Kitabı oku: «Der Große Nordische Krieg 1700–1721»
Stephan Lehnstaedt
Der Große Nordische Krieg 1700–1721
Reclam
Kriege der Moderne
Herausgegeben vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Fachbereich Publikationen (0881-01)
2021 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Umschlagabbildung: Pierre-Denis Martin, Die Schlacht von Poltawa. Niday Picture Library / Alamy Stock Photo
Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Made in Germany 2021
RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-961876-0
ISBN der Buchausgabe 978-3-15-011345-5
www.reclam.de
Inhalt
1 Nachlese einer Schlacht: Karl XII. und Peter I. nach Poltawa
2 Nordosteuropa im 17. Jahrhundert: das schwedische Imperium und der Niedergang Polens
3 Die Armeen der kriegführenden Mächte Die schwedische Armee Die Armeen von Sachsen und Polen Die russische Armee
4 Von Sieg zu Sieg: Schwedens Weg vom Baltikum nach Sachsen
5 Schweden gegen Russland: Von Altranstädt nach Poltawa
6 Poltawa 1709: Der Höhepunkt des Großen Nordischen Krieges
7 Russische Dominanz im Osten
8 Kampf um den schwedischen Besitz im Reich
9 Seekriegführung in der Ostsee
10 Der Friede von Nystad
11 Die Folgen des Großen Nordischen Krieges
Anhang
Zeittafel
Literaturhinweise
Abbildungsnachweis
Sachregister
[7]1 Nachlese einer Schlacht: Karl XII.Karl XII., König von Schweden und Peter I.Peter I., Zar und Großfürst von Russland nach Poltawa

Der russische Zar Peter I. (1672–1725) Peter I., Zar und Großfürst von Russland während der Schlacht von Poltawa. Gemälde, um 1710
»Hier ist Alles gut gelungen. Nur am Schlusse des Jahres und nur durch einen besonderen Zufall hatte die Armee das Unglück, Verluste zu erleiden, die, wie ich hoffe, binnen Kurzem wieder gut gemacht sein werden.« So positiv gestimmt gab sich der schwedische König Karl XII.Karl XII., König von Schweden im August 1709 in einem Brief an seine Schwester Ulrika EleonoreUlrika Eleonore, Königin von Schweden. Die tatsächliche Lage sah weit weniger rosig aus.
Ziemlich genau einen Monat war es her, dass KarlKarl XII., König von Schweden und seine Armee im Südosten der heutigen Ukraine dem russischen Heer unterlegen [8]waren. Die Schlacht von Poltawa am 8. Juli 1709 war für Schweden alles andere als eine Petitesse, und vor allem Zweckoptimismus bestimmte das Schreiben nach Stockholm. Es wurde aus dem Feldlager im heute moldauischen Bender abgesandt – 600 Kilometer weit waren die wenigen überlebenden Schweden vor den nachrückenden Russen geflohen und hatten nur mit knapper Not die rettende Grenze zum Osmanischen Reich überschritten.

Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, genannt der Starke (1670–1733)August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen, wurde als August II. zum König von Polen gewählt. Gemälde, um 1723
Die einst furchteinflößende schwedische Armee, die fast ein Jahrhundert lang als die kampfstärkste in ganz Europa gegolten hatte, existierte nicht mehr: In Poltawa »hat es sich denn hernach zugetragen, dass der größte Teil des Fußvolks verloren gegangen ist und dass auch die Reiterei viel Abbruch erlitten hat. Dieser Verlust ist allerdings groß.« So realistisch war KarlsKarl XII., König von Schweden Beurteilung drei Tage nach der Schlacht, aber das war nicht für die Augen seiner Schwester bestimmt, sondern für seine Generale.
[9]Tatsächlich war allein in Poltawa von über 25 000 Schweden etwa die Hälfte gefallen. Viele weitere starben auf dem missglückten Rückzug, und nicht wenige gerieten in Kriegsgefangenschaft. Innerhalb einer Woche war ein Prozent der schwedischen Bevölkerung in Russland gestorben. Kaum mehr als 2000 Soldaten hatte KarlKarl XII., König von Schweden in Bender noch bei sich. Aber was hatten sie überhaupt im Russischen Reich verloren, in der südlichen Ukraine, nur wenige Tagesmärsche von Charkiw entfernt?
Sie kämpften dort im Großen Nordischen Krieg, der von 1700 bis 1721 dauerte. Den Krieg ausgelöst hatten die großen Ambitionen von Monarchen, und er brachte großes Leid über ihre Untertanen und Soldaten. Zudem führte er zu einer Neuordnung Europas: Zu Beginn des Krieges war Schweden eine militärische Großmacht mit ausgedehnten Territorien an der ganzen Ostseeküste, am Ende hatte es diese Stellung verloren und war von einem Imperium zu einem Mittelstaat an der europäischen Peripherie geworden.
Die vorherrschende Kraft südlich der Ostsee war die Adelsrepublik (Rzeczpospolita) Polen-Litauen, deren Ständevertreter 1697 den sächsischen Kurfürsten Friedrich August I.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen als August II.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen zum König gewählt hatten. Das größte Flächenland Europas wollte dank der wirtschaftlichen Prosperität des viel kleineren Sachsen zu vergangener Stärke zurückfinden. AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen wiederum hoffte, mit Unterstützung der legendären polnischen Husaren für seine Dynastie im Baltikum weitere Erblande erwerben zu können.
Östlich von Polen lag das Moskauer Reich des russischen Zaren Peter I.Peter I., Zar und Großfürst von Russland, das bisher kaum auf der europäischen Bühne in Erscheinung getreten war. PetersPeter I., Zar und Großfürst von Russland Regierungsstil war bestimmt von direkter Kontrolle, von drakonischen Maßnahmen und von seiner persönlichen Führung in Schlachten. Die von ihm durchgesetzte dynamische Modernisierung des Landes und seiner Armee dienten vor allem dem Ziel einer Expansion an die Ostsee. In Poltawa sicherte PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland diese Gebietsgewinne ab und machte zudem einem Aufbegehren der ukrainischen Kosaken um Iwan MasepaMasepa, Iwan; Hetman der ukrainischen Saporoger Kosaken ein Ende, der als Verbündeter Karls XII.Karl XII., König von Schweden ein eigenes Reich gründen wollte.
PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland und AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen – sowie zeitweise Dänemark-Norwegen, Brandenburg-Preußen und Hannover – versuchten 21 Jahre lang, ihre Macht auf Kosten Schwedens auszubauen. Aus heutiger Sicht mutet das wie eine ausgemachte Sache an, zunächst aber eilte KarlKarl XII., König von Schweden an der Spitze seiner [10]Truppen von Sieg zu Sieg und schaltete einen Kriegsgegner nach dem anderen aus. Was ihn und seine Soldaten nach Poltawa geführt hatte, war der unbedingte Wille, Russland in einer Entscheidungsschlacht niederzuwerfen, um das eigene Ostseeimperium zu sichern.

Der schwedische König Karl XII. Karl XII., König von Schweden (1682–1718) und der Hetman der ukrainischen Kosaken Iwan Masepa (1639–1709) Masepa, Iwan; Hetman der ukrainischen Saporoger Kosaken nach der Schlacht von Poltawa 1709. Gemälde von Gustaf Cederström, 1879
Poltawa wurde zu einer Katastrophe für die Schweden. Eine Entscheidungsschlacht jedoch war es nur bedingt, denn bis zum Frieden von Nystad 1721 sollten die Kämpfe noch zwölf Jahre andauern. Weitere [11]Armeen wurden ins Feld geführt, doch der Kriegsschauplatz hatte sich von Russland nach Nordostdeutschland verlagert, wo Schweden ebenfalls über große Ländereien verfügte. Angesichts des schwindenden Erfolgs strebte KarlKarl XII., König von Schweden nach der Initiative, um weiterhin das Geschehen zu bestimmen. Seine Soldaten folgten ihm bedingungslos, denn er war 18 Jahre lang ununterbrochen gemeinsam mit ihnen im Felde, führte sie an und zog sich immer wieder selbst Verwundungen zu.
[12]Doch es gelang nicht mehr, eine Wende herbeizuführen. Und so erwiesen sich die Worte Peters I.Peter I., Zar und Großfürst von Russland als zutreffend, der die Bedeutung von Poltawa sofort klar erfasst hatte: »Jetzt ist vollends mit Gottes Hilfe der Grundstein für Sankt Petersburg gelegt.« Der russische Zar hatte große Gebiete an der Ostsee erobert und machte die nach ihm selbst benannte, 1703 gegründete Siedlung an der Newa bereits 1712 zur Hauptstadt des Russischen Reiches. Und während PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland der große Gewinner des Nordischen Krieges war, musste AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen machtlos zuschauen, wie sich Preußen an der schwedischen Beute schadlos hielt.
Karl XII.Karl XII., König von Schweden wird in Schweden nach wie vor als letzter Kriegerkönig und Herrscher über ein untergegangenes Reich angesehen. August II.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen hingegen hat in Polen ein schlechtes Image, in Sachsen jedoch gab man ihm – wegen seiner vielen Mätressen – den Beinamen »der Starke«. Nur Peter I.Peter I., Zar und Großfürst von Russland ist allgemein als »der Große« bekannt.
[13]2 Nordosteuropa im 17. Jahrhundert: das schwedische Imperium und der Niedergang Polens

1614 war erstmals vom schwedischen Dominium maris baltici – der ›Ostseeherrschaft‹ die Rede. Der Hafen von Stockholm auf einem Gemälde von Bonaventura Peeters, 1636
Spätestens seit den Zeiten der Hanse war die Ostsee ein Meer der Möglichkeiten: Sie ermöglichte kulturellen Austausch, schnellen Transport und umsatzstarken Handel. Entsprechend attraktiv war es, die Kontrolle über sie auszuüben. Anspruch darauf erhoben zunächst die dänischen Herrscher, die den Sund und damit die Zufahrt von der Nordsee zur Ostsee kontrollierten. Das brachte ihnen üppige Zolleinnahmen ein, die die Expansion nach Norwegen finanzierten. Dieser Reichtum rief natürlich Neider auf den Plan, und insbesondere der Nachbar Schweden erwies sich als überaus geschickt darin, den Dänen den Rang abzulaufen: 1614 war erstmals die Rede vom schwedischen Dominium maris baltici – der Ostseeherrschaft.
Dieser Aufstieg war auch deshalb möglich, weil südlich des Meeres die polnischen Adligen viel mehr an ihren eigenen Landbesitz dachten als an den Seehandel. Ihr Expansionsdrang führte sie nach Osten, gegen das Moskauer Zarenreich: Unter ihrem aus Schweden stammenden König Sigismund III. WasaSigismund III. Wasa, König von Polen ritten polnische Husaren 1610 in den Kreml [14]und konnten wenige Jahre später einen überaus vorteilhaften Frieden erzwingen.
Moskau wiederum wurde von allen Seiten bedrängt: Im Osten und Süden musste es sich der tatarischen Reitervölker erwehren, im Westen der Polen, und im Norden besetzte Schweden, zu dessen Territorium in jener Zeit auch das heutige Finnland gehörte, immer größere Teile des Baltikums und verweigerte den Zaren einen Zugang zum Meer. Von Stockholm aus wurden das heutige Estland und Lettland regiert, Karelien, Ingermanland und sämtliche Ostseeinseln, dazu Vorpommern sowie das an die Nordsee reichende Herzogtum Bremen-Verden. Die Zahl der Untertanen Schwedens blieb bescheiden, sie verteilten sich aber auf eine riesige Fläche. Gemeinsam mit Finnland hatte das Mutterland 1,4 Millionen Einwohner, nochmals 1,1 Millionen lebten auf der anderen Seite der Ostsee. Und während Stockholm 57 000 Bewohner zählte, waren lediglich noch Riga, Reval, Stralsund und Stettin von nennenswerter Größe, wenn auch nur jeweils mit 10 000–12 000 Menschen. Das war zwar nichts im Vergleich zu Metropolen wie London und Paris mit ihren Bevölkerungen von jeweils über einer halben Million, aber Schweden war nach seinen Eroberungen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) größer als etwa Brandenburg-Preußen mit 2 Millionen, Dänemark-Norwegen mit 1,5 Millionen oder Sachsen mit 1,2 Millionen Einwohnern.

Riga war weit hinter Stockholm und neben Reval, Stralsund und Stettin eine der größeren schwedischen Städte im Ostseeraum. Ansicht der Stadt Riga, Kupferstich, um 1700
Wie aggressiv und zudem erfolgreich Schweden militärisch agierte, bekam vor allem Polen-Litauen immer wieder zu spüren. Seine [15]Truppen verwüsteten das Land so stark, dass im Polnischen bis heute »Schwedenflut« ein geflügeltes Wort für eine Heimsuchung biblischen Ausmaßes ist. Weil in jenen Jahren in der Mitte des 17. Jahrhunderts außerdem die in der heutigen Ukraine beheimateten Kosaken mit Moskauer Hilfe gegen die polnische Dominanz rebellierten, erlebte Polen nach seinem Triumph 1610 ein Zeitalter voller Not und Elend.
Die Adelsrepublik verlor Ende des 17. Jahrhunderts ihren Status als Großmacht und entwickelte sich immer mehr zu einem kaum noch regierbaren, von inneren Auseinandersetzungen gebeutelten und von äußeren Feinden bedrängten Land. Dennoch deutete zunächst nichts darauf hin, dass einmal Russland und Preußen die dominierenden Akteure in Ostmitteleuropa sein würden. Erst die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat diese Vorherrschaft als erwartbar und gewissermaßen natürlich dargestellt. Aber diese Annahme geht von falschen Voraussetzungen aus: Keinesfalls handelte es sich dabei um einen zwangsläufigen Prozess, ganz im Gegenteil ist er höchst erklärungsbedürftig.
Der Niedergang von Polen-Litauen war nicht unabwendbar. Der Sejm, das Parlament der Adelsrepublik, hatte 1697 mit Friedrich AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen von Sachsen den Herrscher des wohlhabendsten deutschen Kurfürstentums als August II.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen zu seinem König gewählt. Der Dynastie der Wettiner war damit als erstem Haus innerhalb des Heiligen Römischen Reiches der Aufstieg zur Königskrone gelungen. Die Krönung schien ein konsequenter Schritt auf dem Weg zu einer glänzenden Zukunft, [16]denn selbst die vergleichsweise bescheidenen Machtmittel der Adelsrepublik stellten AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen weit höher als seine Berliner Rivalen. Dass Brandenburg-Preußen zum alles dominierenden Faktor der deutschen Geschichte werden würde, konnten sich die Zeitgenossen um 1700 nicht vorstellen.
Und tatsächlich war die Adelsrepublik Polen-Litauen, bei aller Schwäche, nicht rückständiger als ihre Nachbarn: Feudalismus und Leibeigenschaft gab es schließlich auch in Russland oder Preußen. Ähnliches galt für das polnische Militär, das vielleicht nicht den mitteleuropäischen Erwartungen an eine starke Infanterie entsprach, aber mit seinem Fokus auf die schwere Reiterei perfekt auf Auseinandersetzungen in den Weiten Osteuropas vorbereitet war. Zuletzt hatten sich diese Einheiten beim Sieg gegen die Türken vor Wien 1683 bewährt.
Vor der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert deutete außerdem nichts auf einen schwedischen Einflussverlust hin. Das Land war seit den drei Friedensverträgen 1660/61 mit Polen, Dänemark und Russland in eine Phase der Konsolidierung eingetreten und hatte lediglich 1675 in Fehrbellin eine militärisch unbedeutende, aber für Preußens Gloria hochsymbolische Schlacht verloren. Karl XI.Karl XI., König von Schweden setzte danach auf einen Modernisierungskurs und sicherte sich selbst absolutistische Vorrechte. Das ging einher mit einer massiven Steigerung der Einkünfte der Krone: Der Königshof zog insbesondere in den baltischen Provinzen Lehen ein, um so unmittelbaren Zugriff auf deren Einkünfte zu erhalten. Der Grundbesitz des Monarchen stieg in Livland von 1,25 Prozent auf über 80 Prozent. Das stieß auf massiven Protest der lokalen Adligen. Doch statt deren Anführer Johann von PatkulPatkul, Johann Reinhold von Zugeständnisse zu machen, klagte man ihn in Stockholm der Majestätsbeleidigung an.
Im schwedischen Kernland hingegen traf die neue Politik auf Zustimmung: Der Militärstaat hatte die Gesellschaft verändert. Es herrschte nicht mehr nur eine kleine Clique alteingesessener Adliger, die von den Einkünften ihrer Ländereien lebten, sondern es gab auch viele Männer, die für ihre Verdienste geadelt worden waren. Diese Offiziere und Beamten waren die großen Nutznießer der Neuordnung. Zugleich verminderte sich die Staatsschuld von über 40 auf 10 Millionen Taler, außerdem konnten Heer und Flotte ausgebaut werden.
Rzeczpospolita – die polnisch-litauische Adelsrepublik
Einer der ungewöhnlichsten Staaten der Frühen Neuzeit war die seit einem Unionsvertrag von 1569 bestehende polnisch-litauische Rzeczpospolita. Dieser Zusammenschluss war ganz wörtlich die »gemeinsame Sache« eines Adels, der beinahe zehn Prozent der Bevölkerung ausmachte. Er trat im Sejm, dem Parlament, zusammen, beschloss dort Gesetze und wählte den König. Latein als gemeinsame Amtssprache ermöglichte die Verständigung, aber die Vorrechte der Adligen erschwerten eine effiziente Verwaltung. Dazu gehörte insbesondere das liberum veto, das jedem Anwesenden ein Blockaderecht im Sejm ermöglichte, weshalb die erforderliche Einstimmigkeit oftmals mit vielen Zugeständnissen erkauft werden musste.
Dennoch erwies sich Polen-Litauen als erstaunlich handlungsfähig. Zeitweise erstreckte sich das beherrschte Gebiet von der Ostsee bis ans Schwarze Meer – es war der größte Flächenstaat Europas. Manche der hochadligen Magnaten herrschten über größere Territorien als die deutschen Fürsten. Weil ihre Besitzungen selten zusammenhingen, sondern sich über beide Reichsteile erstreckten – die jeweils ihre eigenen Verwaltungsstrukturen hatten, so dass sämtliche Ämter doppelt vorhanden waren – galt ihr Interesse aber einem Fortbestand der Republik. Außerdem boten Königswahlen, wie etwa die von Friedrich AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen von Sachsen, die Möglichkeit, durch Bestechungen an Posten zu gelangen.
Der Sohn Karls XI.Karl XII., König von Schweden, der als Karl XII.Karl XII., König von Schweden der bedeutendste Feldherr des Großen Nordischen Krieges werden sollte, übernahm bei seiner [17]Thronbesteigung 1697 ein finanziell gut aufgestelltes Reich mit einem wohlorganisierten und extrem schlagkräftigen Militär. Der zu diesem Zeitpunkt erst 15-jährige König hatte sich umfassend mit Strategie und Geschichte beschäftigt, aber seine Studien noch nicht abgeschlossen. Doch dafür war nun keine Zeit mehr. KarlKarl XII., König von Schweden nahm den Eid und die Huldigung der Stände entgegen und ließ sich am nächsten Tag in der Stockholmer Kathedrale krönen.
Angesichts der Jugend und vermeintlichen Unerfahrenheit Karls XII.Karl XII., König von Schweden nutzten rivalisierende Herrscher die Gelegenheit, um auf Kosten Schwedens zu expandieren. An anderen Fronten war Ruhe, denn die Osmanen hatten mit den Habsburgern Frieden geschlossen, sodass keine Truppenkontingente für den Schutz des Heiligen Römischen Reiches mehr benötigt wurden. Und der Spanische Erbfolgekrieg sollte in [18]Westeuropa erst ab 1701 wüten. Diese und andere Konflikte waren regionalisiert und voneinander getrennt – und alle Parteien stimmten darin überein, dies auch grundsätzlich weiter so halten zu wollen.
Unter diesen Vorzeichen verbündeten sich Sachsen, Russland und Dänemark Ende 1699 gegen Schweden. In Kopenhagen fürchtete man um die Kontrolle über den Öresund, denn Schweden hatte schon eine Befreiung von den ansonsten fälligen Zöllen erwirkt; außerdem stellte das im Süden des Landes gelegene Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf einen permanenten Streitpunkt mit Schweden dar. Formal ein Teil Dänemarks, strebte das Herzogtum nach mehr Autonomie und näherte sich Stockholm an, wozu auch die Heirat des Herzogs Friedrich IV.Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf mit KarlsKarl XII., König von Schweden älterer Schwester Hedvig SofiaHedvig Sofia, Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf beitrug. In Kopenhagen sah man die Stunde gekommen, diese Entwicklungen nicht nur aufzuhalten, sondern sogar umzukehren.
Wie Russland mit seinem Zugang zur Ostsee argumentierte der dänische König Friedrich IV.Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen (der nicht mit seinem Gegner, dem gleichnamigen Herzog aus Holstein-Gottorf, zu verwechseln ist) mit der Rückgewinnung verlorener Territorien, denn die ehemalige dänische Provinz Schonen im Süden des schwedischen Festlands gehörte in jener Zeit bereits zu Schweden. Der schwelende Nachbarschaftskonflikt war der wesentliche Grund, weshalb Kopenhagen fast die Hälfte seines Staatshaushalts für das Militär ausgab. Zar PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland handhabte das nicht grundsätzlich anders, aber die entscheidende Voraussetzung für seinen Kriegseintritt war ein Friedensschluss mit dem Osmanischen Reich, der 1699 glückte. Nun musste Moskau im Süden nicht mehr mit einem Angriff in der ukrainischen Steppe rechnen und hatte den Rücken frei für einen Konflikt im Norden.

Konkurrent um die Vorherrschaft im Ostseeraum: Friedrich IV., König von Dänemark (1671–1730)Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen. Kupferstich, um 1766
PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland hatte außerdem ein persönliches Anliegen: Immer wieder beschwor er als Ursache für sein Engagement eine Beleidigung bei einem Besuch im schwedischen Riga 1697: Der Zar war inkognito durch Europa gereist und wollte auf dem Rückweg die dortige Festung besichtigen und auch zeichnen. Diese durchaus ungewöhnliche Bitte lehnte der Rigaer Gouverneur ab – ihm war wohl bewusst, um wen es sich bei »Herrn Michailow« handelte, aber da der sich nicht offiziell als russischer Monarch vorgestellt hatte, musste er auch nicht mit Unterwürfigkeit behandelt werden. PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland beschwerte sich in Stockholm bei Karl XII.Karl XII., König von Schweden, doch der wollte in der verweigerten Inspektion nichts Verwerfliches erkennen [19]und lehnte eine Bestrafung des Gouverneurs ab. Noch 1709 benannte PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland dieses Verhalten als seinen Kriegsgrund.
Anfangs waren die territorialen Ziele Russlands bescheiden: Es ging zunächst darum, die einstigen Besitzungen rund um die Stadt Nowgorod zurückzugewinnen und einen Zugang zur Ostsee zu erhalten. Weitere Ambitionen, etwa in Polen oder Kurland, kamen erst im Verlauf des Krieges hinzu. Anders als bei den schwedischen Eroberungen im 17. Jahrhundert ging es Peter I.Peter I., Zar und Großfürst von Russland und Friedrich IV.Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen um Revanche und die Kompensation früherer territorialer Verluste – so wie Herrscher und Staaten zu allen Zeiten mit historischen Ansprüchen argumentierten. Letzten Endes kämpften die schwedischen Soldaten dafür, dass ihr Land seine Eroberungen behalten durfte. Sie riskierten ihr Leben für diejenigen, die vom Imperium bisher profitiert hatten, also insbesondere für Adlige, die in den neu erworbenen Gegenden reiche Latifundien zugeteilt bekommen hatten. Das war bei den Gegnern nur insofern anders, als dort für den zukünftigen Reichtum von Wenigen gefochten wurde.

[21]Als offen auf Eroberungen bedachter eigentlicher Kriegstreiber erwies sich August von SachsenAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen. Er hoffte, als König von Polen Gebiete in Livland und Einfluss in Kurland gewinnen zu können, weshalb er Anspruch auf diese einstmals polnisch-litauischen Territorien erhob. Der Plan war, diese mit polnischen Truppen einzunehmen und dann seiner Dynastie als Lehen und künftige Erblande zuzuschanzen. Zu diesem Zweck tat er sich mit Johann von PatkulPatkul, Johann Reinhold von zusammen, der aus Stockholm nach Dresden fliehen konnte und AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen großzügig – und in vollkommener Verkennung der Realitäten – der Unterstützung des livländischen Adels versicherte. Bei einem Angriff auf Schweden stellte er sogar einen Aufstand in Aussicht.
AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen war voller Zuversicht und glaubte an einen leichten Sieg gegen Schweden. Mit PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland hatte er sich im Sommer 1698 erstmals getroffen und ein Bündnis diskutiert, das ein Jahr später in den Vertrag von Preobraschenskoje mündete. PatkulPatkul, Johann Reinhold von, der auf Rache für die Behandlung durch KarlKarl XII., König von Schweden sann, firmierte dabei als sächsischer Gesandter. Er hatte bereits zuvor Friedrich von DänemarkFriedrich IV., König von Dänemark und Norwegen besucht, mit dem in Dresden ein Bündnisvertrag unterzeichnet worden war. Die Nordische Allianz war geboren. Sachsen stand im Zentrum, und um Schweden über die Kriegsvorbereitungen zu täuschen, schloss man zeitgleich sogar ein Defensivbündnis mit Stockholm ab.
AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen war weder an einem langen Krieg interessiert noch dazu überhaupt in der Lage. Die sächsischen Truppen hatten zwar in den Kriegen gegen die Osmanen und – unter kaiserlicher Führung – gegen die Franzosen einige Erfahrung gesammelt, aber eben nur als Teile eines größeren Heeres. Sie jetzt in womöglich verlustreiche Schlachten zu schicken, entsprach nicht dem Kalkül eines rational denkenden Fürsten, der seine kostspieligen Soldaten schonen wollte. Das galt insbesondere, weil AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen sich Haushaltsmittel nach wie vor von den sächsischen Ständen genehmigen lassen musste; diese aber sahen keinen Vorteil für sich in einem Krieg, der um Gebiete in vielen hundert Kilometern Entfernung geführt wurde.
Auf größere Sympathien in Polen konnte AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen aus denselben Gründen nicht zählen. Außenpolitik war das Vorrecht des Monarchen, aber wenn sie ausschließlich seinen Interessen diente, wollte der Adel nicht mitziehen. Und da er die Reiterei stellte, die den ganz überwiegenden Teil der Armee ausmachte, war unklar, inwieweit AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen darauf [22]zurückgreifen konnte. Er hatte zwar in Polen-Litauen erste Versuche unternommen, eine Infanterie als stehende Truppe auszuheben, aber es gab noch keine substanziellen Resultate. Aus diesem Grund schloss lediglich Sachsen die Bündnisse mit Dänemark und Russland – es handelte der Kurfürst Friedrich August I.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen, nicht der König August II.August, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen Polen-Litauen diente als Aufmarschgebiet, blieb dem Krieg aber vorerst fern.
[23]3 Die Armeen der kriegführenden Mächte

Belagerung der Festung Tönning im Herzogtum Holstein-Gottorf durch dänische Truppen im März 1700. Aus einem Atlas zum »Großen Nordkrieg«, um 1735
Der Kriegsauftakt schlug aus Sicht der verbündeten Angreifer gehörig fehl. Dänemark hatte am 11. März 1700 annähernd 14 000 Mann gegen das Herzogtum Holstein-Gottorf vorrücken lassen. Mit dem Überraschungseffekt auf seiner Seite schien zunächst alles gut zu laufen. Aber Schweden schickte Verstärkung für die belagerten Truppen in der Festung Tönning aus dem Süden, aus Verden und Vorpommern, während zugleich in Karlskrona, 250 Kilometer östlich von Kopenhagen, die Flotte auf das Auslaufen vorbereitet und personell verstärkt wurde.
König Friedrich IV.Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen hatte den Großteil seiner Soldaten auf den Feldzug gegen seinen herzoglichen Nachbarn entsandt und lediglich 5000 Mann in der Hauptstadt zurückbehalten. Der Schutz Kopenhagens oblag hauptsächlich 33 Linienschiffen – den größten Seglern jener Zeit mit Dutzenden Kanonen, die in einer Schlacht in Linie hintereinander fuhren, um Breitseiten abzufeuern. Sie sollten Schwedens Überquerung des Öresunds verhindern, denn dessen Territorium war kaum mehr als zehn Kilometer von Kopenhagen entfernt. Genau jene Landungsoperation aber plante Karl XII.Karl XII., König von Schweden Er versicherte sich dafür auch der Unterstützung der Engländer und Niederländer, die Dänemark nicht die [24]vollständige Kontrolle über den Öresund zugestehen wollten – weil das Zölle auf ihren Ostseehandel bedeutet hätte. Sie schickten Schweden, das über 42 Linienschiffe verfügte, daher weitere 25, die KarlKarl XII., König von Schweden bereits im Juli für seine Landung in Seeland nutzte. Wie schon das Heer in Tönning wich auch die dänische Flotte einem Gefecht mit dem überlegenen Feind aus, sodass Schweden kurz darauf Kopenhagen mit rund 14 000 Soldaten einschloss und zu belagern begann. Friedrich IV.Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen sah keinen anderen Ausweg, als um Frieden zu ersuchen. Immerhin pochten England und Niederlande nun auf den status quo ante, weshalb ihm weitere Demütigungen erspart blieben.
Die schwedische Armee
Bevor Russland überhaupt die ersten Soldaten ins Feld geführt hatte, war Dänemark als Bündnispartner schon aus dem Krieg ausgeschieden. Karl XII.Karl XII., König von Schweden hatte energisch gehandelt und sowohl die Einsatzbereitschaft als auch die Fähigkeiten seiner Armee eindrucksvoll gezeigt. Immer wieder sollte er in den kommenden Jahren beweisen, dass die Ostsee für ihn kein Hindernis darstellte, sondern ganz im Gegenteil schnelle Truppenverlegungen ermöglichte. Diese Mobilität war auch deshalb vonnöten, weil die schwedische Armee mit insgesamt gut 61 000 Mann gar nicht so groß war. Das hatte sie schon im 17. Jahrhundert daran gehindert, in Polen größere Gebiete zu besetzen. Im Großen Nordischen Krieg bedeutete es letztendlich, dass KarlKarl XII., König von Schweden zwar in der Lage war, jedem Gegner einzeln gegenüberzutreten: AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen kommandierte 26 000 Sachsen und bis zu 24 000 Polen; Russland hatte anfangs im Westen etwa 30 000 Soldaten, Dänemark oder Brandenburg je etwas über 20 000 Mann. Aber Schweden konnte die gegnerischen Armeen nicht gleichzeitig, sondern höchstens nacheinander schlagen. Folglich stellte nicht die geografische Ausdehnung seines Reiches KarlsKarl XII., König von Schweden eigentliches Problem dar, sondern die Vielzahl seiner Feinde.

Ein Großteil der schwedischen Truppe wurde durch Konskription rekrutiert, das heißt von den einzelnen Landesteilen gestellt; bezahlte Söldner waren in der Unterzahl. Schwedischer Artillerist, Grenadier und Dragoner, um 1700. Farblithographie von Richard Knötel, Ende des 19. Jahrhunderts
Bedeutsamer als die Truppenstärke aber waren allemal deren Schlagkraft und Einsatzfähigkeit. Das hatte Schweden in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr als einmal bewiesen, doch die Zeitgenossen schätzten die Armee trotzdem nicht: Die europäischen Fürstenhäuser setzten auf Berufssoldaten und Söldner, aber gerade die konnte sich das [25]vergleichsweise arme Agrarland Schweden – ähnlich wie Russland – nur in sehr begrenztem Maße leisten. Lediglich 12 000 Söldner dienten in KarlsKarl XII., König von Schweden Heer, meist als Besatzung der Festungen im Baltikum und in [26]Pommern. Der Großteil seiner Truppe wurde durch Konskription rekrutiert. Die Schweden sprachen vom Einteilungswerk (indelningsverket) und meinten damit ein System, das die Regionen des Landes zur Stellung von je einem Regiment von etwa tausend Mann verpflichtete.

Karl XI.Karl XI., König von Schweden (1655–1697) reformierte die Organisation des schwedischen Militärsystems. Gemälde von David Klöcker Ehrenstrahl, 1676
Diese Organisation ging wesentlich auf Karl XI.Karl XI., König von Schweden zurück, der damit die Kosten für die Staatskasse gering halten wollte: Die Entlohnung der Soldaten oblag den Provinzen, die sich wiederum in Roten gliederten – je zwei oder drei Güter mussten einen Mann versorgen, ihm ein bescheidenes Haus und Land für den Ackerbau zur Verfügung stellen; sie waren [27]auch für Ersatz verantwortlich, falls der Rekrut fiel oder als Invalide zurückkehrte. Diese Art Garnisonsdienst war für die Monarchie also äußerst billig. Mit einem durchaus modernen Ansatz erlaubte man außerdem die Heirat der Soldaten. Das sollte ihre Moral heben, sie an Heimat und Familie binden und im Verbund mit den Kameraden aus der Umgebung der Desertion vorbeugen, die in den meisten Armeen der Zeit ein großes Problem war. In Verbindung mit der konfessionellen Homogenität und dem gelebten protestantischen Glauben erzeugte dieses System einen Zusammenhalt in der Truppe, der seinesgleichen suchte.
Tatsächlich trug das Einteilungswerk sogar zum gesellschaftlichen Frieden bei. Einerseits gefiel es den Adligen, denn ihr Besitz war davon ausgenommen, Soldaten zu stellen; die Kavallerie wurde lediglich auf den Krongütern rekrutiert, und die Einziehung und Verstaatlichung zahlreicher Lehen machte diese Waffengattung ziemlich schlagkräftig. Andererseits waren auch die Bauern nicht unzufrieden, denn sie durften Ersatzleute stellen und sich so vom Kriegsdienst freikaufen. Dienen mussten also vor allem Ärmere, aber sie erhielten so nicht nur ein Auskommen für sich und ihre Familie, sondern hatten überdies Teil am sozialen Prestige des Militärs. Die Bevölkerung gerade des hohen Nordens und des finnischen Reichsteils, dessen Landwirtschaft wenig ertragreich war, profitierte daher vom Einteilungswerk.
Schweden konnte auf diese Weise sechs Kavallerie- und 16 Infanterieregimenter für den Feldzug gegen Sachsen und Russland mobilisieren, Finnland zusätzlich drei der Kavallerie und acht der Infanterie. Ein Regiment bestand aus je zwei Bataillonen mit vier Kompanien von jeweils etwa 125 Mann, also zusammen 1000. Außerdem verfügte Karl XII.Karl XII., König von Schweden über ein Garderegiment, dessen drei Bataillone jeweils sechs statt vier Kompanien umfassten. Die restliche Armee war vor allem in Festungen stationiert. Bei der Invasion Dänemarks hatte sich dies als höchst effizientes System erwiesen, das eine schnelle Reaktion auf äußere Bedrohungen erlaubte. Es war für die Verteidigung und die kurzfristige Abwehr von Angreifern gedacht, nicht aber für ausgedehnte Feldzüge – im Unterschied zu den stehenden Heeren anderer europäischer Fürsten, deren Unterhalt stets anfiel und die deshalb sehr wohl dafür eingesetzt werden konnten und auch wurden.
Der über zwanzig Jahre dauernde Große Nordische Krieg deckte aber auch Schwächen der schwedischen Rekrutierungspraxis auf. Durch [28]Konskriptionsraten von zehn Prozent blutete das Land regelrecht aus, zumal immer neue Einberufungen stattfanden, um die stetig steigenden Verluste auszugleichen. Der Sollbestand des Heeres erhöhte sich zeitweise auf bis zu 115 000 Mann, was fünf Prozent der Bevölkerung entsprach. Es ist kaum überraschend, dass die Staatskasse nicht in der Lage war, so viele Menschen über einen längeren Zeitraum zu besolden – das Einteilungswerk war geschaffen worden, um einem territorial gesättigten, nicht expandierenden Staat in Friedenszeiten ein großes Heer mit niedrigen Ausgaben zu ermöglichen. Wenn sie zum Einsatz kam, musste die Truppe ganz wesentlich aus den Einkünften der besetzten Territorien bezahlt werden. Karl XII.Karl XII., König von Schweden forderte deshalb nachdrücklich Kontributionen ein und ließ im Staatsauftrag plündern.
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt unterschied das schwedische Militär von dem seiner Gegner: Es war für Schlachten ausgelegt, die der Gegenseite maximalen Schaden zufügten, um so ein schnelles Ende des Krieges zu erzwingen. Im Optimalfall, so wie in Dänemark, reichte die Androhung des Gewaltpotenzials bereits aus. Andernfalls setzten KarlKarl XII., König von Schweden und seine Offiziere die Männer ohne Rücksicht auf eigene Verluste ein: Gefallene mussten nicht auf Kosten der schwedischen Staatskasse ersetzt werden, sondern von den Regionen und Gutsbesitzern. In Verbindung mit der hohen Moral und dem Zusammenhalt der Soldaten lag in dieser Radikalität eine entscheidende Ursache für die schwedischen Erfolge in der ersten Hälfte des Großen Nordischen Krieges.
Der aggressiven strategischen Ausrichtung, der auch die vielen Kavallerieregimenter dienten, entsprach die Bewaffnung der Soldaten. Sie unterschied sich in wesentlichen Dingen von der anderer europäischer Armeen: Jeder Infanterist führte ein Schwert mit sich, das er im Angriff nutzte. Es war den ansonsten üblichen Musketen mit ihren Bajonetten im Nahkampf überlegen und passte hervorragend zu einer Taktik, die Verluste in Kauf nahm, um entscheidende Siege erringen zu können: Anstatt auf Feuergefechte setzten KarlKarl XII., König von Schweden und seine Generale auf das direkte Aufeinandertreffen der Soldaten.

Die Blankwaffe spielte im Kampf eine herausragende Rolle. Kolorierte Kreidelithographie mit dem Titel Karl XII. Karl XII., König von Schwedenvon Schweden stürmt die dänische Küste, 1832
Ganz ähnlich sah es bei der Kavallerie aus. In Europa war der letzte taktische Schrei im Kampf mit anderen berittenen Einheiten das Karakolieren – die Männer stürmten mit ihren Pferden auf die gegnerischen Reiter zu, feuerten aus kurzer Entfernung ihre Pistolen und drehten dann ab. Wurde das Manöver von gut ausgebildeten Kavalleristen [30]ausgeführt, bot sich ein eindrucksvolles Schauspiel, das aber vergleichsweise wenig durchschlagkräftig war, schlicht weil die damaligen Pistolen selbst aus geringer Distanz – zumal wenn vom Pferderücken aus geschossen wurde – wenig Schaden anrichteten. KarlKarl XII., König von Schweden verringerte während des Krieges die Zahl seiner derart ausgestatteten Kürassiere deutlich. Stattdessen bevorzugte er Dragoner, die anstelle von Pistolen Musketen mit sich führten; zum Schießen mussten sie allerdings absitzen, sodass sie eher als eine Art berittene Infanterie dienten. Außerdem verzichteten die Schweden auf das Karakolieren und setzten auf den Angriff mit der Blankwaffe, der auf beiden Seiten zu deutlich höheren Verlusten führte.
Zu diesem Vorgehen passte der weitgehende Verzicht auf Artillerie. Die damaligen Kanonen mit relativ geringer Reichweite bei hohem Gewicht waren für den schnellen Vormarsch auf einem Schlachtfeld nicht geeignet und wurden von KarlKarl XII., König von Schweden daher kaum eingesetzt. Deshalb warb er Kanoniere als Söldner an und nutzte schwere Geschütze hauptsächlich bei Belagerungen. Dieser waffentechnische Pragmatismus setzte sich bei der Infanterie fort: In den Kompanien trug üblicherweise ein Drittel der Männer Piken – weniger für den Nahkampf als zur Abwehr von Kavallerieangriffen. Zum Austausch vieler veralteter Luntenschlossmusketen kam es erst im Laufe des Krieges, als mit diesen bereits eindrucksvolle Siege eingefahren worden waren. Pikanterweise ließ KarlKarl XII., König von Schweden 1703 auf der Leipziger Messe moderne Steinschlossmusketen im sächsischen Suhl ordern – sehr zum Ärger AugustsAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen, dessen eigene Aufträge von seinen geschäftstüchtigen Untertanen einfach zurückgestellt wurden; freilich ließ er immer wieder Lieferungen für seinen Kriegsgegner beschlagnahmen.
Nicht zuletzt verweigerten sich die Schweden den mitteleuropäischen Konventionen hinsichtlich ihrer Uniformen, die so gar nicht der Barockmode entsprachen. Aber die blauen Wollmäntel mit gelbem Futter und Kupferknöpfen waren nicht nur kostengünstig und wenig prunkvoll, sondern vor allem warm und im Norden dementsprechend nützlich – genau wie die Zipfelmützen, die meist anstelle schicker Dreispitze auf den Köpfen saßen.
All dies entsprang weniger der Ablehnung der aktuellen Konventionen als vielmehr der nüchternen Einsicht in die eigenen Stärken und Schwächen. Und die Schweden nahmen die jüngsten militärischen [31]Entwicklungen auf dem Kontinent durchaus wahr: Zwar erfreute sich das Land seit 1679 weitgehend friedlicher Zeiten, aber gerade deshalb waren die Offiziere gezwungen, ihr Geld im Ausland zu verdienen und dort Erfahrungen zu sammeln. Der spätere Feldmarschall Carl Gustav RehnskiöldRehnskiöld, Carl Gustav (1651-1722) etwa diente in der niederländischen Armee – und kehrte wie viele seiner Kollegen bei Kriegsbeginn 1700 in die Heimat zurück: Wie die Soldaten selbst war auch das schwedische Offizierskorps loyal und homogen.
Die Armeen von Sachsen und Polen
Sachsen hatte den Großen Nordischen Krieg am 12. Februar 1700 eröffnet, als eine Armee von 14 000 Mann unter General Jacob von FlemmingFlemming, Jacob Heinrich Reichsgraf von von Polen aus nach Livland einmarschierte, die Stadt Dünamünde eroberte und in Augustusburg umbenannte, woraufhin sie mit der Belagerung von Riga begann. Der König traf im Juni mit weiterer Verstärkung persönlich ein, überließ die eigentliche Kriegführung aber seinen Untergebenen. Zwar hatte er vor seiner Inthronisation in den Türkenkriegen 1695 selbst kaiserliche Truppen in Ungarn kommandiert, doch dabei keine entscheidenden Erfolge erzielen können. Als Kurfürst und König übernahm er nur gelegentlich den Befehl über einzelne Einheiten, sah sich selbst aber viel eher als Regent denn als Feldherr.
Ein Interesse am Militär, das sein wichtigstes außenpolitisches Instrument darstellte, hatte AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen gleichwohl. Er war Innovationen oder Reformen gegenüber aufgeschlossen und scheute für seine Soldaten keine Kosten. Das diente nebenbei der Repräsentation und entsprach ganz dem Stil dieses barocken Herrschers: Nachdem die Bekleidung der einzelnen Regimenter bis 1696 den jeweiligen Kommandeuren überlassen gewesen war, führte AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen einheitliche, prächtige Uniformen ein, nicht zuletzt als Ausdruck der wirtschaftlichen Stärke seines Kurfürstentums, denn das Einfärben der Stoffe verschlang viel Geld.

AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen führte einheitliche, prächtige Uniformen ein – nicht zuletzt ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Sächsische Truppen aus der Zeit des Großen Nordischen Krieges
Ebenfalls in diesem Jahr – früher als in Schweden – begann die Umstellung von Lunten- auf Steinschlossmusketen, die in Suhl gefertigt wurden. Bis 1711 lieferten die dortigen Werkstätten über 80 000 Gewehre und 6000 Pistolen, die allerdings teilweise nach Polen weitergereicht wurden. Die Waffen zeichneten sich anders als heutige Fabrikate [32]durch ihr großes Kaliber von bis zu 18,8 Millimeter aus und töteten weniger durch die Geschwindigkeit ihrer Geschosse als vielmehr durch deren schiere Masse. Die Patronen waren aus Papier gefertigt, in dem das eigentliche Geschoss – jeder Infanterist führte, wie bei den Schweden, zwischen 24 und 36 Schuss mit sich – und das Pulver enthalten waren. [33]Die Soldaten setzten die Munition nach Bedarf selbst im Feld zusammen und erreichten dabei eine erstaunliche Produktivität: Allein im Juli 1702, kurz vor der Schlacht bei Kliszów, stellten sie fast 300 000 Patronen her. Damit war es jedoch nicht getan, denn vor dem Schuss mussten die Männer auf die Gewehrpfannen nochmals extra Pulver geben, das sie in kleinen Fläschchen mit sich führten.
Das sächsische Heer bestand aus klassischen Berufssoldaten, die größtenteils mit den althergebrachten Mitteln angeworben oder befreundeten Fürsten abgekauft wurden – üblicherweise ganze Regimenter, wobei der Preis je nach Mannschaftsstärke und Ausrüstung unterschiedlich ausfiel; diese Einheiten mussten dann für mehrere Jahre für Sachsen kämpfen. AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen hatte außerdem einige Söldner in seinen Diensten, die insbesondere aus der Schweiz und aus Frankreich stammten. Ihnen gestand man ihre eigenen Gebräuche und Gerichtsbarkeit zu, sie waren also nicht vollständig in das Heer integriert. Ein kleinerer Teil der Armee, die im Jahr 1700 insgesamt 26 500 Mann zählte, war im Kurfürstentum rekrutiert worden, aber dazu benötigte AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen die Zustimmung der Stände, die oft Widerstand leisteten: Ganz generell fiel es im prosperierenden Sachsen schwer, auf menschliche Arbeitskräfte zu verzichten. Doch wegen des ungünstig verlaufenden Krieges musste immer wieder auf diese unpopuläre Maßnahme zurückgegriffen werden, um die steigenden Verluste zumindest annähernd auszugleichen. Bis 1711 wurden so schätzungsweise 16 000 Mann neu in die Armee eingezogen. Der Anteil der Untertanen in der sächsischen Armee wuchs auf etwa 90 Prozent, damit blieb Sachsen kaum hinter Schweden zurück.
AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen setzte bei der Auswahl seiner Soldaten genauso auf westeuropäische Standards wie bei deren Bewaffnung. Den Zeitgenossen galt sein Heer als das modernste im Großen Nordischen Krieg, dank seiner vollständigen Ausrüstung mit Schusswaffen, seinen fortschrittlichen technischen Truppen, seiner starken Artillerie und dazu den Offizieren, die viel Erfahrung aus anderen Ländern und Konflikten mitbrachten. Aber Sachsen hatte bislang hauptsächlich als Juniorpartner Truppenkontingente für die Großmächte gestellt. Ein Krieg auf eigene Rechnung gegen einen starken Gegner war eine neue Herausforderung, der sich das Kurfürstentum kaum gewachsen zeigte – zumal es nach dem Ausscheiden Dänemarks aus der Allianz einige Jahre lang im Grunde genommen den Schweden allein gegenüberstand.
[34]Erste Schwierigkeiten zeigten sich bereits unmittelbar beim Aufmarsch in Livland: Für den Transport der Geschütze gab es nicht genügend Pferde und Kutscher. Ganz ähnlich war es um die Logistik bestellt: Der Nachschub existierte zwar, konnte aber nicht zur Truppe geschickt werden. Jedes Mal, wenn wieder ein Feldzug anstand, mussten Helfer umständlich angeworben und Tiere erst beschafft werden, was nicht nur administrativen Aufwand bedeutete, sondern auch einige Verzögerungen mit sich brachte. Wenig planvoll war außerdem die Kommandostruktur der Artillerie, denn diese hatte man nicht in Batterien zusammengefasst oder Infanterieregimentern zugeordnet, sondern die einzelnen Geschütze den jeweiligen Stückführern überlassen.
Als wenig hilfreich erwies sich zudem die sächsische Kavallerie, die fast die Hälfte der Armee stellte. Sie gab sich elitär und trumpfte mit ihrer guten Ausbildung auf, konnte sich aber de facto gegen Schweden kaum durchsetzen. Das erwähnte Karakolieren, der Angriff ausschließlich mit Pistolen, beeindruckte die schwedische Reiterei nicht – sie drang mit dem Säbel auf die Sachsen ein und zwang sie zum Rückzug. 1709 gab AugustAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen daher diese Taktik auf und instruierte seine Männer, nur noch die Blankwaffe zu nutzen. Doch dass Karl XII.Karl XII., König von Schweden kein Interesse daran zeigte, einen ressourcenschonenden Kabinettskrieg zentraleuropäischer Fürsten zu führen, bedeutete nicht zwangsläufig, dass die sächsischen Kürassiere nutzlos waren. Ganz im Gegenteil erwies sich ihre Mobilität in den Weiten Polens als großer Vorteil in den Jahren bis zum Frieden von Altranstädt 1706, gerade weil sie einer Konfrontation mit Schweden ausweichen konnten. Das entsprach dann doch wieder dem strategischen Kalkül AugustsAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen, die Armee als Drohpotenzial statt in verlustreichen Entscheidungsschlachten einzusetzen.
Im Nachhinein ist es leicht, AugustsAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen Idee eines Feldzugs gegen Schweden als absurd abzutun. Gemeinsam mit seinen beiden Verbündeten hatte er aus damaliger Sicht aber gute Chancen auf einen Sieg, und das schonungslose Vorgehen KarlsKarl XII., König von Schweden war nicht zu erwarten gewesen. Der Kriegsverlauf zeigt jedoch, wie viel besser der König aus Stockholm die Schwächen und Stärken der unterschiedlichen Armeen einschätzte und auszunutzen verstand. Sachsen wusste zwar gut Bescheid über die Größe des schwedischen Heeres – tatsächlich überschätzte man diese in Dresden sogar – und hatte sich gerade vor diesem Hintergrund Bündnispartner gesucht. Doch zu seinen materiellen und organisatorischen [35]Defiziten traten personelle: AugustsAugust, Kurfürst von Sachsen, als August II. König von Polen Auswahl seiner Generale, denen er das Kommando überließ, war wenig überzeugend. Matthias Johann von der SchulenburgSchulenburg, Matthias Johann Graf von der etwa hatte, bevor er 1702 in sächsische Dienste trat, für Braunschweig und Savoyen am Rhein und gegen die aufständischen Waldenser gekämpft, konnte sich jedoch auf das aggressive schwedische Vorgehen nur schwer einstellen. Das sächsische Offizierskorps hatte schlicht den falschen Erfahrungshintergrund für eine Auseinandersetzung, die sich so sehr von den auch räumlich begrenzten Kriegen Westeuropas unterschied.

Matthias Johann von der SchulenburgSchulenburg, Matthias Johann Graf von der (1661–1747)
[36]Aus Polen hätten geeignete Experten kommen können. Das Land war militärtheoretisch auf der Höhe, man rezipierte die entsprechenden Publikationen aus dem Westen, außerdem ermöglichten ausländische Kommandeure einen praktischen Wissenstransfer. Allerdings gewährte der Adel, der um seine Privilegien fürchtete und die Kontrolle über die Armee nicht aus den Händen geben wollte, ihnen nur begrenzten Spielraum. Zudem dienten die wenigsten Adligen wirklich lange in der Armee, viel Wissen ging deshalb wieder verloren – es gab eher kompetente Reservisten als professionelle Berufsmilitärs, die einen Wandel hätten anleiten können.

Zar PeterPeter I., Zar und Großfürst von Russland hatte seine Armee durchgreifend modernisiert, etwa mit einer Integration der Artillerie in den Heeresverbund, die ihresgleichen suchte. Die Flotte hatte eher unterstützenden Charakter. Sturm russischer Truppen auf die Festung Nöteburg am 11. Oktober 1702. Gemälde, 1846
In Polen blieb der Wehrdienst auf den Adel, die Szlachta, beschränkt; im Kriegsfalle wurden diese Männer samt ihren Pferden einberufen. Sie [37]blieben unter sich und verteidigten ihr Ideal der Gleichheit untereinander. Dementsprechend legten sie Wert auf eine einvernehmliche Führung auch in Konflikten und diskutierten Entscheidungen in lokalen Zusammenschlüssen. Ihr Dienst war auf höchstens 12 Monate am Stück beschränkt, und selbstverständlich kehrten die Adligen, von denen viele nur über geringen Besitz verfügten, auf ihre Ländereien zurück, falls die Entlohnung ausblieb.
Doch bei allen Beschränkungen, die der Adel im Sejm seinem König auch ansonsten auferlegte, verhinderte er Reformen nicht grundsätzlich: Er erlaubte neben einer königlichen Infanterietruppe die Formierung weiterer Einheiten, die größere Gutsbesitzer – auch die Kirche – sowie die Städte stellen mussten. Deren Zahl blieb indes gering. Noch [38]in den 1690er Jahren stammten lediglich fünf Prozent der polnischen Infanterie tatsächlich aus Polen, die Mehrzahl waren angeworbene Söldner. Von den insgesamt etwa 26 000 Mann des Heeres, die im Kriegsfall bereitstanden, waren rund zwei Drittel schwere Kavallerie, die immerhin gut für die Weiten des Ostens geeignet war.
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