Kitabı oku: «Dangerous Encounter»
Sarah Glicker
Dangerous Encounter
Welcome to New York
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
1
Sarah Glicker
Dangerous Encounter
Welcome to New York
Sarah Weber
Alter Postweg 31a
48477 Hörstel
Copyright by Sarah Weber
Alle Rechte vorbehalten!
Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der offiziellen schriftlichen Genehmigung der Autorin!
„Als du vor Jahren verkündet hast, dass du in Cleveland studieren wirst, habe ich es nur als eine Art Aufschub angesehen“, eröffnet meine Mutter Jennifer mir, als ich meinen letzten Karton zum Anhänger trage und ihn darin verstaue.
Schnell verschließt mein Vater die Klappe und dreht sich zu mir herum.
„Wieso?“, erkundige ich mich. Dabei bedenke ich sie mit einem Blick, der ihr zu verstehen gibt, dass ich keine Ahnung habe, wovon sie spricht.
„Ich dachte mir, dass du es dir vielleicht anders überlegst und nicht mehr nach New York gehen willst. Schließlich kannst du hier wunderbar dir eine Karriere aufbauen. Hier gibt es auch massenhaft gute Jobs.“ Ein wenig hört es sich so an, als würde meine Mutter schmollen. Doch ich kenne sie gut genug um zu wissen, dass das nicht der Fall ist.
In der nächsten Sekunden zuckt sie mit den Schultern und sieht mich unschuldig an, sodass ich lachen muss.
Ich bin zwar nur ihre Adoptivtochter, doch Jennifer und Todd haben mich immer wie ihre eigene Tochter behandelt. Auch dann, als sie noch ein Baby bekommen haben. Sie haben nie einen Unterschied zwischen uns gemacht und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich zur Familie gehöre und dafür bin ich ihnen dankbar.
Sie haben mir ein Zuhause gegeben, als ich es dringend benötigt habe.
Dennoch ist immer dieser eine Wunsch in mir gewesen. Von dem Augenblick an, in dem ich erfahren habe, dass ich adoptiert wurde, konnte ich ihn nicht ignorieren. Am Anfang habe ich noch gedacht, dass er irgendwann verschwinden wird, wenn ich älter werde. Doch in den letzten Jahren ist er größer geworden und hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich habe davon geträumt, meine leiblichen Eltern zu treffen. Mir ging es nie darum, eine zweite Familie zu haben. Genauso wollte ich mich auch nie von meinen Adoptiveltern abwenden.
Ich will nur erfahren, ob ich ihnen ähnlich sehe oder ob sie die gleichen Charakterzüge haben wie ich. Von diesem Tag an habe ich davon geträumt, mich ein einziges Mal mit ihnen zu unterhalten.
Und als ich erfahren habe, dass ich gebürtig aus New York stamme, stand für mich fest, dass ich dorthin gehen werde, sobald ich mit dem Studium fertig bin.
Zuerst hatte ich Angst davor, Jennifer und Todd von meinen Plänen zu berichten. Es kam mir vor, als würde ich ihnen in den Rücken fallen oder sie verraten, nach allem, was sie für mich getan hatten. Doch als ich endlich den Mut gefunden hatte und mit der Sprache herausgerückt bin, hatte sich herausgestellt, dass meine Befürchtungen unbegründet waren.
Die beiden konnten es verstehen und haben mich bei dem Wunsch unterstützt. Alle Informationen, die sie noch hatten, auch wenn es nicht viele waren, haben sie mir gegeben.
Sie sieht mich mit einem wehleidigen Blick an, bevor sie mich für eine feste Umarmung an sich zieht.
„Melde dich regelmäßig bei uns, damit wir uns keine Sorgen machen müssen. Ich will mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob dir vielleicht etwas geschehen ist. Und gebe uns auch Bescheid, wenn du sie gefunden hast. Ich würde gerne auch einmal mit ihr sprechen. Von Mutter zu Mutter.“ Sie zwinkert mir vielsagend zu.
„Werde ich machen.“
Einen Moment sieht sie mich nachdenklich an.
„Ich werde dich vermissen. Ohne dich, wird es hier sehr ruhig werden.“
„Du hast noch Anna. Ich bin mir sicher, dass sie dafür sorgen wird, dass euch nicht langweilig wird“, erkläre ich.
Mit meinen Worten spiele ich darauf an, dass meine jüngere Schwester dafür bekannt ist, Mist zu bauen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie plötzlich ruhiger wird. Sie ist einfach der Wirbelwind der Familie. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Da gibt es nichts dran zu rütteln.
„Außerdem habe ich die letzten drei Jahre nicht zu Hause gewohnt“, füge ich noch hinzu.
„Aber wenigstens warst du in der Stadt und ich musste mir nicht so viele Sorgen machen. Die mache ich mir nun aber. New York kann sehr gefährlich sein.“
„Ich habe dich lieb“, entgegne ich und hoffe, dass das Thema damit durch ist. Ich glaube nicht daran, dass New York schlimmer ist, als jede andere Großstadt auch.
Ich umarme sie ein letztes Mal, bevor ich mich auch von Todd verabschiede. Ich spüre, dass mein Adoptivvater nicht so genau weiß, was er von sich geben soll, bin aber froh darüber, dass er es nicht so nach außen zeigt. Es würde mir den Abschied sonst wahrscheinlich noch schwerer machen.
„Können wir los?“, erkundigt sich Lucas und wirft den Schlüssel in die Luft, um ihn in der nächsten Sekunde wieder zu fangen.
Lucas ist einer meiner besten Freunde. Gemeinsam mit ihm und Avery werde ich nach New York fahren und mir dort eine Wohnung mit ihnen teilen. Als ich ihnen vor einigen Monaten von meinem Plan berichtet habe, waren sie sofort dabei. Ich habe noch versucht es ihnen auszureden und habe ihnen gesagt, dass sie das nicht machen müssen. Doch da waren sie bereits auf der Suche nach Jobs. Und ich kenne meine Freunde gut genug um zu wissen, dass man sie von nichts abhalten kann, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben.
Also habe ich angefangen mich darauf zu freuen, gemeinsam mit ihnen die Stadt unsicher zu machen und Jungs aufzureißen.
Lucas steht auf Männer, weswegen ich mir keine Sorgen machen muss, dass er nur mit uns Frauen zusammenzieht, um uns flach legen zu können. Während des Studiums hat er kein Geheimnis daraus gemacht, was leider einige Male für Ärger gesorgt hat.
Ein letztes Mal winke ich den beiden zu, bevor ich in den Wagen steige und wir uns auf den Weg machen.
„Na los, Aria. Jetzt steige schon ein. Damit wir endlich loskönnen“, ruft Avery und wirft dabei einen demonstrativen Blick auf ihre Armbanduhr.
„Ich komme schon“, lache ich leise.
Die Fahrt von Cleveland nach New York dauert knapp acht Stunden. Als wir endlich durch die belebten Straßen fahren, sind wir müde, da wir ohne Pause durchgefahren sind. Doch das ändert nichts daran, dass ich neugierig versuche so viele Details wie möglich in mir aufzunehmen. Allerdings ist soviel los, dass ich mir sicher bin, dass ich noch nicht einmal die Hälfte von dem mitbekomme, was um mich herum geschieht.
Die Leute drängen sich in den Geschäften und auf den Straßen dicht einander. Selbst durch die geschlossenen Fenster kann ich den Krach der Stadt hören. Doch es wirkt nicht abschreckend auf mich. Vorfreude durchströmt mich und der Tatendrang in mir wird wach.
Mir ist bewusst, dass eine ungewisse Zukunft vor mir liegt, doch das ändert nichts daran, dass ich mich bereits darauf freue. Man könnte es auch als ein leeres Buch bezeichnen, was nur darauf wartet, von mir und meinen Freunden gefüllt zu werden.
Nur hier habe ich die Chance, mehr über meine Familie zu erfahren und vielleicht sogar meine Eltern ausfindig zu machen.
Und das ist es, was ich will.
Unsere Wohnung, die wir für unser erstes Jahr angemietet haben, befindet sich mitten in Brooklyn. Da die Straßen voll sind, dauert es ein wenig, bis wir dort angelangt sind.
„Wir hätten vielleicht eine Pause mehr machen sollen“, stelle ich fest, nachdem ich ausgestiegen bin.
Ich lasse meine Schultern kreisen, um meine verspannten Muskeln zu lösen. Doch viel bringt es nicht.
„Der Meinung bin ich auch“, gibt Avery mir recht und streicht sich über den Nacken.
„Dann hätten wir noch eine und noch eine gemacht. Und dann wären wir erst in ein paar Stunden hier, wenn es bereits mitten in der Nacht ist. Ich wollte nicht bei Dunkelheit die Kartons nach oben schleppen“, erklärt Lucas, nachdem er sich neben uns gestellt hat.
Dabei verzieht er das Gesicht, sodass ich leise lachen muss. Ich kenne nämlich die Wahrheit über seine Worte und die sieht so aus, dass er sich eigentlich vorgenommen hat, heute Abend ein wenig um die Häuser zu ziehen und die Bars zu erkunden, die sich in unserer Nähe befinden.
„Jetzt hör lieber auf, es so spannend zu machen“, weise ich ihn an und werfe einen strengen Blick in seine Richtung.
„Okay, Ladys. Wie ihr ja bereits wisst, war ich bereits letztes Wochenende in der Stadt um die Schlüssel zu holen. Dabei habe ich mir die Wohnung natürlich auch angesehen. Daher kann ich euch mit Gewissheit verraten, dass sie euch gefallen wird. Und hier habe ich die Schlüssel für euch“, verkündet er gut gelaunt und überreicht sie uns.
„Wieso hast du sie uns nicht schon eher gegeben?“ Avery verzieht schmollend ein wenig das Gesicht.
„Ich habe mir einfach einen kleinen Spaß daraus gemacht.“
Ich gebe keinen Ton von mir, sondern gehe auf die Eingangstür zu. Dabei spüre ich den Blick der beiden in meinem Rücken, bevor sie mir folgen. Lucas geht die Treppen voraus und bleibt vor einer der zahlreichen Türen stehen, die sich in diesem Flur befinden.
„Du solltest dir vielleicht einen Job als Türsteher oder Bodyguard suchen“, stelle ich fest.
„Vielleicht werde ich das auch machen“, gibt er nur zurück, schiebt den Schlüssel in das Loch und öffnet endlich die Tür.
„Wow“, entfährt es mir, nachdem wir eingetreten sind.
Bereits auf den ersten Blick erkennt man, dass die Wohnung hell und geräumig ist. Die Fenster im Wohn- und Küchenbereich reichen fast bis unter die Decke und lassen die Sonne hinein, sodass alles im hellen Licht erscheint.
Neugierig gehen wir durch die anderen Räume, die alle ungefähr gleich groß sind, sodass es keinen Ärger geben wird, wer welches Zimmer bekommt. Auch hier gibt es große Fenster, die aber getönt sind, dass man von außen nicht hineinsehen kann.
„Das wird großartig werden“, verkündet Avery und klatscht begeistert in die Hände. Eigentlich fehlt es nur noch, dass sie wie ein kleines Kind auf und ab springt. Und ehrlich gesagt würde ich ihr das sogar zutrauen.
„Wir sollten alles ausladen, damit wir später noch um die Häuser ziehen können“, erklärt Lucas voller Tatendrang, wobei er auch seinen eigentlich Plan verlauten lässt.
„Ihr müsst ohne mich ausgehen“, gebe ich von mir und schüttle entschieden den Kopf.
„Das ist unser erster Abend in New York. Den kannst du nicht zu Hause verbringen.“
Lucas sieht beinahe geschockt aus über meine Entscheidung, als er mich mit großen Augen und einem geöffnetem Mund ansieht. In gewisser Weise kann man sagen, dass er mich ansieht, als wäre ich ein Gespenst.
Aber so kenne ich ihn. Er war schon immer gerne unterwegs und bei jeder Party dabei. Deswegen würde es mich nicht wundern, wenn er auch hier mehr unterwegs, als zu Hause ist.
„Ich weiß, und das holen wir auch nach. Die Firma hat mich gestern nur angerufen und mich gefragt, ob ich schon morgen anfangen könnte. Sie haben anscheinend einen Engpass im Büro. Ich konnte ja schlecht sagen, dass es leider nicht geht, weil meine besten Freunde lieber Party machen wollen. Außerdem möchte ich weder zu spät kommen, weil ich die ganze Nacht unterwegs war, noch müde sein, weil ich die ganze Nacht unterwegs war“, erkläre ich meinen Freunden.
„Na gut, Arbeit geht vor. Der Punkt geht an dich. Aber beim nächsten Mal bist du wieder dabei. Du wirst uns schließlich nicht ewig aus dem Weg gehen können“, bestimmt Lucas.
Er lässt keinen Zweifel daran, dass er ein Nein nicht akzeptieren will und das auch nicht wird. Doch das habe ich auch nicht vor. Denn wie sie schon festgestellt haben: Wir wohnen von jetzt an in New York!
„Am Wochenende. Diesen Abend überlasse ich die süßen Kerle euch.“
„Super, dann wollen wir mal anfangen.“
Da die Wohnung bereits möbliert ist und wir nur die wichtigsten Sachen mitgenommen haben, dauert es nicht lange, bis wir alles hochgetragen haben. Bereits eine Stunde später verabschieden beide sich und lassen mich alleine in der Wohnung zurück, nachdem sie sich umgezogen haben.
Seufzend stehe ich in der offenen Küche und sehe mich in alle Richtungen um. Ich bin von Kartons umgeben. Da wir beschlossen haben, dass wir diesen Raum gemeinsam einrichten werden, schließlich müssen wir uns alle hier wohlfühlen, gehe ich in mein Schlafzimmer und beginne dort mit der Arbeit.
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mir diesen Abend nicht anders vorgestellt habe. Die Kartons laufen mir ja schließlich nicht weg. Allerdings habe ich auch gedacht, dass ich noch ein paar Tage Zeit habe, bevor ich mit meinem Job beginne. Da wurde mir jedoch ein Strich durch die Rechnung gemacht.
Doch mein Job geht vor, wie Avery es so schön gesagt hat. Er finanziert mir schließlich mein Leben hier.
Als ich am nächsten Morgen das Haus verlasse, scheint die Sonne. Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden. Doch das ändert nichts an meiner Nervosität.
Ich war noch nie gerne die Neue. Dabei ist es egal, ob ich auf eine neue Schule gekommen bin oder auf dem College neue Leute kennengelernt habe. Ich weiß, dass mir dieses Verhalten die Suche nach meinen leiblichen Eltern nicht einfacher macht. Doch gerade steht auch mein erster Arbeitstag im Vordergrund. Und den muss ich dringend ohne irgendwelche Katastrophen hinter mich bringen, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.
Das Büro befindet in einem mehrstöckigen Haus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden, die sich in dieser Stadt befinden, ist es eher klein, falls man es so bezeichnen kann. Ich finde, dass keines hier wirklich klein ist.
Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich diesen Job annehmen soll. Die Verantwortung, die damit zusammenhängt, ist enorm. Doch ich weiß, dass es eine der besten Agenturen der Stadt ist. Es war großes Glück, dass ich dort als Berufseinsteigerin, einen Job bekommen habe.
Als ich die große Glastür erreiche, die in das Innere führt, bleibe ich einen Moment davor stehen und atme tief durch. So versuche ich die Nervosität in den Griff zu bekommen. Doch das gelingt mir nicht so gut, wie ich es mir wünsche. Deswegen öffne ich die Tür und gehe hinein. Wahrscheinlich wird es nämlich auch nicht besser werden, wenn ich noch länger hier stehe.
Obwohl es erst acht Uhr ist, herrscht bereits geschäftliches Treiben. Die Leute rennen von einem Raum in einen anderen und kommen bereits nach wenigen Sekunden wieder heraus.
Es dauert nicht lange, bis ich eine Ahnung davon bekommen habe, wieso ich heute schon anfangen sollte. Sie scheinen wirklich überlastet zu sein.
„Ms. Smith“, werde ich von einer älteren Frau begrüßt.
Mit einem breiten Strahlen auf dem Gesicht kommt sie zu mir. Auf den ersten Blick erinnert sie mich mit ihrer herzlichen Art ein wenig an meine Großmutter.
„Hallo“, erwidere ich freundlich.
„Ich bin Susan“, stellt sie sich mir vor. „Lasse dich von dem Chaos nicht aus der Ruhe bringen. Bei den meisten bin ich mir sicher, dass sie nur so tun, als hätten sie eine Menge zu tun, damit sie nicht soviel machen müssen und pünktlich Feierabend haben.“
Sie beobachtet ein paar der anderen Frauen mit einem nicht ganz so zufriedenen Gesichtsausdruck, die an uns vorbeigehen.
Mein Mund öffnet sich. Doch da ich ehrlich gesagt überhaupt nicht weiß, was ich von mir geben soll, schließe ich ihn direkt wieder.
„Aber mir ist das egal“, erklärt sie als Nächstes und zuckt mit den Schultern. „Das ist deren Problem und nicht meines. Komm´ mit, ich werde dir deinen Arbeitsplatz zeigen.“
Mit diesen Worten setzt sie sich in Bewegung und geht voraus. Schnell folge ich ihr in einen riesigen Raum, der sich am Ende des Ganges befindet. Wie sich herausstellt wurde er als Großraumbüro eingerichtet, in dem sich unzählige Schreibtische befinden, von denen sich immer zwei gegenüber stehen.
„Ich sitze dort und du auf der anderen Seite“, verkündet sie und zeigt auf zwei Schreibtische, die sich in der Mitte befinden. „Wenn du Fragen hast, kannst du dich jederzeit an mich wenden. Denk dran, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Ich habe vor etlichen Jahren selber einmal angefangen und weiß daher, dass man am Anfang immer etwas wissen will.“
Sie zwinkert mir zu und nimmt mir so einen Teil meiner Angst.
„Danke“, murmle ich und lächle sie an.
„Die meisten hier sind irgendwann von anderen Agenturen dazu gekommen, da sie abgeworben wurden. Ich habe hier schon vor Jahren angefangen und weiß daher, wie der Hase läuft und auch, dass es nicht einfach ist am Anfang. Doch ich habe gesehen, dass du sechs Sprachen fließend sprichst. Das ist das doppelte als die meisten hier. Vor allem in deinem Alter. Viele haben erst später neue gelernt, was es aber nicht unbedingt einfacher macht. Deswegen bin ich mir sicher, dass du das wunderbar machen wirst. In diesem Fall mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“
Ihre Worte muntern mich ein wenig auf. Auch, wenn es ihr vielleicht gar nicht bewusst ist, so nimmt sie mir ein wenig die Angst vor den nächsten Stunden.
„Unser Chef ist übrigens die ganze Woche nicht da. Das sollte auch noch ein wenig Druck rausnehmen.“
Ich kann nicht verhindern erleichtert aufzuatmen. Ja, es nimmt mir ein wenig den Leistungsdruck. Vor allem beschafft es mir aber auch Zeit, mich hier mit allem vertraut zu machen und dann nicht mehr wie eine totale Anfängerin zu erscheinen, sobald er wieder im Büro ist.
2
Schon als kleines Kind habe ich Sprachen geliebt. Mich hat es immer fasziniert, in wie vielen Sprachen und auf wie vielen unterschiedlichen Wegen man sich ausdrücken kann. Außerdem war ich dort immer besser drin, als in Mathe. Zahlen haben nie wirklich einen Sinn für mich ergeben. Die unterschiedlichsten Rechenwege und Techniken fand ich immer furchtbar kompliziert. Wörter und Buchstaben hingegen haben mir nie Probleme bereitet.
Mir ist klar, dass das für einige wahrscheinlich keinen Sinn ergibt. Schließlich habe ich schon in der Schule erlebt, dass viele sich eher im sprachlichen Unterricht schwertun, als in Mathe. Doch das ist mir egal.
Dementsprechend leicht ist mir auch meine erste Arbeitswoche gefallen. Ich habe Dokumente und wichtige Schriftstücke in verschiedene Sprachen übersetzt. Dabei war ich so in meine Arbeit vertieft, dass ich nicht immer pünktlich das Büro verlassen habe. Auch heute musste Susan mich darauf hinweisen, dass ich nun Wochenende habe. Ich gebe zu, dass ich das sonst wahrscheinlich vergessen hätte.
Während ich nun durch die Straßen gehe, komme ich nur langsam voran. Zum einen liegt es daran, dass ich mich aufmerksam zu allen Seiten hin umsehe, sodass mir nichts entgeht. Doch sie sind auch so voll, dass es mir vorkommt, als würde es eine Ewigkeit dauern, bis ich die nächste Kreuzung erreicht habe.
Als ich um die Ecke biege, höre ich mein Handy leise in der Tasche klingeln. Schnell ziehe ich es heraus und werfe einen Blick auf das Display, sodass ich nicht mehr auf meine Umgebung achte. Dennoch gehe ich weiter und bleibe nicht stehen.
Erschrocken zucke ich einige Sekunden später jedoch zusammen, als ich merke, dass ich gegen jemanden oder etwas gelaufen bin. Schnell hebe ich meinen Kopf und sehe dunkle Augen direkt vor mir. Sie sind mir so nah, dass meinen Kopf ein Stück in den Nacken legen muss, um ihn besser ansehen zu können. Doch es dauert nicht lange, bis ich bereue, dass ich das getan habe. Noch in der gleichen Sekunde bleibt mein Herz stehen und mein Mund öffnet sich ein Stück, da ich keine Luft mehr bekomme. Zumindest kommt es mir gerade so vor.
Es dauert einen Moment, bis ich merke, dass sich ein schiefes Grinsen auf seine Gesichtszüge gelegt hat, was mir zeigt, dass ihm meine Reaktion nicht entgangen ist. Und es dauert nochmal so lange, bis ich langsam einen kleinen Schritt nach hinten mache und ihn dabei genauer betrachte.
Er ist groß und breit gebaut. Seine dunklen Haare hat er lässig nach hinten gestylt. Auf seinem Hals erkenne ich ein Stück eines Tattoos. Müsste ich raten würde ich sagen, dass es ein Drache ist, doch so genau kann ich das nicht sagen, da es in seinem Shirt verschwindet. Allerdings lässt es mich neugierig werden.
Bevor ich mich jedoch irgendwie verraten kann, konzentriere ich mich schnell auf etwas anderes. Dabei fällt mein Blick auf seine elegante Kleidung, die aussieht, als würde er gerade zu einem Geschäftstermin fahren. Vor allem erkenne ich aber auf den ersten Blick, dass sie mehr kostet, als ich in einem Jahr verdiene. Sein Anzug, der komplett schwarz ist, sitzt perfekt.
Doch all das ist nur nebensächlich.
Von Sekunde zu Sekunde bin ich immer mehr damit beschäftigt zu verarbeiten, dass er sich nur wenige Zentimeter von mir entfernt befindet. Aus seinen dunklen und gefährlichen Augen sieht er mich an. Nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde wendet er sich von mir ab und gibt mir so die Chance, mich wieder zu beruhigen.
Ich nehme nur noch ihn wahr, auch wenn mein Verstand mir sagt, dass es nicht gut ist. Alles um uns herum verschwindet. Meine Sinne sind nur noch auf ihn konzentriert.
Schnell rufe ich mir in Erinnerung, dass dies nur so ist, weil er mir bereits jetzt schon mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, als die meisten Männer in den letzten Monaten. Doch tief in meinem Inneren weiß ich, dass dem nicht so ist. Auch wenn ich nicht genau sagen kann, woher es kommt.
Es dauert eine Ewigkeit, bis ich auch nur ansatzweise wieder in der Lage bin, einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Doch dann bringe ich automatisch noch mehr Abstand zwischen uns. Soweit das überhaupt geht, da um uns herum so viele Menschen sind, dass man sich kaum bewegen kann.
„Sorry“, murmle ich und schaue dabei an ihm vorbei.
Ich bin nicht schüchtern und auch sonst nichts in diese Richtung. Doch er hat etwas an sich, was dafür sorgt, dass meine große Klappe gerade sonst wohin verschwunden ist. Und das ist etwas, was mir eindeutig nicht gefällt.
„Ist schon in Ordnung“, erwidert er mit einer verführerischen Stimme und noch immer dem gleichen Grinsen auf den Lippen.
Beides zusammen lässt mein Herz schneller schlagen, als würde es sich aus meiner Brust befreien wollen.
Plötzlich habe ich es eilig von hier zu verschwinden. Dieser Mann schreit nach Gefahr. Und das ist etwas, was ich in dieser Stadt gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Es ist etwas, was ich allgemein in meinem Leben nicht gebrauchen kann.
Weder jetzt noch sonst irgendwann.
Ich will mir hier ein Leben aufbauen. Ich will meine Ziele verfolgen und auch erreichen. Da ist es wahrscheinlich besser, wenn ich mich nicht von ihm aus der Ruhe bringen lasse. Auch wenn ich innerlich zugeben muss, dass es mir gerade schwerfällt, die nötige Distanz zwischen uns zu bringen.
Ein letztes Mal lächle ich ihn kurz an, ehe ich mit großen und vor allem eiligen Schritten an ihm vorbeigehe. Dabei spüre ich seinen Blick in meinem Rücken. Ich drehe mich aber nicht noch einmal in seine Richtung, auch wenn ich das gerne würde.
So schnell wie möglich bahne ich mir einen Weg an den Menschen vorbei, bis ich unser Mietshaus erreicht habe. Mit noch immer zittrigen Fingern schließe ich die Tür auf und schlüpfe in das Treppenhaus. Dort lasse ich mich gegen die kühle Wand sinken und schließe die Augen für einige Sekunden.
Noch immer habe ich den Blick in meinem Gedächtnis, mit dem er mich betrachtet hat. Es kommt mir so vor, als würde er sich noch immer mir gegenüber befinden.
Ich weiß nicht, was das gerade war. In den letzten Jahren ist mir so etwas noch kein einziges Mal passiert. Ich hatte einzige Beziehungen in der Vergangenheit. Allerdings habe ich noch keinen Mann getroffen, der dafür gesorgt hat, dass es mir so geht. Doch wahrscheinlich ist es auch besser, wenn ich nicht so genau darüber nachdenke.
Immer eine Stufe überspringend, gehe ich nach oben und schließe die Wohnungstür hinter mir ab, nachdem ich die Wohnung betreten habe. Auch jetzt schlägt mein Herz noch immer wie verrückt. Doch ich versuche es wenigstens es so gut es geht zur Seite zu schieben und gehe stattdessen in mein Schlafzimmer, um mich fertig zu machen, da ich heute Abend mit meinen Freunden verabredet bin.
Es dauert ein wenig, bis ich Lucas und Avery vor dem überfüllten Laden entdeckt habe, in dem wir uns verabredet haben. In der Menschenmenge ist das aber auch nicht ganz so einfach.
„Sorry für die Verspätung. Es hat ein wenig länger gedauert. Ich muss noch immer in dieser Stadt ankommen“, entschuldige ich mich bei den beiden, nachdem ich sie umarmt habe.
„Die Hauptsache ist, dass du jetzt da bist. Außerdem habe ich bereits am Montag einen Tisch für uns reserviert. Das Restaurant soll zu den Besten gehören, die man hier finden kann. Da habe ich mir schon gedacht, dass es schwierig werden wird, einen Platz finden“, verkündet Lucas und strahlt uns fast schon ein wenig stolz an. „Allerdings hatten wir Glück. Dies war allerdings eher ein Zufall, da meine Arbeitskollegin mit einem der Köche zusammen ist.“
Avery und ich sagen nichts dazu, sondern lachen nur leise, bevor wir ihm hinein folgen. Das mache ich allerdings nicht, ohne noch einmal meinen Blick über die Menschenmenge gleiten zu lassen, die sich um mich herum befindet.
Ich kann mich irren und ehrlich gesagt hoffe ich auch, dass ich das tue, doch seitdem ich vorhin das Haus verlassen habe, kommt es mir vor, als würde man mich verfolgen. Nachdem ich aber auch jetzt niemanden sehen kann, schiebe ich es darauf, dass die Begegnung mit diesem Typen mir anscheinend doch mehr zugesetzt hat, als ich es wahrhaben wollte. Allerdings ist dies auch nicht verwunderlich. Schließlich habe ich keine Ahnung, wie sich jemand verhält, der eine andere Person verfolgt.
„Ist alles in Ordnung?“, erkundigt sich Avery, die meine suchenden Blicke anscheinend mitbekommen hat.
Aufmerksam betrachtet sie mich.
„Ja, alles bestens“, antworte ich nur und konzentriere mich dann auf den Innenbereich, nachdem wir durch die Tür gegangen sind.
Das Restaurant ist modern und hell eingerichtet. Von der Decke hängen alle paar Meter riesige Lampen, die den Raum in ein warmes Licht tauchen. An den Wänden hängen schwarze Tapeten, die mit bunten Bildern aufgehellt wurden. Überall stehen kleine und große Tische.
Ich bin so in den Anblick vertieft, dass ich nicht merke, wie Avery und Lucas sich bereits einige Schritte von mir entfernt haben. Erst als meine Freundin mich ruft, werde ich darauf aufmerksam.
„Ich habe heute Morgen übrigens den ersten Nachbarn kennengelernt“, verkündet Lucas, nachdem er sich gesetzt hat.
„Und?“, frage ich vorsichtig nach, da es mir so vorkommt, als würde da noch etwas kommen.
„Ich kann euch sagen, dass der Typ heiß ist.“ Lucas hat einen verträumten Gesichtsausdruck aufgesetzt, der mich zum Schmunzeln bringt. Und auch Avery kann sich gerade noch so ein lautes Lachen verkneifen.
Wir alle haben unterschiedliche Geschmäcker, was Männer angeht. Wenn Lucas ihn heiß findet, finde ich eher, dass er wie der beste Freund von nebenan aussieht. Dies ist aber auch der Grund dafür, dass wir uns in diesem Bereich noch nie in die Quere gekommen sind.
Ich liebe solche Abende mit meinen Freunden. Sie zeigen mir, dass es die richtige Entscheidung war, mit ihnen nach New York zu ziehen. Daran hatte ich aber auch nie Zweifel.
Doch die gelassene Stimmung ändert nichts daran, dass ich mich alle paar Minuten suchend umschaue.
Noch immer habe ich das Gefühl, als würde mich jemand beobachten. Und da bringt es auch nichts, dass ich es auf den durchdringenden Blick des Mannes schiebe, dem ich vorhin über den Weg gelaufen bin.
3
Müde und noch immer in meinem Schlafanzug schlurfe ich am nächsten Morgen in die Küche und fahre mir über das Gesicht, um ein wenig wacher zu werden. Deswegen dauert es auch ein wenig, bis ich meine Freundin erblicke. Avery sitzt am Küchentisch und betrachtet mich aufmerksam mit einem neutralen Gesichtsausdruck.
Ich hasse es, wenn sie das macht. Es zeigt mir nämlich, dass sie sich auf etwas eingeschossen hat und nicht so schnell aufgeben wird, bis sie die Wahrheit herausgefunden hat. Und das ich keine Ahnung habe, was es ist, lässt mich unruhig werden. Aus Erfahrung kann ich nämlich sagen, dass man das bei ihr besser wissen sollte, um sich darauf einstellen zu können.
„Was ist los?“, frage ich sie, da ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mich irgendwie verdächtig verhalten habe. Ich wüsste auch keinen Grund, wieso ich das getan haben sollte.
Wir hatten einen wunderbaren Abend. Beziehungsweise, ich habe gedacht, dass wir den gehabt haben. Gerade bin ich mir da aber nicht mehr so sicher.
„Das könnte ich dich fragen“, eröffnet sie mir, nachdem sie mich noch einige Sekunden angesehen hat. „Was war gestern mit dir los in dem Club? So kennt man dich ja überhaupt nicht.“
„Nichts“, gebe ich zurück und zucke mit den Schultern.
Ich weiß genau, worauf sie anspielt. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Denn ich will mich nicht über meine Vermutung unterhalten, dass man mich verfolgt hat. Zumal sie dann wissen wollen würde, wieso ich davon ausgehe. Und das kann ich nicht beantworten. Ich habe keine Ahnung, wieso man mich verfolgen sollte. Daher habe ich mir den ganzen Abend auch eingeredet, dass ich es mir nur einbilde.
„Wieso sollte denn etwas sein?“
Ich kann nicht genau sagen, ob es die richtige Frage ist, doch ich würde schon gerne wissen, weshalb sie auf mich aufmerksam geworden ist. Man könnte auch sagen, dass ich wissen will, womit ich mich verraten habe.
„Ich habe dich gestern mehrmals dabei beobachtet, wie du dich umgesehen hast. Ein wenig kam es mir so vor, als wärst du verabredet und würdest Ausschau nach ihm halten.“ Unschuldig zuckt sie mit den Schultern, kann sich dabei aber nicht ein kleines Grinsen verkneifen.
Ihre Reaktion sorgt dafür, dass ich die Augen verdrehe und ein leises Seufzen von mir gebe. Ich kenne meine Freundin und weiß daher, dass sie Romanzen liebt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie irgendwo eine Liebesgeschichte sieht, wo eigentlich keine ist. Öfters habe ich ihr deswegen schon gesagt, dass sie sich entweder einen Freund suchen soll, oder selber Bücher schreiben sollte. Ich bin mir sicher, dass sie mehr als genug Ideen dafür hätte. Bis jetzt hat sie aber anscheinend noch nicht über meinen Vorschlag nachgedacht. Zumindest hat sie mir gegenüber noch nichts in diese Richtung verlauten lassen.
„Ich habe nach niemandem Ausschau gehalten“, widerspreche ich sofort und hoffe, dass ich so ihre Ideen zur Seite wischen kann.
Allerdings brauche ich nur einen Blick in ihr Gesicht zu werfen um zu wissen, dass mir das nicht gelingt. Es macht eher den Anschein auf mich, als wäre das genaue Gegenteil der Fall.
„Ich habe mich nur umgesehen, da wir noch nie da waren.“
Dieser Teil ist besser, als ihr die volle Wahrheit zu sagen. Ganz davon abgesehen ist es auch gar nicht so gelogen. Ich habe nur eine Hälfte weggelassen. Sie ist zwar meine beste Freundin, doch ich kann ihr nicht sagen, dass es mir den ganzen Abend so vorkam, als würde man mich verfolgen. Sie würde mich wahrscheinlich für paranoid halten. Und wahrscheinlich bin ich das sogar. Ich habe nämlich den ganzen Abend niemanden entdecken können, der sich auffällig verhalten hat.
Nachdenklich sieht meine Freundin mich an, als würde sie darauf warten, dass ich noch etwas sage.
„Ich kenne dich. Daher weiß ich, wie du dich verhältst, wenn dir ein Typ über den Weg gelaufen ist.“
Ich schlucke und versuche so meine Reaktion auf ihre Worte in den Griff zu bekommen. Und zu meiner Freude stelle ich fest, dass mir das auch ziemlich gut gelingt.
„Dann hast du dich dieses Mal eindeutig geirrt“, stelle ich jedoch noch fest, um ihr klarzumachen, dass ich wirklich keine Ahnung habe, was sie meint.
Ich sehe ihr an, dass sie noch etwas zu diesem Thema von sich geben will. Und aus Erfahrung weiß ich genauso gut, dass sie nur überlegt, wie sie es sagt. Doch so weit kommt sie nicht mehr, da in diesem Moment Lucas auf der Bildfläche erscheint.
„Mädels, ich sage euch, dass ich gestern eindeutig ein paar Cocktails zu viel getrunken habe“, verkündet er, gießt sich einen Kaffee ein, den er sofort trinkt und verzieht das Gesicht, als würde er Kopfschmerzen haben. Doch da ich weiß, dass er wirklich ein paar zu viel hatte, gehe ich davon aus, dass er sie wirklich hat.
Auf den ersten Blick erkennt man, dass es ihm nicht gut geht. Sein Gesicht ist blass und er hat dunkle Augenringe, was sonst eindeutig nicht der Fall ist. Würde er nicht so aussehen, würde ich einen Kommentar dazu abgeben. Doch so verkneife ich es mir. Die Kopfschmerzen sind ihm wahrscheinlich eine Lehre genug. Seitdem ich ihn kenne hat er nämlich nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er nie viel trinkt, damit es ihm am nächsten Morgen nicht so geht.
„Du trinkst doch sonst nicht soviel“, stelle ich jedoch fest, da ich es nicht verhindern kann.
„Eigentlich nicht, da stimme ich dir zu.“
„Und wie hast du das gestern gemacht?“, frage ich weiter.
Mit hochgezogenen Augenbrauen sehe ich ihn an und lehne mich noch ein Stück nach vorne, damit er mir nicht ausweichen kann.
„Ich wohne mit meinen beiden besten Freundinnen in New York und war das erste Mal hier mit ihnen unterwegs. Da darf man doch wohl hoffentlich eine Ausnahme machen.“
Lucas verzieht ein wenig beleidigt das Gesicht, sodass Avery und ich lachen müssen.
„Vielleicht solltest du dich wieder ins Bett legen“, erklärt nun Avery, die ihn ebenfalls nicht aus den Augen lässt. „Und du solltest verdammt viel trinken.“
Es ist vielleicht gemein, doch ich bin froh darüber, dass sie sich nun auf ihn konzentriert und nicht mehr auf mich. Auch wenn ich weiß, dass es nicht für immer sein wird, so nutze ich Gelegenheit, um mir eine passende Antwort zu überlegen.
„Mein Vater schwört auf warmes Bier und Colin hat immer als Erstes das morgens getrunken, mit dem er abends aufgehört hat“, füge ich noch hinzu.
Colin ist mein Ex-Freund. Wir waren ein halbes Jahr zusammen, wobei es mir deutlich länger vorkommt. Mittlerweile würde ich aber so weit gehen und behaupten, dass ich mir nicht sicher bin, ob wir überhaupt jemals zusammen gewesen sind. Er hat mich immer gut behandelt, doch wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass es zwischen uns nie richtig gefunkt hat.
Als ich mich nun wieder auf Lucas konzentriere, erkenne ich, dass er vor Ekel das Gesicht verzieht.
„Würde ich das machen, würde ich wahrscheinlich kotzen. Außerdem würde ich auch euren Tratsch verpassen“, stellt er entschieden fest. „Und darauf verzichte ich nicht freiwillig. Ich werde einfach Literweise Wasser in mich hineinschütten und hoffen, dass es dadurch wieder besser wird. Wenigstens so weit, damit ich in der Lage bin, eurer Unterhaltung zu folgen.“
Er lächelt vorsichtig. Dies macht er immer, wenn er sich nicht sicher ist, ob es die richtige Entscheidung ist. Allerdings bringt es auch nichts ihm zu sagen, dass es wahrscheinlich besser ist, wenn er noch eine Runde schläft.
„Wir haben uns gerade über Aria unterhalten“, verkündet Avery nun und sieht mich nun wieder an.
„Da gibt es aber nichts, worüber wir uns unterhalten könnten“, erkläre ich mit energischer Stimme.
„Ich bin mir da nicht so sicher.“
„Ich bin erst seit einer Woche in der Stadt. Da werde ich wohl kaum schon ein Date gehabt haben. Ich habe noch nicht einmal einen Typen getroffen, den ich genauer kennenlernen wollen würde, da ich die meiste Zeit des Tages im Büro bin“, erinnere ich sie.
„Also ich hatte bereits ein Date“, verkündet Lucas, als wäre das keine große Sache. Und für ihn ist es das wahrscheinlich auch nicht.
Mit offenem Mund drehe ich meinen Kopf dennoch wieder in seine Richtung und starre ihn ungläubig an. Aus dem Augenwinkel sehe ich allerdings, dass es unserer Freundin anscheinend nicht anders geht.
„Wann?“, erkundigt Avery sich schließlich, als sie anscheinend ihre Sprache wiedergefunden hat.
Dabei kann sie die Überraschung darüber nicht für sich behalten. Ich frage mich hingegen, wieso sie wirklich noch überrascht darüber ist. Schließlich kennt sie Lucas und weiß, dass er noch nie Probleme damit hatte, auf ein Date eingeladen zu werden. In der Vergangenheit gab es mehr als genug Männer, die eine ernsthafte Beziehung mit ihm führen wollten, allerdings wollte er dies nicht. Bis jetzt hat er immer seine Freiheit genossen und ich bin mir sicher, dass das auch so bleiben wird. Zumindest für die nächste Zeit.
„Vorgestern, es war eine spontane Geschichte. Wir sind Kollegen und er hat mich gefragt, ob wir noch etwas trinken gehen wollen. Da ich wusste, dass ihr eh noch nicht zu Hause sein werdet, wenn ich da bin, habe ich zugesagt.“
Erneut öffnet sich mein Mund und dieses Mal bin auch ich überrascht. Niemals hätte ich gedacht, dass er sich wirklich irgendwann mit einem Kollegen treffen würde. Lucas hat in der Vergangenheit mehr als einmal klargemacht, dass er diesen Schritt nicht gehen wird. Umso mehr verwundert es mich nun.
„Ich muss mehr über ihn wissen“, stelle ich fest.
„Da gibt es eigentlich nicht viel zu wissen. Wir sind Kollegen, aber das habe ich ja bereits gesagt. Außerdem ist er lustig und sieht verdammt heiß aus.“ Bei seinen letzten Worten fächert er sich theatralisch Luft zu, als würde er sich abkühlen müssen.
Avery kichert nur, während ich wieder ein Bild von dem Mann vor Augen habe, mit dem ich gestern zusammen gestoßen bin. Auch er sah verboten gut aus, daher kann ich es gerade nachvollziehen.
„Ich werde gleich einkaufen gehen“, sage ich also und versuche die Unterhaltung so in eine andere Richtung zu lenken.
Ich habe keine Lust mich weiterhin über gutaussehende Männer zu unterhalten. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich gerne mehr über ihn erfahren würde, so vertage ich das lieber.
„Braucht ihr etwas Bestimmtes?“
„Wollen wir nicht alle zusammen gehen?“ Avery sieht mich an.
„Ich mach das schon, kein Problem“, gebe ich schnell von mir, bevor sich Lucas auch noch anschließen kann. Allerdings macht er auch nicht den Eindruck auf mich, als hätte er Lust dazu.
Bevor er es sich doch noch anders überlegen oder Avery etwas sagen kann, lasse ich die beiden in der Küche zurück, gehe ins Schlafzimmer und mache mich fertig.
In diesem Moment habe ich nur noch den Wunsch von hier zu verschwinden. Ich will den beiden, und vor allem Avery, ausweichen. Denn ich weiß, dass früher oder später wieder dieses Thema auf den Tisch kommen wird. Und wenn ich es wenigstens etwas herauszögern kann, mache ich das gerne.
4
„Aria“, dröhnt die schrille Stimme von Theresa durch das Büro, sodass ich erschrocken zusammenzucke.
Alleine von der Art und Weise, wie sie meinen Namen ausspricht, macht sich eine Gänsehaut auf meinem Körper breit. Ich kenne diesen Ton mittlerweile von ihr und weiß, dass er nichts Gutes zu bedeuten hat. Alleine deswegen kann ich schon nicht verhindern, dass ich die Augen verdrehe. In diesem Moment bin ich nur froh, dass es keiner gesehen hat, auch wenn ein paar der Kollegen in meine Richtung blicken.
In den letzten Tagen musste ich mich ein paar Mal zusammenreißen, um ihr nicht die Meinung sagen. Ich kenne sie nicht sonderlich gut, eigentlich habe ich noch keine vernünftige Unterhaltung mit ihr geführt. Das einzige, was ich über sie weiß sind die Dinge, die ich in Erfahrung gebracht habe, als ein paar der anderen sich über sie unterhalten haben. Und eigentlich habe ich dabei nur oberflächliche Dinge erfahren. Doch sie hat etwas an sich, was dafür sorgt, dass ich wütend werde. Eine leise Stimme tief in meinem Inneren sagt mir aber auch, dass sie sich keine Mühe gibt, um freundlich mit mir zu sprechen. Vom ersten Tag an hat sie sich auf mich eingeschossen und ich bezweifle, dass das in absehbarer Zukunft besser wird.
„Ja?“, frage ich sie, nachdem ich mich zu ihr umgedreht habe. Ich versuche so freundlich zu bleiben, wie es nur geht. Allerdings fällt mir das wirklich schwer.
Ich erkenne, dass sie mit großen und energischen Schritten, die keinen Widerspruch dulden, auf mich zukommt. Ihre großen Brüste hüpfen beinahe schon aus der Bluse heraus, die eindeutig mindestens eine Nummer zu klein ist, und ihre Haare fliegen von einer Seite zur anderen, so schwungvoll läuft sie.
Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit, als ich sie dabei beobachte. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Ich schlucke und versuche es so loszuwerden. Doch es hält sich beharrlich.
„Was ist los?“, frage ich sie, als sie vor mir stehen bleibt und mich mit einem Blick betrachtet, den ich nicht genau einordnen kann.
„Ich muss hier gleich pünktlich raus, da ich einen wichtigen Termin habe, den ich leider auch nicht verschieben kann. Es würde erneut ein halbes Jahr dauern, bis ich einen neuen habe. Deswegen müsstest du diese Übersetzung noch fertig machen und sie dann an den Kunden schicken. Es sind nur noch zwei Absätze“, eröffnet sie mir und hält mir ein paar Unterlagen unter die Nase.
Ein hinterhältiges Grinsen hat sich auf ihr Gesicht geschlichen. Auch jetzt muss ich mir Mühe geben, damit ich ihr nicht unter die Nase halte, dass man das mit Sicherheit auch freundlicher sagen kann. Doch ich rufe mir schnell in Erinnerung, dass ich die Neue bin und es mir nicht sofort mit allen verscherzen sollte.
Und schon gar nicht mit ihr.
Mir ist klar, dass sie ein Nein nicht akzeptiert. Ich würde es ihr sogar zutrauen, dass sie zu unserem Chef geht und ihm irgendwelche Lügen erzählt, nur damit ich rausgeschmissen werde. Und das kann ich überhaupt nicht gebrauchen. Ich habe noch keine Ersparnisse zur Seite legen können und wenn ich diesen Job verliere, würde es außerdem nicht gut auf meinen nächsten Bewerbungen aussehen. Schließlich ist es meine erste Arbeitsstelle nach dem Studium und hier wäre ich dann gerade einmal zwei Wochen gewesen.
Deswegen atme ich einmal tief durch und nehme dann die Unterlagen an mich. Allerdings nehme ich mir vor, dass ich ihr beim nächsten Mal sagen werde, dass ich auch ein Privatleben habe und sie sich vielleicht erst einmal erkundigen könnte, ob ich auch pünktlich das Büro verlassen muss.
Ein letztes Mal lächelt sie mich zuckersüß an, ehe sie sich umdreht und genauso schwungvoll wieder verschwindet, wie sie gekommen ist.
Ich hingegen bleibe noch einige Sekunden sitzen und sehe ihr nach, bis sie aus meinem Sichtfeld verschwunden ist. Dann verfluche ich mich selber dafür, dass ich anscheinend zu nett bin.
Ich weiß, dass ich die Neue im Büro bin. Dementsprechend stehe ich in der Hackordnung auch ganz weit unten und muss auch mal die ungeliebten Arbeiten machen. Und das ist auch in Ordnung für mich. Ich habe mich darauf vorbereitet und es war auch nie schlimm für mich. Ganz im Gegenteil. Ich versuche aus jeder Situation das Beste zu machen und etwas zu lernen. Allerdings macht sie mittlerweile auf mich den Eindruck, als würde sie mir mit Absicht eins reinwürgen wollen. Und dagegen sage ich etwas. Schließlich arbeite ich nicht hier, um ihr alles abzunehmen.
Als ich sie das erste Mal gesehen und mehr oder weniger mit ihr aneinander geraten bin, dachte ich noch, dass sie vielleicht einen schlechten Tag hatte. Das kann jedem passieren und ich weiß, dass man dann schnell auf jemand anderen losgeht. Mir selber ist es auch schon passiert.
Nachdem ich die letzten Tage allerdings die Chance hatte sie besser kennenzulernen, bin ich mir nun sicher, dass sie keinen schlechten Tag hatte, sondern anscheinend immer einen hat.
Bevor ich doch noch Gefahr laufe, dass ich ihr endlich etwas hinterherrufe, von dem ich mir sicher bin, dass es nur zu einem Streit führen wird, drehe ich mich um und gehe zu meinem Schreibtisch. Die nächste Stunde bleibe ich daran sitzen und arbeite konzentriert. Zum Glück sind es wirklich nur noch zwei Absätze, doch das heißt nicht, dass sie schnell gehen. Der Text ist so kompliziert verfasst, dass es länger dauert, als ich es erwartet habe.
Nachdem ich endlich alles abgeschickt habe, lasse ich mich nach hinten sinken und schließe die Augen. Ich gönne mir ein paar Sekunden Ruhe, ehe ich den Computer ausschalte und ebenfalls das Büro verlasse, um mich mit meinen Freunden zu treffen.
Auch jetzt herrscht wieder geschäftiges Treiben auf den Straßen, obwohl es bereits nach acht Uhr ist, als ich endlich auf die Straße trete. So schnell es geht, versuche ich mir einen Weg durch die Menschenmenge zu bahnen, doch so einfach ist das nicht. Ich komme nur langsam voran, sodass ich es schließlich aufgebe und mit dem Strom schwimme.
Als ich einen Schritt zur Seite machen will, um einem vollgepackten Mann auszuweichen, der mir plötzlich gegenübersteht, spüre ich, wie jemand nach mir greift und mein Handgelenk fest umklammert. Erschrocken drehe ich mich um. Doch bevor ich sehen kann, wer sich hinter mir befindet, werde ich bereits zur Seite gerissen, sodass ich mich nicht einmal mehr umdrehen kann.
Es geht so schnell, dass ich es gerade so schaffe, mich auf den Beinen zu halten und nicht zu fallen.
Ich gebe einen erschrockenen Ton von mir und versuche denjenigen zu erkennen, der mich da gerade hinter sich herzieht. Doch bevor mir das gelingt, hat mir bereits jemand etwas über den Kopf gezogen, sodass ich nichts mehr sehen kann. Verzweifelt schlage und trete ich um mich. Panik macht sich in mir breit und die Verzweiflung nimmt Besitz von mir.
Ich habe die Hoffnung, dass ich denjenigen erwische, der gerade versucht mich zu entführen. Bevor mir das allerdings gelingen kann, werde ich allerdings schon auf eine harte Oberfläche geschmissen, sodass ich vor Schmerzen das Gesicht verziehe, als ich mit meinen Knien aufkomme. In der nächsten Sekunde höre ich, wie eine Schiebetür geschlossen wird. Dann wird ein Motor gestartet und der Fahrer fährt mit quietschenden Reifen an.
„Was soll das?“, frage ich wütend, als ich endlich wieder in der Lage bin, einen Ton von mir zu geben.
Meine Angst ist nicht verschwunden, doch ich will ihnen auch nicht keine Macht über mich geben.
Panik breitet sich in mir aus. In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Doch die Wahrheit ist, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, was hier geschieht und wieso es ausgerechnet mich erwischt hat.
Das einzige, was ich nur mit Gewissheit sagen kann, ist, dass ich in Schwierigkeiten stecke, wenn ich es nicht schaffe, mich zu befreien.
„Lassen sie mich raus“, rufe ich mit energischer Stimme. Auch wenn ich mir bereits denken kann, dass das nichts bringen wird.
Gleichzeitig versuche ich den Sack über meinen Kopf loszuwerden. Allerdings hat er ihn mit einem Knoten verschnürt, den ich leider nicht auf bekomme.
„Halt endlich die Schnauze“, raunt in der nächsten Sekunde eine gefährliche Männerstimme.
Vier Wörter, die mich eigentlich noch nie beeindrucken konnten. Und dennoch sorgen sie gerade dafür, dass ich schlagartig die Luft anhalte und mein Herz aufhört zu schlagen.
Die Panik, die ich vorhin noch verspürt habe, ist nichts im Gegensatz zu dem, was jetzt durch meinen Körper schießt. Ich muss mir vor Augen halten, dass ich nur eine Chance habe hier wegzukommen, wenn ich mich beruhige und nicht die Nerven verliere. Doch das ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach, wenn man keine Ahnung hat, wo man sich befindet und was diese Männer von einem wollen.
Es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis der Wagen stehen bleibt und ich erneut die Tür hören kann. Dann werde ich wieder hinaus gerissen. Zitternd bleibe ich auf meinen Füßen stehen, auch wenn meine Beine gerade am liebsten unter mir nachgeben würden. Doch ich reiße mich zusammen und hole die letzte Kraft aus meinem Körper heraus, die noch vorhanden ist.
Genauso schnell, wie mir die Mütze aufgezogen wurde, wird sie mir auch wieder vom Kopf gerissen. Ich werde von einem hellen Licht geblendet, sodass es etwas dauert, bis ich etwas erkennen kann.
Doch dann fällt mein Blick als erstes auf die Person, die ich hier überhaupt nicht erwartet habe. Obwohl das so nicht ganz richtig ist, da ich nicht weiß, was ich erwartet habe. Aber wenn ich ehrlich bin muss ich zugeben, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass ich ihn überhaupt noch einmal wiedersehen werde.
Nur wenige Schritte von mir entfernt steht der Typ, den ich vor einer Woche beinahe über den Haufen gerannt habe. Ich sehe ihm an, dass er mindestens genauso überrascht ist, wie ich es auch bin. Und das ist etwas, was mir gerade überhaupt nicht gefällt.
„Wo bin ich?“, frage ich, nachdem ich mich einmal umgesehen habe.
Wir befinden uns in einer leeren Lagerhalle. Um uns herum kann ich ein paar schwarze Geländewagen erkennen, die ihre Scheinwerfer eingeschaltet haben und in unsere Richtung leuchten. Sonst scheint sie komplett leer zu sein. Auf jeden Fall, wenn ich danach gehe, was ich bis jetzt gesehen habe.
Ein paar der Männer, die sich um mich herum befinden, sind mir auch schon beim letzten Mal aufgefallen. Als ich in ihre Gesichter blicke, erkenne ich, dass sie anscheinend nicht wissen, wie sie reagieren sollen.
Und das zeigt mir, dass mindestens die Hälfte der Männer hier keine Ahnung hat, was hier gespielt wird. Auch wenn es vielleicht nicht hier hergehört, so bin ich doch froh darüber, dass ich anscheinend nicht die einzige Person bin.
„Es ist egal, wo wir uns befinden“, erklärt er mir und wendet sich dann dem Typen zu. „Viel wichtiger ist, dass du uns die Waffenlieferung überlassen wirst, weil wir sonst deine Freundin umbringen werden.“ Er knurrt es mehr, als dass er es sagt. „Aber keine Sorge, wir sind ja keine Unmenschen. Du wirst dich noch von ihr verabschieden können.“
Es dauert, bis seine Worte wirklich bei mir angekommen sind und ich sie verstanden habe. Doch dann reiße ich den Mund auf und spüre, wie mir die Farbe aus dem Gesicht weicht. Ich will etwas erwidern, doch gerade fällt mir nicht ein, was ich sagen könnte. Stattdessen schaue ich ihn an und versuche herauszufinden, worin ich hier gelandet bin.
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