Kitabı oku: «Günter, der innere Schweinehund, rettet die Welt»

Yazı tipi:

Stefan Frädrich

Günter,
der innere Schweinehund,
rettet die Welt

Ein tierisches Ökobuch

Illustriert von Timo Wuerz



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© 2021 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2021 erschienenen Buchtitel »Günter, der innere Schweinehund, rettet die Welt« von Stefan Frädrich © 2021 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Buchausgabe: 978-3-96739-054-4

ISBN epub: 978-3-96740-061-8

Lektorat: Christiane Martin, Köln | www.wortfuchs.de

Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen |

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Illustrationen: Timo Wuerz, Hamburg

Satz und Layout: Das Herstellungsbüro, Hamburg |

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Der schlaue Spruch, bevor es losgeht:

»Als wir uns weiter und weiter entfernten, wurde die Erde immer kleiner. Schließlich schrumpfte sie zur Größe einer Murmel, der schönsten, die man sich vorstellen kann. Dieses wunderschöne, warme, lebende Objekt sah so zerbrechlich aus, so zart, dass es, wenn man es mit einem Finger berührte, zerbröckeln würde und auseinanderfallen. Das zu sehen, verändert einen Menschen.«

James B. Irwin,

Astronaut des Apollo-Programms


Günter ist dein innerer Schweinehund. Er bewahrt dich vor Anstrengung – und hält dich klein!

Inhalt

1. Günter, der innere Schweinehund

2. Günters kleine Welt

3. Doofe Disruptionen

4. Mitmachen oder untergehen

5. Schwarze Schwäne

6. Vorsicht, Risiko!

7. Das Präventionsdilemma

8. Naturkatastrophen

9. Hallo Apokalypse!

10. Freiwillig mitmachen

11. Technischer Fortschritt

12. Schöne neue Welt?

13. Menschengemachter Klimawandel

14. Es wird wärmer

15. Das bisschen Wetter?

16. Anthropozän

17. Skeptische Schweinehunde

18. Reise in die Zukunft

19. Der Sommer kommt

20. Die unbewohnbare Erde

21. Der Wüsten-Wasser-Planet

22. Falsche Frage, richtige Frage

23. Ökopflaster fürs Gewissen

24. Es gibt Hoffnung

25. Schlamassel-Analyse

26. Das Wohnzimmer als Treibhaus

27. F-Gase

28. Lachgas und Methan

29. Kohlendioxid

30. Der schiefe Kreislauf

31. Verbote? Verboten!

32. Treibhauseffekt

33. Rückkopplungen

34. Arktis adieu!

35. Land in Sicht

36. Tschüss Permafrost!

37. Puffersysteme

38. Immer mehr Meer

39. Grüne Hoffnung?

40. Von Tupperdosen und Tütensuppen

41. Tödliche Tierhaltung

42. Rülpsende Kühe

43. Guten Appetit?

44. Industrielle Tierhaltung

45. Kollateralschäden

46. Fieses Futter

47. Tote Erde

48. Hofnarren der Schöpfung

49. Ausgestorben

50. Nemo in der Plastiksuppe

51. Unsere gute Milch

52. Nebenwirkungen

53. Die Dürren kommen

54. Raumschiff Erde

55. Noch mal von vorne

56. Die Macht der Menschheit

57. Große Baustellen

58. Viele Wege gehen

59. Das richtige Maß

60. Problem Kohlendioxid

61. Carbon Capture and Storage

62. Geoengineering

63. Die liebe Energie

64. Flöze und Fracking

65. Kohlekraftwerke

66. Atomkraft – nein danke?

67. Erneuerbare Energien

68. Kampf gegen Windmühlen

69. Das Wassern ist des Müllers Lust

70. Die Sonne scheint

71. Mikronetze und Sonnenstaaten

72. Akkus für alle!

73. Nicht so schnell

74. CO2-Staaten

75. Teure Wirtschaft

76. Sinnlose Subventionen

77. Hilfe, Politik!

78. Emissionshandel

79. Internationale Feuerrechte

80. Wirtschaft im Wandel

81. Die lieben Innovationen

82. Elektrischer Verkehr

83. Grüne Mobilität

84. Gemüse statt Gase

85. Carbon Footprint

86. Landwirtschaft und Tierhaltung

87. Teufelskreis der Tierprodukte

88. Veggie werden

89. Neues Essen

90. Biologische Landwirtschaft

91. Bio ist besser

92. Vertikale Farmen

93. Eine traumhafte Zukunft?

94. Die Geschichte verändern

95. Neues Leben entsteht

96. Die halbe Erde

97. Wölfe im Park

98. Am Scheideweg

99. Das Ende der Verleugnung

100. Günter rettet die Welt

1. Günter, der innere Schweinehund

Kennst du Günter? Günter ist dein innerer Schweinehund. Er lebt in deinem Kopf und bewahrt dich vor allem Übel dieser Welt. Immer, wenn du etwas Neues tun, dich verändern oder Ungewohntes ausprobieren willst, ist Günter zur Stelle: »Lass das sein!«, sagt er dann. »Unmöglich, viel zu schwierig!«, bremst er. Oder: »Besser, das machen andere!«, hält er dich zurück. Und obwohl das Leben voller Herausforderungen steckt, die dich und die Welt weiterbringen können, betrachtest du sie lieber als Probleme, die es zu vermeiden gilt. Schade.

Klar: Kurzfristig mag es bequem erscheinen, nicht aus dem Quark zu kommen, aber langfristig ist es oft viel unbequemer! Ein Problem ansprechen? »Jetzt noch nicht …« Bis es dir um die Ohren fliegt. Eine große Aufgabe in Angriff nehmen? »Später mal …« Und die Aufgabe wird immer größer. Endlich eine Entscheidung treffen? »Noch mal drüber schlafen …« Bis du nicht mehr selbst entscheiden kannst. Kennst du so was?


Günter hasst Veränderungen und Herausforderungen. Er bleibt am liebsten in seiner kleinen Welt.

2. Günters kleine Welt

»Herausforderungen? Igitt!«, mault Günter. Denn am liebsten bleibt er in der kleinen kuscheligen Welt seiner Komfortzone. Und so kommt es, dass du im Leben oft auf der Stelle trittst: Dein Job? Der ewig gleiche – selbst wenn er dir stinkt. Dein Urlaub? Wie immer auf Mallorca – obwohl du schon gehört hast, dass es auch woanders schön ist. Im Restaurant? Das leckere Steak essen – obwohl Fleisch gar nicht so gut sein soll.

»Und was ist dagegen einzuwenden?«, will Günter wissen. »Dein Job ist sicher, auf Malle kennst du dich prima aus, und Fleisch ist nun mal Grundnahrungsmittel.« Falsch, Schweinehund: So mancher Job ist überhaupt nicht sicher, auf Mallorca kennst du nur Hotel und Pool, und Fleisch ist … Ach, dazu kommen wir später noch.

Du bist ein Gewohnheitstier, Schweinehund. Und das ist vor allem dann doof, wenn große Veränderungen anstehen: Wer sich nicht freiwillig verändert, tut es früher oder später unfreiwillig. Und dann kann es wehtun.


Disruptionen verändern die Welt. Man überlebt sie nur, wenn man sich an sie anpasst.

3. Doofe Disruptionen

»Von welchen Veränderungen sprichst du?«, fragt Günter. Ein paar harmlose Beispiele: Früher hörten wir Musik noch auf Schallplatten und Kassetten, später dann auf CDs, danach von heruntergeladenen MP3-Dateien. »Und heute können wir sie streamen!« Richtig, Günter. Oder früher mussten wir beim Autofahren noch die Strecke kennen oder Karten lesen. »Und heute gibt es Navis!« Genau. Oder früher haben wir die Mallorca-Reise noch im Reisebüro gebucht. »Heute geht das online!« Problem begriffen, bravo.

»Wieso Problem?«, wundert sich Günter. »Ist doch alles praktisch!« Nun, Ewiggestrige maulen immer noch, dass es keine Musikkassetten mehr gibt. Auch Musikindustrie, Kartenverlage und Reisebüros hatten ein Problem – und die inneren Schweinehunde, die dort arbeiten. Sie mussten sich verändern, um zu überleben – was einige nicht geschafft haben. Sie sind der Disruption zum Opfer gefallen. »Disrup – was?« Disruptionen sind große Veränderungen, welche die Spielregeln so grundsätzlich verändern, dass sie alles durcheinanderwirbeln. Entweder man macht mit oder geht unter.


Disruptionen formen die Welt um. Oft sehen wir sie kommen.

4. Mitmachen oder untergehen

»Oh, oh!«, dämmert es Günter. »Disruptionen sind also gefährlich.« Kommt auf die Perspektive an: Wer mitmacht, kann von ihnen profitieren. Wer pennt, weniger. Frag mal die deutsche Autoindustrie, ob sie sich über Elektro-Autos aus Kalifornien freut. (Tut sie nicht.) Oder Banken über praktische Online-Bezahldienste. (Auch nicht.) Oder schläfrige Kollegen über die wache Konkurrenz aus China. (Aufwachen!) Wo sich der eine ärgert, freut sich oft der andere. Also: Sicherheit in der Komfortzone? Denkste! Die Welt verändert sich – ständig. Und am sichersten ist es, rechtzeitig freiwillig mitzumachen.

»Okay, durch manche Veränderungen müssen wir also durch!« Brav, Günter. Wobei Disruptionen zwar starke Kräfte sind, die unsere Welt umformen, ob das der Einzelne will oder nicht – aber sie sind vergleichsweise langsam. Fitte innere Schweinehunde könnten sich deshalb gut auf sie einstellen. Könnten.

Weitaus heftiger sind da schon die schwarzen Schwäne. Die kommen ganz plötzlich über uns.


Schwarze Schwäne sind selten, unvorhergesehen – und verändern die Welt.

5. Schwarze Schwäne

»Was sind denn schwarze Schwäne?«, wundert sich Günter. So nennt man sehr seltene (schwarze Schwäne eben), scheinbar zufällige Ereignisse, die unvorhergesehen eintreten, enorme Veränderungen nach sich ziehen – und von denen man hinterher oft denkt, man hätte sie kommen sehen müssen.

Viele Erfindungen oder Entdeckungen, die uns heute normal erscheinen, waren zu ihrer Zeit solche schwarzen Schwäne, die viel verändert haben: zum Beispiel dass Penicillin Bakterien tötet – eine schöne Überraschung. Oder dass zwischen Europa und Asien Amerika liegt – Kolumbus wollte ja nach Indien. Oder die Erfindung von Klettverschluss, Röntgenstrahlen, Post-its und Viagra. Alles Zufällen zu verdanken, die zu Fortschritten führten.

Andere schwarze Schwäne hingegen führten zu Katastrophen: die Anschläge vom 11. September 2001 zu Kriegen mit Millionen Toten. Oder das Tōhoku-Erdbeben 2011 zur Nuklearkatastrophe von Fukushima. Oder das Coronavirus 2020 zur weltweiten Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Wie bei umfallenden Dominosteinen: eine Ursache, viele üble Folgen.


Obwohl wir die Zukunft nicht kennen, können wir Risiken sehen und eindämmen.

6. Vorsicht, Risiko!

»Na ja, shit happens.« Ganz so einfach ist es nicht, Günter. Viele Katastrophen hätten nämlich verhindert werden können – mittels Prävention: Stell dir mal vor, man hätte bei allen Flugzeugen bereits vor dem 11. September 2001 die Cockpit-Türen so umgerüstet, dass kein Passagier auf den Pilotensitz kann – das World Trade Center stünde wohl noch. Oder die ersten Corona-Infizierten hätten Wuhan, den Ort des Ausbruchs, nicht verlassen dürfen – die Pandemie wäre im Keim erstickt worden. Oder man hätte das AKW in Fukushima ein paar Nummern sicherer gebaut – es wäre nicht zur Nuklearkatastrophe gekommen.

»Aber dafür muss man die Zukunft vorhersehen können, und das geht nicht.« Nein, man muss sich die Zukunft zunächst mal nur vorstellen wollen – und merkt dann, dass es klug ist, große Risiken zu erkennen und sie bestmöglich zu vermindern, statt darauf zu vertrauen, dass schon nichts Schlimmes passieren wird. Denn wie hast du es so treffend formuliert? Shit happens.


Gelungene Prävention verhindert Schlimmes, bevor es passiert. Doch ihre Effekte sind unsichtbar, deshalb wird sie unterschätzt.

7. Das Präventionsdilemma

»Einfach so alle Flugzeuge umrüsten? Nen Atommeiler umbauen? Eine Stadt auf Corona-Verdacht von der Außenwelt abriegeln? Was das alles kostet!« Es hat leider viel mehr gekostet, all das nicht zu tun. Zwar gab es jeweils vorher Warnungen, aber man dachte: Wird schon alles gut gehen. Fehler!

Und damit sind wir mitten im Präventionsdilemma: Solange nichts Schlimmes passiert, erscheinen Maßnahmen überflüssig. Und passiert doch etwas, heißt es hinterher: »Warum hat vorher niemand etwas getan?«

Jetzt aber wird es kompliziert: Wenn nur deshalb nichts Schlimmes passiert, weil Präventionsmaßnahmen genau das verhindern, erscheinen sie ebenfalls oft überflüssig – es sieht ja keiner, was ohne sie wäre: »Sparen ist doof!«, sagen innere Schweinehunde – bis mal die Kasse leer ist. »Sport ist Mord!« – bis die Herzkranzgefäße verklumpt sind. »Umweltschutz ist lästig!« – bis wir am Urlaubsstrand in Plastikmüll waten.


Naturkatastrophen kommen plötzlich über uns. Wir können nichts gegen sie tun.

8. Naturkatastrophen

»Aber wir können doch nicht immer alles verhindern!«, entrüstet sich Günter. Das stimmt. Tatsächlich gibt es immer wieder Katastrophen, die wie eine Apokalypse über die Welt kommen: gigantische Vulkanausbrüche, fiese Meteoriteneinschläge, schlimme Erdbeben, tödliche Seuchen oder schreckliche Tsunamis. Die Geschichte unserer Erde ist voll davon.

Als zum Beispiel 1980 der Mount St. Helens ausbrach, der schlimmste Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts, stieß er 1,2 Kubikkilometer heißes, flüssiges Magma aus. Während der neun heftigsten Stunden seines Ausbruchs verteilten sich 540 Millionen Tonnen vulkanischer Asche auf mehr als 60 000 Quadratkilometern. Seine Explosionswolke breitete sich zum Teil mit einer Geschwindigkeit von über 1000 Stundenkilometern aus. Die Zerstörung war gigantisch.

Oder als im Indischen Ozean 2004 die Erde bebte, löste das eine ganze Reihe furchtbarer Tsunamis aus. Dabei starben 230 000 Menschen und 1,7 Millionen Küstenbewohner wurden obdachlos.


Unsere Erdgeschichte ist voller apokalyptischer Katastrophen.

9. Hallo Apokalypse!

Weiter mit den Naturkatastrophen: Als sich zwischen 1918 und 1920 die Spanische Grippe verbreitete, infizierten sich weltweit 500 Millionen Menschen, von denen je nach Schätzung zwischen 20 und 100 Millionen starben. (Damals gab es noch keine Virentests wie heute.)

Oder als vor 66 Millionen Jahren ein 14 Kilometer dicker Asteroid im Norden Mexikos einschlug, hatte er etwa die Explosivkraft von 200 Millionen Hiroshima-Bomben. Dadurch entstand nicht nur der berühmte Chicxulub-Krater mit 180 Kilometern Durchmesser, der Einschlag löste auch eine weltweite Zerstörungswelle aus, der etwa drei Viertel aller damaligen Arten zum Opfer fielen, unter anderem die Dinosaurier.

Unsere Erdgeschichte ist voll von solchen Katastrophen. Und so manche haben zu Massenaussterben geführt. Ursachen waren immer wieder Erdbeben, Meteoriteneinschläge, Klimawandel, Vulkanismus, Seuchen oder Strahlung. All das kann jederzeit wieder passieren, wir können nichts dagegen tun. Natur ist Natur. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Hallo Apokalypse!


Wer bei Veränderungen freiwillig mitmacht, den treffen sie weniger hart.

10. Freiwillig mitmachen

»Das ist ja schrecklich!«, bibbert Günter. Ja, es kann einem schon mulmig werden bei all den Gefahren da draußen. Das Einzige, was wir bei Naturkatastrophen tun können, ist, uns auf sie einzustellen und uns vor den schlimmsten Folgen zu schützen: Seuchen schnell erkennen und eindämmen, Vulkanaktivitäten auf Ausbruchzeichen überwachen oder in Erdbebengebieten besonders sicher bauen. Logisch, oder? »Logisch.«

Anders ist es, wenn wir das Übel kommen sehen: So manche Krisen, Kriege, Crashs oder koronare Herzkrankheiten lassen sich mit Prävention verhindern – wenn wir vorher nachdenken und klug handeln. Nur müssen dabei halt auch innere Schweinehunde mitmachen, sonst bringt es nix.

»Okay, begriffen«, stimmt Günter zu. »Besser, wir passen auf, stellen uns auf Veränderungen ein und machen freiwillig mit. Dann treffen sie uns nicht so hart.« Genau, Schweinehund.


Der technische Fortschritt bringt immer schneller immer mehr Veränderungen.

11. Technischer Fortschritt

»Welche Veränderungen stehen denn an?«, will Günter wissen. »Und welche Risiken?« Eine ganze Menge. Und auch jede Menge Chancen, die wir ergreifen und nutzen können. Wahrscheinlich wird sich die Welt in den nächsten zehn Jahren stärker verändern als in den 100 Jahren zuvor. Besser gesagt: Die Welt verändert sich nicht einfach, wir verändern sie.

Wo heute noch Menschen arbeiten, werden mehr und mehr Roboter übernehmen. Wo heute noch Daten in Rechenzentren gespeichert werden, geht das zukünftig auf DNA. Wo wir heute noch selber denken, denkt mehr und mehr künstliche Intelligenz. Wo wir heute im Stau stehen, fliegen wir zukünftig mit Flugtaxis drüber. Wo wir heute noch Maschinen aus vielen Einzelteilen zusammenbauen, drucken wir sie zukünftig in einem Stück. Der technische Fortschritt wird immer schneller – und unsere Welt eine andere.

»Klingt nach Science-Fiction!«, lacht Günter. Auch nicht mehr, als Mallorca online zu buchen oder mit dem Navi Auto zu fahren.


Wir können zukünftig völlig neue Möglichkeiten haben, unser Leben zu gestalten.

12. Schöne neue Welt?

»Coole Sache!«, freut sich Günter. Ja, die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass die Zukunft rosig wird, wenn wir unsere Möglichkeiten richtig nutzen: Wir werden weniger arbeiten müssen, weiter unseren Lebensstandard erhöhen, immer mehr Krankheiten heilen, weniger Kriege führen, den Hunger besiegen, weltweit Bildung ermöglichen, uns immer besser vernetzen, ach, ein rundum schönes Leben führen.

»Geil!«, grunzt Günter, während er mit der VR-Brille in 3-D online ein Live-Computerspiel zockt, das er über eine Hirnschnittstelle steuert, weil man dafür längst weder Konsolen noch Controller mehr braucht. Dabei serviert ihm ein intelligenter Cyborg-Butler leckere automatisch gemixte Cocktails. Um seinen Typ-2-Diabetes braucht sich Günter nicht zu sorgen, denn seine Hightech-Kontaktlinsen messen stetig den Blutzucker und eine künstliche Pumpe verpasst ihm immer die richtige Dosis Insulin. Und sobald seine Muskeln durch das viele Faulenzen mal wieder kaputt sind, lässt er sich einfach neue züchten. Biotech sei Dank!


Die größte Gefahr für unsere Erde und uns ist der menschengemachte Klimawandel.

13. Menschengemachter Klimawandel

»Klingt mega!« Günter sabbert schon ein bisschen. Klar, aus seiner Perspektive. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und wo Chancen liegen, lauern Risiken. »Welche Risiken denn? Dass uns jemand beim Zocken schlägt?« Nein, Schweinehund, eher etwas aus der Kategorie echte Katastrophen. Hatten wir schon, du erinnerst dich.

»Und was soll Schlimmes passieren? Lösen Roboter etwa Tsunamis aus? Oder Künstliche Intelligenz Vulkanausbrüche? Und 3-D-Drucker Kriege?« Nein, Günter, es ist die Natur, die uns umhauen wird, wenn wir nicht aufpassen. Zum Beispiel weil wir dank des bisherigen Fortschritts zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre pusten und die Welt aufheizen. Das führt zu schlimmeren Folgen als ein paar Tsunamis, Vulkanausbrüche oder Kriege: zur Zerstörung unserer Erde, wie wir sie heute kennen – und, wenn es dumm läuft, zur Ausrottung der Menschheit.

Dann haben nicht mal mehr innere Schweinehunde Spaß am Zocken. Wetten?


Unsere Lebensweise zerstört das komplexe Gleichgewicht des Klimas.

14. Es wird wärmer

»Und was ist so schlimm daran, wenn es wärmer wird?«, will Günter wissen. »Sommer ist super.« Ja, aber nur, wenn es auch den Winter gibt. Denn unser Klima ist ein fein austariertes Gleichgewicht, bei dem viele Faktoren zusammenspielen müssen, damit es funktioniert. Und genau dieses Zusammenspiel bringen wir wissentlich durcheinander.

Kurz zusammengefasst: Unsere Lebensweise produziert Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) oder Methan, welche die Atmosphäre erwärmen. Dadurch schmilzt Eis an den Polkappen und die Meeresspiegel steigen. Einerseits entstehen Dürren und Wasserknappheit, andererseits Unwetter und Überschwemmungen. Gleichzeitig zerstören wir Ökosysteme wie Wälder und Korallenriffe, welche die Treibhausgase reduzieren. Ganz nebenbei rotten wir dabei unzählige Tiere aus. Auch das Meer erhitzen wir, wodurch es weniger CO2 aufnimmt. Und wir tauen die arktischen Permafrostböden auf, was weitere Treibhausgase ausstößt. So entstehen Kettenreaktionen, die bald nicht mehr zu stoppen sind. Das verändert alles und führt zu massenhaftem Sterben – von Pflanze, Tier, Mensch und Schweinehund. Tschüss!


Seit dem Industriezeitalter hat sich die Erde um über ein Grad Celsius erwärmt.

15. Das bisschen Wetter?

»Moment!«, mault Günter. »Das bisschen Wetter soll so schrecklich sein? Wohl zu viele apokalyptische Horrorfilme geschaut?« Falsch, Schweinehund: Bereits heute hat sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad Celsius erwärmt. »Nur um ein Grad? Soll das ein Witz sein? Es ist doch normal, dass Temperaturen schwanken: Mal sind es draußen 30 Grad, mal 13, mal minus drei. Wo ist das Problem?«

Das Problem liegt im Unterschied zwischen Wetter und Klima: Dass Wetter schwankt, ist harmlos. Dabei ist es mal wärmer, mal kälter. Aber dass die Durchschnittstemperatur steigt, hat nichts mit kurzfristigem Wetter zu tun, sondern mit langfristigem Klima. Und das hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stetig erhitzt, nachdem es über 1000 Jahre zuvor sehr konstant gewesen war. Also seit dem Zeitpunkt etwa, als die menschliche Bevölkerung zu explodieren begann – und mit ihr unser Fortschritt: Industrie, Technik, Transport, Landwirtschaft, Kapitalismus, Verbrennungsöfen und -motoren. Wir haben es jahrzehntelang dolle getrieben. Und jetzt gibt’s die Quittung.


Die heutige Epoche heißt Anthropozän, weil Menschen Mist bauen.

16. Anthropozän

»Na und?«, belehrt Günter. »Schon in der Bibel steht geschrieben: Macht euch die Erde untertan!« Keine gute Idee, Schweinehund: Zum einen stehen wir nicht über der Natur, sondern sind ein Teil von ihr. Und zum anderen ist es ja nicht so, dass wir Natur oder Klima prima im Griff hätten. Eher im Gegenteil: Waldbrände, Dürren, Wirbelstürme oder Überflutungen kommen seit Jahrzehnten immer häufiger über uns – und meist treffen sie uns unvorbereitet. Man könnte fast sagen, »schlechtes Wetter« sei mittlerweile normal geworden. Dumme Sache.

»Und wir sollen dieses schlechte Wetter selbst machen?«, zweifelt Günter. Ganz genau. Sogar ein kompliziertes Wort hat die Wissenschaft für unser Zeitalter schon gefunden: Anthropozän. So nennt man unsere heutige Epoche, weil wir Menschen (altgriechisch: anthropos) die Biologie, Geologie und Atmosphäre durcheinanderbringen: Wir erwärmen die Erde, verursachen Artensterben, verbreiten Krankheiten, verwüsten Böden, versauern die Meere, beuten Ressourcen aus, verschmutzen die Umwelt und, und, und. Kurz: Wir bauen Mist – und sollten schleunigst damit aufhören.


Günter glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel.

Erst muss es wehtun.

17. Skeptische Schweinehunde

»Ich glaube das alles nicht!«, wehrt sich Günter. »Das ist doch nur Panikmache.« Womit wir wieder beim Anfang dieses Buches wären: Typisch innere Schweinehunde! Erst muss es wehtun, bevor wir uns verändern. Erst werden wir krank, dann wollen wir gesund leben. Erst gibt es Krieg, dann die Friedensbewegung. Erst kommt der Burn-out, dann der Jobwechsel. Erst gibt es Seuchentote, dann Quarantäne. Erst fliegen Terroristen ins World Trade Center, dann verschließen wir Cockpit-Türen. Erst bebt die Erde, dann wollen wir sicher bauen. Sprich: Erst kommt die Krise, dann die Prävention. Schade, aber so sind wir wohl gestrickt.

Das Problem dabei: Gerade bei Klimawandel und Umweltzerstörung rennt uns die Zeit davon. Noch können wir das Schlimmste verhindern. Noch! Wir können es uns also nicht leisten, länger zu warten. Deshalb sollten wir unsere Erkenntnisse beschleunigen: durch eine kurze krasse Reise in die Zukunft. Und danach dann reden wir über Veränderung. Denn du kannst viel mehr positiv beeinflussen, als du glaubst, Günter. Deal? »Deal.«


Wir wissen nicht, wie schnell es wie warm wird. Obwohl wir versuchen, entgegenzusteuern.

18. Reise in die Zukunft

Willkommen in deiner Zeitmaschine, Günter! Bitte anschnallen, gleich geht es los. Doch eine Warnung vorweg: Es wird heftig, bitte Spucktüten bereithalten! Denn verglichen mit dem, was noch auf uns zukommt, sind die heutigen Auswirkungen des Klimawandels wie ein harmloser Schnupfen. Das eine »kleine« Grad Erwärmung ist nämlich leider erst der Anfang.

Womit wir schon beim Kern des Problems wären: Niemand weiß heute, wie warm es noch wird. Und wie schnell das gehen wird. Weil es bislang – aus der Perspektive eines Menschenlebens betrachtet – eher langsam wärmer wurde, haben wir die globale Erwärmung noch nicht ernst genug genommen, obwohl sie mittlerweile immer schneller wird. Zwar versuchen wir sie seit Jahrzehnten abzubremsen, aber so richtig klappt das nicht. Dabei hat die UN darüber schon 1992 in New York ein Rahmenabkommen geschlossen. Und 1995 in Berlin die erste Klimakonferenz abgehalten. Und 1997 in Kyoto den Treibhausausstoß begrenzt. Und zwischen 2007 auf Bali und 2012 in Doha die Regeln präzisiert. Und 2015 in Paris beschlossen, dass die Erwärmung nicht über zwei Grad steigen darf.


Wir stoßen so viele Treibhausgase aus wie nie zuvor. Das führt zu vielen Katastrophen.

19. Der Sommer kommt

»Na also!«, freut sich Günter. »Wir tun schon etwas gegen den Klimawandel.« Schön wär’s, Schweinehund. Tatsächlich jedoch sind die globalen Treibhausgasemissionen seit der ersten Klimakonferenz 1995 um 50 Prozent gestiegen – und heute so hoch wie nie zuvor. Also wird es wohl nichts werden mit den gewünschten zwei Grad. Die Kurve geht steiler und weiter nach oben. Wenn wir nicht gegensteuern, werden es bis Ende des Jahrhunderts sogar fünf Grad mehr sein. Ein bisschen viel Sommer für unsere Erde.

Wobei auch »nur« zwei Grad Erwärmung längst kein Witz mehr sind. Zunächst mal schmilzt das Eis an Polkappen und Gletschern und für Millionen Menschen wird das Wasser knapp. Hitzewellen bringen Tausende Menschen um, sogar in den nördlichen Breitengraden. Bei drei Grad Erwärmung kommt es zu weltweiten jahrelangen Dürren, in Südeuropa werden sie dauerhaft sein. Waldbrände vervielfachen sich, die Nahrungsmittel werden knapp und Seuchen brechen aus. Und natürlich gibt es ständig parallele Umweltkatastrophen: Stürme, Fluten, Überschwemmungen, Zerstörung. Es wird ungemütlich auf unserem schönen Planeten.


Die Erde kann zwischen vier und fünf Grad heißer werden – und vielerorts unbewohnbar.

20. Die unbewohnbare Erde

So weit, so schlecht. Vielleicht jedoch erwärmt sich die Erde zwischen vier und fünf Grad. Dauerhaft und unumkehrbar. Dann sind weite Teile nicht mehr bewohnbar: in den USA, Afrika, Australien, Südamerika und Asien.

Das Grönlandeis ist geschmolzen, ein Drittel des Amazonas zerstört und 99 Prozent aller Korallenriffe. 50 Prozent aller Tiere und 60 Prozent aller Pflanzen sind ausgestorben. Der tauende Permafrost setzt unbekannte Erreger frei, Seuchen verbreiten sich. Der steigende Meeresspiegel überspült ganze Küstengebiete. Zigfach heftigere und längere Hitzewellen treffen genau die Regionen, die bereits heute unter Hitze leiden. Die Ernten sind zu niedrig, Hunger verbreitet sich. Auch in Europa: Dürren, Asthma, Malaria, Nahrungs- und Wassermangel, Tod. Die Wirtschaft stirbt vor sich hin, und Ströme von Klimaflüchtlingen bringen die Welt in Unordnung – laut UN-Schätzungen zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Menschen im Jahr 2050, die alles tun werden, um zu überleben. Es gibt bewaffnete Konflikte.


Bei acht Grad Erwärmung wird die Erde zum Wüsten-Wasser-Planeten.

21. Der Wüsten-Wasser-Planet

»Hör auf!«, fleht Günter. »Ich will wieder zurück in die Gegenwart!« Moment noch, Schweinehund. Denn es gibt auch Prognosen, die sogar acht Grad Erwärmung prophezeien. Dann ist in den heißesten Regionen kein Leben mehr außerhalb von Behausungen möglich. Wie auf Wüstenplaneten in Science-Fiction-Filmen. Nahrungsmittel? Vergiss es! Sogar die Alpen sind dann so trocken wie ein Gebirge auf dem Mars. Andererseits ist der Meeresspiegel um 60 Meter gestiegen und hat ganze Küstenlinien verändert. Dabei wurden zwei Drittel aller Metropolen geflutet: unter anderem New York, Shanghai, Hongkong, Dakar oder Karatschi – alle Matschi.

»Das! Kann! Nicht! Sein!«, ruft Günter verzweifelt. Leider doch, Schweinehund. Wobei diese Schätzungen zum Teil noch optimistisch sind. Es kann schon früher so übel werden: Selbst wenn wir nur zwei Grad Erwärmung schaffen, wird unsere Atmosphäre mindestens 500 ppm CO2 enthalten. Das war zum letzten Mal vor 16 Millionen Jahren der Fall. Damals war es zwischen fünf und acht Grad wärmer und die Meere um 40 Meter höher – und nicht nur um einen halben Meter, wie wir heute hoffen.


Die Frage ist nicht, ob wir den Klimawandel hervorrufen, sondern wie wir ihn stoppen!

22. Falsche Frage, richtige Frage

Also schnell zurück in die Gegenwart, Günter! Und dann lass uns schauen, wie wir den ganzen Mist verhindern. Denn eine Sache ist klar: Nichts wird all das stoppen, außer wir. Und dafür müssen wir einiges verändern, selbst wenn das nicht nach deiner Kernkompetenz klingt.

»Aber wie soll das gehen?«, jammert Günter. »Das Klima hat sich doch schon immer verändert – auch ohne menschliche Einflüsse.« Das ist richtig, Schweinehund. Zum Beispiel begann vor 700 Millionen Jahren die Sturtische Eiszeit, bei der fast unser ganzer Planet zufror. Oder vor 250 Millionen Jahren das große Sterben, eine Hitzephase, die 90 Prozent aller Arten tötete. »Na also!«, resümiert Günter. »Stimmt es dann überhaupt, dass wir den heutigen Klimawandel verursachen?« Falsche Frage, Schweinehund. Denn abgesehen davon, dass sie 97 Prozent aller Klimaforscher mit Ja beantworten, führt sie höchstens zu noch mehr Zeitverschwendung. Der Punkt ist: Sogar wenn wir den Klimawandel nicht hervorrufen, findet er statt. Also müssen wir uns eine ganz andere Frage stellen: Wie können wir ihn aufhalten?


Ein »grüner« Lifestyle ist sinnvoll und schafft Bewusstsein. Aber er reicht nicht aus.

23. Ökopflaster fürs Gewissen

»Okay, legen wir los!«, ruft Günter motiviert. »Ab sofort wird grün gelebt: Nutzen wir Energiesparlampen! Trennen wir Müll! Bringen wir Pfandflaschen zurück! Fliegen wir seltener nach Malle! Bauen wir Solarpanels aufs Dach! Steigen wir aufs Fahrrad um! Gehen wir mit Jutetüten einkaufen! Waschen wir unsere Kleidung kalt! Und ersetzen wir Wäschetrockner durch Leinen! Pflanzen wir im Garten Bäume! Essen wir regionales Obst! Verteufeln wir Verpackungsmaterial! Kompostieren wir selbst! Werden wir zu Recycling-Profis! Drosseln wir unsere Wasserhähne!« Lauter gute Ideen, Schweinehund, nur ganz ehrlich: Sie werden leider alle nicht ausreichen …

»Was soll das heißen?«, entrüstet sich Günter. »Müssen wir etwa noch mehr tun?« Nun, um ein Bewusstsein zu schaffen, sind all diese Dinge ein guter Anfang. Nur sind sie bislang eher ein Ökopflaster für unser schlechtes Gewissen. Wir bekommen das trügerische Gefühl, etwas zu tun – und übersehen, was wir alles noch nicht tun: die Strukturen des Klimawandels angehen. Das ist so, als würden wir im Auto die Öllampe zukleben, wenn sie aufleuchtet – statt Öl nachzufüllen. Oder als löschten wir nur ein paar Fotos, wenn unser Handyspeicher voll ist – statt gefräßige Riesen-Apps loszuwerden.

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