da bin ich erst vor kurzem operiert worden. Das tut weh.“ Und rieb über die schmerzende Stelle.
Erschrocken stammelte er: „Sorry, darling. Dont want hurt you. Sorry.” Dabei streichelte er mich. “Massier mich, bitte.“ Murmelte ich schon versöhnt.
Er nickte, ging kurz ins Bad, dann dunkelte er den Raum etwas ab und begann. Ich streckte mich wohlig, ließ mich verwöhnen, denn er war ungewöhnlich zart. Mit heiserer Stimme begann er leise zu singen. Nur an seinem leicht zitternden Ton konnte ich feststellen, dass er ein arabisches Lied sang, das sich entweder wegen der fehlenden Musikuntermahlung oder seiner Stimmung sehr traurig anhörte. Als schließlich auch seine Hände ein wenig zittrig wurden, hob ich den Kopf und öffnete die Augen. Dicke Tränen liefen seine Wangen hinunter.
“Nicht traurig sein, Sady. Ich komm ja wieder. Dont worry, darling.“ versuchte ich ihn zu trösten. Dabei klang ich selbst etwas heiser, denn ich hatte das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben.
Abrupt drehte er sich um und ging ins Badezimmer. Ich rollte mich auf den Rücken, wartete. Nackt, mit stehendem Glied kehrte er zurück. Welch ein göttlicher Anblick, welch ein Body. Ein schöner Mann. Ich war wie verzaubert. Er kam langsam auf mich zu, streifte im Gehen das Gummi über und sah mir ernst in die Augen. Vor der Liege blieb er stehen, sein Blick tastete meinen ganzen Körper ab, dann beugte er sich hinab und küsste zärtlich meine Brüste. Seine Hände streichelten meine Schenkel, die ich bereitwillig öffnete und mit einem Stöhnen sprang er auf die Liege.
Während des langen Geschlechtsaktes wechselte er nicht nur mehrfach die Positionen, sondern auch die Gangart von hart bis zart. Nach seinem Erguss, sprang er von der Liege, klatschte mir kräftig auf das Gesäß und ging lachend zum duschen. Obwohl der Klatsch im ersten Moment unangenehm brannte, musste ich auch lachen. Ich konnte ich ihm nicht böse sein. Schmunzelnd dachte ich: ´Du bist schon ein Sahnebällchen. Vielleicht auch nur ein guter Schauspieler. Heute hättest du sofort ne Hauptrolle gekriegt, die ganze Gefühlsscala rauf und runter, das war schon ne Glanzleistung. Egal, ich hab´ s genossen.´
Als ich duschte, hörte ich ihn an der Türe sprechen. Wir waren wohl etwas spät dran, aber er hatte den fälligen Termin auf später vertröstet. Es war Zeit Abschied zu nehmen. Ich zahlte die Massage, er nahm mich in die Arme, fragte ernst: „You come back again? You dont forget your Sady?“
”No, Sady. Bestimmt nicht. Ich weiß nicht wann, aber ich komme wieder. I like you auch.“ Dann holte ich das kleine Päckchen aus der Handtasche und drückte es in seine Hand. Verwundert sah er auf die Reklame für Erfrischungstücher, öffnete es, sah die Kondome und meinte ablehnend: „No, darling, i dont need it.“ „Yes, you need.“ sagte ich bestimmt, küsste ihn und ging schnell hinaus.
Draußen atmete ich einmal tief durch, straffte mich und eilte Richtung Zimmer. Verflixt, schon wieder diese blöde Haustür geschlossen. Mir blieb nichts anderes übrig, als zur Rezeption zu laufen, von dort anzurufen. Auf halben Weg hörte ich Rabea rufen: „Mama, wo willst du noch hin? Komm rauf, wir müssen uns beeilen.“ Sie stand auf dem Balkon.
„Komm runter, mach die Tür auf.“ Rief ich zurück und kehrte um. Freudenstrahlend berichtete sie dann, dass ein Rezeptionist ihr die Handynummer von Hedy gegeben hatte. Sie habe schon auf mich gewartet, weil sie mein Handy bräuchte, um sich mit ihm in Verbindung zu setzen. „Nur eine Nachricht, Mama, meine Handynummer, mehr will ich ihm nicht senden. Dann kann ich heute Abend, von zu Hause, die Verbindung aufnehmen. Bitte.“ Flehte sie. Gutmütig gab ich ihr das Gewünschte und bereitete die Kleidung und das Gepäck für die Reise vor. Wusch und stylte noch meine Haare, kleidete mich an und legte ein wenig Lippenstift auf, fertig. Während der ganzen halben Stunde flogen die SMS hin und her. Ich übersah es diskret, hatte Verständnis.
Endlich, mit Gepäck in der Halle, bezahlte ich die beachtliche Getränkerechnung mit Scheckkarte und sah auf die Uhr. Zwanzig Minuten bis zur Abfahrt mit dem Bus. Noch ein wenig Zeit. „Bea, komm noch mal mit raus, ich will gucken ob ich Sady noch mal sehe, eben noch mal Tschüss sagen.“ Bat ich, meine immer noch mit Simsen beschäftigte Tochter.
Widerspruchslos trabte sie hinter mir her. Von meinem Lover fehlte jede Spur. Zurück in der Halle trafen wir auf Walit. Er reichte uns die Hand, wünschte eine gute Reise. Bea fragte nach Sady, sie wolle sich noch verabschieden. Sofort ging der Freund an die Rezeption und telefonierte. Dann schickte er uns zum Massageraum, sagte, Sady käme gleich.
Er stand schon in der offenen Tür, reichte Rabea die Hand und bat: „Please, care about your mom. Have a nice trip.“ Dann zog er mich ins innere des Raumes. Er sah mir noch einmal tief in die Augen, küsste mich leidenschaftlich und gab mir mit tränengefüllten Augen auf den Weg: „Dont forget me.“
Ich schüttelte nur den Kopf. Die Stimme versagte mir, ich brachte keinen Ton heraus, kämpfte gegen die aufkommenden Tränen. Bevor ich hätte weinen können, lief ich schnell hinaus.
Als wir im Bus Richtung Flughafen fuhren, kam eine Nachricht, diesmal für mich - Have nice trap and welcom back to garmany. Sady –
Eine Träne rollte über mein Gesicht, lief unter der Sonnenbrille hervor in meinen Mundwinkel. Sie schmeckte sehr salzig.
Im Flughafen hatte ich keine Gelegenheit über meine eigenartige Lovestory nachzudenken. Rabea plapperte unentwegt. Berichtete über ihren armen Hedy, der arge Probleme mit dem Hotelmanagement habe, weil eine Touristin falsche Anschuldigungen gegen ihn erhoben hatte.
Angeblich habe er sie unsittlich belästigt, doch in Wahrheit, hatte er sie nur abgewiesen. Nun wäre noch offen, wie sie Sache weiter ginge, wem man glaube, denn Zeugen gäbe es von keiner Seite. Es sei also noch nicht sicher, ob er in diesem Hotel noch bleiben wolle.
Ich hörte kaum hin, bekam zwar alles mit, war zu traurig, irgendetwas zu erwidern. Auf dem Flug wurde sie immer ruhiger, bis sie dann zeitweilig schlief.
Business, Drinks und Joints
Mario begrüßte uns freudig, als wir die Gepäckkarre durch die Absperrung schoben. Geschickt manövrierte er uns durch die Menge der Wartenden zum Ausgang, Richtung Parkplatz. Wie üblich hatte er im Halteverbot geparkt. Meinen Wagen. Dank seiner schnellen Gangart und seiner Flachserei wegen Rabeas Erzählungen, blieb ihm mein Ärger darüber erspart. Auf dem Weg nach Hause, berichtete er, das Geschäft sei ruhig gewesen, sicher wegen der Osterferien, nur ein paar gute Stammgäste, seien uns erhalten geblieben, so dass es finanziell nicht ganz so übel wäre. Die ganze Woche habe er im Haus geschlafen, alleine, weil er von Marinas ewiger Zankerei Erholung gebraucht habe. Er habe ihr einfach gesagt, dass ich verboten habe, dass auch sie im Haus bleibt. Er müsse den ständigen Streitigkeiten ein Ende machen, sei schon auf Suche nach einer eigenen Wohnung. Er wolle sich zwar nicht ganz trennen, aber zumindest einen räumlichen Abstand schaffen, damit er wenigstens stundenweise zur Ruhe käme. Die grundlosen Eifersüchteleien Marinas und noch die ewigen Attacken von Ramonas Seite, wäre einfach zu viel.
Ich nickte nur, dachte jedoch, ´Jeder kriegt, was er verdient, mein Lieber. Was suchst du dir auch solche Weiber aus. Die kriegen beide den Hals nicht voll. Ramona finanziell und Marina sexuell. Beidem warst und bist du nicht gewachsen. Tja, es gibt kein schlimmer Leid, als sich der Mensch selbst andeit.`
Am frühen Abend, noch vor Geschäftsbeginn, trafen wir zu Hause ein und wurden von unserm Schäferhund `Balu´ stürmisch begrüßt. Kater `Rambo´ war schon auf Nachtstreife. Rabea und ich genossen es, endlich wieder guten deutschen Kaffee trinken zu können, während Mario, nebenan in der Bar, die Vorbereitungen für den Abendbetrieb machte. Als das restliche Personal eingetroffen war, kam er zurück und ließ sich in unserem Wohnzimmer nieder.
Bei unseren Erlebnisberichten sprach Rabea auch von den ´Elefantenfliegen`, erzählte gleichzeitig sie habe einen guten Joint mitgebracht, den Mario gleich probieren wollte. Sofort packte sie die Tüte aus und wir rauchten gemeinsam. Mario war begeistert, Rabea und er alberten um die Wette und ich fühlte mich zunehmend schläfriger. Ob es am Klimawechsel, der langen Reise oder daran lag, das der Joint zu stark, für meine körperliche Verfassung, war, ich fühlte mich ziemlich wackelig.
Ausgerechnet in dem Moment bekam Rabea Besuch von zwei Freundinnen. Ich fand es sehr unangenehm, wenn die beiden Mädels mitbekämen, dass ich total zugekifft war. Deshalb ging ich in den angrenzenden Wintergarten, setzte mich an den Tisch und beschäftigte mich intensiv damit, unseren Hund zu kraulen. Mario und Rabea fanden das so lustig, dass sie sich vor Lachen krümmten. Peinliche Situation. Endlich ging Rabea mit den Mädels hinaus.
Als Mario telefonisch zur Arbeit gerufen wurde, kam Rabea zurück, wollte mich mit rüber nehmen, weil gute Gäste eingetroffen waren. Ich fühlte mich nicht in der Lage zu Tätigkeiten, gleich welcher Art, deshalb ging ich direkt schlafen.
Bei der Abrechnung der Geschäftswoche war ich unangenehm überrascht. Abzüglich der Ausgaben für Alkoholeinkauf und seines Lohnes, hatte Mario nur noch einen bescheidenen Gewinn übrig, von dem er auch noch 10 Prozent für meine Vertretung erhielt. So war Gewinn fast bei null. Na fein! Teurer Urlaub. Tief im inneren kam mir kurz der Verdacht, dass Mario seine Interessen nicht ausschließlich seiner eigentlichen Aufgabe gewidmet hatte, denn ich hatte schon lange zuvor bemerkt, dass er meine Bar, als Besprechungsort für kuriose Nebengeschäfte benutzte. Ich nahm mir vor, diesen Verdacht im Auge zu halten, ihn notfalls zu bremsen.
Auch die nächsten Tage waren so dünn, dass ich erneut laut überlegte, den konzessionierten Barbetrieb auf Privatclub umzustellen. Umgehend setzte ich mich dann mit meinem guten Bekannten, dem Abteilungsleiter des zuständigen Amtes in Verbindung, erfragte meine Möglichkeiten. Seine Auskünfte waren nicht ermutigend, denn den Alkoholausschank würde ich streichen müssen. Dies wäre für das Geschäft das Aus geworden. Mit Mario diskutierte ich das Für und Wider, wir fanden nur eine, nicht ungefährliche Lösung, heimlich Alkohol auszugeben. Glaubten und hofften, wenn wir statt Einzelpreise auf Pauschale umstellen würden, die gesetzliche Lücke gefunden zu haben, denn wie könnten es wohl andere Clubbetreiber sonst handhaben? Hinzu kam, dass ich den Ausbau der Gartenanlage in Auftrag gegeben hatte, weil ich für den bevorstehenden Sommer der starken Konkurrenz der Biergärten, entgegenwirken wollte. Die Ausdehnung der Bargenehmigung auf die Gartenanlage, wäre jedoch problematisch geworden, weil ich schon erfahren hatte, dass das Tanzen auf Tischen, öffentlich nicht genehmigt werden würde, auch dann nicht, wenn die Tänzerinnen bekleidet blieben. Aber genau das war unser Geschäftskonzept, kein ordinärer einfacher Biergarten. Für eine Geschäftserweiterung, die mich zu einem gesplitteten Konzept gezwungen hätte, auch noch die teure städtische Gebühr zu bezahlen, sah ich als unwirtschaftlich an. Ich wollte ein besseres Sommer - Geschäft, als im Jahr zuvor. Den besseren Erfolg konnte ich also nur mit der Umstellung auf Club erreichen. Ergo meldete ich kurz entschlossen die Konzession zum 30. April ab.
Im Unterbewusstsein hatte ich dabei allerdings kein gutes Gefühl. Doch dafür nahm ich mir eine Weisheit zugrunde, die mich schon als Kind fasziniert hatte, wenn ich sie gehört hatte, `wer nichts wagt, der nichts gewinnt, das weis bereits das kleinste Kind.
In dieser Zeit liefen unsere Handys heiß. Die SMS zwischen Sady und mir, sowie Rabea und Hedy, hatten Hochkonjunktur. Manchmal telefonierte die Kleine auch mit ihrem Verehrer, was ich, der sprachlichen Barriere wegen, unterließ. Zwar fragte Sady manchmal an, doch ein Versuch, mich mit ihm fernmündlich zu verständigen, endete ziemlich kläglich, Rabea musste dolmetschen. Danach verzichtete ich auf Telefonate. Beim Schreiben der SMS konnte ich entweder Rabea oder das Wörterbuch zu Hilfe nehmen. So wurde mir die englische Sprache, wenigstens von der Schrift her, ein wenig geläufiger.
Inzwischen hatte Mario ein kleines Appartement gemietet, war aus Marinas Wohnung, unter deren Protest, ausgezogen. Das hatte zur Folge, dass sie noch streitsüchtiger wurde, es war kaum auszuhalten, mit den beiden Streithähnen zusammen zu arbeiten. Mario hielt Marina an der langen Leine, war in seiner Freizeit sehr viel unterwegs, meistens mit Helge einem gemeinsamen Freund, oder er saß bei mir und beklagte den Ärger mit seiner Exfrau und Marina. In manchen Dingen gab ich ihm recht, oder Rat, aber zeitweilig fand ich es lästig, besonders weil auch beide Frauen mich mit ihrer Sicht dieser gleichen Probleme zuschütteten. Marina ließ keine Gelegenheit aus, meine Ohren voll zujammern, wenn ich keine Möglichkeit hatte ihr auszuweichen. Während Ramona sich telefonisch über Mario aufregte, mir vorwarf, ihn auch noch zu unterstützen, ging sie einmal sogar so weit, dass sie mir verbieten wollte, ihn zu beschäftigten. Natürlich verbat ich mir ihre Einmischung in meine Geschäfte und beendete das Telefonat. Letztendlich nervten mich alle drei und ich kam mir vor wie ein moralischer Mülleimer.
Deshalb war ich für kleine Abwechslungen auch mal gerne zu haben, froh nicht immer nur mit geschäftlichen Problemen und den Sorgen anderer Leute belastet zu sein. So kam es, dass ich mit Mario manchmal zocken ging. Zu diesem Vergnügen fuhren wir dann nach Düsseldorf, in eine illegale Zockhöhle. Dort konnte man noch das verbotene 24 ger Roulette spielen. Weil ich 13 Jahre beruflich mit diesem Spiel beschäftigt gewesen war, dies als die erfolgreichste und interessanteste Zeit meines Lebens betrachten konnte, blieb es mein Lieblingsspiel. Einer der Inhaber dieses Schuppens, war der Jugoslawe Murmel, mein Ex Verhältnis Nummer vier. Mit ihm hatte ich zwei amüsante Jahre verbracht, und wenn wir uns trafen, heiterte er mich mit seiner lustigen Art immer wieder auf.
An einem langweiligen arbeitsfreien Abend schlug Mario wieder mal vor, zocken zu gehen. Wir waren auf dem Weg dorthin, als eine SMS meines Lovers kam. Da Mario am Steuer saß, hatte ich Zeit, Sady von unserem Vorhaben zu berichten. Er schrieb sofort zurück, ich solle auch für ihn spielen und gewinnen. Gut gelaunt fragte ich, wie viel Geld er denn benötige. So viel wie möglich, kam die Antwort und er wünschte mir viel Glück.
Doch das Glück hatte sich für meinen Begleiter entschieden. Während Mario gewann, verlor ich ständig. Nachdem ich zweihundert Mark verspielt hatte, gönnte ich mir erst einmal eine Pause und sah nur zu. Plötzlich fiel mir auf, dass Mario verlor, weil er immer nur seine Lieblingszahl 17 spielte, die Kugel aber überwiegend in die ersten vier und die letzten drei Zahlen fiel. Sofort wurde ich aufmerksam. Was passierte hier? Warf der Kesselcroupier absichtlicht immer in den gleichen Sektor? Um Marios Zahlen auszuweichen? Oder kam er da nicht mehr raus? Fachkundig beobachtete ich die Arbeit des Croupiers. Stellte nach einigen Spielen fest, dass er sich alle Mühe gab, aber im Sektor fest hing. Das nannte man im Zockerjargon >Macke<.
Und sein Glück war, das Mario, der einzige Spieler am Tisch, davon nichts merkte. Das war doch genau mein Spiel. Schnell wechselte ich einhundert Mark gegen Jetons, verteilte diese auf die 0-1-2-3- und 22-23-24-X, und wartete gespannt auf den Fall der Kugel. Der Werfer sah mich erschrocken an. Ich grinste. Wir hatten beide Glück. Auf der Gewinnzahl 24 bekam ich nur 2 Plein, immerhin 240 Mark. Nun grinste er. Die 23 wäre teurer gewesen, hätte mir 600 Mark gebracht. Noch zwei Mal traf ich eine Randzahl, dann machte der Croupier einen Fehler. Er ließ sich ablösen. War dumm genug, mangels genügend Personal, die Kellnerin mit dem Werfen der Kugel zu beauftragen. Für mich ein gefundenes Fressen. Die Ahnungslose zitterte bereits nach meinem ersten Treffer. Es gab 480. Hatte danach drei Mal das Glück, in den gegenüber liegenden Sektor zu treffen, dann landete ich einen Volltreffer. 1200.
Das veranlasste Murmels Teilhaber einzugreifen, denn mein Ex war mal wieder nicht anwesend. ´Kalle` legte die Wasserwaage auf, um das Spielgerät neu zu justieren. Anschließend wusch er den Kessel mit Alkohol aus, polierte den Stahl, aus dem das Spielgerät bestand, sorgfältig sauber. Machte drei Testwürfe, dann ging das Spiel weiter. Die >Macke< war weg.
Auch ich machte mal erst nur ein paar Testspiele mit wenig Jetons. Ich verlor. Mario war völlig im Spielrausch, aber pleite. Er lieh sich 200 Mark von mir, hatte das Glück, zwei Mal seine geliebte 17 zu treffen und kam schnell aus dem Verlust heraus. Ich verlor weiter, war schon wieder bei meinem eigenen Geld angelangt, als eine SMS kam. Sady fragte wie viel ich denn schon gewonnen habe. Ich antwortete mit der Gegenfrage, wann er Geburtstag habe, da ich nicht mehr wusste, welche Zahlen ich spielen sollte. Mein Gewinn war wieder verspielt und von meinem eigenen Geld nur noch ein kläglicher Rest von 80 Mark, in Jetons, übrig. Als seine Antwort kam, am 18. 8. 74, waren es nur noch 40. Also verteilte ich den Rest auf die 8 und die 18. Es gewann die 8. Nun ging es munter weiter, im Wechsel, 7-8, 17-18, immer wieder der gleiche Bereich. Eine neue >Macke< war deutlich sichtbar. Als der Kessel erneut neu eingestellt wurde, tauschten wir unsere Gewinne in Bargeld um. `Kalle´ knurrte was Unfreundliches bei Vorzählen der Geldscheine. Immerhin hatte ich 1200 und Mario 400 Mark gewonnen. Wir fuhren freudig gestimmt Richtung Heimat. Unterwegs schrieb ich meinem Glücksbringer die Erfolgsmeldung, er antwortete, dass ich ihm eine Videokamera dafür kaufen solle. Als ich Mario die SMS übersetzte, erklärte der mich für verrückt, wenn ich meinen Gewinn für Sady ausgäbe. Ich ignorierte seine Bemerkung, schließlich brauchte ich weder einen Vermögensberater noch einen Reservevater. Und grade Mario, der noch nie hatte mit Geld umgehen können, schon mal gar nicht.
Als mein Barkeeper für Mitte Mai vierzehn Tage Urlaub anmeldete, war ich ein wenig sauer, weil ich selbst über Pfingsten nach Hurghada wollte. Und diesmal auch für zwei Wochen. Mario hatte die rettende Idee. Er schlug vor, gemeinsam zu fahren und Helge als Vertretung einzusetzen, der werde das bestimmt gerne machen. Als früherer Stammgast, mit seinem Faible für käufliche Frauen, war er inzwischen ein gern gesehener Freund, der uns fast täglich besuchte. Dabei auch, so ganz nebenbei, für seine Neigung, reichlich Federn ließ. Als gelernter Steuerberater war er für fachliche Auskünfte, aber auch andere Gefälligkeiten immer ansprechbar. Mein Lokal liebte Helge über alles und als begeisterter Musikfreund freute er sich, wenn er am Wochenende schon mal als DJ einspringen durfte. So fand ich Marios Vorschlag nicht schlecht, obwohl ich insgeheim ein wenig daran zweifelte, dass das weibliche Personal Helges Autorität anerkennen würde. Schließlich war er bisher nur ein spendabler Freier für die Mädels. Aber für ein paar Tage würde das sicher möglich sein, außerdem wäre Rabea am Wochenende auch im Einsatz und an den Wochentagen zumindest greifbar.
Helge sagte begeistert zu. Dies wäre also geklärt. Rabea maulte, konnte sie doch nicht mit. Schule ging vor. Nachdem Mario seine Reise gebucht hatte, wunderte ich mich, wie er sich das erlauben könne. Er sagte, dass er bei seinen Freunden wohnen werde, deshalb nur Flug und Taschengeld bräuchte. Geld benötige er nicht viel, aber dringend Abstand von den nörgelnden Weibern. Das konnte ich gut verstehen.
So ging auch ich am nächsten Tag in die Stadt um meine Reise zu buchen, und bei der Gelegenheit nach einer Videokamera zu sehen. Auch ich brauchte lediglich das Flugticket. Der nette junge Mann im Reisebüro gab sich alle Mühe den günstigsten Preis zu erzielen. ´Ein bisschen zu warm, aber sehr zuvorkommend` dachte ich, und war mit dem Ergebnis seiner Bemühungen sehr zufrieden. Denn ich hatte die Bestätigung mit den Flugzeiten und sendete umgehend die Daten an meinen Lover. Von Sady kam als Antwort der Hinweis, dass er dann das Geld für die Anmietung der Wohnung benötige, ich müsse es bald mit Western Union Express senden. Wenn er was Schönes fände, müsse er gleich bezahlen. Also rannte ich schnellstens zu meiner Bank. Die Bankleute kannten sich nicht aus, es war nicht so einfach wie ich gedacht hatte. Es fand sich dann doch jemand, der den Weg kannte, und so überwies ich eintausend Mark, musste zusätzlich sehr hohe Gebühren zahlen und eine Codenummer per SMS an Sady schicken, damit er das Geld in Empfang nehmen konnte. Gut gelaunt ging ich noch in ein großes Fachgeschäft, sah mir die beachtliche Auswahl der Kameras an. Nach langer Überlegung und fachlicher Beratung, entschied ich mich dann für ein Modell, das in dem Preisrahmen meines Roulette Gewinnes lag. Inklusive Zubehör wie Filme und Tragetasche. Als ich Richtung Ausgang durch die Musikabteilung kam, die Stereoanlagen sah, fiel mir Sadys vorsintflutlicher Minirecorder ein. Die Preise der Getto - Bluster empfand ich als erstaunlich niedrig, also erstand ich auch noch ein solches Musikgerät, als kleine Sonderüberraschung für meinen Liebsten.
Ich war glücklich, freute mich auf die gemeinsame Wohnung, endlich mal mehr Zeit mit meinem Lover zusammen zu sein, nicht nur ein kurzes Stündchen in seinem Arbeitsraum. Neben ihm einzuschlafen und morgens neben ihm aufzuwachen. Oh Schreck, neben ihm aufwachen? So wie ich morgens aussah? Völlig zerrupft und zerknittert? Neben einem so jungen, schönen Bodybilder, der so viel Wert auf Äußerlichkeiten legte?
Als ich Rabea von meinen Befürchtungen erzählte, lachte sie mich aus. Meinte, vielleicht sei mein Sady auch keine Morgenschönheit. Außerdem könne sie meine plötzlichen Minderwertigkeits -Komplexe nicht verstehen, weil der Typ doch voll auf mich abfahre und ich schließlich eine attraktive Frau sei. Das ging runter wie Öl. Beschwichtigte meine selbstzweiflerischen Gedanken.
Am Abend sorgte Mario für geschäftlichen Aufschwung. Er brachte eine neue Mitarbeiterin, die hübsche blonde Sandra mit. Ein sehr erfreulicher Anblick. Sie hatte bis dato nur im Zimmerbetrieb gearbeitet, war also keine Tänzerin. Sie meinte, sie könne nicht besonders gut tanzen, war jedoch gewillt dies zu probieren.. Der Versuch war mutig, aber kläglich. Alle machten ihr Mut, nur Marina, in ihrer Eifersucht und Konkurrenzangst, konnte sich ihre dummen überheblichen Bemerkungen nicht verkneifen. Sie erzeugte damit eine deutlich spürbare Missstimmung.
In den nächsten Tagen wurde die Atmosphäre immer aufgeladener, weil Mario die Neue hin und her chauffierte. Wegen Sandras Schwierigkeiten mit ihrem Exfreund wollte Mario auf sie aufpassen, sie so bei der Stange zu halten. Nicht nur Marina fragte sich, `bei welcher?´ Auch ich konnte nicht übersehen, dass mein Barkeeper sich, mehr als normal, um die neue Kollegin kümmerte. Doch ich wollte mir nicht noch mehr Problemchen zu Eigen machen, mich lieber mit der bevorstehende Reise beschäftigen, deshalb übersah ich sein Gockelverhalten geflissentlich. Hinzu kam, dass Marios Vorschlag mich gedanklich beschäftigte, bei unserem gemeinsamen Aufenthalt in Hurghada, zusammen eine Wohnung, für zukünftige Urlaube, zu mieten. Das schien mir eine preiswerte Lösung für uns alle.
Eine Woche vor der Reise, kam die Nachricht von Sady, er habe ein Problem. Gestern habe er sich verletzt, sei im Hospital gewesen und habe achthundert Pfund für die Behandlung bezahlen müssen. Nun habe er zu wenig Geld auch eine schöne Wohnung zu mieten. Für das restliche Geld bekäme er nur Absteigen.
Obwohl ich ein unerklärliches, unangenehmes Kribbeln in der Magengegend hatte, ging ich erneut zu meiner Bank um eine Überweisung zu tätigen. Dort wurde mir erklärt, dass man letztens eine Ausnahme gemacht habe, denn Western Union sei Sache der Post, deshalb solle ich bitte von dort die Überweisung tätigen. Also nahm ich auch diesen Weg in Kauf, schickte noch einmal fünfhundert Mark nach Hurghada.
Mario startete einen Tag vor mir. Zuvor hatte es riesigen Krach mit Marina gegeben, weil sie unbedingt mitfliegen wollte und Mario das abgelehnt hatte. Mit dem Ergebnis, dass er die Beziehung beendete. Dies sei dann genau der richtige Zeitpunkt der räumlichen Distanz, er solle froh sein, so Abstand zu gewinnen, sagte ich ihm. Doch eigenartiger Weise schien er nicht ganz so glücklich zu sein, wegzukommen. Bevor ich ihn zum Flughafen brachte, packte ich noch den Getto - Bluster , einige Kuschelrock CD ´s und zwei Flaschen Champagner in eine Reisetasche, die Mario für mich mitnahm, weil ich die Kamera im Gepäck hatte. Bei mehreren Geräten eventuell Schwierigkeiten mit dem ägyptischen Zoll befürchten musste.
Der Abend vor meiner Abreise wurde, nach langer Zeit noch mal, sehr lustig und erfolgreich zugleich. Viele Stammgäste besuchten uns, als ob sie sich zu meiner Verabschiedung verabredet hätten. Sogar mein Sohn mit seinem gesamten Kegelclub, zu dem auch sein Vater Robert, gehörte, kam am späten Abend. Alle staunten, dass ich schon wieder in Urlaub führe, und wunderten sich darüber, dass es schon zum dritten Mal, nach Ägypten ginge.
Renee flachste mich, dass er staune wie viel Geld ich doch haben müsse, denn ich mache ja mehr Urlaub als zu arbeiten. Fragte aber auch ernsthaft, was ich auf Dauer mit diesem Ägypter wolle, bei dieser Entfernung würde diese Beziehung langfristig sehr teuer werden. Außerdem sei der nun wirklich ein wenig zu jung für mich. Ich verzichtete, darauf zu antworten, hörte ich doch Renee´s Sorge. Wir amüsierten uns dann noch gemeinsam über seinen Vater, der mit unserer brasilianischen Mitarbeiterin an der Bar saß, ihre Hände hielt und eine ganz neue Variante des Tanzens, nämlich den Handtanz, erfand.
Nach Feierabend frühstückten Rabea, Helge und ich noch zusammen um einige geschäftliche Details zu klären, sowie die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Dann fuhr mein Freund Helge mich zum Flughafen, Rabea ging beleidigt schlafen. Endlich war ich auf dem Weg ins Glück.
Am frühen Nachmittag landete ich in drückender Hitze. In der Minihalle stand die Hitze wie in einer Sauna. Nach endlosem Schlangestehen an der Passkontrolle musste ich auch noch die Durchsuchung meines Koffers über mich ergehen lassen. Die beiden Champagnerflaschen wurden nicht bemängelt und die Reisetasche, mit der Kamera und den CD´s, übersah der Beamte. Nach mehr als einer Stunde, war ich in Schweiß gebadet, als ich endlich den Ausgang erreichte.
Sady wartete schon hinter der Absperrung. Sein Anblick entschädigte mich für die nervenaufreibende Prozedur. Welch ein schöner Mann. Der wartete tatsächlich auf mich. Als ich ihn freudig umarmen wollte, entwich er meinem Vorhaben, mit einem Seitenschritt. Gab mir lediglich kurz die Hand, sagte: „Welcome back to Egypt.“
Ich schluckte meine Enttäuschung, wegen der kühlen Begrüßung, denn er nahm meine voll beladene Gepäckkarre und ging zügig Richtung Taxistand. Mir blieb nur, ihm zu folgen. Vor einem abenteuerlich aussehenden uralten amerikanischen Kombi blieb er stehen. Mein Gepäck wurde eingeladen und mein Lover setzte sich auf den Beifahrersitz. Beim Anblick des alten Vehikels, hoffte ich nur, das die Karre den Weg noch schaffte. Von innen sah die Rostlaube noch schlimmer aus. Die zerrissenen, schmutzigen Sitze wirkten nicht unbedingt einladend, die Tür- und Dachverkleidungen fehlten, ebenso die Türgriffe und Fensterkurbeln. Bei einem Unfall hätte ich unweigerlich in der Falle gesessen. Gottlob waren die Fenster alle offen. All das schien weder Sady, noch den betagten Fahrer zu beeindrucken. Sie schnatterten in ihrer Sprache miteinander um die Wette, als säße ich nicht hinter ihnen. Erst als der Wagen auf die Hauptstraße rollte, drehte Sady sich zu mir und fragte mit dem bekannten jungenhaft verlegenen Lächeln: „How are you? How was your trip?“ Sein Charme war umwerfend, ich schmolz dahin. “Thank you, im ok.” Krächzte ich nur, denn nicht nur der Fahrtwind nahm mir den Atem.
Nach kurzer Zeit hielt das Taxi vor einem Laden, mit der Aufschrift „Super Market“. Sady fragte: „You want come with me?“ Ich schüttelte den Kopf. “You wish something? Fruits or cake?” hakte er nach. Ich schüttelte noch heftiger. Nur eines wollte ich, in eine kühle Wohnung und duschen. Aber wie hätte ich das sagen können? Null Ahnung in Englisch.
Nachdem er mehrere Plastiktüten und einen großen Karton mit Wasser angeschleppt hatte, ging die Fahrt weiter. Als der Fahrer in eine Nebenstraße abbog, hatte ich keine Ahnung an welchem Ende Hurghadas wir waren. Ich konnte eben noch den Namen des Restaurants an der Ecke lesen, „Cowboy“. Um mehrere Ecken, an vielen Häusern vorbei, wurde das, was eine Straße sein sollte, immer unwegsamer. Die vielen Steine sowie der ganze Müll machte dem alten Modell sehr zu schaffen, rüttelte das klapprige Gefährt heftig durch. Auch die Häuser wurden immer hässlicher und der Weg steiler. Wir fuhren in die Berge der Wüste hinein. Hoch oben, vor dem letzten einsam stehenden Haus hielt der Wagen endlich. Oh Wunder, die Karre hatte es tatsächlich geschafft.
Ein Mann in einer schmutzigen Galabea lag auf dem Fußboden im offenen Hausflur. Er erhob sich von seinem Lager um uns zu helfen. Den gesamten Einkauf schleppte er vor uns ins Haus, Sady und ich mein umfangreiches Gepäck. Das schön geflieste Treppenhaus war total verdreckt, doch die zweite und letzte Etage, ein Albtraum. Halb fertig, die andere Hälfte im Rohbau. Baumaterialien und Müll stapelten sich auf der unfertigen Seite, nach oben hin, wo noch das Dach fehlte. In der fertigen Hälfte war unsere Wohnung. Vor Entsetzen schwieg ich, obwohl ich am liebsten geflüchtet wäre.
Die Wohnung war einfach und spärlich möbliert. Sie hatte ein geräumiges Wohnzimmer mit Fernseher und einfacher Polstergarnitur eingerichtet, zwei Schlafzimmern auch nur mit Betten und Kleiderschränken bestückt, das Bad klein mit Dusche, WC und Waschbecken zweckmäßig und die Miniküche mit einer Anrichte, Spüle und Zweiplattenkocher etwas zu unvollständig. Die Wände ehemals weißgetüncht, hatten nicht ein Bildchen zu bieten. Lediglich ein großer billiger Teppich im Wohnraum und neben den Betten je ein kleiner Läufer unterbrachen die alten schäbig wirkenden Fliesen. Durch die eingestaubten Fenster, ohne jegliche Stoffdekoration, sah man auf den steinigen Teil der Wüste. Unser Liebesnest! Entzückende Aussichten.
Nachdem Sady und sein Helfer Einkäufe samt Gepäck einfach auf den Boden gestellt hatten, verschwand der Mann. Mein Lover sah mich strahlend an, als erwarte er ein Lob. „Hm, ja,“ suchte ich hilflos nach Worten.
Er ließ mir keine Zeit die passenden Worte zu finden. Hob mich auf die Arme uns trug mich zum nächsten Bett. ´Oh nein, doch nicht ohne duschen`. Dachte ich genervt. “I misst you, darling. Miss you to much.” Stöhnte er und zerrte meinen Pulli hoch. Er schob eine Hand unter den schweißigen Stoff, dabei küsste er mich so wild, dass ich nach Luft rang. Meine Ablehnung verflog mit seinen Berührungen. Während er meine Brust knetete, versuchte er mit der anderen Hand, den Verschluss meiner Hose zu öffnen. Es gelang ihm nicht, dauerte ihm wohl zu lange, deshalb richtete er sich auf, befahl: „Take off.“ Und begann seine Kleider abzuwerfen. Schnell hatte ich die klebrigen Sachen abgelegt, lag nackt vor ihm sah ihm erwartungsvoll entgegen. Sein nackter Körper mit dem hochstehenden steifen Glied erzeugte heißes Verlangen in mir. „Komm. Schnell.“ Stöhnte ich heiser.
“Where are the Condom? You have?” fragte er stattdessen gelassen und blieb neben dem Bett stehen.
Das wirkte wie eine kalte Dusche. Alle Geilheit war verflogen. Sollte ich nun lachen oder ärgerlich sein?
“Yalla. I wait.“ sagte er ungeduldig. Ich war fassungslos. Wie unromantisch.
Leicht frustriert erhob ich mich langsam, holte mein Bautycase aus dem Wohnzimmer und packte die Kondome aus.
Unbeeindruckt wartete er mit stehendem Penis, riss ein Päckchen auf und stülpte sich das Gummi über. Er legte sich auf das Bett und verlangte: „Come.“
Dann merkte er wohl meine Missstimmung, setzte das bekannte Lächeln auf und fragte ganz sanft: „Whats happen? You dont like? You dont miss me? Plaese, come.” Dabei streckte er mir auffordernd seine Hand entgegen.
Als ich seine Hand nahm, zog er mich hinunter, drehte mich auf den Rücken und wollte in mich eindringen. Doch meine Missstimmung hatte sich auf meinen Genitalbereich ausgedehnt. Ich war staubtrocken. Erst nach zweimaligem anfeuchten des äußeren Bereichs, gelang ihm das Eindringen. Der Akt war von kurzer Dauer, für mich ohne Höhepunkt, und ich war nur froh, als es ein Ende hatte. Ich war wohl sensibler, als ich gewusst hatte, denn er hatte mich nicht mehr stimulieren können.
Dann verschwand er kurz ins Bad, zog er sich an und ging zurück zur Arbeit.
Allein gelassen, begann ich die Wohnung zu inspizieren. ´Möbel, die bei uns als >Sperrmüll< am Straßenrand stehen würden.` dachte ich pikiert. Mit viel gutem Willen konnte man sie sauber nennen. Auch die Bettwäsche war frisch. Offensichtlich hatte jemand dafür gesorgt, bevor ich eintraf. Nur den Kleiderschrank musste ich von innen reinigen. Dann packte ich aus, räumte die Sachen ein. Als ich die Dusche benutzen wollte, stellte ich fest, dass es keine Brausetasse gab. Im Boden war nur ein Abfluss. Also duschte ich lieber mit Badeschlappen. Danach stand ich in Pfützen, weil der Boden uneben war. Ich mühte mich mit dem Wasserschieber ab, schaffte aber nur einen Teil in den Abfluss zu schieben. Der Schieber war schon ziemlich abgenutzt. `So wie alles in diesem ehrenwerten Haus`. Danach war ich wieder verschwitzt, denn die Wohnung war so warm, dass die großen Decken Ventilatoren nur heiße Luft rumwirbelten. ´Wenn das eine schöne Wohnung ist, wie sehen dann die anderen aus?` Halbnackt und völlig erschöpft legte ich mich aufs Bett und schlief umgehend ein.
Die grelle Neonbeleuchtung weckte mich. Sady stand im Türrahmen, fragte missmutig: „You want sleep? Yalla, take your clothes. We go to dinner. Im hungry.” Ging hinaus und ich hörte dass er den Fernseher einschaltete.
Mühselig sammelte ich meine Gedanken, brauchte ein paar Minuten um hoch zu kommen. Mein Mund war ausgetrocknet, ich ging in die Küche um meinen Durst zu stillen. Erst dann sah ich den großen Kühlschrank. Den musste man eben erst gebracht haben. Außer jede Menge große Wasserflaschen, fand ich nichts darin. Das Wasser war lauwarm, wie das Innere des Kühlgerätes. Vermutlich hatte Sady den Strom vorhin erst eingeschaltet. Ich trank etwas von dem warmen Gesöff und fand es eklig. Die Trockenheit war verschwunden, der Durst nicht. Dann fand ich in der Anrichte mein Lebenselexier, Kaffee und Zucker. Milch fehlte leider. Egal, ein Wasserkesselchen, Gläser, Löffel, alles vorhanden. Gut. Als ich das Wasser aufsetzte, wollte Sady wissen: „What you do? How long you need?”
”Ich mach Kaffee. Just a moment.“ antwortete ich.
Sofort stand er in der Küchentür und befahl ärgerlich: „Not now, later. Im hungry. Want eat. Yalla! After ten minuts we go.”
Ich war zu perplex darauf zu antworten, fühlte im gleichen Augenblick, dass ich selbst Hunger verspürte, also trank ich meinen Kaffee zwischen duschen und anziehen.
Als wir dann den dunklen steinigen Weg hinunter gingen, war ich froh, nicht allein gehen zu müssen. Viele wilde Hunde kreuzten unseren Weg und ab und zu flüchtete etwas kleines Dunkles vor uns. Auf meine erschrockene Frage was hier noch für Tiere rumliefen, sagte er: „Mouses.“ Igitt! Welch Vertauen erweckende Gegend.
Ohne nach meinen Wünschen zu fragen, brachte er mich in das Fischrestaurant. Danach war mir eigentlich gar nicht zu Mute. Ich begnügte mich mit einer Suppe, während er zusätzlich eine gemischte Fischplatte, Salat und jede Menge Reis und Brot rein schaufelte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn er benutzte nur einen Löffel und die Finger. Von Messer und Gabel schien er nichts zu halten. ´Das kannst du also auch nicht.` dachte ich pikiert.
Mein Handy klingelte während er genüsslich spachtelte und schlürfte. Mario erkundigte sich, wo ich sei und wann wir uns träfen. Er säße mit Nabir im >Alibaba Cofeshop< in Sakkala, schlug vor, mit Sady dort hin zu kommen.
Mein Lover erklärte sich bereitwillig einverstanden, seine Laune schien sich gebessert zu haben. So machten wir uns auf den Weg. Das Cafe’ befand sich an der schönen breiten Hauptstraße dieses Ortsteiles, hatte einen großen künstlich angelegten Vorgarten mit Sitzmöglichkeiten. Schon von weitem sah ich Marios blonden Kopf unter den vielen Dunklen und freute mich echt ihn zu sehen. Die Begrüßung fiel dementsprechend aus. Mario klopfte Sady auf die Schulter, als seien sie alte Freunde, nur Nabir schien etwas reserviert. Anfangs war auch mein Begleiter recht Wortkarg, dem Landmann gegenüber mehr als distanziert und wir beiden Deutschen bestritten die Unterhaltung fast alleine. Doch nach und nach lockerte sich die Atmosphäre. Die Stimmung zwischen den beiden Ägyptern wurde freundlicher, unsere Sprachen mischten sich und Nabir übersetzte sogar für Sady. Weil ich nicht viel gegessen hatte, fragte ich nach der Speisekarte. Sofort empfahl Mario die Pizzen, so dass ich den Rat befolgte. Es war keine gute Entscheidung, in einem ägyptischen Restaurant ne Pizza zu essen.
Als Edit anrief, ihren Ehemann nach Hause befahl, war die Stimmung hin. Der Gehorsame verabschiedete sich eilig. Mario und ich hatten noch keine Lust schlafen zu gehen, so nahm ich seinen Vorschlag ins >Mamas 1< zu gehen, gerne an. Sady nickte nur. Es war kein weiter Weg, deshalb gingen wir zu Fuß. Sady trottete gleichmütig mit. Unterwegs wechselten wir einmal die Straßenseite, weil mir eine Geschäftsauslage auffiel. Als wir wieder über die stark befahrene Straße gingen, nahm ich Sadys Hand. Wegen des starken Verkehrs, mussten wir auf der Straßenmitte warten, in dem Moment fuhr ein Polizeiauto an uns vorbei. Der Wagen drosselte die Geschwindigkeit auf Schritt Tempo und die Polizisten begutachteten uns aufmerksam. Sofort zog mein Lover seine Hand aus der Meinen.
“Was ist?“ fragte ich erstaunt.
“Maybe the Police want catch me.“ vermutete er und ging noch mehr auf Abstand.
“Warum?“ Wunderte ich mich. Er zuckte nur mit den Schultern.
Die >Mamas< Filiale war lange nicht so gemütlich, wie die, die ich kannte. Wir blieben nicht lange.
Zu Hause angekommen, war Sadys erster Griff, den Fernseher einzuschalten. Er machte sich auf der Couch lang und amüsierte sich köstlich über eine arabische Komödie. Ich war abgeschrieben, gar nicht vorhanden. Eine Weile saß ich gelangweilt rum, dann wechselte ich die Taktik. Ging ins Schlafzimmer, tauschte mein Kleid gegen ein dünnes kurzes Satinnachthemdchen und wollte ihn damit animieren. Er sah mich einfach nicht, lachte laut, war total gefesselt von dem Film. Was tun? Ich war heiß, wollte Sex. Schließlich hatte ich wochenlang abstinent gelebt, außer das ich einmal meinen Brummi belästigt hatte. Dann noch der Reinfall vom Nachmittag. Das schrie nach Wiedergutmachung. Wie also konnte ich seine Aufmerksamkeit auf mich lenken?
Mir kam eine Idee. Aus dem Kleiderschrank holte ich die Video Kamera, stellte den Karton auf den Tisch, dass er nicht zu übersehen war, und sagte: „Sady, your Präsent.
Das wirkte. Die Komödie war vergessen, er strahlte, packte die Kamera aus, drehte sie in den Händen und stammelte überglücklich: „Thank you, darling. Thats really nice. Thank you.”
Na also, es gab doch noch was Interessanteres als fernsehen.
Er beschäftigte sich so intensiv mit dem neuen Spielzeug, als sei ich nicht im Raum. Ich sah ihm eine Weile zu, dann ging ich frustriert hinaus. Holte den Champagner aus dem Schrank, legte die Flaschen in das Eisfach. Als ich noch mal nach Sady sah, war die Situation unverändert. Total sauer wusch ich mich und ging ich ins Bett.
Etwas störte mich, drückte hart an meinen Po, ich versuchte im Halbschlaf auszuweichen, doch es rückte nach. Dann fühlte ich eine Hand an meinem Busen und der Druck wurde stärker. Ich war hellwach, Sady streichelte meine Brust und versuchte, meine Seitenlage zu nutzen um sein hartes Glied einzuführen. „Darling, wake up. Im hot. I want you now.” flüsterte er in mein Ohr. Fester umfasste er meinen Busen und rieb mit zwei Fingern die Brustwarze. „Darling, come, i need you. Im so hot.” Stöhnte er, dabei griff er mein Bein und hob es an. Sein Penis glitt zwischen den Pobacken vorbei bis zum Scheideneingang. Ein Seufzer entwich mir als er zustieß.
Ich kam sehr schnell zum Höhepunkt, aber er war lange nicht so weit, wurde immer schneller und wilder, als er dann endlich kam, fühlte ich zum ersten Mal das Zucken bei seinem Erguss.
Ich war allein, als ich endlich erwachte. Von Sadys Aufbruch hatte ich nichts mitbekommen. In Ruhe trank ich Kaffee, duschte und kleidete mich an. Dann rief ich Mario an. „Na endlich, du Schlafmütze. Wir warten schon den ganzen Morgen auf dich. Willst du nicht in die Sonne? Beeil dich, wir wollen schwimmen gehen. Ich warte bei Nabir auf dich.“ Mahnte er zur Eile.
Bei Sonnenschein war der Weg hinunter zur Hauptstraße erträglich, trotz Gerümpel, Müll und wilden Hunden. Kaum zehn Minuten brauchte ich für die Strecke zu Nabirs Laden. Es war zwölf Uhr mittags. Edit und Mario hatten die Badetaschen griffbereit. Bis zum Shedwan Hotel war es nicht weit, wir erreichten den Eingang nach wenigen Minuten. Wie immer kannte Mario die Mitarbeiter des Hotels, so dass wir mit der Security keine Probleme hatten. Erstaunt betrachtete ich die geräumige Gartenanlage, welche an drei Stellen unterschiedliche Pools aufwies und mit einem langgezogenen Strand endete. Ich konnte Mario nur beipflichten, ein sehr schönes Hotel. Viel größer und weitläufiger als Sadys Arbeitsstätte.
Am Pool berichtete Mario dann seine Neuigkeiten. Edit habe ein Geschäft in Aussicht, an dem sie uns beide gerne beteiligen würde, da sie es allein aus zeitlichen Gründen nicht machen könne. Es handle sich um ein großes Cafe’ mit Terrasse zum Meer und eigenem Strand. Außerdem könne sie uns eine tolle Wohnung vermitteln, Neubau, Erstbezug, die wir, mit oder ohne Möblierung, billig mieten könnten. Das Haus sei fast fertig, noch mehrere Wohnungen zur Auswahl frei. Heute Nachmittag wolle Edit uns alles zeigen.
Wegen des Cafes erfragte ich den finanziellen Aspekt. Ich erfuhr, dass der Inhaber, ein sehr reicher Hotelbesitzer, weder Zeit noch Interesse an der Bewirtschaftung habe und das Personal unfähig sei. Deshalb wolle er das Lokal entweder vermieten oder auf prozentualer Basis abgeben. Edit stelle sich nun eine Teilhaberschaft mit uns so vor, das wir die Arbeitszeit durch zwei teilen, dafür müsse aber die Finanzierung von unserer Seite komplett gebracht werden. Mario erläuterte seinen Plan weiter, dass wir beide monatlich wechseln und somit immer einen Monat in Solingen und einen hier verbringen könnten. Somit wären unsere Geschäfte besetzt und unsere ständigen Urlaube finanzierten sich selbst. Nachts ein bisschen arbeiten, tagsüber sonnen, denn die Tagschicht würde Edit übernehmen. Mit einer preiswerten Wohnung, keine hohen Hotelkosten und das Leben werde herrlich und abwechslungsreich sein.
Hörte sich nicht schlecht an, eigentlich ein verführerischer Gedanke. Ich war bereit, mir die Sache anzusehen.
Wir besprachen noch einige Details, saßen gemütlich am Pool in der Sonne bei gekühlten Getränken, bis Edit sich verabschieden musste. Ihr 6 jähriger Sohn kam vom Kindergarten nach Hause. Nachdem sie gegangen war, bezahlte ich ihre Getränke mit, sie hatte es wohl vergessen. Mario wollte mir noch den anderen Teil der Hotelanlage zeigen, so spazierten wir bis zu einem anderen Pool und setzten uns auf die Terrasse des Restaurants. Der Blick über das Meer faszinierte uns beide. Wir waren uns einig, hier wollten wir viel öfter sein. Er wegen des herrlichen Wetters und ich zusätzlich wegen meines Lovers. Im Hinblick auf die zu erwartenden Möglichkeiten, sah die Zukunft mehr als rosig aus.
Das neugebaute Haus erwies sich als fünfgeschossiges Gebäude, mitten in der City, unweit von Nabirs Geschäft. Jede Etage hatte vier geräumige Wohnungen, die Beste jedoch war das Penthouse. Als wir keuchend die letzte Etage erreicht hatten, meinte Edit beruhigend, es werde noch ein Aufzug eingebaut. Die einzige Penthouse – Wohnung war nicht sehr groß, aber mit zwei Schlafräumen, Wohnzimmer, Küche und Bad, völlig ausreichend und sehr schön. Mehr als die Hälfte der fünften Etage, sollte als Sonnenterrasse, nur für diese Wohnung zugänglich, dienen. Der Blick über die City und weit hinaus auf das Meer, begeisterte uns zusätzlich. Die Miete sollte eintausend Pfund leer und möbliert eintausendzweihundert betragen. Wir waren uns sofort einig, diese Wohnung oder keine. Nur wegen der Möbelfrage war Mario anderer Meinung. Er war für möbliert, ich wollte lieber eigene kaufen. Im Hinblick auf den Sperrmüll, in dem ich momentan hauste, hatte ich kein Vertrauen zu ägyptischen Vermietern. Geld hatte ich genug mit, deshalb sah ich darin kein Problem. Edit stimmte mir zu, außerdem sei Mobiliar hier sehr billig. Der Punkt blieb strittig. Da wir erst einmal mit dem Eigentümer selbst sprechen mussten, konnten wir die Entscheidung verschieben.
Das Cafe’ lag am anderen Ende der Stadt, Edit organisierte einen Kleinbus für die Fahrt. Als wir ausstiegen bat sie Mario um die Bezahlung. Er hatte keine Landeswährung mehr, also sprang ich schnell ein und beglich die Kleinigkeit. Leider hatten wir Pech, das Cafe’ war geschlossen. Wir waren enttäuscht, jedoch Edit sah darin kein Problem. Der Besitzer sei Nabirs Gebetsbruder, ihr Mann werde ihn heute, beim Abendgebet, sicher sehen, dann mit ihm einen Termin festlegen. Beruhigt fuhren wir zurück.
Da ich mich umziehen wollte, stieg ich am >Cowboy< aus. Wir verabredeten uns für zwei Stunden später, ich ermahnte Mario noch, dann meine Reisetasche mitzubringen. Guten Mutes schaffte ich den steilen Weg sehr schnell, war trotzdem froh, in der Wohnung angelangt zu sein. Schnell schickte ich eine SMS an Sady, dass er mich abends bei Nabir fände.
Rattenlöcher und Schmarotzer
Es dämmerte bereits, als ich das Haus verließ. Die herumstreunenden Hunde blieben mir fern, aber ein kleiner dunkler Schatten, sauste nahe genug an mir vorbei, um vor Schreck zu erstarren. Ich schüttelte mich vor Ekel, er war eine dicke fette Ratte.
Im Laufschritt brachte ich den Rest des Weges hinter mich. Atemlos stand ich an der Straße, konnte den Schock kaum verdauen. Was tat ich, um Gottes willen, in dieser verdreckten Gegend? Hier wollte ich leben? Zwischen Geröll, Müll und Ratten? Zuvor hatte ich nur die Sonnenseiten dieser Gegend gesehen, saubere gepflegte Hotelanlagen, sowie Haupt – und Geschäftsstraßen. Aber jetzt, hier im Hinterland, im Wohnbereich der Einheimischen, wo die Touristen nicht hin kamen, da sah die schöne Welt ganz anders aus. Mario hatte tatsächlich recht, Ägypten sei schön, aber dreckig, hatte er mal gesagt und ich gegen >dreckig< vehement protestiert. Und hier wollte ich die Hälfte meiner Zeit verbringen? Einen zweiten Wohn – und Geschäftssitz einrichten? Leben im Dreck mit Ungeziefer? Bei meinem Sauberkeitsbedürfnis? Unmöglich!
Mario lachte über meine Bedenken, flachste mich Angsthase. Die Tierchen täten mir nichts, bei all dem Müll hätten sie genug zu fressen. So was dünnes, wie mich, würden die nicht anknabbern. Die Sorge könne ich mir sparen. Ich fand das gar nicht lustig. Auf den Schreck lud er mich zu einem Drink ein. Da Edit zu Hause war, Nabir Kundschaft hatte, gingen wir alleine. Mario wollte in das ägyptische Cafe’, auf der anderen Seite des Platzes, ich lieber ins >Mamas 2<, im Erdgeschoss des gleichen Hauses. Er folgte meinem Wunsch.
Hier hatten die Menschen wohl ein gutes Gedächtnis für Gesichter, denn die beiden netten Kellner erkannten mich wieder. Sie hießen mich herzlich willkommen. Endlich war mein Barkeeper mal nicht bekannt, sondern ich. Mario guckte ein wenig erstaunt. Nicht schlecht.
Während wir über die Geschäfte, zu Hause und demnächst vielleicht auch hier und das Konzept dafür, sprachen, bekam Mario ständig SMS, die er schmunzelnd umgehend beantwortete. Mehrere Anrufe störten ebenfalls die Unterhaltung, dabei hörte ich gelangweilt seinen kuriosen Kürzeln, wie >OKD oder NKD zu, ohne zu verstehen, von was die Rede war. In dem Zusammenhang nannte er Nabirs Namen und sagte was von Cairo. Mangels Interesse hörte ich kaum hin. Bis ich bemerkte, dass er mit Helge sprach. Offensichtlich war der auch mit diesen geheimnisvollen Sachen vertraut. Ich verlangte mit Helge zu sprechen, konnte dann nach dem geschäftlichen Stand fragen. Die Antwort war schlicht `zufriedenstellend´. Über nähere Einzelheiten wollte er sich nicht äußern, meinte, ich solle Urlaub machen und mich anschließend überraschen lassen. Endlich verstummt das störende Gerät.
Als unser Gespräch wieder bei dem Cafe’ und Edit angekommen war, glaubte Mario, mich warnen zu müssen. Mit Edit und Nabir müsse ich vorsichtig sein, denn sie lägen gern auf anderer Leute Taschen. Das sei auch der Grund, weshalb er nun deren Gastfreundschaft in Anspruch nähme, bei seinen Aufenthalten zuvor habe er sehr viel Geld für die Beiden ausgegeben, für Mitbringsel sowie gemeinsame Restaurantbesuche. Immer habe er bezahlen müssen, weil Edit und Nabir nie flüssig waren. Nun hole er sich seine unfreiwilligen Ausgaben zurück, und achte darauf, möglichst selten mit den Beiden auszugehen. Ich war sprachlos. Wurde mir doch sofort klar, dass mir das Stunden zuvor schon zweimal passiert war. Deshalb war sie einfach gegangen, hatte die Getränkerechnung mir überlassen. Nette Leute. Ich nahm mir vor, vorsichtig zu sein.
Ausnahmsweise piepste mein Handy mal, Sady schrieb, er käme etwas später. So beschlossen wir, nebenan ins >Mafia< essen zu gehen. Mario zahlte unsere Getränke und wir schlenderten die paar Meter. Er berichtete dass er übermorgen, mit Nabir, aus geschäftlichen Gründen nach Cairo müsse. Dann könne ich ja mit Edit schwimmen gehen. Und wieder bekam er mehrere Nachrichten, die er beantworten musste. Nervig! Keine vernünftige Unterhaltung möglich.
Ich war froh, als Sady auftauchte, mich damit erlöste, dass er sofort nach Hause wollte. Zuvor bat Mario, ich möge die Rechnung zahlen, er habe noch nicht gewechselt.
`Sprachen wir nicht eben noch von Schmarotzern?´
Sady organisierte ein Taxi. Wir holten meine Reisetasche bei Nabir, dann stieg Sady an einem Supermarkt aus und kam mit 2 großen Plastiktüten zurück. Er hatte Obst, Milch, Kuchen und vielerlei mehr eingekauft. Es konnte ein gemütlicher Abend werden.
Das Taxi fuhr bis zur Haustür, bezahlen musste ich, denn Sadys letztes Geld war im Supermarkt geblieben. Mit diversen Leckereien und Champagner machten wir einen gemütlichen Fernsehabend. Den mitgebrachten Getto Bluster stellte er unbeachtet zur Seite. Auch die schönen CD´s beachtete er gar nicht. Welch ein ´Fernsehmuffel`.
Überraschend bat er mich, mein Nachthemdchen anzuziehen und dann zu ihm auf die Couch zu kommen. Gerne kam ich seinem Wunsch nach, löschte aber zuvor die grelle Neonröhre im Wohnraum, ließ nur die Küche beleuchtet, so dass der Lichtschein im Wohnzimmer eine schummrige Atmosphäre gab. Er setzte sich hinter mich, streichelte sanft über den Satinstoff, zog seine Unterhose aus und biss mich zärtlich in die Schulter. Ich hörte wie er das Kondom Papier aufriss, und obwohl ich nichts sah, wusste ich dass er das blöde Gummi überstreifte. Plötzlich hatte er ein kleines Ölfläschchen in der Hand, das ich vorher nicht gesehen hatte, goss ein wenig in seine Hand, dann deutete er mir, mich zu knien. „Nein, bitte, Sady, jetzt nicht.“ Bat ich. Doch er zog mich hoch, drückte meinen Oberkörper nach vorne, so dass ich vor ihm kniete. Dann rieb er mir sanft über den After, hielt mich im Nacken fest, und drang langsam und vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter, ein. Dabei massierte seine freie Hand meine Brust, und er versuchte mich mit zischenden Lauten zu beruhigen. Es gelang ihm nicht. Ich war zu verkrampft, hatte keine Lust auf Analverkehr, wollte nicht immer seinen Launen zu Willen sein. Deshalb bewegte ich mich so ruckartig, dass sein Penis hinaus glitt.
“So nicht.“ Sagte ich energisch und schüttelte den Kopf. Er sah mich verwundert an, nickte und zog mich von der Couch hoch, hinter sich her ins Schlafzimmer. „Nicht mit diesem Kondom.“ Verlangte ich, als er den richtigen Eingang wählen wollte.
Als er zur Arbeit gehen wollte, wachte ich auf. Viel zu früh um schon schwimmen zu gehen. Beim Kaffee kochen erlebte ich eine unangenehme Überraschung. Im Zucker krabbelten Mengen von Ameisen herum. Igitt, wo kamen die denn her? Also ab in den Müll, süßer Kaffee gestrichen. Dann saß ich eine Weile gelangweilt im Wohnzimmer, wollte fernsehen, aber es gab nur zwei ägyptische Sender. Mangels Sprachkenntnisse ebenfalls erledigt. So legte ich meine Lieblings CD auf >Hold me for a while>, deren Titel ich zurzeit sehr passend fand. Dann säuberte ich, so gründlich es mit den spärlichen Materialien möglich war, die Wohnung. Gegen elf verließ ich das Haus.
Edit machte ein säuerliches Gesicht, denn sie wartete bereits zwei Stunden auf mich. Am Pool überfiel mich der Hunger, weil ich noch nichts gegessen hatte, also bestellte ich ein Sandwich. Auch Edit fand es an der Zeit, eine Kleinigkeit zu essen, sie wäre zwar auf Diät, aber etwas müsse nun sein. Die Kleinigkeit war ein komplettes Menü. Ich staunte nicht schlecht, was die verputzen konnte. Mir war das Sandwich schon zu viel, die Pommes Beilage rührte ich erst gar nicht an. Würde ich so viel essen, wie sie, wöge ich zwei Zentner. ´Weit davon bist du ja bestimmt nicht mehr. Kein Wunder, wenn du immer so futterst.` dachte ich grinsend.
Gemütlich beim Kaffee, sie nahm noch ein Eis dazu, unterhielten wir uns dann. Sie erzählte manches über die Lebensart in diesem Land. So erfuhr ich, dass sie bereits fünfzehn Jahre hier lebte, arabisch sprach, und eigentlich gerne noch mal nach Deutschland wolle. Aber die finanziellen Mittel fehlten. Das Geschäft ihrem Mann nur zur Hälfte gehöre, die Gewinne für solche Ausgaben nicht ausreichten. Sie keine Lust habe, einen Job anzunehmen, weil die Bezahlung zu schlecht sei. Das ein Kellner, zum Beispiel, um die zwei- bis dreihundert Pfund monatlich verdiene, die Europäer meist ungefähr das Doppelte. Ich war entsetzt, das waren circa einhundert bis zweihundert Mark, für den ganzen Monat. Unglaublich. Und Masseure? Wollte ich wissen. Da habe sie wenig Ahnung, aber als Angestellter eines Hotels, könne der Verdienst auch nicht wesentlich höher sein. Es sei denn, Sady arbeite auf selbständiger Basis, habe den Massageraum gemietet, dann käme es auf die Höhe der Miete an und darauf, wie gut das Hotel belegt sei. So wurde mir manches klar. Der Discobesuch, seine Wünsche bezüglich der Turnschuhe und Kamera und das ich die Wohnungsmiete alleine bezahlt hatte. Wenn er so wenig Lohn bekam, war das kein Wunder. Ich nahm mir vor, ihn nicht danach zu fragen, schließlich wollte ich ihn nicht beschämen. Als unser Gespräch auf die strengen Gesetze kam, wunderte sie sich, dass Sady so mutig sei, mit mir in einer Wohnung zu leben. Sie erzählte, das sei für ihn weitaus gefährlicher als für mich. Hellhörig fragte ich warum. Wenn man uns nur allein dort erwische, käme er sofort ins Gefängnis und ich auf die schwarze Liste. Das hieße, ich würde sofort ausgewiesen und habe für immer Landesverbot. Sofort dachte ich an die Situation mit dem Polizeiwagen, als Sady meine Hand losgelassen hatte. Ich berichtete ihr dieses Erlebnis und sie nickte zustimmend. Meinte, wir hätten nur Glück gehabt, das Mario bei uns war, die Polizei also nicht wusste, zu wem ich gehörte. Ich überlegte schon, dann besser in ein Hotel zu ziehen, da erklärte sie die einfachere Möglichkeit.
“Ich versteh nicht, wieso dein Sady dir nichts davon gesagt hat, dass ihr nur den Trauschein machen müsst. Ist doch ganz einfach. Mit dem Schein lässt die Polizei euch in Ruhe. Normalerweise kriegst du hier gar keine Wohnung ohne den Schein. Aber, na ja, vielleicht weiß der Vermieter nichts davon.“ Überlegte sie.
“Moment mal. Wieso Trauschein? Wir wollen doch nicht heiraten. Wir kennen uns doch kaum.“ Lehnte ich irritiert ab.
Lachend klärte sie mich auf: „Damit bist du auch nicht richtig verheiratet. Das ist nur eine Art Ehe – Vertrag. Der wird beim Notar gemacht. Aber die Polizei akzeptiert das Papier, wie einen Trauschein. Das machen hier alle, die in wilder Ehe zusammen leben. Wir nennen das hier den BBS, Bumsberechtigungs Schein.“
“Hm. Wenn das zu unserer Sicherheit ist, dann sollten wir das wohl besser machen. Schließlich möchte ich nicht riskieren, ausgewiesen zu werden. Was kostet denn dieser Schein, und wann können wir zum Notar gehen?“ überlegte ich.
“Das wäre sicher besser,“ bestätigte sie. „Genau weiß ich nicht, was es kostet. Aber so um die tausend Pfund bestimmt. Die sollten dir die Sache wert sein, denk nur mal an unser zukünftiges Geschäft. Rede mal mit Sady drüber. Ich weiß ja nicht, warum der noch nicht daran gedacht hat. Der kennt das bestimmt.“
Ich sah mich vor einem Problem, wie sollte ich das meinem Lover erklären? Bei unseren Verständigungsschwierigkeiten, meinem bescheidenen Englisch, undenkbar. „Kannst du das nicht machen? Du sprichst doch arabisch. Ich kann ihm das nicht erklären, deutsch versteht er nicht und mein Englisch, na ja...“ bat ich sie.
“Nee, du, ich als Frau, das ist nicht gut. Darin sind die Ägypter eigen, über solche Themen, spricht man nicht mit ner Frau. Ich werd mal Nabir fragen, der macht das bestimmt. Das wird Sady auch akzeptieren. Komm heute Abend mit ihm in unseren Laden. Nabir macht das dann schon.“ Hatte sie die Lösung parat.
Gegen vier Uhr musste sie aufbrechen, der Kleine würde gleich aus dem Kinderhort kommen. Als der Kellner die Rechnung brachte, deutete sie ganz selbstverständlich in meine Richtung. Kommentarlos übernahm ich die Zahlung. Schließlich hatte sie mir eben erst erzählt wie knapp die Kohle bei ihr war, außerdem war sie auch so hilfsbereit, was machte mir da schon die Verzehrrechnung aus.
Inzwischen kannte ich den Weg, deshalb ging ich zu Fuß zur Wohnung zurück. Nachdem ich mich umgezogen hatte, wollte ich wieder zu Nabirs Geschäft gehen. Es dämmerte bereits. Mit einer Gänsehaut am ganzen Körper rannte ich den Berg hinunter. Drei Hunde kamen bellend auf mich zu und obwohl ich nie Angst vor Hunden gehabt hatte, erschrak ich erst einmal. Ich blieb stehen, wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Gab es einen Unterschied zwischen wilden Hunden und unseren Haustieren? Reagierten die Wilden anders? Auch die Hunde standen, das Bellen verstummte, sie sahen mich an. Ich fasste mir ein Herz, ging langsam weiter, sie folgten mir. Dann drehte ich mich um, rief ich herrisch: „Yalla! Haut ab!“ Sie trotteten davon.
Nabir begrüßte mich sehr freundlich, ließ mir einen Nescafe’ bringen und kam gleich zur Sache. Edit habe ihm von meinem Vorhaben erzählt, das sei besser für Sady und mich, er werde nachher mit ihm reden. Er wisse den Preis auch nicht so genau, der könne, je nachdem was der Vertrag beinhalte, bis zu zweitausend Pfund liegen. Aber das müsse mir meine persönliche Sicherheit wert sein. Ich nickte, sagte, der Preis sei egal, die Sicherheit wäre wichtiger.
Als Mario eintrudelte, von der eventuell bevorstehenden >Hochzeit< hörte, freute er sich. Bestand darauf Trauzeuge zu sein und dann müsse ich aber eine riesen Hochzeitfeier machen. Er war total begeistert, steckte mich an. Ich versprach, er werde die Feier bekommen, lachte über seine kindliche Vorfreude. Versuchte ihn dann doch ein wenig zu bremsen, in dem ich zu bedenken gab, dass ich noch gar nicht wisse, ob Sady mich >heiraten< wolle. Mario war ganz sicher, dass mein Lover begeistert zustimmen werde.
„Und wie war es in Cairo?“ wollte ich eigentlich nur vom Thema ablenken. Warum guckte Nabir so erschrocken? Erwischt? Bei krummen Geschäften?
“Och, ganz gut. Aber es braucht eben alles seine Zeit. Besonders bei Geschäften. Das kennst du ja selbst.“ Antwortete Mario unverbindlich.
Nabir wechselte plötzlich zu einer ganz anderen Sache, berichtete, die Penthouse Wohnung wäre doch teurer, als angenommen. Der Eigentümer wolle eintausendfünfhundert ohne Möblierung haben, mit Möbel zweitausend. Wir waren beide enttäuscht, aber einig, dass wir zu diesem Preis verzichten würden. Das sei uns die Sache nicht wert, sicher fänden wir noch was Preiswerteres. Nabir bestätigte, dies sei kein Problem, Wohnungen gäbe es genügend. Er werde sich darum kümmern. Mir fiel der Cafe’ Besitzer ein, deshalb wollte ich wissen, wie weit denn diese Geschichte sei. Er erzählte, das der nicht in der Moschee war, der sei wohl derzeit im Krankenhaus. Sobald er den Mann sähe, werde er mit ihm sprechen.
Mario schlug vor, zum Essen zu gehen, doch ich wollte erst nachfragen, wann mein Lover kommen werde. Auf meine SMS erhielt ich keine Antwort. Nach einer Stunde wurde Mario ungeduldig, der Hunger quälte ihn. Schließlich ließ ich mich überreden, mit ihm zu gehen. Auf der anderen Straßenseite, gleich neben >Mamas Bar<, gab es ein kleines Bistro, das, laut Nabir, sehr leckere Pizzen anbot. Das passte mir gut, denn so war ich in der Nähe, wenn Sady mich suchte.
Während des Essens erhielt Mario einen Anruf. Ohne es zu wollen, hörte ich an seiner Art, wie er mit dem Anrufer sprach, dass es eine Frau sein musste. Aber bestimmt nicht Marina, mit der würde er nicht so liebevoll umgehen. Als er das Gespräch beendet hatte, fragte ich ihn rundheraus, ob die Anruferin zufällig Sandra hieße. Verlegen grinsend, nickte er.
“Aber keine Sorge, Chefin, da wird es keine Probleme geben. Marina wird nichts merken, dafür sorg ich schon. Ich weiß, du befürchtest dass sie Theater macht. Bestimmt nicht. Die hat bis jetzt nichts gemerkt, das wird sie auch später nicht. Außerdem ist ja Schluss und das wird auch so bleiben.“ Versprach er selbstsicher.
Ärgerlich warnte ich ihn: „Das hoffe ich für dich. Du kennst meine Einstellung. Alle guten Dinge sind drei, aber Fehler auch. Erst Brigitte, dann Marina und jetzt Sandra, das wäre dein dritter und letzter Fehler. Sei vorsichtig. Auch du fliegst, wenn das zum dritten Problem führt. Und sei es, wenn eines der beiden Mädchen wegen Dir geht. Die sind wichtiger für das Geschäft, als du.“ Er hatte mich nicht überzeugt. Meine gute Laune hatte einen Dämpfer bekommen.
Sady kam gleichzeitig mit uns bei Nabir an. Bei seinem Anblick stieg meine Stimmung blitzartig. Auch Sady strahlte. Wie es hier so üblich war, wurden schnell ein paar Hocker auf den Bürgersteig, vor Nabirs Geschäftseingang gestellt, und wir saßen in gemütlicher Runde zusammen. Während Nabir auf seinen Landsmann einredete, erzählte Mario begeistert von seiner neuen Liebe. Sandra. Diesmal schien es wohl wirklich eine Seelenverwandtschaft zu sein, sie sei so anders als alle Frauen zuvor, so anschmiegsam, anpassungsfähig, romantisch und trotzdem vernünftig. Er glaube, endlich die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Ich hörte zwar zu, doch gedanklich war ich bei dem Gespräch der beiden Ägypter. Obwohl ich kein Wort verstand, sah ich die Skepsis in Sadys Gesicht. Er schien nicht so begeistert, wie Mario gemeint hatte. Warum hatte ich so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend? Mein siebter Sinn, das hier was nicht stimmte? Oder fühlte ich mich gekränkt, weil mein Lover nicht vor Begeisterung >Hurra< schrie? Ich hatte den Eindruck, Nabir versuchte den Landsmann zu überreden. Er redete ununterbrochen und Sady antwortete nur knapp, war sehr ernst, hatte offensichtlich Bedenken. Was ging da ab?
Schon wollte ich eingreifen, die ganze Sache abblasen, als Sadys Gesicht sich erhellte, immer strahlender wurde und er heftig nickte.
“Was ist?“ konnte ich meine Ungeduld nicht mehr zügeln.
“Nichts, alles klar.“ Beruhigte Nabir meine Zweifel. „Morgen geh ich zum Notar und mach den Termin für Übermorgen. Du kannst schon mal die Feier vorbereiten.“
Mein Lover strahlte mich an, nahm meine Hand und fragte: „You want be my Wife.“
Etwas beschämt, wegen meiner misstrauischen Gedanken, aber irgendwie erleichtert, antwortete ich total glücklich: „Ja.“
Sady war plötzlich sehr müde, drängte zum Aufbruch. Ich erhob keinen Widerspruch, freute mich darauf, mit ihm allein zu sein. Ich war geil, wollte heute richtig guten Sex, aber diesmal mit Vor- und Nachspiel, wollte meinem zukünftigen Ehemann meine Vorlieben beibringen. Der Versuch scheiterte kläglich. Weil er mein Gemisch aus deutsch und englisch nicht verstand, versuchte ich es mit Gesten. Aber auch damit hatte er Schwierigkeiten, so dass ich schließlich nur den Weg sah, seine Hand zu meiner Muschi zu lenken. Doch schon am Schamhügel stoppte er, zog die Hand zurück. Energisch schüttelte er den Kopf, wollte nach meiner Brust greifen, wonach mir momentan nicht der Sinn stand. Ich schob seine Hand weg. Was sollte das? War ich schmutzig, oder eine Frau ohne Unterleib? Er wirkte hilflos, lag abwartend auf dem Rücken und sah mich ganz verwundert an. Ich wollte nicht die ganze Stimmung zerstören, deshalb versuchte ich einen anderen Weg. Ich begann ihn zu küssen, begann im Gesicht, Stirn, Augen, Nase, ganz kurz nur den Mund. War dabei mich, über den Hals, weiter nach unten zu bewegen, wollte die Hände streichelnd zu Hilfe nehmen, als er laut auflachte, meine Hände wegstieß und sich zur Seite rollte. Er krümmte sich vor lachen. Der Kerl war kitzelig.
Meine Geilheit war hin. Wäre ich ein Mann, wär mein Schwanz spätestens jetzt runtergefallen. Das Kind wollte ich heiraten? Wenn auch nur, um mit ihm zu poppen, ohne Probleme fürchten zu müssen? Nur rammeln, ohne drum und dran? Und das auf längere Zeit? Ich musste total verrückt sein. Mit ihm hatte ich genau das, was ich nie hatte haben wollen. Kindergarten. Nee, das brauchte ich nicht für mein Leben. “Ok.“ War alles, was ich kotzsauer hervorbrachte, zog mein Nachthemd über, stand auf, löschte das Licht und legte mich neben ihn, zum schlafen. Erst rührte er sich nicht, nach wenigen Minuten stand er auf, ging ins Wohnzimmer, ich hörte den Fernseher laufen. Darüber schlief ich beleidigt ein.
Am nächsten Morgen war er schon weg. Der Gedanke an die missglückte Nacht machte mir schlechte Laune. Ich trödelte herum, konnte mich zu nichts entschließen. Dann beschloss ich, den Urlaub zu genießen, aber nicht in diesem Drecksloch. Den Kerl abzuhaken. Entschlossen nahm ich mein Wörterbuch zu Hilfe und teilte ihm per SMS mit, ich werde noch heute in ein Hotel gehen und nach diesem Urlaub nicht noch mal wiederkommen.
Umgehend kam die Frage nach dem Warum. Was er böses getan habe, ob ich ihn nicht mehr liebe, einen anderen habe, er verstehe mich nicht. So deutlich es möglich war, schrieb ich die Gründe, dass ich andere Vorstellungen von Liebe und Sex habe, er mir das Gefühl gäbe, er denke nur an sein Vergnügen, und ich den Eindruck habe, schmutzig zu sein, weil er mich nicht berühren möge. Dann entschuldigte er sich, er liebe mich und werde sich Mühe geben, auch meine Wünsche zu berücksichtigen. Aber er sei so empfindlich, dass er bei der bloßen Berührung mancher Stellen seines Bodys lachen müsse. Ich solle nicht böse sein, heute Abend noch einen Versuch wagen. Nach einigem Hin und Her, gab ich nach. Gab das Ok, für ein klärendes Gespräch am Abend.
Zu dritt am Pool, war Mario ständig mit seinem Handy beschäftigt, Edit redete nur von der Hochzeit und wies mich wiederholt darauf hin, dass ich nicht vergessen solle zur Bank zu gehen, damit ich genügend Ägyptischen Pfund habe. Den Notar könne ich nicht mit DM bezahlen. Ich antwortete nicht. War genervt. Als sie endlich ging, war ich nicht traurig drum.
Dann brachte mich Sadys SMS zum lachen, er schrieb, - darling, im thinking you, like that you smile, i song for you, hold, hold me for a while. Take, take me tonigt. I love you, Sad –
”Na, wieder bessere Laune?” wollte Mario wissen. „Was für ne Laus war dir denn über die Leber gelaufen?“
Ich schilderte kurz meinen Ärger, jedoch ohne auf nähere Einzelheiten einzugehen. Sagte nur, dass wir leichte Meinungsverschiedenheiten in Sachen Sex hatten. Er versuchte mich zu beruhigen, die habe er auch, das sei am Anfang normal, würde sich sicher im Laufe der Zeit beheben. Ich sei eigentlich erfahren genug, das zu wissen.
Innerlich gab ich ihm Recht, schämte mich sogar ein bisschen. War dann froh, dass er das Thema wechselte, indem er mich zu einer Bootsfahrt einlud. Obwohl ich normalerweise solche Ausflüge nicht mochte, weil ich nicht schwimmen konnte, war ich diesmal für die Ablenkung dankbar. Mario handelte einen günstigen Preis aus und die Stunde auf dem Meer erwies sich als wirklich angenehme Abwechslung. Einmal sahen wir sogar Delphine recht nah an dem Boot vorbei schwimmen, Mario schnorchelte im Meer und ich genoss Sonne, Wind und die Stille.
Relativ spät verließen wir das Shedwan. Weil es schon dämmerte, mochte ich nicht alleine nach Hause gehen. So gingen wir gemeinsam zu Nabirs Geschäft. Als dieser von meiner Unlust, auf die unheimliche Gegend hörte, wollte er sich das unbedingt ansehen. Er schlug vor mich mit einem Taxi zu bringen und zu warten bis ich umgezogen sei. Mir war recht lieb, dass auch Mario mitfuhr. Unterwegs erfuhr ich dann, dass Nabir den Termin für unsere Trauung, am nächsten Abend, mit dem Notar vereinbart hatte.
Als der Fahrer vor dem Haus hielt, sagte er etwa arabisches, worüber Nabir laut lachte. Er übersetzte: „Er hat gefragt: Welcher Bauer dich in eine so scheußliche Gegend gebracht hat.“
Mario ging mit hoch, Nabir wollte lieber warten. Ich fand, das werde zu lange dauern, sagte, wir kämen schon alleine zurück. Auch Mario war der gleichen Meinung und schickte ihn zurück.
Zurück bei Nabir war ich erfreut, schon meinen Sady anzutreffen. So früh war er bisher nicht von der Arbeit weggekommen. Strahlend sagte er, weil er vor 2 Stunden den letzten Termin hatte, sei die Gelegenheit günstig, mal gemeinsam zum Dinner zu gehen. Ich glaubte eher, dass er etwas gutzumachen hatte. Egal, ich freute mich. Bei der Überlegung, wo wir essen wollten, kam Mario uns zu Hilfe. Er wolle eigentlich mal in >Mamas Bar< essen, die Speisen sollten dort gut, reichlich und europäisch sein, wegen der Holländischen Inhaber. Die Auswahl erwies sich als bescheiden, dafür waren die Gerichte reichlich und lecker zubereitet und die Atmosphäre gemütlich wie immer. Sady kannte das Lokal nicht, es gefiel ihm aber, obwohl das einzige Fischgericht, nicht unbedingt seine Geschmacksrichtung war. Eben nach Holländischer Art zubereitet, paniertes Fischfilet mit Pommes und Salat. Er verputzte jedoch die ganze gewaltige Portion. Wir saßen lange auf der Terrasse, konnten uns zwar kaum unterhalten, was nicht nur an der lauten Musik lag, fanden es aber trotzdem gemütlich. Als wir uns auf den Heimweg machen wollten, bat ich Sady, das kleine Stück zu Fuß zu gehen. Er war entsetzt, fand den Weg sehr lang, gab aber missmutig meinem Wunsch nach.
Zu Hause angekommen war ich dann doch ein wenig geschafft, das letzte Stück, bergauf, war auch mir etwas zu viel gewesen. Während er duschte, versuchte ich eine anheimelnde Atmosphäre zu schaffen. Ich schaltete den Fernseher ein, löschte die grelle Beleuchtung, stellte den Champagner und Knabberzeug auf den Tisch, dann zog ich mich um. Als das Bad frei war, wollte ich mich auch ein wenig frisch machen, schon während ich mich wusch, hörte ich meine CD laufen. >Hold me for a while< hörte ich und wusste schon, dieser Abend würde ohne Missstimmung enden.
Er wartete vor der Türe auf mich, nahm mich in die Arme und schob mich eng aneinandergeschmiegt, tanzend durch den Raum. Nicht nur der Teppich störte ein bisschen, auch sein Glied, das er hart an meinen Unterleib drückte. Diesmal kam er nicht sofort zur Sache. Wir tanzten, tranken Champagner und er hatte als kleine Überraschung einen Joint mitgebracht. Wir rauchten, küssten, tranken und tanzten, bis er mich Richtung Schlafzimmer schob. Auf dem Bett hatte er mein Badetuch ausgebreitet und neben dem Bett stand das kleine Ölfläschchen.
Bevor ich etwas sagen konnte, deutete er auf das Tuch, flüsterte: „Come, darling, relax. Want make you happy. I miss you.” Er zog mir das Nachthemd aus, ich legte mich bäuchlings auf das Badetuch, sah erregt auf seinen stramm stehenden Penis, als er die Unterhose fallen ließ. Dann kniete er sich zwischen meine Beine und begann von Nacken aus, zu massieren. Es war mehr streicheln und reiben, wobei er sich für den Rücken nicht sehr viel Zeit nahm. Das Gesäß bis zwischen die Oberschenkel knetete er lange mit festen Griffen, das ich vor Geilheit laut stöhnte. Als er seinen glitschigen Finger in meinen After schob, schrie ich verzückt auf. Sein Finger bewegte sich immer schneller hin und her, und als ich den ersten Orgasmus hatte, schob er mit kräftigem Stoß sein Glied in meine heiße Muschi. Er war wild und hart, brauchte endlos lange Zeit, hob mich immer wieder an den Hüften höher, bis er sich plötzlich zurückzog. Mir blieb keine Zeit zur Ruhe zu kommen, denn er war nicht gekommen. Sein Penis stand immer noch, er nahm etwas Öl, strich damit über meinen After und schob langsam seinen Schwanz nach. Erst ganz sachte und langsam, dann steigerte er die Geschwindigkeit, wurde schneller und als ich sein leises Stöhnen hörte, das Zucken in mir spürte, hatte auch ich noch einen heftigen Höhepunkt.
“I love you.“ flüsterte er mir ins Ohr, dann verschwand er im Bad.
Spät wurde ich wach und konnte mich nicht mehr erinnern, Sady nach dem Duschen noch gesehen zu haben. Ich musste wohl vorher eingeschlafen sein, zumindest nahm ich das an, da ich völlig nackt im Bett lag. Normalerweise schlief ich nie unbekleidet. Im Wohnzimmer war von unserer nächtlichen Orgie nichts mehr zu sehen. Na prima, endlich mal ein Mann mit Ordnungsliebe. So hatte er doch mehr Vorteile, als ich vermutete. Zwar war das gestrige >Vorspiel< lange nicht das, was ich liebte, aber der Anfang war auch nicht schlecht gewesen, er hatte sich Mühe gegeben. Also doch ausbaufähig, die Hoffnung hatte ich jetzt. Viel zu tun gab es dank Sadys Aufräumtätigkeit nicht, so konnte ich mich bald auf den Weg machen. Ach richtig, heute war ja mein Hochzeitstag. Ich kicherte vor mich hin, überlegte, was ich denn anziehen könne. Am besten was Weißes. Ja, da hatte ich doch ein süßes langes Kleidchen mit. Leichter Stoff in Doppellage, mit Tülloberstoff in den eine schwarze langstielige Rose, von der Brust bis fast zum leicht glockigen Saum eingewebt war. Wegen der Spagettiträger konnte ich meinen schwarzen dünnen Tüllmantel drüber ziehen, sah sicher niedlich aus. Dann die schwarzen offenen Lackschläppchen mit Plateausohle, ich war Hochzeitsmäßig angezogen. Perfekt.
Dabei fiel mir ein, ich musste mal die Kohle zählen, schließlich brauchte ich abends einiges für die Feier und den Notar. Aber wie viel? Nabir hatte noch nicht sagen können, was es kostete. Das ich Sady damit nicht belasten konnte, wusste ich, dank Edits Berichten ja nun. War sowieso kein Problem für mich, ich hatte genug mit. Die letzten Jahre hatte ich mir, außer ab und zu ein paar Kleidchen, ja kaum was geleistet, schön gespart, was sollte also der Geiz. Die Rechnung im Shedwan hatte ich gestern genauso bezahlt wie das Abendessen, aber über dieses Kleingeld wollte ich gar nicht erst nachdenken. Edit und Nabir halfen schließlich wo sie konnten, waren sofort zu jeder Gefälligkeit bereit, da musste man sich doch revanchieren. Na ja, und Mario war grade der Richtige, über andere Leute solche Dinge zu behaupten. Ich hatte nicht vergessen, wie oft er sich auf meine Kosten ernährt hatte. Konnte mich kaum daran erinnern, dass er mal zur Geldbörse gegriffen hatte, wenn’s ums bezahlen ging. Meistens war er so zögerlich gewesen, dass ich schon freiwillig die Knete auf den Tisch gelegt hatte. Ach Schwamm drüber. Wenn ich das Gefühl bekäme, ausgenutzt zu werden, würde ich schon die Bremse anziehen. Ich wollte mir meine Hochstimmung nicht vermiesen lassen. Ausgerechnet von diesem Halodri.
Wieder mal warteten Edit und Mario schon auf mich, murrten das ich so spät kam, denn sie wollten noch mal zu dem Cafe’. Edit hatte gehört, der Besitzer sei jetzt da. Ich ging nicht darauf ein, stieg mit in den Bus und schwieg. Diesmal verlangte ich, dass Mario die Busfahrt zahlte. Zwar hatte das Cafe’ geöffnet, doch nur ein Mann in einer schmuddeligen Galabea war anwesend. Er wusste nicht, wo sein Chef sei. Dafür hatten wir nun die Gelegenheit, uns den gesamten Komplex anzusehen. Es war recht groß, der innere Raum sowie die Terrasse zum Strand hin, aber das schönste war der kleine Strand. Die Einrichtung war Schrottreif, die Wände bedurften dringend eines gründlichen Anstrichs und die Strandliegen fielen vor Altersschwäche fast auseinander. Hier war einiges zu tun, und das würde auch nicht billig werden. Wer sollte das bezahlen? Der Besitzer oder wir?
Das sei eine Frage des Vertrages, meinte Edit. Bei prozentualer Beteiligung wir, bei Anmietung er. Nun fand ich es an der Zeit Klartext zu reden. In aller Deutlichkeit erklärte ich den Beiden, dass ich zwar bereit sei, ein gemeinsames Geschäft vorzufinanzieren, aber alles in einem überschaubaren Rahmen. „Du hast kein Geld, Edit und Mario schon gar nicht. Kein Problem, aber dem Besitzer Miete zu zahlen oder aber diese verkommene Bude zu erneuern, nee, das sehe ich nicht ein.“ Lehnte ich energisch ab. „Was ist denn, wenn der Laden nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen? Und wenn wir dann wieder rausgehen, weil wir einsehen müssen, dass es ein Flop war? Dann hat der nen schönen Laden und ich hab meine ganze Kohle in den Sand gesetzt? Für euch ja kein Problem, klar. Nee, Leute, so nicht.“ Machte ich meinem Ärger Luft.
Während Mario schwieg, vermutlich gab er mir im Stillen Recht, versuchte Edit mich zu beschwichtigen: „Mieten kommt für mich sowieso nicht in Frage. Das Risiko ist zu hoch. Meinst Du, ich will zehntausend Pfund Miete zahlen, ohne zu wissen, ob sich das lohnt? Bestimmt nicht. Nein, auf Prozente, das ist die einzige Möglichkeit, mit geringen Mitteln, vielleicht ein gutes Geschäft zu machen.“
Verächtlich antwortete ich: „Was heißt denn geringe Mittel? Guck dir die Bruchbude mal richtig an. Hier muss doch alles gemacht werden. Der ganze Sperrmüll muss raus, die Strandliegen kann man nicht mehr brauchen und die Renovierung muss auch komplett gemacht werden. Das kostet ne Stange Geld.“
“Du übertreibst.“ Widersprach sie heftig. „Die Möblierung muss er selbst erneuern. Das ist für den kein Problem, der hat sicher noch genug Tische und Stühle in seinem Hotel übrig. Die Liegen sind hier nicht teuer und manche braucht man nur mal neu zu streichen. Ein paar schöne bunte Schaumgummi Matten drauf, die kosten hier nicht viel. Und der Anstrich kostet nur das Material. Wofür haben wir denn Mario? Schließlich ist der doch Handwerker. Ein bisschen kann der ja auch machen. Dann noch Dekoration, und fertig ist der ganze Laden. Du kennst die Preise hier nicht. Alles ist spottbillig, nicht so wie in Deutschland.“
“Ok, ok, das kann ja alles sein. Aber du hast die Werbung vergessen. Oder wie willst du das Ding bekannt machen? Und die Werbung ist immer sehr kostspielig. Was schätzt du denn, was die ganze Geschichte, bis zum Start, kosten wird?“ bremste ich ihren Optimismus.
Sie überlegte nicht lange, sagte: „Vielleicht zehn - bis fünfzehntausend. Und Werbung, liebe Ruth, kostet nur ein paar Pfund. Außer den Flyers, gibt es jede Menge kostenlose Werbung über die Reiseleiter. Das mach ich dann schon, keine Sorge.“
„Und was ist mit Zeitungswerbung? Die hast du nämlich vergessen. Das ist in Deutschland das teuerste. Und die kostet laufend ne Menge Geld.“ Belehrte ich sie.
Sie lachte, schüttelte den Kopf und erwiderte: „Du bist hier in Ägypten, vergiss Deutschland. Was für Zeitungen? Wir sind in Hurghada, nicht in Cairo. Nee, außer nem Magazin für Urlauber, gibt’s hier keine Zeitungen. Klar, im >Red See Magazin< können wir inserieren, aber das bringt gar nichts. Da sind Flyers viel effektiver. Der Druck kostet nicht viel und ein paar Jungens, zum verteilen, nur ein paar Pfund. Das sind Peanuts.“
“Hm, ja, so ist das. Ja dann, könntest du ja Recht haben. Ok, du kennst dich hier aus. Unter diesen Umständen, meinetwegen. Ich bin dabei.“ Gab ich mein Einverständnis. Sie hatte mich überzeugt.
Auf dem Rückweg fiel mir ein, dass die Wohnungsfrage auch noch nicht geklärt war. Als ich Edit darauf ansprach, meinte sie der Hauseigentümer spinne. Erst wollte er mehr Miete, Lage und der schönen Aussicht. Letztlich sei er bei zweitausend leer angekommen, darauf habe Nabir abgesagt. Aber auch kein Problem, denn bei ihr im Haus werde was frei, und Nabir wolle mit dem Besitzer sprechen. Die Wohnungen wären auch sehr schön, die müsse ich mir mal ansehen. Ich könne ja mal zu ihr kommen. Sie lud mich sofort zum Kaffee ein. Da es zum Schwimmen schon zu spät war, sagte ich direkt zu.
Unweit ihres Geschäftes, auf der Wüsten Seite, in der zweiten Häuserreihe, hatten Edit und Nabir ihr zu Hause. Wir mussten uns bis zur vorletzten, der fünften Etage hinauf quälen, einen Aufzug gab es nicht. Ich war total außer Atem. Das wäre mein Albtraum, täglich diese Treppen steigen zu müssen. Als ich meine Befürchtung äußerte, meinte sie, die demnächst freiwerdende Wohnung sei im zweiten Stock. Ein Lichtblick, das ginge ja noch. Das traute Heim war sehr schön eingerichtet und auch sehr geräumig. Wohnraum, Esszimmer, zwei Schlafräume, Kochküche und ein kleines Bad machten sicher gut achtzig Quadratmeter aus. Der Blick aus den Fenstern ging hinaus auf die Wüste. Ein Nachteil. Dafür war die Miete mit sechshundert Pfund recht günstig. Der Vorteil. Dass man von der anderen Hausseite übers Meer sehen könne, aber erst von der vierten Etage, das nächste Minus, denn von der Zweiten würden wir vor andere Gebäude sehen. Schon war diese Wohnmöglichkeit uninteressant für mich. Auch Edit beruhigte mich, es gäbe genügend freie Wohnungen zur Auswahl. Deshalb fände sich sicher bald was Passendes.
Während des Kaffees klingelte mein Handy. Rabea war in der Leitung. Aufgeregt erzählte sie, dass sie schon seit zwei Tagen ihren Hedy nicht mehr erreichen könne, sein Handy sei ausgeschaltet. Ich müsse unbedingt meinen Sady fragen, was da los sei. Schließlich wären die Beiden Kollegen. Ich beruhigte sie, das werde ich abends tun und ihr umgehend bescheid geben. Sonst ginge es ihr gut, im Geschäft auch alles in Ordnung, viele Grüße an alle und noch einen schönen Urlaub.
Bevor ich heim ging, wollte ich noch eine Kleinigkeit essen, doch Mario verspürte weder Hunger noch Lust mitzugehen. Er wollte ein wenig schlafen. Edit bot sofort ihre Begleitung an. Unterwegs kam uns Nabir entgegen, er brachte den kleinen Kerem. Also gingen wir Frauen mit dem niedlichen Kleinen ins Mafia. Beim Essen sprach Edit über Marios unmögliches Verhalten. Ständig piepse sein Handy, besonders mitten in der Nacht, wenn alle schliefen. Da Mario nebenan im Kinderzimmer schlafe, die Wände so dünn wären, er dann oftmals laut telefoniere, fände sie das sehr störend und rücksichtslos. Wenn er schon keine Rücksicht auf sie und ihren Mann nähme, müsse Mario doch wenigstens daran denken. dass das Kind schlief. Und überhaupt, fände sie, dass er ihre Gastfreundschaft überstrapaziere. Vierzehn Tage so beengt zu wohnen, denn der Kleine schliefe ja derweil mit im elterlichen Bett, sei eine Zumutung. Ich war ganz ihrer Meinung, sagte, dass ich dies nicht machen würde.
Mein lieber Mann, konnte die futtern. Vorspeise, jede Menge Knoblauch Brot, Hauptspeise und noch ein Dessert, ich schaffte nicht mal meine Spagetti Portion ganz. Unfassbar. Und dann wohlmöglich wundern, wenn sie immer runder wurde. Zum Schluss sprach sie mich auf den mitgebrachten Champagner an. Sie habe Mario um eine Flasche gebeten, sie tränke das Gesöff so gerne, hier bekäme man so etwas ja nicht, aber er hatte gesagt, darum müsse sie mich fragen. Großzügig willigte ich ein, ihr eine Flasche abzugeben. Letztendlich bezahlte ich noch die Rechnung, sie verhielt sich genau so zögerlich, wie ich es schon von anderen Leuten kannte. Dann trennten wir uns, hatten verschiedene Richtungen.
Vor Anbruch der Dunkelheit kam ich heim. Vor lauter Langeweile machte ich die Wohnung sauber, legte meine Kleidung, für die bevorstehende Trauung raus, und kramte in der Wohnung rum. Dann schaltete ich den Fernseher ein, sah die beiden Kanäle durch, arabische Nachrichten auf dem Einen, eine Talkshow auf dem anderen Kanal. Also fernsehen gestrichen. Lieber legte ich eine CD auf und ließ ich mich auf der unbequemen Couch nieder. Schon nach kurzer Zeit konnte ich auf den dünnen Schaumgummi Auflagen des Holzgestelles, was sich Couch schimpfte, nicht mehr sitzen noch liegen. Zu gerne hätte ich ein gutes Buch gelesen, leider hatte ich keins mitgebracht. Also legte ich mich aufs Bett.
Kurz nach 21 Uhr wurde ich wach. Hoppla, nun wurde es aber Zeit mich fertig zu machen. Mein Sady musste gleich kommen. Für duschen und stylen benötigte ich fast eine Stunde, schließlich wollte ich, an diesem besonderen Tag, auch besonders gut aussehen. Mein Zukünftiger war noch nicht erschienen. Was tun? Kleid schon anziehen? Nein, nur schminken. Nachthemd wieder überwerfen, warten. In Kleid und Schuhen wäre ich ja schnell.
Orientalische Hochzeit
Halb elf, langsam wurde ich nervös. Wann gedachte er zu kommen? Wann sollte die Trauung stattfinden? Mitten in der Nacht? Oder wollte er vielleicht gar nicht mehr? Um elf war ich sauer. Hatte meine Hochzeit schon abgeschrieben. Wusste nicht, sollte ich nun froh sein, oder mich ärgern. Nein, wozu sich selbst belügen. Ich ärgerte mich nicht nur, ich war kotzsauer.
Fünfzehn Minuten nach 23 Uhr klopfte jemand an der Tür. Bevor ich öffnen konnte, trat mein Lover ein, befahl mir, mich anzuziehen, denn Walit sei bei ihm. Na Bravo, was wollte der denn jetzt hier? Ich ging ins Schlafzimmer, warf meinen Traini über. Bei meinem Anblick fragte Sady erstaunt, ob ich so heiraten wolle. „Yalla, yalla. Take your Clothes. But something nice.” Forderte er mich auf. Walit grinste nur.
Als ich mit meinem Hochzeitsdress aus dem Schlafraum zurück kam, strahlte mein Zukünftiger übers ganze Gesicht. Ich schien ihm zu gefallen. Auch Walit meinte: „You look really nice.“
Der dunkle steinige Weg, sowie die viel zu schnelle Gangart, die die Beiden vorlegten, konnte meine Hochstimmung nicht beeinflussen. Ich war happy, würde gleich heiraten, hatte alle gegenteiligen Vorsätze über Bord geworfen. Was konnte mir schon passieren? Nichts negatives, denn die Verbindung war leicht wieder zu lösen und in meinem Heimatland galt sie nicht. Ich war auf Abenteuertrip.
Edit und Mario warteten mal wieder, aber von Nabir war nichts zu sehen. Er sei beim Notar, werde aber gleich kommen, sagte Edit und ob ich auch genügend Geld mithabe. ´Was fragt die mich denn ständig nach meiner Kohle? Das soll doch nicht ihr Problem sein.` dachte ich und überging das Thema einfach.
Als Nabir dann erschien, verabschiedete sie sich, sie müsse nach Kerem sehen. Hektisch zog Nabir mich ins Innere seines Ladens, schloss die Tür hinter uns, verlangte zweitausend zweihundertundfünfzig Pfund. Erschrocken fragte ich, wieso das so teuer sei, damit habe ich nicht gerechnet. Er erklärte, er habe einen, für mich, sicheren Vertrag ausarbeiten lassen, der mir erlaube, mich jederzeit wieder problemlos zu trennen. Dies sei, in der Regel, nur den ägyptischen Männern erlaubt, weil die Brautgabe recht hoch sei. So müsse die Frau eine hohe Abstandssumme zahlen, wenn sie sich trennen wolle. Doch mein Vertrag sähe vor, dass die Brautgabe ausgelassen werde, so dass ich ohne diese Hürde, jederzeit wieder frei sein und ausreisen könne. Das schien mir sinnvoll und die Zahlung wert. Ich gab ihm den gewünschten Betrag, wunderte mich dennoch, dass ich dem Notar das Geld nicht selbst geben konnte.
Zum Notar waren es nur ein paar Meter, doch zu meinem Erstaunen, führte Nabir uns in ein kleines Schuhgeschäft. Was sollte das denn? Ich brauchte keine Schuhe. Der Notar habe leider Stromausfall in seiner Kanzlei, deshalb müsse er diesen Raum als Ersatz nutzen, erklärte Nabir die kuriose Situation. In dem kaum acht Quadratmeter kleinen Lädchen gab es außer den vollgestopften Schuhregalen und der winzigen Verkaufstheke noch zwei gegenüberstehende Stuhlreihen, mit jeweils drei Stühlen. Im Sitzen berührte man fast die Füße seines Gegenübers. Sady, Walit und ich nahmen auf der Einen, Mario und Nabir auf der anderen Seite, Platz und warteten auf den Notar.
Mario amüsierte sich köstlich über das ungewöhnliche Trauzimmer, und ich musste über seine albernen Sprüche mitlachen. Der Ladeninhaber schien es auch lustig zu finden, obwohl er Marios Flachserei nicht verstand, lachte er ebenfalls. Die anderen Drei konnten sich unserer Heiterkeit nicht anschließen, fanden die Sache wohl ernst genug um die Umgebung zu ignorieren.
Als der Notar dann erschien, ging alles sehr schnell. Pässe abgeben, deren Daten auf einem vorbereiteten Papier niedergeschrieben wurden, die Frage beantworten, ob wir noch ledig seien, den Vertrag mit Unterschriften und vollständiger Adresse ergänzen, Trauzeugen (Nabir und Walit) unterschreiben. Fertig. Der Notar ging ohne Gruß oder Gratulation, Nabir hinterher. Wir saßen wie die Hühner auf der Stange, wussten nicht was noch kam, bis zu Nabirs Rückkehr. Der überreichte meinem frisch angetrauten Ehemann und mir je ein Dokument und gratulierte. Die Zeremonie war vorbei, die Braut durfte geküsst werden. Sady verzichtete darauf, natürlich wegen der Öffentlichkeit. Lächerlich! Von Mario bekam ich zwei dicke Schmatzer auf die Wangen, der Schuhverkäufer schüttelte kräftig meine Hand und von Walit die Mahnung auf den Weg: „I hope, it is for ever.“
Alle strahlten, nur mein frisch Angetrauter blieb ernst. Auf meiner Heirats - Urkunde konnte ich nur meine Adresse lesen. Alles andere war in Arabisch. Trotzdem zweifelte ich keine Sekunde an der Richtigkeit dieser Urkunde.
Auf dem Weg zurück wollte Mario in ein Textilgeschäft, er bräuchte ein Tshirt. Also gingen wir alle mit hinein. Auch die anderen Männer sahen sich die Angebote an und ich entdeckte ein hübsches giftgrünes Poloshirt, was ich mir an Sady gut vorstellen konnte. Mal was Anderes, nicht immer nur sein übliches schwarz oder weiß. Ich bat ihn, das Shirt zu probieren. Ungeschickt wollte er die Pendeltüre der Umkleidekabine hinter sich zuziehen und klemmte sich den Finger. Grade wollte ich darüber lachen, als er mit wehleidiger Miene zurück kam, mir seinen Finger zeigte und nach einem Pflaster fragte. Verwundert fragte ich wozu, denn ich sah kein Blut an seiner Hand. Nachdem Nabir mir Sadys Wunsch noch einmal auf Deutsch wiederholte, kramte ich das Gewünschte aus der Handtasche. Tatsächlich ließ er sich das Pflaster auf seinen Finger kleben, an dem gar keine Verletzung zu sehen war. Oh Schmerz, mein Ehemann erwies sich schlimmer als ein wehleidiges Kind.
Danach konnte ich mir den Flachs nicht verkneifen: „Hilfe, Mario, kaum verheiratet, da wäre ich schon fast Witwe geworden. Mein Mann ist schwer verletzt. Er hat sich den Finger geklemmt.“ Dann konnte ich das Lachen nicht mehr zurückhalten. Sady schob sich beleidigt in die Kabine zurück.
Mit Einkaufstüten beladen kamen wir wieder in Nabirs Geschäft an. Unser geplantes gemeinsames Dinner musste dann ohne Nabir und Walit stattfinden, denn der Eine musste nach Hause, zu Frau und Kind, der Andere hatte noch was zu erledigen. Beide versprachen später zur Feier zu kommen. Wir deponierten unseren Einkauf bei Nabir. Wieder gingen wir in das >Mamas – Haus<. Diesmal aber weder Parterre ins >Mamas> noch in den Cofeshop in der Ersten, sondern in die zweite Etage. Dort fanden wir ein sehr schönes Dachgarten- Restaurant, in dem man sehr gut essen konnte.
“Was du unter ´gut essen` verstehst, möchte ich mal gerne wissen.“ Maulte ich Mario an, während ich mir, auf dem zähen Steak, fast mein bildschönes >Ersatzteil< zerbiss. Mario flachste: „Musst dir mal ein anständiges >Kläpperchen< machen lassen, nicht auf dem AOK Schrott herumkauen. Dann kannst du auch das Fleisch beißen.“
Sady verstand, Gott sei Dank, nicht Marios Amüsement. Ich schwieg angenickelt.
“Nun sei nicht beleidigt,“ wollte Mario einlenken. „Es stimmt doch, du gibst so viel Geld für manchen Plunder aus, und an wichtigen Dingen sparst du.“
Ärgerlich stellte ich richtig: „Das stimmt eben nicht. Ich kaufe immer preisbewusst. Und erstens habe ich kein Kläpperchen, sondern nur eine Teilprothese am Unterkiefer, bei der ich übrigens genügend zugezahlt habe. Außerdem ist mein Ersatzteil bildschön, im Gegensatz zu anderen Leuten, die mit hübschem Lochmuster im Gebiss rumlaufen, wie du zum Beispiel. Und zweitens gebe ich nicht für unnötige Sachen zu viel Geld aus, wie Andere, für huren, kiffen, saufen und zocken. Ich brauche ja wohl keine Beispiele zu nennen.“
Er lachte nur, war nicht einmal gekränkt, obwohl ich ihm deutlich gemacht hatte, dass er damit gemeint war. In solchen Momenten fragte ich mich, mit was dieser Mann zu beleidigen war. Alles glitt an ihm ab. Als ich die Speise - Rechnung bezahlte, die ich sehr hoch fand, einigten sich die beiden Männer darauf, unsere Hochzeit im Stockwerk darunter zu feiern. Das kam meiner Vorstellung sehr entgegen, da dieses ägyptische Lokal normale zivilisierte Preise hatte. Den enormen finanziellen Unterschied zwischen den Hotel-Lokalen, oder die europäischen Inhabern gehörten, und den ägyptischen, hatte ich bis dato ausreichend kennen gelernt.
Walit und Nabir saßen bereits an einem Tisch am Rand der leicht erhöhten Tanzfläche. Walit hatte Sadys neue Videokamera mitgebracht. Sofort bedauerte ich, dass wir die Kamera bei unserer Trauung nicht dabei hatten. Auch Mario fand das ärgerlich, sicher wären die Aufnahmen ein lustiges Andenken gewesen. Wer war schon in einem Schuhgeschäft getraut worden. Zu Hause würde uns das niemand glauben. Wie üblich bestellte ich Cola, während die Männer Bier bevorzugten. Die Stimmung war ein wenig lahm, deshalb sagte ich auch gerne zu, als mein Ehemann mich fragte, ob es mir recht sei, wenn er noch ein paar Freunde einladen würde. Bis zu deren Eintreffen redete Mario ausschließlich über unser geschäftliches Vorhaben und das wir die Wohnung in Edit und Nabirs Haus doch mal erst nehmen könnten, bis sich was Besseres gefunden habe. Ich war dagegen, hatte eigentlich wenig Lust, zu diesem Zeitpunkt über diese Angelegenheiten nachzudenken. Die drei Einheimischen schnatterten in ihrer Sprache miteinander.
Gleichzeitig mit Sadys vier Freunden, bei denen auch der lange dürre Schwarze Towelboy war, füllte sich das Lokal zusehends. Plötzlich wurde die Musik lauter, eine Bauchtänzerin betrat die Tanzfläche und begann, unter begeistertem Applaus, ihren ersten Auftritt.
Jede Menge Gläser, Cola und eine Flasche Whisky wurden gebracht, und obwohl es ja gegen ihren religiösen Glauben verstieß, tranken alle moslemischen Männer, an unserem Tisch, den Alkohol wie Wasser. Sie waren so durstig, das die zweite und dritte Flasche Whisky bald nachgeliefert werden mussten. Mit zunehmendem Alkoholkonsum wurde die Stimmung immer ausgelassener. Sie schwatzten, lachten, tranken und tanzten auf der Bühne, sowie im Raum herum. Am ausgelassensten und beweglichsten, war der Schwarze. Selbst Mario und ich amüsierten uns über seine schlangenartigen, rhythmischen Bewegungen. Auf der Tanzfläche war er so in Ekstase, dass die Tänzerin, neben ihm ungeschickt wirkte, ja unscheinbar wurde. Als er endlich eine Pause einlegte, um wieder Whisky zu tanken, versuchte sie, wieder in einem besseren Licht zu erscheinen, in dem sie andere Gäste auf die Bühne holte. Wiederholt bat sie mich, mit ihr zu tanzen, was ich jedoch strikt ablehnte. Ich hatte keine Lust, mich zum Affen machen zu lassen, denn obwohl ich immer gerne tanzte und auch sicher nicht unbeweglich war, konnte ich deren Hüftschwung nicht nachahmen. Schließlich war sie Profi und ich reine Amateur Tänzerin. Sady rettete mich dann vor ihrer Penetranz, in dem er ihr etwas ins Ohr sagte. Sofort ließ sie meine Hand los und suchte sich ein anderes Opfer. Auf meine Frage, wie er sie so schnell losgeworden sei, machte er nur eine eindeutige, unmissverständliche Handbewegung vor seinem Bauch. Er hatte ihr zu verstehen gegeben, ich sei schwanger.
Ich schüttelte mich vor Lachen. So blind konnte doch wirklich niemand sein. Erstens hatte ich kein bisschen Bauch und zweitens musste sie doch sehen, dass ich aus dem Alter, Kinder zu kriegen, lange raus war. Oder wirkte ich tatsächlich so jugendlich? Nee, also wirklich.
Mehrmals lehnte ich auch die Aufforderung, unserer Gäste, zum Tanz ab. Doch als Sady meinte, nun müssen wir aber den Hochzeitstanz machen, blieb mir keine Wahl mehr. Er schob mich hin und her, trat mir mehrmals auf die Füße, und alle Gäste hüpften im Kreis um uns herum, sangen und klatschten dabei in die Hände. Alle waren begeistert, außer mir. Mario hatte alles gefilmt. Froh wieder sicher auf meinem Stuhl zu sitzen, dachte ich belustigt, ´das kannst du also auch nicht. Du musst noch viel lernen`.
Eigentlich wusste ich letztlich nicht mehr genau warum ich Mario Geld gegeben und gebeten hatte, die Zeche zu bezahlen, vielleicht weil ich fand, dass es nicht gut aussah, wenn ich das machen würde. Oder um Sady die Peinlichkeit zu ersparen, obwohl ich es hätte auch ihm geben können. Vielleicht auch, weil ich auch mal was alkoholisches Trinken und einen Schwips haben wollte, was ich dann doch nicht tat. Auf jeden Fall beglich Mario plötzlich die Rechnung. Man hatte allgemein beschlossen, nun, zu vorgerückter Stunde, noch eine Disco aufzusuchen. Zur Sand Beach Disco waren es nur circa einhundert Meter, deshalb trabten alle in diese Richtung. Ich hinterher. Plötzlich vermisste ich meinen Mann. Im gleichen Moment rief er meinen Namen. Er stand noch am Ausgang des Hauses, aus dem wir gekommen waren, diskutierte mit einem Busfahrer. Er winkte mich zu sich, befahl mir einzusteigen. Die Anderen schienen ihn auch zu vermissen, forderten ihn auf, mitzukommen. Mario ebenfalls. Doch Sady lachte nur und antwortete: „No, it is finish now. That is my night. We go home.” Winkte den Anderen zu, sprang in den Bus und befahl dem Fahrer zu starten.
Von unserer Hochzeitsnacht, hatte ich nicht mehr viel mitbekommen, auch ohne alkoholischen Genuss war ich so groggy gewesen, dass ich beim Sex fast eingeschlafen wäre. Als ich früh morgens um 6 Uhr erwachte, weil meine Blase sich unangenehm bemerkbar machte, erinnerte ich mich nur noch, dass es ein kurzes Zwischenspiel war. Vermutlich hatte er auch keine großen Energien mehr gehabt, oder zu viel Whisky getrunken.
Ich sprang aus dem Bett, lief ein paar Schritte und schrie entsetzt: „Sady! What is that?“
Der Boden der ganzen Wohnung war pitschnass. Ich stand im Wasser. Nein, das war kein Wasser, der ekelhafte Geruch nahm mir den Atem. Das stank nach Fäkalien. Als ob der Abfluss im Bad übergelaufen wäre. Ich rannte zurück, stand vor dem Bett, selbst der kleine Läufer war durchtränkt von übel stinkender Flüssigkeit.
Schon hatte Sady sich aufgesetzt, mit den Füßen den klitschnassen Teppich berührt und die Bescherung bemerkt. Er blieb gelassen, befahl mir wieder ins Bett zu gehen, er werde das schon machen. “Aber ich muss Pipi.“ Jammerte ich.
„Ok. Wait a moment.“ Sagte er beruhigend und ging ins Bad. Nach wenigen Minuten kam er zurück, schickte mich, mein Bedürfnis zu erledigen, danach solle ich aber gleich wieder ins Bett gehen. Er habe letzte Nacht vergessen den Wasserschlauch in der Toilette abzustellen, daher die Überschwemmung. Er werde das säubern. Dann schleifte er die Läufer über den Boden, hinaus aus dem Schlafzimmer. Ich ging zur Toilette, wusch noch meine Füße, zurück im Bett schlief ich sofort wieder ein.
Als ich gegen Mittag erwachte, waren Geruch und Feuchtigkeit weg. Sady auch.
Die Teppiche alle verschwunden und sämtliche Fenster weit geöffnet. Ein leichter Wind sorgte für frischen Durchzug, hatte somit auch den letzten Rest getrocknet.
´Sagt man nicht, Scheiße bringt Glück?` fiel mir ein und musste lachen.
Das Display meines Handys zeigte eine Kurzmitteilung an. Ich öffnete und las: - Darling, i cleen the flat only short. Do nathing. I will do it again afternoon. Have a nic day. Sady –
Ach wie süß. Das fand ich aber lieb von meinem frisch Angetrauten. Er wollte seine Pause opfern um die Wohnung zu säubern, ich sollte mir einen schönen Tag machen.
Ich fand es schön verheiratet zu sein. Mit diesem Mann verheiratet zu sein, der konnte ja richtig lieb und häuslich sein. Ja, da kamen doch die Vorteile zum Vorschein. Rücksichtsvoll und häuslich. Vielleicht war das die Mentalität der Orientalen? Nein, Quatsch. Darkan war auch Orientale, der war viel zu faul gewesen, die Wohnung zu putzen. Der hätte mich geweckt, sich dann rumgedreht und weiter geschlafen. Dann hatte ich wahrscheinlich ein Muster Exemplar an Häuslichkeit und Ordnung erwischt. Das war das erste Mal, dass ich dieses Glück hatte. `Festhalten. Den muss man festhalten´. Dachte ich.
Im Rückblick auf meine Hochzeitsfeier musste ich mir allerdings eingestehen, dass der Abend insgesamt sehr teuer gewesen war, ganz offensichtlich allen Spaß gemacht hatte, nur mir nicht. Ich hatte mich, von wenigen Momenten absehen, insgesamt gelangweilt.
Weder Edit noch Nabir waren in ihrem Geschäft, nur Mario saß vor dem Laden und wartete auf mich. Er erzählte, dass die Nacht noch sehr lang und alkoholträchtig war. Er zum Schluss so betrunken gewesen sei, dass Walit ihn hatte nach Haus bringen müssen. Dort habe er lange an der Tür stehen und klopfen müssen, bis Nabir ihn endlich reingelassen habe. Edit sei heute Morgen ziemlich muffelig gewesen, warum sie so schlecht gelaunt war, wisse er auch nicht. Schließlich sei es doch logisch, dass man nach so einer Feier etwas angetrunken und spät nach Hause käme. Mit der Frau möge er auch nicht verheiratet sein, deshalb täte Nabir ihm nur leid. Der habe bei Edit nichts zu lachen.
Da es zum schwimmen gehen schon zu spät war, ich deshalb auch keine Badesachen mitgebracht hatte, beschlossen wir, noch einmal >unser Cafe’ zu besichtigen. Wir standen wieder vor verschlossener Tür. Also schlenderten wir gemächlich über die lange Geschäftsstraße Sakkalas. Tranken unterwegs einen Espresso und diskutierten die Erfolgsaussichten unseres Vorhabens. Während Mario sich immer noch zuversichtlich zeigte, war ich bereits skeptisch geworden. Alles zog sich zu sehr in die Länge, und was Edit als sichere Sache deklariert hatte, erwies sich bis dato nur als Wunsch - Traum.
Mitten in der Unterhaltung bekam Mario einen Anruf. Ungewollt wurde ich Zeuge seiner Liebes – Plänkeleien. Nachdem das Liebesgeflüster beendet war, gestand er mir sein Vorhaben, früher als geplant abreisen zu wollen. Er war schon vor Stunden bei der Reiseagentur gewesen, hatte seine Flugumbuchung, für morgen, eingeleitet. Ich war sehr erstaunt, dass ausgerechnet er, der doch so gerne hier war, freiwillig vorzeitig abbrechen wollte, diese Liebe musste ja wirklich groß sein. Letztlich würde es aber nur zu meinem Vorteil sein. Dann konnte er unseren Freund Helge eher ablösen, der sicher mit der zusätzlichen Nebentätigkeit total überbelastet war.
Wir kamen gleichzeitig mit dem Besitzer - Ehepaar, am frühen Abend, bei der Schmuck – Vitrine an. Edit wusste, das unser Cafe’ geschlossen war, weil der Besitzer wohl im Krankenhaus lag und das unfähige Personal nicht alleine wirtschaften lassen wollte. Wir hätten zwar im Moment Pech, aber was lange dauere, werde am Ende umso besser, meinte sie. Mario bestätigte das, ich enthielt mich der Stimme. Wir würden sehen.
Mit erfrischenden Getränken, brachte Nabir ein anderes Thema ins Gespräch. Er glaubte, mir berichten zu müssen, dass mein Sady ganz traurig gewesen sei, dass wir eine Hochzeit, ohne Trauringe gehabt hatten. So fühle er sich nicht richtig verheiratet, habe er Nabir anvertraut. Aber leider fehlte ihm ja das nötige Geld für die Ringe.
Er hatte mich am richtigen Nerv erwischt. Richtig, ich hatte was ganz wichtiges total vergessen. Die Ringe. Spontan ging ich ins Ladeninnere und ließ mir Nabirs Trauring – Angebot zeigen. Natürlich empfahl der kluge Geschäftsmann die teuersten Stücke. Ich wollte jedoch etwas schlichtes, schließlich hatte ich Brillant – Schmuck genug. So viel, das einiges seit vielen Jahren in meinem Bankschließfach ruhte, weil ich nicht alles tragen konnte. Ich hatte von mehreren Verflossenen Schmuck geschenkt bekommen, darunter auch wertvollen Weißgold – Schmuck, der mir trotzt reichhaltiger Bestückung mit Brillianten und Saphiren, überhaupt nicht gefiel. >Oma-Schmuck<. Was ich liebte und deshalb immer trug, war Gelbgold. Wie meine Rolex Uhr, Marke Lady – Date, den Memory - Ring, den Ring mit dem Brillant - R und einige Ketten, wobei das schönste Stück wohl die Kette mit meinem Vornamen in Brillianten war. Nicht ein Teil hatte ich davon selbst kaufen müssen, doch diesmal war die Situation eine andere. Also wählte ich schlichte Ringe, die nur an einer Stelle ein wenig mattiert waren. Obwohl Nabir etwas enttäuscht schien, brachte er die Ringe gleich zum ändern und gravieren.
Nabirs enttäuschte Miene konnte mich nicht beeindrucken, denn ich fand 400 DM für schlichte Ringe teuer genug. Hieß es nicht, Gold sei in Ägypten so billig? Außerdem sollte doch jeder gleich sehen, dass ich jetzt verheiratet war, da hätte Brillantverzierung nur irritierend gewirkt. Ich war zufrieden, und hoffte, dass es mein Liebster auch sein würde.
Als ich die Ringe zurück bekam, mit Gravur des Heiratsdatums, 18.5.2001, hatte der Meine einen kleinen Brillantsplitter in der Mitte der Mattierung. Dies sei ein Hochzeitsgeschenk von Edit, erklärte Nabir. Ich hatte genau das, was ich bewusst nicht haben wollte. Was sollte ich sagen? Außer mich zu bedanken? Dann brachte Edit ihren Sohn nach Hause.
Wie in den Tagen zuvor, musste ich auf Sadys Gesellschaft beim Abendessen mal wieder verzichten. Er schrieb, er käme später. Dafür lud Edit sich selbst ein. Da sie an der Hochzeitsfeier nicht hatte teilnehmen können, wäre eine Einladung zum Dinner angebracht, meinte sie. Was hätte ich dagegen sagen sollen? Zumal Großzügigkeit immer eine meiner hervorstechendsten Eigenschaften war. Auch den kleinen Kerem nahm sie mit. Wieder in das teure >Mafia<. Wie so oft, bezahlte ich die komplette Rechnung.
Mein Ehemann ließ mich lange warten, bis er kurz vor Mitternacht endlich erschien. Mal wieder mit Walit. Langsam nervte mich das. Warum schleppte er ständig seinen Freund mit? Auf ne Ehe zu dritt hatte ich absolut keinen Bock. Ich nahm mir vor, ihm dies später klipp und klar zu erklären. Doch erst einmal wollte ich ihn überraschen, zog ihn ins Innere des Ladenlokals, bat die Anderen, draußen zu bleiben. Mario und Nabir grinsten wissend, Walit glotzte verdattert.
Strahlend holte ich die Ringe aus meiner Handtasche und steckte ihm den seinen an den Finger. Er sah mich verwundert an, verstand gar nicht, warum ich ihm das Kästchen mit meinem Ring entgegenhielt. Ich musste ihm erst verdeutlichen, dass er mir den Ring anstecken sollte. Warum hatte ich nur das Gefühl, das er nur widerwillig meinem Wunsch folgte? Wo war die Freude, die ich erwartet hatte? Als er dann verlegen grinste, glaubte ich zu wissen, was ihn bedrückte. Hatte Nabir nicht erzählt, dass Sady die Ringe gern selbst gekauft hätte? Er schämte sich sicher.
Nachdem alle unsere Trauringe betrachtet und bewundert hatten, kam Sady zu einem Anliegen. Er fragte, ob wir Lust hätten, alle mit zu der Abschiedsfeier seiner vier Freunde mitzukommen, die nun in einer arabischen Disco stattfände. Die gleichen Freunde, die unsere Hochzeitsgäste waren, verließen am nächsten Tag Hurghada, um im Libanon zu arbeiten. Walit und er wären bei deren Abschiedsfeier gerne dabei. Wir erklärten uns einverstanden, Mario erfreut, Nabir zögerlich und ich gleichmütig.
Das >Tattoo< war nicht sehr groß, aber recht elegant eingerichtet und sehr gemütlich. Die Aufteilung glich einer Arena. Um die, drei Stufen tiefer liegende Tanzfläche herum waren auf der Galerie gemütliche Samtrote Polsterbänke und –Sesselchen im Halbkreis um kleine runde Tische platziert. Ein Geländer aus Messing verhinderte, das jemand abstürzen konnte. Auch die Lampen an den, mit rotem Teppich belegten, Wänden waren aus blankem Messing und spendeten eine schwache, intime Beleuchtung. Am Rande der Tanzfläche hatte man eine kleine Bühne um eine Stufe erhöht, darauf saß eine fünfköpfige Band, und spielte grässliche arabische Musik. Oh Schreck, auch noch das Gejaule. Es tat mir in den Ohren weh. Der Raum war gefüllt von vielen Gästen, alles nur Männer. Die wenigen anwesenden Frauen, waren die vier Bauchtänzerinnen, an der kleinen Theke. Der einzig weibliche Gast, war ich.
Sadys Freunde schon vollzählig anwesend, hatten drei Sitzgruppen reserviert, so dass wir noch ausreichend Platz fanden. Ohne zu fragen, brachte man jede Menge Dosen mit Cola, Bierflaschen und Gläser. Irgendjemand stellte mir eine Dose Cola und ein leeres Glas hin. Auch zwei große Flaschen stilles Wasser standen plötzlich auf dem Tisch. Zu meinem erstaunen sah ich, dass die Männer sich Wasser und Cola zusammen mischten. Als Sady mir den gleichen Mix machen wollte, protestierte ich, ich möge keine Wasser-Cola. Er lachte laut, hielt mir die Wasserflasche unter die Nase, es war Wodka drin.
Nabir klärte mich auf, in arabischen Lokalen sei selten Alkoholausschank, da der moslemische Glaube den Genuss von Alkohol, Tabak sowie Drogen verbiete. So sei es für ägyptische Wirte, nur in Ausnahmefällen möglich, eine gesetzliche Genehmigung für Alkoholausschank zu bekommen, weil das mit dem Glauben nicht zu vereinbaren sei. Daher müsse man den Alkohol ein wenig tarnen.
´Toller Glaube. Also machen die Ägypter heimlich alles was verboten ist. Saufen, rauchen, kiffen und huren. Alles unter dem Deckmäntelchen des Gläubigen. Na fein.` dachte ich.
Die Stimmung war ausgelassen und steigerte sich mit zunehmenden Alkoholgenuss und den Auftritten der Bauchtänzerinnen immer mehr. Mario und Nabir verabschiedeten sich früh. Der Eine musste nach Hause um sich unnötigen Ärger zu ersparen, der Andere musste früh aufstehen, weil er sein Rückflugticket abholen musste. Der Flieger startete bereits mittags.
Meine einheimischen Begleiter bemerkten den Weggang der Beiden kaum. Sie lachten und tranken, schwatzten und tanzten, entweder in den Gängen zwischen den Tischen, oder mit der jeweiligen Tänzerin auf der Bühne. Dabei steckten sie der Bauchtänzerin Geldscheine in den Ausschnitt oder unter das hüfttiefe Unterteil des Kostümes. Zwischendurch fragte mein Mann mal nach meinem Befinden, oder ob ich auch Spaß an der Feier habe. Meist wartete er die Antwort gar nicht erst ab, weil er aufsprang um jemanden was zuzurufen oder mitzutanzen. Seine Videokamera wurde dabei oft, von ihm oder einem seiner Freunde, in Betrieb genommen. Auch ich war manchmal kurz im Visier der Linse, meist wurde ich derart geblendet, dass ich mich abwandte. Alle amüsierten sich köstlich, außer mir. Ich fand es stinklangweilig, wollte meinem Liebsten aber den Spaß nicht verderben, ergo schwieg ich.
Als er mich dann, nach endlosen Stunden, fragte, ob ich müde sei, nickte ich. Ich war die Hektik, die grässliche Musik und das Saufgelage leid, müde und gelangweilt noch länger auszuharren. Fand es müsse genug sein.
Er zeigte Verständnis, kramte in seinen Hosentaschen, fand wohl nicht das Gesuchte, und bat mich um Geld. Zu meinem Erstaunen brachte der Wirt die Rechnung. Nanu, wieso das denn? Ich dachte, wir wären eingeladen? Es war doch die Abschiedsfeier seiner Freunde.
Wie selbstverständlich hielt Sady mir die Rechnung hin. Oh Schreck, 560 Pfund. Auf meinen fragenden Blick nickte er nur. Ich sollte bezahlen. Als ich Walits gespannten Blick sah, war ich so sauer, dass ich 400 Pfund hervorkramte und Sady mit Schulter zucken zu verstehen gab, dass ich nicht mehr hätte. Schadenfroh sah ich zu, wie dieser Nassauer von Walit, ins Futter greifen musste. Man sah ihm an, dass er nur ungern zuzahlte.
Stocksauer verzichtete ich auf Shake Hands, hob nur die Hand zum Gruß und ging einfach Richtung Ausgang. Sady folgte mir, ihm war keine Verstimmung anzumerken.
Als wir am >Cowboy< den Bus verließen zahlte er die zwei Pfund. Dazu reichte es wohl noch.
Wie gewohnt schaltete er als erstes den Fernseher ein, ging duschen, um sich anschließend vor der Glotze niederzulassen. Weil ich meine miese Stimmung nicht zeigen wollte, versuchte ich mit einem neutralen Thema den Fernsehmuffel abzulenken. Ich erkundigte mich nach Hedy, dem DJ. Verächtlich winkte er ab, gab mir zu verstehen, dass meine Tochter den Typ vergessen solle. Auf meine Frage nach dem Grund, glaubte ich meinen Ohren nicht trauen zu können, deshalb hakte ich noch einmal nach. Ärgerlich ob der Störung, denn das Fernsehprogramm war ja so interessant, schimpfte er: „Why? He is really a bad man. The Manager found him with a French Girl in Billiard- Room. Hedy was fuck this Girl. After he must leave the hotel so fast. That is not a boyfriend for Bea. Believe me.”
Na toll, ich hatte ihn ablenken wollen, sehnte mich nach seiner Nähe, und hatte nur erreicht, das er ärgerlich wurde. Pech gehabt, das falsche Thema gewählt. Arme Rabea, wie sollte ich ihr das erklären? Sie wartete lange genug auf meine Antwort. Dumme Sache, aber Sady hatte natürlich recht, der war bestimmt nichts für sie. Aber wie erklär ich’s meinem Kinde?
Frustriert schob ich den Gedanken beiseite, ging ins Bad, hörte meinen Mann laut lachen und wusste, er war zu beschäftigt um an mich und meine Wünsche zu denken. Ergo ging ich ins Bett.
Dort starrte ich missmutig zur Decke, dachte über den Abend nach und erschrak. Was bewegte sich da? Angestrengt versuchte ich, bei dem schwachen Lichtschein, der vom Wohnzimmer herein fiel, zu erkennen, was da an der Decke rumkrabbelte.
“Ihhhh, Sady! What is this?“ schrie ich angeekelt. Ein kleiner heller Salamander sauste im Schnelltempo über Decke und Wände.
Sady kam reingerannt, schaltete die Neonbeleuchtung an und lachte laut, als er das eklig gläserne Geschöpf sah. „You have afraid because the little animal? That do nothing.” Versuchte er mich zu besänftigen.
“Mach es weg, bitte. Ich kann nicht schlafen, wenn das Ding im Zimmer rumläuft. Plaese, Sady, ich habe Angst.“ Jammerte ich. Hockte auf dem Bett und zitterte.
Er ging hinaus und kam Sekunden später mit dem Wasserschieber zurück. Er ging auf Jagd. Aber bei aller Mühe, konnte er den Salamander nicht erwischen. Das Geschöpf war zu schnell, es entwischte dem Angriff immer wieder. Plötzlich war es verschwunden, wir suchten gemeinsam, es war unauffindbar.
Also ging Sady hinaus. Ich schnell hinterher, allein in dem Raum wollte ich nicht bleiben. Im Fernsehen war nur noch Schneetreiben. Das Programm war zu Ende. Ein Glück für mich. Zeit ins Bett zu gehen.
“I miss you darling,“ flüsterte er mir ins Ohr, während seine Hand sich unter mein Nachthemd schob. Endlich kam nun der schöne Teil des Abends. Ich fühlte nur kurz seine Hand an meiner Brust, dann zog er sie schon wieder zurück und ich sah ihn zum Kondom greifen.
Auf das Gummi hatte ich keine Lust, deshalb schüttelte ich den Kopf und bat: „Please, ich mag nicht mit Kondom. Wir sind doch jetzt verheiratet. Leg es weg.“
“No!“ sagte er energisch, „i dont like to fuck without Condom!” und streifte das Gummi über.
Aber auch ich blieb stur, rückte ein wenig von ihm weg und erwiderte: „Ok, bisher fand ich das auch richtig, aber jetzt nicht mehr. Du weißt doch, dass ich das nicht gut vertrage, es reibt mich trocken. Verstehst Du? I dont like it. It kill my feeling. Let it, please Sady. Now you are my Husband. I want without.” Versuchte ich meinen Standpunkt zu verdeutlichen.
“And me, i dont like without. I don’t like to get a baby.” Antwortete er entschieden.
Fast eine halbe Stunde diskutierten wir über den strittigen Punkt. Ich versuchte ihm begreiflich zu machen, dass ich keine Kinder mehr kriegen konnte, weil ich mich, schon 10 Jahre zuvor, einer Totaloperation hatte unterziehen müssen. Dies auch der Grund sei, dass die erforderliche Scheidenflüssigkeit geringer sei, und ich durch das Gummi beim Verkehr zur Trockenheit neige. Krankheiten habe ich keine, mit anderen Männern schliefe ich auch nicht, also sei es ohne Kondom angenehmer für mich und für ihn völlig ungefährlich.
Alle Argumente zogen nicht, er blieb beharrlich, knurrte zum Schluss: „I dont fuck without Condom. If you dont like with Condom, then I don’t fuck. Finish!” Drehte mir den Rücken zu und schlief.
Wie konnte er jetzt schlafen? Tief und fest? Und was war mit mir? Ich war so wütend, dass ich noch sehr lange wach blieb. Was für einen Mist hatte ich mir da eingehandelt? Das sollte eine Ehe sein? Nee, das war eine Farce. Oder besser gesagt, ein kostspieliges Abenteuer, das nur für ihn von Vorteil war. Für mich weder amüsant noch interessant. Da kam ich schon zum dritten Mal hierher, nur seinetwegen, scheute weder Mühen noch Kosten, hauste in diesem Drecksloch, was ich weiß Gott nicht nötig hatte, um nur zu seinem Vergnügen da zu sein? Nee, daran würde ich schnellstens was ändern.
Durch das Klingeln meines Handys wurde ich wach. Mario wollte sich verabschieden, falls wir uns nicht mehr sähen, er musste in einer Stunde zum Flughafen. Ich solle mich um das Cafe’ und die Wohnung kümmern, am Ball bleiben. Das versprach ich. Gab ihm noch auf den Weg, unseren Helge schnellstens zu entlasten, ihn abzulösen, was er versprach. Na dann, gute Reise.
Dann kam Edit ans Telefon, fragte, ob ich mit ihr schwimmen gehen wollte. Ich versprach, mich zu beeilen.
Diesmal brachte sie den kleinen Kerem mit, denn der Kindergarten hatte ein paar Tage geschlossen. Über unser geschäftliches Vorhaben erfuhr ich nur, dass der zuständige Mann noch nicht gesund sei. Ob wir nun die Wohnung, in ihrem Haus, ansehen wollten, fragte sie. Ich verneinte, entschied, ich wolle erst die geschäftliche Angelegenheit geklärt wissen, dann erst nach der Wohnung gucken. Aber jetzt bräuchte ich eine Wohnung, für die zweite Urlaubswoche. Erzählte ihr von dem Kriechtierchen und dass ich nicht länger in dieser Höhle bleiben wolle. Das sei gar kein Problem, sie riefe schnell ihren Mann an, der kenne genügend Vermieter, er werde mir sicher noch heute was besorgen können. Was Sady denn davon hielte, dass ich umziehen wolle, fragte sie und ich erklärte selbstbewusst, das sei mir egal. Wenn er nicht mit wolle, zöge ich eben alleine um.
“Nanu, schon der erste Ehekrach?“ wollte sie wissen.
“Nö, nicht der erste, aber ihm macht es wohl nichts aus, in dem Loch zu hausen. Mir schon. Ich hab jetzt einfach die Schnauze voll und der findet ja eh nichts Besseres.“ Dementierte ich.
“Was? Hört sich aber nicht gut an. War das denn bis jetzt kein schöner Urlaub?“ fragte sie.
´Doch, mein Traumurlaub, der sich zu einem Albtraum entwickelt.` dachte ich nur.
Als wir bei der Schmuck – Vitrine ankamen, hatte Nabir bereits Neuigkeiten. Er habe eine schöne Wohnung für mich gefunden, ganz in der Nähe. Auf der Hauptstraße, zwei Häuser neben dem >Cowboy<, mit direktem Blick aufs Meer. Allerdings sei sie nicht billig, 750 Pfund für die eine Woche. Egal, Hauptsache raus aus der Müllhalde. Sofort wurde ein leerer Kleinbus angehalten, wir fuhren gemeinsam zur Besichtigung.
In dem alten Gebäude, mit dem ehemals grünen Anstrich, der schon etwas eingestaubt war, öffnete der Hausmeister, eine Tür in der ersten Etage. Auf den ersten Blick wirkte die Wohnung sauber und ordentlich, die Möblierung ähnelte der in meiner jetzigen Behausung. Nur nicht ganz so spärlich, denn das Wohnzimmer hatte zusätzlich einen runden Esstisch mit 4 Stühlen, leider gab es keine Couch, sondern nur 4 Sessel. Und keinen Fernseher, das fand ich gut. Die bessere Ausstattung mit einem großen Gasherd und einem Hängeschrank in der Küche, sowie Nachtschränkchen und einer Frisierkommode in den Schlafzimmern. Das Beste jedoch war der große breite Balkon, der sich über die ganze Länge beider nebeneinander liegenden Schlafräume zog. Der unverbaute Blick über die Straße hinauf und hinunter bis zur nächsten Biegung und geradewegs über das Meer war fantastisch. Ja, das war eine Wohnung nach meinem Geschmack, nicht die Möblierung, aber die Aussicht, einfach herrlich. Hier würde es sich aushalten lassen. Für eine Woche 750 Pfund, erschien mir nicht teuer, das war es wert. Ich sagte sofort zu.
Wieder in seinem Laden, nahm Nabir die Miete in Empfang. Es wunderte mich zwar, dass ich das Geld nicht dem Vermieter persönlich geben musste, aber die Erklärung folgte sofort. Der Vermieter sei ein guter Freund, von Beruf Polizist, ein sehr hohes Tier, der beruflich meistens in Assuan sei.
´Was soll das Misstrauen, Ruth? Die Beiden helfen, wo sie können, was soll schon mit der Kohle passieren? Die wird er sich sicher nicht selbst einstecken. Schäm dich und sei mal ein bisschen dankbar. An wen sollst du dich sonst halten? Du kennst doch hier niemand anderen. Deinen Mann kümmert das einen Dreck, ob du zurechtkommst oder nicht.` schalt ich mich selbst. Nabir unterbrach meine Gedanken, sagte, er werde nun den Schlüssel besorgen, dann könne ich spätestens Morgen Vormittag einziehen. Ich war zufrieden. Die Welt sah wieder rosiger aus.
Nachdem ich den unangenehmen Weg noch einmal in Kauf genommen, trotzt Eiltempo beim Umziehen, wieder im Halbdunkeln den Berg hinunter gerannt war, saß ich nicht lange vor Nabirs Geschäft, als mein Mann sehr früh erschien. Er strahlte, als wäre nie eine Differenz zwischen uns gewesen, wollte mit mir essen gehen. Natürlich Fisch.
“You are my fish man. Ok, we go.” Lachte ich, froh über seine gute Laune.
Während des Essens erzählte ich von der neuen Wohnung. Er nickte nur zustimmend, widmete sich ausgiebig den Hummerkrabben. Diesmal fand ich nichts daran zu bemängeln, dass er mit den Fingern aß, weil man auch bei uns zu Hause, die Schalen mit den Fingern entfernte. Nur dass er manchmal laut schmatzte fand ich nicht so toll.
´Hat nicht schon Jesu gesagt: warum schmatzet und furzet ihr nicht? .....` fiel mir ein und ich musste grinsen.
“What you like to do? We go still a little to Nabir?” fragte er als wir das Restaurant verlassen hatten. Gute Frage, es war noch sehr früh am Abend. Also nickte ich zustimmend.
Nabir langweilte sich, hatte keine Lust, vor seinem Laden rumzusitzen. Edit war zu Hause und wenig Kundschaft unterwegs, das könnte der Verkäufer alleine bewältigen. Deshalb schlug er vor, gegenüber einen Drink einzunehmen. Eine kurze heftige Diskussion entstand zwischen den Beiden, wovon ich mal wieder nichts verstehen konnte, dann waren sie sich wohl einig.
“Was war denn?“ wollte ich wissen.
Nabir antwortete: „Ach nichts besonderes, er wollte nur nicht in den >Schlampenladen>.“
“In was für einen Laden?“ verstand ich überhaupt nichts mehr.
Nabir erklärte: „Na in den Laden, wo ihr eure Hochzeit gefeiert habt. Also gehen wir ins >Mamas<. Ich find es nur zu teuer, aber das macht euch ja nichts aus. Ihr müsst ja nicht so aufs Geld achten, wie ich. Ihr habt’s ja.“
“Du musst es ja wissen, was wir haben oder nicht.“ Sagte ich ironisch. Dabei dachte ich: ´Damit meinst du wohl mich. Sady kannst du kaum meinen. Schön mal deine Einstellung zu hören. Wahrscheinlich ist das auch die Meinung meines Mannes.´
“Wieso eigentlich Schlampenladen?“ fragte ich, als wir uns auf der Terrasse des Lokals niederließen.
“Wegen der Kellnerinnen. Da hat er recht. Alles Schlampen.“ Bestätigte Nabir die Behauptung meines Ehemannes.
Das interessierte mich doch sehr, deshalb bat ich um Erklärung, wieso eine Frau, die als Kellnerin ihren Lebensunterhalt verdiente, als Schlampe angesehen wird.
Es sei in Ägypten nicht üblich, dass junge Mädchen oder Frauen arbeiten. Die wären dazu da, den Fortbestand der Familie zu sichern, zu heiraten, Kinder zu gebären und sich um Haus und Familie zu kümmern. Wenn eine junge Frau schon berufstätig sein wolle, dann nicht in solch einem Beruf und hier im Tourismus Gebiet. Männer bedienen und zum Trinken animieren, hieße, dass sie auch weitergehen, sich betatschen lassen und für Geld ficken würde.
Ich war platt. Das durfte doch nicht wahr sein. Was für eine miese Einstellung. Unterstellen einer Kellnerin einfach, wenn sie kellnert, prostituiert sie sich auch. Ohne jede Grundlage geschweige denn Beweise. Unglaublich.
“So, nette Einstellung.“ Sagte ich empört. „Und was bitte, denkt ihr dann über die Touristinnen? Die alleine hier hin kommen und sich in einen Ägypter verlieben? Sind das in euren Augen auch Schlampen?“ dabei sah ich Nabir herausfordernd an.
Er grinste, wusste genau, worauf ich hinaus wollte, sagte selbstsicher: „Manche! Nicht alle. Guck mal, hier gibt es ganz andere moralische Vorstellungen und auch Gesetze, als in Deutschland. Ich kenne den Unterschied. Hab lange genug in Deutschland gelebt. Hier ist aber eines auch nicht anders als bei euch, verheiratet zu sein ist normal, ständiger Wechsel des Partner nicht. Da hast du die Antwort. Alles Weitere kannst du dir selbst denken“
Das reichte mir nicht, ich bohrte weiter: „Aber du hast es eben so hingestellt, als wäre jede Kellnerin eine Hure. Das kann doch nicht dein Ernst sein.“
Er schüttelte den Kopf, erklärte bestimmt: „Ich weiß worauf du hinaus willst. Hier denken die Leute eben anders als bei euch. Ein anständiges Mädchen bleibt so lange zu Hause, bei der Familie, bis es verheiratet wird. Und wenn es unbedingt arbeiten will, dann in einem soliden Beruf, unter den Augen der Familie. Vor fremden Männern mit dem Arsch wackeln oder tanzen, gilt bei uns als unanständig. So ist das nun mal hier. Bei euch ist eine andere Welt, andere Vorstellungen von Sitte und Moral. Da ist ein Geschäft, wie du es hast, nicht so schlecht angesehen wie hier. Hier wäre es undenkbar, dass sich eine Tänzerin auszieht. Die Bauchtänzerinnen haben schon keinen guten Ruf, Striptease ist hier unmöglich. So ist das.“
Sady hatte verständnislos von einem zum anderen geblickt, so dass Nabir unser Gesprächsthema ins arabische übersetzte. Sady nickte nur. Ich verzichtete auf weitere Diskussionen. Was hätte ich auch dazu sagen können? Andre Länder – andre Sitten.
Meine Bitte, den kurzen Heimweg zu Fuß zu gehen, akzeptierte mein Mann.
Zu Hause machten wir einen gemütlichen Abend. Erstaunlicherweise war nicht sein erster Griff der Fernsehknopf. Er wählte eine CD mit romantischen italienischen Songs, voller Rhythmik und Gefühl. Während er duschte, holte ich den Champagner aus dem Kühlschrank und zog meinen Traini drüber. Absichtlich blieb ich auf dem Sessel, als er es sich auf der Couch gemütlich machte. Ich wollte reden, nicht bumsen und über dem Sex alle Disharmonien vergessen. Versöhnung im Bett und danach waren die Probleme die gleichen, sah ich nicht als sinnvoll an.
Ich gab mir alle Mühe, die Sprachbarriere zu überwinden, ihm mit Hilfe von Gesten und Zeichen, halb deutsch, halb englisch meinen Standpunkt zu erklären. Dass ich eine andere Vorstellung von Ehe und Sex habe, für mich Sex ohne Vor –und Nachspiel, mit Kondom, reiner Trieb ohne echte Gefühle sei. Ein Kondom zu benutzen, sicher eine wichtige Vorsichtsmaßnahme sei, aber bei Eheleuten ein völlig überflüssiger Gefühlshemmer. Zur Ehe Liebe, Nähe und Zärtlichkeit gehöre und auch des Partners Wünsche zu berücksichtigen, nicht nur stur die Eigenen durchzusetzen. Ich es nun an der Zeit fände, dass er sich für meine sexuellen Vorlieben interessiere, versuche meinen Vorstellungen näher zu kommen. Nur so habe unsere Beziehung auf Dauer eine Chance.
Er hörte schweigend zu, nickte, nahm mich bei der Hand und wollte mich ins Schlafzimmer ziehen, als mein Handy klingelte. Na bravo, der unpassende Moment.
Es war Helge, der mich um geschäftlichen Rat ersuchte. Ein Stammgast hatte weder genügend Geld, noch seine Scheckkarte dabei, bekäme angeblich bei mir immer Kredit, ob er das auch machen könne. Als er den Namen des Gastes nannte, sagte ich sofort zu. Ohne Limit. Wunderte mich jedoch, das Mario das nicht wisse, worauf ich erfuhr, dass Mario zu Hause sei, erst Morgen seinen Dienst antrete. Er habe ja Verständnis, dass die beiden Turteltäubchen, nach einwöchiger Trennung gewissen Nachholbedarf hätten, aber andrerseits würde Sandra jetzt hier gebraucht.
“Wie bitte? Wie soll ich das denn verstehen? Heißt das, die ist nicht da?“ verlangte ich zu wissen.
“Nö.“ Sagte er, „die ist vor Marios Wohnung mit ausgestiegen. Wusste ich vorher auch nicht, sonst hätte ich die gar nicht mitgenommen.“
“Was, was, was? Wie versteh ich denn das? Hast du die etwa mit zum Flughafen genommen? Mitten in der Geschäftszeit? Fährst du mit ner Tänzerin spazieren?“ fragte ich empört.
“Na ja, war ja noch früh, da ist eh nichts los, da wollte ich ihr das nicht abschlagen. Aber wenn ich das vorher geahnt hätte, glaub mir, dann hätte ich die nicht mitgenommen.“ Wurde er ein wenig kleinlaut.
“Ich fass es nicht. Wie konntest du nur? Jetzt hast du den Salat. Du brauchst sie und die beiden amüsieren sich. Mensch, Helge, ruf sie an, sie soll ihren Arsch in den Laden bewegen. Bei dem Gast brauchst du alle Weiber, die wir haben. Und mehr. Sonst geht uns ein super Umsatz flöten.“ drängte ich ärgerlich.
“Ja glaubst du, das hätte ich noch nicht versucht? Mehrmals. Aber ich kann keinen der Beiden erreichen. Die haben die Handys ausgeschaltet. Was soll ich denn machen?“ erwiderte er säuerlich.
“Na bravo. Die kriegen beide was zu hören, das sag ich dir. Genau über das Thema haben wir noch vor ein paar Tagen gesprochen. Da hat Mario mir noch hoch und heilig versichert, dass es wegen seiner neuesten Affäre keinen Ärger geben wird. Der kann was erleben! Ich habe ihn gewarnt. Ok, was soll ich von hier aus machen? Nichts. Aber lass mich zurück sein. Dann räum ich den Stall auf, darauf kannst du Gift nehmen. Also, mach’s Beste draus. Tschüss.“
Sady hatte mich mit großen Augen angesehen, streichelte über meinen Arm und meinte: „Be quiet, darling. Whats happen?“
Ärgerlich winkte ich ab, wie hätte ich das erklären können? „Because my business.“ sagte ich nur.
Die zärtliche Stimmung war hin. Noch nicht mal im Urlaub blieb ich von geschäftlichen Problemen verschont. Scheiß Weiber! Ich hatte es immer schon gehasst, mit Weibern zu arbeiten. Diese Probleme wie Konkurrenzneid, Geltungssucht, Wehleidigkeit und andere Zicken-Macken, gab es bei Männern nicht. Gott, war das ein Scheiß Geschäft. In solchen Augenblicken sehnte ich mich nach meiner Kasinozeit zurück. Da hatte ich hauptsächlich mit Männern zusammen gearbeitet, die wenigen Frauenjobs waren nur die Servicearbeiten gewesen. Bei Neueinstellung von Tischpersonal hatte ich mich immer erfolgreich gegen weibliche Croupiers gewehrt. Und die wenigen, mit denen man arbeiten konnte, sorgfältig ausgewählt. Aber in meinem jetzigen Betrieb, brauchte ich leider nur Weiber. Gott, kotzte mich das manchmal an. Ich wünschte, was anderes machen zu können.
Auch Sadys Bedürfnis nach Nähe schien verflogen zu sein, sein eben noch stehendes Glied, schien gefallen, denn nichts mehr beulte seinen Slip.
Er berichtete, dass auch er Ärger auf der Arbeit habe, in diesem Hotel sei ein solch schlechtes Management, dass ständig neue Vorschriften und Gehaltsänderungen, ihn seit längerem so ärgerten, das er überlege zu wechseln. Nun habe heute ein Freund angerufen, ihm eine Möglichkeit in Sharm el Sheikk avisiert. Weil er dort sieben Jahre gearbeitet hatte, würde er gerne dort hin zurück gehen. Hier, in Hurghada, sei er jetzt sechs Monate, aber er habe schon die Nase voll. Sharm sei viel schöner, die Arbeitsbedingungen sowie der Verdienst besser und die Touristen spendabler. Er habe nur gewechselt, weil sein Manager ihm viel mehr Lohn versprochen, als er dann bekommen hatte. Statt der vereinbarten 20 Prozent hatte man ihm nur 10 gegeben. Dazu kam noch, dass die Belegung des Hotels sehr schwach sei, deshalb sei der Verdienst sehr gering. Nun wolle man ihm seine Prozente auch noch einmal um die Hälfte kürzen, weil das Management Sparmaßnahmen eingeleitet habe. Deshalb sei ein Wechsel nun akut geworden. Es gäbe nur einen Nachteil, bei der Möglichkeit in Sharm, dort könne er nicht auf Lohn oder Prozente arbeiten, er müsse den Massagebereich mieten. Dafür habe er aber kein Geld. Woher auch, denn auch nur einen Piaster zu sparen, wäre bei 20 bis 30 Pfund Tagesverdienst nicht möglich. Trotzdem werde er einen Weg finden.
“Ja, aber was mach ich dann hier in Hurghada? „ wollte ich wissen. Als er mich fragend ansah, wiederholte ich: „And what i do here? Without you?“
Er zuckte nur mit den Schultern. Na prima, es interessierte meinen Mann nicht. Sady sah mir meine Ratlosigkeit wohl an, tröstend nahm er mich in den Arm, versuchte mich zu beruhigen:
„Dont worry, schatzi, we will see. Sharm is not so far.“
Ärgerlich schob ich seinen Arm weg, verlangte säuerlich: „Please, dont say schatzi to me.!“
Er war wohl stolz, ein neues deutsches Wort gelernt zu haben, ein gebräuchliches Kosewort, deshalb verstand er meine negative Reaktion nicht. Bat um Erklärung.
“Why? I say for my Guest Schatzi. Nice to see you, Schatzi, and I mean, nice to see your money. Verstehst du? Also, lass das. I dont like it.” Dabei machte ich die eindeutige Handbewegung, rieb Daumen und Zeigefinger gegeneinander.
Er fand das wohl sehr lustig, denn er schüttelte sich vor Lachen. Wiederholte dabei immer wieder: „Schatzi.“ Und wiederholte dabei auch das Fingerreiben.
Ich konnte nicht mitlachen, meine Laune war im Keller, die Liebeslust endgültig verflogen.
Deshalb erhob ich auch keinen Einspruch, als er, im Bett, das Kondom überstreifte, und wie gewohnt, ohne Drumherum, zur Sache kam. Ich ertrug sein Gerammel, wie eine Ehefrau, nach 25 jähriger Ehe, die keinen Bock mehr auf ihren Angetrauten hatte.
Sady weckte mich, bat mich, mit dem Umzug bis zum Abend zu warten, er wolle nicht, dass ich unsere Sachen trage. Ich solle mir einen schönen Tag machen, er werde den Transport am Abend regeln. Das fand ich sehr lieb von ihm, ich nickte zustimmend.
Recht früh machte ich mich auf den Weg zu Nabirs Laden. Weder Edit noch er waren anwesend. Was blieb mir übrig, als zu warten. Nach mehr als einer Stunde erschienen sie endlich. Nabir machte sich sogleich auf den Weg, meine Wohnungsschlüssel zu holen, derweil erzählte ich Edit von Sadys Vorhaben. Sie war ebenso erschrocken wie ich, fragte sogleich, was ich dann machen wolle, wenn mein Mann den Arbeitsort wechsle. Sharm el Sheikk sei mehr als eintausend Kilometer entfernt. Entschieden antwortete ich: „Mitgehen!“
“Und unser Cafe’? Was wird damit?“ wollte sie wissen.
“Ach vergiss es doch. Das gibt doch sowieso nichts. Bis jetzt hat doch nichts geklappt. Weder mit der Wohnung, noch mit dem Geschäft. Glaubst du noch im Ernst daran?“ fragte ich ablehnend. Dann fügte ich verächtlich hinzu: “Außerdem kann man sich auf den Mario sowieso nicht verlassen. Sobald bei dem ne Frau im Spiel ist, ist der Verstand im Arsch. Hast du doch gesehen, kaum lockt die neue Flamme, ist alles andere unwichtig und der rennt hin. Der ist auch Schwanz gesteuert, wie die meisten Männer. Vergiss also ein Geschäft mit dem.“
“Da magst du recht haben. Aber wir können das ja auch alleine machen. Dazu brauchen wir den Mario doch nicht unbedingt.“ Versuchte sie mich bei der Stange zu halten.
Energisch schüttelte ich den Kopf, machte ihr klar: „Wie soll das denn gehen? Willst du in der Zeit, in der ich nicht hier sein kann, Tag- und Nachtschicht machen? Du weißt selbst, dass du das nicht kannst. Und ich hab noch ein Geschäft in Solingen, ich kann nicht ständig hier sein. Jetzt tu mir den Gefallen, sag nicht, wir können ja Angestellte nehmen. Sicher willst du nicht den gleichen Mist haben, den der Inhaber bis jetzt hatte. Darum will er ja abgeben. Falls er das überhaupt noch will. Aber Schwamm drüber, ich sehe die Sache als abgehakt an. Wenn wir zusammen was machen wollen, warum denn hier? Wenn es stimmt, was Sady erzählt, dann ist in Sharm sowieso mehr Geld zu machen. Dann können wir doch da was machen, oder?“
Ein Hoffnungsschimmer erhellte ihr betrübtes Gesicht, sie überlegte laut: „Ja, die Idee ist nicht schlecht. Ich kenne Sharm zwar nicht, aber gehört hab ich das auch schon, dass da reichere Touristen hinkommen. Und hier ist sowieso nicht mehr viel zu holen. Man müsste sich das mal angucken, einfach mal hinfahren. Wenn dein Sady da so lange gearbeitet hat, kennt der sich doch da aus. Von hier aus mit dem Schiff dauert es nur neunzig Minuten, dann bist’e in Sharm. Was meinst du, sollen wir mal nen Tagestrip dahin machen?“
Sofort stimmte ich begeistert zu, fragte, wann wir starten könnten. Sie meinte, Nabir würde sich darum kümmern, sobald er zurück käme.
Noch bevor wir zur Tat schritten, fragte ich per SMS bei meinem Mann an, ob er mit nach Sharm kommen wolle. Umgehend antwortete er, sehr gerne, wann wir fahren wollten.
Nabirs Reaktion auf unser Vorhaben war ziemlich reserviert, aber er machte sich sofort auf den Weg, die Fahrzeiten des Luftkissen - Schiffes zu erfragen. Als er zurückkam, berichtete er, übermorgen wäre die nächste Möglichkeit. Die Preise fand ich beachtlich hoch. 90 Dollar für One way und 150 Dollar für Hin- und Rückfahrt. Für Ägypter nur die Hälfte des Fahrpreises. Trotzdem ich wusste, dass die Kosten mal wieder an mir hängen bleiben würden, fragte ich gleich bei Sady um sein OK an. Sein „Yes“ kam umgehend.
Der Trip war beschlossene Sache. Am frühen Abend sollte Nabir die Tickets holen.
Dann fuhren wir gemeinsam zu meiner neuen Wohnung. Bei genauer Besichtigung stellte ich fest, dass die Möbel doch ziemlich eingestaubt waren, eine gründliche Reinigung von Nöten war. Also mussten erst mal Putzmittel her. Edit begleitete mich in den Supermarkt im Nebenhaus. Dort erstand ich Reinigungsmittel, Putztücher Wasser und andere Getränke, ein paar Plätzchen und Chips für den kleinen Kerem. Meine Putzarie konnte losgehen.
Plötzlich fiel Edit ein, dass der Kleine zu Mittag essen und danach schlafen musste. Leider konnte sie mir nicht helfen, so gerne sie es getan hätte. Aber am späten Nachmittag, kein Problem. Ich winkte ab, bis dahin würde ich lange fertig sein.
Ich gab Nabir das Geld für die Tickets, dann verabschiedeten sie sich, bis später.
Den ganzen Nachmittag verbrachte ich mit putzen. Der Dreck erwies sich als zäher, als ich erwartet hatte, oder ich war einfach anspruchsvoller, in Sachen Sauberkeit. Vor Anbruch der Dunkelheit wollte ich jedoch zumindest meine Kosmetikartikel geholt haben, also ging ich den Berg hinauf, zu unserer alten Behausung. Ich packte alles zusammen, auch Sadys Kleinigkeiten, dann schleppte ich in drei Gängen, einen großen Teil der Sachen den Berg hinunter. Für Sady ließ ich nur die zwei schwersten Gepäckstücke stehen.
Nachdem ich mich geduscht und umgezogen hatte, genoss ich erst einmal die Aussicht auf meinem Balkon. Es war herrlich über die endlose Weite des Meeres sehen zu können, es gab mir das Gefühl der Freiheit. Ja, das war Urlaubs-Feeling. Dass die vielen Autos, hauptsächlich die unzähligen Kleinbusse, die über die belebte Hauptstraße fuhren und dabei ständig hupten, die Meeresruhe ein wenig störten, beeindruckte mich nicht negativ. Nein, das war das bunte exotische Leben hier. Das gehörte zu diesem Land, zu diesen Menschen. Ein wenig störend empfand ich nur, das die Balkonfront gemauert war, so dass es im sitzen nicht möglich war, die komplette Aussicht zu genießen. Das war nur im stehen möglich. Aber egal, ich wollte ja nicht die Straße, sondern das Meer sehen, und das sah ich ja, auch wenn ich saß. Schon in diesem Moment freute ich mich auf die Abende. Wenn ich mit meinem Liebsten zusammen, gemütlich hier sitzen, bei einem Gläschen plaudern und unsere Liebe würde fühlen können.
Das war die Romantik, die ich suchte.
Inzwischen war es recht spät geworden und mein Magen meldete seine Bedürfnisse an. Wo mein Mann nur blieb? Er musste doch schon Feierabend haben. Auf meine SMS bekam ich keine Antwort, was sollte ich tun? Warten oder Essen gehen? Nach kurzer Überlegung entschloss ich mich, mal erst Richtung Nabir zu spazieren. Der Weg war nun um den steilen Berg kürzer geworden, für mich genau die richtige Entfernung, um in Bewegung zu bleiben. Ich liebte diese kleinen Spaziergänge.
Nabir war sehr beschäftigt, er hatte Kundschaft im Laden. Edit war zu Hause, also auch keine Gesellschaft für das Abendessen. Alleine? Das fand ich ziemlich doof. Aber der Hunger war stärker. Der Mensch lebt nun mal von Essen und Trinken.
Ich rief ins Innere des Geschäfts: „Nabir, wenn Sady kommt, ich bin im Mafia.“
Doch die Küche dieses Lokals hatte bereits geschlossen. Die Kellner vom Mamas bedauerten ebenfalls, leider keine Küche mehr. Aber einer dieser netten Jungens verwies mich an das kleine Bistro nebenan, wo ich schon mit Mario gegessen hatte, dort bekäme ich eine gute Pizza. Die wenigen Sitzgruppen, auf der kleinen Terrasse, waren fast belegt. An einem Tisch saßen nur zwei Holländer, die boten mir gleich einen freien Platz an.
Die Pizza war wieder sehr gut, und als ich zahlen wollte, sah ich in der Kühltheke Weinflaschen zum Verkauf stehen. Ich erstand noch eine Flasche Rose’, dann ging ich quer über den Platz zu Nabirs Laden. Sady war auch grade angekommen und wartete schon auf mich. Nabir bat uns um unsere Pässe, weil er ohne Passvorlage keine Schiffstickets bekam.
Auf die Frage, wie mein Tag gewesen sei, erzählte ich wahrheitsgemäß, ich habe die Zeit mit stundenlanger Reinigung verbracht. Beide Männer fanden, dass ich hätte warten können, diese Arbeit hätten sie mir abgenommen. Ich fragte mich nur wann? Jetzt, um Mitternacht?
Nachdem Sady unsere neue Wohnung begutachtet und sofort wegen des fehlenden Fernsehgerätes gemault hatte, machte er sich auf den Weg, unser restliches Gepäck zu holen. Als er außer Atem zurückkam, erzählte er ärgerlich, dass er den Hausmeister nicht gefunden habe, so müsse er später noch mal hingehen. Er wollte sich den Fernseher leihen. Andere Sorgen hatte er wohl nicht.
Während er duschte räumte ich unsere Kleidung in die Schränke. Grade wollte ich zum gemütlichen Teil übergehen, mit Wein und Knabberzeug, den ersten Abend auf unserem Balkon genießen, als mein Mann sich erneut auf den Weg machte. Ich war enttäuscht, das Fernsehgerät war wichtiger. Frustriert ließ ich mich mit einem Glas Wein-Sprite-Gemisch auf unserem Balkon nieder und wartete auf seine Rückkehr.
Mit missmutiger Miene kam er herein, setzte sich zu mir auf den Balkon und fand es zu laut. Er ging zurück ins Schlafzimmer und warf sich angezogen aufs Bett. Auf meine erstaunte Frage, ob er schon schlafen wolle, verneinte er. Er müsse noch einmal in die alte Wohnung gehen, nach dem Hausmeister suchen. Ich war stinke sauer, so hatte ich mir den ersten Abend nicht vorgestellt.
Mit einem Glas in der Hand kam er nach kurzer Zeit von alleine angewackelt. Setzte sich mir gegenüber und erzählte. Den ganzen Tag habe er nur Ärger gehabt. Deshalb sei er auch so spät gekommen, er habe auf seinen Manager gewartet, mit ihm sprechen wollen. Doch obwohl sie einen Besprechungstermin vereinbart hatten, sei der Manager nicht gekommen. Alle Leute wären unzufrieden in diesem Hotel, es werde Zeit, dass er da wegkomme. Er wisse nur noch nicht wie. Denn für die Anmietung eines Arbeitsplatzes habe er kein Geld. Seine depressive Stimmung schlug sich auch auf meine Laune nieder, deshalb tröstete ich ihn, er solle einfach mal die Fahrt nach Sharm abwarten, vielleicht könne man ja dort was machen. Aber erst mal hinfahren und umsehen. Sein Gesicht erhellte sich, offensichtlich hatte ich ihm Hoffnung gemacht. Er stand auf und zog mich in Schlafzimmer.
Stürmisch küsste er mich, dabei zerrte er an dem Verschluss meines Kleides. Es gelang ihm nicht, diesen zu öffnen. „Do it self.“ befahl er und ich dachte nur: Ungeschickt lässt grüßen´.
Sehr schnell hatte er sich seines Trainis entledigt, nackt legte er sich aufs Bett und sah mir zu.
“You take shower today?“ fragte er, als ich zu ihm kriechen wollte.
Ich war empört, fragte aufgebracht: „Bin ich schmutzig, oder was?“ „Dont understand:“ sagte er ratlos.
„Klar, eh ich meine, for sure. What you think? Im dirty? “ wiederholte ich beleidigt.
Er setzte sich auf, nahm meine Hand, lächelte mich lieb an und erklärte: „Dont be angry, darling. Please, take shower now, because i like it , to make six after shower.“
Wie hätte ich dieser Bitte mit so einem charmanten Lächeln widerstehen können? Also ging ich duschen.
Als ich zurück kam hatte er das Zimmer abgedunkelt, leise Musik lief und mein Liebster lag mit steifem Glied auf dem Bett. Er zog mich zu sich hinab und begann mich zu streicheln und zu küssen. Sein Mund tastete sich bis zu meinen Brustwarzen, seine Hände streichelten meinen ganzen Körper, glitten hinunter zu meinen Innenschenkeln, nur um meine Muschi machte er einen Bogen, diesen Körperteil berührte er nicht. Urplötzlich unterbrach er seine Zärtlichkeiten, legte sich passiv auf den Rücken, sein Penis stand stramm aufrecht. Er hob das Gesäß etwas an, streckte mir sein Glied entgegen und befahl: „Yalla, take it.“
Im ersten Moment war ich perplex, als er seinem Wunsch Nachdruck verlieh, das Gesäß noch einmal anhob, folgte ich automatisch seiner Aufforderung. Nur kurz genoss er die Liebkosung meines Mundes, dann schob er mich zurück, griff zu dem bereit gelegten Kondom, streifte es über und wiederholte erneut: „Yalla.“
Grade als er sein Glied einführen wollte, hörten wir aus mehreren Lautsprechern den Gesang des Muezzin. Sady ließ sich zurück fallen, sein eben noch strammer Penis fiel gleichzeitig in sich zusammen. Stumm lag er auf dem Rücken, nackt mit einem hängenden Häufchen Elend, da wo eben noch ein steifer Schwanz gestanden hatte und er starrte zur Decke.
Ich lag völlig verdattert neben ihm und wusste nicht was mir geschah. Was war denn nun schon wieder passiert? War dieser Kerl total verrückt oder einfach gefühllos? Sollte unsere Beziehung so weitergehen? Die ganzen Querelen, der letzten Tage, liefen durch meine Gedanken, ich konnte nicht umhin, mich zu fragen, wer von uns beiden war hier auf dem falschen Dampfer? Vermutlich ich, weil ich allen Ernstes geglaubt hatte, aus unserer Urlaubsbekanntschaft könne eine ernsthafte Beziehung, ja Liebe, werden. Ich musste mir eingestehen, dass ich die Verrückte war, nicht er. Oder lag es schlicht und einfach an seiner Jugend. Ja, das war vermutlich der Grund. Ich hätte es wissen müssen, nicht wieder herkommen dürfen und heiraten schon gar nicht.
“Sorry, darling, but i cant fuck, if my god call me. You must understand it. Forgive me.”
Sagte er bittend und nahm mich in seine Arme. Seine Wärme und Zärtlichkeit hüllte mich ein, wie ein warmer Mantel und seine Leidenschaft ließ mir keine Zeit nachzudenken oder gar abzulehnen. Er begann das Spiel der Liebe von vorne und er spielte es auf seine Art. Eine andere kannte oder akzeptierte er nicht. Er war kein einfacher Mensch. Ich hatte mir ein kompliziertes männliches Exemplar ausgesucht.
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