Kitabı oku: «Bye-bye Blähbauch»
Tamara Duker Freuman
Bye-bye Blähbauch
Beschwerdefrei in 7 Tagen
Mit dem Selbsttest
Ihre individuelle Ursache finden!
Rezepte von Kristine Kidd

VAK Verlags GmbH
Kirchzarten bei Freiburg
Titel der amerikanischen Originalausgabe:
The Bloated Belly Whisperer
Copyright © 2018 by Tamara Duker Freuman
Published by arrangement with St. Martin´s Press, New York
ISBN 978-1-250-19523-4
Dieses Werk wurde im Auftrag von St. Martins’s Press durch die Literarische Agentur
Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover, vermittelt.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, alle Angaben beziehen sich selbstverständlich auf Angehörige aller Geschlechter. Außerdem wurde darauf verzichtet, bei Nennung von Marken und Produkten mit eingetragenem Markenzeichen das Markenzeichen ® bzw. ™ aufzuführen.
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VAK Verlags GmbH
Eschbachstraße 5
79199 Kirchzarten
Deutschland
www.vakverlag.de
© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2019
Übersetzung: Rotraud Oechsler
Lektorat: Sibylle Duelli
Layout: Ulrich Schmid, de.te.pe, Aalen
Umschlag: X-Design, München
Coverabbildung: shutterstock Lemberg Vector Studios, unter Verwendung einer Abbildung von Brian Dalthorp, Popstudios
Satz & Druck: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg
Printed in Germany
ISBN 978-3-86731-218-9 (Paperback)
ISBN 978-3-95484-402-9 (ePub)
ISBN 978-3-95484-403-6 (kindle)
ISBN 978-3-95484-404-3 (PDF)
Für Max und Stella
Möge in euren Bäuchen nur Ruhe herrschen
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Einführung
Kapitel 1: Jeder unglückliche Bauch ist auf seine ganz eigene Weise unglücklich: Die vielen Arten von Blähbeschwerden
Kapitel 2: Die Arbeit mit diesem Buch und dem diagnostischen Test
Teil 2: Blähbeschwerden im Oberbauch, die vom Magen ausgehen
Kapitel 3: Die nahrungsbedingten „Zwillingsbabys“ Gastroparese und Dyssynergie
Kapitel 4: Der saure und geblähte Magen: ein Problem mit vielen Gesichtern
Kapitel 5: Der belastete, gestresste, aber nicht geblähte Bauch: Funktionelle Dyspepsie
Kapitel 6: Blähbeschwerden mit heftigstem Aufstoßen: Aerophagie
Teil 3: Blähbeschwerden im Unterbauch, die vom Darm ausgehen
Kapitel 7: Blähungen aufgrund von Stuhlrückstau: Blähbeschwerden durch Verstopfung
Kapitel 8: Blähbeschwerden durch Bakterien: Die bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO)
Kapitel 9: Der gasgefüllte Darm: Blähbeschwerden aufgrund von Kohlenhydratintoleranzen
Kapitel 10: Blähbeschwerden durch eine Resorptionsstörung: Zöliakie und Pankreasinsuffizienz
Teil 4: Diätetische Maßnahmen bei Blähbeschwerden
Kapitel 11: Die Alleskönner Ballaststoffe zu Ihrem Vorteil nutzen
Kapitel 12: Die Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt (GI-Ernährung)
Kapitel 13: Die FODMAP-arme Ernährung
Kapitel 14: Praktische Anleitung für verdauungsunterstützende Ergänzungsmittel
Quellen
Rezeptverzeichnis
Rezepte für die Sanfte GI-Ernährung
Frühstück
Toasts mit Avocado, Koriander und verschlagenem Eiweiß
Frittata aus Süßkartoffel, Würstchen und Grünkohl
Pilze-Tofu-Mischung
Grüner Smoothie
Suppen, Salate, Gemüsebeilagen
Salat aus Rote Beten und Ziegenkäse mit Meerrettichsoße
Gurken-Melonen-Salat
Spargelsuppe mit Reis
Suppe mit gebratenem Butternusskürbis und Pilzen
Butternusskürbis-Löffelbrot
Erbsenpüree mit Minze wie in der englischen Kneipe
Gebratene Blumenkohl-„Steaks“
Marokkanische Würzkarotten
Hauptgerichte
Poké-Bowl mit Thunfisch auf hawaiianische Art
Lachsküchlein mit Senf-Dill-Soße und Blumenkohl-„Reis“
Fladenbrot mit weißen Bohnen und Artischocken
Haschee aus Putenfleisch, Paprikaschote und Süßkartoffel
Tacos mit gegrilltem Fisch und Zucchini, mit Mango-Avocado-Salsa
Geschmorte Hühnerschenkel mit Oliven und roten Paprikaschoten
Zaziki mit dem Grün von Frühlingszwiebeln
Vegetarischer Couscous
Gebratener Tofu mit Shiitake-Pilzen
Fettarme Desserts
Birnen, in Honig und Ingwer pochiert
Pfirsich-Apfel-Streusel für Zwei
Tropischer Biskuit-Sorbet-Kuchen
Schokoladen-Bananen-Mousse
Fettarme Gewürzkekse mit Kürbis
Rezepte für eine FODMAP-arme Ernährung
Frühstück
Griechische Frittata
Sauerteigtoast mit Mangold und Eiern
Knusper-Müsli mit Kürbiskernen und Kokosnuss (ohne Nüsse)
Quinoa-Brei – ganz nach Ihrem Geschmack
Sämige Polenta mit Ratatouille
Chia-Pudding mit Chai
Suppen, Salate, Gemüsebeilagen
Nizza-Salat nach asiatischer Art
Thailändischer Rindfleischsalat
FODMAP-arme Brühe
Hühnersuppe mit Tortilla-Chips
Dicke Suppe mit Mais und (Jakobs-)Muscheln
Gebratener Kabocha-Kürbis mit Salbei
Gebratenes Kräutergemüse
Grüne Bohnen mit Pekannüssen
Zucchini mit Pesto
Hauptgerichte
Mexikanische Rindfleisch-Schüssel
Pad Thai mit Shrimps
Tofu-Eintopf auf Quinoa, marokkanisch gewürzt
Nudelgericht mit Pesto, Lachs und grünen Bohnen
Chili-Limetten-Huhn mit Koriander-Kümmel-Reis
Putenburger mit Estragon und Senf
Desserts
Salat aus Zitrusfrüchten mit Zimtsirup
Kokos-Walnuss-Brownies
Baiser-Nester mit Limetten-Quark und Beeren
Haferkekse mit Erdnussbutter und Schokoladenraspeln
Danksagung
In Anlehnung an ein altes Sprichwort kann man sagen: Es braucht ein ganzes Dorf, um die schwierige Geschichte der Blähbeschwerden zu schreiben. Zum Glück gibt es in meinem Dorf ein geniales Team von Gastroenterologen, die dieses Buch auf seine medizinische Genauigkeit überprüft haben. Für jeden Blähbauch, den ich „besiegt“ habe, gebührt Dr. med. Eric Goldstein Anerkennung, der als mein Mentor die Fachfrau aus mir gemacht hat, die ich heute bin, und dessen Wertschätzung der Rolle, die die Ernährung für eine gesunde Verdauung spielt, vorbildhaft für die patientenorientierte gastroenterologische Praxis ist. Mein Dank geht auch an Dr. med. Yevgenia Pashinsky für ihre Freundschaft und dafür, dass sie ganz offen zeigt, wie die Zusammenarbeit zwischen einer Ärztin und einer Ernährungsberaterin sein sollte; ich spiele gerne den Watson für sie als Sherlock, um mysteriöse Verdauungsfälle jeder Art zu lösen. Ich danke Dr. med. Christina Tennyson, die mich großzügig an ihrem Fachwissen teilhaben lässt.
Ohne den Weitblick meiner hervorragenden Agentin Carole Bidnick gäbe es dieses Buch überhaupt nicht, sie hat mir das Schreiben des falschen Buches ausgeredet und mich zum Schreiben des richtigen Buches überredet – allerdings kann ich mir die weise Entscheidung, einfach den Mund zu halten und das zu tun, was sie mir gesagt hat, voll und ganz als Verdienst anrechnen. Danke, dass du mich so geschickt auf meinem Weg als Autorin begleitet und mich mit Kristine Kidd bekannt gemacht hast.
Jede Ernährungsberaterin sollte das Glück haben, eine so begabte und kreative Rezepte-Entwicklerin wie Kristine an ihrer Seite zu haben; sie kann aus einer Reihe von Ernährungseinschränkungen am laufenden Band geniale Rezepte zaubern und zu einer absolut uneingeschränkten kulinarischen Erfahrung machen. Danke, dass du eine so großartige Ratgeberin und Mitarbeiterin bist.
Sehr dankbar bin ich meiner Redakteurin Jennifer Weis, dass sie von Anfang an an dieses Projekt geglaubt und so sehr dafür gekämpft hat, mich bei St. Martin’s Press unterzubringen. Danke für dein Vertrauen, dein Engagement und deine redaktionelle Kompetenz. Ein Riesen-Dankeschön auch an Sylvan Creekmore, dessen Professionalität, Entgegenkommen und Geduld meinen ersten Ausflug in das Verlagswesen zu einem solchen Vergnügen machte.
Es wurde viel Mühe darauf verwendet sicherzustellen, dass dieses Buch bei den vielen Tausenden von Blähbäuchen ankommt, für die es gedacht war. Daher gilt mein Dank dem aktivsten „A-Team“, der besten Spitzenmannschaft für Vertrieb und Werbung, die ich mir je hätte wünschen können: Brant Janeway, Tracy Guest und John Karle – sowie die Mitherausgeberin Laura Clark. Als sie und mein kluger Beraterstab von Your Expert Nation – die unvergleichliche Bridget Marmion, Rich Kelley und Johanna Ramos-Boyer – sich zusammentaten, wusste ich, dass das Buch in den allerbesten Händen war, die man sich nur vorstellen kann.
Danke an Michael Storrings für die Gestaltung des kultigen Covers für mein Buch sowie an Natalie Kueneman von Roundhouse Development für die Schaffung einer eleganten Website, s. www.thebloatedbellywhisperer.com. Und schließlich danke ich meinem Mann Alex, für seine Liebe, seine Unterstützung und die hervorragende Haushaltsführung, die es mir ermöglichte, meine ganz „irdischen“ Pflichten zu vernachlässigen und mich ins Schreiben zu flüchten. Wir scherzten, dieses Buch sei in „gestohlenen Augenblicken“ geschrieben worden, doch mir wird klar, dass viele dieser Augenblicke unserem Familienleben gestohlen wurden. Ich verspreche dir, dass wir all diese Momente nachholen, wenn wir alt werden, uns nach Südfrankreich zurückziehen und schließlich frei sind, uns den ganzen Tag lang ununterbrochen über verrückte Dinge zu unterhalten.
TEIL 1
KAPITEL 1
Jeder unglückliche Bauch ist auf seine ganz eigene Weise unglücklich: Die vielen Arten von Blähbeschwerden
Gleich nach der Ausbildung begann ich meine berufliche Laufbahn als Ernährungsberaterin in einer gastroenterologischen Praxis, einer Facharztpraxis für Magen- und Darmerkrankungen. Mit Menschen, die unter Verdauungsproblemen leiden, hatte ich bis dahin wenig praktische Erfahrung, doch ich trat an, den Kopf voller Lehrbuchwissen über all die Zustände, die mir, so dachte ich, in meiner neuen Arbeit begegnen würden. Ich hatte meine Hausaufgaben gemacht und alles darüber gelesen, wie man mithilfe der Ernährung bei Durchfällen und Verstopfung, den Schmerzen des Reizdarmsyndroms (RDS) und bei Sodbrennen verbunden mit Reflux vorgeht. Ich fühlte mich für alle Beschwerden gerüstet, die meine Patienten an mich herantragen würden.
Doch während meiner dreijährigen theoretischen Ausbildung zur Ernährungsberaterin und in all den Monaten der praktischen Schulung im Krankenhaus hatte ich von dem Problem, über das ein Patient nach dem anderen klagte, nie etwas gehört: den Blähbauch.
Blähbauch? Was bedeutete das überhaupt? Das war kein klinischer Zustand, über den ich je etwas gelernt hatte und, soweit ich das beurteilen konnte, gab es weder eine offizielle Definition, noch einen Behandlungsansatz. (Anm. d. Übers. Heute ist das eine offizielle Diagnose, die in den International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD), ein durch die Weltgesundheitsorganisation WHO erstelltes weltweit anerkanntes Klassifikationssystem, als ICD-Nummer R14 aufgenommen wurde.) Also hakte ich jedes Mal ganz besonders nach, um genau zu verstehen, was sie meinten, wenn mir Patienten erzählten, dass sie aufgebläht seien. Ich bat sie, dieses Gefühl zu beschreiben, zu welchen Tageszeiten und bei welchen Gelegenheiten es auftrat, wie lange es andauerte, wodurch es sich besserte und wodurch es sich verschlechterte, ob es Schmerzen bereitete, wie so ein Blähbauch aussah, welche Begleitsymptome es gab. Ich musste verstehen, was dieses „Aufgebläht-Sein“ war, damit ich helfen konnte, es zu beheben.
Je mehr geblähte Patienten ich dazu befragte, desto klarer wurde mir, dass es sich nicht um eine einheitliche Erfahrung handelte, der man mit einer einheitlichen Lösung begegnen konnte. Manche Menschen beschrieben sie als übermäßiges Völlegefühl nach dem Essen – manchmal sogar, wenn sie nur sehr wenig gegessen hatten. Andere beschrieben einen aufgetriebenen Bauch nach dem Essen, der aussah, als seien sie „schwanger“. Manche rülpsten, wenn sie gebläht waren, bei anderen entwich die Luft am anderen Ende. Kam beides zusammen, konnte ein Blähbauch schmerzhaft sein – oder auch nicht. Und wenn er schmerzhaft war, war das manchmal eine Art Druckschmerz auf dem Magen unter dem Brustkorb, eine durch die Gasbildung bedingte Salve stechender Schmerzen an den Seiten oder ein krampfartiger Schmerz unterhalb des Nabels. Manchmal wurden die Blähbeschwerden nach dem Gang zur Toilette besser, manchmal nicht. Manche Menschen hatten das Gefühl des Aufgedunsen-Seins schon beim Aufwachen, bei anderen stellte es sich erst im Laufe des Tages ein. Dieses Phänomen zeigte sich auf so viele unterschiedliche Arten.
Der Blähbauch ist ein Symptom von etwas anderem, kein Krankheitszustand für sich, und nach Befragung Tausender von Patienten mit Verdauungsproblemen in meiner medizinischen Ernährungsberatungspraxis stellte ich im Laufe der Jahre bei den verschiedenen Arten der Blähbeschwerden, von denen die Patienten berichteten, bestimmte Muster fest. Es gelang mir immer besser, die Beschwerden, die sie beschrieben, möglichen zugrunde liegenden medizinischen Ursachen zuzuordnen. Ich konnte dann eine individuell abgestimmte Ernährungsempfehlung geben, die genau die spezifischen Beschwerden meines Patienten ansprach und in Zusammenarbeit mit seinem Arzt dazu beitragen, dass die richtige Diagnose gestellt wurde und gegebenenfalls die passende Behandlung erfolgen konnte. Meinen geblähten Patienten ging es oft schon innerhalb weniger Tage, nachdem sie mit der richtigen Ernährung begonnen hatten, besser.
So begann ich, im Internet über dieses Thema zu schreiben, und versuchte, meine Erkenntnisse an die Menschen weiterzugeben, bei denen es vor Ort eventuell keine auf Verdauungsstörungen hoch spezialisierte Ernährungsberaterin gab. Und daraufhin brach eine Flut von E-Mails und Anrufen über mich herein. Ich hörte von Sportlern in Nahost, die während ihres Ausdauer-Trainings gegen ihre Blähbeschwerden ankämpften und von Computerprogrammierern aus Indien, die unter schweren verdauungsbedingten Folgen litten, wenn sie sich gemäß ihrer Familientradition vegetarisch ernährten. Vorwiegend hörte ich jedoch von zahllosen Menschen in ganz Amerika, die einfach nicht herausfinden konnten, warum sie die ganze Zeit einen so verdammt aufgedunsenen Bauch hatten, die glaubten, dass sie alles versucht hätten und verzweifelt nach einer Lösung suchten.
Eine dankbare Patientin äußerte mir gegenüber einmal, ich sei so etwas wie ihre „Blähbauch-Flüsterin“, und mein Mann lachte sich schlapp über diesen Spitznamen. Aber er blieb an mir haften. Das war zwar ganz sicher kein Titel, den ich als kleines Mädchen in meinen Fantasien anstrebte, wenn ich mir ausmalte, was ich wohl einmal werden würde, wenn ich groß sei, dennoch, ich habe ihn mir zu eigen gemacht. Und wie das Schicksal so spielte, wurde das Erlernen der Geheimsprache des aufgedunsenen Leibes so etwas wie eine Berufung in meinem Leben, und dieses Buch ist meine Art, dieses Wissen an all jene Blähbäuche weiterzugeben, die persönlich kennenzulernen ich nicht die Gelegenheit haben werde. Ich hoffe, es hilft Ihnen oder einem Menschen, der Ihnen am Herzen liegt.
Jeder unglückliche Bauch ist auf seine eigene Weise unglücklich
Vor etwa 150 Jahren begann der russische Schriftsteller Leo Tolstoi seinen berühmten Roman Anna Karenina mit dem Satz: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Ich denke, dasselbe gilt auch für Bäuche: Alle glücklichen Bäuche gleichen einander, jeder unglückliche Bauch ist auf seine eigene Weise unglücklich. Was ich damit sagen will ist, dass Menschen mit einem glücklichen Bauch ein Verdauungssystem haben, das genauso funktioniert, wie es funktionieren sollte. Ihr Magen schüttet die richtige Menge Magensäure aus, um den Verdauungsprozess wirksam in Gang zu setzen. Der Muskel, der sich zwischen Speiseröhre (Ösophagus) und Mageneingang befindet, verhindert, dass die Säure oder sonstiger Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt, damit es nicht zu einem sogenannten Reflux kommt. Die Nerven, die für die Muskeln von Magen und Bauchwand zuständig sind, steuern diese Muskeln so, dass sie sich nach einer Mahlzeit genau im richtigen Ausmaß dehnen. Die Schrittmacherzellen, die für die Magenentleerung zuständig sind, sorgen dafür, dass der Speisebrei in normaler Geschwindigkeit in den Darm übertritt. Magen und Dünndarm verfügen über genügend Enzyme, um die Nahrung wirksam in resorbierbare Nährstoffe aufzuspalten. Im Dünndarm ist die richtige Menge an Darmbakterien angesiedelt, um die Nährstoffe aus der Nahrung vollständig aufzunehmen. Im Dickdarm (dem Kolon) werden die unverdauten Ballast- und Abfallstoffe durch die Peristaltik (Darmbewegung) mit normaler Geschwindigkeit weitertransportiert und führen zu Stuhlgewohnheiten, die so vorhersagbar sind wie ein Schweizer Zugfahrplan.
Doch dann gibt es da noch all die anderen.
Menschen mit einem unglücklichen Bauch haben ein Verdauungssystem, das in all diesen Beziehungen und Abläufen beliebig oft aus dem Rahmen fällt. Blähbeschwerden können die Folge einer Störung bei einem oder mehreren Schritten des Verdauungsprozesses sein. Man muss einfach die jeweilige zugrunde liegende Ursache herausfinden, damit wirksame Ernährungsmaßnahmen ergriffen und – wenn nötig – medizinische Mittel eingesetzt werden können. Schließlich kann jeder Blähbauch auf seine ganz eigene Weise gebläht sein.
Wenn Sie einen Hufschlag hören, denken Sie an Pferde, nicht an Zebras: Seltenes ist selten, Häufiges ist häufig
Die meisten meiner Patienten mit Blähbeschwerden haben schon anderswo nach Lösungen gesucht, bevor sie in meiner Praxis landeten. Sie sind bei mindestens einem Arzt gewesen – und oft haben sie mehrere Ärzte aufgesucht. Sie haben das Internet zu Rate gezogen und manchmal sogar zahlreiche alternativ arbeitende Mediziner und Therapeuten. Oft haben sie schon viele Untersuchungen hinter sich: Koloskopie, Endoskopie, Blutuntersuchungen, Stuhluntersuchungen und Ultraschall. (Alle ohne Befund.) Manchmal haben sie es auch mit einer Reihe von Medikamenten und Nahrungsergänzungen versucht, haben sich glutenfrei ernährt und Hunderte von Dollar für Tests auf „Nahrungsmittelempfindlichkeit“ ausgegeben, alles ohne Erfolg. Da es keine Diagnose und keine Lösung gibt, obwohl meine Patienten das Gefühl haben, es werde umfassend gesucht, hinterlässt das bei ihnen den Eindruck, was immer auch ihre Probleme verursacht, es müsse ziemlich selten, exotisch und schwerwiegend sein.
Dabei leiden in Wahrheit fast alle meine Patienten mit Blähbeschwerden an einer von nur zehn ziemlich häufigen und leicht zu diagnostizierenden gesundheitlichen Problemen. Wenn Ihr Arzt oder Therapeut weiß, wonach er suchen muss, bedarf es lediglich einer sehr ausführlichen Nahrungsmittel- und Symptomenanamnese, um die Möglichkeiten auf eine oder zwei Ursachen einzugrenzen. Dann fehlt Ihnen vielleicht nur noch eine Blutuntersuchung, ein Atemtest, ein Motilitätstest (zur Feststellung der Peristaltik, der Darmbewegung) oder der Versuch, die Ernährung umzustellen, um das Ergebnis zu bekommen, nach dem Sie gesucht haben.
Es gibt zwar viele eher seltenere Krankheiten, die Blähbeschwerden verursachen – eben solche, die wir als „Zebras“ bezeichnen –, doch um diese geht es in diesem Buch nicht. Daher sind Bücher wie meines nicht als Ersatz für den individuellen medizinischen Rat von einem gut qualifizierten Arzt gedacht. Manche sehr schwerwiegende Krankheiten – etwa Eierstockkrebs – können sich zuerst als aufgedunsener Bauch wie bei einer Schwangerschaft zeigen – in diesem Fall ist er mit Bauchwasser gefüllt. Fühlt sich etwas nicht ganz richtig an, suchen Sie bitte einen Arzt auf, um eine ernsthafte Ursache ausschließen zu lassen.
Doch es bestehen immer noch hervorragende Chancen, dass die medizinische Erklärung für Ihren Blähbauch – und die Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten – irgendwo in diesem Buch angesprochen werden. Sie werden verstehen, was ich meine, wenn Sie bei dem Absatz angelangt sind, der Ihre einschlägigen Erfahrungen genau beschreibt und Sie das Gefühl haben, dass ich Sie ganz persönlich anspreche.
In diesem Buch werden die zehn häufigsten medizinischen Ursachen von Blähbeschwerden beschrieben, mit denen ich es in meiner Praxis zu tun habe – also eher die häufigsten, die „Pferde“, als die seltenen, die „Zebras“. Kapitel 2 hilft Ihnen beim Umgang mit diesem Buch, denn es führt Sie in die Anatomie Ihres Verdauungstraktes ein, vermittelt Ihnen einige Fachbegriffe und ermöglicht es Ihnen, durch einen kurzen Test festzustellen, mit welchen Kapiteln in Teil 2 und 3 Sie beginnen sollten. Diese Kapitel sind inhaltlich nach der Entstehung Ihrer Blähbeschwerden angeordnet – vom Magen oder vom Darm aus –, wobei jede Art sehr detailliert beschrieben und die jeweilige medizinische Ursache angegeben wird. Dazu gehören:
■ eine detaillierte Beschreibung des mit der jeweiligen Art verbundenen Blähgefühls sowie anderer Symptome, die normalerweise damit einhergehen;
■ eine Erklärung der jeweils zugrunde liegenden Ursache;
■ eine Besprechung der verschiedenen Tests, die der Arzt zur Diagnose der Ursache heranziehen könnte;
■ ein Überblick über die für die jeweilige Art üblichen medizinischen Behandlungsmethoden;
■ ein Überblick über die jeweils wirksamen diätetischen Möglichkeiten und
■ Fallgeschichten von Patienten, die bei mir waren und unter der jeweiligen Art von Blähbeschwerden litten, sowie Einzelheiten darüber, wie sie diagnostiziert und dann durch die Ernährung, durch Medikamente und/oder Veränderungen der Lebensweise behandelt wurden.
Der vierte Teil befasst sich eingehender mit den Besonderheiten der verschiedenen therapeutischen Ernährungsweisen, die ich für die jeweilige Art der Blähbeschwerden empfehle; er enthält konkrete Nahrungsmittellisten und Essensvorschläge. Dabei liegt mein Augenmerk nicht so sehr auf dem, was Sie nicht essen, sondern vielmehr darauf, was Sie essen können. Deshalb habe ich mich mit der erstklassigen Rezepte-Entwicklerin Kristine Kidd zusammengetan, die für dieses Buch 50 fantastische Rezepte kreiert hat; sie alle sind auf die für jede therapeutische Ernährungsweise erforderlichen Vorgaben zugeschnitten. Kristine hat 20 Jahre als Redakteurin bei der Zeitschrift Bon Appétit gearbeitet, und Einschränkungen bei der Ernährung sind ihr nicht fremd; sie selbst leidet unter Zöliakie und ist allergisch auf Knoblauch. Doch wenn das Leben einer echten Feinschmeckerin ein paar Ernährungseinschränkungen beschert, dann rockt sie die Küche und sorgt für Abhilfe in köstlicher Form. Mit anderen Worten, denken Sie auch nicht nur einen einzigen Augenblick daran, dass Sie sich nun für den Rest Ihres Lebens von langweiligem Hühnchen und weißem Reis ernähren müssen, nur um Ihre Blähbeschwerden im Zaum zu halten!
Schließlich habe ich noch Nahrungsergänzungsmittel, die zur Förderung der Verdauung eingesetzt werden, aufgelistet und jeweils mit einer wissenschaftlich fundierten Auswertung ihrer Wirksamkeit und Sicherheit versehen. Da über diese Produkte so viele widersprüchliche Informationen im Umlauf sind, halte ich es für wichtig, eine unparteiische Meinung darüber anzubieten, welche von ihnen hilfreich sein können und welche vielleicht nur Etikettenschwindel sind. Bei dieser Gelegenheit möchte ich deutlich machen, dass ich Nahrungsergänzungsmittel weder verkaufe, noch Provisionen oder sonstige Zuwendungen für entsprechende Empfehlungen von den Vermarktern bekomme. Zur Vermeidung von Interessenkonflikten gilt in meiner Praxis der Grundsatz, Besuche von Pharmavertretern abzulehnen. Wenn ich ein Produkt empfehle, dann deshalb, weil ich veröffentlichte Belege gesehen – oder eigene klinische Erfahrungen damit – habe, dass es wirksam und sicher ist.
Es ist meine Absicht, Ihnen durch die Nutzung dieses Buches ein fruchtbares Gespräch mit Ihrem Arzt zu erleichtern. Ich möchte Ihnen die erklärende Sprache und die relevanten Themen für Ihren Arzttermin an die Hand geben, damit Sie Ihrem Arzt helfen können, sich auf das Problem, von dem Sie höchstwahrscheinlich betroffen sind, einzustellen. Ich möchte Sie auch mit dem für diese häufigen Verdauungsstörungen einhergehenden diagnostischen Prozess vertraut machen, sodass Sie nicht überrascht sind, wenn Ihr Arzt Ihnen verschiedene Tests, Verfahren oder Arzneimittel vorschlägt. Als Ernährungsberaterin ist es für mich am wichtigsten, Sie mit den wirksamen therapeutischen Möglichkeiten der Ernährung dazu zu befähigen, dass Sie Ihre eigenen Symptome selbst unter Kontrolle halten können. In manchen Fällen reicht eine Ernährungsumstellung allein dazu schon aus. In anderen Fällen ist eventuell zusätzlich eine medizinische Therapie erforderlich. Ihr Arzt hilft Ihnen, zu entscheiden, welche Vorgehensweise in Ihrem individuellen Fall die beste ist, und Ihr Bauch wird Ihnen die entsprechende Rückmeldung geben, was am besten funktioniert.
Dieses Buch sollte kein Ersatz für ärztlichen Rat sein. Ich bin keine Ärztin und kann keine medizinischen Diagnosen stellen. Selbst wenn Sie Ihre Form des Blähbauchs in diesem Buch ganz genau erkennen, können Sie nicht davon ausgehen, dass die damit einhergehende medizinische Diagnose auf Sie zutrifft, ohne dass das ordnungsgemäß untersucht wurde. Ihr Arzt zieht vielleicht noch andere Informationen heran, auch die Familienanamnese, Ihre persönliche Anamnese, die Ergebnisse von Bluttests und andere Symptome, die Sie eventuell haben, um festzustellen, ob es noch eine andere Ursache für Ihre Blähbeschwerden gibt, außer denen, auf die ich in diesem Buch hinweise. Ein guter Gastroenterologe ist sein Geld wert. Finden Sie einen – und wechseln Sie ihn nicht mehr.
Und zu guter Letzt: Sie sollten sofort einen Arzt aufsuchen, wenn Ihre Blähbeschwerden mit einem der folgenden Symptome einhergehen:
■ Blut im Stuhl
■ Schluckbeschwerden
■ wiederholtes Erbrechen
■ ungewollter Gewichtsverlust von mehr als ein paar Kilo
■ ernährungsbedingte Mangelerscheinungen, einschließlich Anämie
■ hartnäckiger, übermäßiger Schluckauf
Also, wenn Sie bereit sind, herauszufinden, wie Sie Ihren Blähbauch ein für alle Mal loswerden können, lesen Sie Kapitel 2, in dem Sie sich mit ein paar Begriffen und Fachbegriffen vertraut machen und meinen diagnostischen Test durchführen können.
KAPITEL 2
Die Arbeit mit diesem Buch und dem diagnostischen Test
(Dieses Kapitel bitte nicht überspringen!)
Wenn Sie dieses Buch lesen, dann, weil Sie einen Blähbauch haben und nach Lösungen suchen. Am schnellsten geht das, wenn Sie mit den Kapiteln beginnen, die am ehesten auf Sie zutreffen. Um Sie zu den richtigen zu leiten, habe ich einen Test entwickelt, mit dessen Hilfe Sie die Ursachen herausfinden können, die am ehesten mit Ihren Symptomen übereinstimmen und empfehle Ihnen, diejenigen Kapitel zuerst zu lesen, auf die die Testergebnisse hinweisen. Haben Sie in einem der Kapitel Ihre Art der Blähbeschwerden erkannt, können Sie zu Teil 4 übergehen, in dem es detaillierter um die Anwendung von Ballaststoffen geht sowie um die therapeutische Ernährung, die ich für diesen Fall empfehle, und darum, welche Nahrungsergänzungen hilfreich – oder nachteilig – sein können.
Sind Sie Kollegin oder Kollege oder in einem anderen Fachgebiet klinisch tätig und nutzen dieses Buch zur Fortbildung, lesen Sie es bitte unter Einsatz eines Textmarkers von vorn bis hinten. Achten Sie besonders darauf, wie die Fragen im nachfolgenden Test formuliert sind; die Art der Fragestellung liefert wichtige Hinweise für die detektivische Arbeit, auf der Ihre Beurteilung beruht und setzen Sie sich mit den Beschreibungen der jeweiligen Blähbeschwerden in jedem Kapitel auseinander; das hilft Ihnen, die eindeutigen Merkmale jedes Typs unterscheiden zu lernen, sodass Sie ihn problemlos erkennen, wenn Sie darauf stoßen.
Die Begriffe und die Fachbegriffe verstehen
Ich verwende in diesem Buch sehr viele Begriffe, um verschiedene Teile Ihres Verdauungssystems und seiner, sagen wir mal, „Endprodukte“ zu beschreiben. Nehmen wir uns kurz die Zeit, um sicherzustellen, dass wir unter den Begriffen das Gleiche verstehen.
■ Die Begriffe Stuhl und Darmbewegung verwende ich synonym, wenn es um die festen menschlichen Ausscheidungen, die Fäzes, geht.
■ Darmentleerung (oder auch Defäkation) verwende ich synonym mit Darmbewegungen oder Stuhlgang.
■ Darm und Eingeweide verwende ich, wenn der Darm in seiner Gesamtheit gemeint ist – Dünndarm und Dickdarm zusammen. (Wer es sprachlich ganz genau nimmt, würde korrekterweise darauf hinweisen, dass man in diese Gesamtheit auch den Magen einbeziehen müsste, doch für unsere Zwecke verwenden wir den Begriff im engeren Sinne, wie es die meisten meiner Patienten tun).
■ Abdomen bzw. Bauchbereich und Bauch verwende ich synonym, wenn es um die gesamte Mitte des Körpers geht, in der sich die Verdauungsorgane befinden. Von außen betrachtet beginnt das Abdomen unterhalb des Brustbeins und reicht hinunter bis zum Beginn des Schambeinbereichs.
■ Ich verwende zum Beispiel Darmgas (zu Hause nennt man das zum Beispiel auch Pupser) für das Entweichen von Luft aus dem Darm. Etwas vornehmer wird hier auch von Winden gesprochen.
■ Mit den Begriffen aufgeblähter Bauch (auch als abdominale Distension bezeichnet), gebläht, aufgetrieben sowie vortreten, sich wölben und prall, dick bezeichne ich eine Zunahme des Körper- oder Taillenumfangs, etwa wenn Ihr Bauch nicht mehr flach ist, sondern hervorsteht. Das ist dann der Zustand, in dem Sie den Hosenknopf öffnen müssen.
■ FOS (full of stool) ist eine englische Abkürzung, mit der gegebenenfalls Ärzte untereinander „einen mit Stuhl gefüllten Darm“ bezeichnen. Damit wird eine Situation beschrieben, in der sich so viel Stuhl im Dickdarm befindet, dass er sich praktisch bis zur Bauhin-Klappe, der Verbindung zwischen Dünndarm und Dickdarm, zurückstaut. Ich benutze die Begriffe FOS und gestaut synonym. Bitte verwechseln Sie das nicht mit Fruktooligosacchariden, Mehrfach-Kohlenhydraten, die bei empfindlichen Menschen, wie in den Kapiteln 6 und 9 beschrieben, zur Bildung von Darmgasen führen und manchmal ebenfalls mit diesem Akronym (FOS) bezeichnet werden.
Als Nächstes geht es um die Anatomie. Die Lokalisierung Ihrer Blähbeschwerden und/oder der Schmerzen kann oft einen Hinweis auf deren Ursprung geben; daher enthalten die folgenden Seiten Diagramme, sodass Sie sich orientieren können, welche Organe bei Ihren Verdauungsproblemen eine Rolle spielen und wo sie sich befinden. Für alle, die sich bisher noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben: Das Abdomen wird in vier Quadranten unterteilt, den rechten oberen und unteren sowie den linken oberen und unteren. Dabei werden die Bezeichnungen rechts und links von Ihnen aus gesehen verwendet, bezeichnen also Ihre rechte beziehungsweise linke Seite, daher erscheinen sie auf den Diagrammen faktisch verdreht (da Sie ja Ihren Blick von gegenüber darauf richten). Diese Quadranten sind Markierungen, mit deren Hilfe Ärzte oft beschreiben, wo die Bauchschmerzen und Beschwerden lokalisiert sind.
Das Diagramm auf Seite 27 zeigt die Umrisse von Magen, Dünndarm und Dickdarm; sie sind abgetönt, sodass Sie in etwa sehen können, in welchen der Orientierungsfeldern sie gelegen sind. Der Magen befindet sich, wie Sie bemerken werden, ziemlich weit oben – direkt unter dem Brustkorb, vorwiegend auf der linken Seite, reicht aber ein Stück weit nach rechts. (Auf der Zeichnung liegt der größere Teil rechts und der kleinere links, aber wie gesagt, Sie schauen ja von gegenüber darauf.) Der Dünndarm liegt direkt in der Mitte des Bauches und der Dickdarm breitet sich über alle vier Quadranten aus: Ein Anteil befindet sich in der Mitte unterhalb des Bauchnabels, doch die einzelnen Abschnitte bilden gewissermaßen einen Rahmen um die Bauchhöhle und verlaufen über dem Dünndarm.
Wenn Sie das Gefühl haben, die Aufgaben der einzelnen Organe seien Ihnen nicht mehr so ganz geläufig, bietet Ihnen die Liste unter der Abbildung eine kleine Auffrischung. Von ihnen allen wird in späteren Kapiteln noch sehr viel mehr die Rede sein, weil dort erläutert wird, wie sie an den verschiedenen Arten von Blähbeschwerden beteiligt sein können.

■ Ösophagus: Die Speiseröhre befördert die Nahrung in den Magen, sobald Sie sie geschluckt haben. Ein Sphinkter, ein ringförmiger Muskel, grenzt sie gegenüber dem Magen ab und öffnet sich, um den Speisebrei durchzulassen.
■ Magen: „Vorratsraum“ und „Mischmaschine“: Dort wird die Nahrung verflüssigt, sodass sie ihren Weg durch das Verdauungssystem fortsetzen kann. Das Mischen erfolgt mithilfe von Säure und durch starke Muskelkontraktionen. Wenn Sie Ihren Bauch von außen befühlen, befindet sich der Magen oben und mehr auf der linken Seite, direkt unter dem Brustbein und ein Stück über dem Bauchnabel.
■ Pylorus: Der sogenannte Magenpförtner ist ein muskulärer Durchgang, der den Magen vom nächsten Abschnitt des Verdauungstrakts, dem Dünndarm, trennt.
■ Dünndarm: Der Teil des Darms, in dem der größte Teil der Verdauung und der Resorption von Nährstoffen stattfindet. Hier werden die Enzyme entweder abgegeben oder gebildet, die die Nahrung in ihre Bausteine aufspalten, sodass sie resorbiert werden kann. Wenn Sie Ihren Bauch von außen befühlen, befindet sich ein Großteil des Dünndarms direkt hinter und unter dem Bauchnabel, an der Vorderseite und in der Körpermitte.
■ Dickdarm: Das Kolon, wie es fachsprachlich genannt wird, ist der Ort, an dem Ballaststoffe und unverdaute Nahrungsreste, die nun Abfallprodukte sind, ankommen, nachdem sie den Dünndarm verlassen haben. Milliarden von Bakterien sind dort beheimatet, die sich an allem Unverdauten gütlich tun. Die Kolonzellen resorbieren Wasser und etwas Salz, damit Sie nicht zu viel Wasser verlieren, also hydriert bleiben und sich aus der breiigen Masse ein geformter Stuhl bilden kann. Wenn Sie Ihren Bauch von außen befühlen, gruppiert sich der Dickdarm im unteren mittleren Abschnitt des Abdomens, unter dem Bauchnabel und steigt dann rechts über die Höhe des Bauchnabels auf, biegt an der sogenannten rechten Flexur (Biegung) nach links um, heißt jetzt Querdarm und zieht quer über den Bauch zur linken Biegung und steigt auf der linken Seite ab. Auf dem Bild auf S. 27 können Sie den Verlauf ansehen, dann allerdings seitenverkehrt, wenn Sie ein wenig Hilfe benötigen, um es sich zu veranschaulichen.
■ Rektum: Der Mast- oder Enddarm ist der 15 bis 20 cm lange letzte Dickdarmabschnitt, wo sich der Stuhl vor der Ausscheidung sammelt.
■ Anus: Der Anus oder auch After ist der starke Ringmuskel (Sphinkter) am Ende des Rektums, der sich anspannt, um den Stuhl zurückzuhalten, und sich beim Toilettengang entspannt. Sie haben die willkürliche Kontrolle über diesen Muskel.
Alle diese Organe sind in der nachfolgenden Abbildung dargestellt, so dass Sie sich ihre Bezüge zueinander und ihre Lage unter den geläufigen Orientierungspunkten, wie etwa dem Brustbein, dem Brustkorb und dem Bauchnabel vergegenwärtigen können.
Der Bye-bye Blähbauch-Test
Ich habe diesen Test in Zusammenarbeit mit meinem gastroenterologischen Kollegen Dr. Eric Goldstein entwickelt. Er ist eine vereinfachte Version des geradezu detektivischen Prozesses, der in unserer Praxis abläuft, wenn ein neuer Patient mit Blähbeschwerden kommt. Kämen Sie in meine Praxis, würde ich Sie mit einer Vielzahl von Fragen wie den folgenden löchern, erstens, um einzugrenzen, in welchem Abschnitt des Verdauungstraktes Ihre Beschwerden anscheinend ihren Ursprung haben, und dann, um eine oder zwei der wahrscheinlichsten Möglichkeiten einzukreisen. Dieser neun Fragen umfassende Test deckt sicher nicht jede medizinisch mögliche Ursache ab, er sollte jedoch dazu beitragen, Ihre Aufmerksamkeit auf ein paar der häufigsten davon zu richten.

Zwei Arten von Blähbeschwerden, die durch eine krankheitsbedingte Resorptionsstörung verursacht werden – die Zöliakie und die Pankreasinsuffizienz, die Funktionsschwäche der Bauchspeicheldrüse – werden von diesem Test nicht erfasst. Denn der Blähbauch tritt bei jeder dieser Erkrankungen gegenüber mehreren schwerwiegenderen Symptomen oft in den Hintergrund: reichliche (übel riechende) Durchfälle, Magenschmerzen, ein deutlicher ungewollter Gewichtsverlust, ein unerklärlicher Vitamin- und Eisenmangel. Kommt Ihnen das bekannt vor, machen Sie bitte einen Termin beim Gastroenterologen und gehen inzwischen gleich zu Kapitel 10 über. Ist Kapitel 10 nicht das richtige für Sie, versuchen Sie es als Nächstes mit Kapitel 8, in dem es um die SIBO, eine Dünndarmüberwucherung geht, bevor Sie den Test machen.
Anleitung zur Durchführung des Tests
1. Lesen Sie jede Frage und stellen Sie fest, welche Alternative(n) Ihre Blähbeschwerden am besten beschreiben. Eventuell trifft mehr als eine Antwort zu.
2. Neben jeder Antwort befinden sich ein oder mehrere leere Kreise. Markieren Sie in jedem davon die Antwort(en) Ihrer Wahl in der jeweiligen Zeile neben der Frage.
3. Bei jeder Frage, auf die Ihrer Meinung nach keine der vorgegebenen Antworten genau zutrifft oder bei der Sie sich einfach nicht sicher sind, lassen Sie die Beantwortung aus. Wählen Sie keine Antwort, die Ihrer Erfahrung am nächsten kommt, ihr aber nicht genau entspricht.
4. Nach Beendigung des Tests zählen Sie die Anzahl der markierten Kreise in jeder der mit A bis H gekennzeichneten Spalten und schreiben die Summe in das Kästchen am Ende jeder Spalte.
5. Achten Sie darauf, in welchen Spalten sich die meisten Markierungen befinden. Suchen Sie die entsprechende Diagnose sowie das Kapitel/die Seitenzahl heraus, die in dem unter dem Test befindlichen Schlüssel angegeben ist. Sie sollten mit dem Lesen des Kapitels/Abschnitts beginnen, der der Diagnose aufgrund der meisten Punkte für die Symptome entspricht.
6. Beschreibt der Abschnitt/das Kapitel, den/das Sie unter Punkt 5 ermittelt haben, Ihre Blähbeschwerden doch nicht genau, gehen Sie zu dem Abschnitt/Kapitel mit der zweithöchsten Punktzahl über (und so weiter).
7. Verteilen sich Ihre Symptome ziemlich gleichmäßig auf verschiedene Arten von Blähbeschwerden und gehören dazu auch solche, die im Magen sowie solche, die im Darm entstehen, sollten Sie mit dem Kapitel 8 über SIBO, die bereits erwähnte bakterielle Überwucherung des Dünndarms, beginnen. Trifft auch diese Beschreibung nicht wirklich gut zu, müssen Sie vielleicht mehrere Kapitel lesen, bei denen Sie eine hohe Punktzahl erzielt haben, um die Kombination von Diagnosen zu bekommen, die Ihnen am zutreffendsten erscheint. (Und Sie sollten den nächsten Abschnitt lesen, in dem es um solche Kombinationen geht, wodurch Ihnen das Ganze vielleicht etwas klarer wird.) Ich hoffe, die sehr detaillierten und differenzierten Beschreibungen der Blähbeschwerden, die in jedem Kapitel/Abschnitt enthalten sind, helfen Ihnen, die Dinge einzugrenzen, selbst wenn Ihre Testergebnisse ein wenig schwammig erscheinen.
Häufige Kombinationen von Blähbeschwerden beachten
Der folgende Test wurde konzipiert, um Ihnen zu helfen, die wahrscheinlichste Ursache Ihrer Blähbeschwerden unter den zehn häufigsten Möglichkeiten herauszufinden. Es muss jedoch erwähnt werden, dass die von mir skizzierten Ursachen sich nicht gegenseitig ausschließen. Mit anderen Worten, es ist möglich – und kommt sogar häufig vor –, dass die Blähbeschwerden mancher Menschen mehr als eine Ursache haben. Das liegt daran, dass ein einzelnes zugrunde liegendes medizinisches Problem verschiedene Anteile des Verdauungssystems beeinträchtigen kann. Passt eine spezielle Beschreibung zwar gut, ist aber nicht ganz vollständig, sollten Sie in Betracht ziehen, dass Ihre Beschwerden eventuell nicht nur auf ein Problem zurückzuführen sind. Wenn Sie sich nach den Empfehlungen für den Umgang mit einer bestimmter Art von Blähbeschwerden richten und daraufhin eine erhebliche, aber noch nicht die gewünschte Besserung feststellen, schlage ich Ihnen vor, den Test mit Blick auf Ihre restlichen Symptome noch einmal zu wiederholen, um zu sehen, ob sich noch eine zweite Art von Blähbeschwerden als „Favorit“ zeigt.
Überprüfen Sie einige der folgenden Beispiele häufiger medizinischer Kombinationen, die dazu führen, dass Sie in doppelter Hinsicht von Blähbeschwerden betroffen sind und achten Sie darauf, ob Ihnen einige davon vertraut vorkommen, nachdem Sie die entsprechenden Kapitel gelesen haben:
■ Gastroparese (GP, s. Kapitel 3, eine Magenlähmung aufgrund einer Motilitätsstörung) und Obstipation (s. Kapitel 7, Verstopfung): Manchmal liegt es an nervalen Problemen des Verdauungssystems, dass der gesamte Verdauungstrakt im Zeitlupentempo arbeitet. Die langsame Magenentleerung führt zu Blähbeschwerden und damit einhergehenden Symptomen im oberen Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) wie etwa Übelkeit, Reflux (Zurückfließen von saurem Speisebrei in die Speiseröhre) oder Erbrechen. Die langsame Darmentleerung verursacht Blähbeschwerden und damit einhergehende Symptome im unteren Gastrointestinaltrakt wie etwa den Abgang von Winden und krampfartigen Schmerzen.
■ Dyssynergie im Bereich von Abdomen und Zwerchfell (APD, von engl. abdomino-phrenic dyssynergia, s. Kapitel 3, eine Störung des Zusammenwirkens von Bauch und Zwerchfell) und Obstipation (Kapitel 7): Wenn die glatte Muskulatur, die das Zusammenziehen und das Entspannen regelt, während des Verdauungsprozesses nicht richtig koordiniert ist, kann sich diese Funktionsstörung sowohl in den vorgelagerten als auch in den nachgelagerten Muskelgruppen des Verdauungstraktes – also nach oben und nach unten – oder in beiden Richtungen negativ auswirken. Menschen mit diesem Problem neigen auch zu Verstopfung aufgrund einer Funktionsstörung des Beckenbodens und können daher von Symptomen folgender beider Störungen betroffen sein: einem wie schwanger wirkenden aufgedunsenen Bauch nach dem Essen, kombiniert mit sehr unregelmäßigem Stuhlgang und Beschwerden im Unterbauch, weil eine vollständige Darmentleerung nicht möglich ist.
■ Zöliakie (Kapitel 10) und Kohlenhydratunverträglichkeiten (Kapitel 9): Die durch Zöliakie verursachten Entzündungen schädigen typischerweise die fingerartigen Ausstülpungen, die sogenannten Villi, die den Dünndarm auskleiden. (Genauer: Diese Ausstülpungen, die auch der Vergrößerung der Resorptionsfläche dienen, werden zurückgebildet, sodass Resorptionsstörungen entstehen, weil die Dünnendarmwand dann praktisch glatt ist und weniger Nährstoffe resorbieren kann; Anm. d. Übers.) Da die Spitzen dieser Villi Verdauungsenzyme bilden, die die Resorption von bestimmten Zuckern unterstützen, führt das bei Menschen, denen gerade die Diagnose Zöliakie gestellt wurde, zu Blähbeschwerden nicht nur durch Gluten, sondern auch durch Milch und Milchprodukte und/oder andere süßere Nahrungsmitteln aufgrund einer vorübergehenden Laktoseintoleranz. Diese Unverträglichkeitsreaktionen sollten sich innerhalb von mehreren Monaten durch eine glutenfreie Ernährung wieder zurückbilden, sobald der Darm die Zeit bekommt, auszuheilen. (Doch nicht jede Unverträglichkeit von Gluten sowie Milch und Milchprodukten ist auf eine Zöliakie zurückzuführen; Anm. d. Übers.)
■ Verstopfung (Kapitel 7) und SIBO (Kapitel 8): Wenn Sie unter einer Dickdarmträgheit leiden, die zu chronischer Verstopfung führt, besteht die Möglichkeit, dass auch „weiter oben“ im Dünndarm alles etwas langsamer geht. (Es gibt Motilitätstests, Untersuchungen zur Überprüfung der Darmbewegung oder Peristaltik, mit deren Hilfe Ihr Arzt feststellen kann, ob das der Fall ist). Eine träge Dünndarmperistaltik führt eventuell dazu, dass Sie eine bakterielle Überwucherung in diesem Bereich entwickeln und diese kann insbesondere dann auftreten, wenn Sie bereits auf eigene Faust versucht haben, die Verstopfung mithilfe probiotischer Nahrungsergänzungen in Ordnung zu bringen. Bekommen diese probiotischen Bakterien die Chance, auf dem Weg in den Dickdarm zu lange im Dünndarm zu verweilen, nutzen sie vielleicht die Möglichkeit, sich für längere Zeit dort einzurichten.
Der Bye-bye Blähbauch-Test



Auswertung der Punktzahl des Bye-bye Blähbauch-Tests
| Haben Sie die meisten Punkte in Spalte … | ähneln Ihre Symptome am ehesten der folgenden Diagnose …, | beginnen Sie bitte mit Kapitel/auf Seite |
| A | Gastroparese (GP) | Kapitel 3 / Seite 36 |
| B | Dyssynergie im Bereich von Abdomen und Zwerchfell (APD) | Kapitel 3 / Seite 52 |
| C | Säurebedingte Verdauungsstörung | Kapitel 4 / Seite 61 |
| D | Funktionelle Dyspepsie (FD) | Kapitel 5 / Seite 72 |
| E | Aerophagie (Luftschlucken) | Kapitel 6 / Seite 87 |
| F | Säurebedingte Verstopfung | Kapitel 7 / Seite 96 |
| G | Bakterielle Dünndarmüberwucherung (SIBO) | Kapitel 8 / Seite 121 |
| H | Kohlenhydratunverträglichkeiten | Kapitel 9 / Seite 140 |
Wenn ich meine Arbeit ordentlich gemacht habe, sollten in diesem Kapitel einige erfolgversprechende Spuren für Ihre Suche nach der Ursache Ihrer Blähbeschwerden dabei sein, und Sie haben nun Ihre Liste mit der Reihenfolge der Kapitel bekommen, in der Sie sie lesen sollten. Nun sollten wir kurz entschlossen in die Tiefen Ihres Verdauungstrakts eintauchen und einige seiner Geheimnisse enträtseln!
TEIL 2
KAPITEL 3
Die nahrungsbedingten „Zwillingsbabys“ Gastroparese und Dyssynergie
Die ersten der verschiedenen Blähbeschwerden, um die wir uns kümmern, haben ihren Ursprung im Magen, einem Organ, dessen Aufgabe die einer „Speicherkammer“ und „Mischmaschine“ ist. Die Nahrung, die Sie zu sich nehmen, gelangt in den Magen, verbleibt zunächst dort, wird verflüssigt und dann portionsweise über eine winzige Öffnung, den sogenannten Pylorus oder Magenpförtner am Ende des Magens, abgegeben. Der Pylorus mündet in den Dünndarm, wo faktisch die Resorption aller Nährstoffe stattfindet. Die Muskulatur der Magenwände vermengt die Nahrung, indem sie sich wellenartig an- und entspannt, und vermischt sie so mit Säure und Enzymen, um sie zu verflüssigen. Dann schiebt sie den Speisebrei, wie die verflüssigte Nahrung jetzt genannt wird, durch den Pylorus, damit er seinen Verdauungsweg fortsetzen kann.
Werden jedoch die Aktionen von Nerven und weiteren Zellen, die für die Aktivitäten des Magens verantwortlich sind, nicht entsprechend koordiniert gesteuert, kann das zwei verschiedene Arten von Blähbeschwerden zur Folge haben. Beide treten schon kurz nach dem Essen auf und sind umso stärker, je umfangreicher die Mahlzeit war. Da der Blähbauch in beiden Fällen durch einen buchstäblich mit Nahrung gefüllten Magen entsteht, habe ich dieser Art der Blähbeschwerden den Spitznamen „Nahrungsbaby“ gegeben.
Gastroparese (GP; verzögerte Magenentleerung)
Wenn Sie feste Nahrung zu sich nehmen – also Nahrung, die im Gegensatz zu einer Suppe oder einem Smoothie gekaut werden muss –, sollte der Magen nach zwei Stunden mindestens 65 Prozent und nach vier Stunden mindestens 90 Prozent seines Inhalts entleert haben. Die Geschwindigkeit der Magenentleerung wird von sogenannten „Schrittmacher“-Zellen gesteuert, die durch eine Reihe von Auslösern stimuliert werden: durch die Dehnung der Magenwände, wenn der Magen mit einer Mahlzeit gefüllt ist, und Signalen aus dem nervalen und hormonellen Netzwerk, das sich im gesamten Verdauungstrakt befindet. Doch in manchen Fällen arbeiten die Schrittmacherzellen nicht normal, und so kann es zu einer Verzögerung der Magenentleerung kommen, die als Gastroparese (GP) bezeichnet wird.
Von einer GP sind etwa 2 Prozent der amerikanischen Bevölkerung betroffen, Frauen häufiger als Männer. In vielen Fällen ist die Ursache der GP unbekannt, doch sie beginnt oft nach einer viralen Infektion und wird dann postinfektiöse GP genannt. Sie bemerken beispielsweise die ersten Symptome einer solchen Gastroparese, vielleicht nachdem Sie von einer akuten Lebensmittelvergiftung oder einer „Magen-Darm-Grippe“ genesen sind. Die GP ist auch eine häufige Begleiterscheinung von Diabetes Typ 1 und Typ 2 und kommt in diesen Fällen durch eine Nervenschädigung des Verdauungssystems infolge eines chronisch hohen Blutzuckerspiegels zustande. Auch manche Medikamente können als Nebenwirkung eine GP auslösen, dazu gehören die Injektionspräparate bei Diabetes, die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Einige Beispiele dafür sind Byetta (Wirkstoff Exenatid), Victoza (Wirkstoff Liraglutid) und Trulicity (Wirkstoff Daluglutid). Eine GP kann auch die Folge bestimmter Operationen sein, bei denen ein wichtiger Nerv des Verdauungssystems in einem als Vagotomie bezeichneten Verfahren durchtrennt wird.
Das Blähgefühl bei Gastroparese
Was immer auch Ihre Gastroparese verursacht, die Auswirkung ist immer dieselbe. Blähbeschwerden durch eine GP sind normalerweise nicht schmerzhaft, erzeugen jedoch ein Völlegefühl im Bauch, der zudem oft sichtbar gebläht ist. Dieser aufgeblähte Bauch fällt morgens am wenigsten auf und ist auch nach dem Frühstück nicht allzu schlimm, wird jedoch im Laufe des Tages nach jeder Folgemahlzeit größer und verschlechtert sich meist schon bald nach dem Mittagessen merklich. Die Blähbeschwerden erreichen nachts ihren Höhepunkt – insbesondere bei den Menschen, die nach amerikanischer Gepflogenheit ein relativ reichliches Abendessen zu sich nehmen.
Der Morgen ist zwar im Allgemeinen die beste Zeit des Tages für Menschen mit einer Gastroparese, dennoch wachen Sie eventuell mit einem sichtbar geblähten Bauch auf, insbesondere, wenn Sie am Vorabend viel, fett und/oder spät gegessen haben. Meine GP-Patienten beschreiben das Gefühl so, als würde ihr Essen nach der Mahlzeit „einfach im Magen liegen“ und als befände sich dort ein „Ziegelstein“. Sie haben oft Sodbrennen oder andere Symptome eines Refluxes wozu Aufstoßen, möglicherweise begleitet mit dem Erbrechen kleinerer Mengen sauren Mageninhalts gehören können.
Blähbeschwerden durch eine GP gehen fast immer mit Appetitlosigkeit und einer frühen Sättigung einher, das heißt, es entsteht selbst nach dem Verzehr von geringen Mengen ein sehr starkes Völlegefühl. Meine GP-Patienten haben kaum Hunger; sie nehmen oft nur deshalb eine Mahlzeit zu sich, weil sie, wie sie sagen, aufgrund der Tageszeit wissen, dass sie das tun sollten. Wenn Sie eine Gastroparese haben, können Sie es zwischen zwei Mahlzeiten leicht fünf bis sieben Stunden aushalten, ohne hungrig zu werden. Oft haben Sie überhaupt keinen Appetit auf das Abendessen, wenn Sie im Laufe des Tages ein paar kleine Mahlzeiten zu sich genommen haben. Manchmal kann sich auch das merkwürdige Gefühl einstellen, dass Sie zugleich schwach vor Hunger und körperlich zu voll sind, um etwas zu essen. Das kommt durch die Zeitverzögerung zwischen der Nahrungsaufnahme und der tatsächlichen Resorption der Nährstoffe im Dünndarm. Mit anderen Worten, der Blutzuckerspiegel bleibt niedrig, während Ihr langsam arbeitender Magen sich Zeit damit lässt, seinen Inhalt zur Resorption in den Dünndarm abzugeben.
Übelkeit ist bei einer Gastroparese sehr häufig, und es kann auch zu Erbrechen kommen. Letzteres passiert oft nach dem Abendessen, während der Nacht (Sie werden aus dem Schlaf gerissen) oder gleich als Erstes am Morgen. Erbrechen kann sich aber auch oft ein paar Stunden nach dem Genuss einer fetthaltigen (das Abendessen in einem Steakhaus ist ein recht häufiger Auslöser) oder sehr umfang- und ballaststoffreichen Mahlzeit – etwa einem großen Salat oder Popcorn in „Spielfilmausmaß“ – einstellen. Tatsächlich ist die GP eine der wenigen Ursachen von Blähbeschwerden, die mit Erbrechen einhergehen.
Blähbeschwerden durch eine GP werden meist nicht von einem übermäßigen Abgang von Winden oder Schmerzen durch Darmgase begleitet. Sie werden normalerweise mit einem unangenehmen Völlegefühl, aber an sich nicht übermäßig schmerzhaft beschrieben.
Menschen mit einer Gastroparese können auch eine unbeabsichtigte Veränderung des Gewichts feststellen. In schweren Fällen kann Ihr Appetit so gering sein, dass Sie schließlich sehr wenig zu sich nehmen und innerhalb kurzer Zeit erheblich an Gewicht verlieren. In weniger schweren Fällen können Sie tatsächlich etwas zunehmen. Das kommt daher, dass Sie sich mehr zu leichter verdaulichen und weniger blähenden Nahrungsmitteln hingezogen fühlen. Zum Beispiel könnten Sie feststellen, dass Sie sich nach dem Genuss von Salaten – die lange im Magen verbleiben – hundeelend fühlen, also verlegen Sie sich mehr auf Nahrungsmittel wie Brot, Reis, Kartoffelpüree und Nudeln, die den Magen schneller passieren. Dadurch erhöht sich Ihre tägliche Kalorienzufuhr, und in der Folge nehmen Sie zu.
Manchmal beeinträchtigt die der Gastroparese zugrunde liegende Ursache auch andere Abschnitte des Verdauungstrakts und führt dazu, dass es nicht nur im Magen, sondern auch im Dünndarm oder im Dickdarm nur schleppend vorangeht. In diesen Fällen können die ursprünglich vom Magen resultierenden Blähbeschwerden mit solchen einhergehen, die durch eine Verstopfung verursacht werden und vom Darm stammen.
Die Gastroparese diagnostizieren
Der gastrische Entleerungs-Scan
Hat Ihr Arzt aufgrund Ihrer Symptomenbeschreibung, wie im vorigen Abschnitt genannt, den Verdacht, dass Sie an einer GP leiden, veranlasst er normalerweise einen sogenannten gastrischen Entleerungs-Scan, auch als Magenentleerungsszintigrafie (MESz) bekannt. Dies gilt als die beste Diagnosemethode.
Ein gastrischer Entleerungs-Scan ist eine meist zwei bis vier Stunden dauernde Untersuchung, die in einer radiologischen Praxis durchgeführt wird; er misst, wie lange eine standardisierte Portion Nahrung oder Flüssigkeit braucht, um den Magen zu verlassen. Die Geschwindigkeit Ihrer Magenentleerung wird mit der normalen Entleerungsgeschwindigkeit verglichen, indem man in regelmäßigen Abständen feststellt, wie viel Prozent der aufgenommenen Nahrung sich jeweils noch im Magen befinden. Ist es am Ende der Untersuchung eine größere als die normale Menge, wird die Diagnose Gastroparese, Magenlähmung, gestellt. Sie wird in die Schweregrade leicht, mittel oder schwer unterteilt, je nachdem, wie hoch der Prozentsatz der im Magen verbliebenen Nahrung am Ende der Untersuchung ist.
Vor dieser Untersuchung bekommen Sie eine kleine Mahlzeit. Die Nahrung wird radioaktiv markiert, sodass der Radiologe den Weg durch Ihren Verdauungstrakt mithilfe von Aufnahmen des Abdomens mit einer Spezialkamera verfolgen kann. Röntgenaufnahmen werden nicht gemacht. Gastrische Entleerungs-Scans können mit Flüssigkeiten oder fester Nahrung durchgeführt werden, um die Magenentleerungsgeschwindigkeit der jeweiligen Konsistenz zu bestimmen. Es ist möglich, dass es bei fester Nahrung zu einer verzögerten Entleerung kommt, nicht aber bei Flüssigkeiten. Doch selbst wenn bei beiden Formen eine Verzögerung vorliegt, verlassen Flüssigkeiten den Magen im Allgemeinen schneller als feste Nahrung. Hat Ihr Arzt den Verdacht, dass nicht nur der Magen, sondern eventuell auch andere Abschnitte des Verdauungstrakts von Motilitätsproblemen betroffen sind, kann er eine erweiterte Version dieser Untersuchung veranlassen, die die Passagezeit der Nahrung durch den Magen, den Dünndarm und den Dickdarm bestimmt. Dazu sind Sie am ersten Tag meist sechs Stunden in der radiologischen Praxis und gehen in den nächsten drei Tagen noch einmal hin, um jeweils schnell eine Aufnahme machen zu lassen.
Außer den eben beschriebenen Untersuchungen gibt es noch ein paar andere, die zwar nicht als spezifisch für die Diagnose einer GP gelten, aber trotzdem hilfreich sind, um Anhaltspunkte für das Vorliegen der Krankheit zu finden.
Aufnahmen vom oberen Gastrointestinaltrakt (GI)
Diese Untersuchung nutzt die Röntgentechnologie, um den Weg der Flüssigkeit durch den Magen und den ersten Dünndarmabschnitt zu verfolgen. Dazu schlucken Sie eine dickflüssige bariumhaltige Substanz, der Radiologe überwacht auf dem Monitor deren Weg durch den Verdauungstrakt und macht dabei Aufnahmen. Mit dieser Untersuchung ist eine GP nicht leicht zu diagnostizieren, doch damit kann bei bereits diagnostizierten Menschen festgestellt werden, ob Probleme mit dem Pylorus, dem Magenpförtner, die Ursache der verzögerten Magenentleerung sind. So kann zum Beispiel aufgedeckt werden, ob eine Pylorusstenose, eine Verengung des Magenpförtners, vorliegt, durch die ein Engpass für die Nahrung entsteht, die versucht, den Magen zu verlassen. Das ist eine mögliche, der GP zugrunde liegende behandelbare Ursache, da die Ärzte die Pylorusöffnung eventuell erweitern beziehungsweise dehnen können. Die beschriebene Untersuchungsmethode ist nicht schmerzhaft, doch die Menschen klagen oft darüber, dass Geschmack und Konsistenz der bariumhaltigen Flüssigkeit ekelhaft seien; außerdem haben Sie danach wahrscheinlich ein bis zwei Tage lang eine Verstopfung.
Endoskopie
Die Endoskopie oder – in diesem Fall – die ÖGD (eine gnädige Abkürzung für Ösophagogastroduodenoskopie) ist eine Untersuchung, bei der ein Arzt (meist der Gastroenterologe) ein Rohr mit einer daran befestigten Mini-Kamera durch den Mund in den Ösophagus (die Speiseröhre) und in den Magen einführt, um sich alle diese Organe von innen ansehen zu können. Die Untersuchung dauert nur etwa 15 Minuten und wird meist unter Sedierung des Patienten (durch ein Beruhigungsmittel, das ihn schläfrig macht) durchgeführt.
Die ÖGD ist zwar keine Untersuchung, die Ärzte zur Diagnose einer Gastroparese heranziehen, doch stoßen sie bei einer Endoskopie aus anderen Gründen manchmal auf Hinweise, die diese Erkrankung nahelegen. Wenn sie zum Beispiel Nahrung in Ihrem Magen vorfinden, die vom Abendessen am Tag vorher stammt, kann das eventuell auf eine verzögerte Magenentleerung hinweisen. Denn eigentlich dürfen Sie in der Nacht vor der ÖGD von Mitternacht an nichts mehr essen, wodurch ein normal arbeitender Magen genügend Zeit haben sollte, sich zu entleeren. Ein weiterer Anhaltspunkt, den Ihr Gastroenterologe während einer ÖGD beobachten kann, ist die fehlende Magenperistaltik während der Untersuchung. In beiden Fällen empfiehlt er Ihnen vielleicht, noch einen gastrischen Entleerungs-Scan machen zu lassen.
Eine ÖGD kann auch Pylorusblockaden ans Licht bringen, die eine Magenentleerung verhindern. Diese können durch Narben aufgrund früherer Operationen, durch ausgeheilte Magengeschwüre, Tumore oder sogar durch sogenannte Bezoare, also Klümpchen unverdauter Substanzen – etwa Nahrung, Tabletten, Haare oder Arten von klebrigem Süßkram wie Karamellbonbons – verursacht werden, die verklumpen, den Pylorus blockieren und die Magenentleerung verhindern.
Die Gastroparese behandeln
Die Behandlung besteht im Allgemeinen aus einer Kombination von Ernährungsumstellung und Medikamenten, je nach Schwere der Symptome. Da alle GP-Präparate potenzielle Nebenwirkungen haben, schlägt Ihr Arzt Ihnen eventuell vor, es zunächst mit einer Umstellung der Ernährung zu versuchen. Man kann auch endoskopisch oder chirurgisch Abhilfe schaffen.
Die medizinische Behandlung der Gastroparese
Die medizinische Primärbehandlung bei GP erfolgt mit sogenannten Prokinetika. Diese Medikamente stimulieren die Magenperistaltik, sodass der Magen häufiger kontrahiert, sich dadurch schneller entleert und die Beschwerden, das Gefühl des Aufgebläht-Seins, das Völlegefühl, der Appetitmangel, die Übelkeit, der Reflux und/oder das Erbrechen, gelindert werden. Beispiele solcher Prokinetika sind Reglan (Wirkstoff Metoclopramid; in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter anderem unter dem Handelsnamen Paspertin erhältlich, in Deutschland gibt es auch zahlreiche Generika; Anm. d. Übers.) und Motilium (Wirkstoff Domperidon). Die Antibiotika Erythromycin und Zithromax (Wirkstoff Azithromycin) haben ebenfalls prokinetische Eigenschaften. Alle diese Medikamente sind selten eine Wunderwaffe bei GP, und eine Ernährungsumstellung ist fast immer auch erforderlich.
Andere Präparate mögen dazu beitragen, die Symptome der GP, insbesondere Übelkeit und Erbrechen, unter Kontrolle zu halten, aber sie setzen faktisch nicht bei der zugrunde liegenden Ursache an. Medikamente gegen die Übelkeit (die sogenannten Antiemetika) sind eine solche Option, doch ihr Nutzen sollte gegen die möglichen Nebenwirkungen abgewogen werden. Manche Antiemetika können eine Verstopfung verursachen und die Blähbeschwerden bei Menschen verschlimmern, deren Gesamtperistaltik im Magen und im Dickdarm verlangsamt ist und die aufgrund eines „Rückstaus“ bereits Blähbeschwerden haben (mehr zu dieser Art von Blähbeschwerden erfahren Sie in Kapitel 7).
Die Behandlung der Gastroparese durch die Ernährung
Die Ernährungstherapie bei der GP ist auf den Umgang mit Ihren Symptomen ausgerichtet, nicht auf die Heilung der Krankheit, denn die Ernährung kann die Anzahl Ihrer Magenbewegungen faktisch nicht erhöhen. Doch die Konsistenz, die Menge, der Fett- und der Ballaststoffgehalt von Mahlzeiten können sicher Einfluss darauf nehmen, wie schnell diese den Magen passieren und in die nächste Phase der Verdauung eintreten.
■ Wählen Sie fettarme, weiche Nahrungsmittel mit moderatem Ballaststoffgehalt in kleinen Mahlzeiten
Denken Sie an das Bild von Ihrem Magen als „Mischmaschine“, welches ich in diesem Kapitel schon einmal verwendet habe. Muss Ihre „Mischmaschine“ eine Mahlzeit verflüssigen, damit sich der Magen entleeren kann und arbeitet diese „Mischmaschine“ nicht sehr gut – sagen wir mal, sie pulsiert nur, püriert aber nicht – welche Nahrungsmittel lassen sich dann wahrscheinlich am schnellsten verflüssigen? Ein Hackbraten oder ein fettes Steak? Ein Salat aus geschmorten Roten Beten oder einer aus rohem Grünkohl? Ein Smoothie aus Obst oder eine große Schüssel frische Ananas? Eine Schüssel Hafergrütze oder eine Schüssel Popcorn? Erdnussbutter oder eine Handvoll ganze Erdnüsse?
Die Konsistenz der Nahrung, die in Ihrem Magen ankommt, ist enorm wichtig, wenn es darum geht, wie schnell Ihr träger Magen sie passieren lassen kann. Daher entscheidet die Konsistenz der Nahrung, die Sie zu sich nehmen, darüber, wie gebläht Sie sich danach fühlen. Alles, was Sie tun können, um Ihre Mahlzeit schon vor dem Schlucken zu zerkleinern, ist hilfreich und trägt dazu bei, die Teilchengröße der Nahrung im Allgemeinen und die der Ballaststoffe im Besonderen zu verringern, sodass sie schneller verflüssigt werden. Zu den Tipps, die ich meinen Patienten gebe, gehören diese:
■ Entscheiden Sie sich für gekochtes Gemüse, anstatt für rohes – es vermischt sich beim Kauen besser und wird von der Magensäure schneller aufgespalten.
■ Wählen Sie unter den rohen Früchten weiche, reife ohne Schale, die nur wenige Kerne enthalten.
■ Essen Sie Suppen, trinken Sie Smoothies und/oder Säfte, die es Ihnen ermöglichen, größere Mengen an ballaststoffreichen Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, etwa Obst, Blattgemüse und alle Produkte mit viel Schale, viel Struktur und vielen Kernen. Diese Nahrungsmittel sind als Ganzes – roh oder gekocht – eventuell schwer verträglich, insbesondere in großen Portionen.
■ Entscheiden Sie sich für Vollkornprodukte mit feinerer Struktur wie etwa Instantflocken aus Vollkornmehl, Instant-Haferflocken, Vollkorn-Pfannkuchen oder Waffeln aus Mehl oder helles/weiches Vollweizen-Sandwichbrot. Die feine Struktur des Vollkornmehls passiert den Verdauungstrakt schneller als zähe, ganze gekochte Körner, etwa vom Weizen, als Hafergrütze oder Vollkorngerste.
■ Nehmen Sie etwas ballaststoffarmes raffiniertes Getreide oder stärkehaltige Kohlenhydrate dazu, wenn der Verzehr von zu vielen Vollkornprodukten Ihre Blähbeschwerden verschlimmert; dazu gehören weißer Reis, Kartoffeln ohne Schale und weiße Brotsorten.
■ Nehmen Sie Bohnen und Hülsenfrüchte in pürierter Form zu sich, etwa als Hummus oder fettfreies Bohnenmus anstelle von ganzen Bohnen.
■ Wählen Sie Erdnussbutter oder andere Nussbuttersorten anstatt ganzer Nüsse oder Studentenfutter.
■ Suchen Sie sich weiche, feuchte, fettarme Proteine aus, etwa Eier, Fisch, Meeresfrüchte, Tofu, fettarme Milchprodukte und Geflügel anstelle von fetteren zäheren Proteinen wie Steaks, Rippchen, Lammfleisch oder alles Frittierte.
■ Schneiden Sie Ihr Essen klein und kauen Sie es ganz besonders gut.
In Kapitel 12 wird die Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt detailliert und umfassend besprochen, die speziell für den Umgang mit Blähbeschwerden aufgrund einer Gastroparese konzipiert wurde; enthalten sind auch Listen der Nahrungsmittel mit der besten Konsistenz, nach Nahrungsmittelgruppen geordnet, sowie die Nahrungsmittel mit der problematischsten Konsistenz, die ebenfalls nach Nahrungsmittelgruppen geordnet sind. Das Kapitel enthält auch Ideen und Rezepte für Mahlzeiten. Schlagen Sie es schon mal auf, wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind und holen Sie sich ganz praktischen Rat, auf welchen Grundnahrungsmitteln Sie Ihre Ernährung aufbauen sollten und welche Ihnen eventuell Probleme bereiten.
Bei einer Gastroparese spielt außer der Konsistenz Ihrer Nahrung auch die Menge, die Sie auf einmal essen, eine Rolle dabei, wie gebläht Sie sich fühlen. Wenn Sie vier oder fünf kleine Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen, fühlen Sie sich besser, als wenn Sie dreimal täglich „ordentlich“ essen. Früher wurde GP-Patienten zwar geraten, sechs- bis achtmal täglich zu essen, doch mir ist noch nie einer begegnet, der mehr als fünf ganz kleine Mahlzeiten täglich problemlos vertragen konnte; vier sind bei den Patienten, mit denen ich gearbeitet habe, üblicher. Das kommt daher, dass die meisten von ihnen dem Magen – selbst zwischen bescheidenen Mahlzeiten von entsprechender Konsistenz – geschlagene vier Stunden Zeit geben müssen, sich zu entleeren, bevor sie wieder beschwerdefrei essen können.
Die zeitliche Planung der Mahlzeiten spielt im Umgang mit Blähbeschwerden durch eine Gastroparese eine wichtige Rolle. Wenn Sie morgens gleich nach dem Aufwachen etwas essen können, dann empfehle ich Ihnen, das zu tun. So können Sie Ihre Mahlzeiten besser über den Tag verteilen und die Zeiträume dazwischen sind lang genug. Es ist nämlich genau der kumulative Effekt von zu kurz aufeinanderfolgenden Mahlzeiten, die zu Ihren sich tagsüber zunehmend verschlechternden Blähbeschwerden beitragen. Wenn Sie morgens um 6.30 aufwachen, aber nicht vor 10.30 frühstücken, lassen Sie die Gelegenheit verstreichen, eine komplette Mahlzeit unterzubringen – insbesondere eine, die Sie höchstwahrscheinlich vertragen, denn Ihr Magen hatte über Nacht mehr Zeit sich zu entleeren. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen in den Morgenstunden den größten Appetit haben; der im Laufe des Tages wieder nachlässt.
Beispiel für einen Essensplan bei GP
Frühstück: 6.30 bis 8.00
Die eine Hälfte des Mittagessens: 11.00 bis 12.00
Die andere Hälfte (oder ein Imbiss): 15.00 bis 16.00
Kleines Abendessen: 19.00 bis 20.00
Wenn Sie morgens aufwachen und sich gebläht fühlen, es Ihnen übel ist oder Sie sich meistens erbrechen müssen, dann bedeutet das vermutlich, dass Sie zu viel und/oder zu spät zu Abend gegessen haben. Versuchen Sie in diesem Fall, volle drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen gar nichts mehr zu essen und suchen Sie nach Möglichkeiten, Ihre Nahrungsaufnahme zeitlich vorzuziehen, entweder indem Sie früher und dann etwas mehr essen oder vor dem Abendessen einen Snack einschieben, sodass Ihre Abendmahlzeit weniger opulent ausfallen kann.
Wenn Sie abends gerne etwas Süßes naschen, ist der beste Zeitpunkt dafür bald nach dem Abendessen – sagen wir, bis 21.00 – und nicht direkt vor dem Zubettgehen. Dadurch wird das Risiko verringert, beim Hinlegen einen Reflux zu bekommen – oder sogar zu erbrechen. Auch hier sind fettarme Flüssigkeiten und Püriertes immer eine bessere Wahl als eine feste Substanz. Beispielsweise eine Tasse heiße Schokolade, etwa 150 g fettarmer Joghurt oder Kefir, weiches Eis am Stiel aus Früchten oder eine kleine Schale Früchtesorbet, eine kleine Schale fettfreie/fettarme Eiscreme oder gefrorenes Joghurt-Dessert, der sogenannte Frozen Yogurt, Apfelmus, fettfreier/fettarmer Pudding und Götterspeise. Mehr Ideen finden Sie in Kapitel 12.
Haben Sie auch dann noch mit Blähbeschwerden zu kämpfen, wenn Sie Ihre Nahrungsmittel in veränderter Konsistenz zu sich nehmen und Ihr Essensplan gut über den Tag verteilte Mahlzeiten vorsieht, gibt es ein paar weitere Tricks, die Sie ausprobieren können. Eine Möglichkeit, die sich bei meinen Patienten gut bewährt hat, ist der Wechsel zwischen festen und flüssigen Mahlzeiten im Laufe des Tages. Nimmt man nach einer festen Mahlzeit eine flüssige, wie etwa eine Suppe oder ein Smoothie, zu sich, kann der Magen vor der nächsten festen Mahlzeit leer werden, da die feste Nahrung etwas länger im Magen verbleibt als flüssige. Besteht Ihr Frühstück aus einer festen Mahlzeit – sagen wir, aus Eiern und Toast –, könnten Sie das Mittagessen in flüssiger Form zu sich nehmen. Alternativ könnten Sie den Tag auch mit einer flüssigen Mahlzeit beginnen – sagen wir, mit einem Smoothie aus Obst und Proteinen – und mittags eine feste Mahlzeit planen – beispielsweise die Hälfte eines Puten-Sandwichs mit einer Beilage von gedünsteten Babykarotten. Und so weiter. (Bitte beachten Sie, dass die Amerikaner ihre Hauptmahlzeit in der Regel am Abend einnehmen. Passen Sie die Vorschläge also entsprechend an, wenn Ihre Hauptmahlzeit das Mittagessen ist; Anm. d. Übers.)
Wenn es bei vier Mahlzeiten am Tag immer noch zu starken Blähbeschwerden kommt, Sie aber kein Normalgewicht halten und Ihren Nahrungsbedarf mit drei kleinen Mahlzeiten nicht decken können, dann versuchen Sie, folgendes Modell: Wechseln Sie zu drei Mahlzeiten am Tag und fangen Sie das Nahrungsdefizit durch klare, mit Nährstoffen angereicherte Getränke ein wenig auf. Viele Menschen mit einer Gastroparese trinken weiterhin sehr viel Wasser oder Tee für den Flüssigkeitsspiegel, doch das kann im Magen viel wertvollen Platz beanspruchen, der dann für nahrhaftes Essen nicht mehr zur Verfügung steht. Daher sollten Sie stattdessen versuchen, die klaren Flüssigkeiten, die Sie für Ihren Flüssigkeitshaushalt trinken, mit ein paar Nährstoffen anzureichern. Beispiele sind hier mit Proteinen angereichertes Kokoswasser oder Kaffeegetränke, Wasser, angereichert mit Proteinpulver mit Fruchtgeschmack oder ein flüssiger Mahlzeitenersatz oder ein Proteingetränk im Laufe des Tages (entsprechende Produkte gibt es im Handel). All diese Getränke eignen sich auch zum Einfrieren als Eis am Stiel für Leckereien zwischendurch oder als Eiswürfel, um Wasser damit anzureichern.
Eine Gastroparese wird normalerweise nicht von selbst besser – obwohl es natürlich von jeder Regel Ausnahmen gibt und Menschen oft feststellen, dass die Schwere der Symptome im Laufe der Zeit schwanken kann. Wenn Sie also herausgefunden haben, wie Sie Ihre Nahrungsmittel auswählen sollten und Ihre Mahlzeiten mithilfe der Sanften Ernährung für den Gastrointestinaltrakt so gestalten, dass Sie sich damit wohlfühlen, sollten Sie sich langfristig auf diese Art der Ernährung einstellen.
■ Diabetiker sollten ihren Blutzucker unter Kontrolle halten
Ein extrem hoher Blutzuckerspiegel, eine Hyperglykämie, kann bei Menschen, die an Diabetes Typ 1 oder 2 leiden, die Magenentleerung verlangsamen. Eine akute hyperglykämische Episode – etwa mit Blutzuckerspitzen von bis 200 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) oder höher – reicht dafür bereits aus. (Zum Vergleich: Ein normaler Blutzuckerwert sollte eine Stunde nach dem Essen nicht höher als 155 mg/dl und zwei Stunden danach nicht höher als 140 mg/dl betragen.) Diese akuten Blutzuckerspitzen können vorkommen, wenn Sie vergessen haben, (Insulin zu spritzen oder) Ihr Blutzuckermedikament zu nehmen oder es falsch dosiert haben. Doch selbst wenn mit der Medikation alles in Ordnung ist, kann es zu einer Hyperglykämie kommen, wenn Sie eine große Portion von etwas Zucker- und/oder Stärkehaltigem auf einmal zu sich nehmen – etwa Saft oder Limonade trinken, auf einer Party Kuchen oder Kekse essen, nachts die Süßigkeiten Ihrer Kinder plündern, oder wenn Sie an einem Feiertag eine kohlenhydrat-/zuckerreiche Mahlzeit zu sich nehmen.. Wenn Sie zu raschen Blutzuckerspitzen neigen, ist es vielleicht hilfreich, zu Nahrungsmitteln mit hohem Kohlenhydratanteil Protein- oder Fetthaltiges zu essen, um die Auswirkungen auf den Blutzucker abzuschwächen; meiden Sie mit Zucker gesüßte Getränke und Säfte und achten Sie darauf, wie viele stärkehaltige Nahrungsmittel und Süßes Sie im Lauf eines Tages zu sich nehmen.
■ Schränken Sie medizinisch nicht notwendige Pillen und Nahrungsergänzungsmittel ein
Menschen mit einer Gastroparese sollten mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Pillen, die therapeutisch nicht notwendig sind, sehr zurückhaltend sein. (Ich persönlich glaube, es gibt ohnehin keine pflanzlichen Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Magenentleerung beschleunigen.) Denn Pillen haben Ummantelungen, die sich im Magen nur sehr schwer abbauen lassen. „Retard“-Medikamente können ganz besonders problematisch sein, denn ihre Ummantelungen sind speziell so konzipiert, dass sie sich im sauren Magenmilieu nicht auflösen, man nennt sie magensaftresistent. Viele dieser sich langsam auflösenden Pillen können zu einem Passage-Engpass am Magenpförtner, dem Pylorus, führen und dadurch die Magenentleerung noch weiter verzögern. Menschen mit einer Gastroparese haben auch ein erhöhtes Risiko für eine außergewöhnliche Art der Blockade, den sogenannten Pharmacobezoar, das heißt im Wesentlichen, dass eine große Menge unverdauten Pillenmaterials verklumpt und den Pylorus versperrt, sodass überhaupt nichts mehr in den Dünndarm gelangen kann. Das verursacht einen Rückstau, der zu schwerem Erbrechen führt und oft einer Aufnahme ins Krankenhaus bedarf.
Wenn Sie unter einer GP leiden und aus einem berechtigten medizinischen Grund doch Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen müssen, dann suchen Sie nach Flüssigkeiten, Kautabletten, gummiartigen/geleeartigen Präparaten, sublingualen Tabletten, die unter die Zunge gegeben werden oder Pulvern, die sich in Wasser auflösen, und bevorzugen Sie diese Verabreichungsformen, wann immer Sie sie bekommen können. Oft sind die für Kinder gedachten Vitaminpräparate ein prima Ersatz für Tabletten. Eine Möglichkeit, die Nährstoffzufuhr ohne Pillen zu erhöhen, ist, Fertiggerichte fürs Frühstück ausfindig zu machen, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind, etwa Getreideerzeugnisse mit mittlerem bis geringen Ballaststoffanteil (zum Beispiel Cornflakes; informieren Sie sich über die Inhaltsstoffe, die auf den Packungen angegeben sind), Instant-Haferflocken, feiner Grieß oder Grütze (Achten Sie auch hier auf die Inhaltsstoffe; Anm. d. Übers.). Denken Sie daran, dass die Bio-Versionen dieser Fertiggerichte fürs Frühstück tendenziell nicht zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind.
Operative Behandlungen der Gastroparese
Die chirurgische Behandlung der GP ist recht selten und wird im Allgemeinen nur in schweren Fällen vorgenommen, bei denen durch die Nahrung und angereicherte Getränke sowie selbst mithilfe von Medikamenten die Untergrenze eines gerade noch gesunden Gewichts nicht eingehalten werden kann. Es gibt ein paar Optionen, die Ihr Arzt eventuell in Betracht zieht, dazu gehören die Implantation eines Magenschrittmachers, der eine regelmäßigere Magenperistaltik unterstützt; die Jejunostomie, bei der eine Verbindung zwischen der Bauchdecke und dem oberen Dünndarmabschnitt, dem Leerdarm oder Jejunum geschaffen und durch diese Öffnung eine Darmsonde zur künstlichen Ernährung unter Umgehung des Magens gelegt wird; eine Pylorus-Dilatation, die Dehnung des Magenpförtners oder seine vollständige Entfernung, um Engpässe zu beseitigen, die die Magenentleerung verhindern; und die Botox-Injektion (Botulinumtoxin) – die über eine Endoskopie vorgenommen wird –, um den Pylorussphinkter, den Ringmuskel des Magenpförtners, zu entspannen, sodass die Nahrung leichter vom Magen aus weiterfließen kann. Ihr Arzt sagt Ihnen, ob für Sie eines dieser Verfahren infrage kommt.
Die Geschichte von Sashas Gastroparese: Ein Tauziehen zwischen dem oberen und unteren Verdauungstrakt
Sasha war eine hochgewachsene, athletische Frau von 24 Jahren, deren einziges gesundheitliches Problem von Kind an in einer Neigung zur Verstopfung bestand. Infolgedessen bemühte sie sich sehr um eine stark ballaststoffreiche Ernährung, zu der Grundnahrungsmittel wie das skandinavische Kleieknäckebrot zum Frühstück, Grünkohlsalat zum Mittagessen, rohe Karotten mit Hummus als Imbiss und ballaststoffreiches Getreide mit Beeren zum Abendessen gehörten. Ihre ballaststoffreiche Ernährung wirkte Wunder und sorgte für regelmäßigen Stuhlgang, ihr Darm entleerte sich täglich, oft sogar mehrmals, leicht und vollständig.
Nach einer kurzen Krankheit aufgrund eines Magen-Darm-Infekts vor etwa zwei Jahren kam es bei Sasha jedoch plötzlich zu einem sichtbaren Blähbauch sowie Übelkeitsgefühlen nach dem Essen – und in zunehmendem Maße konnten sie auch von Erbrechen begleitet sein. Zwei bis drei Wochen lang konnte sie sich völlig normal fühlen, doch dann flackerten die Beschwerden wieder auf; es kam vor, dass sie sich bis zu viermal in der Woche nach dem Abendessen übergeben musste. Sasha ging zu einem Gastroenterologen, der eine Gastroskopie, eine endoskopische Untersuchung des Magens und der Speiseröhre, und eine Koloskopie, eine endoskopische Untersuchung des Dickdarms machte – beide waren ohne Befund. Ein zweiter Gastroenterologe führte einen Atemtest durch, um eine bakterielle Überwucherung auszuschließen (s. Kapitel 8), er war ebenfalls negativ, doch sie bekam trotzdem Antibiotika und sollte sich FODMAP-arm ernähren (s. Kapitel 13). (FODMAP, soviel schon vorab, steht für fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols, zu Deutsch fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole, was etwa vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole bedeutet; Anm. d. Übers.). Nichts davon veränderte auch nur das Geringste, und die Blähbeschwerden, die Übelkeit und das regelmäßige Erbrechen hielten an.
Ein dritter Gastroenterologe diagnostizierte einen Reflux und verschrieb ihr einen Protonenpumpenhemmer (PPI). Das Medikament verbesserte die Schwere ihrer Übelkeit spürbar und senkte die Häufigkeit des Erbrechens, doch die Blähbeschwerden blieben bestehen, und Sasha übergab sich noch immer einmal pro Woche nach dem Abendessen. Sie begann, ihre Nahrungsmittel und Symptome mithilfe einer App zu verfolgen und landete schließlich in meiner Praxis.
Ich bat Sasha, mir ihre Ernährungstagebücher von der Zeit an zu zeigen, als die Blähbeschwerden und das Erbrechen am schlimmsten waren und es kristallisierte sich ein klares Muster heraus. An ihren schlechten Tagen hatte sie mit großer Wahrscheinlichkeit entweder einen Salat zu Mittag oder ein umfangreicheres/fettreicheres Mittagessen und/oder eine Zwischenmahlzeit innerhalb von vier Stunden nach einer Mahlzeit zu sich genommen. Es spielte nicht immer eine Rolle, was sie an ihren schlechten Tagen am Abend aß, obwohl es schien, dass auf umfangreichere und fettreichere Abendessen ausnahmslos schwerere Blähbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen folgten.
In mir regte sich der Verdacht, dass Sashas Magen sich zu langsam entleeren könnte und sowohl ihre gesunden, ballaststoffreichen sowie die schonenderen, fettreichen Mittagsmahlzeiten dazu führten, dass ihr ohnehin träger Magen sich noch langsamer entleerte. (Erinnern Sie sich, wovon in diesem Kapitel bereits die Rede war – sowohl Fette als auch Ballaststoffe verlangsamen die Geschwindigkeit der Magenentleerung). Infolgedessen schien es, als würde sie jedes Mal eine Blähattacke dieses „Nahrungsbabys“ bekommen und von einer Übelkeitswelle heimgesucht werden, wenn sie einen Nachmittagsimbiss zu früh zu sich nahm – noch bevor das Mittagessen den Magen passiert hatte – oder jedes Mal, wenn das Mittagessen für ihren Magen schwer zu verflüssigen war.
Sashas Arzt veranlasste einen gastrischen Entleerungs-Scan, der bestätigte, dass sie tatsächlich an einer Gastroparese litt. Ich empfahl eine Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt mit mäßigen Mengen von Ballaststoffen (s. Kapitel 12) und ermunterte sie dazu, kein rohes Gemüse, keine Kleiekräcker und mit Ballaststoffen angereicherte Getreideprodukte mehr zu essen. Ich empfahl drei fettarme Mahlzeiten und eine Zwischenmahlzeit pro Tag, zwischen denen jeweils vier Stunden liegen sollten. Ich animierte Sasha dazu, die meisten Ballaststoffe über reifes Obst ohne Schale, Vollgetreideprodukte von weicherer Konsistenz (wie Instant-Haferflocken oder Naturreis) und gekochtes Gemüse oder Gemüsesuppen zuzuführen.
Sasha ging es hinsichtlich des Blähbauchs, der Übelkeit und des Erbrechens mit der Sanften Ernährung für den Gastrointestinaltrakt viel besser und sie konnte ihre Symptome oft wochenlang unter Kontrolle halten, vorausgesetzt, dass sie selbst die Kontrolle über ihre Mahlzeiten hatte. (Wenn sie auf Reisen war, war das schwieriger.) Doch schon sehr bald begann sich ihr alter Erzfeind – die Verstopfung – wieder unangenehm bemerkbar zu machen. Weniger Ballaststoffe und weniger grobkörnige Nahrung besserten ihre Blähbeschwerden und die Übelkeit, führten jedoch zu Stuhlträgheit; Sasha hatte nun nur jeden zweiten Tag Stuhlgang. An den Tagen dazwischen gingen sehr viel mehr Winde ab. Die Bedürfnisse ihres oberen und ihres unteren Verdauungstrakts standen zueinander in Konkurrenz und herauszufinden, wie man beiden gerecht werden konnte, würde ein wahrer Balanceakt werden.
Sashas Gastroenterologe und ich arbeiteten weiter mit ihr an einem Gleichgewicht ohne Beschwerden. Ihr Arzt verordnete ihr Magnesium in verschiedenen Formen und Dosierungen als mildes Abführmittel (s. Kapitel 7 und 14), bis er herausfand, welches am besten wirkte, und ich unterstützte sie darin, die Arten von Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, die wegen ihrer abführenden Wirkung für eine superschnelle Passage sorgten, wie etwa mit Pflaumensaft angereicherte Smoothies, Salate aus gekochten Roten Beten und Gemüseburger mit pürierter Avocado. Wie viele Menschen, die mit einem chronischen Magen-Darm-Leiden zu tun haben, muss Sasha vorausplanen, damit passende Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe sie ihre Symptome unter Kontrolle halten kann.
Ab und zu ist Sasha von ihren Einschränkungen frustriert und beschließt, sich alles zu gönnen, was sie essen möchte, damit sie sich wieder „normal“ fühlen kann. Wenn sie das macht, bezahlt sie es teuer mit Blähbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen. Doch meistens hält sie sich an ihren Plan und es geht ihr gut. Ihr Arzt hat ihr Prokinetika angeboten, die ihr mehr Spielraum bei der Auswahl ihrer Ernährung geben könnten, doch im Augenblick, sagt Sasha, würde sie lieber versuchen, allein durch die Ernährung mit ihren Symptomen zurechtzukommen. Wenn sich das einmal ändert, weiß sie, dass sie ein paar medikamentöse Alternativen hat, mit denen sie es versuchen kann.
Dyssynergie im Bereich von Abdomen und Zwerchfell (APD, von engl. abdomino-phrenic dyssynergia)
Dyssynergie ist ein allgemeiner Begriff, der eine Störung des Zusammenwirkens zusammengehörender Funktionseinheiten, etwa von Muskelbewegungen eventuell aufgrund fehlerhafter Nervensignale, beschreibt. Es gibt verschiedene Arten von Dyssynergie, die sich auf das Verdauungssystem auswirken können. Eine davon verursacht sehr typische Blähbeschwerden, die vom Magen ausgehen (und eigentlich auch vom Dünndarm). Sie wird im englischsprachigen Raum als abdomino-phrenic dyssynergia, etwa Abdomino-phrenische Dyssynergie bezeichnet, und wir nennen sie ab jetzt APD.
Ist Ihr Magen leer, hat er etwa die Größe einer Faust. Doch der Magen kann sich erstaunlich ausdehnen und eine sehr große Menge an Nahrung, etwa das Volumen von einem Liter, auf einmal aufnehmen. Da der gefüllte Magen in der Bauchhöhle immer größer wird, muss sich ein Muskel, das Zwerchfell (Diaphragma), das direkt über der Bauchhöhle liegt, heben, um Platz für den sich ausdehnenden Magen zu machen. Aus demselben Grund sollen sich auch die Muskeln der Bauchwand etwas entspannen.
Im Falle einer APD hebt sich das Zwerchfell nicht wie vorgesehen; es kann sich sogar genau dann nach unten in die Bauchhöhle schieben, wenn Magen und Dünndarm sich mit Nahrung zu füllen beginnen und Platz brauchen, um sich auszudehnen. Gleichzeitig beginnen sich die Muskeln, die die Bauchdecke stützen, übermäßig zu entspannen. Sie essen zum Beispiel vielleicht gerade eine Kleinigkeit – sagen wir, einen Müsliriegel – und die Muskeln der Bauchwand dehnen sich so stark aus, wie Sie es beim Verzehr einer kompletten Feiertagsmahlzeit erwarten würden. Infolgedessen drücken der mit Nahrung gefüllte Magen und der Dünndarm nach außen gegen die Bauchwand, die sich nun auf eine so übermäßige Weise entspannt hat, dass es zu einer Auswölbung kommt. Das Ergebnis ist ein sehr ausgeprägter, aufgetrieben aussehender Bauch, der dem einer schwangeren Frau ähnelt.
Eine APD kommt bei Menschen mit Angststörungen und Depressionen vergleichsweise häufiger vor. Zwar können Männer und Frauen an einer APD leiden, doch junge Frauen sind unverhältnismäßig oft davon betroffen. Frauen, in deren Anamnese schwere Angststörungen, ein anderes seelisches Trauma, sexueller Missbrauch und/oder Essstörungen zu finden sind, entwickeln eventuell mit größerer Wahrscheinlichkeit eine APD als andere Menschen. In manchen Fällen – nicht in allen – geht eine APD auch mit einer Dyssynergie der Beckenbodenmuskeln einher, durch die es zu Verstopfung kommt, Darmgase nur schwer entweichen und Stuhl unter Schwierigkeiten, nur durch Beugen nach vorn, starkes Drücken und mit großer Anstrengung abgesetzt werden kann. Das kommt daher, dass zur Defäkation (Stuhlentleerung) Druck in der Bauchwand benötigt wird, damit genügend Kraft entsteht, um den Stuhl nach außen zu transportieren. Eine übermäßig entspannte Bauchwand kann dieses Maß an Druck nicht aufrechterhalten. Mehr über die Verstopfung durch eine Dyssynergie des Beckenbodens erfahren Sie in Kapitel 7.
Das Blähgefühl bei APD
Bei der APD kommt es zu der Art von Blähbeschwerden, die am meisten einem schwangeren Bauch ähneln. Oft beginnen sie im Abdomen ziemlich weit oben und zeigen sich als Schwellungen im Dreieck unter dem Brustkorb mit einem gleichmäßig gerundeten, angefüllt aussehenden Bauch darunter. Diese Art von Blähbauch kann buchstäblich wie ein „Nahrungsbaby“ aussehen. Der geblähte Bauch ist im Allgemeinen nicht gespannt oder straff.
Ein weiteres Charakteristikum der APD ist das gelegentliche Auftreten einer Art Rille, die aussieht, als habe sie sich absichtlich direkt unter dem Brustkorb gebildet, bevor sich der geschwollene Bauch vorwölbt. In unserer Praxis sehen wir diese Art am häufigsten bei schlanken jungen Frauen, die Selfies mitbringen, die sie nach dem Essen gemacht haben, auf denen ein sehr aufgeblähter, wie schwanger aussehender Bauch zu sehen ist, der im Widerspruch zu ihrem ansonsten schmalen Körperbau steht.
Ein weiterer spezifischer Aspekt von Blähbeschwerden durch eine APD ist, dass sie sogar durch Wassertrinken oder relativ kleine Nahrungsportionen ausgelöst werden können. Alles, was in den Magen und den Dünndarm gelangt – Essen, Flüssigkeiten oder Luft –, kann zu Blähbeschwerden führen, obwohl deren Schwere sicher auch von der Menge der Mahlzeit (oder des Getränks) abhängt sowie von der Beschaffenheit der Nahrung selbst. Voluminöse, ballaststoffreiche Mahlzeiten führen bei Vorliegen einer APD zu einer ausgeprägteren Aufblähung als dichtere von weicherer Konsistenz. Meistens beschreiben Menschen die Blähbeschwerden durch eine APD eher als unangenehm (und psychisch quälend) und nicht als deutlich schmerzhaft.
Eine APD diagnostizieren
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie an einer APD leiden könnten, ist es hilfreich, ein Foto von Ihrem Blähbauch zu machen, wenn er am schlimmsten ist und es zum Termin bei einem Gastroenterologen mitzubringen, denn möglicherweise haben Sie dann gerade keinen, und ohne Foto kann er die Symptome nur aufgrund Ihrer Beschreibung nicht beurteilen. Auch wenn viele Ärzte allgemeinen Klagen über Blähbeschwerden ablehnend gegenüberstehen mögen, werden Sie mit größerer Wahrscheinlichkeit ernst genommen, wenn Sie ein Foto des charakteristischen „Schwangerschaftsbauches“ vorlegen können.
Klinische Untersuchung
Zur Diagnose einer APD gehört normalerweise eher die körperliche Untersuchung durch einen Arzt als objektive Kriterien, wie sie zum Beispiel durch Labortests ermittelt werden. Ein Arzt könnte bei einer Untersuchung Ihres aufgeblähten Bauchs feststellen, dass er sich relativ „hohl“ anfühlt – das heißt, nicht mit einer Menge Essen oder Gas gefüllt ist, die zum Schweregrad der sichtbaren Vorwölbung passen würden. Ihr Arzt könnte sich Ihre mitgebrachten Fotos ansehen, die zu verschiedenen Tageszeiten gemacht wurden – beim Aufwachen, nach einem Frühstück und/oder nach anderen Mahlzeiten im Laufe des Tages. Vielleicht gibt er Ihnen in der Praxis auch eine kleine Menge zu trinken, um zu sehen, ob sich die erwartete sofortige übermäßige Aufblähung des Bauches als Reaktion auf die geringe Flüssigkeitsmenge provozieren lässt.
Anorektale Manometrie
Dabei handelt es sich um eine Untersuchung, mit der Ärzte die Funktion der Beckenbodenmuskeln – der Muskeln, die für die Defäkation, den Stuhlgang, verantwortlich sind – beurteilen und die auch genutzt werden kann, um das Vorliegen einer APD feststellen. Diese Untersuchung wird als anorektale Manometrie bezeichnet. Dabei schiebt der Gastroenterologe eine dünne Sonde (ca. 10 cm weit) in den Enddarm, an deren Spitze sich ein aufblasbarer Ballon befindet. Die Sonde verfügt über Drucksensoren. Durch die Sonde wird ein wenig Luft eingeleitet, um den Ballon aufzublasen, und Sie werden gebeten, Ihre Muskeln im Laufe des Tests nach Aufforderung anzuspannen, wie für den Stuhlgang zu pressen oder sie zu entspannen. Dabei wird gemessen, ob die an der Defäkation beteiligten Nerven und Muskeln ordnungsgemäß funktionieren.
Manche Ärzte machen noch einen zusätzlichen Schritt, um festzustellen, ob eine APD vorliegt; sie untersuchen, wie sehr sich Ihr Bauch während der Manometrie aufbläht, als Reaktion auf die Einleitung von ein wenig Luft oder wenn Sie pressen, als würden Sie versuchen, Stuhl abzusetzen. Manche Ärzte machen das, indem sie eine Hand auf Ihren Bauch legen, um zu fühlen, wie stark sich der Bauch wölbt. In unserer Praxis stellt der Gastroenterologe mithilfe eines Maßbandes fest, um wie viele Zentimeter Ihr Bauchumfang während der Untersuchung zugenommen hat. (Unter normalen Umständen sollte er so gut wie nicht zunehmen.) Doch hier kommt die klinische Beurteilung eines Arztes ins Spiel; gegenwärtig gibt es keine objektiven Kriterien dafür, inwieweit eine Zunahme des Bauchumfangs noch als normal und ab wann sie als nicht mehr normal gilt. Von daher sucht man sich am besten einen Arzt, der mehr Erfahrung mit der APD hat. Solche Ärzte erkennen eine APD leichter, wenn sie sie sehen.
Eine APD behandeln
Die APD gehört nicht zu den Krankheiten, die besonders gut erforscht sind, und zurzeit gibt es keine alleinige Behandlung nach Goldstandard dafür. Gegenwärtig wird sehr individuell behandelt und im Allgemeinen werden mehrere Methoden kombiniert: Medikamente, Ernährungsumstellung und Physiotherapie.
Die medikamentöse Behandlung bei APD
■ Oberflächenaktive Medikamente
Da alles, was den Magen füllt – auch Gas und Luft, die geschluckt wird –, Blähbeschwerden auslösen kann, die mit einer APD einhergehen, verringern Medikamente, die große Gasblasen in klitzekleine Bläschen zerteilen, das Ausmaß der Aufwölbung Ihres Bauches. Diese Medikamente werden als oberflächenaktive Mittel bezeichnet. Freiverkäufliche Arzneimittel mit dem Wirkstoff Simeticon wie zum Beispiel Lefax oder Sab simplex können hilfreich sein, insbesondere, wenn man sie eher vor dem Essen als nachträglich einnimmt. Weniger Gas bedeutet weniger Völlegefühl und das bedeutet, einen weniger aufgetriebenen Bauch. Oberflächenaktive Medikamente werden nicht in den Blutstrom aufgenommen, sie verbleiben vielmehr im Verdauungstrakt. Daher sind sie ausgesprochen sicher und werden gut vertragen, selbst bei regelmäßigem Gebrauch über eine lange Zeit. Bei einigen meiner APD-Patienten ist die Einnahme vor jeder Mahlzeit üblich.
■ Medikamente, die die Nervensignale anpassen
Die APD ist eine Funktionsstörung von Nervensignalen, die zu einem geblähten Aussehen führt. Daher können bei manchen Menschen Medikamente helfen, die jenen anormalen Nervenreflex unterbrechen, der eine übermäßige Muskelentspannung der Bauchdecke bewirkt. Zu den Präparaten dieser Kategorie gehören diejenigen, die zur Behandlung von anderen Störungen bei einem Reizdarmsyndrom (RDS) und funktionellen gastrointestinalen Leiden eingesetzt werden (Ihr Arzt sollte sie kennen), manche Antidepressiva und manche neurologischen Medikamente. Es erscheint zwar paradox, doch bestimmte Muskelrelaxanzien mit dem Wirkstoff Baclofen (im deutschen Sprachraum unter den Handelsnamen Lebic (D), Lioresal (D, A, CH) vertrieben sowie Generika (D, CH); Anm. d. Übers.) scheinen manchen Menschen auch zu helfen. Da alle diese Medikamente Nebenwirkungen haben können, sollten Sie Risiken und Nutzen mit Ihrem Arzt besprechen.
Physiotherapie und Biofeedback
Physiotherapie in Kombination mit einer Biofeedback-Therapie (der Elektromyografie [EMG]) kann zur Stärkung einer schwächeren Bauchwandmuskulatur und zur „Umschulung“ der an der Verdauung beteiligten Nerven und Muskeln eingesetzt werden. Beim Biofeedback befestigt ein entsprechend ausgebildeter Therapeut eventuell Sensoren an den Bauchmuskeln und leitet Sie dann zu einer Reihe von Übungen an, mit denen Sie diese Muskeln entspannen und anspannen. Führen Sie sie nach Anweisung durch, erzeugen die Sensoren entweder eine grafische Darstellung auf einem Videobildschirm oder ein akustisches Signal – etwa eine besondere Art von Piepton –, wodurch Sie sich eine normalerweise unbewusste Muskelfunktion bewusster machen können.
Dann leitet er Sie zu verschiedenen Bewegungen und Kontraktionen an, die auf eine Erhöhung der Muskelspannung abzielen. Wenn Sie die gewünschte Reaktion zeigen, wird dies auf dem Bildschirm sichtbar oder in Form einer bestimmten Tonhöhe hörbar. Dadurch erfahren Sie, ob Sie die jeweilige Übung richtig gemacht haben und können die Bewegung weiter üben, bis Sie sie besser kontrollieren können. Oft bekommen Sie Übungen für zu Hause, um den Muskel zu stärken und Spannung und Tonus aufzubauen.
Die Behandlung einer APD durch die Ernährung
Die Ernährung kann die einer APD zugrunde liegenden Ursache, einen anormalen Darmmuskelreflex, nicht heilen, trotzdem kann die Veränderung Ihrer Ernährungsgewohnheiten dazu beitragen, die Blähsymptome und den aufgeblähten Bauch zu verringern.
■ Essen für einen flacheren Bauch
Auf eine Ernährungsweise umzusteigen, die Nahrungsmittel von weicher Konsistenz umfasst, heißt, dass Sie kleinere, weichere Mahlzeiten anstatt größere, feste zu sich nehmen und kleine Mengen Flüssigkeit anstatt große trinken, um die Ausdehnung des Magens sowie das Erscheinungsbild des Blähbauchs zu verringern. Flüssigkeiten und feste Mahlzeiten/ Zwischenmahlzeiten getrennt voneinander zu sich zu nehmen, ist auch hilfreich.
Ein Frühstück kann sich zum Beispiel über die Dauer von zwei Stunden erstrecken, wobei Sie immer nur jeweils ein paar Bissen essen und Kaffee oder Tee in kleinen Schlucken trinken, damit der Magen im Laufe der Mahlzeit die Möglichkeit hat, sich zu entleeren. Sie können einen Tee oder ein anderes Getränk über eine oder zwei Stunden hinweg trinken, bevor Sie zu Mittag essen, bei dem Sie sich eventuell zwei Stunden Zeit für ein Sandwich von weicher Konsistenz oder ein Sushi nehmen. Vielleicht gibt es einen kleinen, weichen Imbiss am Nachmittag – eine Banane oder einen Joghurt – und dann eine Pause bis zu einem langsamen, gemächlichen Abendessen. (Sie können die Mahlzeit auch nach der Hälfte unterbrechen und später weiteressen, anstatt ein oder zwei Stunden lang am Tisch zu sitzen!) Verteilen Sie Ihre Nahrungszufuhr auf diese Weise, sollten Sie keine Probleme mit Hungergefühlen bekommen. Wenn Sie übermäßig hungrig sind, können Sie Ihre Portionen unmöglich unter Kontrolle halten und langsam essen, und rasch verschlungene große Mahlzeiten führen bei Vorliegen einer APD mit Sicherheit zu schlimmen Blähbeschwerden.
Wenn Sie mit einem gestörten Essverhalten zu kämpfen haben – entweder sehr eingeschränkt essen oder esssüchtig sind – ist es wichtig, dass Sie sich um Ihre Essstörung kümmern, damit es zu einer deutlichen Verbesserung der Blähbeschwerden kommt. Viele meiner Patienten, die sehr kalorienreduziert essen, versuchen, den Magen mit großen Mengen kalorienfreier Flüssigkeiten oder großen Portionen von kalorienarmem Gemüse zu füllen. Dieses Verhalten verschlimmert das Erscheinungsbild des Blähbauchs durch eine APD, denn dieser vollgefüllte Bauch braucht lange, um sich zu entleeren, und sieht in der Zwischenzeit sehr gebläht aus. Die chronische Esssucht wirkt sich ähnlich aus, da sie zu einem ernsthaft überfüllten Bauch führt, der Stunden braucht, um wieder leer zu werden und dazwischen sehr gebläht aussieht. Eine chronische Esssucht kann auch insofern einen „Trainingseffekt“ für die Muskeln der Magenwand haben, als sie sich infolge des regelmäßig übervollen Bauches reaktiv entspannen und sich jedes Mal, wenn Sie essen, auch wenn es normal große Mahlzeiten sind, nahezu automatisch auf eine übermäßige Ausdehnung einstellen. (Die Physiotherapie kann dazu beitragen, diese Muskeln zu stärken und neu zu trainieren, doch das führt nur dann zum Erfolg, wenn das zugrunde liegende esssüchtige Verhalten aufhört).
Beispiel eines Essensplans bei APD
Kaffee oder Tee langsam über eine Stunde hinweg in kleinen Schlucken trinken: 6.30 bis 7.30 Uhr
Das Frühstück über zwei Stunden hinweg ausdehnen: 8.00 bis 10.00 Uhr
Flüssigkeitshaushalt in kleinen Schlucken auffüllen: 10.30 bis 12.00 Uhr
Ein kleines Mittagessen über ein bis zwei Stunden hinweg ausdehnen: 12.30 bis 14.30
Flüssigkeitshaushalt in kleinen Schlucken auffüllen: 15.30 bis 17.00 Uhr
Kleiner, weicher Imbiss: 17.00
Ein kleines Abendessen über ein bis zwei Stunden hinweg ausdehnen: 18.30 bis 20.30
Die Auswahl von Nahrungsmitteln aus der im vorigen Abschnitt über die Gastroparese (sowie ausführlicher in Kapitel 12) beschriebenen Sanften Ernährung für den Gastrointestinaltrakt ist die beste Möglichkeit, die Dehnung des Magens zu verringern und seine Entleerung zu beschleunigen – was beides dazu beiträgt, das geblähte Erscheinungsbild einer APD unter Kontrolle zu halten. Im Gegensatz zu der bei einer GP empfohlenen Ernährungsweise kann die Ernährung bei APD jedoch flüssiger sein. Blättern Sie zu Kapitel 12, wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind; dort finden Sie mehr praktische Ratschläge, auf welche Grundnahrungsmittel Sie sich konzentrieren können und auf welche Sie eher verzichten sollten, weil Sie Ihnen Probleme bereiten können.
Die Veränderung der Konsistenz Ihrer Nahrung und die Verringerung der Menge, die Sie auf einmal zu sich nehmen, wirken sich bei einer APD hinsichtlich des Ausmaßes der Blähbeschwerden oft deutlich aus. Da die Gasbildung im Bauch jedoch ebenfalls zu einer übermäßigen Ausdehnung der Bauchmuskulatur führen kann, finden es manche Menschen hilfreich, die Menge an stark fermentierbaren (Darmgase bildenden) Nahrungsmitteln – wie etwa Bohnen, Rosenkohl und Ballaststoffriegel – ebenfalls einzuschränken. Wenn Sie an einer APD leiden und das Gefühl haben, dass Gas zu Ihrem Blähbauch beiträgt, versuchen Sie es einmal damit, Ihre täglichen Nahrungsmittel mit den Listen der stark FODMAP-haltigen Nahrungsmittel in Kapitel 13 abzugleichen. Stellen Sie fest, dass viele Ihrer Grundnahrungsmittel und Zwischenmahlzeiten für unterwegs unter diese Kategorie fallen, versuchen Sie, einige davon durch FODMAP-arme Alternativen zu ersetzen und schauen Sie, ob das hilft.
KAPITEL 4
Der saure und geblähte Magen: ein Problem mit vielen Gesichtern
Manche Arten von Blähbeschwerden vermitteln das Gefühl, sie seien eher chronischer Natur, andere hingegen sind ausgesprochen situationsbedingt. Die sauren Blähungen aus dem Magen sind eine solche äußerst situationsbezogene Art; typischerweise kommt es dazu, wenn empfindliche Menschen
■ zwischen den Mahlzeiten lange nichts essen und dadurch für ein starkes Hungergefühl sorgen,
■ umfangreiche und/oder sehr fettreiche Mahlzeiten zu sich nehmen,
■ Alkohol trinken, insbesondere auf nüchternen Magen.
Meine Patienten haben oft Mühe, den Auslöser ihrer sauren Blähungen aus dem Magen herauszufinden, denn an einem Tag haben sie mit einem bestimmten Essen überhaupt keine Probleme, an einem anderen Tag führt es aber zu Beschwerden. Versteht man den situativen Kontext, der eine solche Attacke auslöst, hat man oft das fehlende Puzzlestück schon gefunden.
Säurebedingte Verdauungsstörung
Die Verdauungsstörung ist keine medizinische Diagnose, sondern eher eine Beschreibung unangenehmer Symptome, die Sie nach dem Essen bekommen können und Blähungen gehören zu den häufigen Symptomen, die unter den Oberbegriff Verdauungsbeschwerden fallen; die anderen werden nachfolgend beschrieben. Die Verdauungsstörung ist meist die Folge einer medizinisch relevanten zugrunde liegenden Erkrankung, etwa einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), von Magengeschwüren, eines Zwerchfellbruchs (Hiatushernie) und/oder eines Refluxes. Blähbeschwerden, die im Zusammenhang mit einem Reflux oder Verdauungsstörungen auftreten, bezeichne ich als saure Magenblähungen oder saure Blähungen aus dem Magen. Der Begriff verknüpft säurebedingte Probleme, die steuern das Adjektiv sauer bei, mit Blähbeschwerden. Das brachte viele Vermarkter von Antazida, den Produkten gegen zu viel Magensäure, dazu diese Art von Blähbeschwerden als Sodbrennen zu bezeichnen. Gibt es keine erkennbare Krankheit, die Ihre, einer Verdauungsstörung ähnlichen Symptome verursachen, diagnostiziert Ihr Arzt vielleicht eine funktionelle Dyspepsie (s. Kapitel 5).
Eine Verdauungsstörung wird im Allgemeinen durch recht umfangreiche Mahlzeiten hervorgerufen, die sehr viel Fett enthalten, sehr stark gewürzt sind und/oder zu hastig gegessen werden. Durch den Genuss von Alkohol vor einem solchen Essen kann sich dieses Risiko sogar noch erhöhen.
Das Blähgefühl bei säurebedingten Verdauungsstörungen
Manchmal treten Blähbeschwerden unmittelbar nach einer Mahlzeit auf. Typischerweise sind sie schlimmer nach einer großen oder fettreichen Mahlzeit oder wenn Sie lange nichts gegessen haben – etwa, wenn Sie das Frühstück auslassen und erst mittags oder noch später den ersten Happen zu sich nehmen. Die Menschen beschreiben das Gefühl so, als würde ihr Bauch wie ein Luftballon anschwellen, und ziemlich häufig geht auch Aufstoßen damit einher. Manchmal kommen dabei sogar kleine Mengen Mageninhalt mit hoch; die meisten Menschen verstehen das als „ein bißchen Erbrechen in den Mund“. Die Blähbeschwerden sind insofern sehr unangenehm, als die Betroffenen ein übermäßiges Völlegefühl haben. Der gesamte Bauch kann sichtbar aufgetrieben sein, doch häufiger konzentriert sich das Missbehagen auf den oberen Magenbereich, hinter dem Brustbein.
Blähbeschwerden aufgrund einer Verdauungsstörung gehen oft mit einem sauren Reflux einher, der sich als Sodbrennen, Übelkeit, Halsschmerzen oder durch einen sauren/metallischen Geschmack im Mund bemerkbar machen kann. Haben Sie Sodbrennen, verursacht Ihnen diese Art von Blähbeschwerden sogar eher Schmerzen als nur Unbehagen und ein übermäßiges Völlegefühl. In seltenen Fällen könnte es auch zu Erbrechen kommen.
Eine säurebedingte Verdauungsstörung diagnostizieren
Die Verdauungsstörung ist an und für sich keine klinische Diagnose. Und doch sind die Symptome so vorhersagbar, dass die meisten Ärzte sie sofort erkennen.
Endoskopie
Wie in Kapitel 3 (S. 41) beschrieben, ist die Endoskopie eine Untersuchungsmethode, bei der der Gastroenterologe einen mit einer Kamera bestückten Schlauch durch den Mund über die Speiseröhre in den Magen einführt und so diese Organe von innen ansehen kann. Die Untersuchung dauert nur etwa 15 Minuten und wird unter Sedierung (durch eine Beruhigungstablette wird der Patient schläfrig) gemacht. Mithilfe der Endoskopie kann Ihr Arzt sehen, ob bei Ihnen eine Reizung oder Entzündung des oberen Magenbereichs (Gastritis) oder Geschwüre vorliegen oder ob sich der Nachweis einer säurebedingten Schädigung am Magen oder an der Speiseröhre erbringen lässt. Bei dieser Gelegenheit können auch Gewebeproben entnommen werden, damit festgestellt werden kann, ob Sie mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert sind, welches Symptome einer Verdauungsstörung auslösen kann.
Atemtest oder Stuhluntersuchung bei H. pylori
Manchmal veranlassen die Ärzte einen rasch durchzuführenden und nicht invasiven Atemtest oder eine Stuhluntersuchung, anstatt gleich eine Endoskopie zu machen, um festzustellen, ob eine H. pylori-Infektion vorliegt. Ist das Ergebnis positiv, behandeln sie Sie vielleicht zuerst mit Antibiotika, um zu sehen, wie Ihre Symptome darauf ansprechen, bevor sie die invasive Endoskopie in Erwägung ziehen. War dieser Magenkeim die Ursache für Ihre Blähbeschwerden und das Missbehagen im oberen Abdominal-Bereich, sollten die Symptome nach der antibiotischen Behandlung verschwinden. Manchmal jedoch führt die Beseitigung des H. pylori langfristig tatsächlich zu einer Verschlimmerung des Refluxes. Dies ist allerdings eine knifflige Zwickmühle, und in unserer Praxis suchen wir aus genau diesem Grund nicht automatisch gleich nach dem H. pylori. Stattdessen versuchen wir es oft zuerst mit einer Ernährungsumstellung und einigen einfachen frei verkäuflichen Präparaten, bevor wir zur Jagd auf dieses raffinierte Bakterium blasen.
Für den H. pylori-Atemtest kommen Sie nüchtern in die gastroenterologische Praxis und bekommen dann eine harnstoffhaltige Pille. Während des Tests, der nur etwa 15 Minuten dauert, atmen Sie in einen Schlauch, sodass die MTA Proben der in Ihrer Atemluft enthaltenen Gase auffangen und analysieren kann. Sind Sie mit H. pylori infiziert, enthält die Luft, die Sie ausatmen, alle Hinweise, die zur Diagnose nötig sind. Die Blutuntersuchung auf H. pylori steht nicht mehr so hoch im Kurs, denn damit kann nicht zwischen einer akuten und einer vergangenen, bereits überwundenen Infektion unterschieden werden.
Eine säurebedingte Verdauungsstörung behandeln
Die medizinische Behandlung der Verdauungsstörung
Zur Behandlung der Blähbeschwerden aufgrund einer Verdauungsstörung stehen zahlreiche wirksame frei verkäufliche und verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung.
■ Antazida
Diese Präparate sind frei verkäuflich und bieten eine schnell wirkende, doch kurzlebige Erleichterung bei sauren Blähungen aus dem Magen. Sie neutralisieren die Magensäure und unterstützen das Aufstoßen, wodurch der Druck durch das Gas, der zu den Blähbeschwerden beiträgt, abgeschwächt werden kann. Bei den Antazida gibt es viele Alternativen. Kalziumkarbonat-Kautabletten wie beispielsweise Alka Seltzer® gehören wohl zu den bekanntesten. (Sie erfüllen auch eine doppelte Funktion als Kalziumergänzungsmittel, was eine großartige Nachricht für Frauen ist, die sich eventuell Sorgen über die Gesundheit ihrer Knochen machen.) Wenn Sie gerne Kaugummi kauen, verwenden Sie einen ohne Pfefferminze. Sprechen Sie Ihren Apotheker auch auf ein entsprechendes Produkt an, das ein Antazidum und Kalziumkarbonat enthält. Antazida in flüssiger Form, die Magnesiumhydroxid und/oder Aluminiumhydroxid enthalten wie etwa Gaviscon oder Maaloxan, sind ebenfalls wirksam; letzteres enthält auch einen Inhaltsstoff mit Namen Simeticon, der Gasblasen zum Platzen bringt und die Blähbeschwerden zusätzlich lindert. Leiden Sie jedoch an einer Nierenerkrankung, sind Antazida auf Magnesium-Basis eventuell nicht Ihre beste Wahl.
Natriumbikarbonat (auch als Backnatron bekannt) kann die Magensäure ebenfalls wirksam abpuffern. Durch Mischen von Natron mit Wasser können Sie Ihr eigenes Antazidum herstellen, das Erwachsene gefahrlos nehmen können, aber für kleine Kinder nicht geeignet ist. Ein entsprechendes Mischungsverhältnis wäre hier ein Viertel Teelöffel Natron auf eine Tasse Wasser. Eine Alternative sind Alka-Seltzer Plus® Tabletten, die Natriumbikarbonat kombiniert mit Aspirin zur sanften Schmerzbekämpfung enthalten. Wenn Sie allergisch auf Aspirin (und den Wirkstoff Acetylsalicylsäure, Anm. d. Übers.) sind oder eine Unverträglichkeitsreaktion darauf haben oder wenn Sie schon Magengeschwüre durch zu viele nicht-steroidale Schmerzmittel, die sogenannten NSAR, gehabt haben, sind diese eventuell nicht Ihre beste Wahl.
Ein weiterer häufiger säurebindender Inhaltsstoff, Wismutsubsalicylat, wirkt gleichzeitig auch bei Durchfällen, die zusätzlich zu den Symptomen einer Verdauungsstörung im oberen Gastrointestinaltrakt auftreten; es ist unter dem Namen Pepto-Bismol im Handel. Der Wirkstoff kann den Stuhl schwarz färben, seien Sie also nicht beunruhigt, wenn Sie das ein bis zwei Tage nach der Einnahme feststellen. Wenn Sie allergisch auf Aspirin (Acetylsalicylsäure) sind, sollten Sie das Präparat nicht nehmen.
■ H2-Blocker
Eine Wirkstoffklasse, die sogenannten H2-Blocker, greift in die durch Histamin stimulierte Bildung der Magensäure ein; gebräuchliche Medikamente sind hier unter anderem Pepdul (Wirkstoff Famotidin) und Präparate mit dem Wirkstoff Ranitidin, die im deutschsprachigen Raum unter zahlreichen Handelsnamen vertrieben werden [Pylorisin (A), Ranic (A), Ranicux (D), Ranimed (CH), Raniprotect (D), Ranitic (D), Sostril (D), Ulcidin (CH), Ulsal (A), Zantac (A), Zantic (D, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH); Anm. d. Übers.]. Während die oben beschriebenen Antazida ihre Wirkung innerhalb von Minuten entfalten, dauert es bei den H2-Blockern etwa 30 Minuten. Sie hält jedoch wesentlich länger an als bei den Antazida – bis zu zehn Stunden, anstatt nur etwa eine Stunde. Empfindliche Menschen können sie im Voraus nehmen, um Symptome zu vermeiden – etwa abends vor dem Zubettgehen oder morgens vor dem Frühstück. Zur Erzielung einer sofortigen und lang anhaltenden Linderung bei Verdauungsstörungen können Antazida zusammen mit einem H2-Blocker genommen werden; die Wirkung des Antazidums setzt umgehend ein und die des H2-Blockers beginnt, wenn die Wirkung des Antazidums allmählich nachlässt. Da H2-Blocker weitaus weniger Langzeitnebenwirkungen haben als eine andere Klasse von säureunterdrückenden Präparaten, die Protonenpumpenhemmern (PPI), gelten sie als viel sicherer für den Langzeitgebrauch. Das betrifft auch Menschen, die nur gelegentlich eine Verdauungsstörung haben und diese mit einem freiverkäuflichen Arzneimittel vorbeugend behandeln wollen.
■ Protonenpumpenhemmer (PPI)
Wenn Sie an einer chronischen Verdauungsstörung leiden und mit der Refluxkrankheit (GERD) diagnostiziert wurden, könnte Ihr Arzt Ihnen einen Protonenpumpenhemmer (PPI, von engl. proton-pump inhibitor) verschreiben. (GERD steht für engl. gastroesophageal reflux disease, die gastroösophageale Refluxkrankheit, umgangssprachlich auch als Sodbrennen bezeichnet; Anm. d. Übers.) Die generischen Bezeichnungen aller Wirkstoffe dieser Art haben das Suffix -prazol. (Markennamen sind unter anderem Nexium [Wirkstoff Esomeprazol], Antra MUPS (D), Ecomep (CH), Losec (A) [Wirkstoff Omeprazol], Pariet (D) [Wirkstoff Rabeprazol], Gastrozol (D, A), Panprax (CH) [Wirkstoff Pantoprazol] Die Wirkung der Protonenpumpenhemmer besteht darin, dass sie die Menge der von Ihrem Magen gebildeten Magensäure drastisch – und in weitaus höherem Maße als H2-Blocker – reduzieren. Sie verringern auch sehr wirksam die Häufigkeit und Schwere von sauren Magenblähungen, doch unter den richtigen Umständen (oder den falschen, je nachdem, von welcher Seite Sie es betrachten) kann es weiterhin zu dem schnellen Ausbruch meist sehr starker Schmerzen kommen. Zum Beispiel könnte eventuell selbst Ihr PPI einem opulenten Abendessen mit Steaks und viel Alkohol sowie dem anschließenden Zigarrengenuss nicht mehr gewachsen sein.
Sind Sie nicht mit GERD diagnostiziert worden, wäre die Behandlung von gelegentlichen sauren Magenblähungen mit einem Protonenpumpenhemmer so, als würden Sie eine Fliege mit dem Vorschlaghammer totschlagen. Da diese Präparate mit mehr Nebenwirkungen einhergehen können als andere Medikamente zur Eindämmung der Säurebildung, wären sie bei der Behandlung von Symptomen eines sauren Magens nicht die erste Wahl. Sobald Sie beginnen, sie regelmäßig zu nehmen, kann es auch schwierig sein, sie wieder abzusetzen; die Symptome können sich eine Zeit lang verschlechtern, wenn Sie abrupt mit der Einnahme aufhören. Unter anderem erhöht der langfristige Gebrauch von Protonenpumpenhemmern eventuell das Osteoporoserisiko, daher sind Kalzium- und Vitamin D-Ergänzungsmittel wichtig, wenn Sie diese Medikamente länger als nur ein paar Monate nehmen. Außerdem können Sie durch die Präparate anfällig für eine sogenannte bakterielle Überwucherung werden (auch als SIBO bezeichnet, s. Kapitel 8). Diese Risiken sind für Menschen mit GERD im Allgemeinen zumutbar, da ein wichtiger Nutzen überwiegt: Das Risiko von Speiseröhrenkrebs durch eine chronische Schädigung aufgrund der Säure ist geringer. Doch diese Risiken sind eventuell für Menschen, die nicht an GERD leiden, nicht angemessen, da sie ihre Blähsymptome rechtzeitig mit zum Beispiel Alka-Seltzer und einigen Veränderungen bei der Ernährung perfekt handhaben können.
Die Behandlung einer säurebedingten Verdauungsstörung durch die Ernährung
Bei Menschen mit sauren Magenblähungen wirkt eine Ernährungsumstellung wahre Wunder. Sind Sie davon betroffen, kann Ihnen ein wenig Vorbeugung oft die Einnahme eines Medikaments ersparen. Das Ziel, diese Beschwerden durch die Ernährung zu verhindern, erreichen Sie, indem Sie Ihre Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten so planen, dass Ihr Magen nie zu leer und nie zu voll ist.
Ein zu voller Magen kann Ihnen Probleme bereiten. Es dauert lange, bis er sich entleert und macht Sie besonders empfänglich für einen Reflux während dieser längeren Entleerungszeit. Und enthält eine solche umfangreiche Mahlzeit auch noch viel Fett, kommt es praktisch zwangsweise zu einer Entspannung des Muskels, der den Magen und die Speiseröhre voneinander trennt; damit wird das Zurückfließen von Säure in die Speiseröhre möglich und zu Ihren ohnehin schon leidigen Blähbeschwerden kommt das Sodbrennen noch dazu.
Doch meiner Erfahrung nach kann ein zu leerer Magen ebenfalls problematisch sein. Über Jahre hinweg habe ich meinen Patienten dieses Mantra Tausende Male vorgebetet: „Ein leerer Magen ist ein saurer Magen.“ Zu den zuverlässigsten Möglichkeiten, eine Blähattacke durch einen sauren Magen auszulösen, gehört ein zu langer Zeitraum zwischen den Mahlzeiten. Wenn Sie dann endlich essen, kommt es häufig zu einer verdauungsbedingten Überreaktion, egal, was Sie gegessen haben, und diese kann sich in Form von Blähbeschwerden, Aufstoßen, Völlegefühl im Magen, stechenden Schmerzen oder einem allgemeinen Gefühl eines unruhigen Magens zeigen. Entscheiden Sie sich zufällig auch noch dafür, den leeren Magen mit einer großen Portion Salat zu füllen, kann das zu noch mehr Blähbeschwerden und Missbehagen führen als eine Mahlzeit von weicherer Konsistenz, die zur Verdauung weniger Zeit und weniger Säure braucht.
Alle drei Stunden eine kleine Mahlzeit oder eine reichhaltige Zwischenmahlzeit
Am besten vermeiden Sie einen extrem leeren oder extrem vollen Magen, wenn Sie alle drei Stunden eine kleine Mahlzeit oder eine herzhafte Zwischenmahlzeit zu sich nehmen. Sie sollten spätestens alle vier Stunden etwas essen. Häufiger zu essen beruhigt nicht nur den Bauch, es hilft außerdem, den Hunger im Griff zu halten, sodass Sie sich bei der nächsten Mahlzeit mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht überessen. Versuchen Sie, so gut Sie können, Ihre Nahrungsaufnahme möglichst gleichmäßig auf die täglichen Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten zu verteilen, sodass die Menge beim Abendessen nicht sehr viel größer ist, als die, die Sie zum Frühstück oder zum Mittagessen zu sich genommen haben.
Dazu sollten Sie sich überlegen, was als Zwischenmahlzeit infrage kommt. Eine einzelne Banane zwischen Mittag- und Abendessen reicht vielleicht nicht annähernd aus, um Ihren Hunger im Griff zu halten – und damit die Portionsgröße, wenn Sie sich zum Abendessen an den Tisch setzen. Sie sollten auch darauf achten, beim Frühstück nicht nachlässig zu sein, was sich viele meiner Patienten angewöhnt haben. Wenn Sie sich je mit dem Gefühl, halb verhungert zu sein, zum Essen setzen, weil Sie ein zu leichtes Mittagessen zu sich genommen oder überhaupt nicht gefrühstückt haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie nach dieser Mahlzeit mit einem sauren Blähbauch vom Tisch aufstehen. Und schließlich, wenn Sie mehr als vier Stunden nichts gegessen haben, achten Sie darauf, direkt vor der nächsten Mahlzeit eine säuresenkende Kautablette zu nehmen, die Kalziumkarbonat enthält, damit ein wenig von der Magensäure neutralisiert und die Wahrscheinlichkeit von Blähbeschwerden nach dem Essen verringert wird.
Nehmen Sie sich vor üppigen, fetten Mahlzeiten von fester Konsistenz in Acht
Diese Eigenschaften passen vielleicht prima zu einem Türsteher, doch wenn Sie zu sauren Magenblähungen neigen, charakterisieren Sie die schlimmste Ernährungsform. „Umfangreiche“ Mahlzeiten bedeuten große Portionen. Sich zu überessen ist eine todsichere Methode, um eine Attacke von sauren Magenblähungen zu provozieren. Wenn Sie dazu neigen, es bei den Mahlzeiten zu übertreiben, ist es wichtig, so regelmäßig zu essen, dass Sie sich nie mit einem Hungergefühl an den Tisch setzen. Wenn Sie bei Mahlzeiten im Restaurant nicht an sich halten können, bitten Sie darum, dass man Ihnen gleich mit dem Essen eine Mitnahmeverpackung bringt, in die Sie die Hälfte der Vorspeise füllen können, bevor Sie überhaupt anfangen zu essen. Und schließlich, sprechen Sie mir nach: „Hara Hachi Bu.“ (Auf Deutsch: Hör auf zu essen, wenn der Magen zu 80 Prozent voll ist.) Das ist der japanische Ernährungstrick, nur so viel zu essen, bis Sie zu 80 Prozent satt sind. Diese Technik ermöglicht es Ihrem Gehirn, mit dem Magen gleichzuziehen, sodass Sie nicht schon zu viel gegessen haben, bevor Sie Ihrem System genug Zeit gelassen haben, das Gefühl der Sättigung zu registrieren. Die Kunst, soweit zu kommen, dass man nach 80 Prozent Sättigung aufhören kann, erfordert Übung, doch wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit dauerhaft auf dieses Ziel richten, sobald Sie sich an den Tisch setzen, werden Sie wahrscheinlich langsamer essen und damit wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Sie sich überessen.
Es ist bekannt, dass fettreiche Mahlzeiten einen Reflux verursachen und sie können die saure Magenblähung auslösen, die oft damit einhergeht. Fettiges Essen zum Mitnehmen, Pizza mit extra viel Käse, Cheeseburger mit Pommes frites, Nudeln in Sahnesoße, Frittiertes und gegrillte Rippchen gehören zu den fettreichen Grundnahrungsmitteln der amerikanischen Ernährungsweise, die wahrscheinlich für eine Attacke von saurer Magenblähung sorgen. Ich will damit nicht sagen, dass alle fettreichen Nahrungsmittel tabu sein müssen, wenn Sie zu diesem Leiden neigen, doch was ich wirklich empfehle, ist, sie als „Garnierung“ einer ansonsten fettarmen Mahlzeit zu verzehren. Eine Scheibe Käse auf einem Puten-sandwich unterscheidet sich schon sehr von einer Vorspeisenportion frittierter Mozzarella-Sticks. Ein paar Scheiben Speck sind auf einem Sandwich mit Schinken, Salat und Tomate etwas ganz anderes als auf einem fettigen Cheeseburger. Eine oder zwei Kugeln Eiscreme ohne alles auf einem Teller ist nicht dasselbe, wie eine oder zwei Kugeln Eiscreme auf einem großen Stück Schokokuchen ohne Mehl. Wie schon gesagt, nutzen Sie fettreichere Nahrungsmittel, um ansonsten fettarme Mahlzeiten zu garnieren, anstatt deren Fettgehalt damit zu verdoppeln.
„Feste“ Mahlzeiten beziehen sich auf die Konsistenz dessen, was Sie essen. Erinnern Sie sich an das Bild, das ich in Kapitel 3 benutzt habe, mit dem ich Ihren Magen als Mischmaschine beschrieb. Die „Mischmaschine Magen“ muss viel länger heftig mischen, um Nahrungsmittel von grober Konsistenz, etwa Salate, Rohkost, Popcorn und Nüsse zu verflüssigen, als Alternativen von weicher Konsistenz wie gekochtes Gemüse, weiche Maistortillas und Erdnussbutter. Längeres Mischen kann die Wahrscheinlichkeit eines Refluxes und die damit einhergehenden Blähsymptome des oberen Abdomens erhöhen. Wenn Sie ohne etwas Knuspriges nicht leben können und gerne versuchen würden, einige Nahrungsmittel von grober Konsistenz in Ihrer Ernährung beizubehalten – hier sind meine Empfehlungen, wie Sie das angehen können:
■ Meiden Sie Salate in Vorspeisenportionen oder andere große Portionen von rohem Gemüse. Halten Sie sich an Beilagensalate und Portionen in Häppchengröße.
■ Essen Sie Ihr Salathäppchen lieber zum Schluss der Mahlzeit – wie die Franzosen es machen – als am Anfang, wenn Ihr Magen am sauersten ist.
■ Bereiten Sie Salate aus weicheren „Baby-Grüngemüse“ zu, etwa aus Spinat oder Kopfsalat, anstatt aus härteren Blattgemüsen wie Grünkohl, Weißkohl, Friséesalat, Römersalatherzen und Eisbergsalat.
■ Achten Sie darauf, wie Sie andere Nahrungsmittel von grober Konsistenz wie Nüsse und Popcorn vertragen. Bei großen Portionen sind Schwierigkeiten typischerweise vorprogrammiert, in kleinen Portionen vertragen Sie sie dagegen vielleicht, insbesondere, wenn Sie beim Essen einen regelmäßigen Drei-Stunden-Turnus beachten. Wenn Ihnen selbst kleine Portionen Probleme bereiten, suchen Sie nach den wei- cheren Versionen dieser Nahrungsmittel, die in Kapitel 12 beschrieben werden.
■ Kauen Sie alle Nahrungsmittel von fester Konsistenz ganz besonders gut. Tun Sie einfach so, als würden Sie sie für ein Kleinkind vorkauen; bevor Sie sie schlucken, sollten sie immer weich und fast püreeartig sein.
Wenn die Strategien bezüglich der Portionsgröße und des zeitlichen Ablaufs Ihrer Mahlzeiten, wie sie in diesem Kapitel beschrieben wurden, Ihre saure Magenblähungen nicht in zufriedenstellendem Maß bessern, würde ich es mit der in Kapitel 12 beschriebenen Sanften Ernährung für den Gastrointestinaltrakt versuchen.
Kein Alkohol auf leeren Magen
Alkohol reizt den Magen direkt und entspannt auch den Pylorus, den Pförtnermuskel, der den Magen von der Speiseröhre trennt. Trinken Sie Alkohol auf einen leeren, relativ sauren Magen und haben danach einen Reflux, geht es Ihnen richtig schlecht, und die sauren Blähbeschwerden können schon nach ein paar kleinen Schlucken auftreten. Wenn Sie Alkohol trinken möchten, ist es wichtig, zuerst eine Kleinigkeit zu essen. Essen senkt den Magensäurespiegel und kleidet eventuell auch Ihre Magenschleimhaut aus. Sie sollten sich beim Trinken auch zurücknehmen und übermäßigen Alkoholgenuss vermeiden. Und schließlich, wenn Sie nach einer ausgedehnten, alkoholseligen Partynacht im Bett liegen, sollten Sie klugerweise etwas Alka-Seltzer und einen H2-Blocker auf dem Nachtkästchen liegen haben, um sie sich in den Mund zu stecken, bevor Sie in den Schlaf sinken. Am nächsten Morgen werden Sie mir für diesen Rat dankbar sein.
Es gibt noch eine andere Art von Blähbeschwerden, die genau wie die in diesem Kapitel beschriebene saure Magenblähung durch Essen hervorgerufen wird, doch im Gegensatz zu dieser reagiert sie nicht zuverlässig auf die Unterdrückung der Säure. Kommt Ihnen das bekannt vor, lesen Sie Kapitel 5, um zu sehen, ob die Beschreibung Ihrer persönlichen Blähbeschwerden besser zu einer „funktionellen Dyspepsie“ passt.
KAPITEL 5
Der belastete, gestresste, aber nicht geblähte Bauch: Funktionelle Dyspepsie
Manche Arten von Blähbeschwerden, deren Ursachen im Magen liegen, können zu einem sehr viel schlechteren Befinden führen, als das äußere Erscheinungsbild vermuten lässt. In Kapitel 3 haben wir einige solcher Beschwerden besprochen, die zu einer sichtbaren Zunahme des Bauchumfangs führen – einer Vorwölbung, die die Betroffenen fast wie schwanger aussehen lässt. Doch es gibt eine Art, die mit einem inneren Druck- und Völlegefühl einhergeht, bei der der Bauch aber keine dazu passende große äußerliche Veränderung zeigt. Und im Gegensatz zur in Kapitel 4 beschriebenen sauren Magenblähung, die Symptome im selben oberen Abdominal-Bereich verursacht, sind diese Blähbeschwerden nicht mit säurebedingten Problemen wie Reflux oder Sodbrennen verbunden. Hier handelt es sich um etwas, das Fachleute als funktionelle Dyspepsie bezeichnen; wir benutzen dafür einfach das Kürzel FD.
Die funktionelle Dyspepsie (FD)
Der Begriff funktionell weist darauf hin, dass bei der FD die Nerven und Muskeln des Magens nicht ordnungsgemäß arbeiten, obwohl sie nicht durch eine strukturelle Krankheit beeinträchtigt sind. Sie mögen zum Beispiel ein quälendes Unbehagen im Oberbauch spüren, doch Ihr Arzt findet keinen Hinweis auf Geschwüre, Entzündungen oder einen Reflux, die dieses Gefühl verursachen könnten. Sie spüren vielleicht eine Anspannung, einen Druck oder hören das gluckernde Geräusch von umherwanderndem Gas, doch bei der Untersuchung kann Ihr Arzt kein übermäßiges Gas feststellen. Sie haben nach dem Verzehr kleiner Mengen eventuell ein Völlegefühl, doch die Entleerungszeit Ihres Magens erweist sich als normal. Alles scheint in Ordnung zu sein – woher also könnten diese Beschwerden kommen?
Es gibt viele Erklärungen für die ausgeprägten Oberbauchbeschwerden, die Menschen mit einer FD empfinden. Eine wahrscheinliche Ursache ist, dass sich Ihr Magen nach einer Mahlzeit nicht richtig ausdehnen kann. Ein leerer Magen ist etwa faustgroß. Doch wenn wir zu essen beginnen, sollte er sich erheblich ausdehnen können, um eine große Menge Nahrung aufzunehmen. Der Magen von FD-Patienten kann sich jedoch vielleicht nicht genügend entspannen, wenn sich Essen über die Speiseröhre ankündigt, und davon wird insbesondere der Bereich des Oberbauchs in Mitleidenschaft gezogen, sodass Sie selbst nach einer bescheidenen Nahrungsmenge ein unangenehmes Völlegefühl verspüren.
Eine andere Ursache für die Blähbeschwerden durch eine FD ist möglicherweise eine Störung des Nahrungsflusses durch den gesamten Magen. Dieser Nahrungsfluss sollte stetig und in gleichmäßigem Tempo erfolgen. Bei einer Messung mit dem gastrischen Entleerungs-Scan ist die Entleerungszeit Ihres Magens vielleicht normal (die Beschreibung dieser Untersuchung finden Sie in Kapitel 3), doch die Nahrung, die Sie zu sich nehmen, verweilt möglicherweise ein wenig zu lange im oberen Magenabschnitt, bevor sie zum unteren Abschnitt weiterwandert. Dann gäbe es noch die Variante, dass die Nahrung durch die gestörte Magendehnung sogar sehr rasch in den unteren Magenabschnitt gelangt, weil oben kein Platz für sie ist. In letzterem Fall könnte es zu schmerzhaften Blähbeschwerden im unteren Magenbereich kommen.
Schließlich und endlich können Menschen mit einer FD in ungewöhnlich hohem Maße empfindlich auf Dinge reagieren, die den Magen stimulieren, etwa Nahrungsmittel, Verdauungsgase oder Gewürze. Während jemand, der nicht an einer FD leidet, eine geringe, den oberen Magenbereich passierende Menge Gas gar nicht spüren würde, empfindet jemand mit einer FD, der eine verstärkte Schmerzreaktion im Verdauungstrakt hat, dieselbe Menge Gas vielleicht als unglaublich unangenehm.
Das Blähgefühl bei einer funktionellen Dyspepsie
Blähbeschwerden durch eine FD verdichten sich meist im Oberbauch, gleich hinter dem Brustbein. Meine Patienten beschreiben sie als unangenehmes Völle-, Spannungs- und Druckgefühl, das nach dem Essen im Allgemeinen unverändert oder schlechter ist. Das Völlegefühl passt nicht immer zu der Menge, die Sie gegessen haben, selbst wenn Sie wenig essen, können Sie sich zu voll fühlen. Jedoch werden die Symptome durch sehr große Portionen oder fettreiche Mahlzeiten auf jeden Fall sehr verschlimmert. Die Intensität der Blähbeschwerden variiert stark; manche Menschen nehmen vielleicht nur ein chronisches, leichtes Unbehagen wahr, während andere über heftige Schmerzen klagen. Manche verspüren auch Übelkeit, doch im Allgemeinen kommt es nicht zu Erbrechen.
Ein großer Unterschied zwischen der FD und den meisten anderen Arten von Blähbeschwerden, die vom Magen ausgehen, besteht darin, dass das Empfinden sehr viel schlimmer ist als das äußerliche Erscheinungsbild. Sie spüren vielleicht ein unglaubliches Völle- und Druckgefühl, doch wenn ein Freund oder eine Freundin Ihre Taille kontrolliert, dann behauptet er oder sie steif und fest, dass Sie aussehen wie immer.
Ein weiteres Merkmal der Blähbeschwerden durch eine FD ist, dass diese nicht mit Sodbrennen einhergehen und nur bedingt auf Säureblocker wie zum Beispiel Nexium, Zantac (A), Sostril (D), Zantic (D, CH) und andere sowie Pepcid akut reagieren – oder überhaupt nicht darauf ansprechen. Bei manchen Patienten kommt es zwar zu einer geringfügigen, doch nicht vollständigen Linderung von Symptomen, wenn sie Antazida-Kautabletten nehmen, die Kalziumkarbonat enthalten, doch das liegt meist daran, dass diese Präparate zufällig auch Aufstoßen hervorrufen, und dadurch das schmerzhafte Druckgefühl etwas erleichtert wird.
Und schließlich: Blähbeschwerden durch die FD gehen nicht mit veränderten Stuhlgewohnheiten einher, werden aber durch Stuhlgang auch nicht besser. Selbst Menschen mit einer FD, die zudem an chronischer Verstopfung leiden, geht es im Bereich des oberen Magens nicht viel besser, wenn sich der Stuhlgang wieder normalisiert. Auch Hormone beeinflussen solche Blähbeschwerden nicht besonders; bei Frauen scheinen sie sich in allen Phasen ihres Menstruationszyklus nicht bemerkenswert zu verändern.
Die funktionelle Dyspepsie diagnostizieren
Die funktionelle Dyspepsie wird wie alle anderen funktionellen Störungen, die das Verdauungssystem betreffen, aufgrund einer Gruppe von Symptomen diagnostiziert, auf die sich eine Ärztekommission aus der ganzen Welt verständigt hat. Die FD ist eine klinische Diagnose, das heißt, es gibt keine gute Untersuchungsmethode dafür und wird manchmal gestellt, nachdem andere wahrscheinliche Möglichkeiten durch verfügbare Untersuchungsmethoden ausgeschlossen wurden.
Wenn Untersuchungen zum Beispiel zeigen, dass Sie einen Reflux, Geschwüre oder eine Helicobacter pylori-Infektion haben, würde die Diagnose FD nicht gestellt werden, denn es gibt eine zugrunde liegende Krankheit, die für Ihre Blähbeschwerden verantwortlich sein könnte. Zeigen Untersuchungen, dass bei Ihnen eine verzögerte Magenentleerung (oder Gastroparese, s. Kapitel 3) vorliegt, würde die Diagnose FD ebenfalls nicht gestellt werden, weil Ihr frühes Sättigungsgefühl einer anormal langsamen Magenentleerung geschuldet sein könnte.
Angenommen, die Ärzte haben eine zugrunde liegende Krankheit als Ursache Ihrer Symptome ausgeschlossen, stellen sie die Diagnose FD aufgrund dessen, dass Sie von chronischen, anhaltenden Oberbauchbeschwerden berichten, die nichts mit Ihren Stuhlgewohnheiten zu tun haben. Doch bevor es zu dieser Diagnose kommt, werden Sie sich voraussichtlich einigen Untersuchungen unterziehen müssen.
Endoskopie
Wenn Sie mit Oberbauchschmerzen in die Praxis kommen, will Ihr Arzt wahrscheinlich überprüfen, ob es sich um ein säurebedingtes Problem handelt. Im Allgemeinen ist eine Endoskopie der erste Schritt in diesem Prozess. Wie in Kapitel 3 beschrieben, handelt es sich dabei um ein Verfahren, das unter milder Sedierung durchgeführt wird. Der Gastroenterologe führt einen Schlauch mit einer daran befestigten Kamera durch den Mund über die Speiseröhre in den Magen ein, damit er sich diese Organe komplett von innen ansehen kann. Die Untersuchung dauert nur etwa 15 Minuten. Durch die endoskopische Überprüfung von Magen und Speiseröhre und die parallele Entnahme von Gewebeproben, die als Biopsie bezeichnet wird, kann Ihr Arzt feststellen, ob Entzündungen oder Geschwüre vorliegen. Diese Gewebeproben können auch auf das lästige Bakterium Helicobacter pylori untersucht werden, das Entzündungen und Geschwüre verursacht. Bei einer FD sehen Speiseröhre und Magen völlig normal aus.
Atemtest zur Feststellung von Helicobacter pylori
Manchmal wird vor einer Endoskopie zuerst ein schnell durchzuführender und nicht invasiver Atemtest gemacht, um das Vorliegen einer Helicobacter pylori-Infektion festzustellen. Ist er positiv, bekommen Sie eventuell Antibiotika, damit Ihr Arzt sieht, wie Ihre Symptome darauf ansprechen, bevor er die invasive (und auf jeden Fall teurere!) Endoskopie in Betracht zieht.
Für den Atemtest kommen Sie nüchtern in die gastrologische Praxis, bekommen eine Pille oder ein Pulver, aufgelöst in einer harnstoffhaltigen Flüssigkeit. Während des 15-minütigen Tests atmen Sie in ein Rohr, sodass die medizinisch-technische Assistentin (MTA) die Atemproben sammeln und analysieren kann. Bei einer H. pylori-Infektion enthält Ihre Ausatemluft alle Hinweise, die zur Diagnosestellung erforderlich sind. Die Blutuntersuchung auf H. pylori wird nicht mehr empfohlen, weil damit nicht zwischen einer akuten und einer vergangenen, bereits abgeklungenen Infektion unterschieden werden kann.
Testen des pH-Wertes in der Speiseröhre
Ihr Arzt möchte eventuell überprüfen, ob ein Reflux, ein Säurerückfluss, für Ihre Symptome verantwortlich ist, und dafür stehen zwei Möglichkeiten offen. Bei beiden wird über einen gewissen Zeitraum der pH-Wert in Ihrer Speiseröhre bestimmt.
Zum 24-Stunden-pH-Test gehört die Kontrolle des Säurespiegels in der Speiseröhre über 24 Stunden, die Ösophagus-pH-Metrie – dies ist oft die Untersuchung der Wahl. Sie wird in der gastroenterologischen Praxis durchgeführt, wobei ein dünner Schlauch durch die Nase in die Speiseröhre vorgeschoben wird. An der in den Körper eingeführten Schlauchspitze befindet sich ein kleiner Sensor, der den pH-Wert in Ihrer Speiseröhre misst. Das andere Ende des Schlauches, das sich außerhalb des Körpers befindet, wird an ein tragbares elektronisches Aufzeichnungsgerät angeschlossen, das Sie 24 Stunden bei sich tragen. Am folgenden Tag wird der Schlauch in der Praxis wieder entfernt, und der Arzt wertet die Aufzeichnungen des Gerätes aus. Anhand der Daten kann er sagen, ob es sich bei Ihnen um einen Reflux handelt. Haben Sie eine FD, fällt dieser Test normal aus und zeigt keine Anzeichen eines Refluxes.
Es gibt noch einen weiteren Test, mit dessen Hilfe ein Reflux festgestellt werden kann (die BRAVO Kapsel-pH-Metrie), dessen zusätzlicher Vorteil es ist, dass er den pH-Wert in der Speiseröhre ganze 48 Stunden überwacht – also doppelt so lang wie der eben beschriebene Test – und damit die Chancen erhöht, einen Zusammenhang zwischen Ihren Symptomen und dem pH-Wert der Speiseröhre zu finden. Er wird während der Endoskopie gemacht, Ihr Arzt befestigt eine kleine Kapsel in der Schleimhaut Ihrer Speiseröhre. Diese überträgt Daten auf ein tragbares Aufzeichnungsgerät, das Sie zwei Tage lang bei sich haben. Außerdem führen Sie während des Tests ein Ernährungstagebuch und erfassen alle Ihre Symptome, wie etwa Sodbrennen. Dieser Test kann helfen zu unterscheiden, ob die Schmerzen oder Beschwerden in Ihrem Oberbauch mit einem Reflux oder mit einer funktionellen Dyspepsie zusammenhängen, denn Ihr Arzt kann anhand der Aufzeichnungen des Geräts überprüfen und feststellen, ob Sie zu den Zeiten, als Sie von Oberbauchschmerzen berichteten, tatsächlich einen Reflux hatten.
Der gastrische Entleerungs-Scan
Hat Ihr Arzt aufgrund Ihrer Beschreibung den Verdacht auf eine verzögerte Magenentleerung, weil Sie Übelkeit empfinden oder selbst bei ganz geringer Nahrungsaufnahme sehr schnell ein Völlegefühl haben, veranlasst er eventuell einen gastrischen Entleerungs-Scan (GES), der auch unter dem Namen gastrische Entleerungs-Szintigrafie bekannt ist. Damit wird bestimmt, wie lange feste Nahrung oder Flüssigkeiten für die Magenpassage brauchen; eine detaillierte Beschreibung finden Sie in Kapitel 3 im Abschnitt Gastroparese.
Bei Menschen mit einer FD entleert sich der Magen in normaler Geschwindigkeit, doch manchmal finden sich in einem unauffälligen Entleerungstest Hinweise auf eine FD, weil er die Fließgeschwindigkeit des Speisebreis durch den gesamten Magen erkennen lässt. Zum Beispiel könnte der Radiologe anhand des 4-Stunden-Tests feststellen, dass der Speisebrei oder eine Flüssigkeit auffällig lang braucht, um vom oberen Magenabschnitt in den unteren zu gelangen.
Die funktionelle Dyspepsie behandeln
Die medizinische Behandlung der funktionellen Dyspepsie
Es gibt eine Vielzahl von frei verkäuflichen und verschreibungspflichtigen Medikamenten, die – einzeln oder in verschiedenen Kombinationen miteinander genommen – helfen, mit den Blähbeschwerden durch eine FD umzugehen. Je nach Art Ihrer Symptome empfiehlt Ihnen Ihr Arzt die geeigneten Alternativen, mit denen Sie es versuchen können. Die Namen des Wirkstoffs stehen in Klammern.
■ Frei verkäufliche Präparate (OTC-Präparate)
Die kostengünstigsten, sichersten und zugänglichsten Präparate zur Linderung von Blähbeschwerden sowie Völle- und Spannungsgefühlen im Oberbauch sind oberflächenaktive Medikament (sogenannte Entschäumer) wie Lefax oder Sab simplex oder ihre Generika (Wirkstoff: Simeticon). Sie können große Gasblasen, die den Magen dehnen, in kleinere Gasblasen zerteilen, die den Verdauungstrakt schneller passieren können. In manchen Medikamenten, die mehrfach wirken, befindet sich eine Kombination von Simeticon und säureneutralisierenden Inhaltsstoffen. Meiden Sie dabei solche, die zum Beispiel nach Minze schmecken, da diese einen Reflux verursachen kann. Ihr Apotheker kann Ihnen bei der Wahl der entsprechenden Präparate behilflich sein.
Oberflächenaktive Medikamente werden nicht in den Blutstrom aufgenommen, sie verbleiben vielmehr im Verdauungstrakt. Daher sind sie ausgesprochen sicher und gut verträglich. Wir raten unseren Patienten mit einer FD, sie präventiv vor einer Mahlzeit zu nehmen, anstatt zu warten, bis sie sich bereits aufgebläht fühlen. Man kann diese Präparate mehrmals täglich vor dem Essen nehmen.
■ Serotonin-Blocker
Bestimmte Medikamente binden an die Rezeptoren für ein Hormon mit Namen Serotonin und ahmen seine regulierende Wirkung auf die Nerven des Verdauungssystems nach. Sie bessern nachweislich die Symptome einer FD. Sie können insbesondere die Dehnbarkeit des Magens erhöhen und die überempfindliche Schmerzreaktion des Abdomens dämpfen. Diese Präparate werden für eine Vielzahl von anderen Krankheiten entwickelt und verschrieben, doch sie können auch nützen, wenn sie außerhalb der von der Arzneimittelbehörde zugelassenen Indikationen eingesetzt werden (off-label-use), wie eben bei Symptomen einer FD.
Eines dieser Medikamente ist Zofran (Wirkstoff Ondansetron), das normalerweise als Antiemetikum, also gegen Übelkeit und Erbrechen, vermarktet wird. Es hilft speziell Menschen mit einer FD gegen ihre chronische Übelkeit. Es kann etwas Verstopfung verursachen, doch diese Nebenwirkung ist zu bewältigen. Ein weiteres Beispiel ist das Anxiolytikum (zur Verminderung übermäßiger oder krankhafter Ängste), das in Deutschland unter den Handelsnamen Anxut, Busp und Bespar (Wirkstoff Buspiron) verkauft wird; es wirkt leicht beruhigend auf die Magenmuskeln, entspannt den oberen Abschnitt des Magens und verbessert die Magendehnungsreaktion beim Essen. Typischerweise wirkt es am besten, wenn man es etwa 15 Minuten vor einer Mahlzeit einnimmt. Ein Migränemedikament, das im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Imigran (Wirkstoff Sumatriptan) im Handel ist, erweist sich bei der Besserung von Symptomen einer FD ebenfalls als vielversprechend. Es hat jedoch eventuell mehr Nebenwirkungen als die vorher genannten Alternativen und ist im Allgemeinen bei der Behandlung nicht das Mittel der ersten Wahl.
■ Antidepressiva
Wenn Ärzte bei funktionellen Problemen des Verdauungssystems Antidepressiva empfehlen, missinterpretieren das Patienten manchmal dahingehend, dass ihr Arzt sie für verrückt hält oder meint, die Symptome spielten sich „alle nur in ihrem Kopf“ ab. Das ist nicht so! Spezielle Medikamente aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva (TZA) scheinen sich durch die Regulierung des Spiegels zweier an der Schmerzreaktion beteiligten Hormonen – Serotonin und Noradrenalin – direkt auf den Verdauungstrakt auszuwirken. Entsprechende Präparate, die zu diesem Zweck verschrieben werden, etwa Elavil und Laroxyl (Wirkstoff Amitryptilin) werden weltweit vertrieben, im deutschsprachigen Raum ist der Wirkstoff unter anderem unter dem Namen Saroten im Handel. Aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen, zu denen auch die Verstopfung gehört, werden Antidepressiva von manchen Menschen nicht gut vertragen.
■ Prokinetika
Prokinetische Präparate sind konzipiert, um die Peristaltik anzuregen, sie sorgen dafür, dass der Magen sich häufiger kontrahiert und dadurch schneller entleert. Somit verringern sich die Blähbeschwerden, das Völlegefühl, der Appetitmangel und die Übelkeit. Ein solches Medikament ist zum Beispiel Motilium (Wirkstoff Domperidon), das nachweislich bezüglich der Verringerung der Symptome am erfolgversprechendsten ist.
Die Behandlung einer funktionellen Dyspepsie durch die Ernährung
Eine Ernährungsumstellung allein ist nicht der Königsweg bei Blähbeschwerden und Missbehagen durch eine FD; eine Veränderung Ihrer Essgewohnheiten kann jedoch in Bezug auf die Schwere der Beschwerden und Schmerzen sehr viel bewirken.
Essen Sie kleine, fettarme Mahlzeiten von weicher Konsistenz
Wenn Sie an einer FD leiden, sollten Sie Ihre Nahrungsmittel und die Konsistenz Ihrer Mahlzeiten daraufhin auswählen, wie viel Ausdehnung auf einmal Sie Ihrem Magen dabei zumuten und wie sie diese in Grenzen halten. Kleinere Portionen führen zu einer geringeren Dehnung als große, daher kommt es zu weniger Blähbeschwerden, wenn Sie alle drei bis vier Stunden kleine Mengen, anstatt drei „ordentliche“ Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen. Der Imbiss nach dem Abendessen, sozusagen das „Betthupferl“, ist eine häufig gepflegte Angewohnheit, die die Blähbeschwerden bei einer FD verschlimmern kann. Ich habe festgestellt, dass die Betroffenen abends oft zu viel essen, weil sie tagsüber zu wenig gegessen haben; die Patienten verfallen häufig in dieses Muster, weil sie Angst haben, während der Arbeit Symptome zu bekommen, doch das wird zu einem Teufelskreis. Daher ist es besonders wichtig herauszufinden, wie Sie Ihre Essgewohnheiten tagsüber so verträglich gestalten können, dass Ihr Hunger am Abend früher gestillt ist und Sie zufriedener sind.
Wenn es für Sie schwierig ist, ausreichend Kalorien aufzunehmen, damit diese kleineren Mahlzeiten Sie entsprechend sättigen, können Sie zwischendurch nahrhafte Getränke für den Flüssigkeitshaushalt in kleinen Schlucken zu sich nehmen. Beispiele sind hierfür durch Proteine angereichertes Kokoswasser oder Kaffeegetränke, Wasser, dem Sie Proteinpulver mit Fruchtgeschmack hinzufügen oder ein flüssiger Mahlzeitenersatz oder ein Proteingetränk.
Die Konsistenz Ihrer Nahrung spielt auch eine Rolle dabei, wie viel Dehnung Sie Ihrem ziemlich unbeweglichen, ganz besonders reizempfindlichen Magen zumuten. Volumenbildende Nahrungsmittel, die viele Ballaststoffe von grober Konsistenz enthalten, können bei einer FD sehr starke und schmerzhafte Blähbeschwerden verursachen; einige Beispiele sind Salate (und rohe Gemüse im Allgemeinen), Krautsalate und Nüsse sowie Müsliriegel mit ganzen Nüssen, Studentenfutter, Knuspermüsli und große Portionen von festen oder zähen Trockenfrüchten. Ein an einer FD leidender Bauch mag lieber etwas Weiches, Geschmeidiges, Cremiges und Püriertes. Die Nahrungsmittel, die Sie am besten vertragen, sind vermutlich solche wie Bananen, Erdnussbutter, Apfelmus, Papayas, Joghurt, Obst-Smoothies, Instant-Haferflocken, pürierte Gemüsesuppen, Omeletts, Avocados, fettarmer Aufschnitt, etwa von der Pute, und Sushi. In Ihrer Ernährung ist jedoch ganz sicher auch Platz für ein paar knusprige Nahrungsmittel, solange sie sich beim Kauen leicht verflüssigen lassen. Reiswaffeln, Kräcker und viele Marken von Frühstücksflocken sollten diesem Anspruch ziemlich gut gerecht werden.
In Kapitel 12 wird eine Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt, die ich bei einer FD empfehle, ziemlich detailliert und umfassend besprochen; das Kapitel beinhaltet auch Listen mit den magenschonendsten und problematischsten Nahrungsmitteln, geordnet nach Nahrungsmittelgruppen. Vorschläge für Mahlzeiten und Rezepte sind ebenfalls enthalten. Schlagen Sie es schon mal auf, wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind und holen Sie sich praktischen Rat, welche Nahrungsmittel sich großartig als Grundnahrungsmittel eignen und welche Ihnen eventuell Probleme bereiten.
Trinken Sie langsam und trinken Sie nicht zu den Mahlzeiten
Flüssigkeiten zusammen mit Mahlzeiten sind eine Kombination, die zu einem übermäßigen Völlegefühl im oberen Magenbereich führen kann. Manchen FD-Patienten wird davon auch ziemlich übel. In solchen Fällen empfehle ich, 15 Minuten vor dem Essen nichts mehr zu trinken und nach dem Essen mindestens eine Stunde zu warten, bevor Sie Ihren Flüssigkeitshaushalt wieder auffüllen.
Sie sollten auch darauf achten, dass Sie niemals hastig trinken, ein Glas nicht in einem Zug leeren und Getränke nie gierig in sich hineinschütten. Trinken Sie sie stattdessen schluckweise über einen gewissen Zeitraum, idealerweise mit einem Strohhalm. Wenn Sie eine große Menge Flüssigkeit hastig in Ihren dyspeptischen Magen kippen und dabei noch zusätzlich Luft schlucken, so ist das eine todsichere Methode, um die Blähbeschwerden zu verstärken. Es tut mir leid, dass ich die Überbringerin schlechter Nachrichten bin, doch die Tage, in denen Sie ein Glas Bier praktisch in einem Zug getrunken haben, sind vorüber. Achten Sie auch besonders auf die Art und Weise der Flüssigkeitszufuhr, wenn Sie Sport treiben; die meisten Menschen trinken während eines intensiven Work-outs üblicherweise hastig große Mengen Wasser und schlucken dabei zusätzlich Luft, weil sie in der Folge schwer und schnell atmen.
Achten Sie beim Thema Getränke auch darauf, wie es Ihnen geht, wenn Sie Kaffee getrunken haben; bei manchen Menschen mit einer FD können sich die Symptome verschlimmern.
Es mag wie ein schwieriger Balanceakt erscheinen, Medikamente, Mahlzeiten und Flüssigkeiten so zu kombinieren, dass die Magendehnung möglichst wenig stimuliert wird. Durch Versuch und Irrtum werden Sie einen täglichen Rhythmus finden, mit dem Sie Ihre Symptome mit oder ohne Hilfe von Präparaten am besten unter Kontrolle bekommen. Ein täglicher Rhythmus könnte zum Beispiel so aussehen:
Beispiel für einen Essensplan an Werktagen bei einer funktionellen Dyspepsie
6.30 bis 7.30: Trinken Sie langsam Ihren morgendlichen Kaffee (wenn Sie ihn vertragen), Tee oder Ihr Wasser nach dem Aufstehen.
7.45 bis 8.30: Eine Simeticon-Tablette nehmen, dann frühstücken
10.00 bis 11.15: Auf Wunsch Wasser in kleinen Schlucken für den Flüssigkeitshaushalt.
11.30 bis 12.30: Eine Simeticon-Tablette nehmen, dann kleines Mittagessen.
13.30 bis 14.30: Auf Wunsch Wasser in kleinen Schlucken für den Flüssigkeitshaushalt
14.45 bis 15.30 Zwischenmahlzeit am Nachmittag
16.30 bis 17.30 Auf Wunsch Wasser in kleinen Schlucken für den Flüssigkeitshaushalt
18.00 bis 20.00: Eine Simeticon-Tablette nehmen, dann kleines Abendessen
21.00 und später: Warmer Fenchel- oder Ingwertee (auf Wunsch) in kleinen Schlucken
Meiden Sie alles, was den Magen reizt
Da bei einer FD manche Beschwerden und Schmerzen durch übermäßig empfindliche Nerven verursacht werden, können Ihre Symptome durch alles, was Sie zu sich nehmen und was diese Nervenendigungen stimuliert oder reizt, verschlechtert werden. Zu den häufigsten Stimulanzien gehören Alkohol (jeder Art) und würziges Essen; darauf sollten Sie am besten verzichten, soweit Sie dazu bereit sind und so gut Sie es können. Die regelmäßige Verwendung von nicht steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR) wie Aspirin, Ibuprofen und Naproxen (in Deutschland und im deutschsprachigen Raum als Proxen (D, A, CH) im Handel; Anm. d. Übers.) zur Schmerzbekämpfung kann auch problematisch sein, da sie die Fähigkeit des Magens beeinträchtigen, seine schützende innere Schleimhautschicht zu erhalten.
Die Geschichte von Anthonys funktioneller Dyspepsie: Lebenslanger Wechsel von Schlemmen oder Hungern holt ihn schließlich ein
Anthony war ein Herr Ende Fünfzig, der von seinem Gastroenterologen an mich verwiesen wurde, weil er fast täglich nach dem Abendessen Symptome schwerer Blähbeschwerden hatte. Das Problem hatte er schon seit etwa zehn Monaten, allerdings hatte er davor lange mit Reflux zu tun gehabt. Dennoch beharrte er darauf, dass sich die Blähbeschwerden von den Refluxattacken unterschieden. Letztere führten zu Sodbrennen, Aufstoßen und schweren Schmerzen im oberen rechten Quadranten des Abdomens. Das Problem mit den Blähbeschwerden war etwas ganz anderes: Es gab kein Sodbrennen und kein Aufstoßen, sondern eher ein so unangenehmes Völlegefühl, dass er nach dem Abendessen eine gefühlte Ewigkeit um den Block ging, einfach nur, damit es besser wurde. Die Blähbeschwerden begannen beim Essen innerhalb von Minuten und hielten stundenlang an.
Anthonys Arzt machte eine Endoskopie, bei der alles normal aussah – es gab keine Anzeichen eines Refluxes. Als nächstes empfahl er ihm, vor dem Abendessen ein Entblähungsmittel zu nehmen, doch das half nicht. Antazida halfen auch nicht. Nachdem Anthony erwähnt hatte, dass er sich nach einem geschäftlichen Aufenthalt in Italien kurz zuvor – wo sich sein Speiseplan sehr von dem zu Hause unterschied – großartig fühlte, schickte sein Arzt ihn zu mir, um zu sehen, ob ich vielleicht daraus schlau wurde.
Als ich Anthony kennenlernte, schwärmte er nostalgisch von der Zeit, als er noch jünger war. In seinen Dreißigern und Vierzigern ging er jeden Morgen ins Fitnessstudio, ließ das Frühstück aus, ließ das Mittagessen aus und kam gegen 17.30 heißhungrig nach Hause. Er stopfte alles in sich hinein, was ihm vor die Augen kam, bis er sich mit seiner Familie später am Abend zu einer hausgemachten italienischen Mahlzeit an den Tisch setzte – nach der er sich satt und zufrieden, aber nicht unbehaglich fühlte. Doch in seinen Fünfzigern veränderte sich etwas. Durch dieses Essverhalten begann er zuzunehmen – im Laufe der letzten zehn Jahre waren es gut 13 Kilogramm und hin und wieder bekam er Anfälle von Sodbrennen und refluxbedingten Schmerzen durch diese abendlichen Schlemmereien. Rotes Fleisch war besonders problematisch. Er reagierte auf die Veränderung damit, dass er sich mittags ein schnelles Sandwich schnappte und etwas weniger und früher zu Abend aß. Das veränderte Essmuster schien gegen den Reflux zu helfen.
Doch ein paar Jahre später setzten trotz der Veränderung seines Ernährungsverhaltens diese neuen Blähattacken nach dem Abendessen ein. Als wir einen typischen Tag in Anthonys Leben durchgingen, erfuhr ich, dass er den Tag mit ein paar Tassen Kaffee begann (und sich danach gut fühlte), gegen Mittag ein Sandwich mit Thunfisch oder Roastbeef plus ein paar Kekse aß (und sich danach immer noch gut fühlte). Das Abendessen wurde gewöhnlich in einem Restaurant eingenommen und bis es um 19 Uhr soweit war, hatte er richtig Hunger. So startete er einen Angriff auf die Schale mit den Nüssen auf dem Tresen der Bar, während er sich einen Cocktail gönnte, und bestellte dann eine volle Vorspeisenportion, zu der er noch zwei oder drei Gläser Wein trank. Dieses Essmuster unterschied sich schon ganz erheblich davon, was er in Italien zu sich nahm, wo er den Tag mit einem Milchkaffee und ein paar Brötchen mit Butter und Marmelade begann, woraufhin er sich etwa vier Stunden später zu einem zweigängigen Mittagessen an den Tisch setzte, das aus Nudeln und einer Vorspeise mit Fisch und Gemüse bestand. Die Portionen, so merkte er an, waren von der Größe her eher europäisch als amerikanisch. Gegen 16.00 gab es eine Kaffeepause, in der er sich wieder einen Milchkaffee und dazu ein paar Kekse genehmigte. Als es auf das Abendessen gegen 20.00 zuging, verspürte er nur wenig Hunger und nahm eine Mahlzeit ein, die von der Größe her etwa dem Mittagessen entsprach, dazu gab es nur ein Glas Wein.
Mir war sofort klar, dass es Anthony am besten ging, wenn er etwa alle drei bis vier Stunden maßvoll aß, anstatt zu warten, bis er so hungrig war, dass er am Abend große Mengen auf einmal in sich hineinstopfte. Weniger Alkohol zum Abendessen schien ihm auch besser zu tun. Anthonys Magen war besonders empfindlich gegenüber Alkohol und konnte nicht mehr problemlos große Mengen auf einmal aufnehmen. Von daher führten große Portionen am Abend in Verbindung mit vier oder fünf alkoholischen Getränken zu diesem übermäßigen Völlegefühl im oberen Abdomen. Das alles hörte sich nach einem wahrscheinlichen Fall von funktioneller Dyspepsie an.
Ich beriet Anthony dahingehend, dass es nun an der Zeit sei, den Tag mit einem Frühstück zu beginnen und nachmittags immer eine Zwischenmahlzeit zu sich zu nehmen, sodass seine Nahrungsaufnahme gleichmäßig über den Tag verteilt wäre und sich nicht auf den Abend konzentrieren würde. Er musste sich mit ein wenig Hunger, aber nicht halb verhungert zum Abendessen setzen, sodass er die Kontrolle über die Menge hatte, die er zu sich nahm. Ich schlug auch vor, dass er sich an Nahrungsmittel von weicherer Konsistenz hielt, etwa die für die Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt (Kapitel 12), sodass sich sein Magen etwas zügiger leeren kann und um die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Völlegefühls zu verringern. Schließlich nahmen wir uns Anthonys Alkoholkonsum vor und ich wies darauf hin, dass es ihm besser ginge, wenn er die abendliche Alkoholmenge auf maximal zwei Gläser beschränken würde.
Nach dieser ersten Zusammenkunft sah ich Anthony nie mehr wieder, also nahm ich an, er machte sich erst gar nicht die Mühe, meine Empfehlungen auszuprobieren – oder er hatte sie ausprobiert und nicht hilfreich gefunden. Es würde schon ziemlich schwierig sein, ein Essverhalten zu ändern, das über so viele Jahrzehnte eingewurzelt war, und es kann ebenso schwer sein, Alkohol zu reduzieren, insbesondere im gesellschaftlichen Rahmen. Doch drei Wochen später erhielt ich eine Mitteilung von Anthonys Gastroenterologen. Er hatte tatsächlich alle meine Empfehlungen umgesetzt und berichtet, er fühle sich „um Klassen besser – es war ein Unterschied wie Tag und Nacht“. Seine immer wiederkehrenden abendlichen Bläh- und Oberbauchbeschwerden waren verschwunden – und er hatte obendrein mehr als zwei Kilogramm abgenommen! Die „Moral von der Geschichte“ ist, dass wir schließlich alle von solchen extremen Ernährungsgewohnheiten eingeholt werden. Unsere Verdauungsfunktion verändert sich mit zunehmendem Alter und manchmal müssen wir unsere Art zu essen ändern, um sie diesem Umstand anzupassen.
Wenn sich Ihre Blähbeschwerden definitiv so anfühlen, als seien sie auf den Bereich des Oberbauchs konzentriert, aber mit sehr viel mehr Aufstoßen verbunden und weniger essensabhängig als die Umstände, die wir bisher besprochen haben, dann gehen Sie zum nächsten Kapitel über, um zu sehen, ob das an einer Aerophagie, dem Schlucken von Luft, liegen könnte.
KAPITEL 6
Blähbeschwerden mit heftigstem Aufstoßen: Aerophagie
Aerophagie
Aerophagie ist der lateinische Fachbegriff für „Luftschlucken“, und damit ist dieser Zustand so ziemlich umfassend beschrieben. Aus einem von verschiedenen möglichen Gründen neigen Sie dazu, große Mengen von Luft zu schlucken, die den Magen füllt und einen unangenehmen Druck sowie eine Überdehnung verursacht. Die Luft, die Sie nicht durch Aufstoßen wieder loswerden können, setzt ihren Weg durch den Verdauungstrakt fort und führt im Darm ebenfalls zu einem unangenehmen Druck und einer Überdehnung, bis sie durch das Abgehen von Winden ihren Weg nach draußen findet. Das liegt daran, dass der Stickstoff in unserer Atemluft, wenn wir ihn schlucken, nicht in den Blutstrom diffundieren und über die Lunge abgeatmet werden kann. Geschlucktes Stickstoffgas kann den Körper nur über das Aufstoßen oder den Abgang von Winden verlassen.
Das Blähgefühl bei Aerophagie
Zur Aerophagie gehört ein gewisses Maß an sichtbarer Aufblähung des Bauches, die meist von einem charakteristischen, verräterischen Symptom begleitet wird, nämlich von Attacken unkontrollierten Aufstoßens. Wohlgemerkt, das sind keine zurückhaltenden, lautlosen kleinen Rülpser. Sie sind laut, deftig, kraftvoll, kommen scheinbar aus heiterem Himmel und oft in einer unkontrollierbaren, sich wiederholenden Welle ein Dutzend Mal in der Minute oder öfter hintereinander. In manchen Fällen kann das Aufstoßen den ganzen Tag dauern und die Arbeit sowie das soziale Miteinander beeinträchtigen. Die Blähbeschwerden selbst können mit stechenden Schmerzen durch das Gas einhergehen, das sich so ziemlich überall im Abdomen befindet – im oberen oder im unteren Bereich –, je nachdem, wo sich die geschluckte Luft in Ihrem Verdauungssystem gerade befindet.
Menschen mit einer Aerophagie neigen eventuell dazu, nachts im Schlaf, beim Sprechen, beim Essen oder Trinken, beim Singen einer Opernarie sowie beim Rauchen Luft zu schlucken oder einfach, während sie umhergehen und nichts weiter tun als atmen. Daher können zu jeder Tageszeit Blähbeschwerden und Aufstoßen aufgrund einer Aerophagie auftreten, was mit Mahlzeiten einhergehen kann, aber nicht muss. Stress kann die Beschwerden verschlimmern. Werden Ihre Blähbeschwerden durch das Schlucken von Luft beim Essen verursacht, kann innerhalb von Minuten anfallsweises Aufstoßen einsetzen, und möglicherweise fühlen Sie sich dann auch ein wenig kurzatmig. Eine Aerophagie wird häufig mit einem Reflux verwechselt, wenn sie nach dem Essen einsetzt, doch das Weglassen von bestimmten Nahrungsmitteln oder die Einnahme von Antazida führen nicht zu einer Besserung.
Es kommt oft vor, dass Blähbeschwerden durch eine Aerophagie morgens am wenigsten auffällig sind und sich erst im Laufe des Tages aufbauen, doch es gibt natürlich Ausnahmen, in denen die Beschwerden durch Luftschlucken nachts im Schlaf verursacht werden, etwa durch Schnarchen oder den Gebrauch eines CPAP-Geräts bei Schlafapnoe. (Bei der Schlafapnoe handelt es sich um periodische Atemaussetzer im Schlaf; CPAP steht für engl. continuous positive airway pressure. Die CPAP-Therapie kombiniert die Spontanatmung mit einem dauerhaften, während der Ein- und Ausatmung aufrechterhaltenen Überdruck; Anm. d. Übers.)
Manche Menschen mit einer Aerophagie leiden auch unter einem übermäßigen Abgang von Winden, und es kann durchaus vorkommen, dass sie aufgrund ihres durch zu viel Gas aufgeblähten Bauches etwas unter Verstopfung leiden. Es gibt keine speziellen Nahrungsmittel, die eine Aerophagie auslösen würden, es sei denn, Sie neigen dazu, beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel mehr Luft zu schlucken – zum Beispiel, wenn Sie eine heiße Suppe essen.
Die Aerophagie diagnostizieren
Ihr Arzt kann eine Aerophagie eventuell einfach dadurch diagnostizieren, dass er Sie zu Ihren Symptomen und dem Zeitpunkt ihres Auftretens befragt, Ihre Anamnese auf Risikofaktoren überprüft und/oder Zeuge einer Rülpserattacke wird. Er veranlasst vielleicht eine Röntgenaufnahme Ihres Abdomens, auf der oft zu sehen ist, dass sich Gas im Magen oder im Darm befindet. In manchen Fällen könnte er umfangreiche Untersuchungen vornehmen, um einen Reflux oder andere Krankheiten auszuschließen, bevor er zur Diagnose Aerophagie kommt. In unserer Praxis schicken wir einen Patienten mit der Verdachtsdiagnose Aerophagie eventuell zum Logopäden, um seine Schluckfunktion hinsichtlich Abweichungen beobachten und beurteilen zu lassen, welche für das vermehrte Schlucken von Luft verantwortlich sein könnten.
Die Aerophagie behandeln
Um eine Aerophagie wirksam behandeln zu können, muss Ihr Arzt herausfinden, ob Ihr Problem eher verhaltensbedingt oder psychischer Natur ist und dann die Behandlung entsprechend darauf ausrichten. Haben Sie eine Angst- oder Zwangsstörung, schlucken Sie vielleicht einfach öfter als normal Speichel hinunter, hyperventilieren Sie (Sie atmen zu schnell), wenn Sie Angst bekommen, oder Sie entwickeln andere Arten von nervösen Tics – etwa das Schniefen –, was zum Schlucken von zu viel Luft führen kann. (Überraschenderweise kommt das tatsächlich bei Kindern mit Blähbeschwerden häufig vor.) Wenn Sie Läufer sind oder einen anderen Ausdauersport betreiben, schlucken Sie eventuell Luft bei intensivem Training oder wenn Sie im Fitnessstudio hastig Wasser trinken. Leiden Sie unter jahreszeitbedingten Allergien oder Nasennebenhöhlenentzündungen, die ein sogenanntes Postnasales-Drip-Syndrom nach sich ziehen, bei dem Schleim aus der Nase in den Rachen läuft, schniefen Sie vielleicht den ganzen Tag, ohne es zu merken und schlucken dabei Luft.
Physiologisch gesehen könnte das Luftschlucken auch an Ihrer Art zu schlucken liegen. Benutzen Sie wegen einer Schlafapnoe ein CPAP-Gerät, könnte der Druck nicht richtig eingestellt sein, sodass verstärkt Luft in die Speiseröhre anstatt in die Luftröhre gelangt; eine andere Möglichkeit wäre, dass Sie die falsche Art von Maske benutzen.
Die medizinische Behandlung einer Aerophagie
Medizinische Behandlungen bei Aerophagie müssen auf die Ursache ausgerichtet sein, damit sie wirken können.
■ Verhaltenstherapie
Ist die Ursache der Aerophagie psychisch bedingt, etwa aufgrund einer durch Angst ausgelösten Hyperventilation, wird manchmal eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie verordnet. Alternativ kann es auch hilfreich sein, Techniken der Zwerchfellatmung (auch Bauchatmung, Anm. d. Übers.) zu erlernen – einer Art des langsamen, tiefen Atmens.
Die Zwerchfellatmung können Sie in Meditationskursen oder in Sitzungen bei einem Physiotherapeuten, einem Logopäden oder einem kognitiven Verhaltenstherapeuten erlernen. Es gibt auch zahlreiche kostenlose Lehrvideos und bebilderte Schritt für Schritt-Lernprogramme im Internet, die Sie anschauen und nach denen Sie üben können.
■ Anxiolytika – angstlösende Medikamente
In manchen Fällen empfiehlt Ihr Arzt vielleicht ein Anxiolytikum, um einige der unwillkürlichen nervösen Tics unter Kontrolle zu bringen, die zu einer Aerophagie führen können. Es stehen viele Alternativen zur Verfügung, und die wissenschaftliche Forschung lässt darauf schließen, dass sich zahlreiche von ihnen bei Patienten mit einer Aerophagie als wirksam erweisen. Ihr Arzt wird diejenige auswählen, die zu Ihrer Anamnese sowie zu den medizinischen Überlegungen aufgrund der gesundheitlichen Gesamtsituation passt.
■ Antispasmodika – krampflösende Medikamente
Ein paar kleine Studien legen nahe, dass ein Muskelrelaxans, der muskelentspannende Arzneistoff Baclofen (der unter verschiedenen Namen im Handel ist: Lebic (D), Lioresal (D, A, CH) sowie Generika (D, CH); Anm. d. Übers), bei manchen Menschen mit einer psychisch bedingten Aerophagie helfen kann, Blähbeschwerden und Aufstoßen zu verringern.
■ Oberflächenaktive Medikamente
Wie bereits in den vorherigen Kapiteln beschrieben, zerteilen sogenannte oberflächenaktive Präparate (Entschäumer) mit dem Wirkstoff Simeticon große Gasblasen im Verdauungstrakt in kleinere, die den Verdauungstrakt schneller passieren und dabei weniger Schmerzen und Dehnung verursachen. Ich empfehle meinen Patienten, eine Simeticon-Tablette zu nehmen, unmittelbar bevor sie essen oder Sport treiben, den häufigen Auslösern von Beschwerden. Dieses frei verkäufliche Medikament kann problemlos mehrmals täglich genommen werden.
Die Behandlung einer Aerophagie durch Ernährung (und Lebensweise)
Es folgen Empfehlungen bezüglich der Ernährung und der Lebensweise, die ich meinen Aerophagie-Patienten gebe. Sie wirken jedoch nur bei den Patienten, deren Blähbeschwerden durch das Schlucken von Luft beim Essen, Trinken oder Rauchen verursacht werden.
■ Meiden Sie Kaugummi.
■ Geben Sie das Rauchen auf.
■ Nehmen Sie Flüssigkeiten möglichst nur mit einem Strohhalm zu sich.
■ Essen Sie langsam.
■ Sprechen Sie nicht während des Kauens/Essens.
■ Wenn Sie die Nahrung so gut gekaut haben, dass Sie sie schlucken können, drücken Sie das Kinn in Richtung Brust (als würden Sie auf Ihren Bauchnabel hinunterschauen). So kann keine Luft mitgeschluckt werden.
Die Geschichte von Ellies Aerophagie: Unablässige Anfälle von Schluckauf und Aufstoßen
Ellie war eine 28-jährige Frau, die von ihrer Gastroenterologin zu mir geschickt wurde, an die sie sich mit einem seltsamen Problem gewandt hatte: Schluckauf. Seit sie eine äußerst aufreibende Arbeit als Produktionsassistentin für eine tägliche Fernsehshow angenommen hatte, wurde sie von unablässigen Schluckauf-Attacken und lautem Aufstoßen geplagt. Sie gingen mit Blähbeschwerden und druckartigen Schmerzen im Oberbauch, direkt hinter dem Brustbein, einher. Manchmal konnte sie hören, wie das Darmgas in ihrem Unterbauch rumorte, obwohl ihr Stuhlgang eigentlich normal war.
Ellie wachte morgens auf und fühlte sich wohl und auch nach dem Frühstück ging es ihr noch gut. Angesichts ihres Arbeitspensums – sie konnte sich kaum Zeit nehmen, um zur Toilette zu gehen – schlang sie mittags meistens innerhalb von ein paar Minuten an ihrem Schreibtisch ein Sandwich hinunter. Unmittelbar danach setzten die Blähbeschwerden und das Aufstoßen ein und hielten bis zu acht Stunden an. Sie stellte fest, dass jede Art von Kaugummi ebenfalls zu einer schlimmen Attacke führte. Natürlich waren Ellie diese Symptome bei der Arbeit äußerst peinlich. Im Laufe der Zeit lernte sie, dass sie die Blähbeschwerden viel schneller loswurde, wenn sie etwas Warmes trank, sich ein paar Minuten hinlegte und sich auf tiefes, langsames Atmen konzentrierte, aber das war bei ihrer temporeichen Arbeit nicht realistisch und so kam es dazu, dass sie bis zu zwei Mal in der Woche früher nach Hause gehen musste. Seltsamerweise hatte Ellie diese Attacken niemals an den Wochenenden und sie zerbrach sich den Kopf, um herauszufinden, was sie anders machte, wodurch sich die Veränderung erklären ließ. Aß sie an den Wochenenden anders? Gab es Unterschiede bei der Schlafdauer, wie schnell sie aß oder in Bezug auf den Stresslevel?
Ihre Ärztin hatte anfangs den Verdacht, die Blähbeschwerden, das Aufstoßen und der Schluckauf seien durch einen Reflux verursacht, möglicherweise, weil sie mittags zu viel zu schnell aß oder weil bestimmte kritische Nahrungsmittel in ihrem Essen enthalten waren, etwa Fett oder Knoblauch. Aber nachdem sie es einen Monat lang mit einem Antazidum (ein Mittel zur Neutralisierung der Magensäure, Anm. d. Übers.) versucht hatte und häufige Auslöser eines Refluxes – wie Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten, Kaffee und Schokolade – wegließ, veränderten sich ihre Symptome nicht. Also versuchte ihre Ärztin es mit einem anderen Ansatz: Sie verschrieb ihr ein angstlösendes Präparat, das sich auch krampflösend auf die glatte Muskulatur des Verdauungstrakts auswirkt. Dadurch gingen Häufigkeit und Schwere ihrer Blähbeschwerden sowie das Aufstoßen/die Schluckauf-Attacken definitiv zurück, doch die Patentlösung war es auch noch nicht.
Als Ellie mir ihre ganze Geschichte erzählte, hatte ich den deutlichen Verdacht, dass wir es gerade mit einem Fall von Aerophagie zu tun hatten. Da ihre Symptome ganz zuverlässig immer nach dem wochentäglichen Mittagessen auftraten, egal was sie aß – und nie an Wochenenden, egal was sie aß –, schien es mir unwahrscheinlich, dass ein spezielles Nahrungsmittel oder ein Inhaltsstoff daran schuld war. Ich vermutete, dass ihre Blähbeschwerden dadurch verursacht wurden, wie sie aß und nicht dadurch, was sie aß. Ich glaubte, dass sie Luft schluckte, wenn sie in höchster Eile ihr Mittagessen hinunterschlang – und vielleicht auch, weil sie einen nervösen Tick entwickelt hatte, da sie sich die ganze Zeit so gestresst bei ihrer Arbeit fühlte. Die Tatsache, dass Ellie an ihren (entspannten) Wochenenden keine Symptome hatte und dass sie ihre Symptome beenden konnte, wenn sie ein paar Minuten Pause machte, um sich auf ein tiefes, langsames Atmen zu konzentrieren, waren gewichtige Hinweise.
Aufgrund dieser Verdachtsmomente machten wir ein kleines Experiment: Ellie war einverstanden, zwei Wochen lang eine Simeticon-Kautablette zu nehmen, bevor sie etwas aß und das Kinn in Richtung Brust zu drücken, bevor sie etwas Festes oder Flüssiges herunterschluckte, um das übermäßige Schlucken von Luft zu vermeiden.
Zehn Tage lang funktionierten Simeticon und der Trick beim Schlucken – und zwar gut. Fast zwei herrliche Wochen lang hatte sie eine hundertprozentige Linderung ihrer Symptome. Doch dann kamen ihre alten Blähbeschwerden, das Aufstoßen und der Schluckauf wieder. Aufgrund von Ellies vielversprechender Reaktion auf das Simeticon-Experiment, wusste ihre Ärztin jetzt allerdings, was zu tun war: Sie verschrieb ihr ein Muskelrelaxans, Baclofen, das manchmal zur Behandlung einer Aerophagie eingesetzt wird, und schickte Ellie zum Erlernen der Techniken der Zwerchfellatmung zu einem kognitiven Verhaltenstherapeuten. Mit der Zugabe des zweiten Medikaments klappte es; die Blähbeschwerden und das Aufstoßen hörten vollständig und dauerhaft auf. Da Ellie allerdings die Chance hat, zu erlernen, wie sie ihre Atmung und ihr Schlucken in stressigen Situationen mit den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie unter Kontrolle bringt, ist ihre Ärztin optimistisch, dass sie die Medikamente, die ihr im Moment Erleichterung bringen, eines Tages allmählich wieder wird absetzen können
Dieses Kapitel schließt die Arten von Blähbeschwerden, die aus dem Magen kommen, ab. Falls bei Ihnen noch keine Saite angeschlagen hat, keine Angst! Wir sind auf dem Weg zum Darm, wo wir in Bezug auf Blähbeschwerden noch viel vor uns haben!
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