Kitabı oku: «Typisch!»

Yazı tipi:

SIMONE MAY

TYPISCH!

So verstehen Sie

Ihre Chefs und Kollegen

mit dem Enneagramm

Claudius

ÜBER DIE AUTORIN

Simone May ist Diplom-Kommunikationswirtin, Organisationsberaterin, Coach und zertifizierte Enneagrammlehrerin. Nach einer Laufbahn in Marketingkommunikation gründete sie eine Unternehmensberatung für Personal- und Organisationsentwicklung ist seit 2001 erfolgreich als Beraterin für namhafte Unternehmen tätig. Unter der Marke maypaula® realisiert sie Personalentwicklungsentwicklungsmaßnahmen zur Anwendung des Enneagramms im Business, leitet Trainings und führt Typendiagnostik und Coachings durch.

Mehr Informationen:

May Consulting

Strategieberatung und individuelle Lösungen für die Personal- und Organisationsentwicklung

www.mayconsulting-gmbh.de

maypaula®

Persönlichkeitsentwicklung, Coaching und Training mit dem Enneagramm im Business

www.may-paula.de

maypaula®, Deutsches Patent- und Markenamt AZ 30 3008 078 052 Das Akronym „paula” steht für: Persönlichkeit, Arbeitsstile und Leistungs-Aktivierung.

Bibliografische Informationen der deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Claudius Verlag München 2014

Birkerstraße 22, 80636 München

www.claudius.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Redaktionelle Mitarbeit, Gestaltung und Satz:

Bettina Fleinert, Kommunikationsdesign, Frankfurt am Main

Illustrationen: Yvonne Heumann, Frankfurt am Main

Illustration Eisberg: Sebastian Kaulitzki/​Fotolia

Umschlaggestaltung: Mario Moths, Marl, mit einem Foto von: Yuri Arcurs/​Fotolia

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

ISBN 9783532600047

INHALT

Cover

Titel

Über die Autorin

Impressum

Vorwort

EINFÜHRUNG

Ich sehe Dich

Was ist das Enneagramm?

Das Symbol

Die neun Typen

Der Nutzen des Enneagramms

Enneagramm und Ethik

Anwendung des Enneagramms im Business

Wie kommt es zu einem Persönlichkeitstyp?

Persönlichkeitsentwicklung mit dem Enneagramm

Enneagrammtyp und Arbeitsverhalten

Mit dem Typ versöhnen

Der Unterschied zu anderen Typologien: Lösung inklusive!

Den eigenen Persönlichkeitstyp erkennen

maypaula® und das Enneagramm

Übersicht maypaula® - Das Enneagramm im Business

Man sieht nur mit dem Herzen gut!

AUFBAU DER KAPITEL

Die Typen-Kapitel

Gruppenzugehörigkeit

Arbeitsstil

Antreiber

Selbstbild

Weltbild

Flügel

Leidenschaft und Laster

Abwehr

Handeln

Aufmerksamkeit

Sprachstil und Äußeres

Stress- und Entwicklungspunkt

TYPMUSTER ERKENNEN

Das ist wieder typisch!

Die erste Typisierungsebene: Kopf-, Herz- oder Bauchtyp?

Nutzen Sie Ihre Intuition

PS: Glauben Sie Typ 10 zu haben?

TYPEN-KAPITEL

Typ 1 – Perfektionist/in

Typ 2 – Helfer/​in

Typ 3 – Macher/in

Typ 4 – Individualist/in

Typ 5 – Beobachter/in

Typ 6 – Skeptiker/in

Typ 7 – Optimist/in

Typ 8 – Boss/in

Typ 9 – Vermittler/in

Auswertung: Welchen Typ haben Sie?

INTERAKTIONEN TYP 1 BIS TYP 9

Wechselwirkung der maypaula® -Typen

Typen 1-1 bis 1-9

Typen 2-2 bis 2-9

Typen 3-3 bis 3-9

Typen 4-4 bis 4-9

Typen 5-5 bis 5-9

Typen 6-6 bis 6-9

Typen 7-7 bis 7-9

Typen 8-8 bis 8-9

Typen 9-9

Gesamtübersicht der maypaula® -Typen

Nachwort

Danksagung

Weiterführende Literatur

VORWORT

Es gibt doch schon so viele Bücher über das Enneagramm – warum noch eines? Tatsächlich gibt es inzwischen einige Bücher zum Thema. Aus gutem Grund! Das Enneagramm ist das aus meiner Sicht tiefgründigste Modell, mit dem man die Vielfalt menschlicher Persönlichkeit abbilden kann. Es veranschaulicht, wie Menschen sind und wie sie sich typischerweise verhalten. Es erklärt die Beweggründe und zeigt darüber hinaus, was Menschen tun können, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, und wie es gelingt, das „Typ-Muster“ zu durchbrechen.

Kein Wunder, dass das Enneagramm zunehmend in Beratung, Training und Coaching eingesetzt wird. Es ist eine unerschöpfliche Schatztruhe für all diejenigen, die sich weiterentwickeln möchten.

In diesem Buch veranschauliche ich, wie sich das Enneagramm-Persönlichkeitsmodell auf die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag auswirkt. Dieses Wissen ermöglicht Ihnen, Kollegen, Führungskräfte, Mitarbeiter oder Kunden aus einer neuen Perspektive zu sehen. Hierdurch können Sie ihnen mit einem tieferen Verständnis begegnen, was die konstruktive und effektive Kommunikation fördert und Konflikten vorbeugt.

Um das Modell mit all seinen Möglichkeiten zu nutzen, ist es notwendig, die hier aufgeführten neun Persönlichkeitstypen nicht nur zu unterscheiden, sondern im jeweiligen Kontext zu erkennen, mit welchem Typ man es zu tun hat. Als Coach und Enneagrammberaterin habe ich die Erfahrung gemacht, dass es manch einem Klienten jedoch schwerfiel, mit den vorhandenen Enneagrammquellen den eigenen Typ oder andere Typen eindeutig zuzuordnen. Oft sagten mir Klienten, dass sie sich in vielen Typen wiedererkannt hätten („Ich bin alle!“) oder glaubten, ein „Mischtyp“ zu sein. Einige störten sich an der psychologischen oder spirituellen Fachsprache von Autoren. Andere scheuten die Komplexität des Modells. Manche fürchteten sich gar vor der Tragweite, sich festzulegen und zum eigenen Persönlichkeitstyp zu bekennen. Darüber hinaus habe ich oft erlebt, dass Klienten, die auf den Enneagramm-Geschmack gekommen waren, trotzdem große Mühe hatten, andere Menschen in ihrem Typ zu erkennen. Aller Neugier und Interesse am Erkunden der eigenen und der Persönlichkeit anderer zum Trotz fiel es schwer, Kollegen, Mitarbeiter, Führungskräfte oder andere vertraute Menschen als einen bestimmten Persönlichkeitstyp wahrzunehmen und eindeutig anhand der Typen 1 bis 9 einzuschätzen. Das hat mich motiviert, dieses Buch zu schreiben.

Durch die plakative, an einigen Stellen polarisierende Beschreibung und die Cartoons möchte ich Ihnen den Einstieg in das Enneagramm im Business erleichtern. Dieses Buch soll Ihnen das Erkennen und Verstehen der neun Enneagrammtypen ermöglichen und Ihnen helfen, Ja zum eigenen Typ zu sagen – als Start für die Erweiterung der eigenen persönlichen und sozialen Kompetenzen oder als Beginn der ENT-Wicklung der eigenen Persönlichkeit mithilfe des Enneagramms.

Das Modell dient nicht der Festigung von Klischees und Schubladen-Denken, es ist auch nicht als Werkzeug gedacht, um andere Menschen zu instrumentalisieren oder zu manipulieren. Vielmehr lädt das Enneagramm den Anwender dazu ein, sich zu der eigenen typspezifischen, gemütlich eingerichteten Schublade als solcher zu bekennen und daran zu arbeiten, aus dieser Schublade auszusteigen. Es ermuntert, die Typ-Schublade zu öffnen und dadurch anderen Einblick in die eigene Welt zu geben. Indem die tiefen unbewussten Beweggründe unter dem Verhalten als Ausdruck eines Typenmusters aufgedeckt werden, können Menschen sich auf der Beziehungsebene ganz anders annähern.

Die Typologie hilft zu erkennen, dass Situationen festgefahren sind, weil Menschen aus der Ego-Verstrickung heraus ihren unbewussten Automatismen, Antreibern und Typen-Mustern folgen. Dieses Verständnis schafft die Voraussetzung für Einfühlung und damit zu zwischenmenschlichen wertschätzenden Berührungen statt zu konfrontativen oder gar aggressiven Begegnungen. Das entspannt und erleichtert die Zusammenarbeit.

Darüber hinaus zeigt uns das Enneagramm den Weg von der erworbenen Persönlichkeit, dem Ego, zurück zur unverfälschten, ursprünglichen Identität, unserem Wesenskern, der Essenz. Im Anhang finden Sie einige weiterführende Bücher hierzu.

Wie die meisten Enneagrammlehrer verwende ich in diesem Buch vorwiegend die numerische Typenbezeichnung und spreche von „Einsen“ wenn ich Typ 1 meine, statt von „Perfektionisten“. Die numerische Typenbezeichnung ist neutral, interpretations- und wertfrei, daher bevorzuge ich diese. Gleichwohl weiß ich auch aus eigener Erfahrung, dass es zu Beginn eine Merkhilfe und Unterstützung darstellt, den Zahlen Namen zu geben. Die Typenbezeichnungen in diesem Buch sind mein Angebot an Sie, in anderen Enneagramm-Büchern werden Sie teilweise dieselben, aber auch andere Bezeichnungen finden. Die Typennamen benennen einen arbeitsspezifischen Hauptaspekt der Persönlichkeit des jeweiligen Typs. Selbstverständlich sind Einsen als „Perfektionisten“ nicht nur und auch nicht immer perfektionistisch, genauso sind beispielsweise Sechsen als „Skeptiker“ nicht ausschließlich skeptisch. Haben Sie passendere Ideen für Typen-Bezeichnungen? Bringen Sie sich gerne im maypaula®-Forum dazu ein.

Im Interesse der leichteren Lesbarkeit verwende ich in diesem Buch vorwiegend die männliche Form, wenn ich im Plural Männer UND Frauen meine.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ganz gleich, welchen Enneagrammtyp Sie haben, Sie sind dadurch weder schlechter noch besser und auch nicht mehr oder weniger geeignet für diese oder jene Aufgabe oder Position. Sie sind, wie Sie sind – und das ist auch gut so! Ihr Typenmuster ist ein wesentlicher Aspekt Ihres So-Seins und es gibt ganz sicher gute Gründe dafür, dass Sie ein bestimmtes Muster angenommen haben. Unter dem Stichwort „Rucksack“ erfahren Sie mehr darüber. Doch nochmals, ganz losgelöst davon, zu welchem Persönlichkeitstyp jemand zählt: Er verdient Wertschätzung und Respekt, denn er ist auf seine oder ihre Art vollkommen, einzigartig und liebenswert.

Ich wünsche Ihnen viele interessante Erkenntnisse beim Lesen dieses Buches!

Herzlichst, Ihre Simone May


EINFÜHRUNG

Ich sehe Dich

Erinnern Sie sich an den 3D-Kino-Kassenschlager „Avatar“? In diesem Science-Fiction Film treffen die Kunstwesen „Na’vi“ und Menschen aufeinander, zwei völlig fremde Welten begegnen sich auf einem anderen Planeten. Wegen der Andersartigkeit dauert es eine ganze Weile, bis die Na’vi und speziell Neytiri, die Häuptlingstochter, Vertrauen zu den Menschen und im Besonderen zum menschlichen Entsandten Jake Sully aufbauen. Abgesehen von den vielen beeindruckenden Effekten hat mich – wie viele andere auch – der Moment, da Neytiri zu Jake die Worte „Ich sehe Dich“ sagt, zutiefst berührt. In dem Kinosaal, in dem ich saß, war es mucksmäuschenstill, als die Zuschauer die aufkeimende Herzensverbindung spürten und intuitiv, auch ohne ein besonders ausgeprägtes spirituelles Verständnis zu haben, die eigentliche Botschaft erfassten: In diesem Moment hatte die Liebe das Misstrauen und die Angst abgelöst.

Gesehen, verstanden und angenommen zu werden, wer wünscht sich das nicht? Und wie schwer ist es zugleich im Alltag, das zu erhalten und zu geben? Wie leicht fällt es hingegen wegzuschauen, wenn etwas stört, und die Augen und Ohren vor dem zu verschließen, was nicht gefällt, und das abzulehnen, was da ist.

Wir ärgern uns, weil andere sich anders verhalten, als wir es tun würden. Wir verstehen nicht, dass der andere uns nicht versteht, dass er uns nicht „sieht“. Wir wollen, dass der andere die Welt so sieht wie wir und damit so wird wie wir. Er soll sich ändern, damit es uns gut geht. Wir hingegen wollen so bleiben, wie wir sind. Lieber gehen wir dem anderen aus dem Weg, als dass wir ihn als Spiegel und Einladung sehen, an uns zu arbeiten.

Im Privaten gelingt das meist ganz gut. Man meidet einfach unangenehme Begegnungen und umgibt sich mit Menschen, die ähnlich denken und fühlen und die nicht den Anspruch haben, einen verändern zu wollen. Doch wie soll das im Berufsleben, bei der Arbeit gehen? Was tun, wenn der Kollege, Mitarbeiter, Chef „anders“ ist, wenn er einen eben nicht sieht? Wie kann man in der beruflichen Gemeinschaft, trotz und gerade wegen der Andersartigkeit und Vielfalt, wertschätzend miteinander umgehen und, bei aller aufgabenorientierten, funktionalen Zusammenarbeit, dennoch eine beziehungsorientierte, emotionale Basis schaffen und aufrechterhalten? Wie zu einem intakten Betriebsklima beitragen, in dem sich unterschiedliche Kollegen miteinander verbunden fühlen, statt sich nur in einer Zweckgemeinschaft aufzuhalten?

Das Wissen aus dem Enneagramm-Persönlichkeitsmodell ermöglicht dies. Mit diesem Buch möchte ich Ihnen den Einstieg in das Enneagramm im Business erleichtern und Ihnen helfen, es zu nutzen, um besser zusammenzuarbeiten. Das Modell zeigt, wie grundlegend unterschiedlich Menschen die Welt wahrnehmen. Es basiert auf einer Neuner-Typologie und beschreibt, was Menschen bewegt, wie sie denken, fühlen und handeln. Dabei bewertet das Enneagramm nicht, es stellt dar und erklärt. Das Modell hilft, zu erkennen und zu verstehen, wie wir selbst und andere Menschen die Welt sehen. Es gibt Hinweise und stimmt nachdenklich, weshalb wir so sind und wie wir sein können, sobald wir unser Typenmuster lockern. Es regt an, unbewusste Muster und Mechanismen aufzudecken, und zeigt uns darüber hinaus Wege auf, Blockaden zu überwinden und Entwicklungsbarrieren zu durchbrechen.

Was ist das Enneagramm?

Das Modell ist gesamthaft betrachtet fast zweitausend Jahre alt, es schließt Erkenntnisse von Philosophen der Antike, Spirituellen Gelehrten unterschiedlicher Religionen und Psychologen aus unserem Zeitalter ein.

Es hat seinen Ursprung im Nahen Osten und wurde viele Jahrhunderte mündlich überliefert. Anfang des letzten Jahrhunderts kam es über George Gurdjieff nach Lateinamerika zu Oscar Ichazo, von dort zu Claudio Naranjo und schließlich zu David Daniels und Helen Palmer, die seit den 1960er Jahren in den USA Enneagrammstudien betreiben.

Das Enneagramm ist ein heuristisches Modell. Es basiert auf Beobachtung, Erfahrungsaustausch und der Weitergabe von Wissen über Länder-, Kulturgrenzen und Epochen hinaus. Zusätzlich wird es seit etwa fünfzig Jahren auch empirisch erforscht und belegt. Das Enneagramm, wie wir es heute verwenden, ist ein psychologisch-spirituelles Erkenntnis- und Entwicklungsmodell.

In Deutschland hat die Veröffentlichung des Buchs von Andreas Ebert und Richard Rohr 1989 zu einer größeren Verbreitung und Beachtung des Modells geführt, zunächst in kirchlichen und Non-profit-Organisationen, später auch in der freien Wirtschaft. Inzwischen nutzen große, internationale Unternehmen die Weisheit des Enneagramms und bestätigen, dass die Zusammenarbeit konstruktiver und produktiver wird, wenn offen mit den neun Persönlichkeitstypen umgegangen und (auch über Gefühle) gesprochen wird.

Früher wie heute wird das Enneagramm vorwiegend in der mündlichen Tradition weitervermittelt und gelehrt. In sogenannten Panels, Experten-Podien, erzählen Repräsentanten des jeweiligen Typs unter Anleitung des Enneagrammlehrers von sich und ihrer Art, die Welt zu sehen. Sie lassen die Zuschauer an ihren Motiven teilhaben, ihren Schicksalen, Verstrickungen und Entwicklungen, um gemeinsam mit anderen Menschen Wissen zu teilen, um mit anderen, statt über andere zu sprechen.

Das Enneagramm ermöglicht Antworten auf Fragen zu finden, wie zum Beispiel: Was bewegt jemanden dazu, etwas so zu sehen? Was empfindet er in dieser Situation, in diesem Moment? Wie kommt er dazu, diese Position zu beziehen? Was veranlasst ihn, sich so zu verhalten? Und vor allem: Wie reagiere ich auf all das und aus welchen Gründen reagiere ich so?

Das Enneagramm lädt ein, sich auf eine faszinierende Studien- und Erlebnisreise in neun Welten einzulassen, in denen neun vollkommen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Es zeigt uns, was geschieht, wenn neun verschiedene Weltanschauungen aufeinandertreffen, wie es im Arbeitsalltag oder im Privaten zu Berührungen oder Begegnungen kommen kann oder welche Konflikte wahrscheinlich sind.

Das Symbol

Wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt heißt „Enneagramm“: „Neuner-Bild“. Es bildet in einem Kreis mit neun Punkten die neun Hauptaspekte menschlichen Daseins in neun Arten zu denken, fühlen und handeln ab. Der Kreis dient als Symbol für die Weltkugel, er steht für Einheit und Verbundenheit der Menschen untereinander und umfasst spirituelle Aspekte (Anbindung von Körper, Seele, Geist an etwas Übergeordnetes, Nicht-Menschliches, wie das Universum oder das Göttliche). Die neun Punkte sind in gleichen Abständen zueinander dargestellt und über den Kreis und Linien miteinander verbunden.

Durch die Visualisierung wird deutlich, dass aus der Perspektive eines jeden der neun Punkte eine eigene Weltsicht resultiert. Jeder Typ hat seine typbedingte, eingeschränkte „40-Grad-Sicht“, die es – so das Ziel der Arbeit mit dem Enneagramm – zugunsten einer Rundum-Sicht (360-Grad-Perspektive) und Bewusstseinserweiterung zu erschließen gilt.

Die Verbindungslinien zwischen den Zahlen auf dem Kreis sind in der Reihenfolge 3 - 9-6 und 1 - 4-2 - 8-5 - 7 angeordnet. Diese Zahlenkette zeigt die Richtung an, die zu einer Weiterentwicklung heraus aus dem Typenmuster und hinein in die Ganzheitlichkeit führt. Nähere Erläuterungen dazu finden Sie in diesem Buch unter den Stichworten „Stress- und Entwicklungspunkt“.

Die neun Typen

Im Enneagramm gibt es den geradlinigen, anspruchsvollen Perfektionisten (Typ 1), für den es unabdingbar ist, dass alles genau nach seinen Vorstellungen „richtig“ gemacht wird. Oder den vielseitig interessierten Optimisten (Typ 7), der sich gerne auf das, was kommt, einlässt und wie der ehrgeizige Macher (Typ 3) auch einmal Fünf gerade sein lassen kann, damit er schneller ans Ziel kommt. Oder den sicherheitsorientierten Skeptiker (Typ 6), der einen Tunnelblick für Gefahren hat, Risiken vermeiden will und sich daher auch bei kleinen Anlässen absichert. Im Unterschied zum impulsiv-mutigen Boss (Typ 8), der nicht lange nachdenkt, sondern es einfach darauf ankommen lässt. Was wiederum den empfindsamen Individualisten (Typ 4), der sich an dieser Stelle mehr Einfühlung und Rücksichtnahme wünscht, anstrengt. Schließlich den sanftmütigen Vermittler (Typ 9), der Konflikte vermeidet und um des lieben Friedens willens Zugeständnisse macht. Ganz ähnlich dem aufopfernden Helfer (Typ 2), der immer zuerst an andere denkt und seine eigenen Bedürfnisse hintanstellt. Und zu guter Letzt den wissensdurstigen Beobachter (Typ 5), der am liebsten mit sich alleine ist und in sein Interessensgebiet abtaucht.


Was passiert nun, wenn Perfektionist und Macher zusammenarbeiten? Welche Reibungen werden Optimist und Boss miteinander haben? Anhand der Motive und Sichtweisen der einzelnen Typen kann man verblüffend zuverlässige Voraussagen treffen, welche Wechselwirkungen und emotionalen Herausforderungen zwischen den Typen zu erwarten sind. Wer sich mit diesem Wissen auf seinen Gesprächspartner einlässt, leistet einen wertvollen Beitrag zu einer von Wohlwollen und Vielfalt geprägten Unternehmenskultur des Mit- statt Gegeneinander.

Der Nutzen des Enneagramms

Die Arbeit mit dem Enneagramm im Business steigert die emotionale Intelligenz, verbessert die zwischenmenschliche Kompetenz und beschleunigt den Austausch zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, so das Ergebnis einer internationalen Befragung namhafter Unternehmen wie Daimler, Roche und Toyota, die im Enneagramm Benchmark Report 2011 dokumentiert worden ist.

Welches andere Persönlichkeits-Modell kann dies leisten? Ich sehe daher das Enneagramm als einen grundlegenden Baustein zur Personalentwicklung in Unternehmen, das dem Einzelnen in seiner persönlichen Entwickung und zugleich dem ganzen Unternehmen in punkto Unternehmenskultur enorm weiterhelfen kann.

Die Tatsache, dass das Enneagramm heuristisch begründet ist, macht das Modell alltagstauglich und schnell und nachhaltig nutzbar. Gerade weil es zunächst nur neun Persönlichkeitstypen sind, die es im Denken, Fühlen, Handeln motivorientiert zu unterscheiden gilt, ist das Modell leichter zugänglich als andere. Auf den ersten Blick scheint das Enneagramm einfacher als andere motivorientierte Persönlichkeitsmodelle, wie beispielsweise der weit verbreitete Myers Briggs Typen Indikator (MBTI-Modell), mit dem das Enneagramm korreliert (wie schon vor Jahren die Enneagramm-Pionierin Helen Palmer nachgewiesen hat) und der 16 Typen differenziert, oder das Reiss-Profil, das Menschen anhand von Polaritätenprofilen aus 16 gegensätzlichen Motivpaaren darstellt. Ein Neuling mag das Enneagramm vielleicht als zu stark vereinfachend und damit zu grob zu einer feinen Unterscheidung von Menschen empfinden. Doch der erste Eindruck täuscht: Gerade die Vielschichtigkeit, Tiefgründigkeit und Komplexität des Enneagramms bringt jene, die über das erste grobe Raster der neun Typen den Einstieg zum Modell gefunden haben, zum Staunen. In meinem maypaula-Ansatz, der das Enneagramm im Business anhand von typischen Arbeitssituationen veranschautlicht, erschließt sich Ihnen als Leser(in) intuitiv und nachhaltig Schritt für Schritt und Schicht für Schicht die Tiefenstruktur des Modells – bis die Typen zu neun eindeutig unterscheidbaren Gesamtbildern abgrenzbar werden.

In diesem Buch lernen Sie als Einsteiger in das Enneagramm im Business die neun Haupttypen kennen, zu denen jeweils die beiden Flügel-Ausprägungen (der Einfluss des Nachbartyps auf den Haupttyp) beschrieben werden.

Zusätzlich gehören zu jedem Typ noch die drei Subtypen „selbsterhaltend“, „beziehungsorientiert“ und „sozial“. Diese werde ich im Folgewerk näher erläutern. Das Modell differenziert also genau genommen nicht neun, sondern 54 verschiedene Typen! So viele Differenzierungen im Alltag auseinanderzuhalten, erfordert schon sehr tiefes Wissen und viel Erfahrung. Die neun Haupttypen jedoch lassen sich mit diesem Buch recht schnell lernen und die Erkenntnisse anwenden.

Enneagramm und Ethik

Jeder Mensch trägt alle menschlichen Grundthemen in sich. Alle in den neun Typenmustern differenzierten Eigenschaften kommen also in jedem Menschen vor, denn es sind die grundlegenden menschlichen Motive, die uns als Menschen auszeichnen, trennen oder verbinden.

  Die Gewichtung dieser Themen ist bei jedem Menschen individuell ausgeprägt. Zugleich ist jeder Mensch auf einen der skizzierten Motiv-Komplexe „spezialisiert“. Diese neun Arten der „Spezialisierung“ sind im Enneagramm die neun Persönlichkeitstypen.

  Das Erkennen und Durchleuchten der Persönlichkeitstypen als ein Muster hilft, die Wahrnehmung, das Denken, Fühlen und Verhalten von einem selbst und anderen in der Tiefe zu verstehen und anzunehmen.

  Jeder Mensch hat seine Lebensaufgabe und niemand ist perfekt oder makellos.

  Ebenso ist niemand wegen des Persönlichkeitstyps besser oder schlechter als ein anderer. Jeder Mensch, ganz gleich welches Persönlichkeitsprofil er hat, ist gleich wertvoll und einzigartig.

  Das Enneagramm ist ein hochkomplexes System. Es liefert keine Schubladen, sondern erleichtert, Fenster zu öffnen: Es gibt Orientierung und ermöglicht neue Perspektiven.

  Jeder Mensch hat das Potenzial, sich zu entwickeln, also seine Sicht der „40-Grad-Spezialisierung“ zu erweitern auf eine umfassendere, „360-Grad-Perspektive“, mit der er sich und der Umgebung begegnet.

  Das Enneagramm zeigt Begrenzungen und begrenzte Sichtweisen auf, damit Grenzen überwunden und neue Berührungen stattfinden können.

  Das Modell offenbart das Muster, in das wir uns aus verschiedenen Gründen hineinbegeben haben – und den Weg heraus.

  Indem das eigene Verhalten als „Muster“ erkennbar und nachvollziehbar wird, findet bereits der erste Schritt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit statt.

Anwendung des Enneagramms im Business

Zunächst: Die Zahlen und Typenbenennungen stellen keine Gewichtung dar. Mit der Benennung der Typen nach Zahlen wird lediglich vermieden, dass positive oder negative Konnotationen ausgelöst oder Charakter- und Verhaltenszuschreibungen auf der Basis bestehender Erfahrung mit einer Typenbezeichnung geschehen. Menschen assoziieren nun einmal individuell und der eine hat dieses, ein anderer jenes Bild vor Augen, wenn er zum Beispiel an einen „Boss“, Typ 8, denkt. Von „Acht“ zu sprechen, ist da viel neutraler.

Das Enneagramm ist auch nicht als Diagnostik-Instrument gedacht. Ein bestimmtes Persönlichkeitsmuster nach dem Enneagramm-Ansatz zu haben, ist weder Güte- noch Ausschlusskriterium für die berufliche Eignung. Es ist einerlei, ob Sie Typ 1, 4 oder 7 haben. Typ 1 ist nicht besser oder weiter als Typ 9 oder andersherum. Ein Typ 1-Mitarbeiter, -Chef oder -Kollege wird seine Arbeit allerdings Einser-spezifisch ausführen, ein Typ 4 entsprechend der beschriebenen Vierer-Merkmale handeln und ein Typ 7-Kollege ist erkennbar an den Eigenschaften von Typ 7. Der Mehrwert der Erkenntnis, welchem Typenmuster ein Kollege (oder ggf. Bewerber) zugehörig ist, verhilft dazu, dessen Arbeitshaltung, typspezifische Motivation und Arbeitsweise mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen und zu verstehen. Das ermöglicht zum Beispiel, Wechselwirkungen zwischen Kollegen und Mitarbeitern und Führungskräften als Ausdruck von Typenmustern zu beleuchten und Orientierung zu geben, wie die Kommunikation zwischen den beiden Persönlichkeitstypen einfacher und wirkungsvoller wird. Mehr hierzu finden Sie im Interaktionen-Kapitel ab Seite 249.

Wie kommt es zu einem Persönlichkeitstyp?

Charakterbildung ist etwas Hochkomplexes, das über „Prägung“ deutlich hinausgeht. Eine Mischung aus fünf Aspekten fließt in die Bildung des Persönlichkeitstyps, schwerpunktmäßig in der Kindheit bis zum Auszug aus dem familiären Umfeld, ein:

Zunächst wirkt tatsächlich die Kombination der mütterlichen und väterlichen Gene. Das Erbgut schafft das Fundament, auf dem ein Mensch heranwächst. Das soziale Umfeld, in dem er dies tut, ist der zweite Aspekt, der persönlichkeitsbildend wirkt. Welche Hauptbezugspersonen jemand gehabt hat und unter welchen sozialen Bedingungen jemand herangewachsen ist, führt zu Unterschieden. Weiterhin tragen die Lebenserfahrungen zur Festigung von Persönlichkeitsmerkmalen bei. Hierzu gehört zum Beispiel, welche Verhaltensweisen belohnt oder bestraft wurden. Schließlich prägen auch die Lebensspitzen (positive wie negative sogenannte „life events“) den Charakter. Wann und wie jemand beispielsweise mit Krankheit, Gewalt oder Verlust konfrontiert wurde, führt zu Differenzierungen.

Aus diesen fünf Aspekten wächst in einem Menschen ein Mix aus Ansichten, Antreibern, Kompetenzen und Ressourcen heran, der seinen Höhepunkt etwa rundum um das 25. Lebensjahr findet. In dieser Lebensphase haben die meisten Menschen ihre Berufsqualifizierung abgeschlossen, erste Berufserfahrungen und die erste große Lebenspartnerschaft erlebt. In den Folgejahren, bis etwa zur Lebensmitte mit Anfang 40, nutzt ein Mensch die gewonnenen Erfahrungen und baut je nach eingeschlagenem Berufs- bzw. Lebensweg seine Kompetenzen aus. Durch berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen wird das inzwischen deutlich erkennbare Kompetenzenprofil entsprechend dem Typenmuster 1 bis 9 trainiert, geschliffen und im Hinblick auf die berufliche Laufbahn begünstigt.

Dreien kommen beispielsweise wegen ihrer Zielorientierung und ihres Ehrgeizes oder Sechsen gerade wegen ihrer Sicherheitsorientierung und ihrer Fähigkeit, andere Menschen vor folgenschweren Entscheidungen zu bewahren, in ihrem Job weiter, sofern sie das möchten.

Mit Mitte 40 haben die meisten Menschen schon einige Erfahrungen gemacht und Karriereleitern getestet. Sie beginnen sich zu fragen, ob das schon alles war. Der Blick wird umgelenkt vom Außen, dem Verhalten, nach Innen, zum Wesen. Die Frage nach dem WESENtlichen beginnt zu interessieren. Eine Sehnsucht nach den ungelebten Persönlichkeitsanteilen, nach ENT-Spannung und Ausbruch aus dem So-Sein kann aufkommen. An dieser Stelle keimt der Wunsch nach dem Lösen der gewohnten Mechanismen, den immer gleichen Verhaltensmustern und Verstrickungen. Menschen spüren den Drang, sich von dem als Automatismus ablaufenden Typenmuster und damit aus der bekannten Schublade, in der sie es sich ihr halbes Leben kuschelig eingerichtet und wohnlich gemacht haben, zu lösen. Etwas mal ganz anders zu machen als bisher, sich aus den selbst auferlegten Ansprüchen zu befreien. Zu ENT-wickeln, was in den vier Jahrzehnten zuvor – aufgespult und zu einem Mantel gewoben, unter dem die erworbene Persönlichkeit gut umhüllt, geschützt und sicher war – bedeckt gehalten wurde.

Persönlichkeitsentwicklung mit dem Enneagramm

Training und Coaching mit maypaula®, dem Enneagramm im Business, ist ressourcen- und entwicklungsorientiert. Diese Arbeit mit dem Enneagramm dient nicht dazu, die Ego-Muster zu verfestigen, sondern diese im Hinblick auf die Ganzheitlichkeit der Persönlichkeit zu lüften. Ziel und Anspruch der Persönlichkeitsentwicklung mit dem Enneagramm ist, zu erkennen, dass die Fokussierung auf den eigenen Typ heißt, sich auf einen Ausschnitt aller Möglichkeiten zu begrenzen. Wer unreflektiert im Typ verstrickt ist, nutzt nur einen Teil seiner vorhandenen Ressourcen, er schaut mit einem 40-Grad-Blickwinkel, statt mit einer 360-Grad-Perspektive auf sich und die Welt. Unbewusste Automatismen aufzudecken und in das Bewusstsein zu transportieren, macht Zusammenhänge sichtbar und gibt Anhaltspunkte, wie es gelingt, den Typen aus seinen unbewussten und stressfördernden Mustern zu erlösen. Zu erkennen, welche Einschränkungen das „Im-Typ-Sein“ beinhaltet, hilft, sich selbst den Impuls für die Entwicklung der Persönlichkeit zu geben.

Das Enneagramm hilft dabei, öfter mal „aus dem Typ zu kommen“. Es lädt ein, dem authentischen Selbst mehr Raum zu geben als der erworbenen Identität. Viele Menschen fürchten zu Beginn der Arbeit mit dem Enneagramm die enthaltenen Anregungen zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie glauben, sie müssten dann auf etwas von sich verzichten, was sie bisher doch so weit gebracht hat; sie wollen sich nicht verändern. Doch es geht gar nicht um Veränderung, es geht um Entwicklung. Und Persönlichkeitsentwicklung heißt nicht, erworbene, nützliche Kompetenzen aufzugeben, sondern die Bandbreite des Verhaltens zu erweitern.

Eine Drei, z. B. Michael aus Typenkapitel 3, wird seine erworbenen Fähigkeiten – wie schnelle Auffassungsgabe, bedarfsorientiertes Handeln oder Überzeugungsvermögen – nicht verlieren, ganz im Gegenteil. Wenn er sich selbst „ent-wickelt“, also den engen „Strickmantel“ aus Mechanismen und Automatismen öffnet, wird er viel beweglicher. Er wird lockerer, für andere zugänglicher, erreichbarer. Das macht es anderen Menschen leichter, auf ihn zuzugehen und ihm das entgegenzubringen, wonach er sich eigentlich sehnt: dass er gemocht wird, einfach so, ohne sich dafür zu verausgaben. Und seine Kompetenzen, die ihm erhalten bleiben, kann er dann viel entspannter nutzen, vielleicht auch einmal für etwas ganz anderes als das bisher Gewohnte einsetzen.

Enneagrammtyp und Arbeitsverhalten

Wie wirkt sich das Wissen über den Enneagrammtypen auf die Zusammenarbeit aus?

Im Typenkapitel zur Drei lesen Sie das Praxisbeispiel zu Michael, einem Coachee, der mit dem Anliegen, seinem Leben neuen Sinn zu geben, zu mir kam. Michael war ein erfolgreicher Verkäufer im Außendienst, geschätzt von den Kunden, bewundert von den Kollegen, protegiert von seinen Vorgesetzten. Doch die Wirtschaftskrise hatte das Geschäft zum Stillstand gebracht. Michael machte keine Abschlüsse mehr, der gewohnte Erfolg und die übliche Bestätigung blieben aus und Michael stürzte in eine Identitätskrise.

Michael mag oberflächlich betrachtet wie ein ganz normaler Verkäufer wirken, dessen Los es nun auch mal ist, trotz Anstrengungen und guter Angebote Absagen und nicht jeden Auftrag zu bekommen. Doch das hier beim Typ 3 zu erkennende Erfolgsstreben ist nur die „Spitze des Eisbergs“. Tauchen wir, wie im Eisberg-Modell dargestellt (Abb. 1), unter die Wasseroberfläche in die Tiefenstruktur des Menschen Michael ein, können wir mithilfe des Enneagramms verstehen, unter welchem enormen, selbst auferlegten Druck unser Typ 3-Michael steht, er ist kurz vor dem Burnout.

Der Grund für diese Lebenskrise ist, dass er als Typ 3, imageorientierter Macher, seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Frage „Wie werde ich hier erfolgreich?“ gerichtet hat. Dreien wirken oft wie Workaholics: Sie sind sehr ehrgeizig und immer damit beschäftigt, ein Ziel zu erreichen. Sie scheinen unermüdlich und als Sieger-Typ alles zu schaffen. Sie wissen genau, was zu tun ist und worauf es ankommt, um in einer bestimmten Situation zu punkten. Sie orientieren sich an dem, was ihrer Meinung nach von ihnen erwartet wird. Wegen ihrer herausragenden Ergebnisse ernten sie viel Lob und Anerkennung, das nährt ihre Eitelkeit.

Bleiben jedoch der Erfolg und folglich das, was sie gewohnt sind – die Bestätigung –, aus, fällt der Typ 3 in ein tiefes Loch. Für Menschen eines anderen Persönlichkeitstyps ist es zu Beginn der Arbeit mit dem Enneagramm schwer vorstellbar, was mitunter schon ein kleiner Misserfolg für eine Drei bedeutet, nämlich das Gefühl, als ob ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Da eine tief verankerte (Ego-) Überzeugung der Drei ist, dass nur der Gewinner gemocht und gewollt wird, hat sie eine geradezu existenzielle Furcht vor Niederlagen und davor, mit einem Projekt zu scheitern.


Abb. 1: Das Eisberg-Modell

Daher setzt das Ego von Typ 3 alles daran, dass es entweder erst gar nicht soweit kommt oder, sollte es doch einmal dazu gekommen sein, dass er (und andere) es nicht in dem Maße spürt. Dabei neigt er zur (Selbst-)Täuschung. Er sagt sich dann zum Beispiel, dass es ja nicht an ihm lag, das Ziel verfehlt zu haben, oder dass ihm ein anderes Ziel letztlich viel wichtiger war, oder er beschäftigt sich mit Nebenaktivitäten, die eigentlich gar nicht zielführend sind. Dies alles hält das Bild des Gewinners aufrecht und lenkt sehr gut von negativen Gefühlen ab, zum Beispiel von seiner Urangst, als „Versager“ nicht geliebt zu werden.

Mit dem Typ versöhnen

Wenn Sie Ihren Kollegen beispielsweise als Typ 3 erkennen, verstehen Sie besser, was ihn dazu bewegt, sich so zu verhalten. Sie können ihn mit seiner Art leichter annehmen, da Sie einen Einblick in das „Drama“ seiner Geschichte erhalten. In jedem Typenkapitel lesen Sie unter der Überschrift „Rucksack“, welche Last der jeweilige Typ mit sich trägt, die ihn zu dem gemacht hat, wie er sich heute zeigt.

So haben zum Beispiel Dreier-Kinder meist reichlich Lob und Anerkennung erhalten, allerdings immer bezogen auf Leistung oder Taten, nicht einfach dafür, dass sie da waren. Dadurch haben Dreien früh verinnerlicht, dass es nötig ist, etwas Vorzeigbares zu erschaffen, um wahrgenommen zu werden.

Was Dreien im Umkehrschluss meist nicht gelernt haben, ist, dass es auch in Ordnung ist, einfach nur zu sein und nichts zu tun. Ihnen fehlt die Erfahrung, dass sie auch dann noch „in Ordnung sind“, wenn sie nichts dafür getan und nichts vorzuweisen haben oder mit einem Projekt auf die Nase gefallen sind. Die Persönlichkeit des Typs 3 hat Erfolg als Antreiber verinnerlicht. Daran hält sie auf Biegen und Brechen fest, im Zweifel auch, indem sie sich selbst etwas vormacht – aus Angst, abgelehnt und nicht geliebt zu werden. Eigentlich wünscht sich eine Drei nichts sehnlicher, als einfach nur sein zu dürfen und geliebt zu werden, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Die Typ 3-bedingte Persönlichkeitsentwicklung und ihre Versöhnung – der Weg der Drei zurück zum Ursprung – gehen wie bei allen Typen durch die Angst (Abb. 2). Zuallererst fühlt es sich bedrohlich an, an sich zu arbeiten. Es macht (dem Ego) Angst, die erste Schicht zur Persönlichkeit zu lüften, es fürchtet, durchschaut zu werden, und reagiert mit Abwehr. Typische Aussagen von Seminarteilnehmern sind an dieser Stelle „Ich will so bleiben, wie ich bin! Es gibt keinen Grund, an mir zu arbeiten!“. Die zweite Schicht, die es zu durchdringen gilt auf dem Weg zum Wesenskern, ist die Scham. Muster aufzudecken und für andere anders sichtbar zu werden, erfüllt mit Peinlichkeit. Wer dran bleibt, Angst überwindet und Scham zulässt, kommt alsbald an seine Wut. Es steigen Zorn und Wut auf, die auch jeweils typspezifisch sind. Zum Beispiel darüber, dass sich Muster nicht so schnell ändern lassen oder dass es überhaupt zu Mustern gekommen ist, oder Ärger über die eigenen Grenzen. Auf dem Weg zur persönlichen ENT-Wicklung und zur Essenz hat jeder Typ eine typspezifische Herausforderung zu meistern und immer gilt es, das zu lockern, was im Typmuster gefangen hält, das Ego zu überwinden und die selbst begrenzenden Anteile der Persönlichkeit aufzuweichen. Bei der Drei heißt das, sich von der anstrengenden, übertriebenen Erfolgsorientierung und der daraus folgenden (Selbst-)Täuschung zu verabschieden. Es bedeutet, zu lernen, loszulassen, zu entspannen und darauf zu vertrauen, dass die Dinge sich auch ohne ihr Zutun entwickeln. Zu spüren, dass sie auch dann noch gemocht wird, wenn sie einmal nicht so gut dasteht. Sollten Vorhaben einmal misslungen sein, ist es eine gute Alternative, dazu zu stehen, statt sich selbst und anderen etwas vorzumachen.


Abb. 2: Der Weg zurück zum Wesenskern führt durch die typspezifische Angst.

Der unterschied zu anderen Typologien: Lösung inklusive!

Das Enneagramm zeigt jedem Typen, wie er den Weg zurück zum Ursprung, zur reinen Identität, der Authentizität, findet und seine festgefahrenen Muster überwinden kann.

Bei der Überwindung der eigenen Typfixierung hilft der sogenannte Entwicklungspunkt. Arbeiten mit dem Entwicklungspunkt heißt, die positiven Aspekte jenes Typs als Ressource zu nutzen, um mit sich selbst einen Schritt weiterzukommen. Zurück zum Praxisbeispiel: Der Entwicklungspunkt von Typ 3 (Macher) ist Typ 6 (Skeptiker). Eine besondere Kompetenz von Sechsen ist das Hinterfragen von (verborgenen, tiefgründigen, bedrohlichen) Absichten und das Prüfen von Zusammenhängen im Hinblick auf mögliche Probleme. So kann zum Beispiel Typ 3 sich selbst folgende kritische Fragen stellen: „Was tue ich hier eigentlich? Welchen Zweck haben meine Aktivitäten? Welche Leere füllen meine (sinnlosen) Taten?“ oder „Warum tue ich das? Was erhoffe ich mir davon?“ und weiter „Was hindert mich, darauf zu vertrauen und zu glauben, dass ich geliebt würde, bedingungslos, ohne etwas dafür getan zu haben?“

Die Antworten auf diese Fragen unterstützen ihn, seine Erfolgsantreiber zu entlarven. Sie helfen ihm zu erkennen, wie viel leichter sein Leben wird, wenn er einigen Antreibern nicht nachgibt, seine Aktivitäten auf ein Normalmaß herunterfährt und damit zu echter Work-Life-Balance kommt. Wenn er lernt, darauf zu verzichten, ein bestimmtes Bild von sich aufrechtzuerhalten und sich dadurch selbst unter Druck zu setzen, wird er lockerer. Auch werden andere es dadurch leichter haben, auf ihn zuzugehen und ihre Wertschätzung und Zuneigung auf der persönlichen, nicht leistungsbezogenen Ebene zu zeigen.

Wir alle kennen Sprüche und Lebensweisheiten wie „Weniger ist mehr“ oder „Abwarten und Tee trinken“, für eine Drei ist das aber ganz schwer umzusetzen. Als Kollege oder Chef einer Drei können Sie die Drei in ihrem Entwicklungsprozess emotional unterstützen und entlasten, indem sie ihr auch in einer aus ihrer Sicht unbefriedigenden Situation Wertschätzung entgegenbringen, ihr bewusst erlauben, auch einmal kürzer zu treten, weniger zu tun und auf das, was kommt, nur zu reagieren.

Im Entwicklungspunkt liegt also das heilsame Potenzial, zur Befreiung aus dem festen Persönlichkeitsmuster. Das Potenzial, „ganz“ zu werden, die Möglichkeit, im Tiefschlaf schlummernde Ressourcen aufzuwecken und zu nutzen. Damit ist die Arbeit mit dem Enneagramm sehr effektiv – durch den Entwicklungspunkt kann die Ursache von Entwicklungshürden und einschränkenden Glaubenssätzen eingegrenzt und thematisiert werden.

Im Verständnis der Tiefenstruktur der Persönlichkeit liegt die Chance, Empathie zu empfinden und den Menschen zu nehmen, wie er ist – und zwar auch und gerade dann, wenn er in seinem Typ-Muster gefangen scheint.

Auch wenn jetzt Zweifler sagen mögen: „Na, aber so einfach ist es doch bestimmt nicht!?“ Doch. Es ist so einfach. Meine langjährige Arbeit mit dem Enneagramm bestätigt mir: Das System ist in sich schlüssig. Oft sagen mir meine Klienten: „Woher wissen Sie das von mir? Sind sie Hellseherin?“

Umso mehr freut es mich, dieses Modell kennengelernt zu haben, damit arbeiten zu dürfen und andere darin zu unterstützen, ihren persönlichen Entwicklungsprozess leichter und effizienter zu gestalten.

Den eigenen Persönlichkeitstyp erkennen

Wer mit sich selbst im Reinen ist, sich annehmen und lieben kann, sieht auch leichter die liebenswerten Seiten seiner Mitmenschen, erkennt ihr verletzliches Wesen und begreift die verborgene „Not“ hinter ihrem Verhalten – ganz im Sinne von „Ich sehe dich“, was Neytiri im Film Avatar zu Jake gesagt hatte.

Das Entdecken des eigenen Persönlichkeitsmusters kann sehr befreiend und erleichternd wirken. Die unbewussten Mechanismen zu durchschauen und den dazu passenden „Lösungsschlüssel“ zu entdecken, nimmt unglaublich viel Druck von der Seele, erleichtert einen liebevollen, wohlwollenden Umgang mit sich selbst. Man wird einfach gelassener und entspannter.

Das Erkennen des eigenen Typs kann aber auch ernüchternd sein. Unbewusste Persönlichkeitsanteile werden präsent, der Schleier zum Wesenskern (Essenz) gelüftet, die erworbene, künstliche Persönlichkeit (Ego) entlarvt. Und das, was wir da über uns erfahren, mag uns nicht immer willkommen sein. Dennoch: Sie entscheiden selbst, wie tief Sie in diesen Prozess einsteigen wollen!

Wenn Sie sich das erste Mal mit dem Enneagramm beschäftigen und die Typenbeschreibungen durchlesen, werden Sie sich vermutlich an vielen Stellen wiedererkennen. Sie werden feststellen, dass Sie von jedem der Typen bestimmte Verhaltensweisen, Ansichten oder Gefühle nachempfinden können oder selbst schon einmal erlebt haben. Genau genommen ist das nicht erstaunlich, denn jede der Eigenschaften, die in den Enneagrammtypen beschrieben werden, ist zutiefst menschlich und als Menschen haben wir selbstverständlich alle menschlichen Anteile in uns. Jedoch nicht zu gleichen Anteilen. Man hat nur einen Typ und das hat etwas mit der eigenen Biografie zu tun.

Die Unterschiede der Typen ergeben sich aus den Motiven, die den Eigenschaften und Verhaltensweisen zugrunde liegen. Anhand derer kann man die Typen klar voneinander unterscheiden. Jeder Typ bewegt und orientiert sich aufgrund eines zugrunde liegenden unbewussten „Strickmusters“, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Verhaltensrepertoire des jeweiligen Typs durchzieht.

Michael, den Sie oben als Verkäufer kennengelernt haben, ist, auch wenn er nicht arbeitet, „typisch 3“: Wenn er einkaufen geht, erledigt er seine Besorgungen systematisch, zeitsparend und effizient. Im Baumarkt geht er zielorientiert zum Regal, um den einen Gegenstand zu holen, den er braucht. Beim Essen ist er als Erster fertig, damit er sich schnell wieder seiner Aufgabe widmen kann.

Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Typ herauszufinden. In einigen Büchern, auch in diesem, sind Typentests enthalten. Auch im Internet gibt es Tests, zum Beispiel auf der maypaula®-Webseite (www.may-paula.de). Nachteilig bei selbst ausgefüllten Fragebögen kann die eigene Interpretation der Fragen sein. Jedes Testergebnis kann nur abbilden, inwiefern der Testende sich selbst gegenüber offen und ehrlich genug ist, um sich selbst ein bestimmtes Verhalten einzugestehen.

Ich empfehle Ihnen die Typbestimmung anhand eines typdiagnostischen Interviews, das zertifizierte Enneagrammlehrer anbieten. Der Vorteil eines Interviews ist nicht nur die umfassende Enneagramm- und Selbsterfahrung des Interviewers, sondern auch, dass er neben den Antworten auf die Fragen zu den jeweiligen Typen das gesamte Erscheinungsbild des Klienten, seine Körpersprache und die Interaktion mit ihm als Interviewer, die emotionale Relevanz und energetische Präsenz wahrnimmt und in seine Auswertung einbezieht. Bei Uneindeutigkeiten stellt der Enneagrammlehrer vertiefende Fragen und reflektiert im Dialog mit dem Klienten, welches Typmuster er – bedingt durch seine persönliche Biografie – angenommen hat.

Letzten Endes ist nicht entscheidend, welches (Test-)Ergebnis Ihnen durch einen Typentest oder ein Interview präsentiert wird. Sie sind und bleiben der Experte Ihrer eigenen Persönlichkeit! Das Entscheidende für Ihre Typbestimmung und die weitere Arbeit mit dem Enneagramm ist stets das Bejahen der eigenen Persönlichkeit. Das letzte, finale „Ja“ zu „Ich habe tatsächlich Typ X“ liegt bei Ihnen.

Ihre darin enthaltene Chance besteht darin, dass Sie sich auf dieser Basis weiterentwickeln, Ihre Arbeitsbeziehungen reflektieren und/​oder Ihre Karriere unter einem neuen Aspekt sehen können.

maypaula® und das Enneagramm

Mit meinen Trainings, Coachings und diesem Buch zu maypaula® möchte ich Sie einführen in das Enneagramm, indem ich es Ihnen in dem Kontext erläutere, in dem die meisten Menschen täglich die meisten Stunden verbringen: dem Arbeitsleben. Das Akronym „paula“ steht für: Persönlichkeit, Arbeitsstile und Leistungs-Aktivierung. maypaula® befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Arbeitsverhalten der neun Enneagrammtypen. Es zeigt den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Kompetenzen und regt an, das Verhalten der Menschen, die mit Ihnen zusammenarbeiten, als Ausprägung ihres Persönlichkeitstyps zu sehen und wertzuschätzen. Es geht nicht darum, jemanden mit dem Wissen, welcher Typ er ist, unethisch zu manipulieren, sondern mit einem tieferen Verständnis für Persönlichkeiten sich selbst und andere authentisch und verantwortlich zu führen.

Ein bestimmter Typ mit einem bestimmten Arbeitsstil zu sein, befähigt nicht zwangsläufig dazu, eine bestimme Aufgabe zu übernehmen oder Position auszufüllen. Grundsätzlich kann jeder Enneagrammtyp jeden Beruf ausüben. Der Typ sagt weniger über die Eignung als viel mehr über die Art und Weise aus, wie derjenige seiner Arbeit nachgeht, wo er Schwerpunkte setzt, was ihm Spaß macht und was ihn stört. Beispielsweise verhält sich eine Assistentin von Typ 1, 2 oder 8 mit ihren persönlichen und sozialen Kompetenzen in vergleichbaren Situationen doch jeweils typspezifisch und individuell anders. Vergleichen Sie dazu die Interviews mit Assistentinnen der Typen 1, 2 und 8 in den zugehörigen Typenkapiteln.

Die maypaula®-Typen entsprechen durchgängig den Enneagramm-Persönlichkeitstypen. Im maypaula®-Modell differenzieren wir die neun Typen zusätzlich nach deren Arbeitsstilen. Außerdem haben wir jeden Typ mit einer weiblichen und einer männlichen Karikatur illustriert. Die Karikaturen bilden typspezifische Aspekte ab und laden ein, sich selbst und andere mit einem Augenzwinkern zu sehen. Unsere neun Protagonistinnen und Protagonisten sehen Sie in Arbeitssituationen, die Sie vermutlich auch schon einmal selbst erlebt haben. Dadurch lassen sich die neun Typen sogar beim Querlesen und Durchblättern dieses Buchs recht schnell lernen und unterscheiden. Bereits das Grundwissen über die neun Typen ermöglicht mehr Empathie und Toleranz und erleichtert Ihnen die Zusammenarbeit.

Übersicht maypaula® – Das Enneagramm im Business

1 - Perfektionist

Einsen wollen, dass die Dinge richtig gemacht werden, und mögen Disziplin und Ordnung. Sie haben einen Sinn für Details und tun sich schwer, Lücken und Fehler stehen zu lassen. Sie haben sehr hohe Ansprüche an sich und andere und leben nach ihren Prinzipien.

Einsen ist Vollkommenheit wichtig. Sie nehmen ihre Umgebung als einen Ort voller Unzulänglichkeiten wahr, die es in Ordnung zu bringen gilt. Sie kritisieren und korrigieren deutlich mehr als andere und zeichnen sich durch einen genauen Arbeitsstil auf.

2 - Helfer

Zweien stehen ihren Kollegen mit Rat und Tat zur Seite und bringen sich unterstützend ein. Damit es anderen gut geht, stellen sie ihre Bedürfnisse zurück. Sie sind kommunikativ, kontaktfreudig, warmherzig und gute Netzwerker und Beziehungsmanager.

Bei Zweien stehen die Belange anderer im Mittelpunkt. Sie sehen ihre Welt als einen Ort voller Bedürftiger, für deren Wohlergehen sie zu sorgen haben.

Sie sind da, wenn sie gebraucht werden, und sind an ihrem hilfeorientierten Arbeitsstil erkennbar.

3 - Macher

Dreien sind voller Tatendrang und immer auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel. Sie wissen, worauf es ankommt, um erfolgreich zu sein, und setzen alles daran, die Nummer eins zu werden. Sie stehen gerne im Rampenlicht und glänzen mit ihren Leistungen.

Dreien bedeutet Erfolg außerordentlich viel. Da sie faktisch immer die Besten sind, nehmen sie die Menschen um sie herum als unfähig im Vergleich zu ihnen wahr.

Sie gehen bedarfsorientiert vor, erfüllen die Erwartungen anderer und sind an ihrem ehrgeizigen Arbeitsstil erkennbar.

4 - Individualist

Vieren sind anders als andere. Sie lieben Besonderes und Ausgefallenes. Mit ihrer künstlerischen Ader setzen sie gerne individuelle Akzente. Als ausgesprochen gefühlvolle Menschen sind sie empathisch und stimmungsanfällig; sie neigen zur Melancholie.

Vieren fühlen sich im Vergleich zu der Mehrzahl der Menschen in ihrer Umgebung, die sie als gewöhnlich oder durchschnittlich empfinden, einzigartig und besonders.

Sie neigen dazu, zu dramatisieren und zu inszenieren und unterscheiden sich durch ihren unkonventionellen Arbeitsstil von anderen.

5 - Beobachter, analytischer Arbeitsstil

Fünfen sind wissbegierige Menschen, die sich in Ruhe und mit Tiefgang mit ihren Themen befassen. Sie halten sich gerne im Hintergrund, mögen es, zu beobachten und Informationen aufzunehmen und Zusammenhänge zu analysieren. Ihre Gefühle halten sie zurück.

Wissen gibt Fünfen ein sicheres Gefühl. Zur Abgrenzung von der wahrgenommenen Unwissenheit anderer häufen sie Informationen an, um sich den Durchblick zu verschaffen.

Sie recherchieren gerne, informieren sich gründlich und gehen Aufgaben analytisch an.

6 - Skeptiker

Sechsen haben ein Gespür für mögliche Gefahren und Probleme und ergreifen Vorsorgemaßnahmen, um sich und andere zu schützen. Sie prüfen und hinterfragen kritisch und fordern Beweise ein. Wenn sie sich mit einer Sache oder Person identifizieren, ist absoluter Verlass auf sie.

Sechsen ist Loyalität wichtig. Sie nehmen ihre Welt als einen Ort voller Risiken, in der sie niemandem trauen können und in der sie sich daher absichern möchten, wahr.

Sie schauen voraus, handeln proaktiv und haben einen vorbeugenden Arbeitsstil.

7 - Optimist

Siebenen ergreifen schöne Gelegenheiten beim Schopf, sind aufgeschlossen für Neues und vielseitig interessiert. Sie schmieden gerne Pläne und schwelgen in Visionen. Sie sind begeisterungsfähig und flexibel und haben immer eine gute Antwort auf Lager.

Siebenen sehen die Welt als einen Ort voller Möglichkeiten, in dem alle glücklich sein könnten, wenn sie sich das Leben nur nicht so schwer machen würden.

Sie hellen dunkle Momente auf, sorgen für Spaß und Freude, haben viele Interessen und verfolgen parallel mehrere Projekte.

8 - Boss

Achten haben eine starke Präsenz und sind sehr direkt und eindeutig. Sie mögen es, Dinge im Griff und unter ihrer Kontrolle zu haben, und übernehmen gerne die Führung. Sie kämpfen für Gerechtigkeit und setzen sich für Schwächere ein.

Achten wollen Herr der Lage sein. Sie sehen sich umgeben von Schutzbedürftigen und Ungerechtigkeit, was ihre Kämpfernatur herausfordert. Sie neigen dazu, andere zu beherrschen und Situationen zu kontrollieren, und geben mit ihrer Dominanz die Richtung vor.

9 - Vermittler

Neunen sind friedliebende Menschen, die Harmonie und Ausgeglichenheit mögen. Sie sind ruhig, gelassen und freundlich und vermeiden Konflikte. Sie sind tolerant gegenüber unterschiedlichen Ansichten und legen sich nicht gerne fest.

Neunen mögen es harmonisch und friedvoll. Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig und sind zufrieden, wenn ihre Umgebung es ist. Zugunsten des Gruppenkonsens wirken sie ausgleichend und können sich sehr gut anpassen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut!

Mit dem Herzen zu sehen und zu verstehen, was Partner, Kollegen, Freunde oder Familienmitglieder antreibt, was sie bewegt, was sie frustriert, was ihnen Leid und Freud bringt, lässt sie in einem anderen Licht erscheinen. Sie werden sie fortan mehr mit deren Augen sehen können. Es wird Ihnen dadurch leichter fallen, sie anzunehmen. Sie können ihnen mit einem humorvollen Augenzwinkern begegnen an Stellen, die Sie einst zu Weißglut gebracht haben, oder sich sogar mit ihnen versöhnen, wo Versöhnung zuvor schwierig oder unmöglich schien.

Das Erkennen und Verstehen der neun Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstrukturen und das Wissen darum, was Menschen motiviert, kann Beziehungen grundlegend verändern. Festgefahrene, typbedingte Beziehungskonflikte können mithilfe des Enneagramms aufgedeckt und gelöst werden. Damit erleichtert das Enneagramm, Menschen jenseits von üblichen Kommunikationsbarrieren zu verstehen und Empathie zu empfinden. Wie wäre es, wenn Sie, im übertragenen Sinne, „Ich sehe Dich“ auch zu Ihrem Kollegen sagen könnten?

Als interessierte/​r Leser/​in und Enneagramm-im-Business-Anwender/​in entscheiden Sie letztlich selbst, wie tief sie in Ihren Persönlichkeitstyp einsteigen möchten. In vielen maypaula®-Trainings und Coachings habe ich erlebt, dass das Enneagramm eine Sogwirkung entwickelt: Es kann befreiend wirken, sich im Wesen erkannt und verstanden zu fühlen, erleichternd auch, von einer dritten Person Erklärungsangebote für das eigene So-Sein zu bekommen oder seitenweise Wahrheiten über sich selbst zu lesen. Es kann auch (sehn)süchtig machen, noch mehr über andere zu erfahren und sich dadurch auf einer höheren, weitsichtigeren Ebene zu begegnen.

Wenn Sie sich darauf einlassen, können Sie reich belohnt werden – mit einer Fülle von Erkenntnissen, die Ihnen in Ihrer weiteren beruflichen Laufbahn Wege ebnen, die Ihnen bisher möglicherweise versperrt geblieben sind.

AUFBAU DER KAPITEL

Die Typen-Kapitel beginnen mit den Typenillustrationen, die „typische“, äußere Hauptmerkmale aufgreifen und die Persönlichkeitstypen in liebevoll gezeichneten Karikaturen widerspiegeln. Jeder der neun maypaula®-Typen hat eine weibliche Stellvertreterin und einen männlichen Stellvertreter bekommen. Die Zeichnungen sind mit einer Prise Humor gewürzt und satirisch. Selbstverständlich sehen im echten Leben nicht alle Einsen, Zweien, Dreien usw. ausschließlich und nur so aus wie auf der Zeichnung. Es sind Archetypen. Die neun Typenillustrationen begleiten Sie durch das Buch, die Einser-Frau sieht durchgängig wie die Einser-Frau aus, der Siebener-Mann wie der Siebener-Mann usw. Das erleichtert Ihnen das Erkennen und Wiedererkennen.

Danach folgen die typspezifischen Eigenschaften, aus denen das Strickmuster der Persönlichkeit des jeweiligen Typs gewoben ist.

Auf der Folgeseite erhalten Sie eine Kurzeinführung, in der das Typenmuster mit der Zentrenzugehörigkeit (Kopf-, Herz-, Bauch-Typen) sowie die drei Hauptthemen dargestellt sind, auf die ich im jeweiligen Typenkapitel ausführlich eingehe.

In jedem Typenkapitel kommen Praxisbeispiele vor. Alle Praxisbeispiele in diesem Buch basieren auf realen Coachings, die ich in den letzten Jahren durchgeführt habe. Die Fälle sind selbstverständlich anonymisiert. Die Beispiele veranschaulichen, welche typspezifischen Verstrickungen und Probleme am Arbeitsplatz es geben kann, wenn der eigene Typ nicht reflektiert ist (also wenn der Klient nicht „ent-wickelt“, sondern ganz „im Typ ver-wickelt ist“) bzw. wenn beteiligte Kollegen das typbedingte Verhalten nicht erkennen und verstehen. Manche der Klienten haben sich durch ihr „Im-Typ-Sein“ selbst sabotiert, einige haben mit Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern Schwierigkeiten bekommen, wenn diese die typspezifische Motivation hinter ihrem Verhalten nicht erkannt haben. Ich lade Sie ein zu reflektieren, wie Sie über die Coachees denken, wenn Sie die Praxisbeispiele lesen. Fühlen Sie mit ihnen und verstehen Sie deren Empfindungen oder erscheint ihnen deren Verhalten befremdlich und nicht nachvollziehbar? Wie hätten Sie sich in einer dieser Situationen verhalten?

Jeder Mensch trägt sein eigenes Päckchen persönlicher Lebensgeschichte, Erfahrung und Vergangenheit mit sich, die ihn geprägt haben und ihn als Menschen einzigartig und seine individuelle Persönlichkeit ausmachen. Menschen desselben Persönlichkeitstyps haben, ungeachtet aller Individualität, meist eine ähnliche Prägung erfahren. In Enneagramm-Podiumsbefragungen, Coachings und Trainings erzählen Einsen, Zweien, Dreien usw. vergleichbare Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend. Unter dem Stichwort „Rucksack“ erfahren Sie, wie frühe Erfahrungen unsere heutige Persönlichkeit beeinflussen und welche möglichen Umstände dazu beigetragen haben, eines von neun spezifischen Typmustern zu entwickeln.

Am Ende jedes Typenkapitels finden Sie, ebenfalls anonymisierte, Interviews mit Repräsentanten des jeweiligen Typs. Die Gesprächspartner waren zum Interviewzeitpunkt im Altersdurchschnitt um die vierzig Jahre alt. Sie befanden sich also in der Lebensmitte und damit in der Lebensphase, in der die meisten Menschen sich mit Sinn- und Identitätsfragen befassen und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung besonders aufgeschlossen sind. Sie wurden zu berufsbezogenen Fragen interviewt, um Ihnen einen Einblick in typische Arbeitssichtweisen zu geben. Die Berufe der Interviewpartner sind Beispiele für Karrierewege, sie bilden Vielfalt ab und nicht unbedingt „typische“ Klischees.

Schließlich enden die Typenkapitel mit einem Typentest aus fünfzehn Fragen, anhand derer Sie für sich nachvollziehen können, welchem Typ Sie am ähnlichsten sind. Sie werden sich vermutlich beim Lesen der vorherigen Seiten ohnehin im einen oder anderen Typen wiederfinden, sodass Sie die Fragebögen auch als einen Gesamtüberblick der Haupteigenschaften der Typen nutzen können. Bitte denken Sie bei der Auswertung daran: Wie jeder fragebogenbasierte Persönlichkeitstest, der selbst bearbeitet wird, bildet das Ergebnis lediglich Ihre Selbsteinschätzung ab. Am Ende des Buches finden Sie eine Seite, auf der Sie die Punktzahlen aller neun Typen notieren können und einen Überblick bekommen, mit welchen Typen Sie sich besonders gut identifizieren konnten.

Gruppenzugehörigkeit

Die neun Enneagrammtypen lassen sich drei Gruppen zuordnen, innerhalb derer es eine Grundübereinstimmung gibt. Diese Gruppen sind: Herztypen, Kopftypen, Bauchtypen. Die Typen 1 (Perfektionist), 9 (Vermittler) und 8 (Boss) sind Bauchtypen. Die Typen 2 (Helfer), 3 (Macher) und 4 (Individualist) sind Herztypen. Die Typen 5 (Beobachter), 6 (Skeptiker) und 7 (Optimist) sind Kopftypen. (Abb. 3)

In jeder dieser drei Gruppen sind die Stärken einer der drei Hirnbereiche bzw. Intelligenzzentren besonders ausgeprägt. Das Stammhirn steht für die Bauchenergie und die Bauchtypen, das Mittelhirn für die Herzenergie und die Herztypen und das Großhirn für die Kopfenergie und die Kopftypen.

Das Kern- oder Stammhirn ist der älteste Teil des Gehirns. Es sichert unsere Grundbedürfnisse nach Selbsterhaltung, gibt den Impuls zu den Trieben, zu Nahrung, Lust und Selbstschutz, sorgt für unsere schnelle Orientierung (Angriff oder Flucht) und sichert unsere Position im Territorium. Die Lebensenergie und die Instinkte sind dort angelegt. Bauch-Reaktionen sind impulsiv: Menschen, die „aus dem Bauch heraus handeln“, bleiben ihren inneren Überzeugungen treu und gehen ihrer Intuition nach, sie orientieren sich an sich selbst und daran, was primär ihnen guttut – und zwar unabhängig davon, was andere denken (Thema der Herztypen) oder was sachlich oder logisch ist (Motiv der Kopftypen). Sie richten sich nach ihren eigenen Maßstäben. Das handlungsleitende Gefühl der Bauchtypen (1, 8, 9) ist Wut. Wenn Bauchtypen etwas zuwiderläuft, empfinden sie Wut, auch wenn ihnen das nicht immer anzusehen ist. Bauchtypen haben eine starke Ich- oder Werteorientierung.

Das Mittelhirn verbindet das Stammhirn mit dem Großhirn, es schafft eine Brücke zwischen den grundlegenden und höchsten Funktionen des Gehirns. Die Grundthemen der Herztypen (2, 3, 4) sind Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen. Das handlungsleitende Gefühl der Herztypen ist Scham. Herztypen machen sich ständig Gedanken darum, wie sie bei anderen Menschen ankommen, und wollen ein bestimmtes Bild von sich vermitteln und aufrecht erhalten.


Abb. 3: Die Typen und ihre Gruppenzugehörigkeit

Herztypen beziehen sich auf ihr Gegenüber und haben eine ausgeprägte Du- oder Beziehungsorientierung. Sie sind empfindsam und gefühlsbetont, sie mögen Nähe, suchen Anschluss und Anerkennung von anderen und sind sehr imagebewusst. Daher werden sie auch Imagetypen genannt.

Das Großhirn steht für das logisch-rationale Denken, das Planen, den Sachverstand. Bei den Kopftypen geht es um Sicherheit und Orientierung, sie spüren oft Angst, daher kann man sie auch Angsttypen nennen. Kopftypen (5, 6, 7) betrachten und halten ihre Umgebung gerne mit bzw. auf Abstand.

Kopftypen mögen Objektivität und Sachlichkeit. Sie interessieren sich für Zahlen, Daten, Fakten, sind Denker und Visionäre und haben eine ausgeprägte Es- oder Sachorientierung. Sie wollen Bescheid wissen und ziehen ein sicheres Gefühl aus Wissen, Information und (Gedanken-)Freiheit und Unabhängigkeit.

Arbeitsstil

Innerhalb der drei Gruppen hat jeder der neun Persönlichkeitstypen eine spezielle Art, seiner Arbeit nachzugehen, die ich entsprechend dem maypaula®-Akronym unter „Arbeitsstil“ aufgeführt habe. Dieser bildet ab, welche besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten der jeweilige Typ im Arbeitskontext hat. Diese Kompetenzen sind das Ergebnis der typspezifischen Prägung und laufen als unbewusster Automatismus ab.

Antreiber

Entsprechend dem Buchstaben „L“ für Leistung im maypaula®-Akronym lesen Sie danach bei jedem Typen, wodurch er seine Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen erworben und was seine Leistung aktiviert hat.

Der Antreiber beschreibt, was den jeweiligen Typen dazu bringt, sich „typisch“ zu verhalten. Reflektieren Sie die Antreiber der neun Typen, um nachzuvollziehen, was deren Aufmerksamkeit anzieht und woran die jeweiligen Typen ihr Handeln ausrichten. Zweien lassen sich beispielsweise von den Bedürfnissen anderer antreiben. Sie verhalten sich „typisch Zwei“, nämlich hilfeorientiert, wann immer sie das Bedürfnis eines Menschen, der ihnen wichtig ist, wahrnehmen. Zweien haben eine herausragende Kompetenz darin, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und zu spüren, was dem anderen guttun würde.

Im Hinblick auf die persönliche Entwicklung ist der Antreiber jedoch das, was es zu durchbrechen bzw. zu überwinden gilt, um die typbedingte „Fixierung“, die unbewussten und eingefahrenen Verhaltensmechanismen, zu lockern und das Typmuster aufzulösen.

Am Beispiel der Zwei heißt das: Während Zweien ihrem Antreiber folgen und die Interessen anderer fokussieren, lassen sie sich dazu verleiten, ihre eigenen Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren und sich selbst in die zweite Reihe zu stellen. Wenn es ihnen gelingt, den Antreiber loszulassen, stattdessen den Blick nach innen zu lenken und zu lernen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, sorgen sie auch gut für sich und werden ausgeglichener.

Als Kollege oder Führungskraft einer Zwei hilft Ihnen das Wissen um dessen Antreiber in zweierlei Hinsicht. Zum einen gibt er Ihnen einen Hinweis auf die besonderen Kompetenzen des Kollegen. Der Antreiber zeigt Ihnen, worin der Kollege geübt ist und was er gerne tut. Sie bekommen einen Anhaltspunkt, was ihn motiviert und das hilft Ihnen zum Beispiel bei der Delegation von Aufgaben. Andererseits bekommen Sie mit dem Wissen um den Antreiber jedoch auch einen Anhaltspunkt, wodurch sich der Kollege selbst unter Druck setzt, und somit auch, wie Sie im Hinblick auf den Erhalt der Leistungsfähigkeit und Burnout-Prävention einfühlsamer und rücksichtsvoller mit dem Kollegen umgehen können.

Der Antreiber ist das Resultat aus Selbstbild und Weltbild: Der Antreiber zeigt auf, welchen Wert der jeweilige Typ fokussiert, um sein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten.

Selbstbild

Unter dem „Selbstbild“ verstehen wir hier, wie jeder der neun Typen sich bevorzugt selbst wahrnimmt und wie er das Ergebnis seines Handelns bewertet. Das Selbstbild beschreibt, was der jeweilige Typ an sich schätzt, welche Eigenschaften er von sich kennt und mag, was er als seine „Schokoladenseite“ empfindet.

Stellen Sie sich das Selbstbild wie das eigene Spiegelbild vor. Ein gewohntes, vertrautes Bild, das auch andere kennen und das man als gewohntes, positives Selbst-„Image“ gerne aufrecht hält. Es entspricht der „öffentlichen Person“ in dem von Joseph Luft und Harry Ingham entwickelten Johari-Fenster:


VERHALTEN Mir bekannt Mir unbekannt
Anderen bekannt Öffentliche Person Blinder Fleck
Anderen unbekannt Geheimes, private Person Unbekannt

Zur öffentlichen Person gehört alles, was ein Mensch von sich preisgibt und ihm selbst und anderen gleichermaßen bekannt ist. Dies sind die Persönlichkeitsanteile, die der Persönlichkeitstyp offen zeigt und die so auch von anderen wahrgenommen werden. Dieser Teil ist im Vergleich zu den anderen Teilen meist eher klein – wie die Spitze des Eisbergs. Es sind vor allem die nicht-öffentlichen Persönlichkeitsanteile, die Beziehungen bestimmen. Was unter blinder Fleck, Geheimes und unbekanntes Verhalten beschrieben wird, entspricht dem, was unter der Wasseroberfläche des Eisberg-Modells (S. 23) liegt.

Die Kategorie Geheimes oder private Person umfasst alles, was der jeweilige Typ an Eigenschaften von sich weiß oder kennt, aber vor sich selbst und anderen verborgen hält. Im maypaula®-Modell sind das die Punkte, die unter Leidenschaft und Laster beschrieben sind.

Unter dem „blinden Fleck“ versteht man alles, was Menschen verbal und nonverbal an Eindrücken vermitteln und was von anderen wahrgenommen wird, ohne dass sich der jeweilige Typ dessen bewusst ist, es sind also Persönlichkeitsausprägungen, die der Typ bei sich selbst nicht erkennt. Der blinde Fleck entspricht dem, was in diesem Buch unter „Abwehr“ beschrieben ist. Am Beispiel der Zwei ist das zum Beispiel die eigene Bedürftigkeit.

Unbekannt ist alles, das weder der Person selbst noch anderen bekannt ist und was es noch zu entdecken gilt.

Das positive Selbstbild basiert auf einem negativen „Weltbild“, das der jeweilige Typ verinnerlicht hat.

Weltbild

Das Weltbild veranschaulicht, mit welcher Perspektive jeder Typ seine Umwelt wahrnimmt. Es erläutert die „Brille“, mit der der Typ die Menschen in seinem Wirkungskreis sieht. Dabei handelt es sich um eine konstruktivistische Grundannahme, eine grundlegende Meinung, von der der Typ zutiefst überzeugt ist – solange er die eigene Brille auf der Nase trägt, also im Typmuster ist.

Dieses Weltbild ist der Gegenspieler zum Selbstbild. Es offenbart zugleich ungeliebte Selbstaspekte und erklärt typspezifische Verhaltensmechanismen, die aus dem Antreiber resultieren. Als Beispiel: Weil Einsen die Welt als einen Ort voller Unzulänglichkeiten sehen, verspüren sie ein starkes Bedürfnis, ihre eigene kleine Welt in Ordnung zu bringen und vollkommen zu machen. Dabei empfinden sie sich selbst einfach nur als korrekt und denken, „es ist richtig, die Dinge zu richten“.

Die neun Weltbilder verdeutlichen also, worauf die Antreiber und das Selbstbild basieren.

Weiterhin gibt das Weltbild Einblick, was beim jeweiligen Typ mit unangenehmen Gefühlen und Erinnerungen verbunden ist. Am Beispiel Eins: Unzulänglichkeiten, Fehler, Unvollkommenes lösen bei Einsen Unruhe, Zorn und einen starken inneren Handlungsimpuls aus, sich einzubringen.

Einsen sehen beispielsweise schief hängende Bilder und können diese in ihrer eigenen Umgebung nicht unkommentiert lassen. Schaut man unter die Oberfläche des Verhaltens (siehe Eisberg-Modell, S. 23) und in die Ebene Lebensrucksack, zeigt sich, dass Einsen als eine prägende Kindheitserfahrung verinnerlicht haben, dass es nicht in Ordnung ist, Fehler zu machen und mit negativen Folgen bis hin zu Bestrafung zu rechnen ist. Das erklärt, weshalb es Einsen so wichtig ist, ob etwas richtig oder falsch ist, und sie für ihr Selbstbild, alles richtig zu machen, festhalten.



Abb. 4: Die Flügel sind die Typen rechts oder links direkt neben dem Haupttypen.

Flügel

Der Typ unmittelbar vor bzw. nach, also links oder rechts neben dem Haupttypen auf dem Kreis wird „Flügel“ genannt. Im jeweiligen Typenkapitel-Abschnitt unter „Flügel“ lesen Sie, wie sich der Nachbartyp auf den Charakter des Haupttyps auswirkt. (Abb. 4)

Leidenschaft und Laster

Leidenschaft und Laster gehören zusammen. Sie sind die typerhaltenden Gefühle und Gedanken, die die neun Persönlichkeitstypen als typprägende „Altlast“ in ihrem Lebensrucksack tragen. Diese Gedanken und Gefühle laufen unbewusst und automatisch ab.

Das unter dem Stichwort „Leidenschaft“ genannte Gefühl offenbart die sogenannte emotionale Fixierung, die das typbedingte Verhaltensmuster erhält. „Fixierung“ bedeutet in diesem Zusammenhang einen unbewussten inneren Automatismus, der dazu führt, dass der Typ sich auf immer gleiche Art, also „typisch“ und vorhersehbar verhält. Die Leidenschaft ist schwer loszulassen, weil sie die Persönlichkeitsmerkmale zu dem Gesamtbild des Typen zusammenfügt und erhält. Sie treibt die Person an und setzt sie typspezifisch unter Druck, ihr „typisches“ Verhalten zu wiederholen.

Das Laster entspricht der mentalen Fixierung. Wenn die eigene innere Überzeugung bedroht wird, holt einen das unter „Laster“ genannte Gefühl ein. Da der jeweilige Typ den unter Laster beschriebenen Aspekt empfindet, spürt er den Automatismus, sich entsprechend seinem Antreiber zu verhalten und Antworten auf die unter „Aufmerksamkeit“ beschriebenen Fragen zu suchen. Bei Leidenschaft und Laster ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir Menschen, wenn wir im Persönlichkeitstyp verstrickt sind, einem inneren, unbewussten Automatismus folgen. Unser Handeln ist dann nicht bewusst und intentional, sondern unbewusst und intuitiv. Wir reagieren auf im Langzeitgedächtnis abgelegte Erinnerungen und Erfahrungen, indem wir das Verhalten wiederholen, das uns bisher (scheinbar) die Haut gerettet, das Leben erleichtert und dabei geholfen hat, unangenehme Situationen zu überwinden.

Das „Laster“ hat die Funktion, das Weltbild und damit die Konstruktion der erworbenen Persönlichkeit, das Ego, zu erhalten. Es ist daher besonders schwer zu überwinden.

Abwehr

Unter dem Stichwort „Abwehr“ geht es darum, zu verstehen, was bei den Persönlichkeitstypen die unter „Leidenschaft“ beschriebenen Gefühle auslöst. Den unter „Abwehr“ genannten Zustand fürchten die jeweiligen Typen zutiefst, sie versuchen ihn unter allen Umständen zu vermeiden. Sie wehren den angstauslösenden Moment ab, indem sie mit dem entsprechenden typbedingten Verhaltensmuster (siehe Abschnitt „Aufmerksamkeit“) gegensteuern und somit ihr Selbstbild aufrechterhalten.

Handeln

Hier lesen Sie das typbedingte Verhalten der neun Persönlichkeitstypen, das Sie als Spitze des Eisbergs beobachten können, wenn Sie sich das jeweilige Arbeitsverhalten anschauen. Das Handeln läuft als innerer und unbewusster Automatismus ab und wird gesteuert vom Ego. Seine Funktion besteht darin, das jeweilige Selbstbild aufrecht zu halten. Als Beispiel, Typ 5, Handeln: Wissen anhäufen; Selbstbild: Ich blicke durch. Typisch für Fünfen ist ihre ausgeprägte Lust am Durchdringen von Themen, die sie interessieren. Im Rausch ihres Spezial-Sujets eignen sie sich so viel Wissen an und beschaffen sich so viele Informationen, bis sie in ihrer Sache der Experte sind und ihnen so schnell keiner mehr etwas vormachen kann.

Aufmerksamkeit

Aufbauend auf den oben erklärten Antreibern und Selbstbildern beschäftigt jeden der neun Typen eine bestimmte (unbewusste) Frage. Diese bindet seine Aufmerksamkeit und bewegt ihn dazu, sich entsprechend seinem Persönlichkeitsmuster zu verhalten.

Sprachstil und Äußeres

Sprachstil und Äußeres charakterisieren das typische Erscheinungsbild der Typen. Anhand dieser beiden Punkte können Sie grob sondieren, ob Sie oder jemand anderes diesen bestimmten Persönlichkeitstyp haben könnte.

Die Art und Weise, wie sich jeder der neun Persönlichkeitstypen bevorzugt ausdrückt und mitteilt, ist unter „Sprachstil“ charakterisiert. Typische körpersprachliche oder durch den Kleidungsstil wahrnehmbare Merkmale finden Sie unter dem Stichwort „Äußeres“.

Stress- und Entwicklungspunkt

Jeder Typ hat einen sogenannten „Stresspunkt“ und einen „Entwicklungspunkt“. Der Typ, der vom Haupttypen weg zeigt, also der nachfolgende Typ in der Zahlenkette 9 - 6-3 und 1 - 4-2 - 8-5 - 7 ist der Stresspunkt. Der Typ, der auf den Haupttypen zeigt, also der vorherige Typ, ist der Entwicklungspunkt. (Abb. 5)


Abb. 5: Stresspunkt der Acht ist Typ 5, Entwicklungspunkt ist Typ 2.

Der Stresspunkt gibt Hinweise, wie sich der jeweilige Haupttyp verhält, wenn er unter Druck ist und an seine persönlichen (Ego-) Grenzen kommt, was zum Beispiel der Fall ist, wenn derjenige unter den gegebenen Umständen sein Selbstbild nicht mehr durch das eigene Handeln aufrecht erhalten kann. In einer solchen Situation übernehmen die neun Typen die tendenziell negativen Verhaltensmuster des unter „Stresspunkt“ genannten Persönlichkeitstypen.

Die positiven Aspekte des Entwicklungspunktes sind der Schlüssel zum Auflösen der Typen-Fixierung, also der Antreiber. Der Entwicklungspunkt beantwortet die Fragen: Was hilft dem Typen, sich zu entwickeln? Welche anderen Verhaltensweisen nutzen, um aus den typeigenen Automatismen auszusteigen? Wie kann man seine Antreiber entlarven und schachmatt setzen? Wodurch kann innere Ausgeglichenheit und Gelassenheit erreicht werden?

TYPMUSTER ERKENNEN

Das ist wieder typisch!

Menschen zu erkennen ist faszinierend. Die Aussicht auf eine verständnisvolleres, effektiveres Miteinander ist reizvoll. Doch bitte nehmen Sie sich Zeit, Ihre Hypothesen, der Kollege könnte Typ X haben, anhand der in den folgenden Kapiteln erläuterten Tiefenstruktur (Antreiber, Aufmerksamkeit, Handeln) zu überprüfen. Mithilfe dieses oder anderer Bücher können Sie lediglich Hypothesen aufstellen, mit welchem Typ Sie es zu tun haben. Dabei helfen ihnen eine Reihe von Indikatoren, die ich Ihnen gleich vorstellen werde. Bevor Sie sich jedoch auf Ihre persönliche Erkundungsreise begeben und Ihre Umgebung erforschen, empfehle ich Ihnen: Beginnen Sie bei sich selbst und stehen Sie für die mit Ihrem Persönlichkeitstyp verbundenen Aspekte und Ausprägungen, die Sie vielleicht auch mal als Schwächen bewerten, von Herzen ein. Wer sich selbst gegenüber wohlwollend ehrlich und wertschätzend selbstreflexiv ist, sieht auch andere in ihrem Wesenskern einfühlsamer und bewertet weniger. Wie würden Sie sich fühlen, würde Ihnen ein Kollege auf den Kopf zusagen: Alles klar, Sie sind Typ X, das erkenne ich auf den ersten Blick! Würden Sie sich nicht auch wünschen, Ihr Gegenüber nähme Sie in ihrer Vielschichtigkeit wahr? Fänden Sie es nicht auch viel angenehmer und kollegialer, er würde mit Ihnen über persönlichkeitsrelevante Themen sprechen, sich mit Tiefgang für Ihre Sichtweise und Motive interessieren, statt sich anhand von Oberflächlichkeiten eine Meinung zu bilden und vorschnell zu urteilen? Nutzen Sie Gelegenheiten wie Weiterbildungen, Dienstreisen, Ausflüge und Feiern, Ihre Kollegen von verschiedenen Seiten kennenzulernen. Menschenkenntnis resultiert aus der Kenntnis vieler Menschen. Um den persönlichen Austausch mit Ihren Kollegen kommen Sie nicht herum, wenn Sie an einer guten Zusammenarbeit interessiert sind.

Die erste Typisierungsebene: Kopf-, Herz- oder Bauchtyp?

Reflektieren Sie Situationen, in denen Sie Ihren Kollegen wahrgenommen haben, zum Beispiel in einer Besprechung, im Team, im Vieraugengespräch, bei der Ausführung seiner Arbeit. Überprüfen Sie folgendes grobes Raster und stellen eine erste Hypothese auf.

Kopftypen wollen Themen in der Tiefe verstehen. Sie stellen viele Fragen, wenn sie mit einem neuen Sachverhalt in Berührung kommen. Sie sind neugierig und aufgeschlossen, hören genau zu und haken nach. Sie fragen beispielsweise nach den Hintergründen, den Zusammenhängen, der Vorgeschichte. Sie sind kritisch und wachsam und unterbrechen im Zweifel den Redner, wenn ihnen etwas unstimmig erscheint. Oder sie kommen später auf eine Sache zurück, die sie inzwischen gedanklich fortgeführt haben.

Typisch für Kopftypen ist zudem ihre Begeisterung für Zahlen, Daten, Fakten und Technik.

Lassen Sie sich jedoch keinesfalls zu schnell durch den Beruf, den jemand ausübt, zu einer Einschätzung Kopf-/​Herz-/​Bauchtyp verleiten. Dass jemand in der Forschung und Entwicklung, in der Technik, als Maschinenbauingenieur oder Wissenschaftler arbeitet, ist keinesfalls ein unumstößliches Zeichen oder gar ein Garant für einen Kopftypen! Genauso gut kann beispielsweise ein Designer seine Leidenschaft für die Visualisierung von Sachverhalten – also hier Kommunikationsanliegen – in seinem Beruf ausleben. Oder ein Berater mit seiner besonderen Kompetenz, relevante Fragen zu stellen und im Dienst der Sache eine optimale Lösung zu finden, erfolgreich sein. Oder eine Sozialarbeiterin im Außendienst Familien besuchen, um sich vor Ort eine fundierte Meinung zu bilden, inwiefern diese Familie für eine Adoption infrage kommt. Prüfen Sie also in jedem Fall die Motivation, die der Berufswahl zugrunde lag. Bei den Kopftypen werden Sie recht bald hören, dass es vor allem das Interesse an der Sache war, die zum jeweiligen Job geführt hat.

Typisch für Herztypen ist ihr ständiges Bemühen um positive Bestätigung. In einem Meeting suchen sie Aufmerksamkeit, beteiligen sich mit Redebeiträgen oder bringen sich hilfreich ein, beispielsweise indem sie fehlendes Moderationsmaterial besorgen oder sich um die Versorgung mit Getränken kümmern. Herztypen beschäftigen sich sehr viel mit der Frage, wie sie auf andere wirken, und interpretieren ausbleibendes Feedback schnell als Desinteresse oder Geringschätzung. Sie wollen gegenüber anderen eine guten Eindruck machen und strengen sich an, hoffend, dass anderen ihr Einsatz positiv auffällt.

Bei den Herztypen dürfte Sie nicht erstaunen, dass es meist der Kontakt mit oder Dienst für Menschen war, der ausschlaggebend für die Berufswahl war. Herztypen fühlen sich in helfenden, beratenden, unterstützenden Tätigkeiten zu Hause. Ein anderes typisches Betätigungsfeld von Herztypen liegt im Bereich Marketing und Vertrieb. In diesen Berufen ist beides gegeben: Es geht um Leistung und Top-Ergebnisse, oftmals fordern Wettbewerbssituationen zu besonderem Einsatz heraus und bringen Anerkennung und Bestätigung von anderen. So mögen es Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing, immer wieder Ergebnisse vorzuweisen, die von anderen geschätzt und oft bewundert werden.

Typisch für Bauchtypen ist ihre Geradlinigkeit und Unbeirrbarkeit. Sie folgen ihren eigenen Maßstäben und bleiben sich selbst treu. Kraft ihrer ich-orientierten Bauchenergie neigen sie dazu, aus dem Blick zu verlieren, wie ihre Umgebung auf sie reagiert oder was in einem Kontext vernünftig oder sachdienlich angemessen wäre.

Bauchtypen gehen ihren Weg auch unter schweren Bedingungen und unter Druck. Und einmal unterwegs lassen sie sich von diesem nicht leicht abbringen. So ist eine in Fahrt gekommene Acht schwer auszubremsen, wenn sie dazu neigt, mit ihrer Präsenz Situationen zu dominieren und zum Beispiel in einem Meeting die Führung zu übernehmen. Wenn sie etwas nicht wollen, sind Neunen wahre Meister im Nicht-Nein-Sagen. Und Einsen erkennen Sie darin, dass sie ganz genaue Vorstellungen davon haben, wie etwas zu sein hat, damit es ihren Kriterien von „richtig“ entspricht. Bauchtypen handeln impulsiv und intuitiv. Fragt man nach, aus welchem Grund sie etwas Bestimmtes getan oder gelassen haben, lautet die Antwort nicht selten: „Das kann ich nicht sagen, es kam einfach so, darüber habe ich nicht nachgedacht.“ Bei den Bauchtypen ist Wertekongruenz, also die Passung der eigenen Werte zu den Unternehmenswerten ein oft genanntes Auswahlkriterium für die Berufswahl. Einen Beruf auszuüben oder einer Tätigkeit nachzugehen, bei der es möglich ist, den eigenen Anspruch zu leben, bedeutet ihnen sehr viel. Bauchtypen wollen sich nicht verbiegen und ordnen ihre Interessen nur einer Angelegenheit unter, die sie einhundert Prozent überzeugt.

Sie haben einen hohen Anspruch an ihr Arbeitsumfeld zum Beispiel hinsichtlich Gerechtigkeit und Ehrlichkeit. Hinsichtlich ihrer Werte sind sie nicht wirklich kompromissbereit, sondern eher bestrebt, diese in ihrem Wirkkungskreis zu verbreiten.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
399 s. 150 illüstrasyon
ISBN:
9783532600047
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