Kitabı oku: «Der parfümierte Garten»
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1. Auflage 2020
© 2020 by Braumüller GmbH
Servitengasse 5, A-1090 Wien
www.braumueller.at
Illustration Cover: Shutterstock / © Irina1967
ISBN 978-3-99200-279-5
eISBN 978-3-99200-280-1
SHEIKH NEFZAWI
DER
PARFÜMIERTE
GARTEN

Ein Handbuch arabischer Liebeskunst
Transposition des Buches „THE PERFUMED GARDEN“
von SHEIKH NEFZAWI nach der fehlerhaften
Übersetzung aus dem Französischen ins Englische
von SIR RICHARD FRANCIS BURTON aus dem Jahr 1886

Dieses Buch ist dem Andenken des Dichters, Übersetzers und
Freundes Christian Loidl gewidmet, der im Dezember 2001
verschwand – unter Zurücklassung einer antiquarischen
Ausgabe des Buches „The Perfumed Garden“ von Sir
Richard Francis Burton, das zu übersetzen und in
Jahresfrist zu veröffentlichen geplant war.
Wien, Juli 2004
VORBEMERKUNG
(der englischsprachigen Ausgabe von 1886)
„Der parfümierte Garten“ wurde vor dem Jahr 1850 von einem Stabsoffizier der französischen Armee in Algerien ins Französische übersetzt. Eine Autographie-Ausgabe wurde 1876 in Schreibschrift gedruckt, doch da, wie es heißt, nur fünfundzwanzig Exemplare hergestellt wurden, ist sie sowohl selten als auch teuer und wegen der Eigenart der Schrift schwer und ermüdend zu lesen. Eine vortreffliche Neuausgabe erschien jedoch kürzlich in Paris, mit Anmerkungen und Kommentaren des Übersetzers, überarbeitet und korrigiert im Licht des umfassenderen Wissens über Algerien, das gewonnen wurde, seit die erste Übersetzung gemacht wurde. Von dieser Neuausgabe wurde die gegenwärtige Übersetzung (eine exakte und wörtliche) angefertigt, und es ist das erste Mal, dass diese Arbeit – eine der bemerkenswertesten ihrer Art – in englischer Sprache erscheint.
EDITORISCHE NOTIZ
Die Fußnoten in diesem Buch stammen aus drei verschiedenen Quellen. Wenn nicht anders angegeben, sind sie von Richard Francis Burton; ursprüngliche Anmerkungen der Autographie-Ausgabe sind als solche ausgewiesen und Anmerkungen des deutschsprachigen Übersetzers mit „Anm. d. Übers.“ gekennzeichnet. Einfügungen des Letzteren wurden in eckige Klammern [] gesetzt. Weitere Angaben zu dieser Edition findet der Leser im Anhang.
INHALT
ANMERKUNG DES FRANZÖSISCHEN ÜBERSETZERS
EINLEITUNG:
Allgemeine Bemerkungen über den Koitus
Über die Entstehung dieses Buches
ERSTES KAPITEL:
Von lobenswerten Männern
Von den Vorzügen, die Frauen bei Männern suchen
Über die Länge des männlichen Gliedes
Über den Gebrauch und Nutzen von Parfum beim Liebesakt
Die Geschichte von Mosailama
Die goldene Robe
ZWEITES KAPITEL:
Von lobenswerten Frauen
Die Geschichte von dem Neger Dorerame
DRITTES KAPITEL:
Von verachtenswerten Männern
VIERTES KAPITEL:
Von verachtenswerten Frauen
FÜNFTES KAPITEL:
Über den Beischlaf
SECHSTES KAPITEL:
Was den Beischlaf begünstigt
Von den verschiedenen Stellungen beim Beischlaf
Stellungen für dicke Menschen
Stellungen für sehr kleine und sehr große Menschen
Stellungen für mißgebildete und behinderte Menschen
Über die höchste Lust
SIEBTES KAPITEL:
Von den Gefahren und Krankheiten, die der Beischlaf verursachen kann
ACHTES KAPITEL:
Von den verschiedenen Namen für das männliche Geschlechtsorgan (1)
Von der Bedeutung der Träume (1)
Von den verschiedenen Namen für das männliche Geschlechtsorgan (2)
NEUNTES KAPITEL:
Von den verschiedenen Namen für das weibliche Geschlechtsorgan (1)
Von der Bedeutung der Träume (2)
Von den verschiedenen Namen für das weibliche Geschlechtsorgan (2)
Die Geschichte von Fadehat el Djemal
ZEHNTES KAPITEL:
Über die Zeugungsorgane der Tiere
ELFTES KAPITEL:
Über die Schliche und Listen der Frauen
Geschichte vom betrogenen Ehemann, der sich selbst von der Untreue seiner Frau überzeugte
Geschichte des Liebhabers wider Willen
Der Liebesraub
Die Geschichte von der Frau mit den zwei Ehemännern
Die Geschichte von Bahia
Die Geschichte von dem Mann, der ein Experte für die List der Frauen war und von einer Frau übertölpelt wurde
Die Geschichte von dem Mann, den sein Esel zum Hahnrei machte
Über die Zwecklosigkeit aller Vorsichtsmaßregeln
Die Geschichte von dem Liebhaber, der von der unerwarteten Heimkehr des Ehemanns überrascht wurde
ZWÖLFTES KAPITEL:
Verschiedene nützliche Beobachtungen über Männer und Frauen
DREIZEHNTES KAPITEL:
Über die Ursachen der Lust beim Koitus
VIERZEHNTES KAPITEL:
Beschreibung der Gebärmutter von unfruchtbaren Frauen und der Behandlung derselben
FÜNFZEHNTES KAPITEL:
Über Abtreibungen
SECHZEHNTES KAPITEL:
Über die Ursachen der Unfruchtbarkeit bei Männern
SIEBZEHNTES KAPITEL:
Über die Heilung temporärer Zeugungsunfähigkeit
ACHTZEHNTES KAPITEL:
Rezepte, um ein kleines Glied zu vergrößern
NEUNZEHNTES KAPITEL:
Von Mitteln gegen schlechten Geruch in den Achselhöhlen und Geschlechtsorganen der Frauen und wie man letztere verengt
ZWANZIGSTES KAPITEL:
Anmerkungen, die Schwangerschaft betreffend, und wie man das Geschlecht eines Kindes voraussagen kann
EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL:
Bildet den Abschluß dieser Arbeit und behandelt die wohltuende Wirkung von Eiern für den Koitus
Die Geschichte von Zohra
ANHANG
APPENDIX ZUR AUTOGRAPHIE-AUSGABE
NACHWORT ZU DIESER AUSGABE
BIOGRAPHIEN
ANMERKUNG DES FRANZÖSISCHEN ÜBERSETZERS
zu Sheikh Nefzawi1
Der Name des Sheikh ist der Nachwelt nur als der des Verfassers des Parfümierten Gartens bekannt geworden; es ist das einzige Buch, das ihm zugeschrieben wird.
Obgleich sich in diesem Buche viele Irrtümer und Fehler finden, die größtenteils zu Lasten der Nachlässigkeit und Unwissenheit der Abschreiber gehen, und obgleich auch der Gegenstand des Buches nicht nach jedermanns Geschmack sein wird, ist es doch offensichtlich, daß diese Abhandlung aus der Feder eines Mannes von großer Gelehrsamkeit stammt, der ein umfassenderes Wissen von Dichtung und Medizin besaß, als man es bei den Arabern anzutreffen gewohnt ist.
Da die Araber gewöhnlich den Namen ihres Geburtsortes dem ihrigen hinzufügen, dürfen wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß der Sheikh aus der im Süden des tunesischen Königreiches am See Sebkha Melrir gelegenen Stadt Nefzaoua2 des gleichnamigen Distriktes stammte.
Der Sheikh selbst berichtet, daß er in Tunis gelebt hat, und vermutlich wurde das Buch auch dort geschrieben. Der Überlieferung nach hatte er sich aus einem besonderen Anlaß zu dem Werk verpflichtet, das im Widerspruch zu seinem einfachen Geschmack und seinen abgelegten Gewohnheiten stand: Dem Bey von Tunis sei hinterbracht worden, daß er im Rechtswesen, im Schrifttum und der Heilkunde sehr bewandert sei, und der Herrscher habe ihm deshalb das Amt des Kadi angeboten. Nefzawi wollte sein zurückgezogenes Leben nicht aufgeben, um ein öffentliches Amt zu bekleiden, jedoch habe er den Bey durch eine offene Weigerung nicht beleidigen wollen, um so weniger, da eine solche ihm selbst hätte gefährlich werden können; er habe daher lediglich um einen kurzen Aufschub gebeten, um ein Buch vollenden zu können, an dem er gerade schrieb.
Diese Bitte sei ihm gewährt worden, und nun habe er das Buch niedergeschrieben, dessen Abfassung er schon seit längerer Zeit geplant hatte. Das Erscheinen des Werkes habe jedoch den Verfasser in einer Weise bekanntgemacht, daß es fortan völlig unmöglich gewesen sei, ihn als Kadi wirken zu lassen.3
Diese Überlieferung, für die sich in den Geschichtswerken jener Zeit keinerlei Bestätigung findet und die den Sheikh Nefzawi als einen Mann von geringer Charakterfestigkeit erscheinen läßt, ist wenig glaubhaft. Man muß nur einen flüchtigen Blick in das Buch werfen, um die Überzeugung zu gewinnen, daß der Verfasser von den löblichsten Absichten beseelt war und daß er für sein Werk nicht nur keinen Tadel verdient, sondern im Gegenteil mit der Abfassung desselben der Menschheit einen dankenswerten Dienst erwiesen hat. Merkwürdigerweise findet sich in der Literatur der Araber kein einziger Kommentar zu diesem Buch; der Grund dafür ist vielleicht darin zu suchen, daß der Gegenstand, den es behandelt, seriöse und gelehrte Männer unnötigerweise abgeschreckt hat – ich sage unnötigerweise, weil dieses Buch, mehr als jedes andere, nach Kommentaren verlangt; schwerwiegende Fragen werden darin behandelt, und es öffnet ein weites Feld für Untersuchungen und Meditationen.
Was könnte wichtiger sein als das Studium der Prinzipien, die das Glück von Männern und Frauen – wegen ihrer wechselseitigen Beziehungen – begründen? Beziehungen, die ihrerseits wieder vom Charakter, der Gesundheit, dem Temperament und der Konstitution abhängen, die zu studieren recht eigentlich die Aufgabe der Philosophen ist.4 Ich habe mich bemüht, diese Unterlassung einigermaßen gut zu machen, indem ich eine Anzahl von Anmerkungen eingefügt habe, die zwar – das weiß ich sehr wohl – unvollständig sind, trotzdem aber eine gewisse Orientierung bieten.
Bei zweifelhaften und schwierigen Stellen, und wo die Meinung des Verfassers nicht klar ausgedrückt zu sein schien, habe ich mich bei den Gelehrten der verschiedensten Glaubensbekenntnisse nach Aufklärung umgesehen, und mit ihrem freundlichen Beistand wurden in der Tat manche von mir im Anfang für unüberwindlich gehaltene Schwierigkeiten überwunden. Es ist mir eine Freude, diesen hilfreichen Geistern hiermit meinen Dank aussprechen zu können.
Von den Schriftstellern, die sich mit ähnlichen Themen befaßt haben, läßt sich kein einziger zur Gänze mit unserem Sheikh vergleichen, denn sein Buch erinnert den Leser gleichzeitig an Aretino, den Verfasser von „Eheliche Liebe“, und an Rabelais; die Ähnlichkeit mit letzterem ist zuweilen so auffallend, daß ich gelegentlich in Versuchung kam, Parallelstellen aus „Gargantua und Pantagruel“ anzuführen.
Was die Abhandlung des Sheikh so einzigartig macht, ist die Ernsthaftigkeit, mit der die laszivsten und obszönsten Themen dargestellt sind. Es ist offensichtlich, daß der Verfasser von der Wichtigkeit seines Themas überzeugt ist, und sein Wunsch, den Mitmenschen nützlich zu sein, ist das einzige Motiv für seine Anstrengungen.
Um seinen Ratschlägen mehr Gewicht zu verleihen, zögert er nicht, Zitate aus religiösen Schriften anzuführen, und ruft in manchen Fällen sogar die Autorität des Koran an, des heiligsten Buches der Muselmanen.
Man kann annehmen – obgleich sein Werk kein Sammelwerk ist –, daß es nicht ausschließlich dem Genie Sheikh Nefzawis entsprungen ist, sondern mehrere Abschnitte vermutlich von arabischen und indischen Schriftstellern entlehnt wurden. So ist etwa der Bericht von Mosailama und Sheja dem Werk des Mohammed Ben Djerir el Taberi entnommen; die Beschreibung der verschiedenen beim Koitus einzunehmenden Stellungen sowie der in jedem einzelnen Fall angemessenen Bewegungen stammt aus indischen Werken; und in dem Kapitel über die Auslegung von Träumen scheint das Buch des Azzedine el Moccadesi „Vögel und Blumen“ zu Rate gezogen worden zu sein. Hieraus ist dem Autor aber keineswegs ein Vorwurf zu machen, sondern sicherlich ist im Gegenteil ein Schriftsteller zu loben, wenn er sich die Erleuchtungen von Gelehrten vergangener Zeiten zunutze macht, und es wäre undankbar, wollte man den Nutzen nicht anerkennen, der dadurch seinen Lesern, die in der Kunst des Liebens noch Anfänger waren, erwuchs.
Es ist nur zu bedauern, daß dieses in vielerlei Hinsicht vollständige Werk eine große Lücke aufweist, indem ein unter den Arabern allgemein verbreiteter Brauch überhaupt nicht zur Sprache kommt. Ich meine die auch von den alten Griechen und Römern bestätigte Vorliebe für Knaben vor Frauen oder sogar dafür, mit letzteren wie mit Knaben zu verkehren.
Hierüber sowie über die gegenseitigen Vergnügungen von Frauen, sogenannten Tribaden, hätte sich wohl manches Lehrreiche sagen lassen. Dasselbe Stillschweigen hat der Autor in Bezug auf die Sodomie [den Verkehr mit Tieren] gewahrt. Nichtsdestotrotz beweisen zwei Geschichten, deren eine von gegenseitigen Liebesbezeigungen zweier Frauen handelt, während in der anderen von einer Frau, die sich der Liebesdienste eines Esels versichert, berichtet wird, daß der Autor über solche Dinge Bescheid wußte. Es ist daher unentschuldbar, daß er auf diese Besonderheiten nicht ausführlicher eingegangen ist.
Gewiß wäre es für uns interessant gewesen, zu erfahren, welche Tiere durch ihre natürliche Veranlagung und körperliche Beschaffenheit am besten geeignet sind, einem Manne oder einer Frau Vergnügen zu bereiten, und welche Folgen solcherlei geschlechtliche Verbindungen haben können.
Und letztlich schweigt der Sheikh sowohl über die Genüsse, die ein Mund oder die Hand einer schönen Frau spenden kann, als auch über den Cunnilingus.5
Was mag das Motiv für diese Auslassungen gewesen sein? Das Stillschweigen des Autors kann nicht seiner Ignoranz zugerechnet werden, denn seine Schilderungen offenbaren einen derartigen Umfang und eine so große Mannigfaltigkeit an Kenntnissen, daß ein Zweifel an seinem Wissen ausgeschlossen ist.
Sollten wir den Grund für diese Lücke vielleicht in der Verachtung, die der Muselmane in Wahrheit für Frauen empfindet, suchen und darin, daß er vielleicht der Meinung ist, es entspreche nicht seiner Manneswürde, sich zu anderen Liebkosungen herabzulassen als jenen, die den Gesetzen der Natur entsprechen? Oder hat der Verfasser die Erwähnung derartiger Themen vielleicht unterlassen, um nicht selbst in den Verdacht zu geraten, solche Vorlieben zu haben, die von anderen als entartet angesehen werden?
Wie dem auch sein mag – das Buch enthält viele nutzbringende Informationen und eine große Menge kurioser Fälle, und ich habe diese Übersetzung angefertigt, weil ich die Überzeugung Sheikh Nefzawis, die er in seiner Einleitung äußert, teile: „Ich schwöre bei Gott, es ist mein Wunsch und meine ernsthafte Absicht, daß das Wissen, welches in diesem Buch versammelt ist, größere Verbreitung finden soll. Nur ein Stumpfsinniger und ein Feind der Erkenntnis würde versuchen, es zu ignorieren oder sich darüber lustig zu machen.“
1Anmerkung in der Autographie-Ausgabe: „Der Leser, wenn er dieses Werk genauer studiert, sollte nicht vergessen, daß die Bemerkungen und Kommentare des Übersetzers vor 1850 geschrieben wurden, als man noch wenig über Algerien und gar nichts über Kabul wusste. Er wird deshalb nicht überrascht sein, daß einige kleine Details nicht dem Stand des Wissens entsprechen, das seit damals erworben wurde.“
2Im Distrikt Nefzaoua befinden sich viele isolierte Dörfer, alle im Flachland, umgeben von Palmbäumen mit großen Wasser-Reservoirs im Zentrum. Die Pilger glauben, das Land heiße Nefzaoua, weil es dort tausend „zouas“ gibt (eine Kapelle, in der ein Marabout begraben ist), und es wird vermutet, daß es ursprünglich El Afoun Zaouia hieß. Doch diese arabische Etymologie scheint nicht korrekt, da, gemäß arabischen Historikern, die Namen der Örtlichkeiten älter sind als der Islamismus. Die Stadt Nefzaoua ist von einer Mauer umgeben, die aus Steinen und Ziegeln errichtet ist; sie besitzt sechs Tore, eine Moschee, Bäder und einen Markt; im Umland gibt es viele Brunnen und Gärten.
3Vielleicht war die unter diesen Umständen entstandene Schrift nicht das vorliegende Buch, sondern nur ein bedeutend kürzerer Vorläufer desselben mit dem Titel „Die Fackel des Universums“.
4„Wir müssen uns nicht fürchten, die Vergnügungen der Sinne mit den höchsten geistigen Vergnügungen zu vergleichen; geben wir uns nicht dem Irrtum hin, zu glauben, daß es natürliche Vergnügungen von zweierlei Art gibt, von denen die eine unedler als die andere sei; die edelsten Vergnügungen sind die großartigsten.“ – (Essai über die moralische Philosophie, von M. de Maupertuis, Berlin 1749.)
5Paediconibus os olere dicis;
Hoc si, sicut ais, Fabulle, verum est,
Quid credis olere cunnilingis?
Die Münder der Päderasten, sagst du, riechen schlecht;
Wenn das wahr wäre, wie du beteuerst, Fabulus,
Was denkst du dann über jene, welche die Vulva lecken?
MARTIALIS, XII. Buch, Epigramm 86.
EINLEITUNG
Allgemeine Bemerkungen über den Koitus
Gepriesen sei Gott, der den natürlichen Leib der Frau als Quell höchster Lust für den Mann bestimmt hat und den natürlichen Leib des Mannes als Quell höchster Lust für die Frau.
Gepriesen sei Gott, der entschied, daß das Wohlgefühl, die Lust und die geschlechtliche Befriedigung der Frau von dem Empfang abhängig sein soll, den sie dem männlichen Glied bereitet, und daß ein Mann weder Ruhe noch Frieden finden soll, ehe er seine Pflicht nicht ehrenvoll erfüllt hat!
Kommt es zum Liebesakt, beginnt schon bald, nach harmlosen Tändeleien, ein lebhafter Wettstreit zwischen den beiden Liebenden. Sie scherzen miteinander, küssen, streicheln und umarmen sich, wobei sie sich mehr und mehr ineinander verschlingen, und die Lust, als Folge der Berührungen und Liebkosungen, vor allem in der Schamgegend, nicht lange auf sich warten läßt. Dann dringt der Mann vorsichtig in sie ein und arbeitet schon bald, in der Fülle seiner Kraft, wie ein Stößel, wobei ihm die Frau kunstreich, mit lasziven, wellenförmigen Bewegungen, zu Hilfe kommt. Früh, viel zu früh kommt sein Erguß!
Gepriesen sei Gott, der uns den Kuß auf den Mund, die Wangen, den Hals und den Nacken gewährt hat, das Saugen und Trinken an süßlich-sinnlichen Lippen, um zu jeder gewünschten Zeit eine Erektion zu bewirken. ER war es, der in seiner Weisheit den Oberkörper der Frau mit Brüsten ausstattete, sie mit einem Doppelkinn schmückte und ihre Wangen mit den strahlenden Feuerfarben von Juwelen und Brillanten versah. ER war es, der ihren Augen das Vermögen gab, im Mann die Liebe und leidenschaftliches Begehren zu entflammen; der den Saum ihrer Augen mit einem Strahl glänzender Wimpern wie mit blinkenden Klingen umgab. Mit bewundernswerten Flanken und einem herrlichen Nabel erhöhte ER die Schönheit ihres sanft gewölbten Bauches. An der Rückseite stattete ER sie mit den üppigen Halbmonden zweier vortrefflich gestalteter Doppelfleischhälften aus. Und ließ alle diese Wunder auf zwei majestätischen Oberschenkeln ruhen, zwischen denen ER das Kampffeld gesetzt hat, das, ist es üppig, in seiner Fülle einem Löwenkopf gleicht und das die Menschen „Vulva“ nennen. O, unzählbar sind die Namen der Männer, die an dieser Pforte schon ihr Leben lassen mußten! Und unter ihnen nicht wenige der Tapfersten und Besten.
Gott hat diesem Objekt einen Mund, eine Zunge1, zwei Lippen und eine Form, vergleichbar dem Hufabdruck einer Gazelle im Wüstensand, gegeben.
Alle diese Wunder aber werden von zwei wunderbaren Säulen getragen, die Zeugen der Macht und der Weisheit Gottes sind; sie sind wohlgeformt, verziert mit den Ornamenten der Knie, der Waden und der zarten Fußknöchel, auf deren Bug kostbare Edelsteine ruhen. Der Allmächtige hat die Frau in ein Meer des Entzückens, verschwenderischer Pracht und üppiger Wollust getaucht; ER hat sie in die kostbarsten Gewänder gehüllt und ihr Gesicht mit einem Lächeln erhellt.
Gepriesen sei Gott, daß ER die Frau in ihrer Schönheit und ihrem reizvollen Körper erschuf; mit glänzendem Haar, der Taille, dem Hals, mit Brüsten, die anschwellen, und verliebten Gebärden, die das Verlangen mehren.
Der Herr der Welten hat ihr die Macht, zu verführen, verliehen; alle Männer, ob stark oder schwach, unterliegen ohne Ausnahme ihrem Zauber. Auch das Gemeinschaftsleben hängt von der Frau ab; sie ist es, die den Aufenthaltsort wählt und über Aufbruch und Bleiben der Familie bestimmt.
Der Zustand der Demütigung in den Herzen jener, die lieben, aber vom Objekt ihrer Zuneigung getrennt sind, verzehrt ihre Brust mit den Flammen der Liebe und erfüllt sie mit Unterwürfigkeit, Elend und Verzweiflung. So werden sie, infolge ihrer Leidenschaft, auf jede Art und Weise um ihr Schicksal betrogen; und dies alles nur wegen des brennenden Verlangens nach Vereinigung.
Ich, der Diener Gottes, erweise IHM meinen Dank, dafür, daß kein Mann dem Zauber einer schönen Frau widerstehen und sich von dem Verlangen, sie zu besitzen, befreien kann; weder durch einen Ortswechsel noch durch Flucht noch durch Trennung.
Ich bezeuge, daß es keinen anderen Gott gibt außer IHM, dem Lebendigen, dem aus sich selbst Seienden und Allerhaltenden! Und ich werde an diesem Zeugnis festhalten bis zum Tag des Letzten Gerichts.
Ebenso lege ich für MOHAMMED Zeugnis ab, den Diener und Gesandten Gottes, den Propheten der Propheten (Gottes Segen und Barmherzigkeit seien mit ihm, seiner Familie und seinen Schülern2). Ich bewahre meine Gebete und Segenssprüche für den Tag der Vergeltung auf. Gebe Gott, daß sie gehört werden!
Über die Entstehung dieses Buches
Das vorliegende Werk basiert auf einem kleinen Buch mit dem Titel Die Fackel des Universums, das von den Mysterien der Zeugung handelt. Dieses Büchlein fand die Aufmerksamkeit des Wesirs unseres Herrn Abd-el-Aziz, Herrscher von Tunis, dem er auch Hofdichter, Kamerad, Freund und Privatsekretär war. Er war ein außerordentlicher Mann, gerecht im Urteil, erfahren, weise, klug, und galt als der gelehrteste Mann seiner Zeit. Er hieß Mohammed ben Ouana ez Zouaoui und gehörte dem Stamm der Zouaoua an.3 Er war nach Algier gekommen und hatte dort die Bekanntschaft unseres Herrn Abd-el-Aziz el Hafsi gemacht.4
Am Tag der Eroberung von Algier durch die Spanier floh unser Herr mit ihm nach Tunis (Möge ihn die Macht Gottes bis zum Tag der Auferstehung beschützen!) und ernannte ihn dort zum Großwesir.
Kurz nachdem das oben erwähnte Büchlein in seine Hände gelangt war, ließ er mir die Einladung überbringen, ihn möglichst bald in seinem Wohnhaus zu besuchen. Ich kam der Einladung nach und wurde von ihm mit großer Liebenswürdigkeit empfangen. Drei Tage später kam er zu mir, zeigte mir das kleine Buch und sagte:
„Das ist dein Werk!“
Als er sah, daß ich errötete, fügte er hinzu:
„Du hast keinen Grund, dich zu schämen, denn alles, was du geschrieben hast, ist wahr; es steht in diesem Buch nichts, weshalb irgend jemand sich fürchten müßte. Abgesehen davon bist du nicht der erste, der dieses Thema behandelt, und, ich schwöre bei Gott, es ist mein Wunsch und meine ernsthafte Absicht, daß das Wissen, welches in diesem Buch versammelt ist, größere Verbreitung finden soll. Nur ein Stumpfsinniger und ein Feind der Erkenntnis würde versuchen, es zu ignorieren oder sich darüber lustig zu machen. Aber höre: Es gibt da noch ein paar Dinge, die du auch anführen solltest.“
Ich fragte ihn, welche das wären, und er antwortete:
„Ich wünsche, daß du deinem Werk ein Kapitel hinzufügst, das die Heilmittel und Arzneien behandelt, die du bisher in deiner Arbeit nicht erwähnt hast, daß du alle bekannten Tatsachen dazu aufzählst und nichts ausläßt. Du wirst auch über die Beweggründe schreiben, über die Umstände und die Bedingungen, die den Koitus erschweren, oder wie er zu verhindern ist. Du wirst des weiteren die Heilmittel erwähnen, die man gegen den Verlust der Potenz gebraucht, und jene, die Verwünschungen aufheben; außerdem die Mittel, durch welche ein kleines Glied größer gemacht werden kann, sowie jene Mittel, durch die man den schlechten Geruch aus den Achselhöhlen und von dem Geschlecht der Frau vertreiben kann, damit sie wohlriechend werden, und durch welche Mittel man das Geschlecht der Frau wieder verengen kann. Du wirst dich auch mit der Schwangerschaft befassen, damit das Buch vollständig werde und keine Fragen offen läßt. Erst dann wird deine Arbeit vollendet sein.“
Ich antwortete dem Wesir: „O mein Herr, dem gerecht zu werden, was Ihr aufgezählt habt, fällt mir nicht schwer, wenn es auch Gott, dem Herrn im Himmel, wohlgefällig ist.“5
Nachdem er gegangen war, machte ich mich unverzüglich an die Arbeit, erstellte ein Verzeichnis und begann, Material für die Ausarbeitung zu sammeln.
Ich erflehte den Beistand Gottes, der alles zu unserem Besten geordnet hat (denn es gibt nur einen Gott, und alles Gute kommt von Ihm), und bat Ihn, mich auf den rechten Weg zu führen. Unsere Stärke und unser Glück gründen in Gott, dem Allmächtigen, dem Allerhöchsten; und es gibt keine Macht und keine Freude als in Ihm. Unsere Kraft und Seligkeit ruhen in Gott, dem Allmächtigen und Allerhöchsten!
Ich nannte mein Buch Der parfümierte Garten als Jungbrunnen der Seelen (Er Roud el Âater p’nezaha el Khater).
Um das Studium dieses Buches zu erleichtern, habe ich es in einundzwanzig Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel bezieht sich auf ein bestimmtes Thema, sei es medizinischer Natur, anekdotisch oder eine Aufzählung der Schliche und Täuschungen der Frauen.
1Gemeint ist die Klitoris.
2Mohammed ruft in Vers 56 der Sure 33 mit dem Titel „Die Gruppierungen“ die Gläubigen dazu auf, den Segen über ihn zu sprechen und ihn mit dem gehörigen Gruß zu grüßen. Es geschieht in Erfüllung dieses Gebotes, daß die Muselmanen den Namen ihres Propheten weder aufschreiben noch aussprechen, ohne die heilige Formel „Gott segne ihn und schenke ihm Heil“ hinzuzufügen.
3Die Zouaoua [zu Deutsch: die Igawawen oder Gawawa, Arabisch: Zwāwa] waren ein unabhängiger Kabylen-Stamm, der die Höhen von Djurjura bewohnte. Das Land Kon-Kon, das von den spanischen Schriftstellern als Königreich dargestellt wird, war das Gebiet, das dem Zouaoua-Stamm unterstand, der häufig in Konflikte mit den Türken geriet, nachdem jene in Tunis gelandet waren.
4Bei dem betreffenden Zeitraum kann es sich nur um die Unterwerfung Algiers durch die Spanier handeln, als die Stadt im Jahr 1510 (916 nach der Hedschra) die Herrschaft Spaniens anerkannte und sich verpflichtete, Tribut zu zahlen, oder um die Etablierung der türkischen Herrschaft im Jahr 1515 (921 nach der Hedschra). Dies sind die einzigen zwei Fälle von Unterwerfung, die uns von den Historikern überliefert wurden; und in keinem dieser Perioden regierte ein Abd-el-Aziz Tunis. Es ist jedoch recht wahrscheinlich, daß der Autor von der türkischen Besetzung spricht, als Barbarossa [der griechische Seeräuber islamischen Glaubens, Cheir-ed-Din Barbarossa], nachdem er vom Emir von Algier eingeladen worden war, ihm mit seinen Türken im Krieg gegen die Spanier zu helfen, in der Stadt ankommt, den Emir tötet und sich selbst als König von Algier ausruft.
Damals hieß der Regent von Tunis Abou Omar Amane Mohammed. Der Bey mit dem Namen Abd-el-Aziz, der nach der Periode seiner Regentschaft den Ereignissen, die der Autor erwähnt, am nächsten kommt, war Abou Omar Abd-el-Aziz, der 893 starb und einer der besten Kalifen der Ben-Hafs-Dynastie war. Dieser Fehler oder diese Abweichung wird niemanden überraschen, der weiß, wie ungenau die Araber bei Zitaten sind.
5Die Araber sagen nie, daß sie etwas tun, ohne anzufügen: „Wenn es Gott gefällt.“ Die Vorschrift des Koran (Vers 23, Sure 18) lautet: „Und sprich nie von einer Sache: ‚Ich werde es morgen tun‘, es sei denn (du fügst hinzu): ‚So Allah will.‘“
Der Ursprung dieser Verse wird der momentanen Verzweiflung Mohammeds zugeschrieben, in die er verfiel, nachdem er den Juden versprochen hatte, ihre Fragen zu beantworten, doch vergessen hatte, „So Allah will“ hinzuzufügen. Als Strafe erhielt er die Offenbarungen erst einige Tage später. Der gesamte Vers lautet:
„Und sprich nie von einer Sache: ‚Ich werde es morgen tun‘, es sei denn (du fügst hinzu): ‚So Allah will.‘ Und gedenke deines Herrn, wenn du dies vergessen hast, und sprich: ‚Ich hoffe, mein Herr wird mich noch näher als diesmal zum rechten Wege führen.‘“
ERSTES KAPITEL
Von lobenswerten Männern
WISSE, o Wesir (möge der Segen Gottes auf dir ruhen), zwar gibt es Männer und Frauen von unterschiedlichster Wesensart, jedoch unterscheidet man sie danach, ob sie es wert sind, gelobt zu werden, oder ob sie es verdienen, getadelt, ja verachtet zu werden.
Ist ein untadeliger Mann mit einer begehrenswerten Frau zusammen, schwillt sein Glied an; es erstarkt, wird kraftvoll und hart; es ejakuliert nicht schnell und ist nach dem Höhepunkt bald wieder zu einer Erektion bereit.
Da die Frauen die Männer nur um des Koitus willen lieben, sollte das Glied von ausreichender Größe und Länge sein, der Oberkörper leicht und das Gesäß kräftig; ein Mann sollte wissen, wie er seinen Erguß kontrollieren kann, und immer zur Erektion bereit sein; sein Glied sollte bis auf den Grund des weiblichen Geschlechtes reichen und dieses zur Gänze ausfüllen. Ein Mann mit solchen Vorzügen wird von den Frauen innig geliebt werden. Wie der Dichter schon sagt:
Ich habe Frauen gesehen, die bei Jünglingen
die ausdauernden Vorzüge zu finden hofften,
die einen Mann im Vollbesitz seiner Stärke auszeichnen.
Die Schönheit und die Freude am Genuß,
Kraft und Beherrschung,
ein wohlgeformtes Glied, fähig und hilfreich,
die Dauer der Umarmung
zu verlängern,
kräftige Hinterbacken, doch der Oberkörper leicht,
wie Licht
flutet er über ihren Körper,
wieder und wieder, bedeckt das Wasser der Meere
den Strand.
Ohne Hast
gelangt er ans Ziel.
Fähig zum Genuß,
kommt sein Höhepunkt
wie ein seit langer Zeit ersehntes Vergnügen.
Wieder und wieder
ist er bereit,
das Feld zwischen ihren Schenkeln zu pflügen.
Von solcher Art
ist der Mann, dessen Verehrung die Frauen lieben.
Von den Vorzügen, die Frauen bei Männern suchen
Es wird erzählt, daß Abd-el-Melik ben Merouane1 eines Tages seine Geliebte Leilla2 aufsuchte, um ihr einige Fragen zu stellen. Unter anderem wollte er von ihr wissen, was denn die Vorzüge wären, auf die Frauen bei Männern achten.
Sie antwortete ihm: „O, mein Herr, ihre Wangen müssen so rosig sein wie die unsrigen.“
„Und was noch?“, fragte ben Merouane.
„Ihr Haar muß glänzen, voll und geschmeidig sein wie das unsere … – tatsächlich aber müssen sie Euch ähnlich sein. Denn eines ist gewiß, o Prinz der Gläubigen: Wenn ein Mann nicht stark und reich ist, wird er bei den Frauen wenig gelten.“
Über die Länge des männlichen Gliedes
Um eine Frau zu befriedigen, sollte das männliche Glied nicht länger als zwölf Finger- oder drei Handbreit sein und nicht kürzer als sechs Finger- oder eineinhalb Handbreit.
Ein Mann, dessen Glied kürzer als zwei Handbreit ist, wird die Frauen zwar erfreuen, aber nur mit wechselndem Erfolg befriedigen.
Über den Gebrauch und Nutzen von Parfum beim Liebesakt
Die Geschichte von Mosailama
Düfte haben die Macht, das sexuelle Begehren der Menschen zu erregen. Das trifft auf Männer wie auf Frauen gleichermaßen zu. Der Gebrauch von Parfum hat sich schon oft als hilfreich erwiesen, wenn ein Mann eine Frau verführen wollte.
Zu diesem Thema ist die Geschichte von Mosailama3, dem Betrüger, dem Sohn Kais (den Gott verfluche!), überliefert, die ich hier erzählen will. Mosailama behauptete von sich, das Gottesgeschenk der Prophetie zu besitzen, und es ist bekannt, daß er dabei auch den Propheten Gottes (Mögen Gottes Heil und Segen auf ihm ruhen!) nachahmte. Aus diesem Grund haben er und viele Araber sich den Zorn des Allmächtigen zugezogen.
Mosailama, der Betrüger, der Sohn Kais, fälschte und verfälschte den Koran durch seine Lügen und Unwahrheiten, wie es ihm gerade paßte. Als eines Tages Leute eines bösen Glaubens ihn besuchten und die Sprache auf jenes Kapitel des Koran kam, welches der Engel Gabriel4 (Gott gewähre ihm Erlösung!) dem Propheten (die Gnade Gottes sei mit ihm!) gebracht hatte, behauptete Mosailama: „Der Engel Gabriel hat auch mir ein ähnliches Kapitel gebracht.“
Dann begann er sich über das Kapitel Der Elefant (al-Fīl)5 lustig zu machen, indem er sagte: „In dem Kapitel Der Elefant sehe ich den Elefanten. Ich frage mich: Was ist der Elefant? Wofür steht er? Was ist dieser Vierfüßler eigentlich? Er hat einen Schwanz, ein Schwanzende und einen langen Rüssel. Er ist wahrlich eine Schöpfung Gottes, des Großartigen!“
Das Kapitel Der Überfluß (al-Kauthar)6 war ebenfalls Gegenstand seiner Spottreden. Er sagte: „Wir haben Dir wertvolle Edelsteine gegeben, aus denen Du, Mächtigster, Dir selbst die wertvollsten auswählen kannst. Denn wir haben Dir, Höchster, den Vorzug vor allen Menschen gegeben. Also wähle gut und gib acht, daß dies Dich nicht zum Hochmut verführt.“
Auf diese Art und Weise hat Mosailama mit seinen Lügen und Unwahrheiten zahlreiche Kapitel des Koran verfälscht.
Eines Tages nun, während er bei der Arbeit war, kam ihm zu Ohren, was über den Propheten (Gottes Gnade sei mit ihm) gesagt wurde. Hörend lernte er, daß, wenn der Prophet seine ehrwürdigen Hände einem Kahlköpfigen auflegte, diesem sofort das Haar nachwuchs; spie er in eine Quelle, strömte das Wasser im Überfluß; war das Wasser zuvor salzig gewesen, wurde es mit einem Mal frisch und süß; strich er seinen Speichel auf ein blindes oder von Krankheit befallenes Auge, war es sofort wiederhergestellt; legte er aber seine Hand auf den Kopf eines Kindes und sprach dazu die Worte: „Lebe hundert Jahre lang“, so war es gewiß, daß dieses Kind hundert Jahre lang leben würde.
Auch die Schüler Mosailamas hörten diese Reden. Sie gingen zu Mosailama und sagten: „Hast du von dem Propheten Mohammed gehört und den Wundern, die er vollbringt?“
Er antwortete ihnen: „Ich habe davon gehört. Ich werde es besser machen als er.“
Nun war Mosailama ein Feind Gottes, und wenn er seine unwürdige Hand einem spärlich behaarten Kopf auflegte, so wurde dieser mit einem Schlag kahl; spie er in einen Brunnen mit Süßwasser, wurde es sofort salzig; strich er seinen Speichel auf ein von Krankheit befallenes Auge, erblindete es; und wenn er seine Hand auf den Kopf eines Kindes legte und dabei die Worte sprach: „Lebe hundert Jahre lang“, so fiel es mit Sicherheit auf der Stelle tot um.
Seht, o meine Brüder, was jenen passiert, deren Augen sich dem Licht verschließen und die Hilfe des Allmächtigen leugnen!
Hört nun, was jener Frau aus dem Stamme der Beni-Temin widerfuhr, deren Name Sheja el Temimia war. Diese Frau war zur Prophetie berufen. Sie hatte von Mosailama gehört und er von ihr.
Sie war sehr mächtig, denn der Stamm der Beni-Temin war zahlreich. Eines Tages sagte sie sich: „Das hat es noch nie gegeben, daß zwei Menschen zur selben Zeit zur Prophetie berufen waren. Entweder ist er ein Prophet, und dann werden ich und meine Schüler seine Gesetze befolgen, oder ich bin der Prophet, und er und seine Schüler müssen meine Gesetze befolgen.“
Dies alles geschah nach dem Tod des wahren Propheten (auf dem der Segen Gottes ruhe!).
Sheja schrieb nun an Mosailama folgenden Brief:
Es ist nicht üblich, daß zwei Menschen gleichzeitig prophezeien; wir werden uns treffen und unsere Lehren prüfen, wir und unsere Schüler werden das diskutieren, was Gott uns offenbart hat, und wir werden den Gesetzen desjenigen folgen, der sich als der wahre Prophet erweist.
Dann verschloß sie den Brief, gab ihn einem Kurier und sagte zu ihm: „Bring diese Botschaft nach el Yamama und übergib sie Mosailama ben Kais; in der Zwischenzeit werde ich mit meinem Heer nachkommen.“
Am nächsten Tag bestieg die Prophetin ihr Pferd und brach, begleitet von ihrem Gefolge, nach el Yamama auf.
Der Kurier, in der Stadt angekommen, begab sich sogleich zu Mosailama, grüßte ihn und übergab den Brief.
Mosailama öffnete den Brief, las und begriff sofort den Ernst der Botschaft. Er ließ seine Vertrauten zu sich rufen, um sich mit ihnen zu beraten. Einer nach dem anderen kam, um ihm seine Ratschläge zu unterbreiten und seine Ansichten zu dem Problem darzulegen. Mosailama aber hörte nichts als leere Worte, denn keiner ihrer Ratschläge konnte ihn aus seiner mißlichen Lage befreien.
In dieser Bestürzung näherte sich ihm einer seiner Ratgeber, mit dem er noch nicht gesprochen hatte, und sagte zu ihm: „O Mosailama, beruhige deine Seele und erfrische dein Auge. Ich will dir raten wie ein Vater seinem Sohn.“
„Sprich, und laß deine Worte aufrichtig sein!“, antwortete Mosailama.
„O Mosailama, errichte morgen in aller Frühe außerhalb der Stadt ein Zelt aus gefärbtem Brokat. Innen statte es mit den kostbarsten Seidenstoffen aus.7 Fülle es danach mit den Düften erlesener Parfums wie Amber und Moschus und mit stark duftenden Blumen wie der Rose, mit Orangenblüten, Jasmin, Narzissen, Hyazinthen und Nelken. Sobald dies getan ist, stelle im Zelt einige goldene Gefäße auf, die mit grüner Aloe, grauem Amber, nedde8 und ähnlichem gefüllt sind. Dann verschließe die Eingänge so, daß keiner dieser Düfte entweichen kann.
Wenn du siehst, daß die Düfte so stark geworden sind, daß sie das Wasser, welches in dem Zelt ist, sättigen, besteige deinen Thron und laß die Prophetin rufen, um mit ihr alleine in dem Zelt zu reden. Wenn sie das Duftgemisch einatmet, wird sich ihr Körper entspannen, sie wird zugleich entzückt und erregt sein und sich fühlen, als ob ihr gleich die Sinne schwinden. Siehst du, daß es soweit ist, frag sie, ob du ihr Begehren stillen sollst; sie wird nicht zögern, dem zuzustimmen. Hast du sie aber erst einmal besessen, wirst du für immer von den Schwierigkeiten, die sie und ihre Gefolgschaft dir bereitet haben, befreit sein.“
„Du hast gut gesprochen“, rief Mosailama begeistert aus. „Bei Gott, dein Rat ist gut und gut durchdacht.“ Und sogleich gab er Anweisung, den Plan auszuführen.
Nachdem alles seinen Wünschen gemäß geschehen war und er sah, daß das Duftgemisch stark genug war, um das Wasser in dem Zelt zu sättigen, setzte er sich auf seinen Thron und ließ die Prophetin rufen. Er begann, mit ihr zu sprechen, und während er sprach, bemerkte er, wie sie allmählich an Geistesgegenwart verlor und ihre Aufmerksamkeit nachließ; sie schien verwirrt und benommen.
Da wußte er, daß sie den Beischlaf begehrte, und er sagte:
„Komm, erhebe dich und laß mich dich besitzen; dieser Ort wurde eigens für diesen Zweck vorbereitet. Wenn du willst, kannst du dich auf den Rücken legen oder auf allen Vieren hinhocken oder knien wie beim Gebet, ein Dreifuß, mit deiner Stirn am Boden und deinem Gesäß in der Luft.9 Welche Stellung du auch immer begehrst, sprich, und du sollst erhört werden.“
„Ich will es auf jede Weise“, antwortete die Prophetin. „Laß die Offenbarung Gottes in mich eindringen, o Prophet des Allmächtigen!“
Er stürzte sich auf sie und erfreute sich an ihr, wie es ihm gefiel. Danach sagte sie zu ihm: „Ich werde diesen Ort jetzt verlassen. Komm später zu mir und erbitte mich von meiner Gefolgschaft als deine Frau.“
Als ihre Schüler, die in einiger Entfernung von dem Zelt auf sie gewartet hatten, sie nach dem Ergebnis der Beratung fragten, antwortete sie ihnen: „Mosailama hat mir alles gezeigt, was ihm offenbart worden ist, und ich weiß, daß es die Wahrheit ist: Gehorcht ihm!“
Später ging Mosailama zu ihr und erbat sie von ihrer Gefolgschaft als Frau, was ihm gewährt wurde. Als die Gefolgschaft ihn nach der Morgengabe für seine zukünftige Braut fragte, antwortete er ihnen:
„Ich erlasse euch die Verrichtung des Nachmittagsgebetes.“
Seit damals beten die Beni-Temin nicht mehr um diese Stunde. Und wenn man sie nach dem Grund dafür fragt, antworten sie: „Die Weisung unserer Prophetin ist der Grund dafür; sie allein kennt den Weg der Wahrheit.“ Denn sie haben nie einen anderen als ihren Propheten akzeptiert. Darauf bezieht sich auch der Dichter, wenn er sagt:
Uns war eine Frau als Prophetin gegeben;
und wir halten ihre Worte hoch.
Allen anderen Menschen jedoch
bestimmen die Gesetze
männlicher Propheten das Leben.
Der Tod Mosailamas war durch den Propheten Abou Beker10 (möge ihm Gott wohlgesinnt sein!) vorausgesagt worden. Einige glauben, daß ein Mann namens Zeidben Khettab ihn getötet hat, andere behaupten, er sei von Ouhsha, einem seiner Schüler, ermordet worden. Nur Gott weiß, ob Ouhsha wirklich der Mörder war. Die Leute glauben es, weil von ihm folgende Worte überliefert sind: „In meiner Unwissenheit habe ich den besten aller Männer getötet, Haman ben Abd el Mosaleb, und auch den schlechtesten, Mosailama. Ich hoffe, daß Gott mir eine dieser Taten in Anrechnung der anderen vergeben wird.“11
Sheja aber bereute, bekehrte sich zum islamischen Glauben und heiratete einen Nachkommen des Propheten (möge der Herr mit Wohlgefallen auf ihren Mann blicken!).
Und hier endet diese Geschichte.
Nur ein Mann, der sich bemüht, den Frauen zu gefallen, ist ihrer Gunst auch wert – behaupten zumindest die Frauen.
Er sollte ein gutes Auftreten haben, in seinem Erscheinungsbild gepflegt sein und die Leute, mit denen er sich umgibt, an Schönheit überragen. Seine körperliche Verfassung sollte gut und sein Körper wohlproportioniert sein; er sollte aufrichtig und ernsthaft sein, auch im Gespräch mit Frauen; des weiteren großzügig, tapfer, kein Prahlhans und ein amüsanter Unterhalter. Sklave seines Wortes muß er ein gegebenes Wort immer halten, stets die Wahrheit sagen, seine Vorhaben ausführen und immer tun, was er gesagt hat.
Ein Mann aber, der mit seinen Erfolgen bei Frauen oder ihrer Geneigtheit zu ihm prahlt, ist ein Geck. Von solchen Männern wird im nächsten Kapitel die Rede sein.
Zuvor, und um dieses Kapitel abzuschließen, erzähle ich noch die Geschichte von Bahloul, dem Hofnarren, und der Tochter des Königs.
Die goldene Robe
Es lebte einmal ein König mit Namen Mamoun.12 Der hatte einen Hofnarren, Bahloul genannt, um seine Prinzen und Wesire zu unterhalten.
Eines Tages erschien nun dieser Possenreißer wieder bei Hofe, als sich der König gerade amüsierte. Er gestattete ihm, sich zu setzen, und fragte ihn, wobei er sich von ihm abwandte: „Warum bist du gekommen, o du Sohn einer bösen Frau?“
„Ich bin gekommen, um zu sehen, was es bei unserem Herrn, den Gott immer siegreich machen möge, Neues gibt.“
„Und was gibt es bei dir Neues?“, fragte der König. „Und wie geht es dir mit deinen zwei Frauen, der neuen und der alten?“ Bahloul hatte sich nämlich, unzufrieden mit seiner Frau, mit einer zweiten Frau verheiratet.
„Ich bin nicht glücklich“, antwortete Bahloul. „Weder mit der alten noch mit der neuen; und zudem bedrückt mich Armut.“
„Kannst du zu dem Thema irgendwelche Verse vortragen?“
Bahloul bejahte, und der König forderte ihn auf, die Verse vorzutragen. Bahloul begann:
Die Armut hält mich in Ketten; das Elend peinigt mich
ohne Unterlaß,
ich werde von Schicksalsschlägen gegeißelt,
ein Unstern hat mich in Bedrängnis gebracht
und mir die Verachtung der Menschen zugezogen.
Nein, Gott schätzt eine Armut wie die meine nicht;
mein Zustand ist in jedermanns Augen eine Schmach.
Unglück und Elend halten mich seit langer Zeit umarmt;
und es besteht kein Zweifel daran,
daß mich auch mein Wohnhaus schon bald nicht mehr kennen wird.
Darauf sagte Mamoun zu ihm: „Wohin also wirst du gehen, in deiner Not?“
„Zu Gott und seinem Propheten, o Prinz der Gläubigen.“
„Das ist gut“, sagte der König. „Jene, die ihre Zuflucht bei Gott und seinem Propheten suchen und danach bei uns, werden willkommen sein. Aber kannst du mir nun noch einige Verse über deine zwei Frauen vortragen und darüber, wie du mit ihnen zurechtkommst?“
„Gern“, antwortete Bahloul.
„Dann laß uns hören, was du zu sagen hast!“
Bahloul begann:
Aus Unwissenheit habe ich zwei Frauen geheiratet –
und warum beklagst du dich, Ehemann von zwei Frauen?
Sagte ich nicht zu mir selbst: Ich werde zwischen
ihnen liegen wie ein Lamm?
Und werde meine Freude haben an den Busen meiner beiden Schafe,
aber ich wurde ein Zicklein zwischen zwei Schakalinnen,
Tag für Tag, Stunde für Stunde beuge ich mich unter ihr Joch.
Bin ich zu der einen nett, quält mich die andere,
sodaß ich niemals Ruhe habe.
Darum: Wenn du gut leben willst, mit einem freien Herzen
und freier Hand, dann heirate nicht.
Wenn du aber heiraten mußt, heirate nur eine Frau:
Denn ein einziges Weib genügt, um zwei Armeen zu befriedigen.
Mamoun mußte über diese Verse so sehr lachen, daß er beinahe von seinem Sitzkissen fiel. Als Beweis seiner Gunst schenkte er Bahloul seine goldene Robe, ein außerordentlich schönes und kostbares Kleidungsstück.
In bester Laune machte sich Bahloul nach dem Besuch beim König wieder auf den Weg. Als er gerade am Wohnhaus des Großwesirs vorbeikam, erblickte ihn Hamdouna vom Dach ihres Palastes aus.
„Bei dem Gott des Tempels in Mekka! Schau, wer da kommt!“, sagte sie zu ihrer Negerin. „Ist das nicht Bahloul, der Narr des Königs? Und ist er nicht selbst gekleidet wie ein König, in einer schönen, golddurchwirkten Robe? O, könnte ich nur in den Besitz dieser Robe gelangen.“
Die Negerin erwiderte: „Bei allem Respekt, Herrin, nie wirst du in den Besitz dieser Robe gelangen.“
„Durch eine List könnte es gelingen.“
„O meine Herrin“, erwiderte die Negerin, „die Leute denken zwar, daß sie sich ihren Spaß mit Bahloul machen können, aber in Wahrheit ist es immer er, der sich über sie lustig macht. Sie denken, sie könnten Bahloul überlisten, aber stattdessen ist es immer er, der sie überlistet. Bahloul ist schlau, Herrin, verschlagen und gerissen wie ein Fuchs. Vergiß die goldene Robe, ich bitte dich, damit du dich nicht selbst in der Schlinge fängst, die du für ihn ausgelegt hast.“
„Nein, ich will es versuchen“, sagte Hamdouna und schlug ihre Warnung in den Wind. Dann schickte sie die Negerin zu Bahloul, um ihm auszurichten, er möge in ihren Palast kommen.
Als Bahloul dies hörte, sagte er zu sich: „Bei Gottes Segen, wenn einer dich ruft, sollst du ihm antworten“, und folgte der Negerin zu Hamdounas Palast. Hamdouna hieß ihn willkommen und sagte: „O Bahloul, kann es sein, daß du gekommen bist, um mich singen zu hören?“
„Aus keinem anderen Grund, meine Herrin!“, beeilte sich Bahloul zu sagen, denn es war bekannt, daß sie eine außerordentlich schöne Stimme hatte.
„Und kann es auch sein“, sagte Hamdouna, „daß es dir, nachdem du meine Lieder gehört hast, auch angenehm wäre, einige Erfrischungen bei mir zu dir zu nehmen?“
Er bejahte, und sie begann, ihre Lieder zu singen. Sie sang so wunderbar, daß alle, die sie hörten, am liebsten vor Liebe und Sehnsucht gestorben wären. Als sie geendet hatte, wurden die Erfrischungen gereicht und kleine Speisen aufgetragen. Bahloul aß und trank. Als er sein Mahl beendet hatte, sagte die Königstochter zu ihm: „Ich weiß nicht warum, aber mir scheint, du würdest mir gerne deine Robe schenken.“
Bahloul erwiderte: „O meine Herrin! Gern würde ich das tun, aber ich habe geschworen, daß ich diese Robe nur einer Frau geben werde, mit der ich das getan habe, was ein Mann mit einer Frau macht.“
„Was! Weißt du, was das ist, Bahloul?“
„Weiß ich es?“, antwortete er. „Ich, der ich Gottes Kreaturen in dieser Wissenschaft unterrichte? Ich, der sie unterweist, nur in Liebe miteinander zu verkehren, der ihnen die Geheimnisse und Freuden offenbart, die eine Frau einem Mann bereiten kann, und ihnen zeigt, wie man zu einer Frau zärtlich ist, was sie erregt und was sie befriedigt? O meine Herrin, wer sollte mehr von der Liebeskunst verstehen als ich?“
Hamdouna war die Tochter des Königs Mamoun und die Frau des Großwesirs. Sie war von so auserlesener, vollkommener Schönheit, daß ihr Anblick jeden Betrachter betörte. Keine Frau ihrer Zeit übertraf sie an Anmut und Liebreiz. Gott hatte sie mit so vielen Reizen ausgestattet und in solcher Schönheit erschaffen, daß selbst die mutigsten Männer bei ihrem Anblick verlegen wurden und in ihrer Gegenwart die Augen zu Boden schlugen, um dem Zauber, der von ihr ausging, nicht zu erliegen. Jene aber, die ihren Blick nicht abwandten, wurden verwirrt und gerieten ganz in ihren Bann. Viele tapfere Männer haben sich um ihretwillen in Gefahr gebracht. Aus Furcht, dem Zauber ihrer Schönheit zu erliegen, und besorgt um seinen Seelenfrieden hatte es Bahloul bisher immer vermieden, ihr zu begegnen.
Nun begannen sie sich zu unterhalten; fiel sein Blick auf sie, senkte er ihn gleich wieder, aus Furcht, die Beherrschung über seine Leidenschaft zu verlieren. Hamdouna ihrerseits brannte vor Verlangen, die Robe zu besitzen; doch er war entschlossen, sie nicht herzugeben, wenn er nicht königlich dafür entlohnt würde.
„Welchen Preis verlangst du nun dafür?“, fragte sie ihn.
„Den Beischlaf, o Apfel meiner Augen!“
„Du weißt, was das ist, o Bahloul?“
„Bei Gott“, rief er, „niemand versteht Frauen besser als ich. Sie sind die Seele meines Lebens. Niemand hat ihre Bedürfnisse besser studiert als ich. Ich weiß, was sie gerne mögen; darum lerne, o Herrin: Männer gehen in dieser Welt den unterschiedlichsten Beschäftigungen nach, jeweils in Übereinstimmung mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Der eine nimmt, der andere gibt; dieser verkauft, jener kauft. Aber nichts davon interessiert mich. Mein einziger Gedanke gilt der Liebe und dem Besitz von schönen Frauen. Ich heile jene, die krank vor Liebe sind, und tröste ihre durstenden Vaginas.“
Hamdouna war von diesen Worten und der Sanftheit seiner Rede überrascht.
„Kennst du zu diesem Thema irgendwelche Verse?“, fragte sie ihn.
Er bejahte.
„Sehr gut, Bahloul. Dann laß mich hören, was du zu sagen hast.“
Daraufhin rezitierte er die nachfolgenden Verse:
Männer unterscheiden sich nach ihren Geschäften und ihren Taten:
Einige sind immer geistreich und heiter, andere den Tränen nah.
Des einen Leben ist rastlos und voller Ungemach,
der andere ist bevorzugt in allem
und wandelt stets auf den goldenen Wegen des Glücks.
Nur mir alleine bedeuten solche Dinge nichts.
Was kümmern mich die Türken, die Perser und Araber?
Mein einziges Streben gilt der Liebe und dem Verkehr mit Frauen.
Kein Falsch und kein Fehl liegt darin!
Ist mein Glied ohne Vulva, ist mein Zustand erschreckend.
Dann brennt mein Herz mit einem Feuer,
das nicht gelöscht werden kann.
Schau auf mein Glied, hoch aufgerichtet! Hier ist es – bewundere es!
Bewundere seine Schönheit!
Es dämpft die Glut und löscht die heißesten Feuer.
Mit einer einzigen Bewegung
stößt es zwischen deine Schenkel vor
und zieht sich zurück.
Mit einer einzigen Bewegung.
O meine Hoffnung, mein Apfel,
o du edle und großmütige Frau,
und wenn ein Gang nicht genügt, dein Feuer zu stillen,
werde ich ihn wieder tun, um dir Befriedigung zu verschaffen.
O Herrin, niemand mag dir einen Vorwurf machen,
die ganze Welt macht das gleiche;
aber wenn du mich verleugnen willst, dann schick mich fort!
Dann jag mich weg wie einen Hund,
ohne Furcht, daß dich danach Gewissensbisse plagen.
Also besinn dich und sprich, und mehre nicht meinen Ärger,
indem du mir Vorwürfe machst.
Solange ich hier bin, laß die Worte gut und vergebend sein,
nicht scharf und verletzend wie Schwertklingen,
die du in mich bohrst – nein!
Laß mich zu dir kommen und weise mich nicht zurück.
Laß mich zu dir kommen
wie einen, der einem Durstigen zu trinken bringt;
laß mich meine hungrigen Augen
am Anblick deines Busens nähren.
Zögere nicht länger und verwehre mir nicht die Freuden der Liebe.
Gib dich mir hin und sei nicht verschämt.
Höre: Selbst wenn du mich mit Krankheit von Kopf bis Fuß erfüllst;
ich werde dir nie Ärger bereiten,
ich werde immer so bleiben, wie ich bin, und du, wie du bist,
wissend, daß ich der Diener bin und du die Herrin.
Willst du, daß unsere Liebe im geheimen geschieht?
Sie soll für alle Zeit verborgen sein.
Ich werde sie als Geheimnis bewahren
und stumm und mundtot sein.
Siehe: Es ist Gottes Wille, daß alles geschieht.
Er hat mich mit dieser Liebe erfüllt;
aber heute ist mein Glück getrübt.
Während Hamdouna diesen Worten lauschte, schwanden ihr beinahe die Sinne. Sie setzte sich so, daß sie Bahlouls Glied betrachten konnte, das stolz seinen Kopf gehoben und sich wie eine Säule zwischen Bahlouls Schenkeln aufgerichtet hatte. Sie sagte sich: „Ich will mich ihm hingeben“, dann wieder: „Nein, ich weise ihn zurück.“ Noch unsicher, fühlte sie, wie tief zwischen ihren Beinen das Verlangen wuchs, und der sämige Vorbote der Lust, warm und feucht, sich in ihrem Geschlecht auszubreiten begann.
Schließlich kämpfte sie nicht länger gegen ihr Verlangen an und zerstreute all ihre Bedenken, indem sie sich sagte: „Wenn dieser Bahloul, nachdem er das Vergnügen mit mir geteilt hat, sich damit brüsten will, wird ihm ohnehin niemand glauben.“
Sie bat ihn, die Robe abzulegen und mit ihr zu kommen, aber Bahloul erwiderte:
„Ich werde die Robe nur ablegen, wenn ich mein Verlangen gestillt habe, o Apfel meines Auges!“
Hamdouna erhob sich, zitternd vor Verlangen und in Erwartung dessen, was nun folgen würde. Sie öffnete ihren Gürtel und verließ den Raum. Bahloul folgte ihr, nicht sicher, ob er wach war oder träumte. Sie führte ihn in ihr Schlafgemach, ließ sich auf ein mit Seide bespanntes Bett sinken, das mit einem hochgewölbten Baldachin überspannt war, schob, am ganzen Leib zitternd, ihre Kleider bis über die Schenkel hoch, sodaß die ganze Schönheit, die Gott ihr gegeben hatte, mit einem Mal vor Bahlouls Augen lag.
Er betrachtete ihren Bauch, dessen Wölbung einer anmutigen Kuppel glich, ließ seine Blicke auf ihrem Nabel ruhen, der dort wie eine Perle in einer goldenen Schale lag; den Blick tiefer senkend erblickte er ein Meisterstück aus Mutter Naturs Handwerkstatt, wie er bisher kein vollendeteres gesehen hatte; vollendet auch die Weiße und Form ihrer Schenkel. Mit einer leidenschaftlichen Umarmung zog er Hamdouna an sich. Er sah, wie mit einem Mal die Lebensgeister aus ihrem Gesicht wichen, daß es schien, als würde sie das Bewußtsein verlieren. Völlig kraftlos sank sie neben ihn auf das Bett, und daß sie dabei Bahlouls Glied in der Hand hielt, erregte ihn nur noch mehr.
„Warum bist du so außer dir?“, fragte er sie.
„Laß mich, o du Sohn einer liederlichen Frau. Bei Gott, ich bin wie eine Stute in Hitze, und du hörst nicht auf, mich mit deinen Worten immer stärker zu erregen. Und welche Worte! Sie würden jede Frau in Hitze bringen, und wäre sie die reinste Frau auf Erden. Willst du mich mit deinen Worten und Versen töten?“
„Bin ich nicht wie dein Ehemann?“
„Ja, aber eine Frau kann für jeden Mann in Hitze geraten, wie eine Stute für jeden Hengst; ob er nun ihr Ehemann ist oder nicht. Der einzige Unterschied ist, daß eine Stute nur zu bestimmten Zeiten des Jahres von einem Hengst erregt wird, und nur dann empfängt sie ihn, wohingegen eine Frau immer durch Worte der Liebe erregt werden kann. Nun aber beeile dich, denn mein Mann wird bald zurück sein.“
Bahloul aber antwortete: „O meine Herrin, meine Hüften tun mir weh und erlauben es mir nicht, daß ich mich auf dich lege; darum setze du dich auf mich und nimm die Position des Mannes ein; dann nimm meine Robe, und ich werde gehen.“
Sogleich legte er sich auf den Rücken und nahm die Position ein, die normalerweise eine Frau einnimmt, wenn sie einen Mann empfängt; dabei stand sein Glied von ihm ab wie eine Säule.
Hamdouna setzte sich auf Bahloul, nahm sein Glied in ihre Hände und begann, es ausgiebig zu betrachten. Erstaunt über seine Größe, seine Stärke und Steifheit rief sie aus: „Das ist also der Ruin aller Frauen und der Grund vieler Ärgernisse. O Bahloul! Ich habe noch nie einen schöneren Pfeil als deinen gesehen!“
Noch immer hielt sie ihn zwischen den Händen und rieb seinen Kopf gegen ihre Schamlippen, bis diese zu weinen begannen und zu sagen schienen: „Dring in mich ein!“
Bahloul nahm sein Glied in die Hand und hielt es an ihre Pforte. Langsam ließ sie sich darauf niedersinken, bis es vollständig in ihrer Vagina verschwunden war. Nichts blieb draußen, nicht der kleinste Streifen war mehr zu sehen, und sie rief: „Wie wollüstig hat Gott die Frauen erschaffen und wie zügellos in der Befriedigung ihrer Lust!“
Dann vergaß sie sich, ließ ihr Becken kreisen wie ein Sieb bei der Arbeit, bewegte es auf und ab, vor und zurück, ein Tanz voller Leidenschaft und Anmut, wie man ihn nie zuvor gesehen hatte. Sie fuhr damit fort, bis der Moment höchster Lust erreicht war; jetzt schien ihre Vagina Bahlouls Glied auszupumpen und an ihm zu saugen, gleich einem Säugling, der an den Brüsten seiner Mutter saugt. Gleichzeitig gelangten sie an ihren Höhepunkt, und keiner hatte das Gefühl, um seine Lust betrogen worden zu sein.
Hamdouna griff nach seinem Glied und langsam, langsam zog sie es heraus, wobei sie sagte: „Das ist der Beweis eines verdienstvollen Mannes!“ Sie trocknete sein Glied und ihre Scham mit einem seidenen Taschentuch ab, dann stand sie auf.
Auch Bahloul erhob sich und wollte fortgehen, aber sie hielt ihn zurück und sagte: „Und die Robe?“
„Wofür, o Gebieterin? Du hattest das Privileg, auf mir zu reiten, und willst nun dafür ein Geschenk?“
„Aber hast du nicht gesagt, daß du nicht auf mir liegen kannst, weil du Schmerzen hast?“
„Das zählt nicht wirklich“, antwortete Bahloul. „Das erste Mal war für dich, das zweite Mal wird für mich sein; das ist der Preis der Robe. Dann werde ich gehen.“
Hamdouna dachte bei sich: „Wenn er schon begonnen hat, kann er auch weitermachen, dann wird er gehen.“
So legte sie sich wieder hin, aber Bahloul sagte: „Ich werde mich nicht zu dir legen, wenn du dich nicht ganz ausziehst.“
Sie zog alle ihre Kleider aus, bis sie ganz nackt war, wie Gott sie erschaffen hatte, und Bahloul geriet ganz außer sich bei dem Anblick ihrer Schönheit und ihrer vollendeten Gestalt. Er betrachtete ihre wunderbaren Schenkel, deren Weiß dem des Elfenbeins glich, ihren freiliegenden Nabel und ihren Bauch, sanft gewölbt wie ein eleganter Bogen. Darüber erhoben sich ihre wohlgeformten Brüste wie hyazinthene Blütenkelche. Ihr Hals glich dem Hals einer Gazelle, die Öffnung ihres Mundes einem Ring und ihre frischen roten Lippen der naßglänzenden Klinge eines blutbefleckten Säbels. Ihre Zähne hätte man für Perlen halten können und ihre Wangen für Rosen. Ihre Augen waren schwarz, gut geschnitten, und ihre ebenholzfarbenen Brauen beschrieben einen anmutigen Bogen. Ihre Stirn glich dem Vollmond am Nachthimmel.
Bahloul nahm sie in seine Arme, begann, an ihren Lippen zu saugen, küßte ihren Hals und strich mit seinen Lippen über ihre Wangen. Er knabberte an ihren Brüsten, trank ihren süßen Speichel und biß sie in ihre Schenkel. Er fuhr damit so lange fort, bis sie ganz außer sich war und weder sprechen noch ihre Augen offenhalten konnte. Dann küßte er ihre Vulva, und sie bewegte weder Hand noch Fuß. Er ließ seine Augen liebevoll auf ihrem Geschlecht und seinem kuppelförmigen, purpurfarbenen Mittelpunkt ruhen.
„O Versuchung der Männer“, rief er bei diesem Anblick aus, ohne in den Liebkosungen nachzulassen, bis ihr Verlangen nicht mehr zu steigern war. Hamdounas Seufzer kamen schneller, ihr Stöhnen wurde lauter. Sie griff nach Bahlouls Glied und führte es sich ein. Nun war es an ihm, sich zu bewegen, und an ihr, ihm zu antworten, bis sie wieder beide gleichzeitig den Höhepunkt erreichten.
Nach einer Weile erhob sich Bahloul, trocknete sein Glied und ihre Scham und wollte sich zurückziehen, aber Hamdouna sagte:
„Wo ist die Robe? Machst du dich über mich lustig?“
Er antwortete: „O Herrin, ich werde sie dir nur geben, wenn du den Preis dafür zahlst.“
„Aber was ist dein Preis?“
„Du bist auf deine Kosten gekommen und ich auch. Das erste Mal war für dich, das zweite Mal für mich. Und das dritte Mal soll für die Robe sein.“
Dann zog er die Robe aus, faltete sie und legte sie in Hamdounas Hände, die, nachdem sie schon aufgestanden war, sich wieder auf das Bett legte und sprach:
„Tu, wie dir beliebt.“
Sofort stürzte er sich auf sie und drang mit einem einzigen Stoß in sie ein; dann begann er wie mit einem Stößel zu arbeiten, und sie ließ ihre Hüften kreisen, bis beide wieder gemeinsam den Höhepunkt erreicht hatten. Dann trocknete er sein Glied und ihre Scham, stand auf, ließ die Robe zurück und ging.
Die Negerin sagte zu Hamdouna:
„O meine Herrin, war es nicht so, wie ich es dir vorausgesagt habe? Bahloul ist ein gerissener Mann, und du konntest ihn nicht überlisten. Warum hast du mir nicht geglaubt?“
Hamdouna sagte: „Langweile mich nicht mit deinen Beobachtungen. Es ist genau das geschehen, was ich erwartet habe. Wisse: Über jeder Vulva steht der Name dessen geschrieben, der in sie Einlaß begehren kann, sei es nun im Einklang mit dem Gesetz oder nicht, gleichgültig ob aus Liebe oder aus Haß. Hätte nicht Bahlouls Name über meiner Pforte geschrieben gestanden, wäre er nicht eingetreten – nicht einmal wenn er mir die ganze Welt und all ihre Schätze zu Füßen gelegt hätte.“13
Während sie so miteinander sprachen, klopfte es an der Tür. Die Negerin fragte, wer da sei, und sie hörte Bahloul antworten:
„Ich bin es.“
Hamdouna, im Zweifel darüber, was der Hofnarr wohl jetzt wieder wollte, begann, sich zu fürchten. Die Negerin fragte ihn nach seinem Begehr.
„Bring mir ein wenig Wasser“, sagte Bahloul.
Sie ging aus dem Haus mit einer Schale voll Wasser. Bahloul trank die Schale aus und ließ sie dann absichtlich aus seinen Händen gleiten, sodaß sie zu Boden fiel und zerbrach. Die Negerin schloß schnell wieder die Tür, und Bahloul machte es sich auf der Türschwelle bequem, wo er sitzenblieb, bis Hamdounas Ehemann nach Hause kam. Als der Großwesir ihn auf der Schwelle seines Hauses sitzen sah, grüßte er ihn und sagte:
„Warum sitzt du hier, Bahloul?“
„O mein Herr, ich ging gerade durch diese Straße, als mich großer Durst überkam. Eine Negerin kam und brachte mir eine Schale Wasser. Die Schale aber entglitt meinen Händen, fiel auf die Stufen und zerbrach. Um den Schaden zu ersetzen, ließ mir unsere Herrin, Hamdouna, die Robe wegnehmen, die mir unser aller Herr, der König, geschenkt hatte.“
„Bringt ihm seine Robe wieder“, befahl der Großwesir.
In diesem Moment kam Hamdouna aus dem Haus, und ihr Mann fragte sie, ob es wahr wäre, daß sie Bahloul die goldene Robe als Bezahlung für die zerbrochene Schale weggenommen hätte. Hamdouna schlug ihre Hände zusammen und rief:
„O Bahloul, was hast du getan?“
Er antwortete: „Ich habe zu deinem Mann in der Sprache meiner Torheit gesprochen, sprich du nun zu ihm in der Sprache deiner Weisheit.“
Und Hamdouna, seine List und Klugheit bewundernd, gab ihm seine Robe zurück und ließ ihn seiner Wege gehen.
1Abd-el-Melik ben Merouane war Kalif von Damaskus; er regierte über Arabien, Syrien und Teile des Orients. Er lebte um das Jahr 76, denn die Geschichte verzeichnet, daß er in diesem Jahr Münzen mit der Aufschrift „Gott ist einzig, es gibt nur einen Gott“ prägen ließ. Sein Name findet sich auch auf einigen Münzen, die aus den Jahren vor 75 stammen.
2Leilla ist eine Poetin, die zur Zeit des Kalifen Abd-el-Melik, dem Sohn Merouanes, lebte. Sie wurde Akhegalia gerufen, da sie einer Familie entstammte, welche „die Kinder von Akhegal“ genannt wurde. Sie ist berühmt für die Liebe, die sie in Medjenoun weckte und die Heldin vieler Liebesgeschichten.
3Mosailama war einer der größten Konkurrenten von Mohammed. Er gehörte zum Stamm der Honcifa in der Provinz Yamama und war Anführer einer Delegation, die von seinem Stamm zu Mohammed geschickt wurde; er nahm den Islamismus im Jahr 9 der Hedschra an.
4Dieser Engel spielt eine große Rolle im Koran und in später nachfolgenden orientalischen Büchern. Er überbrachte Mohammed die himmlischen Offenbarungen. Er zählt zu jenen Geistwesen, welche die Muselmanen „Mokarrabinen“ nennen, was so viel bedeutet wie „in größter Nähe zu Gott sein“.
5Es gibt ein Kapitel des Koran, das „Der Elefant“ übertitelt ist. Diese 105. Sure hat ihren Ursprung in dem Sieg des Propheten über einen äthiopischen Prinzen; der weiße Elefant, auf dem der Prinz ritt, kniete sich beim Anblick des Propheten aus Verehrung vor ihn hin. Seit damals ist der Sieg in dem Titel der Sure verewigt. Es war dieser Titel, über den sich Mosailama lustig zu machen versuchte, indem er vorgab, nur den Namen eines Tieres zu sehen und seine wahre Bedeutung nicht zu verstehen.
6Die Überschrift von Sure 108 des Koran lautet „al-Kauthar“ [es ist die kürzeste des Korans; ihr Inhalt lautet: „Wahrlich, wir haben dir die Überfülle gegeben. / Darum bete zu deinem Herrn und schlachte (Opfertiere). / Wahrlich, der dich haßt, ist es, der (vom Segen der Nachkommenschaft) abgeschnitten ist.“]
7Es ist hier vielleicht angebracht, zu erwähnen, daß unter den nomadischen Arabern der Brauch vorherrscht, daß der Mann, der mit seiner Frau schlafen will, über ihr ein Zelt errichtet. Daher wird ein Mann, der heiraten wird, auch bani (Gebäude) genannt; und von einem Mann, der frisch verheiratet ist, sagt man: „Bena ala Ahili“, was bedeutet: „Er hat über seiner Frau gebaut.“
8Nedde ist eine Mixtur aus verschiedenen Parfümen, die hauptsächlich aus Benzoeharz [„Weihrauch aus Java“] und Amber besteht. Die Mixtur ist schwarz und wird in einen kleinen Zylinder gefüllt. Sie wird über Kohle verbrannt oder indem man den Zylinder wie die Räucherkerzchen in den Serails an einem Ende anzündet. Einigen Autoren zufolge bedeutet nedde nur die Aufbereitung von Amber.
9Um diese Passage richtig zu verstehen, muß man wissen, daß die Araber, wenn sie beten, auf dem Boden knien, mit dem Gesicht nach unten und den Händen bei den Knien. Der Dreifuß wird dann durch die Knie und den Kopf, der den Boden berührt, geformt. Es ist leicht zu sehen, daß dadurch der hintere Teil des Körpers in die Höhe ragt. Die Durchführung des Beischlafs in dieser Position ist in Kapitel sechs, sechste Stellung, beschrieben.
10 Abou Beker ist der Vater von Aicha, der Frau Mohammeds. Er folgt letzterem im 11. Jahr der Hedschra nach. Durch seine und Omars Autorität wurden viele Muselmanen davon abgehalten, vom Glauben abzufallen. Er war der erste Kalif und hielt sich trotz des Anspruchs der Partisanen Alis (Mohammeds Schwiegersohn) an der Macht, der behauptete, der Prophet hätte ihn lange vor dessen Tod als seinen Nachfolger bestimmt.
11 Dies scheint mit den historischen Tatsachen übereinzustimmen. Hamza, der Onkel des Propheten, wurde in der Schlacht von Ohod, im 4. Jahr nach der Hedschra, durch einen Neger, Oucha, getötet, der später auch Mosailama umbrachte.
12 Abdallah ben Mamoun war einer der Söhne von Haroun er Rachid. Nachdem er lange mit seinem Bruder al-Amine um das Reich gekämpft hatte, besiegte und tötete er ihn in einer Schlacht bei Bagdad und al-Mamoun wurde im Jahr 178 nach der Hedschra einstimmig zum Kalifen ausgerufen. Er war einer der vornehmsten abbasidischen Herrscher in Hinblick auf Gelehrtheit, Weisheit und Güte.
13 Diese Worte „Jede Vulva etc.“ (Koul ferdj mektoub ali esm nakahon) beziehen sich auf einen Satz aus den Überlieferungen Mohammeds, der oft von Muselmanen wiederholt wird: „Jedem Menschen steht sein Schicksal auf die Stirn geschrieben und keiner kann es tilgen.“
ZWEITES KAPITEL
Von lobenswerten Frauen
WISSE, o Wesir (und die Gnade und Weisheit Gottes seien mit dir), daß es vielerlei Arten von Frauen gibt und unter ihnen jene, die es wert sind, gelobt zu werden, und andere, die nur Verachtung verdienen.
Eine Frau, an der Männer Gefallen finden, sollte gesund und von schöner Gestalt sein, die Haut weich, das Fleisch fest; ihr Haar von glänzendem Schwarz, darunter die hohe Stirn und der Bogen ihrer Brauen, dunkel wie die Hautfarbe der Äthiopier. Ihre Augen sollten groß sein, das Augenweiß ungetrübt und rein, die Pupillen makellos, schwarz und funkelnd wie Edelsteine. Ihre Wangen bilden ein vollkommenes Oval. Die Nase ist vornehm, der Mund anmutig, der Flor ihrer Lippen zinnoberrot, rotglänzend auch die Farbe ihrer Zunge. Ihr Atem ist wohlriechend, ihr Hals lang und wohlgeformt, ihr Nacken kräftig. Oberkörper und Hüften sollten nicht zu schmal sein, die Brüste voll und fest, ihr Bauch nicht formlos, ihr Nabel markant, eingesunken und schön gewachsen. Die Vulva sollte vorstehen und ihr Fleisch durchgehend fest sein, vom Ansatz der Schamhaare bis zum Gesäß; der Durchgang sollte eng und trocken sein, sich weich und warm anfühlen und nicht nach verfaulten Eiern riechen. Auch das Fleisch ihrer Schenkel und Hinterbacken sollte fest sein, die Hüften breit und voll, die Taille schmal. Ihre Hände und die Feingliedrigkeit ihrer Füße sind von besonderer Vornehmheit; ihre Arme sind drall und ihre Schultern kräftig.
Erblickt man eine Frau, die diese Vorzüge besitzt, von vorne, ist ihr Anblick atemberaubend; erblickt man sie von hinten, ist ihr Anblick fatal. Sitzend gleicht sie einer sanft gerundeten Kuppel, liegend einem weichen Bett und aufrecht stehend dem Stab einer Standarte. Wenn sie geht, wölbt sich ihre Vulva im Schritt gleich einem Schmuckstück unter ihren Kleidern vor. Sie spricht und lacht selten, und niemals ohne Grund. Nie verläßt sie das Haus, auch nicht, um ihr bekannte Nachbarn zu besuchen. Sie hat keine Freundinnen. Ihr Ehemann ist ihre Stütze und ihr einziger Verbündeter. Sonst vertraut sie keinem. Sie nimmt auch von niemandem außer von ihrem Ehemann und seinen Verwandten Geschenke an. Kommen seine Verwandten in ihr Haus, mischt sie sich nicht in deren Angelegenheiten. Sie ist nicht treulos, hegt keine heimlichen Absichten und hat nichts zu verbergen. Sie versucht, niemanden zu verführen oder zu beeindrucken.
Wünscht ihr Ehemann mit ihr zu verkehren, um seiner ehelichen Pflicht nachzukommen, ist sie damit einverstanden und weist ihn nicht zurück. Manchmal kommt sie ihm zuvor und weckt von selbst sein Verlangen. Sie hilft ihm immer in seinen Geschäften; sie ist sparsam mit ihren Tränen und Klagen. Wenn sie sieht, daß ihr Ehemann niedergeschlagen oder traurig ist, frohlockt sie nicht und lacht ihn nicht aus, sondern teilt seine Sorgen, verwöhnt und kümmert sich um ihn und findet so lange keine Ruhe, bis seine Sorgen verschwunden sind und er wieder wohlgelaunt und zufrieden ist.
Sie gibt sich keinem anderen hin, selbst wenn sie die Enthaltsamkeit das Leben kosten würde. Sie ist schamvoll und achtet darauf, daß niemand ihre geheimen Körperteile zu sehen bekommt. Sie achtet auf größte Reinlichkeit, ist vornehm gekleidet, von größter persönlicher Schicklichkeit und sorgsam bemüht, ihrem Ehemann nichts zu zeigen, was ihn abstoßen könnte. Sie parfümiert sich mit Wohlgerüchen, benützt Antimon zur Körperpflege und reinigt ihre Zähne mit souak1.
Solch eine Frau wird von allen Männern geschätzt.
Die Geschichte von dem Neger Dorerame
Es ist überliefert, und nur Gott weiß, ob es wahr ist, daß vor langer Zeit ein mächtiger König namens Ali ben Direme auf Erden lebte. Sein Reich war so groß, daß eine Karawane zwei Monate brauchte, um von den entferntesten Grenzen seines Reiches zur Hauptstadt zu gelangen. Er gebot über Armeen und besaß mächtige Verbündete.
Als er eines Nachts keinen Schlaf finden konnte, ließ er seinen Wesir, den Polizeihauptmann und den obersten Befehlshaber der Wachen zu sich rufen. Nachdem sie sich unverzüglich bei ihm eingefunden hatten, sprach er zu ihnen die folgenden Worte: „Der Schlaf will heute Nacht nicht zu mir kommen; ich wünsche deshalb, in die Stadt zu gehen, und brauche euch an meiner Seite.“
„Hören ist gehorchen“, antworteten sie.
„Also dann, im Namen des allmächtigen Gottes!“, rief der König aus. „Laßt uns gehen! Möge der Segen des Propheten mit uns sein und das ewige Heil und die Gnade Gottes auf ihm ruhen.“ Dann holten sie ihre Schwerter und verließen den Palast.
Nachdem sie schon eine Zeitlang ohne bestimmtes Ziel durch die nächtliche Stadt gewandert waren, hörten sie plötzlich in einer der Seitenstraßen lautes Geschrei, und als sie an den Ort des Tumultes kamen, erblickten sie einen Mann, der, völlig außer sich, lang ausgestreckt auf dem Boden lag, sich mit einem Stein auf die Brust schlug, weinte und jammerte und unablässig wiederholte:
„Es gibt keine Gerechtigkeit mehr hier unten auf Erden! Ist hier denn keiner, der dem König berichten will, was in seinem Königreich vor sich geht? – Nein, es gibt keine Gerechtigkeit mehr! Sie ist verschwunden, und die ganze Welt ist in Trauer.“
Der König, verwundert über den Anblick, befahl seinen Begleitern, den Mann zu ihm zu bringen. „Aber tut es, ohne Aufsehen zu erregen. Und gebt acht, daß ihr ihn nicht erschreckt.“
Sie gingen zu dem Mann hin, faßten ihn an der Hand und sagten: „Erhebe dich und hab keine Furcht – es wird dir kein Leid geschehen.“
„Ihr sagt, daß mir kein Leid geschehen wird und daß ich mich nicht fürchten soll“, erwiderte der Mann, „und dennoch entbietet ihr mir nicht den Willkommensgruß! Obwohl ihr wißt, daß der Willkommensgruß eines Gläubigen dem Gegrüßten Schutz und Gnade gewährt! Unterläßt aber ein Gläubiger den Willkommensgruß, wie ihr es getan habt, so ist das wahrlich ein Grund, sich zu fürchten.“ Trotzdem stand er auf und ging, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, mit ihnen.
Der König wartete in der Nähe. Wie seine Begleiter hatte auch er sein Gesicht hinter einem Haik verborgen.
Als seine Begleiter den Mann vor den König gebracht hatten, sagte er: „Ich grüße dich, o Mensch!“
Der König entgegnete: „Ich erwidere deinen Gruß, o Mensch.“
Darauf der Mann: „Warum sagst du ‚o Mensch‘?“
Der König: „Und warum hast du ‚o Mensch‘ gesagt?“
„Weil ich deinen Namen nicht kenne.“
„Genausowenig kenne ich deinen.“
„Nun aber sag mir“, fuhr der König fort, „was die Worte bedeuten, die ich vorhin aus deinem Mund gehört habe: ‚Es gibt keine Gerechtigkeit mehr hier unten auf Erden! Ist hier denn keiner, der dem König berichten will, was in seinem Königreich vor sich geht?‘ Erzähl mir, was dir zugestoßen ist.“
„Ich habe geschworen, daß ich das nur demjenigen erzählen werde, der, so es dem Allmächtigen Gott gefällt, in der Lage ist, mich aus meiner Not und von meiner Schmach zu befreien, und mir Genugtuung verschafft.“
„Möge Gott es fügen, daß es mir möglich ist, dir Genugtuung zu verschaffen und dich aus deiner Not und von deiner Schmach zu befreien!“
„Nun gut“, sagte der Mann. „Dann höre meine Geschichte. Einst liebte ich eine Frau, die mich wiederliebte, sodaß wir durch die Liebe verbunden waren. Unsere Liebe währte lange Zeit, bis eine alte Frau meine Geliebte zum Bösen verführte und sie mit sich fortnahm zu einem übelbeleumundeten Haus. Seither flieht mich der Schlaf, ich habe meine Lebenslust verloren und finde mich am Boden eines Abgrunds von Trauer und Verzweiflung.“
„Dann sag mir: Wo ist dieses Haus, und bei wem ist deine Frau jetzt?“, forderte ihn der König auf.
„Sie ist bei einem Neger, genannt Dorerame“, antwortete der Mann, ohne zu zögern. „Ihm gehört das übelbeleumundete Haus, in das die Alte meine Geliebte entführt hat. Es wohnen noch andere Frauen dort, schön wie der Mond, wie du sie nicht einmal im Palast des Königs findest. Dieser Neger hat außerdem eine Mätresse, die ihn abgöttisch liebt und ihn mit allem versorgt, dessen er bedarf.“
Dann verstummte der Mann plötzlich, wie durch die Erinnerung an den Ort, an dem seine Geliebte jetzt weilte, von Trauer und Verzweiflung überwältigt, und der König drang nicht weiter in ihn. Zwar war der König sehr erstaunt über das, was er von ihm gehört hatte, doch war dem Wesir, der jedes Wort der Unterhaltung mitangehört hatte, klar, daß es sich bei dem Neger Dorerame nur um seinen eigenen Diener handeln konnte.
Mit knappen Worten forderte der König den Mann auf, ihm das Haus zu zeigen.
„Wenn ich es dir zeige, was willst du dann tun?“, fragte der Mann erschrocken.
„Du wirst sehen, was ich dann tun werde“, antwortete der König.
„Du wirst nichts tun können“, erwiderte der Mann. „Denn auch wenn deine Absichten ehrbar sind, kannst du mir doch nicht helfen. Dieses Haus ist ein Ort, den man meiden und fürchten muß. Willst du dort mit Gewalt eindringen, verwirkst du dein Leben, denn sein Herr ist wegen seiner Stärke und seines Muts gefürchtet.“
„Zeig mir den Ort“, sagte der König, „und hab keine Furcht.“
„Der Wille Gottes geschehe!“, erwiderte der Mann, erhob sich und ging voran. Er führte sie bis vor das Haus, das von einer hohen Mauer umgeben war, so hoch, daß kein Dieb sie erklettern konnte. Die Eingangstüren waren fest verriegelt und von außen durch ein Eisengitter gesichert. Sie gingen um das Haus herum und suchten nach einer Möglichkeit, in das Haus einzudringen, jedoch blieb ihre Suche erfolglos. Sie fanden das Haus so fest verschlossen wie den Brustpanzer eines Kriegers.
Als sie wieder vor der Eingangstür standen, wandte sich der König an den Mann und fragte ihn nach seinem Namen.
„Omar ben Isad“, antwortete der Mann.
„Omar, bist du stark und entschlossen?“
„Ja, mein Bruder“, antwortete Omar. „Dem Allmächtigen sei Dank! Möge er dir heute Nacht beistehen!“
Dann wandte sich der König an seine Begleiter und sagte: „Ist einer unter euch, der diese Mauer überwinden kann?“
„Unmöglich!“, antworteten sie alle wie aus einem Mund.
„So Gott will, werde ich diese Mauer selbst bezwingen“, sagte der König. „Doch dazu bedarf ich eurer Hilfe. Sagt mir: Wer ist der Stärkste von euch?“
Sie antworteten: „Der Polizeihauptmann, der dein Chauouch ist.“
„Und der zweitstärkste?“
„Der Hauptmann der Wache.“
„Und nach ihm?“
„Der Großwesir.“
Omar hatte mit wachsendem Erstaunen zugehört. Nun, da er wußte, daß dieser Fremde niemand anderer als der König selbst sein konnte, war seine Freude groß.
„Wer ist dann noch übrig?“, fragte der König.
„Ich, o mein Herr und Gebieter“, antwortete Omar.
„Omar, nun, da du weißt, wer wir sind, bewahre unser Geheimnis, und du sollst von deiner Schmach befreit werden.“
„Hören ist gehorchen“, antwortete Omar.
Dann sagte der König zum Chauouch: „Stütz deine Hände gegen die Mauer, sodaß du uns den Rücken zukehrst.“
Der Chauouch tat es.
Dann sagte der König zum Hauptmann der Wache: „Steig über den Rücken auf die Schultern des Chauouch.“ Er tat es und stellte sich mit seinen Füßen auf die Schultern des Chauouch. Als nächster kletterte der Wesir hinauf, stellte sich auf die Schultern des Hauptmanns der Wache und stützte sich mit seinen Händen an der Mauer ab. Zuletzt forderte der König Omar auf, es den anderen nachzutun.
Und Omar, noch immer überrascht von der Einfachheit der Lösung, die niemandem außer dem König eingefallen war, rief aus: „Möge Gott dir bei deinem Vorhaben seine Hilfe gewähren, o mein Herr und Gebieter!“
Dann stieg er auf die Schultern des Chauouch, von dort auf die Schultern des Hauptmanns der Wache, von dort auf die Schultern des Wesirs, wo er stehenblieb und sich wie die anderen mit seinen Händen an der Mauer abstützte. Nun war nur noch der König übrig.
Als er seine Hände auf die Schultern des Chauouch legte, sagte er zu ihm. „Hab noch etwas Geduld; wenn ich Erfolg habe, wirst du belohnt werden!“ Dasselbe sagte er auch zu den anderen, wenn er zu ihnen kam. Zu Omar aber sagte er: „O Omar, hab noch ein wenig Geduld, wenn ich Erfolg habe, werde ich dich zu meinem persönlichen Sekretär ernennen – gib nur acht, daß du fest stehenbleibst und dich nicht bewegst.“
Mit den Füßen auf Omars Schultern war es dem König nun möglich, den Mauerabschluß zu erreichen. Vor Freude rief er aus: „Im Namen Gottes! Möge er seinen Segen über den Propheten ausgießen, auf dem die Gnade und Barmherzigkeit Gottes ruhen!“ Dann schwang er sich auf die Mauer und befahl von dort seinen Begleitern, wieder hinabzusteigen, einer nach dem anderen, in der umgekehrten Reihenfolge, in der sie hinaufgestiegen waren. Während sie das taten, konnten sie nicht aufhören, sich über den guten Einfall des Königs und dessen einfaches Gelingen zu wundern, auch über die Stärke des Chauouch, der vier Männer auf einmal getragen hatte.
Indessen suchte der König nach einer Stelle, von der aus er von der Mauer wieder hinuntergelangen konnte. Als er keine fand, rollte er seinen Turban auf, befestigte ein Ende oben an der Mauer und ließ sich vorsichtig in den dunklen Innenhof hinab. Unten angekommen, begann er sofort alles zu erkunden und stieß in der Mitte des Hauses auf eine Tür, die mit einem riesigen Schloß versperrt war. Die Größe des Schlosses erschreckte ihn, aber er erinnerte sich, daß er in der Hand Gottes war, daß Gott es gewesen war, der ihm die Idee mit der Räuberleiter zur rechten Zeit eingegeben hatte, und daß, so es Sein Wille war, Er es ihm auch ermöglichen würde, wieder heil und gesund zu seinen Gefährten zurückzukehren.
Dann begann er aufs neue, den Ort zu untersuchen. Anhand der Fenster, die auf den Innenhof hinausgingen, zählte er siebzehn Zimmer. Soviel er erkennen konnte, war jedes dieser Zimmer in einem anderen Stil eingerichtet, ausgestattet mit Tapeten und Samtvorhängen in den unterschiedlichsten Farben. Sich weiter umsehend, entdeckte er zu seiner Überraschung eine kleine Terrasse, die er bei seiner ersten Erkundung übersehen haben mußte. Zu der Terrasse führten sieben Stufen hinauf, und jetzt schien es ihm auch, als hörte er, in der Stille des Innenhofes, von dort her Stimmen. Gottes Beistand erflehend, betend, ihn vor jedem Schaden zu bewahren, ging er darauf zu.
Die einzelnen Stufen waren aus verschiedenfarbigem Marmor gebildet. Er setzte seinen Fuß auf die erste und sprach: „Im Namen Gottes, des Mitleidigen und Mitleidvollen!“
Er setzte seinen Fuß auf die zweite Stufe und sprach: „Der, dem Gott hilft, ist unbesiegbar!“
Er setzte seinen Fuß auf die dritte Stufe und sprach: „Mit der Hilfe Gottes ist der Sieg nahe!“
Er setzte seinen Fuß auf die vierte Stufe und sprach: „Ich habe von Gott, dem mächtigsten Verbündeten, den Sieg erbeten.“
Bei der fünften, sechsten und siebten Stufe rief er den Propheten an (Die Gnade und Barmherzigkeit Gottes seien mit ihm!).
Dann stand er auf der Terrasse. Ein Vorhang aus rotem Brokat versperrte ihm die Sicht auf den dahinterliegenden Raum. Vorsichtig schob er ihn beiseite und erblickte einen Raum, der vom Licht unzähliger Kerzen, die in goldenen Kerzenhaltern brannten, erhellt wurde. Der Glanz ihrer honigfarbenen Flammen spiegelte sich in kostbaren Lustern, die von der Decke hingen. Mitten im Raum strömte aus einer künstlichen Quelle moschusduftendes Wasser. Über die ganze Länge des Raums war eine Tischdecke2 ausgebreitet, auf der silberne Tabletts, Onyxteller und Schüsseln aus Porzellan aufgereiht waren, alle bis zum Rand gefüllt mit den köstlichsten Speisen, süßen Spezereien und frischen Früchten. Die vergoldeten Möbelstükke rundherum blendeten das Auge mit ihrem Glanz, und überall waren kunstvolle Ornamente und kostspielige Verzierungen angebracht.
Auf dem Teppich saßen zwölf Mädchen und sieben Frauen, alle schön wie der Mond. Der Anblick ihrer Schönheit und Anmut machte den König staunen. Noch mehr aber verwunderte ihn die Anwesenheit von sieben Negern, die bei den Frauen saßen. Eine von ihnen, deren Schönheit vollkommen wie der Vollmond war und die Schönheit der anderen Frauen und Mädchen bei weitem übertraf, zog seine Aufmerksamkeit in Bann. Ihre Augen waren von glänzendem Schwarz, ihre Wangen bildeten ein perfektes Oval, ihr Körper war anmutig und ihre Bewegungen geschmeidig. Ihr Anblick mußte die Herzen aller verwirren, die sie ansahen. Geblendet von ihrer Schönheit, unfähig, auch nur einen Muskel zu rühren oder den Blick abzuwenden, starrte der König sie an. Er dachte bei sich: „Wie kann ich nur jemals von diesem Ort entfliehen! O mein Gott, laß es nicht zu, daß ich mich verliebe!“
Die Anwesenden fuhren fort, zu essen und Wein zu trinken, wobei es offensichtlich war, daß sie mehr tranken als aßen. Während der König über einen Weg nachsann, wie er aus seiner mißlichen Lage entkommen könnte, hörte er, wie eine der Frauen zu ihrer Begleiterin sagte: „Steh auf! Zünde eine Lampe an und laß uns zu Bett gehen, denn wir sind beide müde.“
Sie standen auf und gingen geradewegs auf den Vorhang zu, hinter dem sich der König verbarg. Er trat zurück, um sie vorbeizulassen, aber sie waren so müde und betrunken, daß sie ihn ohnehin nicht bemerkt hätten. Er folgte ihnen bis zu ihrem Zimmer, und als sie wieder herauskamen, um einem natürlichen Bedürfnis nachzukommen, nützte er die Gelegenheit, stahl sich in das Zimmer und verbarg sich in einem Schrank. Während er dort die Rückkehr der Frauen abwartete, geriet er in Sorge, ob er wohl seine Gefährten je wiedersehen würde, und auch diese begannen, wegen seiner langen Abwesenheit allmählich um das Leben des Königs zu fürchten.
Die Frauen kamen zurück und verschlossen die Tür. Sie waren offensichtlich noch immer betrunken, und sobald sie ihre Kleider abgelegt hatten, begannen sie, sich gegenseitig zu berühren.3
Der König dachte bei sich: „Omar hat die Wahrheit gesprochen, als er mir dieses Unglückshaus als ein Haus der Sünde und des Verderbens beschrieben hat.“
Als die Frauen endlich eingeschlafen waren, verließ der König sein Versteck, löschte das Licht, zog seine Kleider aus und legte sich zwischen die beiden Frauen. Während er sie belauscht hatte, hatte er darauf achtgegeben, ihre Namen zu erfahren. Eine der Frauen bei ihrem Namen ansprechend, fragte er sie: „Wo hast du die Schlüssel des Hauses hingetan?“
Die Frau antwortete: „Schlaf jetzt, Dirne, die Schlüssel sind, wo sie immer sind.“
Der König hielt den Atem an, sagte sich: „Es gibt keine Stärke als in Gott, dem Allmächtigen!“ und sprach die Frau nochmals an: „Es wird bald Tag, und ich muß die Türen öffnen. Die Sonne geht schon auf, und es wird Zeit, das Haus aufzusperren.“
Die Frau antwortete: „Die Schlüssel sind an ihrem üblichen Platz. Warum belästigst du mich? Schlaf noch, bis es hell wird.“
Der König sagte sich: „Es gibt keine Stärke als in Gott, dem Allmächtigen und Mitleidvollen!, wäre es nicht aus Furcht vor Ihm, würde ich diesen Frauen mein Schwert in den Leib stoßen.“
Dann begann er von neuem: „Sag mir …“
„Was?“, fragte die Frau.
„Ich fühle mich nicht wohl wegen der Schlüssel. Sag mir, wo sie sind!“
„O du läufige Hündin! Juckt es dich wieder zwischen den Schenkeln, brauchst du wieder einen Mann? Kannst du es nicht eine einzige Nacht ohne Mann aushalten? Nimm dir ein Beispiel an der Frau des Sohns des Wesirs, die allen Verführungskünsten des Negers widerstanden und sich ihn sechs Monate vom Leib gehalten hat. Damit du es weißt: Ich schäme mich für dich! Der Neger hat die Schlüssel. Er trägt sie immer bei sich, in einer der Taschen seiner Kleider. Frag ihn nicht danach. Sag nicht zu ihm: ‚Gib mir die Schlüssel‘, sondern sag: ‚Gib mir dein Glied.‘ Und jetzt laß mich schlafen!“
Jetzt wußte der König alles, was er wissen wollte. Er wartete, bis die Frau eingeschlafen war, zog ihre Kleider an und verbarg darunter sein Schwert. Sein Gesicht versteckte er unter einem Schleier aus roter Seide. Er schlich sich aus dem Zimmer und kehrte zu seinem Beobachtungsposten auf der Terrasse zurück. Die Gesellschaft in dem Raum war nicht mehr vollzählig; nur noch wenige waren noch wach, die anderen an der Tafel eingeschlafen.
Stumm verrichtete der König folgendes Gebet: „O meine Seele, laß mich dem rechten Weg folgen; und laß diese Leute blind vor Trunkenheit sein, sodaß sie den König nicht von einem seiner Untertanen zu unterscheiden wissen – o möge Gott mir Stärke verleihen!“
Dann betrat er den Raum und ging mit unsicheren Schritten, als sei er betrunken, zu einem der Neger hin. Dieser Neger war kein geringerer als Dorerame. Dorerame hielt den König für die Frau, deren Kleider er trug. Er hatte ein großes Verlangen nach dieser Frau, und als er sah, daß sie sich zu ihm setzte, glaubte er, daß sie nur wieder aufgestanden war, um bei ihm zu sein. Deshalb sagte er: „Zieh dich aus und leg dich schon hin. Ich werde gleich wieder da sein.“ Dann ging er hinaus.
Der König dachte bei sich: „Omar hat mir nichts als die Wahrheit über diesen Ort erzählt.“ Kaum aber hatte Dorerame den Raum verlassen, begann er, die Taschen der herumliegenden Kleider zu durchwühlen, fand jedoch in keiner den gesuchten Schlüssel. Die Zeit drängte. Bald würde Dorerame zurückkommen, und dann war jede Möglichkeit, diesen Ort wieder heil zu verlassen, zunichte. Der König murmelte ein Stoßgebet, den Beistand des Allmächtigen erflehend, und, als er seinen Kopf wieder hob, fiel sein Blick auf ein hohes Fenster, auf dessen Sims etwas lag, das wie ein Gewand aussah. Auf den Zehenspitzen stehend, reichte er hinauf und tastete den Sims ab, bis er das Gewand ergriff – ein goldbestickter Rock, in dessen Taschen er endlich die gesuchten Schlüssel fand. Er untersuchte den Schlüsselbund genauer und zählte sieben Schlüssel. In seiner Freude rief er aus: „Gott sei gepriesen und gerühmt!“ Und fügte hinzu: „Ich werde hier nur durch eine List wieder hinauskommen.“ Als dann Dorerame zurückkam, täuschte er Übelkeit vor. Er tat so, als müßte er sich jeden Augenblick übergeben, hielt sich die Hand vor den Mund und stürzte aus dem Raum. Dorerame lachte nur und rief ihm nach: „Gott segne dich wegen deiner guten Erziehung, meine Liebe. Wäre das einer der anderen Frauen passiert, hätte sie sich auf meinem Lager übergeben!“
Der König ging zu der innersten Tür des Hauses, öffnete sie, schlüpfte hindurch und verschloß sie gleich wieder hinter sich. Auf diese Weise gelangte er von einer Tür zur nächsten, bis er zur siebten und letzten kam, die auf die Straße hinaus führte. Dort hatten seine Begleiter schon sorgenvoll auf ihn gewartet. Jetzt, über seine Rückkehr erleichtert, bestürmten sie ihn mit Fragen und wollten alles wissen, was ihm zugestoßen war.
Der König aber wehrte ihre Fragen ab und sagte: „Es ist jetzt nicht die Zeit, Fragen zu beantworten und Geschichten zu erzählen. Bald wird es Tag; laßt uns also rasch in dieses Haus gehen und, mit dem Segen Gottes und seiner Hilfe, unser Werk vollenden.“
Er ermahnte sie noch, wachsam zu sein, und unterrichtete sie in kurzen Worten von der Anwesenheit der sieben Neger, der zwölf Mädchen und der sieben Frauen, jede schön wie der Mond.
„Was tragt Ihr für seltsame Kleider?“, wollte der Wesir vom König wissen.
„Sei still“, antwortete der König, „für jetzt nur soviel: Ohne diese Kleider wäre es mir nie gelungen, das Haus lebend zu verlassen.“
Dann drangen sie in das Haus ein. Als sie in den Innenhof gelangten, schlich sich der König zuerst in das Zimmer der beiden Frauen, bei denen er im Bett gelegen hatte, zog sich die Frauenkleider aus und seine eigenen wieder an. Dann führte er seine Gefährten zu dem Brokatvorhang und ließ sie durch den Spalt in den Raum spähen. Nachdem sie sich, einer nach dem anderen, alles genau angesehen hatten, sagten sie: „Unter all diesen Frauen gibt es keine schönere als jene, die auf dem erhöhten Kissen sitzt!“
„Ich beanspruche sie für mich, wenn sie noch keinem anderen gehört“, sagte der König.
In diesem Moment erhob sich Dorerame von seinem Lager und nach ihm eine der schönen Frauen. Ein anderer Neger stand auf und legte sich mit einer der Frauen hin. Das ging so fort bis zur siebten Frau. Jede der sieben Frauen schien sich mit großem Widerwillen in das Bett zu legen und verließ es wieder mit gesenktem Kopf.
Den Negern war das egal. Am meisten aber gelüstete es sie nach der schönen Frau auf dem erhöhten Kissen. Immer wieder wollten sie sie umarmen, sie aber wies sie zurück und stachelte ihre Begierde noch mehr an, indem sie sagte: „Niemals werde ich mich freiwillig einem von euch hingeben – und was diese Jungfrauen betrifft, so stehen sie unter meinem Schutz.“
Da stand Dorerame auf, nackt wie er war, ging zu ihr hin, sein erigiertes Glied in der Hand, und begann, sie damit ins Gesicht und auf den Kopf zu schlagen, wobei er sagte: „Schon sechsmal habe ich heute Nacht versucht, dich zu umarmen, damit du mein Verlangen stillst, aber du hast mich immer wieder zurückgewiesen – wisse: Heute noch, in dieser Nacht, wirst du mir gehören.“
Als die Frau die Entschlossenheit des betrunkenen Negers sah, versuchte sie, ihn zu beschwichtigen und bat ihn, sich neben sie zu setzen, indem sie ihm versprach, alle seine Wünsche zu erfüllen.
Dann sang sie mit gefühlvoller Stimme die folgenden Verse:
Bei der Liebe bereiten mir junge Männer das größte Vergnügen;
ich will nur einen jungen Mann,
voller Mut und jugendlicher Kraft –
ihn zu bekommen, gilt mein ganzer Ehrgeiz;
sein Zepter ist stark, bereit, Jungfrauen zu erobern,
wohlgestalt in seiner Größe;
ja, stark ist er, und hart,
stolz hebt er seinen Kopf,
und sein Verlangen ist so mächtig, daß er nicht schlafen kann.
Zwischen meinen Schenkeln nimmt er Wohnung
und weint so manche Träne über meinem Bauch,
er benötigt weder Hilfe noch Rat,
nie beugt ihm die Müdigkeit das Haupt;
nein, die Jugend verschmäht keine Gelegenheit zur Liebe.
Zuerst wird er meine Wangen küssen,
dann an meinen Lippen saugen
und mich zuletzt, in fester Umarmung, auf sein Lager werfen.
Mit Küssen erregt er meine Lust,
bis er mich in Hitze sieht,
dann kommt er schnell zu mir und öffnet mir die Schenkel.
Mit tausend Lippen küßt er meinen Bauch,
kraftvoll dringt er in mich ein,
ausdauernd und gleichmäßig erfüllt er seine Pflicht.
Zuerst erforscht er meine Tiefen, dann meine Seiten,
nun ist er ganz in mir, der Schaft bis an die Wurzel,
dann reibt er seinen Kopf in mir
und streichelt meinen Rücken, meine Seiten, meinen Bauch.
O, in seinen Armen bin ich wie ein Körper ohne Leben,
freudig trinke ich den Kelch der Lust,
und sagt er sanft: „Empfang meinen Samen“, antworte ich:
„Gib ihn mir, o Geliebter! Willkommen soll er sein!“
O, du! Mann aller Männer!
Du erfüllst mich mit ungekannter Lust.
Licht meiner Augen.
O, du! Seele meiner Seele, Geist von meinem Geist –
bleib noch ein wenig! Geh nicht! Bleib in mir ruhen,
bis du wieder zu Kräften kommst!
Erinnere dich an dein Versprechen,
durch das du für siebzig Nächte
mein Geliebter bist.
Würdig hast du heute deine Pflicht getan,
und wenn du gehst, wirst du in meinem Herzen weiterleben.
Als er diese Verse vernommen hatte, sagte der König voller Bewunderung: „Wie verführerisch und begehrenswert hat doch Gott diese Frau gemacht! Es besteht kein Zweifel: Diese Frau hat keinen Mann, und keiner von diesen Männern hier hat sie berührt, denn obwohl dieser Neger offensichtlich in sie verliebt ist, hat sie ihn abgewiesen.“
Omar ben Isad ergriff das Wort: „O König, was Ihr sagt, ist wahr! Ihr Ehemann ist nun seit fast einem Jahr fort, und viele Männer haben versucht, sie zu verführen, aber bisher hat sie jeden zurückgewiesen.“
„Wer ist ihr Ehemann?“
„Sie ist die Frau des Sohnes des Wesirs eures Vaters.“
„Ihr sprecht wahr. Ich habe schon davon sprechen gehört, daß der Sohn des Wesirs meines Vaters eine Frau von vollendeter Schönheit geheiratet hat, keusch und ohne Makel.“
„Das ist jene Frau“, antworteten seine Begleiter.
„Ich muß sie trotzdem haben“, sagte der König. Und an Omar gewandt fügte er hinzu: „Wer von diesen Frauen ist deine Geliebte?“ – „Ich kann sie nirgendwo sehen, o mein König!“
„Hab Geduld, ich werde sie dir zeigen. Und der dort ist also der Neger Dorerame? Ist er es?“, fragte der König.
„Ja“, antwortete der Wesir, „und er ist einer meiner Diener.“
„Genug!“, befahl der König. „Es ist jetzt nicht die Zeit für viele Worte.“
Während sie so miteinander sprachen, sagte Dorerame zu der Frau: „Ich bin deiner Lügen müde, o Beder el Bedour“ – Vollmond der vollen Monde, denn das war ihr Name. Dann schlug er ihr ins Gesicht und versuchte, sie mit sich fortzuziehen.
Das erfüllte das Herz des Königs mit Eifersucht und Zorn. „Schau, was dein Neger tut!“, sagte er zum Wesir. „Bei Gott! Ich werde es ihn mit dem Leben büßen lassen! Ich werde an ihm ein Exempel statuieren, als Warnung für alle, die versuchen, es ihm gleichzutun!“
In diesem Moment sagte die Frau zu Dorerame: „Was tust du? Du hast deinen Herrn, den Wesir, mit seiner Frau betrogen. Und nun willst du sie betrügen, obwohl sie dich mit soviel Wohlwollen behandelt und dir alle erdenklichen Annehmlichkeiten verschafft hat? Und obwohl sie dich ohne jeden Zweifel über alles liebt, versuchst du, eine andere Frau zu verführen!“4
„Hör zu, aber sprich kein Wort!“, ermahnte der König den Wesir.
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