Kitabı oku: «Das letzte Kind trägt Fell»
Sylvia Brécko
Das Letzte Kind Trägt Fell
Das Buch zur Bühnenshow
© 2021 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun
Telefon: +49 (0) 6592 957389-0
www.kynos-verlag.de
Titelbild: Mary Addari (Foto), Yvonne Voermans-Eiserfey (Grafik/Design)
Alle Grafiken: Leo Flemisch
Gedruckt in Lettland
eBook (epub) Ausgabe der Printversion 2021
ISBN der gedruckten Ausgabe: ISBN 978-3-95464-260-1
eBook (epub)-ISBN 978-3-95464-263-2

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Meinem Liebling
Inhalt
Einleitung: Die Welpen kommen!
Lola
„Ist Ihr Hund klug?“
Lola (fr) isst
Lola kommuniziert
Was das alles kostet!
Versteuert?
Figuriges
Lola tröstet
Lola kackt!
Down Under
Lola ist läufig
Zehn kleine Streifenhörnchen
Dogsharing
Das Ende der Freiheit?
Audrey
Hectique & Co.
Die Wohngemeinschaft
Ist Ihr Hund jagdlich geführt?
Wie der Herr …
Raus in die Natur
Dreckig oder Footprint?
Furry
Audrey frisst nicht
Die Sache mit dem Blut
Aus dem Tierschutz
Sie glänzt nicht
Hund zu Besuch
On Tour
Dogdance-Girl
Die Hundetasche
Gewohnheitstiere
Beruf: Zudeckerin
Was tut man nicht alles …
Yoga-Girl
Otto – eine unerwiderte Liebe
Audrey ist läufig
Verkehrsberuhigte Zone
Supergirl
Sie liebt mich, sie liebt mich nicht …
Vermenschlichung oder Respekt?
Kind – Mama – Hund
Unglück im Glück
Ende
Die Idee zu diesem Buch
Danke
Literaturverzeichnis
Einleitung: Die Welpen kommen!
24. Oktober 2019, 1:45 Uhr
„Nummer 6 ist da: Es ist ein Mädchen.“
„Sowas Ähnliches haben die Zeitungen auch geschrieben, als Angela Merkel Kanzlerin wurde“, denke ich kurz.
Gleichzeitig spüre ich, wie das Blut durch meinen ganzen Körper flitzt, mein Herz tausend klitzekleine Sprünge macht und gefühlt meine Mundwinkel den Augen einen Besuch abstatten wollen.
Natürlich habe ich in dieser so wichtigen Nacht noch keine einzige Sekunde geschlafen. Und jetzt, wo ich die WhatsApp lese, bin ich sicher: DAS ist bestimmt die kleine Komikerin, die sich beim Tierarzt versteckt hat!
Denn eigentlich waren drei Wochen vorher beim Ultraschall-Shooting nur fünf gezählt worden – also vom Tierarzt – ICH hatte nicht wirklich durchzählen können in diesem flimmernden, schwarz-weiß-grauen Wirrwarr. Aber mit Hilfe des Docs konnte ich das ein oder andere Herzchen bubbern sehen – was für ein Moment! So fühlt sich wohl jede werdende Mutter beim ersten Ultraschall.
Jedenfalls hatte uns der Doktor schon darauf hingewiesen, dass sich immer mal eine(r) nicht blicken lässt beim ersten Fototermin.
Nun waren es also vier Mädels und zwei Jungs, die „Weimaranerin Lola“ in diese Welt, deren Licht die Kleinen erst in etwa 14 Tagen erblicken würden, hatte purzeln lassen.
Ich schreibe kurz zurück: „
Na, dann hast Du ja jetzt einen ganz schönen Frauenhaushalt
.“
In dieser Minute trifft die nächste WhatsApp ein: „Ich haue ab…
Nr. 7 ist da. Ein blauer Junge.“
Ich antworte mit „Wow“ und denke: „Arme Lola, wenn Du gewusst hättest, was Dich da erwartet, hättest Du Dir den Spaß mit dem Rüden gespart …“
Die beiden hatten sich, wie so viele Paare, im Netz gefunden. Na gut, ein wenig Hilfe und Unterstützung von Menschenhand war dabei nötig, schließlich galt es, einen ebenbürtigen Partner für Lola zu finden, denn der zukünftige Schwiegersohn sollte schon einige standesgemäße Qualitäten mitbringen: Aus gutem Hause musste er sein, von aristokratischer Höflichkeit. Wohlerzogen, nicht zuletzt durch den Besuch einer weiterführenden Hundeschule. Dazu markantes Gesicht, halt ein junger Intellektueller.
Fündig geworden sind wir dann in Limburg. Dort residiert nämlich ein stattlicher, blauer Weimaraner-Rüde edelsten Geblüts mit dem staatstragenden Namen Balou.
Schnell wurde man sich über den Preis einig – ja, bei den Hunden ist es anders als bei den Menschen: Hier müssen die Mädels für Sex bezahlen.
Für Balou sprach auf jeden Fall, dass er schon vorher zwei Hundedamen glücklich gemacht hatte und so bereits 13 Mal Papa geworden war.
In der, wie wir glaubten, heißesten Zeit ihrer heißen Phase kutschierten wir Madame also nach Limburg und waren sehr gespannt, ob der Verkupplungsversuch wohl gelingen würde.
Balou war – wie wir es bei einem so schönen Weib natürlich nicht anders erwartet hatten – von der ersten Sekunde an Feuer und Flamme. Und auch Lola schien mit unserer Wahl zufrieden. Die Lady hatte offensichtlichen Spaß daran, ihren neun Monate jüngeren Lover zu verführen. (Wenn man das in Menschenjahre umrechnet, kann man Lola guten Gewissens als „Cougar“ 1 bezeichnen.)
Es kam, wie es kommen musste: zum Äußersten.
Aber, wie wir einen Monat später beim Tierarzt erfuhren: Es war nichts draus geworden.
Lola hatte allerdings inzwischen das spezielle Futter für werdende Mütter sehr genossen.
Acht Monate später durfte sie ihren Lover wiedersehen – kostenlos, dank Flatrate.
Und in diesem zweiten Anlauf hatte es geklappt: Lola bekommt Lolos und Lolitas!
Wie gerne wäre ich bei der Geburt dabei gewesen. Aber leider hat sich Lola dafür gerade eine Nacht ausgesucht, in der ich auf Tour bin und nun schlaflos im Hotelbett liege.
Nach vier Minuten kontrolliere ich, ob ich mein Handy nicht versehentlich auf stumm gestellt habe. Nein, alles funktioniert. Na, das war es dann wohl wirklich, noch mehr können ja unmöglich in Lolas Bauch „Verstecken“ gespielt haben.
Was für ein Geschenk, von solch einem wunderbaren Wesen einen ganzen Stall voller süßer, kleiner Hundebabys erleben zu dürfen! Ich kann es gar nicht erwarten, morgen sollte ich sie alle sehen.
Noch lange liege ich wach, 4:16 Uhr ist die letzte Uhrzeit, an die ich mich erinnere. Irgendwann muss ich dann doch weggenickt sein. Bis mich der Piepton der eingehenden WhatsApp aufschrecken lässt, inzwischen ist es acht Uhr morgens. Ich traue meinen Augen nicht, als ich lese:
„Es sind 10 geworden.“

1 Eine Frau, die eine Vorliebe für jüngere Männer hat.
Lola

Zwei Jahre zuvor …
„Ist Ihr Hund klug?“
Die Frage stellt mir das Frauchen eines gescheckten Cocker Spaniels mitten auf der Hundewiese.
Einen Moment lang bin ich versucht, mit einem Gag zu antworten: „Na klar! Der ist hochbegabt, hat 'nen Doktortitel und liest morgens die Zeitung!“ Aber die Gefahr ist einfach zu groß, dass die Dame kontert: „Ich weiß, hat mir meiner erzählt!“
Ich lasse mir also mit meiner Antwort Zeit und blicke liebevoll auf Lola. Sie untersucht gerade, was die Häschen hier für Riesenlöcher hinterlassen haben.
Besonnen und, wie ich finde, voller Bescheidenheit antworte ich schließlich: „Ja, ich denke schon. Nur im Straßenverkehr ist sie meist nicht die hellste Kerze auf der Torte.“
ABER WIE AUCH? Ist dem Verkehrsministerium denn nicht bekannt, dass Hunde die Farben rot und grün nur als gräulich erkennen? Wie sollen sie da bitteschön die Ampeln lesen?!
Oder Rot-Grün wählen?!
Im Ernst: Wenn ich mit Lola Straßen überquere, bin ich immer wieder aufs Neue verzweifelt. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass dieses sonst so clevere Wesen die Gefahr eines herannahenden oder vorbeifahrenden Autos nicht erkennt! Okay, sie ist erst 15 Monate alt, vielleicht geht da ja noch was …
Die Frage, ob und, wenn ja, wie klug Hunde sind, beschäftigt die Wissenschaft schon eine ganze Weile: Man fand zum Beispiel heraus, dass Hunde bis zu 250 Wörter verstehen und deuten können. Rechnen können sie auch, zumindest bis drei. Ob das der Grund ist, warum Lola, sobald die dritte Pfote nach dem Spaziergang sauber gewischt ist, bereits ins Haus durchstartet?
Hunde sollen in etwa so schlau sein wie ein zweieinhalbjähriges Kind … Jetzt frag ich Euch: Kennt Ihr ein zweieinhalbjähriges Kind, das ein Haus bewacht? Oder Geldscheine erschnüffelt, Brände ermittelt und Krebs entdeckt? Oder gar Römergräber findet? 2 Neuerdings gibt es sogar Hunde, die als „Corona-Detektive“ 3 arbeiten!
Wer legt eigentlich fest, ob ein Wesen intelligent ist? Genau, wir Menschen maßen uns das an. Da werden IQ- und andere Tests gemacht, um Intelligenz zu messen. Ganz schön vermessen …
Allein, was Hunde durch ihr Schnüffeln für Erkenntnisse gewinnen können. Was sie mit Hilfe ihrer ausgezeichneten Nasen sehen, finden und verstehen. Ob sich wohl Hunde untereinander auch darüber auslassen, was der Mensch so alles nicht checkt, einfach, weil er es nicht riecht?
Ob Hunde ihren Artgenossen Chaser aus South Carolina auch zum „schlauesten Hund der Welt“ gekürt hätten? Wohl eher nicht. Für uns Menschen jedenfalls war die Border Collie Hündin – yeah, immerhin ein Weibchen! – die Klügste.
Denn Chaser war in der Lage, Sätze mit präpositionalem Objekt, Verb und direktem Objekt zu verstehen – also mehr als zwei Drittel der Jugendlichen heutzutage. Die sprechen nicht selten eine ganz andere Sprache: „Wallah, Brudi, was geht? Deine Chaya is voll lit! Braah!“ 4
Ich meine: Sätze mit präpositionalem Objekt, Verb und direktem Objekt versteht Lola auch. Sowas wie „Lass die Nase vom Tisch.“ Sie befolgt sie nur meist nicht …

Chaser jedenfalls wurde von ihrem Herrchen, Professor Pilley, drei Jahre lang vier bis fünf Stunden täglich trainiert und konnte hinterher sage und schreibe 1022 verschiedene Begriffe unterscheiden!
Das Trainingsprinzip war einfach: Pilley zeigte Chaser ein Objekt, sagte den Namen des Objekts bis zu vierzig Mal, versteckte es dann und der Hund musste es finden. Zur Belohnung gab es Leckerchen.
Vierzig Mal! Das ist doch kein Lernen, das ist Gehirnwäsche!
So was macht man doch nicht mit einem Hund!
Aber bevor ich mich hier zu weit aus dem Fenster lehne – weiß jemand eventuell, wie oft Lehrer ihren Stoff wiederholen, bevor ein Schüler ihn versteht?
2 … wie Archäo-Dog Flintstone aus Oberbayern.
3 Hunde, die die Covid 19-Erkrankung erschnüffeln. Finnland ist Vorreiter im Einsatz dieser Hunde.
4 … was übersetzt so viel heißt wie: „Ey Alder, was geht? Ey, voll geile Bitch, Deine Alde! Ey Respekt, Alder!“
Lola (fr) isst
„Der Alltag mit Hund besteht zu 99 Prozent darin, sich gegenseitig hinterherzulaufen und zu fragen, was der andere da wohl gerade so frisst.“
Diesen Spruch habe ich irgendwo mal gelesen und finde, da ist sehr viel Wahres dran. Lola und ich haben uns tatsächlich ständig im Blick, wenn es irgendwie nach Nahrungsaufnahme aussieht.
Abgesehen davon, dass sie zuweilen die Scheiße von anderen Tieren frisst, ISST Lola eigentlich eher – irgendwie kultiviert.
Sie leckt sogar ihren Napf total blank!
Seitdem lecke ich meinen Teller auch blank.
An Lolas Essgeschwindigkeit müssen wir allerdings noch arbeiten. Sie vergisst nämlich manchmal zu kauen. Dabei haben Hunde zehn Zähne mehr als wir Menschen, die müssen doch in Aktion gehalten werden!
Damit sie also langsamer isst, habe ich ihr von meiner letzten Australientour eine sogenannte „slow feed dog bowl“ 5 mitgebracht: Einen Silikon-Napf mit kreisförmigen Rillen, in die man das Trockenfutter steckt. Das ist quasi wie Sushi mit Stäbchen, man wird zum langsamen Essen verdonnert.
Und was macht Lola? Schmeißt das Teil um und putzt alles vom Boden auf.
Da soll nochmal einer sagen, der Hund sei nicht klug!
Hunde sind einfach die cleveren unter den ehemaligen Wölfen. Nämlich die, die sich dachten: „Ich pass mich einfach dem Menschen an und lass mich bedienen, das ist bequemer, als mir das Futter selbst besorgen zu müssen!“
Und so haben wir jetzt den Sofawolf im Wohnzimmer sitzen.
Der sich bekochen lässt!
Ja, Lola bekommt ihr Essen frisch zubereitet. Gestern stand zum Beispiel „Filet Mignon an Mangold“ auf dem Menüplan.

Ne, war nur Spaß.
Aber Lola bekommt wirklich teilweise gekocht, zwischendurch allerdings auch Trockenfutter.
Premium natürlich.
Komisch, für MICH gehe ich auch schon mal zum Discounter einkaufen. Lolas Futter würde ich da niemals kaufen!
Irgendwas läuft hier falsch … verwöhne ich meinen Hund zu sehr?
Ich kann ihm einfach nichts abschlagen.
Auch am Tisch …
Mal ehrlich, lasst Ihr da auch schon mal von Eurer Beute ab?
Oh, dieser Blick, der Bände spricht …
„Ich weiß, dass ich nicht betteln darf, aber ist DAS schon Betteln? Ich guck Dich doch nur an. Weil ich schon wieder soooo ein großes Loch im Bauch habe. Und weil ich Dich so lieb hab! Siehst Du das denn nicht? Guck mich doch mal an! Schau mir in die Augen!“

Boah Leute, manchmal denk' ich, da sitzt kein Hund vor mir, sondern Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch!
Jedenfalls liebt Lola ihren Fressnapf, den Wassernapf weniger … Trinken gehört wirklich nicht zu ihren Kernkompetenzen. Da musste ich mir richtig was einfallen lassen: Ich habe ein kleines Porzellanschälchen, das ich mit Leitungswasser befülle und ihr dann mit den Worten: „Evian für Luxushunde“ offeriere, begleitet von Küssen aufs Haupt, während sie trinkt … Das erscheint ihr offenbar eine standesgemäße Art diese neutral schmeckende Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
JA, GEHT'S NOCH???
Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, wie Hunde – also alle außer Lola – das überhaupt schaffen, ihre Näpfe so schnell leer zu trinken?
Ich habe es nachgelesen: Das Trinken bei Hunden ist ein physikalisches Phänomen, sozusagen höhere Physik. Das Zauberwort lautet Hydrodynamik: Zwischen Napf und Zunge entsteht eine Wassersäule, die der Hund aufschnappt.
Natürlich wollte ich wissen, ob ich das auch kann. Die Folge: Wir mussten eine Trocknungsfirma beauftragen, weil das ganze Haus unter Wasser stand.
Und dann wären da noch die Leckerlis! Ich hab immer welche in meinen Mantel-, Jacken- und/oder Hosentaschen. Die landen auch öfters mal in der Waschmaschine. Und dann kommt dieser Moment, in dem Du in die Tasche Deiner frisch gewaschenen Jeans fassen willst – und nicht reinkommst. Das Futter ist nämlich inzwischen wieder hart geworden. Der Vorteil: Die Hosentaschen können von nun an nicht mehr ausbeulen.
Generell bin ich allerdings recht sparsam mit Leckerlis. Weil ich einfach nicht von meinem Hund zum „Futterautomaten“ degradiert werden möchte.
Übrigens: Habt Ihr schon mal auf einer vollbesetzten Hundewiese „Leckerchen!“ gerufen?
Leute, ich sag Euch: Da habt Ihr sofort ganz viele neue Freunde! Allerdings nur Hunde.
Auf einer Hundewiese „Leckerchen“ zu rufen ist, als würde einer im Fußballstadion durchs Megafon schmettern: „Ich geb in der Pause `ne Runde!“
Wobei das in Corona-Zeiten wohl nicht sonderlich teuer würde …
5 … hierzulande auch schnöde „Anti-Schling-Napf“ genannt …
Lola kommuniziert
Wieso sprechen eigentlich sowohl Frauchen – mich eingeschlossen – als auch verdammt viele Herrchen mit ihren Hunden anstatt in ihrer normalen Stimmlage oft mindestens eine Oktave höher?
Vielleicht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass Hunde das mögen. Sie scheinen hohe Stimmen als angenehm und motivierend zu empfinden. Wenn allerdings eine Situation gefährlich wird und Lola dringend gehorchen muss, wird die Einlull-Frequenz nutzlos, da gehe ich meist eine Oktave tiefer als üblich.
Ich habe mal gelesen, dass Männer viel weniger mit ihren Hunden reden als Frauen. Mein Liebling, also mein Mensch-Liebling, scheint sehr erleichtert zu sein über meine Redseligkeit dem Vierbeiner gegenüber: „Was bin ich froh, dass Du Lola hast! Die kannst du die ganze Zeit vollquatschen und ich hab meine Ruhe!“ Darauf ich: „Sei froh, dass Lola nicht unsere Sprache spricht. Was meinst Du, was die Dich erst zutexten würde!“
Der Herr Rütter ist allerdings der Meinung, wir Frauen reden ZU viel mit unseren Hunden, nämlich im Schnitt 400 Wörter am Tag. Mit dem Ergebnis, dass sie vor lauter Vollgelabere irgendwann nicht mehr zuhören und damit nicht mehr auf uns hören.
400 Wörter! Die hab' ich schon bis zum Frühstück zu Lola gesagt!
Dabei habe ich stets das Gefühl, dass Lola wirklich auch jedes Wort versteht!
Das ist vermutlich einer der meistgebrauchten Sätze eines jeden Hundebesitzers. Also gleich nach „Der tut nichts.“, „Der will nur spielen.“ und „Das hat er noch nie getan.“ Aber danach kommt sofort „Der versteht jeeeeeeeeedes Wort.“
Es ist aber auch ein schönes Gefühl zu wissen: „Mein Hund versteht mich.“
Wo ich mich doch selbst oft nicht verstehe …
Aber verstehe ich meinen Hund auch richtig?
Zum Beispiel denke ich oft: „Lola lächelt mich an.“ Jetzt habe ich aber gelesen, dass Hunde uns, wenn sie „lächeln“, in Wirklichkeit imitieren. Wir lächeln daraufhin noch mehr, schaukeln uns quasi gegenseitig hoch frei nach dem Motto: „Da laaaaachste Dich kapott!“ 6
Dabei ist dem Hund vielleicht gar nicht zum Lachen zumute. Weil er beispielsweise gerade etwas ausgefressen hat. In so einem Fall guckt Lola mir nicht in die Augen, sondern an mir vorbei, sie schielt höchstens mal kurz zu mir hin.
Und was denke ich?
„Wie süß, die schämt sich!“
Nein, die Hundeprofis sagen, die Hunde machen das, um von sich abzulenken. Lola guckt also weg, weil sie glaubt: „Dann sieht Frauchen mich nicht.“
Eine Methode, die ich übrigens auch aus dem Theater kenne. Denn wenn ich mitten in der Show durchs Publikum gehe – was ich sehr gerne tue – gibt es immer wieder Leute, die offenbar denken: „Wenn ich die jetzt nicht angucke, sieht die mich auch nicht, dann nimmt die mich auch nicht dran.“ Ich muss sagen, mit diesen Menschen rede ich am liebsten.
Zurück zu Lola: Mit anderen Hunden kommuniziert sie sehr sozial, allerdings abhängig von deren Größe. Große Hunde nimmt sie für voll. Sind diese allerdings aggressiv, legt sie gerne mal den „Rhodesian-Ridgeback-Look“ auf: Die ganze Wirbelsäule ein einziger Kamm, alle Haare gegen den Strich.
Kleine Kläffer ignoriert Lola, macht einen Bogen um sie und wenn sie nicht aufhören und sie angehen, stellt sie sich über sie. Eigentlich eine coole Art der Konfliktbewältigung …
Die meisten kleinen Hunde denken offensichtlich, sie seien groß. Große dagegen scheinen zu glauben, sie seien Schoßhündchen.
Lola zum Beispiel liebt es, auf den Schoß zu kommen. Zuerst legt sie ihren Kopf auf meinen Oberschenkel, gefolgt von Vorderpfoten und Oberkörper. Wenn ich dann noch nicht laut jaule, schiebt sie den hinteren Teil nach. Und was denke ich, während mir allmählich die Beine einschlafen?
– „Och, wie süß!!!“

Dasselbe denke ich übrigens, wenn sie vor meinem Bett steht… Hund im Bett – Wenn man überlegt, wo die den ganzen Tag so durchlaufen. Und was die vielleicht für zusätzliche tierische Mitbewohner bei sich tragen.
Also, ICH lasse Lola nicht ins Bett!
Allerdings wache ich dort immer wieder mit ihr auf …

Ein Katzenbesitzer hat mir übrigens mal erzählt, seine Katze würde sich manchmal nachts auf sein Gesicht legen.
Das ist doch kein Kuscheln! Das ist ein Mordversuch! Die lässt es einfach wie einen Unfall aussehen! Sowas Heimtückisches!
Da hab ich doch lieber einen Hund im Bett!
6 Kölscher Dialekt für „Da lachst Du Dich kaputt“
Was das alles kostet!
Wusstet Ihr, dass in Deutschland – nach Russland – europaweit die meisten Hunde leben? Über 10 Millionen! Tendenz steigend, nicht zuletzt bedingt durch den Corona-Hunde-Babyboom: 20 Prozent mehr Hunde als in den Nicht-Corona-Jahren haben wir Deutschen im Jahr 2020 angeschafft 7.
Da kann man nur hoffen, dass das Homeoffice auch in Zukunft ein Arbeitsmodell bleibt. Und dass, wenn aus Kurz- wieder Langarbeit wird, in Zukunft möglichst viele Chefs Bürohunde erlauben. Immerhin gibt es inzwischen Studien, die belegen, dass Hunde zum guten Klima im Office beitragen. Der ein oder andere Hundebesitzer wird sich dann einen Großteil der Futterkosten für seinen Hund sparen können. Denn für dessen tägliche Bürorunden haben die Kollegen sicherlich alle etwas Gutes in ihrer Schublade.
Zurzeit geben wir Deutschen für unsere Kaniden jährlich circa zwei Milliarden Euro aus – die Hälfte davon wahrscheinlich ICH.
Es gibt Menschen, die das verwundert.
Zum Beispiel den Anthropologen Ndonko aus Kamerun, der seit Jahren die Beziehung der Deutschen zu ihren Hunden beobachtet. Dazu gibt es eine schöne Dokumentation vom Norddeutschen Rundfunk und einen „Zeit“-Artikel mit dem Titel „Das wilde Germanistan“ 8. Ndonko stellt darin fest: Je kultivierter eine Gesellschaft ist, desto hundeverrückter ist sie.
Mmmh, da müssen die Amerikaner ja besonders kultiviert sein – denn dort leben die meisten Hunde weltweit. In San Francisco zum Beispiel gibt es in etwa genauso viele Hunde wie Kinder. Und im Weißen Haus hat der Präsident neben seiner First Lady auch (mindestens) einen First Dog sitzen. Okay, bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel in der Ära Trump. (Was will uns DAS über den Menschen Donald Trump sagen?!)
Die Amerikaner verwöhnen ihre Hunde unter anderem mit DOG TV, dem Fernsehsender für Hunde. Wenn Frauchen und Herrchen zur Arbeit gehen, wird die Glotze angeschaltet und der Liebling unterhalten, damit ihm ja nicht langweilig wird.
DOG TV gab es auch eine Weile bei uns in Deutschland, es wurde aber dann wieder eingestellt – war wohl für die Katz' …
Jedenfalls gab es da Sendungen wie „Spitz, pass auf!“, also quasi eine Gameshow. Auch eine Daily Soap war dabei: „Alles, was bellt“. Und ganz beliebt war die Sendung „Menschen suchen ein Zuhause – das Magazin für streunende Frauchen und Herrchen“. Ach ja, und zum Sendeschluss gab's als Endlosschleife „Die schönsten Laternenpfähle Deutschlands“.

Schluss mit lustig, zurück zu Anthropologe Ndonko: Der war sogar einmal zu Gast bei Sir Henry, dem Mops von Uschi Ackermann.
Besser bekannt als Frau Käfer.
Das Frauchen vom Herrn Käfer.
Der vom Käferzelt.
Oktooooooberfest!
Ah, jetzt, ja!
Wie zu lesen war, ließ Frau Käfer sich allein Sir Henrys medizinische Versorgung pro Monat 1000 Euro kosten.
Wow, musste der Hund gesund sein – wahrscheinlich Chefarztbehandlung durch Müller-Wohlfahrt oder so.
Sicherlich war Sir Henry auch der kulinarisch verwöhnteste Hund Deutschlands. Denn ohne eine standesgemäße Ernährung ging die Woche für ihn wahrscheinlich nie zu Ende: Auf seinem Speiseplan standen vermutlich Gerichte wie „Seezungen-Carpaccio“ und „Blattgold an Tafelspitz“.
Außerdem soll er Luxustreatments wie Massage, Aromatherapie, Pediküre und Fellpflege bekommen haben. Plus – für Mops ganz wichtig – Facelifting! Denn schließlich war Sir Henry in der bayerischen Hauptstadt „Promi des Jahres 2010“.
Das ist jetzt kein Witz!
Nu ja, in München haben sie offenbar nicht so viel Auswahl an Prominenten. Man sagt ja auch: „Dös is a Hund!“
Dafür musste Sir Henry allerdings auch im Dirndl aufs Oktoberfest. Ich meine, bei uns in Köln fällt das ja nicht auf, wenn Männer in Frauenkleidern unterwegs sind. Aber in München? Da werden Möpse im Dirndl schnell mal mit Carmen Geiß verwechselt. Oder mit Michaela Schäfer.
Jedenfalls hat Sir Henry nach seinem Oktoberfest-Debüt in einem Monat mehr Autogrammkarten-Wünsche bekommen als ich in meiner gesamten Zeit beim WDR!
Und damit nicht genug: Sir Henry hatte eine eigene Kolumne in der Münchner Abendzeitung, er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Hier schreibt der Mops“. Und: Er hat ein Lied komponiert. Singen lassen hat er es einen Menschen und die beiden landeten damit den Wies'n-Hit 2011. Der Titel des Songs: „Scharfe Möpse“.
Da sieht man wieder mal: Der Hund ist des Menschen bester Freund, auch wenn es um Marketing geht!
Wie kam ich jetzt darauf? –
Ach ja: die Hundekosten.
Ja, für unsere Lieblinge ist uns nichts zu teuer: Wir schaffen Halsbänder mit Swarovski-Steinen an und Leinen in vier verschiedenen Längen, lassen eigens eine Schwimmweste für den SUP-Hunde-Paddler anpassen und ein Hundewägelchen fürs Mountainbike konstruieren.
Das ist keine Hundeliebe – das ist Affenliebe!
Und ICH mittendrin.
Denn auch ich suche monatelang nach der besten Huta 9, dem ausgeklügeltsten Agility-Training und der raffiniertesten Hüpfburg für die nächste Hundeparty!

7 laut Presseinformation des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH)
8 In: Die Zeit 30.10.1999
9 = Hundetagesstätte
Versteuert?
Und weil die Ausgaben tierisch sind, liegt die Frage nahe, ob man die Hundekosten nicht vielleicht von der Steuer absetzen kann. Ich hab mich da mal schlau gemacht und als Ergebnis meiner Recherche dreieinhalb ganz legale Steuertricks für Hundehalter ermittelt.
Zunächst einmal: Haustiere gelten offiziell als Privatvergnügen und deshalb kann man die durch die Haltung entstandenen Kosten nicht steuerlich absetzen.
Es gibt aber Ausnahmen:
1 Wer für seinen geliebten Vierbeiner Beiträge in eine Haftpflichtversicherung einzahlt, kann diese als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.Wusstet Ihr das? Wenn nicht: Spätestens jetzt hat sich doch der Kauf dieses Buches gelohnt!
2 Wenn der Hundefriseur zu Euch nach Hause kommt, könnt Ihr die Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung in der Steuererklärung aufführen. – Mist! Lola braucht keinen Friseur. Sonst hätte ich mir selbst noch schnell die Spitzen schneiden lassen können.
3 Wenn sich ein Tiersitter tageweise oder während Eures Urlaubs um den Vierbeiner kümmert, können auch die Kosten für Fahrt und Arbeit als haushaltsnahe Dienstleistung abgesetzt werden. Allerdings nur, wenn die Betreuung Eures Hundes bei Euch zuhause stattfindet.
Also, Ihr Lieben: ich suche einen Haus- und Hundesitter im Raum Köln, gerne Nichtraucher und Tierarzt! Auch Coiffeure willkommen, ich brauche mal wieder eine so gute Frisur wie Lola.
3 ½. Hundehütte
Ach, noch etwas: Solltet Ihr auf die Idee kommen, einen Profi mit dem Bau einer Hundehütte für Euren Liebling zu beauftragen: Immerhin 20 Prozent des Arbeitslohns, der Anfahrt und der Maschinenmiete könnt Ihr absetzen! Das Material allerdings nicht.
Muss man das verstehen?
Soweit die Steuerersparnis bei einem Otto-Normalhund.
Quasi den ganzen Hund von der Steuer absetzen können nur diejenigen, die ein Arbeitstier haben. Dazu gehören Wachhunde, Rettungshunde, Therapiehunde, Drogenspürhunde, Schlittenhunde – okay, die müssen wohl bald umschulen, wenn das mit dem Klimawandel so weitergeht… vielleicht zu Wasserskihunden? – Filmhunde, Blindenhunde und auch die schon genannten Corona-Detektive.
Also, ich finde ja, auch Lola ist ein Arbeitstier! Sie arbeitet als Reinemachefrau, denn sie saugt in meinem Lieblingscafé immer sofort alle Schokoladenkuchen-Krümel auf, die die Dreijährigen auf dem Boden hinterlassen.
Außerdem hat sie Jobs als Türsteherin, Tellerwäscherin, Fotomodell, Weckdienst, Fitnesstrainerin, Bodyguard und Schmusetier!
Das ist doch mal ein Pensum, oder?
Da sollen die beim Finanzamt mal was gegen sagen!

Figuriges
„Hat die `ne tolle Figur!“
Es gab Zeiten, da konnten solche Komplimente mir gelten. Heutzutage weiß ich gleich, dass damit der Hund gemeint ist.
Ja, es ist schon ein Leid: Lola hat wirklich „die Beine der Marlene“ 10 und dazu nicht nur eine Top-Frisur, sondern auch eine Top-Figur!
Das Tier verfügt offensichtlich über einen genialen und beneidenswerten Stoffwechsel. Denn die Massen, die es verschlingt, verbleiben ganz klar nicht an seinem Körper.
Im Gegensatz zu mir. Und genau deshalb gibt es in meinem Kühlschrank neben dem Hundefutter meistens nur eines, nämlich Licht! Wenn wir aber bei meinem Liebling sind, finden wir einen mit Köstlichkeiten nur so vollgestopften Kühlschrank vor. Der Mann ist sich ganz sicher: Ein begeisterter und – zugegeben – sehr guter Koch braucht all das!
Irgendwie hatte ich immer Männer, die kochen können … ich scheine ihnen diese Fähigkeit an der Nasenspitze anzusehen.
Und ich erzähle allen meinen Männern, wenn ich sie kennenlerne, immer sofort, dass ich gut bin in der Küche. Nach einer Weile merken sie dann, dass das nichts mit Kochen zu tun hat… Als ich trotzdem einmal für meinen Liebling gekocht hatte, hat er doch tatsächlich Lola seinen Teller hingeschoben!
„Wie? Gibst Du jetzt dem Hund Dein Essen?“, fragte ich ihn beleidigt.
„Ne, ich tausch nur …“
Tja, Kochen gehört nunmal nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich bin einfach nur eine äußerst talentierte Esserin! So wie Lola.
Während sie dabei konsequent ihr Gewicht von 32 Kilo hält, schlägt sich die Schlemmerei bei mir gleich auf der Waage nieder. Aber zum Glück habe ich noch eine gute alte, analoge Waage. Die zeigt mir immer das korrekte Gewicht an. Im Zweifelsfall schiebe ich sie ein bisschen durchs Badezimmer, dann stimmt das Gewicht. Der eindeutige Vorteil eines Altbaus.
Aber letztens war ich beim Arzt und da hat mich doch tatsächlich die Sprechstundenhilfe auf solch ein digitales Teil gezwungen! Um mir anschließend diese scheinheilige Frage zu stellen:
„KANN DAS STIMMEN?“
„Nein, das kann nicht stimmen! Da ziehen wir jetzt mal großzügig fünf Kilo von ab! Ich bin nämlich vollständig angezogen! Und ich trage schweren Schmuck! Und Kontaktlinsen! Plus: Ich bin geschminkt! – Außerdem habe ich schwere Knochen und ein Herz aus Gold!“ 11
Habe ich gedacht. Und beschämt genickt.
Mannomann! Und dann so eine Sprechstundenhilfe, die aussieht, als hätte sie mit acht das letzte Mal was gegessen …
Ich gehöre nun mal nicht zu der Gattung der fettfreien Elfen!
Dafür habe ich keine strengen Falten um den Mund und nicht ständig einen Möhrenschnitz zwischen den schmalen Lippen.
Um es einmal vornehm zu formulieren: „Meine genetische Prädisposition macht mich zu einer Anhängerin großer Portionen.“
An dieser Stelle, liebe männliche Leser, habe ich für Euch einen schier unbezahlbaren Tipp: Wann immer eine Frau zu Euch sagt: „Wir müssen reden …“ bleibt einfach gaaaanz ruhig und antwortet: „Ja, gar kein Problem – aber sag mal: Kann das sein, dass Du abgenommen hast?“
Probiert's aus.
Noch etwas: Wenn mir das nächste Mal jemand Süßigkeiten schenkt, sage ich:
„Ganz lieb von Dir! Aber das möchte ich lieber nicht annehmen, ich kann nämlich nicht damit umgehen.“
Wahrscheinlich wird mich mein Gegenüber dann verständnislos ansehen. Oder die Person lacht laut los. So wie meine Freundin Dana. Die wusste sofort, was ich damit meine. Weil sie sich nämlich Süßigkeiten genauso wenig „einteilen“ kann wie ich. Sie wird auch dann erst wieder ruhig, wenn das letzte Gummibärchen und das letzte Fitzelchen Schokolade den Weg in ihren Bauch gefunden haben.
Letztens zum Beispiel hatte ich eine Großpackung Mini-Hanuta geschenkt bekommen. Mein erster Gedanke: „Die gibst Du an Deinen Liebling weiter, der kann sie mit ins Büro nehmen, da freuen sich seine Mitarbeiterinnen.“
Aber dann hatte ich mir einen Caffè Latte to go in meinem Lieblings-Café geholt und dachte plötzlich: „Och, so ein Hanutachen dazu wär jetzt ganz nett …!?!“ Und SCHWUPS, war die Tüte ge- und damit die Schlacht eröffnet. Binnen zwei Stunden hatte ich unzählige Gründe gefunden, noch eins und noch eins und noch eins von diesen Minis zu essen.
Bis dann die immer gleiche Entschuldigung kam: „Also, das bisschen, was noch übrig ist, kann man jetzt auch keinem mehr anbieten.“ In Wirklichkeit kommt natürlich die Scham dazu, zugeben zu müssen, dass man die 500g-Packung bis dahin allein geschafft hat. Da ist der Rest doch ein Klacks!

10 Die Rede ist von den vielgerühmten Beinen von Marlene Dietrich
11 Letztens hat mir eine ältere Dame aus dem Publikum erzählt, ihr sei NOCH Schlimmeres widerfahren. Die Sprechstundenhilfe hätte sie nämlich gefragt: „Sind Sie denn immer noch 1,68 Meter?“
Lola tröstet
Lola hilft mir, im Gleichgewicht zu bleiben.
Das war ganz extrem im Sommer 2017 – da ist meine Mama gestorben. Die letzten zwei Wochen war ich bei ihr im Grazer Krankenhaus und am Tag ihres Todes kam ich spätabends nach Köln zurück.
Da saßen wir drei dann – mein Liebling, Lola und ich – ich habe geredet und geredet und geweint und geweint. Zwischendurch hat Lolita, so als wollte sie mich ablenken, ständig irgendwelche lustigen Dinge gemacht: Sich auf den Rücken gedreht und alle viere genüsslich nach oben gestreckt. Irgendwelche Sachen aus anderen Zimmern angeschleppt. Mir mitten durchs Gesicht geleckt.
Damit hat sie mich mitten im Weinen immer wieder zum Lachen gebracht. So extreme, gegensätzliche, sich ständig abwechselnde Gefühle hatte ich vorher noch nie erlebt.
Ich sage immer: „Lola hat mich in der Situation gerettet.“
Diese Lebensfreude der Hunde ist wirklich ansteckend, oder?
Und dann diese bedingungslose Liebe – es ist total egal, ob Dein Gesicht morgens vollkommen zerknautscht ist. Ob Du die ältesten Klamotten anhast. Und je ungewaschener Du bist, desto lieber hat der Hund Dich! Da ist es doch kein Wunder, dass wir unseren Hunden auch unsere Liebe zeigen wollen.
Und wie tun wir das?
Indem wir sie küssen!
Küsst Ihr Eure Hunde auch?
Ja?
Auch öfter als Euren Partner?
Das sagt zumindest eine amerikanische Studie: 52 Prozent der befragten Hundehalter gaben an, ihren Hund öfter zu küssen als ihren Partner.
Und genauso viele haben ihren Hund lieber im Bett als ihren Partner! (Denkt mal drüber nach.)
Und jetzt kommt's: Für 94 Prozent ist der Hund der beste Freund!
Und was tut man nicht alles für seinen besten Freund?
Das nächste Kapitel lautet deshalb:
Lola kackt!
Die Formulierung stammt natürlich nicht von mir, sondern von meinem Regisseur.
Für MICH macht sie Häufchen.
Bei mir heißt die Hundewiese bei uns in der Nähe auch nicht Rue de la Kack. So nennen sie nur die anderen Hundebesitzer der Umgebung. Bei MIR heißt sie Allee der Ausscheidungen.
Lola löst sich nämlich sogar ausgesprochen aristokratisch. Ja, sie sieht dabei aus, als würde sie sich gerade gedanklich Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ widmen.
Sie macht auch nur Häufchen, wenn sie nicht an der Leine ist. Das kann ich total verstehen. Wer von uns möchte schon an der Leine aufs Klo gezerrt werden? – Gut, manche zahlen sogar dafür …
Lola sucht sich auch immer einen versteckten Platz, damit ich ihr beim Häufchenmachen nicht zugucke. Das kann sie überhaupt nicht leiden. Und auch das verstehe ich. Wer will das schon?! – Bis auf die besagten Zahlenden…
Jedenfalls guck ich dann immer heimlich. Weil ich ja ihre Hinterlassenschaft erst lokalisieren und dann einsammeln muss. Das ist allerdings oft nicht so einfach, wenn der Hund nicht in meiner direkten Nähe macht und sich danach sofort vom Tatort entfernt.
Mannomann, wie oft muss ich schon ein jämmerliches Bild abgegeben haben: Ein planlos herumlaufendes Frauchen mit einer schon umgestülpten Tüte in der Hand, den Blick zum Boden gewandt, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend. Ich sag Euch: In meiner Verzweiflung habe ich sogar schon mal ersatzweise ein fremdes Häufchen aufgesammelt!
Wobei: Im Winter hilft oft auch der aufsteigende Dampf und im Sommer meine Nase, um das Gesuchte zu entdecken …
„Das ist auch so richtig gemein von Euch Menschen: Ich geb mir soooo viel Mühe, den richtigen Platz für mein Häufchen zu finden. Dabei orientiere ich mich an der Himmelsrichtung, am Magnetfeld der Erde, das mich entlang der Nord-Süd-Achse weist. Mit meinen 200 Millionen Riechzellen – Du weißt, Ihr habt nur fünf Millionen …– erschnüffele ich, welcher Hund hier vorher vorbeigelaufen ist, um dann meine persönliche Meinung zu hinterlegen. Und dann kommt Ihr Zweibeiner mit einer Tüte daher und zerstört sämtliche aufregenden, neuen Infos für meine Artgenossen mit einem Griff!“
Deshalb mache ich ihr Häufchen auch erst weg, wenn sie nicht mehr hinguckt und schon mit dem Lesen anderer Zeitungsartikel beschäftigt ist. Heimlich! Damit sie nicht frustriert ist. Und womöglich nachher noch depressiv wird.
Außerdem lasse ich ihr für das Finden ihrer Stelle immer ganz viel Zeit.

„Na, fast immer … spätabends bist Du schon mal ganz schön ungeduldig. Ich lass mir trotzdem Zeit. Die Stelle muss schließlich mit mir sprechen!“
„Lola, hast du denn schon ein Häufchen gemacht? Mach doch mal ein Häufchen! Mach mal fein! Mach doch mal feiiiiiiiiiiin für mich! Looooooola, mach mal Häuuuuuuuuuuuuufchen!“
„Moment, Moment, jetzt mach mal keinen Stress hier. Unter Druck kann ich nicht. Diese Stelle hier sagt mir gar nichts.“
„LOLA! Jetzt mach schon Häufchen!!! Mach endlich Häufchen! LOOOOOOOOOLA! MACH HÄUFCHEN!!! –
Na eeendlich! Braaaaaaver Hund! Und das sieht ja aus wie gemalt! Toooooll gemacht, mein Mäuschen!“
Redet Ihr auch so mit Eurem Hund?
Down Under
Ich liebe Köln und deshalb lebe ich hier. Auch wenn man in meinem Heimat-„Dorf“ von Köln als der „verbotenen Stadt“ spricht …
Aber das Verbot sprechen diese beiden deutschen Metropolen in ihrer Hassliebe bekanntlich gegenseitig aus.
Ich erlaube mir, in beiden Städten Zeit zu verbringen, denn ich finde, sie ergänzen sich wunderbar.
Allerdings haben sowohl Düsseldorf als auch Köln die gleichen großen Probleme:
1 Irgendwann geht auch die schönste Karnevalszeit zu Ende.
2 Es dauert dann immer nochmal zwei Monate, bis es endlich wieder warm wird.
Und weil ich ja keine kleine Dumme bin, habe ich mir für genau diese langweiligen Monate März und April noch eine dritte Heimat ausgesucht: Australien!
2002 war ich zum ersten Mal dort und sofort vollkommen hingerissen von diesem Kontinent.
Zusammen mit meinem damaligen LAB 12 hatte ich mir im westaustralischen Perth einen Jeep gekauft und wir sind damit in viereinhalb Monaten 38.500 Kilometer durch Australien gefahren. Also quasi wie einmal um die Welt. Oder wie man in Australien so sagt: „Wir haben mal kurz am Strand vorbeigeschaut.“
Was soll ich sagen? Mir gefiel es dort so gut, dass ich mich am Ende zwar von meinem damaligen, zukünftigen Ex, aber nicht von dem Jeep trennen konnte. Und jetzt muss ich jedes Jahr da hin. Weil irgendeiner muss sich ja ums Auto kümmern!
Seitdem bin ich also vier bis sechs Wochen jährlich in Australien.
Leider ohne Hund. Wegen des Flugs. Und auch die Quarantäne kann man einem Hund nicht zumuten.
Aber wie das so ist: Hundeaffinen Reisenden springt jeder Kanide schon aus zwei Kilometern Entfernung ins Auge – selbst, wenn er sich manchmal als Känguru entpuppt. Oder als Dingo …
Die australischen Hunde dürfen in den meisten Gegenden mit an den Strand, allerdings während der Saison oft nur morgens und abends ohne Leine.
Ein Riesenspaß für Mensch und Hund! Da wird gegrüßt, geküsst, geherzt, gelächelt, gehechelt, geredet, gewedelt, geschnüffelt und gespielt, was das Zeug hält! Da streiten sich weder Mensch noch Hund!
Da laufen Staffordshire und Bullterrier, die bei uns von vielen als Kampfhunde bezeichnet werden, fröhlich mit ihren Besitzern am Strand entlang, tollen mit anderen Hunden herum, spielen mit Kindern. Da ist absolut keine Aggressivität zu spüren.
Und man muss dazu sagen: Die Australier sind, was safety, also Sicherheitsdenken, angeht, gaaaanz weit vorne.
Ich hab das mal recherchiert und herausgefunden, dass der Staff in Australien der absolute Familienhund Nr. 1 ist!
Mmmmmh … wie kann das sein, dass diese Hunde in Down Under so sozialverträglich sind, nicht als Gefahr betrachtet werden, als Familienhunde gehalten werden, während sie bei uns oft als Bestien gelten und Angst verbreiten?
Hängt das Problem vielleicht am anderen Ende der Leine?
Man sagt ja auch: Sind Frauchen und Herrchen sozial gesund, chillt auch der zufriedene Hund!

12 = Lebensabschnittsbegleiter. Im Gegensatz zum „TAG“, dem Tagesabschnittsgefährten. Oder der Steigerung: dem Tagesabschlussgefährten.
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