Kitabı oku: «Das Anbetungs-ABC für die Familie»

Sergey Sologub
DAS ANBETUNGS-ABC für die FAMILIE
55 Vorschläge für Familienandachten über Eigenschaften Gottes
Web: de.worshipalphabet.com
1. Auflage 2020
© Sergey Sologub
© Lichtzeichen Verlag GmbH, Lage
Titel der Originalausgabe: „Азбука поклонения в семье“, © 2017 by Sergey Sologub
Übersetzung: Rudolf Thiessen
E-Book-Erstellung: CPI books GmbH, Leck
ISBN: 978-3-86954-813-5
Gewidmet
… allen Vätern –
damit wir Gott in unseren Familien treu
und ehrfürchtig groß machen
… meiner Frau –
damit sie in ihrem Herzen mehr
zu Gott hin wächst
… unseren Kindern –
damit sie ernsthaft über Gott nachdenken
Lassen Sie uns das große Ganze sehen:
Mein Herz schlägt voller Dankbarkeit gegenüber:
- Jesus Christus dafür, dass er mich gerettet und in die Familie seines Vaters aufgenommen hat, den ich immer wieder neu bewundere.
- meiner Frau, Tanja, für ihre Liebe, Geduld und tägliche Unterstützung im Gebet; meinen Kindern Anna, Vladislav und Jegor für ihre Ermutigung im Familiengottesdienst und dafür, dass sie all meine kreativen Experimente ertragen haben; meine Mutter und Schwiegermutter für ihre anhaltenden Gebete.
- Pastor Gerhard Jan Rötting aus Deutschland für sein persönliches Vorbild und seine Hingabe beim Schreiben dieses Buches. Er war mein erster Mentor, der die Bedeutung des Schreibens in mein Herz legte, als ich noch jung war. Ich bin der Leitung des Christlichen Lebenszentrums der Ukraine dankbar für die Zeit und die Bedingungen für das Schreiben dieses Buches.
- Michael Cherenkoff und das Team der Mission Eurasia. Sie sahen in dem Manuskript etwas Besonderes und veröffentlichten die erste Version dieses Buches in der Ukraine. Sie haben mir geholfen, den Wert dieses Buches für Familien zu verstehen.
- unseren engen Partnern Jeremy und Cheryl Harbinson aus Nordirland - für ihre Unterstützung in mir als Autor und für die finanzielle Unterstützung, um die erste Auflage dieses Buches zu drucken.
- Pastor Dr. Johannes Schröder für sein offenes Herz und seinen Wunsch, dass dieses Buch veröffentlicht wird; Rudolf Thiessen für die gute Übersetzung ins Deutsche; Michael Bähr und Lichtzeichen Verlag GmbH für die Herausgabe dieses Buches.
Vielen Dank für Eure Unterstützung! Ohne Euch hätte dieses Buch viele Familien in Deutschland nicht erreicht!
Leser-Rezensionen
Es ist selten, wenn du ein Buch in der Hand hältst, das dich sofort begeistert und inspiriert. Ein inspirierendes Buch legst du nur ungern aus der Hand, weil du beim Lesen spürst: Dieses Buch bringt dir fürs ganze Leben eine umfassende und gute Kurs-Veränderung.
Hier ist solch ein Buch. Sergey Sologub hat es für solche Menschen geschrieben, die den Mut haben, solche Kurs-Veränderung zu wagen.
Kurzum: Du hast jetzt ein schriftliches Juwel in Händen.
Von Herzen wünsche ich dir durch dieses Buch einen Durchblick für deine zukünftige Lebensgestaltung.
Viel Spass beim Lesen des Textes - und eine bleibende Freude fürs ganze Leben!
Professor Pastor D. Dr. Gerhard Jan Rötting, MISSION OST-WEST e.V.
www.gerhard-roetting.de
Die Idee eines solchen Familienandachtsbuches im deutschen Sprachraum gefiel mir auf Anhieb sehr, als der Verlag „Lichtzeichen“ mich zu einer deutschen Übersetzung angefragt hatte. Als unsere eigenen Kinder noch klein waren, gab es auch gute „klassische“ Andachtsbücher für Kinder, doch die einfachen und gut strukturierten Vorschläge von Sergey Sologub fand ich sehr praktisch und im Alltag gut umsetzbar und stimmte der Übersetzung des Buches zu. Meine Begeisterung wurde jedoch etwas gedämpft, als ich an die Arbeit ging und feststellte, dass die Eigenschaften Gottes aufgrund der sprachlichen Unterschiede zwischen Russisch und Deutsch in der deutschen Sprache nie so ein ABC ergeben würden, wie das Original es tut. Es mag deswegen bei einigen Bezeichnungen der Eigenschaften Gottes etwas „holprig“ und ungewohnt klingen. Ich wünsche den Familien mit diesem Buch ein geistliches Wachstum, denn zum Einen ist Gott groß und jeder erdenklichen Anbetung wert und zum Anderen sind wir – die Menschen – zur Anbetung Gottes geschaffen worden.
Rudolf Thiessen,
Übersetzer, Pastor der Christlichen Gemeinde Michelstadt
Die Eltern bemühen sich heutzutage um eine vielseitige Entwicklung ihrer Kinder. Es fängt mit Förderprogrammen an, denen Sport, Fremdsprachen, Musik- und Kunst-Unterricht folgen. Zu den vielen Erfahrungen, die das Kind „live“ von seinen Eltern übernimmt, ist wohl auch die Anbetungshaltung seiner Eltern Gott gegenüber. Die Bibel hebt die Hauptrolle der Väter und der Mütter im Vorbild ihrer täglichen Gottesbegegnung deutlich hervor. Das Buch des Pastors Sergey Sologub ist im gewissen Maße ein „Lehrbuch“ für den Start und die Entwicklung der Familien-Andachten. Bestechend dabei ist die praktische Erfahrung des Pastors und seine Hingabe zu Gott. „Das Anbetungs-ABC für Familien“ wird für die ganze Familie zu einer schönen und spannenden Entdeckung des herrlichen Retter-Gottes. Ich bin sicher, dass unser Herr Jesus auch heute seine Freude daran hat, wenn nach den vielfältigen Alltagsaktivitäten die Familie zusammenkommt, um sich über Gott und seinen Charakter Gedanken zu machen. Kein Anderer kann einem Kind dessen Gottvertrauen so natürlich und sichtbar vorleben, wie seine vertraute Umgebung der Familienangehörigen es tut.
Mykola Romanjuk,
leitender Pastor der Bibel-Gemeinde in Irpin
Das Buch „Das Anbetungs-ABC für Familien“ von Sergey Sologub ist eine echte Fundgrube für Eltern, die ihre Kinder lieben und die Wichtigkeit der gemeinsamen Anbetung Gottes in der Familie begriffen haben. Danke, Sergey, dass du unsere Aufmerksamkeit auf diesen wichtigen Aspekt des Lebens gelenkt hast! Es sind wenige, die darüber schreiben und es sind Einzelne, die dazu ganz praktische Hilfen aus ihrer Erfahrung anbieten. Die Gedanken und Ratschläge des „Anbetungs-ABC“ ruhen auf einer gründlichen biblischen Theologie und sind großzügig mit Beispielen und Bildern aus dem realen Leben versehen, was das Lesen des Buches anregend und spannend macht. Ich wünsche, dass das Buch bei all den Eltern und Großeltern einen gebührenden Platz findet, die bereit sind, echtes Vertrauen an den lebendigen Gott und die Anbetung desselben an ihre Nachkommen weiterzugeben.
Konstantin Gontscharow,
Gründer der Bibel-Gemeinde in Irpin, z.Zt. – Missionar in Süd-Florida
Jeder von uns erinnert sich gerne an die Zeit seiner Kindheit, die er mit seinen Eltern verbracht hat. Das sind die Momente, als unser Vater mit uns einen Pfeil und Bogen gebastelt hat, uns Ski-Laufen beigebracht oder einfach etwas vorgelesen hat. Die Kostbarkeit dieser Momente beinhaltet nicht nur das, was wir fürs praktische Leben gelernt haben, sondern auch die Nähe unserer Eltern. „Das Anbetungs-ABC für Familien“ von Sergey Sologub hat Potenzial zum Werkzeug, das solche Momente erzeugt, die unsere Kinder nicht missen oder vergessen werden. Das Potenzial besteht darin, dass das Buch Momente der Andachtspraxis und der Anbetung als ganze Familie schafft, durch welche wir unsere Werte und unser Gottvertrauen an die nächste Generation herantragen können. Der Wert des ersten Teils besteht darin, dass dieser es erlaubt, über die Anbetung nachzudenken und diese zu leben, ohne es zu einem religiösen Akt zu machen. Der Autor ist immer wieder darum bemüht zu unterstreichen, dass die Anbetung die Herzenshaltung Gott gegenüber widerspiegelt. Und gerade diese Haltung geben wir in unserem Familienkontext an unsere Kinder weiter. Der zweite Teil ist ein Vorschlag zur Gestaltung der Anbetung rund um die Eigenschaften Gottes. Im Großen Ganzen dient das Buch als „Navigationssystem“ zur Entwicklung eigener Herangehensweisen. Nicht ein durchgelesenes Buch wird zum Triumph des Autors, sondern die Augenblicke, die ihr als Eltern mit euren Kindern gemeinsam in Anbetung Gottes verbracht habt. Das bleibt euren Kindern für immer!
Jaroslaw Pysh, Dr. theol.,
Rektor des Ukrainischen Baptisten-Theologie-Seminars in Lwow
Unsere Familie ist sowohl unsere erste Hausgemeinde als auch die theologische Ausbildungsstätte. Wenn wir unseren Kindern beibringen in einer richtigen Weise über Gott zu denken, ihn zu erkennen, wird ihr ganzes Leben mit der Gegenwart Gottes erfüllt werden. „Das Anbetungs-ABC für Familien“ soll euch Eltern zusammen mit euren Kindern helfen, Gott zu erkennen, über ihn nachzusinnen, über ihn zu reden und ihn anzubeten. Es ist einen Versuch wert – die Verhältnisse in eurer Familie werden sich verändern. Ich kann es nur empfehlen!
Alexander Sawitsch,
Pastor, Lehrer des Ukrainischen Baptisten-Theologie-Seminars
Das Buch ist ein echter Schatz für Gottessucher. Es beinhaltet sehr viele logische und wissenswerte Anschauungsbilder und liest sich leicht und spannend. Vorausschauende Eltern, die vorhaben, ihre Kinder zu Christen zu erziehen, bekommen hier sehr viele praktische Ratschläge. Während ich „Das Anbetungs-ABC für Familien“ gelesen habe, wurde mir die unglaubliche Größe unseres Gottes neu wichtig!
Wladimir Omeltschuk,
Pastor der Gemeinde “Tempel des Friedens“ in Kiew
Theologie am Küchentisch
Im Sommer 2016 bot sich uns eine unglaubliche Möglichkeit, an der georgischen Küste Urlaub zu machen. Es war den zwei Familien (vier Erwachsene und vier Kinder) keine große Herausforderung, die gemeinsame Zeit zu organisieren. Gemeinsam fassten wir den Entschluss, die Zeit nicht nur mit Sonnen und Baden zu verbringen, sondern auch am Nachmittag eine Stunde im Austausch über die Bibel und das Gebet zuzubringen. Wir bezeichneten es in unserem Tagesablauf als „Familienandacht“.
„Liebe Freunde, ich glaube, dass Gott uns in den nächsten Wochen etwas Besonderes vorbereitet hat”, leitete ich ein. „Jeden Tag werden wir uns nicht nur ausruhen, sondern unsere Nachmittagszeit mit einigen interessanten Dingen während der ‘Familienandacht’ beschäftigen. Seid ihr damit einverstanden?“
Sowohl die Eltern als auch die Kinder nickten zustimmend.
„Wir versuchen, gemeinsam Gott besser kennen zu lernen und dabei soll uns … das Alphabet helfen. Heute ist der erste Tag und das heißt, dass der Buchstabe ‘A’ dran wäre. Welche Eigenschaften Gottes, die mit ‘A’ beginnen, kennt ihr?“
Sicher habe ich nicht mit einem Ansturm von Vorschlägen gerechnet, da ich selbst weiß, dass es (im Russischen, - Anm.d.Übers.) relativ wenige Eigenschaftsbegriffe mit „A“ gibt. Mit der Frage hatte ich versucht, die Gemeinschaft in eine bestimmte Richtung zu lenken. Aber nach dem intensiven Baden und einem nahrhaften Mittagessen wollten die Gedanken nur in Richtung Mittagsschlaf hinaus.
„Autor“ - meinte jemand von den Erwachsenen.
„Danke! Ja, es ist wirklich so, dass Gott der Autor der ganzen Schöpfung ist! Mit welchen Begriffen, die mit ‘A’ beginnen, könnten wir Gott noch bezeichnen?“
„Aaa…iner“, kam aus dem Mund unseres fünfjährigen Sohnes.
„Auch wenn es mit ‘E’ beginnt, hast du Recht. Unser Gott ist ‘Einer’ – es gibt keine anderen neben ihm“, - wir alle mussten ihm dabei zustimmen.
Die Erwachsenen verkniffen sich ein Lächeln. Es entstand eine Pause, weil es viel zu wenige Adjektive mit „A“ gibt, so fuhr ich mit einer weiteren Frage fort:
„Ratet mal, wie man hier in Georgien seine Väter ruft?“
„Hier nennt man seinen Papa „Mama“. Das hat mir Tante Shushuna gesagt“, warf die Tochter ein.
„Das ist wahr! In Georgien nennt man den Vater tatsächlich ‘Mama’. Und wie nennt man die Väter außerhalb von Georgien? Zum Beispiel unweit von hier, in der Türkei? Weiß es jemand?“
Das Interesse war geweckt, jeder hätte gerne die Antwort gewusst.
„Wisst ihr, wie? … Sie sagen zu ihrem Vater ‘Baba’ (Russisch: „Weib“, - Anm. d. Übers.)!
Alle lachten auf. Es wurde Zeit, dass ich das Thema nun aktiv aufgriff.
„Wisst ihr eigentlich, wie Jesus Christus seinen Vater gerufen hat? Wie es in seiner Sprache geklungen hat? … Er hat ihn Abba gerufen, so klingt Vater nämlich in Alt-Aramäisch! Also: Abba – das ist die gesuchte Eigenschaft Gottes, über die wir uns heute unterhalten werden.” Danach las ich den Text aus dem Römerbrief vor:
„Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Römer 8,15, Schlachter 2000)
Wir sprachen darüber, dass wir den allmächtigen Herrn und Gott mit „Vater“ und „Papa“ ansprechen können. Ich hatte bei der Gelegenheit auch die Geschichte über den Sohn des Präsidenten weitergegeben (ihr könnt diese im zweiten Teil des Buches bei den Eigenschaften Gottes mit dem Buchstaben „A“ im Kapitel „Abba“ finden). Wir schlossen dann unsere „Familienandacht“ mit einem Dankgebet an den Herrn, wobei wir die Gebete mit „Unser lieber himmlischer Vater …“ begannen.
Am nächsten Tag zählten wir alle Eigenschaften Gottes auf, die mit „B“ beginnen, und untersuchten detailliert eine davon, nämlich “Der nahe” Herr (Russisch: „Blizkij“, - Anm.d.Übers.). Die Kinder wurden aktiver und in einigen Tagen merkten wir, dass die Kinder einander schon am Frühstückstisch an die Eigenschaften Gottes erinnerten, die zum passenden Buchstaben nachmittags an die Reihe kommen würden. Es kam etwas in Bewegung und entwickelte sich zum Bild Gottes, das in den christlichen Kreisen als „Formierung der persönlichen Theologie“ bezeichnet wird. Das geschah jedoch nicht in den Räumen eines theologischen Seminars, sondern am Küchentisch! Tag für Tag nahmen wir uns eine der Eigenschaften Gottes zum „Buchstaben des Tages“ vor, um sie zu untersuchen. Parallel zur zunehmenden Bräune unserer Haut wuchs in unseren Herzen die herrliche Vorstellung über unseren großen Gott. In den folgenden Tagen des gemeinsamen Urlaubs haben wir praktisch das ganze Alphabet durchgearbeitet.
Wir hatten einen klaren Plan und er half uns in der Erkenntnis Gottes zu wachsen. Das ist auch in eurer Familie möglich und wenn ihr mir erlaubt, darüber etwas mehr zu berichten, kann dieses Buch aus der Serie „ABC der Anbetung“ auch für eure Familie zu einem „Plan der Erkenntnis Gottes“ werden.
Das АBC der Anbetung hat seinen Ursprung in der Bibel
„Das ABC der Anbetung“ ist die Bezeichnung einer Bücherreihe, in der die Eigenschaften Gottes in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt sind. Das erste Buch aus dieser Reihe hältst du gerade in deinen Händen. Es ist hauptsächlich für die Eltern bestimmt. Ich möchte bemerken, dass es kein theologisches Lehrbuch ist, sondern persönliche Gedanken des Autors über die Texte der Bibel.
Die Idee der Anbetung Gottes nach dem Alphabet stammt auch nicht vom Autor des vorliegenden Buches. Das ABC der Anbetung liegt begründet in der Bibel und die Idee dazu ist auf König David zurückzuführen. Er ist derjenige, der Gott kreativ angebetet hat, indem er einige seiner Psalmen in ABC-Form gedichtet hat. Zum Beispiel den Psalm 145. Dieser ist so gedichtet, dass jede neue Zeile mit einem neuen fortlaufenden Buchstaben des hebräischen Alphabetes beginnt. Diese Art der Poesie wird mit „Abecedarium“ bezeichnet. Andere Beispiele für die „ABC-Anbetung“ Gottes – ob teil- oder vollständig – finden wir wieder in den Psalmen 9-10, 25, 34, 37, 111, 112, sowie im längsten Psalm der Bibel – dem Psalm 119 – in dem jeder achte Vers mit dem fortlaufenden Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt.
Zwei Möglichkeiten, dieses Buch zu lesen
Was unsere Familien und Gemeinden brauchen, ist, sich stets und immer wieder Gedanken über Gott zu machen. Das hat Aiden Wilson Tozer gut auf den Punkt gebracht:
„Wir müssen die Kunst des ausdauernden und des mit Liebe erfüllten Nachdenkens über die Größe Gottes praktizieren. Das verlangt uns einiges an Anstrengung ab, denn die Vorstellung der Herrlichkeit Gottes ist den Menschen völlig entgangen.“1
Ich weiß, dass die Gewohnheit, über Gott als Person nachzudenken, wirklich Disziplin erfordert und nicht mit einem bloßen Durchlesen dieses Buches getan ist. Sich eine Gewohnheit anzueignen, Gott zu erkennen – die Juden sagen dazu: „den Schöpfer zu erschließen“ – ist und bleibt eine Lebensaufgabe. Genau deswegen enthält das vorliegende Buch sowohl die theoretische wie praktische Anleitung zum Handeln:
1. Der erste Teil ist überwiegend theoretisch. Darin sind die biblischen Prinzipien und Erfahrungen für die „Anbetung Gottes in der Familie“ enthalten. Es kann euch als Eltern helfen, eure Gottes-Erkenntnisse an eure Kinder weiterzugeben. Dreimal dürft ihr raten, was eure Kinder daraus machen, wenn sie erwachsen sind.
2. Der zweite Teil ist um Einiges praktischer. Hier sind 55 alphabetisch angeordnete Eigenschaften Gottes vorzufinden. Unter Anderem werdet ihr einige Eigennamen Gottes begegnen (JHWH, Elohim, Ich bin der ich bin), seinen Eigenschaften (Löwe, Schnitter), den Titeln (Heilig, Wächter) oder Taten (Liebe, Rettung). Im Grunde sind es 55 Vorlagen für die Leitung eines Familien-Gottesdienstes.
Nun stellt sich die Frage, wie ihr den zweiten Teil des Buches umsetzen möchtet. Ist es je eine Eigenschaft am Tag oder eher eine Eigenschaft Gottes in der Woche? Wenn es eine tägliche Betrachtung ist, habt ihr einen 26-tägigen „Marathon der Erkenntnis Gottes“!2
Das Tempo wäre vielleicht in einem ausgedehnten Familienurlaub angemessen, wie wir es in unserem Aufenthalt in Georgien gemacht hatten.
Wenn man sich für die wöchentliche Andacht im Kreis der Familie mit je einer Eigenschaft Gottes (oder im Rahmen eines Hauskreises) entscheidet, wird das gebotene Material für mehr als ein Jahr Stoff bieten!
Wie kommt man denn zu einer regelmäßigen Anbetung Gottes im Kreise der Familie? Darum geht es im ersten Kapitel.
Teil 1
Von Mittwoch zu Mittwoch „mit einem Anfangsbuchstaben“
Damals war es der Mittwoch, an dem wir unseren „Gäste-Tag“ hatten. Wir ahnten nicht, wie er sich in der nächsten Zeit entwickeln würde. Wir luden unsere Freunde ein und besprachen telefonisch die letzten Einzelheiten des Treffens.
„Wir freuen uns auf euch!“
„Sollen wir etwas beisteuern?“
„Vielleicht etwas zum Kaffee. Wir sorgen für den Rest des Abendessens.“
„Gut, dann bis bald!“, rundete ich das Telefonat ab.
Solche „Gäste-Tage“ waren etwas Besonderes für unsere Familie. Sie waren geprägt von herzlicher Gemeinschaft untereinander, dem Austausch über die jeweiligen Sorgen und Nöte und einer Fürbitte füreinander. Wir schätzten diese Abende und pflegten sie deswegen auch regelmäßig. Wenn die Durchführung eines solchen Abends von jemandem aus dem Freundeskreis übernommen wurde, dann blieb uns mehr Zeit, um andere Dinge zu regeln. Das hat einen weiteren „Abend“ hervorgerufen, der meiner Meinung nach für uns noch wichtiger als der „Gäste-Abend“ wurde.
Während eines Treffens schenkte mir unser Pastor das Buch von Rob Rienow „Visionäre Elternschaft“. Der Autor hat es an die Väter adressiert und appellierte darin sehr oft, in der Familie gemeinsam Gott anzubeten. Aus dem Inhalt hat mich besonders ein Absatz beeindruckt, wo es darum ging, dass die Rienows einmal in der Woche am Küchentisch zusammen kamen, um gemeinsam zu singen. Es gab noch ein paar Passagen darüber, wie Rob Bibelstudien im Kreise der Familie durchgeführt hat. Ich weiß nicht genau warum, aber ich klammerte mich an diesen Gedanken. Vielleicht deswegen, weil ich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens die Defizite solcher Zeiten und Gemeinschaften in meiner Familie vermisste. Es gab zwar die „Gäste-Abende“, aber die regelmäßige geistliche Gemeinschaft im Kreise meiner Familie blieb auf die Dauer auf der Strecke. Unsere Seelen schmachteten nach solchen „Mittwochen mit einem Anfangsbuchstaben“. Ich beschäftigte mich einige Tage mit diesen Gedanken. Dabei wurde ich das Bild, in dem wir alle gemeinsam am Tisch sitzen und Gott selbst unter uns anwesend ist, in meinem Kopf nicht mehr los.
Ich las den besagten Absatz nochmals durch, legte ein Lesezeichen hinein und wartete auf eine passende Gelegenheit, diese begeisternde Vision meiner Frau mitzuteilen. Beim Abendessen bot sich so ein passender Augenblick.
„Liebling, ich möchte mit dir über eine Sache reden, die mich in diesem Buch bewegt hat“, - mit diesen Worten nahm ich das Buch und las ihr den Absatz über eine Familien-Andacht vor, und zwar so, dass sie es auch mitlesen konnte. Danach ergänzte ich das Gelesene nochmals mit „eigenen Farben“ und schwärmte vor, wie großartig es doch wäre, solche besondere Zeit der Anbetung Gottes als Familie zu haben. Und sie lies sich anstecken! Jetzt hatten wir eine gemeinsame Vision dafür! Nun blieb uns beiden nur noch übrig, es unserer kleinen Tochter mitzuteilen, und als die passende Zeit da war, verkündete ich es so feierlich wie möglich:
„Ihr Lieben, ab heute gibt es in unserer Familie ein besonderes Ereignis – die Familien-Andacht! Das heißt, wir haben einen Abend, an dem wir Gott gemeinsam anbeten, Lieder zu seiner Ehre singen, beten und aus der Bibel lernen möchten.”
Und obwohl unsere Tochter es noch nicht ganz zu begreifen schien, was damit genau gemeint sein könnte, nickte sie zustimmend. Bis zur ersten anvisierten Andacht blieb etwa eine Woche Zeit. Ich brütete über dem Ablauf des immer näher kommenden Abends. Wie sollte ich diesen Abend füllen? Zum Einen sollte es gemeinsames Singen beinhalten. Mir kamen auf Anhieb einige Bibeltexte in den Sinn, die die Anbetung Gottes zum Ausdruck bringen:
„… redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen …” (Epheserbrief 5,19, Schlachter 2000)
„Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen.“ (Kolosserbrief 3,16, Schlachter 2000)
Andererseits – ich spiele keine Gitarre und kann daher keinen „richtigen“ Gesang auf die Beine stellen. Was nun? So kam der Gedanke, das christliche Karaoke-Programm aus dem Internet zu bemühen. Auf meiner Suche nach „Christliche Lieder für Kinder“ bei YouTube entdeckte ich dutzende Titel von bekannten Liedern. Das war die Lösung! Ich suchte Lieder und tat sie zu einer Playlist zusammen.3
Danach widmete ich mich der Vorbereitung des eigentlichen Themas und überlegte, wie ich das abschließende Gebet am Tisch gestalten sollte. In den folgenden Tagen spielte ich von Zeit zu Zeit das Ganze in meinen Gedanken durch.
Erster Abend
Nun kam unsere erste Familien-Andacht. Ich muss heute noch an die Aufregung denken. Es ging mir so, als müsste ich ein Familienseminar mit mehreren Teilnehmern halten und nicht einen einfachen Familien-Abend mit meinen Lieben verbringen. Ich hatte auf dem Tisch meinen Laptop mit der vorbereiteten Playlist aufgebaut. Wir sangen ein Lied. Dann noch eins und danach das dritte. Das ging flott.
„Ich möchte noch ein Lied singen!“, bat mein Töchterchen.
„Das nächste Mal“, vertröstete ich sie, denn ich war in dem Moment sehr darauf bedacht, das geplante und vorbereitete Programm durchzuziehen. Es schien mir, dass jede Abweichung das Ganze ins Wanken bringen würde. Es mussten Monate vergehen, bis ich gelernt hatte, unsere Anbetungsabende gelassener und freudiger zu leiten.
Ich las anschließend einen Bibeltext, über den wir uns gemeinsam austauschten. Der Abschnitt war aus den Sprüchen Salomos und betraf gute und schlechte Worte. Ich stellte Fragen an meine Frau und Tochter und es entstand eine lebhafte Diskussion.
„Nun, wofür könnten wir jetzt beten?“, fragte ich meine „Familien-Schäfchen“.
Zwei wunderschöne Augenpaare sahen mich aufmerksam an. Wir legten uns einige Gebetsanliegen zurecht und begannen zu beten. So verlief der erste Abend.
Vor dem Schlafengehen fragte ich meine Frau, was sie von unserer ersten Familienandacht hielt. Sie war damit zufrieden und das bedeutete sehr viel für mich. Es gab mir das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Der nächste Mittwoch kam. Wieder gab es einige Lieder mit YouTube-Fonogramm, es kam diesmal eine 20-minütige Sendung „Ella’s Hof“. Diese Sendungen sind sehr dynamisch und auf Kinder abgestimmt, die dem Alter meiner Tochter entsprechen – kein Wunder, dass diese ihr gefallen hatte!4
Als die Sendung zu Ende war, lasen wir wieder einen Bibelabschnitt, der den Inhalt der Sendung untermauerte. Das gemeinsame Gebet krönte den Abend.
Die Falle der Eintönigkeit
In einer Woche saßen wir wieder an unserem Küchentisch. Es gab wieder Gesang mit Hilfe von YouTube, eine Geschichte aus der Bibel und ein abschließendes Gebet. So verlief ein Mittwochabend nach dem anderen, bis ich merkte, dass die Andachten sich immer wieder wiederholten und kaum eine Entwicklung zu erkennen war. Die gemeinsame Zeit wurde vorhersagbar, denn die Frische schien durch Tradition mit einem langen grauen Bart ersetzt zu werden! Irgendetwas zwang mich, die Form unserer Abende zu verändern, ohne den Inhalt und den Sinn der Andachten – Gott gemeinsam zu loben – aufzugeben. Aber was kann man da im Familien-Rahmen groß tun? Ich war gefordert, aber durch die Gnade Gottes ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. Sie begann mit meiner Frau.
„Kommt es dir auch so vor, als ob die Abende sich voneinander kaum unterscheiden?“
„Ja, scheint so“, antwortete ich.
„Ich habe einen Vorschlag“, meinte sie. „Könnten wir nicht den ‘Leiter’ austauschen und die Andachten abwechselnd gestalten?! Du könntest es in Form von ‘Versammlung’ gestalten (sie hatte den ‘wunden Punkt’ genau getroffen, denn ich hielt die Familienandachten wie einen Gottesdienst in der Gemeinde). Ich könnte ja nächsten Mittwoch mal was Anderes probieren. Vielleicht sollten wir gemeinsam kochen?! Danach könnten wir die Planung auch mal unserer Tochter überlassen, denn sie hat bestimmt auch Ideen und das Zeug dazu, so einen Abend zu gestalten?!“
Dieses Gespräch hat mich zunächst begeistert – das wäre doch eine gute Lösung gegen die Eintönigkeit!
„Das gefällt mir! Das machen wir! Wenn wir eine Rotation der Ideenlieferanten einführen, dann kehrt wieder eine gewisse Frische in unsere Anbetungszeiten ein.“
Eine Lösung wurde zwar gefunden, doch eine Kleinigkeit gab mir keine Ruhe.
“Gemeinsam kochen klingt zwar gut, aber ist … irgendwie … nicht ‘geistlich’ genug. Wie sollen wir denn beim Kochen bitte eine geistliche Gemeinschaft pflegen?! Nach einer Andacht sieht es gar nicht aus …“ – so dachte ich mir. Zu dem Zeitpunkt lagen die Begrifflichkeiten „Essen“ und „Anbetung Gottes“ in meinem Denken auf verschiedenen Ebenen. Jedes Mal, wenn ich versuchte, die Gedanken über Essen und Gott zu vereinen, kam ich zum Ergebnis, dass das Heilige mit dem Vergänglichen nicht zu vermischen sei. Deswegen rief der Vorschlag meiner Frau, die Andacht mit einem gemeinsamen Kochen zu gestalten, in mir eine gewisse Spannung hervor.
„Entschieden ist entschieden. Wir schauen mal“, redete ich mir ein.
Vielleicht habt ihr ein ähnliches Problem, „Essen“ und „Anbetung“ irgendwie zusammen zu bringen, das anhand der Bibel angegangen werden müsste?! Dann lest mal das Kapitel „Wie man vor dem Essen betet oder „warum ich nicht mehr Vater, segne diese Speise bete“, das als Anhang angefügt ist.
Gemeinsam kochen
Der Abend, den meine Frau vorbereiten sollte, rückte heran. Ich merkte es schon, als ich mich unserem Haus näherte. Der Luftabzug aus unserer Küche führt direkt zur Eingangstür hinaus. Oh, war das ein herrlicher Duft! Der Abend war etwas Besonderes! Wir hatten Pizza gemacht. Die Böden waren schon fertig und die restlichen Zutaten kreierte und belegte jeder für sich selbst. Die Zubereitung setzte sich in einer fröhlichen Gemeinschaft am Tisch weiter fort. Die ersten zwanzig Minuten ließ mich ein aufdringlicher Gedanke nicht in Ruhe, wann der günstige Moment für eine Kurzpredigt da sei. Heute weiß ich, dass es nicht unbedingt zur „Geistlichkeit“ des Abends beigetragen hätte. Ich musste lernen, sehr praktisch ein Prinzip zu beherzigen, das wir im Korintherbrief finden:
„Ob ihr nun esst oder trinkt … - tut alles zur Ehre Gottes!“ (1. Korinther 10,31, Schlachter 2000)
Gottesdienste besuchen, beten und Familienandachten leiten „zur Ehre Gottes“ konnte ich ja bereits, aber nicht essen. Mit Gottes Gnade und mit der Zeit habe ich es aber gelernt. Und wenn wir uns heute an den Esstisch hinsetzen und uns an den Händen fassen, dann sage ich meist:
„Verherrliche du dich, Herr, der du uns dieses Essen schenkst! Wir beten dich an, unser fürsorglicher Vater! Amen.“5
Beim Essen unserer leckeren Pizza erlebten wir dann eine besonders schöne und segensreiche Zeit. In unseren Köpfen sind inzwischen Essen und Anbetung Gottes nicht mehr zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Jetzt ist etwas zusammengewachsen, was vom Schöpfer ursprünglich so gedacht war. Und es ist schön, in dieser Weise als ganze Familie im Angesicht des heiligen Gottes mit dankbarem Herzen das zu genießen, was er uns großzügig geschenkt hat.
Er ist es doch, der dem Obst und Gemüse diese einzigartigen Aromen und Geschmacksrichtungen gegeben hat! Hier am Familientisch schließt sich der Kreislauf der Herrlichkeit Gottes, indem wir ihm die Ehre bringen!
Es sind nun bereits vier Jahre vergangen und ich bin noch immer sehr davon angetan, wenn meine Frau die Familienandachten leitet. Die „kulinarische Herangehensweise“ ist nicht die Einzige aus ihrem Arsenal. Wir essen nicht nur „zur Ehre Gottes“, sondern basteln auch hin und wieder gemeinsam. Wir lernen dabei auch den weiteren Teil des oben aufgeführten Prinzips aus dem 1. Korintherbrief zu verinnerlichen:
„Ob ihr nun esst oder trinkt … oder sonst etwas tut … - tut alles zur Ehre Gottes!“ (1. Korinther 10,31, Schlachter 2000)
An dem Abend hatten wir die Pizza mit Freude zubereitet und mit Freude vertilgt. Noch am Tisch sitzend, sagte ich zu meiner Tochter:
„So, Töchterchen, am nächsten Mittwoch bist du mit der Familienandacht dran. Braucht du Hilfe?“
Ihre Augen strahlten. Sie stammelte:
„Kann ich den Abend so gestalten, wie ich es mir wünsche?“
„Ja“, sicherte ich ihr zu.
„Und ihr werdet auch die Spiele spielen, die ich vorbereiten werde?“
„Ja-a-ah...“, ich war mir nicht mehr so ganz sicher.
Aber, wie ihr schon gemerkt habt, hat das Bröckeln meiner alten Vorstellungen über die Anbetungsformen in dem Moment angesetzt, als wir das Essen als Anbetung Gottes erlebt hatten. Nun kämen noch „Spielchen“ dazu!
In mir wachte wieder die Stimme der Tradition auf, aber der Würfel war gefallen und wenn wir uns schon beim Leiten der Familienandachten abwechselten, dann sollten wir nun dabei bleiben. Soll sie doch machen und wenn es Spiele sind, dann werden wir halt spielen, dachte ich. Unsere Tochter rechtzeitig von ihrem Einsatz zu unterrichten, war eine gute Entscheidung – sie hatte eine ganze Woche Zeit zu überlegen und kam gelegentlich zu mir mit ihren Ideen. Wir wählten einige Spiele aus dem Buch „Spiele für Jugend-Gemeinschaften“.6 Der endgültige Plan stand am Mittwoch fest.
Familien-Andacht nach Kinderart
Nun war er da, der Mittwoch-Abend, für den unsere Tochter zuständig war. Sie bat uns ins Wohnzimmer und begann:
„Als Erstes beginnen wir mit Staffelspielen.“
Wir nahmen die Herausforderung an, indem wir einen Ball in eine leere Spielzeugkiste werfen mussten und dafür Punkte bekamen.
„Jetzt kommen Rätsel!“
Auch hier fanden wir die Lösungen, eine nach der anderen.
Der Abend, der mit einem Film abgerundet wurde, war für uns eine neue Erfahrung. Übrigens, was die Filme betrifft: Eine eingehende und anschließende Besprechung der Filme erhöht den Nutzen um Einiges. Eine Diskussion im Anschluss an den Filme-Abend hilft, uns gegenseitig auf zahlreiche Einzelheiten hinzuweisen, die jeder für sich ohne Gespräch vielleicht übersehen hätte. In unserem Fall war es so. Wir sahen den Film an, erzählten, was uns gefallen hat, und schlossen den Abend mit einem Gebet füreinander ab. Der rote Teppich unseres Wohnzimmers ist der Ort unserer gemeinsamen Gebete – ob wir ein kurzes Bibel-Studium, ein Staffel-Spiel oder einen Film-Abend haben. So war es auch an dem Abend. Wir trugen unsere Sorgen zusammen und beteten.
Die Vielfalt der Abschluss-Gebete
Das gemeinsame Abschluss-Gebet ist ein besonderes Element unserer Familien-Andachten, weil wir dieses sehr kreativ angehen.
• Wir wählen manchmal eine Eigenschaft Gottes aus (z.B. aus der Bibelarbeit vorher oder aus dem Film). Dann sagen wir dem Herrn im Gebet, wie sehr wir ihn für diese Eigenschaft schätzen und ihn dafür loben.
• Das andere Mal frage ich in die Runde: „Wofür seid ihr Gott in dieser Woche dankbar?“ Wir erinnern uns dann an Gottes Handeln in unser Leben und danken ihm dafür.
• Oder wir vertrauen uns gegenseitig unsere Sorgen und Nöte an und legen fest, wer für welches Anliegen betet. Denkt daran, auch ein fünfjähriges Kind hat Sorgen und die Eltern beten dafür! Im Gegenzug beten die Kinder dann auch gerne für die Nöte der Eltern.
Das Gebet schweißt zusammen. Meine Rolle als Mann, Vater und Priester in der Familie besteht darin, meinen Angehörigen zu helfen, die Beziehung zu Gott zu stabilisieren und auszubauen. Die Teilnahme der Kinder am gemeinsamen Gebet ist eine der Möglichkeiten dafür. Dabei zwingen wir unsere Kinder nicht dazu, unbedingt zu beten, sondern bieten es ihnen ganz natürlich an. Mit zwingen meine ich Phrasen wie „Und jetzt betet Anja“ oder „Jakob, bete du“. Meist fragen wir in die Runde: „So, Kinder, wer möchte beten?“. Es ist ein sehr sensibler, aber wesentlicher Aspekt, der eine persönliche Herzensentscheidung erfordert.
Familien-Andacht nach Erwachsenenart
Nun war der Jüngste mit der Gestaltung der Familien-Andacht an der Reihe. Seine Idee hat uns beide aus der Bahn geworfen:
„Heute ist der Familientag und wir gehen zu McDonald‘s!“
Es ist sehr einfach und genial, oder?! Er hat sich nicht mit allzu vielen Gedanken und Vorbereitungen geplagt. Die Idee kam ihm schon eine Woche zuvor, dabei war ihm auch glasklar, dass Papa diesen Abend finanziell sponsert. Ich muss zugeben, dass diese Entwicklung mich überglücklich gemacht hat, denn es galt eine weitere Voreingenommenheit zu verändern, die mit der Anbetung Gottes mit „BigMac und Coca-Cola“ zusammenhing – wie sollte denn das gehen? (Bitte legt das Buch jetzt nicht zur Seite, denn wir legen uns in den folgenden Kapiteln eine „Bibel-Brille“ an und versuchen, diese Erfahrung kritisch zu hinterfragen). Die friedliche Atmosphäre am Familien-Küchentisch ist ja eine Angelegenheit für sich, aber wie ist eine geistliche Gemeinschaft in einem öffentlichen Fastfood-Restaurant möglich?
Wir kamen also bei McDonald‘s an, gaben unsere Bestellung auf und suchten uns eine etwas ruhigere Ecke aus. Das war uns wichtig, denn es ging uns ja nicht nur um „ein Häppchen zu essen“. Wir wollten ja Gott anbeten und unseren Familienabend in einer geistlichen Atmosphäre verbringen. Das laute Treiben um uns herum hielt uns nicht davon ab, uns an den Händen zu fassen und zu Gott, unserem Schöpfer, zu beten.
„Gesegnet seist du, Herr, dass du uns die Finanzen und die Möglichkeit dazu gibst, hier zu essen. Amen!“
„Amen!“, bestätigten drei Stimmen.
Das Essen und die Gemeinschaft waren wunderbar!
Um im Geräusch-Pegel der Umgebung den Faden der Gemeinschaft mit Gott nicht zu verlieren, habe ich versucht, ein Thema über die menschliche Zunge einzubringen. Wir haben uns daran erinnert, was es für angeborene Vorlieben gibt, und das hat uns veranlasst, über unseren Schöpfer nachzudenken und ihn gemeinsam zu loben. Die Belehrung der Kinder bleibt letztendlich immer in der Verantwortung der Eltern. Die Bibel ist da absolut unmissverständlich – das sechste Kapitel des 5. Buches Mose kann man zu Recht als das Grundgesetz für Kindererziehung bezeichnen:
„Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst …” (5.Mose 6,6-7, Schlachter 2000).
Das Wort „einschärfen“ bedeutet in der Ursprungssprache unter anderem „immer wieder erinnern“. Die geistliche Erziehung ähnelt dem Anspitzen vom Bleistift, dessen Spitze immer wieder abstumpft. Wenn wir die biblische Wahrheit „du sollst nicht lügen“ gelernt haben, bedarf es einer ständigen Wiederholung und Einschärfung, damit die Wahrhaftigkeit zu einer Charaktereigenschaft und ihrem Wesen wird.
Der oben angeführte Text beinhaltet noch weitere wichtige Gebote für Eltern. Achtet mal auf …
• die Orte, an denen an Gott erinnert werden soll. „… in deinem Haus …“ – das ist der Ort, wo die „Masken fallen“. Zuhause sind wir so, wie wir wirklich sind. Allein das Vorbild der Eltern lehrt die Kinder bereits um Einiges mehr als ihre Worte. „ … auf dem Weg gehst …“ - das bedeutet, dass die Weisungen auch außerhalb unserer Häuser wichtig sind. Man könnte zusammenfassend sagen: „ … du sollst sie deinen Kindern (… überall …) einschärfen und immer wieder davon reden …“.
• die Zeiten, wann die Kinder an Gott erinnert werden. Die Worte „… wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst …” meinen wörtlich „am Tag und in der Nacht“, das heiß zusammengefasst, „erinnert die Kinder an Gott jederzeit“!
Die Belehrung von Kindern ist bei jeder Gelegenheit wichtig und ein Abendessen in einem lauten McDonald’s ist dabei keine Ausnahme.
Unsere McDonald’s-Besuche wiederholten sich noch einige Male, aber das waren nicht die einzigen Vorschläge unseres Sohnes. Einmal schlug er vor, die Tauben zu füttern. Dieser Einfall schien mir großartig! Wir hatten schon einige Male zuvor Tauben auf den Stadtplätzen gefüttert, so auch diesmal. Wir versorgten uns mit einigen Tüten Vogelfutter und gingen los. Als die ersten Körner auf den Asphalt fielen, kamen schnell immer mehr Vögel zu uns. Es ging immer so lange, solange noch Körner vorhanden waren, deswegen deckten wir uns mit ausreichend Großpackungen ein. Manchmal kamen die Tauben so nahe heran, dass sie die Körner sogar aus der Hand picken. Mir gefiel es zu beobachten, wenn sie meinen Sohn umkreisten und wie er stillhielt, um die Vögel nicht zu verscheuchen und nur behutsam kleine Portionen Vogelfutter in seiner Nähe verteilte. Es kamen mehr und mehr Tauben hinzu. Sie halten sich für gewöhnlich auf den Dächern der Hochhäuser auf, aber wenn sie eine aktive Bewegung von anderen Tauben wahrnehmen, dann sind sie schnell zur Stelle. Zuweilen kommen mehr als fünfzig Vögel zusammen.
An dem Tag, als wir die Tauben beobachteten, sprachen wir über die Gemeindestrukturen. Bei der Vogelfütterung und dem Aufbau einer neuen Gemeinde gibt es so viele Parallelen. Ich erzählte den Kindern, dass unsere „Bibel-Gemeinde in Irpin“ auch mit einer kleinen Gruppe von Menschen angefangen hat. Das Wort Gottes ist die geistliche Speise für die Seele und viele Menschen, die „nach Gott gehungert hatten“, erhielten dort ihre Speise, aber nicht nur für sich selbst, sondern sie luden auch ihre Freunde in die Gottesdienste ein. So wuchs die Gemeinde und vergrößert sich immer noch.7 Dort, auf dem Stadtplatz beim Tauben-Füttern unterhielten wir uns darüber, wie Gott seine Gemeinde aus wiedergeborenen Menschen baut. Wir gaben dann auch den dazu kommenden Tauben Namen und beobachteten ihr Verhalten.
„Sieh mal, was für eine Schüchterne“, meinte meine Tochter und zeigte auf einen Vogel, der die Körner am Rande aufsammelte, abseits der Anderen.
„Papa, guck – da ist eine lahme Taube!“ – bemerkte unser Sohn und deutete auf einen Vogel mit verletztem Fuß, der seine Körner mit Vorsicht pickte.
„In der Gemeinde gibt es auch solche Leute, die verletzt sind, aber durch die Gemeinschaft und das Wort Gottes bekommen sie Unterstützung und Heilung von ihren Wunden“, bemerkte ich, weil mir sofort ein junger Mann in den Sinn kam – Sascha – den Gott radikal verändert hatte. Sascha kam in das von der Gemeinde geführte Rehabilitationszentrum mit einer Kopfverletzung an. Ähnlich der Taube mit dem verletzten Fuß, suchte er Hilfe bei den Christen. Mit der Zeit verheilte seine Kopfwunde und er vertraute sich Jesus Christus an. Sascha kehrte später dann in sein Heimatdorf zurück und gestand dort, vor einiger Zeit in der Schule Computer aus der EDV-Klasse gestohlen zu haben. Er war bereit, den Schaden zu ersetzen oder durch Arbeit gutzumachen. Der Schulrektor vergab ihm jedoch den Diebstahl und war froh, wie Sascha sich zum Besseren verändert hatte. Er meinte: „Halte dich weiter an diesen wahren und richtigen Weg!“
Die Kinder folgten der Geschichte sehr aufmerksam und blickten immer wieder zur verletzten Taube hin. Wir haben uns alle über das veränderte Leben von Sascha gefreut.
Manchmal kommen zu den Tauben Spatzen hinzu, die in der Regel eine geschlossene Gruppe unter sich bilden. Die Tauben sind größer, beherrschen das Revier und überlassen den Spatzen nur Reste. Diese Beobachtung ließ Diskussionen über neue Menschen in der Gemeinde entflammen, wie diese Neulinge es nicht einfach haben, in der Gemeinde angenommen zu werden, vor allem dann, wenn die „Alteingesessenen“ sie ignorieren.
Wenn uns dann die Körner ausgehen, bleiben die Tauben noch kurz da, dann aber verlassen sie eine nach der anderen „die Gemeinschaft“. Ich kann mich daran erinnern, dass ich meinen Kindern sagte:
„Wenn in der Gemeinde die Predigt des lebendigen Wortes Gottes vernachlässigt wird und sich niemand mehr um die Menschen kümmert, werden diese die Gemeinde früher oder später verlassen. Gerade darum ist es wichtig, den Mitmenschen Achtung, Fürsorge und Liebe zu schenken, damit sie sich nicht zurückziehen und die Gemeinde verlassen.“
Auch später gingen wir ab und zu auf den Platz, um die Tauben zu füttern. Es hält die Kinder nicht nur dazu an, sich um die Schöpfung Gottes zu kümmern, sondern eröffnet uns durch verschiedene Beobachtungen die Möglichkeiten, über geistliche Wahrheiten zu sprechen.
Was denkt sich Gott wohl, wenn unsere Alltagsangelegenheiten eine geistliche Dimension gewinnen? Ich glaube, dass es Gott gefällt. Selbst Jesus hat seine Beobachtungen in Gleichnisse über das Reich Gottes mitgeteilt! Wenn sein Blick z.B. auf Lilien fiel, bekamen die Menschen Wahrheiten über die Fürsorge Gottes zu hören (seht dazu Matthäus-Evangelium 6,26-28). Ich bin mir sicher, dass der Heilige Geist den Eltern auch heute Weisheit schenkt, ihre verschiedenen Lebenssituationen für die Belehrung ihrer Kinder im Glauben zu nutzen.
Gott und die Anbetung Gottes
Wir haben nun Einiges über die praktische Seite der Anbetung besprochen und es wird Zeit, dass wir das Thema grundsätzlich anpacken. Was ist Anbetung grundsätzlich? 1920 gab es einen kräftigen Mann, bekannt unter dem Pseudonym „Dandy-Baby“, der ein Gewicht von 1454 Kilogramm stemmen konnte – so viel, wie ein Mittelklasse-Wagen samt Insassen wiegt. Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr im Moment dieses Kraftaktes neben dem Kraftprotz stehen würdet? Vermutlich wäret ihr sehr begeistert und würdet vielleicht staunend ausrufen: „Wow! Unglaublich!“ Denn so reagiert der Mensch. Wenn ihn etwas Außergewöhnliches beeindruckt, dann drückt er es meist in Emotionen und Worten aus. Dieses Beispiel hilft uns womöglich zu verstehen, was die Anbetung Gottes in ihrem Wesen ist:
Anbetung ist eine REAKTION …
und zwar eine Reaktion auf Gott!
Gott ist gewaltig! Gott ist grandios! Gott ist überaus beeindruckend! Gott ist über alle Vorstellungen mächtig und dabei gütig, voller Gnade und Liebe! Kein Geschöpf der Erde kann diesen Gott unbeachtet lassen oder ihn ignorieren. Es ist unmöglich, nicht zu staunen, wenn man sich in die Nähe Gottes begibt, weil das, was Gott und was ER ausstrahlt, in der Bibel als „Gottes Herrlichkeit“ bezeichnet wird. Die Beschreibung Gottes durch die Autoren des Buches „Cat and Dog Theology“ imponiert mir dabei sehr:
„Gottes Herrlichkeit – das ist eine Manifestation oder jeglicher Ausdruck der Allmacht und der Schönheit Gottes in seiner Gegenwart, in seiner Schöpfung oder in seinen Eigenschaften.“ 8
Deswegen ist die natürliche Reaktion der wahren Kinder Gottes auf die Herrlichkeit Gottes das, was wir als „Anbetung“ bezeichnen. Eine interessante Beobachtung macht Ron Man, wenn er über Anbetung als Hauptaufgabe des Menschen nachdenkt:
„Wir sollten die Herrlichkeit Gottes ehrfürchtig schätzen lernen – das ist Anbetung. Die Anbetung beinhaltet eine Menge, aber im Großen Ganzen bedeutet sie, die Herrlichkeit Gottes ehrfürchtig zu schätzen“.9
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Verherrlichung Gottes etwas ist, was von innen kommt und ein Zustand unseres Herzens ist. Solche innere Haltung schlägt nach außen durch und äußert sich in ehrfürchtiger Niederwerfung, wahrer Demut, freudigem Lobgesang, erfrischtem Geist, achtsamem Umgang mit Menschen, Dingen und Aufgaben usw.10 Wir können die Kettenreaktion „von innen nach außen“ sehr gut bei Mose beobachten:
„Er [Mose] aber antwortete: So lass mich doch deine Herrlichkeit sehen! …Da kam der HERR in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des HERRN aus. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied!“ (2. Mose 33,18; 34,5-8 Schlachter 2000)
Mose begehrt Gottes Herrlichkeit zu sehen und Gott stellt sich ihm vor – mit anderen Worten: Gott offenbart sich Mose. Achtet mal auf die Abfolge: Gott offenbart sich => Mose neigt sich und betet an. Daraus folgt meine zweite sehr wichtige Feststellung:
Offenbarung Gottes bewirkt unmittelbare Anbetung!
Warum ist dieses Endergebnis bei unseren Überlegungen so wichtig? Weil es uns hilft, die Frage zu beantworten, wie wir die Anbetung Gottes unseren Kindern vermitteln können. Aus der Erfahrung in unserer Familie, die ich oben dargestellt habe, könntet ihr vielleicht etwas missverstehen. Und zwar könntet ihr ja annehmen, dass die Anbetung Gottes automatisch vermittelbar sei, wenn wir nur regelmäßige Familienabende halten würden. Dem ist nicht so. Ihr würdet damit euren Kindern höchstens religiöse Handlungen, gute Gewohnheiten – eine Art „Verpackung ohne Inhalt“ – anerziehen. Die Anbetung Gottes kann nicht erlernt oder anerzogen, kopiert und dann in die Herzen anderer Menschen eingefügt werden. Die Anbetung ist eine Reaktion auf die Nähe Gottes und ist nur ganz persönlich erlebbar. Gerade deswegen kann man mit großer Sicherheit behaupten, dass die regelmäßigen Familienandachten nur ein „Hauptgericht“ sind, das aus folgender Grundnahrung besteht: der Offenbarung Gottes in seinem Wort – der Bibel. Wenn die Kinder von ihren Eltern die biblischen Geschichten erfahren und davon beeindruckt sind, wird das sich auf ihre Anbetungshaltung auswirken. Deswegen findet ihr im zweiten Kapitel des Buches einige Charakterzüge Gottes, die der Bibel entnommen sind. Anhand der einfachen Beispiele zu jeder Eigenschaft Gottes könnt ihr Missionare und Lehrer für eure Kinder sein, indem ihr Abend für Abend Mosaiksteinchen der Herrlichkeit Gottes an sie weitergebt. Das Wertvollste, was ihr für das geistliche Leben eurer Kinder tun könnt, ist, dass ihr ihnen eine Verabredung mit Gott auf den Seiten der Bibel arrangieren könnt. Und dann könnt ihr auf die Folgen der Offenbarungen Gottes an eure Kinder gespannt sein. Die regelmäßigen Familienandachten bieten für die „Dates mit Gott“ die beste Plattform.
Beständige Unbeständigkeit
Wir sprachen schon darüber, dass die Familienandachten verschiedenste Formen der Anbetung haben können. Ob es am Familientisch, Fastfood-Restaurant oder im Wald ist, was immer euch dazu einfällt. Welche Formen der Anbetung sind Gott heute angenehm? Sicher gibt es sehr viele Meinungen dazu, aber das biblische Verständnis der Anbetung wird dafür sorgen, „das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten“. Man kann die Familienandacht ohne großen Aufwand sehr lustig oder spannend gestalten, die Frage ist aber, ob Jesus präsent ist (siehe dazu Offenbarung 3,20). Wir als Eltern sollten die Schlüsselwahrheiten der „Anbetungstheologie“ kennen, damit wie unsere Anbetungspraxis nicht auf fremde Erfahrungen und Erkenntnisse aufbauen, sondern allein auf den Wahrheiten der Bibel. Ich hoffe, dass eine Überlegung unten uns dabei hilft.
Wie betet man Gott an?
Gott anzubeten ist nur zu seinen Bedingungen möglich. Lasst uns mal über die Grenzen der Anbetung reden. Der Herr hat dem Volk Israel für die Zeit des Alten Bundes klare Anweisungen zur Anbetung gegeben:
• Über die Zeiten – z.B. „Dreimal im Jahr sollst du mir ein Fest feiern.“ (2. Mose 23,14, Schlachter 2000)
• Über konkrete Orte – z.B. „Und dort sollt ihr vor dem HERRN, eurem Gott, essen und fröhlich sein, ihr und eure Familien, über allem, was eure Hand erworben hat, womit der HERR, dein Gott, dich gesegnet hat.“ (5. Mose 12,7, Schlachter 2000)
• Darüber, was genau zu tun ist – z.B. „Am zehnten Tag in diesem siebten Monat ist der Versöhnungstag, der soll euch eine heilige Versammlung sein; und ihr sollt eure Seelen demütigen und dem HERRN ein Feueropfer darbringen; und ihr sollt an diesem Tag keine Arbeit verrichten, denn es ist der Versöhnungstag, um Sühnung für euch zu erwirken vor dem HERRN, eurem Gott.“ (3. Mose 23,27-28, Schlachter 2000)
Die Anweisungen Gottes zur Anbetung waren sehr konkret und unmissverständlich. Deren Übertretung oder Missachtung konnte einem Israeliten das Leben kosten:
„Der Mann aber, der rein und nicht auf der Reise ist und es unterlässt, das Passah zu halten, eine solche Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil sie die Opfergabe des HERRN nicht zur bestimmten Zeit dargebracht hat; ein solcher Mann soll seine Sünde tragen!“ (4. Mose 9,13, Schlachter 2000)
Ich bin davon überzeugt, dass wir heute auch solche klare biblische Kriterien benötigen, um Gott anzubeten. Wir können uns dabei nicht einfach auf die Erfahrungen der Freunde oder die Information aus den gelesenen Büchern, samt des vorliegenden, stützen. Darüber schrieb Aiden Wilson Tozer:
„Seht euch Kain an. Er hatte religiöse Erfahrung, aber der Herr hat seine Anbetung abgelehnt. Seht euch Bileam an. Auch er hat Erfahrung mit Gott gemacht, aber der Herr lehnte auch ihn ab.“11
Uns allen, mir und euch, muß es wichtig sein und werden, die Anbetung Gottes zu verstehen und auch so zu praktizieren, wie sie von Gott selbst gewollt ist. Für Israel war sie bis in jede Einzelheit geregelt, was ist aber mit uns? In der neutestamentlichen Zeit fragen wir uns als Eltern, haben sich die Kriterien zur Anbetung Gottes geändert, und an welchen Punkten. Lasst uns dem zuwenden, was Jesus über die Anbetung selbst gesagt hat:
„Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,23-24, Schlachter 2000)
Jesus meinte, dass Gott der Vater nach den Menschen Ausschau hält, deren Herzen ganz auf ihn vertrauen. Er vermittelt der Samariterin, dass die Anbetung Gottes nicht mehr an einem Ort (Berg oder Tempel) festzumachen ist. Was ist denn dann wichtig? Die Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“ - das sind die beiden Kriterien! Was bedeutet denn das genau?
1) Wiedergeburt. Nur ein wiedergeborener Mensch kann seinem Schöpfer gefallen und ihn anbeten. Aiden Wilson Tozer umschreibt es so:
„Anbetung ist kein bloßes Gefühl der Begeisterung vor der Ewigkeit angesichts der Kürze des irdischen Lebens oder der Grenzenlosigkeit der Himmel angesichts der Vergänglichkeit unserer physischen Körper. Es kann schön sein, aber das ist die Anbetung nicht. Der vor Gott angenehme Dienst – ich wiederhole mich – ist die Geburt von oben durch den Geist mittels des Glaubens an den Herrn Jesus Christus, damit der Heilige Geist uns Anbetung lehrt und Kraft dafür gibt“.12
Anbetung im Geist ist eine Tat, die der Heilige Geist in uns wirkt. Als Antwort auf das Wort Gottes fordert er uns auf, auf die biblischen Wahrheiten mit einer freiwilligen Anbetung zu reagieren. Der westliche Theologe Donald S. Whitney hat es einmal so ausgedrückt:
„Die Tatsache, dass der Heilige Geist in uns wohnt, garantiert noch nicht, dass wir immer im Geist und in Wahrheit anbeten, es bedeutet aber, dass wir dazu fähig gemacht worden sind. Gott im Geist anzubeten, bedeutet, ihn aus dem Innersten zu verherrlichen.13
2) Das zweite Kriterium für Anbetung, das Jesus voraussetzte, ist – Wahrheit. Donald S. Whitney schreibt Folgendes:
„Das Gleichgewicht zur Anbetung im Geist verleiht die Anbetung in Wahrheit. Wir sollen gemäß der Wahrheit der Schrift anbeten. Wir beten Gott aufgrund seines Wortes an, wie er sich selbst in der Bibel offenbart und nicht so, wie wir ihn gerne gesehen hätten. Wir beten ihn sowohl für seine Gnade wie für seine Gerechtigkeit an. Wir beten ihn auch sowohl für seine Liebe so auch für seinen Zorn an. Wie einen Gott, der uns in den Himmel einlädt, so auch einen, der zu der ewigen Qual der Hölle verdammt. Wir sollen gemäß der Wahrheit anbeten, sonst ist es eine vergebliche Mühe.“14
Im Gegensatz zu den Anweisungen an das Volk Israel beinhalten die Worte Jesu keine detaillierten Angaben dafür, WAS und WIE wir es anstellen. Achtung (!): Jesus hat den Christen keine konkrete Form der Anbetung befohlen. Er meinte nicht: „Betet nur auf Knien“ oder „nutzt diese Gebetsformel“.15 Wie wir sehen, betreffen die von Jesus gebotene Kriterien „im Geist und in Wahrheit“ nicht Details der Anbetung, sondern deren Prinzipien. Jesus meint das Herz des Anbeters, der sich dem Herrn ganz und gar ausliefert. Genau aus diesen Herzen wächst das wahre Lob Gottes und genau da beginnt die Anbetung an unseren Küchentischen.
Wie kann man Gott heute anbeten?
Und doch ist die Frage, welche Formen der Anbetung Gott angenehm sind, nicht so ganz beantwortet worden, oder?! Eine Untersuchung von zwei weiteren Bibeltexten soll uns auf der Suche nach konkreteren Antworten helfen. In diesen Texten geht es um die Anbetung im Himmel. Im Buch des Propheten Jesaja machen wir uns mit den himmlischen Anbetern bekannt. In einer Vision sieht Jesaja den Herrn, der auf einem gewaltigen Thron sitzt. Um den Thron herum sieht er himmlische Wesen – die Seraphim. Sie verherrlichten Gott mit folgenden Worten:
„Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit!“ (Jesaja 6,3, Schlachter 2000)
Hier ist ein gewaltiges Bild der Anbetung des Höchsten. Die Anbetung der Seraphim ist alles andere als automatisch, denn ich erkenne darin große Ehrfurcht, Aufrichtigkeit und völlige Hingabe. Sie blicken Gott an und sehen einen Einmaligen und Besonderen, den es nicht noch einmal gibt, und reagieren darauf mit Anbetung. Dann blicken sie ihn immer wieder an und machen immer wieder neue Entdeckungen, worauf erneut Lobpreis und Anbetung folgt. Wir haben schon etwas ausführlicher über diese Abläufe der Anbetung im Kapitel „Gott und die Anbetung Gottes“ gesprochen.
In der Zeit Jesajas erlebt das Volk Israel nicht gerade die glücklichste Zeit, denn kürzlich ist der König verstorben und das Volk ist dementsprechend verunsichert. Aber die Seraphim rufen: „ … die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit!“. Dabei haben die Seraphim aus der Himmelsperspektive sehr wohl die Erde und das Volk im Blickwinkel. Egal, was auf der Erde passiert, am Thron Gottes geschieht ununterbrochen Lob und Anbetung!
Lasst uns einen weiteren Text ansehen und ihn mit dem vorherigen vergleichen. In der Offenbarung sieht der Apostel Johannes eine ähnliche Vision wie Jesaja mit verschiedenen Wesen vor Gottes Thron. Einige Worte ihrer Anbetung sind uns bereits bekannt, die anderen wiederum neu. Diese Wesen rufen ununterbrochen:
„… Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott der Allmächtige, der war und der ist und der kommt!“ (Offenbarung 4,8, Schlachter 2000)
Achtet mal auf den ersten Teil dieser Verehrung „ … Heilig, heilig, heilig ist der Herr …“ - es sind dieselben Worte, die Jesaja 700 Jahre zuvor gehört hatte! Ist es nicht erstaunlich? Hier auf der Erde sind bereits viele Generationen gestorben, viele Kriege wurden ausgetragen und Naturgewalten haben die Erde heimgesucht, aber Gott wird unentwegt auf dieselbe Art und Weise angebetet.
Diesen Teil der Anbetung können wir vielleicht als „unveränderliche Anbetung“ bezeichnen. Dabei hat sich doch etwas verändert. Diesen zweiten Teil der Verherrlichung kann man dagegen als „aktuelle Anbetung“ bezeichnen – das ist die, die sich aufgrund neuer Ereignisse verändert:
| unveränderliche Anbetung | aktuelle Anbetung | |
| Jesaja 6,3 | „ … Heilig, heilig, heilig ist der Herr …“ | „ … die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit!“ |
| Offenbarung 4,8 | „ … Heilig, heilig, heilig ist der Herr …“ | „ … Gott der Allmächtige, der war und der ist und der kommt!“ |
Ich denke, dass sich durch die obige Untersuchung unter dem Titel „Beständige Unbeständigkeit“ neue Erkenntnisse gebildet haben. Lasst uns jetzt darüber reden, was das praktisch für uns bedeutet.
Beim Tischgebet haben sich bei uns Gebetsformen etabliert wie „... Gesegnet seist du, Herr und Geber dieser Gaben …“. Wir könnten diese aber durch eine „aktuelle” ergänzen, indem wir weiter beten: „… Dankeschön, dass du uns heute den nahrhaften Reis und vitaminhaltigen Salat schenkst“. So ähnlich danken nämlich unsere Kinder für das Essen. Ihr Dankgebet ist meist aktuell und passt zu keiner anderen Mahlzeit! Ich bin froh, bei meinen Kindern dieses zu lernen!
In diesem Kapitel haben wir also erfahren, dass die Anbetung Gottes „im Geist und in der Wahrheit“ geschehen soll und sowohl dauerhafte als auch wechselnde Elemente beinhalten sollte, die mit unserer aktuellen Lebenssituation zu tun haben.
Das, was unerlässlich ist
In den Abläufen der Familienandachten werden einige Dinge ständig verändert, die anderen wiederum bleiben unantastbar. Wir als Familie haben einige Punkte geklärt, die unerlässlich sind (wie ihr vielleicht ahnt, gehört dazu die obige Tabelle). Diese Elemente kann man am besten in Form einer Liste zusammenfassen und diese Liste als „Konstante Werte der Familienandacht“ bezeichnen:
1. Die Anbetung Gottes. Wir werden Gott jedes Mal verherrlichen, unabhängig davon, wie dieser Abend verläuft, wer ihn leitet und in welcher Form er abgehalten wird.
2. Der Anteil des Wortes Gottes. Ob wir zu McDonald’s, in den Wald oder sonst wohin gehen, ich als Familienvater und -priester habe dafür zu sorgen, dass diese gemeinsame Zeit mit einer Wahrheit aus der Bibel untermauert wird.
3. Gegenseitige Fürbitte. Wie schon oben beschrieben, wird jede Gemeinschaft, unabhängig vom Ablauf, mit einem gemeinsamen Gebet abgeschlossen.
Ich hoffe, dass ihr diese Herausforderung angenommen habt: Wir Eltern brauchen eine besondere Weisheit, in ein ungezwungenes fröhliches Beieinander sowohl eine ordentliche Portion des Wortes Gottes wie einen Anteil des Gebets hineinzubringen. Könnt ihr euch noch daran erinnern, was wir gelesen haben?
„… und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst …” (5.Mose 6,7, Schlachter 2000).
Anbetung, das Wort Gottes und das Gebet verleihen der Familienandacht Tiefe und Inhalt.
Das, was nicht wiederholt werden darf
Wenn wir an die „zweite Spalte“ der obigen Tabelle denken, appellieren wir an die Weisheit und Kreativität der Eltern, dass die Familien-Andachtszeiten lebendig und einzigartig bleiben. Und genau diese Einzigartigkeit lässt diese Familienzusammenkünfte erwartungsvoll und wünschenswert bleiben. Bemüht euch um verschiedene Formen des Gebets und Formen der Wahrheitsvermittlung. Wir setzen beim Bibelstudium z.B. folgende kreativen Herangehensweisen ein:
• Beim Bibellesen übernimmt jeder eine Person der Bibelstelle oder wir inszenieren einen Sketsch.
• Zeichnen die biblische Geschichte aufs Papier. Kürzlich zeichneten wir die Vorstellung der Kinder auf, wie die Welt sein und aussehen würde, wenn Adam und Eva nicht gesündigt hätten. Es sind erstaunliche Motive zustande gekommen!
• Wir sehen uns Teile von Videos zum jeweiligen Thema an. An einem der Abende sahen wir uns einen Filmabschnitt über die Bundeslade (aus dem Spielfilm über König David) an. Bis zu diesem Abend verwechselte mein Sohn die Bundeslade immer mit der Arche (weil es im Russischen ähnlich klingt, Anm.d.Übers.) und fragte immer: „Ist es dieselbe ‘Arche Noah’ mit den Tieren oder eine andere?“ Als wir uns jedoch den besagten Film angesehen hatten, in dem er die Bundeslade mit den Tragestangen gesehen hatte, war ihm der Unterschied klar und wir lasen in Ruhe das 6. Kapitel des 2. Könige-Buches zu Ende.
• Wir falten Papier. (Origami – alte japanische Kunst des Papierfaltens, Anm.d.Übers.)
Die kreative Herangehensweise ist der Teil des Programms, das wir oben als „aktuelle Anbetung“ bezeichnet hatten. Zusammenfassend will ich hervorheben, dass die Durchführung von Familien-Andachten, die wir als „Beständige Unbeständigkeit“ bezeichnen, eine tägliche Unterstützung der gesamten Familie darstellt. Haltet jede eurer Familienandachten kreativ und abwechslungsreich, ohne dabei den Kern – die Anbetung Gottes – zu vernachlässigen.
Der Kampf um die Familienandacht
Jedes Mal, wenn ihr euch entschieden vornehmt, als Familie Gott anzubeten, seid auch bereit, für diese Zeiten zu kämpfen. Anfangs hatten wir den Mittwoch für die Familienandacht gewählt. Mittwoch ist die Mitte der Woche und somit auch Höhepunkt der Wochenaktivitäten und es ist kein Wunder, dass unsere Familienzeit mit unseren wachsenden anderweitigen Beschäftigungen kollidierte. Unsere Gemeindeleitung entschied, die wöchentlichen Pastorentreffen auf Mittwoch zu verlegen. Da ich einer der Pastoren bin, musste ich diese Entscheidung mittragen. So entschieden wir im Familienrat, unsere Andacht auf Donnerstag zu legen. Kaum waren wir uns darüber einig, klingelte das Telefon:
„Wir wollten dich daran erinnern, dass wir am kommenden Donnerstag um 19 Uhr unser Leitertreffen für die Kinderfreizeit haben. Du hast ja ein Thema zugesagt.“
„Das stimmt, aber ich kann am kommenden Donnerstag nicht kommen.“
„Es ist aber wichtig, das ganze Team wird da sein.“
„Verstehe. Aber ich kann nicht.“
„Schade. Aber dann am nächsten Donnerstag.“
„Nächsten Donnerstag geht es aber auch nicht. Ich kann an den Donnerstagen grundsätzlich nicht. Ich habe da einen wichtigen Termin und da ich an den restlichen Abenden in der Woche Verpflichtungen habe, kann ich diesen Termin nicht auf einen anderen Tag schieben.“
„Wow, was ist denn das für ein Termin jeden Donnerstag?“
„Es ist ein Treffen mit wichtigen Menschen – mit meiner Familie.“
Ich fühlte ein Unverständnis am anderen Ende der Leitung. Ich blieb aber hart dabei.
Auch wenn ich ernste Absichten habe, mich zuerst um die „Familien-Schäfchen“ zu kümmern, kann ich doch sehr schwer die Gemeindedienste absagen. So bin ich zu gegebener Zeit doch zu besagter Kinderfreizeit gefahren und hielt auch das Thema. Ich musste nach freien Zeitfenstern suchen, um mich in die gemeinsamen Vorbereitungen einzubringen. Der Donnerstag-Abend stand aber fest und war auch bei anderen Anfragen ein „Alibi“ für die Absagen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass der Kampf um die Anbetung Gottes einen jahrtausendelangen Bestand hat. Die meisten Bibelausleger sind sich bei der Meinung einig, dass der Teufel bis zu seinem Sündenfall für die Anbetung Gottes in den Himmeln zuständig war (siehe Jesaja 14,11 / Hesekiel 28,13), bis auf den Moment, als er sich Gott gleichstellen wollte und die Anbetung für sich selbst beanspruchte. Heute hasst er den Menschen so sehr, weil Satan von Grund auf böse ist, sich über Gott stellen will und sich damit zum Gegenspieler Gottes entwickelt hat. Ein Mensch, der Gott anbetet, erinnert den Teufel an den Dienst, in dem er selbst versagt hat. Der Teufel greift jede Anbetung Gottes heimtückisch oder aggressiv an. Hier zwei Beispiele dafür.
Der Prophet Jeremia beschreibt den Zeitpunkt der Zerstörung Jerusalems. Dabei betont er ein wichtiges Detail: Das erste und begehrenswerteste Ziel der Angreifer war der Tempel. Es lag ihnen viel daran, in erster Linie dieses Objekt der Anbetung Gottes zu plündern und zu schänden.
„Der Feind hat seine Hand ausgestreckt nach allen ihren Kostbarkeiten; ja, sie hat sehen müssen, wie Heiden in ihr Heiligtum eindrangen, von denen du doch geboten hattest, dass sie nicht in deine Gemeinde kommen sollten!“ (Klagelieder 1,10, Schlachter 2000)
Wenn man einem Volk seine Hauptaufgabe – Gott anzubeten – nimmt, dann kostet der Rest – es in die Knie zu zwingen – nicht mehr allzu viel Anstrengung. Dieses betrifft sowohl jeden einzelnen Menschen wie seine ganze Familie.
Später, als der Tempel wieder errichtet wurde, hat der Teufel wieder zugeschlagen! Nehemia, der damalige Führer Israels, mußte wieder zurück in das ausländische Exil. Das Erste, was in seiner Abwesenheit in Jerusalem geschah, hat mit dem Tempel zu tun. Der Autor beschreibt es so:
„Und als ich nach Jerusalem kam, erfuhr ich von dem Bösen, das Eljaschib dem Tobija zuliebe getan hatte, indem er ihm eine Kammer in den Vorhöfen des Hauses Gottes eingeräumt hatte.“ (Nehemia 13,7, Schlachter 2000)
Kaum hat der Leiter Nehemia die Stadt verlassen, hat der Priester seinen Verwandten Tobija – den heftigsten Feind Israels – im Tempel einquartiert. Während des ganzen Wirkens von Nehemia hat Tobija den Bewohnern von Jerusalem „Sand ins Getriebe gestreut“. Hat Tobija wirklich eine dringende Wohnungsnot gehabt? Nein, denn er war ein bekannter und reicher Mann. Diesen Vorfall kann man nicht anders als eine Provokation und Schändung des Tempels deuten. So war es auch. Einige Verse weiter steht, dass es die Menschen störte und der Tempel für sie nicht mehr als die Stätte der Anbetung galt. Das Volk beendete die Tempelopfer, die Leviten verließen Jerusalem und begaben sich auf ihre privaten Felder, die Anbetungsmusik verstummte. Nachdem der Teufel Tobija angestachelt hat, in den Tempel einzuziehen, hat er damit Gott die Anbetung gestohlen. Als Nehemia aus dem Exil zurückkam, entfernte er den Besitzt des Tobijas aus dem Tempelbezirk (da hatte Tobija Glück, dass er Nehemia nicht unter die Augen kam!) und anschließend konnte der Anbetungs- und Opferdienst im Tempel wieder hergestellt werden.
Euch steht auch ein Kampf um die Familienandacht bevor. Manchmal mit den äußeren Umständen oder vielleicht sogar mit den Gemeindeaktivitäten. Einmal hörte ich zufällig, wie ein Gemeindemitarbeiter ein anderes Gemeindemitglied über mich aufklärte: „Am Donnerstag braucht ihr ihn gar nicht erst einzuladen oder anzurufen. Er kommt nicht und geht auch nicht ans Telefon, denn sie haben da Familienandacht.“ Das erfreute mich sehr! Es war das eingetreten, was ich für Beständigkeit halte. Wir entdecken damit einen Grundsatz, wie durch diese Beständigkeit unsere Zeitplanung bestimmt wird.
Beständigkeit bedeutet, dass deine Freunde Bescheid wissen: Er und seine Familie feiern am Donnerstag Andacht. Sicher schließt es einen gegenseitigen Familienbesuch nicht aus, aber dann heißt es, dass es eine gemeinsame Anbetungszeit Gottes ist. Einige Male beschlossen wir, die eine oder andere Familie einzuladen oder zu besuchen, weil es eben keine andere Besuchs-Möglichkeit gab. Aber, wie bereits gesagt, drei wichtige Komponenten bringen wir in diese Gemeinschaft dann hinein: die Verherrlichung Gottes, das Wort Gottes und das Gebet.
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