Kitabı oku: «Auswirkungen des Spendensystems der DDR auf das Spendenverhalten in Ostdeutschland heute -», sayfa 2
Priller verweist auf die Gründung privater Vereinigungen nach dem Krieg, die erst im Laufe der 1950er Jahre zu staatlichen Einrichtungen wurden. In den 1950er und 60er Jahren entstanden 90 Massenorganisationen43, die in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen aktiv waren. Mit den Mitgliedsbeiträgen wurden auch Spenden für Not- und Katastrophensituationen44 eingesammelt (Priller 2018: 64 f). Üblich war der Verkauf von Spendenmarken45, welche in den entsprechenden Mitgliedsausweis56 geklebt wurden.
Abbildung 3: Ausweise

Nachweis über Beitrags- und Solizahlung beim FDGB 1969 – 1972

FDGB-Ausweis 1978

FDGB-Ausweis 1989

FDGB-Ausweis 1978 Sonder- und Solidaritätsmarken
Den „besseren“ Umständen in den 1960er Jahren folgend, spielte die Bedeutung der internationalen Solidarität46 eine starke Rolle. Priller verweist neben den Sammlungen der Massenorganisationen auch auf die Aktivitäten der Kirchen und auf private Aktivitäten durch Gruppen außerhalb des staatlichen Systems für die internationale Solidarität aber auch für Umweltaktivitäten in der DDR. Hier wiederum wurden kirchliche Stellen (Vgl. Knabe (et al. 1988: 553 ff) eingebunden oder Kooperationen mit dem Solidaritätskomitee angestrebt. Er verweist daher explizit darauf, dass bei Spenden für Naturkatastrophen, Epidemien und Kriege die Freiwilligkeit hervorzuheben ist und diese nicht nur unter Zwang und Druck eingeworben wurden. Das Spendenwesen hatte in der DDR einen hohen Stellenwert, so Priller (2018: 60 ff). Charakteristisch nennt er die kleinen Beträge vieler47, die zu nennenswerten Summen anwuchsen. Der sich zum Teil daraus entwickelnde Wettbewerb spielte zusätzliche Gelder ein, die Löhne, der beispielsweise in Betrieben durchgeführten Sonderschichten, wurden kollektiv gespendet (ebd.).
Olejniczak beschreibt die Entwicklung der unabhängigen, oppositionellen Solidaritätsbewegung, welche erst mit der Wendezeit wahrnehmbar wurde,48 wie folgt. Diese Initiativen engagierten sich für Themen, wie Ökologie, Abrüstung und die „Dritte-Welt“49 und vereinten Marxisten, Anarchisten, Christen, Liberal-Konservative und reformierte Sozialisten. Ursache für ihre Gründung war die Kritik an der staatlichen Entwicklungs- und offiziellen Solidaritätspolitik. Die Organisationsformen wurden durch das politische System der DDR bestimmt (ebd. 1999: 195 f). Diese Gruppen stellen eine politische Massenbasis vor einem sozialen Hintergrund dar. Sie widmen sich Handlungsfeldern, die die Akteure des SED-Regimes nicht beachteten. Dennoch hatten diese Gruppen nur informellen Charakter und konnten kaum lokalpolitische Grenzen überwinden (Bruckmeier 1993). Letz hebt hervor, dass, die sich von der SED distanzierenden Solidaritätsgruppen, sehr deutlich für die Entwicklungshilfe der Dritten Welt einsetzten, deutlicher als jene im Westen (1994: 50 ff). Weiter schreibt er: „Abgelehnt wurde die Reduzierung der Solidarität auf die Traditionen und Inhalte der kommunistisch geprägten Arbeiterbewegung und ihre strikte Bindung an SED und Staat.“ Die Unterordnung des Solidaritätsgedanken unter die Außenpolitik50 grenzte alle aus, die die zentralistische Auffassung nicht teilten. Zudem kritisiert er, dass die Offiziellen der DDR die eigene Gesellschaft nicht in ihren Solidaritätsgedanken aufnahmen. Der „Eiserne Vorhang“ und die offizielle Solidaritätsarbeit erschwerten die Bemühungen der oppositionellen Bewegungen erheblich, trotz, dass sie unter dem Dach der Kirche agierten.51 Konsequenzen blieben nicht aus. Die Stagnation der Arbeit empfanden nicht nur die Akteure entmutigend, sondern erschwerten auch die Mobilisierung neuer Unterstützer52 (ebd.).
Knabe, einer der ersten bundesdeutschen Autoren, der sich mit Sozialen Bewegungen53 der DDR auseinandersetzte, kritisiert die schlechte Forschungslage. Es war nicht so, wie bei westdeutschen Forschungsarbeiten, dass auf Forschungen und Publikationen zurückgegriffen werden konnte (Knabe 1988: 553 ff). Er erläutert, dass die Bewegungen in Ost und West nahezu gleichzeitig entstanden und jeweilige Entsprechungen hatten, der Begriff der „Sozialen Bewegung“ jedoch in der DDR nicht üblich war54. Jenes gesellschaftliche Engagement wollten Kirchenvertreter als „kirchliche Friedensarbeit“ oder „Verantwortung für die Schöpfung“ verstanden wissen (ebd.). Nach Knabe bilden sich drei wesentliche Bewegungen. (Vgl. hierzu auch Bruckmeier (1993).
Die Friedensbewegungen entstehen in vielen Universitätsstädten sowie in ländlichen Gemeinden als Friedensinitiativen, im Wesentlichen als Teil innerhalb der evangelischen Kirche. Außerhalb der Kirche wurden diese Strömungen von staatlicher Seite unterbunden, was zur Folge hatte, dass diese Sozialen Bewegungen auch immer mit religiösen Vorstellungen verbunden waren und es somit auch zu kirchlich-institutionellem Interesse kam (Knabe 1988: 554 ff).55
Mitte der 1970er Jahre entstand auch, wiederum durch die Kirche flankiert, eine „Dritte-Welt- Bewegung“56. Hierzu zählen unter anderem Brot für die Welt (Siehe: 2.3.2.2.), die Leipziger Mission und weiterhin die Chile-, Nicaragua- und Südafrika-Solidarität im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Unter dem Kürzel „INKOTA“57 agieren seit Anfang der 1970er Jahre die Gruppierungen, welche sich den Themen wie Wohlstandskritik und Konsumverzicht aber auch Hunger, Frieden und Umwelt widmen (Knabe 1988: 555 ff). Zu ihren Aktivitäten zählen kirchliche Öffentlichkeitsarbeit, Sammelaktionen und Solidaritätskampagnen sowie überregionale Treffen, wie „Konkret für den Frieden“ oder „Friedenswerkstatt“ in Ostberlin (ebd.).
Massive Umweltschäden, wie hohe Luft- und Wasserverschmutzung, Chemikalienbelastung, Waldsterben und wilde Mülldeponien, waren Auslöser für die Entstehung von Ökologiebewegungen (Langsdorf/Hofmann 2014). Sie entstanden Anfang der 1980er Jahre inhaltlich vergleichbar mit westdeutschen Umweltgruppen. Gemeinschaftsaktionen, wie Baumpflanzungen und Müllsammlungen zählen zu den Aktivitäten, welche jedoch durch staatliche Restriktionen nur eingeschränkt öffentlichkeitswirksam beworben werden können. Sie werden hauptsächlich über Kirchenzeitungen oder Umwelt-Gottesdienste bekannt gegeben. Die politische Situation erlaubt nur in wenigen Fällen auf umweltschädliche Prozesse Einfluss zu nehmen (Knabe 1988: 555 ff). Auf die beispielhafte Initiative „Eine Mark für Espenhain“ wird später eingegangen (Siehe: 2.3.2.3.). Knabe führt fort, dass die Gruppen auf „niedriger Aktivitätsstufe“ mit Eingaben, kirchlichen Ausstellungen und der Mitarbeit in offiziellen Institutionen Einfluss nahmen (ebd.). Beleites teilt die Entwicklung der Umweltbewegungen in vier Phasen ein: „(1) die Phase der global-ethischen Debatten (1979-1984), (2) die Phase der ökologisch motivierten Proteste mit regionalem Bezug (1984-1986), (3) die Phase des politisch motivierten Aufbruchs (1986-1989) und (4) die Phase der Abnabelung von der Kirche (1989-1990)“. (ebd. 305).
„Obwohl es umfängliche Spendenaktivitäten in der DDR gegeben hatte, die seinerzeit eine breite propagandistische Würdigung der Spendenbeteiligung und der dabei erreichten Be- träge in den Medien erfuhren, fand die Spendenthematik in den politischen und wissenschaftlichen Diskursen in der DDR kaum Beachtung; sie wurde nicht hinterfragt und mehr oder weniger als Normalität58 und Selbstverständlichkeit behandelt.“ (Priller 2018: 61).
So zogen auch schon die Jüngsten59 los. Unter dem Motto „Großfahndung – Millionen für die Republik“ sammelten sie Altrohstoffe und brachten diese in die Altstoffhandlungen60. Im Jahr 1978 kamen so mehr als sechs Millionen Mark der DDR zusammen. Ein Großteil des Erlöses wurde auf das Solidaritätskonto eingezahlt (UNICEF 1979: 35). „Ausdruck der gewachsenen und gefestigten internationalistischen Haltung unserer Jungen Pioniere sind die vielen Solidaritätsaktionen, die schon den Alltag in unserer Republik mitbestimmen.“ So ist auch in der Zuarbeit durch das UNICEF-Nationalkomitee der DDR in der Publikation zu lesen, dass Millionen „Rosengrüße“ durch Pioniere per Postkarten halfen, Angela Davis aus dem Kerker der amerikanischen Klassenjustiz zu befreien (ebd. 37).
Es lassen sich zwei Engagement-Strömungen erkennen. Die vom SED-Staat initiierte anti- imperialistische Solidarität (Siehe Abbildung 4) und die sozialen oder auch oppositionellen Bewegungen (Siehe Abbildung 5) unter dem Dach der Kirche.
Abbildung 4: Solidaritätsplakate

1976

1979

1980

1982
Quelle: Antiimperialistische Solidarität in der Deutschen Demokratischen Republik (o.J.)
Abbildung 5: Faltblatt „Eine Mark für Espenhain“

Quelle: https://www.nach-gedacht.net/reiseberichte/espenhain/espenhain-orginal- faltblatt.pdf (Stand: 11.08.2020)
1.3.2.1 Solidaritätskomitee und Massenorganisationen
Die Literaturlage erweist sich im wissenschaftlichen Bereich als sehr dünn. Daher wird in diesem Kapitel auch auf die „historische Zusammenfassung“ von Achim Reichardt, dem letzten Generalsekretär des Solidaritätskomitees, zurückgegriffen. Verschiedene Solidaritätsausschüsse61,62 führten 1973 letztlich zur Bildung des Solidaritätskomitees auf Basis der Massenorganisationen63. Anfangs gingen die Spenden-Aktivitäten vom FDGB und dem DFD aus, später kam als verwaltungstechnische und organisatorische Einheit der Nationalrat der Nationalen Front64 hinzu, so Reichardt. Nicht allein das Solidaritätskomitee ist als Spendenorganisation in der DDR anzusehen, es gab auch, jedoch nicht so medial unterstützt, gesellschaftliche Organisationen und Religionsgemeinschaften (Reichardt 2006: 33 ff).
Mihr bezeichnet die Massenorganisationen als Bindeglied zwischen SED-Führung und DDR-Bevölkerung, nicht zuletzt, um in allen Gesellschaftsbereichen gesellschaftspolitische Themen zu organisieren und zu kontrollieren. (ebd. 30 f).
Achim Reichardt betont mehrfach, dass das Solidaritätskomitee eine nichtstaatliche Organisation, also eine NRO65, war (et al. 2006: 34). „Dieser Fakt muss deshalb erwähnt werden, weil die Zusammenarbeit des Solidaritätskomitees der DDR mit staatlichen Stellen verurteilt und so ausgelegt wurde, als ob es ein staatliches Organ gewesen sei und staatlichen Direktiven unterworfen war. Das war zu keiner Zeit so.“ (ebd. 22). Schleicher argumentiert am Beispiel der beginnenden 1980er Jahre dagegen: „Es waren die Jahre, in denen ZK-Wirtschaftssekretär Günter Mittag massiv darauf drängte, zur Entlastung des Staatshaushaltes Fonds des Solidaritätskomitees anzuzapfen und aus den Spenden der Bevölkerung staatliche Verpflichtungen gegenüber Partnern in der ‚Dritten Welt‘ und Befreiungsbewegungen abzudecken. Neben Ausbildungsleistungen betraf dies auch Verpflichtungen im militärischen Bereich“ (vgl. 1998: 50 f). Dem widerspricht Storkmann: „Selbständig oder gar eine von staatlichem Einfluss unabhängige Nichtregierungsorganisation angelsächsischen Models war das Solidaritätskomitee der DDR nicht66. Es stand unter strikter Kontrolle der Abteilung Internationale Verbindungen des ZK der SED“ (2012: 150). Schleicher bemerkt, dass das Solidaritätskomitee die Monopolstellung innehatte und auf Grundlage der außenpolitischen Prinzipien und Ziele der DDR agierte. Somit war es Teil der Herrschaftskultur und Organ der machtausübenden Führung der SED (ebd. 7).
In den Massenorganisationen wurden für reguläre Aktivitäten Mitgliedsbeiträge erhoben. Hinzu kamen regelmäßig monatlich Solidarbeiträge67 als Spenden, welche über die eigene Arbeit hinausreichende Ziele und Tätigkeiten finanzierten (Priller 2018: 64). Spenden und Spendenbeiträge waren in der DDR also durchaus üblich. Ihnen kam aber im Vergleich zur Bundesrepublik, wo sie eine andere politische und sozialpolitische Bedeutung hatten, ein
völlig anderer Stellenwert zu (ebd.). „Obwohl den DDR-Organisationen die ‚Zwischenräume‘ zwischen Staat und Markt fehlten, ließ es der paternalistische Staat der DDR – bewusst oder unbewusst – zu, dass die Organisationen die durch Mangel und wirtschaftliche Schwächen verursachten Lücken der staatlichen Versorgungssysteme zu schließen versuchten.“ (Priller 2018: 64).
Das Spendenaufkommen des Solidaritätskomitees wuchs jährlich. 1975 beliefen sich die Jahreseinnahmen auf 158 Millionen Mark der DDR, wobei der FDGB davon einen Anteil von 95 Millionen Mark einwarb. Zehn Jahre später, 198568 konnten 212 Millionen Mark eingenommen werden, Anteil des FDGB hier 100 Millionen Mark. Der Höchststand wurde 1988 erreicht.
Abbildung 6: Spendeneinnahmen im Jahr 1988


Quelle: Reichardt 2006
254 Millionen Mark69, wobei der Beitrag des FDGB, im Verhältnis, auf 80 Millionen Mark sank (Priller 2018: 70). Den Grund für den rückläufigen FDGB-Anteil sieht Olejniczak bei der Sammlungsweise. Vormals wurde die Spendenhöhe in Listen registriert, über Brigadetagebücher abgerechnet und in Beurteilungen erwähnt. Nunmehr wurde intransparent und damit ohne Druck, auf die Black Box des Spendenkontos 444, ohne Rechenschaft über die Mittelverwendung, ohne Information und Motivation, die Spendenzahlungen entrichtet (1999: 207 f).
„Obwohl es in der DDR diese Organisationen (Gemeint sind Massenorganisationen.), die in der kapitalistischen Gesellschaft neben Staat und Wirtschaft als Dritter Sektor bezeichnet werden, sozialökonomisch nicht zu geben brauchte und politisch-ideologisch eigentlich auch nicht geben durfte, erfüllten sie dort wichtige Funktionen.“ (Priller 2018: 65).
Reichardt stellt fest: „Mehr und mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass es sich nicht um Zwangsspenden gehandelt hat und dass die Spenden tatsächlich für Menschen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas eingesetzt wurden. Es gab keine Finanzierungen von Experten militärischer Institutionen.“ (ebd. 265).
Basierend auf der Finanzierung der Waffenlieferungen durch die Mitgliedsbeiträge der Massenorganisationen wird die Dissertation „Geheime Solidarität“ über die ostdeutschen Militärhilfen nach Afrika, Asien und Lateinamerika von Storkmann hinzugezogen (ebd.).
„Nach der eigenen Definition einer ‚sozialistischen Außenpolitik‘ trug diese einen „zutiefst internationalistischen, revolutionären und friedliebenden Charakter. […] Die „sozialistische Außenpolitik“ wurde zudem vom „Klassencharakter des sozialistischen Staates und der
„marxistisch-leninistischen Partei“ geprägt.“ (Storkmann 2008: 133). (Vgl.: IIB (1982: 20 f).)
In den Akten des Solidaritätskomitees selbst sind keine Hinweise auf die eigene aktive Beteiligung bei Waffenlieferungen zu finden, so Storkmann (2012:151). Er führt weiter aus, dass das Parteiarchiv die Beweisprotokolle aufbewahrt. Hierin sind ab 1972 Beschlüsse zu nichtzivilen Waffen- und Munitionslieferungen, beispielsweise nach Mosambik, Angola aber auch nach Guinea, die das Solidaritätskomitee beauftragt hat, zu finden. Über diese Lieferungen hinaus finanzierte das Solidaritätskomitee auch Ausbildungskosten ausländischer Militärs bei der NVA (Storkmann 2012: 152). (Vgl.: SAPMO-BArch, DY 30/J IV2/3A/2148.) Dennoch öffnete man sich in einer Politbürositzung im Januar 1967 mit Beschluss, den Waffenlieferungen für afrikanische Befreiungsbewegungen offen zu begegnen. „Galt bis dato generelle Zurückhaltung, waren solche Lieferungen nunmehr nicht nur erlaubt, sondern wurden als Akt der ‚tätigen Solidarität‘ mit dem Kampf der afrikanischen Völker ausdrücklich gutgeheißen.“ (DY 30/J IV 2/2A//1093).
In den Jahren ab 1974 stiegen die Unterstützungs-Forderungen der Dritten Welt (Storkmann 2008: 135 ff). Erich Honecker, seit 1976 Generalsekretär des ZK der SED, machte sich diese Angelegenheit zur Chefsache und willigte sämtlichen Forderungen ein. In einem Gespräch 1982, mit dem damaligen PLO-Chef Yassir Arafat gestand er ein, dass die Rüstungslieferungen der DDR nicht in gewünschtem Maße erfolgen können (ebd. 137). Honecker weiter:
„Man berichtet heute in der Westpresse sowieso schon sehr viel über unsere militärischen Vereinbarungen. Es tut mir leid, dass wir nicht so viel helfen können, wie man dort schreibt.“ (SAPMO-BArch, DY 30/2499, Bl. 79f). Die DDR unterstützte mit militärischer Hilfe die Dritte Welt zwischen 1965 und 1989 in Höhe von 950 Millionen Mark, so meldete es das MfAV 1990 dem BMVtg (vgl. Storkmann 2008: 132). Er weist darauf hin, dass die kostenlosen, als „Geschenk“ bezeichneten Lieferungen in enger Absprache mit dem Ministerrat der UdSSR abliefen, insbesondere wenn diese sowjetischer Bauart waren (ebd. 157).
Waffenlieferungen waren nicht allein für die DDR ein außenpolitisch wirksames Instrument. Auch in anderen Ost- und Westblock-Ländern war dies gängige Praxis (vgl. Storkmann 2012: 545 f). Unter Berücksichtigung der Verwendung von Spendengeldern der DDR-Bürger
wird in dieser Arbeit auf die Ideologie verwiesen. Storkmann zeigt auf, dass nicht auffindbare Akten und damit weitere fehlende Belege die Überzeugung der Entscheidungsträger in Partei und Armee nicht ungeschehen machen (vgl. 2012: 567f; 588 f). Einmal mehr hat der ostdeutsche Staat mit Waffenlieferungen an beide Seiten, beispielsweise im Golfkrieg „Schuld auf sich geladen“. Aus ökonomischen Gründen kann dies kaum erklärt werden (Storkmann 2012: 579 f). „Die DDR agierte sowohl mit Pragmatismus als auch mit Ideologie. Es gab sowohl Kommerz als auch Solidarität.“ (ebd.).
Die Betrachtung der „Geheimen Solidarität“ und damit die Betrachtung von Waffenlieferungen in Spannungsgebiete, in Bürgerkriegsregionen, dient nicht dem Selbstzweck, sondern versucht negative Ausläufer von sozialistisch geprägter Solidarität zu benennen.
1.3.2.2 „Brot für die Welt“
1957 wurde Brot für die Welt durch die evangelische Kirche zonenübergreifend gegründet. In Folge des Mauerbaus bildete die ostdeutsche Landeskirche in eigener Trägerschaft eine ostdeutsche Sektion aus. 1971 wurden der Facharbeitskreis Ökumenische Diakonie und der Bund der Evangelischen Kirchen ins Leben gerufen. Der Facharbeitskreis und Brot für die Welt unterhielten Kontakte zu Einrichtungen im Ausland mit entwicklungspolitischer Relevanz. Der Kontakt zur westdeutschen Schwesterkirche behielt ebenso Bestand, wie der Kontakt zwischen der West- und Ostsektion von Brot für die Welt. (Verburg 2012: 36 f).
Die Evangelische Kirche der DDR initiierte hauptsächlich Spendensammlungen für Hilfebedürftige in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Spendengelder wurden, so Verburg, an das Solidaritätskomitee weitergeben. Auf Empfehlung des Facharbeitskreises Ökumenische Diakonie wurde von 1971 bis in die 1980-er Jahre für Brot für die Welt zu Sonderkollekten aufgerufen (Verburg 2012: 38 f).
Eigene Initiativen sowie die Entsendung von Kirchenvertretern wurde bis Mitte der 1980er Jahre durch den Staat unterbunden. In der Folge durften einzelne, für den Staat relevante kirchliche Projekte in den Ländern verwirklicht werden. Hauptmotiv aller Aktivitäten war das der christlichen Nächstenliebe innewohnende Gebot der Linderung von Armut (Verburg 2012: 38 f).
Werbeaktionen konnten ausschließlich unter dem Dach der Kirche realisiert werden, da es keine Werbemittel für kirchliche Sammlungen gab. Bürger, die für nichtstaatliche Anliegen spenden wollten, fanden bei Brot für die Welt eine Alternative (ebd.).
1.3.2.3 „Eine Mark für Espenhain70“
Nach dem Verbot einer Unterschriftenaktion, als Protest gegen die Umweltbelastungen, durch das „Christliche Umweltseminar Rötha“, starteten Aktivisten im Juni 1988 eine Listensammlung. „Eine Mark für Espenhain – ein Protest bekommt Flügel“ sammelte pro Bürger eine Mark gegen Quittung ein und kombinierte so die verbotene Unterschriftenaktion mit der Listensammlung. Die eingenommenen Spendengelder sollten an die Betriebsleitung des Braunkohlewerks Espenhain gehen, um Umweltbelastungen zu reduzieren. Bis März 1989 kamen 13.000 Mark der DDR zusammen, insgesamt wurden 100.000 Mark der DDR gesammelt. Mit der Wende wurde auch das Braunkohlewerk geschlossen und die verbliebenen 75.000 DM bildeten den Grundstock für die „Zukunftsstiftung Südraum Leipzig“ (Daberstiel 2015).
1.3.2.4 INKOTA
Mangelndes entwicklungspolitisches Engagement der Kirchen brachte im März 1971 evangelische und katholische Studenten zu einem Treffen in Halle. Mangels Struktur beschloss man bei der folgenden Versammlung71 im Mai die Gründung der Initiative „INformation, KOordination, TAgungen. Aufgabe war Einzelmaßnahmen und Gruppenaktivitäten zu koordinieren sowie kirchliche Institutionen für die Not der Dritten Welt zu sensibilisieren (Olejniczak 1999: 212 f). Laut Letz entstand mit INKOTA die erste größere und weltliche NRO, trotz organisatorischer Nähe zur Kirche (Letz 1994: 51 ff). Er schreibt INKOTA die Einleitung des Reformprozesses zugunsten kirchlich-karitativer und staatsoffizieller Solidaritätsangebote zu. Die basisdemokratische Arbeit erfolgte in selbständigen Gruppen, welche Aktionen vor Ort realisierten. Das Netzwerk hatte eine Sonderrolle eingenommen, da es nur wenige weitere Gruppen gab (ebd.). Ein wesentliches Leitmotiv von INKOTA war Transparenz, daher
wurden Spendeneingänge und deren Verwendung dokumentiert (Olejniczak 1999: 214 ff). Die Solidaritätsinitiativen konnten nur für Länder erfolgen, zu denen auch der Staat Beziehungen unterhielt. Die Abwicklung72 konnte nur über offizielle staatliche Stellen73 erfolgen. Dennoch lief die Zusammenarbeit mit dem Solidaritätskomitee nur technokratisch, nicht inhaltlich, da das Solidaritätskomitee wohl die Philosophie von INKOTA nicht begriffen hatte (ebd. 221).
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von INKOTA erscheint der INKOTA-Brief mit minimalen Angaben zum Spendenaufkommen. Beispielsweise spendete eine 1975 in Karl-Marx- Stadt gegründete Gruppe von Studierenden über die „Aktion 5“74. Es kommen von 1975 bis 1977 3.200 Mark für das Leprakrankenhaus Ifakara in Tansania zusammen. Auch Sach- spenden, wie Papier und Briefumschläge werden für die INKOTA-Briefe gesammelt. „Wir wissen von den im DDR-Maßstab recht bescheidenen Geldspenden.“ heißt es weiter. (IN- KOTA 2011).
Auf der Herbsttagung 1989 verabschiedeten die Anwesenden einen offenen Brief an über 100 Empfänger (Dazu zählten: MfAA, FDJ, SK (ebd.).) mit der Forderung: „In diesem Prozess des Umdenkens, der Neuorientierung und der Entwicklung möglicher Alternativen […] ein bald möglichstes, öffentliches Fo rum aller Verantwortlichen durchzuführen.“ (Verburg 2012: 97 f). Bei wiederholten Treffen der angeschriebenen Vertreter wurde beschlossen, einen Entwicklungspolitischen Runden Tisch ins Leben zu rufen (ebd.). Dieser ERT wiederum rief einen Untersuchungsausschuss ins Leben, welcher zu dem größeren Teil aus ehemaligen Staatsoffiziellen bestand. „Die Problematik einer Untersuchung, geleitet von Personen, die am Untersuchungsgegenstand selbst beteiligt und somit betroffen waren, war uns von Anfang an bewusst, nur wir wussten keinen Ausweg, noch hatten wir Überblick, Insiderkenntnisse, Zugang zu Zahlen, Fakten sowie Zeit.“75 (ebd. 108). Dennoch waren sich die Aktiven am ERT einig, die entwicklungspolitischen Programme im Sinne der Solidarität fortzuführen. Mit Bekanntwerden der Veruntreuung von 100.000.000 Mark der DDR Spendengelder des Solidaritätskomitees durch den FDGB im November 1989 war die Empörung groß. Proteste veranlassten den FDGB zur Zahlung einer Wiedergutmachung in Höhe von einer Million Mark auf das INKOTA-Konto76 (ebd. 109).
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