Kitabı oku: «Günter, der innere Schweinehund, hält eine Rede»

Yazı tipi:

Stefan Frädrich
Günter,
der innere Schweinehund,
hält eine Rede
Ein tierisches Rhetorikbuch
Illustriert von Timo Wuerz



Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86936-071-3

Lektorat: Christiane Martin, Köln

Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen,

www.martinzech.de

Illustrationen: Timo Wuerz, Hamburg

©2013 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2010 erschienenen Buchtitel "Günter, der innere Schweinehund, hält eine Rede" von Stefan Frädrich, ©2010 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-071-3

ISBN epub: 978-3-86200-883-4

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Der schlaue Spruch, bevor es losgeht:

»Man ist erst dann ein Superheld,

wenn man sich selbst für super hält.«

Unbekannt

1. Günter, der innere Schweinehund


Günter ist dein innerer Schweinehund. Er bewahrt dich vor Mühe, Neuem – und Wachstum!

Kennst du Günter? Günter ist dein innerer Schweinehund. Er lebt in deinem Kopf und bewahrt dich vor allem Übel dieser Welt. Immer, wenn du etwas Neues tun oder etwas Ungewohntes ausprobieren willst, ist Günter zur Stelle. »Lass das sein!«, sagt er dann. »Das ist viel zu schwierig!«, bremst er. »Besser, das probieren andere aus!«, hält er dich zurück. Und obwohl das Leben voller spannender Herausforderungen steckt, trittst du häufig auf der Stelle – kein Wunder!

Aber warum will Günter nur, dass du dich ständig zurückhältst? Die Antwort ist ganz einfach: Weil dein innerer Schweinehund ein bisserl faul und ängstlich ist! Anstrengung hält er für eine Todsünde. Und Sicherheit für das Himmelreich schlechthin. Also will er dich vor potenziellem Ärger bewahren und deine vermeintlich heile Welt aufrechterhalten. Dass er dabei in Wirklichkeit nur begrenzt hilfreich ist, merkt Günter nicht. Denn leider entgehen dir im Leben so lauter spannende Erfahrungen. Schade.

2. Günters Ängste


Günter hat vor vielem unnötig Angst – zum Beispiel vorm öffentlichen Reden.

»Spannende Erfahrungen?«, wundert sich Günter. »Unnötig! Hauptsache, man ist in Sicherheit.« Ja, typisch für Schweinehunde: Sobald es mal spannend wird, kriegen sie Angst, die Sauviecher. Und Gründe, Angst zu haben, finden sie viele: zum Beispiel beim Fahren auf Rolltreppen oder in Fahrstühlen. Oder die Angst vor Dunkelheit. Die Angst davor, alleine in den Keller zu gehen. Oder in den Wald. Die Angst vorm Autofahren, vor Hunden, Einsamkeit, Trennungen oder Veränderungen. Die Angst vorm Fliegen, vor Krankheit und Tod, tiefem Wasser, Geldproblemen, Spinnen und Insekten, vor Höhen … »Hör schon auf!«, zittert Günter. »Das hier ist doch kein Horrorschmöker!«

Ganz besonders interessant aber ist die statistisch häufigste Angst von Mensch und Schweinehund: die Angst davor, öffentlich zu reden! Denn diese Angst ist völlig grundlos. »Grundlos?«, bibbert Günter kreidebleich. »Öffentliches Reden ist schrecklich: all die Menschen, die einem zuhören! Die weichen Knie! Der trockene Hals! Das Thema, das einem plötzlich nicht mehr einfällt! Oh Gott, Hüüülfe …« Na na, Günter, wer wird denn gleich hysterisch werden?

Wie alles andere auf der Welt lässt sich auch das öffentliche Reden lernen – mit ein wenig Know-how und Übung. Das ist aber erst möglich, wenn du bereit bist, deine gemütliche Komfortzone zu erweitern. Trotz aller Ängste.

3. Was ist Rhetorik?


Rhetorik = (Wissenschaft von der) Kunst zu reden und zu überzeugen.

»Quatsch!«, protestiert Günter. »Wozu das öffentliche Reden lernen? Sollen das doch die Naturtalente machen, die es wirklich draufhaben! Im Vergleich mit denen kann man sich sowieso nur blamieren …« Und wieder mal hat Günter eine Ausrede gefunden, die dich vor Wachstum und Weiterentwicklung bewahrt – Schweinehund eben … Dabei ist die Sache mit den Naturtalenten gar nicht wahr: Zwar gibt es wirklich viele gute Redner, aber den allermeisten ist das öffentliche Reden nicht in die Wiege gelegt. Auch sie mussten üben, üben, üben. Egal, ob sie talentiert waren oder nicht. Und – Überraschung – sogar viele weniger Talentierte sind mit der Zeit zu richtig guten Rhetorikern geworden.

»Zu Rhetorikern?«, unterbricht Günter. »Was war das noch gleich, Rhetorik?« Rhetorik nennt man die Kunst zu reden und zu überzeugen. Auch die Wissenschaft von dieser Kunst nennt man Rhetorik. Und umgangssprachlich versteht man unter guten Rhetorikern Leute, die sich so toll ausdrücken können, dass man ihnen glaubt, was sie sagen, und denen man gerne zuhört. Sogar dann, wenn sie ihre inneren Schweinehunde im Griff haben und öffentlich reden, Günter.

4. Die gute Rede


Eine gute Rede besteht aus den Komponenten Redner, Rede und Zuhörer. Sie informiert, unterhält und appelliert.

Doch fangen wir beim Basis-Know-how an: Was macht eine gute Rede überhaupt aus? »Ist doch klar!«, schlaumeiert Günter. »Der Redner muss top sein, er muss etwas Wichtiges zu sagen haben, und das sollte den Zuhörern gut gefallen.« Nicht schlecht, Schweinehund! Tatsächlich: Eine gute Rede besteht aus den drei Komponenten Redner, Rede und Zuhörer. Nur die einzelnen Komponenten alleine bringen es nicht. Niemand hört schließlich gerne zu, wenn sich jemand zwar toll ausdrücken kann, aber dabei nichts Relevantes sagt. Oder wenn jemand zwar etwas Wichtiges sagt, sich dabei aber schlecht ausdrückt. Denn sowohl Inhalt als auch Performance einer Rede sollten an die Zuhörer gerichtet sein – ohne sie ist eine Rede schließlich witzlos.

»Aha!«, resümiert Günter. »Dann ist eine gute Rede also nicht nur elegantes Blabla oder trockenes Faktenkloppen?« Nein, Günter, das ist sie nicht. Eine gute Rede ist viel mehr: Sie soll informieren, unterhalten und im Idealfall etwas im Zuschauer bewirken – nämlich den Wunsch, so zu handeln, wie es der Redner empfiehlt. Eine gute Rede sollte also auch immer einen Appell beinhalten. Ohne ihn bräuchte sie schließlich nicht gehalten zu werden. »Logisch: Wozu auch extra eine Rede quatschen, wenn es keinen Grund dafür gibt?!« Stimmt, Günter.

5. Der gute Redner


»Talent« + guter Inhalt + Übung = guter Redner.

Weiter mit den Basics: Was macht einen guten Redner aus? »Na, ein guter Redner ist jemand, dem man gut zuhören kann. Einer, der einen in den Bann zieht. Einer, dem man abnimmt, was er sagt. Einer, der etwas locker rüberbringt, wo andere Knoten quatschen. Einer, der es drauf hat eben – nicht so einer wie du …« Oh, Günter, nun mach doch mal langsam! Ja, es stimmt schon: Ein gewisses Talent ist beim Reden praktisch. Daneben macht einen Top-Rhetoriker aber auch der Inhalt aus – er sollte rüberbringen, was wichtig ist, und zwar so, dass alle verstehen, was gemeint ist. Und er sollte geübt sein im Reden. »Quatsch!«, mosert Günter. »Talent ist das Wichtigste. Das hat man oder hat es nicht.«

Okay, dann dröseln wir den Begriff »Talent« mal auf: Was ist das überhaupt? »Na, Talent zum Reden ist die Fähigkeit, einfach draufloszureden und dabei gut rüberzukommen. Wie ein Redeprofi eben.« Und was macht einen Profi aus? »Keine Ahnung. Aber man erkennt einen, wenn man ihn reden hört.« Nun schau mal, Günter: Meist ist ein Redeprofi einer, der bei seinen Zuschauern alle Sinne gleichzeitig anspricht: vor allem Hören, Sehen und Fühlen. Und dabei nutzen gute Redner alle Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen: Sprache, Stimme, Gestik, Mimik, Persönlichkeit, Leidenschaft und Interesse für das Thema, Aussehen, den Rahmen der Rede und gute Präsentationstechnik. Und am Ende sind alle vom »Talent« des Redners begeistert, obwohl es nichts anderes ist als die Summe kleiner Einzelfaktoren.

6. Sprache und Stimme


Sprache des Redners: klar, bildhaft, verständlich. Stimme: natürlich, angenehm, flüssig.

»Soll das etwa bedeuten, dass man Talent lernen kann?«, wundert sich Günter. Aber klar doch! Zwar haben Mensch und Schweinehund durchaus unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen für das öffentliche Reden, dennoch sind die einzelnen Aspekte alle trainierbar. Zum Beispiel die Sprache des Redners: Sie sollte für alle verständlich sein – ohne Fachchinesisch oder anderes Kauderwelsch. Sie sollte deutlich sein und möglichst direkt, sodass jeder folgen kann. Sie sollte bildhaft sein und publikumsbezogen, sodass es allen Spaß macht zuzuhören. Und es sollten vor allem kurze Sätze vorkommen, damit es nicht anstrengend wird, dem Redner zu folgen.

Auch die Stimme sollte passen: Sie muss laut und kräftig genug sein, dass jeder zuhören kann. Sie sollte angenehm klingen, damit es nicht in den Ohren wehtut. Die Stimme sollte zudem eher melodiös sein und nicht eintönig – sonst wird es schnell langweilig. Deswegen sollte der Redefluss auch möglichst flüssig und die Geschwindigkeit variabel sein, aber nicht zu schnell und nicht zu langsam und stets mit Pausen. Außerdem sollte die Rede frei gehalten werden und natürlich klingen.

7. Körpersprache


Gestik und Mimik des Redners: lebendig, unterstützend und natürlich.

Sehr wichtig ist auch die Körpersprache des Redners. Sie sollte die Zuhörer überzeugen und zeigen, dass es dem Redner ernst ist mit dem, was er sagt. So sollten zum Beispiel seine Bewegungen zum Inhalt passen, indem er wichtige Stellen mit seiner Gestik hervorhebt, ohne dabei allerdings übertrieben schauspielerisch zu wirken. Er sollte sich beim Reden also ruhig etwas bewegen – also auf keinen Fall nur stocksteif dastehen –, aber natürlich eben auch nicht so viel herumhüpfen, dass er fahrig und nervös wirkt. Die Körperhaltung des Redners sollte aufrecht sein und seine Hände nicht in den Hosentaschen stecken (oder zumindest nur sehr selten) – sonst kommt es nur zu ungewollten Assoziationen mit Taschenbillard …

Die Mimik des Redners sollte lebendig und freundlich sein und keinesfalls maskenhaft starr. Man hängt anderen schließlich gerne an den Lippen, wenn es dabei auch ein bisschen was zum Gucken gibt. Denn so wie die Gestik drückt auch die Mimik Emotionen aus, also die Gefühle, die ein Redner mit dem Gesagten verbindet. Und dabei merkt man schnell, wie wichtig dem Redner ist, was er erzählt. Zum Beispiel, ob er für sein Thema eine gewisse Begeisterung zeigt oder nur im Auftrag seines Chefs eine lästige Pflicht erledigt. Beim Begeisterten hören wir gerne zu, beim reinen Pflichterfüller hingegen schnarchen wir weg.

8. Persönlichkeit


Persönlichkeit des Redners: echt, souverän und am Thema interessiert.

Günter hakt nach: »Dann merkt das Publikum also, ob der Redner hinter seinem Thema steht oder nicht?« Und ob! Denn je wichtiger dem Redner sein Thema, desto leidenschaftlicher präsentiert er es und desto mehr Spaß macht es, zuzuhören. Der Redner weiß, welche Message er rüberbringen will, kennt besonders plastische Beispiele und der Funken springt besonders einfach über.

Außerdem: Je mehr er sich mit seinem Thema identifiziert, desto besser und authentischer kommt er rüber. »Authenti… was?« Authentischer, Schweinehund! Authentizität ist die »Echtheit« einer Person. Denn der Redner sollte möglichst »echt« sein und sich nicht verstellen. So wirkt er als ganze Persönlichkeit. Das ist neben den rein technischen Redeaspekten sehr wichtig. Spielt der Redner nur etwas vor, würde man das negativ bemerken.

Tja, was fehlt noch? Ach ja: Natürlich merkt man Rednern auch an, wie geübt sie sind. Klar ist: je geübter, desto besser. Außerdem sollten gute Redner den Rahmen ihrer Rede kennen und berücksichtigen. Zum Beispiel die Zuhörer oder den Redeanlass. Und die zur Verfügung stehende Redezeit, also sollten sie weder zu kurz noch zu lang reden – das kann beides sehr ärgerlich werden.

9. Bewertung einer Rede


Rahmen der Rede: Was ist der Anlass? Wer hört zu? Wie lange ist die Redezeit?

Auch optisch machen gute Redner etwas her – indem sie gepflegt und in passenden Klamotten auftreten. Außerdem sollten sie ihre Rede gut strukturieren, zum Beispiel in Einleitung, Mitte und Schluss einteilen. Und sie sollten eine passende Präsentationsform wählen, etwa die frei vorgetragene Rede oder die durch Präsentationstechnik wie PowerPoint unterstützte Rede. Apropos Technik: Auch die Technik haben gute Redner im Griff: Mikrofon, Beleuchtung und Co – alles tipptopp. Du siehst, Günter: eigentlich kein Hexenwerk, die Rhetorik! Nur das Zusammenspiel mehrerer Komponenten.

»Okay, Zusammenfassung!«, resümiert Günter. »Ob eine Rede gut ist, merkt man daran, wie gut die einzelnen Komponenten sind: Eine gute Rede informiert, unterhält und bewirkt etwas. Sie orientiert sich am Rahmen, in dem sie gehalten wird, hat eine gute Struktur, wird passend präsentiert, wobei das Thema auf den Punkt gebracht wird und der Funke überspringt. Die Stimme ist natürlich, angenehm und flüssig, die Sprache deutlich und direkt, die Performance lebendig und authentisch, wobei gute Redner spürbar für ihr Thema brennen und diese Begeisterung auf das Publikum übertragen. So bringen gute Redner ihre ganze Persönlichkeit ein und alle hören gerne zu.« Super zusammengefasst, Sauhund!

10. Ablesen? Nein, danke!


Frei zu reden wirkt lebendig und natürlich. Ablesen hingegen ist langweilig und steif.

»Hm …«, grübelt Günter. »Klingt trotzdem alles ziemlich anspruchsvoll. Zum Beispiel das mit der freien Sprache. Wie soll man sich denn auf das konzentrieren, was man zu sagen hat, und auch noch fehlerfrei sprechen, ohne ständig ›Äh‹ zu sagen oder sich zu verhaspeln? Besser also, man schreibt seine Rede erst mal Wort für Wort auf und liest sie dann allen vor! So kann man sicher sein, dass alles passt!« Aber nein, Günter. Reden wortwörtlich abzulesen, ist keine gute Idee. Wenn überhaupt, dann hält man das nur bei sehr geübten Politikern, Schauspielern oder Moderatoren für halbwegs echt. Bei allen anderen wirkt es steif, hölzern, langweilig und letztlich hilflos. Und schon schläft dein Publikum, anstatt dir zuzuhören …

Viel besser ist es daher, frei zu sprechen. Denn freie Sprache ist lebendig und natürlich. Und sie richtet sich an die Zuhörer. Live. Direkt. Nicht nur in Gedanken zu Hause am Schreibtisch. »Und was ist, wenn man sich verspricht?« Halb so wild, das macht dich als Redner nur menschlich und damit sympathisch. Auch das eine oder andere »Äh« ist okay, solange es nicht so oft vorkommt, dass es vom Thema ablenkt. Selbst berühmte Fernsehmoderatoren sagen immer wieder mal »Äh«, ohne dass man es ihnen übel nimmt.

11. Schubladen auf!


Das Geheimnis der freien Rede: Schublade auf und über das reden, was drin ist!

»Wie jetzt, ganz frei sprechen?«, wundert sich Günter. »Wirklich so richtig frei, ohne vorher die Worte festzulegen?« Genau. Schließlich sprechen wir auch im Alltag frei Schnauze – mit unserem Partner, unseren Kindern, den Kollegen, am Telefon und im Supermarkt –, ohne dass wir jedes Wort erst mal schriftlich planen. Da machen wir schließlich kein Gedöns wegen möglicher Fehler beim Sprechen. Wir ziehen im Kopf zu einem bestimmten Thema eine Schublade auf und holen dann raus, was drin ist, wobei wir frei darüber reden.

»Wie bitte? Schubladen?« Ja, genau. Was zum Beispiel fällt dir ein zum Thema Wetter? »Na ja, heute ist es zum Glück schon etwas besser. Gestern war es saumäßig kalt. Vorgestern auch. Wäre schön, wenn es immer schön wäre, das Wetter!« Siehst du, Günter, und schon hast du eine kurze Rede über das Wetter gehalten! Völlig frei – und sogar mit einem echten Appell! Dabei hast du im Kopf nur die Schublade »Wetter« aufgezogen und dann spontan formuliert, was dir dazu gerade wichtig war. Du hast Umgangssprache gesprochen, warst also lebendig, natürlich und unterhaltsam – super! Vereinfacht gesagt funktionieren alle freien Reden so: nachschauen, was in bestimmten Schubladen drin ist, und dann raus damit. Also, über welche Schubladen willst du in welcher Reihenfolge sprechen? Dann zieh sie auf, und hol einfach raus, was drin ist! Wird schon passen, Günter.

12. Wer bist du?


Eine super Redeübung: die Eigenvorstellung! Wer bist du?

»Ui, ui, ui!«, zittert Günter. »Ob es wirklich so einfach ist?« Aber klar doch, Schweinehund. Raus aus deiner Komfortzone! Wie sollst du denn merken, was du kannst, wenn du dich immer in deiner kleinen Welt verschanzt? »Und was, wenn in einer Schublade nix drin ist?« Natürlich solltest du vor allem Schubladen öffnen, in denen du Inhalt zu bieten hast. Je mehr, desto besser. Und desto sicherer bist du.

Die Schublade, in der du am allermeisten zu bieten hast, bist du übrigens selbst – da drin kennt sich niemand besser aus. Und Reden zur eigenen Person sind für jeden Menschen in allen möglichen Situationen wichtig: beim Small Talk auf der Party, im Vorstellungsgespräch oder beim Flirten. Wer bist du? Was macht dich aus? Das solltest du schon vermitteln können. Daher ist die Eigenvorstellung eine wunderbare Rhetorikübung. Überleg mal, welche Schubladen du dabei alle öffnen kannst: Wie heißt du? Was machst du? Warum? Wo kommst du her? Wo willst du hin? Was ist dir wichtig? Was hat dich geprägt? Und so weiter. Üb doch einfach mal, dich anderen Personen vorzustellen! Du wirst dich wundern, wie gut das klappt. »Gestatten, Günter. Ich bin dein innerer Schweinehund. Ich lebe in deinem Kopf und bewahre dich vor allem Übel dieser Welt …«

13. Stegreifreden halten


Stegreifreden kann man über alles Mögliche halten.

»Okay, begriffen!«, freut sich Günter. »Über sich selbst zu reden, geht ziemlich leicht, weil viel in der Schublade drin ist. Was aber, wenn du weniger Inhalt zu bieten hast? Immerhin ist das hier das Kapitel 13 …« Don’t worry, Günter! Selbst wenn die Schubladen nicht ganz so prall gefüllt sind, reicht es meist aus, um ein wenig darüber zu reden. So entsteht schließlich jedes ganz normale Alltagsgespräch. Eigentlich halten wir jeden Tag lauter kleine Stegreifreden.

»Was sind denn Stegreifreden?«, will Günter wissen. Nun, das sind Reden, die man aus dem Stegreif hält, also ohne sich vorher zu überlegen, über welches Thema man jetzt mal referieren und was man dazu alles sagen könnte. Irgendwoher kommt ein Stichwort, und dann wird die passende Schublade geleert. So wie vorhin beim Thema Wetter. »Und gibt es noch andere Themen, über die man spontan reden kann?« Und ob! Sogar eine ganze Menge. Denn man kann über alles Mögliche eine kurze Rede halten. Hier ein paar Stichworte: Wasser, Frechheit, Hausfassaden, Schleim, gute Verkäufer, Messebau, U-Bahn, enttäuschte Liebe, Landtagswahlen, Marketing, Hochwasser, Dessous, Genialität, Altbier, Geigenbauer, Diabetes, Kreativität, Autobahnmaut, Fitnesscenter, Tischplatten, Bakterien, Schuhsohle, Bumerang, Produktionsausfälle, Wasserfall, Atemnot, Friedhöfe, Frivolität, Polizei, Fantasie, Kleingeister, Hässlichkeit …

14. Vom Großen zum Kleinen


Jedes Thema lässt sich weiter aufdröseln: in Teilaspekte, Unterthemen oder verwandte Themen.

»Stopp, das reicht!«, schreit Günter empört. »Schleim? Messebau? Fantasie? So ein Blödsinn! Wie soll man denn darüber Reden halten?« Na, indem man die jeweiligen Themen in Unterthemen, Teilaspekte oder verwandte Gebiete aufdröselt und darüber spricht. Lautet das Stichwort zum Beispiel »Schleim«, kannst du über dessen hohen Wassergehalt reden, über Schnecken oder über unappetitliche Krankheiten. Da wird dir doch was einfallen! Und beim Stichwort Messebau sprichst du über Messen im Allgemeinen, ihre Bedeutung für die Wirtschaft, den Messebau als Motor des Ausstellungswesens oder was immer du sonst dazu weißt. »Und beim Stichwort ›Fantasie‹ kann ich über Fantasy-Romane reden, über Kreativitätstechniken oder schräge Ideen in der Badewanne?« Richtig, Günter.

Du siehst schon: Eigentlich geht es nur darum, aus großen Themen kleine zu machen und dann darüber laut zu reden. So übst du, freie Reden zu halten – Hauptsache, du sprichst, während du die Schubladen leerst. Und wenn eine Schublade leer ist, gehst du einfach zur nächsten weiter, alles klar? So ist ziemlich sicher, dass dir niemals die Inhalte ausgehen und du beim freien Reden immer sicherer wirst. »Okay: Ein Bumerang ist ein gebogenes flaches Holzstück. Wenn man ihn richtig wirft, macht er in der Luft eine Kurve und …« Super: Günter übt.

15. Stegreifrede mit Struktur:
Die »Vorteils-und-Nachteils-Technik«


1. Was ist das?

2. Welche Vorteile hat es?

3. Welche Nachteile?

4. Resümee/Appell!

Gratulation: Du hast begriffen, wie das mit den Schubladen und den Unterthemen geht! Nun weiter zur nächsten Stufe: der Stegreifrede mit Struktur. »Ach, jetzt kommt plötzlich Struktur dazu?« Genau, Günter. Um es dir noch etwas einfacher zu machen. Eine besonders beliebte Struktur für Stegreifreden ist dabei die »Vorteilsund-Nachteils-Technik«. Hierbei machst du zum jeweiligen Thema einfach die folgenden vier Schubladen auf:

Was ist das?

Welche Vorteile hat es?

Welche Nachteile hat es?

Was bedeutet das und welcher Appell folgt daraus?

»Hä?«, wundert sich Günter. »Ich verstehe nur Bahnhof.« Okay, dann konkret. Nehmen wir mal an, du musst über »gute Verkäufer« reden, dann könnte sich das so anhören: Ein guter Verkäufer ist jemand, bei dem sich der Kunde wohl fühlt und gut beraten wird, sodass er gerne kauft. Gute Verkäufer sind also für Firma und Kunde gleichermaßen nützlich: Einerseits entsteht Umsatz, andererseits freut man sich über das Produkt. Manche Verkäufer allerdings nutzen ihre Fähigkeiten, um Kunden über den Tisch zu ziehen. Das ist weniger schön. Trotzdem finde ich, jeder sollte sich bemühen, ein guter Verkäufer zu sein!

16. Die »Früher-heute-morgen-Struktur«


1. Wie war es früher?

2. Wie ist es heute?

3. Wie wird es morgen sein?

»Ich kapiere!«, freut sich Günter. »Erst erklärst du, was ein Verkäufer ist, dann seine Vorteile, seine Nachteile und am Ende bringst du einen Appell! Schlau! Mit so einer Struktur kannst du noch freier drauflosquatschen und trotzdem wirkt jeder Satz so, als wäre er vorbereitet.« Genau, Günter. »Gibt es denn noch mehr solcher Strukturen?« Aber klar! Zum Beispiel die »Früher-heute-morgen-Struktur«:

Wie war es früher?

Wie ist es heute?

Wie wird es morgen sein?

Auch hier gilt wieder: Einfach in der richtigen Reihenfolge die Schubladen öffnen! »Ich mach es gleich mal vor!«, drängt Günter. »Auch zum Thema ›gute Verkäufer‹: Früher hatten es Verkäufer leichter. Vor allem in der Nachkriegszeit haben sie ihre Ware nur anbieten müssen und jeder hat sie gekauft, der sie sich leisten konnte. Heute ist das Verkaufen viel spezieller geworden: Eigentlich haben wir alles, was wir brauchen. Deshalb müssen gute Verkäufer heute viel mehr auf Zack sein, damit sie Kunden kriegen. Und auch morgen wird diese Entwicklung weitergehen: Immer speziellere Kundenwünsche müssen immer besser erfüllt werden. Zeit also, das Verkaufen zu lernen!« Super, Günter! Am Ende hast du sogar noch einen Appell eingebaut. »Stimmt, ich hab ein wenig improvisiert.«

Sieh an, der Schweinehund! Setzen, Eins!

17. Stegreifreden üben


Schöne Übungen für Stegreifreden: Kettenreden halten und PowerPoint-Karaoke.

Also, du siehst: Je mehr du dich mit dem freien Sprechen beschäftigst, desto machbarer erscheint es dir. Nutze also in Zukunft einfach jede Gelegenheit, frei zu irgendeinem Thema zu reden! Je öfter, desto besser, weil du dann immer sicherer wirst. Im Kern geht es bei allen Themen ja immer wieder um die gleiche Aufgabe: Formuliere in eigenen Worten, was in deinen Augen Sache ist! Worum geht es? Was bedeutet das? Welche eigenen Erfahrungen hast du schon gemacht? Kurz: Nutze das jeweilige Stichwort, um daraus deine eigene kleine Rede zu basteln.

Übrigens gibt es dazu auch sehr witzige Gruppenübungen: zum Beispiel Kettenreden halten. Einer beginnt, irgendein Thema zu erörtern, und bestimmt dann urplötzlich irgendeinen anderen, der die Rede weiterspinnen muss. Auch der muss nun sofort vortragen und dann gleich den Nächsten bestimmen. So passen alle auf, und die Gruppe hält kreuz und quer Reden zu allen möglichen Themen, denn natürlich kann jeder das Thema variieren, wie er will. Eine andere tolle Übung ist Power-Point-Karaoke: Dabei präsentiert man voreinander fremde PowerPoint-Präsentationen – also ganz ohne vorher deren Thema und Inhalt zu kennen. Jeder kann mitbringen, was ihm an Präsentationen in die Hände fällt: über städtische Parkplatzplanung, neue Antibaby-Pillen oder die Jahreszahlen im Vertrieb. Und dann einfach die einzelnen Punkte durchklicken und frei assoziieren! Viel Spaß!

18. Verständlich sprechen


Neben dem freien Sprechen ist auch das verständliche Sprechen sehr wichtig.

»Alles klar, ich glaube, ich kann es!«, freut sich Günter. »Das freie Reden ist wirklich machbar.« Super, dann weiter zum nächsten Aspekt deiner Sprache: der Verständlichkeit! »Wieso Verständlichkeit? Was ist denn damit gemeint?«

Nehmen wir mal an, du bist bei einem gut besuchten Vortrag in deiner Stadthalle. Dort will der Chef eines neuen örtlichen Gesundheitszentrums die medizinischen Angebote erläutern. Alle sind gespannt, die Technik stimmt, der Redner spricht frei, lebendig und mit viel Pathos. Aber was er sagt, klingt leider so: »Unsere Patienten mit chronischen und kostenintensiven Krankheiten sollen durch regelmäßige und fächerübergreifende Edukationsmaßnahmen zu eigenverantwortlichen und wissenden Mitbehandlern – also zu Managern ihrer eigenen Erkrankung – ausgebildet werden! Durch Verbesserung der Compliance, durch ein besseres, durch Verstehen um die Zusammenhänge sinnvolleres und verantwortungsvolleres Umgehen mit den verordneten Medikamenten, durch die Vermeidung von Komplikationen und Ähnlichem können direkte und indirekte, oft vernachlässigte Krankheitskosten eingespart werden!« Na, Günter, alles capito?

19. Reden, um etwas mitzuteilen


Rede nicht, um schlau zu klingen, sondern um verstanden zu werden! Und zwar von jedem!

»Pfui, bah, das klingt ja furchtbar!«, empört sich der Schweinehund. »Und verstanden habe ich kein Wort!« Kein Wunder: Der Redner demonstriert das genaue Gegenteil von Verständlichkeit. Er schwurbelt sein langatmiges Fachchinesisch runter, ohne sich am Publikum zu orientieren. So klingt er in manchen Ohren vielleicht sogar »gebildet«. Leider aber bringt er gar nichts rüber.

»Und wie geht es besser?«, will Günter wissen. Nun, erst mal, indem du dir die Rahmenbedingungen verständlicher Sprache bewusst machst: Du sprichst nicht, um schlau zu klingen, sondern um etwas mitzuteilen! Erinnerst du dich an die drei Komponenten einer guten Rede: an Redner, Rede und Publikum? Wenn du beim Reden nicht für das Publikum sprichst, hältst du besser gleich den Mund! Denn dein Job als Redner ist es, die Dinge so zu erläutern, dass auch ein Laie versteht, worüber du sprichst. Sprich also anschaulich und möglichst ohne Fremdwörter! Fass komplexe Zusammenhänge knapp zusammen, und werde auf keinen Fall zu ausschweifend – so etwas tun nur Fachidioten! Und präsentiere hin und wieder plastische Beispiele oder Belege, damit man dich versteht!

20. Gute Worte wählen


Gute Worte sind konkret, knackig, klar und für jeden verständlich.

»Aber kann man so komplizierte medizinische Sachen überhaupt klar und knackig rüberbringen?«, zweifelt Günter. Und ob! Probieren wir es mal mit der obigen Rede. Wieder redet der Arzt frei, lebendig und leidenschaftlich. Wieder hört die ganze Stadthalle zu. Nur diesmal sagt der Arzt Folgendes: »Leiden Sie an einer chronischen und teuren Krankheit? In unseren Schulungen erfahren Sie die medizinischen Hintergründe und Zusammenhänge – so werden Sie zu Managern Ihrer eigenen Erkrankung! Dabei lernen Sie auch, wie Sie mit Ihren Medikamenten umgehen und wie Sie Nebenwirkungen oder Komplikationen vermeiden! Das fördert Ihre Gesundheit und spart Geld.« Na, Günter, wie klingt das jetzt? »Viel besser! War das etwa der gleiche Inhalt?« Genau: gleicher Inhalt, andere Worte.

Aber schauen wir mal ganz genau hin. Was ist alles beim zweiten Beispiel anders als beim ersten? »Die Worte!«, stellt Günter fest. »Die sind viel verständlicher!« Richtig, Schweinehund. Die Worte sind nun knackig und klar. Anstatt »kostenintensiv« sagt der Arzt nun »teuer«. »Edukationsmaßnahmen« sind »Schulungsmaßnahmen«. Doch daraus kann man auch gleich »Schulungen« machen. Das Wort »Compliance« kann sogar ganz verschwinden, denn es bedeutet, dass Patienten bei ihrer Therapie brav mitmachen. Das aber ist ohnehin klar, weil sie zu Managern ihrer eigenen Erkrankung werden. Also: Ein bisschen Fine-Tuning bei den Worten und schon wird die Bedeutung klar!

21. Besser kurz als lang


Kurze Sätze sind besser als lange Sätze.

»Im zweiten Beispiel waren auch die Sätze viel kürzer!«, stellt Günter richtig fest. Logisch: Denn kurze Sätze versteht man besser als lange. Vor allem wenn in langen Sätzen viele Nebensätze drin sind, sollte man die Sätze kleinschnippeln. Sonst weiß man am Ende des Satzes gar nicht mehr, was am Anfang stand. Überflüssiges kann man dabei gleich weglassen. Das Wichtigste kommt im Satz nach vorne an den Anfang. Hauptsachen gehören in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze. Und Schachtelsätze sind gleich ganz tabu.

»Äh, Moment!«, zögert Günter. »Was sind denn Schachtelsätze?« Na zum Beispiel: »Der Schweinehund ist, obwohl er dich manchmal von deinen Plänen abhält, was sehr ärgerlich sein kann, aber natürlich nicht muss, eigentlich ein netter Kumpel.« Hörst du, wie verschachtelt der Satz ist? Ein Teilaspekt ist in den nächsten eingepackt. Leider wird dadurch alles so kompliziert, dass man das Wesentliche übersieht. Denn: Was will der Satz eigentlich sagen? »Dass Schweinehunde Ärger machen?«, fragt Günter vorsichtig. Nein, überhaupt nicht, sondern: Der Schweinehund ist eigentlich ein netter Kumpel. Also sollte man das auch so sagen! Den Rest kann man in einfachen kurzen (Teil-)Sätzen anfügen, ohne komplizierte Verschachtelungen: »Der Schweinehund ist eigentlich ein netter Kumpel, obwohl er dich manchmal von deinen Plänen abhält. Das kann sehr ärgerlich sein, muss es aber nicht.«

22. Verben statt Substantive, Aktiv statt Passiv


Vermeide den Nominalstil! Verwende stattdessen kräftige Verben! Sprich im Aktiv statt im Passiv!

»Super!«, freut sich Günter. »Ein wenig an der Reihenfolge gebastelt, und schon flutscht es mit der Bedeutung!« Genau. »Gibt es noch weitere solcher Tricks?« Sicher: Zum Beispiel den, statt des Nominalstils möglichst Verben zu verwenden. Beim »Nominalstil« macht man aus Verben unnötige Substantive, wie etwa »Aktivierung«, »Weigerung«, »Registrierung« und so weiter. Das ist typisch für Behörden, aber schlecht fürs Verständnis. Außerdem sollte man statt des Passivs möglichst das Aktiv benutzen. »Halt, nicht so schnell! Hast du ein Beispiel?«

Klar doch! Nehmen wir mal einen Teil aus der ersten Redeversion des Arztes: »Durch die Vermeidung von Komplikationen und Ähnlichem können direkte und indirekte, oft vernachlässigte Krankheitskosten eingespart werden.« Erst mal schmeißen wir Überflüssiges raus und konzentrieren uns auf das Wesentliche: »Durch die Vermeidung von Komplikationen können Krankheitskosten eingespart werden.« Nun machen wir aus dem Substantiv »Vermeidung« (Nominalstil) das Verb »vermeiden«. Dann basteln wir aus dem Passiv den Aktiv: Aus »können (…) eingespart werden« wird »sparen wir ein«. Und was bleibt nun übrig? »Wenn wir Komplikationen vermeiden, sparen wir Krankheitskosten ein.« Super, oder?

23. Die angenehme Stimme


Die angenehme Rednerstimme klingt kräftig, eher tief, melodiös und natürlich.

»Jetzt kapiere ich das mit der Sprache!« Günter ist ganz aus dem Häuschen. »Je freier man spricht, desto natürlicher kommt man rüber und desto eher zieht man seine Zuhörer in den Bann. Außerdem braucht man sich keinen Kopf zu machen, ob man schlau klingt, denn die Schlauesten sind ohnehin die, die verständliche Worte verwenden und sich dabei am Publikum orientieren. Sie sprechen in kurzen Sätzen, klar und einfach, in Verben statt im Nominalstil und im Aktiv statt im Passiv. Kurz: Sie sprechen so, wie ihnen die Schnauze gewachsen ist!« Na also, Schweinehund, wird doch!

Weiter also zum nächsten Aspekt: von der Sprache zur Stimme und Aussprache. Denn auch die sind bei guten Rednern wichtig. »Und was macht eine gute Rednerstimme aus?«, will Günter wissen. Nun, im Idealfall klingt sie so angenehm, dass man ihr gerne zuhört. Als angenehm empfinden wir zum Beispiel, dass die Stimme kräftig und laut genug ist, damit man sie gut hören kann. Oder dass sie eher tief klingt als hell, schrill oder piepsig, weil das schnell in den Ohren wehtut. Zudem sollte die Stimme möglichst melodiös, lebendig und natürlich klingen.

24. Der angenehme Redefluss


Sprich möglichst flüssig, in angenehmem, aber variablem Tempo. Und mach Sprechpausen.

»Melodiös? Lebendig? Natürlich? Wieder ganz schön viele Anforderungen!«, empört sich Günter. Aber nein. Eigentlich ist es auch hier ganz einfach, denn im Kern geht es wieder um die gleichen Prinzipien wie bei der freien Rede: Sprich so, wie dir die Worte möglichst natürlich aus dem Mund purzeln! Je weniger du darüber nachdenkst, desto besser. Denn dann machst du automatisch alles, was eine melodiöse, lebendige und natürliche Sprache ausmacht: Du variierst die Geschwindigkeit, sprichst also mal schneller, mal langsamer, bist aber insgesamt weder zu schnell noch zu langsam, weil du ja weißt, wie du zu sprechen hast, damit dich dein Gegenüber versteht.

Außerdem machst du beim Sprechen hin und wieder kurze Pausen zwischen den einzelnen Sätzen, sodass das Publikum auch immer ein wenig Zeit hat, über das Gesagte nachzudenken. Es muss sozusagen die Gelegenheit bekommen, dass sich neue Gedanken erst mal setzen können, bevor Nachschub kommt. Sonst kann es passieren, dass noch irgendjemand über das nachdenkt, was du zuvor gesagt hast, während du längst schon den nächsten Punkt erörterst – und schwupps: Schon hat dein Publikum den Faden verloren! Dass du dabei trotz aller Pausen auch möglichst flüssig und moduliert sprechen solltest, versteht sich von selbst. Abgehackte monotone Computerstimmen wie in einer Telefon-Hotline will keiner hören.

25. Die Stimm-Modulation


Je natürlicher du sprichst, desto besser modulierst du deine Stimme.

»Aha. Moduliert sprechen soll man auch noch?«, zweifelt Günter. »Wie geht denn das überhaupt?« Keine Sorge, Schweinehund: Je natürlicher du sprichst, desto automatischer modulierst du deine Sprache so, dass es passt. »Hast du mal ein Beispiel?« Klar, Günter. Nehmen wir mal den Satz »Ich liebe dich.« Allein den kannst du schon auf mindestens drei Arten modulieren, indem du unterschiedliche Worte betonst und so die Satzmelodie veränderst: »ICH liebe dich« – und kein anderer. »Ich LIEBE dich« – und zwar so richtig! »Ich liebe DICH« – und nicht die Nachbarin, die mir immer so schöne Augen macht. Verstehst du? Die richtige Betonung und Modulation kommt automatisch mit dem Sinn, den du ausdrücken willst.

Machen wir mal eine Übung. Moduliere bitte den Satz »Kommen Sie« auf verschiedene Arten: Zunächst mal fragend – du willst wissen, ob der andere wirklich kommt. Dann ablehnend – du hoffst, dass der andere nicht kommt. Dann freudig – du zeigst, dass du dich so richtig darüber freuen würdest. Nun befehlend – du erteilst dem anderen den Befehl, zu kommen. Und schließlich verärgert – du willst gar nicht, dass der andere kommt. Du siehst: Die Informationen stecken nicht nur in den Worten, sondern auch in der Modulation ihrer Aussprache!

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