Kitabı oku: «Sea of Flames»
Svea Dunnabey
Sea of Flames
Furcht
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Kapitel XVII
Kapitel XVIII
Kapitel XIX
Kapitel XX
Kapitel XXI
Kapitel XXII
Kapitel XXIII
Kapitel XXIV
Kapitel XXV
Kapitel XXVI
Kapitel XXVII
Kapitel XXVIII
Kapitel XXIX
Kapitel XXX
Kapitel XXXI
Kapitel XXXII
Kapitel XXXIII
Kapitel XXXIV
Kapitel XXXV
Kapitel XXXVI
Kapitel XXXVII
Kapitel XXXVIII
Kapitel XXXIX
Kapitel XL
Kapitel XLI
Kapitel XLII
Kapitel XLIII
Epilog
Impressum neobooks
Kapitel I
Blake
Ziellos fuhr ich durch die Stadt, fuhr immer wieder auf die Highways um Gas zu geben, das Adrenalin zu spüren, was mich ablenken sollte, um irgendwie meinen Kopf frei zu bekommen, doch das funktionierte nicht. Egal wie schnell und lange ich fuhr, egal wie sehr ich mich durch laute Musik ablenkte, es brachte rein gar nichts.
Immer wieder dachte ich an Evelyn, daran, dass sie schwanger war und automatisch auch an June. Millionen von Gedanken schossen durch mein Gehirn, wobei ich sie nicht greifen konnte, da sie sofort wieder verschwanden und sich mit einem neuen Gedanken abwechselten. Ich fühlte mich vollkommen überfordert und versuchte meinen Kopf abzustellen, doch das war vergebens.
Wenn es schon nicht mit lauter Musik und Adrenalin im Wagen zu machen war, dann vielleicht mit Alkohol, weswegen ich in der Nähe meiner Wohnung hielt und mich in eine Bar setzte. So konnte ich anschließend immerhin zu Fuß nach Hause gehen, als ich mir auch schon einen Whisky bestellte.
Heute Nachmittag war noch alles in Ordnung gewesen. Ich hatte mich auf meine Arbeit konzentrieren können, hatte einen neuen Vertrag abgeschlossen, hatte Lewis mit Dan zusammen zum Ausstatter begleitet, um einen Anzug für seine Hochzeit zu finden, hatte mit Evelyn telefoniert und mit ihr eine Art Telefonsex gehabt und jetzt?
Es hatte grade einmal zwei Minuten gedauert, ehe alles, was bisher gut lief in meinem Leben, zerbrochen war. Dass, was ich immer versucht hatte zu verhindern, was ich auf keinen Fall riskieren wollte, war nach hinten losgegangen. Evelyn war anscheinend schwanger und das von mir.
Egal, wie oft ich mir das selbst sagte, es klang falsch und ich wollte es nicht wahrhaben. Bei Kelly hatte ich immer die Angst gehabt, dass sie irgendwann nicht mehr verhüten würde, weswegen ich selbst darauf geachtet hatte und jedes Mal auf ein Kondom bestanden hatte, aber bei Evelyn...
Als wir uns kennenlernten war ich dermaßen triebgesteuert gewesen, dass ich meine Vorsicht über Bord geworfen hatte. Natürlich hatten wir über Verhütung geredet, wo sie mir versichert hatte, dass sie die Spirale benutzen würde und es somit keinen Grund für ein Kondom gäbe, da wir beide gesund waren, weswegen ich ihr vertraut hatte.
Vielleicht hätte ich zwischendurch nachfragen sollen, natürlich war es nicht nur ihre Schuld, allerdings war es einfacher die Schuld abzugeben. Außerdem hatte ich immer angenommen, dass Evelyn bei dieser Sache zuverlässig wäre, da sie selbst keine Kinder wollte und ich davon ausging, dass sie alles daran setzen würde, damit solch eine Situation nicht geschehen würde.
>> Ihr doppelter Whisky.<< sagte der Barkeeper und stellte mir das volle Glas auf den Tisch.
>> Danke.<<
Er nickte nur und ging wieder, um mich in Ruhe zu lassen, während ich das Glas nahm und den Whisky in meiner Kehle brennen ließ. Ein wenig ruhiger lehnte ich mich zurück und schloss kurz die Augen, um Kraft zu tanken.
Ich wusste, dass ich nur kurz hier bleiben konnte, weil ich gleich noch den Vertrag fertig stellen musste, dass ich sowieso viel Arbeit aufholen musste, was vielleicht auch gar nicht schlecht war. Umso mehr konnte ich mich von meinem Privatleben ablenken.
Um nicht in meine Wohnung gehen zu müssen, da dort etliche Bilder von Evelyn in meinem Arbeitszimmer hingen, holte ich die Unterlagen und meinen Laptop aus meinem Wagen und arbeitete kurzerhand in der Bar, die immer leerer wurde, da es auch schon zwei Uhr nachts war.
Zudem hatte ich einen Tisch ergattert, der in einer kleinen Nische lag, wobei es sowieso sehr ruhig war, da die meisten Personen direkt an der Bar saßen und leise miteinander sprachen. Eine Stunde später hatte ich alles wegen Mr Kyles erledigt und Dan und Lewis eine Kopie des Vertrages als Mail geschickt.
Da es schon drei Uhr nachts war, bezahlte ich und ging zu Fuß nach Hause, was nicht weit war. Meinen Laptop und alle Unterlagen hatte ich wieder in den Wagen getan, da es in Strömen regnete. Nach wenigen Metern war ich schon vollkommen durchnässt, doch das war mir egal.
Träge schleppte ich mich zu meiner Wohnung, wobei meine Schritte immer kleiner und ich dadurch immer langsamer wurde. Was wäre, wenn Evelyn in der Wohnung wäre und auf mich warten würde? Was, wenn sie mit mir reden wollen würde? Was würde ich ihr sagen?
Ich hatte keine Ahnung, was ich ihr sagen sollte, was ich wollte, was wir machen sollten. Ich hatte einfach noch keine Antworten gefunden, keine Entscheidungen treffen können, da ich noch Zeit brauchte und ich hoffte, dass sie das verstehen würde.
Vielleicht schlief sie ja auch schon und ich könnte mich, bevor sie aufwachte, wieder herausschleichen, doch auch das war mehr als falsch. Wir waren ein Paar, waren verheiratet und sollten darüber reden, doch das war für mich bei diesem Thema mehr als schwierig.
Schließlich stand ich vor dem Gebäude, ging nach einem kurzen Zögern hinein und begrüßte den Portier.
>> Guten Abend Mr Humphrey.<< erwiderte er freundlich und nickte mir zu.
>> Wissen Sie, ob meine Freundin schon zu Hause ist?<< fragte ich nach, damit ich mich während der Fahrt nach oben schon darauf einstellen könnte.
>> Tut mir Leid, aber ich habe erst vor wenigen Minuten meine Schicht angefangen, weil mein Kollege sich nicht gut fühlte.<<
>> Kein Problem, danke.<< tat ich es ab, während ich innerlich tief durchatmete und zu den Aufzügen ging. Nervös drückte ich auf den Knopf und verspannte mich immer mehr, je näher ich meinem Stockwerk kam.
Noch nie hatte ich mich unwohl gefühlt, oder Angst gespürt, wenn ich nach Hause gekommen war und nicht wusste, ob Evelyn da wäre. Bisher hatte ich es immer gehofft, da ich ihre Anwesenheit über alles genossen hatte, doch seit heute Abend hatte sich das geändert.
Vorsichtig und leise öffnete ich die Tür, betätigte die kleine Lampe auf dem Tisch, um sie nicht durch zu viel Licht zu wecken, falls sie da war. Anschließend ging ich leise ins Schlafzimmer und atmete erleichtert auf, als ich sah, dass das Bett verlassen und leer war. Nachdem ich auch noch die anderen Räume überprüft hatte, ließ ich mich erleichtert aufs Sofa sinken und atmete beruhigt auf.
Doch dann wich meine Erleichterung einer starken Sorge, da ich nicht wusste, wo Evelyn war. Ob sie wohl bei Robert war? Bestimmt, da sie sich so gut verstanden, was jedoch bewirkte, dass ich auf einmal eifersüchtig wurde. Warum musste sie sich unbedingt mit ihm so gut verstehen?
Anstatt über Evelyn und ihre Schwangerschaft nachzudenken, verdrängte mein Kopf es und verrannte sich stattdessen in einer starken Eifersucht, in irgendwelchen Szenarien darüber, was sie grade mit Robert machte, weswegen ich vor Wut und Adrenalin in meinen Fitnessraum ging und den Boxsack bearbeitete.
Immer wieder schlug ich darauf ein, stellte mir vor, dass es Robert wäre, dem ich eine verpasste und spürte wie meine Schläge immer stärker wurden, bis ich nach zwei Stunden vollkommen erschöpft aufgab und ins Bad ging, wo ich mich schnell abduschte.
Anschließend legte ich mich ins leere Bett, sah auf Evelyns leere Seite und zog ihr Kissen, das noch stark nach ihr duftete, zu mir. So gerne wollte ich sie in meinen Armen spüren, wollte sie küssen und sie spüren, weil ich sie brauchte und ohne sie nicht leben konnte. Wieder dachte ich daran, dass sie von mir schwanger war und konnte meine Angst davor nicht leugnen.
So sehr ich es auch versuchte, ich schaffte es nicht meine Gedanken auszuschalten und einzuschlafen. Immer wieder dachte ich daran, was dieser eine Satz für mich, für Evelyn und für uns beide als Paar bedeutete, welche Möglichkeiten und Entscheidungen es gab, was mich fertig machte.
Ohne es zu wollen, dachte ich wieder an June, was zwar schon Ewigkeiten her zu sein schien, was jedoch jetzt präsenter denn je war. All die Jahre hatte ich es erfolgreich unterdrückt, es in die hinterste Ecke meines Gehirns geschoben, doch nun war es zurück und ich konnte nichts dagegen tun.
Als Evelyn mir davon erzählt hatte, wie sehr sie sich damals über die Schwangerschaft ihrer Mutter und ihre Geschwister dabei gefreut hatte, konnte ich das nur zu gut nachempfinden, da es mir damals nicht anders gegangen war.
Ich war immer der Jüngste in der Familie gewesen, das Nesthäkchen mit Geschwistern, zu denen ich aufblicken musste, aber dann erfuhr ich, dass meine Mutter schwanger war und bald ein Kind mehr im Haus wäre, was die Rolle als Nesthäkchen einnehmen würde.
Ich konnte es kaum erwarten und fieberte dem Termin immer stärker entgegen, bis es schließlich so weit war und ich endlich meine neue Schwester im Krankenhaus besuchen durfte. Ich wusste noch, wie aufgeregt ich gewesen war und wie fröhlich und glücklich, als mein Vater die Tür öffnete und ich diese kleine Puppe im Bettchen neben meiner Mutter liegen gesehen habe.
Auch wenn ich nur ihr Bruder gewesen war, war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Meine Mutter begrüßte ich nur flüchtig, da ich ab dem Punkt, wo ich June gesehen hatte, nur noch Augen für sie gehabt hatte. Vielleicht legte dieser Moment auch den Grundstein für meine spätere Karriere in der Branche des Personenschutzes.
Denn ab diesem Tag passte ich auf sie auf, wie auf niemanden sonst zuvor. Sobald June einmal weinte oder schrie, war ich zur Stelle und sah nach, was los war. Ich spielte stundenlang mit ihr, drehte immer wieder das Mobile an, sang ihr Lieder vor und spielte für sie den albernen Clown, damit sie lachte und glücklich war.
Ich hasste es in die Schule zu gehen, weil ich dann nicht für sie da sein konnte und nie wusste, wie es ihr ging, weswegen ich nach dem Unterricht so schnell ich konnte nach Hause rannte. Ich liebte dieses kleine Mädchen wirklich abgöttisch, weswegen ich schon als kleiner Junge wusste, dass ich später einmal ganz viele eigene Kinder haben wollte.
Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als Vater zu werden und mich um meine Kinder zu kümmern. Sie abends in den Schlaf zu singen, sie zu füttern, natürlich auch sie zu wickeln, mit ihnen zu kuscheln, sie zu beruhigen, sie zum Lachen zu bringen und mit ihnen Quatsch zu machen. Wenn ich so darüber nachdachte, konnte ich es als Kind wirklich nicht erwarten endlich groß zu sein.
Und jetzt saß ich hier. Erwachsen. Verheiratet. Meine Frau schwanger und das mit meinem Kind und ich konnte mich nicht weniger darüber freuen. Hätte man mir das damals gesagt, hätte ich denjenigen ausgelacht und ihm den Vogel gezeigt.
Der tragische Tod von June hatte alles kaputt gemacht. Hatte mich und meine Zukunft zerstört. Sie hatte mir so viel bedeutet, hatte mir so viel gegeben, hatte nichts Schlimmes getan, immerhin war sie erst ein paar Monate alt gewesen und trotzdem hatte sie nicht weiter leben dürfen.
Obwohl es inzwischen schon fast 25 Jahre her war, unsere Familie nie über sie sprach und ich die Erinnerungen gut verstaut hatte, war es, als wäre es gestern gewesen.
Wie ich aufgewacht war und mich gewundert hatte, dass June mich noch nicht mit ihrem Gebrabbel aufgeweckt hatte. Wie ich irritiert zu ihrem Bettchen ging und sie schlafen sah. Wie ich ihren Schlafsack öffnete und direkt spürte, wie kalt sie war. Wie ich immer wieder ihren Namen sagte und hoffte, sie würde die Augen aufmachen. Wie ich mich über ihre bläuliche Hautfarbe wunderte.
Wie ich sie auf den Arm nehmen wollte und spürte, wie kalt und steif sie war. Wie ich ihre Atmung kontrollierte und erschrak. Wie ich meine Eltern und Geschwister rief, schrie, schluchzte und immer verzweifelter wurde. Wie Tränen in mir aufstiegen und ich das Ganze nicht wahrhaben wollte. Wie meine Mutter ins Zimmer kam und mich erschrocken und entsetzt ansah. Wie auch die anderen kamen und alle versuchten June aufzuwecken.
Wie ich einige Schritte zurückging. Wie ich schluchzte. Wie ich mich zusammenrollte und alle dabei beobachtete, wie sie versuchten zu helfen. Wie sie June versuchten wiederzubeleben. Wie die Sanitäter kamen und ebenfalls versuchten June zurückzuholen. Wie ich einen Sanitäter beobachtete, der nach einer gefühlten Ewigkeit nur noch mit dem Kopf schüttelte. Wie die Zeit still stand.
Wie meine Mutter daraufhin anfing zu schreien, zu weinen und zu schluchzen. Wie unser Kindermädchen sie aus dem Zimmer holte und sie versuchte zu beruhigen. Wie June immer noch da lag, als ob sie schlafen würde, angeschlossen an alle möglichen Maschinen mit denen sie versucht hatten, sie wieder zurückzuholen. Wie Ava sich vor mich setzte und mich in den Arm nahm.
Wie June abgeholt wurde. Wie wir das Gespräch beim Bestatter hatten. Wie wir ihren Sarg und ihre Blumen aussuchten. Wie wir die Trauerfeier planten. Wie wir ein Kleid für sie kauften, damit sie besonders schön auf der Trauerfeier aussehen würde. Wie sich meine Mutter einen offenen Sarg wünschte.
Wie wir zur Kirche fuhren. Wie uns alle mitleidig ansahen. Wie mich alle in den Arm nahmen und drückten. Wie alle mir immer wieder sagten, dass wir für unsere Eltern stark sein müssten. Wie wir uns in die erste Reihe setzten. Wie der Priester seine Rede begann.
Wie er davon erzählte, dass alles im Leben seinen Sinn hätte und dass auch Junes Tod einen Sinn gehabt hätte. Wie wichtig dieser Tod doch wäre, damit wir alle verstünden, dass wir nur Gäste auf dieser Welt seien. Wie gut es ihr doch ginge, wo sie jetzt beim Allmächtigen wäre.
Wie ich immer wütender wurde. Wie ich meine Fäuste ballte. Wie ich den Priester anschrie. Wie ich schluchzte. Wie mein Vater mir eine Ohrfeige verpasste. Wie Ava mich mit sich nach draußen zog. Wie sie mich beruhigte und in den Arm nahm. Wie wir nach Hause gingen und mein Wunsch Vater zu werden mit June gestorben und begraben worden war.
Das alles wollte und konnte ich nie wieder mitmachen, weswegen eigene Kinder für mich undenkbar waren und doch war Evelyn nun schwanger. Egal, wie sehr ich Kinder liebte und gerne eigene gehabt hätte, konnte ich die Angst nicht ertragen, dass es sterben könnte und ich eines Morgens wieder das gleiche durchmachen würde wie vor 25 Jahren.
Wir hatten damals alle Mittel gehabt, waren reich gewesen, hatten alle gesundheitlichen Tests machen lassen, meine Eltern waren gesund gewesen und hatten ein gesundes Kind zur Welt gebracht und dennoch hatte all das nichts gebracht. Evelyn war gesund, ich war gesund, auch wir hatten Geld, konnten alle Tests machen, konnten noch so vorsichtig sein und dennoch könnte ich nicht sicher sein, dass es nicht doch wieder passierte.
Vollkommen hilflos und hin und hergerissen wälzte ich mich immer wieder im Bett herum, sah wie die Minuten verstrichen, wie die Sonne langsam wieder aufging, wie die Lichter in den einzelnen Wohnungen anderer Hochhäuser angeschaltet wurden und ich immer noch nicht geschlafen hatte.
Mein Körper und meine Gedanken kamen einfach nicht zur Ruhe, weswegen ich es gegen sechs Uhr schließlich aufgab und wieder aufstand. Träge schleppte ich mich in mein Bad, machte mich frisch, wobei es mich nicht mit neuem Leben weckte, weswegen ich es mit einem doppelten Espresso versuchte, was jedoch auch nichts brachte.
Ausgelaugt fuhr ich nach unten und ging zu der Bar von gestern, um mein Auto dort abzuholen und schließlich in die Firma zu fahren, wo ich mich hoffentlich besser ablenken konnte.
Kapitel II
Evelyn
>> Du Wichser, ich mach dich fertig!<<
>> Verpiss dich du Hure!<<
>> Verpissen? Du kannst mich mal!<<
>> Lass mich in Ruhe... Hau ab! Ich stech dich ab, wenn du dich nicht endlich verpisst!<< schrie der Typ von nebenan wieder, woraufhin ich eine Tür hörte, die wenige Sekunden später zugeschlagen wurde. Es dauerte keine zwei Sekunden, ehe sie wieder aufging und ich die beiden wieder schreiend und brüllend streiten hörte.
Seufzend stand ich von meiner Matratze auf, streckte mich und ging ins Bad, um mich schnell zu duschen. Wieder hatte ich nur wenige Stunden Schlaf bekommen, der dann auch noch vollkommen unruhig gewesen war. Immer wieder hatte ich an Blake gedacht, daran, dass er sich seit vier Tagen nicht mehr bei mir gemeldet hatte und ich nicht wusste, woran ich bei ihm war.
Natürlich konnte ich verstehen, dass er schockiert war und das er Zeit benötigte, doch dass es so lange dauern und er mich komplett ignorieren würde, hätte ich nicht gedacht. Bisher hatte er mich immer in seiner Nähe gebraucht und gewollt, doch das war anscheinend Vergangenheit.
Seufzend schob ich meine Enttäuschung beiseite, trocknete mich ab und zog mir schnell etwas über, da ich mich in wenigen Minuten mit Charly und Emily im Park traf. Maggie kümmerte sich währenddessen um Ben im Krankenhaus, dem es aber weiterhin gut ging, was alle erleichtert hatte.
So schnell ich konnte, rannte ich nach unten und raus aus dem Haus, um diese üble Gegend hinter mir zu lassen. Nach zehn Stationen mit dem Bus stieg ich aus und ging den Rest zu Fuß, da ich noch Zeit hatte, bis ich eine Bank sah und hineinging. Bisher hatte ich Blake das Geld für die Begleichung der Schulden und die 10.000 Dollar, die er mir geliehen hatte, nicht zurückgezahlt, weswegen ich schnell hineinging.
Mein Gehalt war bereits auf dem Konto und da ich sein Geld so gut wie gar nicht angerührt hatte, überwies ich ihm jeden einzelnen Cent zurück und legte noch den aktuellen Zinssatz drauf, damit er hoffentlich wütend wurde, da mich seine Ignoranz so fertig machte.
Zufrieden verließ ich die Bank wieder und ging die restlichen Meter zu unserem Treffpunkt, als ich Charly und Emily auch schon entdeckte.
>> Emily.<< rief ich lauter, woraufhin sie sich umdrehte und nach mir suchte. Um ihr ein wenig zu helfen, begann ich zu winken und rief weiterhin ihren Namen, bis sie mich sah und auf mich zulief. Glücklich über ihr Strahlen hob ich sie hoch und drückte sie an mich, als auch Charly zu mir kam.
>> Hi Eve.<< begrüßte er mich sanft, nahm mich in den Arm, nachdem ich Emily wieder heruntergelassen hatte und drückte mich an sich.
>> Hi Charly. Schön dich endlich mal wieder grinsen zu sehen.<<
>> Mhm. Seit es Ben besser geht und er wirklich Fortschritte macht, bin auch ich wieder ein wenig beruhigter.<< bestätigte er mir, während wir zum Spielplatz gingen und uns an einen Tisch im angrenzenden Café setzten. Charly gab Emily noch ihre Förmchen für die Sandkiste, ehe er zu mir kam und wir uns etwas zu Trinken und etwas zum Frühstücken bestellten.
>> Hat Emily schon ihren Bruder gesehen?<< fragte ich ihn und beobachtete sie dabei, wie sie Eiskugeln aus Sand formte.
>> Nur von Bildern, weil sie nicht mit auf die Intensivstation darf, aber das reichte ihr auch.<<
>> Irgendwann kommt er auf eine Frühchen-Station und dann kann sie ihn auch sehen.<<
>> Mhm, aber erst mal müssen wir uns wieder um sie kümmern, weil sie die letzten Tage, oder auch Wochen viel zurückstecken musste.<< bemerkte er und sah wehmütig zu Emily, die ihn anstrahlte und ihm einen Sandkuchen brachte. Zur gleichen Zeit wurde sein Kaffee und mein Orangensaft gebracht, als auch Emily ihr Wasser bekam und sie sofort einen Schluck trank.
Wehmütig sah ich zu ihr, dachte an den Krümel in mir drinnen und daran, wie es wäre mit Blake an diesem Tisch zu sitzen, zu reden, während unser Kind nebenbei in der Sandkiste spielte. Es war ein schöner Gedanke, einer mit dem ich mich immer mehr anfreunden konnte, doch sprach ich dabei nur für mich.
>> Eve?<< fragte Charly plötzlich und sah mich nachdenklich an.
>> Süße, was ist mit dir los? Beim letzten Mal standst du schon so neben dir, wolltest nicht drüber sprechen, was ich dir da noch habe durchgehen lassen, aber jetzt sitzt du hier und du siehst immer noch schrecklich aus, total müde und fertig, also was ist los?<< hakte Charly sanft nach und sah mich dabei durchdringend an.
>> Nichts, es ist alles in Ordnung.<<
>> Dann würdest du nicht so aussehen, also?<< drängte er und ließ nicht locker, was ich schon von ihm kannte, weswegen ich nachgab.
>> Ich habe mich vor vier Tagen, als ich aus dem Krankenhaus von euch kam, mit Blake gestritten...<< wich ich ihm aus, da es immerhin der Wahrheit entsprach.
>> Sag jetzt bitte nicht, dass ihr euch schon wieder getrennt habt.<<
>> Nein, jedenfalls glaube ich das nicht, aber immerhin herrscht seitdem absolute Funkstille.<< seufzte ich und trank einen Schluck meines Orangensafts, der schön kühl war und mich erfrischte.
>> Worum ging es denn?<< seufzte er und versuchte relativ neutral zu bleiben, was ihm jedoch nicht gelang.
>> Ich komme schon klar Charly.<< versuchte ich ihn abzuwürgen, doch das ließ er anscheinend nicht zu. Böse und wütend funkelte er mich an, dass mir mehrere Schauer über den Rücken liefen.
>> Hör auf damit! Ich habe dir noch nie diese Mauer zugelassen, also rede mit mir!<< setzte er mich unter Druck, weswegen ich mich zurücklehnte und mir eine Träne wegwischte, bevor sie meine Wange herunterlaufen konnte. Es dauerte einige Sekunden, in denen ich meine Gefühle so gut es ging unter Kontrolle brachte, was jedoch mehr als schwierig war, da sich auch langsam die Hormone bemerkbar machten. Charly ließ mir jedoch Zeit und sah mich lediglich besorgt an, da ich sonst eher selten nah am Wasser gebaut war.
>> Süße, du kannst mir alles sagen.<< redete er mir noch einmal gut zu, wobei ich das wusste.
>> Ich weiß...<< schluchzte ich und verlor den Kampf gegen eine Träne, die mir Charly sofort wegwischte, während ich tief durchatmete und versuchte meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen.
>> Ich bin schwanger...<< flüsterte ich nach einigen Augenblicken erstickt, bevor ich all meinen Mut zusammennahm und ihn ansah. Charly blickte mich schockiert an, wusste nicht so recht, ob er sich freuen oder besorgt sein sollte, ob er mich umarmen oder auf Abstand bleiben sollte, bis er eine Entscheidung getroffen hatte, mir liebevoll über den Oberarm strich und mich besorgt ansah.
>> Und du hast es ihm vor vier Tagen gesagt?<<
>> Ja und daraufhin hat er mich stehen lassen und ist abgehauen und seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.<<
>> So ein elendiger, mieser, widerlicher, ätzender, beschissener...<<
>> Charly!<< unterbrach ich ihn, da er ihn nicht beleidigen sollte und ich nicht wusste, ob Emily es nicht hören würde. Er nickte nur, atmete tief durch und dachte einige Sekunden nach, ehe er mich wieder ansah.
>> Wie stehst du dazu? Von Blake will ich jetzt mal nichts hören. Wie stehst du zu eurem Kind?<<
>> Um ehrlich zu sein... Ich habe keine Ahnung. Eigentlich wollte ich keine eigenen, wollte unbedingt Karriere machen und mein Leben genießen, hatte Angst das ich genauso wie damals fühlen würde, als...<< antwortete ich, bis mir auffiel, dass er nichts von meiner früheren Schwangerschaft wusste, weswegen er mich auch irritiert ansah.
>> Das wusstest du ja noch gar nicht... Ich war schon mal schwanger.<<
>> Was? Wann und von wem?<<
>> Vor fast fünf Jahren von Adam.<< gestand ich ihm und sah in sein schockiertes Gesicht, sah die Sorgenfalten auf seiner Stirn, weswegen ich einfach weitersprach.
>> Es war schrecklich damals. Von einem Vergewaltiger schwanger zu sein. Sein Kind im Bauch zu tragen, an die Tat erinnert zu werden, immer wieder an ihn erinnert zu werden, was ich nicht ertrug.<<
>> Also hast du es abgetrieben?<< hakte Charly nach, woraufhin ich nickte und an damals dachte.
>> Ja und das konnte mir gar nicht schnell genug gehen. Es fühlte sich komplett falsch an schwanger zu sein und alles in mir sträubte sich dagegen. Ich ekelte mich regelrecht davor, davor was in meinem Bauch war, weswegen ich dachte, dass es nicht nur am Kindsvater und den Umständen liegen könnte, sondern daran, dass ich einfach generell keine Kinder haben wollte. Dass ich auch bei einer erneuten Schwangerschaft so reagieren würde...<<
>> Und hast du diese Gedanken? Erträgst du es grade nicht schwanger zu sein? Möchtest du es abtreiben? Möchtest du lieber Karriere machen?<<
>> Nein... Jedenfalls ist es nicht so extrem wie damals, aber auch nicht 100 Prozent positiv. Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite möchte ich es bekommen, weil ich meine Karriere nicht mehr als Mittelpunkt meines Lebens ansehe, sondern mich selbst. Weil es das Kind eines Mannes wäre, den ich liebe, weil ich Kinder liebe und es mein eigen Fleisch und Blut wäre. Aber auf der anderen Seite möchte ich auch arbeiten, meine Karriere voran treiben, mich noch ein wenig an die erste Stelle packen, nachdem ich das jahrelang nicht konnte und ich habe Angst. Angst es alleine groß ziehen zu müssen, schon wieder. Angst, dadurch Blake zu verlieren. Angst überfordert zu sein. Angst, dass ich versage...<< erklärte ich ihm, wobei ich zum Ende hin immer mehr flüsterte, da es mich so mitnahm. Charly spürte es anscheinend, da er näher zu mir rückte, meine Hände nahm und mich liebevoll ansah.
>> Eve... Ich kann deine Ängste verstehen, aber ich weiß auch, was für eine starke Person du bist. Du hast schon zwei Kinder groß gezogen und das so toll. Warum solltest du es dieses Mal nicht schaffen und wie gesagt, es wäre dein eigenes Kind. Und deine Karriere könntest du auch mit deinem Kind erreichen, könntest dir weiterhin Zeit für dich nehmen, da du ja keine Nebenjobs mehr bräuchtest. Es bedeutet ja nicht das Ende der Welt, wenn du dich für dein Kind entscheidest...<< beruhigte er mich, als sich sein Blick auf einmal verdunkelte und sein Druck an meinen Händen stärker wurde.
>> Und Blake, dieser...<<
>> Charly bitte. Er hat seine Gründe.<<
>> Welchen Grund könnte es geben, seine Freundin sitzen zu lassen, nachdem sie ihm erzählt hat, dass sie ein Kind von ihm erwartet?<< fragte er mich zornig und machte keinen Hehl daraus, was er grade über ihn dachte.
>> Weil er selbst überfordert ist... Er hat Angst und zwar noch wesentlich mehr als ich. Er hatte mit acht Jahren eine kleine Schwester bekommen, die er über alles geliebt hatte, die bei ihm im Zimmer schlief und auf die er aufpasste und die dann nach einigen Monaten am plötzlichen Kindstod verstarb. Er war derjenige, der sie morgens gefunden und versucht hatte, sie zu wecken. Derjenige der herausfinden musste, dass sie gestorben war... Er hat einfach Angst, dass auch sein Kind sterben könnte und dagegen kann er nichts tun, egal wie vermögend er ist und wie stark er aufpasst.<< klärte ich ihn auf, damit er auch Blakes Sicht verstand. Ich wusste, dass Blake kein schlechter Mensch war und mich niemals einfach so sitzen lassen würde. Doch die Situation, die Erinnerungen und die Gefahr, dass es sich mit seinem eigenen Kind wiederholen könnte, sorgten dafür, dass er sich zurückzog.
>> Um ehrlich zu sein... Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass er sich nicht so anstellen und einfach seinen Mann stehen sollte, aber seit Ben auf der Welt ist. Die Angst, dass er es nicht schaffen könnte... Zu sehen, wie alles von einer auf die andere Sekunde vorbei sein könnte... Nichts tun zu können, während dieser kleine Mensch da liegt und kämpft und als Eltern so hilflos zu sein, während einem das Herz zerreißt, weil man diesen kleinen Menschen schon so sehr liebt... Diese Angst wünsche ich keinem... Wirklich niemandem und wenn er schon jemanden verloren hat, dann kann ich diese Angst nur all zu gut verstehen. Nach der Sache mit Ben könnte ich mir nicht vorstellen noch ein drittes Kind mit Maggie zu bekommen, weil ich das nicht noch einmal schaffen würde. Diese Angst ist so stark, wobei es ja bei uns noch gut ausgegangen ist, aber wenn Ben wirklich gestorben wäre... So etwas ist zu heftig...<< pflichtete er Blake bei, was ich niemals für möglich gehalten hätte.
>> Ich habe ihn mit Kindern gesehen. Er war es, der den Tag mit Emily geplant hatte, der extra für den Tag eine Limousine und einen Kindersitz gemietet hatte, damit wir sie im Auto mitnehmen konnten, der im Aquarium alles organisiert hatte, damit wir nicht anstehen mussten, der mit ihr und allen anderen Kindern, die wir bisher kennengelernt haben, herumgealbert hatte.... Das war alles er, nicht ich. Sobald die Kinder größer sind, ist es kein Problem für ihn und er hat Spaß mit ihnen und ist ausgelassen, spielt und albert mit ihnen herum, genießt die Zeit, aber so lange sie unter einem Jahr alt sind, lähmt ihn seine Angst und er ist dann zu nichts fähig.<<
>> Verstehe.<< seufzte Charly und sah kurz zu Emily, die nach ihrem Papa gerufen hatte, da sie seine Bestätigung haben wollte, dass sie die besten Kuchen der Welt backte.
>> Blake braucht noch Zeit. Wahrscheinlich zerbricht er sich die ganze Zeit über den Kopf und da enge ich ihn jetzt nicht ein. Wenn er so weit ist, wird er zu mir kommen. Das hoffe ich jedenfalls.<< seufzte ich und fragte mich innerlich, wann es so weit wäre. Wann würde ich auf ihn zugehen, weil ich nicht mehr warten könnte? Nach wie vielen Tagen, Wochen oder Monaten? Immerhin waren schon vier Tage ohne ein Lebenszeichen vergangen.
>> Und wenn nicht?<< fragte Charly vorsichtig nach und sah nachdenklich auf meinen Bauch, während ich zu Emily sah und überlegte.
>> Dann werde ich das wohl alleine schaffen müssen.<<
>> Keine Abtreibung?<<
>> Nein, ich glaube nicht. Das Kind kann nichts dafür und ich bin fertig mit meiner Ausbildung. Verdiene gutes Geld, was ich die nächsten Monate noch beiseite legen könnte, um finanziell einen Puffer zu haben. Ich könnte eine bessere Wohnung finden, diese in Ruhe einrichten... Irgendwie wird das schon klappen, auch wenn ich das nicht allein schaffen möchte.<< murmelte ich, wobei mir diese Möglichkeit nicht gefiel. Ich liebte Blake und ich konnte und wollte das Kind nicht abtreiben.
Charly hatte Recht, damals war es eine andere Situation gewesen. Zwar konnte das Kind nichts dafür, wie es entstanden war, aber ich hätte es nicht ertragen, es zu bekommen. Wohlmöglich jedes Mal an Adam erinnert zu werden, wenn es aussah wie er. Ihm oder ihr zu erklären, wie es entstanden war und wer sein oder ihr Vater war.
Doch nun war es das Kind eines tollen Mannes. Eines Mannes, den ich über alles liebte. Mit dem ich sogar den Bund fürs Leben eingegangen war. Ich war mir sicher, dass er mich nicht einfach so sitzen lassen würde. Dass er sich um mich und das Kind kümmern würde und dass er zur Vernunft käme. Doch die Zeit bis dahin, war auch für mich nervenaufreibend, da ich ihn jede einzelne Sekunde vermisste und in der Luft schwebte.
>> Ich bin immer für dich da Eve, das weißt du hoffentlich und auch wenn Blake einen Rückzieher macht, auf mich kannst du zählen. Ich werde dir bei allem helfen.<< versicherte er mir, was mich ein wenig aufbaute.
>> Ich weiß, danke.<<
>> Und finanziell solltest du dir am wenigsten Sorgen machen. Er ist der Vater, also würde er auch bezahlen müssen.<<
>> Darüber mache ich mir auch am wenigsten Sorgen. Ich möchte ihn einfach nur wiederhaben, weil ich ihn liebe und vermisse.<< seufzte ich und spürte den Kloß in meinem Hals, da meine Gefühle mich wieder einmal über den Haufen rannten.
>> Komm her Süße.<< sagte er liebevoll und zog mich an sich, wo ich mich an seine starke Seite schmiegte und fallen ließ. Es tat gut mal wieder in den Arm genommen zu werden und zu spüren, dass ich nicht allein war. Auf Charly und auch Maggie würde ich immer zählen können und auch Laura war wieder an meiner Seite, ebenso wie Robert, der ein richtig guter Freund geworden war. Ich war nicht alleine, weswegen ich mir nicht so viele Sorgen machen sollte, wobei das nicht so einfach war.
Auch wenn Blake sich wirklich von mir trennen würde, hätte ich genügend Menschen um mich, die mich unterstützten und mir Kraft geben würden. Ein Kind war kein Weltuntergang und insgeheim freute ich mich über diesen kleinen Zwerg, was ich jedoch nicht zugeben wollte, da die Meinung von Blake dazu noch nicht klar war.
Es wäre wesentlich einfacher, wenn Blake endlich das Gespräch suchen würde und mir seine Sicht der Dinge mitteilen würde. Nicht zu wissen, woran ich war, war das mieseste Gefühl, dass es gab, da ich damit nicht planen konnte und in der Luft schwebte.
Kapitel III
Blake
>> Können wir reden?<< fragte mich Dan und schloss bereits die Tür zu meinem Büro, obwohl ich keine Lust auf ein Gespräch mit ihm hatte. Ich wusste, dass er mit mir über Evelyn reden wollte, da ich es bisher immer herausgeschoben hatte, doch auch nach einer Woche konnte ich mit diesem Thema noch nicht umgehen.
Als ich gestern nach Hause gekommen war, hatte ich bemerkt, dass sie sich in meiner Abwesenheit einige Kleidungsstücke und Kosmetikartikel geholt hatte. Auch ihre Handtasche hatte auf einmal gefehlt, weswegen ich sie beinahe angerufen hätte.
Ich musste das mit ihr klären, aber sobald ich an sie und die Schwangerschaft dachte, war ich zu nichts mehr in der Lage. Unzählige Male hatte ich ihre Nummer gewählt, aber nicht auf anrufen gedrückt, weswegen es bei den kläglichen Versuchen geblieben war.
>> Ich möchte aber nicht darüber reden...<< murmelte ich Dan zu und sah wieder auf die Verträge vor mir, was ihn jedoch nicht interessierte.
>> ICH möchte aber reden.<< erwiderte er streng und ließ mich nicht aus den Augen.
>> Sie hat es dir erzählt, richtig?<< hakte er nach, weswegen ich aufgab und mich seufzend zurücklehnte.
>> Dass sie schwanger ist? Ja, hat sie.<<
>> Wann?<<
>> Vor einer Woche.<<
>> Und? Hast du mit ihr geredet? Habt ihr eine Entscheidung getroffen? Wie geht es dir und ihr damit?<< überhäufte er mich mit Fragen, die jedes Mal ein Stich in die Magengrube waren.
>> Wenn du es genau wissen möchtest. Sie hat es mir an dem Abend nach der Anprobe erzählt, ich bin ausgerastet und bin abgehauen. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen oder gesprochen.<< gab ich zu, hasste mich selbst für mein Verhalten, vor allem weil ich ihr ein anderes Verhalten versichert hatte und spürte, wie angewidert Dan mich ansah.
>> Du bist so ein feiger und widerlicher Wichser!<< schrie er mich lautstark an, stand auf und warf den Locher nach mir, woraufhin auch ich aufsprang und ihn anschrie.
>> Was soll die Scheiße?<<
>> So ein Arschloch!<< schrie er erneut und warf mit dem Stuhl nach mir, der eben noch vor ihm gestanden hatte. Blitzschnell wehrte ich den Stuhl ab, verteidigte mich, indem ich eine Flasche nach ihm warf, die er jedoch ebenfalls gut abwehrte.
Plötzlich ging er auf mich zu und stürzte sich auf mich, woraufhin wir die Fäuste sprechen ließen. Ich spürte einige Schläge von ihm an meinem Bauch, als er einen guten Treffer an meinem Kiefer landete, doch auch ich teilte aus, traf ihn am Wangenknochen, bis wir auf den Boden flogen und weitermachten.
Während wir uns auf dem Boden herumwälzten und immer wieder zuschlugen, fielen einige Gegenstände herunter, weswegen es ziemlich laut wurde und schließlich Lewis zu uns kam, der uns fassungslos ansah, ehe er dazwischen ging.
>> Hört auf mit der Scheiße. Wie oft muss ich euch denn noch auseinander zerren? Hat das beim letzten Mal nicht gereicht?<< schrie er uns an, während wir uns trennten und jeder die Stellen rieb, wo der andere ihn gut getroffen hatte.
>> Kann mir einer von euch erklären, was hier los ist? Wieso ihr wieder einmal wie Tiere aufeinander losgeht?<<
>> Weil Blake ein Wichser ist!<<
>> Halt doch einfach deine verdammte Fresse, immerhin betrifft es dich nicht.<< fuhr ich ihn an, trank einen Schluck Whisky und betäubte somit den Schmerz.
>> Mich betrifft es nicht? Du bist mein Freund, wir sind Partner in diesem Unternehmen, da betrifft es mich sehr wohl, wenn du charakterlich ein Arschloch bist und dich wie ein Waschlappen verhältst.<<
>> Waschlappen?<<
>> Ja, Waschlappen!<< wiederholte Dan noch einmal überdeutlich, ehe er fortfuhr.
>> Nach außen tust du immer so, als seist du stark und als könnte dir nichts etwas anhaben. Mit deinen ganzen Muskeln, deinen Tattoos, deinem Vollbart... Aber in Wirklichkeit bist du schwächer als jedes Kind. Sie ist deine Ehefrau, ist selbst vollkommen überfordert, weiß nicht, was sie machen soll, ob sie das Kind behalten soll und du? Anstatt ihr beizustehen, eine Lösung zu finden, ihr Mut zuzureden, lässt du sie stehen und verpisst dich? Meldest dich eine verfickte Woche nicht bei ihr?<< schrie er mich erneut an, während Lewis mich entgeistert ansah.
>> Evelyn ist schwanger?<<
>> Ja.<< antwortete ich ihm missmutig und trank einen weiteren Schluck.
>> Vielleicht.<< entgegnete mir Dan und sah mich dabei scharf an.
>> Vielleicht hat sie es ja auch schon abtreiben lassen, weil der Vater sich einfach verpisst hat. Vielleicht hat sie ja dein Baby getötet. Vielleicht hat sie deswegen auf den Bildern in den Zeitschriften so geweint und eine starke Schulter bei Charly gesucht.<< konfrontierte er mich. Abtreibung, ein Gedanke, der mir noch nicht gekommen war und der mein Innerstes plötzlich schmerzlich zusammenziehen ließ.
Dazu noch die Tatsache, dass sie wohl geweint und sich an Charly gewandt hatte, um Trost zu finden, den ich ihr im Moment nicht bieten konnte... Im Gegensatz zu Dan hatte ich sämtliche Zeitschriften und Klatschspalten im Internet gemieden, weswegen ich nicht so gut informiert gewesen war, wie er.
>> Du redest so einfach Dan, aber du hast June damals auch nicht im Bett liegen sehen, hast sie nicht angefasst, nicht gemerkt wie kalt und steif sie gewesen war. Hast den Schmerz nicht empfunden und das Gefühl, dass du versagt hättest... musstest die Blicke der anderen nicht ertragen, die dir die Schuld zugeschoben haben...<<
>> Es war ein plötzlicher Kindstod, da kann man nichts gegen tun, das passiert leider manchmal Blake! Es war aber nicht deine Schuld!<<
>> Ich würd es aber nicht überleben, wenn es meinem eigenen Kind passiert!<< sagte ich verzweifelt, während mich beide mitfühlend ansahen und ich seufzend aufs Sofa sank.
>> Deswegen tötest du es lieber direkt im Mutterleib? Wirst ein Mörder?<< fuhr er mich kopfschüttelnd an, was mich kurz innehalten ließ, da mir dieser Gedanke noch nie gekommen war.
>> Bei June war es die Hölle gewesen und das schaffe ich nicht noch einmal.<<
>> Aber das passiert selten und überleg doch mal, wie sehr du sie geliebt hast, wie sehr du dich um deine kleine Schwester gekümmert hast... Hatte sie kein schönes Leben davor? Wäre es besser gewesen, wenn sie nie gelebt hätte?<< fragte Dan mich vorsichtig und wesentlich ruhiger als eben.
>> Überleg doch mal, Evelyn ist Ärztin, sie weiß, was sie machen muss, um das so gut es geht zu verhindern. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten der Überwachung im Kinderbett, meinetwegen überwache dein Kind ein Jahr lang wie im Krankenhaus auf der Intensivstation, aber denk doch mal an die Freude, wie viel Freude du mit June hattest. Es ist dein Kind, was sie hoffentlich noch im Bauch trägt, weswegen ihr auf der Yacht so übel war, weswegen sie keinen Tropfen Alkohol getrunken hatte... Dein Kind, dein Fleisch und Blut.<< redete er mir ins Gewissen, was sich immer wieder in meinem Kopf wiederholte. Mein Kind. Mein Fleisch und Blut...
>> Ich habe Angst.<<
>> Ich weiß und Evelyn wusste das auch. Sie hat mir auf der Yacht erzählt, wie du sicherlich reagieren würdest und ich Depp sage ihr auch noch, dass sie mit dir reden müsse, dass sie sich trauen müsse und dass du schon damit klar kommen würdest und was machst du?<< fuhr er mich noch einmal an, während ich nickte und die Kritik einsteckte.
>> Deswegen war sie gestern so kurz angebunden, als sie über dich sprachen...<< murmelte Lewis nachdenklich, was mich sofort aufmerksam werden ließ.
>> Gestern?<<
>> Ja, Jen hat sich mit Diane und ihr noch einmal getroffen abends, um Kleinigkeiten wegen der Hochzeit zu besprechen und anschließend erzählte sie mir halt, dass Evelyn nachdenklich und traurig gewirkt habe. Sie hat ein paar Mal nachgefragt, aber Evelyn hatte es dann mit der Begründung abgetan, dass sie nur durcheinander sei, weil sie ja morgen...? Ja, morgen fliegt sie ja mit ihrem Kollegen für drei Wochen nach Kenia, dass es deswegen sei.<< klärte er uns auf, was mich sofort in Panik versetzte. Die drei Wochen in Kenia mit Robert hatte ich vollkommen vergessen. Deswegen hatte sie sich auch die Sachen aus der Wohnung geholt.
>> Ach ja und Jen wollte sich ein Taxi mit Evelyn teilen, weil deine Wohnung ja nicht so weit von unserer entfernt ist, aber da meinte Evelyn, dass sie zu sich nach Hause fahren würde, da du arbeiten müsstest und dass das am anderen Ende der Stadt sei.<<
Sofort verspannte ich mich noch mehr, als ich an ihre Wohnung dachte, daran, wie sie seit einer Woche auf einer Matratze im Dreck schlief und das mit meinem Kind im Bauch, an das heruntergekommene Gebäude, die Wände, die spärliche Einrichtung, die anderen Mieter und Drogenabhängigen, weswegen ich es nicht mehr aushielt und aufstand.
>> Was machst du?<< fragte Dan mich schnell und stand ebenfalls auf, während ich meine Sachen zusammensuchte.
>> Zu Evelyn fahren und reden.<< knurrte ich und suchte meine Schlüssel. Kaum hatte ich sie gefunden, rannte ich aus dem Büro, die Treppen herunter und stieg in mein Auto ein, mit dem ich so schnell ich konnte zu ihrer Wohnung fuhr.
Im Rekordtempo lief ich die sechs Stockwerke nach oben, betrachtete die reparierte Tür und klopfte dagegen, doch es tat sich nichts. Wieder klopfte ich dagegen, dieses Mal jedoch ein wenig lauter und rief ihren Namen, doch niemand öffnete mir.
Verzweifelt stieg ich wieder ins Auto, fuhr zur Adresse von diesem Robert und klingelte auch dort einige Male, wo ebenfalls keiner öffnete, weswegen ich immer unruhiger wurde. Ich überlegte, was ich noch tun konnte und rief Laura an, die jedoch nicht ans Telefon ging.
Fluchend setzte ich mich wieder ins Auto, fuhr in meine Wohnung, um zu sehen, ob sie vielleicht dort war, doch auch da war keine Evelyn zu sehen, weswegen meine letzte Hoffnung das Krankenhaus war. Wenn sie nach Kenia fliegen und operieren durfte, dann würde sie vielleicht auch hier wieder arbeiten dürfen.
Ich parkte vor dem Gebäude, lief nach oben auf ihre Station und fragte die Schwestern, ob Evelyn heute Dienst hätte, was sie nach einem langen Zögern und vielen Überredungskünsten zugaben. Allerdings operierte sie grade auf der Notfallstation, weswegen ich wieder nach unten lief und mich in den Wartebereich setze.
Die Minuten verstrichen wie Stunden, während ich genügend Zeit hatte über Dans Worte nachzudenken. Natürlich war mein Kopf seit einer Woche mit nichts anderem beschäftigt gewesen, doch alleine hatte ich mich immer nur in die falsche Richtung verrannt.
Schon Ava hatte mir gesagt, dass sie viel Angst gehabt hatte und dass sie auch alle möglichen elektronischen Überwachungsgeräte am Bett gehabt hatte, also würde ich das doch auch schaffen.
Und was wäre schlimmer, wenn ich mein Kind jetzt tötete und ein Mörder wurde, weil wir es abtreiben ließen, oder wenn es am plötzlichen Kindstod starb, wobei die Wahrscheinlichkeit gering war und bis dahin ein schönes Leben hatte, wo es Liebe und Zuneigung erfahren würde? Vielleicht ging ja auch wirklich alles gut und es würde nichts passieren.
Natürlich liebte ich Kinder und konnte es kaum erwarten eigene zu bekommen, wenn da nicht dieses verflixte erste Jahr wäre. Am liebsten würde ich einfach vorspulen, doch das ging nicht, auch nicht für Millionen von Dollar.
Ich überlegte grade, wie unser Kind wohl aussehen würde, ob es Evelyns blonde Locken oder meine dunklen Haare erben würde, als ich ihre Stimme hinter mir hörte und mich sofort umdrehte. Evelyn stockte kurz in ihrem Gespräch mit den Angehörigen und sah mich kurz überrascht an, ehe sie sich wieder konzentrierte und weitersprach.
Seit einer Woche hatte ich sie nicht gesehen, weswegen mich ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung direkt wieder umhauten. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass sie mich geheiratet hatte, was sie wohl auch schon bereute, nachdem ich mich wie der letzte Arsch aufgeführt hatte.
Während sie weitersprach beobachtete ich ihr warmes Lächeln, das sie den Angehörigen schenkte, sah wie sich ihre Locken leicht bewegten und auf und ab wippten, als sie nickte. Vor mir stand die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Kindes und anstatt ihr beizustehen, weil es auch für sie nicht einfach gewesen sein musste, hatte ich nur an mich gedacht und den Schwanz eingezogen.
Ich war mehr als egoistisch gewesen, wofür ich mich selbst am meisten hasste. Sie hatte ein besseres Verhalten verdient, eine bessere Stütze in ihrem Leben verdient und auch einen besseren Ehemann verdient, was mir erst jetzt klar wurde, wo ich sie sah.
Ich wartete geduldig, bis sie sich von den Leuten verabschiedet hatte und zu den Schwestern zurückging, um ihnen die Akte zu geben. Doch anstatt danach zu mir zu kommen, ging sie zum Aufzug und drückte auf den Knopf, weswegen ich schnell zu ihr ging.
>> Evelyn ich...<< begann ich den Satz, als ich neben ihr stand und wir zusammen auf den Aufzug warteten, als sie mich auch schon unterbrach.
>> Ich muss arbeiten Mr Humphrey.<<
>> Evelyn...<< seufzte ich, wobei ich ihre Abfuhr und die Kälte, mit der sie es gesagt hatte, nur all zu gut nachvollziehen konnte.
Wir stiegen zusammen in den Aufzug ein, wobei sie mich immer noch komplett ignorierte, was ich jedoch auch nicht anders verdient hatte. Auf der ersten Etage hielten wir kurz an, wo dieser Robert zu uns stieß und uns stirnrunzelnd ansah.
Schnell verharrte sein Blick auf mir, während wir uns schweigend duellierten. Ich versuchte ihm zu verstehen zu geben, dass er sich verziehen solle, doch bei seinem Ego war das ohnehin nutzlos gewesen. Mit einem triumphierenden Lächeln stieg er ein und ignorierte mich schnell, da er seine Aufmerksamkeit Evelyn schenkte. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie stolz er grade auf sich war, dass er Evelyns Aufmerksamkeit bekam, während mir dies weiterhin versagt war.
>> Kann ich dich gleich noch mal sprechen?<< fragte er Evelyn und stellte sich vor sie.
>> Ich komme gleich zu dir.<<
>> Aber erst nach Mitternacht.<< forderte er sie grinsend auf, was mich stutzig machte.
>> Sag bloß, du hast was für mich.<<
>> Natürlich. Meine Schneeflocke wird nur einmal 28.<< zwinkerte er ihr zu und verließ den Aufzug, während ich mich am liebsten in Luft aufgelöst hätte. Ich hatte ihren Geburtstag vollkommen vergessen und nun waren es nur noch zwei Stunden, bis es so weit war.
Doch bevor ich mich weiter deswegen verfluchen konnte, stieg Evelyn auf ihrer Etage aus und ging, ohne mich zu beachten, zu den Schwestern.
>> Wie geht es meinen Patienten?<< fragte sie und blätterte durch einige Akten, während ich so langsam die Geduld verlor. Ich wusste einfach nicht, wie ich zu ihr durchdringen sollte, wie ich sie dazu bringen könnte, mich zu beachten.
>> Die sind alle stabil. Dr. Ross hat eben noch nach ihnen gesehen.<<
>> Ist gut. Piepen Sie mich an, falls etwas sein sollte.<<
>> Natürlich Dr. Chamberlain.<< versicherte ihr die Schwester, als mir auffiel, dass sie hier alle noch unter ihrem alten Namen kannten, was wir jedoch so abgesprochen hatten. Bevor ich reagieren konnte, wandte Evelyn sich von mir ab und ging zurück zu den Aufzügen, weswegen ich ihr schnell folgte.
>> Bitte, ich flehe dich an! Rede mit mir!<<
>> Nicht während meiner Arbeit. Solltest du ein medizinisches Problem haben, bin ich gerne für dich da, aber sonst lass mich in Ruhe!<< fuhr sie mich erneut an, was mich zur Verzweiflung brachte. Ich musste unbedingt mir ihr sprechen, musste das mit ihr klären, bevor sie nach Kenia fliegen würde, weswegen ich mich schnell umsah und ohne darüber nachzudenken ein Messer vom Besteckwagen neben uns nahm, was ich mir im nächsten Moment ins Bein rammte.
>> Blake!<< schrie Evelyn mich an und sah entsetzt auf meinen Oberschenkel, wo das Messer drin steckte, während ich den stechenden Schmerz so gut es ging ertrug. Immerhin hatte ich jetzt ihre Aufmerksamkeit, da es nach ihrer Schicht zu spät gewesen wäre, da sie dann nach Kenia fliegen würde und diese drei Wochen könnte ich nicht warten. Wir mussten jetzt reden.
>> Hörst du mir jetzt zu?<< fragte ich sie mit zusammengebissenen Zähnen, da der Schmerz doch ziemlich stark war.
>> Du bist so ein Vollidiot!<< wich sie mir wütend aus, nahm einen Rollstuhl, der etwa drei Meter entfernt gestanden hatte und setzte mich hinein. Sofort schob sie mich in einen freien Behandlungsraum und rief anscheinend einen anderen Arzt an, der sofort zu uns kommen sollte.
>> Leg dich auf die Liege.<< bat sie mich und versuchte wirklich mir dabei zu helfen, weswegen ich sie böse anfunkelte.
>> Das schaffe ich schon allein...<<
>> Wieso rammst du dir ein beschissenes Messer ins Bein?<< schrie sie mich erneut an und boxte mir in den Oberarm, um ihrer Wut Luft zu machen.
>> Damit du mir zuhörst! Du hast selber gesagt, dass ich...<<
>> Ich weiß, was ich gesagt habe, aber ich konnte nicht wissen, dass du es direkt in die Tat umsetzt und es auf die Goldwaage legst.<<
>> Was kann ich für dich tun Eve?<< fragte plötzlich ein Arzt, der in den Raum getreten war und uns nachdenklich ansah.
>> Mr Humphrey hier hat sich ein Messer in den Oberschenkel gerammt. Frag nicht wieso, aber könntest du bitte einmal nachsehen, ob irgendwelche Nerven verletzt sind?<<
>> Kannst du es nicht einfach rausziehen und die Wunde zunähen?<< fragte ich Evelyn schroff, da ich jetzt keine Lust hatte untersucht zu werden. Sie sollte es nur zunähen und dabei mit mir reden, was nicht ging, wenn noch eine dritte Person im Raum wäre.
>> Nein, kann ich nicht.<<
>> Ich schaue es mir an.<< versicherte er ihr, während sie zur Tür ging, was mir ganz und gar nicht gefiel. Sie sollte hier bleiben.
>> Evelyn, wo gehst du hin?<< fragte ich sie panisch, da dieser Schmerz und diese Wunde nicht umsonst gewesen sein sollten. Mein Ziel war es mit ihr zu reden und nun verschwand sie?
>> Ich sage den Schwestern nur kurz Bescheid, dass wir dich behandeln und fülle den Papierkram für dich aus. Bin gleich zurück.<<
Mit diesen Worten verschwand sie aus dem Raum, während ich mit dem Arzt zurückblieb, der sich das Messer in meinem Bein nun genauer ansah. Da ich die ganze Zeit über nachsah, ob Evelyn endlich zurückkäme, achtete ich überhaupt nicht auf die Untersuchungen, die er durchführte, geschweige denn darauf, was er mir erzählte.
Plötzlich ging er aus dem Raum heraus, ließ mich allein zurück, als wenige Minuten später wieder Evelyn zurückkam und ziemlich fertig aussah. Sie schien müde und überarbeitet zu sein, was sie in ihrem jetzigen Zustand definitiv nicht sein sollte.
>> Du hast Glück gehabt.<< seufzte sie, legte meine Akte zur Seite und kam zu mir, um mir endlich das Messer aus dem Bein zu ziehen.
>> Das hätte übel ausgehen können, also mach das nie wieder! In deinem Bein sind viele Nerven, die du mit solch einer dummen Aktion verletzen könntest, von der Möglichkeit wichtige Arterien zu treffen mal abgesehen...<<
>> Es tut mir Leid, aber ich suchte nur nach einem Weg mit dir zu reden.<<
Sie nickte nur und konzentrierte sich auf mein Bein, da sie das Messer nun Millimeter für Millimeter herauszog, bis sie es neben sich in eine sterile Schale legte und einen Tupfer auf die Stelle drückte.
>> Drück da bitte kurz drauf. Ich hole etwas zum Nähen.<< forderte sie mich auf und stand bereits auf, um aus den Schubläden und Schränken die notwendigen Sachen herauszuholen.
>> Wegen letzter Woche...<< wollte ich grade beginnen, als sie den Kopf schüttelte und wieder zu mir kam.
>> Nicht jetzt. Lass mich dich erst nähen und danach können wir meinetwegen reden. Ich brauche Ruhe dabei.<<
>> Ist gut.<< seufzte ich und wollte grade nach einer Betäubung fragen, als sie den ersten Stich setzte und ich die Zähne zusammenbiss.
>> Bekomme ich keine Betäubung?<<
>> Nein. Nicht nach der letzten Woche und schon gar nicht nach der dummen Aktion!<< legte sie fest und setzte den nächsten Stich. Wieder riss ich mich zusammen und ertrug auch noch die fünf weiteren Stiche, bis Evelyn zufrieden nickte und noch ein Pflaster drauf klebte.
>> Die Fäden müssen in einer Woche gezogen werden.<< erklärte sie mir und deutete auf den Rollstuhl, damit ich mich wieder hineinsetzte. Schnell zog ich meine Hose wieder an und tat ihr den Gefallen, woraufhin wir wieder zu den Aufzügen fuhren und einstiegen.
Sie redete kein Wort mit mir, bis wir ganz oben ausstiegen und die Stufen im Treppenhaus nach oben gingen, wobei ich jede einzelne Bewegung mehr als deutlich im Bein spürte. Draußen atmete ich die frische Luft ein und versuchte wieder Ordnung in das Chaos meines Kopfes zu bekommen, während Evelyn sich mit verschränkten Armen an die Wand lehnte und mich erwartungsvoll ansah.
>> Danke, dass du mir zuhörst, auch wenn ich das nicht verdient habe.<< sagte ich kleinlaut, während Evelyn mich unbeeindruckt ansah. Sie war sauer, sehr sogar, was verständlich war.
>> Ich weiß, dass ich nichts sagen kann, was mein Verhalten von letzter Woche in irgendeiner Weise wieder gut machen würde, aber... Verdammt... Es tut mir Leid, dass ich dir letzte Woche die Schuld gegeben habe, das war dumm. Es tut mir Leid, dass ich mich nicht an mein Versprechen, für dich da zu sein und ruhig zu bleiben, gehalten habe. Es tut mir Leid, dass ich einfach abgehauen bin und es tut mir Leid, dass ich dich dort stehen lassen habe, ohne deine Tasche, dein Geld... Es tut mir Leid, dass ich mich eine ganze Woche nicht gemeldet habe, dass ich dich mit all dem Stress und den Sorgen allein gelassen habe und dass ich so feige war.<< entschuldigte ich mich und blieb dabei auf Distanz, da sie mir noch nicht zeigte, dass sie bereit dafür war, dass ich näher kommen dürfte.
>> Warum?<< hauchte sie erstickt, sah mich kurz mit Tränen in den Augen an, bevor sie den Blick wieder zum Boden richtete.
>> Ich habe Panik bekommen, dachte nur noch an June und wie es wäre, mein eigenes totes Kind im Arm zu halten. Daran wie es wäre mein eigenes Kind zu Grabe tragen zu müssen. Wie ich daran zu Grunde gehen würde und wie ich mir das Leben nehmen...<<
>> Sag so etwas nicht!<< fuhr sie mir plötzlich dazwischen und funkelte mich böse an, weswegen ich nickte und inne hielt.
>> Also möchtest du, dass wir es abtreiben.<< schlussfolgerte sie schließlich und mied dabei den Augenkontakt.
>> Das müssen wir zusammen entscheiden und das waren ja auch nur meine ersten Gedanken gewesen. Seitdem sind einige Tage vergangen und Dan hat mir ein wenig Vernunft hineingeprügelt.<<
>> Ihr habt euch geschlagen?<<
>> Eben, ja.<<
Evelyn seufzte laut und sah sich mein Gesicht nun näher an, bevor sie sich hinhockte und mein Hemd nach oben zog, um die Blessuren von eben genauer zu betrachten.
>> Es sind nur blaue Flecke.<< wiegelte ich es ab, wobei es unendlich gut tat ihre Hände auf meiner nackten Haut zu spüren. Sie war so sanft und liebevoll zu mir, was ich überhaupt nicht verdient hatte. Selbst dieses Gespräch hätte ich nicht verdient gehabt.
>> Ich hoffe, dass du Dan auch ein paar ordentliche Hiebe verpasst hast, denn wirklich gut bin ich nicht auf ihn zu sprechen.<<
>> Er kann nichts dafür, er wollte nur, dass ich die Augen aufmache, weil es dir nicht gut ging, dass ich nicht den gleichen Fehler mache wie er.<< verteidigte ich ihn, da es vollkommen richtig gewesen war, wie er sich verhalten hatte.
>> Wie er?<<
>> Als er das zweite Mal mit Jules zusammen gewesen war, hatte er viel Stress gehabt. Er hatte sich um mich gekümmert, weil ich Kelly verloren und neben mir gestanden hatte. Er war es, der mich in die Klinik gebracht hatte, dann war sein Vater an Krebs erkrankt, seine Mutter wurde depressiv und so hat er nicht auf Jules geachtet und nicht mitbekommen, dass sie selbst um ihr Leben wegen einer Krebserkrankung gekämpft hatte. Um ihn dann nicht weiter zu belasten, ist sie einfach abgehauen und hat alleine dagegen angekämpft und sich erst jetzt, vier Jahre später, wieder bei ihm gemeldet und ihm das alles gestanden und das wollte er für uns nicht, weil er weiß, dass du so ähnlich reagieren könntest und weil er heute mitbekommen hat, wie ich dich seitdem behandelt habe, ist er auf mich losgegangen.<< erklärte ich es ihr, woraufhin sie nickte und ich ein wenig näher zu ihr trat, da sie nicht mehr so angespannt zu sein schien.
>> Wegen deiner Schwangerschaft...<< begann ich den Satz und atmete noch einmal tief durch, nahm ihre Hände in meine, um die Distanz zwischen uns ein wenig zu umgehen, was sie zum Glück zuließ.
>> Wenn es nach mir geht und da spreche ich jetzt wirklich nur von mir, dann bin ich dafür, dass wir das Kind bekommen. Bei einer Abtreibung würde ich mich wie ein Mörder fühlen, was noch schlimmer wäre als ein plötzlicher Kindstod, wobei beides nicht die optimale Lösung für mich ist, aber ich werde mein Bestes geben. Wahrscheinlich werde ich das Kinderzimmer dann eher wie eine Intensivstation ausstatten und es rund um die Uhr bewachen, aber da musst du dann nachsichtig sein mit mir. Und wenn du deine Karriere nicht hinten anstellen möchtest, wegen des Kindes, dann würde ich das schon irgendwie hinkriegen, immerhin bin ich mein eigener Chef und kann auch viel von zu Hause aus arbeiten und wenn...<<
Plötzlich stoppte Evelyn mich, küsste mich gierig auf den Mund und schlang ihre Arme um meinen Nacken, woraufhin ich sie in meine Arme nahm und fest an mich drückte, bis mir wieder ein unangenehmer Gedanke kam und ich mich kurz von ihr losriss.
>> Oder hast du schon abgetrieben?<<
>> Nein. Das konnte ich nicht, weil ich dich liebe und dieses Kind ein Recht hat zu leben.<<
Nie hätte ich gedacht, dass mich diese Antwort so erleichtern würde, weswegen ich sie wieder an mich zog und sie dankbar auf die Stirn küsste.
>> Also werden wir Eltern...<< flüsterte ich liebevoll, und ließ mir diesen Satz in Ruhe durch meinen Kopf gehen. Es hörte sich gut an, was ich vor ein paar Stunden noch nicht für möglich gehalten hätte.
>> Bist du sicher?<< hakte Evelyn noch einmal nach, weswegen ich nickte und sie daraufhin erleichtert grinste.
Liebevoll nahm ich ihr Kinn zwischen meinem Daumen und Zeigefinger gefangen, dirigierte ihre Lippen zu meinen und küsste sie zärtlich. Evelyn bäumte sich mir entgegen, sog tief die Luft ein und vertiefte den Kuss schnell, da wir beide einander brauchten und wollten.
Unsere Zungen tanzten wild umeinander, heizten uns an und sorgten dafür, dass wir immer wilder wurden. Doch mein Körper verlangte nach mehr, viel mehr, weswegen ich sie packte, sie stärker an mich drückte und ihren knackigen Hintern knetete.
>> Ich war so dumm...<< murmelte ich kurz, während ich mit der anderen Hand über ihren Hals strich und ihren Kittel ein wenig zur Seite schob.
>> Du hattest deine Gründe...<< nahm Evelyn mich in Schutz, was mir wieder vor Augen führte, wie gut ich es mit ihr hatte. Sie war so verständnisvoll, was ich nicht verdient hatte.
>> Trotzdem... Das war nicht in Ordnung...<<
>> Shh...<< brachte sie mich liebevoll zum Schweigen und sah mich dabei mit einem Blick an, den ich nur zu gut an ihr kannte. Sie wollte mich, brauchte mich und einen Orgasmus, weswegen ich sie gierig küsste, meine Hand dabei nach unten gleiten ließ und ihre Mitte erst leicht und dann immer stärker massierte.
Die Schmerzen an meinem Bein versuchte ich zu unterdrücken, wobei sie eh ziemlich schwach waren, da das Adrenalin, was grade durch meine Frau und ihre Wirkung auf mich ausgeschüttet wurde, die Oberhand gewann.
Auf einmal drückte Evelyn mich nach hinten, weswegen ich sie perplex ansah, doch bevor ich reagieren oder nachhaken konnte, zog sie mich vorsichtig in eine Nische, die weiter hinten lag. Vorsichtig drückte sie mich gegen die Wand und sah mir tief in die Augen, während sie jeden Knopf meines Hemdes öffnete und sich vor Verlangen auf die Lippe biss.
>> Evelyn...<< hauchte ich, da sie so zärtlich mein Hemd abstreifte und ich wenig später mit nacktem Oberkörper vor ihr stand, den sie liebevoll streichelte und küsste. Es tat so gut sie zu spüren, vor allem aber ihre Liebe zu mir zu fühlen, da es mir zeigte, dass wir die letzte Woche halbwegs unversehrt überstanden hatten.
>> Entspann dich mein Krieger...<< hauchte sie, ließ sich auf die Knie fallen und öffnete den Knopf meiner Hose, ehe sie sich am Reißverschluss zu schaffen machte und mich dabei wieder nicht aus den Augen ließ. Zärtlich strich sie über meine Beule, bis sie auch meine Boxershorts abstreifte und ihn gierig in ihren Mund aufnahm.
Es war ein göttliches Gefühl von ihrem heißen, nassen Mund umschlossen zu werden, während ihre Zunge meine Eichel umspielte. Ich genoss das Gefühl, diese Erlösung, diese Lebendigkeit lehnte meinen Kopf an die Wand und beobachtete sie voller Ehrfurcht. Ihre Hände streichelten immer wieder meinen Schaft, meine Eier und meine Oberschenkel entlang, wodurch sie mich weiter anheizte.
>> Du machst das so gut...<< seufzte ich und sah, wie sie kurz grinste, sich jedoch nicht von ihren Liebkosungen ablenken ließ.
Liebevoll strich ich ihr durch die Haare, dirigierte ihren Kopf, wobei der Rhythmus immer schneller, ihre Penetration immer stärker und meine Erektion immer härter und schmerzender wurde, da ich noch nicht kommen wollte. Doch das war bei Evelyn schwierig, da sie es mir nicht leicht machte.
Sie saugte so stark an meinem Schwanz, knetete meine Eier immer stärker, nahm ihn immer so tief wie möglich in sich auf, ehe sie ihn wieder mit ihrer Zungenspitze verwöhnte, meine Adern nachzeichnete und mir dabei tief in die Augen sah. Sie zeigte mir, wie gern sie das machte, zeigte mir, wie stark es sie selbst anturnte, da ihre eigene Atmung schon wesentlich kehliger und schneller geworden war und wie sehr sie sich über meine Reaktion freute.
>> Evelyn, das ist zu heftig und zu geil... Ich würde so gerne kommen, aber ich möchte und muss dich noch spüren, muss dich zum Orgasmus bringen...<< keuchte ich, woraufhin sie mich ansah, meinen Schwanz aus ihrem Mund gleiten ließ und ihn noch ein letztes Mal auf die Eichel küsste, ehe sie sich erhob.
>> Dann leg dich aber hin, denn durch deine Aktion mit dem Messer eben musst du dein Bein schonen...<<
>> Das geht schon...<< wollte ich grade einwenden, als Evelyn strafend mit dem Kopf schüttelte.
>> Nein, du legst dich hin und ich werde dich für meine Lust benutzen.<< sagte sie streng, während ich ihrer Aufforderung folgte und mich vorsichtig hinlegte, wobei ich wieder die Wunde spürte und ihr Recht geben musste.
Gierig sah ich Evelyn dabei zu, wie sie sich auszog. Wie sie ihr Oberteil über ihren Kopf zog und ich ihren nackten Bauch kurz sehen konnte, da sie sich gestreckt hatte. Sofort zog sie auch noch ihr Oberteil aus, ebenso wie ihren BH, als sie endlich obenrum nackt vor mir stand und ich ihre wunderschöne Silhouette betrachtete.
Ihre großen, geschwollenen Brüste reckten sich mir entgegen, nachdem sie auch noch ihre Hose und ihre Panty ausgezogen hatte und sie sich über mir positioniert hatte. Beim Anblick ihrer harten Nippel konnte ich nicht mehr anders und strich mit meinen Händen sanft darüber, ehe ich sie zwischen meine Finger nahm und reizte.
>> Blake...!<< stöhnte Evelyn leicht und nahm meinen harten, pochenden Schwanz in ihre Hand, der immer noch ruhelos auf meinem Bauch lag.
>> Setz dich auf ihn...<< forderte ich sie auf und konnte es kaum erwarten, woraufhin sie mich teuflisch anlächelte.
>> Mach die Augen zu...<< bat sie mich grinsend, was ich sofort tat, da ich ihr heute nicht widersprechen würde und gespannt war, was sie machen würde.
Lange Zeit passierte nichts, außer dass mich Evelyn immer wieder zärtlich über meinen Oberkörper streichelte, weswegen ich schon wieder die Augen öffnen wollte, als sie sich plötzlich in einer schnellen Bewegung auf mich nieder ließ und meinen Schwanz komplett in sich aufnahm.
Lustvoll stöhnte ich auf, da dieses Gefühl und diese Enge, die ich so lange nicht gespürt hatte, mich überwältigten und öffnete wieder die Augen. Evelyn sah göttlich aus, wie sie auf mir saß mit diesem zufriedenen Gesichtsausdruck, mit ihren blonden Locken, den großen Brüsten, den harten Nippeln und ihrem straffen Bauch, während sie sich genüsslich auf mir bewegte und mich benutzte.
Es war ein Bild, was ich mir für die nächsten drei Wochen in mein Gehirn brannte, um es wieder hervorzuholen, wenn ich sie vermisste und brauchte. Ehrfürchtig hob ich meine Hände und strich ihr zärtlich über ihre Brüste, bis ich es nicht mehr aushielt und sie hart knetete.
>> Mhm... Evelyn... Benutz mich noch heftiger, nimm dir, was du willst und lass deine Wut an mir aus...<< spornte ich sie an, was sie sich nicht zwei mal sagen ließ.
Sie ritt mich so schnell und wild, so ungezügelt und voller Ekstase, während sie ihn jedes Mal so tief es ging in sich aufnahm und ihre Muskeln bis aufs Äußerste anspannte. Durch ihren Blowjob eben war ich schon so nah an meinem Höhepunkt, weswegen ich meine rechte Hand von ihrer Brust löste und damit ihre Klit reizte.
>> Ja Blake... Weiter...<< stachelte mich Evelyn an, beugte sich kurz herunter, um mich feurig zu küssen, ehe sie sich nach hinten lehnte und sich auf ihren Händen und Füßen abstütze.
Der Anblick war der absolute Wahnsinn. Schnell legte ich mir ihre Kleidung als Kissen unter meinen Kopf und blickte auf ihre nasse Fotze, die immer wieder meinen Schwanz in sich gleiten ließ, während ich ihre Perle sah und sie mit meinen Fingern stimulierte.
Der Winkel, in dem Evelyn nun meinen Schwanz in sich aufnahm, war so heftig und erregend, dass ich meine Lust nicht mehr aufhalten konnte. Wütend darüber, weil ich sie gern noch mehr ausgekostet hätte, penetrierte ich ihre Klit ebenfalls heftiger, woraufhin sie laut fluchte und ihre Muskeln wieder stark anspannte.
>> Evelyn! Nicht so heftig...<< schrie ich sie flüsternd an, als sie meinen Schwanz noch einmal ganz aus sich herausgleiten ließ, mich wieder teuflisch anlächelte und meinen Ständer wieder in einer schnellen Bewegung so tief es ging in sich aufnahm.
Ich konnte nicht mehr, gab auf und genoss das Gefühl loszulassen, genoss das Adrenalin und die Glücksgefühle, während mein Schwanz explodierte und Evelyn markierte.
>> Stöhn weiter, zeig mir, wie geil ich dich mache.<< stachelte mich Evelyn an, die selbst kurz davor war zu kommen, weswegen ich ihr den Gefallen tat und den Druck auf ihre Perle noch einmal erhöhte.
>> Du machst mich viel zu geil... Mein Schwanz pumpt immer noch seinen Saft in dich... und du quetscht ihn so herrlich ein... Benutze ihn... benutz ihn für deine Lust... für deinen Orgasmus...<< stöhnte ich abgehackt, während Evelyn ihn weiter heftig ritt.
>> Du machst mich fertig mit deiner engen Fotze... deinen Muskeln...<<
>> Ich komme...<< stöhnte sie auf und ließ sich treiben, ritt mich weiterhin in ihrem Takt, während ich ihre Klit weiter bearbeitete und nicht daran dachte sanfter zu werden, da sie mich ebenfalls heftig rangenommen hatte.
>> Blake ich kann nicht mehr...!<< fluchte sie, doch das interessierte mich nicht, da es auch nur schwach geklungen hatte. Immerhin stöhnte sie immer noch, genoss weiterhin ihre Höhepunkt, fickte mich, was zwar langsamer geworden war, mich aber dennoch um den Verstand brachte.
>> Blake!<< fuhr sie mich erneut an und entzog sich mir, indem sie nach hinten auswich, weswegen ich sie böse anfunkelte.
>> Ich kann nicht mehr. Das ist zu heftig, das halte ich nicht aus.<< verteidigte sie sich, ehe sie tief durchatmete und zu mir kam.
>> Sei froh, dass ich außer Gefecht gesetzt war, sonst hätte ich dich weitergereizt.<<
>> Selber Schuld. Es war deine Idee dir ein Messer ins Bein zu rammen.<< wies sie mich zurecht, weswegen ich grinste und sie an mich zog, da ich unbedingt ihre Nähe spüren musste.
Kapitel IV
Evelyn
Ich genoss seine Berührungen, seine Zärtlichkeiten und seine Nähe, als wir uns wieder sinnlich küssten und ich vor Glücksgefühlen fast platzte. Wir lagen immer noch nackt nebeneinander, während ich seinem Herzschlag lauschte und ihn am Bart kraulte.
>> Wir sollten uns wieder anziehen.<< schlug ich Blake vor und suchte träge nach meinen Sachen, die verstreut um uns herum lagen, da ich lieber in seinen Armen liegen bleiben wollte. Allerdings konnte jederzeit jemand aufs Dach kommen und uns entdecken, wobei wir uns eigentlich in eine dunklere, abgelegenere Ecke verkrochen hatten. Aber man konnte nie wissen.
>> Müssen wir wirklich?<< fragte Blake mich ebenso lustlos, während ich meine Sachen unter seinem Kopf fand, sie ihm wegzog und mich bereits anzog.
>> Ich glaube nicht, dass du scharf darauf bist, dass mich hier jemand nackt sieht, wenn er oder sie aufs Dach kommt...<< wandte ich ein, woraufhin er mürrisch nickte und seufzend aufstand.
Nachdem wir uns eben ausgesprochen hatten, hatten wir uns geküsst, was dann schnell mehr geworden war, da wir auch wussten, dass wir uns hiernach drei Wochen lang nicht sehen würden. In etwa zehn Stunden ging meine Maschine nach Kenia, weswegen wir die Zeit genutzt hatten.
Ich beobachtete Blake dabei, wie er sich anzog, da ich schon fertig war, prägte mir seinen Körper ein, auf den ich nun drei Wochen verzichten musste und spürte schon jetzt die Sehnsucht nach ihm. Ich konnte nur froh darüber sein, dass ich bisher nicht in die Notaufnahme gerufen worden war, denn sonst hätten wir das vor der Reise nicht mehr klären können.
>> Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag mein Engel.<< wünschte mir Blake plötzlich, nachdem er auf die Uhr gesehen hatte.
>> Danke.<<
>> Ehrlich gesagt, habe ich heute im Stress nicht daran gedacht dein Geschenk mitzunehmen. Das liegt zu Hause und das kann ich nicht mal so eben mitnehmen, aber ich würde dir den hier gerne geben.<< sagte Blake, nahm meine Hand und steckte mir meinen Ehering an, während er sich seinen selbst ansteckte und mich wieder ansah.
>> Wir halten zusammen, egal was kommt, egal was die Leute über unsere Ehe sagen, egal was meine Eltern eventuell anstellen und egal, was die Reporter uns unterstellen, ok?<<
>> Ich kann auch warten...<< besänftigte ich ihn, doch das wollte er anscheinend nicht hören, da er heftig mit dem Kopf schüttelte.
>> Ich aber nicht. Du bist meine Frau und so wie es aussieht auch die Mutter meines Kindes.<< stellte er klar, was sich immer noch ein wenig fremd anhörte.
>> Meinst du wirklich, dass wir das mit unserem Kind hinkriegen?<<
>> Wenn wir zusammen sind, schaffen wir das. Du bist nicht so wie damals alleine. Du hast mich Evelyn und ich werde mir alle Mühe geben immer für dich und euch da zu sein. Und falls ich doch mal wieder so dämlich bin wie in der letzten Woche, dann wird Dan da sein und mir eine scheuern, damit ich wieder zur Besinnung komme. Dieses Mal ist es dein eigenes Kind, nicht deine Geschwister und du hast keine finanziellen Sorgen...<< beruhigte er mich und nahm mich in seine Arme, was unendlich gut tat.
>> Jen ist auch schwanger...<< flüsterte ich ihm ins Ohr, weswegen er mich sofort überrascht ansah.
>> Was? Wirklich?<<
>> Ja, aber das bleibt unter uns, denn noch weiß es keiner.<< warnte ich ihn, da sie mir das im Vertrauen erzählt hatte.
>> Auch nicht Lewis?<<
>> Der wird es vor ein paar Stunden erfahren haben, glaube ich.<<
Blake nickte nachdenklich, als plötzlich die Tür hinter uns aufgerissen wurde und Robert kurz darauf um die Ecke kam.
>> Guten Morgen Mr Humphrey.<< begrüßte er Blake in einem scharfen Ton, bei dem sich sofort sämtliche Muskeln anspannten, da sie sich nicht leiden konnten.
>> Dr. Lawrence.<<
>> Eve, ich suche dich schon überall... Wir müssen noch einige Medikamente und Blutspenden einpacken. Da könnte ich deine Hilfe gebrauchen!<<
>> Ich komme sofort.<< versicherte ich ihm, woraufhin er nickte und noch weiter zu mir kam.
>> Aber erst mal... Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag meine Schneeflocke.<< sagte er und zog mich in seine Arme, was Blake überhaupt nicht gefiel, aber der sollte sich endlich mal entspannen.
>> Danke Robert.<<
>> Es tut mir Leid, dass du deinen Geburtstag dieses Jahr auf Flughäfen verbringen wirst, aber dafür wirst du in Kenia belohnt. Du wirst Elefanten, Löwen, Giraffen und Nashörner sehen, denn wir machen eine Safari.<< erklärte er mir stolz, während ich meinen Mund nicht mehr zubekam.
>> Ehrlich?<<
>> Ja, für zwei Tage mit Übernachtung. Ein bisschen was sollten wir uns nach der ganzen Arbeit ja auch gönnen.<< gestand er mir, als er sich, nach einem breiten Grinsen zu Blake, schließlich umdrehte.
>> Ich warte unten auf dich.<<
>> Wie gesagt, ich bin in zehn Minuten da und helfe dir.<< versicherte ich ihm noch einmal und drehte mich wieder zu Blake um, der immer noch auf Robert sah und wütend zu sein schien. Seine Kiefermuskeln arbeiteten heftig, während seine Halsschlagader stark pulsierte.
>> Ach und wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf Mr Humphrey. Dann verabschieden Sie sich richtig von Evelyn, denn ich kann Ihnen nicht garantieren, dass ihre Freundin wieder heil zurück kommen wird. Wie Sie sicherlich wissen, ist Kenia ein Land mit terroristischen Anschlägen.<< schlug er Blake vor, wofür ich Robert am liebsten eine gescheuert hätte. Warum machte er Blake so eine Angst? Dieses Platzhirschgehabe ging mir tierisch auf die Nerven.
>> Danke Dr. Lawrence, aber das war mir bereits bewusst und deswegen verabschiede ich mich auch grade richtig von meiner Ehefrau!<< betonte Blake übertrieben laut, damit Robert auch ja mitbekam, dass wir inzwischen nicht mehr nur zusammen, sondern sogar verheiratet waren. Resigniert schloss ich die Augen und ließ die beiden ihr Duell austragen, während ich einfach nur hoffte, dass es vorbei wäre.
>> Dann ist ja gut.<< erwiderte Robert nur noch kühl und verschwand im Treppenhaus, woraufhin ich erleichtert aufatmete.
>> Evelyn, warum fliegst du nach Kenia, wenn es dort so gefährlich ist?<<
>> Um Menschen zu operieren, die sonst keine Chance hätten. Kinder, die ohne uns keine Chance hätten und entweder ihr Leben lang leiden oder sterben müssten...<<
>> Aber du riskierst dort dein eigenes Leben!<< redete er mir ins Gewissen, was ich schon befürchtet hatte.
>> So schlimm ist es gar nicht. Er wollte dich nur verunsichern.<<
>> Nein, er hat Recht. Es gibt dort noch Anschläge, nur wird darüber wenig berichtet, weil andere Dinge wesentlich interessanter für unsere Mitmenschen sind und du bist auch noch blond und fällst dort sofort auf und dann bist du auch noch schwanger... Du bringst nicht nur dich, sondern auch unser ungeborenes Kind in Gefahr.<<
>> Blake! Bitte. Es ist schon alles geplant und ich kann da jetzt nicht einfach aussteigen. Ich habe den Plan schon gesehen und ich werde jeden Tag etliche Menschen behandeln und operieren. Die warten auf mich, haben Hoffnung und die zerstöre ich jetzt nicht. Ich passe auf mich auf, versprochen!<< versuchte ich ihn zu beruhigen, doch das funktionierte nicht. Er seufzte, da er wusste, dass er mich nicht umstimmen könnte, zog mich noch ein letztes Mal in seine starken Arme und küsste mich hart auf den Kopf.
>> Ich werde mir jede beschissene Sekunde Sorgen um dich machen.<< fluchte er, nahm meine Hand und ging mit mir nach unten zum Aufzug, wo wir direkt zur Eingangshalle fuhren.
>> Darf ich dich hier noch einmal küssen, auch wenn du bei der Arbeit bist und...<< begann er den Satz, als ich auch schon meine Arme um seinen Nacken schlang und ihn leidenschaftlich küsste. Es war unser letzter Kuss für drei Wochen, was sich auch wirklich wie ein letzter Kuss anfühlte.
Wir legten beide sämtliche Gefühle füreinander in diesen Kuss, wobei ich bei Blake auch die Verzweiflung und Angst spüren konnte. Es tat mir weh ihn leiden zu sehen, aber er musste meinen Beruf verstehen. Wenn ich Menschenleben retten konnte, dann machte ich es.
>> Melde dich bitte sofort, wenn du gelandet bist.<< bat er mich, woraufhin ich nickte und ihn noch einmal am Bart kraulte.
>> Mache ich und in drei Wochen holst du mich vom Flughafen ab und ich springe dann in deine Arme.<<
>> Davon kann mich nichts abhalten.<< versicherte er mir, als wir uns noch einmal küssten und uns schließlich trennten. Ich sah Blake noch länger hinterher, doch er drehte sich nicht mehr um, was vielleicht auch besser so war, da wir uns sonst nie hätten trennen können.
Es tat weh ihn so gehen zu sehen, zu sehen, wie er sich Sorgen machte, Angst hatte und verzweifelt war, wofür ich Robert zum Teufel wünschte. Hätte er nichts gesagt, wäre Blake nicht so besorgt gewesen und der Abschied wäre leichter gefallen.
Traurig und ein wenig niedergeschlagen ging ich zum Aufzug, da Blake inzwischen nicht mehr zu sehen war, wo ich auf Laura traf, die ebenfalls gerade davor wartete.
>> War das etwa Blake grade?<<
>> Mhm. Er kam letzte Nacht hier her, um noch mal mit mir zu reden.<< klärte ich sie auf, da wir uns seit letzter Woche ein wenig öfter unterhalten hatten und sie wusste, dass er sich, seit er von der Schwangerschaft erfahren hatte, nicht mehr gemeldet hatte.
>> Und ist wieder alles in Ordnung bei euch?<<
>> Keine Ahnung.<< seufzte ich. Natürlich hatten wir uns vertragen und auch die Sache mit der Schwangerschaft war halbwegs geklärt, dennoch machte mir seine Angst und seine Verzweiflung zu schaffen. Ich hatte Panik, dass er sich in etwas verrannte, dass er die drei Wochen nicht überstehen würde, weswegen ich Dan gleich noch schreiben würde, damit er ein Auge auf ihn haben könnte.
>> Aber ihr habt euch geküsst.<< stellte Laura fest und grinste mich an, da dies ihrer Ansicht nach anscheinend ein Indiz dafür war, das alles perfekt war.
>> Nicht nur das, die haben auch ordentlich gevögelt auf dem Dach.<<
Schockiert sah ich zu Robert, der gerade zu uns gestoßen war und mich verschmitzt ansah.
>> Was...? Wann...?<< fragte ich perplex und vollkommen schockiert, während Robert nur noch breiter grinste.
>> Ich habe dich gesucht und ich weiß, wo du dich immer so aufhältst. Im Keller warst du nicht, in den Aufenthaltsräumen nicht, also bin ich aufs Dach gestiegen und da habe ich euch halt gesehen, wobei ich nach einiger Zeit wieder gegangen bin und, wie du weißt, ja später wiederkam, um euch ein wenig Privatsphäre zu geben.<<
Verärgert schlug ich ihm in die Seite und ging wütend in den Aufzug, der gerade angekommen war, während Laura immer noch nicht wusste, was sie sagen sollte und schockiert hin und her sah.
>> Hör auf an den Sex zu denken!<< fuhr ich Robert an und verdrehte die Augen.
>> Das ist schwer. Jetzt bist du noch geiler geworden, als du es eh schon immer warst, was ich nicht für möglich gehalten hätte.<<
>> Du bist so ein Spinner. Immer den Macho darstellen, aber im Grunde bist du vollkommen anders.<< stellte ich klar und schüttelte amüsiert den Kopf.
>> Ich freue mich jetzt schon auf unsere Gespräche im OP. Meine Schneeflocke 24 Stunden am Tag um mich zu haben. Das wird klasse.<<
>> 24 Stunden wohl kaum. Nachts schlafe ich.<<
>> Bei mir.<< fügte er hinzu und grinste breit.
>> Bestimmt nicht.<<
>> Wir haben nur ein Zimmer meine Süße.<<
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an, da er mir davon noch nichts erzählt hatte. Auch Laura war vollkommen stumm geworden und blickte immer abwechselnd hin und her.
>> Wir schlafen zusammen in einem Zimmer?<<
>> Mhm. Hätte ich das eben auch sagen sollen, als Blake noch neben die gestanden hat. Dann wäre er sicherlich noch auf mich losgegangen.<< meinte er amüsiert, was mir zu weit ging.
>> Über euer Gespräch reden wir gleich noch!<< versprach ich ihm verärgert und atmete tief durch, um mich nicht weiter aufzuregen. Zudem wollte ich nicht weiter darauf eingehen, da es ihn nur bestätigt hätte, da Robert sich so sehr darüber freute und wieder vollkommen den geilen Hengst raushängen ließ.
>> Hast du dich von Lilly verabschiedet?<< wechselte ich deshalb das Thema und stieg mit ihm aus, während Laura stehen blieb und wir uns noch kurz zuwinkten.
>> Gestern. Ich hatte sie noch zur Schule gebracht.<<
>> Ich weiß echt nicht, warum du das machst, wenn du eine Tochter hast. Was ist, wenn dir etwas passiert? Dann hat sie keinen Vater mehr.<<
>> Fliege ich nicht, sterben einige Menschen und auch Kinder Evelyn. Das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich bin Arzt und ich kann helfen, also mache ich das auch.<<
Ich nickte, während wir in sein Büro gingen und wir die Kisten mit den Medikamenten und Blutspenden füllten, die er schon hier her bringen lassen hatte.
>> Wenn Laura mal deine richtige Seite sehen würde und nicht nur diesen Dr. Lawrence als Angeber und Macho, würde sie dich vielleicht auch mögen.<<
>> Und wer sagt, dass ich das möchte? Ich mag meinen Ruf hier. Ich arbeite hier und bin nicht hier, um Freunde zu finden.<<
>> Naja, wir sind inzwischen befreundet.<< sagte ich und packte eine weitere Kiste ein.
>> Das war etwas anderes.<<
>> Wieso?<<
>> Weil du einfach anders warst. Du hast dich von mir nicht einschüchtern lassen, hast dich nicht von mir beeindrucken lassen, weder von meiner Position hier, von meinen Komplimenten noch von meinem Äußeren und du hast mir ordentlich Kontra gegeben. Das gefiel mir.<<
>> Du bist ein richtig guter Kerl Robert, auch wenn du das nicht wahrhaben möchtest. Du bist ein richtig guter Freund.<<
Mit diesem Geständnis gingen wir auf den Flur, um doch noch einmal ein paar Medikamente aus dem Keller zu holen. Als wir am Aufzug standen, nahm ich noch mal schnell mein Telefon heraus, um Dan zu schreiben, bevor ich es nachher vergaß, als ich eine Nachricht von Blake entdeckte.
„Ich werde die nächsten Tage immer an dich denken, jede Minute auf einen Anruf von dir warten und es nicht erwarten können, euch endlich wieder in meine Arme zu schließen. Pass auf dich und unser Baby auf. Ihr seid für mich das Universum, denn alles dreht sich nur noch um euch!“
>> Kommst du jetzt?<< riss mich Robert aus meinen Gedanken und hielt für mich den Aufzug auf, weswegen ich schnell einstieg. Als erstes schrieb ich Dan noch die Nachricht, um es nicht zu vergessen, als ich auch Blake noch schnell eine schickte.
„Sobald ich angekommen bin, werde ich mir eine Sim-Karte kaufen und dich anrufen. Jeden Tag, damit du dir weniger Sorgen machst und ich werde auf den Zwerg und mich aufpassen, also versuche dir nicht so viele Gedanken zu machen. Drei Wochen gehen schnell vorbei. Ich liebe dich über alles mein Krieger.“
Kapitel V
Blake
Wann meldete sie sich endlich? Immer wieder sah ich auf die Uhr, doch von Evelyn gab es kein Lebenszeichen. Sie hatte mir versprochen sich dort eine Sim-Karte zu kaufen und mich anzurufen. Vorgestern war sie losgeflogen, also musste sie spätestens letzte Nacht gelandet und schon gut und gerne 14 Stunden dort sein. War vielleicht etwas passiert, was ich nicht mitbekommen hatte? Hatte ich etwas übersehen? Wo war sie bloß und was machte sie?
Wieder sah ich auf meinen Laptop, wo ich mir einen Google-Alert eingerichtet hatte, der mich jederzeit über die neusten Meldungen dort auf dem Laufen hielt, doch auch da war nichts Besonderes zu lesen. Ich suchte bei den Nachrichten noch einmal danach, ob irgendwo ein Flugzeug abgestürzt war, doch auch da gab es keine Neuigkeiten. Wo war sie verdammt noch mal?
>> Machst du dich immer noch verrückt?<< fragte Dan mich mitleidig und stellte mir einen Kaffee vor die Nase, während ich tief durchatmete. Ich war ein Wrack seit Evelyn geflogen war und ich nichts weiter tun konnte, als zu warten. Warum musste sie mir das antun? Dort hinreisen, um Menschen zu operieren? Natürlich fand ich ihr Engagement und ihre Einstellung toll, doch privat hasste ich sie dafür. Da waren wir endlich wieder zusammen, sogar verheiratet und doch wieder getrennt.
>> Blake?<< hakte Dan noch einmal nach und setzte sich nachdenklich auf einen Stuhl.
>> Sie hat sich immer noch nicht gemeldet.<< klärte ich ihn auf, nahm mir den Kaffee und versuchte mich zu beruhigen.
>> Weil sie sicherlich auch grade andere Dinge zu tun hat.<< versuchte er mich zu besänftigen, was jedoch nach hinten los ging, da ich sofort Robert vor Augen hatte. Der Kerl, der so scharf auf Evelyn war, drei Wochen mit ihr verbrachte und sie sicherlich ohne Ende anbaggern würde. Doch bevor ich mich weiter in dieser Richtung verrennen konnte, sprach Dan auch schon weiter.
>> Sie hat einen ziemlich langen Flug hinter sich, dann müssen sie ihre Sachen holen, sie muss eine Sim-Karte kaufen, dann müssen sie zu der Klinik kommen, wo sie die nächsten drei Wochen operieren werden und dort erst mal alles auspacken. Sie muss sich dort erst einmal zurecht finden und da stehst du jetzt einfach mal nicht an erster Stelle, weil Menschenleben wichtiger sind, als deine Sorgen und deine Eifersucht.<<
>> Ich weiß. Trotzdem macht es mich fertig. Ich muss einfach nur wissen, dass sie gut angekommen ist und dass es ihr und dem Zwerg gut geht.<< seufzte ich, was Dan kurz aufgrinsen ließ.
>> Da wird ja einer zum richtigen Papa.<< zog er mich auf, wofür er von mir einen giftigen Blick erntete.
>> Sehr witzig. Wie läuft es denn mit Jules?<< lenkte ich von mir ab und sah ihn interessiert an.
>> Es läuft gut, fast schon zu perfekt.<<
>> Weil ihr euch auch nicht mehr kennenlernen müsst.<< erklärte ich es ihm, da ich das von Evelyn und mir ebenfalls kannte.
>> Mag sein. Ich genieße es einfach und lasse alles auf mich zukommen.<<
>> Klingt vernünftig.<< bestätigte ich ihn und sah wieder kurz auf mein Telefon, doch da war immer noch nichts Neues zu sehen.
>> Weißt du was, du kommst heute nach der Arbeit mit zu mir.<< legte Dan fest und sah mich auffordernd an.
>> Ich komme schon klar.<<
>> Nein. Ich habe Evelyn versprochen auf dich zu achten und dich abzulenken, damit du dir nicht zu viele Sorgen machst und Jules möchte dich mal wieder sehen, außerdem sollten wir mal wieder trainieren, denn mit Speckrollen solltest du Evelyn in drei Wochen nicht gegenüber treten.<< zog er mich auf und grinste mich übertrieben selbstsicher an.
>> Erstens mache ich immer noch täglich Sport, also keine Angst ich werde sie schon nicht enttäuschen, was meinen Körper betrifft und zweitens, wann hast du ihr versprochen, auf mich Acht zu geben? Ich brauche keinen Babysitter.<<
>> Das sagt doch auch keiner. Sie hatte mir nur geschrieben, nachdem du dich von ihr verabschiedet hattest am Krankenhaus, weil sie sich Sorgen um dich machte und das finde ich vollkommen in Ordnung. Ich finde es sogar irgendwie niedlich, weil ihr beide total besorgt seid, seitdem ihr getrennt seid.<< erklärte er mir, während ich schon wieder die Sehnsucht nach ihr spürte und unbedingt bei ihr sein wollte. Dan hatte Recht. Ich musste mich irgendwie ablenken, denn sonst würde ich heute noch wahnsinnig werden.
>> Also kommst du jetzt gleich mit zu Jules und mir?<<
>> Wenn es euch wirklich nichts ausmacht...<<
>> Was sollte ich dagegen haben? Du bist mein bester Freund, wir machen Sport, den ich dringend nötig habe, du siehst Jules mal wieder, sie freut sich...<<
>> Ist gut.<< unterbrach ich ihn, woraufhin er zufrieden grinste und aufstand.
>> Sehr schön, reicht dir eine Stunde?<<
>> Ich bin fast fertig hier.<<
>> Gut, dann beeile ich mich.<< versicherte mir Dan und ging bereits zu seinem Büro, während ich mich noch einmal in meine Arbeit vertiefte und versuchte nicht an Evelyn zu denken.
Nach einer Stunde kam Dan wieder zu mir, weswegen ich noch die letzte Unterschrift setzte und mit ihm nach unten fuhr. Da ich zu nervös und angespannt wegen Evelyn war, fuhr Dan, während mein Wagen hier stehen blieb, da ich später lieber ein Taxi nahm. Kaum saß ich auf dem Beifahrersitz, überprüfte ich wieder mein Telefon, um zu sehen, ob es noch an war und funktionierte, doch wie immer zeigte es nichts von Evelyn an.
War ich paranoid? Machte ich mir zu viele Sorgen? Aber Evelyn war nun mal in Kenia und auch wenn die Zeitungen nicht ständig über Angriffe dort berichteten, hieß es nicht, dass es dort keine gäbe. Mir selbst hatten einmal Zeitungen gehört und ich wusste, dass man einige Meldungen nicht druckte, weil sie nicht wichtig, oder brutal genug waren. Weil sie die Menschen nicht stark genug schockierten, oder es Wichtigeres gab, als ein paar Tote in Kenia.
Verdammt. Ich hätte nicht alle möglichen Meldungen der letzten Wochen ausgraben sollen. Doch nun war es zu spät und ich wusste, wie schlimm es dort wirklich zugehen konnte. Zudem stach Evelyn mit ihrer weißen Hautfarbe sofort heraus und dazu noch die blonden Haare. Alle würden sie als Touristin ansehen und das große Geld riechen, was das ganze noch einmal gefährlicher machte.
>> Hat sie sich immer noch nicht gemeldet?<< hakte Dan auf einmal nach und sah mich mitleidig an.
>> Nein, noch nicht. Wenn ich bis morgen nichts von ihr gehört habe, dann...<<
>> Dann wartest du einfach weiter!<< unterbrach er mich streng und bog in seine Straße ein. Sofort sah ich sein Haus und zählte die Sekunden, bis er davor hielt, da ich unbedingt meine Angst, meine Energie und mein Adrenalin los werden musste.
>> Erst joggen?<< fragte Dan mich, als wir ausstiegen und zur Tür gingen, woraufhin ich nickte und wir uns drinnen umzogen. Während wir liefen, ließ Dan mich zum Glück in Ruhe und lief schweigend neben mir her, da ich nicht in der Lage gewesen wäre mit ihm Small-Talk zu betreiben. Außerdem lief ich viel zu schnell, um mich abzureagieren, weswegen mir die nötige Luft für ein Gespräch fehlte, ebenso wie Dan, der auch schon aus dem letzten Loch pfiff.
>> Können wir jetzt bitte einen Gang runterschalten und an die Geräte gehen?<< fragte er mich völlig fertig und dehnte sich kurz, als ich nickte und wir langsam zum Haus gingen.
>> Ich brauchte das heute.<< gestand ich ihm und wusste, dass es auch für mich viel zu schnell und weit gewesen war, weswegen ich es morgen in Form eines Muskelkaters spüren würde, doch das war mir egal.
>> Ich weiß, aber ich kann nicht mehr...<<
>> Dann lass uns heute die Geräte auslassen.<< schlug ich ihm vor, was er sofort annahm. Nach dem Duschen und Umziehen trafen wir uns wieder im Wohnzimmer, wo wir uns einen Drink genehmigten. Ich wollte ihn grade fragen, wo Jules wäre, als sie schließlich zu uns stieß und mich sofort angrinste.
>> Wenn das nicht die wunderschöne und bezaubernde Jules ist.<< begrüßte ich sie, woraufhin sie verlegen grinste und zog sie sofort in meine Arme.
>> Hi Blake. Es ist so schön dich zu sehen und vor allem zu sehen, dass es dir so gut geht.<<
>> Danke.<<
Wir trennten uns wieder und setzten uns, während Dan sie glücklich angrinste und sie an sich zog. Es war ein absolut harmonisches Bild, wobei ich immer schon der Meinung gewesen war, dass sie perfekt zueinander passten.
>> Es ist schön euch wieder zusammen zu sehen und ich hoffe, dass es dieses Mal auf unbestimmte Zeit so bleibt.<<
>> Das hoffen wir auch. Wir haben beide gemerkt, dass wir einander brauchen. Vor allem ich habe es gemerkt.<< gab Jules zu und küsste Dan liebevoll.
>> Geht es dir denn wieder gut? Dan hat mir erzählt, wieso du ihn verlassen hast beim letzten Mal.<<
>> Ja, wobei ich ja immer wieder zur Nachkontrolle muss, aber die letzten zwei Jahre war es immer in Ordnung gewesen.<<
>> Das freut mich. Aber du hättest das wirklich nicht allein durchstehen müssen.<<
>> Ich weiß, jedenfalls jetzt weiß ich das, aber damals konnte ich das Dan nicht antun. Ihr brauchtet ihn mehr als ich, jedenfalls dachte ich das damals.<<
>> Lass uns das lieber vergessen. Das ist Vergangenheit und jetzt bist du hier, bei mir und da bleibst du auch.<< unterbrach Dan die dunklen Gedanken von Jules, woraufhin sie nickte und einmal tief durchatmete.
>> Tut mir Leid, ich wollte keine Wunden aufreißen.<< entschuldigte ich meine Neugierde und sah auf mein Telefon, bevor ich es neben mich legte und tief durchatmete, da es wieder einmal nichts Neues anzeigte. Jedenfalls nichts von Evelyn.
>> Wartest du auf einen Anruf?<< fragte mich Jules und deutete auf mein Telefon, als Dan lautlos auflachte.
>> Der starrt das Ding schon seit zwei Tagen an, weil Evelyn in Kenia ist und sich noch nicht gemeldet hat.<<
>> Du würdest auch auf einen Anruf von Jules warten, wenn sie nach Kenia reisen würde. In ein Land, was nicht sicher ist und dann auch noch mit einem Kollegen, der unglaublich scharf auf sie ist.<< verteidigte ich mich und trank einen Schluck, um meine Nerven zu beruhigen.
>> Wegen Kenia und der Sicherheit, ja. Aber um die Treue von ihr, brauchst du dir jetzt wirklich keine Sorgen machen. Sie liebt dich, ihr seid sogar verheiratet und sie erwartet ein Kind von dir.<< brachte er mich zur Vernunft, während Jules mich überrascht ansah.
>> Du bist wieder verheiratet und ihr bekommt ein Kind?<<
>> So wie es aussieht, ja.<<
>> Wow. Glückwunsch Blake. Ich habe schon Fotos von euch in den Zeitschriften gesehen und ihr seht so wunderschön und harmonisch zusammen aus.<<
>> Danke.<<
>> Ich habe mich wirklich riesig für dich gefreut, vor allem nach der Sache mit Kelly. Ich hatte die Befürchtung gehabt, dass du nach ihr niemanden mehr kennenlernen wolltest.<<
>> Hatte ich ja auch zwei Jahre nicht, aber als ich Evelyn gesehen hatte, musste ich sie kennenlernen.<<
>> Denkst du denn noch manchmal an Kelly?<<
>> Nein. Ich weiß nicht, ob Dan es dir erzählt hat, aber im Nachhinein war Kelly ein widerliches Miststück. Sie hat mich während meiner Ehe mit meinem Vater betrogen und wollte von ihm schwanger werden, da ich noch nicht so weit war.<< klärte ich sie auf, weswegen sie mich schockiert ansah.
>> Das glaube ich nicht.<<
>> Er hat Videos und Mails von den beiden auf dem Rechner seines Vaters gefunden, hat es gesehen, gehört und gelesen. Es stimmt also, wenn er sagt, dass sie ein absolutes Miststück war.<< pflichtete mir Dan bei, woraufhin mich Jules mitleidig ansah.
>> Das hätte ich nie von ihr gedacht. Sie hat mir nie etwas davon erzählt, sonst hätte ich dir das gesagt.<<
>> Ich weiß. Ist ja jetzt auch egal, sie ist gestorben und ich bin dieses Mal glücklich verheiratet, wobei meine Eifersucht durch die Sache mit Kelly ziemlich verstärkt wurde.<<
>> Das darfst du aber nicht auf Evelyn übertragen. Sie kann nichts dafür. Sie hatte nichts mit Kelly zu tun und ist ein ganz anderer Mensch.<< redete mir Dan ins Gewissen, weswegen ich nickte. Natürlich wusste ich das, doch es zu verinnerlichen war verdammt schwer. Durch diese ganze Sache war ich einfach zu misstrauisch geworden.
Jules wollte grade etwas darauf erwidern, als mein Telefon plötzlich zu klingeln anfing und ich sofort den Anruf entgegennahm.
>> Evelyn?<<
>> Blake! Endlich.<< seufzte sie, was mir ein breites Grinsen aufs Gesicht zauberte, während Dan ungläubig lachte, aber das ignorierte ich. Nie hatten mich zwei Wörter so glücklich gemacht. Erleichterung durchströmte mich bis in jede einzelne Pore, aber gleichzeitig auch unglaublich starke Sehnsucht. Sofort stand ich auf und ging nach draußen in den Garten, um ungestört mit ihr reden zu können.
>> Es tut so gut dich zu hören.<<
>> Ich habe schon die ganze Zeit versucht dich anzurufen, auch heute Nacht, aber das Netz ist hier nicht so gut und jetzt bin ich immer weiter gelaufen und hatte endlich genügend Netz. Jetzt muss ich nur noch zurückfinden.<<
>> Solche Umstände machst du dir für mich?<<
>> Natürlich. Du bist mir das wert Blake. Ich weiß doch, wie angespannt du bist, weil ich hier bin und außerdem wollte ich unbedingt deine Stimme hören.<< erklärte sie mir liebevoll, was Balsam für meine unruhige Seele war und meinen Puls immer mehr zur Ruhe brachte.
>> Danke mein Engel. Wie war denn der Flug?<<
>> Lang und ziemlich anstrengend. Als wir ankamen, war unser Gepäck weg, weswegen wir das noch regeln mussten, aber dann konnten sie es doch noch finden.<<
>> Und das Land? Wie gefällt es dir?<<
>> Heiß. Einfach nur heiß... Die Hitze macht mir echt zu schaffen, da war Las Vegas nichts gegen.<<
Ich musste schmunzeln und dachte an unseren Tag in Las Vegas. Es war einer der schönsten Tage für mich in meinem Leben gewesen, da Evelyn an diesem Tag mal nicht an ihre Probleme gedacht und es einfach nur genossen hatte. Diese Freude und Dankbarkeit in ihrem Gesicht zu sehen, war unbeschreiblich schön gewesen.
>> Du wirst dich schnell daran gewöhnen. Hast du denn schon operiert?<<
>> Gestern ja. Acht Operationen insgesamt. Viele kleine Eingriffe und einen größeren. Ich werde eine Menge operieren in den nächsten Wochen, also mach dir bitte keine Sorgen, wenn ich mich mal nicht melde, aber wir haben hier so viel zu tun. Es ist wirklich erschreckend und traurig, mit was die Menschen hier leben müssen.<<
>> Das glaube ich gern. Die Menschen und ihre Gesundheit sind dort halt leider nichts Wert. Da können wir froh sein hier zu leben.<<
>> Umso wichtiger war es, dass wir hier her geflogen sind, sonst hätten viele keine Hoffnung gehabt, dabei sind es so simple Operationen und die Menschen sind so dankbar und liebevoll, das ist wirklich überwältigend. Also mach dir wirklich keine Sorgen. Wir werden hier wirklich gut behandelt.<<
So sehr ich das auch glauben wollte und auch tat, hatte ich leider zu viele negative Berichte gelesen, sodass ich wusste, dass es auch noch eine andere Seite gab, doch ich wollte Evelyn nicht beunruhigen.
>> Ist gut. Wie geht es dir denn mit der Schwangerschaft?<< hakte ich nach und lenkte damit von meinen negativen Gedanken ab, um mich langsam wieder zu beruhigen.
>> Morgens habe ich immer noch mit starker Übelkeit zu kämpfen, aber sonst geht es. Ich bin ja auch noch ganz am Anfang. Nur mein Kreislauf macht mir hier mit der Hitze zu schaffen, aber das kriege ich in den Griff.<<
>> Ruh dich ansonsten aus, wenn es zu heftig ist.<<
>> Ja Mr Humphrey.<< säuselte sie gespielt genervt, weswegen ich schmunzeln musste. Sie war Ärztin und ich gab ihr Ratschläge wegen ihres Kreislaufs.
>> Ich kann immer noch nicht richtig fassen, dass wir Eltern werden.<< gestand ich ihr und wischte mir übers Gesicht, als wenn ich aufwachen und es wahrhaben wollte.
>> Ich auch noch nicht, aber immerhin haben wir noch ein paar Monate Zeit, bis es so weit ist.<<
>> Richtig.<<
>> Freust du dich denn inzwischen oder hast du immer noch zu viel Angst?<< hakte Evelyn nach, weswegen ich kurz nachdachte.
>> Gute Frage. Wenn ich darüber nachdenke, dann ist da ein Gefühl der Freude, ein Gefühl des Glücks, als wollte ich die ganze Welt umarmen und mein Glück hinausschreien, aber dieses Gefühl kann ich irgendwie nicht zulassen, als wenn ich es unterdrücke.<<
>> Wieso?<<
>> Weil ich das Gefühl habe, dass es zu früh ist, dass noch zu viel passieren könnte und ich dann nur umso enttäuschter und niedergeschlagener wäre.<<
>> Bitte mal den Teufel nicht an die Wand Blake. Glaub doch bitte an unser Kind und daran, dass es stark ist. Ich meine schau dich an... Bei dem starken Vater, kann es nur hart im Nehmen sein. Es wird alles gut gehen und in ein paar Monaten hast du deinen Zwerg in den Armen, für den du die Welt bedeutest.<<
>> Ich liebe dich mein Engel. Von tiefstem Herzen. Mehr als du dir jemals vorstellen kannst.<<
>> Ich dich auch mein Krieger.<<
>> Ich versuche die Angst zu unterdrücken, aber versprich du mir, dass du dich nicht überarbeitest mit unserem Zwerg und das du genügend Pausen machst und auf deinen Körper hörst.<<
>> Versprochen.<< versicherte sie mir, wobei ich wusste, dass dies eine Lüge war, da sie dort sicherlich jede freie Minute operierte, um so viel wie möglich in diesen drei Wochen zu helfen.
>> Blake?<<
>> Mhm?<<
>> So überwältigend und großartig es auch hier ist, ich freue mich unglaublich darauf in drei Wochen wieder bei dir zu sein und in deinen starken Armen zu liegen. Ich kann es wirklich kaum erwarten.<<
>> Ich auch nicht mein Engel. Ich zähle die Tage und werde wahrscheinlich schon Stunden vorher am Flughafen stehen und auf dich warten.<<
Es entstand eine kurze Pause, da wir beide anscheinend an den schönen Moment dachten, wenn wir uns wiedersehen würden, doch dann bekam ich Panik, dass die Verbindung zusammengebrochen wäre, weswegen ich eilig nachhakte.
>> Bist du noch dran Evelyn?<<
>> Ja, bin ich. Ich...<< begann sie den Satz, bevor sie verstummte und ich sofort nachhakte.
>> Du?<<
>> Ich wünschte du wärst hier und würdest das alles mit mir erleben. Diese Landschaft, die Menschen, die Natur und die Tiere...<<
>> Ich auch mein Engel, aber das können wir nachholen.<<
>> Ist gut. Hör zu, ich möchte nicht auflegen, aber ich muss wieder zurück und ein kleines Mädchen operieren, außerdem sind die Telefonkosten ziemlich hoch und die Sonne wird langsam unerträglich.<< entschuldigte sie sich, während ich im Hintergrund ein Rascheln hörte, was mich vermuten ließ, dass sie schon loslief.
>> Dann mach das. Ich werde dich vermissen Evelyn.<<
>> Ich dich auch, aber bald bin ich wieder da.<<
>> Ich kann es kaum erwarten. Bis dann mein Engel.<<
>> Bis dann.<<
Schweren Herzens legte ich auf und spürte sofort ein Ziehen im Bauch, da ich sie bereits vermisste und die Angst um sie wieder die Oberhand gewann. Was, wenn sie auf dem Rückweg auf ein wildes Tier traf, das sie verletzte und niemand sie fände? Ich versuchte die negativen Gedanken und die Ängste zu verdrängen, doch das ungute Gefühl blieb.
Krampfhaft dachte ich an das Positive. Sie hatte grade mit mir telefoniert. Mir gestanden, dass sie alles versucht hatte, um mich anzurufen. Sie war extra weit gelaufen, um Netz zu haben, weil sie mich hören und beruhigen wollte. Ihrer Aussage nach, waren alle sehr freundlich und nett dort, weswegen ich doch wirklich beruhigter sein sollte und auch auf wilde gefährliche Tiere war sie auf dem Hinweg nicht gestoßen, warum also auf dem Rückweg?
Ich atmete ein paar Mal tief durch, um mich zu beruhigen, was auch nach einer Weile relativ gut funktionierte. Sie machte einen tollen Job, einen auf den ich noch stolzer sein konnte, da sie ihre freie Zeit opferte und sich vor keinen Gefahren scheute.
>> Na zufrieden und beruhigt?<< fragte Dan mich plötzlich, weswegen ich mich umdrehte. Ich nahm das Glas Whisky entgegen, das er mir hinhielt und nickte.
>> Ein wenig. Mach dich ruhig lustig über mich, aber ich mache mir wirklich Sorgen. Nicht nur wegen des Landes, der Gefahr, wegen der Tiere dort, wegen ihres Kollegen, sondern auch wegen der Schwangerschaft.<<
>> Du freust dich auf das Kind oder?<<
>> Sehr. Viel zu sehr. Jeden Tag wird die Freude größer und ich kann sie immer weniger verdrängen.<<
>> Dann lass die Freude doch zu. Es wird schon nichts passieren und wenn doch...<< begann er den Satz, ehe er tief durchatmete und den Kopf schüttelte.
>> Auch wenn du dein Glück verdrängst, wirst du am Ende am Boden zerstört sein, wenn irgendwas schief geht, aber das wird es schon nicht. Du musst deine Angst verdrängen, denn sonst überträgst du diese Angst auf Evelyn und das kann nicht gut gehen. Sie braucht einen verlässlichen, unterstützenden und positiven Ehemann und Vater.<<
>> Ich weiß...<< seufzte ich und kippte das Glas in einem Ruck herunter.
>> Du verkaufst nicht zufällig dein Haus, oder?<< fragte ich ihn amüsiert, um von meiner Angst abzulenken.
>> Nein, wieso?<<
>> Weil ich ein Haus brauche. Immerhin werde ich Vater. Wir brauchen Platz und Kinder sollten nicht in der Großstadt aufwachsen.<<
>> Ich würde dir ja gern die Maklerin meiner Schwester vermitteln, aber ich glaube, dass sie nicht gut auf mich zu sprechen ist.<< erklärte er verlegen und schmunzelte.
>> Hast du noch mal mit Hannah gesprochen, seit ihr euch getrennt habt?<<
>> Nein, sie war verletzt und ignoriert mich seitdem, was vielleicht auch besser so ist.<<
>> Dann werde ich mir wohl einen anderen Makler suchen müssen.<< murmelte ich und nahm mir vor mich morgen an die Arbeit zu machen und bis zu Evelyns Rückkehr schon mal drei mögliche Häuser herauszusuchen, damit wir uns gemeinsam entscheiden konnten.
Kapitel VI
Evelyn
>> Na, hattest du Erfolg?<< fragte mich Robert, als ich endlich wieder zurückgefunden hatte und in unseren Raum ging, wo wir unsere Sachen hatten und schliefen.
>> Hatte ich, aber ich musste ziemlich weit laufen dafür.<<
>> So lange es funktioniert hat, ist es doch ok. Ich werde nachher auch mal nach Empfang suchen und dann Lilly anrufen.<<
>> Hast du das etwa noch nicht?<< fragte ich ihn überrascht, da es immerhin seine Tochter war, die sich sicherlich Sorgen um ihn machte, immerhin verstand sie bereits, wo ihr Vater war und dass es nicht ungefährlich war.
>> Ich habe ihr eine Nachricht geschickt, das musste erst einmal reichen. Wie gesagt, ich versuche es nachher mal.<<
Ich nickte lediglich, bevor ich meine Sachen weg legte und mir meinen Arztkoffer nahm, den ich gleich für die Operationen brauchte.
>> Soll ich schon vorgehen, oder kommst du direkt mit?<< fragte ich Robert, der noch auf seinem Bett saß und einige Papiere durchsah.
>> Nein, warte kurz, ich komme mit. Was steht denn bei dir jetzt an?<<
>> Die Entfernung eines gutartigen Tumors am Rücken eines Mädchens.<< klärte ich ihn auf und ging dabei nach draußen in die Hitze, woraufhin er mir folgte und wir schließlich gemeinsam zur Klinik gingen.
>> Wie alt ist sie?<<
>> Sechs.<<
Robert seufzte, bevor er in die Klinik ging, die eigentlich nichts weiter als ein Haus aus mehreren Räumen war. Es gab dort keine Operationssäle oder Behandlungszimmer wie bei uns, die perfekt klimatisiert und steril waren, sondern das komplette Gegenteil, da wir mitten im Nirgendwo waren.
Wir gingen in einen kleinen Gang, von dem aus drei Türen abgingen. Die linke führte in einen Vorratsraum, der gefüllt war mit Medikamenten, jedenfalls momentan noch, da wir einiges mitgebracht hatten. Die vordere Tür führte in einen großen Raum, in dem sechzehn Betten aneinander gereiht gegenüber standen, wobei auch noch mehr hineinpassen könnten, wenn dies nötig wäre.
Die rechte Tür führte in die beiden Operationsräume, die eigentlich ein Raum waren, da sie nur durch einen Vorhang getrennt waren. Es standen dort zwei Tische drin, sodass man gleichzeitig operieren konnte. Dieser Raum war auch durch den großen Raum erreichbar, sodass wir die operierten Patienten anschließend leicht zurückbringen konnten.
Es war für mich gestern bereits eine riesige Umstellung gewesen ohne all den technischen Schnickschnack auszukommen und trotzdem handeln zu können. Die Operationen verlangten viel Fingerspitzengefühl, Konzentration, Feinfühligkeit und Instinkt ab, weswegen ich absolut begeistert davon war.
Die letzten Jahre hatte ich gelernt, wie ich mit den Geräten und den einzelnen Krankheitsbildern oder auch Diagnosen umgehen und sie behandeln musste und nun musste ich noch einmal vollkommen umdenken. Röntgengeräte, Magnetresonanztomographen oder auch Blutanalysen waren hier nicht möglich, weswegen ich all mein Wissen hervorkramen musste und froh darüber war, dass ich durch die Prüfung gut vorbereitet war.
Das einzige, was mir hier wirklich Probleme bereitete, waren die Temperaturen. Ich war es gewohnt in klimatisierten Räumen zu arbeiten und zu operieren, damit ich mich konzentrieren konnte, doch das gab es hier nicht. Morgens war es hier eisig kalt, während es tagsüber gut und gerne über 30 Grad warm wurde, bis es abends wieder eiskalt wurde.
Diese Schwankungen hatten dafür gesorgt, dass Robert sich schon eine leichte Erkältung eingefangen hatte, weswegen ich mich abends immer warm genug anzog. Die Vorstellung erkältet im OP zu stehen, Fieber zu haben, während man sämtliche Flüssigkeit in seinem Körper ausschwitzte und dabei konzentriert operieren musste, war für mich unerträglich, weswegen ich alles dagegen unternahm, krank zu werden.
Ich desinfizierte grade meine Hände, sah auf das Mädchen, welches schon auf der Liege lag, als ich noch einmal tief durchatmete und schließlich zu ihr ging, um ihr zu helfen.
Während ich operierte, spürte ich wieder einmal meine morgendliche Übelkeit, die inzwischen mein ständiger Begleiter geworden war. In den letzten Tagen war es in Amerika besser geworden, doch nun war es wieder stärker denn je. Vielleicht lag es an der Hitze, vielleicht auch an den Gerüchen, oder dem Essen hier.
>> Alles ok, Schneeflocke?<< fragte mich Robert plötzlich, weswegen ich erschrocken aufsah und erst jetzt bemerkte, dass ich überhaupt nicht mehr operiert hatte. Mit erhobenen Händen stand ich am Tisch und hatte automatisch tief ein und aus geatmet, um meine Übelkeit zu unterdrücken.
>> Ja... Es geht schon wieder.<< antwortete ich knapp, atmete noch einmal tief ein und aus, bevor ich mich wieder meiner Patientin zuwandte.
>> Wirklich? Denn du bist kreidebleich.<<
>> Sagte ich doch.<<
>> Hast du überhaupt schon etwas gegessen heute?<<
>> Robert bitte. Dürfte ich mich jetzt bitte konzentrieren?<< fuhr ich ihn an, da ich jetzt nicht darüber reden wollte.
>> Das könntest du, wenn du etwas gegessen hättest. Du brauchst morgens eine Grundlage, wenn du danach stundenlang operierst. Ich dachte, dass ich das einer Ärztin nicht erklären müsste.<< ermahnte er mich streng, während er seine Hände desinfiziert hatte und anschließend an meine Seite trat.
>> Was soll das?<<
>> Ich operiere weiter und du frühstückst jetzt!<<
>> Aber das ist meine Patientin und du musst doch jetzt selber operieren.<<
>> Mein Patient hat Fieber, also nein, ich habe kurz Zeit und jetzt geh und iss!<< sagte er streng und funkelte mich wütend an. Er hatte ja Recht und normalerweise frühstückte ich ausgiebig, doch das wäre in meiner derzeitigen Situation genau das Falsche, da es direkt wieder herauskommen würde und das wäre hier im OP eine Katastrophe.
>> Noch einmal Robert. Es geht mir gut und ich kann mich konzentrieren, wenn du mich endlich in Ruhe lässt. Ich esse nach der OP etwas, aber jetzt geht das nicht.<<
>> Doch...<<
>> Nein, wenn ich jetzt etwas esse, dann...<<
>> Dann was?<<
>> Dann... Dann wird mir in spätestens 15 Minuten so schlecht sein, dass ich mich während der Operation übergeben muss und das geht nicht. Das weißt du!<< erklärte ich bestimmt, während er mich durchdringend ansah und nachdenklich musterte.
>> Bist du etwa so eine Bulimikerin?<<
>> Was? Nein!<< antwortete ich empört, doch das interessierte ihn überhaupt nicht, da er direkt weitersprach und mich ignorierte.
>> Das hätte ich von dir nicht gedacht, klar du bist verdammt schlank und zart, hast seit ich dich kenne ziemlich viel abgenommen, wobei ich immer dachte, dass es wegen des Kummers mit Blake wäre, aber doch nicht so... Evelyn du weißt selber, wie schädlich das ist und...<<
>> Nein, bin ich nicht. Was denkst du denn von mir? Natürlich weiß ich, dass das nicht in Ordnung ist und das mache ich auch nicht!<< stellte ich klar und spürte, wie Wut in mir aufstieg, die sich jedoch verflüchtigte, da Robert mich besorgt ansah.
>> Aber dann...<< begann er den Satz, bevor er schockiert innehielt und mich mit großen Augen ansah.
>> Nein!<< entfuhr es ihm plötzlich, während nun er kreidebleich aussah.
>> Du bist schwanger!<<
>> Robert... Dürfte ich jetzt einfach weiter operieren?<< bat ich ihn erneut und wandte mich bereits wieder dem Mädchen zu, während ich im Augenwinkel wahrnahm, wie er mich anstarrte.
>> Warum hast du nichts gesagt? Dann hätte ich dich gar nicht mitgenommen. Du dürftest gar nicht hier sein!<<
>> Weil schon alles geplant war und ich den Operationsplan gesehen habe. Es geht mir gut, bis auf diese morgendliche Übelkeit, also kann ich ruhig ein paar Menschenleben retten und verbessern und in knapp drei Wochen sind wir ja schon wieder zurück.<<
>> Und was ist mit den Krankheiten, die es hier gibt? Was ist, wenn du dich ansteckst? Was ist mit Malaria zum Beispiel? Du bist verrückt Evelyn! Das ist rücksichtslos!<< fuhr er mich an, während er mit den Händen wild in der Luft herumfuchtelte.
>> Daran habe ich nicht gedacht. Es war einfach zu viel los in den letzten Tagen.<<
>> An so etwas musst du denken! Du bist nicht mehr allein! Verdammte scheiße! Wenn dir etwas passiert hier, dann werde ich mir das nicht verzeihen und dein Mann wird mir die Hölle heiß machen!<<
>> Jetzt beruhige dich bitte Robert. Es geht mir wirklich gut und ich werde mich hier schon mit nichts anstecken. Ich bin vorsichtig und nachts habe ich das Moskitonetz über dem Bett. Auch hier gibt es schwangere Frauen, denen es gut geht und die gesunde Kinder auf die Welt bringen.<<
>> Trotzdem. Du dürftest gar nicht so lange arbeiten und hier im Akkord operieren. Du brauchst Ruhepausen.<< wandte er ein, während ich seufzte und langsam wieder begann zu operieren, da das Mädchen nicht ewig in Narkose bleiben konnte und ich meine Übelkeit relativ gut unter Kontrolle hatte.
>> Du hast sogar Nachtschichten im Krankenhaus gemacht. Evelyn du musst dich schonen. Wie weit bist du denn?<< unterbrach Robert nach einigen Sekunden wieder die Stille und trat auf die andere Seite des Operationstisches, um mir behilflich zu sein.
>> Sechste Woche, also noch ganz frisch und ja, im Krankenhaus weiß es niemand. Außer Laura und so soll es erst mal bleiben. Ich habe die letzten Wochen schon nicht arbeiten dürfen, wegen meines Armbruchs und da bin ich schon verrückt geworden, also bitte lass mir meine Arbeit. Ich brauche das.<< bat ich ihn, während ich nebenbei den Tumor freilegte und eine neue Welle der Übelkeit herunter schluckte.
>> Das kannst du doch auch, aber weniger! Es gibt nicht umsonst diese Regelungen für Schwangere.<<
>> Ich werde ja auch bald mit Dr. Hawn reden, aber soll ich direkt am ersten Tag zu ihm gehen und sagen, dass ich schwanger bin, nachdem ich sechs Wochen ausgefallen war?<<
>> Wohl eher nicht...<< stimmte er mir resigniert zu und seufzte.
>> Eben. Ich werde schon noch mit ihm reden. So rücksichtslos bin ich nun auch nicht meinem Kind gegenüber.<<
>> Das hoffe ich für dich.<<
Ich nickte nur und trennte die Verbindungen des Tumors mit dem umliegenden Gewebe, während Robert den Tumor so hielt, dass ich freie Sicht hatte.
>> Was sagt Blake eigentlich dazu? Ich schätze mal, dass er der Vater ist...<<
>> Ist er natürlich und er hatte erst so seine Probleme damit, so wie ich auch, aber wir haben uns vor dem Abflug ausgesprochen.<<
>> Meint ihr ehrlich, dass ihr es hinkriegt? Ihr habt euch schon so oft getrennt, gut jetzt seid ihr verheiratet, aber selbst währenddessen war wieder einige Tage Funkstille.<<
>> Weil diese Schwangerschaft ihn aus der Bahn geworfen hat.<< nahm ich Blake in Schutz und erklärte ihm während der Operation alles über June und Blakes Rolle dabei.
>> Trotzdem ist das kein Grund dich am Straßenrand stehen zu lassen.<<
>> Ich weiß und dafür hat er sich entschuldigt. Es war eine Kurzschlussreaktion, denke ich und da können wir nicht mitreden. Wir haben solch eine Situation noch nicht miterlebt, also werde ich darüber auch nicht urteilen.<<
>> Mag sein, aber als Vater sollte er dann schleunigst etwas daran ändern und seine Gefühle unter Kontrolle haben.<<
>> Niemand ist perfekt.<<
Wir schwiegen eine Weile, während ich das Mädchen zunähte und wir sie der Krankenschwester übergaben. Eilig ging ich an das Waschbecken und wusch mir die Hände, bevor ich mein Gesicht kühlte und kurz Kraft tankte. In der nächsten Sekunde zog Robert mich bereits zurück zu unserem Zimmer und stellte mir Obst vor die Nase, damit ich etwas aß.
>> Ich gehe hier nicht eher weg, bis du genügend gegessen hast.<< stellte er klar und setzte sich mit verschränkten Armen gegenüber von mir hin.
>> Jawohl Dr. Lawrence!<<
>> Ich sehe dich immer noch nicht essen!<< fuhr er mich erneut an, weswegen ich die Augen verdrehte und mir eine Banane nahm.
>> Besser?<<
>> Mhm. Ich könnte dir trotzdem noch den Hals umdrehen. Du weißt einfach nicht, worauf du dich einlässt, wenn du schwanger im Operationssaal stehst und so eine lange Operation hast.<<
>> Du kannst dich auf mich verlassen. Ich werde das hier schaffen, falls es dir darum geht und du Angst hast, dass am Ende nicht genügend Menschen geholfen wurde.<<
>> Das kannst du nicht wissen.<<
>> Doch und jetzt vertrau mir.<< versicherte ich ihm und dachte an die Zeit nach Adam. Auch dort hatte ich eine Woche lang operiert, obwohl ich schwanger gewesen war, da ich keinen früheren Termin für die Abtreibung bekommen hatte.
>> Ist das deine erste Schwangerschaft Evelyn?<< hakte er skeptisch nach und sah mir dabei zu, wie ich mir nach der Banane eine Mango nahm.
>> Nein.<<
>> Die zweite?<<
>> Ja und bevor du mich weiter ausfragst... Meine erste Schwangerschaft war vor fünf Jahren, wobei ich das Kind abgetrieben habe und bevor du mir jetzt einen Vortrag darüber hältst, wie ich das nur tun konnte... Es war von Adam, dem Mann, der mich missbraucht, vergewaltigt, gewürgt und geschlagen hat, der mich nach knapp fünf Jahren wiedergefunden hatte und es erneut versucht hatte, wo ich dann ja bei dir eingeliefert wurde.<< erinnerte ich ihn und dachte an die Nacht, wo er mich so stark gewürgt hatte, dass ich wiederbelebt werden musste.
Auch Robert schien sich zu erinnern, atmete tief durch, seufzte, ehe er sich nach hinten sinken ließ und sich schließlich das Gesicht rieb. Sein Blick war nun wesentlich sanfter, wobei er noch nach den richtigen Worten zu suchen schien.
>> Das wusste ich nicht. Tut mir Leid Schneeflocke. Ich wollte dich nicht daran erinnern und... Wie dem auch sei. Dann schauen wir mal, wie du das hier durchhältst. Ich hoffe, dass du ehrlich zu dir selbst bist und dir die Pausen nimmst, die du brauchst. Du brauchst niemandem hier etwas beweisen und schon gar nicht mir. Wenn du mir hier umkippst, dann kriegst du von mir noch mal zusätzlich einen Tritt in den Hintern. Haben wir uns da verstanden?<<
>> Jawohl Sir.<< sagte ich ein wenig belustigt, da ich schon lange nicht mehr solch eine Predigt gehört hatte. Selbst Blake übertrieb es nie so.
>> Evelyn!<<
>> Ist ja gut.<<
>> Das hoffe ich! Ich muss in den OP, sonst würde ich noch weiter mit dir hier sitzen und reden, aber dann komme ich in Verzug. Iss in Ruhe auf und dann kannst du wieder rüber kommen.<<
>> Mache ich.<<
Er nickte nachdenklich, bevor er aufstand, mir noch einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf gab und schließlich zurück in den OP ging. Ich blieb noch eine Weile sitzen, aß die Mango auf und trank ein Glas Wasser, bevor ich noch einmal auf mein Telefon sah.
Vielleicht war der Empfang ja inzwischen besser und ich hatte vielleicht sogar Internet, sodass ich Blake eine Nachricht schicken konnte, doch meine Hoffnungen lösten sich sofort wieder in Luft auf, als ich die Anzeige sah. Man hatte mir beim Kauf der Sim-Karte direkt gesagt, dass das Netz hier manchmal ausfällt, was mehrere Tage andauern kann, was ich nun zu spüren bekam.
Ein wenig niedergeschlagen legte ich das Telefon wieder weg, trank noch einmal einen Schluck und folgte Robert schließlich zur Klinik, um meinem nächsten Patienten zu helfen.
Kapitel VII
Blake
>> Mr Humphrey. Hier möchte gerne ein gewisser Mr Benton zu Ihnen.<< informierte mich der Portier über das Telefon, während ich zu Hause in meinem Arbeitszimmer saß und eine Fortbildung für unsere Personenschützer plante. Müde wischte ich mir mit den Händen durchs Gesicht und lehnte mich im Stuhl zurück.
>> Lassen Sie ihn nach oben.<< antwortete ich und erhob mich bereits vom Stuhl, um Edward die Tür zu öffnen. Ich hatte mit seinem Besuch bereits gerechnet, da meine Mutter letzte Woche Geburtstag gehabt hatte und er sicherlich wissen wollte, wieso ich nicht erschienen war. Allerdings hatte ich schon wesentlich früher damit gerechnet, da es ein absoluter Fauxpas war, wenn ein Sohn nicht zum Geburtstag der Mutter erschien, wo doch die ganze Presse anwesend gewesen war.
Da er noch nicht oben angekommen war, ging ich schon mal zur Bar und schenkte uns einen Whisky ein, den er sicherlich trinken würde, da ich wusste, dass er sich abends immer etwas genehmigte und er unten bestimmt seinen Fahrer stehen hatte.
>> Hi Blake.<< begrüßte er mich schließlich und trat in den Raum, bevor er die Tür hinter sich schloss und zu mir kam.
>> Hi Edward. Wie geht’s?<<
>> Gut, zumindest kann ich nicht klagen. Seit wann muss man sich bei dir anmelden, wenn man zu dir möchte?<< hakte er irritiert nach und ging mit mir zur Couch, wo wir uns schließlich setzten und ich ihm sein Glas gab. Dankend nickte er mir zu und genehmigte sich einen Schluck, ehe er es sich gemütlich machte.
>> Seit der Sache mit Mum, die hier einfach in diese Wohnung hereinspaziert ist und Evelyn gedroht hat.<< sagte ich nüchtern, womit wir sicherlich schon beim Thema waren.
>> Du bist immer noch sauer auf sie, richtig?<<
>> Kannst du es mir verdenken?<<
>> Nein.<< stimmte er mir zu und trank einen weiteren Schluck, während er mich musterte.
>> Dass, was sie getan hat, war mehr als falsch und das habe ich ihr auch gesagt. Ich meine, ich kenne Evelyn nicht wirklich, aber ich fand sie nett und sie passt zu dir. Ob sie jetzt früher eine Stripperin war oder nicht, wen interessiert das schon.<<
>> Deine Schwester.<< wandte ich ein, während ich spürte, wie mein Puls schon wieder schneller wurde. Diese ganze Sache machte mich immer noch wütend, weswegen ich meine Nerven mit einem Schluck Whisky beruhigte.
>> Richtig. Für sie ist so etwas halt... Wie soll ich das erklären. Sie wurde da anders erzogen. Unsere Eltern waren sehr streng damals. Wir hatten meiner Meinung nach nie eine richtige Kindheit. Wir mussten von Anfang an gute Noten schreiben, hatten Privatunterricht zu Hause, kein Kontakt zu anderen Kindern, höchstens zu denen anderer wohlhabender Eltern, die aber genau so eine Erziehung genossen hatten wie wir. Spielen im Garten? Wozu? Malen, Spaß haben, Träumen, Kuscheln... Das waren alles Dinge die laut unseren Eltern überflüssig waren. Wir sollten schnell unseren Abschluss machen und das so gut wie möglich. Eine zwei in der Schule war eine Katastrophe. Wir hatten einen immensen Druck und uns wurde jeden Tag vorgebetet, was wir später werden sollten. Selbst der Beruf Tänzerin wäre ein Unding gewesen, weil es sich einfach nicht gehörte. Deiner Mutter wurde direkt eingetrichtert, dass sie einen netten, wohlhabenden Mann finden solle und schnellstens heiraten und Kinder bekommen sollte... Natürlich ist unsere Gesellschaft heutzutage moderner geworden und auch deine Mutter ist sicherlich moderner geworden, aber in diesem Punkt... Ihr ist wichtig, was die Presse über euch berichtet, weil sie es so von klein auf gelernt hat. Ihr ist wichtig, dass du eine Frau findest, die dich liebt und dich glücklich macht, dich voran treibt und die nicht so eine üble, hinterhältige Schlampe ist wie Kelly es damals war. Entschuldige, wenn ich das so sage, aber das war sie.<<
Ich nickte nur und hörte ihm zu, während ich mir die Kindheit meiner Mutter vorstellte. Sie hatte noch nie darüber gesprochen. Nicht ein einziges Mal, wenn ich mich recht erinnerte.
>> Sie wollte dich schützen, aber du hast Recht, sie ist zu weit gegangen. Viel zu weit. Wobei es sicherlich nie so weit gekommen wäre, wenn nicht auch noch vorher das mit David passiert wäre, wo sie herausfinden musste, dass er sie mehrmals betrogen hatte. Jetzt die Flittchen mit denen er zu tun hat. Jede Woche ein Bild in den Zeitungen zu sehen, wie er immer wieder einer neuen Schlampe die Zunge in den Hals steckt... Dazu dann die Berichte, dass Evelyn eine Stripperin war oder ist... Der Ruf eurer Familie ging den Bach runter, ihre Freunde haben sie nicht mehr angerufen, wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben, weil in diesem Punkt alle noch altbacken sind. Ihre Freunde wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben, David hatte sie verloren, Erin und Ava ebenfalls ein wenig, Elliott und du waren auch nicht da... Sie war allein und verzweifelt. Das war zu viel.<< entschuldigte er ihr Verhalten und verbarg dabei nicht, was er von meinem Vater hielt. Seine Gesichtszüge waren selbst jetzt noch angewidert, wobei ich nicht genau wusste, ob es vielleicht auch an Evelyns Nebenjob lag.
>> Was denkst du über das Strippen von Evelyn?<< hakte ich daher nach und betrachtete ihn interessiert. Sofort sah er mich an und streifte den Ekel in seinem Gesicht mit seinen Händen regelrecht ab.
>> Es war halt ihr Job. Warum nicht? Viele machen das, um gutes Geld zu verdienen. Sie ist hübsch, hat einen perfekten Körper dafür, also wird sie dort gut verdient haben und es hatte ja seine Gründe, wenn ich das richtig verstanden hatte. Ich schätze du hast eine Person gefunden, die sich nicht vor Arbeit und Mühe scheut, die sehr stark und zielstrebig ist, sehr organisiert und uneigennützig. So jemanden findet man selten heutzutage, deswegen solltest du gut auf dieses Glück aufpassen.<<
>> Das tue ich.<< stimmte ich ihm zu und entspannte mich zunehmend. Ich machte zwar nicht meine Entscheidungen von seiner Meinung abhängig, allerdings war Edward schon immer jemand gewesen, auf dessen Meinung ich großen Wert gelegt hatte.
>> Seid ihr denn noch zusammen?<< fragte er schließlich nach und sah sich in der Wohnung um, da er sie anscheinend suchte.
>> Sind wir, aber sie ist im Moment für drei Wochen in Kenia.<< klärte ich ihn auf und genehmigte mir noch einen Schluck.
>> In Kenia? Wieso? Macht sie ohne dich Urlaub?<<
>> Sie hatte das geplant, als wir getrennt gewesen waren, wobei es kein Urlaub ist. Sie nutzt ihren Urlaub, um dort die gesamten drei Wochen zu arbeiten, um dort Menschen zu operieren und sie zu behandeln, da die medizinische Versorgung dort ja nicht grade weit ist, wie du sicherlich weißt.<<
>> Leider, ja. Wie lange ist sie denn schon da?<<
>> Seit knapp zwei Wochen etwa, aber viel haben wir leider nicht sprechen können, da sie im Akkord im OP steht und abends dann todmüde ins Bett fällt.<<
>> Verstehe. Grüß sie von mir, falls ihr wieder telefoniert.<<
>> Mache ich.<< versicherte ich ihm und sah aus Reflex wieder auf mein Telefon, was jedoch nichts von Evelyn anzeigte.
>> Netter Ring.<< bemerkte Edward plötzlich und deutete mit einem Nicken auf meine Hand, die grade das Telefon weglegte.
>> Ist das ein normaler Ring, oder ein Ehering?<< hakte er interessiert nach und sah mich erwartungsvoll an. Ich wusste, dass er es sofort meiner Mutter erzählen würde, wenn ich ihm die Wahrheit sagte, doch warum nicht? Evelyn und ich hatten nichts mehr zu verbergen und hatten beschlossen sie offen zu tragen und sie nicht mehr zu verstecken.
>> Ein Ehering.<<
>> Also habt ihr geheiratet?<<
>> Vor guten zwei Monaten etwa in Neuseeland. Es war spontan, sonst hätten wir euch eingeladen, wobei wir beide lieber nur ganz klein für uns heiraten wollten.<<
>> Anders hätte ich euch auch nicht eingeschätzt. Glückwunsch Blake zu dieser tollen Frau an deiner Seite. Auf das ihr wundervolle Jahre miteinander verbringen werdet und glücklich seid.<<
>> Danke Edward.<< sagte ich und stieß mit ihm an, ehe wir den restlichen Whisky tranken.
>> Noch einen?<<
>> Danke, aber dann macht deine Tante mir die Hölle heiß.<< seufzte er und erhob sich, während ich beim Bild, wie meine Tante fluchend und meckernd durch das Haus lief, grinsen musste.
>> Ich wollte nur sehen, wie es dir geht und das Verhalten deiner Mutter ein wenig erklären. Sie hat Fehler gemacht, ja, aber sie möchte sie wieder gut machen und es wäre schön, wenn du dir einen Ruck geben würdest. Sie wird morgen zum Essen zu uns kommen, ebenso wie dein Bruder. Es wäre nicht so ein großer Rahmen wie beim Geburtstag, sondern nur privat bei uns. Mary würde sich auch freuen, dich endlich mal wiederzusehen.<< versuchte er mich zu überzeugen, wobei ich seine Frau Mary wirklich gerne mal wiedersehen wollte.
>> Ich überlege es mir, wobei ich auch schauen muss, ob ich morgen pünktlich aus der Firma komme. Es könnte sein, dass ich für jemanden einspringen muss.<<
>> Natürlich. Komm einfach vorbei, wenn es dir passt und ansonsten hören wir einfach wieder so voneinander.<<
>> Ist gut.<<
Ich begleitete ihn noch zur Tür und verabschiedete mich von ihm, während ich bereits überlegte, ob ich da morgen wirklich hingehen wollte. Wollte ich wirklich wieder auf meine Mutter treffen, die so viel Mist gebaut hatte? Die versucht hatte mein Leben zu zerstören? Die Evelyn so viel Leid zugefügt hatte? Hatte sie wirklich eine zweite Chance verdient?
Und was war mit Elliott? Er hatte Evelyn geschlagen, einer Frau, meiner Frau ins Gesicht, weil er die Wahrheit nicht vertragen hatte. Das schlimmste daran war, dass er sich bisher kein einziges Mal dafür entschuldigt hatte. Nicht das man dies entschuldigen könnte, aber er bereute es nicht einmal.
Zum Glück hatte ich noch ein wenig Bedenkzeit, weswegen ich wieder zurück in mein Büro ging und mich an den Schreibtisch setzte. Ich musste mich erst wieder in die Fortbildung einarbeiten, da mich das Gespräch mit Edward so aus der Bahn geworfen hatte. Gerade als ich den Faden wieder gefunden hatte, klingelte mein Telefon, das ich geistesabwesend in die Hand nahm und nahm den Anruf entgegen.
>> Humphrey...<< murmelte ich beschäftigt ins Telefon und notierte nebenbei die Adresse für ein passendes Übungsgelände.
>> Ich störe grade oder?<< fragte Evelyn mich vorsichtig, während ich sofort den Stift zur Seite legte und mich pure Freude durchströmte. Bisher hatte sie jeden Tag von sich hören lassen, außer heute, wobei sie mir gestern schon erzählt hatte, dass sie heute enorm viel zu tun hätte, weswegen ich nicht mit ihrem Anruf gerechnet hätte.
>> Du nie. Ich hatte nur nicht mehr mit deinem Anruf gerechnet.<<
>> Ich vergesse immer, dass es bei dir schon so spät ist. Hier ist es erst elf Uhr morgens.<<
>> Dann hast du ja noch deinen anstrengenden Tag vor dir.<<
>> Richtig. Wobei ich schon drei Operationen heute geschafft habe. Aber egal, wie geht es dir?<<
>> Gut. Ziemlich erledigt vom Tag heute, aber sonst gut. Edward war grade hier.<< seufzte ich und lehnte mich in meinem Schreibtischstuhl zurück, um beim telefonieren die Fotos von ihr betrachten zu können.
>> Und was wollte er?<<
>> Dass ich morgen zum Essen zu ihm komme, wobei meine Mutter und Elliott auch da sein werden. Er hat mir versucht zu erklären, warum sie damals so widerlich war und dass ich mir überlegen solle, ob ich ihr nicht eine zweite Chance geben wolle.<<
>> Du klingst nicht grade überzeugt.<<
>> Bin ich auch noch nicht.<< gab ich zu, als eine kurze Pause entstand und Evelyn sicherlich überlegte, was sie darauf sagen solle.
>> Wegen mir musst du sie nicht ignorieren. Sie ist immerhin deine Mutter und ich möchte mich da nicht zwischen euch stellen. So lange ich erst mal nichts mit ihr zu tun haben muss, ist das ok für mich.<<
>> Du bist zu gutmütig. Weißt du das?<<
>> Ich möchte dir da nur nicht hineinreden. Wenn du ihr eine zweite Chance geben möchtest und Elliott auch, dann ist das in Ordnung, wenn nicht, dann kann ich das auch verstehen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Du hast mir bei meinem Vater ja auch nie hineingeredet und mir meinen Freiraum gelassen.<< erklärte sie sich noch einmal, als mir ein Gedanke kam, der mir wieder einmal zeigte, dass ich mich mehr und mehr auf das Kind freute.
>> Unser Kind hätte keinen Kontakt zu Großeltern, wenn wir uns nicht wieder mit ihnen versöhnen.<<
>> Stimmt. Wobei... Wenn ich mal bei meinen Geschwistern bin, dann würde ich meinen Vater auch als Opa einbeziehen. Wie gesagt, ich habe meine Probleme mit ihm als Vater, aber ich weiß auch, wie er eigentlich ist.<<
>> Zu gutmütig.<< schmunzelte ich und hörte Evelyn genervt seufzen, weswegen ich das Thema wechselte.
>> Nur noch eine gute Woche, dann bist du wieder hier bei mir.<<
>> Ich freue mich schon wahnsinnig darauf. Aber bitte plane nichts, denn ich glaube ich brauche erst einmal zwei Tage Schlaf.<<
>> So lange ich dich zwischendurch verführen darf, ist das kein Problem.<< bemerkte ich amüsiert und konnte mir nur zu gut vorstellen, wie sie sich bei dem Gedanken auf die Lippe biss.
>> Das darfst du nicht nur, das musst du sogar. Da bestehe ich drauf.<<
Die Vorstellung daran, wie sie wieder hier wäre und wir uns im Bett vergnügten, sorgte dafür, dass ich eine Beule in der Hose bekam und mit meinen Gedanken abdriftete. Sie war einfach schon zu lange weg und ich sehnte mich zu sehr nach ihr.
>> Soll ich auflegen und dich mit deinen schmutzigen Gedanken allein lassen?<< fragte Evelyn amüsiert nach, was mich wieder aus meinen Gedanken riss.
>> Das kannst du mir nicht vorhalten, wenn du mir so eine Vorlage bietest. Das letzte Mal auf dem Dach war ich ja ein wenig außer Gefecht gesetzt durch das Bein, da konnte ich dich nicht in vollen Zügen genießen.<< verteidigte ich mich und rieb mir aus Reflex die Stelle am Oberschenkel.
>> Vielleicht habe ich ja morgen in der Lodge richtiges Internet, dann könnten wir einen Videoanruf starten.<< schlug sie vor, was mich wieder sofort daran erinnerte, dass sie morgen mit Robert zu der Safari fuhr, was mich auf der einen Seite direkt wieder eifersüchtig machte, doch auf der anderen Seite beruhigte, da sie sofort an mich und einen Anruf gedacht hatte.
>> Das wäre perfekt.<<
>> Ich weiß nur nicht, wann ich da Zeit habe. Vielleicht ist es dann nachmittags bei dir und ich störe dich dann bei einem wichtigen Meeting, oder bei der Fortbildung mit deinen Angestellten.<<
>> Egal wann, ruf an und ich werde schon irgendwo ein Plätzchen für uns finden.<< antwortete ich sofort, damit ihr klar war, dass sie keine Rücksicht nehmen brauchte. Ich hatte sie seit zwei Wochen nicht gesehen und musste mich selbst davon überzeugen, dass es ihr gut ging. Die ganze Zeit über nur ihre Stimme zu hören, reichte mir nicht. Ich musste sie unbedingt sehen.
>> Ist gut. Dann werde ich mal zurück gehen und weiter operieren. Meine Pause ist vorbei.<<
>> Dann warte ich auf deinen nächsten Anruf. Ich freue mich schon darauf. Mach’s gut mein Engel und sei vorsichtig.<<
>> Bin ich und gönn du dir eine kalte Dusche.<< schlug sie mir belustigt vor, woraufhin ich auch grinsen musste.
>> Mal sehen. Also bis dann mein Engel.<<
>> Bis dann.<< verabschiedete sie sich noch, ehe sie auflegte und ich voller Vorfreude an den möglichen Videoanruf morgen dachte. Zufrieden seufzte ich, atmete noch einmal tief durch und setzte mich schließlich wieder an die Fortbildung, um keine Zeit mehr zu vergeuden.
Kapitel VIII
Evelyn
>> Aufgeregt?<< fragte Robert mich mit einem breiten Grinsen, während ich mich streckte und langsam wach wurde.
>> Mhm. Bin sofort fertig.<< gähnte ich und stand schließlich auf, um mich fertig zu machen. Wir waren bereits seit guten zwei Wochen hier, weswegen ich mich so langsam an die Temperaturen und die Zeitumstellung hier gewöhnt hatte. Eigentlich hatte Robert die Safari am Ende unseres Aufenthalts machen wollen, doch da hatte es keine freien Termine mehr gegeben, weswegen wir es heute machten und somit erst morgen Abend wieder hier wären.
Ich hatte mir gestern bereits einen Rucksack mit den Sachen gepackt, die ich bis morgen bräuchte, damit es nun schneller gehen würde, da wir noch eine ziemlich weite Strecke vor uns hatten. Während ich mir noch die Zähne putzte, packte Robert bereits alles in unseren Wagen und drängelte, da er so schnell wie möglich losfahren wollte.
Fünf Minuten später saß ich endlich auf dem Beifahrersitz und trank einen Mango Bananen Shake, den er mir hingehalten hatte, damit ich auch genügend Vitamine zu mir nahm. Die ersten Kilometer fuhren wir schweigend nebeneinander her, da Robert ein absoluter Morgenmuffel war, während ich ihn in Ruhe ließ, dabei die atemberaubende Natur in mich aufsaugte und nicht genug davon bekam.
Ich hatte bisher immer in Seattle gewohnt, höchstens mal in einem Vorort, aber auch dort hatte ich nie viel Natur sehen können. Einzig und allein die kurzen Urlaube mit meinen Eltern in Wäldern oder an Seen waren für mich ein Einblick in die Einzigartigkeit der Natur gewesen, oder auch die Zeit mit Blake in Neuseeland. Das konnte jedoch noch nicht mal im Ansatz mit diesem Ausblick mithalten, wobei Neuseeland schon sehr nah dran war. Dort fehlte lediglich die Artenvielfalt der Tiere.
Weit und breit sah ich kein einziges Haus, was einem die Sicht rauben konnte. Abends gab es keine störenden Lichter, weswegen es überwältigende Sternenhimmel gab, die ich stundenlang anstarrte, während wir ums Feuer saßen und uns unterhielten.
Tiere waren hier nicht hinter Gittern gefangen gehalten, sondern konnten frei leben und sich entfalten, was ich immer noch beeindruckend fand. Einen Elefanten im Zoo zu sehen, der immer nur stupide seinen Kopf schwenkte und auf und abging, war einfach nur traurig, wobei mir das vorher nie aufgefallen war.
Bisher hatte ich eine Elefantenherde beobachten können, als wir morgens aufgestanden waren und sie an unserem Ort vorbeigezogen waren. Wir angewurzelt war ich stehen geblieben und hatte alles um mich herum vergessen, da ich nur noch Augen für diese majestätischen Tiere gehabt hatte.
Auch Giraffen hatten wir kurz gesehen, allerdings nur durch ein Fernglas, da sie doch weiter entfernt gewesen waren, ebenso wie Zebras, was jedoch nicht weniger beeindruckend gewesen war.
>> Alles in Ordnung bei dir?<< fragte Robert mich plötzlich und sah mich dabei nachdenklich an, während ich noch einen Schluck meines Shakes trank und nickte.
>> Die Landschaft ist so atemberaubend schön.<<
>> Das stimmt. Was ich jedoch grade sehe, ist auch atemberaubend schön.<< bemerkte er, während er mich ansah und ich ihm dafür kurz in die Seite stupste.
>> Du bist so ein dummer Affe.<< bemerkte ich genervt, als er plötzlich anfing Affenlaute nachzuahmen, was so komisch klang, dass ich lauthals lachen musste.
>> Schön dich wieder lachen zu sehen. Du hast mir gestern ein wenig Sorgen bereitet.<< bemerkte Robert und lächelte mich kurz warmherzig an, ehe er wieder nach vorne sah und weiter fuhr. Währenddessen dachte ich an den gestrigen Abend, wo ich eine Patientin verloren hatte und mich deswegen ein wenig zurückgezogen hatte. Die anderen hatten wie immer am Lagerfeuer gesessen und den Abend vergnügt ausklingen lassen, doch das wäre für mich undenkbar gewesen, weswegen ich mich ins Bett gelegt hatte.
>> Es geht mir gut. Trotzdem geht das nicht spurlos an mir vorbei, wenn ich eine junge Frau auf dem OP Tisch verliere.<<
>> Du hättest nichts mehr für sie tun können. Sie wusste, dass die Operation ihre letzte Chance ist und die Wahrscheinlichkeit dabei zu überleben gering war. Du hast es immerhin versucht. Ohne Operation wäre sie in wenigen Wochen auch gestorben.<< versuchte er mir ins Gewissen zu reden, wobei ich das schon mit mir selbst ausgemacht hatte.
>> Ich weiß. An sich würde ich das ja auch akzeptieren, aber hier ist es etwas anderes.<<
>> Inwiefern?<<
>> Die Menschen haben hier keinen Staat, der ihnen in solch einer Situation irgendwie unter die Arme greift. Sie war Mutter von drei Kindern. Der Vater muss jetzt allein für die Kinder aufkommen, aber auch irgendwie Zeit für sie haben. Ich finde das hier schwerer als bei uns zu Hause.<<
>> Mag sein, aber auch er lebt in einem Dorf, wo sie sich gegenseitig unter die Arme greifen. Andere Mütter werden auf die Kinder aufpassen, während er weg ist und Nahrung beschafft oder arbeiten geht.<<
Ich nickte nur, ließ es mir durch den Kopf gehen und sah wieder auf die Landschaft. Robert hatte Recht. Der Zusammenhalt hier war wesentlich stärker als in Amerika, wo die Leute in einem Mietshaus sich noch nicht mal vom Sehen her kannten.
Jeder war dort ein Fremder, weswegen manche Leichen auch über Monate nicht bemerkt wurden, weil niemand sich wunderte, wo derjenige war. Hier hielten die Menschen zusammen, sie halfen sich gegenseitig und unterstützten sich, wo es nur ging. Trotzdem hatte ich die Frau gestern nicht mehr retten können, weswegen nun drei Kinder Halbwaisen geworden waren.
>> Weißt du überhaupt, wohin du fahren musst?<< fragte ich Robert schließlich, da er kein Navi hatte und es hier in der Einöde auch keine richtigen Straßen gab.
>> Ich fahre nur in den nächsten größeren Ort. Von da aus werden wir abgeholt. Keine Sorge.<<
>> Dann ist ja gut.<<
Ich schloss kurz die Augen und genoss die Sonne auf meinem Gesicht, die ich sonst immer nur in meinen Pausen genießen konnte, da ich immer nur im OP stand. Das wärmende und prickelnde Gefühl auf meiner Haut heiterte sofort meine Stimmung auf, weswegen ich es ausgiebig genoss, bis Robert schließlich stehen blieb und ich wieder die Augen öffnete.
>> Einmal umsteigen Schneeflocke.<<
Ich nickte, stieg aus, nahm meinen Rucksack und ging zu dem Jeep herüber, wo Robert schon mit dem Fahrer sprach.
>> Guten Morgen.<< begrüßte er mich, was ich sofort erwiderte, bevor ich einstieg und mich auf einen Sitz fallen ließ. Dadurch, dass es hier keine richtigen Straßen gab, war die Fahrt ziemlich holprig, weswegen ich mich ordentlich festhalten musste. Robert war wegen meiner Schwangerschaft sofort wieder besorgt, was mich langsam zur Weißglut brachte, doch ich wollte nicht schon wieder einen Streit deswegen anfangen.
Es dauerte auch nicht wirklich lange, bis die Wege besser wurden und ich meinen Griff lockern konnte. Zudem war das Auto gut gefedert, weswegen ich mich zurücklehnte und weiterhin die Natur genoss.
Als wir endlich am Tsavo-East-Nationalpark ankamen, stiegen wir kurz in einen anderen Jeep um, in dem bereits andere Reisende warteten und begannen unsere erste Tour.
Robert setzte sich natürlich neben mich und schien genauso gespannt zu sein wie ich. Auch wenn er schon des Öfteren in Kenia gewesen war, hatte er sicherlich noch keine Safari unternommen. So wie ich ihn kannte, hatte er rund um die Uhr gearbeitet, operiert und Menschenleben gerettet.
Der Fahrer erzählte uns etwas über die Savanne, über die Steppe, die Felsschluchten und die Akazienwälder, die wir auf unserem Weg bewundern konnten, als wir an einem Fluss vorbeifuhren und die ersten Tiere beobachten konnten. Unser Fahrer fuhr uns so nah wie möglich heran, woraufhin alle ihre Kameras herausholten und fleißig Bilder schossen.
>> Möchtest du kein Foto machen?<< fragte Robert mich verwundert, als auch er aufstand und seine Kamera zückte.
>> Nein, ich möchte es einfach nur genießen.<< seufzte ich, stand auf, um auch etwas sehen zu können und beobachtete die Gazellen und Antilopen, die sich am Ufer tummelten. Einige Reisende unterhielten sich grade darüber, dass sie hofften, dass sich ein Krokodil zeigen und eines der Tiere schnappen würde, während ich versuchte sie zu ignorieren.
>> Schön oder?<< fragte Robert plötzlich und sah gebannt zum Fluss, woraufhin ich nickte.
>> Darf ich mein Kompliment an dich noch revidieren?<< fragte ich und grinste ihn an, während er mich irritiert betrachtete.
>> Welches Kompliment?<<
>> Dass du ein blauer Pfau bist.<<
>> Möchtest du jetzt doch auf einen majestätischen Löwen umschwenken? Da hätte ich nichts dagegen.<< antwortete er amüsiert und drückte mich kurz an seine Seite.
>> Nein, tut mir Leid, aber dieser kleine Kudu dort erinnert mich an dich.<<
>> Allein schon kleiner...<< sagte er verächtlich, doch davon ließ ich mich nicht beirren.
>> So wie der, der da vorne liegt...<< wandte ich ein und deutete auf einen kleinen Kudu, der ein wenig abseits der Herde auf dem Boden lag.
>> Die Weibchen sind alle um ihn herum und er liegt da und beobachtet alle. Als ob die Weibchen alles für ihn tun würden und er sich bedienen lassen würde. Der Schönling macht sich halt nicht schmutzig. Mit seinen hübschen Streifen und den prägnanten Flecken... Und dann erst diese geschwungenen, spiralförmigen Hörner. Was natürlich nur du als Männchen hast, um deinen Weibern imponieren zu können. Du kannst dich da als Männchen ausruhen, weil dir alle Weibchen gehören und dir das nehmen kannst, was du gerne hättest. Die volle Auswahl, jederzeit...<<
>> Und du meinst wirklich, dass ich das möchte? Dass ich so bin?<< hakte er mürrisch nach, während sich alle wieder setzten und unser Fahrer weiterfuhr, um weitere wilde Tiere zu finden.
>> Na ja... egoistisch bist du nicht und du kümmerst dich auch eher um deine Freunde, aber was Frauen angeht... Seit deiner Ex-Frau bist du halt abgestumpft, was ich wirklich gut verstehen kann, aber wenn du eine Frau brauchst und sie dir gefällt, wobei da auch nur die hübschesten in Frage kommen, dann nimmst du sie dir einfach und lässt sie auch ganz schnell wieder fallen.<<
>> Dich hätte ich nicht fallen gelassen, aber du wolltest ja nicht... und ansonsten war einfach noch keine besondere Person dabei.<< bemerkte er, was mich wieder an die Unterhaltung vor einigen Wochen erinnerte, wo er mir erzählt hatte, dass er sich für uns mehr als nur Freundschaft hätte vorstellen können. Allerdings wusste er, dass ich Blake verfallen war und dass das niemals mit uns funktioniert hätte.
>> Ich würde es dir aber wünschen, vor allem auch Lilly. Wenn sie jetzt wirklich bald zu dir zieht und du das Sorgerecht für sie bekommst, dann wäre es für sie vielleicht auch schön wieder einmal das Gefühl einer Familie zu haben. Du sollst es natürlich nicht erzwingen, aber dich einfach mal drauf einlassen und Frauen näher kennenlernen, dich richtig für sie interessieren und nicht nur nach dem Alter und nach Geschlechtskrankheiten fragen.<<
>> Mag sein, aber erst mal braucht Lilly mich und das Gefühl, dass sie bei mir an erster Stelle steht, denn das stand sie bei ihrer Mutter nie.<<
>> Glaub mir, dass sie bei dir an erster Stelle steht, das weiß sie. Egal was sie möchte, du erfüllst es ihr. Wenn sie dich braucht, bist du da, wenn sie irgendetwas hat, dann bist du der erste, der nachfragt, was los ist und wie du ihr helfen kannst... Sie weiß, dass sie auf dich bauen und vertrauen kann. Das musst du ihr nicht mehr beweisen.<< gab ich ihm schmunzelnd zu bedenken, während ich daran dachte, wie sie wirklich die Stellung einer kleinen Prinzessin bei ihm hatte.
>> Löwen!<< rief der Mann auf einmal hinter mir lauthals in mein Ohr, weswegen ich direkt zusammenzuckte. Aufmerksam suchte ich die Richtung ab, in die er zeigte, wobei es einige Sekunden dauerte, bis ich sie fand. Sie waren einfach zu gut getarnt, doch je näher wir kamen, desto besser konnte ich sie sehen.
>> Darauf habe ich gewartet.<< sagte Robert triumphierend, erhob sich und fotografierte, was das Zeug hielt. Er hatte sich vor unserer Reise extra noch eine neue Kamera mit dem passenden Objektiv geholt, um hier die perfekten Bilder schießen zu können.
Sicherlich machte er diese Bilder für sich, aber bestimmt auch für seine Tochter, die verrückt war nach Tieren und am liebsten mitgekommen wäre. Während alle anderen wieder fotografierten und die Augen die ganze Zeit über wieder nur hinter der Linse hatten, um anschließend das Foto zu überprüfen und erneut ein neues zu schießen, lehnte ich meinen Kopf auf der Sitzlehne vor mir ab und beobachtete das Rudel.
Ich bezweifelte, dass die anderen wirklich sahen, wie zufrieden und in sich ruhend die Löwen aussahen. Wie liebevoll die Jungtiere miteinander spielten. Wie einige miteinander kuschelten, während die großen, ausgewachsenen Löwen in alle Richtungen sahen, um auch ja nichts zu verpassen. Wie sie auch uns nicht aus dem Blick ließen und uns genau beobachteten.
Es war traurig, dass die Personen nicht das Erlebnis genießen konnten, sondern alles festhalten mussten. Natürlich konnte man sich so immer wieder daran erinnern, wenn man die Bilder ansah, doch reichten dafür nicht die Erinnerungen im Gedächtnis?
Viele von ihnen machten die Bilder sicherlich nur, um anschließend anderen davon erzählen zu können, um genügend Klicks zu bekommen, um zeigen zu können, was für eine tolle Reise sie gemacht hatten, aber das musste jeder für sich am besten wissen. Ich betrachtete sie und dachte dabei an Marionetten, die von der Gesellschaft und der Anzahl an Klicks gelenkt wurden, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte.
Der Fahrer erzählte uns nebenbei wie einige Touristen jedes Jahr hier her kamen, um auf Jagd zu gehen. Wie sie triumphierend mit diesem majestätischen Tier angaben, wenn sie es erschossen hatten, was in mir pures Unverständnis hervorrief.
Wir waren hier in Afrika, in der Wildnis, dort wo die Tiere alles unter sich ausmachten. Fressen und gefressen werden, war hier die große Regel und es war im Gleichgewicht, wenn man sie einfach leben ließ. Die Natur regelte das schon irgendwie von selbst. Also warum musste sich dann auch noch hier der Mensch einmischen?
Und warum überhaupt jagten Menschen solche Tiere wie den Löwen? Wenn wir heute Tiere schlachteten, dann aus dem Grund das Fleisch zu essen, aber bei Löwen? In Afrika? Es würde wohl kaum jemand hier einen Löwen erschießen und anschließend das Fleisch in kleine Portionen teilen, schock gefrieren und mit nach Hause nehmen, um es dann in der Pfanne zu braten.
Dabei ging es sicherlich nur um das Gefühl der Stärkere zu sein, was nicht sonderlich schwer war, wenn man eine Waffe besaß und mit unfairen Mitteln spielte. Die Tiere hatten einem nichts getan, was mich einfach nur wütend machte.
>> Alles in Ordnung?<< fragte Robert mich plötzlich, als ich bemerkte, dass wir wieder los fuhren und die Löwen langsam an meinen Augen vorbei zogen. Ich nickte nur und setzte mich wieder auf, als er mir eine Wasserflasche hinhielt. Dankbar nahm ich sie an und trank einen Schluck, da es immer heißer wurde und die Fahrt noch eine Weile dauern würde.
Kapitel IX
Blake
>> Schön, dass du es doch noch geschafft hast.<< begrüßte mich meine Tante aufrichtig und strahlte mich an, ehe sie mich in ihre Arme schloss und nicht mehr loslassen wollte.
Mary war eine gute Seele, immer freundlich, hilfsbereit und liebevoll gewesen, weswegen ich mir heute einen Ruck gegeben hatte und doch noch hier her gefahren war.
>> Ich hoffe, dass ich nicht all zu spät bin.<< entschuldigte ich mich noch, während wir hineingingen und ich mein Jackett an die Garderobe hing. Schnell nahm ich noch mein Telefon heraus, sah kurz nach, ob ich etwas von Evelyn verpasst hatte, ehe ich es in meine Hosentasche steckte und Mary lächelnd ansah.
>> Sie sind schon da, oder?<< hakte ich nach und sah auf die Jacke meiner Mutter, während sie betroffen nickte.
>> Du schaffst das schon. Ich weiß, wie stark du bist und was für ein großes Herz du hast. Das hattest du schon immer. Sie kann froh sein, so einen tollen Sohn zu haben.<<
>> Ist Elliott denn auch da?<<
>> Nein, Gina hatte angerufen, weil sie heute ausgehen wollte, also sollte er auf die Kinder aufpassen. Er fragte noch, ob er sie mitbringen könne, aber das war mir zu kurzfristig und ich denke, dass es mit deiner Mutter alleine eher in deinem Sinne ist oder?<< bemerkte sie und grinste, wofür ich sie am liebsten noch einmal gedrückt hätte.
Ich war wirklich froh, dass ich nur auf meine Mutter treffen würde und ich das mit Elliott ein andern Mal klären konnte, wenn dann auch noch seine unerzogenen Kinder hier herumgelaufen wären, wäre das ganze eh nichts geworden, da man sich währenddessen keine einzige Sekunde hätte unterhalten können.
Außerdem war ich auf meinen Bruder noch schlechter zu sprechen, als auf meine Mutter, da er Evelyn geschlagen hatte, wobei er sich noch nicht einmal bei ihr oder mir dafür entschuldigt hatte.
>> Du bist die Beste!<< bedankte ich mich, woraufhin sie nickte und mich am Arm packte.
>> Na dann komm. Noch einmal tief durchatmen und dann geht’s los.<<
Sofort gingen wir ins Wohnzimmer, wo Edward und meine Mutter auf der Couch saßen und sich einen Whisky gönnten. Sofort sahen sie Mary und mich an, als wir das Zimmer betraten und hörten sofort auf zu reden.
Edward grinste zufrieden und nickte mir zu, während mich meine Mutter ängstlich ansah. Sie hatte ein enorm schlechtes Gewissen, was auch mehr als gerechtfertigt war. Am liebsten wollte ich wieder gehen, da sie einfach zu viel Mist gebaut hatte, doch dann erinnerte ich mich wieder daran, wie oft Evelyn mir schon vergeben hatte.
Ich hatte selbst so viel falsch gemacht und dennoch hatte Evelyn mir verziehen. Sie hatte sogar ihrem eigenen Vater, der wesentlich Schlimmeres als meine Mutter getan hatte wieder in Teilen verziehen. Also hatte ich es immerhin zu versuchen. Alleine schon wegen unseres Kindes.
Dass mein Vater kein guter Großvater war, das wusste ich, aber meine Mutter war eine tolle Großmutter, auch zu Elliotts Kindern, was ich mir ebenfalls für unseren Nachwuchs wünschte.
>> Guten Abend Andrew, Mutter...<< begrüßte ich die beiden noch ein wenig steif, während ich die letzten Meter zu ihnen ging und sie begrüßte. Andrew umarmte ich kurz, was bei meiner Mutter definitiv kühler ausfiel. Wir nickten uns nur zu, ehe ich mich zu ihr setzte, da Mary neben Andrew Platz genommen hatte.
>> Alles Gute nachträglich. Es tut mir Leid, dass ich nicht zu deiner Feier kommen konnte, aber...<<
>> Kein Problem, das verstehe ich und danke.<< unterbrach sie mich mit Tränen in den Augen, da sie diese Distanz anscheinend nicht ertrug und es mir damit auch wesentlich schwieriger machte.
Verdammt, ich konnte sie nicht leiden sehen. Sie war meine Mutter, die mich groß gezogen und immer hinter mir gestanden hatte. Wusste der Teufel, was sie vor ein paar Wochen geritten hatte, weshalb sie so zu Evelyn gewesen war und unsere Beziehung zerstören wollte, doch das war nicht sie gewesen. Ich kannte sie und das sah ihr nicht ähnlich.
>> Bevor du kamst, hatten wir grade über Erin geredet.<<
>> Was ist mit ihr?<< hakte ich nach, da ich sie schon länger nicht mehr gesprochen hatte. Nach der ersten Trennung von Evelyn war unser Kontakt ein wenig eingefroren.
>> Sie ist wieder mit Jack zusammen. Die Auszeit hat ihnen wohl geholfen und jetzt ziehen sie zusammen und suchen eine Wohnung oder ein Haus.<< klärte mich meine Mutter auf, was mich für meine Schwester freute.
>> Das sind doch gute Neuigkeiten. Wenn sie Hilfe beim Umzug brauchen, sollen sie Bescheid sagen.<<
>> Ich werde es ihr ausrichten.<<
>> Mr. Benton, da ist ein wichtiger Anruf für Sie.<< informierte ihn eine Bedienstete, weswegen Andrew sich entschuldigte und kurz in sein Arbeitszimmer ging.
>> Würdest du uns auch kurz allein lassen Mary?<< fragte meine Mutter sie, weswegen sie nach einem kurzen Zögern aufstand und in der Küche nach dem Rechten sah.
>> Ich schätze, dass es dich eine enorme Überwindung gekostet hat, heute hier her zu kommen und ich rechne dir das hoch an.<< begann meine Mutter, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass wir allein waren.
>> Ziemlich.<< gab ich zu und lehnte mich zurück, um mich hoffentlich ein wenig zu entspannen.
>> Es bedeutet mir viel, dass du heute hier bist... Ich vermisse dich und ertrage die Distanz nicht, aber ich kann dein Verhalten verstehen. Ich habe mich schon versucht zu entschuldigen, wobei ich weiß, dass es keine Entschuldigung gibt für das, was ich getan habe. Deswegen hätte ich nie gedacht, dass du heute hier her kommen würdest. Hat Evelyn dich gar nicht davon abhalten wollen?<<
Diese Frage kränkte mich zutiefst und machte mich gleichzeitig überaus wütend, weswegen ich sie verächtlich ansah.
>> Sie war es, die mich dazu angestiftet hat, heute hier her zu kommen. Was denkst du von ihr? Dass sie dort sitzt und alles versucht, um das Verhältnis zwischen uns weiter zu schädigen? Dass es ihr einziges Ziel ist, uns voneinander zu trennen? Das war eher anders herum, oder nicht? Sie hat dir niemals etwas getan, hat dich immer gemocht und unterstützt...<< antwortete ich fassungslos, während meine Mutter den Kopf eingezogen hatte.
>> Tut mir Leid, dass... dass meinte ich nicht so. Nur sie war diejenige, die alles abbekommen hatte von mir, deswegen dachte ich, dass sie am schlechtesten auf mich zu sprechen wäre.<< verteidigte sie sich leise und trank einen Schluck, wobei ich sehen konnte, wie sehr sie zitterte.
>> Sie möchte nicht unbedingt auf dich treffen und möchte nicht unbedingt im gleichen Raum mit dir sein, nach all den Sachen, aber sie stellt es mir frei mich mit dir zu treffen, da es nichts mit mir zu tun hat. Sie möchte sich nicht dazwischen stellen.<<
>> Sehr erwachsen und bewundernswert... Es... Es tut mir wirklich Leid, was ich getan habe, umso erleichternder finde ich es, dass ihr trotzdem noch zusammen seid. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Anscheinend habe ich alles, was zu der Zeit schief lief, an ihr ausgelassen, weil ich irgendwo einen Sündenbock gesucht hatte, aber ich weiß wirklich nicht wieso ich das getan habe. Also rückwirkend meine ich. Ich weiß wirklich nicht, was mich da geritten hat...<<
>> Das weiß ich auch nicht.<<
>> Meinst du denn, dass wir das irgendwann überwinden können?<<
>> Das müssen wir wohl, aber es wird dauern. Sehr, sehr lange.<< seufzte ich, woraufhin sie nickte.
>> So lange es eine Chance gibt, kann ich abwarten. Ich möchte nicht noch jemanden aus meiner Familie verlieren. Nach der ganzen Sache habe ich eine Therapie angefangen, die mir sehr gut tut und in der ich grade alles aufarbeite. Den Kontakt zu deinem Vater habe ich komplett abgebrochen. Die Verlage habe ich abgegeben und er hat mir eine Abfindung gezahlt. Ich brauche einfach einen Neuanfang und das geht nicht mit ihm.<< erklärte sie ergriffen, wobei sie einzelne Tränen mit ihrem Taschentuch wegwischte.
>> Das freut mich für dich. Ich habe dir schon immer gesagt, dass die Verlage nicht das richtige sind.<<
>> Ich weiß...<<
>> Und Elliott?<< hakte ich nach, da sie nur von sich gesprochen hatte.
>> Er arbeitet dort noch, allerdings hat er eine Probezeit bekommen. Er hat ein halbes Jahr Zeit, um deinen Vater von sich zu überzeugen. Ich hatte ihm zwar geraten, sich auch etwas Neues aufzubauen, aber er wollte nicht auf mich hören und auch dort halte ich mich nun heraus. Mit Erin treffe ich mich nun häufiger und zu Ava fliege ich nächste Woche.<< berichtete sie mir, was ich wirklich positiv fand. Es war gut, dass sie meinen Vater hinter sich ließ und sich wieder auf ihre Kinder und sich selbst konzentrierte, als sie auch schon weitersprach.
>> Ich möchte nicht deinem Vater für alles die Schuld geben, auch ich habe Fehler gemacht, viele sogar, aber er war zusätzlich noch mal pures Gift für mich und für mein Selbstbewusstsein. Ich musste erst so tief sinken, um endlich aus seinem Schatten heraustreten zu können. Das habe ich erst begriffen, als ich am Boden war und fast allen weh getan hatte, die mir am nächsten standen.<<
>> Manchmal muss man halt erst dort ankommen, um wieder klar sehen zu können. Halte dich von ihm fern und lebe dein eigenes Leben. Du schaffst das und das mit uns kriegen wir auch irgendwann wieder hin.<< redete ich ihr gut zu und nahm sie in den Arm, nachdem ich noch einmal tief durchgeatmet und mir einen Ruck gegeben hatte, da sie nur noch ein Haufen Elend war. So gut konnte sie nicht schauspielern, weswegen ihre Tränen, ihr Zittern und ihr Bedauern echt waren. Kaum hatte ich sie umarmt, schluchzte sie nur noch mehr, weswegen ich ihr ein Taschentuch vom Tisch reichte.
In dem Moment kam Andrew zurück und sah uns zufrieden an, woraufhin er uns ins Esszimmer bat, da das Essen angerichtet war. Wir hatten die Vorspeise bereits gegessen und uns über Mary und Andrew unterhalten, ebenso wie über die Reise meiner Mutter zu Ava, als das Thema nun auf mich gelenkt wurde.
>> Hast du heute schon mit Evelyn geredet?<< fragte mich Andrew, woraufhin mich alle fragend ansahen.
>> Heute noch nicht, aber gestern rief sie noch nach deinem Besuch an.<<
>> Sie ist in Kenia, richtig? Andrew hat mich ein wenig auf den Laufenden gebracht eben.<< hakte meine Mutter nach, woraufhin ich nickte.
>> Ja, sie operiert dort ehrenamtlich die Menschen, die es am dringendsten brauchen und in einer Woche kommt sie zurück.<<
>> Hat sie auch mal Zeit sich das Land anzusehen?<<
>> Nur kurz. Sie wollte mit ihrem Kollegen heute eine Safari machen für zwei Tage, aber mehr nicht, da sie die restliche Zeit wirklich sinnvoll nutzen möchten, damit so vielen Menschen wie möglich geholfen werden kann.<<
Ich aß den ersten Bissen vom Hauptgang, als Andrew die Stille wieder durchbrach und mich entschuldigend ansah.
>> Ich habe Darcy auch von eurer Hochzeit erzählt. Ich meine den Ehering übersieht man kaum.<< gestand er mir, um reinen Tisch zu machen, wobei ich seine Nervosität spüren konnte.
>> Ist schon gut. Kein Problem. Es ist ja auch kein Geheimnis.<<
>> Erzählst du mir wenigstens wie es war, wenn schon niemand dabei war von uns?<< fragte meine Mutter vorsichtig nach, weswegen ich meine Gabel zur Seite legte und noch einmal Luft holte.
>> Wir waren nach der Sache mit den Medien und nach der Sache mit dir nach Neuseeland geflogen. Wir brauchten eine Auszeit, wo wir mal einfach nur für uns sein konnten. Es war, als bekämen wir hier keine Luft mehr, weswegen ich uns dort ein Haus gemietet hatte. Kurz vor dem Abflug hatte ich Evelyn einen Antrag gemacht, den sie angenommen hatte und dann genossen wir die Zeit zusammen. Wir hatten Zeit über alles zu reden und ein ganz normales Paar zu sein, wo sich die Medien nicht um uns scherten. Nach einigen Tagen fuhren wir in die Stadt, um ein Paar Geschenke zu holen, als wir an einer Kirche vorbeikamen, wo Evelyn hineinging. Ich folgte ihr und wir redeten über unsere Beziehung, darüber dass wir verlobt waren und Angst vor der Rückkehr hätten. Da wir dort wieder verfolgt würden, weswegen wir uns dazu entschieden dort zu heiraten. Ganz allein, nur zu zweit, ein Moment der nur für uns wäre. Wir liefen zum Rathaus, um alles in die Wege zu leiten. Evelyn suchte sich dann schnell ein Kleid in der Stadt aus, während ich mich in einen Smoking warf und Eheringe und Blumen holte. Zwei Stunden später wurden wir getraut, gingen am Strand essen und genossen den Sonnenuntergang.<< beschrieb ich es knapp und holte das Foto von uns aus meinem Portemonnaie heraus, was ich ihnen daraufhin zeigte.
>> Ihr seht so wunderschön aus.<< seufzte Mary und drückte mir die Schulter.
>> Danke.<<
>> Vor allem aber unglaublich glücklich. Ich hätte mir das nie verziehen, wenn ich euch das zerstört hätte.<<
>> Hast du ja nicht.<< wandte ich ein und legte das Foto zurück.
>> Wohnt ihr denn jetzt schon zusammen?<< fragte Andrew nach und aß weiter, bevor es kalt wurde.
>> So gut wie. Sie hat zwar noch ihre Wohnung, aber die kündigen wir, wobei wir eh umziehen werden.<<
>> Du möchtest deine Wohnung aufgeben? Wieso?<<
>> Ich suche ein Haus für uns. Nicht mehr in der Stadt, sondern lieber außerhalb, wo es ein wenig ruhiger ist. Mehr im Grünen.<<
>> Das wird schwierig werden, habt ihr denn einen guten Makler?<<
>> Noch nicht. Die, die ich bisher kontaktiert habe, hatten nichts, was mich interessiert. Ich suche also noch.<< gab ich zu und dachte an meine Suche der letzten Tage. Eigentlich hatte ich drei Objekte auswählen wollen, die ich mir dann mit Evelyn ansehen wollte, doch überall missfiel mir etwas, weswegen ich noch kein Stückchen weiter war, als vor ihrer Abreise nach Kenia.
>> Ich rufe morgen mal einen Freund an und gebe ihm deine Nummer. Vielleicht hat er etwas für dich, aber du solltest deine Wohnung nicht aufgeben. Sie hat die perfekte Lage und eigentlich reicht sie doch für euch zwei.<<
>> Aber nicht für drei.<< antwortete ich, ohne nachzudenken, woraufhin ich innehielt und mir fast auf die Zunge biss. Hatte ich das grade wirklich laut gesagt? Vorsichtig hob ich den Kopf und sah in die erstaunten Gesichter meiner Familie.
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