Kitabı oku: «Eine unendliche bedingungslose Liebe»
Simon Kyung-ha Herz
EINE
UNENDLICHE
BEDINGUNGSLOSE
LIEBE
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2015
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Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig
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Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Danksagung
Einleitung: Psalmenauswahl
Teil 1. Vergangenheit
1. Kindheit
2. Jugend
3. Der junge Erwachsene
4. Buddhistische Bekehrung
5. Christliche Bekehrung
6. Arbeit, Krankheit, die Kirche und ein Kloster
7. Verschiedenheit der Liebe
Teil 2. Gegenwart
8. Der Erwachsene
9. Bosses Zukunft und Tag 4
10. Mai
11. Zukunft
12. Im Frühling
Schluss
In Dankbarkeit an die buddhistischen Gemeinden in Korea, Geshe Thubten Trinley, Thich Nhat Hanh (Plum Village), Gonsar Rinpotsche (Rabten Chöling), Günter von Arte Omni, Geshe Tsültrim, die koreanische Gemeinde in Augsburg, Abt Theodor Hausmann und das Benediktinerkloster St. Stephan, Heribert von Zen in Augsburg, an bestimmte Schulen, und bestimmte Kindergärten in München und Augsburg.
In Dankbarkeit an die gesamte Familien Herz, Min, und Wrana, die vergangenen, vorhandenen, und zukünftigen Freunde und Bekannten, KollegInnen, an die Kinder und Eltern aus den Kindertagesstätten, Verstorbenen, an Dich, sowie an alle Wesen, und vor allem an die eine unendliche bedingungslose Liebe.
Malerei und Fotografie Arte Omni.
Psalm 1
Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt …, sondern sine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles, was er tut, gelingt. Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht …
Psalm 25
… An die Sünden meiner Jugend und meine Vergehen denke nicht; nach deiner Gnade denke du an mich um deiner Güte willen, HERR! Gütig und gerade ist der HERR; darum unterweist er die Sünder in dem Weg … Die Enge meines Herzens mache weit, und zieh mich heraus aus meinen Bedrängnissen! Sieh mein Elend und meine Mühsal, und vergib alle meine Sünden! …
Psalm 130
… Wenn du, Jah, die Sünden anrechnest, Herr, wer wird bestehen? Doch bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte …
Psalm 13
… Ich aber, ich habe auf deine Gnade vertraut; mein Herz soll jauchzen über deine Rettung.
Psalm 113
… Wer ist wie der HERR, unser Gott, der hoch oben thront, der in die Tiefe schaut – im Himmel und auf Erden? Der aus dem Staub emporhebt den Geringen, aus dem Schmutz den Armen erhöht, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen, bei den Edlen seines Volkes …
Psalm 119
… Es ist besser sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Edle zu verlassen …
Psalm 23
… Nur Güte und Gnade werde mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich kehre zurück ins Haus des HERRN für immer.
Die Bibel, altes Testament, die Psalmen.
TEIL 1. VERGANGENHEIT
1. Kindheit
Sterben hatte Adam damals in seiner Kindheit nicht im Sinn.
Er war ein lebensfreudiger Junge in einem gewöhnlichen Dorf mit Namen Ried in Schwaben. Er mochte die griesgrämigen Alten nicht leiden, er freute sich vielmehr oft am immer strahlenden Leben. Ein Teil der Strahlen der Kindheit war das goldene klare Licht der aufgehenden Sonne, welches durch das Küchenfenster fiel, und am Metall, das die dicke Glasscheibe im inneren des Rahmens umrandete, gleißend und glänzend reflektierte. Das Küchenfenster war gegen Osten gerichtet, in einem zweistöckigen weißen Haus mit einem schwarzen Dach, in dem sie zu einer günstigen Miete im gesamten zweiten Stock wohnten, sein netter schlanker Vater der eine ausgezeichneten Bluesgitarre spielte, seine hübsche Schwester und er. Seine zierliche ebenfalls attraktive, tierliebe, manchmal sehr impulsive Mutter, eine hervorragende Köchin koreanischer Gerichte, lebte im geschichtsträchtigen Augsburg, der nächstgelegenen größeren Stadt. Zwischen dem Haus und der etwa einen Kilometer entfernten beinahe unbebauten grasbewachsenen Anhöhe, über welcher die Sonne aufging, befand sich eine Absenkung; das Dorf war von lauter kleinen Tälern und Anhöhen durchzogen. Geblendet von dem warmen weißen Licht der mächtigen Sonne, die eben dort über dem grünen Hügel aufging, und über der ein reiner Morgenhimmel sich ausbreitete, sah Adam oft nur noch die feinen Staubkörner in der Küche, langsam in der Luft in einem transzendenten Licht, schweben, und gerade an Ostern, und an einem freien Tag wie dem Sonntag, wenn er sich zur rechten Uhrzeit in der Küche befand, dann reinigte und befreite ihn diese kraftvoll einströmende Lichtflut von gelegentlichen traurigen Zuständen und er fühlte, wie das Leben in seiner Ganzheit letztendlich gut ist.
Bevor noch weitere glückliche Momente der Kindheit aus der Erinnerung hervorgeholt werden, sollte jedoch auch der unbestreitbare Mangel an Religion erwähnt werden, den Adam erfuhr, und der ihn noch zum Abgrund führen sollte. Ein Kind möchte von sich aus oft nicht die Sachen, die Erwachsene begehren, insofern hatte er eine natürliche Religion; aber mit fortgeschrittenem Alter braucht der Mensch die Religion, um sich nicht weiter zu beflecken, und um den Geist vom Gift zu reinigen, weil er meistens immer mehr in die Welt hineingezogen wird. Religion gibt dem Leben einen wirklichen Sinn, erklärt es, und lehrt zum eigenen Glück, welches aus Liebe entspringt, und dem der anderen, Gebote der Liebe, eine Ethik, was man tun und lassen sollte, und dass jedes Wesen von Gott trotz den Sünden bedingungslos geliebt ist. Adam hatte Religion kaum gelehrt bekommen. Deshalb wird in dieser Erzählung im ersten Kapitel Wert auf die natürlichen positiven Erfahrungen eines Kindes gelegt, bevor dann im zweiten Kapitel, die Unwissenheit in der Jugend beschrieben wird, die von einer meist unwissenden ungläubigen Welt von außen an ihn herangetragen wurde, und deren negativen Einfluss er sich ohne einem stabilen Glauben, – ohne einem Haus das auf festem Grund errichtet ist und das von einem Sturm bedroht wird –, mit der Zeit nicht mehr erwehren konnte.
Insgesamt ist dieses Buch eine reale und fiktive Geschichte von der Liebe zum Leben, dem getrennt sein von diesem, weil Adam durch die fleischliche Welt verleitet alles mögliche suchte, nur nicht Gottes liebenden Geist; - obwohl, vielleicht hat er ja gesucht, nur nicht am richtigen Ort, denn jeder Mensch sucht letztendlich durch all sein Tun, bewusst oder unbewusst, nach Liebe -; und es ist eine Geschichte vom Wiederfinden der Liebe mit der Hilfe Gottes, und somit der Fortführung eines ewigen ungetrübten Lebens des Geistes durch die bedingungslose Liebe des einen allmächtigen Gottes.
Jeder Mensch hat Geist, ob wir ihn aber verdecken, oder verschmutzen, oder durch den Gedanken an Gott wirklich in seiner unendlichen Weite und Klarheit berühren, das hängt mit der Entscheidungen zusammen, an was der jeweilige Mensch denken möchte.
Die früheste Erinnerung hat Adam daran, als er zwei Jahre alt war. Seine Eltern hatten sich gerade getrennt und er und seine Schwester wohnten für etwa ein Jahr bei einer Pflegefamilie in Landsberg, bis der Vater, der das Sorgerecht bekam, eine geeignete Wohnung und eine Arbeit gefunden haben sollte. An einem Wochenende waren die Schwester und Adam bei dem Vater, es wahr der Nikolaustag, der Himmel war grau, doch eine Art mystisches Licht drang an wolkenlosen Stellen nach unten, als der Vater im Hof voller Freude zu seinen beiden Kindern sagte, sie sollen kurz warten, er habe etwas in der Wohnung im Hochhaus vergessen; in dieser Zeit bereitete er eine Überraschung vor; den Geschwistern wurde wahrscheinlich hinterher erklärt, der Nikolaus war da gewesen und habe Süßigkeiten und Spielzeug für sie hinterlassen.
Drei der wenigen Erinnerungen an die Pflegefamilie sind, wie Adam mit dem Messer beim Frühstück gerne dreidimensionale Bahnen, Weltraumformen, in das Glas mit der Nusscreme gezeichnet hat. Die Pflegeeltern haben ihn gewähren lassen und Adam glaubt, dass sie wohl sehr anständig zu seiner Schwester und ihm waren, da er keine Erinnerung an Gewalt, Schimpf oder Misshandlung hat.
Er hat auch sehr gerne mit den beiden netten Kindern dieser Familie gespielt, mit seiner Schwester und Nachbarskindern, meist Ballspiele, auf der oft unbefahrenen Seitenstraße vor dem Haus, und wenn der Ball über eine Mauer auf den Grund einer alten Frau flog, so freuten sich die Kinder voller Spannung an dem Nervenkitzel, den Ball wieder herauszuholen, weil die Frau für sie eine alte garstige Hexe war, von der sie ab und zu geschimpft wurden, wenn sie ihr Grundstück betraten.
Adams Mutter lebte damals anscheinend in der Nähe, weil er sich daran erinnert, wie er alleine als Dreijähriger, möglicherweise ohne die Pflegeeltern zu informieren, einen schmalen Pfad zwischen zwei Holzzäunen entlang ging, um sie zu besuchen. Es war gerade ein Gast, möglicherweise ihr Stiefbruder, aus Korea anwesend, der ihm eine Puppe schenkte, nachdem die Mutter sich sehr über das Erscheinen ihres Sohnes gefreut hatte.
Kurz darauf zogen sie nach Ried, auf das Land. In den warmen Jahreszeiten spielte er in dem großzügigen Sandkasten, den die freundlichen Besitzer des Hauses für ihre eigenen Kinder im gepflegten Garten aufgebaut hatten; er grub Tunnel, baute Burgen, und erschuf Landschaften durch die Straßen verliefen und auf denen seine Spielzeugautos dann fuhren; er liebte das Spiel, denn seine dort ausgiebig benutzte Fantasie machte ihn frei von allen Einschränkungen der Umwelt. Er bewegte sich auch gerne in dem saftigen dunkelgrünen Graß, in dem Insekten, lebendige bewegliche Wesen, zu finden waren, und auf dem der glitzernde Tau des Morgens perlte und die nackten Füßlein angenehm kühlte.
Unterhalb Adams unvollständiger Familie wohnte die Familie der Besitzer, zu der sie später noch intensiven Kontakt haben sollten, und zwar als Adam und seine Schwester mit wohlschmeckenden selbst zubereiteten Mittagessen bekocht und für die Hausaufgaben von deren angenehm ruhigen Mutter betreut wurden. Der Vater Adams musste ganztags arbeiten und so hatte er schon bald eine Teilzeitpflegefamilie für seine Kinder gesucht und die Lösung war für die Kinder optimal, – denn sie waren im selben Haus, die Kinder waren bekannt und gemocht und so fühlten sie sich im gesamten Haus immer überall willkommen. Vor allem über die Nutzung des Gartens waren sie dankbar. Dieser war sehr ordentlich angelegt, er zog sich um drei Seiten des Hauses, auf der vierten Seite im Westen stand die Garage, er war umgeben von Sträuchern die in einem langen, mit dunkel gebeizten Holzstämmen abgegrenzten, Band aus nach Wald duftendem Rindenmulch wuchsen, und der Garten wurde schließlich von einem schwarz gestrichenem Holzzaun begrenzt, der aus drei quer liegenden aneinander gereihten Brettern bestand, über welche die Kinder angenehm leicht klettern konnten; um die Nord- und Ostseite des Grundstückes wand sich eine schmalen Seitenstraße, die anderen Seiten waren von ähnlichen Häusern umgeben; und in einer Ecke des Gartens stand auch eine hohe Schaukel aus ganzen Stämmen gebaut, auf der Adam gerne Schaukelte und wenn er sehr weit oben war, sprang er ab und flog und kam auf beiden Füßen im dichten satten Graß auf. Das Haus und der Garten, die Umgebung, und die Elemente, waren sein eigenes Paradies; und Gott wirkte allmächtig in diesem Paradies, denn ein Quant enthält angeblich alle Informationen des gesamten Universums, und wenn ein Quant, das kleinste nicht mehr teilbare Teilchen, alles weiß, dann weiß Gott erst recht alles und kann sich auch um jedes Wesen kümmern, denn da eines alles enthält und alles in einem ist und alles miteinander verbunden ist, hat er leicht zugriff; und auch ein anderes Phänomen berührte Adam: der Quasar ist eine Strahlung die beständig das gesamte Universum durchdringt; alleine durch diese zwei wissenschaftlichen Entdeckung wird das unerklärliche, geheimnisvolle berührt; es wird nur berührt, denn der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat, noch je zu sehen vermag (1. Thimotheus 6.16), ist ein liebendes Mysterium. Die Juden wollten auch immer einen sichtbaren Gott, Könige, nicht so einen Gott, den man nicht sieht, doch genau daraus besteht Gott auch, aus einem Geheimnis; warum müssen viele Menschen immer alles wissen wollen, und verlassen sich nicht auf die Worte Jesus Christus über die Liebe des Gottvaters zu uns, und über eine Rettung über den Tod hinaus? Jesus Christus ist die bekannteste Persönlichkeit unseres Erdzeitalters. Er war sicher kein Lügner, weil ihm unzählige Menschen geglaubt haben, glauben, und glauben werden. Sie vertrauen auf ihn, weil er unzählige Wesen erlöst hat; mit einer einfachen verständlichen und gleichsam unerforschlichen unendlich tiefen Lehre, die nicht ihresgleichen auf dieser Erde hat, noch haben wird. Also war er kein Lügner, und sein Wort ist Wahrheit. Die Glück bringende Liebe vieler Christen ist sein Beweis. Sonst glauben die Menschen doch auch alles mögliche, manche sogar an Geld, warum also erst recht nicht den Glück erzeugenden Worten über Gott und die Liebe von der größten und beeindruckendsten Persönlichkeit aller Zeiten?!
Die Mutter war in der Zwischenzeit nach Augsburg gezogen und Adam war glücklich und zufrieden in den Momenten, wenn er mit seiner älteren Schwester wie an jedem zweiten Wochenende bei der Mutter zu Besuch war, oben in einem Hochhaus, welches nahe des Stadtwaldes stand. Oft saßen die Geschwister zusammen in der Badewanne, die Mutter hatte ihnen Strohhalme und Badeschaum gegeben und sie haben so, in dem wohltemperierten dampfenden duftenden Wasser sitzend, die lustigsten Schaumgebilde kreierten, indem sie, die Halme in den Schaum gesteckt, Luft atmeten und in die Röhrchen bliesen, und sich so unzählige kleine schimmernde Seifenblasen bildeten.
Viele Jahre später erst sollte Adam lernen: Der Sauerstoff, dieses Elemente ist für das Glück wesentlich. Wenn ein Mensch atmet und auf seine Ein- und Ausatmung achtet, auf die Luft, dieser Materie, die am nächsten am Geistigen ist, da sie weder Farbe noch Form besitzt, und weil ein Wesen auch ständig Atmen muss, erlebt man den Geist und die Liebe, da Achtsamkeit, neben Geduld, Verstehen, usw., ein Aspekt von Liebe ist, die Glück bedeutet.
In der Sommerzeit war Adam auf dem Land ebenso häufig glücklich. Er und seine Schwester hatten vier Nachbarskinder aus drei benachbarten Familien besonders gern, es waren die ersten Freunde. Zusammen spielten sie bis in die Dämmerung hinein Spiele, auf dem am Abend noch immer warmen, von der Sommersonne erhitzten Asphalt der Straße; ideal eignete sich eine etwas schmälere Seitenstraße zwischen zwei Grundstücken der Familien der Nachbarskinder, da auf dieser kaum Autos fuhren, und es auch keine Schwierigkeiten gab den Ball zu holen, falls er über den Holzzaun, oder die hohe Hecke fiel; es gibt tatsächlich Menschen die es nicht wollen, wenn Kinder deren Grundstück betreten um den Ball zurück zu bekommen. Auf diesem Stück Teer, haben sie unzählige Male Völkerball, Brennball und Fußball und andere Spiele gespielt. Adam fühlte sich immer sehr frei, es gab keine Erwachsenen die sie gängelten, man ließ sie in Ruhe spielen und ihre Erfahrungen sammeln.
Er musste auch nicht bescheid sagen, wenn er mit einem seiner, im Laufe der Jahre vielen, Fahrräder über einen Feldweg, der über eine leichte Anhöhe im Norden außerhalb des Dorfes angelegt war, in ein nahe gelegenes kleines längliches Waldstück fuhr, um zuerst die von Tannennadeln weichen Pfade zu befahren, hindurch zwischen den braunen rauen Baumstämmen und über freiliegende Wurzeln, und dann trat er hinaus aus den Wald auf eine eintönige Wiese, betrachtete die hohen Nadel - zapfenreichen Fichten und Tannen von außen, und wenn er sich umdrehte sah er die goldenen Weizen- und grüngelben Maisfelder, die sich über Hügel bis an den Horizont im Nordwesten erstreckten.
Aber auch das Dorf selbst war für ihn ein einziger Abenteuerspielplatz. Alleine durch die Straßen zu laufen, und vor allem dabei versteckte Durchgänge zwischen den Grundstücken zu finden und durch sie hindurch zu laufen war ein beliebtes Spiel.
Das Dorf hatte in seiner Mitte am Grunde eines Kessels eine Kirche, die wiederum auf einem kleinen Hügel stand. Sie war weiß getüncht und hatte ein längliches Schiff an deren Ende ein viereckiger länglicher Kirchturm stand, der eine lange Spitze hatte. Eine steile Treppe führte zur Kirche und zur daneben liegenden Grundschule hinauf. Vom unteren Ende der Treppe verlief eine aufsteigende Hauptstraße nach Westen, zur Linken befand sich eine Metzgerei, zur rechten das Pfarrhaus, hundert Meter vor Ortsende hatte eine Bank ihren Platz, gegenüber befand sich ein Lagerhaus mit einem großen asphaltiertem Platz davor, und links hinter einer Bank führte eine kleine Seitenstraße in ein Wohngebiet und in die Weiherstraße in der Adam wohnte. Auf das Dach des Lagerhauses war hin und wieder der schwere Kater der Familie geklettert und dann musste der Vater mit einer Leiter diesen herunterholen, weil er sich nicht mehr herunterwagte, – solche und ähnliche Begebenheiten liebten die Kinder neben ihrem Alltag der ihnen nahezu ständig etwas bot.
Die beliebte Spielstraße lag gleich nach der Einfahrt in die Siedlung, hinter der Bank, zur Rechten. In der Nähe der Schule befanden sich noch zwei Einkaufsläden, wobei Adams Familie den unteren bevorzugte; vielleicht weil in diesem weniger offensichtlich getratscht wurde. In der Schule war auch eine Turnhalle, in der zwei Mal die Woche Tischtennis gespielt wurde, was Adam gerne tat, und wenn Adam die Hauptsraße in Richtung Osten weiterfuhr, dann erreichte er nach wenigen Metern eine Bushaltestelle mit einem schlichten geräumigen Holzwartehäuschen neben dem sich eine Telefonzelle befand und in dem sich die Kinder als sie älter wurde, am Ende ihrer Kindheit, jeden Abend regelmäßig trafen. Das Dorf hatte noch mehr Straßen, und in jeder kannte Adam jemanden oder etwas, und dieser Ort und seine direkte Umgebung war sein Reich, das Reich eines Jungen auf dem Lande, irgendwo in Schwaben, und oft reichte ihm der weite Himmel über der Landschaft, die täglichen Spiele, die Natur, die Jahreszeiten, um eine Kindheit trotz einer beinahe beständig abwesenden Mutter zu genießen.
Ein Ereignis war für Adam jedoch, im nachhinein, mehr als Spiel: Einer der Nachbarsjungen stellte sich vor Adam, der mit den anderen Kindern auf dem grauen erhitzten Randstein an einer vor ihrem Haus liegenden Ecke saß und wohl nichts tat, und der Junge sagte in dem er mit der Hand ein Kreuz vor Adam in die Luft zeichnete: „In nomine patri, et filii, et spiritu sancti, Amen.“ Der Bedeutung dieses Segens von einem Freund, von einem Kind, sollte Adam jedoch erst viel später gewahr werden.
Manchmal war Adam in der Kirche des Dorfes, wenn er einfach durch das Dorf spazierte, die altbekannten Wege, dann zog es ihn nur kurz hinein. Wenn das Licht am Nachmittag in den stillen Raum fiel, dann bekreuzigte Adam sich mit dem Weihwasser, das immer an der Seite der schweren alten Holztüre in einer Steinschale an der Wand zu finden war, ohne genau zu wissen was dieses Zeichen bedeutete, oder was eine Kirche bedeutete, weil es ihm nie jemand erklärt hatte, jemand der ihm Nahestand und dem er zugehört hätte; ja, sich für einen kurzen Moment an diesem Ort der Besinnung aufzuhalten, wie es wohl auch die buddhistischen Tempel in Korea waren, die er besuchte, als er mit der Mutter und der Schwester zu Urlaub in deren freundlichen so brüderlichen Heimatland war, war für Adam wichtig um sich dann wieder einer oft kalten und harten Welt zu stellen.
Zum Sinn dieser Erzählungen gibt es nur zu sagen, dass Adam viel Güte erfahren hat, auch wenn er in einer mitunter dunklen Welt aufwuchs, einer Welt voller Unglauben, Begehrlichkeiten und Kriegen, in der er sich nach Beendigung der Kindheit eine lange Zeit nicht mehr zurechtgefunden hat, manchmal sterben wollte, bis er wieder zu Gott fand, um die Welt, trotz aller Mensch geschaffenen Unzulänglichkeiten, erneut, wie in der Kindheit, als einen wunderschönen strahlenden Ort wahrnehmen zu können.
Diese beschriebene Reise, in dieser Welt, so wie sie anscheinend ist, soll Adam an das Gute in ihr erinnern, soll ihn daran erinnern, dass er geliebt war und noch immer und für immer geliebt ist, von einem geheimnisvollen allmächtig wirkendem Gott, wohl seinem Schöpfer; auch wenn er Leid erfahren hat, so sollen hier meist die positiven Erfahrung behandelt werden, weil die Liebe doch unendlich ist, im Gegensatz zum Teufel. Eine Eigenschaft der Liebe ist, dass sie niemals aufhört, der Hass kommt dann an sein Ende, wenn alles zerstört ist. Die Liebe durchstrahlt das gesamte Universum wie der Quasar.
Letztendlich gäbe es viele schöne Moment aus der Kindheit Adams zu berichten, aber da dieses Buch auch den Wandel zur Jugend und zum Erwachsenenalter beschreiben soll, sowie das Ziel ‚Gott zu suchen und zu finden‘, so kann nicht auf die vielen Details eingegangen werden, die das Leben einem unerfahrenen beinahe unschuldigen Kind bietet, und die es so Lebenswert machen; nur einige wenige sollen noch angeführt werden.
Wenn die Sonne am Nachmittag durch das breite Südfenster einströmte, und das glänzende Fell des schwarz weißen Katers erwärmte, der sich auf dem großflächigen Teppich in der Nähe des mit Bausteinen spielenden Kindes sonnte, und das er gerne streichelte, so war der Moment perfekt. Die Konzentration lag dann auf dem Austausch von Liebe von einem Wesen zum anderen.
Ab seinem sechsten Lebensjahr lag die Konzentration dann oft auf der Musik. Adam bekam eine liebevolle Klavierlehrerin, eine katholische Christin, in einem Nachbardorf, die in ihrem gelben Haus Musik lehrte. Sie war immer geduldig mit Adam, hat ihn nie getadelt, obwohl er selten geübt hat, hat ihn bedingungslos Zuneigung erfahren lassen, die wohl von ihrem, dem einzigen Gott, kam. Adam liebte die Atmosphäre in dem großen Wohnzimmer, in dem nur wenige Möbel standen und eben ein hellbraunes Klavier, und in das am Nachmittag oft das beruhigenden Licht durch die Fenster einkehrte, wenn er dem Klavier das ein und andere leichte klassische, harmonische Stück entlockte.
Durch den Wohlklang lernte Adam zuerst die Schönheit Gottes kennen, später sollte er durch die Religion lernen. Wenn Adam auflisten sollte, wer ihn in seinem frühen Leben inspiriert hat, so waren es zuerst Verwandte, besonders ein Onkel aus Korea, der jüngste Bruder der Mutter, dessen Liebe heraus stach, eine gute christliche Nachbarsfamilie, deren Tochter in seinem Alter und sehr anständig war, seine Musiklehrerin, und die Tagespflegemutter, später dann Musiker; noch später ließ er sich leider auch von Drogenkonsumenten beeinflussen, zeitweise auch von Gangsterrappern, aber zu guter Letzt dann von Priestern und authentischen spirituellen Menschen.
An einem Herbsttag waren die blau lila süßlich duftenden Zwetschgen auf einem knorrigen Baum reif, der in einer schmalen Seitenstraße seine Äste über einen Maschendrahtzaun hängen ließ. Diese Seitenstraße mündete in die Hauptspielstraße der Kinder die wiederum zwei Straßenecken von Adams Wohnung entfernt lag. Vom warmen durchdringenden Licht des Septembers am Nachmittag berührt und erfüllt, ging Adam in seinem Viertel spazieren, sah die überreifen prallen Früchte auf dem Gehsteig liegen, betrachtete staunend und liebevoll die Wespen wie sie das helle grünliche Fruchtfleisch heraus bissen und aß auch selbst von diesen wundervoll süßen Früchten, ohne zu bezahlen, und mit dem honigfarbenem Himmel über sich, befand er sich im Paradies.
Sogar im Winter befand er sich dort, auch wenn es manchmal klirrend kalt war. In der Nähe des Waldstückes das sie liebten, lag ein steiler Hang und etwas entfernt ein längerer aber auch weniger steiler Abhang. Die Kinder konnten wählen welche Abfahrt sie bevorzugten, und unten trafen sie sich dann. Es ging oft wild zu, denn Kinder fuhren einfach los, auch wenn Adam ihnen entgegenkommend noch den Berg hinauf lief; manchmal musste er ausweichen und auch die Abfahrt endetet oft im kalten zu Eis gepresstem Schnee und selten in aller Ruhe auf dem Schlitten sitzend. Doch die reine Wintersonne und manchmal auch der graue eisige Himmel, sowie das wilde Leben, waren einfach zu aufregend als das Adam nicht hätte mitspielen wollen. Zur Ruhe kam er dann, wenn er die nasse Schneekleidung im geheizten Bad auszog, sie irgendwo aufhängte, zerknülltes Zeitungspapier in die durchnässten Schneestiefel steckte, sich trockene Sachen anzog und ein Comic oder ein Buch im Wohnzimmer auf dem Sofa liegend zur Hand nahm, oder etwas anderes Ruhiges tat.
In der Grundschule im Sommer hat Adam manchmal, in der Pause, alleine vor einem Strauch stehend, kleine gelb schwarz gestreifte harmlose Schwebebienen mit der Hand gefangen, sie in einer leicht geöffneten Faust eingeschlossen und sie dann unversehrt wieder herausgelassen. Adam hat nie bewusst Tiere gequält, er hatte Respekt vor jeglichem Leben, was wahrscheinlich von seiner Mutter kam, die sehr tierlieb war, wohl weil sie als Kind in einem Dorf in Südkorea von ihrer Großmutter mütterlicherseits ein wenig buddhistisch unterrichtet wurde, – wenn sie Schildkröten, die sonst verzehrt wurden, gekauft und im nahe gelegenen Fluss frei gelassen haben –, und auch als sie als junge Frau drei Monate in einem Kloster mitgewohnt hat.
Adam hat im Unterricht oft gestört wenn er nicht die Ruhe genoss, weil er dann Freude und Lachen wollte; er war nicht so ruhig wie andere Kinder, aber doch gemocht, weil er Gewalt verabscheute. Nur zweimal im Leben hat er wirklich gekämpft und zwar immer mit der selben Person, einem etwas einfachen Jungen; – als er beim ersten Mal, nach einem heftigen Gerangel, dessen Kopf in seinem Arm, diesen auf den Boden drückte, weil dieser etwas getan hatte, was an dieser Stelle vergessen ist, hat sich der Junge ergeben und zufrieden war Adam neben ihm gestanden, vor der ganzen Klasse, während der Lehrer nicht im Raum war. Unvorhergesehen hat ihn der Junge kurz darauf am Arm gepackt und über seine Schulter geworfen, so dass er mit dem Kopf, mit einem dumpfen Geräusch, auf dem Boden aufgeschlagen war. Die umstehenden Kinder haben erschrocken zugesehen und den Lehrer gerufen, der sich sogleich um den weinenden Adam gekümmert hat, der gleichzeitig den Jungen innerlich wegen dessen Hinterhältigkeit abgestempelt hat; der Junge hatte wahrscheinlich eine Strafe von dem Lehrer bekommen. Später in der Jugend hat er sich mit diesem Jungen bei einem Geburtstagsfest auf dem Bauernhof von Bekannten, aggressiv vom Alkohol, noch einmal angelegt, wobei dieser ihm einen Zahn eingeschlagen hat; er war zwischen zwei Streithähne gegangen, er mochte nicht, dass diese sich Gewalt antun.
Eine vorläufige Lehre über die Auswirkung von Gewalt hat ihn das Leben auch erteilt, als er, an der Schulbushaltestelle der Marktgemeinde Mering, einem Jungen hinterhergelaufen war und ihn geohrfeigt hatte, weil ihn dieser mit einem anderen Jungen verspottet hatte. Am selben Tag noch hat dessen Mutter bei Adams Vater angerufen. Dieser hat Adam nicht bestraft, aber Adam wusste dass seine Gewalt den Jungen hat leiden lassen.
Wie bei jedem Menschen, auch wenn das Leben nur kurz ist, gibt es viele besondere und schöne Momente, auch traurige, aber das Gute überwiegt wohl. Über Adams Kindheit könnte noch viel erzählt werden, um diese Erzählung aber wertvoll zu machen, hat sie hauptsächlich glückliche Inhalte in kürze dargestellt, um den Sinn, wie ihn Adam Jahrzehnte später verstehen sollte, zu vermitteln. Aus A wird meist B und dann wird durch glückliche Umstände und einem „ja zur Liebe“ ein richtiges A daraus.
Zu den Wandlungen gehört auch, dass der Vater einen Menschen im Kindergarten seiner Kinder kennen lernte, der den Vater daraufhin besuchte, weil beide Sozialarbeiter waren, und der Zeitlebens ein Freund der Familie bleiben sollte, und als es Gott zu einer Zeit fügte, in der Adam empfänglich war, auch ein Freund und Lehrer für Adam; er wird im folgenden der Mann genannt werden.
2. Jugend
Umso älter man wird, desto liebevoller sollte man sich benehmen, weil wir auf Wachstum angelegt sind; Adam tat das nicht; aber wer lehrt einem die Liebe in Europa, wenn nicht Christus? Adam wurde der Kontakt zu ihm leider vorenthalten, es wurde ihm nicht ausgiebig von ihm berichtet. Es gab zwar eine türkise Buddhastatue aus Korea im Wohnzimmer auf einem koreanischen Medizinschränkchen, aber hier hat ihm ebenfalls niemand erklärt was, in diesem Fall, der Buddha gelehrt hat. Adam hat oft seine feinen Finger über die glatte lackierte Keramikoberfläche gleiten lassen, um dem Göttlichen, Guten, Liebevollen, Schützenden aus Asien näher zu sein; er wusste nichts von Verbeugungen, Zufluchtnahme, Entsagung, und Liebe. Es gab auch zwei kleine Metallkreuze an der Wand, die er und seine Schwester zur Kommunion bekommen haben. Doch auch bei diesen hat niemand Adam den Sinn der Zeichen erklärt, auch nicht ansatzweiße, denn den tieferen Sinn können wohl nur wenige verstehen und vermitteln; aber selbst ein allgemeiner oberflächlicher Sinn wurde nicht erklärt. Wegen der anstehenden Kommunionfeier wurde er zwar von Irgendjemanden zum Pfarrer zum Beichten geschickt, aber dieser hat ihn im Beichtstuhl nur angeschrieen: „Hast Du denn nichts zu beichten!“, als Adam nicht wusste was er sagen sollte, weil ihm niemand erklärt hatte was Sünden sind.
Also blieb ihm nichts anderes übrig als selbst zu suchen. In der betexteten Musik der CD Sammlung seines Vaters, in der Kunst, hat er immer wieder etwas Sinn gefunden. The Band sangen in ihrem Song The weight: Take a lord for free … I am a peaceful man … God for everyone. Freddy Mercury sang auf dem Innuende Album von Queen: We are all Gods peoble, make welcome inside your home, don’t turn your back to the lessons of the lord. The Beatles sangen: All we need is love … Doch Adam wusste nicht wo die Regeln Gottes zu finden waren, die zehn Gebote der Liebe im alten Testament der Bibel, noch wo Liebe eigentlich herkommt, von wem sie kommt, von Gott, und wie er sie mit Hilfe von Glauben in sich berühren kann.
Leider hat Adam nicht mehr Input bekommen, von einer Person von Mund zu Ohr, und zwar regelmäßig, damit es sich durch Regelmäßigkeit und Gewohnheit festsetzt, und so wurde dies wenige an Information irgendwann von Weltlichem überdeckt; das Weltliche war in seinem Leben einfach präsenter.
Die Erinnerung an eine Drogensucht schmerzt, und die Erinnerungen an weitere Sünden ebenfalls. Was Adam an Bösem getan hat, hat er getan, das kann nicht rückgängig gemacht werden. Er hat es jedoch bereut. Später sollte er erfahren, dass nur das Jetzt und Hier, der Moment in dem – für einen Atemzug – gedankt, also geliebt wird, von Bedeutung ist, und nicht die Schuldgefühle über die Vergangenheit und genauso wenig die Wünsche für die Zukunft. Der Dank richtet sich schließlich an den Retter, wenn ein dieser außer Gefahr gebracht hat, aus dem Dreck gezogen hat, durch bestimmte Erkenntnisse, durch Erfahrungen, durch Personen, durch Bücher, durch Licht, durch Liebe, u. s. w.
Doch vorher war Adam, dem verlorenen Sohne aus dem Evangelium gleich, vom Himmel in die Hölle geraten. Adam war gewissermaßen gestorben, als die Außenwelt ihn immer mehr zu Gedanken, Worten und Taten verleitete, die unheilsam für ihn wie auch für andere waren. Das Kind eines Menschen stirbt irgendwann, wenn er es nicht bei der Liebe halten kann. Doch wie hätte Adam die Liebe halten können, wenn man ihn von ihr getrennt hatte, weil ihm niemand von der Liebe erzählt hat, auch wenn er sich tief in seinem Inneren danach gesehnt hatte?
Das eigene Sterben beinhaltete auch das Richten. Adam begann alles in unveränderliche Schubladen in seinem Geist zu stecken, er begann alles was ihm begegnete in Gut und Böse zu unterteilen, wie Adam aus dem alten Testament der Bibel, nachdem er im Paradies von dem Baum der Erkenntnis gegessen hatte, und nicht vom Baum des Lebens, und somit der Sündenfall für ihn wie für die Menschheit begann.
Doch was Gut war, war für Adam Böse, und was Böse war, war für ihn Gut. Er begann nicht nur zu richten, er richtete auch noch sehr schlecht.
Wer aber richtet, richtet sich selbst, weil man nur das sieht, was man auch in sich trägt; doch dies verändert sich ständig; man trägt in sich, was die meist sündhafte Außenwelt an einen herangetragen hat, und was man selbst davon, aufgrund bestimmter Umstände, angenommen hat, ansonsten wäre man leer, frei.
Jesus spricht in den Evangelien: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? … Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst. (Matthäus 7.1 - 5) Albert Camus meint dazu an einer Stelle seines Werkes, in einem einzigen atemlosen metaphorischen Monolog, (in Der Fall), der Richter ist der Hauptfeind, und er meint vielleicht den Richter in einem selbst. Der Freund ist die Vergebung, Christus, in einem. In Christus geht der Tod zu Ende, der in Adam begann. (Albert Camus – Tagebuch) Er sagte voll Milde zur Ehebrecherin: „So verdamme ich Dich auch nicht!“ (Der Fall)
Wie sich Adam jedoch als Erwachsener wieder selbstständig und bewusst für das Gute entschieden hat, wie es noch erzählt werden wird, konnte er auch wieder zur Liebe zurückkehren, die nicht richtet, sondern für immer bedingungslos liebt, so wie der wieder gefundene einst verlorene Sohn zu seinem Vater zurückkehrt, und dieser nur voller Liebe auf ihn gewartet hat und ihn aufnimmt. … Der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Vater gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt! Und er teilte ihnen die Habe. Und nach nicht vielen Tagen brachte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein fernes Land, und dort vergeudete er sein Vermögen, indem er verschwenderisch lebte. Als er aber alles verzehrt hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und er selbst fing an, Mangel zu leiden … und er begehrte seinen Bauch zu füllen, mit den Schotten, die die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm. Als er aber zu sich kam, sprach er: wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen … Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. (Lukas 15.12 - 20)
Doch vor der Rückkehr folgt die Trennung. Auf dem schwäbischen Land war es für Jugendliche meist üblich, viel Bier zu trinken, sich regelrecht zu besaufen. So begann Adam zuerst, mal hier und mal dort, mit dem Trinken, und mit dem Rauchen von Zigaretten, weil es beinahe jeder tat, und später kam der Konsum von Marihuana hinzu, als er irgendwie damit in Berührung kam. Schließlich gewöhnte er sich an den Rausch, weil er mal hier und mal dort eingeladen wurde, oder einfach mitmachte, ohne Grund; der Rausch war aus Gewohnheit irgendwann öfter und somit normaler als ein nüchterner Geist, für ihn war es schon normal berauscht zu sein, und er wollte somit dieses Gefühl jeden Tag haben. Einfach aus Gewohnheit, er hatte sich daran gewöhnt. Denn wir können uns an alles gewöhnen, was es auch ist. Und weil er seine Aufmerksamkeit auf das Marihuana lenkte, eine Substanz die ihn vom reinen klaren Geist entfernte, weil sie verwirrt macht, schizophren und depressiv, so verlor er das Licht, das ihn das Licht hätte erkennen lassen. Wer nicht klar und nüchtern ist, ist meist verrückt. Adam erlebte eine verrückte Jugend. Das einzig positive an ihr waren die innigen Freundschaften. Oft hat er Musik gemacht. Der Sinn und Wunsch der Jugend bestand für Adam darin, schöne anspruchsvolle Musik zu machen, so wie sie ihn oft beglück hatte, wie sie ihm einen tieferen Sinn vom Leben erklärt hatte. Er suchte Musik überall, leider auch in der damals angesagten, rhythmus- und lyrikstarken Rap Musik, die ihre Wurzeln aber im Ghetto, in der Straße hat. So nahm er auch die Einflüsse der Straße auf, konsumierte wie die inspirierenden Musiker Drogen und durch die Drogen die ihn verwirrten, konnte er immer weniger Unterscheiden, was Gut ist, also zu Glück führt, und was Böse ist, also zu Leid führt. Genauer betrachtet suchte er Liebe, wie jeder Mensch, jedes Wesen, er suchte bedingungslos geliebt und angenommen zu sein, so wie er ist; er dachte er bekäme für die Musik Anerkennung. Er dachte das Ansehen von Menschen sei Liebe. Vor Gott gibt es jedoch kein ansehen der Person; sein Herz sieht mehr was fleischliche Augen sehen. Freunde suchten Anerkennung, Gefühle und Schutz in der Liebe zu Mädchen und Frauen, was für Adam vollkommen legitim war. Adam wusste jedoch nicht wie man mit einer Frau umgeht, seine Mutter war ja oft nicht da. Er war irgendwie unsicher, ein Außenseiter, anders, und keine Frau, mit zwei kurzen Ausnahmen, hatte sich wirklich an ihn herangetraut, weil sie merkten, dass ihm ihr Wesen fremd war; – wie kann ein Kind außerdem vertrauensvoll Beziehungen aufbauen, wenn es seine zwei Schöpfer beobachtet und diese nichts mehr miteinander zu tun haben wollen, sich im schlimmsten Fall hassen, was bei ihm Gott sei dank nicht der Fall war, wie kann es eine ungetrübte Liebe zum Partner entwickeln können? Nur durch Hingabe an Gott, an die wahre Liebe. Treue hat er auch nicht entwickeln können, weil unterbewusst kannte er nur die Trennung; hätte er damals schon Gott gesucht, dann hätte er die wahre Treue kennen gelernt, doch er suchte ihn noch nicht, und deshalb war er irgendwann noch mehr abgestürzt, weil er die Hand nicht ergriff, die ihn gerne gehalten hätte. Er suchte die Liebe nicht bei Gott, sondern bei Dingen denen er einen übertriebenen Wert beimaß der nicht existiert, – denn auch die meiste Musik ist eine Illusion –, und er suchte sie bei einigen untreuen Bekanntschaften und so dachte er, er ist nicht gewollt, weil ihn all dies nicht liebte, dieses denken hatte sich manifestiert, und so konnte er niemanden mehr an sich heranlassen, niemandem mehr vertrauen und nicht mehr ungetrübt lieben, weil nichts zurückkam, und auch aufgrund der Drogen in denen er sein Elend zu vergessen suchte, die jedoch sein Herz noch mehr zerstörten, solange bis er die unterschiedlichen guten Priester traf, die sein Herz erweichten, weil sie ihn als wertvoll betrachteten; die Buddhisten aus ihrem Grund, weil sie in ihm wie in jedem die Buddhanatur sahen, jemand der zur vollständigen Erleuchtung befähigt ist, und die Christen aus einem anderen, weil sie ein Geschöpf Gottes in ihm sahen, das von Gott geliebt ist.
Im Nachhinein ist Adam froh, dass sein Leben so verlaufen ist, wäre alles ohne Probleme verlaufen, wäre er wahrscheinlich ein cooler Partyboy geworden. Doch durch das kennen lernen des eigenen Leides, das Leid seiner Familie und der Vorfahren, und das der Welt, hat er nach wahrem Glück, nach wahrer Liebe gesucht, und so Menschen gefunden, (oder hat Gott durch sie ihn gefunden?), die sie ihm erklärten und zeigten. Sie sagten: „Ließ diese Schriften und denk darüber nach!“, und sie erkannten die Gewohnheiten die Leid bringend waren, worunter er litt, und teilten sie ihm mit, so dass er sie aufgeben konnte. Sie berichteten von der Liebe, und dass das alte böse Selbst zu sterben hat, indem man bestimmte Sachen nicht mehr tut, so dass Platz entsteht, dass sie sich gänzlich in einem entfalten kann, und nicht unterdrückt wird; Umstände, Orte, Wesen, Gedanken und Sachen die nichts mit reiner Liebe zu tun haben, müssen losgelassen werden, wenn für die Liebe und den Atem des Lebens Platz sein soll, und je mehr losgelassen wird, desto mehr Freude entsteht, weil damit das ursprünglich Göttliche Wesen, das Liebe und somit Freude beinhaltet, dass in jedem Wesen von Grund auf weilt, unbefleckt existieren kann und wahrgenommen werden kann.
Was kann über eine Zeit geschrieben werden, in der das Licht fehlte, in der das Leben – die Wahrnehmung der Liebe – fehlte?
Die Fakten seiner Jugend waren unter anderem, dass Adam irgendwie eine Konditorlehre bestanden hat. Zu einer Frau bei der Berufsberatung hat er gesagt, er möchte gerne etwas Kreatives machen. Als sich Adam bei einer Konditorei vorgestellt hatte, hat er beim Bewerbungsgespräch und der anschließend Führung durch einen mit Verpackungsmaterialien vollgepackten Gang des Betriebes ein besonderes Gefühl des Da-Seins gehabt; auch in dieser Phase hat Gott in umhegt und gepflegt, obwohl Adam nicht direkt auf ihn vertraut hat. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Gesellenprüfung, bei welcher ihm wiederum Klassenkameradinnen sehr geholfen haben, wollte er in diesem Beruf aber nicht arbeiten – er war ihm zu körperlich –, und als ihn sein Vater gefragt hat, was er stattdessen tun möchte, hat er geantwortet, er möchte mit Menschen arbeiten. Daraufhin hat er sich bei mehreren Berufsfachschulen für Erzieher gemeldet und wurde in Krumbach, einer hübschen Kleinstadt in der tiefsten schwäbischen Provinz, angenommen. Die Schule hat er bestanden, während er nebenbei immer auch Musik mit Freunden und Bekannten gemacht hat. Im Anschluss war er nach Augsburg gezogen, und hat dort noch sein Annerkennungsjahr in einem Waldorfkindergarten absolviert. Wenige Menschen haben Adam damals imponiert und inspiriert auf der richtigen Seite zu stehen. Im letzten Jahr der Ausbildung lernte er jedoch einen gläubigen, guten, sanftmütigen, und konsequenten Erzieher kennen, der viel Erfahrung hatte. Diese Zusammenarbeit hat Adam Momente von Glück und Frieden beschert.
Schon länger hatte er Kontakt nach Augsburg, über die Tochter des Freundes seiner Mutter. Die Menschen lernen einander oft über Beziehungen kennen. Die alten Freundschaften hatte Adam wenig gepflegt, er wollte immer nur gute Musik machen, dazu waren andere Musiker notwendig von denen er lernen konnte. Adam war ein Musiker, der ein kleines Studio in seinem Wohnzimmer hatte und dort Musik aufnahm; er war kein Livemusiker; sein Anliegen war gute Songs, oder Skizzen, zu komponieren die zeitlos waren, und sie mit interessanten und unbekannten Klängen aufzunehmen; dieses Ziel sollte Adam erreichen, doch später auch mit der Musikkomposition und deren Aufnahme aufhören, nachdem ihm von Geshe Thubten Trinley, einem spirituellem Wesen von dem noch die Rede sein wird, erklärt worden war, wie weltliche Musik auch nur Illusion ist, eine Zusammensetzung aus verschiedensten Tönen die kommen und gehen, die einen vielleicht im Moment wie eine Droge in ein anderes Bewusstsein hebt oder senkt, die, wenn man daran hängt, unfrei macht, einen ständig beschäftigt, und somit irgendwie einer Art Hölle gleicht. Mit ihr kann man letztendliche kein längerfristiges Glück erreichen. Sie kann aber ein Mittel sein um die endgültige Medizin zu entdecken.
3. Der junge Erwachsene
Nach Beendigung der Ausbildung zum Erzieher war er Leiter von einem Hort, er hat gut gearbeitet, doch er hatte auch drogenbedingte Aussetzer. In der Freizeit am Feierabend wurde nach wie vor Marihuana geraucht und Musik gemacht. Als Adam mit Freunden die ihn gern hatten, und sehr talentierte Musiker waren, eine Kassette mit Liedern von Adam aufgenommen haben, so war dies auch eine schöne Zeit für ihn, sie war so wie er es mochte. Ein Traum wurde wahr, die Lieder waren gut, die Aufnahmen authentisch: ein Lied wurde wegen des Halls im gekachelten schmalen Bad aufgenommen, als Sampler von eingespielten Gitarrenmelodien diente einmal einfach ein alter kassettenbetriebener Anrufbeantworter, und die außergewöhnlichen und klanglich vielfältigen Rhythmen, wurden mit der Mpc, dem Kultsampler komponiert und aufgenommen, – die Klangfarben waren unter anderem ein Regenmacher aus der Arbeit, und eine hölzerne Mönchsglocke aus Korea, sowie, von einem leidenschaftlichen Klangerzeuger, geschaffene Schlagzeugklänge, die zum Beispiel nur aus einem Husten bestanden, welches dann durch schneiden und andere Tricks zu verschiedenen Klängen ummoduliert worden war. So hatte sich Adam seine Musik erhofft, seine harmonischen durchdachten Melodien und ehrlichen Texte, in Verbindung mit professionellen Rhythmen und detailverliebt mit individuellen Klängen aufgenommen. Doch mit dieser Erfahrung kam auch der Hochmut und der Fall. Er nahm diese Erfahrung nicht demütig an, sondern es entwickelte sich ein Stolz über das eigene Schaffen, an dem doch so viele mitgeholfen hatten; die Überheblichkeit flüsterte ihm ein, dass er sich doch nun mehr erlauben darf.
Davor jedoch war eine verrückte doch intensive Zeit voller glühender Sonnenuntergänge über der Stadt, voller Kameradschaften und Treffen, voller planloser doch nahezu lebendiger Streifzüge durch die heißen Straßen, und voller Freundschaft zu einer Wohngemeinschaft, in der ein Mädchen Namens Mai wohnte, das er in Krumbach kennen gelernt hatte. Adam war sehr oft in diesem Haus gegenüber einer Sportanlage, auf der meist Ausländerkinder ihrer Leidenschaft für Basketball frönten und die Adam auch von seiner Wohnung aus im Blick hatte. Jedenfalls fühlte sich Adam nicht allein, oft war er mit Leuten unterwegs, um in irgendeiner Wohnung wieder jemand kennen zu lernen, eben auch Bosse, eine Person die eine starke Ausstrahlung hatte, diese aber letztendlich für das Böse verwenden wollte, und deren Art indirekt auf Adam überging, da alles miteinander verbunden ist. Nur wenn er mal wieder für kurze Zeit mit der Droge aufgehört hatte, wurden ihm seine wirkliche Einsamkeit und sein inneres Vakuum bewusst.
Einsam war er, weil egal wie intensiv die Freundschaften vorher auch waren, sie sind meist nicht beständig. Es kommt jedoch immer wieder etwas neues Schönes. Nur muss man dies halt auch registrieren. Adam jedoch schottete sich ab, ihm war in dieser Phase nicht zu helfen, – und er hätte Hilfe gebraucht, die ihm zeigt, dass Drogen kein guter Weg sind, und was stattdessen ein guter Weg ist, die ihm im Entzug und darüber hinaus hätte helfen können –; er ließ sich nichts von der Familie sagen, auch nicht von Kameraden; und er hätte das von einem durchschnittlichen noch jungen Kameraden auch nicht verlangen können, dass dieser viel Zeit mit ihm verbringt, ihn bedingungslos liebt, gegen jede Art von Zurückweisung seitens Adam standhaft bleibt, und ihn dabei noch zähmt, indem er lobt und tadelt, denn Adams Geist war außer Kontrolle, da er Gott und ein Achten auf den Atem nicht mehr kannte; außerdem hätte es somit selbst ein gezähmtes Wesen sein müssen, und so eines hatte er kaum noch in seinem Umfeld – er war weit gefallen. Es hätte schon eines besonders guten geduldigen Wesens bedürft, wie den Freund von seinem Vater, welches ihn unterweißt, doch dazu kommen wir erst später. An Gott als einzigen wahren ewigen Freund dachte Adam damals noch nicht, auch wenn dieser Freund schon lange für ihn sorgte, trotz Adams selbst gewählter Trennung von ihm.
Das Marihuana macht depressiv und schizophren, es entsteht ein Verfolgungswahn, man lässt kaum jemand an sich heran. Alkohol macht aggressiv, ihn hatte Adam noch vor dem Marihuana viel konsumiert, vielleicht hat er deswegen auch harte Musik gehört. Doch ganz harte Drogen hat er immer gemieden: Heroin, welches einen den besten Freund hintergehen lässt, dass den Charakter zerstört, Kokain, welches überheblich, arrogant, hochmütig macht, sowie die neuen chemischen Drogen, die das Gehirn zerstören, verwirren, verrückt machen; und jede Droge zerstört letztendlich das Herz, die Liebe.
4. Buddhistische Bekehrung
Als Adam dreiundzwanzig Jahre alt war, wurde eine Unterweißung in die Lehre von Buddha in München von Geshe Thubten Trinley, einem tibetischen buddhistischen Meister, der in der Schweiz lebt, gegeben, dessen Schüler auch Adams Vater war und welcher den Fall seines Sohnes nicht mehr mit ansehen konnte und ihn deshalb gefragt hatte, ob er mitkommt. Es hatte sich für Adam gut und interessant angehört, er vernahm den leisen Hauch einer Chance sich zu ändern, um von den Toten aufzuerstehen, und er hat Mai aus der Wohngemeinschaft mitgenommen. An jenem Tag hat er gemerkt, wie falsch er im Gegensatz zu dieser Person, die dort vorne auf dem Holzthron saß, lebte; einfach durch dessen reines Vorbild hat er es bemerkt.
Nachdem er danach noch ein wenig so weiter gelebt hatte wie zuvor, tat Adam schließlich, und mehrere Umstände wirkten dabei zusammen, etwas sehr unrechtes; zuvor hatte er unrechtes getan, doch dann hatte er eine Grenze überschritten. Adam wusste, das die alte Zeit zu Ende war und etwas Neues beginnen musste, wenn er weiterleben wollte; Gott sei Dank hatte er nach dem Treffen mit dem Meister eine leichte Ahnung, dass es einen Weg gab. Sein eigener Wille und Wunsch hatte ihn letztendlich in das Unglück geworfen, doch eben in dieser Zeit des Falls war auch Geshe Thubten Trinley in sein Leben getreten. Letztendlich hat Adam seine Wohnung und die Arbeitsstelle im Hort gekündigt, und wollte für unbestimmte Zeit nach Korea in ein buddhistisches Kloster ziehen.
Einige Zeit später saß er wirklich in einem kleinen buddhistischen Tempel in Korea, jedoch nur für einen kurzen Augenblick.
Seine Mutter hatte ihn ein Jahr vorher, bei einem Besuch in Korea, für zwei Tage in so einen Tempel gegeben, so wie es Brauch ist, oder aber auch weil die Familie gesehen hatte, wie kaputt Adam gewesen war. Dieser erste Besuch hat Adam eine Gebetskette von einem Mönch beschert, der ihm an einem Abend geduldig zugehört hatte, und ihm schließlich das Geschenk gemacht hat – mit der Hoffnung, sie wird als Glücksbringer benutzt, und das wurde sie auch, zwar verspätet, aber dafür später dann umso intensiver.
In dem fremden koreanischen Tempel hielt er es nach einer so langen Sucht und ohne Sprachkenntnisse und Kenntnisse der Lehre jedoch nicht aus. Doch als er kurz darauf schon wieder in Deutschland war, konnte und wollte er nicht mehr zurück in sein altes Leben. Er hatte ein gutes Buch von Thich Nhat Hanh, einem vietnamesischen buddhistischen Zen-Meister der in einem von ihm gegründeten Kloster in Südfrankreich lebt, auf dem Rückflug im Flugzeug gelesen und so war er auch noch dorthin aufgebrochen, weil er noch etwa Geld übrig hatte. Dort hatte er eine schöne Erfahrung von Liebe, von Wärme und Schönheit, die ihm geschenkt wurde, obwohl er ebenfalls nur kurz da war. Auf seiner Heimreise von Südfrankreich sah er die grünen Wiesen und vollen Felder in den sattesten Farben von einem goldenen Abendhimmel erleuchtet, und er war mit eingebunden in diese Schönheit, und gleichzeitig erfüllte ihn eine Wärme, ein Frieden, eine Begierde – und Wunschlosigkeit, wie noch nie, und all dies deutete er so, er kann diesen Zustand auch stabil und gänzlich erreichen, wenn er sich der Liebe zuwendet.
Was Adam in dem Hauptkloster von Zen-Meister Thich Nhat Hanh aus Vietnam, einem echten Mann, gelernt hat, auch wenn er nur kurze Zeit dort verbracht hatte, ist, auf seinen eigenen Atem zu achten, die Ein – und Ausatmung; denn die Achtsamkeit schadet den Wesen und ihm selbst nicht, sie ist Liebe, und da man immer Atmen muss, wird die Achtsamkeit immer aufrechterhalten; und außerdem erfrischt das bewusste Atmen Körper und Geist und verbindet diese.
Nach dem vietnamesischen Zen-Kloster begab er sich weiter, auf seiner mehrjährigen Wandlungsreise, zu Geshe Thubten Trinley, um ihn kurz zu sehen. Im Anschluss daran wohnte er erst einmal bei seiner Mutter und seinem Vater. Er hat in Deutschland wieder gearbeitet, und in dieser Zeit auch den Abt des Schweizer Klosters, Gonsar Rinpotsche, sowie weitere Lehrer aus dieser Gemeinschaft, in Zentren in München und in Österreich besucht und ihnen zugehört. In diesen Zentren herrschte immer eine angenehme Atmosphäre, an einer Seite standen meist wertvolle Buddhastatuen von den Meistern der Linie, davor ein hölzerner mit Tüchern geschmückter Thron für den Repräsentanten Buddhas, für die buddhistischen Lehrer, an den geweißelten Wänden hingen bunte wertvoll gewebte Bilder von verschiedenen Buddhas, und auf den sauberen Teppich- oder Holzböden saßen die Schüler dann auf weinroten Matten und Sitzkissen, der Farbe der tibetischen Buddhisten. Adam ist diesen Lehrern treu geblieben, weil sie ihn als erstes verwandelt, zum Guten, nicht direkt zu Gott, aber zum Leben, zurückgeführt haben. In einer Unterweisung in München hat Geshe Thubten Trinley einmal voller Mitgefühl zu ihm direkt in seinen Geist in Deutsch gesprochen, obwohl Geshe Thubten Trinley kein Deutsch spricht und auf einen Übersetzer zurückgreift: „Möchtest Du in der Hölle wiedergeboren werden?“
Analog dazu gab es in der Bibel eine Stelle über das Pfingstwunder, die Adam zeigte, dass die Liebe, und der heilige Geist ist ein Teil von ihr, überall wirkt: … und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apostelgeschichte 2.4)
Obwohl es ihm schon etwas besser ging, war er bald darauf wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen, weil er wieder mit törichten Leuten verkehrte, weil er Zeit in seinem alten Umfeld verbrachte.
Trotzdem hat Adam in dieser Zeit viel buddhistische Literatur gelesen, Bücher aus dem Bücherregal seines Vaters und die welche er sich selbst gekauft hat. Zum Beispiel die Lebensgeschichte von Milarepa, einem tibetischen Laienheiligen, der viel Unrecht begangen hat, und sich dann aber bekehrt hat, und noch in einem Leben ein Buddha wurde. Er hat authentische Bücher aus allen buddhistischen Traditionen gelesen, sie verschlungen, aber noch nicht verstanden. Ein Zitat eines thailändischer Buddhisten, von Ajahn Man Bhuridatta, welches bei Adam großen Anklang fand, war, in eigenen Worten wiedergegeben: Wenn ein Mensch mit geringen guten karmischen Anlagen viel mit Weisen verkehrt, wird auch er zu einem Weisen, wenn ein Mensch mit vielen guten karmischen Anlagen oft mit törichten Menschen verkehrt, wird auch dieser zu einem törichten Menschen.
Deshalb war Adam nach einem erneuten, die Gebote brechenden, Absturz wieder nach Korea gereist, wieder nach Südfrankreich, er wollte immer wieder in buddhistische Tempeln bleiben um frei zu kommen von seiner alten Umgebung, um sich mit Hilfe einer heilsamen Umgebung innerlich zu befreien; aber er hatte sich doch noch am Anfang des Weges befunden, er hatte sich immer wieder von jedem Ort losgerissen, weil sein Geist noch ungezähmt war, konnte er noch nicht verweilen, er war noch nicht sehr stabil in der Lehre zum Glück gewesen. In der buddhistischen Lehre wird man stabil durch studieren der Lehre, durch hören der Lehre, durch die Rechte Anschauung über Ursache und Wirkung und über die Verbundenheit aller Dinge und Wesen, durch ein gutes Verhalten in Gedanken, Rede und Taten, durch Gebete und Meditation, durch ein Aufsuchen von heilsamen Orten, Freunden und Situationen, so kann der Geist vollständig gezähmt werden, so dass er Heilsames tut und Unheilsames lässt, und einen selbst dadurch kein Leiden mehr wieder fährt; jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich, hatte Geshe Thubten Trinley gesagt. Heute versteht er, Gott übernimmt auch Verantwortung für ihn, für alle, er hilft ständig, aber er selbst, jeder Mensch muss selbst ja sagen, und wenn er ein wenig Verstand hat auch Danke.
Kehren wir noch mal um, zu den spirituellen Anfängen Adams. Es gab einmal ein Gebet auf Knien in einer weißen spärlichen ausgestatteten griechischen Kapelle, als Adam in seiner Drogen- und Musikerzeit, ohne Drogen den Urlaub verbrachte, und er dachte er wird verrückt; er betete das von Jesus gelehrte Gebet Vater Unser von ganzem Herzen, das einzige Gebet, das er kannte, welches er im Religionsunterricht der Grundschule lernen musste, um eben nicht verrückt zu werden. Etwas später hat er Buddhisten kennengelernt.
Was Adam im Grunde von den Buddhisten gelernt und was ihn angesprochen hat ist folgendes:
Die vier edlen Wahrheiten.
1. Die Wahrheit vom Leid. Unfreiwillige Geburt, Alter, Krankheit, Tod, in ständiger Wiederholung.
2. Die Ursachen des Leides. Unwissenheit, Begierde und Hass. Begierde und Hass entspringen aus der Unwissenheit. Die Unwissenheit ist: Nicht zu wissen, dass alles miteinander verbunden ist, in Ursachen, Umständen, und Wirkungen. Jede Handlung kommt zu einem selbst zurück und berührt das gesamte Universum. Großzügigkeit beschert Reichtum, Geiz beschert Mangel, Geduld bringt als Frucht Schönheit, Hass erzeugt Hässlichkeit, Begierden erzeugen geistige Unfreiheit, Begierdelosigkeit erzeugt geistige Freiheit. Durch das einhalten einer reinen Ethik, durch das einhalten der zehn Gebote, wird man ein glücklicher Mensch und kein Tier oder Dämon, u.s.w. Wenn man anderen hilft, oder ihnen etwas Schönes gibt, ohne etwas zu erwarten, mögen sie einen normalerweise.
Adam liebte, wie jedes Wesen, seine Familie. So hat er, um ihr nicht zu schaden, sich so gut er es vermochte an die Ethik der Laien der Buddhisten gehalten. Um sich selbst und anderen nicht mehr zu schaden, hat er, soweit es ihm möglich war, töten, stehlen, lügen, sexuelles Fehlverhalten und das berauschen durch Drogen, Alkohol …, vermieden. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass ein berauschter Geist, nicht achtsam sein kann, nicht lieben kann, unheilsames bewirkt.
3. Glück ist möglich, ein grenzenloses Glück ist möglich, für jeden. Es besteht aus: grenzenloser Liebe, grenzenlosem Mitgefühl, grenzenloser Freude, grenzenlosem Gleichmut (ein Zustand der frei ist von Anhaftung und Hass gegenüber Nahestehenden und Fernstehenden.)
Nun, wenn ich glücklich sein kann, dann möchte ich lernen und einhalten was zu Glück führt, hatte sich Adam gedacht.
4. Die Wahrheit von Glück – der edle achtfache Pfad, der mittlere Weg. Er ist in drei Teile gegliedert. Richtige Anschauung, rechtes Verhalten, und Meditation (Gebet, heilsame Konzentration, nachdenken über die Lehre). Wer über reine begierdelose Liebe nachdenkt, erlebt ein Glücksgefühl – das ist der Beweiß für Ursache und Wirkung, das ist ein Teil der rechten Anschauung; doch ohne richtiges Verhalten und Meditation, ohne alle drei Glieder zusammen ist kein Glück möglich. Zum richtigen Verhalten gehören die sechs Vollkommenheiten: Geduld (Herzensweite), Geben (vor allem die Lehre), Einhalten einer reinen Ethik (nicht töten, nicht stehlen, nicht Unwahrheit sprechen, kein sexuelles Fehlverhalten, sich nicht zu berauschen, u. s. w.) Tatkraft (Enthusiasmus), Meditation (Sammlung des Geistes, Konzentration auf einen heilsamen Punk wie beim Gebet, das Zähmen des Geistes), und Verstehen. Liebe beinhaltet zu einem großen Teil Verstehen. Kinder wünschen das Gute, dass mit ihnen liebevoll umgegangen wird, dies gilt es zu verstehen, und wiederum hat der Liebe, der ethisch lebt, und dadurch anderen nicht schadet. Aus Ethik entsteht Konzentration und aus Konzentration Weisheit, also Verstehen. Alles ist miteinander verwoben.
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