Kitabı oku: «Second Chance For Love»

Yazı tipi:

Sarah Glicker

Second Chance For Love

Seans Story

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

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Elf Monate später

Impressum neobooks

Prolog

Sarah Glicker

Second Chance For Love

Seans Story

Sarah Weber

Alter Postweg 31a

48477 Hörstel

Copyright by Sarah Weber

Alle Rechte vorbehalten!

Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der offiziellen schriftlichen Genehmigung der Autorin!

Zwei Jahre zuvor

Den ganzen Tag habe ich schon so ein merkwürdiges Gefühl in meiner Bauchgegend, als würde etwas passieren, was ich nicht beeinflussen kann. Zuerst habe ich gedacht, dass es vielleicht etwas mit meiner Schwester zu tun hat, die wieder quer schießt oder irgendetwas beim Training geschehen ist.

Doch den zweiten Punkt kann ich nun eindeutig ausschließen. Das Training mit meiner Football-Mannschaft ist wie immer verlaufen. Mindestens einer schießt immer quer, daran habe ich mich in den letzten Jahren gewöhnt. Meistens sind es die Neuen, die der Meinung sind, dass sie ihren Platz verteidigen müssen. Wenn sie es aber nicht sind, sind es die alten Hasen, die der Meinung sind, dass sie sich aufspielen müssen. Und davon habe ich leider mehr als genug im Team. Allerdings haben selbst sie heute die Füße still gehalten.

Daher bleibt wirklich nur noch meine Schwester übrig.

Unser Verhältnis ist nicht das, was man als super bezeichnen kann. Um genau zu sein, spreche ich nur mit ihr, wenn ich es nicht vermeiden kann. Doch selbst dann lasse ich keinen Zweifel daran, dass ich keine Lust habe, mich mit ihr auseinanderzusetzen.

Unter anderem liegt es daran, dass sie an meiner Freundin und ihrem Bruder, der auch mein bester Freund ist, kein gutes Haar lässt. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit erzählt sie Lügen über die beiden.

Das ist auch der Grund dafür, dass ich die Beziehung zu Lindsay geheim halte. Ich schäme mich nicht für sie. Ganz im Gegenteil. Ich liebe diese Frau und will den Rest meines Lebens mit ihr verbringen.

In diesem Punkt bin ich mir sicher.

Doch ich will sie auch vor Heather beschützen. Mir ist bewusst, dass wir es nicht ewig für uns behalten können. Doch so lange ich die Chance habe, werde ich diesen Schritt weitergehen.

Jetzt will ich mich aber nicht mehr damit beschäftigen. Stattdessen will ich die nächsten Stunden in Ruhe mit meinem Mädchen verbringen.

Schon von weitem kann ich sie erkennen. Suchend blickt sie sich immer wieder zu allen Seiten hin um, obwohl sie weiß, aus welcher Ecke ich komme.

In der Sekunde, in der sie mich entdeckt, kommt es mir vor, als wäre sie irgendwie erleichtert darüber. Doch aus welchem Grund genau, kann ich nicht sagen.

Schnell nähere ich mich ihr und bleibe schließlich dicht vor ihr stehen. Ich schließe sie in meine Arme und drücke ihr einen Kuss auf die Lippen.

„Hi, meine Hübsche“, raune ich, nachdem ich mich ein Stück zurückgezogen habe.

Von einer Sekunde auf die andere meldet sich wieder das ungute Gefühl in mir, als ich sie genauer betrachte. Ich erkenne die Tränen, die plötzlich in ihren Augen auftauchen.

„Was ist los?“, erkundige ich mich.

Gleichzeitig ziehe ich sie zu einer Bank, die in der Nähe steht, und bedeute ihr, dass sie sich setzen soll.

„Sean …“, flüstert Lindsay so leise, dass ich sie kaum verstehen kann.

Irgendetwas bedrückt sie, das kann ich sehen. Doch ich registriere auch, wie schwer es ihr fällt, darüber zu sprechen.

„Was ist los?“

„Ich kann das nicht. Ich kann nicht von dir getrennt sein und dich kaum sehen. Meine Angst, dass du mich betrügst, ist viel zu groß.“

„Niemals würde ich dich hintergehen. Ich liebe dich“, erkläre ich sanft, lasse aber auch keinen Zweifel daran, dass es so ist, wie ich es sage.

„Früher oder später würden wir uns sowieso trennen.“

Mein Herz setzt für ein paar Schläge aus, als ihre Worte bei mir ankommen.

„Lindsay, du weißt, wieso ich mich dafür entschieden habe. Das hat nichts mit dir zu tun. Die Monate werden schnell vergehen.“

Verzweiflung macht sich in mir breit, als ich mir durch die Haare fahre. Ich ahne, worauf diese Unterhaltung hinausläuft, doch das ist nicht das, was ich will. Allerdings habe ich auch keine Ahnung, wie ich sie vom Gegenteil überzeugen kann.

„Mir fällt es nicht leicht“, wispert sie.

„Ich liebe dich“, erkläre ich noch einmal mit Nachdruck.

„Ich dich auch, aber ich kann das nicht. Sean, bitte, versteh mich doch“, fleht sie mich an.

Ungehindert laufen ihr nun die Tränen über das Gesicht. Innerlich hoffe ich, dass es nur ein Scherz war, doch mein Herz sagt mir etwas anderes.

Keine Sekunde lasse ich sie aus den Augen. Als ich spüre, dass sie mir ihre Hand entziehen will, halte ich sie noch fester umklammert.

„Bitte, mach es mir nicht schwerer, als es ohnehin schon ist.“

Da ich mich dicht vor ihr befinde, bin ich mir sicher, dass seine meinen Atem auf ihrer Haut spüren kann.

Langsam beuge ich mich zu ihr und küsse sie. Ich spüre, wie ihre Muskeln sich entspannen. Außerdem erkenne ich die Liebe und die Verzweiflung, die sie gerade spürt.

„Ich weiß, ich hätte manche Dinge tun sollen, die ich nicht getan habe. Ich lasse dich nur gehen, weil du es willst. Aber du gehörst an meine Seite. Und es wird der Tag kommen, an dem ich es dir beweisen werde.“

„Ich liebe dich, Sean. Pass bitte auf dich auf.“

Kaum hat sie ausgesprochen, dreht sie sich um und verschwindet aus meinem Leben.

In diesem Moment verspüre ich eine unbändige Wut. Am liebsten würde ich auf etwas einschlagen. Mein Leben verschwindet und ich kann nichts dagegen tun.

„Das nächste Mal werde ich dich nicht mehr gehen lassen“, schwöre ich uns.

1

„Guten Morgen“, begrüßt mich meine Mutter mit guter Laune, als ich an diesem Morgen in die Küche komme.

„Hi“, gebe ich zurück und nehme die Tasse entgegen, die sie mir reicht.

Ich gebe zu, dass es ein wenig merkwürdig ist, die nächsten Tage hier zu verbringen. Vor allem vor der Tatsache, da ich in Fresno meine eigene Wohnung habe. Doch es gibt einen Grund, wieso ich hier bin.

„Geh mit ihr essen“, spricht meine Mutter nun und reißt mich so aus meinen Gedanken.

„Was?“, frage ich sie, da ich kaum richtig zugehört habe.

„Gehe mit ihr essen!“

Langsam hebe ich meinen Kopf und sehe sie an. Ich habe ihr nie gesagt, wieso ich wirklich hier bin. Stattdessen habe ich es nach außen hin immer so aussehen lassen, als müsste ich mich um ein paar Angelegenheiten in der Stadt kümmern.

Jetzt bin ich mir aber nicht mehr so sicher, ob sie mir das auch wirklich glaubt.

„Ich freue mich, dass wir uns wieder vertragen haben“, spricht sie nun weiter und lässt mich dabei keine Sekunde aus den Augen. „Seit deinem Weggang aus der Stadt habe ich dich vermisst. Und dein Vater auch. Aber wir wissen, dass du nicht wegen irgendwelcher Behördengänge in der Stadt bist.“

Ich gebe zu, dass ich mir bis jetzt noch keine Gedanken darüber gemacht habe, ob sie sich den Grund vielleicht denken können. Doch jetzt, wo sie es selber anspricht, brauche ich erst gar nicht so zu tun, als hätte ich keine Ahnung, wovon sie spricht.

Nachdenklich sehe ich meine Mutter an, während ich mir ihre Worte durch den Kopf gehen lasse.

„Lindsay war nicht glücklich in den letzten Jahren. Ich habe sie nur wenige Mal durch Zufall gesehen. Doch jedes Mal habe ich den traurigen Ausdruck in ihren Augen gesehen. Du fehlst ihr.“

„Mit Sicherheit werde ich das erst sagen können, wenn sie vor mir steht.“

Ich schätze meine Mutter dafür, dass sie dieser Meinung ist. Doch die Wahrheit sieht nun einmal so aus, dass sie auch aus einem anderen Grund traurig gewesen sein kann.

„Fahr endlich zu ihr und rede mit ihr. Ihr zwei gehört zusammen. Das habe ich damals schon gesagt und der Meinung bin ich noch heute. Dein Vater hat übrigens festgestellt, dass er wütend ist, wenn du es dieses Mal wieder versaust.“

Ein freches Grinsen erscheint auf ihrem Gesicht, welches mich lachen lässt.

Ich bin froh darüber, dass ich mich wieder mit meinen Eltern vertragen habe. Es war ein langer und schwieriger Weg, doch irgendwann haben sie mich in Fresno besucht und wir haben uns ausgesprochen.

Jetzt gibt es nur noch eine Sache, um die ich mich in dieser Stadt kümmern muss, denke ich.

„Na los, fahr schon. Je eher ihr euch ausgesprochen habt, umso besser ist das.“

Aufmunternd lächelt sie mich an. Doch ich kann ehrlich gesagt nicht gerade behaupten, dass es wirkt.

Es gab in der Vergangenheit nicht viele Dinge, die dafür gesorgt haben, dass ich nervös bin. Doch in diesem Punkt bin ich es eindeutig.

Hier geht es um meine Vergangenheit und meine Zukunft. Ich will, dass Lindsay ein Teil meines Lebens ist und es auch bleibt. Schon alleine deswegen weiß ich nicht, wie ich diese Unterhaltung beginnen sollte. Doch ich kann und will es nicht ewig vor mir herschieben.

„Ich werde mich dann mal auf den Weg machen“, erkläre ich also, nehme noch einen großen Schluck aus der Tasse und verschwinde dann.

Doch bevor ich zu ihr fahre, habe ich noch etwas anderes vor. Nur ungern möchte ich mit leeren Händen vor ihrer Tür stehen. Daher möchte ich ihre Lieblingsblumen kaufen und hoffe, dass sie sich darüber freut.

Es dauert eine Ewigkeit, bis ich endlich einen freien Parkplatz in der Nähe des Blumenladens gefunden habe. Doch die Stadt ist überfüllt und Plätze, an denen man sein Auto abstellen kann, sind eindeutig Mangelware. Dies ist etwas, was in den letzten Jahren eindeutig nicht besser geworden ist.

Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, bahne ich mir so schnell wie möglich einen Weg durch die Menge. Weit komme ich jedoch nicht. Nachdem ich ein paar Schritte gegangen bin, stoße ich mit einer Person zusammen.

Aus einem Reflex heraus greife ich nach ihrem Arm und erkenne erst dann, dass es eine Frau ist, die ich übersehen habe. Doch in der nächsten Sekunde ziehe ich scharf die Luft ein, als ich erkenne, wer sie ist.

Direkt vor mir steht Lindsay. Mit großen Augen, die ihre Überraschung widerspiegeln, sieht sie mich an. Da ich ein Stück größer als sie bin, muss sie ihren Kopf etwas in den Nacken legen, damit sie mich betrachten kann.

Langsam lässt sie ihren Blick über meinen Körper wandern, als würde sie sichergehen wollen, dass auch wirklich ich es bin. Geduldig warte ich, bis sie mir wieder in die Augen sieht.

Noch immer habe ich ihre Hände fest umgriffen und mache auch keine Anstalten, sie loszulassen. Ihr wieder so nah zu sein, setzt etwas in mir frei. In diesem Moment spüre ich, dass sich nichts zwischen uns geändert hat. Es gibt noch immer die gleiche Anziehungskraft zwischen uns und ich spüre, dass sie es auch merkt.

„Alles gut?“, frage ich sie und unterbreche so die Ruhe, die sich zwischen uns befindet.

„Ja … danke“, murmelt sie leise vor sich hin und atmet dabei tief durch.

Die nächsten Sekunden herrscht wieder Stille zwischen uns. Allerdings lassen wir uns nicht aus den Augen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du mir gleich an meinem ersten Tag über den Weg läufst.“

Bei meinen Worten bildet sich ein riesiges Fragezeichen in ihrem Gesicht.

„Ich meine das positiv. Um genau zu sein, bist du einer der Gründe, wieso ich hier bin“, antworte ich und grinse sie frech an.

„Sean …“, fängt sie an. Mehr sagt sie jedoch nicht.

Ich sehe ihr an, dass es ihr gerade schwerfällt, weiterzusprechen.

„Ich muss los“, bringt sie dann hervor.

„Nein“, sage ich schnell und hindere sie so daran.

Dieses Mal werde ich sie nicht gehen lassen. Ich bin wegen dieser Frau nach Las Vegas kommen. Ich bin hier, damit wir wieder zusammen sein können.

Bei dem Klang meiner Stimme sieht sie mich wieder direkt an.

„Meine Freundin wartet.“

„Ich lasse dich erst gehen, wenn du einwilligst, dich mit mir zu treffen. Eine Verabredung, mehr verlange ich nicht von dir.“

Keine Sekunde wende ich mich von ihr ab. Daher erkenne ich auch den Kampf ihr, den meine Worte ausgelöst haben.

„Und was sagt deine Freundin dazu, wenn du dich mit deiner Ex triffst?“, fragt sie mich nun vorsichtig.

„Seit dir hatte ich keine mehr.“

Es ist die Wahrheit und das soll ihr auch bewusst sein.

„Okay“, gibt sie von sich, da sie anscheinend nicht weiß, was sie sonst dazu sagen soll.

Das sorgt dafür, dass ich sie zufrieden ansehe. Ich bin froh darüber, dass wir nicht ewig diskutieren müssen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich das getan hätte, wenn das bedeutet, dass ich den Abend wieder mit der Frau verbringen kann, die ich liebe.

„Gib mir bitte dein Handy!“

Ich strecke ihr meine Hand hin. Ein wenig zögerlich zieht sie es aus der Tasche heraus und reicht es mir. Dabei bemerke ich, wie sehr sie zittert. Am liebsten würde ich sie an mich ziehen und ihr so zu verstehen geben, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Aber ich unterdrücke dieses Verlangen. Stattdessen speichere ich schnell meine Nummer in ihrem Telefon ein.

„Nur ein Treffen“, erinnert sie mich.

„Wir sehen uns heute Abend“, erwidere ich, ohne näher darauf einzugehen.

Ihr Mund öffnet sich ein Stück, als würde sie nicht genug Luft bekommen. Dann nickt sie leicht und dreht sich herum.

Ich beobachte sie dabei, wie sie sich von mir entfernt und schließlich mit ihrer Freundin aus meinem Sichtfeld verschwindet. Als ich ihr vor zwei Jahren dabei zugehen habe, hat sich Verzweiflung in mir breit gemacht. Doch dieses Mal spüre ich Ruhe, die mich unter Kontrolle hat. Und das nur aus dem Grund, weil ich weiß, dass wir wieder zusammen sein werden.

2

Seit vier Stunden befinde ich mich schon in dem Fitnessstudio und schlage auf den Boxsack ein. Auf diese Weise versuche ich meine überschüssige Energie loszuwerden. Das ist allerdings nicht so leicht.

Ich brauche nur an den gemeinsamen Abend mit Lindsay denken und spanne mich automatisch wieder an. Ich bin nicht nervös, doch ich habe keine Ahnung, ob es wirklich eine so gute Idee ist, mit ihr essen zu gehen. Dennoch habe ich beschlossen, dass ich in diesem Punkt einfach auf meine Mutter hören werde.

Völlig außer Atem ziehe ich die Handschuhe aus, werfe sie neben mich auf den Boden und greife nach meinem Handy. Schnell entsperre ich es und schreibe ihr eine Nachricht. Auf diese Weise will ich sie nicht in die Ecke drängen, doch ich hoffe, dass ich ihr so zu verstehen geben kann, wie viel mir unsere Verabredung bedeutet.

Ich freue mich schon auf dich.

Sean

Kaum habe ich sie abgeschickt, wird mir bereits eine neue Nachricht angezeigt. Dieses Mal ist sie jedoch von meinem besten Freund Mike. Ich kann nicht verhindern, dass mir ein Seufzer über die Lippen dringt, als ich seinen Namen lese.

Bereits jetzt kann ich mir vorstellen, was er von mir will. In den letzten Jahren hat er mir oft genug gesagt, dass ich mich zusammenreißen soll, damit seine Schwester und ich das Leben bekommen, welches wir verdient haben.

Melde dich bei mir, wenn du Lindsay erreicht hast. Ich möchte wissen, ob ich endlich einen vernünftigen Schwager bekomme.

Seine Worte sorgen dafür, dass ich nun doch lachen muss. Das ist typisch Mike. Er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er seine Schwester nur an meiner Seite sehen will. Auch wenn man meinen könnte, dass es eher umgekehrt sein sollte. Schließlich sind wir Freunde und da sind die Schwestern tabu. Aber er weiß, dass Lindsay bei mir in Sicherheit ist. Daher war das nie das Problem zwischen uns.

Wir sind uns heute Vormittag über den Weg gelaufen und treffen uns heute Abend.

Mehr schreibe ich nicht, was aber vor allem daran liegt, dass ich keine Ahnung habe, was ich sonst schreiben soll. Mike wird sich denken können, dass es nicht leicht für mich ist.

In den letzten Jahren habe ich jede Nacht von Lindsay geträumt. Ich wollte sie wieder haben und nun habe ich die Chance dafür.

Versau´ es nicht!

Das muss er mir nicht sagen, daher reagiere ich auch gar nicht darauf. Ich bin mir sicher, dass er weiß, wieso er keine Antwort von mir bekommt.

Während der letzten Stunden habe ich trainiert und ein paar Dinge erledigt, die ich in den letzten Jahren vor mir hergeschoben habe.

Als ich nun vor ihrem Haus stehen bleibe, schaue ich ein letztes Mal darauf. Alles ist ruhig, nur ihr Auto und das ihres Bruders stehen auf dem Hof. Schnell steige ich aus und gehe darauf zu. Gleichzeitig betätige ich den Knopf auf dem Schlüssel, sodass mein Auto sich abschließt.

Schnell drücke ich auf die Klingel und warte darauf, dass die Frau meiner Träume endlich die Tür öffnet. Doch es ist Mike, der mich mit einem frechen Grinsen im Gesicht betrachtet.

„Wen haben wir denn da? Wurde auch Zeit, dass du dich endlich hier blicken lässt.“

Freundschaftlich schlägt er mir auf die Schulter.

„Ja, ich dachte mir, dass ich mal vorbeischaue“, erkläre ich und zucke mit den Schultern.

„Die Zeit ist also endlich gekommen.“

Mir ist bewusst, worauf er anspielt. Daher beschließe ich, dass ich auch jetzt nicht darauf eingehe. Doch das muss ich auch gar nicht, da Lindsay in diesem Moment hinter ihm auftaucht.

Aufmerksam betrachte ich sie einige Sekunden, während sich ein sanftes Lächeln auf mein Gesicht legt.

Lindsay trägt ein graues Kleid, welches mit schwarzen Mustern versehen ist. Ihre Haare fallen ihr offen über die Schultern. Und an ihrem Hals befindet sich die Kette, die ich ihr damals geschenkt habe. Sie ist mit vielen Steinen bestückt und sollte sie immer an mich erinnern.

Die Tatsache, dass sie diese noch immer hat, sorgt dafür, dass sich Erleichterung in mir breit macht. Ich nehme es Zeichen, dass dieser Abend gut verlaufen wird und wir uns wieder annähern.

„Hi, du siehst fantastisch aus“, begrüße ich sie.

Nachdem sie vor mir stehen geblieben ist, drücke ich ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Für einen Moment kann ich beobachten, dass es sie aus ihrem inneren Gleichgewicht gezogen hat. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht darüber freue.

„Danke“, murmelt sie leise.

Ich erkenne die Nervosität, die sie fest im Griff hat und kann mir gerade noch ein Grinsen verkneifen.

„Wir müssen unbedingt wieder zusammen trainieren“, mischt Mike sich nun ein.

„Auf jeden Fall“, entgegne ich nur, da ich gerade eigentlich keine Lust habe, mich darüber zu unterhalten.

An seinem Gesichtsausdruck kann ich erkennen, dass er das auch genau weiß. Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass er sich einen Spaß daraus macht.

„Wollen wir?“, frage ich nun Lindsay.

„Von mir aus können wir los.“

Ich greife nach ihrer Hand und verschränke meine Finger mit ihren. Ich spüre das Zittern, das durch ihren Körper geht und das zeige ich ihr auch, als ich sie anlächle.

Lindsay soll wissen, dass sich nichts zwischen uns geändert hat. Sie soll sich keine Sorgen machen, sondern einfach die Frau sein, die sie ist. Die Frau, die ich immer geliebt habe und noch immer mehr liebe als mein Leben.

Mike flüstert ihr noch etwas ins Ohr. Ich verstehe zwar kein Wort, aber ich kann mir bereits denken, was er ihr gesagt hat. Daher unternehme ich auch keinen Versuch, es in Erfahrung zu bringen.

3

„Wo fahren wir hin?“, erkundigt sich Lindsay, nachdem ich angefahren bin.

Aus dem Augenwinkel kann ich erkennen, dass sie sich neugierig in dem Wagen umsieht und dabei anscheinend feststellt, dass es das gleiche Auto ist, was ich vor zwei Jahren schon hatte. Allerdings habe ich es in der letzten Zeit fertig gemacht.

Die Trennung von Lindsay hatte dafür gesorgt, dass in den letzten Jahren nicht immer alles so verlief, wie ich es gerne gehabt hätte. Daher kann man sagen, dass ich mit der Aufbereitung meines Autos den ersten Schritt gegangen bin.

„Es ist schon ein paar Jahre her, seitdem ich das letzte Mal in Las Vegas war, deswegen musste ich erst meine Eltern fragen. Ich hoffe, ich finde das Restaurant auf Anhieb“, antworte ich schließlich nach einigen Sekunden.

„Deine Eltern wohnen noch hier?“

An ihrer Stimme höre ich, dass sie nicht nur Smalltalk machen will, sondern ehrliches Interesse daran hat.

„Ich glaube, sie werden in den nächsten Jahren ebenfalls die Stadt verlassen. Sobald meine Schwester diesen Schleimer geheiratet hat, hält sie hier auch nichts mehr.“

Da jede Faser meines Körpers auf Lindsay ausgerichtet ist, erkenne ich genau, dass sie zusammenzuckt. Mir ist bewusst, dass sie etwas mit ihm hatte, bevor er sich für meine Schwester entschieden hat. Mike hat mich seit meinem Weggang immer über alles auf dem Laufenden gehalten, was Lindsay angeht. Doch selbst wenn die Beziehung zwischen den beiden nicht in die Brüche gegangen wäre, hätte das meinen Entschluss nicht geändert.

Lindsay gehört zu mir und das werde ich jedem beweisen.

„Aber über Cole brauche ich dir ja nichts zu erzählen. Du kennst ihn ja zur Genüge“, fahre ich fort, da ich ihr so zeigen will, dass ich die Geschichte kenne.

Kurz sehe ich zu ihr hinüber. Ihr Mund öffnet sich, als meine Aussage bei ihr angekommen ist, doch schnell schließt sie ihn wieder. Einige Sekunden ist es ruhig zwischen uns.

„Du weißt, dass wir zusammen waren?“, murmelt sie schließlich, als würde sie nicht genau wissen, ob sie diese Frage stellen kann.

„Sicher“, antworte ich, als wäre es das Normalste auf der Welt. „Wie lange ging eure Beziehung?“

Ich versuche so gleichgültig wie möglich zu klingen. Sie muss nicht unbedingt wissen, dass ich alles weiß. Zumindest jetzt noch nicht. Ich bin kein Stalker, wollte aber sichergehen, dass es ihr gut geht. Als ich davon erfahren habe, wäre ich am liebsten hergefahren, um ihm die Hölle heißzumachen. Davon konnte Mike mich allerdings gerade noch abhalten. Unter anderem auch deswegen, weil ich Lindsay damit wahrscheinlich keinen Gefallen getan hätte.

„Ach? Das weißt du nicht?“

„Mike hat es nicht so mit Zahlen“, erkläre ich und hoffe, dass ich damit nicht zu viel gesagt habe.

„Etwas über ein Jahr“, flüstert sie sofort und zeigt mir so einerseits, dass sie gar nicht so genau hingehört hat und andererseits, dass sie sich nicht darüber unterhalten will.

Um sie wieder aufzumuntern, greife ich über die Mittelkonsole und nehme ihre Hand sanft in meine.

Ich spüre das vertraute Gefühl zwischen uns, welches mir mal wieder beweist, dass ich mich für den richtigen Weg entschieden habe. Schweigend fahre ich weiter, bis ich unser Ziel erreicht habe.

Es dauert ein wenig, bis ich einen freien Parkplatz gefunden habe. Doch dann steige ich aus, umrunde das Auto und öffne ihre Tür. Langsam legt sie ihre Hand in meine, während sie aussteigt. Automatisch verschränke ich meine Finger mit ihren.

Ich kann nicht verhindern, dass sich Hoffnung in mir breit macht. Hoffnung, dass wir das hier wirklich schaffen können. Die gleiche Hoffnung ist es, die ich auch kurz in ihren Augen sehe. Doch schnell verdrängt sie das Gefühl und konzentriert sich stattdessen wieder auf mich.

Aus diesem Grund stelle ich mich so dicht vor sie, dass meine Brust bei jedem Atemzug ihre berührt. Dann lehne ich mich ein Stück nach vorne.

„Vergiss den Idioten“, raune ich ihr zu.

Auf ihrem Körper bildet sich eine Gänsehaut, welche mir ein zufriedenes Lächeln entlockt.

„Ich habe überhaupt nicht an ihn gedacht“, kontert sie, worüber ich froh bin. Allerdings erwidere ich nichts dazu, sondern lege meinen Arm um sie und drücke sie so fest an meine Seite. Dann setze ich mich in Bewegung und führe sie in das Restaurant.

„Meine Mutter meint, dass es hier das beste Steak in der ganzen Stadt gibt. Sollte es also nicht schmecken, bin ich nicht schuld daran.“

Ich zwinkere ihr zu und rücke ihr den Stuhl zurecht, nachdem der Kellner uns an unseren Tisch gebracht hat.

Kurz sehe ich mich um und erkenne dabei, dass alles an den Wilden Westen erinnert. An den Wänden hängen sogar alte Bilder aus dieser Zeit. Als ich wieder zu Lindsay schaue, erkenne ich, dass sie mich nicht aus den Augen lässt.

„Hast du jedes Mädchen, mit dem zu zusammen warst, zum Essen ausgeführt?“, fragt sie mich herausfordernd.

„Nach dir war ich mit keiner Frau mehr zusammen. Das war mein Ernst.“

Ich sehe, dass meine Antwort sie überrascht. Sie betrachtet mich genau, als würde sie es noch immer nicht glauben können. Wenigstens vor mir selber muss ich zugeben, dass es nicht so ist, als hätte ich keine Gelegenheiten gehabt, eine feste Beziehung einzugehen. Doch ich wollte es nicht. Mein Herz gehört dieser Frau, auch wenn das vielleicht kitschig klingt.

„Was kann ich Ihnen bringen?“, erkundigt sich eine Kellnerin und unterbricht so die Ruhe, die sich zwischen uns ausgebreitet hat.

„Ich nehme ein Wasser“, murmelt Lindsay, da sie noch immer mit ihren Gedanken woanders ist.

„Das gleiche, außerdem zweimal das Steakmenü.“

Sie nickt und verschwindet dann genauso schnell, wie sie aufgetaucht ist.

„Es ist wunderbar, dass du dich wieder besser mit deinen Eltern verstehst“, verkündet Lindsay nun.

„Das finde ich auch. Wäre ich hiergeblieben, wäre es wohl nicht so gekommen.“

„Wie läuft es denn in Fresno?“

„Das Studium ist einfach und macht Spaß.“ Ich zucke mit den Schultern. „Und wie läuft es bei dir?“

„Ich studiere Informatik. Eigentlich wollte ich gar nicht aufs College gehen, aber mein Vater und meine Stiefmutter haben mich so lange bearbeitet, bis ich zugestimmt habe. Deswegen wohne ich auch noch bei ihnen.“

„Wieso wolltest du denn nicht?“

„Ich hätte lieber eine Ausbildung gemacht, damit ich Geld verdienen kann. Ich will die Welt sehen, da ist es nicht sehr hilfreich, wenn man studiert.“

Sie sieht mich so an, als würde sie nicht wissen, wie ich darauf reagiere. Doch ich freue mich.

„Das wolltest du damals schon. Hast du mittlerweile mal etwas von deiner leiblichen Mutter gehört?“

Merklich zuckt sie zusammen.

„Wir wissen nicht, wo sie ist, oder ob sie eine neue Familie hat. Aber das ist mir auch egal. Dad ist glücklich in seiner zweiten Ehe. Marianne ist wie eine echte Mutter für mich. Sie hat so viel von meinem Leben mitbekommen, dass ich sie schon seit Jahren als Mutter ansehe. Und genauso hat sie Mike und mich auch von Anfang an behandelt.“

„Ich erinnere mich noch sehr gut an ihre Pfannkuchen.“

Ich wackle mit den Augenbrauen, sodass sie lachen muss. Jedes Mal sind wir alle über ihre Pfannkuchen hergefallen.

Den Rest der Wartezeit ziehe ich es vor, über Themen zu sprechen, die nichts mit unserer Vergangenheit zu tun haben. Ich erzähle ihr von Fresno und hoffe, dass ich damit ihre Neugierde wecken kann.

„Ich hoffe, dass es dir schmeckt“, verkünde ich, als die dampfenden Teller vor uns stehen.

Vorsichtig nimmt sie einen Bissen, nickt dann jedoch begeistert.

„Deine Mutter hat einen guten Geschmack.“

Während des Essens schweigen wir. Allerdings brauchen wir uns auch nicht unterhalten, um zu wissen, was in dem Kopf des anderen vor sich geht.

Ich bin mir sicher, dass Lindsay sich fragt, ob sie das Risiko eingehen soll. Und ja, es ist ein Risiko. Allerdings werde ich ihr zeigen, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Und genau das werde ich ihr auch beweisen.

„Wollen wir ein wenig spazieren gehen?“, frage ich sie, nachdem wir das Restaurant zwei Stunden später wieder verlassen haben.

Mir gefällt der Gedanke nicht, dass der Abend schon vorbei ist.

„Sicher“, antwortet sie sofort.

Ich nehme ihre Hand in meine und verschränke erneut meine Finger mit ihren. Ein wenig kommt es mir vor, als wären wir nicht getrennt gewesen, als hätte es die letzten zwei Jahre nicht gegeben. Und wenn ich ihren Blick richtig deute, geht es ihr auch so.

Gemeinsam gehen wir zum Strip. Um diese Uhrzeit werden dort zahlreiche Shows aufgeführt, an denen ich jedoch kein Interesse habe. Meine volle Aufmerksamkeit liegt auf der wunderschönen Frau, mit der ich unterwegs bin.

„Komm, lass uns reingehen“, fordere ich sie auf, nachdem wir eine Weile vor dem kleinen Eiffelturm standen, der sich vor einem Hotel befindet.

Ich warte nicht darauf, was sie antwortet. Stattdessen lege ich meinen Arm um ihre Hüfte und führe sie in das Innere.

Hier drin herrscht reges Treiben. Überall stehen kleine und große Gruppen, die sich angeregt unterhalten. Es ist ein typisches Hotel mit einem angeschlossenen Casino, wie man sie massenhaft in Las Vegas findet. Alle sind darauf ausgelegt, möglichst viele Menschen jeden Tag in ihr Inneres zu locken.

In diesem hier gibt es eine kleine Stadt und einen Kanal, was an Venedig erinnern soll.

„Setz dich dorthin“, flüstere ich in ihr Ohr und zeige auf einen kleinen Tisch, der in unserer Nähe steht. „Ich bin gleich wieder da.“

Bevor sie noch etwas sagen kann, verschwinde ich in einer der Eisdielen, die sich in den künstlichen Häusern befinden. Da ich nicht der einzige bin, dauert es ein wenig, bis ich endlich zwei Eiswaffeln in den Händen halte.

„Was würde wohl deine Schwester dazu sagen, wenn sie wüsste, dass du den Abend mit mir verbringst?“, fragt sie mich, nachdem ich ihr eine überreicht habe.

Heather war noch nie ein leichtes Thema und ich bin mir auch sicher, dass sich das niemals ändern wird. Es ist schon so lange her, dass ich eine vernünftige Unterhaltung mit ihr geführt habe, dass ich mich nicht einmal daran erinnern kann.

Falls das überhaupt jemals der Fall war.

Diesen Gedanken behalte ich allerdings für mich. Jetzt würde es uns keinen Schritt weiterbringen.

„Das ist mir egal. Sie wusste auch damals nichts von uns und wenn es nach mir geht, werde ich es auch dieses Mal vor ihr verheimlichen.“

Es ist total kindisch, das ist mir bewusst. Allerdings ist es meine Aufgabe Lindsay zu beschützen. Und ich habe genau das vor. Auch wenn es vor meiner eigenen Schwester ist.

„Dieses Mal?“

Ihre Stimme ist ein wenig zu hoch und zeigt mir, dass sie damit eindeutig nicht gerechnet hat.

„Weißt du noch, was ich dir damals gesagt habe?“

Ich merke, dass sie eindeutig nicht weiß, was sie sagen soll. Und das ist etwas, was mir zeigt, dass die Worte noch in ihrem Gedächtnis sind.

„Das war mein Ernst. Auf diese Chance habe ich gewartet. Noch einmal werde ich dich nicht gehen lassen.“

Ihr Mund hat sich ein Stück geöffnet, als meine Worte bei ihr ankommen. Doch davon lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen.

„Ich habe es jeden einzelnen Tag bereut, dass ich dich habe gehen lassen. Das wird mir kein zweites Mal passieren.“

Sie nickt, als wäre sie überhaupt nicht in der Lage, etwas anderes zu machen. In diesem Moment reicht mir das aber. Mir ist schließlich klar, dass sie eine Weile braucht, bis sie es verdaut hat. Schließlich habe ich ihr gerade eine ziemlich klare Ansage gemacht.

„Ich sollte dich nun nach Hause bringen“, raune ich mit gefährlicher Stimme, nachdem ich einen prüfenden Blick auf die Uhr geworfen habe. Dabei lasse ich jedoch keinen Zweifel daran, dass ich es eigentlich nicht will.

Nachdem ich sie auf die Beine gezogen habe, drücke ich meine Lippen auf ihre. Wie von alleine legen sich ihre Hände auf meine Brust, sodass ich von einer Ruhe erfasst werde, die ich seit unserer Trennung nicht mehr gespürt habe.

Langsam bringe ich ein wenig Abstand zwischen uns und sehe sie an.

„Das wollte ich schon machen, als du heute Morgen in mich hineingelaufen bist.“

Beinahe krampfhaft versuche ich ein kleines Grinsen für mich zu behalten. Allerdings fällt mir das schwer.

Zärtlich legt sie ihre Hand an meine Wange und streicht über meinen Bartansatz.

„Danke“, flüstert sie so leise, dass ich sie kaum verstehen kann.

„Wofür?“

„Für alles.“

4

An diesem Morgen bin ich eindeutig zu früh wach. Doch es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich wach werde und mir keine Sorgen mache, wie es Lindsay geht und wann ich sie das nächste Mal sehen werde.

Der Abend verlief so gut, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe gespürt, dass die alten Gefühle wieder in ihr hochkamen und bin froh darüber, dass es nicht nur mir so ging. Dies hat mir gezeigt, dass das Band zwischen uns noch immer besteht.

Mit guter Laune verlasse ich mein Bett, ziehe mich an, greife nach meinem Handy und gehe nach unten.

„Du hast ja gute Laune“, begrüßt mich mein Vater und sieht mich beinahe ein wenig skeptisch an.

Doch das kann ich ihm nicht übel nehmen. Damals war ich nicht unbedingt eine Frohnatur. Dies liegt aber vor allem daran, dass meine Schwester jede Chance genutzt hat, um uns alle gegeneinander auszuspielen. Und auch die Zeit auf dem College war nicht leicht für mich. Sie ist zwar noch nicht vorbei, aber ich habe Lindsay vermisst. Sie war immer eine Konstante in meinem Leben und danach hatte ich mich immer gesehnt. Doch ich wusste nicht, wie ich sie wieder in mein Leben holen soll. Daher habe ich einen Weg eingeschlagen, auf den ich definitiv nicht stolz bin, aber nun kann ich es nicht mehr rückgängig machen.

„Muss auch mal sein“, stelle ich fest.

Routiniert stelle ich eine Tasse unter die Kaffeemaschine und drücke den Knopf.

„Ich gehe also mal davon aus, dass das Date mit Lindsay ein voller Erfolg war“, spricht er weiter und grinst dabei ein wenig. „Ich freue mich für euch. Schade, dass es erst so kommen musste. Aber umso mehr freue ich mich, dass ihr nun wieder die Chance habt, wieder zueinanderzufinden.“

Nachdenklich sehe ich meinen Vater an. Ich muss ihm nicht sagen, dass damals alles auf einmal kam und es zu viel für mich war. Das weiß er auch so. Daher behalte ich die Worte für mich und nicke nur.

„Ich liebe sie und werde alles dafür tun, um es ihr zu beweisen“, murmle ich und greife gleichzeitig nach meinem Handy.

Ich habe den Abend mit dir sehr genossen und würde mich freuen, wenn du auch heute Zeit für mich hättest.

Ein letztes Mal lese ich die Nachricht durch, ehe ich sie absende. Innerlich hoffe ich, dass Lindsay sich schnell meldet. Allerdings ist es noch früh am morgen und ich weiß, dass sie kein Morgenmensch ist. Daher würde es mich auch nicht wundern, wenn sie noch schläft.

„Und was machst du heute?“, fragt mein Vater.

„Für später habe ich schon etwas geplant“, erwidere ich, ohne dabei von dem Display meines Telefons aufzusehen.

Gerade schreibe ich einem Kumpel, da ich eine Überraschung für Lindsay plane. Mir ist klar, dass ich noch keine Ahnung habe, ob sie auch Zeit hat. Doch ich will vorbereitet sein. Außerdem bin ich mir sicher, es ihr Spaß machen wird.

„Während du auf die Antwort deiner Liebsten wartest, könntest du mir beim Ölwechsel helfen“, verkündet nun mein Vater.

Skeptisch ziehe ich meine Augenbrauen ein Stück nach oben.

„Du solltest dir wirklich angewöhnen, damit in die Werkstatt zu fahren. Für die Jungs geht es eindeutig leichter und schneller, als wenn du das machst“, erwidere ich.

Mein Vater sieht mich an, als würde er mich stumm fragen wollen, ob ich sie noch alle habe. Doch auch das gehört eindeutig zu den Dingen, die sich in den letzten Jahren nicht geändert haben.

„Ich vertraue den Mechanikern nicht. Und wenn ich das alleine machen kann, werde ich das auch machen.“

Es gibt nicht viele Themen, in denen mein Vater so stur ist. Um genau zu sein, gibt es sonst kein anderes. Zumindest habe ich es bis jetzt noch bei keinem anderen erlebt.

Seufzend verdrehe ich die Augen, wobei mein Vater mir einen warnenden Blick zuwirft. In der nächsten Sekunde grinst er jedoch und zeigt mir so, dass er ihn nicht ernst meint.

Ohne ein weiteres Wort von mir zu geben, folge ich ihm in die Garage und betrachte den Wagen, der eindeutig schon in die Jahre gekommen ist. Auch jetzt liegen mir wieder die Worte auf der Zunge, dass er dringend mal zu einer Werkstatt sollte, aber ich behalte sie für mich.

Ich kenne meinen Vater gut genug, um zu wissen, dass es nichts an seiner Einstellung ändern würde.

Während der nächsten Stunde helfe ich meinem Vater dabei, das Öl zu wechseln. Dabei kann ich nicht verhindern, dass mein Blick immer wieder auf das Display meines Handys fällt.

Allerdings habe ich noch keine Antwort von ihr bekommen. Weder die kleine Lampe in der oberen rechten Ecke leuchtet, noch ist das schrille Klingeln meines Handys ertönt.

Langsam macht sich ein ungutes Gefühl in mir breit. Ich will es nicht, kann aber auch nichts dagegen unternehmen.

Habe ich mich getäuscht?

Diese Frage stelle ich mir ununterbrochen. Ich will mich damit nicht beschäftigen, doch ich muss. Denn das kann durchaus sein.

Ich bin so sehr darauf konzentriert, dass ich beinahe erschrocken zusammenzucke, als ich das vertraute Vibrieren in meiner Hosentasche wahrnehme. Mir ist bewusst, dass die Nachricht auch von jemand anderem kommen kann, aber mein Gefühl sagt mir, dass sie von Lindsay ist. Ganz davon abgesehen wüsste ich auch nicht, wer mir sonst schreiben sollte.

Du hast Glück, heute habe ich frei. Hast du etwas Bestimmtes geplant?

Als ich die Worte lese, muss ich unwillkürlich lächeln.

Ich dachte schon, du willst mich nicht mehr sehen.

Wäre ich damals so ehrlich zu ihr gewesen?

Obwohl ich sie liebe, weiß ich das ehrlich gesagt nicht. Doch ich habe keine Lust, ein Geheimnis daraus zu machen. Daher ziehe ihr Ehrlichkeit eindeutig vor.

Ich war joggen und habe mein Handy zu Hause gelassen.

Das nächste Mal laufen wir zusammen. Aber um deine Frage zu beantworten, das habe ich. Zieh dir etwas Bequemes an, ich hole dich in einer Stunde ab.

Schnell stecke ich mein Handy wieder in die Hosentasche.

„Kommst du alleine klar?“, wende ich mich an meinen Vater.

„Wie? Du bist auch noch da?“, erwidert dieser nur und grinst mich dämlich an.

„Ja, ich bin auch noch da.“

„Verschwinde schon und triff dich mit Lindsay.“

Noch vor wenigen Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann einmal wieder ein vernünftiges Verhältnis zu meinen Eltern habe. Doch nun bin ich froh darüber.

Jetzt brauche ich nur noch die Frau wieder in meinem Leben, die ich liebe.

„Bis später“, rufe ich ihm noch zu, während ich wieder ins Haus gehe, um mich fertig zu machen.

Beinahe ungeduldig stehe ich vor der Tür und warte darauf, dass Lindsay sie öffnet. Als sie wenige Sekunden später endlich vor mir steht, macht sich Erleichterung in mir breit. Plötzlich bin ich ruhiger und weiß, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss.

Auf den ersten Blick erkenne ich, dass sie meinen Rat befolgt hat. Daher gehe ich nicht näher darauf ein, sondern lehne mich einfach ein Stück nach vorne.

„Hi, meine Hübsche“, raune ich in ihr.

Mir entgeht nicht das Zittern, welches plötzlich von ihr ausgeht, als sie meinen Atem auf ihrer Haut spürt. Allerdings küsse ich sie nur auf die Wange und ziehe mich dann wieder zurück. Dabei kann ich jedoch einen kurzen Blick auf ihr enttäuschtes Gesicht werfen.

„Hi“, gibt sie leise zurück und macht dabei einen Schritt zur Seite.

„Wir müssen gleich weiter, sonst kommen wir zu spät.“

„Wohin geht es denn?“, erkundigt sich Mike, der hinter seiner Schwester auftaucht.

„Das ist eine Überraschung.“

Lindsay greift nach ihrer Tasche, während Mike ein wenig zu schmollen scheint. Doch ich weiß, dass er mir deswegen nicht böse ist. Er ist sich darüber bewusst, dass seine Schwester bei mir in Sicherheit ist. Das war sie damals schon und daran hat sich bis heute nichts geändert.

„Ich wünsche euch viel Spaß. Pass gut auf meine Schwester auf!“

Mit diesen Worten dreht er sich wieder um und lässt uns alleine.

Ich hingegen greife nach ihrer Hand und führe sie zu meinem Wagen.

5

„Gibst du mir wenigstens einen Tipp?“, erkundigt sich Lindsay und startet damit noch einen Versuch, etwas von mir zu erfahren.

„Wir fahren zum Flughafen nach Boulder City“, antworte ich, kann mir dabei aber ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

„Was?“

An ihrer Stimme erkenne ich, dass sie überrascht darüber ist. Und aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass auch ihr Gesichtsausdruck dazu passt.

Mir ist bewusst, dass sie auf eine Erklärung wartet, doch ich gehe nicht näher darauf ein.

Es dauert nur eine halbe Stunde, bis wir unser Ziel erreicht haben. Neugierig sieht Lindsay sich um, während ich durch die kleine Stadt fahre und schließlich vor dem Hauptgebäude des Flughafens stehen bleibe. Er ist nicht so klein, wie man es in so einer Stadt vielleicht vermuten würde. Das Hauptgebäude ist etwas größer und befindet sich in der Mitte, während sich überall an den Seiten Hallen mit den Maschinen befinden.

Mit einem leicht amüsierten Blick sehe ich Lindsay an, während ich die Tür öffne und aussteige. Sie hat noch immer keine Ahnung, was ich vorhabe, doch das gefällt mir.

„Komm“, rufe ich ihr entgegen, nachdem sie ebenfalls ausgestiegen ist.

Dabei kann ich nicht verhindern, dass ich ein wenig nervös bin, da ich keine Ahnung habe, wie sie darauf reagiert.

Nachdem sie zu mir gekommen ist, greife ich nach ihrer Hand und verschränke meine Finger mit ihren. Sofort spüre ich die Wärme, die von ihr ausgeht und merke, wie sich ihre Muskeln entspannen. Und auch jetzt bin ich wieder froh darüber, dass ich die gleiche Kraft auf sie ausübe, wie es damals schon der Fall war.

Gemeinsam gehen wir auch eine der zahlreichen Hallen zu, die mir der Mann am Telefon heute Morgen genannt hatte. Schon von weitem kann ich einen Mann erkennen, der um die Maschine herum geht.

„Mr. Jordan?“, rufe ich, nachdem wir uns ein Stück genähert haben. „Ich bin Sean Cooper. Wir hatten heute Morgen telefoniert.“

„Sicher, es ging um den Rundflug“, begrüßt er uns und strahlt dabei von einem Ohr bis zum anderen.

Aus dem Augenwinkel kann ich erkennen, dass Lindsay mich überrascht ansieht. Doch ich gehe nicht näher darauf ein. Stattdessen unterhalte ich mich kurz mit dem Mann. Dieser scheint total begeistert davon zu sein, mir alles über sein Flugzeug zu erklären. Ich bin zwar so freundlich und höre mir alles an, muss aber zugeben, dass ich mit meinen Gedanken ganz woanders bin.

„Wir werden einen Rundflug über den Grand Canyon und den Hoover Damm machen“, flüstere ich ihr ins Ohr, als wir dem Mann folgen. „Nur wir zwei.“

Ich lasse meine Stimme so geheimnisvoll klingen, wie es nur irgendwie geht, während mein Atem ihre Haut streift. Ich beobachte sie dabei, wie sie kurz die Augen schließt, sich aber schnell wieder im Griff hat.

„Das hättest du nicht machen müssen“, erklärt sie stattdessen.

Mir liegen die Worte auf der Zunge, dass ich das gerne mache. Doch ich ziehe es vor, nicht näher darauf einzugehen. Wortlos helfe ich ihr beim Einsteigen und lasse mich dann neben sie fallen, als sie sich an das Fenster setzt.

„Wieso bist du so aufgeregt?“, fragt sie mich schließlich und schaut dabei auf unsere Hände.

Leider kann ich es nicht vor ihr verheimlichen, allerdings werde ich ihr nicht den Grund dafür nennen. Zumindest jetzt werde ich das nicht machen.

Stattdessen lehne ich mich zu ihr und küsse sie leidenschaftlich. Ich spüre, wie sie sich entspannt und mir die Kontrolle überlässt. Und in diesem Moment kann ich nicht beschreiben, wie wichtig mir das ist.

Als ich mich von ihr trenne, lasse ich meinen Daumen über ihr Gesicht wandern, sodass er schließlich auf ihren Lippen liegt. In diesem Moment kostet es mich meine gesamte Selbstbeherrschung, mich zurückzuhalten. In diesem Moment würde ich nämlich noch ganz andere Dinge mit ihr machen.

Mit einem glücklichen Seufzen kuschelt sie sich an mich. Sie genießt die Nähe zwischen uns genauso sehr, wie es auch bei mir der Fall ist. Gerade kommt es mir so vor, als hätte es die letzten Jahre überhaupt nicht gegeben.

Aufmunternd drücke ich ihre Hand, als das Flugzeug startet. Kurz lächelt sie mich an, bevor sie sich auf unsere Umgebung konzentriert.

Als ich sehe, wie fasziniert sie ist, könnte ich mir in den Hintern treten, dass ich das nicht damals schon mit ihr gemacht habe. Umso mehr genieße ich es aber jetzt, mit ihr hier zu sein.

Der Rundflug dauert eine Stunde. In dieser Zeit halte ich ihre Hand fest in meiner und drücke ihren zierlichen Körper beschützend an meinen. Meine Hand liegt auf ihrem Bauch. Dafür ist es mir auch egal, dass ich von diesem Flug nicht so viel mitbekomme.

„Danke, es war wundervoll“, murmelt Lindsay und drückt mir einen Kuss auf die Wange, bevor der Pilot zur Landung ansetzt.

„Es freut mich, dass es dir gefallen hat.“

Nachdem wir es endlich verlassen haben, bedanke ich mich schnell bei dem Piloten. Mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht nähere ich mich schließlich Lindsay, die ein paar Schritte entfernt steht und führe sie zurück zu meinem Wagen.

„Wir sollten etwas essen“, verkünde ich, als ich höre, dass Lindsays Magen leise knurrt.

„Aber ich zahle.“

„Ich habe dich zu diesem Ausflug eingeladen, deswegen kommt das überhaupt nicht infrage“, widerspreche ich, bevor sie noch etwas von sich geben kann.

„Du hast mir diesen Flug ermöglicht.“

„Glaub mir, ich kann es mir leisten. Ich habe ein komplettes Stipendium für das College und arbeite in meiner Freizeit, von der ich jede Menge habe, als Personaltrainer im Fitnessstudio.“

Wir haben nie darüber gesprochen, weder damals noch seitdem ich wieder hier bin. Daher sieht Lindsay mich nun auch überrascht an. Doch jetzt will ich mich eindeutig auch nicht darüber unterhalten.

„Ich habe dich hergebracht und deswegen werde ich mich auch um dich kümmern.“

Mit diesen Worten öffne ich die Beifahrerseite des Autos und gebe ihr gleichzeitig zu verstehen, dass ich nicht weiter darüber diskutieren werde.

Schweigend fahre ich durch die Stadt, bis ich einen Diner entdecke. Direkt davor bleibe ich stehen. Doch dieses Mal springe ich nicht aus dem Wagen, sondern lege meine Hand an ihren Hals. Es gibt so viele Dinge, die ich ihr am liebsten sagen würde. Doch ich schweige. Stattdessen küsse ich sie einfach nur.

Zärtlich lasse ich meine Zunge über ihre Lippen wandern, sodass sie diesen öffnet. Dabei höre ich, wie sie leise stöhnt.

Als sie ein Stück zurückweicht, kann ich nicht verhindern, dass ich sie fragend ansehe. Doch Lindsay erklärt es mir nicht, sondern schüttelt nur mit dem Kopf.

In diesem Moment weiß ich, was in ihrem Kopf vor sich geht. Sie ist genauso verwirrt, wie ich es auch bin. Ich beschließe, dass es besser ist, wenn ich nicht weiter darauf eingehe. Stattdessen steige ich aus und warte darauf, dass Lindsay das ebenfalls gemacht hat.

Gemeinsam betreten wir den Diner, in dem wir uns an das Fenster setzen.

Das Restaurant ist hell eingerichtet. Der Tresen befindet sich gegenüber der Tür und die Tische sind überall in dem Raum verteilt. Alles besteht aus einem hellen Holz. Auch für die Bezüge hat man sich für einen hellen Stoff entschieden. An den Wänden hängen bunte Bilder, die der Einrichtung ein wenig Farbe verleihen.

„Lindsay“, wende ich mich an sie, als ich merke, dass sie noch nichts gesagt hat. „Ist alles in Ordnung? Du bist so ruhig.“

„Mir geht es bestens. Ich war nur in Gedanken“, antwortet sie schnell.

„Waren es schöne Gedanken?“

Langsam sieht sie mir direkt in die Augen.

„Jip“, gibt sie von sich und grinst mich frech an.

„Kam ich auch darin vor?“

„Was wäre, wenn ich Ja sagen würde?“

„In diesem Fall würdest du mich zum glücklichsten Mann auf dieser Welt machen.“

Mit diesen Worten spreche ich die Wahrheit aus. Ich sehe, dass es sie aus ihrem inneren Gleichgewicht zieht. Doch genau darauf habe ich es auch abgesehen.

„Sagen das nicht normalerweise Männer, die gerade erfahren haben, dass sie Vater werden, oder deren Freundin ihren Heiratsantrag angenommen hat?“

„Es kommt immer auf den Mann und die Vorgeschichte an. Also, ja oder nein?“

Ich behalte für mich, dass dies die Punkte sind, auf die ich bei ihr hinarbeite. Gerade würde es uns nichts bringen, wenn ich es ausspreche.

Ich beobachte sie aufmerksam. Daher entgeht mir auch nicht, dass sie nicht weiß, ob sie es mir sagen soll, oder nicht.

Es scheint so, als würde es eine Ewigkeit dauern, bis sie nickt. Dabei kann ich nicht verhindern, dass sich ein glückliches Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet.

„Wie hast du Cole kennengelernt?“, frage ich Lindsay nach einigen Sekunden.

Eigentlich will ich mich überhaupt nicht darüber unterhalten. Doch ich bin neugierig und will mehr darüber erfahren.

„Am Anfang meines Studiums war ich auf einer Party und bin ihm dort über den Weg gelaufen. Danach haben wir uns ein paar Mal getroffen und so hat das eine zum anderen geführt.“

Ich sehe ihr an, dass sie versucht so gleichgültig wie möglich zu klingen, was ihr aber nicht gelingt. Dieses Thema nimmt sie mit, was ich aber verstehen kann. Mike hat mir erzählt, was zwischen ihnen vorgefallen ist.

Da ich aber sehe, dass dies noch immer kein leichtes Thema für sie ist, ziehe ich es vor, sie nicht weiter darauf anzusprechen.

Als wir weiterfahren, ist es bereits drei Uhr nachmittags. Doch ich habe noch keine Lust, mich schon von ihr zu trennen. Ich will so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Und das gebe ich ihr auch eindeutig zu verstehen.

„Lass uns noch einen Abstecher zum Sloan Canyon machen“, schlage ich also vor.

Auf den ersten Blick erkenne ich, dass sie sich über diesen Vorschlag freut. Daher dauert es auch nicht lange, bis sie einwilligt. Aus einem Reflex heraus ziehe ich sie an mich und drücke ihr einen leichten Kuss auf die Nasenspitze. Dabei entspanne ich mich.

Als sie sich damals von mir getrennt hat, wegen diesem Mist, der zu dieser Zeit in meinem Leben passiert ist, ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich bin in ein verdammt tiefes Loch gefallen. Zu diesem Zeitpunkt hat nur Mike es geschafft zu verhindern, dass ich noch tiefer falle. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar, auch wenn ich ihn damals deswegen verflucht habe.

Es dauert ungefähr eine Stunde, bis wir unser Ziel erreicht haben. Doch dann bleibe ich neben einem Schild stehen, auf dem groß der Name steht, stehen.

„Wollen wir ein Bild von uns beiden machen?“

Ich warte ihre Antwort gar nicht erst ab, sondern steige bereits in der nächsten Sekunde aus. Schnell nicke ich in die Richtung des Schildes, sodass Lindsay ebenfalls den Wagen verlässt.

Ich stelle mich daneben und ziehe sie vor mich. Dann halte ich mein Handy nach vorne und mache mehrere Bilder von uns. Wir albern herum, wie wir es damals auch gemacht haben. Dies ist noch mehr Beweis genug für mich, dass es richtig ist, dass wir wieder zusammen sind.

Wir hätten uns niemals trennen dürfen.

Schnell schiebe ich diesen Gedanken zur Seite, da ich mich jetzt eindeutig nicht mehr damit beschäftigen will. Ich habe sie wieder und mehr zählt gerade nicht für mich.

Nachdem wir uns wieder in den Wagen gesetzt haben, fahre ich auf einen kleinen Parkplatz. Dort hole ich eine Decke und zwei Flaschen Wasser von der Rückbank.

Gemeinsam gehen wir spazieren. Ein paar wenige Menschen kommen uns entgegen, doch die meiste Zeit sind wir alleine. Ich habe kaum ein Auge für die Landschaft, da ich mich nur auf Lindsay konzentriere.

Gemeinsam krabbeln wir einen Berg hinauf, von dem wir die ganze Umgebung sehen können. Ich beobachte Lindsay dabei, wie sie sich einmal im Kreis dreht. Gleichzeitig breite ich die Decke auf dem Boden aus, setze mich darauf und ziehe Lindsay zwischen meine Beine.

„Ich hoffe, du hast den Tag genossen“, flüstere ich in ihr Ohr.

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr. Er war wundervoll.“

Mit jeder Sekunde, die vergeht, bin ich mir sicher, dass dies die richtige Entscheidung war. Diese Frau gehört an meine Seite und das werde ich ihr immer und immer wieder beweisen. Und dabei ist es mir egal, wie lange es dauern wird.

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