Kitabı oku: «Schieben sie noch ... oder TUN® sie schon?»
Sascha B. Morgenstern gilt in Fachkreisen als Experte für TUN® und Master of Communication. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Unternehmensberater studierte er persönliche und unternehmerische Erfolgsstrategien. Seine Ausbildung zum Experten für TUN® und Körpersprache absolvierte er bei Bernhard P. Wirth in Berlin und Luzern, Schweiz. Sascha B. Morgenstern ist heute als Keynote-Speaker, Dozent und Trainer europaweit tätig.
Sascha B. Morgenstern
Schieben sie noch... oder TUN® Sie schon?
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2017
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Abbildungen © Sascha B. Morgenstern
TUN® ist eingetragene Wortmarke von Bernhard P. Wirth
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Danke
Mein Dank gilt Herrn Bernhard P. Wirth für die gelungene Druckreife meiner Gedanken in mündlicher und schriftlicher Form. Und an jene Seminarteilnehmer, an die ich dieses Wissen weitergeben durfte.
Widmung
Gewidmet ist dieses Buch meiner Frau Tanja. Durch sie durfte ich lernen und verstehen, was >Jetzt: TUN®< im täglichen Leben letztendlich wirklich meint und ohne ihren Rückhalt wäre das Schreiben dieses Buch wesentlich schwieriger geworden.
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
KAPITEL I
Einsichten zur Einführung
• Resonanzen oder: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“
• Dissoziation und Assoziation
• Unser SEPP®
• „Ohne Wertung“
• Die Sprache des Unbewussten
• Ja, ich will TUN®
KAPITEL II
Wahrnehmung oder: Ich allein übernehme die volle Verantwortung für mein privates und berufliches Leben
II.1. Unser Gehirn und seine Funktionen
• Ein Baby kommt auf die Welt
• Das menschliche Gehirn
• Die Gehirnhälften und ihre Funktionen
• Gene – Das Gedächtnis des Körpers
• Lebens- und Überlebensinstinkte
II.2. Verwandte bestimmen Ihr Leben
• Unser Gehirn und seine „Draufspieler“
• Bewusst – Moral und Dogmen/Glaubenssätze
• Grenzscheide VERHALTENSWEISEN (Körpersprache)
• Exkurs Körpersprache
• Im Reich des Unbewussten
II.3. Die persönlichen Werte
• Die Werteprinzipien
• Die „Drei Werte – Aufnahme – Phasen“
• „Werteschläfer“ erwachen
• Die Lebensbereiche
• Wichtige Werte und Gesundheit
• Wichtige Werte in den zwischenmenschlichen Beziehungen
• Wichtige Werte und Beruf
• Wichtige Werte und Finanzen
• Wichtige Werte und Lebensaufgabe
• Wir denken und sprechen in Werten, wir nehmen Informationen in Werten auf
• Intime Werte
II.4. Die 14 geistigen Prinzipien
• Anmerkungen zu den 14 geistigen Prinzipien
• Polare menschliche Übernahme als Programm
• Die Verhaltensprogramme
• Ergreifen Menschen die Initiative?
• Körperliche und emotionale Reaktionen
• Wie gestalten Menschen ihr Handeln?
• Probleme lösen
• Wodurch werden Menschen motiviert?
• Alte Bahnen – neue Wege
• Sicherheit und Komfort
• Private und berufliche Veränderungen
• Welche Wege gehen Gedanken
• Schritt für Schritt
• Wie gehen Menschen mit Erfahrungen um?
• Der Umgang mit Stress
• Teamgeist-“Einzelkämpfer“
• Die Sach- und Beziehungsebene
• Unsere Denkmuster und das der Anderen
• Wie kommen Informationen in unser Gehirn?
• Wie entscheidungsfreudig sind Menschen?
• Zeitschienen
• Intro und Extro
• Auf der Gedankenautobahn
II.5. Wie funktioniert Kommunikation wirklich
• Bilder im Gehirn
• Umwandlung von Schallwellen in Bilder
• Jeder Mensch lebt auf seinem Planeten
• Bilder und Gefühle
• Codierung der Bilder
• Das Reptiliengehirn
II.6. Die Erfahrungsbilder „WICHTIG“
• Die Gefühle des Anderen
• Gedanken werden Energie, was empfindet der Mensch als wichtig?
II.7. Die Erfahrungsbilder „AKTUELL“
• Eine schwangere Frau
• Thema Auto – Ein neues Modell
• Thema Urlaub – Alle wollen nach Frankreich
• Die Ehe der Nachbarschaft
• Was wir denken, nehmen wir wahr
II.8. Unsere individuelle Einstellung
• Nun sind wir ‘EIN”gestellt – Beispiel Fotoapparat
II.9. Die Sinne – Die Fenster zur Welt
• Die fünf Sinne
• Der große Irrtum – rein funktional
• Der Wellensittich-Effekt
KAPITEL III
Denken und Sprache oder: Die Kommunikation hinter der Kommunikation
III.1. Die Kommunikation hinter der Kommunikation – Der Weg zu unserer Einstellung
• Ihr Entschluss – Die „EIN“-Stellung verändern
• Die Magie der Gedanken
• Gedankenwirkungen oder von der Macht der Gedanken
• Gedanken sind Energie
III.2. Die Macht der Worte
• Die Verkörperung von Gedanken
III.3. Handwerkszeug Sprache
• Beruflich für viele wichtig: Die Sprache
• Sprache ist mehr als ein Informationsaustausch
• Selbstkommunikation
KAPITEL IV
TUN® oder: Das Gesetz der Anwendung und des Handelns
IV.1. Das Gesetz der Anwendung und des Handelns - TUN®
• TUN® - Ein Wort wird Wirklichkeit
• Zeitlose Erfolgslehren
• Das konstante Grundbedürfnis
• Vom Kennen zum Können: TUN®
• Eine Geschichte aus meinem Leben
• Meine Überlegungen begannen
IV.2. Unsere Zeitwahrnehmung
• Die Zeitschiene
• Wann TUN®? - Nur JETZT-TUN®
IV.3. Der Konzentrationspunkt
• Eine Geschichte aus meinem Leben Teil II
• Denken in die Vergangenheit
• Denken in die Zukunft
• Sinne und Konzentration – Die JETZT-Konzentration
• Der visuelle Typ – Blick aufs Ganze
• Der kinästhetische Typ – Blick ins Detail
• Gedanken: Schritt für Schritt in die Materie
IV.4. Das Gesetz des TUN®s und Handels
• Gedanken – Körper – Materie
• Vom Sinn in unserer grobstofflichen Welt
• Die Folgen des Nicht – TUN
KAPITEL V
Lieber TUN® und erfolgreich
• Die TUN®s – Grundsätze
• Deine Gedanken wollen sich verwirklichen
• im HIER und HEUTE
• Ihr HEUTE vorbereiten
• Die Lehre vom TUN®
• JETZT TUN® im Vertrieb – JETZT das Wichtige und Richtige TUN®
• Ihre erfolgreiche Mitarbeitergewinnung – JETZT das Wichtige und Richtige TUN®
KAPITEL VI
Rhythmus
• Alles fließt – Alles ist immer in Bewegung
• Einblicke in die Lebensbereiche
• Es gibt keinen Stillstand
• Leben ist Lernen
• Das Prinzip Rhythmus
KAPITEL VII
TUN-Management®
KAPITEL VIII
Sich SELBST finden und TUN®
• Es gibt Momente im Leben … „Gnothi seauton – Er- kenne Dich selbst“
• Prinzipien in Lebensbereichen
• Unser SELBST
KAPITEL IX
Ein Blick in die ZU-kunft
• Uraltes Wissen
• Die sieben Ur–Prinzipien
• Literaturhinweise
KAPITEL I
EINSICHTEN ZUR EINFÜHRUNG
• Resonanzen oder: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“
Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie ständig auf „Störenfriede“ stoßen, dauernd werden Sie belästigt. Das beginnt bei den Nachbarn, Sie erleben es im Urlaub, im Supermarkt, beim sonntäglichen Spaziergang, an der Arbeit. Manchmal haben Sie das Gefühl, „Störenfriede“ regelrecht anzuziehen. Andere kennen dieses Gefühl ganz offensichtlich nicht. Hier steht also zu befürchten, dass Sie so ohne weiteres die Schuld für einen permanent gestörten
„Seelenfrieden“ nicht dauernd Ihren Mitmenschen anlasten können. Während der Kaffeepause sagt ein langjähriger Kollege zu Ihnen, dass er mit der neuen Kollegin eigentlich sehr gut auskommt. Ihnen fällt hier nichts weiter ein als „ich habe keinen Draht zu ihr“. Was geht hier vor?
Wir alle kennen aus der Physik den Begriff der Resonanz (lateinisch: resonare = zurückklingen). Und sicherlich kennen Sie auch die Situation mit zwei gleich gestimmten Stimmgabeln im gleichen Raum: Wenn eine angeschlagen wird, klingt die andere mit. Eine Stimmgabel schwingt bei einem Ton nur dann mit, wenn der Ton der anderen ihrer Eigenfrequenz entspricht. Ist dies nicht der Fall, dann ist der Ton für die Stimmgabel gar nicht vorhanden, sie kann ihn nicht „wahrnehmen“.
Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Ein Radioempfänger, der auf Ultrakurzwelle eingestellt ist, wird keine Mittelwelle empfangen. Im übertragenen Sinne geht es Ihnen ähnlich. Sie brauchen für jede Wahrnehmung in sich selbst eine Entsprechung. Sie muss in der Lage sein, „mitzuschwingen“. Diese Resonanz ermöglicht Ihnen die Wahrnehmung. Goethe formuliert das sehr schön in seinem berühmten Satz: „Wär’ nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken?“
Goethes Formulierung verlässt die rein physikalische Ebene der Resonanzfähigkeit und überträgt das Gesetz der Resonanz analog auf ein Gebiet, das uns mehr interessiert: Jeder Mensch kann immer nur die Bereiche der Wirklichkeit wahrnehmen, für die er eine Resonanzfähigkeit besitzt. Das gilt nicht nur für den Bereich der rein sinnlichen Wahrnehmung, sondern für die gesamte Erfassung der Wirklichkeit. Da alles, was außerhalb der eigenen Resonanzfähigkeit liegt nicht wahrgenommen werden kann, existiert es auch für den betreffenden Menschen nicht. Deshalb glaubt Jeder, dass er die Gesamtheit der Wirklichkeit kennt. Außerhalb dieser Wirklichkeit existiert für ihn nichts mehr. Ein Mensch liest ein Buch und glaubt, seinen Inhalt ganz zu verstehen. Dabei kann er von dem Gelesenen nur das aufnehmen, was sich mit seinem derzeitigen Bewusstseins- stand in Einklang befindet. Man erkennt das am besten daran, wenn man bestimmte Bücher nach Jahren noch einmal liest. Unser Bewusstsein hat sich in diesen Jahren erweitert und man versteht das Buch einfach besser. Oder andere Inhalte gewinnen an Wichtigkeit.
Oder denken Sie an jene Formulierung, wonach man über den Geschmack nicht streiten kann. Sie besuchen zusammen mit Ihrer Frau, Ihrem Mann, mit Freunden eine Gemäldegalerie. Nehmen wir an, den Mittelpunkt der Ausstellung nimmt ein Bild von van Gogh ein. Sie bemerken, wie Ihre Frau zunehmend beim Anblick dieses Bildes in Begeisterung gerät und versucht, sich Ihnen mitzuteilen. An sich selbst hingegen stellen Sie fest, wie Sie unruhig die Füße hin und her bewegen und verstohlen auf die Uhr schauen. Eine Unterhaltung kommt schon gleich gar nicht zustande. Sie sagen eventuell noch „na das Bild gefällt mir aber nicht“ und meinen eigentlich: Ich habe für dieses Bild keine Resonanzfähigkeit.
All die geschilderten Zusammenhänge sind wohl jedem einigermaßen geläufig und sollen deshalb auch nur zur Verdeutlichung des folgenden Prinzips dienen: Man kann immer nur mit den Menschen, Ideen, und Situationen in „Berührung“ kommen, für die wir eine Eigenresonanz mitbringen. Gerät jemand in einen Streit oder in eine Schlägerei so geschieht dies niemals zufällig, sondern immer nur auf Grund der Eigenresonanz zu einem solchen Erlebnis. Die Schuld für die etwaigen Folgen einer solchen Schlägerei trägt demnach auch der, der von sich annimmt, völlig unschuldig in diese Tätlichkeit verwickelt worden zu sein. Ohne die entsprechende Eigenresonanz hätte er aber gar nicht verwickelt werden können.
Wird jemand auf der Straße angefahren, so ändert auch die rein rechtliche und funktionale Schuld des anderen nichts an der Tatsache, dass der Angefahrene für dieses Erlebnis „reif“ war, sonst hätte dieses Ereignis nicht in seinen Erfahrungsbereich treten können. Unsere aktuelle Erfahrungsqualität hängt von unserer resonanten Frequenz ab, von dem, was wir sozusagen empfangen wollen. Sie kennen doch alle diese Konstellation: Eltern, Freunde, Bekannte reden auf Sie ein, sich den Fortgang Ihrer neuen Beziehung in Ruhe und Sachlichkeit durch den Kopf gehen zu lassen, schließlich hätte man schön so dieses und jenes gehört usw. Hier betritt die Eigenresonanz in einer ihrer bemerkenswertesten Ausgestaltung die Bühne, als „rosarote Brille“. Im Rahmen dieser „Bandbreite“ gehen Sie am Wochenende im Park spazieren (obwohl Sie eigentlich lieber auf dem Fußballplatz wären), hören Wagner- Opern (obwohl Sie eigentlich Jazzfan sind) und essen italienisch (obwohl Sie Nudeln hassen). Eigentlich sind Sie kurz davor, Selbstverleugnung zu betreiben. Nur früher oder später werden Sie hoffentlich zu ihrer ursprünglichen Eigenresonanz zurückfinden. Alles, was Ihnen im Außen begegnet, hat immer auch etwas mit Ihnen selbst zu tun.
Nehmen wir noch einmal das Beispiel mit dem Radio. Es ist sehr klein, vielleicht haben Sie es irgendwo als Werbegeschenk erhalten und verfügt nur über Mittel- und Kurzwelle. Aus der Wohnung Ihres Nachbarn hören Sie die Übertragung eines Konzertes. Sie würden es auch ganz gerne hören. Sie können jetzt an Ihrem Radio drehen wie Sie wollen, das Konzert wird auf UKW übertragen. An der Bandbreite Ihres Radios können Sie nichts ändern. Aber an Ihrer „Bandbreite“, an Ihrer Eigenresonanz können Sie durchaus etwas ändern. Wie? Durch Ihr TUN®, Ihre Gedanken und Ihre Gefühle.
Jedes Unternehmen hat mindestens eine Zielgruppe: Ein erfolgreicher Spielfilm hat seine Zielgruppe, ein tragendes Musikstück findet seine Zielgruppe, ein wohlriechender Duft strömt zu seiner Zielgruppe und ein gelungenes Feinschmeckerprodukt mundet seiner Zielgruppe. Und so hat auch die in diesem Buch dargelegte Lehre vom TUN® ihre Resonanzfähigkeit zu ganz bestimmten Menschen, zu Menschen mit einer bestimmten Eigenresonanz.
Im „TUN-Management®“ werde ich von den Seminarteilnehmern oft gefragt: „Auf welche Kunden soll ich mich konzentrieren? Die Kunden, die mich mögen oder die Kunden, die mir mit Ablehnung begegnen?“ Meine Antwort lautet immer: „Auf die Kunden, die Sie mögen!“
Mit einem guten Geschäftsfreund und seiner Frau saß ich vor einigen Jahren an einem warmen Sommerabend in einem einheimischen Fischerlokal auf Teneriffa. Wir unterhielten uns über die Resonanzen von Mensch zu Mensch und ich sagte damals: Ich kämpfe nicht mehr! Warum wohl?
Deshalb stellen Sie nun für sich fest, ob Sie eine tiefe, eine sehr persönliche Resonanzfähigkeit zu den Themen dieses Buches haben oder ob Sie seinen Inhalt ablehnen. Ihre jeweilige Entscheidung ist vor dem Hintergrund des Gesetzes der Polarität durchaus verständlich, legitim und in Ordnung. Wie das gesprochene Wort erzeugt das Geschriebene eine Schwingung und dadurch entsteht Polarität, denn Bewegung erzeugt Gegensätze. Auch das Schreiben eines Wortes gibt dem Gedanken Form und Ausdruck. Auch geschriebene Worte – wir sollten es uns abgewöhnen, bei Schwingungen nur an Töne zu denken – umgeben einen Gedanken mit einer Matrix von Vibrationen, verstärken ihn und erleichtern ihm den Weg in unser Bewusstsein. Zur Zielgruppe dieses Buches
• Ein Mensch hat alles im Griff: seine Gesundheit, seine zwischenmenschlichen Beziehungen, seinen Beruf, seine Finanzen. Er hat den Sinn seines Lebens gefunden. Er betrachtet sein gegenwärtiges Leben und sagt zu sich selbst: „Alles Bestens, so soll es sein und so wird es bleiben.“
• Oder Menschen wollen und können nicht hinsehen, was in ihrem Leben los ist. Sie sehen die Dinge eben durch die „rosarote Brille“, um den wahren Inhalt ihres Lebens zu verdrängen oder zu verzerren.
• Durch eine ‘unbewusste” Assoziation (ein persönliches Betroffensein) ist es dem Menschen unmöglich, sein Leben von Außen zu betrachten.
• Oder durch eine rein rational-kausale Denkweise bleibt der polare Blick in die Gefühlswelt des Menschen verschlossen.
• Oder bei einem Menschen ist Veränderung und aktive Entwicklung im Wertesystem sehr weit hinten angesiedelt und das Festhalten am Alten, oft „heilige Ordnung“ genannt, manifestiert sich ganz vorn.
• Oder es stehen im Leben eines Menschen Themen wie Tradition und die Absicherung von begonnenen Wegen zentral im Vordergrund.
• Oder Menschen finden ihre momentane Erfüllung in geistigen Welten, in „New Age“ und/oder esoterischen Themen.
• Oder Menschen begleitet ein momentanes oder lebenslanges Lernen in Lebensbereichen, die polar zu diesen Buchinhalten stehen.
• Oder für Menschen ist TUN®, das tägliche TUN® ihrer Aufgaben zu einer unwichtigen Sache geworden.
• Oder Menschen haben zu mir persönlich und/oder zu meinen Themen und/oder meinem Schreibstil keine Resonanzfähigkeit.
Haben Sie sich in der „oder-polaren“ Zielgruppe wiedergefunden? Dann gibt es für Sie wie immer drei Möglichkeiten:
1. Sie werfen dieses Buch in Ihren Ofen.
2. Sie heben dieses Buch auf, um es vielleicht später zu lesen.
3. Sie verschenken dieses Buch an einen „Resonanz-Menschen“.
Dieses Buch braucht Resonanz. Dieses Buch braucht Menschen die begreifen, dass man TUN® muss! Es braucht Menschen, für die Leben Lernen ist. Es braucht
• Menschen, deren Lebensaufgabe im TUN® besteht,
• Menschen, die mich oder andere Trainer kennen, die das TUN® favorisieren,
• Menschen, die JETZT TUN® wollen,
• Menschen, die Geist in Materie verdinglichen wollen,
• Menschen die wissen, dass es keinen Menschen, kein Unternehmen gibt, das nicht TUN® muss,
• Menschen, die angesichts einer existentiellen Situation (Krankheit, Schicksalsschlag, Nah – Tod – Erfahrung) verstehen müssen, den notwendigen Schritt vom Nicht – Tun zum TUN® zu gehen.
Haben Sie sich in dieser „für-polaren“ Zielgruppe wiedergefunden? Dann möchte ich mit Ihnen gemeinsam noch einige Themen klären und besprechen, ehe wir „einsteigen“.
• Dissoziation und Assoziation
Die Wörter Assoziation und Dissoziation haben ihren Ursprung im Lateinischen. Hier bedeutete „associare“ Vereinigung, Zusammenschluss. „Dissociatio“ hingegen steht für Trennung. Wenn Sie heute sagen, Sie assoziieren mit diesem oder jenen Namen eine Kindheitserinnerung, meinen Sie nichts anderes als: Wenn ich heute noch an Paul denke, fällt mir sofort unser letzter gemeinsamer Klassenausflug ein. Fällt Ihnen übrigens dieser letzte Klassenausflug nicht ein, kann Paul für Sie nicht allzu bedeutungsvoll gewesen sein. Sie haben dann keine direkte Assoziation. In diesem Sinne verwendet moderne Psychologie das Wort Assoziation. Es soll verdeutlicht werden, dass eine gedankliche Vorstellung mit etwas verknüpft wird. Das klingt sehr sachlich und will zum Ausdruck bringen, wie ich etwas sehe, etwas wahrnehme.
Anders formuliert: Wenn Sie eigene Erlebnisse vor Ihr „geistiges Auge“ führen, mit allen Ihren Sinnen so „nacherleben“ als wären Sie mit Ihnen „verschmolzen“, dann sind Sie assoziiert. Ein Gefühl, eine Stimmung, ein Seminar, ein Vortrag, eine Verhandlung können assoziiert wahrgenommen werden. Wenn Sie assoziieren, dann sind Sie ganz mit dem jeweiligen Erlebnis, dem Ereignis verbunden. Sie befinden sich im Erleben und können keine Distanz aufbauen. Zwischen Ihnen und dem Erlebnis, dem Ereignis besteht dann eine unmittelbare gefühlsmäßige Beziehung. Assoziation betrifft immer Sie selbst. Sehen Sie also das Erlebnis, das Ereignis nicht als objektiver Betrachter, sondern stellen sich sozusagen mit all Ihren Sinnen in eine Situation hinein, beteiligen sich mit Ihren Gefühlen an dieser Situation und ergreifen womöglich noch Partei, sind Sie assoziiert.

Nun besteht auch die Möglichkeit, Ereignisse und eigene Erlebnisse auf „neutralem“ Boden wahrzunehmen. Was heißt das? Wir nehmen ein Beispiel: Sie erzählen, dass Sie als Kind weiche Knie bekommen haben, als Sie auf einem Drei-Meter-Sprungbrett gestanden haben. Können Sie das in aller Sachlichkeit berichten, ohne das dazugehörige Körperempfinden zu verspüren, sind Sie dissoziiert. Dissoziation findet statt, wenn Sie sich selbst wahrnehmen können, wie Sie sich in einer Situation verhalten. Sie hören sich selbst, Sie sehen sich selbst. Dissoziation bringt immer Distanz zu überwältigenden Gefühlen. Sie erzählen distanziert von Ihren Gefühlen angesichts dieses oder jenen Ereignisses, ohne sofort Schweißperlen oder das bekannte Kribbeln unter der Haut zu bekommen. Wenn Sie im Zustand der Dissoziation überhaupt ein Gefühl haben, dann in der Regel das des „Selbst-daneben-Stehens ohne dabei zu sein“.
Es ist alles andere als bedeutungslos, ob eine Vorstellung assoziiert oder dissoziiert ist. Ein assoziiertes Bild vermittelt den Eindruck, dass man sich wirklich im und am Ort des Geschehens befindet. Mit einem dissoziierten Bild betrachtet man sich von außen. Es ist so, als würde man einen Film sehen. Im Falle der Assoziation spielen Sie in diesem Film mit.
Versuchen Sie bei dieser Gelegenheit doch einmal, sich an ein schönes Erlebnis zu erinnern. Es ist im Moment bedeutungslos, wann und wo das war. Sehen Sie, was es damals zu sehen gab, hören Sie hin, welche Töne in Erinnerung geblieben sind, vielleicht Stimmen oder andere Geräusche. Fühlen Sie noch einmal, was Sie damals gefühlt haben. Erleben Sie alles noch einmal. Jetzt lassen Sie diese Szenerie in Bewegung kommen, indem Sie sozusagen aus Ihrem Körper herausgehen und aus einiger Entfernung das ganze Ereignis erneut betrachten. Sie sehen jetzt also einen Film, in dem sich all das abspielt, was Sie erlebt haben. Verändern sich jetzt Ihre Gefühle, Ihr Sehen und Hören? Die Unterschiede entstehen aus den Vorgängen von Assoziation und Dissoziation. Sie geschehen unbewusst und beeinflussen unser Leben. Ihnen wird jetzt bestimmt klar, warum für mich diese Unterscheidung von Assoziation und Dissoziation so wichtig ist. Durch meine über 25jährige Tätigkeit im Bereich Menschenkenntnis festigte sich in mir die Überzeugung, dass dieses Thema sowohl dissoziiert als auch assoziiert vermittelt werden muss. Deshalb werde ich in manchen Kapiteln eine dissozierte, in manchen Kapiteln eine assoziierte Herangehensweise favorisieren. Ich sagte, dass Assoziation und Dissoziation unser Leben beeinflussen. Durch meine Herangehensweise möchte ich meinem Buch auch zu dem verhelfen, was es unbedingt braucht: Lebensnähe.
• Unser SEPP®

Wie oft in Ihrem Leben haben Sie sich vorgestellt, nicht der zu sein, der Sie sind, sondern ein begnadeter Künstler, ein wohlhabender Unternehmer oder nur ein anderer Mensch? Solange diese Vorstellungen „Vorstellungen“ sind und bleiben, sprechen wir von Imaginationen. Ich möchte Ihnen ein weiteres „vorgestelltes Wesen“ vorstellen:
Die „Selbst-Erfüllende- Prophezeiungs-Person“ namens SEPP®.
Stellen Sie sich unseren SEPP® als kleines Männchen in unserem Gehirn vor. SEPP® wird Ihnen zur Seite stehen, um die komplizierten und vielschichtigen Prozesse, die in unserem Gehirn ablaufen, leichter und besser zu verstehen. Sie können sich Ihren SEPP® ruhig vermenschlicht ausmalen, in Badehose oder Frack, im Dirndl oder Abendkleid, wie auch immer. Wichtig ist, dass er wichtige Aufgaben für Sie zu erfüllen hat. Er soll Sie auch darin unterstützen, den Inhalt dieses Buches dissoziiert aufzunehmen.
SEPP® nimmt alle Sinneswahrnehmungen auf und ordnet sie als „Bilder“ in unserem Gehirn ein. Ihr Sepp® geht hier sehr ordentlich vor und ordnet die Bilder nach Themenstellungen. Sie können „Unser letzter Urlaub“, „Hochzeit“, „Unser Kind“ oder „Vorstellungsgespräch“ lauten. Unser SEPP® kann dann bei Bedarf die Bilder schneller wiederfinden. Selbstverständlich verfügen Sie mit Ihrem SEPP® über verschiedene Bilder. Das Gesehene haben Sie sozusagen „fotografiert“. Ihr Sepp® klebt die Fotos in Alben und legt Sie im Fotoregal ab. Das Gehörte hat Ihr SEPP® auf CDs gebrannt und legt es im CD-Regal ab. Das Gefühlte schließlich, also alles, was Sie getan und dabei empfunden haben, kommt als Gefühlspaket in ein weiteres Regal. Mit jedem Gedanken, den Sie denken, erhält unser SEPP® neue Arbeit. Mal ist er dabei, neue Bilder einzusortieren. Mal ist er gehalten, für seinen „Chef“ – also für Sie – vorhandene Bilder hervorzuholen, damit Sie Ihre Bilder denken und aussprechen können. Sie können sich das noch nicht vorstellen?
Bitten Sie doch ganz einfach eine andere Person, mit Ihnen ein kleines Experiment zu machen. Stellen Sie dieser Person die folgenden Fragen und achten dabei auf die Augenstellungen Ihres Gegenübers, bevor die Fragen beantwortet werden.
1. Was haben Sie sich während Ihres Urlaubs in Deutschland angesehen?
2. Beschreiben Sie die Stimme Ihres Wohnungsnachbarn! Wie klingt seine Stimme?
3. Was fühlen Sie, wenn Sie an Ihren (Ehe-)Partner denken?
Sie werden jetzt eine interessante Beobachtung machen. Bei der Beantwortung der ersten Frage gehen die Augen Ihrer Versuchsperson nach oben, bei der Beantwortung der zweiten Frage halten sie sich in der Mitte, bei der Beantwortung der dritten Frage gehen die Augen nach unten. Verantwortlich für diese Augenbewegungen ist: Ihr SEPP®!
Er hat Verbindung zu den Augen, den Ohren und zum Gefühl seines „Chefs“.
Im oberen Regal, dem Fotoregal, legt Ihr SEPP® alle visuell abgesicherten (gesehen) Bilder ab. Ihre Pupillen gehen nach oben, wenn Sie gefragt werden: Was haben Sie sich in Ihrem Urlaub in Deutschland angesehen?
Im mittleren Regal, Ihrer CD-Sammlung, legt Ihr SEPP® das Gehörte ab. Fragen Sie ihren SEPP® danach, sind die Pupillen geradeaus gerichtet.
Im unteren Regal schließlich finden sich die Bilder, die mit dem TUN® in Verbindung stehen, die Gefühlspakete.
Wie Sie Ihre jeweiligen Bilder denken und was Sie schließlich kommunizieren, hängt auch von den „Eigenarten“ Ihres SEPP® ab:
„Super“ – SEPP®

Unser SEPP® hat keine festen Schlafenszeiten, er ist immer in Aktion. Selbst in der Nacht leistet er Schwerstarbeit. Deshalb wirkt er tagsüber manchmal etwas müde. Kein Wunder, schließlich musste er nachts alle Bilder einsortieren, die er tagsüber nicht geschafft hat. SEPP® hilft Ihnen bei der Verarbeitung des Tages, bei der Bearbeitung von Aufgaben bzw. bei der Bewältigung von Problemen, die Sie schon lange mit sich herumtragen. Und schließlich: Sie träumen. So wichtig sind die nächtlichen Aktivitäten unseres SEPP®. Schließlich kann kein Mensch ohne zu träumen überleben.
Hyperaktiv-SEPP®

Haben Sie z. B. zu viel Alkohol getrunken, dann kann sich Ihr SEPP® nicht mehr konzentrieren. Er bringt vieles durcheinander. Dann färbt er Ihre Bilder rosarot oder tief- dunkel. Die Bilder, die er aufgenommen hat, sortiert er unter der falschen Überschrift ein oder wirft die wichtigen in den Papierkorb. Sie können sich an manche Dinge gar nicht mehr erinnern oder Sie haben nur noch eine verschwommene Vorstellung von dem, was in diesem Zustand geschah. Eins kann unser SEPP® fast immer: Er findet den richtigen Weg nach Hause. Wenn Sie dann am nächsten Morgen mit brummendem Kopf aufwachen, können Sie sich nicht mehr so recht vorstellen, wie Sie nach Hause gekommen sind.
Hyperaktiv agiert Ihr SEPP® auch dann, wenn Sie sich gerade verliebt haben. Dann läuft Ihr SEPP® auf Hochtouren. Er muss das Bild Ihres neuen Partners wie ein vielteiliges Puzzle zusammentragen. Der neue Partner ist jetzt häufig in seiner Nähe und er muss sich an ihn gewöhnen. Er speichert ab wie er riecht, schmeckt, aussieht, welche Ansichten und Vorlieben der andere Mensch hat oder wie seine Stimme klingt. Über alle Sinneswahrnehmungen kommt «Neues» herein.
Hat Ihr SEPP® nach einer geraumen Zeit die Bilder von Ihrem neuen Partner abgespeichert, so läuft er wieder ruhiger. Das Verliebtsein lässt nach. Unser SEPP® kann sich wieder mehr auf andere Dinge konzentrieren.
Haben Sie Kinder? Wenn ja, dann wissen Sie, dass Sie sich immer wieder in Ihre Kinder neu verlieben. Sie wachsen und verändern sich ständig. Da hat Ihr SEPP® immer wieder an diesem Puzzle zu arbeiten.
Schlaf-SEPP®

Hat unser SEPP® wirklich mal nichts zu TUN®, dann liegt er in seinem Bett und ruht. Allzu oft passiert das nicht, denn meist ist unser SEPP® sehr fleißig und vorausschauend. Er bringt auch Bilder aus den Alben, die Sie vielleicht gebrauchen könnten und bietet sie Ihnen zusätzlich an. Das macht er auch ohne Aufforderung. So haben Sie für den Augenblick viel zu denken und zu reden. Unser SEPP® kann sich dann ein Weilchen ausruhen und ein bisschen faul sein.
Es gibt nur einen einzigen Zustand, in der unser SEPP® absolut nichts zu TUN® hat: Im Orgasmus. Hier hört der Mensch auf zu denken. Hier hat das kleine Männchen im Gehirn endlich einmal seine Ruhe. Hinterher fragt er dann natürlich: „Na, war’s diesmal schön – oder nicht ganz so gut?“
Stur-SEPP®

Im Laufe der Jahre hat unser SEPP® Vorlieben für bestimmte Aufzeichnungspakete entwickelt. Er hat sie griffbereit abgelegt und bietet sie ihnen immer wieder an. Mit neuen Bildern tut sich unser SEPP® etwas schwer. Sie bedeuten Arbeit, denn er muss sie aufräumen. Vor dem Lernen würde er sich gerne drücken.
Trauer-SEPP®

Worte, die unser SEPP® nicht sehr mag, sind:
«konkret», «100 %», «genau». Diese fordern ihn zu Höchstleistungen auf. Da muss er vollkommene Arbeit leisten. Lieber sind ihm diese Worte: «man», «vielleicht» oder «eigentlich». Die muss er nicht ernst nehmen. Unser SEPP® winkt dann schon mal ab, zieht sich auf sein Bett zurück und wartet ab.
Unabhängig von den Befindlichkeiten Ihres SEPP® wird er stets eines machen: Informationen, die er erhält und für die es keine „Bilder“ im Gehirn gibt oder die schwer in Bilder umzusetzen sind, wirft er in den Papierkorb. Sie sind für ihn nicht fassbar oder er sieht sie als unwichtig an.
Eine weitere Art seines Umgangs mit Bildern will ich Ihnen anhand eines Beispiels verdeutlichen. Sie gehen wie schon so oft in der Vergangenheit zur Post, um Briefmarken zu kaufen. Sie gehen anschließend den gleichen Weg wieder nach Hause zurück. Sie werden sich kaum an Einzelheiten erinnern, die auf diesem Weg zu sehen waren. Ihr SEPP® kannte die Bilder schon. Er hat sie als selbstverständlich hingenommen. Jetzt verstehen Sie vielleicht auch, warum Sie auf Fragen wie „Na, wie war’s?“ angesichts einer solchen sich wiederholenden Alltäglichkeit manchmal kurz angebunden antworten. Das kann schon ganz anders aussehen, wenn Sie einen Bekannten getroffen haben, der Ihnen eine wichtige Neuigkeit mitteilte. Sofort hat Ihr SEPP® Bilder, die er aufräumen musste.
Vollkommen unbekannt sind dem SEPP® die Worte „nicht“ oder „kein“, „nicht“ kennt er nicht. Für diese Worte findet unser SEPP® in der rechten Gehirnhälfte kein Bild. Wie auch. Haben Sie schon je in Ihrem Leben einmal versucht, sich das „Nicht“ vorzustellen? Ich will Sie jetzt nicht nach dem Resultat Ihrer Überlegungen fragen. Sehen Sie, Werbestrategen machen hiervon gelegentlich Gebrauch.
„Nichts ist unmöglich“, Sie kennen diesen Spot. Was will er eigentlich suggerieren? Genau, „Alles ist möglich“! Oder: Geht „nicht“ gibt’s „nicht“. Was versteht jetzt Ihr SEPP®? Genau, es gibt alles und damit geht auch alles. Ich fordere Sie jetzt auf: Stellen Sie sich jetzt nicht Ihre eigene Nase vor! Ihr SEPP® unternimmt dennoch etwas. Was nämlich hat er verstanden? Genau: Eigene Nase.
So gesehen hat die Formulierung „Ich wage gar nicht daran zu denken“ lediglich eine verbale Schutzfunktion. Denn Sie werden es dennoch TUN®.
Bieten sie Ihrem SEPP® doch mal folgende Aufforderungen an und betrachten Sie die Bilder, die er geholt hat!
Schneide dir nicht mit dem Messer in den Finger! Laufe nicht auf die Straße, sonst wirst du überfahren!
„Bitte nicht den Rasen betreten!“
Nun? Wie sahen Ihre Bilder aus?
Im ersten Fall kann Ihr SEPP® die Sachverhalte „schneiden“, „Finger“ und „Messer“ verarbeiten, hier hat er Bilder. Er muss also, um diese Aufforderung tatsächlich umzusetzen, noch eine Reihe weiterer Bilder hervorholen, um die genannten drei Bilder zu koppeln. Auf direktem Wege ist das nicht möglich, weil Ihr SEPP® kein Bild vom „nicht“ haben kann. Anbieten kann er Ihnen hier Messer – scharf – Finger – schneiden – Schmerz.
Der zweite Fall gestaltet sich ähnlich. Straße – Autos – schnell – überfahren – Unfall, wenn nicht gar tot.
Und schließlich das dritte Beispiel: Rasen – gehört dem Nachbarn – betreten – gibt Ärger.
Sie wissen jetzt schon einiges über den SEPP®. Erkennen Sie ihn in den oben geschilderten Befindlichkeiten wieder? Und denken Sie immer daran: Halten Sie positive Zwiesprache mit ihm. Ein fröhlicher, gut gelaunter SEPP® bringt Ihnen die Bilder, die Sie motivieren und voller Energie Ihre Aufgaben erledigen lassen.
Stellen Sie sich vor, Sie wären zu einem Vorstellungsgespräch unterwegs. Die ausgeschriebene Position entspricht im vollen Umfang Ihren Wünschen und Vorstellungen und wäre eine Riesenchance, die eigene Karriere voranzubringen. Und zack, da schließt Ihnen ein unguter Gedanke durch den Kopf. Welche Bilder bringt Ihnen Ihr SEPP®? Sie sehen sich jetzt schon in dem angebotenen Sessel immer kleiner werden, Sie ziehen den Kopf ein. In der Magengegend macht sich ein flaues Gefühl bemerkbar und Ihre Hände bewegen sich auch irgendwie fahrig. Eigentlich möchten Sie am liebsten umkehren. Das alles ist möglich und jeder kennt solch eine Situation.
Machen Sie Ihren SEPP® doch einmal zu Ihrem besten Freund. Lassen Sie sich Bilder anliefern, die Ihnen tatsächlich gerecht werden. Führen Sie sich vor Augen, welche Aufgaben Sie bislang erfolgreich gemeistert und welchen Anforderungen Sie in herausragender Weise entsprochen haben. Rufen Sie Bilder auf, in deren Rahmen das anstehende Gespräch in einer entspannten Atmosphäre verlaufen wird. Der Personalchef trägt eine nicht unbeträchtliche Verantwortung und ist auf der Suche nach einem qualifizierten Mitarbeiter. Nicht nur Sie wollen etwas, auch er. Deshalb trägt der Ausschreibungstext seine Unterschrift. Das sollten Sie sich vergegenwärtigen.
Und Sie müssen felsenfest davon überzeugt sein, haargenau der Mitarbeiter zu sein, den er sucht. Das muss Ihnen klar sein. Warum sonst haben Sie auf diese Ausschreibung überhaupt reagiert?
Sie sollten mit Ihrem SEPP® auch gelegentlich kommunizieren. Einfacher gesagt: Führen Sie ruhig das Selbstgespräch, das positive. Normalerweise haben Sie den größten Einfluss auf sich selber und den sollten Sie nutzen. Im Vorfeld wichtiger persönlicher Entscheidungen ziehen Sie ganz einfach mal zurück und befragen Ihren SEPP®. Diskutieren Sie negativ, wägen Sie unendlich ab oder erwähnen mögliche Risiken: Das Ergebnis dieses Dialogs wird negativ ausfallen. Übergehen Sie Bedenken und besprechen die anstehende Problematik positiv, wird die Entscheidung einen positiven Ausgang haben.
Auf einen Sachverhalt möchte ich Sie noch aufmerksam machen. Jeder von Ihnen hat für die unterschiedlichsten Begriffe seine eigenen Bilder. Nehmen wir: grüner Rasenteppich. Für den Einen verbindet sich damit Frühsommer, herrlichstes Wetter, Ruhe und Entspannung. Der Andere sieht das unter Umständen ganz anders, denn ihm fällt ein: Rasen mähen. Oder nehmen wir: Weihnachten. Für den Einen ist das verbunden mit Besinnlichkeit oder einem guten Essen. Dem Anderen fällt nur ein: Die Schwiegermutter kommt zu Besuch.
Sie sehen, dass die Vorlieben, Interessen und Erfahrungen eines Menschen seinen SEPP® bei der Abgabe seiner Bilder wesentlich beeinflussen.
• „Ohne Wertung“
Haben Sie jemals Schwierigkeiten damit gehabt, eine ganz einfache Verpflichtung einzuhalten? Nehmen wir ein Beispiel. Sie haben sich irgendwann für einen Computerkurs angemeldet. Nach dem zweiten oder dritten Besuch beginnen Sie, die Sache kompliziert zu machen und beginnen bereits am Tag darüber nachzudenken, was Sie alles tun müssen, um am Abend den Kurs zu besuchen. Sie listen sich in Gedanken all die Dinge auf, die im Vorfeld Ihres abendlichen Kurses „abzuarbeiten“ sind. Zunächst müssen Sie sich beeilen, nach Hause zu kommen und noch eine Kleinigkeit zu essen, Sie müssen sich umziehen. Sie müssen Ihr Auto noch mal aus der Tiefgarage holen, sie müssen sich noch mal durch die volle Stadt quälen, Sie müssen sich einen Parkplatz suchen usw. Sie machen, wie man so schön sagt, aus einer Mücke einen Elefanten. Man nennt es auch „chunking up“.
Anders sieht das mit Aufgaben aus, die „leicht“ zu machen sind. Sie wollen am Abend das für seine Küche berühmte und nahe gelegene Ausflugslokal besuchen. Kein Problem, Sie setzen sich ins Auto und fahren los. Beide Male müssen Sie Ihr Auto aus der Tiefgarage holen. Und dennoch gehen Sie in das beliebte Ausflugslokal. Man nennt das auch „chunking down“.
Hier meinen nun viele Autoren aus dem NLP – Bereich (Neuro-Linguistisches Programmieren), dass der Unterschied in den oben geschilderten Vorgängen nicht in den Aufgaben selber, sondern in ihrer Bedeutung für den Betreffenden selbst liegt.
Ich meine: „Vorsicht und stolpern Sie nicht ins „chunking“. Chunking kommt aus dem Englischen. Hier heißt das Wort eigentlich nichts anderes als Stückchen, Brocken. Das NLP hat dieses Wort als einen seiner Zentralbegriffe übernommen und bezeichnet damit Größenordnungen, in denen Informationen organisiert werden. Gemeint ist, dass der Mensch den Focus seiner Aufmerksamkeit in einem kleinen oder großen Augenblick auf einen bestimmten anderen Menschen, auf Lebenssituationen oder Gedanken lenkt.
Ich will Ihnen an einem zugespitzten Beispiel verdeutlichen, worum es mir geht: Wir alle – und das zeichnet uns Menschen eben aus – denken gelegentlich über unsere Endlichkeit sprich über unseren Tod nach. Aus einer „unbeteiligten“ Perspektive heraus kann sich dieses Thema rasch erledigt haben: Dem Tod können wir alle nicht entgehen, irgendwann „erwischt“ es uns alle mal, Thema erledigt.
Ich wünsche es keinem und dennoch stellen Sie sich einmal vor: Ein Arzt diagnostiziert während der Routineuntersuchung eines Menschen eine unheilbare Krankheit und gibt ihm auf seine entsprechenden Fragen die ehrliche Antwort: „Ich gebe Ihnen noch 6 Monate.“ Glauben Sie mir, hier stellt sich sofort eine andere Sicht auf die Bedeutung des Lebens ein.
Viele „Dinge“ haben für uns Bedeutung. Wir alle sind tagtäglich auf Elektrizität angewiesen. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass Sie eine besondere Vorliebe für die negative oder die positive Phase entwickeln. Sie akzeptieren stillschweigend den polaren Charakter der für uns so notwendigen Elektrizität. Und nun frage ich Sie: Warum gönnen Sie sich diese gleiche Akzeptanz nicht in der Betrachtung all dessen, was neben der Elektrizität noch für Sie bedeutungsvoll ist. Die Frage ist nämlich: Woran wollen Sie eigentlich ermessen, was genau bedeutungsvoll ist, wenn Sie das Bedeutungsvolle nicht in seiner Unterscheidung, aber auch in seinem Angewiesensein auf das Bedeutungslose verstehen.
Bedeutung hat etwas mit Wert zu tun, Wertfreiheit nimmt Sachlichkeit für sich in Anspruch. In meinem Verständnis vom TUN® stellt sich das etwas anders dar. Akzeptieren Sie auch den polaren Charakter von Werten, wenn Sie über Werte etwas als bedeutsam für sich in Anspruch nehmen. So vermeiden Sie ein ständiges Lavieren in Ihren Entscheidungen vor dem eigentlichen TUN®. Ich will es ganz deutlich machen. Sie kommen an einen zugefrorenen See und bemerken, dass ein Kind auf dem wohl doch zu dünnen Eis eingebrochen ist. Falls Sie hier jetzt ins Chunking verfallen und überlegen, was Ihnen alles passieren könnte, wenn Sie dem Kind zu Hilfe kämen, käme jede Hilfe zu spät.
• Die Sprache des Unbewussten
Wie Sie vielleicht jetzt schon an der Länge und dem seltsam anmutenden Aufbau der Sätze, dem Verwenden von Worten bemerken können, handelt es sich hierbei nicht um ein Buch wie jedes andere: Der Sachinhalt und die Geschichten dieses Buches sind nach den Regeln der „Ericksonschen Grammatik“ geschrieben. Sie führt den Leser zu größerer Aufmerksamkeit, damit es seine aufbauende TUN®-Wirkung voll entfalten kann. Alle scheinbaren Fehler im Gebrauch der Worte, seltsam verschachtelte Sätze, die unverhofft abbrechen, um sich auf andere Weise fortzusetzen sowie andere Ungereimtheiten sind von mir beabsichtigt und liegen im ureigensten Interesse des Lesers.
• Ja, ich will TUN®
Vorausgesetzt, Sie wollen TUN®, werfen Sie bitte bereits jetzt einen Blick in das V. Kapitel dieses Buches. Dort wird das Wort „Zeitplanbuch“ auftauchen. Warten Sie nicht, bis Sie im V. Kapitel angekommen sind.
Legen Sie sich JETZT ein Zeitplanbuch zu, TUN® Sie es JETZT!
| DATUM | NAME | UNTERSCHRIFT |
KAPITEL II
WAHRNEHMUNG ODER: ICH ALLEIN ÜBERNEHME DIE VOLLE VERANTWORTUNG FÜR MEIN PRIVATES UND BERUFLICHES LEBEN
II.1. Unser Gehirn und seine Funktionen
• Ein Baby kommt auf die Welt
Können Sie sich noch oder auch wieder vorstellen, wie es war, als vor kurzer oder schon etwas längerer Zeit ein Baby, vielleicht Ihr eigenes Kind oder der Nachwuchs in der Nachbarschaft geboren wurde und Sie das Kind zum ersten Mal sahen? Es war ein gesundes Kind, so um die 50 cm groß und ca. 6 Pfund schwer. Sie haben den neuen Erdenbürger mit einem liebevollen Lächeln begrüßt und den überglücklichen Eltern mit den besten Wünschen gratuliert.
Sehen Sie sich bitte jetzt das neugeborene Wesen noch einmal gedanklich an und stellen sich in einem inneren Dialog die Frage: Was hat dieses Kind als Starkapital „Verhalten“ mitbekommen und woher?
• Das menschliche Gehirn
Es ist schon erstaunlich: Alles, was wir fühlen, denken, sagen und tun kommt aus einer ca. drei Pfund schweren, weichen, nassen und rosagrauen Gewebemasse in unserem Kopf. Das ist schon irgendwie unbeschreiblich. Deshalb stellen Sie vielleicht einmal eine sternenklare Nacht vor in der Sie den Himmel beobachten. Sie sehen unzählige Sterne, Sie erkennen sogar die Milchstraße. Sie werden sich der Faszination dieser Weite kaum entziehen können. Eine ähnliche Faszination übt das Gehirn auf den Menschen aus, zumal dessen zahlenmäßige Ausmaße durchaus den Größen des Weltalls entsprechen. Wenn Sie so wollen, haben wir einen „Kosmos im Kopf“, hier kommunizieren ca. 100 Milliarden Nervenzellen miteinander, verbunden durch 100 Billionen so genannter Synapsen. Die rein rechnerische Möglichkeit von „Umschaltungen“ übersteigt die Gesamtzahl aller Atome im uns derzeit bekannten Universum.
Ich will Ihnen die Bedeutung des Gehirns sehr eindringlich verdeutlichen: Zweifellos ist der Mensch als leiblich-seelische Ganzheit mehr als sein Gehirn. Aber ebenso zweifellos kommt dem Gehirn eine Sonderstellung zu: Ein Mensch kann durchaus den ‚Tod’ seines Herzens überleben, nicht aber den ‚Tod’ seines Gehirns. Mit dem Hirntod fehlt dem Menschen die unersetzbare und nicht wiederzuerlangende körperliche Grundlage für sein geistiges Dasein in dieser Welt. Der unter allen Lebwesen einzigartige menschliche Geist ist körperlich ausschließlich an das Gehirn gebunden. Ein hirntoter Mensch kann nie mehr eine Beobachtung oder Wahrnehmung machen, verarbeiten und beantworten, nie mehr einen Gedanken fassen, verfolgen und äußern, nie mehr eine Gefühlsregung empfinden und zeigen, nie mehr irgendetwas entscheiden.
Unser Wissen über das Gehirn hat sich dank der außergewöhnlichen Fortschritte in den Neurowissenschaften in den letzten zehn bis zwanzig Jahren enorm erweitert. Neue Techniken und Erkenntnisse haben dazu beigetragen, den Aufbau, die Entwicklung und mögliche Fehlentwicklungen des Gehirns besser verstehen zu können. Das 21. Jahrhundert wird deshalb von vielen Wissenschaftlern als das Jahrhundert der Neurowissenschaften gesehen. Durch den wechselseitigen Austausch zwischen Disziplinen, wie der Medizin, der Biologie, aber auch der Informatik und den Geistes- und Sozialwissenschaften haben sich die Neurowissenschaften zu einer neuen Leitwissenschaft entwickelt.
Ihre Visionen haben bereits Diskussionen ausgelöst. Forscher meinen belegen zu können, dass unser Verhalten allein durch Gehirnprozesse erklärbar ist und die Willensfreiheit, an die wir derzeit noch glauben, eine Illusion darstellt. Ebenso umstritten ist die Vision vom Geist in der Maschine: Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass man bald bewusstseinsähnliche Zustände bei Maschinen erzeugen kann.
Hier möchte ich nochmals den griechischen Arzt Hippokrates erwähnen. Er konnte an Verwundeten aus den Perserkriegen beobachten, dass Schädigungen bestimmter Stellen des Gehirns mit dem Verlust bestimmter Gehirnfunktionen zusammentrafen. Heute kann, vielleicht etwas pointiert formuliert, jedes gut ausgerüstete Krankenhaus mit Hilfe der Tomografie beobachten, mit welchem Teil des Gehirns ein Mensch gerade denkt. Zwischen den Beobachtungen des Hippokrates und moderner Kernspintomografie liegen ca. 2300 Jahre. Ihre Aufmerksamkeit darf ich nochmals auf einen gewissen Dr. Roger Sperry lenken. Er und sein Team arbeiteten am California Institute of Technology an besonders schweren Fällen von Epilepsie. Diesen so genannten „Split-Brain-Patienten“ war der Corpus Callosum getrennt worden. Hierbei handelt es sich um einen dicken Strang von Nervenfasern, der die beiden Großhirnhälften verbindet. Seine Trennung war von der Absicht getragen, schwere Epilepsieanfälle zu vermeiden. Das Interessante nun war: Patienten mit durchtrenntem Corpus Callosum zeigten keine offensichtlichen Verhaltens- oder Persönlichkeitsänderungen. Damit lag eine Frage auf der Hand. Wenn das Durchtrennen eines solch massiven Nervenstrangs im Gehirn keinen Einfluss auf das Verhalten oder die Persönlichkeit hat – wozu ist er dann überhaupt vorhanden?

Um dies herauszufinden, entwickelten Sperry und seine Mitarbeiter Joseph Bogen, Michael Gazzaniga, Jerry Levy und andere eine Reihe von Test, die die Funktionsweise jeder Großhirnhälften aufzeigen sollte. Die Resultate dieser Tests waren nobelpreiswürdig und für diese Leistung erhielt Sperry 1981 den Medizinnobelpreis. Er wies nach – was, wenn Sie so wollen, eigentlich schon Hippokrates vermutet hatte –, dass wir nicht nur zwei Großhirnhälften besitzen, sondern dass diese beiden Hemisphären auch zwei völlig unterschiedliche Arten des Denkens aufweisen.
Jede Gehirnhälfte, meint Sperry, besitzt ihre eigenen Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken und Vorstellungen, die alle von den entsprechenden Erfahrungen in der gegenüberliegenden Hemisphäre abgeschnitten sind. Jede getrennte Gehirnhälfte scheint in vieler Hinsicht einen „eigenen Geist“ zu haben.
Die beiden Großhirnhälften sind nur äußerlich symmetrisch angelegt. Ihre Funktionen sind verschieden. Die linke Gehirnhälfte ist Sitz des Sprachzentrums. Auf den ersten Blick geschieht hier das, was wir unter der Überschrift Denken zusammenfassen. Hier wird sprachlich, begrifflich, logisch, analytisch gedacht. In der rechten Hirnhälfte wird bildhaft, ganzheitlich, synthetisch, intuitiv „gedacht“. In der rechten Hirnhälfte ist unsere Phantasie „zu Hause.
• Die Gehirnhälften und ihre Funktionen
| Links | Rechts |
| verbal | Nonverbal |
| Sprache | Phantasie |
| lesen, schreiben | erinnert an Formen und Gesichter |
| mathematisch, intellektuell | Intuitiv |
| detailliert | Räumlich |
| kontrolliert | Emotional |
| analytisch | Ganzheitlich |
| deduktiv | Schöpferisch |
| logisch | Visionär |
| rational | bildhaft, metaphorisch |
| verarbeitet Informationen linear | verarbeitet Informationen zirkulär |
| historisch | Zeitlos |
| differentiell | Existentiell |
| gerichtet | Frei |
| realistisch | Impulsiv |
| abstrakt | Konkret |
| diskret | Kontinuierlich |
Ich möchte an dieser Stelle noch hinzufügen, dass die Hemisphären für die jeweils gegenüberliegende Körperhälfte zuständig sind. Die linke Hemisphäre steuert also die rechte Hand und umgekehrt.
Ist Ihnen vielleicht einmal in Filmberichten oder auch Kinofilmen aus den USA aufgefallen, dass hier sehr viele Linkshänder zu Hause sein müssen? Mir fallen dann immer sofort die Statistiken zur Vergabe von Nobelpreisen ein. Naturwissenschaftliche oder medizinische Entdeckungen haben nicht nur mit dem logischen Denkvermögen ihrer Urheber zu tun, hierzu bedarf es auch der Vision. Und wie gesagt, sehe ich dann die Häufigkeit der Vergabe solcher Preise an US-Forscher, mache ich mir so meine Gedanken. Oder: Versuche haben ergeben, dass die linke Gesichtshälfte, die also von der rechten Hemisphäre „beaufsichtigt“ wird, mehr über unsere Gefühle aussagt als die linksdominierte rechte Seite.
Sie kennen bestimmt jene Situation, die sich noch vor 30, 40 Jahren hätte wie folgt abspielen können. Eine Familie wird zu einer anderen Familie auf den Sonntag zum Kaffee eingeladen. Man trifft ein, man begrüßt sich und hört auf einmal die Formulierung: „Wirst Du wohl Frau Müller die „schöne Hand“ geben!“
Genau, der Sohn der eingeladenen Familie war Linkshänder, die linke Hand muss dann wohl in der Zwangsläufigkeit dieser Logik die „unschöne Hand“ gewesen sein. Und so was gehört sich doch einfach nicht.
Inzwischen sitzt man im Freien am Kaffeetisch, es ist schließlich ein herrlicher Spätsommertag. Selbstgebackener Zwetschgenkuchen wird aufgetragen. Und wieder vergrault eine Formulierung die eigentlich perfekte Stimmung: „Nimm’ bitte die Kuchengabel in die „gute Hand!“ Heute wissen wir, dass solche Situationen fast schon an Psychoterror grenzen. Generationen von Schulkindern haben sich auf diese Art und Weise von vornherein nie eine persönliche Handschrift aneignen können, weil Eltern und Pädagogen ihnen den Füller an die „richtige“, also die rechte Hand delegiert haben. So sind Talente verkümmert, Fehlleistungen haben sich artikuliert.
Wir haben in Gehirn eine ähnliche Situation: Der Mensch ist rechts- oder linkshirnig veranlagt. Er bevorzugt zum Lösen von Denkproblemen die eine oder andere Gehirnhälfte. Im Laufe unseres Lebens prägen die Spuren von Kultur und Ausbildung tiefe Gräben in die Denkbahnen unseres Gehirns. Sehr früh haben wir gelernt, dass die beste Idee sich schließlich auflöst, wenn wir sie nicht mitteilen können, sie also in ein sprachliches Gewand kleiden. Und so kam es, dass ein Übergewicht unserer Denkbahnen den Weg in die linke, sprachlich denkende Gehirnhälfte weist. Dieser individuelle Entwicklungsprozess ist – so sehe ich das – eingebettet in einen noch größeren, kulturgeschichtlichen.
Linkshirniges Denken bemüht sich, unsere Welt, unser eigenes Ich und das unserer Mitmenschen sachlich - logisch zu erfassen und zu entziffern. Diesem Denken verdanken wir unsere Fähigkeit zu sprechen, zu lesen und zu schreiben. Dieses Denken bemüht sich um kausale Zusammenhänge und kommt so gesehen eigentlich nie zur Ruhe. Hat rationales Denken einen Sachverhalt als Ursache – Wirkungs – Zusammenhang erfasst, wird es sich sofort darüber im Klaren sein, dass auch die erkannte Ursache nichts anderes ist als die Wirkung einer dahinter stehenden Ursache usw.
Nur, diese Ruhelosigkeit führte schließlich zu einer Wissenschaftsgläubigkeit, die für ein Denken jenseits rationaler, sachlich – logischer Bahnen gelegentlich nur noch ein mitleidiges Lächeln aufbrachte. So kam es, dass ein Übergewicht unserer Denkbahnen den Weg in die linke, sprachlich denkende Gehirnhälfte weist. Das Ergebnis ist folgenschwer. Die linke Hirnhälfte erledigt „Denkprobleme“, die eigentlich ureigenstes Betätigungsfeld der rechten Hemisphäre wären und sind.
Ich möchte unbedingt festhalten: Diese Entwicklung hat kein „Abschalten“ der Leistungen der rechten Hirnhälfte zur Folge. Sehen Sie, ich sagte oben, dass wir dem linkshirnigen Denken u.a. die Fähigkeit zuordnen, sprechen, lesen und schreiben zu können. Sinn, Bedeutung und Inhalt von Sprache liefert die rechte Hemisphäre. Spätestens das geschriebene Wort besteht aus Buchstaben, deren zu Hause die linke Hirnhälfte ist. Die Bedeutung (Semantik) der einzelnen Wörter ist wiederum in der rechten Hirnhälfte angesiedelt.
Es ist auch nicht so, dass die Menschheit spätestens seit Descartes und Newton nur noch linkshirnig denkt. Aber ich stimme Sperry uneingeschränkt zu wenn dieser meint, dass letztlich die moderne Gesellschaft die rechte Hemisphäre diskriminiert.
Ziehen Sie bitte nicht die Schlussfolgerung, diese Entwicklung jetzt in ihr Gegenteil verkehren zu müssen. Motto: Die Ratio ist tot, es lebe die Irratio! Vielerorts geschieht das bereits, Sie brauchen sich zu diesen Themen nur einmal im Internet umzuschauen.
Das erinnert mich immer an die sehr verfängliche Bezeichnung „alternative Medizin“. Alternativ meint hier das Wählen zwischen zwei oder mehreren Dingen, wobei sich alternativ immer auf Alternative bezieht, also dem Aspekt des Entweder-oder. Alternative Medizin insistiert also auf die Entscheidung zwischen Schulmedizin und, sagen wir, Naturheilkunde. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass es eine Vielzahl medizinischer Heilungserfolge ohne klassische operative Eingriffe nicht geben wird, andererseits aber beispielsweise homöopathische Therapien durchaus angezeigt sind.
Auch hier sollten wir uns am Gedanken der Polarität orientieren, dem Aspekt des sowohl – als - auch. In meinem Verständnis gilt das auch für die Diskussion der Fähigkeiten von linker und rechter Hirnhemisphäre. Deren Begabungen sind nichts Mystisches, Vages oder Besonderes. Sie sind eine Fähigkeit, die jeder Mensch von Geburt an hat. Es ist die Fähigkeit, Dinge gefühlsmäßig in ihrem Wesen zu erfassen (ganzheitlich) und das übrigens sehr schnell. Manche Menschen thematisieren diese Fähigkeiten als Eingebung, Instinkt, innere Stimme oder Bauchgefühl, manche nennen sie Intuition. Leider werden sie in der weiteren Betrachtung noch immer dem Verstand gegenübergestellt. Dabei stellt sich dieses Verhältnis doch sehr einsichtig dar. Was geschieht, wenn Ihnen z.B. ein Kollege etwas erklärt? Die durch die Lippenbewegungen des Kollegen hervorgerufenen Schallwellen dringen an Ihr Ohr. Ihr Innenohr und viele Teile Ihres Gehirns müssen erst einmal herausfinden, ob es sich um sprachliche oder nicht-sprachliche Signale handelt. Wenn es sich um Sprache handelt, werden die Signale sofort an die Großhirnrinde geleitet. Das geschieht, bevor Ihnen irgendetwas bewusst wird. Zu derselben Zeit, wie die linke Gehirnhälfte, die für die Sprache zuständig ist, herauszufinden versucht, was Ihr Kollegen mitzuteilen hat, nimmt Ihre rechte Gehirnhälfte wahr, ob das Mitgeteilte freundlich, ironisch oder aggressiv gesagt wird.
• Gene – Das Gedächtnis des Körpers
Es scheint mir immer mehr, schrieb der große Maler Vincent van Gogh, dass die Menschen die Wurzel von allem sind. Nur: In „Schuldzuweisungen“ haben wir Menschen es inzwischen zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Denken wir hier nur einmal an die so genannte Erbsünde. Besonders nach katholischer Dogmatik hat sich diese Sünde auf alle Menschen weitervererbt und ist schuld an allem Bösen in dieser Welt. Andersgläubige und -denkende wurden und werden für Missernten, Seuchen und Naturkatastrophen verantwortlich gemacht.
Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, trällerte ein deutscher Schlagersänger, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, also dem Anderen. Überhaupt, die Anderen. Es waren immer die Anderen. Und so stehlen wir uns tagtäglich aus der Verantwortung, aus der Verantwortung für unsere Umwelt, aus der Verantwortung für den Anderen, aus der Verantwortung für uns selbst. Und wenn der Andere nicht greifbar ist, greifen die Menschen gerne nach unpersonellen Optionen. „Das liegt ihm eben im Blut“, sagte man früher. Heute macht man Gene (Abschnitt auf einem DNA- Molekül und „Bauplan“ für einen bestimmten Eiweißstoff/Protein, der einen Erbfaktor bzw. ein Erbmerkmal bestimmt) als die Hauptverantwortlichen für dieses oder jenes menschliche Verhalten haftbar: Gene für Kriminalität, Gewalt, Sucht und Aggression, aber auch Gene für Musikalität, Intelligenz, künstlerische Veranlagungen. Der Nobelpreisträger James D. Watson äußerte euphorisch: „Früher haben wir gedacht, unser Schicksal stünde in den Sternen. Heute wissen wir, es liegt in den Genen.“ Und der britische Biologe Matt Ridley beschreibt den Menschen als Opfer, Spielball, Schlachtfeld und Vehikel für den Ehrgeiz seiner Gene.
Was war geschehen? Im Jahre 2000 wurde einer faszinierten Weltöffentlichkeit mitgeteilt, dass die Entzifferung des menschlichen Genoms (Gesamtheit der Erbinformationen) gelungen sei. „Wir haben den ersten Entwurf unseres eigenen Lebensbuches, und wir haben es Seite für Seite gelesen“, so Francis Collins, Direktor des Nationalen Genomforschungsinstitutes der USA.
Der Euphorie folgte alsbald eine gewisse Ernüchterung, denn die Entzifferung des menschlichen Genoms bot eine Reihe von Überraschungen. Die erste war, dass auf dem allergrößten Teil der menschlichen Chromosomenfäden überhaupt keine Gene sitzen. Auf langen Abschnitten fanden die Molekularbiologen nur scheinbar sinnlose Wiederholungen bestimmter Basen. Viel bedenklicher stimmte dann schon die zweite Überraschung. Es gibt schlichtweg viel weniger „Menschen-Gene“ als geglaubt. Mit 32 000 bis 39 000 Genen steht der Mensch nicht viel besser dar als der Fadenwurm (18 000) oder das unscheinbare Pflänzchen der Ackerschmalwand (26 000). Die Gene von Mensch und Maus unterscheiden sich weniger, als man wünschen und vermuten möchte. Von den Unterschieden in den Genen zwischen Mensch und Schimpanse wollen wir erst gar nicht sprechen. Nun sollten wir an dieser Stelle nicht resignieren. Angesichts dieser scheinbar geringfügigen genetischen Unterschiede zwischen Mensch und Menschenaffe sollte sich uns doch eine ganz andere Frage stellen: Was denn nun ist eigentlich genau das „Menschliche“ am Menschen?
Weiterhin entdeckten die Wissenschaftler, dass genetisch gesehen sämtliche Menschen auf der Welt zu 99,9% identische Kopien sind. Nur etwa jedes tausendste Gen ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. Was verbirgt sich hinter dieser Entdeckung? Sie erbringt den Beweis dafür, dass die Unterschiede zwischen uns Menschen keinesfalls nur ein Produkt unserer Gene sind oder: Es sind nicht allein die Erbanlagen, die über unser Schicksal entscheiden. Wir haben keinen Grund, ausschließlich Gene für unser Leben verantwortlich zu machen. Menschen sind nicht, wie es der Molekularbiologe Jens Reich einmal treffend formulierte, Marionetten ihrer Gene. Oder um mit seinem Bild zu sprechen: „Selbstverständlich beeinflussen das Design und die konkrete Bauweise eines Klaviers den Charakter der Musik, die auf ihm spielbar ist. Aber ob es der Flohwalzer oder Beethovens Sonate op. 111 ist, hängt nicht vom Baumeister des Klaviers, sondern vom Interpreten ab. Analog verhält es sich mit der genetischen Determinierung von Verhalten und kognitiven Inhalten. Selbstverständlich sind wir von der Ausstattung abhängig, die vom individuellen Entwicklungsprozess hervorgebracht wird, der seinerseits ohne genetische Information nicht ablaufen könnte – aber von da bis zur Psyche des Einzelnen ist es ein weiter Weg, der sich nur als individueller Aneignungsprozess des Ererbten in seiner Lebenswelt analysieren lässt … Jeder von uns ist gewissermaßen ein kompliziert konstruiertes Klavier, das auch bei jedem deutliche Unterschiede in der Ausführung aufweist. Aber für die Musik, die wir auf dem Klavier spielen, also für seine Lebensgeschichte, ist letzten Endes jeder selbst verantwortlich.“
Unsere Erbanlagen ähneln, obwohl dieser Vergleich immer wieder strapaziert wird, nicht so sehr einem Computerprogramm als vielmehr einer Partitur. Hier klingen spezifische Umweltbedingungen mit. Ein kleiner Fehler – eine Note an der falschen Stelle – kann manchmal kaum etwas verändern, im anderen Fall: Alles zerstören. Kürzlich las ich in einem Zeitschriftenartikel die bemerkenswerten Sätze, dass es doch paradox erscheinen muss: Sowenig der „Mensch“ in einzelnen Genen oder sogar allen zusammen eingefangen ist, so sehr liegt doch in unserem Genom alles verschlüsselt, was den Menschen verkörpert: Die Konstruktionsanleitung für sein ganzes Wesen, von der Form der Nase bis zum Geschlechtstrieb, von der Fähigkeit zu denken und zu sprechen bis hin zur selbstlosen Liebes- und Leidensfähigkeit. Zu lieben und zu leiden, zu denken und zu sprechen ist uns nicht deshalb möglich, weil wir unter einem biogenen Zwang existieren, sondern weil wir eine genetische Natur besitzen, die uns solche Freiheit zu selbst gestaltetem und selbst verantwortlichem Leben ermöglicht. Denn Gene erzwingen tatsächlich sehr wenig, aber sie ermöglichen ungeheuer viel. Darin liegt ihre wahre Macht.
• Lebens- und Überlebensinstinkte
Eines steht wohl fest: Der Mensch mit seinem vergleichsweise großen Gehirn ist in der Natur wohl eine Ausnahme. Die meisten Tiere kommen bestens mit kleinen Hirnen und beschränkten Fähigkeiten zurecht. Ist womöglich der intelligente, kreative und lernbegierige Mensch nur ein Irrweg der Evolution? Tiere, die instinktiv Gefahren erkennen und ihnen aus dem Weg gehen, sind uns Menschen gegenüber nicht selten im Vorteil. Das zum einen. Und zum anderen. Der Schauspieler Armin Rohde sagte einmal sinngemäß während eines Interviews: Es funktioniert ja noch irrsinnig viel aus dem Stammhirn, aus Zeiten. Wir haben noch ganz viel in uns, was heutigen Gegebenheiten überhaupt nicht mehr angemessen ist. Wir sind einigermaßen gut gekleidete Gorillas. Aber da sind noch ganz viel archaische Verhaltensweisen, Reflexe aus vergangenen Zeiten.
Ich lasse beide Gedanken ganz einfach im Raum stehen und lenke Ihr Interesse auf das dahinterstehende Thema, das Stammhirn.
Mit ca. 500 Millionen Jahren ist es der evolutionär älteste Teil des Gehirns. Man nennt es auch das Reptiliengehirn. Und es funktioniert tatsächlich und prinzipiell so wie bei unseren tierischen Vorfahren. Hier sind grundlegende motorische Funktionen, Gleichgewicht und das so genannte RAS (retikulär aktivierendes System; bereitet das Großhirn über den Thalamus - System der Eingangsfasern zur Großhirnrinde - auf eintreffende Nachrichten vor und trifft gleichzeitig die Vorauswahl aus den Umgebungsinformationen, es filtert quasi die Umwelt und bestimmt, was wir bewusst wahrnehmen und was nicht) beheimatet. Es repräsentiert genetisch determinierte Verhaltensweisen, die dem Überleben des Individuums und der Arterhaltung dienen.
Halt, werden Sie jetzt sagen, also unterliegen wir ja doch der Macht der Gene. Moderne lerntheoretisch begründete Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse werden Ihnen sofort entgegnen: Die Instinkte des Menschen – und um die geht es hier letztlich – sind weitgehend durch erworbene Lernvorgänge sowie durch Erfahrungen aus Objektbeziehungen überlagert. Überlagert ja, aber sie sind da. Sie könnten sonst nicht atmen, husten, schwitzen, keinen Schmerz empfinden, kein Säugling könnte saugen, sie könnten nicht schlafen und Kinder hätten Sie ohnehin nicht.
Im eigentlichen Sinn des Wortes „denkt“ das Reptilienhirn nicht, es „handelt“. Das hat einen großen Vorteil. Es sichert uns nämlich unser Überleben. Gut, dank unserer Kulturstufe stellt sich unser tägliches Dasein nun nicht mehr als der unmittelbare Kampf ums Dasein dar. Wir beschaffen uns unsere Nahrungsmittel im Supermarkt und nicht in der Savanne oder im Dschungel. Hier lauerten und lauern tatsächlich tödliche Gefahren.
Sehen Sie, soweit Sie Besitzer eines Führerscheins sind, werden Sie sich alle an jene Ausführungen erinnern, die Sie irgendwann mal im Zusammenhang mit dem Bremsweg gehört haben. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das anders aus, ganz anders. Vor ihrem Fahrzeug taucht urplötzlich ein Kind auf und Sie haben nur eine etwaige Vorstellung von der Entfernung zwischen dem Kind und Ihrem Auto. Es klingt simpel, aber dennoch ist es so: Sie berechnen jetzt nicht Ihren Bremsweg, Sie treten sofort voll auf „die Eisen“. Ihrem Reptilienhirn sei Dank.
Ein Beispiel für „Nichtführerscheinbesitzer“. Stellen Sie sich bitte vor, Sie würden Ihre Hand auf eine rot glühende Herdplatte legen. Ehe Sie bewusst begriffen haben, was da passiert ist, haben Sie Ihre Hand schon weggezogen. Hätten Sie versucht, diese Krisensituation im Kontext Ihrer Großhirntätigkeit zu meistern, wären Sie anschließend Gast einer medizinischen Notaufnahmestation gewesen. Die Problemlösung fand an anderer Stelle statt. Ihrem Reptilienhirn sei Dank.
Sie sind der neue Mitarbeiter in einer Werbeagentur und Ihre erste Präsentation steht auf der Tagesordnung. Sie bemerken, wie Ihnen beim Reden zunehmend der Mund trocken wird. Ein angebotenes Glas Wasser lehnen Sie dankend-verschämt ab, denn mit der Kontrolle der Feinmotorik Ihrer Hände steht es auch nicht zum Besten. Ihrem Reptilienhirn „sei Dank“.
Ich unterstelle einmal, dass Sie ein Mensch sind, der Kritik nicht wirklich vertragen kann. Sie nehmen Kritik persönlich, fühlen sich angegriffen. Wenn Sie sich an dieser Stelle umdrehen und im wort- wörtlichsten Sinne des Wortes einfach gehen, hat sich Ihr Reptilienhirn (Flucht) zugeschaltet.
Sie gehen spät am Abend durch eine wie ausgestorben wirkende Stadt. Plötzlich stehen vier, fünf junge Männer vor Ihnen, die Sie nach der Uhrzeit fragen, aber die Uhr meinen. Hier macht es dann wenig Sinn zu sagen: „Passt auf, Jungs, ich verstehe Eure Probleme, lasst uns darüber reden. Habt wahrscheinlich eine harte Kindheit gehabt …“ Vertrauen Sie hier lieber auf Ihr Reptiliengehirn und rennen, so schnell Sie können.
Ich habe es schon angedeutet. Natürlich müssen wir heute nicht mehr lendenschurzbekleidet und keulenbewehrt angesichts von Gefahren zwischen Angriff und Flucht „entscheiden“. Wir haben da inzwischen ganz andere Probleme, der moderne Mensch ist mit einer Vielzahl von Stressquellen konfrontiert:
• die Welt, in der wir leben (Lärm, Verkehr, Wetter, Luftverschmutzung usw.)
• existenzielle Faktoren wie z.B. Angst um den eigenen Arbeitsplatz oder finanzielle Probleme
• soziale Faktoren wie z.B. Konflikte mit anderen Menschen
• Konflikte in den zwischenmenschlichen Beziehungen
• Termine, die wir halten müssen, Bewerbungen oder Gespräche mit Vorgesetzten
• körperliche Faktoren wie Krankheiten, hormonelle Schwankungen, schlechte Ernährung
• unsere eigenen Gedanken und die Art und Weise, wie wir subjektiv auf unsere Umgebung oder auf Ereignisse reagieren
Das sind die Gefahrensituationen, denen wir heute ausgesetzt sind. Wir nennen sie auch Stressoren. Ich will nur am Rande erwähnen, dass diese Gefahrensituationen nicht ausschließlich von „außen“ her an uns herantreten. Sie können durchaus auch hausgemacht sein, hierzu rechne ich z.B. überzogene Selbstansprüche.
Eigentlich kommt der Ausdruck „Stress“ aus der Werkstoffkunde und benennt den Zustand eines Materials, das unter Druck (stress=Druck) steht. Dies entspricht unserem Alltagsverständnis von Stress als Situation unter Druck und Zustand besonderer psychischer oder körperlicher Anspannung. Die Stressreaktion des Körpers sorgt nun dafür, dass der Mensch in kürzester Zeit „flucht- oder kampfbereit“ ist. Der Mensch befindet sich in einer solchen Stresssituation in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft, die sich in unterschiedlichen körperlichen Reaktionen zeigt. Alle Sinnesorgane werden auf die Wahrnehmung weiterer Gefahrensituationen eingestellt. Die Hirnanhangdrüse schüttet vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus. Dadurch erfolgt in Sekunden eine Mobilisierung des Körpers. Pulsschlag, Blutdruck und Atemfrequenz steigen. Die Leber setzt Zucker (Glucose) als Energielieferant frei. Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes nimmt zu, die Durchblutung der Haut und der Verdauungsorgane wird gedrosselt. Die Muskeln spannen sich an und das Nervensystem wird in Unruhe versetzt.
Das war bei unseren Vorfahren auch schon so. Sie hatten dasselbe biologische Gegenprogramm zu Stress, nämlich „Entspannung“. Sie gestaltete sich allerdings etwas anders als heute und bot in der Tat nur die Entscheidung in der Alternative Kampf oder Flucht. Die Stresssituation war das Entscheidungsfeld zum Überleben. Diese Direktheit kommt heutzutage so nicht mehr vor. Wir müssen uns der Problematik etwas subtiler stellen.
Zunächst haben wir da den so genannten Eustress (positiver Stress). Hier wird eine schwierige Situation (Gefahr) als Herausforderung gesehen, die es zu bewältigen gilt und die untere Umständen sogar genießen können. Wir sind hochkonzentriert und motiviert. Stress wird hier als Triebkraft zum Erfolg (Kampf).
Beim negativen Stress, dem so genannten Distress, überfordert uns die schwierige Situation (Gefahr) völlig. Es werden keine Handlungsmöglichkeiten gesehen (Flucht). Langfristig kann dieser negative Stress krankmachen.
II.2. Verwandte bestimmen Ihr Leben
• Unser Gehirn und seine „Draufspieler“
Kommen wir ohne Umschweife zunächst zu den Tatsachen. Beim Fötus entwickelt sich im Gehirn zunächst eine Unmenge von Neuronen, von denen ein Großteil noch vor der Geburt wieder abgebaut wird. Ein Neugeborenes startet mit ca. 100 Milliarden Neuronen ins Leben und befindet sich damit aus quantitativer Sicht auf gleicher Ebene mit seinen Eltern. Allerdings sind seine Neuronen noch kleiner und wenig miteinander vernetzt. Interessanterweise ist übrigens die rechte Hemisphäre eines Säuglings etwas weiterentwickelt als die linke.
In den ersten drei Lebensjahren nimmt die Zahl der Synapsen rasant zu – eine Gehirnzelle kann bis zu 10 000 ausbilden. Mit zwei Jahren entspricht die Menge der Synapsen derjenigen von Erwachsenen, mit drei Jahren hat ein Kind bereits doppelt soviel. Die Anzahl (200 Billionen) bleibt dann bis zum Ende des ersten Lebensjahrzehnts relativ konstant. Bis zum Jugendalter wird rund so Hälfte der Synapsen wieder abgebaut, bis die für Erwachsene typische Anzahl von 100 Billionen erreicht wird. Verbunden mit diesem rasanten Wachstum von Synapsen ist eine rasche Gewichtszunahme des Gehirns: von 250g bei der Geburt über 750g am Ende des ersten Lebensjahres bis 1300g im 5. Lebensjahr. In der Pubertät wird schließlich das Endgewicht erreicht. Die doppelt so hohe Anzahl von Synapsen erklärt auch, warum das Gehirn eines Dreijährigen mehr als doppelt so aktiv ist wie das eines Erwachsenen. Außerdem enthalten die Gehirne von (Klein-)Kindern größere Mengen bestimmter Neurotransmitter. Sie haben einen fast doppelt so hohen Traubenzuckerverbrauch wie die Gehirne von Erwachsenen, benötigen also mehr Energie. Jedoch sind sie weniger effizient: Die neurale Geschwindigkeit nimmt zwischen Geburt und Abschluss der Pubertät um das 16fache zu.
Die Ausbildung von doppelt so vielen Synapsen wie letztlich benötigt werden ist ein Zeichen für die große „Formbarkeit“ des Gehirns – und die enormen Lern- und Anpassungsfähigkeit des Säuglings bzw. Kleinkinds. Das Neugeborene fängt geistig praktisch bei Null an: Abgesehen von ein paar Instinkten ist es weitgehend auf Wahrnehmung und Reaktion beschränkt. Die Regionen des Gehirns, die später für komplexe Funktionen wie Sprechen und Denken zuständig sind, liegen weitgehend brach. Aber das genau ist die große „Chance“ des Menschen: Der Neugeborene ist praktisch für ganz unterschiedliche Kulturen und Milieus offen – für einen Indianerstamm aus Jägern und Sammlern im brasilianischen Dschungel, für eine Hirtengemeinschaft in den Savannen Afrikas, wie auch für eine hoch technisierte Wissensgesellschaft in den USA, Japan oder Europa.
Die Überproduktion von Synapsen in den ersten Lebensjahren ermöglicht das schnelle Erlernen ganz unterschiedlicher Verhaltensweisen, Sprachen, Lebensstile usw. Ein großer Teil der weiteren Gehirnentwicklung bei Kindern besteht dann darin, die für ihre Lebenswelt nicht relevanten Synapsen abzubauen und die benötigten Bahnen zwischen Neuronen zu intensivieren. So bestimmt letztlich die Umwelt und das in ihr Erfahrene, Gelernte, Erlebte, Aufgenommene – zu einem großen Teil die Struktur des Gehirns.
Und: Babys und Kleinkinder müssen nicht zum Lernen motiviert werden, ihre Sinne sind voll auf Empfang geschaltet, ihr Gehirn reagiert auf jeden Input mit der Bildung neuer Synapsen. Babys und Kleinkinder sind auf selbsttätiges Lernen hin angelegt. Eltern wissen dies „instinktiv“ und reagieren entsprechend, spontan richtig führen sie ihre Gesichter im richtigen Winkel und im richtigen Abstand an das Neugeborene heran. Dabei bleibt es aber nicht. Es kommt noch dicker.
In meinen Seminaren stelle ich gern die ein wenig ironisch gemeinte Frage: Sagen Sie, wer sitzt denn nun eigentlich heute hier? Wer hört eigentlich meine Worte, wer sieht sich meine Zeichnungen am Flipchart an? Sie oder Ihre Verwandtschaft? Es muss an der Frage liegen, die meisten Teilnehmer beginnen ahnend zu schmunzeln und sich einig in der Antwort: Die Verwandtschaft. Verwandtschaft steht hier für Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel, Tanten und meint eigentlich Familie. Gelegentlich nenne ich Sie auch die „Draufspieler“.
Sie kennen diese Situation vielleicht aus der Presse, aus dem Fernsehen oder womöglich aus dem eigenen Leben. Ein Mediziner, nach den Ursachen seiner Erfolge befragt, könnte durchaus antworten: „Sehen Sie, mein Großvater war schon Arzt, mein Vater praktizierte in derselben Stadt …“. Eine Pfarrerin könnte die Frage nach den Hintergründen Ihres seelsorgerischen Engagements so beantworten: „Sehen Sie, ich entstamme einer sehr religiösen Familie …“. Und schließlich der junge Schulabgänger, befragt nach dem Warum seines Berufswunsches: „Wissen Sie, meine Mutter und deren Tante sind Krankenschwester, für mich kam nur der Beruf des Pflegers in Frage …“ Nehmen wir noch die junge Pianistin und eine ähnliche Frage, die Antwort könnte so ausfallen: „Bei uns zu Hause wurde schon immer musiziert …“ Aha, denke ich dann immer an solchen Stellen und beginne – ohne Wertungen oder gar Abwertungen treffen zu wollen – zu überlegen.
Ich sagte oben, dass die Umwelt zu einem großen Teil die Struktur des Gehirns bestimmt und das gilt besonders für die Phase seiner Entwicklung bis hin zur völligen Ausgestaltung. Zu dieser Umwelt gehören nun nicht nur sachliche Bezüge, sondern vor allen Dingen menschliche. Diese wiederum werden in ihrer Kindheit im Wesentlichen ausgestaltet von, natürlich, von Ihrer Familie.
Sie alle kennen den berühmt-berüchtigten Satz: Das hat er/sie von seiner/ihrer Mutter. Und damit will nicht das unscheinbare Leberfleckchen auf der Nase gemeint sein, dafür ist dieser Satz zu bedeutungsvoll in den Raum gestellt worden. Nein, man meint damit jene positiven, aber auch negativen (das ist von der jeweiligen Sichtweise her unterschiedlich) Fähigkeiten, Eigenschaften eines Menschen, deren Herkunft man sich so vermeintlich ganz rasch erklären kann. Sie kennen auch die Formulierung „Ganz der Papa“.
Ich denke schon, dass menschliche Anlagen und Veranlagungen, Talente, Charaktere, aber auch Wertvorstellungen, moralische Grundauffassungen, weltanschauliche Sichtweisen (religiöse wie nichtreligiöse) usw. tatsächlich von Generation zu Generation weitergegeben werden, sie werden „draufgespielt“ und das fällt offensichtlich nicht schwer. Das sich entwickelnde Gehirn ist ja permanent auf Empfang gestellt. Aber: Es empfängt unselektiert. Und hier beginnt die Angelegenheit interessant zu werden.
Es sind lediglich die Anlagen, die weitergegeben werden, es handelt sich um Möglichkeiten, von mir aus um Wesenheiten. Um bildlich zu sprechen: Es handelt sich um Baupläne, Entwürfe für ein Gerüst, nach denen sich die Entwicklung vollzieht. Was daraus wird, hängt von der Umwelt ab. Aber diese Baupläne beginnen allmählich so etwas wie ein Eigenleben in uns zu führen, um uns schließlich „zu führen“. Sie werden zu einem Gesamtarsenal von „inneren Ursachen“, von denen wir dann auch noch meinen, gegen sie nicht angehen zu können. Mir fällt an dieser Stelle immer die psychologisch gut ausgedachte Werbeformulierung eines großen schwedischen Möbelherstellers ein: Wohnen Sie noch oder leben Sie schon!? Der Hinweis auf die Umwelt ist hier dann nämlich auch nicht unbedingt hilfreich. Er verlagert quasi die Ohnmacht angesichts der eigenen „inneren Umstände“ auf äußere. Dabei würde es schon genügen, einmal über das Wort „Umwelt“ nachzudenken. Es meint doch die Welt „um mich herum“. Also meint es auch mich. Muss es ja auch. Die Welt um Sie herum ist immer Ihre Welt. Anders formuliert: Was aus meinen Bauplänen, diesen vorhandenen Entwürfen für ein Gerüst schließlich einmal wird, hängt von mir ab.
Ich will damit nicht jedem Arztsohn unterstellen, aus inneren Zwängen heraus auch wieder Mediziner geworden zu sein. Ich will auch nicht jeder Pianistin einreden nur deshalb Klavier zu spielen, weil eben zu Hause schon immer musiziert worden ist. Ich will schließlich uns allen nicht unterstellen, lediglich als Recorder für „Draufgespieltes“ zu agieren, um es anschließend wiederzugeben, Knopfdruck genügt. Ich will Sie aber regelrecht davor warnen, das „Draufgespielte“ womöglich zu unterschätzen oder gar vor ihm zu kapitulieren.
Immer dann, wenn Sie also „Draufgespieltes“ realisieren, verwirklichen Sie alles Mögliche, nur nicht sich selbst. Getragen von der Überzeugung, dass z.B. Ihre Eltern eine gute Ehe geführt haben oder führen meinen Sie womöglich, es ihnen ähnlich tun zu müssen. Ich will es Ihnen so hart als möglich sagen: Sie tun hier gar nichts, Sie lassen tun.
Um also im TUN® anzukommen, müssen Sie sich, wiederum überspitzt formuliert, eine grundlegende Frage beantworten: Wie werde ich meine Verwandtschaft los? Ich behaupte, dass das eine ungemein wichtige Frage ist. Werden Sie diese Frage nicht „tat-“sächlich beantworten, können Sie nie ein authentisches Leben führen.
Kürzlich las ich ein Interview des ZDF mit der Partnervermittlerin Elke Grasshoff. Dieses Interview hat mich sehr nachdenklich gemacht. Voranstellen will ich, dass Elke Grasshoff eine Partnervermittlung für Landwirte betreibt. Jetzt werden Sie sicherlich fragen, was heiratswillige Jungbauern mit Ihrem Leben zu tun haben. Die entsprechenden Antworten von Elke Grasshoff auf die entsprechenden Fragen des ZDF beschreiben sicherlich keine alltäglich und ständig anzutreffende Gegebenheit. Nur in Nichtalltäglichkeit verweist diese Gegebenheit doch sehr deutlich auch auf unseren Alltag. Und wenn Sie ganz genau und vielleicht auch zwischen den Zeilen lesen, erkennen Sie sich eventuell wieder. Das muss nicht die hier beschriebene Situation meinen, kann aber einen Ausschnitt aus Ihrem Leben betreffen.
ZDF: „Partneragenturen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Wie sind Sie darauf gekommen, eine Agentur speziell für Landwirte zu gründen?“
Grasshoff: „Mein starkes Interesse kommt wohl daher, dass immer der Gegenpol von dem, was man selbst lebt, faszinierend erscheint … Dazu kommt sicherlich eine gewisse Sehnsucht, denn das Land hat viel von dem, was die Stadt heute nicht mehr bieten kann …“
ZDF: „Sie haben mit „Moderne Prinzen fahren Traktor“ ein Buch über Landwirte geschrieben, die unfreiwillig zu Singles geworden sind. Ist das Buch eine Lebenshilfe für den modernen Bauern?“
Grasshoff: „Landwirte mögen mein Buch, denn es bringt neue Fragestellungen … Landwirte stellen im Allgemeinen zu wenige Fragen – insbesondere meiden sie Fragen an sich selbst … Ihre Realität sieht so aus, dass sie sich als Kind anpassen mussten und sehr abhängig von ihren Eltern groß wurden. Auch der Verzicht spielt eine große Rolle: Während andere Kinder ins Schwimmbad gingen, halfen Kinder von Landwirten auf dem Hof … Und als Erwachsene lösen sich junge Landwirte zu wenig von ihren Eltern – immerhin möchten sie ja den Hof erben …“.
ZDF: „Auf welche Probleme treffen Sie bei den hilfesuchenden Landwirten?“
Grasshoff: „Die Hauptprobleme, die mir in meiner Arbeit begegnen, sind viel zu enge Mutter-Sohn-Bindungen und/oder eine strenge und lieblose Vater-Sohn-Beziehung, die keine gelebten Gefühle erlaubt … Der Betrieb ist alles und vor allem er deckt alles ab. Was die wachsenden Gefühle des Sohnes zu einer bestimmten Frau angeht …, so werden sie als unwichtig und nebensächlich abgetan oder schlichtweg totgeschwiegen und ignoriert … Oft soll der Sohn in den Augen der Eltern die normalen Liebensbedürfnisse eines erwachsenen Mannes unterdrücken und die Eltern sehen ihn, auch wenn er längst ein Mann ist, immer noch gerne und lieber als pubertären Jungen, für den Sex und die Beziehung zu einer Frau an letzter Stelle zu stehen hat.
Diese Sichtweise ändert sich oft auch leider nicht mehr, selbst wenn die Männer schon weit über 40 Jahre sind … Sie haben nun die Wahl, sich durchzusetzen, Mut zu haben und dagegen anzugehen, oder sich kampflos dem Irrbild ihrer Eltern zu fügen und allein zu bleiben …“
Mir ging es jetzt beim Lesen diese Interviews nicht darum, dass sich womöglich die Denkweisen und Lebensansichten der Eltern dann doch noch irgendwann ändern. Werden sie nicht. Mir geht es um den Satz „kampflos dem Irrbild der Eltern zu fügen“. Das ist der interessante Part dieses Interviews. Mit 30, 40 Jahren kann es nicht mehr darum gehen, sich irgendeinem Irrbild zu fügen. Die Frage muss hier anders lauten: Welchen Bildern beuge ich mich eigentlich? Richtig, ich beuge mich meinen Bildern. Nur sind eben die Eigentumsverhältnisse nicht ganz eindeutig. Denn es sind ja gar nicht meine eigenen Bilder, es sind, um bei diesem Ausdruck zu bleiben, die „Irrbilder“ der Eltern.
• Bewusst – Moral und Dogmen/Glaubenssätze
Bevor wir über eine Brücke ins Reich des Unbewussten gehen, möchte ich mit Ihnen gemeinsam eine Reise ins Land des Bewussten unternehmen.
Das Wort „bewusst“ erlebt, diesen Eindruck habe ich, im deutschsprachigen Raum eine ungeahnte Konjunktur. Sie können bewusst bauen und bewusst abnehmen, sie können preisbewusst, umweltbewusst, modebewusst und körperbewusst sein. Sie können überhaupt bewusst leben, Sie können sich bewusst bewegen und neuerdings sogar bewusst ins Internet gehen.
Bewusst hat etwas mit Bewusstsein zu tun und schon beginnen die Schwierigkeiten. Eigentlich sind diese Schwierigkeiten so alt wie das menschliche Denken selber. Der französische Philosoph Descartes formulierte einen berühmten Satz: „Ich denke, also bin ich.“ Damit machte er seine eigene Existenz zum absolut felsenfesten Ausgangpunkt seiner Überlegungen. Aber was war er? Er konnte sich vorstellen, keinen Körper zu haben, aber nicht, nicht zu denken, und daraus schloss er, dass es seine Natur war, zu denken und Bewusstsein zu haben. Die meisten Menschen – und nicht nur Philosophen – stimmen dem Descartes darin zu, dass es das „bewusste Denken“ ist, was uns Menschen zu etwas Besonderem macht.
Wir wissen, dass wir ein bewusstes geistiges Leben führen, heißt es in „Sofies Welt“ und: „Wir denken, wir empfinden Schmerz und Freude, wir hoffen, wir lieben usw. Dadurch entsteht ein schwieriges philosophisches Problem. Denn auf der einen Seite ist nichts uns bewusster als unser bewusstes geistiges Leben. Auf der anderen Seite verstehen wir es überhaupt nicht. Wir haben keine Theorie, die erklärt, was unser geistiges Leben ist und wie es funktioniert. Wir haben nicht einmal eine gute Definition des Bewusstseins …“.
Schon die Denker aus vergangenen Zeiten wussten, dass das Bewusstsein etwas mit dem Gehirn zu tun haben muss. Aber wie kann das Gehirn etwas so Wunderbares und gleichzeitig Geheimnisvolles wie das Bewusstsein erschaffen.
Für Gen- und Gehirnforscher ist der Mensch Materie, die aufgespaltet, zergliedert und zerlegt werden kann. Neurologen dringen immer tiefer in die Regionen unseres Bewusstseins vor. So wollen französische Forscher im Jahre 2001 Hinweise gefunden haben, wie das menschliche Gehirn Bewusstsein „erzeugt“. Demnach sorgen eine fortlaufende Verstärkung des Reizes und eine Aktivierung von Regionen im vorderen Teil des Gehirns dafür, dass man ein Ereignis bewusst wahrnimmt.
Bewusstsein ist also nichts anderes als ein biochemischer und elektrischer Prozess, der spezieller Hirnregionen zuzuordnen ist?
Sind wir also nur komplexe Systeme, die analysierbaren Bau- und Schaltplänen gehorchen? Ist in dieser Welt der Neuronen und Nukleotide noch Platz für eine Psyche, für jenes „Selbst“, auf dem die Gedankengebäude der Wissenschaften, der Glauben der Religionen, die Therapien der Psychologen und die Erziehungsbemühungen unserer Eltern basieren?
Tatsache ist, dass das menschliche Bewusstsein eine Funktion des Gehirns ist, bei dem sich die Natur- und Geisteswissenschaftler schwertun, es plausibel zu erklären. Und ich denke, die Schwierigkeit liegt in der Subjektivität des Bewusstseins. Die Weltbevölkerung zählte am 06. November 20016 exakte 7.473.222.847 Menschen und somit 7.4793.222.847 „Bewusstsein(e)“. Die deutsche Sprache kennt Bewusstsein nur im Singular.
Das verführt natürlich dazu, nach dem Bewusstsein zu suchen und auf dem Weg dahin wird es selbstverständlich objektiviert. Nur – so die britische Psychologin Susan Blackmore – wenn man jemand den Schädel öffnet, dann findet man kein Bewusstsein. Man findet Gehirnzellen. Selbstverständlich sind sie „beteiligt“, wenn Sie z.B. Eis essen. Nur ist der Geschmack von Erdbeereis doch etwas anderes als nur neuronale Aktivität. Und die innere Erschütterung beim Hören von Mozarts Requiem ist nicht identisch mit den neuronalen Mustern, die parallel zum Musikhören im Gehirn ablaufen. Man sagt, ‚rot zu sehen’, wenn das Gehirn und die Netzhaut mit elektromagnetischen Wellen von der und der Länge beschossen werden. Aber wie Sie das Rot empfinden, ist mit einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung nicht beobachtbar. Klar ist, dass Bewusstsein mit physiko-chemischen Prozessen verbunden ist und ohne diese nicht „funktioniert“. Was jedoch die neuronalen Aktivitätsmuster mit dem Inneren Erleben verbindet, was sozusagen das Bewusstsein zu Selbstbewusstsein macht, ist unklar. Bewusstsein, wenn Sie wollen, Geist ist nur introspektiv (auf dem Weg der Innenschau, der psychologischen Selbsterkenntnis) erfahrbar. Das bedeutet, dass der Mensch sich neurobiologisch nicht erklären kann, was es ist, bewusst zu sein. Wir können uns erklären, welche Funktionen Bewusstsein hat. Das Gefühl, bewusst zu sein, ist – zumindest derzeit – nicht erklärbar.
Sie werden und können von mir nicht verlangen, dass ich diese „Unklarheiten“ ausräume. Ich kann Ihnen nur sagen, was Bewusstsein nicht ist: Bewusstsein ist keinesfalls Gehirn. Die Vorstellung, dass das Gehirn identisch mit unserem Bewusstsein ist oder dass es diesen hervorbringt, entspricht der Annahme, dass die Hardware die Software ist oder sie erschafft.
Ich beschränke mich daher darauf, Bewusstsein als den Eingang zu meinen eigenen Gedanken und Gefühlen zu verstehen, als die Reflexion des eigenen Ichs und damit als Selbstbewusstsein. Ich meine nicht jenes Verständnis von Selbstbewusstsein, welches sich vielerorts als Selbstsicherheit oder Selbstvertrauen outet. Selbstbewusstsein meint hier eher das Gefühl der eigenen Persönlichkeit.
Mit dem Bewusstsein ist es wie der Musik. Sie ist ein fundamentales Medium des Mentalen, aber kann Musik sagen, was sie ist? Wir können Musik ansprechen, aber nicht aussprechen und Musik wiederum kann nur sich aussprechen, aber nicht sagen, was sie ist.
Bewusstsein in diesem Verständnis ist das leise Gespräch mit sich selbst. Wenn Sie über Ihr Bewusstsein nachdenken werden Sie merken, dass ein wesentlicher Teil Ihres Bewusstseins ein leises, unhörbares Gespräch mit sich selbst ist. Es wird Ihnen nicht sagen, was es ist, aber es zeigt sich Ihnen: als Gedanke, als Gefühl, als Ahnung, als Wissen, als Glauben, es offenbart sich Ihnen auch im Kontext von Einstellungen, Werten und Glaubenssätzen.
„Der Mensch ist das, woran er glaubt …“ meinte schon der russische Dichter Anton Tschechow. Weniger prosaisch meint dieser Satz, dass Dogmen/Glaubenssätze – von denen wir übrigens fest überzeugt sind – unser Denken, Fühlen und Handeln prägen. Entscheidend dabei ist – und das steckt schon im Wort „Glauben“ –, dass es sich hierbei nur um eine mögliche Sicht der Dinge handelt und nicht um deren Wahrheit. Aus dieser Perspektive stellen sich Dogmen/Glaubenssätze als Meinungen oder Überzeugungen dar. Sie werden so intensiv verinnerlicht, dass wir sie nicht mehr reflektieren, unsere Dogmen/Glaubenssätze passieren uns, werden uns „aufgespielt“. Das geschieht irgendwann in unserer Kindheit, während der ersten sechs bis sieben Lebensjahre. Sie haben diese „Draufspieler“ schon kennen gelernt: Es sind die Erwachsenen im Allgemeinen und die Verwandtschaft im Besonderen.
Dogmen/Glaubenssätze sind also keine naturgegebenen Bewusstseinsinhalte. Und dann, ganz wichtig, ist es doch so, dass wir uns nicht ein Leben lang auf der Ebene eines Sechs- oder Siebenjährigen bewegen. Jeder von uns gewinnt seine persönliche Sichtweise. Jeder macht seine Erfahrungen. Wobei laut Aldous Huxley Erfahrung nicht nur das ist, was einem Menschen geschieht. Erfahrung ist auch das, was ein Mensch aus dem macht, was ihm geschieht.
Das bedeutet nämlich, dass wir unsere Dogmen/Glaubenssätze ändern, aufgeben, verbessern und austauschen können. Es ist gut zu wissen, dass uns Dogmen/Glaubenssätze nicht bis an Ende unserer Tage bestimmen. Sie haben felsenfest daran geglaubt, dass der Klapperstorch Ihre kleine Schwester gebracht hat. Nur gut, dass Sie diesem Glauben inzwischen abgeschworen haben, Sie hätten heute noch keine Familie. Aber seien Sie ehrlich, es gibt sicherlich eine ganze Reihe von Dogmen/Glaubenssätzen, die Sie einfach behalten und „irgendwo her“ haben: Männer können nicht treu sein, Frauen können nicht sachlich bleiben und die Anderen können Sie sowie nicht verstehen. Aber selbst für solche recht schlichten Glaubenssätze gilt: Ein Großteil unseres alltäglichen Daseins wird von ihnen beeinflusst. Darüber hinaus ist die Welt so dimensioniert, dass wir einfach gar nicht alles wissen können. Um uns dennoch in der Welt zu Recht zu finden braucht es solcher Dogmen/ Glaubenssätze.
Sie kennen es, ich kenne es, wir kennen es alle und es wiederholt sich in jedem Jahr. Genauer, zu Silvester. Wir treffen gute Vorsätze für’s neue Jahr. Skeptikern begegnen wir dann in der Regel sehr salopp mit: „Alles, was ich dazu brauche, ist eine Frage der inneren Einstellung.“
Einstellung lässt sich auch mit Haltung oder Gesinnung übersetzen. Im Talmud fand ich eine sehr schöne Darstellung zu diesem Thema.
„Vier Gesinnungen gibt es bei den Menschen: Meines ist mein und deines ist dein; eine durchschnittliche Gesinnung; meines ist dein und deines ist mein; ein Mensch aus dem gemeinen Volke; meines ist dein und deines ist dein; ein Frommer; meines ist mein und deines ist mein; ein Bösewicht.“ Und um Ihnen den Zugang zu meinen weiteren Überlegungen zu erleichtern, ein weiterer Gedanke:
„Eine edle Gesinnung steht allen offen.“ (Lucius Annaeus Seneca; ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr., Politiker, Philosoph und Schriftsteller)
Wir sprechen heute von einer Einstellung zum Leben, zu Kindern, zur Politik, zur Sexualität, zum Hirntotkonzept.
Zunächst haben Dogmen/Glaubenssätze und Einstellungen eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Sie sind nicht naturgegeben, sie wurden uns von unseren Vorfahren und werden uns von der Gesellschaft „übertragen“. Und wir brauchen sie, um uns in dieser Gesellschaft zu Recht zu finden. Und schließlich haben wir die Möglichkeit, unsere Einstellungen zu ändern. Sicherlich hatte Seneca Recht, wenn er meinte, dass eine „edle Gesinnung“ allen offensteht. Aber es steht zu vermuten, dass er diese Option auch für eine „niedrige Gesinnung“ offengehalten hat.
Für diese Entscheidung machen wir zu Recht unsere Werte verantwortlich. Werte bestimmen also über Einstellungen unser Dasein. Es sind unsere Werte, die den bewussten Teil unseres Verhaltens und
Handelns bestimmen. Und es ist wichtig zu wissen, dass wir prinzipiell frei sind, unsere Werte zu definieren. Das geschieht im Kontext des Nachdenkens über Werte. Hier will einschränkend vermerkt sein, dass uns dieses Nachdenken erst dann möglich ist, wenn wir ein gewisses Alter erreicht haben. Aber dazu später.
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