Kitabı oku: «Basketball: Die größten Legenden»
Für Henri
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SEBASTIAN FINIS

DIE GRÖSSTEN LEGENDEN 
Porträts, Geschichten und Skandale in der NBA

Basketball – Die größten Legenden
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© 2021 by Meyer & Meyer Verlag, Aachen
Auckland, Beirut, Dubai, Hägendorf, Hongkong, Indianapolis, Kairo, Kapstadt, Manila, Maidenhead, Neu-Delhi, Singapur, Sydney, Teheran, Wien
Member of the World Sport Publishers’ Association (WSPA)
Druck: CPI - Clausen & Bosse, Leck
ISBN 978-3-8403-7740-2
eISBN 978-3-8403-3755-0
E-Mail: verlag@m-m-sports.com
www.dersportverlag.de
INHALT
Einleitung
1 Stephen Curry: Der milchgesichtige Attentäter
2 LeBron James: Größer als Basketball
3 Dirk Nowitzki: Schützen-Revolutionär als Riese
4 Kobe Bryant: Die schwarze Mamba
5 Steve Nash: Nichts ist unmöglich
6 Allen Iverson: Die Antwort ist Kampf
7 Kevin Garnett: Das große Ticket
8 Shaquille O’Neal: Eine Liga für sich
9 Dennis Rodman: Vom Obdachlosen in die Hall of Fame
10 Michael Jordan: Es kann nur einen geben
11 Charles Barkley: Das Schwergewicht mit Flummisohlen
12 Hakeem Olajuwon: „The Dream“
13 Earvin „Magic“ Johnson: Einstein in kurzen Hosen und Sneakers
14 Larry Bird: Der Hinterwäldler aus French Lick
Anhang
1 Literaturverzeichnis
2 Bildnachweis

EINLEITUNG
Ein Buch über NBA-Legenden zu schreiben, gleicht einem Sonntagsbrunch mit All-you-can-eat-Buffet im Riz Carlton. Es beginnt mit großem Hunger, danach loderndem Feuer und schließlich „Ich habe Bock auf das Buchprojekt!“.
Dann hast du die Qual der Wahl. Du stehst vor dem Buffet und weißt nicht, welchen Leckerbissen du zuerst probieren sollst. Erst der Couscous-Quinoa-Salat mit Roter Beete oder gleich die warmen Schoko-Brownies mit Vanilleeis? Über wen zuerst schreiben? Körperfreak LeBron oder Moppel Charles Barkley? Und was überhaupt auf den Teller schaufeln? Auch „böses“, frittiertes Essen, die Pommes, Kroketten und Schnitzel? Auch Isiah Thomas, Bill Laimbeer und Dennis Rodman porträtieren?
Nach anderthalb Stunden und fünf Gängen zum Buffet bist du schließlich so vollgefressen wie ein Löwe nach einem Gnu. Du würdest gerne noch mehr Köstlichkeiten probieren, aber es ist einfach kein Platz mehr im Bauch. Du hast schon so viele Legenden in Stein gehauen, dass die vom Verlag vorgegebenen 300 Buchseiten erreicht sind. Was nun? Das Manuskript kürzen? Kapitel von bereits porträtierten Spielern streichen, um eine weitere Legende ins Buch aufnehmen zu können? Auch Spieler unterbringen, die noch aktiv sind, wie Curry und James?
Diesen und noch viel mehr Herausforderungen habe ich mich bei diesem Buchprojekt gestellt. Herausgekommen ist eine (lies: meine) Liste mit 14 NBA-Legenden, von denen zum Zeitpunkt des Schreibens nur zehn in der Hall of Fame sind. Wieso habe ich mich ausgerechnet für diese entschieden, obwohl doch bereits mehr als 200 Spieler in der Ruhmeshalle der NBA verewigt sind?
Meine Liste ist subjektiv, sympathiegetrieben und orientiert sich nicht daran, wie viele NBA-Titel oder individuelle Auszeichnungen und Rekorde ein Spieler erreicht hat. Bei der Auswahl war mir wichtig, nur die Spieler zu porträtieren, die ich selbst noch in ihrer aktiven Karriere spielen gesehen habe, um nicht alte Storys zu kopieren, sondern Geschichten zu erzählen, Momente zu schildern, die ich mit eigenem Auge gesehen habe als sie passiert sind.
Im Zuge des Dream Teams 1992 begann ich als Zwölfjähriger damit, intensiv die NBA zu verfolgen. Somit fehlen in meinem Buch herausragende Legenden, wie Wilt Chamberlain, Kareem Abdul-Jabbar, Bill Russell und viele andere, da sie ihre Sneakers bereits an den Nagel gehängt haben, als ich noch in die Windel gemacht oder noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatte.
Ich erlebte stattdessen die Hochphasen von Michael Jordan und Charles Barkley bis hin zu LeBron und Steph. Dazwischen tummelten sich eine Menge interessanter Charaktere, über die es spannende Anekdoten zu berichten gibt, wie von Rodman, Shaq, Garnett, Iverson, Nash, Kobe und Dirk. Selbst Magic und Bird, die die Ära vor Jordan prägten, habe ich noch live spielen sehen.
Große Abstriche musste ich bei meiner Auswahl aber natürlich schon machen. Meine damaligen Lieblinge Shawn Kemp und Reggie Miller, von denen ich so ziemlich jede Sammelkarte von Upper Deck bis Fleer Ultra besitze, habe ich ebenso wenig ins Buch aufgenommen, wie mein späteres Idol Vince Carter, der in vier Dekaden in der NBA aktiv war. Auch wirst du dich vielleicht fragen, warum Pippen, Duncan oder Yao Ming fehlen. Gerne hätte ich auch all die mit ins Buch genommen. Aber die Seitenzahl ist eben begrenzt.
Hier ist nun meine subjektive Liste mit den im Buch porträtierten NBA-Legenden. Die Reihenfolge habe ich asynchron nach deren Eintritt in die NBA sortiert:
1.Stephen Curry (2009)
2.LeBron James (2003)
3.Dirk Nowitzki (1998)
4.Kobe Bryant (1996)
5.Steve Nash (1996)
6.Allen Iverson (1996)
7.Kevin Garnett (1995)
8.Shaquille O’Neal (1992)
9.Dennis Rodman (1986)
10. Michael Jordan (1984)
11. Charles Barkley (1984)
12. Hakeem Olajuwon (1984)
13. Magic Johnson (1979)
14. Larry Bird (1979)
Ich habe das Buch während der Saison 2019/20 geschrieben, der mit 355 Tagen längsten und denkwürdigsten in der Geschichte der NBA. Viele Anhänger reden auch von einem „Scheißjahr“. Es begann mit Kobes Tod am 26. Januar, gefolgt von der pandemiebedingten Unterbrechung der NBA-Saison am 11. März für viereinhalb Monate. Weiter ging es mit dem zu Tode geknieten George Floyd am 25. Mai, im Zuge dessen die gesamte NBA auf soziale Gerechtigkeit aufmerksam machte.
Am 30. Juli wurde der Spielbetrieb in der „Disney Bubble“ von Orlando fortgesetzt, mit 22 Mannschaften, die in einer Halle ohne Zuschauer, unter einer gewöhnungsbedürftigen Atmosphäre für die Spieler und Fans am Bildschirm zuhause, den Meister ausspielen. Die NBA-Bubble wird als Plattform für die „Black Lives Matter“-Bewegung genutzt – von Namen auf den Spielertrikots, die durch Botschaften ersetzt werden, bis hin zu den Stars als Lautsprecher über die Medien.
Einen Monat später streiken die Spieler, nachdem mit Jacob Blake ein weiterer Schwarzer von Polizisten erschossen wurde. Bittersüß endet die Saison am 11. Oktober mit einer Meisterfeier der Los Angeles Lakers – ohne großen Jubel und Trubel. Neben Tragödien, Pandemie und Aktivismus ist nun diese Unterhaltungslektüre entstanden. Möge sie dich in einer schwierigen Phase deines Lebens motivieren und stärken. „Always turn a negative situation into a positive situation.“ (Michael Jordan)

Berlin, 29. Oktober 2020
Legende für die Spielerstatistiken (Prime-Stats*):
PPS = Punkte pro Spiel
RPS = Rebounds pro Spiel
APS = Assists pro Spiel
BPS = Blocks pro Spiel
SPS = Steals pro Spiel
FW% = Feldwurfquote
3P% = Dreipunktequote
*der erfolgreichste Karriereabschnitt bzgl. der Individualstatistiken
1 
STEPHEN CURRY: DER MILCHGESICHTIGE ATTENTÄTER

„Erfolg ist kein Unfall, Erfolg ist eine Entscheidung. Er entsteht aus Glauben, unerschütterlicher Leidenschaft und unermüdlichem Antrieb.“
| Jahre: | seit 2009 |
| Position: | Point Guard |
| Größe: | 1,91 m |
| Team: | Golden State Warriors |
| Meisterschaften: | 3 (2015, 2017-18) |
| MVP-Titel: | 2 (2015-16) |
| Trikotnummer: | 30 |
| Spitzname: | Steph, Chef Curry, Baby-faced assassin |
| Allstar-Spiele: | 6+ |
| Hall of Fame: | noch nicht |
| Prime-Stats: | 27,3 PPS, 5,1 RPS, 6,2 APS, 43,3 3P% (2016-19) |
Madison Square Garden, New York, 27. Februar 2013. Der 24-jährige Stephen Curry dribbelt schnell wie eine Gazelle auf Speed an seinem Gegenspieler Raymond Felton vorbei – Crossover durch die Beine, Handwechsel, Dribbling hinterm Rücken und Boom – an der Dreierlinie drückt Curry kalt wie ein Sniper ab, gegen zwei Mann, vier Hände von Felton und dem zur Hilfe eilenden Tyson Chandler im Gesicht. Butterweich fällt der Ball durch den Ring, nichts als Netz. Seine Bewunderer taufen ihn „Baby-faced assassin“, den milchgesichtigen Attentäter. Kann es ein Zufall sein, dass „How to Get Away with Murder“ zu seiner Lieblingsserie werden würde?
Am Ende des Abends hat Curry elf von dreizehn Dreier gegen die New York Knicks versenkt, 85 Prozent Trefferquote von Downtown – Rekord im Madison Square Garden. Die Statistiken des Scharfschützen: 54 Punkte, 7 Assists, 6 Rebounds, 3 Steals. Kein anderer Spieler vor ihm hat jemals mehr als 50 Punkte erzielt, indem er mehr als zehn Dreier getroffen hat. Das Spiel gegen die Knicks macht den in seinem vierten NBA-Jahr spielenden Curry zu einer weltweiten Berühmtheit. Gleichzeitig leitet er den Beginn der Drei-Punkte-Ära in der NBA ein. Sie wird als „Der Steph-Effekt“ und als „Drei-Punkte-Revolution“ bezeichnet.
Stephen Curry ist für viele der größte Shooter der NBA-Geschichte! Ihm wird zugeschrieben, dass er das Basketballspiel revolutioniert hat, indem er Mannschaften auf der ganzen Welt, von der Schule bis in die NBA, inspiriert, den Dreipunktewurf regelmäßig als Waffe zu nutzen. Curry ist der Michael Jordan der Drei-Punkte-Ära. Für den Distanzwurf zeigt Curry das, was Air Jordan für den Slam Dunk geleistet hat.
Bevor Curry angefangen hat, die Lichter der NBA-Arenen auszuschießen und reihenweise Kinnladen herunterklappen zu lassen, war der Wurf hinter der 7,24 Meter entfernten Dreipunktelinie eher eine gelegentliche, besondere Art und Weise zu punkten. Natürlich hat es „Catch & Shoot“-Spieler gegeben, aber Currys Erfolg hat die Liga elektrisiert, das physische Spiel unter dem Korb aufzugeben und stattdessen das temporeiche, Räume schaffende Spiel und den „Dreier-Style“ anzunehmen.
Seit Curry lassen immer mehr NBA-Teams den Dreier als beliebte Option in ihr Angriffskonzept einfließen oder kopieren die Spielweise der Golden State Warriors. Junge Spieler eifern Curry nach, imitieren dessen Wurfreichweite. Über die Jahre hat das zu immer mehr guten Distanzschützen in der NBA geführt, während das Oldschool-Spiel in der Zone verdrängt worden ist. Allerdings hat Curry unrealistische Standards gesetzt: Denn seine Reichweite ist einzigartig!
Curry nimmt regelmäßig Würfe aus neun bis elf Metern Entfernung zum Korb und steht damit mehr als zwei bis vier Meter hinter der Dreipunktelinie. Das ist etwa so als würde man eine 1-Euro-Münze in einen Eierbecher in zwei Meter Entfernung schnipsen. Von hundert Versuchen trifft Curry 54-mal ins Loch, der Rest der Liga nur 22-mal.
Aber Curry wirft nicht einfach nur, er zaubert, er tanzt. Er macht Würfe mit elitärem Ballhandling aus dem Dribbling heraus und oft mit einem extrem schnellen Release, von überall auf dem Feld, mit einem oder mehreren Verteidigern gegen ihn.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Highschool-Coaches sich in einer Position befinden, in der sie einige Jungs auf dem Boden halten und sichergehen müssen, dass sie verstehen, am Wurf zu arbeiten. Das braucht Zeit“, erklärt Curry, der als Youngster seinen Stil nach Point Guard Steve Nash und Scharfschütze Reggie Miller modelliert hat. „Am College habe ich keine wilden Würfe genommen. Ich musste mich hocharbeiten, mich als Spieler entwickeln und beweisen, dass ich konstant aus großer Entfernung treffen kann. Und ich brauchte die Zustimmung des Trainers. Andererseits hätte ich auf der Bank gesessen.“
Während viele Kids nach Currys Fertigkeitsniveau streben, müssen Trainer bei ihren Talenten klarstellen, dass Currys Spiel auf den „Fundamentals“, also den Grundlagen, aufgebaut ist. Zudem ist Ballbewegung [lies: passen, passen, passen] der Schlüssel zum Teamerfolg, mit dem die Golden State Warriors mit „Chef Curry“ als Anführer zwischen 2015 und 2019 mit ihren fünf Finalteilnahmen in Folge den Goldstandard gesetzt haben.
Stephen Curry ist nicht nur der beste Dreipunkteschütze aller Zeiten, er ist der beste „tiefe“ Dreipunkteschütze aller Zeiten. Er bewegt sich hinter der Dreierlinie in einem immer wachsenden Bogen, versenkt Langdistanzwürfe so sauber, dass das Netz wegschnappt wie frische Wäsche durch eine Brise. Ein Highlight ist die schiere Absurdität seiner Würfe und die Quote, mit der er die am weitesten entfernten von ihnen trifft.
„Stephens Hand-Augen-Koordination ist so gut, wie ich sie noch bei niemandem zuvor gesehen habe“, sagt sein Trainer bei den Warriors, Steve Kerr, der als Spieler selbst ein hervorragender Dreipunkteschütze zu Zeiten Michael Jordans bei den Chicago Bulls war.
Curry hat gewaltige Kraft in seinen Handgelenken, um seine perfekte Wurfform beizubehalten, wenn er aus zwölf bis fünfzehn Metern abdrückt. In der Geschichte der NBA hat kein Spieler Reichweite, Vielzahl und Effizienz von der Dreipunktelinie so gut kombiniert wie Curry. Sein Schuss ist so tödlich, dass er zum effizientesten Scorer des Planeten wurde. Seine Reichweite und Effizienz hat den Spieleentwicklern von „NBA 2K“ Kopfzerbrechen verursacht, da Currys Fähigkeiten nicht auf dem Bildschirm repliziert werden können. Obwohl Curry zum Zeitpunkt des Schreibens noch als Spieler aktiv ist, ist er bereits jetzt einer der Größten aller Zeiten.
WIE ES DAZU KAM
Stephen Currys familiärer Hintergrund ebnet seine Heldentaten der Gegenwart. Sein Vater Dell ist selbst eine Legende in der NBA. In seinen 16 Profijahren, von denen er zehn bei den Charlotte Hornets verbrachte, nennt Stephens Dad immerhin den Titel „Bester sechster Mann der Liga 1994“ als größten individuellen Triumph sein Eigen und war wie der Sohn Dreipunkte-Spezialist.
Als Stephen Curry am 14. März 1988 geboren wird, spielt Vater Dell als 23-Jähriger eine Saison bei den Cleveland Cavaliers, sodass Stephen in Akron, Ohio, zur Welt kommt – übrigens im gleichen Krankenhaus wie LeBron James, der zu seinem größten Konkurrenten in den NBA-Finals werden würde. Nach nur einer Saison in Cleveland wird Curry Senior zu den Charlotte Hornets getradet, sodass Sprössling Steph in North Carolinas größten Stadt seine Kindheit verbringt.
Während heute Curry-Highlights die YouTube-Szene bestimmen, ist der Mini-Curry bereits in den 1990ern im Fernsehen zu sehen, in einer Burger-King-Werbung mit seinem Vater. In dem Werbespot fragt Stephen seinen Dad, was es braucht, um „solch ein großartiger NBA-Spieler wie du zu werden?“.
„Du musst es wirklich wollen, du musst es schmecken, du musst es riechen und du musst wirklich hungrig danach sein!“, antwortet sein Dad, worauf der kleine Stephen sagt: „Ich bin wirklich hungrig. Können wir zu Burger King gehen?“
Damals ist die NBA-Karriere von Stephen Curry noch eine Utopie. 20 Jahre später würde er seinen Vater nach nur wenigen Jahren in der NBA in allen statistischen Kategorien überholt haben – mit der Trikotnummer 30 wohlgemerkt, um seinen Dad zu ehren. Wenn man ehrlich ist, hätte Curry keinen Finger krumm machen müssen, hat er doch schon als Kind für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Dennoch lodert von Beginn an Feuer im Körper des Millionärssohns.
Seit Steph fünf Jahre alt ist, spielt er Basketball. Oft nimmt Vater Dell seine Söhne, Stephen und dessen zwei Jahre jüngeren Bruder Seth (er hat es ebenfalls in die NBA geschafft!), mit zu seinen Spielen, wo die Kids beim lockeren Einwerfen der Profis mit auf die Körbe ballern. Während ihr Wurf anfangs einer Kugelstoßbewegung ähnelt, lernt der Curry-Nachwuchs schnell das harmonische Zusammenspiel des gesamten Körpers vom Fuß bis zu den Fingerspitzen, welches beim Wurf entscheidend ist, zu verbessern. Vorbilder rennen schließlich genug über das Parkett, wie zum Beispiel Tyrone „Muggsy“ Bogues, der neun Jahre mit Dell bei den Hornets spielt. Der mit 1,60 Meter kleinste NBA-Spieler aller Zeiten wird zu Stephens Lieblingsspieler.
„Mein Vater spielte zwar zu dieser Zeit in der NBA, aber die besten Basketballspiele, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnere, waren die zwischen meinem kleinen Bruder Seth und mir auf unserem Hinterhof-Basketballplatz in Charlotte“, berichtet Stephen Curry. „Wir spielten stundenlang, oft bis weit in den Abend hinein mit einer hellen Lampe, die auf den Platz leuchtete, bis unsere Mutter aus dem Fenster schrie, damit wir hereinkommen. Diese Spiele würden ziemlich hitzig werden, aber das war die Norm für Brüder, die so nah wie wir waren.“ 2019 würden Steph und Seth zum ersten Brüderpaar in der NBA-Historie werden, welches in den „Conference Finals“ gegeneinander antritt: Steph mit Golden State und Seth mit den Portland Trail Blazers – für beide geht damit ein Traum in Erfüllung, auch für ihre Eltern Sonya und Dell, die jedes Spiel der beiden von der Tribüne mitverfolgen. Stephen gewinnt das Bruderduell mit einer überragenden Leistung (36,5 Punkte, 8,3 Rebounds, 7,3 Assists) und die Warriors die Serie 4-0. „Das war die coolste Erfahrung, die ich je gegen ihn hatte und das auf solch einer großen Bühne“, strahlt Steph nach Spiel zwei und lobt seinen jüngeren Bruder. „Er war großartig heute. Jede Minute, die er gespielt hat, war er in der Verteidigung eine Pest, hat drei wichtige Würfe im vierten Viertel getroffen, genau zur richtigen Zeit. Für unsere Eltern ist die gesamte Serie die Hölle, weil sie uns beide den Erfolg wünschen. Aber heute hat es perfekt funktioniert: Seth hat gut gespielt und wir haben gewonnen.“
Die ganze Familie Curry ist sich sehr nah, auch in der Schule. Mutter Sonya, die nebenbei bemerkt eine herausragende Volleyballerin am College war, gründet 1995 eine christliche Montessori-Schule in Huntersville, North Carolina, als Stephen in die erste Klasse kommt. Alle drei Curry-Kinder, neben Steph und Seth auch Tochter Sydel, würden diese Schule besuchen. „Unsere Mutter war Schulleiterin, unsere Tante war unsere Lehrerin und unsere Großmutter war die Köchin“, erzählt Steph. „Mein Bruder, meine Schwester und ich waren gesegnet, so große Einflüsse in unserem Leben zu haben und ich kann ehrlich sagen, dass meine Mutter und mein Vater die Besten waren.“ Die Kinder werden christlich erzogen, besuchen jeden Mittwoch den Jugendbibelunterricht und gehen sonntags in die Kirche zum Gottesdienst.