Kitabı oku: «Die Hormonkur»

Yazı tipi:

Sara Gottfried
Die Hormonkur
So bringen Sie Ihren Hormonhaushalt
natürlich ins Gleichgewicht


VAK Verlags GmbH

Kirchzarten bei Freiburg

Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Hormone Cure © 2013 by Sara Gottfried, M.D. ISBN 978-1-4516-6694-6 Published by arrangement with the original publisher, Scribner, a division of Simon & Schuster, Inc.

Inhalt

Geleitwort von Dr. med Christiane Northrup

Vorwort

Teil 1 Aufklären und ausleuchten: Die neue hormonelle Situation verstehen

Einleitung Warum Hormone so wichtig sind

Kapitel 1 Es geht los: Füllen Sie die Fragebögen aus

Kapitel 2 Alles, was Sie über Hormone wissen müssen

Kapitel 3 Die Perimenopause: persönlicher „Klimawandel“, erhöhte Wachsamkeit und kneifende Jeans

Teil 2 Beurteilen, diagnostizieren, behandeln: Von der Hormonschwankung zum hormonellen Gleichgewicht

Kapitel 4 Cortisolüberschuss und/oder Cortisolmangel: Sind Sie gestresst? Ist ein Leben ohne Koffein sinnlos?

Kapitel 5 Progesteronmangel und Progesteronresistenz: Starke Blutungen, PMS, Schlafstörungen und Unfruchtbarkeit?

Kapitel 6 Östrogenüberschuss: Depressiv und dick?

Kapitel 7 Östrogenmangel: Trocken und schlecht gelaunt?

Kapitel 8 Androgenüberschuss: Pickel, Eierstockzysten und eine „männliche“ Behaarung?

Kapitel 9 Schilddrüsenunterfunktion: Gewichtszunahme, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen?

Kapitel 10 Hormonstörungen, die häufig gemeinsam auftreten

Kapitel 11 Die Erlösung aus der hormonellen Hölle: So bleiben Sie auf Kurs!

Teil 3 Anhang

Anhang A Wichtige Nährstoffe: Beschwerdebild, Dosierungen und Wissenswertes

Anhang B Glossar

Anhang C Hormone und ihre Funktion

Anhang D Worauf Sie bei der Arztwahl achten sollten

Anhang E Zu Hause testen, vom Labor auswerten lassen

Anhang F Der Gottfried-Ernährungsplan

Danksagungen

Stimmen zum Buch

Literaturverzeichnis

Über die Autorin




In Erinnerung an meinen Großvater, General H. C. Teubner (1910–2012), ein großer Mann und Seelenverwandter, dessen Interesse an der Welt der Natur und Begeisterung für Wissen und Bildung ihm den Aufstieg aus der Armut zu einem brillanten MIT-Ingenieur ermöglichte.

Großpapa machte kein Yoga, aber er glaubte fest an eine gute Vorbeugung durch den entsprechenden Lebensstil und lehrte mich vor mehr als 40 Jahren, welche Heilkräfte in Fischöl und Vitamin E verborgen sind. Er verstand mich und wie ich denke, und darauf kam es an.

Hinweise des Verlags

Dieses Buch dient der Information über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Wer sie anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autorin und Verlag beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben. Die hier vorgestellten Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen.

Geleitwort

Dr. med Christiane Northrup

Der Ärztin Sara Gottfried „begegnete“ ich zum ersten Mal, als ich eine Kopie von Yoga Woman zugeschickt bekam, einer wunderbaren filmischen Dokumentation über die erstaunlichen gesundheitlichen Vorzüge von Yoga. Und da war sie, auf dem Bildschirm – die Fachärztin für Gynäkologie und renommierte Yoga-Lehrerin, die das östliche und das westliche System miteinander verbindet, und sie sprach über Yoga und seine Heilkraft für die Seele, den Körper und den Geist. Sara Gottfried ist eine moderne Heilerin und zugleich Harvard-Absolventin und gewissenhafte ärztliche Wissenschaftlerin. Später erfuhr ich, dass meine Arbeit für die Gesundheit der Frau in ihrem Studium und in den Jahren ihrer Facharztausbildung in Geburtshilfe und Gynäkologie ein Leuchtfeuer der Hoffnung gewesen war. Mit Freude entdeckte ich, dass sie denselben Weg einschlug, den ich Jahre vorher so gewissenhaft gebahnt hatte, um ihn nun breiter und zugänglicher zu machen, damit andere ihm ebenfalls folgen können!

Wie ich hatte auch Dr. Gottfried einige frühe Rollenvorbilder, die den stereotypen Bildern von Frauen im mittleren und höheren Lebensalter trotzten, denen wir an der Universität und später in der Praxis nur allzu oft als „Norm“ begegnet sind. Ihre Urgroßmutter Mud, die auf ihrer Hochzeit tanzte, zeigte eine Vitalität und Gesundheit bis weit über das Alter von 90 Jahren hinaus, die wir mit viel jüngeren Frauen assoziieren. Meine eigene Mutter und ihre beste Freundin Anne waren drei Jahre älter als Mud, als sie mit über 70 Jahren den Appalachian Trail (mit etwa 3500 km einer der längsten Fernwanderwege der Welt; er führt durch 14 US-Staaten; Anm. d. Übers.) gingen und kurz danach die hundert höchsten Gipfel in New England bestiegen. Dann machte meine Mutter im Alter von 84 Jahren eine Trekking-Tour von etwa 150 Kilometern zu einem Basislager am Mount Everest – ohne Sauerstoff, obwohl die Luft in solchen Höhen 50 Prozent weniger dieser wertvollen Substanz enthält. Ihre Sauerstoffsättigung blieb normal – ein Beleg für ihre Gesundheit und Fitness.

Dr. Gottfried und ich sind Seelenverwandte. Und beim Lesen dieses Buches werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass Sie auch dazugehören. Als wir unsere schulmedizinische Ausbildung begannen, waren wir beide schon immun gegen das „Weltuntergangs-Szenario“ in Bezug auf das Altern, das fester Bestandteil des Medizinstudiums ist. Wir wussten bereits, dass die beste Zeit des Lebens erst im Alter von etwa 50 Jahren beginnt. Wir wussten bereits, dass das mittlere Lebensalter nicht der Beginn einer unausweichlichen Abwärtsspirale in Krankheit und Gebrechlichkeit sein muss, die in einem schmerzhaften, von Krankheit beherrschten Tod endet. Wir haben beide eine Vision, was für jede Frau im mittleren Alter und darüber hinaus alles möglich ist. Doch Freude, Vitalität und Lust, auf die wir qua Geburt ein Recht haben, lassen sich nur realisieren, wenn wir genau wissen, wie wir unser Hormongleichgewicht und ein gesundes Körpergewicht erhalten und die zellulären Entzündungsvorgänge bekämpfen, bevor sie in eine chronisch degenerative Krankheit ausarten.

Die moderne Schulmedizin – deren Fokus auf Krankheiten, Medikamenten und Operationen liegt –, funktioniert im Großen und Ganzen durch die Anwendung von Arzneimitteln zum Kaschieren von Symptomen. Doch unsere leise innere Stimme weiß, dass Depressionen nicht aufgrund eines Mangels an einem entsprechenden Medikament entstehen, ebenso wenig wie auch Kopfschmerzen keine „Aspirinmangelkrankheit“ sind. Die Einnahme von Präparaten, die Symptome kaschieren, ist nichts anderes als die Warnlampen am Armaturenbrett im Auto auszubauen, um dann beruhigt festzustellen, dass nun alles wieder in (scheinbarer) Ordnung ist. Klüger wäre natürlich, unter die Motorhaube zu schauen, um herauszufinden, wo die Ursache des Problems liegt. Ob Sie es glauben oder nicht, die meisten Probleme, auch Hormonschwankungen, können größtenteils allein durch Änderungen des Lebensstils gebessert werden.

Zum Glück stehen uns heute weitaus elegantere Methoden als noch vor zehn Jahren für die Identifizierung und Testung von Hormon- und Energieschwankungen zur Verfügung. Die Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie und Epigenetik haben in kurzer Zeit Lichtjahre zurückgelegt. Und Dr. Gottfried ist ganz vorn mit dabei. Sie praktiziert eine „funktionelle“ oder integrative Medizin, deren Aufgabe es ist, die ständig ablaufenden Prozesse und Körperfunktionen zu optimieren, bevor diagnostizierbare Krankheiten entstehen. Da die meisten Symptome auf jahrelange unentdeckte zelluläre Entzündungen zurückgehen, wissen wir heute, dass es möglich ist, die meisten chronisch degenerativen Krankheiten im Frühstadium auszuschalten oder sogar zu verhindern.

Ich kann Ihnen versichern, die Art von Medizin, wie sie in Die Hormonkur beschrieben wird, ist die Medizin der Zukunft – und zwar schon heute. Dr. Gottfrieds Methode erfordert Ihre tätige Mitwirkung an Ihrer eigenen Gesundheitsvorsorge. Ihr Plan ist nicht eine Schnellschuss-Wunderheilung. Das wäre keine nachhaltige Lösung. Als erfahrene Yogalehrerin und Gynäkologin kennt Dr. Gottfried aus eigener Erfahrung die unglaublich befriedigenden Ergebnisse für Körper und Seele, die durch bewusstes und achtsames Arbeiten mit der Weisheit Ihres Körpers erzielt werden können. Und es ist ihr Anliegen, Sie genau darin zu unterstützen.

Wenn Sie Ihren verloren gegangenen Optimismus und die Vitalität Ihrer Jugend wieder finden oder gar mehr Optimismus und Vitalität als je zuvor erringen möchten – dann liegen die Antworten vor Ihnen. Und wenn Sie einfach nur weiterhin möglichst lange so vital und jugendlich bleiben wollen – dann liegen die Antworten ebenfalls vor Ihnen. In meinem Buch Die Weisheit der Wechseljahre habe ich die Jahre vor der Menopause als großen Weckruf bezeichnet – eine Zeit, in der wir an eine Schnittstelle in unserem Leben kommen. Alle Dinge, die nicht mehr funktionieren, muss man anschauen und hinter sich lassen! Einer der Wege sagt: Stirb! Der andere sagt: Wachse! In diesem Buch nimmt Dr. Gottfried Sie an die Hand und zeigt Ihnen ganz genau, wie Sie dem Weg folgen können, der sagt: Wachse!

Vorwort

Die Frauen von heute sehen sich einer uneingestandenen Epidemie hormoneller Schwankungen gegenüber. Dauerstress, das Bild der „Superfrau“ und Fehlinformationen über Hormone haben zu einer voll ausgeprägten Krise geführt. Es werden uns Radikaldiäten angeboten, Schlafmittel oder Medikamente gegen Angstzustände. Heute wird in den Vereinigten Staaten jeder vierten Frau ein Psychopharmakon verschrieben; den meisten ab einem Alter von vierzig Jahren. Die Ärzte vermitteln uns den Eindruck, das sei eben so, wenn man älter wird – ja, es sei ganz normal, sich müde, voller Sorgen und Ängste, nicht mehr begehrenswert und launisch zu fühlen.

Aber das ist nicht wahr. Es ist alles andere als normal.

Wenn Sie dieses Buch lesen, sind Sie höchstwahrscheinlich eine dieser leidenden Frauen. Sie haben vielleicht mit Launenhaftigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, Benommenheit, Übergewicht oder einem schwindenden Interesse am Liebesleben zu kämpfen. Oder Sie haben vielleicht einfach nur das Gefühl, dass Sie nicht mehr so sind wie früher. Sie sollten wissen, dass man auch anders leben kann: Man kann sich wunderbar fühlen, vital und aus ganzer Seele zufrieden sein. Und ich will Ihnen zeigen, dass Sie ein außergewöhnliches Leben führen und dass Sie sich großartig fühlen können – ganz gleichgültig, wie alt Sie sind, auch wenn das unvorstellbar klingt.

Ich durfte schon vielen Frauen helfen, ihre hormonellen Probleme mit einfachen, aber hochwirksamen Techniken zu überwinden. Die gute Nachricht daran ist: Es ist tatsächlich einfacher, Ihre Hormone wieder ins Gleichgewicht zu bringen, als mit der Qual hormoneller Schwankungen zu leben. Es ist tatsächlich völlig realistisch, sich im mittleren Alter besser zu fühlen als in den Zwanzigern, als Sie noch ein Muster hormoneller Perfektion waren. Ich gehe den Weg mit Ihnen. Sie müssen nicht länger vom medizinischen System enttäuscht sein – und Sie brauchen sich mit nichts Geringerem zufriedenzugeben als dem Gefühl totaler Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Egal wie alt Sie sind: Bevor Sie in die mittleren Jahre kommen, wenn Sie sie gerade erleben und wenn Sie sie bereits überschritten haben.

Noch nicht überzeugt? Fangen wir mit einem Beispiel aus dem wirklichen Leben an. Als Diane im Alter von 46 Jahren zum ersten Mal in meine Praxis für integrative Medizin kam, hatte sie Übergewicht und trank jeden Abend zwei Gläser Wein, um mit ihren spannungsgeladenen Emotionen, ihrem Karussell fahrenden Hormonsystem und den ehelichen Konflikten zurechtzukommen. Sie hatte in den sechs Monaten davor fast zehn Kilo zugenommen. Sie sei immer gelaufen, erzählte sie, aber jetzt fühle sie sich nach dem Training ausgelaugt und nicht strotzend vor Wohlfühl-Endorphinen wie früher. Sie fror oft, ihr Haar fiel büschelweise aus und sie war äußerst reizbar. Und die Libido, die Lust aufs Liebesleben? Auf einer Skala von 1 bis 10 (wobei zehn für Sex der Superklasse stand), bewertete sie sich mit einer 1.

„Ich fühle mich, als sei ich nicht mehr Herrin meines Körpers“, bekannte Diane, zog ihren langen Rock über dem umfangreichen Bauch und den Beinen zurecht und fügte hinzu: „Ich bete mir ständig vor, welche Erwartungen ich nicht mehr erfülle: Ich bin nicht begehrenswert, ich bin nicht fit, ich bin keine gute Mutter. Mit mir macht alles kein Spaß mehr.“ Sie hatte sich mit der Bitte um Hilfe an ihren Gynäkologen gewandt, und er riet ihr, weniger zu essen und mehr Sport zu treiben. Im Laufe unseres Gesprächs konnte ich mir ein Bild von ihren Symptomen und ihrer gesamten Lebensweise machen. Ich vermutete, dass Diane einen hohen Cortisolspiegel hatte. Wir untersuchten den Wert dieses Stresshormons und landeten einen Volltreffer: Es stellte sich heraus, dass Diane nicht verrückt war. Sie musste sich nicht abfinden mit der sogenannten „neuen Normalität“, mit dem Ende ihres Liebeslebens, mit dem Rettungsring um ihren Bauch oder mit der Tatsache, dass sie nach dem Abendessen wie tot ins Bett fiel.

Gemeinsam arbeiteten wir ein Schema für ihren neuen Lebensstil und die entsprechenden Nahrungsergänzungen aus, um ihren Stoffwechsel auf Touren zu bringen, ihrem Glück auf die Sprünge zu helfen und um ihr zu zeigen, wann es wichtig war, eine Pause einzulegen. Auf der Grundlage des Gottfried-Programms – meiner integrativen Schritt-für-Schritt-Methode zum hormonellen Gleichgewicht –, schlug Diane einen neuen Weg in der Ernährung ein (sie ernährte sich drei Monate lang gluten- und zuckerfrei) und machte gezielt Sport, der ihren Cortisolspiegel senkte statt ihn zu erhöhen (Studien zeigen, dass Laufen den Cortisolspiegel erhöht). Sie reservierte täglich 15 Minuten für das bewusste Herunterfahren des Stresspegels, in ihrem Fall durch entspannendes Yoga, und wir brachten ihre Hormonschwankungen mit drei Nahrungsergänzungen ins Lot: Fischöl, Phosphatidylserin und Rhodiola (Rosenwurz).

Als ich Diane nach drei Monaten wiedersah, war die Veränderung bemerkenswert. Ihre Energie war klar und fokussiert. Sie hatte ein Funkeln in den Augen. Sie erzählte mir, dass sie mühelos fast zehn Kilo abgenommen hatte und sich in ihrem Körper wieder wohlfühlte. Und in unserem Gespräch von Frau zu Frau beschrieb sie auch, dass ihre Sinnlichkeit zurückgekehrt war und sie ihren Mann, mit dem sie seit zehn Jahren verheiratet war, wieder begehrte.

Sie haben vielleicht nicht dieselben Probleme wie Diane, das soll heißen, Ihre Symptome und Ihre Geschichte mögen unterschiedlich sein, aber das Ziel ist letztlich dasselbe: Es ist möglich, Ihre Hormone neu einzustellen, und es ist möglich, ein zufriedenes und geradezu fantastisches Leben zurückzuerobern – als Individuum und als Frau –, und zwar ohne synthetische Arzneimittel oder teure Therapien. Ihr Weg durch alle Phasen Ihres Lebens und ganz besonders durch die fruchtbaren Jahre und die Zeit vor der Menopause, müssen keine qualvolle Schinderei durch die hormonelle Hölle sein. Durch ein natürliches Ausgleichen der Hormone können dies Jahre sein, in denen Sie Spaß haben und sich lebendig und begehrenswert fühlen. Ihr Körper hat ein Recht auf hormonelle Homöostase – einen Zustand des Gleichgewichts – und er bevorzugt diesen Zustand.

Sie müssen nur wissen, wie Sie ihn erreichen, und Sie müssen bereit sein, sich auf einen anderen Weg einzulassen. Manchmal geht es nur um wenige geringfügige Korrekturen, manchmal ist die Rückkehr zur Homöostase auch mit größeren Veränderungen verbunden. Aber zunächst müssen Sie verstehen, was dahinter steckt. Ich will immer zuerst wissen, wodurch das Ungleichgewicht verursacht wird, und dann stelle ich es systematisch wieder her. Ich habe dieses Buch geschrieben, damit Sie zu einer informierten Expertin und Partnerin bei der Optimierung Ihrer Gesundheit werden, damit Sie Hand in Hand mit Ihrem Arzt arbeiten können (oder ihn manchmal sogar anleiten), um eine positive Veränderung herbeizuführen. Ich leite Sie an, mache Ihnen Mut und sage Ihnen, wie die besten und wirksamsten Methoden anzuwenden sind, die ich in meiner mehr als zwanzigjährigen Praxis optimiert habe, damit wir Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zum Positiven wenden können.

Die Berufung Frauen zu helfen, begleitet mich seit meiner Kindheit. Als ich ein kleines Mädchen war, war meine Urgroßmutter Mud (ein Spitzname der Familie – eine Abkürzung des deutschen Wortes Mutter, der haften blieb) aus Kalifornien zu Besuch bei uns in Maryland. Wir waren eine typisch amerikanische Familie der 1970er, wohnten in einem Vorort, sahen „Drei Engel für Charlie“ im Fernsehen an und wir Kinder aßen natürlich gerne auch mal Süßigkeiten. Mud hatte ganz andere Vorstellungen. Sie kreuzte bei uns auf, ohne die Süßigkeitendose, die die Oma meiner besten Freundin immer mitbrachte, sondern mit Weizenkörnern, Fischöl, Carob-Chips, Weizenkeimen und Meyer-Zitronen (angeblich eine Kreuzung zwischen Zitronen und Mandarinen oder Orangen; Anm. d. Übers.). Es erübrigt sich, zu sagen, dass ich sie für äußerst seltsam hielt.

Doch meine Verwirrung schlug rasch in Neugier um. Mud sah 25 Jahre jünger aus als ihre über siebzigjährigen Altersgenossinnen. Sie war drahtig und forsch und ging aufrecht wie eine Königin, hatte perfekte Zähne und unterhielt uns mit Geschichten über mehrere Ehemänner und Verehrer. Ich sah Mud selten ohne ein Glas warmes Wasser mit frischer Zitrone in der Hand, sie bewegte sich mit einer Vitalität und Anmut, die für ihr Alter ungewöhnlich waren. Sie hatte eine strahlende Haut. Sie mied weißen Zucker, und zwar schon Jahrzehnte, bevor Oprah Winfrey die „Kein-weißes-Zeug-Diät“ zu einem Trend machte. Sie schief buchstäblich auf einem Brett. Jahre vor Lilias, Bikram und Lululemon (Yoga-Gurus) praktizierte Mud Yoga und konnte den Fuß mühelos hinter den Kopf bringen. Beim Essen erzählt sie uns immer: „Ich mag Wein, aber er mag mich nicht.“

Meine exzentrische Urgroßmutter faszinierte mich. Durch das, was sie tat, und durch das, was sie sagte. Es dämmerte mir, dass Ernährung und Lebensweise ein ganzes Universum von Vorbeugung, Heilung und Wiederinstandsetzung darstellten, dass die Antwort auf gesundheitliche Probleme nicht allein in einer Flasche rezeptpflichtiger Pillen zu finden war, dass eine vollwertige Ernährung die Grundlage einer robusten Gesundheit ist, dass regelmäßiger Sport und Meditation den Körper in Bestform halten können.

Als ich zwölf Jahre lang das Wissen brillanter Professoren an den Universitäten von Harvard in Massachusetts und San Francisco in Kalifornien studierte, um Fachärztin für Frauenheilkunde zu werden, war ich immer noch von Muds Gedanken bezüglich der Gesundheit durchdrungen, und sie gaben den Weg vor, wie ich Medizin praktizieren wollte. Ihr Beispiel motivierte mich, den Stress an der Uni mit Yoga zu bewältigen und die Tatsache zu hinterfragen, dass in all den Jahren der Ausbildung dem Thema Ernährung nur ganze 30 Minuten gewidmet worden waren. Mud brachte eine Saat aus, die zu meiner Lebensaufgabe aufging. Mein Entschluss wuchs mit der Strenge meiner schulmedizinischen Ausbildung und ermutigte mich, kreativ zu denken und alles Dogmatische infrage zu stellen.

Mit 96 Jahren tanzte Mud auf meiner Hochzeit. Sie hatte vier Ehemänner überlebt und flirtete mit meinen 60 Jahre jüngeren Kollegen auf dem Tanzparkett. Damals befand ich mich mitten in der Facharztausbildung und arbeitete in einem auf Krankheit und Schmerzen ausgerichteten Gesundheitssystem, in dem alte Menschen im Krankenhaus einen würdelosen Tod sterben mussten. Mud starb mit 97 friedlich im Schlaf, konnte bis zuletzt ohne fremde Hilfe leben und ihren Fuß immer noch in die Nähe des Kopfes bringen.

Obwohl ich eine klassisch schulmedizinisch ausgebildete Ärztin war, fiel mir auf, dass hier irgendetwas ganz fürchterlich falsch lief.

Einerseits bietet das Gesundheitswesen der USA Innovationen und wissenschaftlichen Fortschritt, die ihresgleichen suchen. Andererseits leben in den Vereinigten Staaten die meisten fettleibigen Menschen weltweit: 36 Prozent der Bevölkerung gelten als krankhaft übergewichtig (und weitere 34 Prozent sind „nur“ übergewichtig), was zu gravierenden, kostenintensiven und weitgehend vermeidbaren Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Gallensteinen, Schlaganfällen, Schlaf-Apnoe, Herzkrankheiten und Krebs führt. Es ist ganz klar, dass die gegenwärtige Richtung in der Medizin unsere Gesamtgesundheit nicht verbessert.

Meine Arbeit hat keinen richtigen Namen

Mud habe ich zu verdanken, dass ich lernte, welche Kraft und Bedeutung der Blick hinter die Symptome für die Gesundheit des ganzen Menschen hat, und meiner Ausbildung verdanke ich die systemgestützte Methode, die ich als Bioingenieurin am MIT (Massachusetts Institute of Technology) gelernt habe. Wenn ich mich aus diesem Blickwinkel mit Hormonschwankungen befasse, stelle ich oft fest, dass es für ein Problem nicht nur einen einzelnen Grund gibt. Es stimmt, dass hormonelle Schwankungen eine Folge des Alterns sind. Aber sie können auch durch die Lebensweise und die Ernährung verursacht oder verschlechtert werden.

Mud lehrte mich, den Körper als geschlossenes Ganzes zu betrachten; man nennt es auch holistische Gesundheit. Aber auch das ist nicht die richtige Umschreibung dessen, was ich mache. Die Ärzte Dr. Andrew Weil, Dr. Tieraona Low Dog, Dr. Victoria Maizes und ihre Kollegen der Universität von Arizona machten den Begriff „Integrative Medizin“ populär. Andere bezeichnen das, was ich mache, als funktionelle Medizin. Der neueste Name stammt von Dr. Mark Hyman, er wandte den Begriff 4P-Medizin an: prädiktiv (vorausschauend), partizipatorisch (mitbestimmend), präventiv (vorbeugend) und personalisiert (individualisiert). Meine Arbeit ist inspiriert durch die Pionierleistungen von Dr. Christiane Northrup; manche sagen auch holistische Gynäkologie dazu oder natürliche Hormonbalance, um mir einen Begriff von Dr. Uzzi Reiss auszuborgen. Meine Kolleginnen und Kollegen in Silicon Valley bezeichnen es als Biohacking oder Hobby-Biologie, außerhalb der Beschränkungen des traditionellen universitären Campus und der Industrie. (Mit dem sogenannten Biohacking beschäftigt sich eine Szene von Biohackern – so nennen sie sich selbst –, die mit dem genetischen Code ähnlich spielerisch und kreativ umgehen wie Computerhacker. Es geht um das Verändern von Erbgut, z. B. von Regenwürmern und Pflanzen, nicht in den Universitäten, sondern in Heimlabors in Kellern und Küchen; Anm. d. Übers.)

Eine Zeit lang nannte ich meine Arbeit evidenzbasierte Integration und gelegentlich auch biologische Gynäkologie. Die Wahrheit ist aber, dass offenbar kein Mensch versteht, was all das heißt, und welche Bezeichnung diese neue, systembasierte und integrative Methode in der medizinischen Versorgung nun bestenfalls tragen soll.

Ganz klar ist, dass wir einen totalen Paradigmenwechsel brauchen, mit einem Quantensprung in Richtung Vorsorge, Initiative und auf der Grundlage der Lebensweise. Hierbei liegt die Betonung auf der Rolle und der Verantwortung jedes Einzelnen für seine täglichen Entscheidungen, Gewohnheiten und deren langfristigen Konsequenzen.

Und so verstehe ich all das: Ich arbeite mit den Frauen zusammen und wir bringen Ordnung in ihre durcheinandergeratenen Hormone und in die Transmitterstoffe im Gehirn. Mithilfe von Untersuchungen finden wir heraus, ob einer Frau genügend wichtige Bausteine oder Vorläufersubstanzen zur Verfügung stehen, um die benötigten Transmitterstoffe und Hormone überhaupt zu bilden. Ich halte Muds Vorstellung für einen wertvollen Bezugsrahmen: Wie Sie essen, sich bewegen, welche Nahrungsergänzungen Sie einnehmen und wie Sie denken, bestimmt zum großen Teil, wie Sie sich fühlen. Das sind Entscheidungen, die eine große Macht auf Ihr Leben ausüben – und das heißt nicht, dass Sie künftig auf einem Brett schlafen oder sich bei Yoga-Positionen wie eine Brezel verknoten sollen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie Sie jeden Tag aufgrund Ihrer individuellen hormonellen Verletzlichkeit das Beste für sich tun können.

Die visionären medizinischen Praktiker, die ich erwähnt habe, sind meine Mentoren, und ich schulde ihnen unendlichen Dank. Und doch greifen für mich all diese Begriffe und die damit verbundenen Praktiken zu kurz. Die Hormone sind es, die eine Frau in meine integrative Praxis führt, aber durch das Bündnis, das wir miteinander schließen, schaffen wir etwas Neues. Wir werten ihre hormonelle Situation und die Verbindung mit den Neurotransmittern und der Stimmung aus. Wir sehen uns ihre Beziehungen an und wie zufrieden die Patientin mit ihrer Arbeit ist. Wir nehmen die Ernährung unter die Lupe, die sportliche Betätigung, ihre Art der Meditation (falls sie meditiert), und den Umgang mit Stress (oder fehlenden Umgang). Aus dieser Partnerschaft entsteht etwas völlig anderes: Wiederherstellung, Heilung, Harmonie und Hoffnung.

Nachhaltige Veränderung braucht Zeit, Achtsamkeit und Mutter Natur als Vorbild

Den meisten von uns fällt Veränderung schwer, und im gegenwärtigen, auf Krankheit ausgerichteten Gesundheitsmodell ist der Weg nicht immer gut vorgezeichnet. Wir träumen alle von einer Zauberpille, die alles zum Besseren wendet und uns unsere Jugend zurückbringt. Das eine Extrem ist, dass viele Menschen in den USA sich lieber einer riskanten Operation wie einem Magenbypass unterziehen, anstatt ihren Lebensstil zu ändern. Es gibt zahllose Menschen, die glauben, mit der Einnahme von Tabletten oder einer anderen medizinischen Maßnahme lassen sich ihre Probleme lösen – und alles andere sei reine Zeitverschwendung. Das andere Extrem sind Menschen wie meine Urgroßmutter, die sich unerbittlich für eine robuste Gesundheit einsetzten und allen anderen das Gefühl vermittelten, sie könnten das auch.

Meiner Erfahrung nach positionieren sich die meisten von uns in der Mitte zwischen den beiden Extremen. Wir verändern uns, wenn gleich zu bleiben (gleiches Gewicht, gleiche Stimmung, gleicher Alltagsstress) schmerzhafter ist als die Unbill, die eine Veränderung mit sich bringt. Ich habe herausgefunden (und meine Patientinnen auch), dass es Veränderungen gibt, die sicher, erprobt, wirksam und einfach sind – und sogar Spaß machen.

Die beste Zeit, dauerhafte Gesundheit anzustreben, ist dann, wenn man sich noch nicht mit ärgerlichen und unangenehmen Problemen wie Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen herumschlagen muss und bevor man ein ernsthaftes gesundheitliches Problem wie Depressionen oder Brustkrebs hat. Sorgen Sie jetzt für eine nachhaltige Veränderung, bevor Sie sich krankheitsbedingt in einer Arztpraxis mit einem Rezept für Medikamente oder – schlimmer noch – im Krankenhaus auf dem Weg in den Operationssaal wiederfinden.

Ich hoffe, dieses Buch überzeugt Sie davon, dass Sie etwas unternehmen sollten, um den Ursachen Ihrer Symptome auf den Grund zu gehen. Wenn ja, dann bin ich überzeugt, dass Sie deutliche, sogar dramatische Verbesserungen erleben werden: glückselige und schöpferische Tage, mehr Jahrzehnte, die Sie Ihre besten Jahre nennen können; ein würdevolles, verzögertes Altern, und zwar ohne das neueste aufpolsternde Serum, das Ihnen Ihre Baby-Haut zurückbringen soll; ein entspanntes Verhältnis zu Ihrem Körper, Ihrer Ernährung und Ihrem Gewicht; ein hervorragendes Kurzzeitgedächtnis, erholsamen Schlaf, mehr Begeisterung, mehr Elan und mehr Lebensfreude. Und wer weiß, vielleicht tanzen Sie dann auch auf der Hochzeit Ihrer Urenkelin!

Ihre Sara Gottfried

Berkeley, Kalifornien, 2013

Teil 1

EINLEITUNG:
Warum Hormone so wichtig sind

Ich bin eine Ärztin, die sich mit weiblichen Hormonen beschäftigt. Ich ziehe die bestmöglichen Hinweise heran, um den Hauptursachen hormoneller Schwankungen auf den Grund zu gehen. Dann korrigiere ich diese mithilfe einer wissenschaftlich fundierten Methode. Bei jeder Frau ist der individuelle Hormonbedarf unterschiedlich, und ich werde diesem Bedarf gerecht, indem ich wirksam einsetze, was immer erforderlich ist: Ernährung, Phytotherapeutika, wichtige Vorläufersubstanzen (wesentliche Bestandteile, die für die Bildung von chemischen Stoffen im Gehirn und von Hormonen benötigt werden) wie Aminosäuren und B-Vitamine sowie Methoden, die schon sehr alt sind, und bioidentische Hormone. Ich glaube, dass eine Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und eine geringe Libido keine Krankheiten sind, die mit einer schnellen Spritze oder einem Medikament „geheilt“ werden können. Die meisten dieser Probleme sind durch Diät und Sport alleine nicht dauerhaft zu lösen. Es sind hormonelle Probleme. Damit versucht der Körper, uns mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt. Mit einer methodischen, reproduzierbaren und wissenschaftlich fundierten, schlüssigen Strategie können diese Probleme gelöst werden.

Dafür habe ich ein System konzipiert, das ich das „Gottfried-Programm“ nenne, eine integrative Schritt-für-Schritt-Methode zur Überwindung hormoneller Probleme auf natürliche Weise, bei der die Gestaltung des Lebensstils an allererster Stelle kommt. Sie beruht auf jahrzehntelanger Forschungsarbeit, meinem Medizinstudium in Harvard, meiner eigenen Erfahrung mit Hormonschwankungen und meinem Glauben an wissenschaftlich geprüfte, gut gemachte randomisierte Studien, die meine Empfehlungen stützen, sowie darauf, was ich in vergangenen gut 20 Jahren medizinischer Praxis von meinen Patientinnen gelernt habe. Das Gottfried-Programm arbeitet nur mit wissenschaftlich absolut abgesicherten Nachweisen und hat sich bei Hunderten von Frauen in meiner Praxis bewährt.

Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn immer darauf geachtet, nicht zu viel zu versprechen. Immerhin bin ich Ärztin, Bioingenieurin und Wissenschaftlerin. Medizinisch bin ich eigentlich ziemlich konservativ. Im Gegensatz zu den meisten Büchern über Hormone, die von der alternativ-medizinischen Seite kommen, stützt sich der Ansatz dieses Buches auf den datengesteuerten Ansatz der integrativen Medizin. Da ich jedoch auch Yoga-Lehrerin bin, habe ich natürlich die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Gehirn in das Gottfried-Programm aufgenommen, die belegen, dass sich dauerhafte Veränderungen durch althergebrachte Methoden, zum Beispiel Achtsamkeit und Phytotherapie, bewirken lassen. Ergänzen Sie das nun noch mit den Fakten und Beobachtungen, die ich in mehr als zwei Jahrzehnten durch die Behandlung Tausender von Frauen aus deren Anamnesen und Reaktionen zusammengetragen habe sowie durch die ständige Optimierung unserer Zusammenarbeit. Ich bin zuversichtlich, dass es Ihnen besser gehen wird, dass Sie Ihren Schwung wiedergewinnen und wieder aufblühen werden, wenn Sie sich an die Ratschläge in diesem Buch halten.

Die unfaire Wahrheit

Viele Frauen wissen gar nicht, dass sie sich so schlecht fühlen, weil sie unter Hormonschwankungen leiden. Sie kommen zu mir und sind völlig aufgelöst, klagen über ständige Reizbarkeit, Müdigkeit, geringe Stresstoleranz, unregelmäßige oder schmerzhafte Menstruationszyklen, eine trockene Scheide, einen unbefriedigenden Orgasmus und Libidoverlust. Viele Frauen haben das Gefühl, ihr Körper habe sich gegen sie verschworen. In den Jahren meiner Arbeit in der Klinik sind sie mir alle begegnet: Frauen, die lieber den Boden putzen würden als mit ihrem Mann zu schlafen. Frauen, die in ihrem Job nicht mehr so leistungsfähig sind wie früher und sich Sorgen machen, weil sie nicht mehr klar denken können. Männer, die mich anflehen: „Helfen Sie mir, ich will die Frau wiederhaben, die ich mal geheiratet habe.“ Frauen, die müde, unglücklich und ständig überfordert sind.

Es ist nicht fair, aber es ist eine Tatsache: Frauen sind viel anfälliger für Hormonschwankungen als Männer. Frauen leiden bis zu 15 Mal häufiger an einer Unterfunktion der Schilddrüse als Männer. Laut landesweiter Umfragen fühlen sich Frauen gestresster als Männer: 26 Prozent der Frauen, aber nur 15 Prozent der Männer in den USA nehmen ein Medikament gegen Ängste oder Depressionen ein oder weil sie sich insgesamt überfordert fühlen.

Woher kommt dieser große Unterschied zwischen den Geschlechtern? Ein Grund ist, dass Frauen Kinder bekommen. Eine Schwangerschaft stellt höhere Anforderungen an die endokrinen Drüsen, die Östrogen, Testosteron, Cortisol, Schilddrüsenhormone, Leptin, Wachstumshormone und Insulin freisetzen. Wenn Ihre Organe nicht über entsprechende Reserven verfügen, um den erhöhten Bedarf zu decken, leiden Sie vielleicht darunter; die Funktionseinschränkung eines Organs kann tatsächlich bereits festgestellt werden, bevor sich Symptome zu zeigen beginnen. Es liegt aber nicht nur an der Schwangerschaft, wie sich an den kinderlosen Frauen zeigt, die zu mir in die Praxis kommen. Frauen reagieren ausnehmend empfindlich auf Hormonschwankungen. Und sie sind anfälliger für Stress aufgrund der vielen Rollen, zwischen denen sie ständig hin- und herjonglieren müssen.

Und nun zur Organreserve: Sie ist die jedem Organ innewohnende Fähigkeit, verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden (zum Beispiel mörderischen Zeitplänen, einem Trauma, einer Operation) und die Homöostase, das Gleichgewicht, selbst wieder herzustellen. Mit zunehmendem Alter schwindet diese Reserve: Gesunde junge Menschen haben eine Leistungsreserve, die die Anforderungen um das Zehnfache übersteigt. Wenn die Dreißig überschritten sind, sinkt die Reserve um ein Prozent pro Jahr, sodass sie mit 85 Jahren nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Wertes beträgt.

Die wichtige Organreserve

Die Organreserve ist die Kapazität eines Organs wie der Eierstöcke, der Schilddrüse oder der Leber, über den Grundbedarf hinaus funktionsfähig zu sein. Nehmen wir zum Beispiel die Nebennieren: Man kann die Nebennierenreserve (auf Stress) testen, indem man ein Hormon injiziert und beobachtet, ob die Nebennieren die Sekretion von Cortisol bei Bedarf, zum Beispiel bei einem Notfall, um das Doppelte oder Dreifache steigern können. Ist die Organreserve der Nebennieren gering, steigt der Cortisolspiegel wahrscheinlich nicht so hoch an, wie es nötig wäre. Die Sekretion ist erschöpft und subnormal. Einen ähnlichen Test kann man auch bei der Schilddrüse machen.

Sie werden feststellen, dass Ihre Organreserve voll ist, wenn Sie schwanger werden, und Ihre hormonelle Achterbahn nach der Geburt wird wahrscheinlich ein wenig sanfter ausfallen. Mit zunehmendem Alter gilt das gleiche: Ihr Körper steckt die alltäglichen Stressoren leichter weg. Ein beschleunigtes Altern geht jedoch mit einer niedrigen Organreserve und Hormonschwankungen einher.

Fazit: Die Organreserve ist ein ganz wesentlicher Aspekt für ein langes Leben – je mehr Sie für den Schutz und die Zunahme Ihrer funktionellen Kapazität tun, desto besser können Sie nach Stresssituationen wie Krankheiten, Umweltgiften und Verletzungen wieder auf die Beine kommen.

Der hormonelle Regelkreis

Unsere Nahrungsmittel, die Umwelt, die innere Einstellung, das Altern, der Stress, die Genetik, ja selbst die Chemikalien in unserer Kleidung und in der Matratze können unseren Hormonspiegel beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Einfluss ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Hormone. Sie erinnern sich an Diane? Ihr Problem lag im hohen Cortisolspiegel, denn dieser blockierte die Funktion anderer Schlüsselhormone: die Schilddrüsenhormone – die „Königin des Stoffwechsels“ – und das Progesteron, das wichtigste beruhigende Hormon, das auch das Gehirn der Frau besänftigt. Wenn Sie gleich mehrere Hormone auf einmal ins Visier nehmen – die der Nebennieren, der Schilddrüse und die Geschlechtshormone – erzielen Sie bessere Ergebnisse. Viele dieser Ursachen, zum Beispiel die wichtige Rolle des Stresshormons Cortisol in Dianes Fall, werden von der heutigen Schulmedizin einfach übersehen. Sucht man nach Gründen, warum jemand schneller altert, stehen hormonelle Probleme ganz oben, wenn nämlich die für den Muskel- und Knochenaufbau verantwortlichen Hormonspiegel schneller sinken als diejenigen, die Gewebe für die Energieproduktion abbauen. Das Ergebnis: In unseren Zellen findet mehr Verschleiß und weniger Reparatur statt, wir fühlen uns älter und sehen auch älter aus als wir wirklich sind. Das Ziel ist, dass Abbau und Reparatur sich die Waage halten oder noch besser, dass mehr repariert als abgebaut wird.

Unbehandelte Hormonschwankungen können schwerwiegende Konsequenzen haben, dazu gehören Osteoporose, Übergewicht und Brustkrebs. Es ist einfach wichtig, die Hormone des Körpers auf den jeweils optimalen Spiegel einzustellen, und das bezieht sich nicht nur auf jedes einzelne, sondern vor allem auch auf das Verhältnis der Hormone zueinander.

Meine eigene Hormon-Geschichte

Ich war schon über Dreißig, arbeitete bei einer Gesundheitsorganisation (Health Maintenance Organisation, HMO) und bereitete die Eröffnung einer Praxis für integrative Medizin vor. Mein Mann war viel auf Reisen (er ist ein grüner Visionär, der den World Green Building Council, die Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, gründete). Ich hatte zwei kleine Kinder und musste eine Hypothek abbezahlen. Und als wäre das nicht schon stressig genug, vermieste mir mein monatliches prämenstruelles Syndrom (PMS) auch noch das Leben. In der Woche vor der Periode litt ich unter Nachtschweiß, der mir den Schlaf raubte. Meine starken, schmerzhaften Menstruationen kamen alle 22 bis 23 Tage und zusammen mit dem PMS ging es mir immer nur eine Woche im Monat einigermaßen gut. Meine Energie war im Keller, meine Libido existierte überhaupt nicht mehr und meine Laune war alles andere als rosig. Sie können sich sicher vorstellen, dass das eine wirklich schreckliche Erfahrung war und meine ganze Familie darunter litt.

Ich war zu jung dafür, dass es mir so schlecht ging. Antidepressiva schienen mir nicht die richtige Lösung zu sein. Ich wollte mich nicht noch weiter herunterdimmen oder mein Leben komplett auf stumm schalten. Ich wollte einfach nur lebendiger und energiegeladener sein.

Und doch war ich ein Glückspilz, denn aufgrund meiner medizinischen Ausbildung wusste ich, was ich zu tun hatte. Ich stellte eine Hypothese auf: Meine Hormone waren aus dem Gleichgewicht geraten. Im Studium hatte man mir beigebracht, dass die Bestimmung von Hormonspiegeln reine Zeit- und Geldverschwendung sei, da sie zu sehr schwanken. Doch als ich darüber nachdachte, wie wir die Werte von Östrogen, Progesteron, Schilddrüsenhormonen und Testosteron beobachten, wenn Frauen schwanger werden möchten oder im Frühstadium der Schwangerschaft sind, fragte ich mich, warum diese Angaben in der einen Situation wichtige Hinweise auf die Gesundheit liefern sollten, in der anderen aber plötzlich nicht mehr. Wäre der Hormonspiegel nach meinen Schwangerschaften nicht ein ebenso zuverlässiger Indikator für meine Gesundheit wie davor? Also nahm ich mir etwas Blut ab und testete den Serumspiegel der Schilddrüsenhormone, der Geschlechtshormone einschließlich Östrogen, Progesteron und Cortisol, des wichtigsten Stresshormons. Und ich entdeckte, was auch das Los Millionen anderer Frauen ist: Mein Hormonspiegel war alles andere als normal. Ich war eine erschöpfte junge Mutter, eine gestresste Ehefrau und eine viel beschäftigte Ärztin mit massiven Hormonschwankungen.

Auch wenn uns in den Heiligen Hallen von Harvard nichts über Ernährung und Lebensstil vermittelt worden war, hatte ich dort zumindest gelernt, ein Problem systematisch anzugehen. Man hatte mir beigebracht, wie ich Anzeichen zu beurteilen hatte und ich hatte gelernt, dogmatischen Ansätzen zu misstrauen. Doch anstatt die Symptome meiner hormonellen Probleme zu kaschieren, wie es mir ebenfalls beigebracht worden war (in der Regel durch die Antibabypille oder ein Antidepressivum), wollte ich die Ursachen finden. Ich wollte aufdecken, was nicht in Ordnung war, und ich wollte wissen, warum das so war. Da ich mit PMS, ständigem Stress, Aufmerksamkeitsproblemen, unregelmäßiger Nahrungsaufnahme und einem beschleunigten Alterungsprozess zu kämpfen hatte, entwickelte ich allmählich eine progressive, schrittweise, durch die Lebensweise bestimmte Methode, um meine Hormonschwankungen auf natürliche Wiese, das heißt, ohne verschreibungspflichtige Medikamente, zu behandeln.

Schließlich wurde ich in Bezug auf Fischöl, Vitamin D sowie wichtigen Hormonvorläufern und Neurotransmittern (einschließlich 5-HTP, einem Vorläufer des Serotonins, einem der „Wohlfühl“-Neurotransmitter, das heißt chemischen Botenstoffen im Gehirn) richtiggehend orthodox. Zum ersten Mal in meinem Leben tat ich treu und brav genau das, was ich meinen Patientinnen immer „predigte“: Ich aß täglich sieben bis neun Portionen frisches Obst und Gemüse. Ich hörte auf, wie verrückt Sport zu treiben, weil ich zwanghaft versuchte, Kalorien zu verbrennen, und setzte die sportliche Betätigung jetzt klüger ein. Ich begann, regelmäßig zu meditieren. Ich nahm etwa 11 kg ab. Ich war glücklicher. Ich schrie die Kinder nicht mehr so viel an. Ich konnte verlegte Schlüssel wiederfinden. Meine Energie besserte sich enorm. Ich war sogar wieder an Sex interessiert. Und ich wusste, ich war einer Sache auf der Spur.

Ein Wort zum Nachweis

Vor nicht allzu langer Zeit brachte die New York Times einen Artikel über Frauen, die sich selbst das Schwangerschaftshormon hCG spritzen, um abzunehmen. Als Gynäkologin und als Frau weiß ich sehr wohl von Menschen, die versuchen, sich schlank zu spritzen. Aber ich war fassungslos, dass der Wahn einen Siedepunkt erreicht hatte – dass Frauen bereit waren, Tausende von Dollar für eine „Behandlung“ von Symptomen mit einem „Schuss“ Schwangerschaftshormon hinzublättern, bei denen es sich in Wahrheit um Hormonschwankungen, emotional aufgeladenes Essverhalten und Ernährungslücken handelt. Meiner bescheidenen medizinischen Meinung nach ist das völlig aberwitzig.

Ich habe mich intensiv mit der Literatur über das humane Choriongonadotropin (hCG) beschäftigt. In zwölf randomisierten Forschungsstudien seit 1954 zeigt hCG nachweislich keinen Abnehmeffekt. Schlimm genug, dass sich die Vorteile, mithilfe von hCG-Spritzen abzunehmen, als haltlos erwiesen, ist es überdies wirklich erschreckend, dass es keine Studien gibt, die garantieren, dass das Injizieren des Hormons zu diesem Zweck risikolos ist. Und dennoch gibt es eine erhebliche Anzahl von Frauen, die es damit versuchen.

Der Nachweis zählt. An der Uni hat man mir beigebracht, Frauen über 40, die über Nachtschweiß, Schlaflosigkeit, Angstzustände und/oder Depressionen klagen, ein einschlägiges Kombinationspräparat aus Östrogenen und Gestagen zu verschreiben. Diese Östrogene haben nichts mit denen zu tun, die ihr Körper selbst bildet, sie stammen aus dem Urin trächtiger Stuten, und Progestin, eine künstliche Abart von Progesteron, kann Depressionen verursachen. (In Deutschland und Europa werden ebenfalls solche Präparate, wenn auch inzwischen in der geringst möglichen Dosierung und für die kürzest mögliche Zeit in der konventionellen Hormonersatztherapie verwendet; Anm. d. Übers.). Die Schulmedizin behauptete, dies sei das „Wunder-Gespann“ der Hormonersatz-Therapie, denn es hatte in Beobachtungsstudien wie der als Nurses‘ Health Study (zu Deutsch etwa: „Studie zur Gesundheit von Krankenschwestern“) bekannt gewordenen Untersuchung nachweislich die Rate der Herzerkrankungen verringert.

Beobachtungsstudien halte ich aber nicht gerade für die beste Art des Nachweises, denn die Informationen stammen von Menschen, die bereits ein Medikament einnehmen, und nicht von Probanden, die dafür zufällig ausgewählt werden und es in einem kontrollierten Umfeld einnehmen, zusammen mit einer weiteren, ebenfalls zufällig ausgewählten Gruppe, einer sogenannten Kontrollgruppe, deren Teilnehmer stattdessen ein Placebo bekommen. Der beste Nachweis besteht meiner Ansicht nach in der randomisierten placebokontrollierten Studie, die gut konzipiert und deren Fallzahl groß genug ist, um die Wirkung zu zeigen – wenn es eine gibt –, und der Nutzen sich idealerweise in mehr als einer Studie reproduzieren lässt. (Wenn drei randomisierte Studien mit denselben Ergebnissen aufwarten, führe ich einen Jubeltanz auf).

Als schließlich 1999 randomisierte placebokontrollierte Studien zu dem weiter oben erwähnten Medikament stattfanden, zeigten die Ergebnisse, dass es zu mehr Herzerkrankungen führte. Im Jahr 2002 wurde dies durch eine weitere langandauernde randomisierte Studie, die Women’s Health Initiative (zu Deutsch etwa: „Initiative für die Gesundheit der Frau“), bestätigt. Da kam es plötzlich zum großen Erwachen: 57 Jahre lang hatte die schulmedizinische Ärzteschaft Frauen künstliche Hormone verschrieben, bevor sie überhaupt eine Ahnung davon hatte, wie diese sich wirklich auf deren Gesundheit auswirken. Wie Tausende anderer Geburtshelfer, Gynäkologen, Internisten und Hausärzte hatte auch ich die falschen Ratschläge unter die Frauen gebracht. Für mich war das ein dramatischer Wendepunkt der Ereignisse: Ich musste meinen Glauben an den „besten Nachweis“ mit der Tatsache in Einklang bringen, dass die Methode des besten Nachweises weder gelehrt, noch von den meisten Ärztinnen und Ärzten in den USA praktiziert wurde. Die Wahrheit ist, dass die meisten Verschreibungen bei Hormonproblemen nicht von exakter Wissenschaft gestützt und dass die Kriterien für den besten Nachweis nicht einheitlich angewandt werden. Diese Erfahrung lehrte mich, der Hormontherapie mit wesentlich größerer Skepsis zu begegnen und den besten Nachweis zu verlangen, bevor ich überhaupt ein Hormon verschreibe. Ohnehin gilt es, zuerst einmal Veränderungen im Lebensstil herbeizuführen. In meiner Praxis empfehle ich manchmal als allerletzte Option eine Hormontherapie in der kleinsten und dennoch wirksamsten Dosierung für den kürzestmöglichen Zeitraum wie Sie in den Kapiteln 4 bis 9 sehen werden.

Seit 2002 haben 80 Prozent der Frauen ihre Hormontherapie abgebrochen. Doch der Schaden war schon angerichtet – die Frauen bekamen Angst und wurden gegenüber dieser Therapie und den Ärzten, die sie dazu drängten, misstrauisch. Das war aus mehreren Gründen von großem Nachteil: Erstens gab es für die Frauen sehr viel weniger Möglichkeiten, um mit dem hormonellen Chaos in den Wechseljahren fertig zu werden; zweitens vereinfachten und verzerrten die Medien die Ergebnisse zu sehr – für die Erörterung von Nuancierungen in den Daten und inwieweit sie auf eine Untergruppe von älteren Frauen (ab 66 Jahre) zutrafen, gab es wenig Raum; drittens, ein paar faule Eier (künstliche Hormone) ruinierten den Ruf aller Hormone, der künstlichen wie der natürlichen oder bioidentischen; und viertens, kein Gesprächsstoff polarisierte mehr als der über Hormone. Die Einschränkung von Wahlmöglichkeiten ist niemals gut, vor allem nicht für eine Frau im mittleren Alter, die sich durch Schlaf- und Progesteronmangel fühlt, als wäre sie leicht bis mittelgradig verrückt.

Die Kurzversion: Randomisierte placebokontrollierte Studien liefern bessere Daten. Das kann ich stichhaltig nachweisen, und zwar aufgrund wissenschaftlicher Erhebungen von bester Qualität, einschließlich validierter Fragebögen und randomisierter placebokontrollierter Studien – und ich kann es kaum erwarten, sie Ihnen zu präsentieren. Selbst heute werden nur 15 Prozent der in der Schulmedizin verschriebenen Arzneimittel durch solche Studien gestützt. In meiner Praxis basieren darauf 85 Prozent der Empfehlungen – und die restlichen 15 Prozent bergen ein hinreichend geringes Risiko (wie Vitamine oder eine Veränderung der Denkweise), sodass Probleme durch sie wahrscheinlich nicht zu erwarten sind.

Ein neues Paradigma

Die Schulmedizin ist großartig bei Knochenbrüchen und wirkt wahre Wunder, wenn es um eine lebensbedrohliche bakterielle Infektion oder um einen Herzinfarkt geht. Doch es ist uns etwas abhandengekommen, als wir immer technischer, spezialisierter und geradezu zu einer Gesundheitsindustrie geworden sind. In den Vereinigten Staaten dauert der durchschnittliche Termin beim Arzt sieben Minuten. Man stelle sich vor: Sieben Minuten. Ich denke aber, die gesundheitlichen Probleme von Frauen, ihr Lebensstil und ihre Symptome sind sehr komplex und man braucht Zeit, um sie zu entschlüsseln. Daher dauert ein Termin in meiner Praxis mindestens 50 Minuten.

Vielleicht wissen Sie ja, dass das Problem in der amerikanischen Schuldmedizin nicht daher kommt, dass zu wenig ausgegeben wird. Das Gesundheitswesen der USA verschlingt 2,5 Billionen Dollar im Jahr – Tendenz weiter steigend. Doch 70 Prozent der Kosten entfallen auf Diagnoseverfahren und Behandlungen, die durch eine gesündere Lebensweise vermieden werden könnten. Die US-Bevölkerung leidet zunehmend unter Hormonschwankungen und Übergewicht, und das Grundübel liegt in unserer Ernährung, in der Art, wie wir uns bewegen (oder nicht), dem Mangel an Nährstoffen, altersbedingten Veränderungen und in zunehmendem Maße in der Freisetzung hormonell wirksamer Umweltgifte, den sogenannten endokrinen Disruptoren. Doch bisher hört man aus schulmedizinischen Kreisen so gut wie nichts von einem Ansatz, der den Lebensstil zur Grundlage macht; er wird von ihnen vollkommen unterschätzt. Das ist ganz besonders schockierend, wenn man die Forschung anschaut und feststellt, wie sich allein eine entsprechende Lebensgestaltung auf die Hormone, die Stimmung, ein langes Leben, stressbedingte Probleme und die Krankheitsvorbeugung auswirkt.

Die meisten Verordnungen haben mit „Heilung“ nichts zu tun. Meiner Ansicht nach haben die meisten Schulmediziner keine Ahnung, was Hormone körperlich und psychisch bei einer Frau anrichten können; die Auswirkungen dieser Schwankungen haben sie nicht auf dem Schirm. Sie tendieren zur Ausstellung eines Rezepts – allzu oft für das gerade gängige Antidepressivum. Antidepressiva können nicht nur zu Gewichtszunahme, Schlaganfällen, geringer Libido, vorzeitigen Wehen und Krämpfen beim Neugeborenen führen, nach neuester Datenlage werden sie auch mit Brust- und Ovarialkrebs in Verbindung gebracht. Und als ob diese Nebenwirkungen nicht schon schlimm genug wären, sehe ich auch keinen Hinweis darauf, dass die Verordnung von Medikamenten bei psychiatrischen Erkrankungen zur Heilung führt. Ohne Frage, solche Medikamente haben ihre Zeit und ihren Platz im Gesundheitswesen, und manche Menschen sind dringend darauf angewiesen. Doch ich bin der Meinung, dass Rezepte für Psychopharmaka zu schnell ausgestellt werden, wenn die zugrunde liegende Ursache und die ganzen zusätzlichen Faktoren wie hormonelle Schwankungen noch gar nicht ganz aufgedeckt wurden. Durch eine Heilung wird die Gesundheit wiederhergestellt, doch die meisten Verordnungen führen nicht zur Heilung – sie kaschieren lediglich die Symptome. Wenn Sie sich um die eigentlichen Ursachen einer schlechten Gesundheit und eines neuroendokrinen Ungleichgewichts kümmern, dann sind Sie einer Heilung viel näher, als wenn Sie eine ganze Flasche teurer Pillen geschluckt haben.

Es muss einen besseren Weg geben. Vor zehn Jahren, als ich mich noch in den Niederungen der Schulmedizin bewegte, bevor ich meine Praxis für integrative Medizin eröffnete, wurde mir klar, dass es einen besseren Weg geben musste, um die Lücken zu schließen, zwischen die die Frauen geraten – bei unsere Bemühungen und dem, was die Schulmedizin zu bieten hat. Dabei entdeckte ich die wichtigste Lücke: die Funktion der Nebennieren. Das sind die kleinen endokrinen Drüsen, die wie Kappen oben auf den Nieren sitzen und mehrere Stresshormone, unter anderem Cortisol und DHEA (Dehydroepiandrosteron) ausschütten. Während des Studiums lernte ich etwas über Tumoren an den Nebennieren und was zu tun ist, wenn ein Patient an einem extremen Cortisolüberschuss (Cushing-Syndrom) oder einem totalen Nebennierenversagen (Morbus Addison) leidet. Ich war dafür ausgebildet worden, um im Nachhinein zu identifizieren, was geschehen ist, aber nicht für das Aufspüren der frühen und leisen Anzeichen einer heraufziehenden Erkrankung. Ihre Nebennieren sind vielleicht die wichtigsten Organe, deren Gesundheit wir fördern müssen.

Sie sehen, in der Schulmedizin tendiert man zum Schwarz-weiß-Denken. Entweder Ihre Leber funktioniert oder Sie haben eine Lebererkrankung. Entweder Ihre Schilddrüse funktioniert oder Sie haben eine Schilddrüseninsuffizienz. Entweder Ihre Nebennieren funktionieren oder Sie haben ein Nebennierenversagen. Es gibt keine Graustufen. In Wahrheit leben wir aber mehrheitlich in einem weiten Bereich zwischen diesen beiden Extremen, die ich Fehlfunktion oder Fehlregulation nenne. Ich glaube, es lohnt sich nicht nur, Sie sind sogar letztendlich selbst dafür verantwortlich (mithilfe eines zuverlässigen Arztes), einzugreifen – und zwar bevor Ihre Organe erkranken. Eine Intervention vor dem Versagen, vor der Insuffizienz, trägt nachweislich zu bleibender Gesundheit und einem längeren Leben bei.

Wie könnte die Schulmedizin von den althergebrachten Traditionen profitieren? Die Schulmedizin richtet ihren Blick tendenziell eher auf das, was nicht funktioniert, als auf das, was funktioniert. Schulmediziner sind darin ausgebildet, zu reparieren, was im Körper kaputt ist; sie konzentrieren sich auf das Entfernen des Schlechten, ob das nun ein erkrankter Blinddarm ist oder Krebszellen. Manchmal wird die alleinige Konzentration auf das „Reparieren des Schlechten“ zu einem kontraproduktiven Kreislauf, in dem wir nur das sehen, was nicht funktioniert. Wenn wir unseren Blick ein wenig weiten, um auch zu sehen, was funktioniert, können wir begreifen, wie man sich am besten um das Gute kümmert und dabei die positive Wirkung verstärkt. Dieses erweiterte Blickfeld ermöglicht es uns, klüger zu arbeiten anstatt schwerer. Wenn wir unseren Stärken zum Durchbruch verhelfen, anstatt uns auf unsere Schwächen zu konzentrieren, gelingt uns die tief greifendste und nachhaltigste Veränderung. Dieser auf den Stärken beruhende Ansatz wird maßgeblich von der Forschung gestützt.

Das Paretoprinzip für Hormone. Ich habe in meiner Praxis beobachtet, dass Sie mit nur 20 Prozent Anstrengung satte 80 Prozent Ihres Hormongleichgewichts wiederherstellen. Dies ist die Anwendung des sogenannten Paretoprinzips oder der 80/20-Regel: Die generelle Auffassung, dass 20 Prozent der Anstrengung für 80 Prozent der Ergebnisse verantwortlich sind. In meiner Praxis zieht die 80/20-Regel unweigerlich eine grundlegende Frage nach sich: Wie können Sie sich Ihre Ressourcen am besten zunutze machen, um Ihre Hormone zu optimieren? Anstatt willkürlich nach jeder möglichen Ursache für ein neurohormonelles Problem zu suchen, finden wir zuerst heraus, welche geringfügigen Veränderungen die größte Auswirkung haben.

Viele Frauen kommen in meine Praxis und suchen nach Antworten, von denen sie intuitiv wissen, dass es sie gibt, aber innerhalb des begrenzten Spielraums der Schulmedizin offenbar nicht zu finden sind. Sie kommen auf mich durch eine Empfehlung ihrer verblüfften Gynäkologin oder ihres Gynäkologen; durch eine Freundin, die fast 14 Kilo abnahm, als sie sich nach meinen Plänen richtete; durch ein Interview, das ich im Rundfunk gab oder eine Rede, die ich hielt, oder durch mein Internetblog auf www.saragottfriedmd.com; oder am Ende einer verzweifelten Suche nach Informationen im Internet, was sie tun können, um wieder Spaß am Liebesleben zu haben. Sind wir ins Gespräch gekommen, berichten sie oft voller Erstaunen von einem Aha-Erlebnis: Sie haben endlich eine Partnerin in Sachen Gesundheit gefunden, jemanden, der wirklich zuhört und ihnen sichere und erprobte Möglichkeiten aufzeigt.

Nutzen Sie dieses Buch als persönliche „Sprechstunde“ bei mir, um Ihre hormonelle DNA zu entschlüsseln, damit es Ihnen großartig geht und sich das auch im Aussehen ausdrückt, damit Sie den degenerativen Alterungsprozess entschieden verhindern und Ihre mittleren Lebensjahre schwungvoll gestalten können, egal, in welchem Alter Sie gerade sind. Wir werden eine neue hormonelle Landkarte für Sie kreieren, nur für Sie ganz allein.

Frauen suchen verzweifelt nach Antworten

Vor Kurzem arbeitete ich mit einer Soziologie-Professorin wegen einer Umfrage unter meinen Klientinnen zusammen: 26 Prozent der Befragten waren jünger als 40,57 Prozent waren zwischen 40 und 54 Jahre alt und 17 Prozent waren 55 und älter.

Hier sind unsere Ergebnisse:

– 64 Prozent kämpfen mit Speckfalten am Bauch („Rettungsringe“).

– 40 Prozent leiden unter Haarausfall.

– 50 Prozent haben das Gefühl, dass sie von einer Arbeit zur nächsten hasten (wie ein aufgescheuchtes Huhn).

– 80 Prozent haben mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme, 20 Prozent jede Nacht.

– Mehr als die Hälfte hat das Gefühl, dass der Tag nicht ausreicht, um all die Dinge zu erledigen, die erledigt werden müssen.

– 48 Prozent haben Kopfschmerzen, entweder im Rahmen der Menstruation oder unabhängig vom Zyklus.

– 48 Prozent haben Hautprobleme, von Ekzemen bis zum Dünnerwerden der Haut oder vorzeitiger Hautalterung.

– Mehr als die Hälfte der Frauen fühlten sich an mindestens drei oder mehr Tagen in der vorangegangenen Woche antriebslos.

– 37 Prozent leiden unter Scheidentrockenheit (atrophische Vaginitis).

– 9 Prozent haben erhöhten Blutdruck.

Damit ist es aber nicht genug. Viele meiner Klientinnen streben bestimme Ergebnisse an, zu denen ihnen die Schulmedizin aber nicht verhelfen kann: 91 Prozent wünschen sich mehr Energie, 80 Prozent mehr Lust auf das Liebesleben, 69 Prozent eine bessere Stimmung und 26 Prozent sehnen das Ende ihrer Hitzewallungen oder der nächtlichen Schweißausbrüche herbei.

Die Angaben zeigen auf, was moderne Frauen quält. Es geht den Frauen wahrlich nicht nur darum, gut auszusehen. Sie wollen sich innerlich und äußerlich gut fühlen. Ich stelle in meiner Praxis fest, dass viele Frauen zunächst einmal glauben, nur ein Rezept für ein Medikament könne ihnen helfen, alles andere sei reine Zeitverschwendung. Bei Erwähnung des Wortes „ganzheitlich“ suchen sie das Weite. Aber ich bitte Sie eindringlich, zu bleiben. Sie (und Ihre Familie) werden letzten Endes froh darüber sein.

Meine Gedankenkarte: Die Grundlagen des Hormonausgleichs

– Die dem Körper innewohnende Weisheit anerkennen: Die natürliche Ordnung, insbesondere, was die Steuerung des Hormonstoffwechsels betrifft, ist auf Gleichgewicht ausgerichtet. Wenn wir Hindernisse aus dem Weg räumen, bewegen wir uns auf dieses Gleichgewicht zu. Dabei geht es oft eher darum, die Hindernisse zu erkennen und sie aus dem Weg zu räumen, und weniger darum, Medikamente zu verschreiben. Zu lernen, was die Hindernisse für einen bedeuten und wie man sie bearbeitet – das macht einen wesentlichen Teil des Heilungsprozesses aus.

– Die Ursachen des Ungleichgewichts identifizieren: Eine nachhaltige Gesundheit ist das Ergebnis einer Behandlung der Ursachen und nicht einer Unterdrückung der Symptome.

– In Bezug auf den Hormonersatz systemorientiert und proaktiv intelligent handeln: Arbeiten Sie lieber mit Ihrem Kontrollsystem im Gehirn zusammen, anstatt jedes Hormon zu ersetzen, dessen Spiegel niedrig ist. Richten Sie Ihren Fokus sowohl auf das, was funktioniert, als auch auf das, was nicht funktioniert.

– Keinen Schaden anrichten: Zieht man die besten Nachweise heran, auch den Goldstandard der randomisierten Studien, kommt man zu Behandlungen, die nachweislich sicher und wirksam sind.

– Eine aktive Partnerin sein: Stellen Sie sicher, dass Sie bei Ihrem Bemühen um einen ausgeglichenen Hormonhaushalt aktiv eingebunden werden. Je mehr Sie sich als gleichberechtigte Partnerin und Teilnehmerin bei Ihrem Arzt einbringen, desto besser werden Sie die Veränderungen unterstützen, die Sie gemeinsam herbeiführen.

Das Gottfried-Programm

Es ist wissenschaftlich erwiesen: Ihre Gene steuern zwar die biologischen Vorgänge, doch mit einem ziemlich einfachen, Medikamentenfreien „Rezept“ – einer nährstoffreichen Ernährung für fehlende Vorläuferstoffe und Veränderungen im Lebensstil – können Sie dafür sorgen, dass die Gene ständig im „Reparatur“-Modus bleiben. Selbst wenn in Ihrem genetischen Programm die Entwicklung von Depressionen oder Krebs vorgesehen ist, kann die Art, wie Sie essen, sich bewegen und welche Nahrungsergänzungen Sie einnehmen, die Expression – also die Transkription und Übersetzung – Ihres genetischen Codes verändern. Das gerade im Entstehen begriffene Gebiet der Epigenetik untersucht den Einfluss aus der Umwelt auf die Genexpression. Beschleunigt durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms stellt die Epigenetik ein faszinierendes Gebiet dar, das Informationen über genetische Modifikationen ohne Veränderung der DNA-Sequenz liefert. Das heißt im Klartext, wie ein Gen, das zum Beispiel für Fettleibigkeit kodiert, dadurch verändert werden kann, dass man stärkearmes Gemüse anstatt Törtchen isst. Sie erfahren im Laufe des Buches noch mehr darüber, wie Sie sich die Epigenetik zunutze machen können, um Ihre genetischen Veranlagungen außer Kraft zu setzen.

Ihre Gene sind nichts weiter als eine Schablone. Mit anderen Worten, Ihr Körper verfügt über eine große Anzahl von Reparatur- und Heilungsmechanismen. Wenn Sie diese „eingebauten“ Mechanismen pflegen und erweitern, können Sie Krankheiten verhindern oder sogar rückgängig machen.

Und das ist die Grundlage des Gottfried-Programms: Ganz egal, um welches Hormonproblem es sich handelt, die Lösung beginnt immer damit, dass Sie Ihre Lebensweise umgestalten – einschließlich eines nährstoffreichen Ernährungsplans, der Feststellung und Ergänzung fehlender Vorläuferstoffe für die korrekte neurohormonelle Kommunikation sowie gezielter sportlicher Betätigung. Die Entwicklung einer entsprechenden Vorgehensweise zur Beurteilung, Unterstützung und Erhaltung des hormonellen Gleichgewichts für mich und meine Klientinnen nahm mehr als zehn Jahre in Anspruch. Ich bestimmte, testete und verfeinerte einen fortschrittlichen, systematischen Ansatz, der reproduzierbar und belegt ist.

Als ich mich mit meinen eigenen Hormonschwankungen befasste, wollte ich die Ursachen aufdecken, ein maßgeschneidertes Reparaturprogramm ausarbeiten und meine Fortschritte verfolgen. Ich schöpfte aus vielen Quellen, auch aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der indischen Medizin (Ayurveda). Im Gottfried-Programm kombiniere ich die neuesten Fortschritte und Spitzentechniken in der Medizin mit den durch die moderne Forschung neu überprüften althergebrachten Behandlungsmethoden.

Die Empfehlungen in diesem Buch beruhen auf diesem evidenzbasierten integrativen Ansatz. Die Strategie in drei Schritten ist ein sequenzielles System, zu diesem gehören

1. die Lebensweise: Ernährung, medizinisch wirksame Lebensmittel, sogenannte Nutrazeutika, und gezielte sportliche Betätigung,

2. phytotherapeutische Maßnahmen sowie

3. bioidentische Hormone.

Für die meisten meiner Empfehlungen brauchen Sie kein Rezept. Frauen, die den ersten Schritt des Gottfried-Programms wirklich ernst nehmen und sich an einen individuellen Ernährungsplan halten, zu dem spezifische Nahrungsergänzungen gehören, die die fehlenden Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren liefern sowie gezielt Sport treiben, stellen fest, dass die meisten ihrer durch die Hormonschwankungen verursachten Symptome verschwinden. Ist das nicht der Fall, machen wir mit dem zweiten Schritt weiter, den bewährten phytotherapeutischen Maßnahmen. In der Folge brauchen nur wenige Frauen noch die bioidentischen Hormone, die im dritten Schritt vorgesehen sind, und sie benötigen oft keine lang anhaltende oder hoch dosierte Therapie, weil im Vorfeld die ersten beiden Schritte bereits zum Tragen kamen.

Manchmal bedarf es nur kleiner Anpassungen, um große Veränderungen herbeizuführen. Ich genieße den Moment, wenn einer Patientin klar wird, dass sie dem befürchteten lebenslänglichen Libidoverlust durch eine spezielle Form der Meditation und einen Maca-Smoothie entgehen kann.

Die Hormonbehandlung

Dieses Buch wird Ihrem Leben eine Wendung zum Guten geben. Ich bin von Natur aus skeptisch, doch ich habe den Nutzen des Gottfried-Programms in meiner eigenen Praxis immer wieder gesehen. Als Frauen sind wir darauf konditioniert, so zu leben, dass unsere Hormone gegen uns arbeiten, und ich möchte Ihnen gerne dabei helfen, Ihre Hormone auf natürliche Weise so anzupassen, dass sie zu Ihren Verbündeten werden. Da ich immer wieder Zeugin werde, wie Frauen gesunden, wenn ihre Hormone wieder im richtigen Verhältnis zueinander stehen, da ich die Ergebnisse und den Wandel dokumentiere, der in ihrem alltäglichen Leben stattfindet, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass das Gottfried-Programm mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg führt als ein Rezept für ein verschreibungspflichtiges Medikament – vor allem, wenn dieses für Ihren Körper eine völlig fremde Substanz ist.

Dieses Buch besteht aus drei Teilen: Teil 1 liefert die Grundelemente. Kapitel 1 beinhaltet mehrere Fragebögen – Checklisten, die Ihnen helfen herauszufinden, welche Hormonschwankungen bei Ihnen hauptsächlich vorliegen. Nach Beantwortung dieser Fragen werden Sie bereits recht genau wissen, ob der Spiegel eines der ins Visier genommenen Hormone erhöht oder zu niedrig ist und welche Kapitel Sie zuerst lesen sollten. In Kapitel 2 finden Sie einen Überblick was Hormone sind, was sie bewirken und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Kapitel 3 beschreibt, ab wann das fein austarierte System aus den Fugen gerät: In der Perimenopause, die normalerweise zwischen 35 und 50 Jahren beginnt (die Menopause setzt in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt mit 51 Jahren ein).

Teil II beschreibt, was Sie über die einzelnen Hormone wissen müssen. Auf der Basis gründlicher Forschung und aufgrund meiner jahrelangen klinischen Erfahrung (und nicht zu vergessen meiner – zum Zeitpunkt, da ich dies schreibe – 45 Lebensjahre in einem weiblichen Körper mit offensichtlich jedem nur erdenklichen hormonellen Symptom), beschreibe ich die häufigen Ursachen spezifischer Hormonschwankungen und was man dagegen tun kann.

Teil III bietet im Anhang wichtige Referenzmaterialien für den hormonellen Ausgleich. Ich habe auch eine Zusammenfassung des Gottfried-Programms nach Ursachen hinzugefügt, ein Glossar der Fachausdrücke, eine Tabelle der in diesem Buch beschriebenen Hormone und ihrer Aufgaben sowie andere nützliche Hinweise und auch den Ernährungsplan, den ich meinen Patientinnen empfehle und nach dem ich mich selbst ebenfalls richte.

Greifen Sie beim Lesen der einzelnen Kapitel immer wieder auf die Fragebögen zu Beginn dieses Buches zurück, sie helfen Ihnen bei der Einschätzung Ihrer Symptome und machen vielleicht sogar Probleme ausfindig, die Sie gar nicht mit Hormonen in Zusammenhang gebracht hätten. Jedes Kapitel konzentriert sich auf ein bestimmtes Hormon: Cortisol, Östrogen, Progesteron, Androgene (einschließlich Testosteron und DHEA) sowie Schilddrüsenhormone. Dabei werden Ihnen auch andere Hormone und ihre Merkmale begegnen, einschließlich Insulin, Pregnenolon, Vitamin D, Leptin und das Wachstumshormon.

Sie werden die Eigenschaften jedes Hormons kennenlernen, seine Aufgaben, wie es Ihnen geht, wenn es ordnungsgemäß bzw. nicht ordnungsgemäß funktioniert, und wodurch das Ungleichgewicht hauptsächlich verursacht sein könnte. Nach einer kurzen Einführung zum jeweiligen Hormon gehen wir auf die wissenschaftlichen Grundlagen ein, und ich erkläre, was in Ihrem Körper geschieht, wenn dieses Hormon aus dem Gleichgewicht gerät. Für manche meiner Patientinnen ist es wichtig, auch die zugrunde liegenden hormonellen Mechanismen zu verstehen, andere kümmern sich nicht darum, Sie möchten nur wissen, was Sie tun können, damit es ihnen jetzt besser geht. In diesem Buch können Sie selbst entscheiden, wie viel Wissenschaft es für Sie sein darf, Sie können diese Passagen also ebenso gut überspringen.

Sobald wir Ihr Hormonproblem bestimmt haben, gilt es, eine Strategie zu finden, nach der Sie handeln können. Hier kommt das Gottfried-Programm ins Spiel; wir arbeiten einen Plan aus – und stochern nicht im Nebel herum. (Ich werde Sie darauf hinweisen, wann Sie einen Arzt aufsuchen müssen.) Und schließlich enthält jedes Kapitel ein paar Fallstudien aus meinen Unterlagen, „echte“ Fälle von „echten“ Patientinnen, damit Sie nicht das Gefühl haben müssen, mit diesen Problemen alleine dazustehen: Symptome, das jeweilige Therapieschema und die Ergebnisse.

Die hormonelle Idealvorstellung

So kann sie aussehen, die Idealvorstellung in Bezug auf den weiblichen Hormonhaushalt: Bei dieser Frau sind alle Hormone in perfektem Gleichgewicht, ihr Energieniveau ist den ganzen Tag über hoch, die Stimmung ist stabil und sie hat keinen Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel. Ihr volles Haar glänzt, die Haut ist makellos, das Gewicht stabil und die Libido ist unverändert gut. Ihre Kolleginnen und Kollegen müssen sich nicht fragen, ob sie mitten in einer großen Konferenz wohl weinen wird oder Hitzewallungen hat. Und wohlmeinende Freundinnen sparen sich den sanften Hinweis, sie könnte doch „mal zu jemanden gehen, zu einer Therapeutin vielleicht?“.

Dieses Buch ist also für die anderen unter uns, für die Frauen, die diese hormonelle Idealvorstellung noch nicht ganz erreicht haben – aber daran arbeiten möchten. Ich glaube, die meisten Frauen wollen besser aussehen, sich besser fühlen und mit mehr Anmut und Eleganz alt werden. Sie möchten zur hormonellen Idealvorstellung werden.

Dieses Buch spricht Frauen jeden Alters an. Ein häufig kolportiertes Märchen ist, dass man sich um die Hormone bis zum Beginn der Wechseljahre überhaupt keine Sorgen zu machen braucht. Doch in Wahrheit beginnen viele Hormonspiegel – wie der des Östrogens und Testosterons – bereits zu sinken, wenn Sie in den Zwanzigern sind. Manche Hormone, wie Cortisol, sind erhöht und stören so wiederum andere Hormone. Für Frauen unter Dreißig mag der Alterungsprozess noch kein Thema sein, aber vielleicht wollen sie ja schwanger werden oder sich die Diagnose Brustkrebs ersparen, die die eigene Mutter gerade erhalten hat.

Diejenigen, die die 30 schon überschritten haben, fühlen sich vielleicht zunehmend nervös und überfordert und brauchen bessere Strategien, um sich entspannen zu können. Sie wollen vielleicht Problemen wie Bluthochdruck, Prädiabetes und einer beschleunigten Alterung vorbeugen, die mit einem chronisch hohen Stressniveau einhergehen. Frauen jenseits der Vierzig oder Fünfzig möchten vielleicht etwas von der Beschwingtheit ihrer Jugend zurückhaben. Vielleicht möchten sie morgens erholt aufwachen, mit einem klaren Kopf, weil sie durchschlafen können. Frauen in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern wollen ihre geistige Leistungs- und ihre Handlungsfähigkeit optimieren – ihr Denkvermögen und ihr Gedächtnis verbessern, um ihre Selbstständigkeit zu erhalten.

Die Hormonkur entstand aus meiner Leidenschaft heraus, Frauen zu helfen. Ich will vermeiden, dass Frauen leiden; ich möchte nicht, dass sie von ihren Ärzten schlecht versorgt und von den Medien fehlinformiert werden, dass sie müde und erschöpft sind und sich schämen. Ich bin keine Zauberin, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, damit Sie wieder 25 sind, und ich glaube auch nicht, dass das das Beste für Sie wäre. Aber ich kann Ihnen etwas zurückgeben, das Sie verloren haben: ein Hormonsystem, in dem alle Hormone im richtigen Verhältnis zueinander vorliegen, Grundvoraussetzung für Klarheit, Zuversicht und ein langes Leben.

Der menschliche Körper ist mit einer angeborenen Reparatur- und Selbstregulationsfähigkeit ausgestattet, doch diese wird oft von Dauerstress, von den Ablenkungen und Störungen des modernen Lebens niedergewalzt. Wenn Sie merken, dass Ihr Körper wieder ein gesundes Gleichgewicht erlangen kann, basierend auf den Erkenntnissen der integrativen Medizin und mithilfe des Gottfried-Programms, dann werden Sie auch feststellen, dass es einfacher ist, dieses Gleichgewicht anzustreben als im Zustand des Ungleichgewichts zu verharren. Fangen Sie heute noch an, sich um Ihre Hormone zu kümmern, und dieser Prozess wird Ihrer Stimmung, Ihrem Gewicht, Ihrer Energie, Ihrer Libido, Ihrem Schlaf und Ihrer Widerstandsfähigkeit in den kommenden Jahrzehnten zugutekommen.

KAPITEL 1
Es geht los: Füllen Sie die Fragebögen aus

Wenn Sie dieses Buch in Händen halten, nehme ich an, dass Sie mit Ihrer Hormonbehandlung beginnen wollen. Die Beantwortung einiger Schlüsselfragen ist der erste Schritt. Ich habe mehrere Fragebögen konzipiert, die ich in meiner Praxis verwende, um die häufigsten hormonellen Probleme zu ermitteln, die in der Zeit der fruchtbaren Jahre, der sogenannten Prämenopause, auftreten können, sowie in der Perimenopause, also in der Zeit kurz vor der Menopause, und schließlich in der Menopause, den eigentlichen „Wechseljahren“. Bei der Beantwortung der Fragen werden Sie sich vielleicht in einigen der angesprochenen Probleme wiederfinden. Dann weise ich Sie auf die Kapitel hin, die Ihnen auf der Suche nach Ihrem hormonellen Gleichgewicht am meisten helfen. (Bitte beachten Sie, dass Sie den wichtigen Teil 1 immer lesen sollten, egal wie das Ergebnis Ihres Fragebogens aussieht.)

Auf der Suche nach der optimalen Gesundheit

Gleichgewicht: Das ist die Domäne der Eliteturnerin auf dem Schwebebalken oder der Yogini (des weiblichen Yogi), die auf einem Bein steht. Darauf beruht eine nahrhafte Mahlzeit (die wir oft aus Zeitgründen nicht zubereiten oder genießen können). Das ist Arbeit und Leben, Selbst und Familie. Das ist ein von der Seele durchdrungenes Kreisdiagramm, in dem alle Teile sich ergänzen und unseren Geist nähren. Gleichgewicht ist das Mittel und der Zweck. Gleichgewicht ist der Heilige Gral, etwas, wonach wir alle streben. Gleichgewicht ist stabil und nachhaltig. Gleichgewicht ist Gesundheit. Und Gleichgewicht ist schwer zu erreichen.

Wir wissen, dass wir den Spießrutenlauf zwischen Arbeit, Kindererziehung, Einkaufen, Beaufsichtigungs- und Pflegearbeiten, Besorgungsgängen und dem Wahren all unserer anderen Interessen mithilfe des Gleichgewichts bewältigen und gleichzeitig körperlich und geistig gesund bleiben können. Wenn wir im Gleichgewicht sind, können wir diese Aufgaben gelassener, ruhiger und mit mehr Stärke übernehmen. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass bereits unser unentwegtes Streben nach Gleichgewicht per se Stress bedeuten kann. Und oft genug sind wir frustriert, weil es uns nicht gelingt, ins Gleichgewicht zu kommen.

Es könnte jedoch sein, dass es gar nicht an Ihnen liegt, dass Sie das Gleichgewicht nicht finden. Es könnte vielmehr daran liegen, dass Ihre Hormone aus dem Lot sind, und dass Sie sich daher auch aus dem Lot fühlen. Wenn Ihre Hormone durcheinander sind, können Sie sich träge, reizbar, weinerlich, mürrisch, missachtet, ängstlich und depressiv fühlen. Und dann fällt es Ihnen noch schwerer, Ihre täglichen Pflichten zu erfüllen. Und woher wissen Sie, dass Ihre Hormone daran schuld sind? Hier kommen die Fragebögen ins Spiel.

Gesundheit ist ein komplexes Ökosystem. Die physiologischen Prozesse unseres Körpers beeinflussen unsere Stimmung, Psyche und Lebensart, und zwar egal, ob sie optimal funktionieren oder gestört sind. Ihre Hormone üben also mehr Einfluss aus, als Sie sich wahrscheinlich vorstellen können.

Unterschätzen Sie niemals, welche Macht Stress besitzt. Er kann die biochemischen Abläufe im Körper verändern. Das ist nichts Obskures, das ist eine medizinische Tatsache. Der häufigste Grund für einen Arztbesuch ist Stress und zu den häufigsten Todesursachen, wie Herzkrankheiten, Diabetes, Schlaganfall und Krebs, trägt er mit bei. Eine aussagefähige Anamnese gewährleistet, dass wir alle diese Möglichkeiten berücksichtigen. Wird eine ausgelassen, könnte es sein, dass wir die Ursache der Hormonschwankung nicht finden.

Meine Fragebögen orientieren sich grob an den Theorien von Dr. John Lee, einem namhaften Arzt, der seine Arbeit dem hormonellen Gleichgewicht gewidmet hat. Ich habe meine Fragen im Laufe der Jahre meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mit den Frauen in meiner Praxis angepasst und eine erhebliche Menge an Belegen einfließen lassen. Ich ermutige meine Patientinnen dazu, den Weg durch die hormonellen Schwankungen als eine (wenngleich lange und abenteuerliche) Reise zu betrachten – eine weibliche Version der Odyssee. Jede lange und abenteuerliche, lebensverändernde Suche beginnt mit einer Aufgabe. Und genau die wird Ihnen in Form der Fragebögen gestellt: Die Aufgabe, die am Anfang der Reise steht und die die Bereitschaft der Heldinnen auf der Suche nach dem Gleichgewicht auslotet. Ihre Antworten auf diese Fragen bestimmen, wohin die weitere Reise führt. Ihr Handwerkszeug sind die im Gottfried-Programm beschriebenen Behandlungsmethoden.

Die Fragebögen

Die folgenden Fragebögen, die denen ähneln, die ich in meiner Praxis verwende, sollen Ihnen helfen, die bislang nicht diagnostizierten hormonellen Probleme, mit denen Sie vielleicht zu tun haben, richtig zu bestimmen. Je nach Ergebnis versuche ich, weder der Schulmedizin zu folgen, die sich mit einer Diagnose eher schwertut, noch der alternativen Medizin, bei der ich manchmal eine allzu eilfertige Diagnosestellung beobachte, sondern die goldene Mitte zwischen diesen beiden Extremen zu finden.

Lesen Sie die Liste der Symptome aufmerksam durch, markieren Sie all diejenigen, von denen Sie betroffen sind, und zählen Sie die ermittelten Punkte in jeder Gruppe zusammen. Beachten Sie bitte, dass jeder Teil gesondert beantwortet werden sollte. Genau wie in einem Mengendiagramm, bei dem sich Kreise überlappen, können Sie Symptome haben, die zu mehreren Teilen passen (wie Probleme mit der Unfruchtbarkeit und der Stimmung). Mit anderen Worten, einige Ihrer Antworten können sich wiederholen – doch meist kristallisieren sich ein oder zwei Bereiche heraus, die hormonelle Hauptprobleme abbilden. Keine Sorge! Am Ende werten wir Ihre Antworten gemeinsam aus.

Teil A

Haben oder hatten Sie in den vergangenen sechs Monaten …

das Gefühl, unentwegt von einer Aufgabe zur nächsten zu hetzen?

das Gefühl, aufgedreht und trotzdem müde zu sein?

Mühe, vor dem Einschlafen zur Ruhe zu kommen oder neuen Auftrieb, der Sie lange wach hält?

Einschlaf- oder Durchschlafprobleme?

ein Gefühl der Angst oder Nervosität – nicht zu bremsende, unkontrollierbare Sorgen?

rasch auftretende Gefühle von Ärger oder Wut, begleitet von häufigem Anschreien?

Gedächtnislücken oder das Gefühl mangelnder Konzentration, insbesondere unter Druck?

Heißhunger auf Süßes (Sie „brauchen“ eine Kleinigkeit nach jeder Mahlzeit, meist etwas aus Schokolade)?

eine Zunahme des Bauchumfangs auf mehr als 90 cm (das gefürchtete Bauchfett oder der Rettungsring – kein Blähbauch)?

Hautkrankheiten wie Ekzeme oder eine dünne Haut (manchmal im wörtlichen und psychologischen Sinn)?

Knochenschwund (vielleicht fallen bei Ihrem Arzt erschreckende Begriffe wie Osteopenie oder Osteoporose)?

Bluthochdruck oder Herzrasen ohne äußeren Anlass?

einen hohen Blutzuckerspiegel (vielleicht fielen ärztlicherseits die Begriffe Prädiabetes oder sogar Diabetes oder Insulinresistenz)? Zittrigkeit zwischen den Mahlzeiten, auch als Blutzuckerschwankungen bekannt?

Verdauungsstörungen, Geschwüre oder GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit)?

größere Schwierigkeiten als früher, sich nach einer körperlichen Verletzung zu erholen?

unerklärliche rosa oder rote Dehnungsstreifen am Bauch oder Rücken?

unregelmäßige Monatszyklen?

eine verminderte Fruchtbarkeit?

Teil B

Müdigkeit oder Burn-out (Sie halten Ihre Energie mit Koffein künstlich hoch oder schlafen beim Lesen oder Fernsehschauen ein)?

Energieverlust, insbesondere am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr?

das Gefühl, dass das Glas immer eher „halb leer“ als „halb voll“ ist?

Situationen mit unstillbarem Weinen ohne ersichtlichen Grund?

eine verminderte Fähigkeit, Probleme zu lösen?

das Gefühl, die meiste Zeit unter Stress zu stehen (alles scheint schwieriger zu sein als vorher und/oder Sie können schlecht damit umgehen)?

Schlaflosigkeit oder Durchschlafstörungen, insbesondere zwischen 1 Uhr und 4 Uhr nachts?

einen niedrigen Blutdruck (Hypotension; das ist nicht immer gut, da Ihr Blutdruck dafür zuständig ist, dass der Körper, insbesondere das Gehirn, mit der richtigen Menge Sauerstoff versorgt wird)?

eine haltungsbedingte (orthostatische) Hypotension (Sie stehen aus der liegenden Position auf und fühlen sich schwindlig)?

Schwierigkeiten mit der Infektionsabwehr (Sie fangen sich jedes Virus ein, vor allem in den Atemwegen)? Schwierigkeiten mit der Rekonvaleszenz nach einer Krankheit oder Operation oder mit der Wundheilung?

Asthma? Bronchitis? Chronischen Husten? Allergien?

einen niedrigen Blutzuckerspiegel oder Blutzuckerschwankungen?

Verlangen nach Salz?

übermäßiges Schwitzen?

Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall? Oder weiche Stühle im Wechsel mit Verstopfung?

Muskelschwäche, insbesondere im Kniebereich? Muskel- oder Gelenkschmerzen?

Hämorrhoiden oder Krampfadern?

eine verstärkte Blutungsneigung oder die Tendenz zu Blutergüssen?

ein Schilddrüsenproblem, das behandelt wurde; zuerst geht Ihnen besser, doch plötzlich haben Sie Herzklopfen, Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen (ein Zeichen für eine Kombination von niedrigem Cortisolspiegel und niedrigen Schilddrüsenhormonwerten)?

Teil C

Unruhezustände oder PMS (prämenstruelles Syndrom)?

zyklisch auftretende Kopfschmerzen (insbesondere Menstruations- oder hormonell bedingte Migräne)?

schmerzende und/oder geschwollene Brüste?

mit zunehmendem Alter unregelmäßige oder kürzere Menstruationszyklen?

sehr starke oder schmerzhafte Periodenblutungen (sehr stark, d.h. eine besonders dicke Binde oder ein Tampon muss mindestens alle zwei Stunden gewechselt werden; schmerzhaft bedeutet, Sie können nicht ohne Schmerzmittel auskommen)?

Schwellungen, insbesondere in den Knöcheln und am Bauch und/oder Flüssigkeitsansammlungen (mit anderen Worten, Sie nehmen vor der Periode etwa 1,5 bis 2,5 Kilo zu)?

Zysten in den Eierstöcken, in der Brust oder im Endometrium (Polypen)?

einen leichten Schlaf?

juckende oder unruhige Beine, insbesondere in der Nacht?

zunehmende Schwerfälligkeit oder schlechte Koordinationsfähigkeit?

Unfruchtbarkeit oder eingeschränkte Fruchtbarkeit (Sie haben wirklich versucht, schwanger zu werden, aber es innerhalb der offiziell geltenden 12 Monate – beziehungsweise sechs Monate, wenn Sie 35 Jahre oder älter sind – nicht geschafft)?

eine Fehlgeburt in den ersten zwölf Wochen (erstes Trimenon)?

Bleiben Sie dran! Die Hälfte ist schon geschafft!

Teil D

ein Völlegefühl, Schwellungen oder Wassereinlagerungen?

auffällige Pap-Abstriche?

starke Blutungen oder postmenopausale Blutungen?

eine rasche Gewichtszunahme, insbesondere an den Hüften und am Gesäß?

eine größere BH-Körbchengröße oder schmerzempfindliche Brüste?

Fasergeschwülste?

Endometriose oder schmerzhafte Periodenblutungen? (Bei Endometriose sind Teile der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter versprengt, z. B. auf den Eierstöcken oder in den Eingeweiden und verursachen schmerzhafte Periodenblutungen.)

Stimmungsschwankungen, PMS, Depressionen oder „nur“ leichte Reizbarkeit?

eine weinerliche Stimmung, manchmal wegen den lächerlichsten Dingen?

kleinere Zusammenbrüche? Ängste?

Migräne oder andere Kopfschmerzen?

Schlafstörungen?

Störungen des Denkvermögens (ein Gefühl wie benebelt)?

plötzliches Rotwerden im Gesicht (oder diagnostizierte Rosacea)?

Probleme mit der Galle (oder Entfernung der Gallenblase)?

Teil E

ein schlechtes Gedächtnis? (Sie gehen in ein Zimmer, um dort etwas zu erledigen und wissen dann nicht mehr, was es war; oder Sie wissen mitten im Satz nicht mehr, was Sie eigentlich sagen wollten.)

eine psychische Labilität, insbesondere im Vergleich zu der Zeit vor zehn Jahren?

Depressionen, vielleicht in Kombination mit Ängsten oder Trägheit (oder häufiger Dysthymie: eine geringgradige Depression, die länger als zwei Wochen dauert)?

Falten (Ihre Lieblingshautcreme wirkt keine Wunder mehr)?

Nachtschweiße oder Hitzewallungen?

Probleme mit dem Schlafen, Aufwachen mitten in der Nacht?

Blasenschwäche oder Dranginkontinenz?

Blaseninfektionen?

hängende Brüste, die an Umfang verloren haben?

deutlicher sichtbare, offenkundige Schäden durch die Sonne, auf der Brust, im Gesicht und an den Schultern?

schmerzende Gelenke (Sie fühlen sich manchmal wie eine Greisin)?

neuere Verletzungen, insbesondere an den Handgelenken, Schultern, im Kreuz oder an den Knien?

keine Lust mehr auf Sport?

Knochenschwund?

Scheidentrockenheit, Reizungen oder Verlust des Empfindungsvermögens (als ob es mehrere Stofflagen zwischen Ihnen und dem Orgasmus gäbe)?

Feuchtigkeitsmangel (trockene Augen, trockene Haut, trockene Klitoris)?

verminderte Libido (sie hat über einen längeren Zeitraum nachgelassen und jetzt wird Ihnen klar, dass sie nur noch halb so stark ist wie früher)?

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr?

Teil F

eine übermäßige Behaarung im Gesicht, auf der Brust oder an den Armen?

Akne?

fettige Haut und/oder fettiges Haar?

Kopfhaarausfall? (Sie fragen sich, wo die Gerechtigkeit bleibt, wenn Ihr Haar gleichzeitig an anderen Stellen übermäßig wächst.)

eine Verfärbung der Achselhöhlen (dunkler und dicker als die normale Haut)?

Hautanhängsel, insbesondere an Hals und Oberkörper? (Hautanhängsel sind kleine, hautfarbene Gewächse auf der Hautoberfläche, meist wenige Millimeter groß und weich. Sie sind in der Regel nicht krebsig und entwickeln sich durch Reibung, zum Beispiel im Bereich der BH-Träger. Sie verändern sich nicht und werden auch nicht größer.)

eine Überzuckerung (Hyperglykämie) oder Unterzucker (Hypoglykämie) und/oder Blutzuckerschwankungen?

eine (emotionale) Reaktionsbereitschaft und/oder Reizbarkeit oder außergewöhnlich aggressive oder autoritäre Verhaltensweisen (unkontrollierte, rasende Wut)?

Depressionen? Ängste?

Menstruationszyklen im Abstand von mehr als 35 Tagen?

Eierstockzysten?

Schmerzen in der Zyklusmitte?

Unfruchtbarkeit oder eingeschränkte Fruchtbarkeit?

ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)?

Teil G

Haarausfall, auch im äußeren Drittel der Augenbrauen und/oder der Augenwimpern?

trockene Haut?

trockenes, strohiges Haar, das leicht unordentlich wird?

dünne, brüchige Fingernägel?

Wassereinlagerungen oder geschwollene Knöchel?

ein paar zusätzliche Pfunde, oder womöglich sogar 10 Kilo, die Sie einfach nicht mehr loswerden?

einen hohen Cholesterinspiegel?

keinen täglich Stuhlgang oder das Gefühl, sich nicht vollständig entleeren zu können?

periodisch wiederkehrende Kopfschmerzen?

verminderte Schweißbildung?

Muskel- oder Gelenkschmerzen oder einen schwachen Muskeltonus (Sie wurden buchstäblich „über Nacht“ zu einer alten Dame)?

ein Prickeln in den Händen oder Füßen?

kalte Hände oder Füße? (Kälteintoleranz? Wärmeintoleranz?)

eine Kälteempfindlichkeit (Sie frösteln leichter als andere und tragen immer mehrere Schichten Kleidung)?

ein verlangsamtes Sprechvermögen, vielleicht mit rauer oder stockender Stimme?

einen verlangsamten Herzschlag (Bradykardie; weniger als 60 Schläge pro Minute – und das nicht, weil Sie eine Ausnahmeathletin sind)?

ein Trägheitsgefühl (Sie haben das Gefühl, als würden Sie sich im Schneckentempo bewegen)?

Müdigkeit, insbesondere morgens?

ein langsam arbeitendes Gehirn, langsames Denken? Konzentrationsschwierigkeiten?

träge Reflexe, verminderte Reaktionszeit, evtl. leichte Apathie?

eine geringe Libido, ohne zu wissen, warum?

Depressionen oder Launenhaftigkeit (die Welt ist nicht mehr so rosarot wie sie einmal war)?

ein Rezept für das neueste Antidepressivum, aber Sie haben trotzdem nicht das Gefühl, ganz die Alte zu sein?

starke Periodenblutungen oder andere Menstruationsprobleme?

Unfruchtbarkeit oder eine Fehlgeburt? Frühgeburt?

eine vergrößerte Schilddrüse oder einen Kropf? Schluckbeschwerden? Eine vergrößerte Zunge?

Schilddrüsenprobleme in der Familie?

Auswertung

Sie haben drei oder mehr Fragen in einer Kategorie mit Ja beantwortet? Dann dürfte dies keine Überraschung sein: Sie haben eine Hormonschwankung. Aber keine Sorge, Sie sind in bester Gesellschaft. Ich habe nach der Beantwortung der Fragen Frauen buchstäblich herumhüpfen sehen, weil endlich einmal jemand ihre täglichen Kämpfe ernst genommen und anders bezeichnet hat als mit „verrückt“ oder „PMS“. Es gibt Hilfe. Ich habe diesen Test erstellt, um aus den neuesten medizinischen Forschungsergebnissen einen umsetzbaren Plan zu destillieren, der Ihnen Ihr hormonelles Gleichgewicht zurückgeben soll. Jeder Fragebogen ist so konzipiert, dass er Ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen spiegelt, ganz egal wie alt Sie sind. Tausenden von Frauen in meiner Praxis haben diese Fragebögen geholfen, um herauszufinden, was sie als Nächstes tun müssen, um ihren Hormonspiegel wieder ins Lot zu bringen.

Wenn Sie in einer Sektion mehr als drei Punkte angekreuzt haben (z. B. in Teil A und Teil C), lesen Sie im Anschluss hieran bitte in den angegebenen Kapiteln weiter. Haben Sie mehr als fünf Übereinstimmungen pro Sektion gefunden, die sich möglicherweise immer weiter verschlechtern, oder sind Sie völlig verzweifelt, dann sollten Sie zusammen mit dem Arzt oder der Ärztin Ihres Vertrauens vor Ort eine auf Sie abgestimmte Behandlung ausarbeiten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Fragebögen lediglich Wegweiser sind, ein Handwerkszeug, das hilfreiche Hinweise darauf liefert, wie Sie Ihre Hormone am besten wieder ins Gleichgewicht bringen können. Die Fragebögen sind erst der Anfang des in diesem Buch beschriebenen Prozesses und keineswegs der Weisheit letzter Schluss. Wenn Sie über entsprechende Englischkenntnisse verfügen, können Sie sich auch die neueste Version auf meiner Website (http://thehormonecurebook.com/quiz) ansehen. Ihre nächste Aufgabe besteht in jedem Fall darin, umgehend mit der Suche nach Lösungen zu beginnen, und mein Programm hilft Ihnen dabei.

Teil A: Cortisolüberschuss

Das ist die bei Weitem häufigste Hormonschwankung, von der moderne Frauen betroffen sind.

Fünf oder mehr Symptome: Alarmstufe Rot! Es besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Cortisolspiegel erhöht ist. Lesen Sie bitte Kapitel 4, um mithilfe dieser Informationen Ihre Werte wieder in den Normbereich zu bringen – nicht zu hoch und nicht zu niedrig.

Drei oder vier Symptome: Sie sollten sich um diese Hormonschwankung kümmern.

Weniger als drei Symptome oder nicht sicher: Ich empfehle einen Arztbesuch, um den Cortisolspiegel im Serum testen zu lassen, und zwar vor 9 Uhr morgens. Der ideale Spiegel sollte zwischen 10 und 15 µg/dl liegen. Sie können den Test auch zu Hause machen, indem Sie den Cortisolspiegel viermal über den Tag verteilt aus dem Speichel bestimmen, man bezeichnet dies als „Cortisol-Tagesprofil“. (Tagesprofil heißt, dass sich der Zustand über den Tag und in der Nacht periodisch verändert; stellen Sie sich Blüten vor, die sich am Tag öffnen und nachts schließen). (Entsprechende Speicheltests lassen sich über das Internet bestellen, als Einzeltest und auch als Tagesprofil. Es lohnt sich aber, in der Apotheke nachzufragen; Anm. d. Übers.) Oft ist ein Cortisol-Tagesprofil hilfreicher, denn dann können Sie Ihren Cortisolspiegel über einen ganzen Tag hinweg beobachten und haben nicht nur die Aussage eines einzelnen Wertes aus dem Bluttest (oder dem Speichel). Bitte lesen Sie hierzu auch den Anhang.

Weiterführende Informationen: Lesen Sie bitte Teil A in Kapitel 4 (S. 103).

Teil B: Cortisolmangel

Sie erinnern sich, Sie können sowohl einen hohen als auch einen niedrigen Cortisolspiegel haben – sogar am selben Tag, innerhalb von 24 Stunden.

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben wahrscheinlich einen niedrigen Cortisolspiegel.

Weniger als fünf Symptome: Sie sollten Ihren Cortisolspiegel bestimmen lassen, entweder aus dem Blut oder aus dem Speichel. Die meisten Schulmediziner suchen bei Problemen der Nebennieren allerdings nicht nach graduellen Hinweisen, doch darum geht es bei einem niedrigen Cortisolspiegel. Wie in Teil A beschrieben, sollte der Cortisolspiegel morgens höher als 10 µg/dl liegen, doch wie bereits erwähnt, ist ein 24-Stunden-Profil sinnvoller als ein einzelner Wert, der nichts über die Entwicklung im Laufe des Tages aussagt. Mehr Informationen entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Unabhängig von der Anzahl der Übereinstimmungen: Lesen Sie bitte Teil B in Kapitel 4 (S. 116).

Teil C: Progesteronmangel und Progesteronresistenz

Niedrige Progesteronwerte stehen an zweiter Stelle in der Häufigkeit der Hormonschwankungen bei Frauen über 35 Jahre.

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben wahrscheinlich einen niedrigen Progesteronspiegel.

Drei oder vier Symptome: Sie sollten sich um diese Hormonschwankung kümmern.

Weniger als drei Symptome oder unsicher: Ich empfehle, am 21. Zyklustag von Ihrem Arzt den Progesteronspiegel aus dem Serum testen lassen. Der ideale Spiegel sollte mehr als 10 ng/ml betragen; optimal wären 15 bis 25 ng/ml.

Sofortmaßnahme: Lesen Sie bitte Kapitel 5.

Teil D: Östrogenüberschuss

Unter welche Kategorie Sie hier auch fallen mögen, bitte bedenken Sie auch, dass Sie möglicherweise Fremdöstrogenen ausgesetzt sind, die an anderer Stelle in diesem Buch besprochen werden.

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben wahrscheinlich einen hohen Östrogenspiegel. 80 % der Frauen über 35 sind von einer Östrogendominanz betroffen.

Drei oder mehr Symptome: Ein hoher Östrogenspiegel ist eine nicht von der Hand zu weisende Möglichkeit.

Weiterführende Informationen: Lesen Sie bitte Kapitel 6.

Teil E: Östrogenmangel

Die meisten Frauen bemerken einen deutlichen Rückgang des Östrogenspiegels gar nicht, bis sie die Vierzig oder sogar die Fünfzig überschritten haben.

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben wahrscheinlich einen niedrigen Östrogenspiegel.

Drei oder vier: Ein Östrogenmangel ist möglich.

Weiterführende Informationen: Lesen Sie bitte Kapitel 7.

Teil F: Androgenüberschuss

Dies ist die häufigste hormonelle Ursache für die Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben sehr wahrscheinlich einen hohen Spiegel an männlichen Hormonen (Androgenen).

Drei oder vier: Sie könnten einen Androgenüberschuss haben; hierum sollten Sie sich kümmern, denn es besteht ein deutliches Risiko unfruchtbar zu sein und möglicherweise an Diabetes zu erkranken.

Weniger als drei Symptome oder unsicher: Ich empfehle Ihnen, beim Arzt freies Testosterin aus dem Serum oder den freien Androgenindex (FAI) bestimmen zu lassen.

Weiterführende Informationen: Lesen Sie bitte Kapitel 8.

Teil G: Schilddrüsenunterfunktion

Viele Ärzte halten die Sorgen, die sich Frauen um ihre Schilddrüse machen, für übertrieben. Lassen Sie sich nicht abwimmeln!

Fünf oder mehr Symptome: Sie haben wahrscheinlich eine Schilddrüsenstörung. Ich empfehle Ihnen, beim Arzt diese drei Schilddrüsenwerte bestimmen zu lassen: TSH (Thyreoidea-stimulierenden Hormon, fT3 (freies Trijodthyronin) und rT3 (reverses T3).

Drei bis fünf Symptome: Bei Ihnen könnte eine Funktionsstörung vorliegen.

Weiterführende Informationen: Lesen Sie bitte Kapitel 9.

Symptome in mehr als einer Kategorie

Hormone existieren nicht im luftleeren Raum. So gerne ich auch die Dinge nach Zugehörigkeit ordne (Sie sollten meine Gewürzschublade sehen!), bei den komplizierten und miteinander verzahnten Körpersystemen funktioniert das nicht. Manche Symptome verdecken andere: Probleme mit den Nebennieren- und Geschlechtshormonen können Schilddrüsensymptome verdecken und umgekehrt. Manchmal spielt auch das Alter eine Rolle: Die Schilddrüsenprobleme Gewichtszunahme, Übellaunigkeit und Müdigkeit kommen nach dem 35. Lebensjahr häufiger vor, ein Trend, dem – in Analogie zur Menopause – das Etikett „Thyreopause“ verpasst wurde. Bisweilen verändern sich die Symptome mit der Zeit, manchmal sogar von einer Stunde zur nächsten: Manche Frauen haben Symptome eines zu hohen und eines zu niedrigen Cortisolspiegels innerhalb eines Tages. Haben Sie weniger als fünf Symptome, sehen aber, dass sich einige Symptome mit denen aus anderen Bereichen überschneiden – wie die Östrogendominanz oder ein hoher oder niedriger Cortisolspiegel –, sollten Sie über die häufigsten Kombinationen hormoneller Schwankungen in Kapitel 10 nachlesen. In den Kapiteln 2 und 10 beschreibe ich ausführlicher die Kettenreaktionen zwischen diesen Hormonen und wie man damit umgeht.

Die Auswahl der Nahrungsergänzungen

Viele von uns sind dort bereits Kunde. Mit der Vorstellung, natürliche Mittel gegen Beschwerden einzusetzen, gehen wir im Naturkostladen zu den Regalen, wo die Nahrungsergänzungen stehen. Stehen wir dann in den Gängen, haben wir eine dichte Wand mit Auswahlmöglichkeiten, Marken und Portionsgrößen vor uns. Selbst den Experten kann das überfordern. Was also sollte ein Kunde tun? Wie Sie vielleicht wissen, gibt es in den USA für Nahrungsergänzungen nur wenige verpflichtende Regulierungen, das bedeutet, Sie kaufen „auf eigenes Risiko.“ Die Qualität eines Produkts obliegt dem Hersteller, Sie müssen Ihre Nahrungsergänzungen also mit großer Vorsicht auswählen, am besten zusammen mit einem auf diesem Gebiet kompetenten Arzt oder Ernährungswissenschaftler.

Anmerkung der Übersetzerin in Bezug auf Deutschland: Zitat des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2013 aus dem Internet: „(…) Sie dürfen nicht dazu bestimmt sein, Krankheiten zu heilen oder zu verhüten. Anders als Arzneimittel, die ein Zulassungsverfahren durchlaufen, unterliegen Nahrungsergänzungsmittel nur einer Registrierungspflicht beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Für die Sicherheit sind die Hersteller verantwortlich. Die Überwachung der auf dem Markt angebotenen Nahrungsergänzungsmittel und der Herstellerbetriebe ist Aufgabe der Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder.“

Nebenbei bemerkt, wenn Ihr Arzt (oder Heilpraktiker) nach einem Nachweis für die von mir im Gottfried-Programm empfohlenen Nahrungsergänzungen fragt, möge er – entsprechende Englischkenntnisse vorausgesetzt – die wissenschaftliche Literatur (mit Hunderten von Belegen) auf meiner Website unter http://thehormonecurebook.com/practitioners lesen.

Trotz der fehlenden Regulierung und Kontrolle gibt es verschiedene Strategien, die als „Navigationshilfe“ durch die überwältigende Menge der Nahrungsergänzungen zweckdienlich sind, von denen viele weder Geld noch Zeit wert sind.

Bitte bedenken Sie, dass nicht jeder Nahrungsergänzungen braucht. Jedoch entsteht bei vielen Menschen im mittleren Lebensalter (das ist, je nach Blickwinkel, mit 40 oder 50 Jahren der Fall), allmählich ein Mangel an wichtigen Nährstoffen, zum Beispiel an Vitamin B12. Doch Nahrungsergänzungen, auch Therapien mit Pflanzen und Kräutern, der sogenannten Phytotherapie, fehlt oft die wissenschaftliche genaue Überprüfung, die die amerikanische Zulassungsbehörde FDA für rezeptpflichtige Arzneimittel vorschreibt. Sie haben also keine Wahl – Sie müssen eine kompetente Verbraucherin werden. Als ich als Kind meine Urgroßmutter Fischöl einnehmen sah, hatte ich keine Ahnung, dass ich Jahrzehnte brauchen würde, um zu lernen, welche Nahrungsergänzungen bei meinen Patientinnen (und bei mir selbst) wirklich etwas bewirken. (Beachten Sie bitte auch die Informationen zur Phytotherapie auf S. 65, wenn Sie sich weiter informieren wollen.) So berate ich meine Patientinnen bei der Auswahl einer guten Nahrungsergänzung:

– Beginnen Sie mit einer Recherche. Tragen Sie möglichst viele Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen und vergleichen Sie sie. Hier bietet sich in erster Linie das Internet an, z. B. die Datenbank für Arzneimittelinformationen der Bayerischen Landesapothekerkammer (AMINO-Datenbank). Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, sofern er für dieses Thema aufgeschlossen und sachkundig ist. Nehmen Sie Kontakt zu einer Ernährungsberatung auf. Es gibt viele Bücher zu diesem Thema, auch solche, die über den Rahmen eines allgemeinen Gesundheitsratgebers hinausgehen; lassen Sie sich in Ihrer Buchhandlung beraten. Lassen Sie sich vom Fachpersonal in den Reformhäusern beraten, auch in Apotheken können Sie Rat einholen. Der Supermarkt ist in der Regel keine geeignete Quelle für gute Nahrungsergänzungsmittel (Sie kaufen Ihre Schuhe ja auch nicht im Wäschegeschäft). Machen Sie eine Liste verschiedener Marken, vergleichen Sie deren Angebote in Bezug auf Art und Mengen der Inhaltsstoffe sowie Dosierungen. Fragen Sie Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen. Vor allem die Präparate, die intensiv in den Medien beworben werden, sollten Sie kritisch unter die Lupe nehmen. Achten Sie auf natürliche Inhaltsstoffe und eventuell vorhandene Zusatzstoffe. Wenn Sie empfindlich sind, sollten Ihre Nahrungsergänzungsmittel hypoallergen sein, also ein möglichst geringes Allergierisiko haben. Ganz ausschließen kann man es allerdings nie.

• Informieren Sie sich über Nachweise. Wenn möglich, wählen Sie ein Präparat, das in einer randomisierten Studie überprüft wurde. Im Allgemeinen steht diese Information auf dem Etikett, zumindest in den USA. In Deutschland fragen Sie bitte in der Apotheke oder im Reformhaus nach oder schauen im Internet (z. B. bei Pub-Med).

• Seien Sie sich im Klaren darüber, dass auf den Etiketten oft nur begrenzt über spezifische Indikationen Auskunft gegeben werden darf. Gemäß den Vorschriften der FDA dürfen die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln keine vorbeugenden oder therapeutischen Wirkungen aufdrucken lassen. Zum Beispiel helfen Magnesium, Vitamin B6 und das Phytotherapeutikum Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) nachweislich bei prämenstruellem Syndrom, doch das darf auf dem Etikett nicht angegeben werden. Stattdessen könnte bei Magnesium „unterstützt die Nerven- und Muskelfunktion“ stehen, PMS aber nicht erwähnt werden, auch wenn Sie es aus diesem Grund kaufen.

• Manche Nahrungsergänzungen werden durch eine unabhängige Instanz, wie die International Fishoil Standards (IFOS), gründlich geprüft, die Fischöl-Nahrungsergänzungen auf ihren Gehalt an Quecksilber und anderen Giftstoffen untersucht und eine Liste im Internet veröffentlicht. IFOS untersucht Omega-3-Präparate nach den internationalen Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Council for Responsible Nutrition (zu Deutsch etwa: „Gremium für verantwortungsbewusste Ernährungsweise“) im Hinblick auf Reinheit und die Konzentration von Toxinen, die für ihre Wirkung auf das Hormonsystem bekannt sind. In den USA gibt es noch einen Qualitätssicherungsstandard, die Zertifizierung durch GMP (Good Manufacturing Practices, zu Deutsch etwa: „Gute Herstellungspraxis“), die Mindeststandards bei der Qualität, Schadstofffreiheit und korrekte Angaben auf dem Etikett gewährleisten. Die GMP kümmert sich jedoch nicht darum, ob die Inhaltsstoffe sicher sind oder um die Auswirkungen auf die Gesundheit, wenn an der Herstellung nichts auszusetzen ist. Eine strengere Art der Regulierung bietet die Australia Therapeutic Goods Administration (TGA, zu Deutsch etwa: „Amt für therapeutisch genutzte Artikel in Australien“), die als gründlichste Regulierungsbehörde weltweit gilt. Nur einige wenige Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln in den USA sind TGA-zertifiziert.

– Überprüfen Sie die Bestimmungen. Nahrungsergänzungsmittel, deren Hersteller sie freiwillig bei der FDA registrieren lassen, unterliegen strengeren Bestimmungen. Suchen Sie auch nach Angaben wie „USP“ (United States Pharmacopeia, zu Deutsch „Arzneibuch der Vereinigten Staaten“) und „NF“ (National Formulary, zu Deutsch „Nationales Formelbuch“) sowie einer Chargennummer und einem Verfallsdatum als Hinweis darauf, dass die Nahrungsergänzung den Qualitätsstandards des US-Arzneibuches entspricht. (Da viele Nahrungsergänzungen aus den USA kommen, ist dieser Hinweis nicht unwichtig. Zudem gibt es das sogenannte USP Dietary Supplements Compendium, also das speziell auf Nahrungsergänzungen ausgerichtete Kompendium für Hersteller auch bei uns. Weiterhin gibt es natürlich das Deutsche Arzneibuch, das Deutsche Homöopathische Arzneibuch und das Europäische Arzneibuch sowie die Arzneibücher außereuropäischer Länder, zum Beispiel das japanische; Anm. d. Übers.)

– Wie steht es um die Reinheit? Lesen sie die Etiketten. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Supplement frei von Konservierungs-, Füll- und Farbstoffen, Gluten, Hefe und anderen häufigen Allergenen ist. Die Etiketten – meist sind sie sehr klein und eng bedruckt – enthalten wertvolle Informationen über all die Dinge, die Sie in Ihrer Nahrungsergänzung gar nicht haben wollen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie unter einer der häufig vorkommenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien leiden, zum Beispiel auf Gluten oder Milchprodukte.

– Der Preis ist nur ein Faktor. Teurer heißt nicht qualitativ hochwertiger. Lassen Sie sich nicht von dem Gedanken täuschen, dass die teureren Nahrungsergänzungen besser sind. Manchmal stimmt das, aber genauso oft bezahlen Sie nur für Verpackung oder Werbung.

– Fragen Sie die Experten. Manche Verkäufer wissen über die verschiedenen Marken und die Qualität sehr gut Bescheid Wenden Sie sich mit Ihren speziellen Fragen an diese oder fragen Sie, ob Sie mit den Einkäufern sprechen können, die direkt mit den Firmen zusammenarbeiten. Bei Angestellten kann das jedoch zu einem Interessenkonflikt führen, daher halte ich Informationsquellen, zum Beispiel Internet-Datenbanken für qualitativ beständiger und objektiver.

Achten Sie bitte auch darauf, welche Nahrungsergänzungsmittel Sie auf nüchternen Magen einnehmen sollten (wie Aminosäuren), und welche zu einer Mahlzeit (wie Vitamine und Fischöl).

Phytotherapie

Laut WHO werden in vielen Teilen der Welt pflanzliche Präparate im Krankheitsfall häufig verschrieben. In Deutschland, wo auch Ärzte lernen, Phytotherapeutika zu verschreiben und die alternative Medizin in die Schulmedizin zu integrieren, wird eines von drei Rezepten für ein Phytotherapeutikum ausgestellt. (Phytotherapeutika dürfen, von ganz wenigen Ausnahmeregelungen abgesehen, auch in Deutschland nicht mehr auf Kassenrezept verordnet werden, sie werden von der GKV schon seit 2004 vorbehaltlich der Ausnahmen nicht mehr erstattet. Privatpatienten sollten bei Ihrer Versicherung nachfragen; Anm. d. Übers.) Phytotherapeutika sind eine sichere und wirksame Methode zur Behebung vieler neuroendokriner (hormoneller) Probleme, von Schlafstörungen über Angstzustände bis hin zu PMS.

Doch genauso wie Sie sich über die Risiken, Nutzen und Wechselwirkungen von Verordnungen in der Schulmedizin im Klaren sein müssen, müssen Sie das auch beim Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln. Zusätzlich zu den Überlegungen, die bei der Auswahl der Supplemente angebracht sind, empfehle ich bei der Anwendung der Phytotherapie die Beachtung folgender Richtlinien:

Qualifizierter Rat steht an erster Stelle: Beginnen Sie mit der Planung Ihrer (neuen) Lebensweise und sprechen Sie mit Ihrem Arzt (oder Heilpraktiker) und Apotheker, bevor Sie mit einer Phytotherapie beginnen, damit eventuelle Wechselwirkungen von Medikamenten, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungen beurteilt werden können. Die hier vorgestellten Fragebögen helfen Ihnen bei der Beurteilung der Ihren Symptomen zugrunde liegenden Ursachen, und die einzelnen Schritte des hier vorgestellten Programms unterstützen Sie in Ihrer Behandlung. Trotzdem ist es sehr sinnvoll, Ihren Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren. Die sicherste Vorgehensweise ist, eine medizinische Diagnose erstellen zu lassen, bevor Sie ein pflanzliches Präparat einnehmen. Je genauer die Diagnose ist, desto genauer kann das Präparat hinsichtlich seiner Wirksamkeit ausgewählt werden. Ein Buch kann keine Diagnose erstellen; hierfür bedarf es einer sorgfältigen Anamnese und Untersuchung, um andere Ursachen für Ihre Symptome auszuschließen. Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, dass so mancher Schulmediziner nicht sehr viel von Kräutern hält, und glaubt, nur ein verschreibungspflichtiges Medikament könne etwas bewirken, doch die auf meiner Website zitierten Studien belegen das Gegenteil.

Eines nach dem anderen: Beginnen Sie mit der Einnahme eines einzelnen Pflanzenpräparats. Im Gottfried-Programm mögen durchaus mehrere verschiedene vorgeschlagen werden. Nehmen Sie aber nur eines ein, mindestens sechs Wochen lang, damit es die nötige Zeit hat, um seine Wirkung zu entfalten. Wenn es das ist, was Sie brauchen, wird es Ihnen helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, und dieser Prozess nimmt meist zwischen sechs und zwölf Wochen in Anspruch. Hat es nicht die gewünschte Wirkung, versuchen Sie es mit einem anderen Präparat.

Machen Sie sich Notizen zu Nebenwirkungen. Informieren Sie Ihren Arzt unverzüglich über alle Probleme mit den Phytotherapeutika.

Nur für Erwachsene: Ich gebe keine Ratschläge für die Anwendung von Phytotherapeutika bei Kindern und bin auch nicht dafür ausgebildet. Die Informationen und das Wissen in diesem Buch richten sich nur an erwachsene Frauen, die nicht schwanger sind und nicht stillen.

Bitte betrachten Sie meine Fragebögen als Einladung zur Einleitung einer hormonellen Kehrtwende. Ich weiß, wie sehr einem Hormone Angst machen können, insbesondere, wenn eines aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ist das der Fall, kann es bei Ihnen zu einem Gefühl der Überforderung kommen, insbesondere dann, wenn Sie schon wieder eine neue Anstrengung auf sich nehmen sollen.

Anleitung für die Nutzung dieses Buches

Die Hormonkur ist so konzipiert, dass Sie meine Erfahrungen auf zweierlei Weise nutzen können:

– Gestrafft: Wenn Sie das Buch rasch durcharbeiten möchten, lesen Sie nach dem Ausfüllen der Fragebögen in Kapitel 1 direkt bei den angegebenen Kapiteln weiter. Leiden Sie unter Schwankungen mehrerer Hormone, schlagen Sie das jeweils damit in Verbindung stehende Kapitel auf und lesen zusätzlich Kapitel 10 über Hormonschwankungen, die häufig gemeinsam auftreten. Wenn Sie in jedem Kapitel ein wenig „spicken“ wollen, können Sie die Einleitung lesen, die Wissenschaft überspringen und direkt zur Lösung übergehen, dem Gottfried-Programm für die jeweilige Hormonschwankung.

– Umfassend: Diejenigen unter Ihnen, die sich vielleicht für die Einzelheiten interessieren, aber auch etwas über den Körper erfahren möchten, oder Ärzte, die auch die angegebene Literatur überprüfen wollen, sollten den Abschnitt Wissenschaft des jeweiligen themenbezogenen Kapitels lesen. Sie finden dort die besten Belege für all das, was es zu jedem einzelnen Hormon zu erklären gibt, welche Wechselwirkung es mit anderen Hormonen hat und, ganz besonders wichtig, was Ihnen nachweislich hilft, damit es Ihnen gut geht. Ich habe Hunderte von Literaturangaben zusammengefasst, die das Gottfried-Programm belegen (in englischer Sprache unter http://thehormonecurebook.com).

Sie sollten die Grundlagen kennen, bevor Sie mit Ihrem Hormonsystem „in einen Dialog treten“ und mit der evidenzbasierten Hormonbehandlung beginnen. Schließlich ist Ihr Ziel die vollständige Optimierung Ihres Hormonspiegels und keine „Schnellreparatur“. Ich hoffe, dass Sie, wie viele Frauen, die ich in meiner Praxis behandelt habe, in diesen Kapiteln finden können, was zur Wiederherstellung und tief greifenden Heilung Ihrer hormonellen Situation beiträgt.

Sie schaffen das! Wir beginnen mit dem Grundlagenwissen über Hormone und werden anschließend herausfinden, wie wir Ihr Gleichgewicht wiederherstellen können, damit Sie Ihren Elan zurückbekommen.

KAPITEL 2
Alles, was Sie über Hormone wissen müssen

Ein Hormon beginnt seinen Weg von einem Dutzend endokriner Drüsen aus, unter anderem von den Nebennieren, der Hypophyse, dem Hypothalamus, der Schilddrüse und den Eierstöcken. Diese Drüsen steuern wichtige physiologische Funktionen, indem sie Hormone in den Blutstrom freisetzen, mit dem diese zu entfernt gelegenen Organen und Zellen gelangen. Mit anderen Worten, Hormone sind chemische Botenstoffe, eine Art „Schneckenpost“ im Körper. Sie beeinflussen das Verhalten, die Emotionen, die chemischen Stoffe im Gehirn, das Immunsystem und die Umwandlung von Nahrung in Energie.

In den Nebennieren wird zum Beispiel Cortisol gebildet, eines der stärksten Stresshormone. Cortisol wiederum steuert die Reaktionen des Körpers unter Stress – mehr dazu später. In den Eierstöcken, die hauptsächlich Lagerstätten der Eizellen sind, werden viele Hormone gebildet, darunter Östrogene, Progesteron und Testosteron. (Sie werden als Geschlechtshormone bezeichnet, denn sie bestimmen charakteristische Merkmale wie Fruchtbarkeit, Menstruation, Gesichtsbehaarung und Muskelmasse.) Das Pankreas, die Bauchspeicheldrüse, schüttet Insulin aus, dessen Hauptaufgabe im Transport von Glukose in die Zellen besteht, um den Zuckerspiegel im Blut zu senken. Die Fettzellen sind die größte endokrine Drüse im Körper: Fett schüttet Hormone aus, z. B. Leptin, das den Appetit steuert, und Adiponektin, das die Fettverbrennung reguliert.

Das „Berufsbild“ der Hormone

Jedes Hormon hat eine Aufgabe. In Abbildung 1 finden Sie die drei wichtigsten Hormone der Frau: Östrogene, Schilddrüsenhormone und Cortisol – die Hormone, die hauptsächlich auf Gehirn, Körper, Stress und Gewicht Einfluss nehmen. Wenn Sie unter akutem Stress stehen, konzentriert sich funktionell alles auf das Cortisol und der Spiegel steigt; leiden Sie aber an chronischem Stress, können Ihre Werte zwischen zu hoch und zu niedrig hin- und herspringen. Die Schilddrüse beeinflusst den Stoffwechsel, sie hält uns aktiv und die Köpertemperatur auf einem angenehmen Wert sowie unser Gewicht unter Kontrolle. Bei den Östrogenen handelt es sich um eine Gruppe mehrerer Hormone, die dafür sorgen, dass Frauen begehrenswert, fröhlich und sexuell interessiert sind.

Hormone und ihre Aufgaben

Die wichtigsten Aufgaben der drei Spitzenhormone wurden bereits genannt, bedenken Sie aber, dass sie noch viele weitere wahrnehmen. Östrogen erfüllt zum Beispiel mehr als 300 biologische Aufgaben im weiblichen Körper und nimmt Einfluss auf mehr als 9000 genetische Informationen, die Ihr Körper aussendet, um sich selbst zu regulieren.

Neben den drei in Abbildung 1 dargestellten hauptsächlichen Hormonen spielen viele andere eine wichtige Rolle bei der Steuerung Ihrer Interessen, der Stimmung, der Libido und des Appetits. Progesteron nimmt als Gegengewicht zu Östrogen auf die Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut Einfluss, damit sie nicht zu dick wird, und es ist an der Steuerung der Emotionen und des Schlafes beteiligt. Testosteron ist das Hormon für Vitalität und Selbstvertrauen – und ein Überschuss ist in den USA der Hauptgrund für Unfruchtbarkeit bei Frauen. Pregnenolon, die weniger bekannte „Stammmutter“ des Systems der Geschlechtshormone, ist verantwortlich für ein mühelos funktionierendes Gedächtnis und ein Vorstellungsvermögen in lebhaften Farben. Leptin steuert das Hungergefühl und bestimmt, ob Sie Ihre Nahrung als Energiequelle nutzen oder um die Körpermitte herum einlagern; es steht in Wechselwirkung mit den Hormonen der Schilddrüse und mit den meisten anderen. Insulin regelt die Nutzung des „Treibstoffs“ aus der Nahrung und sorgt dafür, dass Muskeln, Leber und Fettzellen Glukose aus dem Blut aufnehmen und speichern.

Manche Hormone nehmen eine Vielzahl von Aufgaben gleichzeitig wahr. Oxytocin ist sowohl ein Hormon als auch ein Neurotransmitter; das bedeutet, es wirkt als chemische Substanz des Gehirns und überträgt Informationen von Nerv zu Nerv. Manche Menschen nennen Oxytocin das „Liebeshormon“, denn beim Orgasmus von Mann und Frau steigt es im Blut an. Es wird auch freigesetzt, wenn sich der Muttermund öffnet und dadurch die Wehen verstärkt werden sowie bei der Stimulierung der weiblichen Brustwarzen, was das Stillen erleichtert und die Bindung zwischen Mutter und Kind fördert. Vitamin D ist ein Hormon, das aus Cholesterin und durch die Aufnahme von Sonnenlicht synthetisiert wird. Es kann auch mit der Nahrung zugeführt werden, offiziell ist es jedoch kein essenzielles Vitamin (also eines, das der Körper nicht selbst bilden kann), weil alle Säugetiere es bilden können, wenn sie der Sonne ausgesetzt werden. (Von einem „essenziellen Nahrungsvitamin“ spricht man dann, wenn es für das Funktionieren des Körpers notwendig ist, aber vom Körper nicht in ausreichender Menge gebildet werden kann, sodass es über die Nahrung oder eine Nahrungsergänzung zugeführt werden muss).

Die hormonellen Steuerungssysteme

Ihr Gehirn ist die Steuerungszentrale; es ist dafür zuständig, wann und wie diese Hormone freigesetzt werden. Wie Sie in späteren Kapiteln erfahren werden, sind sogenannte Feedback-Schleifen zwischen dem Gehirn und den Hormonen an diesem Prozess beteiligt, die Ihren Körper dabei unterstützen, im Gleichgewicht zu bleiben. Zusätzlich beeinflussen sich mehrere Hormone wechselseitig.

Ihre Zellen werden ständig von verschiedenen Hormonen umspült. Bei Frauen ändern sich diese täglich und sogar im Minutentakt, je nachdem, ob Sie zum Beispiel gerade Ihre Periode haben, wie lange Ihre letzte Periode her ist, wie hoch der Stresspegel ist, den Sie in Ihrer Umgebung wahrnehmen, wie Sie sich ernähren, wie viel Sport Sie treiben oder ob Sie schwanger sind. Ihre Zellen besitzen Rezeptoren, die auf bestimmte Hormone reagieren. Rezeptoren kann man mit Türschlössern vergleichen: Das Hormon passt wie der Schlüssel in dieses Schloss und kann die Tür öffnen. Ist zum Beispiel Gefahr in Verzug, passt das wichtigste Stresshormon Cortisol (Schlüssel) in den Rezeptor (Schloss) einer Zelle und öffnet die Tür für jede Menge Glukose, damit Sie schneller und kraftvoller laufen können. Ist die Zelle nicht für das Zusammenwirken mit einem bestimmten Hormon gedacht, passt dessen Schlüssel auch nicht zu ihrem Schloss. Candace Pert bezeichnet diesen Prozess treffend als „Molekularsex“. Ist das Schloss defekt, zum Beispiel bei einer Insulin- oder Cortisolresistenz, öffnet sich die Tür nicht und der Hormonspiegel im Blut steigt.

Die meisten Hormone werden in den endokrinen Drüsen aus einem Vorläuferhormon, man nennt es auch Prohormon, gebildet. Prohormone sind die effiziente Art des Körpers, die Hormone zu bilden, die Sie am dringendsten brauchen, ohne dass er immer wieder bei null anfangen muss.


Abbildung 1: Das Team aus Östrogenen, Schilddrüsenhormonen und Cortisol sind die drei „Hormon-Engel“ der Frau. Ihr lebenswichtigstes Hormon ist das Cortisol, das primäre Stresshormon, das unter fast allen Bedingungen, stressig oder nicht, in den Nebennieren gebildet wird. Die Hormone der Schilddrüse sind am zweitwichtigsten, und Östrogen wird von den genannten als am wenigsten wichtig angesehen, denn für Ihr persönliches Überleben ist die Ovulation nicht notwendig (sehr wohl aber – zumindest eine Zeit lang – für das Überleben der Menschheit).

Viele der Geschlechtshormone des Menschen werden ursprünglich aus Cholesterin abgeleitet, das im Körper in Pregnenolon umgewandelt wird. Pregnenolon ist die „Mutter“ der Hormone (beziehungsweise das Prohormon), aus dem andere Hormone gebildet werden. Funktionieren Ihren Nebennieren normal, wird Pregnenolon entweder in Progesteron oder in DHEA, ein weiteres Stresshormon und ein Vorläufer von Testosteron, umgewandelt. Leiden Sie unter chronischem Stress, bildet Ihr Körper mehr Cortisol – er „stiehlt“ es dem Pregnenolon und der Spiegel anderer Hormone kann sinken –, ein Prozess, der als „Pregnenolon-Diebstahl“ bezeichnet wird. Natürlich stammen nicht alle Hormone vom Cholesterin ab (mehr dazu später).

Die häufigsten Hormonschwankungen

Sind Ihre Hormone im Gleichgewicht, also weder zu hoch, noch zu niedrig, sehen Sie am besten aus und fühlen sich so richtig gut. Sind sie nicht im Gleichgewicht, machen sie Ihnen das Leben zu Hölle. Doch es gibt gute Nachrichten: Es ist sehr viel einfacher, die Hormone wieder ins Lot zu bringen, als wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend zu rennen und sich von den kleinen Dingen des Lebens fertigmachen zu lassen.

Diesen Hormonschwankungen begegne ich in meiner Praxis am häufigsten:

– Durch einen zu hohen Cortisolspiegel fühlen Sie sich müde und zugleich wie „aufgezogen“; hohe Cortisolwerte regen den Körper dazu an, Energie in Form von leicht nutzbarem Fett zum Beispiel auf den Hüften zu speichern.

– Durch einen zu niedrigen Cortisolspiegel (die Langzeitkonsequenz eines zu hohen Cortisolspiegels; Sie können aber unter beiden Zuständen gleichzeitig leiden), fühlen Sie sich erschöpft und ausgelaugt. Ein Auto kann mit einem leeren Tank auch nicht fahren.


Abbildung 2: Der Hormonbaum illustriert die Wege ausgewählter Hormone (d. h. wie Ihr Körper Geschlechtshormone bildet). In den Nebennieren und in den Eierstöcken (sowie im Falle einer Schwangerschaft im Fötus bzw. in der Plazenta) wird Cholesterin in verschiedene Hormone umgewandelt. Die Hormone in dieser Abbildung werden steroidale Geschlechtshormone genannt, da sie von der charakteristischen chemischen Struktur des Cholesterins (dem Steroidgerüst) abgeleitet werden und Einfluss auf die Geschlechtsorgane ausüben. (Beachten Sie bitte, dass andere Hormone, wie diejenigen der Schilddrüse, keine steroidalen Geschlechtshormone sind und an anderer Stelle gebildet werden.) Weitere Unterteilungen oder Hormonfamilien, die Ihnen begegnen können: Progesteron gehört zur Familie der Mineralocorticoide (beeinflusst den Salz- und Wasserhaushalt im Körper), wohingegen Cortisol zur Familie der Glucocorticoide gehört (wird in der Rinde [dem Cortex] der Nebennieren gebildet, bindet an den Glucocorticoid-Rezeptor und erhöht [unter anderem] den Glukosespiegel). Testosteron gehört zur Familie der Androgene (wird von Männern und Frauen gebildet; ist verantwortlich für Haarwachstum, Selbstvertrauen und Sexualtrieb); Östradiol, Östriol und Östron gehören zur Familie der Östrogene (steroidale Geschlechtshormone, die hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet werden und die Ausprägung der weiblichen Merkmale wie Brustwachstum und Menstruation fördern).

– Ein niedriger Pregnenolonspiegel verursacht Wortfindungsstörungen. Er wird mit dem Aufmerksamkeitsdefizit, Angststörungen, leichten Depressionen, Gedächtnisstörungen, Dysthymie (chronische Depression) und Sozialphobie in Verbindung gebracht.

– Ein niedriger Progesteronspiegel führt zu Unfruchtbarkeit, nächtlichem Schwitzen, Schlaflosigkeit und einem unregelmäßigen Menstruationszyklus.

– Durch einen hohen Östrogenspiegel sind Sie eher von schmerzempfindlichen Brüsten, Zysten, Fasergeschwülsten, Endometriose und Brustkrebs betroffen.

– Ein niedriger Östrogenspiegel lässt Stimmung und Libido in den Keller rutschen, führt zu Scheidentrockenheit und schränkt die Flexibilität der Gelenke sowie die Konzentrationsfähigkeit und Vitalität ein.

– Hohe Androgenwerte, etwa zu viel Testosteron, sind der Hauptgrund für Unfruchtbarkeit, Bartwuchs und vermehrte Körperbehaarung bei Frauen sowie Akne.

– Ein zu niedriger Spiegel an Schilddrüsenhormonen führt zu verminderter geistiger Klarheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme und Verstopfung; langfristig niedrige Werte gehen mit verzögerten Reflexen und einem größeren Risiko für Alzheimer einher.

Hormonschwankungen, die oft gemeinsam auftreten

In den meisten Fällen habe ich mit Frauen zu tun, bei denen mehr als ein Hormon im Ungleichgewicht ist. Es folgen die häufigsten dieser Kombinationen, mit denen ich in meiner Praxis zu tun habe (siehe auch Kapitel 10).

– Fehlregulierter (zu hoher/und oder zu niedriger) Cortisolspiegel mit Schilddrüsenunterfunktion. (Mit fehlreguliert meine ich hier, dass die Reaktion des Körpers auf chronischen Stress ungenügend angepasst oder reguliert wird, sodass der Cortisolspiegel zu verschiedenen Zeitpunkten innerhalb von 24 Stunden nicht in einem für den Körper optimalen Bereich bleibt und entweder zu hoch oder zu niedrig ist).

– Fehlregulierter Cortisolspiegel und fehlregulierter Spiegel von Geschlechtshormonen (Östrogen und Progesteron).

– Frauen in den Dreißigern haben oft Symptome eines zu niedrigen Progesteron- und eines zu hohen Androgenspiegels und wundern sich, warum sie nicht schwanger werden.

– Frauen in der Perimenopause, die manchmal zwischen 35 und 50 Jahren beginnt, haben einen niedrigen Progesteron- und im letzten Jahr vor ihrer letzten Periode einen zu niedrigen Östrogenspiegel. Bei Progesteronmangel leiden Sie unter Angstzuständen, Schlafstörungen, Nachtschweiß und verkürzten Menstruationszyklen; sie quälen sich durch den Alltag und mitten in der Nacht sind sie dann hellwach und wälzen Probleme. Ein zu niedriger Östrogenspiegel kann auch zu einer leichten Depression führen.

– Frauen in der Menopause haben häufig tagsüber einen niedrigen Cortisolspiegel (macht müde) und nachts einen hohen, was das gedankliche Sorgenkarussell in Gang setzt, das vom Aktienmarkt bis hin zu den Kindern reicht.

Außer einer Schwangerschaft gibt es noch andere, oft übersehene Gründe dafür, dass ein beliebiges Hormon aus dem Gleichgewicht gerät. Die Häufigsten sind Folgende:

– Alter

– Gene

– Ernährungsfehler und/oder ungenügende Aufnahme von Vorläufersubstanzen für die Hormonbildung

– Übermäßiger Stress

– Lebensstil

Alles hängt mit allem zusammen

Das Wichtigste, was Sie wissen müssen, ist Folgendes: Ein Hormon existiert nicht im luftleeren Raum. Manche Hormone beeinflussen andere auf dramatische Weise; ein hoher Spiegel des einen kann sich auf die Funktion eines anderen störend auswirken. Wenn Sie zum Beispiel unter chronischem Stress stehen, steigt Ihr Cortisolspiegel, und ist er zu hoch, kann dies die Aufnahme des beruhigend wirkenden Progesterons in die Zellen blockieren. Wie bereits beschrieben, passen die Hormone zum Zellrezeptor wie ein Schlüssel zum Schloss; diesen Prozess haben wir als „Molekularsex“ kennengelernt. Hat Cortisol also „Molekularsex“ mit dem Progesteronrezeptor, ist das Schloss für ein anderes Hormon blockiert, und das Progesteron gelangt nicht an seinen eigenen Rezeptor. Selbst wenn Ihr Progesteronspiegel im Blut normal zu sein scheint, können Sie unter Umständen einen Mangel an Progesteron spüren, und das bedeutet, dass Sie vielleicht Schwierigkeiten haben, sich zu beruhigen oder schwanger zu werden. Aufgrund dieser Wechselbeziehungen ist es äußerst wichtig, einen Symptomenkomplex immer gleichzeitig zu behandeln.

Viele Hormone, auch Cortisol und die Schilddrüsenhormone, unterliegen einer Feedbackschleife, das heißt, die Produktion wird eingestellt, wenn der Spiegel zu hoch ist. Die Hormone stehen nicht nur untereinander, sondern auch mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus in Wechselbeziehung, von dem sie ebenfalls abhängig sind. Der Cortisolspiegel erreicht zum Beispiel seinen Höhepunkt nach Sonnenaufgang (nach 7 Uhr morgens), und Melatonin wird unterdrückt. Umgekehrt bilden Sie idealerweise ab 21 Uhr verstärkt Melatonin, während der Cortisolspiegel sinkt.

Warum sind all diese Dinge so wichtig? Wenn Sie verstehen, wie Ihre Hormone miteinander in Wechselbeziehung stehen, ist es einfacher, zur hormonellen Harmonie zurückzufinden. Wenn mehrere Hormonsysteme gleichzeitig untersucht und behandelt werden – insbesondere das der Nebennieren, der Schilddrüse und des Fortpflanzungsapparats – kommt es zu besseren und schnelleren Ergebnissen.

Die Lösung ist nicht so einfach

Ein Wort vorab: Die „Lösung“ des Problems mit unberechenbaren Hormonen besteht nicht einfach darin, dass man mehr Hormone zuführt und alles ist gut – sie ist wesentlich differenzierter. Das liegt an der Hormonresistenz (auch bei Cortisol, Progesteron und den Schilddrüsenhormonen, was ich später erklären werde), der genetischen Disposition und der Komplexität der nachgeordneten chemischen Stoffe, die aus den in diesem Buch besprochenen Hormonen gebildet werden.

Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) hängt zum Beispiel mit Progesteron zusammen; indem man sich aber mit Progesteroncreme „überzieht“, heißt das nicht, dass alle Frauen auf diese Weise ihre Symptome beheben können. Führende wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass PMS das Ergebnis eines schlecht aufeinander abgestimmten Wechselspiels zwischen vier Größen ist: Progesteron, Allopregnenolon (ein Derivat des Progesterons) und der GABA- sowie der Serotonin-Bahn im Gehirn. Es handelt sich um eine komplizierte neurohormonelle Mischung, die zur Progesteron-„Resistenz“ führt, und daher ist es nicht unbedingt zielführend, einfach nur Progesteron zuzuführen. Der Körper reagiert vielleicht besser auf eine Behandlung, die sich um die vorgelagerten Ursachen kümmert – auch um die Vorläufer wie Vitamin B6, das die Bildung von Serotonin unterstützt, oder eine Pflanze wie Mönchspfeffer, die die Progesteronsensibilität verändert, sowie anerkannte Entspannungsmethoden.

Ein Rendezvous mit Ihren „Hormon-Engeln“

Erinnern Sie sich noch an die TV-Serie Drei Engel für Charlie? Sabrina, Jill und Kelly, die drei Frauen, die mit Köpfchen, Muskeln und körperlicher Beweglichkeit gegen das Verbrechen und die „bösen Buben“ kämpften? Diese drei synchron miteinander agieren zu sehen, war eine mitreißende Vorstellung. Das gilt auch für unser Hormonsystem: Arbeiten die Hormone zusammen, sind sie ein kraftvolles, harmonisches und wirksames Team.

Bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich die Analogie noch weitertreibe. Sabrina steht für Cortisol; sie ist Charlie besser gewachsen als die anderen „Engel“ und neigt weniger dazu, Männer mit den Waffen einer Frau zu manipulieren. Sie ist die Klügste der drei, sachlich und strategisch denkend. Genau wie Sabrina diejenige ist, die einen „Engel in Gefahr“ rettet, warnt das durch den Blutstrom kreisende Cortisol Ihr Nervensystem vor Gefahren, sei es ein unmittelbar bevorstehender Autounfall oder ein Kleinkind, das auf eine Steckdose zusteuert. Cortisol hilft Ihnen, auf die Angst machenden Auswirkungen Ihrer Alltagsabenteuer zu reagieren, indem es den Spiegel anderer Hormone reguliert, zum Beispiel den der Schilddrüsenhormone und des Östrogens.

Jill steht für die Schilddrüse. Sie ist der sportliche „Engel“, geschmeidig, kräftig und verwegen. Die Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass Sie energiegeladen, schlank und glücklich sind, sie sind die „Jill unter den Hormonen“. Mangelt es an Schilddrüsenhormonen, fühlen Sie sich müde, nehmen an Gewicht zu und gehen niedergeschlagen durchs Leben. Und das Liebesleben? Vergessen Sie‘s.

Kelly steht für Östrogen. Sie ist der sensible „Engel“: Sanft und sinnlich, aber auch erfahren und widerstandsfähig. Sie kann in einem Moment kraftvoll und kontrolliert und im nächsten Moment eine Verführerin sein. Das gleicht dem Östrogen, das Ihnen viel Serotonin beschert, den Neurotransmitter für das Wohlgefühl. Östrogen sorgt dafür, dass Ihr Orgasmus großartig, Ihre Laune stabil, Ihre Gelenke geschmeidig, Ihr Schlaf und Ihr Appetit genau richtig und Ihr Gesicht relativ faltenfrei ist. Östrogen sorgt dafür, dass die anderen „Engel“ (Cortisol und die Schilddrüse) im Gleichgewicht bleiben.

Um die „bösen Buben“ – Depressionen, langsamer Stoffwechsel, Energiemangel – zu bekämpfen, müssen Ihre „Hormon-Engel“ aber synchron arbeiten. Das ist die absolute Voraussetzung dafür, damit Sie das Gefühl haben, die Welt sei in Ordnung. Stehen sie alle im richtigen Verhältnis zueinander, fühlen Sie sich ausgeglichener und geerdet. Jedes einzelne Hormon ist wichtig, nützlich und wesentlich. Arbeiten die Hormone dann auch noch im jeweiligen Optimum ihrer individuellen Kräfte zusammen, grenzt das an Magie. Gesundheit, Glück, Vitalität, Libido – all das rückt in greifbare Nähe.

Die Zentren der Wachsamkeit: „Reptiliengehirn“ und limbisches System

Ein Hauptmerkmal weiblicher Hormone ist, dass einige mehr als andere dazu neigen, außer Kontrolle zu geraten. Zum Beispiel Cortisol: Ein chronisch hoher Cortisolspiegel verhält sich oft wie ein Zug ohne Lokführer. Das heißt, während Sie von einer Aufgabe zur nächsten hasten, steigt Ihr Cortisolspiegel immer weiter (besagter Zug nimmt mit der Zeit auch immer mehr Fahrt auf), und führt zu heftigem Verlangen nach Zucker oder Wein und zu Fettpölsterchen um den Bauch. Außerdem wiegt er Sie in dem trügerischen Gefühl, Energie zu haben oder neuen Schwung zu bekommen. Und ehe Sie sich versehen, sind Sie immer noch im Internet unterwegs, obwohl Sie doch in sechs Stunden aufstehen und zur Arbeit gehen müssen, aber Sie sind noch aufgedreht und können gar nicht schlafen.

Ist das der Fall, nimmt Cortisol keinerlei Rücksicht auf Ihre anderen Hormone. Es ist das Alpha-Hormon, und seine Langzeitbeziehung mit den Eierstöcken und der Schilddrüse interessiert es nicht im Geringsten. Also tritt die Schilddrüse auf den Plan und versucht, das Problem durch Drosselung ihrer Hormonproduktion zu regeln. Ein hoher Cortisolspiegel blockiert den Progesteronrezeptor, somit wird es für das Progesteron schwierig, seiner Aufgabe nachzukommen und Ruhe ins System zu bringen. Weniger Schilddrüsenhormone führen zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels, Sie verbrennen also weniger Kalorien. Jetzt sind Sie müde und aufgedreht gleichzeitig und nehmen auch noch zu.

Leider wird Cortisol hauptsächlich von den ältesten und – so könnte man sagen – am wenigsten flexiblen Teilen Ihres Gehirns gesteuert. Sie werden auch als „Reptiliengehirn“ bezeichnet und sind entwicklungsgeschichtlich älter als das limbische System und die Hirnrinde (das „denkende“ Gehirn). Die Verbindungen zwischen diesen drei Hirnbereichen überlagern sich. Strukturell gehören Stammhirn und Kleinhirn zum Reptiliengehirn oder unteren Gehirn. (Ich verwende lieber den Begriff „unteres Gehirn“, denn er ist anschaulicher, und ich empfinde den Begriff „Reptilien“ irgendwie gruselig). Dieser angeborene, tief liegende Teil unseres Gehirns steuert instinktive Verhaltensweisen wie Aggression und Dominanz. Er entwickelte sich in grauer Vorzeit, früher als andere Hirnteile, als das Überleben davon abhing, dass man Raubtieren wie Löwen und Tigern entkam. Mit anderen Worten: Ihr Reptiliengehirn ist zuverlässig, aber starr, und manchmal ist das auch gut so. Wenn jemand Ihnen einen Stein an den Kopf werfen will, sorgt es dafür, dass Sie sich schnell genug wegducken.

Es beteiligt sich auch an vielen Aufgaben des limbischen Systems, dem Sitz der Emotionen, des Lernens und Erinnerns. Zu dessen Strukturen gehören die Amygdala (Mandelkern), der Hypothalamus und der Hippocampus sowie weitere. Die Amygdala entschlüsselt Emotionen, auch Bedrohungen, was die „Alarmanlagen“ des Körpers auslöst. Über das Kampf- und Fluchtverhalten hinaus ist das limbische System für das Sexualverhalten (insbesondere Ovulation und Libido) zuständig. Gemeinsam mit dem unteren Gehirn sorgt die Amygdala für Wachsamkeit. Mithilfe des limbischen Systems nimmt das untere Gehirn so wichtige Aufgaben wahr wie Atmung, Verdauung, Ausscheidung, Kreislauf (im Sinne von „mehr Blut in die Beinmuskeln, damit dieser Körper rennen kann!“) und Fortpflanzung.

Ihr denkendes Gehirn arbeitet für Kampf- und Fluchtreaktionen wie dem Ausweichen fliegender Objekte (zum Beispiel Steinen) viel zu langsam. Das Problem ist nur, dass oft das untere Gehirn und die Amygdala „das Ruder in die Hand nehmen“ – ständig suchen sie in Ihrer Umgebung, Ihren E-Mails und Ihrer Ehe nach potenziellen Bedrohungen und erfinden vielleicht sogar weitere Details dazu, wenn die Bedrohung ungenau oder unklar ist. Die Überwachungszentren „machen einfach ihr Ding“ nach dem Muster eines Jahrtausende alten Evolutionsprogramms, solange Sie Ihre Reaktion auf Stress nicht ganz bewusst ändern. Schieben Sie es auf das Cortisol, das unter Stress anflutet und uns keine andere Wahl lässt als zu reagieren, weil wir nicht mehr logisch denken können.

Entmachten Sie die Überwachungszentren

Um die Hormone ins Gleichgewicht zu bringen, müssen wir das überaktive untere Gehirn und das limbische System zur Ruhe bringen. Schließlich ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass das Verhältnis der Hormone stimmt, wenn wir lernen können, Emotionen mit mehr Gelassenheit zu ertragen und nicht unentwegt das Gefühl haben, wir müssen irgendwelchen Bedrohungen ausweichen.

Die Aufgabe Ihrer Hormone ist es, für Sie zu arbeiten und nicht gegen Sie. Da die Natur der Harmonie im hormonellen Geschehen den Vorzug gibt, ist es einfacher ausgeglichen zu sein als im Zustand des Ungleichgewichts zu verharren. Doch ein Eindringling – das untere Gehirn – kommt dem Ganzen ständig in die Quere. Zum Glück gibt es Möglichkeiten zur Ruhe zu kommen: Meditation, Yoga, Sport, Spazierengehen in der Natur, eine Therapie und Sex. Jede Frau muss selbst herausfinden, was für sie am Besten ist. Yoga, Meditation, heiße Bäder und gezielte sportliche Betätigungen wie Pilates oder Power-Walking mit Freundinnen (forsches Gehen, nicht Rennen, denn das erhöht den Cortisolspiegel), helfen mir am meisten.

Zirkadiane Übereinstimmung

Natürlich soll auch Ihr Tag-Nacht-Rhythmus richtig funktionieren und auf den Hell-Dunkel-Rhythmus in der Natur ausgerichtet sein. Nahezu jedes Hormon wird als Reaktion auf die innere Uhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus ausgeschüttet. Manche von uns sind Morgenmenschen, manche Nachteulen. Wenn wir nachts Schichtarbeit machen, werden die natürlichen Rhythmen gestört. Doch die Grundregel ist, jede Nacht, soweit es möglich ist, zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, zur gleichen Zeit aufzuwachen und sich bei Tageslicht draußen aufzuhalten. Das führt zu einer zirkadianen Kongruenz, einer Übereinstimmung mit dem Tagesrhythmus, die das Gleichgewicht Ihrer Hormone auf natürliche Weise optimiert.

Laborergebnisse versus andere Diagnose-möglichkeiten

Viele meiner Patientinnen möchten zuallererst ihre Hormonwerte von einem Labor überprüfen lassen oder zu Hause selbst bestimmen, und manchmal ist das auch hilfreich. Dennoch gibt es mehrere Gründe, warum ich hormonelle Probleme lieber anhand von Fragebögen feststelle, anstatt unverzüglich die Werte aus Blut, Urin oder Speichel zu bestimmen.

– Die meisten Hormone unterliegen tageszeitlichen Schwankungen, so wie eine Blüte, die sich tagsüber öffnet und nachts schließt.

– Aufgrund einer Hormonresistenz spiegelt sich Ihr Empfinden unter Umständen gar nicht im Hormonspiegel wider. Es korreliert mit dem jeweiligen Hormonspiegel innerhalb der Zellen, insbesondere im Zellkern, wo die Hormone mit der DNA (dem genetischen Code) in Wechselwirkung stehen. Die meisten Hormone haben Rezeptoren auf dem Zellkern, und wenn Ihre Hormonrezeptoren blockiert sind, ist es ziemlich egal, wie hoch der jeweilige Hormonspiegel außerhalb des Zellkerns oder außerhalb der Zelle (im Blut, Urin oder Speichel) ist. Eine Hormonresistenz ist für mehrere Hormone wie Insulin, Cortisol, Progesteron und Schilddrüsenhormone belegt.

Aus diesen beiden Gründen empfehle ich Ihnen, lieber mit den Fragebögen zu beginnen, die Sie zu dem Kapitel führen, in dem das entsprechende hormonelle Ungleichgewicht besprochen wird (anstatt die Hormonspiegel überprüfen zu lassen, und sich dann mehr auf die Zahlenwerte zu konzentrieren als darauf, wie Sie sich fühlen). Haben Sie die Ursache Ihrer Symptome ermittelt, fahren Sie mit Schritt 1 des Gottfried-Programms im entsprechenden Kapitel fort und regeln Sie Ihre Lebensweise neu, damit Ihre Hormone wieder in ein natürliches Gleichgewicht kommen.

KAPITEL 3
Die Perimenopause: persönlicher „Klimawandel“, erhöhte Wachsamkeit und kneifende Jeans

Die Perimenopause bezieht sich auf die Jahre des hormonellen Umbruchs vor Ihrer letzten Menstruation. Sie kann mit Mitte Dreißig oder ab Vierzig einsetzen. Sie ist jedoch ein körperlicher und seelischer Zustand und nicht der Zielpunkt einer chronologischen Abfolge. Die Perimenopause beginnt mit dem Absinken des Progesteronspiegels und endet mit dem Absinken des Östrogenspiegels. Für manche Frauen ist das eine Zeit, in der die Stimmung unberechenbar ist, das Gewicht steigt und die Energie schwindet – und sehr oft erleben sie diese drei Dinge gleichzeitig. Andere Frauen fühlen sich vielleicht von der hormonellen Zwangsjacke der fruchtbaren Jahre befreit und beginnen nun offen auszusprechen, was sie wirklich wollen und brauchen. Welchem Lager Sie sich anschließen, kann davon abhängen, wie Sie sich auf den Umgang mit diesen heiklen und zeitweise dramatischen hormonellen Veränderungen vorbereiten.

Unter dem Strich heißt das, die meisten Frauen und ganz sicher auch ihre Ärzte wissen nicht besonders gut Bescheid über die Perimenopause. Den meisten Frauen ist nicht klar, dass die Perimenopause viel steiniger und schwieriger ist als die Menopause, denn die Hormone schwanken von Monat zu Monat, manchmal nur leicht und manchmal heftig. Als ich Mitte Dreißig war, stellte ich mir die Menopause als eine entlegene Klippe vor, von der ich so um die Fünfzig herum, also in ferner Zukunft, stürzen würde. Von wegen. Ihr Körper bereitet sich jahrelang auf diese Klippe vor, und es macht sich für Sie bezahlt, wenn Sie den Sturm der perimenopausalen Hormonschwankungen richtig deuten können. Ich hatte bereits Anzeichen eines Ungleichgewichts – und meine häufigeren Menstruationen, das PMS, die sinkende Libido und die Zunahme des Taillenumfangs waren deutliche Anzeichen. Sie werden vielleicht feststellen, dass die alten Bewältigungsstrategien (gelegentlicher Sport, ein paar Yoga-Übungen pro Woche, Schokolade, abends meist ein Glas Wein), nicht mehr so gut zu wirken scheinen. Der Stoffwechsel wird weniger nachsichtig. Man fühlt sich vielleicht stärker genervt. Der Schlaf wird schlechter. Es kann fast täglich vorkommen, dass die Amygdala alles an sich reißt. Im Klartext: Reptilienhirn und Amygdala übernehmen die Kontrolle – und nicht man selbst als vernunftbegabtes Wesen –, und die Überreaktion kann zur „normalen“ Verhaltensweise werden. Manchmal hat man das Gefühl, der Ehemann oder Partner sei der Feind.

Die Perimenopause hat nicht eine einzelne, spezielle hormonelle Ursache. Sie ist vielmehr Ausdruck einer Abhängigkeit der Hormone untereinander. Mit anderen Worten, man erlebt keine steigenden neurotischen Tendenzen, sondern das Wechselspiel zwischen den wichtigsten Hormonen in einer Zeit, in der großes neuroendokrines Chaos herrscht. Diese Lebensphase muss kein Todesmarsch durch das mittlere Lebensalter sein; die Perimenopause ist einfach ein Zeitabschnitt, in dem die biologische See rau ist und nur eine kluge Kapitänin am Steuer des Schiffes optimal navigieren kann. Das heißt Sie, mithilfe dieses Buches, und, wenn nötig, einem Arzt Ihres Vertrauens „an Bord“.

Folgende Anzeichen könnten darauf hindeuten, dass Sie in der Perimenopause und nicht plötzlich verrückt geworden sind.

Haben oder hatten Sie in den letzten sechs Monaten …

– das Gefühl, dass Sie den Lebensmitteleinkauf, die Wäsche, das Geschirr und das Kochen viel weniger fröhlich erledigt haben, als, sagen wir, noch vor zehn Jahren?

– eine Vorliebe dafür, sich sozial zu isolieren und zugleich sehr wenig Wert auf Ihre Garderobe zu legen (Sie sind neuerdings introvertiert und tragen nur widerwillig etwas anderes als Ihre Yoga-Hose, wenn Sie außer Haus gehen müssen)?

– das Bedürfnis, die Knöpfe Ihrer Jeans zu öffnen, damit der Ring um Ihre Taille Platz hat, den Sie scheinbar ganz plötzlich über Nacht bekamen?

– eine emotionale Instabilität erlebt? Sind Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben während der Arbeit in Tränen ausgebrochen, als Sie in einer wichtigen Sitzung waren und Ihr Kind Sie wegen eines pubertären Problems anrief?

– das Gefühl, dass Sport nichts bringt, weil er in Bezug auf Ihr Gewicht nichts auszurichten scheint?

– ein allgemeines Gefühl fix und fertig oder einsam zu sein? Ertappen Sie sich dabei, dass Sie auf die Uhr schauen und sich fragen, wann Sie sich, ohne gesellschaftlich anzuecken, von den normalen Aktivitäten zurückziehen und in den Abend verabschieden können?

– Probleme mit dem Schlafen (wahllose Überlegungen und Grübeleien wecken Sie mitten in der Nacht)?

– die Angewohnheit, so schweißgebadet aufzuwachen, dass Sie Ihre Nachtwäsche und das Laken wechseln mussten, und vielleicht Ihr Mann oder Partner auch?

– Krähenfüße und eine ständig zerfurchte Stirn?

– ein mangelndes Interesse an der persönlichen Pflege (es kümmert Sie nicht, wie attraktiv Sie aussehen)?

– eine weniger engagierte und eher zwiespältige Haltung als früher gegenüber Ihren Kindern?

– eine so wenig vorhersagbare Menstruation, dass Sie nicht wissen, ob eine Schmierblutung oder eine starke Periode oder irgendeine seltsame Kombination aus beidem auf Sie zukommt?

– plötzlich vergessen, was Sie wollten, wenn Sie in ein Zimmer gehen? (Sie wissen zwar, dass es einen bestimmten Grund gibt, müssen aber nach Hinweisen darauf suchen.)

– ständigen Zweifel an Ihrem Instinkt und Erkenntnissen?

– Ihrer Familie häufiger angekündigt, dass Mama „jetzt ein Nickerchen macht“ oder „eine Pause braucht“?

– lieber ein Stück Schokolade oder ein Glas Wein genossen anstatt Sex (der, offen gesagt, ganz unten auf Ihrer Liste steht)?

– den Gedanken, dass eine kleine Psychopille immer verlockender wird?

– die Meinung, dass es viel zu aufwendig klingt, Ihre Stimmungsprobleme durch Meiden von Zucker, Alkohol und Mehl, die Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungen und die Einstellung des Hormonspiegels in Angriff zu nehmen?

Die Auswertung

Haben Sie die meiste Zeit fünf oder mehr dieser Gedanken oder Gefühle, egal ob Sie das mittlere Alter noch vor sich oder es bereits hinter sich haben – na dann, herzlich willkommen in der Perimenopause. Das heißt, Ihre Eierstöcke haben damit begonnen, die Produktion der sonst üblichen, immer gleichen, vorhersagbaren und konstanten Menge von Geschlechtshormonen, Östrogen und Progesteron, herunterzufahren. Und, um es noch schlimmer zu machen, Ihr Gehirn reagiert auch noch weniger stark auf die Hormone, die Ihre Eierstöcke immer noch bilden – hierbei handelt es sich um ein Phänomen des weiblichen Gehirns im mittleren Alter –, und die chemischen Glücksstoffe im Gehirn (wie das Serotonin) haben sich ebenfalls verabschiedet. Manche Frauen überstehen die Perimenopause völlig problemlos, andere glauben, dass sie im Begriff sind, den Verstand zu verlieren. Beides sind ganz normale Reaktionen auf die hormonellen Veränderungen des mittleren Lebensalters, der Perimenopause.

Sie sagen sich vielleicht: „Ja! Ja! Das bin ich! Und jetzt?“ Wenn Sie sich um die mithilfe der Fragebögen aus dem ersten Kapitel ermittelten Hormonschwankungen kümmern, wird sich der Sturm der Perimenopause legen. In Kapitel 10, das sich mit den am häufigsten kombiniert auftretenden hormonellen Ungleichgewichten beschäftigt, finden Sie zusätzliche Ratschläge.

Wenn Frauen das Alter von 40 Jahren erreichen, sind sie oft schockiert von den dramatischen hormonellen Veränderungen, die alles beeinflussen, vom Gedächtnis bis hin zum Sex. Doch diese haben sich nicht heimlich über Nacht angeschlichen. Ganz recht: Östrogen, Testosteron und das Wachstumshormon ließen, wenn auch ganz allmählich, bereits früher nach – nämlich bis zu 20 Jahre, bevor Sie sich „plötzlich“ vergesslich und schläfrig fühlten und keine Lust mehr auf Sex hatten. Im Alter zwischen Zwanzig und Dreißig vollziehen sich diese Veränderungen oft unmerklich, aber sie signalisieren, dass der Körper erste Schritte in Richtung Perimenopause macht, die die meisten Frauen in der vierten oder fünften Dekade zu spüren bekommen: Es ist die Lebensphase, die meist zehn Jahre andauert und den Übergang von einem regelmäßigen Menstruationszyklus ins hormonelle Chaos ankündigt.

Die wichtigste Veränderung besteht darin, dass Ihre Eierstöcke die Aufgabe der monatlichen Ovulation nicht mehr erfüllen. Sie koppeln sich zuerst zeitweise ab und stellen schließlich die Bereitstellung einer befruchtungsfähigen Eizelle ganz ein. Wenn es soweit ist, fühlen sich viele Frauen als wären sie im falschen Film.

Die Perimenopause aus wissenschaftlicher Sicht

Während des Studiums wurde uns beigebracht, dass man an der Menstruationsblutung ablesen kann, wann eine Frau von den fruchtbaren Jahren – mit klassischerweise einem monatlichen Eisprung und der Bildung der Fortpflanzungshormone (Östradiol und Progesteron) –, in die unfruchtbaren Jahre und die Menopause hinüberwechselt. Das Wort Menopause leitet sich aus dem Griechischen pausis (Beendigung) und men (Monat) ab und bezeichnet das Ende des Monatszyklus.

Wenn Sie sich nach der offiziellen medizinischen Definition richten, planen Sie Ihre „Menopausen-Party“ am besten ein Jahr nach der letzten Menstruation. Das legt nun die Vermutung nahe, die Menopause sei eine „eintägige Veranstaltung“ und der „erste Jahrestag“ der „offizielle Ruhestand“ der weiblichen Eierstöcke. Doch so ist es nicht. Genauso, wie ein Rückzug aus dem Arbeitsleben heutzutage nicht gleichbedeutend damit ist, dass gar keine Aktivität mehr stattfindet, bilden auch die Eierstöcke in der Menopause immer noch bestimmte Hormone wie Testosteron und Östron, aber eben nicht mehr die großen Mengen an Östradiol und Progesteron, die mit dem Eisprung einhergehen.

In den Jahren meiner klinischen Praxis bin ich auf eine ganze Menge Symptome gestoßen, die mit der Perimenopause zusammenhängen, im Alter von etwa 35 bis 45 Jahren auftreten und den Veränderungen bei Ihrer Periode vorangehen. Diese Symptome sind hormonelle Anhaltspunkte, Signale von Ihren Eierstöcken, dass Sie im Begriff sind, in einen neuen Lebensabschnitt einzutreten. Typischerweise gehören zu diesen Symptomen Veränderungen in verschiedenen Bereichen: Stimmung, Schlaf, Gewicht, Libido und Gelassenheit.

In vielerlei Hinsicht ist die Menopause das Gegenteil der Pubertät, der Lebensphase, in der Frauen fortpflanzungsfähig werden. Die Perimenopause ist gewissermaßen vergleichbar mit den Jahren unmittelbar vor der Pubertät. Wie in den Jahren vor der Menarche, Ihrer ersten Menstruation, spielt der Hormonspiegel auch wieder verrückt. Dabei müssen Ihre Eierstöcke, die Schilddrüse und die Nebennieren in Bestform sein, damit Sie sich auch in Bestform fühlen – doch mehrere Dinge verschwören sich gegen Sie.

Zunächst macht sich der Alterungsprozess in den Eierstöcken bemerkbar. Sie haben nicht mehr jeden Monat einen Eisprung, also kommt Ihre Menstruation häufiger oder seltener oder ist überhaupt nicht mehr vorhersagbar. Da Ihr Körper nicht mehr so viele reife, das heißt, befruchtungsfähige Eizellen zur Verfügung stellt, erhöht die Hypophyse die Menge der Steuerungshormone – des follikelstimulierenden (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH) –, um die Tätigkeit der Eierstöcke anzuregen. Weil die Eierstöcke aber nicht entsprechend darauf reagieren, steigt der Spiegel der Steuerungshormone weiter. Und in all dem Chaos kommt Ihnen vielleicht noch die Idee, ein weiteres Kind zu bekommen – schnell, schnell, bevor es zu spät ist! –, wäre eine gute Sache. Denken Sie daran: Das sind nur die Einflüsterungen Ihrer Hormone, es ist keine logische Reaktion auf die Realität. Bald kommt auch Ihr FSH in die Jahre und Sie haben Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Jetzt ist es offiziell und auch die Körperchemie ist eindeutig: Sie sind in der Menopause und bekommen kein weiteres Kind, sondern kaufen sich einen Hund.

Anschließend wird Ihre Schilddrüse träge. Ihr Stoffwechsel verlangsamt sich. Ihr Gewicht steigt, selbst wenn Sie weniger essen und mehr Sport treiben. Sie fühlen sich ausgelaugt, und Ihre Launen sind unberechenbar.

Gleichzeitig treten die Nebennieren auf den Plan. Bei all diesen hormonellen Veränderungen steigt die Stressreaktion. Sie können auf Änderungen nicht mehr so flexibel reagieren wie früher. Sie können sich nicht mehr konzentrieren. Sie haben nicht mehr die Energie, noch etwas zu Ende zu bringen, wenn die Kinder im Bett sind, und ehe Sie sich versehen, ist es Mitternacht. Sie gehen zu Bett, aber Sie wachen ständig auf, denn Ihnen ist heiß oder Sie müssen zur Toilette oder Ihr Mann schnarcht.

Addieren Sie all das auf und Sie haben den perfekten neuroendokrinen Sturmangriff: Alle drei Hormonsysteme – Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren – ziehen Ihnen gemeinsam den Boden unter den Füßen weg. Ihr neues Mantra heißt: Das Leben ist unberechenbar. Auf drei wunderbare Tage voller Glückseligkeit folgt ein Anruf aus der Schule, dass Ihr Kind Läuse hat, und Sie verlieren völlig den Verstand. Reizbarkeit wird zum vorherrschenden Zustand. Bei Ihrem Liebesleben bestünde ebenfalls Verbesserungsbedarf, aber sich auch noch hier zu engagieren, übersteigt Ihre Kapazitäten. Zucker, Alkohol und Schokolade werden zum täglichen Rettungsanker. Haben Sie Geduld. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass Sie Ihr hormonelles Gleichgewicht zurückbekommen und sich wieder ganz wie früher fühlen.

Überfordert? Das könnten die Gene sein

Mehrere Gene sind in der Perimenopause, besonders während des letzten Jahres, wenn der Östrogenspiegel sinkt, möglicherweise „konspirativ“ gegen Sie tätig. Ein niedriger Östrogenspiegel beeinflusst vielleicht die Gene, deren Aufgabe die Steuerung von Serotonin, Dopamin und Neurotropin (BDNF, Brain-Derived Neurotrophic Factor) ist. Gegen Ihr Gene sind Sie zwar relativ machtlos, doch wenn Sie wissen, dass ein solches Risiko besteht, sind Sie vielleicht eher bereit, auf sich zu achten, die Regulierung Ihres Hormonspiegels in Betracht zu ziehen und Supplemente einzunehmen, die Ihnen nachweislich helfen.

Serotonin-Transporter-Gen (SLC6A4): Bis zu 40 Prozent der weißen Bevölkerung weisen bezüglich der Art und Weise, wie Serotonin im Gehirn von einer Zelle zur anderen transportiert wird, eine genetische Variante auf, die insbesondere nach Stress zu einer erhöhten Anfälligkeit für Depressionen führt. Normalerweise verfügen Sie über zwei Kopien des langen Serotonin-Transporter-Gens. Frauen, die eine oder zwei Kopien des kurzen Serotonin-Transporter-Gens haben, sind weniger stresstolerant, zeigen eine Cortisolresistenz (das Gehirn reagiert nicht auf Cortisol, das wichtigste Stresshormon), und sprechen auf Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) schlechter an als Frauen, die über das lange Gen verfügen. Mit anderen Worten, Frauen mit den kurzen Serotonin-Transporter-Genen zeigen eine verstärkte Hypervigilanz (erhöhte Wachheit oder Wachsamkeit) der Amygdala, die sich weiter verstärken kann, wenn der Östrogenspiegel sinkt. Ein normaler Östrogenspiegel kann zwar die Wirkung des Gens außer Kraft setzen, aber in der Perimenopause führt ein niedriger Östrogenspiegel möglicherweise dazu, dass eine Frau mit diesen kurzen Serotonin-Transporter-Genen plötzlich, scheinbar über Nacht, völlig in Stress gerät und depressiv wird.

Catechol-O-Methyltransferase (COMT): COMT ist eines der Enzyme, die Ihr Gehirn bei der Verarbeitung der Catecholamine, d.h. von Neurotransmittern im Gehirn, unterstützt; zu ihnen gehören Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Das normale COMT-Gen gibt es in der Variante „COMT-Met“ und COMT-Val“; das bezieht sich auf die Aminosäuren in der DNA. Frauen mit der „Met“-Variante haben Schwierigkeiten mit der Verstoffwechselung von Östrogen.

Neurotropin (BDNF): BDNF ist eine chemische Substanz im Gehirn, die das Wachstum von Nervenzellen und die neuronale Plastizität insbesondere in den Teilen des Gehirns fördert, die mit dem Lernen, dem Langzeitgedächtnis und der Fähigkeit zu komplexem Denken in Zusammenhang stehen. (Bei der neuronalen Plastizität handelt es sich um die Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder auch von ganzen Hirnarealen, sich je nachdem, wie sie verwendet werden, in ihren Eigenschaften zu ändern; Anm. d. Übers.) Der BDNF-Spiegel wird vom BDNF-Gen gesteuert. Östrogen erhöht BDNF, Sport auch. Es überrascht also nicht, dass Cortisol die Bildung von BDNF reduziert. Ein weiteres Beispiel für die Kommunikation zwischen Hormonen, Neurotransmittern und Ihren Genen: Wenn in der Perimenopause der Cortisolspiegel steigt und der Östrogenspiegel sinkt, kann BDNF abnehmen.

Liegt das Problem in der Mutterschaft begründet?

Ich musste mich fragen, ob meine nachlassende Energie mit Ende Dreißig damit zu tun hatte, dass ich zwei Kinder habe. Seinerzeit kämpfte ich mich durch 120-Stunden-Wochen an der Universität und die Facharztausbildung, doch die Jahre nach der Geburt meiner Kinder fand ich viel strapaziöser. Es schien wie ein Nullsummenspiel, in dem ich ständig einen mir lieb gewordenen Aspekt meines Lebens einem anderen opferte. Es schien, als sei ich nie in der Lage gewesen, meine Batterien wieder ganz aufzuladen und in der Folge litten meine Leistungsfähigkeit und meine Geduld. Das ist nicht nur meine Erfahrung; die Amerikanerinnen insgesamt berichten, dass ihr psychisches Wohlbefinden zwischen 35 und 50 am schlechtesten ist und meist mit vermehrten Sorgen und Traurigkeit einhergeht.

Bestand das Problem darin, Mutter zu sein? Nein, es lag an den Hormonen. Woher ich das weiß? Weil 20 Prozent meiner Patientinnen in den Vierzigern keine Kinder haben und sich mit denselben Problemen herumschlagen. Sie schlafen regelmäßig schlecht, klagen über zusätzliche Pfunde auf den Rippen, und sie fragen sich, warum sie sich nicht mehr so lebendig fühlen und nicht mehr so aussehen wie früher.

Auf der Suche mit 40 plus

In seinem Buch The Tree of Yoga (zu Deutsch etwa: „Der Baum des Yoga“) beschreibt K. S. Iyengar die vier Entwicklungsstadien im indischen System der Ashrams: Schüler, Haushaltungsvorstand, Waldbewohner, Entsagender. (Sie sind den von C. G. Jung und Erik H. Erikson beschriebenen nicht unähnlich.) Iyengar sagt, dass dieses System es dem Menschen im mittleren Lebensalter (dem Waldbewohner) ermöglicht, frei von familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen zu sein, um nach der Versenkung des Yogi zu streben. Mit anderen Worten, es wird Ihnen am besten ergehen, wenn Sie sich mit etwa 42 Jahren der äußeren Welt und ihren Zwängen allmählich zu entziehen beginnen und sich nach innen wenden.

Das klingt gut, aber ich war durch die Schwangerschaften beansprucht. Nun bin ich Mitte Vierzig und wäre sehr gerne eine Waldbewohnerin, doch jetzt sind da diese zwei aufgeweckten Kinder (zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Buches 8 und 13 Jahre alt), die mich brauchen. Ich würde gerne hundertprozentig zur Verantwortung für meine Familie stehen, aber ich fühle mich oft, als würden mein Gehirn und mein Körper mich lieber als Suchende sehen, die sich ganz legal aus den dem unmittelbaren Tagesgeschäft ausblenden darf.

Mit diesem Gefühl stehe ich nicht alleine da. Frauen in den Vierzigern sind hormonell darauf ausgerichtet, Sucherinnen zu sein, frei von häuslicher Verantwortung, aber viele von uns wurden erst später Mutter. In der Zeit, die unser Körper eigentlich dafür vorgesehen hat, Waldbewohnerinnen zu sein, stecken wir frustriert und belastet durch die Pflichten des Haushalts fest.

Dr. Louann Brizendine ist Psychiaterin an der Universität von Kalifornien in San Francisco und betreibt Forschung zu den Themen Hormone sowie Frauen und ihre Gemütslage. Ihre Schlussfolgerung: Durch die Haushaltspflichten – abgesichert durch einen Partner und mit Kindern – führen die vorhersehbaren hormonellen Veränderungen zwangsläufig dazu, dass sich Frauen in der familiären Erziehung und Pflege einrichten. Manche bezeichnen diese Haltung als hormonelle Wolke oder hormonellen Vorhang. Und dann, in den Vierzigern, wachen wir auf (wahrscheinlich so gegen zwei Uhr nachts) und sind überzeugt davon, dass wir die Scheidung wollen. Wir haben die Nase von all den hilfsbedürftigen, egozentrischen Narzisten in unserem Leben, wir sind zu Tode erschöpft und wir brauchen eine Auszeit. Wir sind gerüstet und bereit und instinktiv darauf gepolt, Waldbewohnerinnen zu sein.

Das ist nicht alles schlecht. Sie erinnern sich, die Perimenopause ist eine natürliche Lebensphase, keine Krankheit. Das Tolle daran ist, wenn Sie erst einmal die Jahre als Haushaltungsvorstand hinter sich haben, interessiert es Sie weniger, was andere Leute denken. Sie kümmern sich weniger um Klamotten und Make-up, um die Meinung Ihrer Mutter über Ihre Frisur, oder darum, ob Sie mit Ihrer Meinung anderen auf den Schlips treten. Warum ist das so? Ihre Eierstöcke bilden weniger Östrogen – und am Östrogen liegt es, dass Sie Kinder haben, hübsch aussehen und den Menschen gefallen wollen. Weniger Östrogen bedeutet, dass Sie aufhören, es Menschen kritiklos recht zu machen und schließlich sogar damit herausplatzen, was Sie, seit Sie 25 Jahre alt waren, schon immer einmal loswerden wollten.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise hat zwei Bedeutungen: Gefahr und Chance. Frauen in der Perimenopause sind gefährlich, denn wir machen uns eben nicht mehr länger Liebkind bei allen oder, wie wir es aus dem Englischen übernommen haben, wir sind nicht mehr „Everybody‘s Darling“. Wir sagen jetzt: „Das ist schön, aber, bei allem Respekt, es interessiert mich nicht.“ Wir stehen nicht mehr länger unter dem hormonellen Druck des „Lass mich dir zu Gefallen sein“, wie es in den Zwanzigern und Dreißigern war, sondern wir beginnen uns zu begeistern, wir werden weiser, kreativer. Wir kommen ganz in die eigene Kraft.

Und die Verrücktheit hört wirklich auf, glauben Sie mir. In Ihrem Buch „Weisheit der Wechseljahre“ erinnert uns Dr. Christiane Northrup daran, dass wir in der Perimenopause aus den Jahren der hormonellen Schwankungen in eine Zeit des Lebens überwechseln, die sich in gleichmäßigeren Gewässern abspielt, in der wir (wie vor der Pubertät) jeden Tag denselben Hormonspiegel haben. Und das bedeutet schließlich mehr Stabilität im Leben nach der Menopause. Das verspreche ich Ihnen.

Die goldene Mitte

Ich habe festgestellt, dass es zwei Möglichkeit gibt, mit der Menopause umzugehen: Auf der einen Seite steht die Schulmedizin; hier bieten Ärzte allen Frauen, ohne Rücksicht auf ihre individuellen Symptome, die gleiche Behandlung an. Im Allgemeinen heißt das, die „Pille“ für jüngere Patientinnen und eine Hormonersatztherapie für Frauen ab Mitte Vierzig. Alternativ verschreiben immer mehr Schulmediziner seit 2002, als viele verängstigte Frauen keine Hormone mehr einnehmen wollten (hier bezieht sie sich auf die WHI-Studie, die vorzeitig abgebrochen werden musste, weil sie statt zu den gewünschten Erfolgen zu einem erhöhten Krebsrisiko führte; Anm. d. Übers.), für alles, worunter Patientinnen im mittleren Alter leiden – von Angstzuständen über Zwangsstörungen bis hin zum einfachen Gefühl der Überforderung – Antidepressiva.

Aber die Sache hat einen Haken: Kennen Sie den Warnhinweis auf den Beipackzetteln all dieser Medikamente? Antidepressiva haben durchschnittlich 70 mögliche Nebenwirkungen und manche sage und schreibe 500. Gelegentlich widersprechen sie sich auch: Ein Medikament soll müde machen, doch wenn Sie ein bisschen weiter lesen, verursacht es auch Schlaflosigkeit.

Auf der andere Seite stehen all diejenigen, die mit Medikamenten nichts zu tun haben wollen und von dem Gedanken fasziniert sind, eine Frau könne die Perimenopause bewältigen, wenn sie extrem auf ihren Lebensstil achtet. Und das sieht dann in etwa so aus: Kein Alkohol! Nur gefiltertes Wasser, mindestens zwei Liter täglich! Kalorien einschränken! Mehr Sport treiben! Nie wieder Koffeinhaltiges oder Diätlimonade! Mehr Ballaststoffe! Keinen Zucker mehr! Ein einziges Stückchen Schokolade, aber nur nach dem Frühstück! Leinsamen! Viele kleine Mahlzeiten! Und damit das klar ist: nur drei Mahlzeiten täglich, keine Zwischenmahlzeiten und nach 19 Uhr nichts mehr! Jede Nacht acht Stunden Schlaf! So viel Zeit wie möglich mit Freundinnen verbringen, aber den eigenen Mann nicht vernachlässigen! Mindestens dreimal pro Woche Sex, am besten noch öfter, denn in 30 Minuten werden 200 Kalorien verbrannt! Mehr solcher „Ratschläge“ für das Liebesleben bei mangelnder Libido habe ich auch bei den meisten der renommierten (im Übrigen männlichen) Ärzten oder Autoren gelesen. All das ist ausgemachter Unsinn, es ist bevormundend und geht auch noch völlig am Problem vorbei. Man kann einer Frau mit mangelnder Libido doch nicht vorschreiben, sie solle sich einfach zusammenreißen und mehr Sex haben. Die geringe Lust auf Sex ist doch genau das, woran es bei einem solchen Paar hakt. Wer der Frau die Schuld anlastet, die zugrunde liegenden Ursachen ausklammert und die Beziehungsprobleme außer Acht lässt, lässt die Frauen im Regen stehen und hat überhaupt nicht verstanden, worum es geht.

Liebe Leserinnen, all das aufzuschreiben, macht mich schon völlig fertig – alle diese Vorschriften und Verbote wohlmeinender Menschen sind nicht auf die Ursache des Problems gerichtet, die in einer Hormonstörung liegt. Mit mehr Willenskraft erreicht man gar nichts; die Lösung besteht vielmehr darin, dass hormonelle Geschehen zu verstehen und die Hormone dann aufeinander abzustimmen.

Meine Aufgabe ist es, Ihnen die wichtigen Veränderungen in Ihrem Lebensstil – wie Sport, Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte, bewährte kontemplative Praktiken und sogenannte Nutrazeutika, also medizinisch wirksame Lebensmittel – als Teil einer Lebensart zu empfehlen, die entspannt sein kann, ohne Stress auskommt und speziell auf Ihre hormonellen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Keine der erwähnten Optionen – weder die Medikamente noch die täglichen Entbehrungen – gefallen mir, und ich habe auch noch nicht gesehen, dass sie Frauen langfristig helfen.

Lassen Sie uns konkretisieren, was hormonelles Gleichgewicht für Sie bedeutet (vorzugsweise, bevor Sie die Perimenopause erreichen, aber ich kann Ihnen auch helfen, wieder in die Balance zu kommen, wenn Sie schon mittendrin sind). Dieser Prozess beginnt mit dem Verständnis für die physiologischen Abläufe. Wir suchen nach den zugrunde liegenden Ursachen und vollziehen wirkliche Veränderungen, anstatt uns mit den Medikamenten zufriedenzugeben, die nur oberflächlich an den Symptomen kratzen und zu deren Einnahme Ihr Arzt Sie vielleicht überreden möchte. Wir begeben uns auf eine Reise, dorthin, wo Sie sich am besten, am authentischsten fühlen. Kommen Sie mit?

Teil 2

KAPITEL 4
Cortisolüberschuss und/oder Cortisolmangel: Sind Sie gestresst? Ist ein Leben ohne Koffein sinnlos?

Stress kann positiv und negativ sein. Manche Leute laufen unter moderatem Stress zur Hochform auf, andere sacken in sich zusammen. Ihre Reaktion auf Stress wird in erster Linie durch Glucocorticoide (einschließlich Cortisol) bestimmt und hängt gleichzeitig davon ab, wie Sie genetisch ausgestattet sind, in welchem Zustand sich Eierstöcke und Schilddrüse befinden und wie geschickt Sie mit Belastungen umgehen können. Cortisol, das „Stresshormon“, ist das komplexeste und am meisten verkannte Hormon, mit dem ich in meiner Praxis zu tun habe. Stress treibt den Cortisolspiegel in die Höhe. Besteht jedoch schon ein jahrelanger Dauerstress, kann der Cortisolspiegel innerhalb kürzester Zeit von zu hohen auf zu niedrige Werte umschlagen oder auch die ganze Zeit schwanken, manchmal innerhalb von Stunden. Daher spreche ich in diesem Kapitel beide Extreme sowie eine bewährte Lebensführung an, die unabhängig vom Cortisolspiegel hilfreich ist. Unternimmt man nichts gegen den Stress und hält er weiter an, können die Nebennieren, die Cortisol und die Stress-Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin bilden, schließlich nicht mehr Schritt halten und der Cortisolspiegel fällt auf ein Dauertief. Auch wenn ich diese komplexen Informationen zwangsläufig vereinfache, die Kernaussage ist die Folgende: Sie können unter mehreren Symptomen eines zu hohen und eines zu niedrigen Cortisolspiegels leiden. Wenn Sie Ihre Symptome in den Fragebögen von Teil A und/oder Teil B aus dem ersten Kapitel wiedererkennen, bitte ich Sie eindringlich: Kümmern Sie sich darum – als würde Ihr Leben davon abhängen (und es hängt auch davon ab), denn die meisten Schulmediziner suchen bei Nebennierenproblemen nicht nach graduellen Hinweisen, doch genau diese Abstufungen sind ein Merkmal eines hohen wie auch eines niedrigen Cortisolspiegels. Selbst wenn Sie weniger als fünf Übereinstimmungen in Teil A oder Teil B haben, aber fünf oder mehr in beiden Teilen zusammen, sollten Sie Ihren Cortisolspiegel untersuchen lassen (siehe Anhang). Dieses Kapitel gliedert sich in Teil A, dort wird der übermäßig hohe Cortisolspiegel besprochen, und in Teil B, der sich auf den erniedrigten Cortisolspiegel konzentriert.

Cortisol

Cortisol ist das Hormon, welches das Hungergefühl, die Verdauung, den Blutdruck, das Schlaf-Wach-Muster, die körperliche Aktivität und die Fähigkeit zur Stresstoleranz steuert. Es gehört zur Familie der Glucocorticoide – ein Fantasiename für Substanzen, die den Blutzuckerspiegel anheben können. Und das ist auch die Hauptaufgabe des Cortisols: Den Blutzuckerspiegel zu erhöhen und den Überschuss über einen als Glycogenspeicherung bezeichneten Prozess in der Leber einzulagern. Glucose ist ein Energielieferant. Bekommen Ihre Zellen nicht genug davon, machen Sie schlapp. Vielleicht haben Sie bei anstrengender sportlicher Betätigung schon mal das Gefühl gehabt „überzuschnappen“. Sie fühlen sich plötzlich schwindelig, reizbar und ausgesprochen unterzuckert; das sind Hinweise darauf, dass Sie Ihren größten Energievorrat aufgebraucht haben.

Cortisol ist das leistungsstärkste Glucocorticoid und hat drei wichtige Eigenschaften, die uns am Leben erhalten. Es

– lässt den Blutzuckerspiegel steigen,

– erhöht den Blutdruck,

– reguliert Entzündungen.

Das Stress-Cortisol-Pendel: Kurzfassung

Stress ist unvermeidbar, er greift um sich und nimmt ständig zu. Er gehört zum Leben, und wenn jemand weiß, wie man es schafft, stressfrei zu leben, dann geben Sie mir bitte sofort Bescheid. Stress ist aber nicht per se negativ: Unter normalen Umständen kommt es zu einer vorübergehenden Anflutung von Cortisol – dem Hormon, das freigesetzt wird, wenn Sie unter Stress sind –, und das ist eine nützliche, schützende und idealerweise nur gelegentlich notwendige Maßnahme des Körpers. Die Stressreaktion ist ein geeignetes Alarmsystem; vielleicht muss ein Freund medizinisch notfallversorgt werden oder Ihr Haus wurde ausgeraubt. Sobald Sie reagieren und die Situation im Griff haben, sollte Ihr Cortisolspiegel wieder auf den Normalwert absinken. Funktioniert Ihr Cortisolmechanismus in angemessener Weise, können Sie das auch von Ihrem Alarmsystem erwarten und umgekehrt.

Bei vielen Frauen kommt es jedoch zum „Daueralarm“ – die Cortisolanflutung hört nicht mehr auf. Das Pendel, das eigentlich gemächlich schwingen sollte, bleibt auf der „Alarm“-Seite hängen. Viel zu viele von uns quälen sich mit nicht enden wollenden Stresssymptomen und Überspanntheit, wie sie in Teil A des Fragebogens aus dem ersten Kapitel beschrieben sind (zum Beispiel Heißhunger auf Schokolade, Schlafstörungen, Bauchfett, Angstzustände). Wenn Sie gerade dieses Kapitel lesen, ist es also gut möglich, dass Sie auch zu den Betroffenen gehören. Aber ich habe gute Nachrichten für Sie. Ich kenne das Problem selbst und weiß, was zu tun ist. Ich habe die Nachweise der Methoden durchgearbeitet, die funktionieren, und ich gebe sie an Sie weiter. Sie glauben vielleicht, dass es Ihnen nicht möglich ist, Ihren Lebensstil zugunsten einer guten Gesundheit radikal zu verändern, aber ich kann Sie beruhigen. Schon kleine Veränderungen in der Art und Weise, wie Sie Ihren vielen verschiedenen Rollen gerecht werden, können der Anfang eines Weges sein, auf dem Sie sich schließlich wie neugeboren fühlen.

Mein „ausschlagendes“ Stress-Pendel

Mit über Dreißig war ich das Musterbeispiel der gestressten Frau – und ich musste in der Folge erfahren, welchen zusätzlichen Schaden ein hoher Cortisolspiegel anrichtet. Schon Kleinigkeiten wurden zum Problem, zum Beispiel der Straßenverkehr und die Wäsche, sogar das Mittagessen für meine Kinder. Ich habe vergessen, sie von der Schule abzuholen. Und wenn ich daran gedacht habe, war ich unpünktlich, weil ich meine Schlüssel nicht finden konnte. Eine Tasse Kaffee – und mein Herz schlug wie eine Buschtrommel. Ich freute mich auf ein Glas Wein zum Tagesausklang, aber aus einem wurden zwei, und dann konnte ich doch nicht schlafen.

Trotz Sport und gesunder Ernährung war mein Blutzuckerspiegel hoch, und ich war so süchtig nach Süßigkeiten, dass ich mich nicht beherrschen konnte. Mein Taillenumfang wuchs, und als mich eine Mitarbeiterin im Biomarkt fragte, ob ich schwanger sei (und nein, ich war es nicht!), rastete ich fast aus. Alle meine Stressbewältigungsmechanismen gerieten ins Wanken. Ich entdeckte, dass das eigentliche Problem darin bestand, wie ich Stress wahrnahm – mit anderen Worten, mein Stressempfinden war in hohem Maße hausgemacht und dafür war ich selbst verantwortlich. Jeder Mensch hat Ansprüche und Probleme; als ich das endlich begriffen hatte und aufhörte, den äußeren Umständen die Schuld für mein Befinden zu geben, und mental flexibler wurde, eröffnete sich mir ein ganz neuer Raum, der in hormoneller Hinsicht unterstützend wirkte.

Die weibliche Stressreaktion: Männer kämpfen, Frauen reden

Wenn Männer sich gestresst fühlen, neigen sie zur klassischen Reaktion von Kampf oder Flucht.1 Männer schlagen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Frauen um sich oder sie ziehen sich zurück; insbesondere suchen sie sich ein Ventil, um sich dem Problem nicht stellen zu müssen, zum Beispiel Substanzmissbrauch in Form von übermäßigem Alkohol- oder Tabakkonsum, manchmal sogar Drogen. Die Art, wie Männer mit Stress umgehen, wird als ursächlich für ihre im Vergleich zu Frauen schlechte Gesundheit und geringere Lebenserwartung angesehen.

Die ursprünglichen Daten zur Stressreaktion von Männern wurden von Walter Cannon erhoben, dem Arzt, der den Begriff „Kampf oder Flucht“ („fight or flight“) prägte. Man vertrat die These, dass sie auf Frauen gleichermaßen zuträfen. Neueres Datenmaterial zeigt jedoch, dass Stress bei Frauen eine andere Reaktion auslöst. Professor Shelley Taylor von der University of California in Los Angeles nennt sie „tend and befriend“ (zu Deutsch etwa: hegen und pflegen). Wenn Frauen unter Stress stehen, suchen sie die Gesellschaft anderer, was die meisten Männer nicht tun.2

Das ist auch Teil meines Stressabbau-Programms. Wenn ich mich mit anderen Müttern treffe, und wir uns über unser Leben austauschen oder darüber, wie man Verhaltensprobleme bei den Kindern und dem Ehemann abstellt, bilden wir ein Netzwerk von Stress abbauenden, fürsorglichen Frauen und machen uns das Oxytocin zunutze, das Hormon der Liebe, das auch ein Neurotransmitter (ein chemischer Botenstoff im Gehirn) ist. Das Ganze ist viel mehr als die Summe seiner einzelnen Teile, wie der berühmte Ausspruch von Aristoteles lautet; die Oxytocinwerte im Blut und im Gehirn steigen an und dadurch sinkt der Cortisolspiegel.

Die Wissenschaft ging lange Zeit davon aus, dass bei Männern und Frauen unterschiedliche Mengen von Cortisol als Reaktion auf Stress freigesetzt werden, was allerhand Spekulationen über Frauen, einen hohen Cortisolspiegel und die Emotionalität nach sich zog. Es scheint jedoch so zu sein, dass Frauen eben nicht einfach nur mehr Cortisol bilden als Männer, sondern auch weitaus mehr Oxytocin, um den Stress abzumildern. Der Spiegel dieses hochwirksamen Hormons steigt beim Küssen oder Umarmen, beim Sex, wenn wir ein Kind zur Welt bringen oder stillen. Die neuronalen Netze von Frauen sind viel stärker auf Oxytocin angewiesen als dies bei Männern der Fall ist. Da Frauen sehr viel mehr Östrogene bilden als Männer und dieses den Bindungseffekt von Oxytocin verstärkt, entscheiden sich Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit für die „tend-and-befriend“-Reaktion als Männer. Natürlich ergreifen auch Frauen die Flucht, wenn eine Bedrohung ernst ist, doch das entspricht nicht dem weiblichen Urinstinkt, sondern dem männlichen.

Ehe, Stress und Cortisol

In Bezug auf die Gesundheit werden Männer durch die Ehe stärker begünstigt als Frauen.3 Im Vergleich zu den Frauen haben verheiratete Männer zu Hause einen niedrigeren Blutdruck als bei der Arbeit.4 Bei heterosexuellen Eheleuten mit kleinen Kindern steigt der Cortisolspiegel bei Frauen dramatisch an, wenn Sie sich über die Arbeit (ihre eigene oder die ihres Mannes) Sorgen machen, wohingegen der Cortisolspiegel bei Männern nur mit ihren eigenen beruflichen Sorgen korreliert.5

Manchmal sind die Reaktionen von Männern und Frauen auf Stress bemerkenswert ähnlich. Bei Doppelverdienern mit mindestens einem Kind unter fünf Jahren steigt der Cortisolspiegel im Verlauf des Tages bei Männern und Frauen ähnlich an, wenn sie zum Beispiel länger arbeiten müssen.6 Frauen und Männer, die sich nach der Arbeit beide um die Hausarbeit kümmern, wiesen einen höheren abendlichen Cortisolspiegel auf. Es überrascht nicht, dass Männer, die sich nach der Arbeit auf Freizeitaktivitäten konzentrierten, einen niedrigeren abendlichen Cortisolspiegel hatten. Wenn Männer bei der Hausarbeit halfen, erholte sich der abendliche Cortisolspiegel ihrer Frau stärker. Mit anderen Worten: Arbeitsteilung bei Paaren verbessert die weibliche Gesundheit, also sorgen Sie unbedingt dafür, dass Ihr Partner im Haushalt mit anpackt.7

Teil A: Wissenswertes zu hohen Cortisolwerten

Stress und die Freisetzung von Glucocorticoiden sind untrennbar miteinander verbunden, und oft schadet Ihre Stressreaktion mehr, als dass sie nützt. Wenn wir erschrocken sind oder uns bedroht fühlen, springt ein urzeitliches Kommunikationssystem an, und die Hormone aus dem Gehirn veranlassen die Nebennieren, mehr Cortisol ins System zu pumpen. Fast das gesamte Cortisol wird von der Nebennierenrinde freigesetzt; die Nebennieren sind kleine endokrine Drüsen, die wie Kappen auf den Nieren sitzen. (Sehr geringe Mengen Cortisol werden auch im Gehirn und im Darm gebildet.) Der Mensch ist darauf eingerichtet, auf eine kritische Situation, zum Beispiel das plötzliche Auftauchen eines Tigers, mit einer „Cortisol-Salve“ zu reagieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens, um Ihre Muskeln mit Glucose zu versorgen, damit Sie kämpfen oder wegrennen können. Und zweitens, um den Blutdruck zu erhöhen, damit das Gehirn mit viel frischem Sauerstoff versorgt wird und Sie klar denken können. Das steckt hinter dem Kampf-oder-Flucht-Verhalten.

Der wissenschaftliche Ausdruck für stressgeplagt nennt sich Übererregung; das bedeutet, dass das Alarmsystem des Körpers im „Dauerbetrieb“ ist. Im Jahr 2011 ermittelte die Amerikanische Psychologische Gesellschaft, dass 3/4 der amerikanischen Bevölkerung nach eigenen Angaben unter einem ungesunden Stresslevel leidet. Auf die Frage, was sie tun, wenn sie sich gestresst fühlen (Mehrfachnennungen waren möglich), sagten 39 Prozent: zu viel essen, 29 Prozent: Mahlzeiten auslassen, 44 Prozent: Nachts wach liegen. Frauen berichteten von höheren Stresspegeln als Männer.

Dr. Mark Hyman, Hausarzt und fünfmaliger Bestseller-Autor der New York Times sagt dazu: „95 Prozent aller Krankheiten werden durch Stress entweder verursacht oder verschlimmert.“8 Das Amerikanische Institut für Stressforschung berichtet, dass in 75 bis 90 Prozent aller Fälle stressbedingte Krankheiten der Grund für einen Besuch beim Arzt, Heilpraktiker oder bei einem anderen Therapeuten sind. Es ist also ganz offensichtlich, dass die gängigen Methoden im Umgang mit Stress bei uns nicht funktionieren.

Der hohe Cortisolspiegel – wissenschaftlich betrachtet

Blättern Sie weiter auf Seite 130 zu „Teil A: Das Gottfried-Programm bei Cortisolüberschuss“, wenn Sie sich nicht für den wissenschaftlichen Hintergrund interessieren.

Stress bemächtigt sich Ihres Körpers mithilfe Ihres Gehirns, das heißt über Hypothalamus, Amygdala, Hippocampus und andere Strukturen, die Emotionen und Verhalten modulieren. Sie reagieren auf den Stress über ein hormonelles Kontrollsystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA), die eine Kettenreaktion aus Angst und Resonanz in Gang setzt. Diese HPA-Achse kann mit der Aushangstafel an einer Schule verglichen werden: Der Direktor (Hypothalamus) beauftragt seinen Stellvertreter (die Hypophyse, der die Nebennieren unterstehen) eine Ankündigung für alle Schüler (die Zellen, die mit dem Cortisol und anderen Stressmediatoren in Wechselwirkung stehen) an das „schwarze Brett“ (Ihre Nebennieren) zu heften. Dieses schwerfällige, antiquierte System bestimmt tatsächlich, wie Sie mit Stress umgehen. Es ist fast erschreckend, dass solch eine altmodisch anmutende Methode für die Steuerung äußerst wichtiger Aufgaben zuständig ist, beispielsweise Verdauung, Immunfunktion, Geschlechtstrieb, Energienutzung und -speicherung sowie für die Art des Umgangs mit Emotionen und Stimmungen – Ihren eigenen und denen anderer Menschen.

„A“ wie Allostase

Das beschriebene System ist dafür konzipiert, Ihrem Körper bei der Bewältigung des wichtigen Prozesses der Allostase zu helfen, was wörtlich Erhaltung der Stabilität (Homöostase) durch Veränderung bedeutet. Laufen die Ereignisse in normaler Reihenfolge ab, veranlasst die HPA die Nebennieren, die Cortisolbildung zu erhöhen; das vermehrte Cortisol wiederum hemmt über eine Feedback-Schleife die HPA, die bis zum nächsten Alarm ihre Aktivitäten herunterfährt. Die wesentliche Botschaft des Cortisols an die HPA ist: „Keine Sorge, wir haben alles im Griff“, sodass diese auf Normalbetrieb schaltet. Kommt es aber zu einer übermäßigen Stressbelastung, ist Cortisol so sehr damit beschäftigt, den Blutstroms zu fluten, dass die Feedbackschleife ausfällt; die HPA wird also nicht daran „erinnert“, dass sie sich auch wieder beruhigen kann. Infolgedessen signalisiert sie den Nebennieren weiterhin, sie mögen immer mehr Cortisol ausschütten. Dadurch steigen Blutdruck und Blutzuckerspiegel, und die Funktion des Immunsystems verschlechtert sich. Diese Veränderungen sind von kurzer Dauer, vorausgesetzt, die Stressfaktoren klingen ab, und Sie nehmen wahr, dass die unmittelbare Gefahr vorüber ist. Bleiben sie jedoch bestehen, kann das mit der Zeit zu Bluthochdruck, Diabetes, vielleicht sogar zu Krebs und Schlaganfällen führen.

Wenn die Glückshormone knapp werden

Es ist so wie in der Geschichte, wo der Hüte-Junge aus Langeweile zweimal „der Wolf!“ ruft. Als die Bauern kommen, um ihn zu vertreiben, bevor er die Schafe reißt, erkennen sie, dass sie genarrt wurden. Beim dritten Mal jedoch, als der Wolf tatsächlich kommt und der Junge wieder um Hilfe ruft, glauben sie ihm nicht, und sie bleiben zu Hause: Übertragen auf unseren Sachverhalt steht der Junge für die HPA und die Bauern versinnbildlichen die Nebennieren, die die Gefahr nicht mehr ernstnehmen. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als abgestumpfte Reaktion: Sie können nicht mehr adäquat mit Stress umgehen, weil die „Glückshormone“ (Neurotransmitter wie Serotonin, Adrenalin und Dopamin) verbraucht sind. Darum müssen Sie sich kümmern, liebe Leserinnen, denn Sie stehen kurz vor der totalen Erschöpfung. Nichts scheint mehr Freude zu bereiten. Sie fühlen sich leicht apathisch.

Das Problem ist Folgendes: Die HPA steuert unsere Reaktion auf eine reale, erwartete und wahrgenommene Gefahr. Viele von uns sind so an den Dauerstress gewöhnt, sei es durch lange Arbeitszeiten, eine schwierige Ehe oder anstrengende Kinder, dass unser Gehirn auch dann noch eine Gefahr wahrnimmt, wenn sie gar keine Bedrohung mehr darstellt oder relativ gering ist. Erinnern Sie sich an das beschriebene Problem mit dem Mittagessen für meine Kinder? Es war nur ein lapidares Mittagessen, aber meine Hormone konnten das nicht erkennen. Der ungeschickte Umgang mit Stress hat einen hohen Preis, und dieses Problem haben mindestens 75 Prozent der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten.

Die dauerhafte Aktivierung der HPA führt zu einer Überaktivität, die im Laufe der Zeit eine Unteraktivität nach sich zieht. Es ist logisch, dass Ihre vorher überaktive HPA träge wird, sobald Ihre adrenalen Reserven aufgebraucht sind – wie bei einer Athletin, die ihr Bestes gegeben hat und sich nun ausgelaugt fühlt. Sie sehen, wie das zu Erschöpfung, erhöhter Infektanfälligkeit und orthostatischer Hypotension führen kann (der Blutdruck fällt ab, wenn Sie aufstehen, und Sie möchten sich am liebsten gleich wieder hinlegen, buchstäblich und im übertragenen Sinn).

Cortisol und Altern

Frauen in den Zwanzigern repräsentieren den hormonellen Goldstandard und bilden unter normalen Bedingungen stolze 15 bis 25 mg Cortisol täglich. (Bei gleichaltrigen Männern sind es 25 bis 35 mg pro Tag.) Bis vor Kurzem war nicht eindeutig klar, wie die Cortisolbildung sich mit zunehmendem Alter verändert, doch es zeigt sich, dass der Cortisolspiegel tendenziell steigt, wenn wir älter werden.9 Tatsächlich steigt er bei Männern und Frauen zwischen 50 und 89 Jahren um 20 Prozent.10 Eine Theorie besagt, dass der höhere Cortisolspiegel im Zusammenhang mit dem Nachlassen der Schlafqualität steht, und bei den meisten Menschen beginnt das im mittleren Alter.11

Es ist auch möglich, dass der höhere Cortisolspiegel jenseits der 50 eher dem Alterungsprozess als dem Stress geschuldet ist – insbesondere, wenn wir die Studienergebnisse berücksichtigen, die besagen, dass Menschen ab 50 im Allgemeinen zufriedener mit ihrem Leben sind und sich weniger gestresst fühlen. Wenn Sie zwischen 18 und 50 Jahren sind, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Bei einer Befragung von mehr als 300 000 Amerikanerinnen und Amerikanern stellte sich heraus, dass diejenigen mit der schlechtesten psychischen Gesundheit zwischen 35 und 50 Jahre alt waren.12

Eine weitere, fast unmerkliche altersbedingte Veränderung besteht darin, dass unsere Zellen gegenüber Cortisol resistenter werden. Ein hoher Cortisolspiegel sorgt für die lange Liste von Krankheiten, die damit einhergehen. Mit zunehmendem Alter nehmen unsere Zellen Cortisol jedoch nicht mehr in dem Ausmaß auf, wie das mit 20 oder 30 Jahren der Fall war (ganz abgesehen davon, dass ein hoher Cortisolspiegel per se das Altern beschleunigt). Das heißt, wenn wir altern, haben wir mehr Cortisol im Blut und weniger in den Zellen. Diese beiden Ungleichgewichte – im Blut und in den Zellen – bedeuten, dass wir uns müde (niedriger Cortisolspiegel) und aufgedreht (hoher Cortisolspiegel) fühlen.

Erhöhte Cortisolwerte beschleunigen den Alterungsprozess

Sie erinnern sich, die Hauptaufgabe von Cortisol ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels. Bilden Sie zu viel Cortisol, steigt Ihr Blutzucker übermäßig an. Das kann zu Prädiabetes (Nüchternblutzucker 100 bis 125 mg/dl) oder Diabetes (Nüchternblutzucker > 125) führen. Beides sind häufige Ursachen für beschleunigtes Altern. (Um den Alterungsprozess zu verlangsamen, müssen wir eine übermäßige Belastung der Nebennieren und einen dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel vermeiden.) Neuere Daten legen nahe, dass man seinen Nüchternblutzuckerspiegel unter 87 mg/dl halten sollte. Kurze Testfrage: Wer altert schneller, ein Marathonläufer oder ein tibetischer Mönch? Sie haben es erraten. Der Marathonläufer hat einen weitaus höheren Cortisolspiegel durch das Laufen, verletzt sich häufiger und altert schneller.

Ein über längere Zeit erhöhter Cortisolspiegel verursacht nicht nur einen Dominoeffekt: Bilden Ihre Nebennieren wie besessen Cortisol, wird die restliche Hormonkaskade vernachlässigt. Das ergibt kein hübsches Bild: Die Haut wird welk. Die Muskeln erschlaffen. Und was noch schlimmer ist, Ihr Selbstvertrauen und Ihre Belastbarkeit schwinden. Das Leben und der Körper sind nicht mehr das, was sie einmal waren.

Was mir aber die meisten Sorgen bereitet, ist folgende Tatsache: Wie ausgedehnte Forschungsarbeiten zeigen, behindert ein lang anhaltender hoher Cortisolspiegel die Blutzufuhr zum Gehirn. Das wirkt sich negativ auf die Gehirnfunktion aus, vermindert die emotionale Intelligenz und beschleunigt die altersbedingte Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit. Summa summarum: Ihr Gedächtnis beginnt nachzulassen, und schließlich werden Sie dement. Sie haben richtig gelesen, Alzheimer nistet sich schon 30 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome ein. Stress, um den sich niemand kümmert, ist schlecht für das Gehirn und unkontrolliertes Cortisol ist ein deutliches Warnsignal.

Der zirkadiane Rhythmus: Damit Sie nicht um Ihren Schlaf gebracht werden

Unser Körper sollte je nach Tageszeit unterschiedliche Mengen von Cortisol bilden. Idealerweise viel am Morgen, tagsüber weniger, sehr wenig vor dem Schlafengehen und eine minimale Menge im Schlaf. Der Verlauf lässt sich anhand von vier Messpunkten zwischen etwa 6 und 22 Uhr in einem Cortisol-Tagesprofil darstellen, das die zirkadianen, das heißt, die im Lauf des Tages erfolgenden Veränderungen, veranschaulicht: kurz nach dem Aufwachen, vor dem Mittagessen, vor dem Abendessen und vor dem Zubettgehen. Es sollte die Form einer leicht absteigenden Kurve haben.

Der hohe Cortisolanstieg am Morgen, im Allgemeinen zwischen 6 und 8 Uhr, wird als Cortisol Awakening Response (CAR, zu Deutsch etwa: Weckreaktion des Cortisols) bezeichnet. Unter normalen Umständen ist er dafür verantwortlich, dass Sie erholt aufstehen. Der Tag-Nacht-Rhythmus stellt einen wesentlichen Aspekt der hormonellen Steuerung dar. Die 24 Stunden umfassenden zirkadianen Rhythmen legen die höchsten und niedrigsten biochemischen und physiologischen Werte fest und ähneln einer Art Tide im Körper. Wenn um Mitternacht der Cortisolspiegel am niedrigsten ist, findet die Hauptarbeit der zellulären Reparatur- und Heilarbeiten statt. Das ist nicht möglich, wenn das Cortisol dann immer noch erhöht ist.

Manchmal kommt es vor, dass Sie plötzlich neuen Elan verspüren, wenn Sie sich eigentlich entspannen sollten. Das ist nicht gut: Gerade dann, wenn Sie die Ruhe am dringendsten brauchen, vermittelt Ihnen der hohe Cortisolspiegel das trügerische Gefühl, dem sei gar nicht so – und das erschöpft die Nebennieren weiter, die sich normalerweise über Nacht erholen. Infolgedessen beginnen die Spiegel der „Glückshormone“ Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin zu sinken.

Außerdem nutzen Hormone die Nachtruhe, um sich wieder harmonisieren und aufeinander abstimmen zu können. Melatonin und das Wachstumshormon zum Beispiel, die das Ein- und Durchschlafen fördern, werden hauptsächlich nachts ausgeschüttet. Ist eines oder sind beide niedrig, kann Cortisol nachts über Gebühr steigen, und mit der Zeit kann der Schlafmangel das Schlafen weiter erschweren. Schließlich mündet alles in einen endlosen Kreislauf.

In älteren, traditionellen Kulturen begann man sich mit dem Schwinden des Lichts nach Sonnenuntergang auf die Ruhephase einzustellen. Heute erlaubt uns das künstliche Licht, noch alles Mögliche zu erledigen: E-Mails, Webseminare, die Anmeldung des Kindes zum Schulausflug, die Bestellung eines Geburtstagsgeschenks – und all das sogar, während wir gemeinsam mit der Familie zu Abend essen. Bei einem hohen abendlichen Cortisolspiegel ist es kein Wunder, dass es zu Einschlaf- und Durchschlafproblemen kommt oder der Tiefschlaf zu wünschen übrig lässt. Hunderte von Frauen haben mir erzählt, dass sie es einfach nicht verstehen können, warum sie nach acht Stunden Schlaf am Morgen noch müde sind. Ich habe sie nur gefragt, was sie vor dem Schlafengehen machen. Meist prüfen sie ihre E-Mails, gehen die Aufgabenliste für den nächsten Tag durch oder schauen sich einen versäumten Krimi an. Man muss keine in Harvard ausgebildete Gynäkologin sein, um zu verstehen, warum diese Frauen schlecht schlafen.

Die meisten Menschen, die unter erdrückenden Stresssymptomen leiden, haben morgens einen niedrigen und nachts einen hohen Cortisolspiegel – dabei sollte es doch genau umgekehrt sein. So weit wollen Sie es mit Sicherheit nicht kommen lassen. Was Sie möchten, ist ein ausgewogener Tag-Nacht-Rhythmus mit hohen Cortisolwerten am Morgen und niedrigen Werten am Abend.

Ist Ihr Cortisolspiegel zu hoch?

In der Schulmedizin müssen Sie oft lange nach einem Arzt suchen, der sich für Ihren Cortisolspiegel interessiert, wenn Sie nicht ein Cushing-Syndrom wie aus dem Lehrbuch haben – ein seltener Fall von übermäßig hohem Cortisol, der nur bei einem von 500 000 Menschen vorkommt. Menschen, die an Morbus Cushing erkrankt sind, haben viele Symptome, von denen sich einige mit denen in meinem Fragebogen decken, die meisten jedoch viel extremer sind. Die meisten Ärzte ermitteln die Cortisolwerte aus dem Urin, doch selbst der beste Früherkennungstest ist umstritten.13 Da diese Krankheit sehr ernst ist, sollten Sie sich, wenn Sie davon betroffen sind, nach den Ratschlägen Ihres Arztes richten.

Ein weiterer Grund für die Untersuchung des Cortisolwertes ist eine relativ neue hormonell bedingte Störung, die in schulmedizinischen Kreisen zunehmend Aufmerksamkeit erregt: der subklinische Hypercortisolismus, für den es keine eindeutigen diagnostischen Kriterien gibt.14 Menschen mit diesem Krankheitsbild zeigen eine merkwürdige Symptomhäufung: Bluthochdruck, erhöhte Cortisolwerte, Stammfettsucht (mehr als nur ein Rettungsring), Knochenbrüche und erhöhtes Diabetesrisiko. Die Bluthochdruckquote liegt bei 48 bis 92 Prozent und ist eine Folge des übermäßig hohen Cortisols.15 Der Spiegel ist allerdings nicht hoch genug, um die Diagnose Cushing zu rechtfertigen. Doch beim Cortisol sind die diagnostischen Kriterien, wie hoch zu hoch ist, nicht eindeutig, was die Unterscheidung zwischen einem stressbedingten Cortisolüberschuss und dem Cushing-Syndrom erschwert.

Fazit: Lassen Sie den Cortisolspiegel überprüfen, bevor Sie mit der Einnahme von Nahrungsergänzungen beginnen. Haben Sie fünf oder mehr Übereinstimmungen in den Fragebögen von Teil A und/oder Teil B aus dem ersten Kapitel, empfehle ich Ihnen, mit dem Gottfried-Programm zu beginnen, und zwar dahingehend, dass Sie Ihren Lebensstil ändern. Bevor Sie jedoch eine Phytotherapie beginnen oder die Einnahme bioidentischer Hormone in Betracht ziehen, sollten Sie Ihre Werte untersuchen lassen. Sie können Ihren Cortisolspiegel einfach und kostengünstig selbst überprüfen (vgl. Anhang E). Cortisol lässt sich im Blut, im Speichel oder im Urin nachweisen; Sie können sogar einen Haartest machen. Wenn Sie noch menstruieren, müssen Sie bei der Untersuchung unbedingt beachten, an welchem Tag Ihres Zyklus Sie sich befinden, da die Cortisol Awaking Response (CAR) bei der Ovulation anzusteigen scheint.16 Bei Patientinnen, die noch menstruieren, teste ich um den 21. oder 22. Zyklustag, damit die Ergebnisse zuverlässig vergleichbar sind.

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