Kitabı oku: «Die Weisheit der Bienen»
Das Buch
Dass Delfine, Pferde oder Hunde intelligente Wesen sind, ist heute anerkannt. Aber Bienen? Die telepathischen "Gesprächs"-Protokolle der Tierkommunikatorin Tatjana Adams zeigen uns die Bienen als hochintelligente, gemeinschaftsfähige Wesen, die vor Kraft und Lebenslust nur so strotzen. Doch leiden sie unter den Eingriffen des Menschen in die Natur inzwischen in einem Maß, das bedrohlich ist - für die Bienen wie für die Menschen. Denn ohne Bestäubung keine Vermehrung, keine Früchte und keine pflanzliche, gesunde, kraftvolle Nahrung!
Unbeirrt davon versuchen die Bienen, sich auf diese Veränderungen einzustellen und ihre Aufgabe im Kreislauf des Lebens so gut es geht zu erfüllen, als wollten sie uns daran erinnern: Unsere eigene Vitalität und Gesundheit können wir nur bewahren, wenn wir der Natur mit Respekt und Liebe begegnen. Schließlich sind wir selbst aus dieser Natur gemacht. Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir letztlich uns selbst.
Die Autorin
Tatjana Adams ist Physiotherapeutin und Kindertherapeutin - neben Kindern spielten Tiere in ihrem Leben immer eine zentrale Rolle. Schon mit drei Jahren beschloss sie, kein Fleisch mehr zu essen. Dem Thema "Tierkommunikation" stand sie zunächst sehr skeptisch gegenüber, bis ein Gespräch mit ihrer Hündin ihr Leben nachhaltig veränderte. Seither beglückt sie die Kunst, mit Tieren zu sprechen, jeden Tag aufs Neue. Tatjana Adams lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, ihren Bienen, Hühnern und anderen Tieren auf dem Land an der Ostseeküste.
Tatjana Adams
Die Weisheit der Bienen
Wie Honigbienen uns und die Welt sehen

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Die Bienen
Umweltgifte
Respekt
Benutzung
Im Stock
Aila
Mariella
Harro
Clarissa
Hugo
Ezmeralda
Chloé
Karima
Blumen
Das Fliegen
Die Sinne
Fühlen
Sehen
Sich selbst wahrnehmen
Verstoffwechselung
Tagesgedanken
Sich verändern
Die Welt entdecken
Lebenszyklen
Das Leben lieben
Appetit
Über die Luft
Biene und Bienenvolk
Überlebenskünstler
Geben und Nehmen
Schlusswort
Nachwort
Informationen für Bienenneulinge
Danksagung
Impressum

Vorwort
Die Biene.
Ein Jahrtausende altes Tier.
Den einen begeistert sie - den anderen verschreckt sie.
Fakt ist, dass sie für das Gefüge der Welt von entscheidender Bedeutung ist! Das wird leider erst jetzt, wo es der Biene sehr schlecht geht, deutlich.
Sie ist das drittwichtigste Nutztier - nach Schwein und Huhn. Ich glaube, das ist sehr vielen Menschen gar nicht klar.
Sie leistet enorme Bestäubungsarbeit bei sämtlichen Blüten und sorgt so für Artenreichtum und Ertrag.
Ohne Bestäubung keine Vermehrung unzähliger Pflanzen und keine Früchte.
Ohne Früchte wird es eng für so manches Tier (auch für uns!!!), die Nahrungskette wird erheblich gestört.
Die Biene verrichtet ihre Arbeit still, leise und unendlich fleißig. Aber ihr Organismus ist sensibel und durch verschiedene Einflüsse ist sie in große Not geraten.
Ein Bienensterben hat begonnen, dem der Mensch verzweifelt entgegenzuwirken versucht.
Mit diesem Buch wünsche ich, ebenfalls einen Beitrag dazu zu leisten, die Biene zu erhalten und ihr ihre Lebenskraft zurückzugeben. Und natürlich auch, die Achtung vor ihr und ihrem Werk zu erhöhen.
Ich hoffe, es gelingt.
Es ist mir durchaus bewusst, dass die Tierkommunikation ein strittiges Thema in der Öffentlichkeit ist. Das liegt daran, dass sie schwer nachweisbar ist, weil sie auf dem Weg der Telepathie funktioniert.
Das bedeutet - ich erwähne das für alle diejenigen, die noch nie Kontakt mit Tierkommunikation hatten, - dass mir die folgenden Kapitel von den Bienen auf mentaler Ebene diktiert wurden. Es sind die Gedanken der Bienen, es ist ihre Sichtweise auf das Leben. Und das hat nichts mit dem Summen zu tun, das wir als Laute von ihnen wahrnehmen.
Für viele klingt das sicher verrückt.
Das verstehe ich sogar. Aber ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es in der modernen Welt etliches gibt, was nur für einige wenige wirklich verständlich ist. Wer von Ihnen kann zum Beispiel erklären, wie eine so riesige Datenmenge auf einen kleinen USB-Stick passen kann und warum das dann als Film oder Musik wieder herauskommt?!
Ich nicht.
Doch das stellt niemand in Frage, da es im Zweifelsfall erklärbar und beweisbar und außerdem ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden ist.
All das trifft für die Tierkommunikation nicht zu. Ich freue mich aber, wenn Sie sich dennoch auf diese kleine Reise in die Bienenwelt einlassen und sie im besten Fall sogar genießen!
Ich erlebe, dass glücklicherweise immer mehr Menschen der Tierkommunikation mit großer Offenheit begegnen und erkennen, dass Tiere - wie wir - eine Seele und eine Persönlichkeit haben.
Besonders Tierhalter, die mit ihrem eigenen Tier sprechen und den Zauber einer solchen Kommunikation fühlen durften, verändern ihre Haltung.
Und nicht selten ergeben sich nach einer solchen Kommunikation sogar spürbare Verhaltensänderungen beim Tier.
Was aber beim Haustier noch möglich und nachvollziehbar ist, erscheint beim Nutztier schon schwieriger - und bei einem Insekt fast unmöglich - ja, fast absurd. Ist es aber nicht.
Ich wünsche mir, dass die Menschen verstehen, dass wirklich jedes Lebewesen großen Respekt verdient. Auch, wenn man es bisher vielleicht nicht besonders mochte oder ihm keine große Beachtung geschenkt hat.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit den Gedanken meiner Bienen.
Tatjana Adams

Die Bienen
Wir haben uns entschlossen, an deinem Buch mitzuarbeiten. Wir sehen es im Interesse aller.
Wir möchten ganz klar nicht unser eigenes Wohl in den Vordergrund stellen.
Aber es dürfte inzwischen jedem klargeworden sein, dass es so nicht weitergeht. Die Entwicklungen, die die Zeit mit sich bringt, sind unerfreulich und Fortschritt wird zum Rückschritt, zum Stillstand, zum Tod.
Ihr wollt immer mehr. Das scheint auch erstmal bequem. Ist aber leider kurzsichtig.
Wir funktionieren als Ganzes. Und nur so.
Alleine könnte keine von uns bestehen. Und wir nehmen uns auch nicht so wichtig. Wir sind Teil der Kette, Teil des Systems. Alles, was wir in unserem Leben tun, dient allen.
Es gibt nichts, was aus reinem Eigennutz geschieht. Darin sehen wir keinen Sinn, so sind wir nicht programmiert.
Allerdings heißt das nicht, dass nicht jeder auch gut für sich selbst sorgt! Auch wir kennen Genuss und erfreuen uns an dem Reichtum der Natur.
Fleiß und Genuss schließen einander nicht aus. Wir finden im Normalfall die Balance zwischen dem Dienste an der Gemeinschaft und der Gesunderhaltung unserer selbst.
Leider haben sich auch da die Dinge sehr verändert.
Umweltgifte
Wir kommen nicht mehr mit …
An gewisse Dinge kann man sich auch als kleiner Bienenorganismus gewöhnen. Der Körper schafft den Ausgleich. Aber wenn das Maß zu groß wird, entgleist etwas in einem.
Oder der Gesamtorganismus unseres Volkes leidet. Die einzelnen Bienen mögen noch okay sein, aber das sensible System der Gemeinschaft wird gestört.
Wir haben wirklich versucht, mit eurer Welt Schritt zu halten. Aber das ist das Schlimme: Ihr habt die Welt nach euren Bedürfnissen geformt, sie wirklich euch zu eigen gemacht. Der Preis dafür ist, dass andere aussteigen müssen, weil für sie kein Platz mehr ist. So habt ihr das nicht gewollt - aber es ist die Konsequenz. Ihr nehmt Einfluss auf den Lauf der Dinge und tragt somit die Verantwortung für das, was geschieht.
Manche von euch sind wie betäubt. So wie die Biene nach einer Giftaufnahme. Nicht ganz sie selbst. Davon gibt es bei euch so einige.
Und ich hab das Gefühl, etwas steuert euch fremd. Ich weiß nicht, was da die Kontrolle übernimmt - aber gute Mächte sind es gewiss nicht.
Ihr könntet sonst nicht so handeln, wie ihr es tut!
In dem Zustand seid ihr euch ausschließlich selbst am nächsten.
DAS IST NICHT GUT!!!!! So ist die Welt nicht gestrickt.
Einige begreifen das schon - aber das sind noch viel zu wenige.
Wir haben keine Angst um unsere Existenz.
Sollten wir gehen, ist das eben so. Für die, die bleiben, ist es häufig viel schwieriger.
Ihr müsst dann sehen, wie ihr die Lücke überwindet - so es denn möglich sein sollte.
Dazu können wir keine Auskunft geben. Alles, was wir wissen, ist, dass wir einen festen Platz in der Schöpfung haben und dass unser Anteil am Wohle ALLER!!! nicht gering ist. Bei all den Folgen denkt ihr auch wieder nur an euch. Aber was bedeutet es für die anderen Tiere???
Keine Früchte mehr bedeutet keine Nahrung mehr. Oder zumindest ein sehr reduziertes Angebot.
Wahrscheinlich wird es irgendwie weitergehen. Aber die Farbe der Schöpfung verblasst. Das ist nicht gut. Den "Gelähmten" unter euch wird das nicht sehr auffallen. Sie sind so betäubt von Genussmitteln und anderen Früchten des Fortschritts, dass ihnen das Verblassen der Farbe nicht auffallen wird. Sie werden es höchstens schmerzlich am Konsum merken, der sich zwangsläufig verändern muss.
Aber alle anderen werden vielschichtig leiden.
Ich will jetzt hier nicht schwarzmalen oder Unkenrufe ausstoßen. Ich stelle lediglich Tatsachen fest.
Respekt
Wo bitteschön ist euer Respekt vor dem Leben!?!
Es fängt schon ganz banal an! Wer von euch hat wirklich Respekt vor dem eigenen Leben??
Das Leben ist ein WUNDER! Und ein ganz großes Geschenk.
Wer von euch sieht das so?
Und hier ist der Haken. Wenn jemand keinen Respekt vor dem eigenen Leben hat, wird er keinen Respekt vor fremdem Leben haben.
Wenn jemand nicht gut für sich selbst sorgt, wird er auch nicht gut für andere sorgen. Gut im Sinne von Wertschätzung und Achtung.
Ich meine damit nicht, euch selbst zu versorgen. Das schafft ihr alle irgendwie.
Wir wünschen uns mehr Respekt. Vor uns und vor unserem Beitrag, den wir für alle leisten.
Erscheint euch etwas bedrohlich, wird es vernichtet.
Wir greifen zwar auch an, wenn wir das Gefühl haben, uns verteidigen zu müssen.
Aber das ist doch anders. Wir spielen immer mit offenen Karten und gehen mutig in den Kampf.
Und wir setzen immer auch unser Leben ein. Du oder ich. Das ist die Devise.
Das ist ein Naturgesetz.
Im Normalfall sind wir sehr friedfertig. Aber wenn uns Gefahr droht, handeln wir spontan.
Ihr tut das geplant und auch oft aus dem Hinterhalt heraus.
Da geht es nicht mehr um du oder ich. Ihr habt das Gesetz umgeschrieben.
Bei euch heißt es: auf jeden Fall ICH! Denn ich bin schlauer als du! Und ich guck mal, wie ich das Ganze noch zu meinem Nutzen einsetzen kann.
Das klingt jetzt so, als würde ich euch ziemlich geringschätzen.
Das tue ich auch. Bis ihr mir das Gegenteil beweist.
Ich bin offen für alles.
Ich weiß, dass in euch Großes schlummert. Nur wie man es zum Nutzen aller einsetzt, ist euch noch nicht klar. Euch ist noch nicht einmal klar, dass ihr dieses Wissen zum Wohle aller in euch tragt!
Benutzung
Seid ihr schon mal benutzt worden?
Für irgendwas? Als Fußabtreter oder Mülleimer oder auch als Mittel zum Zweck?
Bestimmt. Wie fühlt sich das an?
Scheußlich.
Wenn ihr es realisiert, ist es ganz eklig und tut ziemlich weh. Je nachdem wie stark es war, das Benutzen.
Und dann müsst ihr euch davon reinigen und erholen.
Und dann achtet ihr darauf, dass es euch nicht wieder passiert. Es gibt Menschen, die tappen immer wieder in dieselbe Falle. Geschieht das zu oft, zerbrechen sie daran.
Wahrscheinlich steckt dahinter die göttliche Ordnung. Das so zu sehen ist schwer.
Wir fühlen uns seit Jahren, Jahrzehnten benutzt und ausgenutzt. Es hört gar nicht mehr auf. Es wird immer schlimmer.
Wir haben wirklich versucht, den göttlichen Plan, unsere Lernaufgabe, darin zu sehen.
Es ist uns nicht gelungen. Wir kommen nicht mehr zum Regenerieren, entfernen uns immer mehr von uns selbst und verlieren stetig an Lebenskraft.
Keine sehr erfreuliche Entwicklung, aber wir nehmen sie hin.
Dennoch leben wir ausgesprochen gerne und würden uns wünschen, dass ihr die Welt mit all ihrer Schönheit, mit all ihren Wundern einmal mit unseren Augen betrachten könntet. Das wollen wir nun versuchen.
Wir erzählen euch jetzt, wie wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht steckt unsere Sicht euch an, und ihr entflammt für das Leben und für uns und für alles, was zu der Schöpfung gehört.
NICHTS ist überflüssig.
Wie so oft ist es so, dass man erst dann merkt, wofür so manches gut war, wenn es unwiderruflich verloren ging …
Es wäre schön, wenn ihr es erkennen würdet, denn soweit müsste es nicht kommen.
Danke schön…
Wir sind namenlos. Wir sind Teil des Ganzen, die Summe aller Dinge. Namen brauchen wir keine. Jeder von uns hat seine eigene Energie, jeder hat seinen Platz, seine Aufgabe. Jeder ist einzigartig und doch ersetzlich. Das muss so sein! Alles andere wäre katastrophal.
Aber das Buch für euch benötigt Struktur. Sonst ist es schwer zu verstehen.
Also geben wir uns Namen. Sollte allerdings eine von uns im Laufe der Zeit sterben, wird eine andere - mit sehr ähnlicher Energie - ihren Platz einnehmen, ohne dass ihr es bemerkt und ohne dass es wichtig wäre.
Denn dieses Projekt gehört uns allen und wir alle sind daran irgendwie beteiligt.
Aber nun geben wir uns zum besseren Verständnis Namen.
Es gibt mich, Ajou. Ich führe durch das Buch. Ich war das "ich" der Vorbemerkungen.
Ich behalte sozusagen den Überblick und leite euch durch die verschiedenen Themengebiete.
Und dann gibt es all meine Schwestern und Brüder, die nun von ihrer Sicht auf die Dinge erzählen und berichten werden. Auch sie werden sich Namen geben. Ich bin gespannt! Namen sind uns nicht vertraut.
Wir identifizieren und definieren uns über unsere Energie, die wir jeder in uns tragen.
Im Stock

Aila
Ich bin Aila.
Ich bin eine einfache Arbeiterbiene, wie ihr sagen würdet.
Einfach … hm.
Ich lebe gerne als Biene unter vielen. Es ist ein irres Gefühl, derart Teil eines Ganzen zu sein. Ich genieße es, in der Masse zu verschwimmen. Und dennoch ist mir klar, was ich zu tun habe. Ich räume auf. Hier fällt viel Dreck an! Wenn so viele auf einem Haufen leben, gibt es immer Müll und etwas zu tun. Ich putze und räume und ordne.
Ich bin sehr, sehr fleißig und raste kaum. Manchmal fächle ich auch Luft für den Stock. Das ist wichtig, damit alles gut belüftet wird. Wir brauchen ein gutes Raumklima, damit unsere Brut gedeiht! Das ist sehr wichtig für uns! Unsere Lebensaufgabe ist, zu existieren, das Leben zu pflegen und das Bestehen des Volkes zu sichern. Egal, in welcher Funktion wir unterwegs sind, ob im Stock oder außerhalb - die Aufgabe ist immer gleich und wir nehmen sie sehr, sehr ernst.
Momentan bin ich im Stock, am Herzen des Ganzen. Um mich herum brandet das Leben. Manchmal halte ich inne und lasse es um mich herum treiben. Das ist ein irres Gefühl. Wenn du dich darauf verlassen kannst, dass alles Bestand hat und weitergeht - auch wenn du stehen bleibst. Aber dann bekomme ich einen Schubs von irgendwem und wache auf und mache weiter. Aber so ab und zu ist es schön, die Zeit anzuhalten und um sich herum das Treiben zu betrachten.
Ich fühle mich so geführt und geborgen hier unter meinesgleichen.
Ich hadere nie mit meinem Schicksal. Nie wird mir die Arbeit zu viel oder zu schwer. Ich weiß, dafür bin ich hier! Andere haben vor mir das Gleiche getan und nur so konnte es mich überhaupt geben. Das ist der Lauf der Dinge, das Gesetz unseres Lebens. Irgendwo ist alles ein Kreislauf und speist sich selbst.
Meine Vorfahren haben mir den Boden bereitet, und so tue ich es ihnen gleich für die Nachkommen, die folgen werden. Es fühlt sich so richtig an! Da mangelt es mir an nichts, und ich brauche keine Selbstverwirklichung, keinen Zeitvertreib, keine Muße.
Das alles finde ich in dem, was ich tue. Jeden Tag.
Es gibt durchaus auch sehr schwierige Tage, an denen wir große Herausforderungen bewältigen müssen. Dann läuft nicht alles nach Plan. Das sind die Tage, die uns besonders fordern und an denen wir wachsen.
Ich durfte schon viel lernen in meinem Leben - was mir übrigens nicht kurz vorkommt. Ich weiß, für euch ist ein Bienenleben sehr kurz.
Immer wieder geschehen Dinge, die wir nicht ausgleichen können, bei denen uns kein Instinkt und keine Erfahrung des Volkes helfen.
Wir merken, wenn etwas schiefläuft, können es aber nicht stoppen, keinen Einfluss darauf nehmen, weil wir nicht wissen, wie dem mit unseren Mitteln zu begegnen ist.
Besonders schlimm ist es, wenn der Stock aufgebrochen wird. Dann reißt alles kaputt! Es entsteht ein großes Durcheinander und ein Riesentumult.
Und danach ist Schadensbegrenzung angesagt. An den Tagen haben wir als Arbeitsbienen im Stock sehr viel zu tun, die Ordnung wiederherzustellen. Ordnung ist uns sehr wichtig! Jeder Raum wird optimal genutzt und penibel sauber gehalten. Auch das sichert unser überleben.
Und dennoch ist da so etwas wie ein Krankheitsgefühl, das wir aber nicht zu fassen kriegen. Wir putzen und putzen und geben uns solche Mühe zur Gesunderhaltung und dennoch ist da dieses schleichende Krankheitsgefühl, das sich nicht beheben lässt. Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun könnte zur Gesundung aller. Es scheint ein Fehler im System zu sein. So als wären unsere Gene nicht mehr stark. Als wäre da die Urkraft verschwunden. Ich verstehe das nicht. Sie kommt einfach nicht zurück, so sehr wir uns auch bemühen, die Urkraft kommt nicht zurück.
Ich kann mich wirklich für das Bienenleben und das Bienesein begeistern! Wir haben so tolle Möglichkeiten, wir gestalten das Leben und unser Umfeld so schön! Wir hegen und pflegen, wir sammeln und sorgen. Aber für uns selbst kriegen wir das irgendwie nicht mehr optimal hin. Es ist, als hätten wir uns von unserer Urkraft entfernt. Und das ist selbstverständlich nicht gut und nicht gesund. Aber wie findet man so etwas wieder? Wenn man nicht mehr Herr seiner selbst ist …?!
Schwer zu sagen.
Bis dahin werde ich weiter umso mehr Gas geben und mich immer mehr bemühen, es mit meiner Lebenskraft auszugleichen, dieses Leck zu stopfen und das Leben anzufüllen mit Kraft. Wenn mein Leben dadurch früher verwirkt ist, ist es mir egal. Denn es folgt einem höheren Ziel, was deutlich wichtiger ist als mein eines bescheidenes Leben.

Mariella
Ich bin Mariella.
Ich bin lichtvoll.
Bei mir landen all die wertvollen Güter, die hereingetragen werden. Sie füllen mich von innen mit Licht, weil sie die Sonne mit ihrer Kraft, Wärme und Schönheit in sich tragen.
Es fühlt sich total schön an, diese Aufgabe auszufüllen.
Es ist mir Ehre und Genuss zugleich. Ehrlich gesagt fühlt sich das nicht nach Arbeit an.
Alle Flugbienen kommen an und geben ab, was sie mitgebracht haben. Meist ist das ein Querschnitt durch die bunte Blütenpracht. Und genauso fühlt es sich auch an. Bunt und schön und stark.
Sie übergeben mir ihre wertvolle Fracht. Mit Achtung und Ehrfurcht vor dem, was sie da sozusagen erschaffen haben. Wir sind uns stets darüber im Klaren, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, aus der Fülle zu schöpfen. Regentage bedeuten Leere für uns. Viele Regentage bedeuten, dass wir unsere Vorräte angreifen müssen. Und sehr viele Regentage bringen uns in ernsthafte Not. Daher genießen wir ruhige, sonnige Tage sehr und sind voller Dankbarkeit für das, was wir einbringen können und dürfen.
Wenn ich die bunte Fracht also übernommen habe, nehme ich sie mit all meinen Sinnen wahr. Schädliches versuche ich herauszufiltern. Es gibt Tage, da schmeckt unser Honig bitter, da ist irgendein Fremdstoff drin, der uns nicht bekommt. Ich versuche dann ihn auszusortieren, damit die Süße bleibt.
Für den Nachwuchs gibt es nur das Beste. Wir Arbeitsbienen begnügen uns auch schon mal mit der zweiten Wahl.
Ich liebe die Konsistenz der Stoffe, die ich verarbeiten darf.
Pollen fühlt sich kräftig und stark an. Honig ist voller Energie und Klang. Er ist sanfter und melodischer als der Pollen. Der Pollen hat mehr vom Erdelement, obwohl er von der Blüte stammt. Bei ihm geht es viel mehr um das Werden und Vergehen als bei dem süßen Honig.
Ich mag diesen Unterschied zwischen beiden sehr.
Beides benötigen wir zum überleben.
Und dann ist da noch das Wasser.
Wasser ist für mich das Wunderbarste überhaupt. Man bekommt es geschenkt. Einfach so.
Da gibt es nichts weiter für uns zu tun. Wasser muss nicht verarbeitet oder veredelt werden. Es ist klar und rein und trägt etwas ganz Grundlegendes für jedes Leben in sich. Still und bescheiden. Aber ich spüre seine Macht, seine Kraft.
Wasser beeindruckt mich total.
In der Regel haben wir hier kein Problem, gutes Wasser zu finden - Gott sei Dank.
Und das meine ich genau so, wie ich es sage.
Dennoch gibt es Unterschiede in der Energie des Wassers. Auch das sauberste Wasser kann energielos sein. Manchmal ist es ohne jede Energie, eben weil es so sauber ist.
Wir nehmen nicht unbedingt vorzugsweise das Wasser, das ihr als sauber ansehen würdet.
Wir gehen danach, wie das Wasser sich anfühlt. Auch können wir es energetisieren. Jede von uns, die es aufnimmt, gibt etwas von sich hinein. Ohne dabei eigene Energie zu verbrauchen. Ich kann nicht erklären, wie das geht, aber so ist es. Mit dem Honig ist es genau das Gleiche. Er trägt unsere Handschrift und ist von unserer Energie geprägt. Weil er uns sozusagen durchlaufen hat.
Aus meiner Sicht werten wir alles auf, was in unsere Nähe kommt. Und was von uns direkt verarbeitet wurde, ist in seiner Schwingung positiv verändert.
Wenn ich die Stoffe also übernommen habe, lagere ich sie ein. Sorgsam und mit Bedacht!!!
Nach und nach werden die Waben angefüllt. Immer wieder fühle ich die Konsistenz und auch die Temperatur. Ob alles so stimmt oder ob etwas verändert werden muss.
Das Fühlen mit meinem Rüssel ist ganz wichtig. Ich fühle dabei auf mehreren Ebenen. Ich fühle auch den Energiegehalt, den Nährwert sozusagen.
Ich fühle, ob genug Sonne darin steckt.
Wenn nicht, mische ich etwas bei, was mehr Energie in sich trägt.
Wenn dann alles passt, wird es verdeckelt.
Sicher verwahrt bis in alle Ewigkeit. Was wir machen, hat Bestand.
Und dann wieder neu: aufnehmen, verarbeiten, fühlen, verwahren.
Und wieder und wieder.
Es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. An meiner Arbeit hängt letztlich das Wohl aller. Wobei das tatsächlich jede von uns behaupten kann.
Es gibt niemanden, auf den wir verzichten könnten.
Jeder schafft seinen Beitrag für die Gemeinschaft und sichert das überleben aller.
Und so lange er das tut, ist er willkommen. Was wir ganz sicher nicht sind, ist barmherzig. Das können wir uns nicht erlauben. Nur wer stark und in seiner Kraft ist, hat Platz in unserem Volk.
Das hat nichts mit Herzlosigkeit zu tun. Wir ticken einfach komplett anders. Wir sind pragmatisch und können uns geschwächte Individuen nicht erlauben. Das bringt das System aus dem Tritt, lässt es wanken und zusammenbrechen. Im Endeffekt hängen wir da alle mit dran.
Das wollen wir nicht aufs Spiel setzen.
Deshalb brauchen wir über soziale Leistungen, wie ihr sie kennt und nennt, nicht nachdenken.
Was uns nicht zu schlechten Wesen macht. Jeder von uns kennt diese Spielregeln, ist damit groß geworden und kann wunderbar damit umgehen.
Wir freuen uns über die Zeit, die wir in der Gemeinschaft verbringen dürfen, und übernehmen gleichzeitig die volle Verantwortung für uns und unser Tun. Also auch für unser Wohlergehen. Darum müssen wir uns selbst bemühen. Sollte uns das nicht gelingen, müssen wir die Konsequenzen daraus ziehen.
So einfach ist das.
Wer nicht mehr kann, wird aus dem Stock gebracht und darf in Ruhe regenerieren oder sterben.
Wer arbeiten und mitarbeiten kann, ist jederzeit auch wieder willkommen.
Was in letzter Zeit auffällt, ist, dass wir insgesamt nicht mehr so schillernd und leistungsstark sind. Es ist, als würde uns allen Kraft fehlen.
Aber noch reicht es, die Abläufe aufrechtzuerhalten, und wir alle - jede von uns! - geben unser Bestes.
Harro
Ich bin Harro.
Ich bin ein Drohn - wie ihr uns nennt.
Ich bin anders. Nicht so wie die Damen.
Ich habe sehr viel Ruhe und Gemächlichkeit und lasse mir gerne die Sonne auf den Bauch scheinen.
Wir werden hier sehr gut versorgt, regelrecht hofiert.
Unsere Aufgabe ist wahrscheinlich die wichtigste überhaupt. Wir sichern das überleben.
Ohne uns keine Nachkommen. Wir nehmen unseren Job sehr ernst und warten alle auf den einen großen Tag, an dem wir unseren Samen weitergeben dürfen. Uns ist durchaus bewusst, dass wir diesen Moment mit dem Leben bezahlen. Das sehen wir aber nicht so.
Es ist viel schlimmer, nicht zum Einsatz gekommen zu sein. Dann werden wir faul und träge und fühlen uns wie Ballast. Als solcher werden wir dann ja eines Tages auch entsorgt.
Für mich ist der Sinn des Lebens das Leben an sich. Dazu gehört eben ganz elementar, es auch weiterzugeben. Nur dafür bin ich hier.
Bis dahin darf ich es angenehm und schön haben. Ich bin aber nicht immer faul und bequem.
An manchen Tagen werde ich sehr munter und schwärme aus. Auf der Suche nach einer Königin. Es ist wie eine innere Stimme, die mich dann ruft. Instinktiv weiß ich wohin.
Ich hab ihn noch nicht erlebt, diesen großen Tag, wo alles stimmt. Aber es ist in mir gespeichert durch meine Vorfahren.
Unsere Rolle ist so entscheidend und wird von euch nicht gewürdigt.
Wir sind Teil des sensiblen Systems. Zu Zeiten, wo Schwarmbildung und Vermehrung angesagt sind, werden vermehrt Drohnen nachgezogen, damit der Genpool, die Auswahl vorhanden ist und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Begattung steigt.
Es ist eine aufregende Zeit für uns, da wir nie wissen, ob alles gelingt. Sehr viele Faktoren können störend einwirken. Auch das Wetter. Und natürlich möchte jeder von uns seine Aufgabe erfüllen. Dann fühlt es sich nach einem vollendeten Leben an.
Die Gemeinschaft trägt uns so lange, bis wir zum Einsatz kommen. Auch Versuche werden toleriert. Aber wenn das Jahr fortschreitet, die Nächte kälter und die Nahrung knapper wird, ist es Zeit für uns zu gehen. Da sind wir recht unterschiedlich. Einige gehen von selbst. Andere werden gebeten und wieder andere werden gezwungen zu gehen.
Wir übernehmen auch mal kleine Aufgaben im Stock. Pflegen oder Fächern ein wenig und temperieren den Stock mit. Es ist nicht so, dass wir gar nichts tun.
Aber in der Regel warten wir auf den einen Moment, wo etwas in uns ruft und wir sofort starten müssen.
Ich bin auf die Ernährung durch mein Umfeld angewiesen. Aber Wasser aufnehmen kann ich selbst.
Und je nachdem, wie alt ich bin, fliege ich mehr aus oder bin mehr im Stock beheimatet. Solange ich im Stock bin, übernehme ich Hilfstätigkeiten. Ich stehe nicht nur auf fremden Füßen oder im Weg rum, so ist das nicht!
Ich habe meine festen Rollen, zu denen ich gebeten werde. Ich mache nur nicht so viel von selbst, mich muss man manchmal schubsen.
Es ist schwieriger für uns geworden, Weibchen zu finden. Das Angebot ist knapper geworden.
Es gibt weniger Bienenvölker und dadurch reduziert sich die natürliche Vermehrung.
Ich finde das recht frustrierend, aber wir Drohnen sind zum Glück darauf gepolt, dass auch ein Leben verstreichen kann, ohne dass wir unsere Bestimmung erfüllt haben.
Aber das Bestreben nach Vollendung ist natürlich immer da.
Ich fühle mich irgendwie nicht mehr so frei und wild wie einst. Ich weiß, es gab mal eine andere Energie in den Drohnen. Irgendwas ist da abgestorben oder zurückgegangen. Ich kann es mir nicht erklären und wünschte mir etwas von dieser Urkraft zurück. Das würde uns allen guttun.
Ich kann nicht genau sagen wieso, aber ich fühle mich manipuliert. So, als wäre meine Realität fremdbestimmt. Es gibt kurze freie Momente, und die genieße ich sehr. Aber da sind eben auch viele, die sich neblig und überschattet anfühlen.
So, als wäre ich oder eben dieser männliche Teil des Systems nicht mehr ganz er selbst. Aus der Spur geholt - durch euch? Ich weiß es nicht. So einfach ist es wahrscheinlich nicht. Da kommen schon noch mehr Faktoren hinzu. Aber irgendwie führt jeder dieser Faktoren wieder zu euch zurück.
Ihr habt schon in einer ganzen Menge eure Finger drin. Das wäre mir zu anstrengend. Stellt euch mal vor, die Verantwortung, die man dadurch trägt!!! Nee. Das ist nichts für mich.
Ich finde es schön, nur für mich verantwortlich zu sein und doch eine so wichtige Aufgabe für das Ganze leisten zu dürfen. Deshalb nehme ich auch gerne so manche Unannehmlichkeit in Kauf.
Mich begeistert das Leben in der Gemeinschaft und es fühlt sich gut an, von allen getragen zu werden. Aber mir ist wichtig zu erwähnen, dass auch ich meinen Beitrag zur Gemeinschaft leiste. Jeden Tag.
Ajou
Der Winter naht. Wir sammeln uns. Alles wird heruntergefahren und wir zentrieren uns auf uns.
Ich mag den Winter. Er mag hart sein - aber wir sind gut vorbereitet.
Er ist eine Prüfung für jedes Volk. Manches Mal erhält man eine Chance und kann aus Fehlern lernen. Manches Mal kostet es das Volk das Leben.
Ich glaube, wir sind dies Jahr gut vorbereitet.
Es ist schwer geworden, die Winter einzuschätzen. Vieles hat sich verändert und so manche alte Regel gilt nicht mehr.
Aber wir haben uns ganz gut angepasst und kommen mit den klimatischen Veränderungen recht gut zurecht.
Im Winter reduzieren wir die Stärke des Volkes drastisch. Alles geht auf Sparflamme. Wir sind gerade so viele, dass wir im Verbund überleben können.
Wir produzieren Wärme und versorgen uns auf einem Minimum. Leben von dem, was wir über das Jahr gesammelt haben. Es trägt die Farben des Sommers, hat seine Energie und gibt uns Kraft und innere Wärme.
Ich liebe das. Alles ist genau aufgeteilt, jeder weiß, was er zu tun hat. Ein jeder ist wichtig! Und wir wechseln uns ab. Keiner soll über sein Maß belastet werden.
Wir fühlen uns wie eins. Und besonders wichtig ist das überleben unserer Königin. Sie arbeitet hart für unser überleben und nur mit ihr sind wir überhaupt in der Lage dazu.
Ein Volk ohne Königin ist wie ein Mensch ohne Kopf. Da geht nichts mehr. Wir funktionieren noch kurz, aber wenn wir das Problem nicht abwenden, fallen wir.
Ein normal gesundes Volk kann das problemlos schaffen. Da greift der Notfallplan, der in allen gespeichert ist, und wir reagieren wie automatisch. Das geht Hand in Hand und dann ist alles wieder in Ordnung. Es ist eine große Erleichterung, wenn die neue Königin geschlüpft ist!
Der Winter ist die Zeit der Ruhe. So, wie das Frühjahr die Zeit der Reinigung und der Erneuerung ist. Der Sommer ist die Zeit der Fülle und des Glücks und der Herbst die Zeit der Verarbeitung und des Genusses. Wenn man die Jahreszeiten wirklich so lebt, wie sie sind, kann man nicht entkräften. Dann ist man zu Großem bereit.
Ihr habt durch euren Fortschritt die Nacht zum Tag gemacht. Den Winter zum Scheinsommer, und die Zeit der Ruhe, des Rückzugs und der Regeneration fehlt euch komplett. Da müsst ihr euch nicht wundern, dass so viele von euch einen Burn-out bekommen!
Ihr nehmt keine Rücksicht auf die Bedürfnisse des Körpers. Auf das Einatmen und das Ausatmen des Lebens.
Und so langsam übertragt ihr es auf uns. Menschen, die sich schon etwas mehr geöffnet haben, wissen, dass Tiere - so sie im eigenen Umfeld leben - ihren Menschen etwas spiegeln. Probleme und Schwächen zum Ausdruck bringen.
Wir werden immer mehr domestiziert und können uns daher auch diesem Gesetz nicht entziehen. Im Grunde genommen seht ihr in unserer Entkräftung und der Entfernung von uns selbst letztlich nur euch selbst ...
Könnt ihr das annehmen? Es wäre schön.
Und wenn man dann aus der Ruhe und Regeneration in die Reinigung und Erneuerung tritt, packt einen das Leben derart, dass man vor Begeisterung mitgerissen wird. Dann ist alles so bunt, so phantastisch, so intensiv, dass die Zeit der Ruhe sich doppelt gelohnt hat.
Ich glaube, diesen Effekt kennt ihr alle nicht mehr. Aber ihr sehnt euch danach. Keiner wünscht Entbehrung. Ihr könnt immer, zu allen Zeiten! alles haben. Der Preis dafür ist aber, dass Gewöhnung einsetzt. Und die verschüttet Dankbarkeit. Und Dankbarkeit bringt Glück. So ist alles ein großer Kreislauf, den ihr auch auf anderer Ebene mit eurem Eingreifen aus dem Tritt bringt. Und den Preis bezahlt da tatsächlich ausschließlich ihr selbst.
Ich liebe den Moment des ersten Fluges. Er sprengt alles. Das Licht, die Luft, die Freiheit, die Farben, die Gerüche, die Geschmäcker! All das ist unfassbar intensiv. Jedes für sich alleine bereits und alles zusammen haut mich fast um.
Ich sehe darin nicht die Schwere des Überlebens oder fühle noch den harten Winter in mir. Nein. Ich erlebe nur den Moment, und das sehr, sehr intensiv.
Es ist tatsächlich wie immer und überall eine Frage dessen, wie man etwas betrachtet. Und ich betrachte mein ganzes Dasein mit Dankbarkeit und Freude. Unter dem Aspekt macht nichts Mühe und nichts ist zu schwer.
Herausforderung oder Last? Jeder hat selbst die Wahl. Ich lebe gerne, und daher ist für mich alles, was hart sein könnte, eine Herausforderung. Mehr nicht.
Und ich kämpfe bis zuletzt um mein überleben.
Ich flieg auch noch raus, wenn ich eigentlich schon gar nicht mehr kann. Aber dieser Moment des Fliegens und der Anblick dieser Fülle ist es jede Sekunde wert. Selbst wenn ich nicht zurückkehren sollte.
Aber auch im Stock fühle ich mich sehr wohl. Es ist lebhaft und geordnet und so schön anheimelnd und gemütlich. Wir haben so tolle Möglichkeiten und sind so gut organisiert! Da macht das Leben in der großen Gemeinschaft einfach Spaß.
Clarissa
Ich bin Clarissa.
Ich bin Hüterin des Stockes.
Meine Aufgabe ist wie jede in unserem Gefüge unerlässlich.
Ich wache über die Sicherheit der Bienen, sorge für einen ungestörten, reibungslosen Ablauf.
Jede Biene, die um Einlass bittet, wird von mir überprüft. An mir kommt niemand ungesehen vorbei. Natürlich habe ich noch viele Kolleginnen. Ich spreche nun also im Namen aller.
Wir patrouillieren am Eingang und fangen jeden ab, der rein will. Freund oder Feind?
Feinde werden sofort bekämpft. Das kann hoch hergehen und sehr gefährlich für uns werden. Nicht selten sind die Feinde größer und stärker als wir und gehen sehr gezielt und rücksichtslos vor.
Oftmals scheint unsere Verteidigung aussichtslos. Aber so denken wir nicht. Wir sind zielorientiert und hinterfragen in dem Moment nichts. Wir überblicken nicht die gesamte Situation - es würde uns nur entmutigen. Wir handeln unserer Aufgabe gemäß und geben im Zweifelsfall unser Leben dafür.
Ich habe schon viele Feinde abgewehrt. Auch solche, die um ein Vielfaches größer waren als wir. Es ist in der Tierwelt bekannt, dass wir wehrhaft sind und zu unserer Verteidigung alles geben.
Normalerweise wollen die Angreifer an unsere Honigvorräte. Um uns persönlich geht es sehr, sehr selten. Wir sind nicht das klassische Futtertier in der Nahrungskette der Natur. Aber unser Honig! Da wissen viele, wie wertvoll und nahrhaft er ist. Aber für den haben wir hart gearbeitet, und wir benötigen ihn selbst für unser überleben.
Gerade im Herbst, wenn es auf den Winter zugeht, können wir uns keinerlei Verluste erlauben!
Im Sommer mag eine räuberische Attacke noch auszugleichen sein - es hat höchstens Auswirkung auf die Stärke des Volkes. Nicht auf das gesamte überleben des Volkes. Aber im Herbst wäre es unser Tod.
Also muss ich besonders wachsam sein.
Wenn es kälter wird, brauchen wir uns nicht mehr vor Flugfeinden zu fürchten. Die können dann selber nicht mehr losziehen.
Dann wird es ruhiger - auch für uns. Und wir reduzieren die Zahl der Wächter.
Je nach Volksstärke, mit der wir in den Winter starten, können wir uns mehr oder weniger Wächter im Winter erlauben.
Denn auch da ist die Gefahr nicht gebannt! Da lauern Fraßfeinde wie Maus oder auch Dachs!
Ich versteh sie ja - auch ihnen geht es nur um das überleben. Und unser Honig ist wirklich schmackhaft und nahrhaft. Aber jeder muss für sich selbst sorgen und, hat er es nicht ausreichend getan, alleine die Konsequenzen tragen. So hart das eventuell auch sein mag.
Aber meine Aufgabe ist tatsächlich auch im Sommer - in der Zeit der Fülle - extrem wichtig.
Viele sehen unsere Produkte als Früchte des Sommers und bedienen sich daran. Das können wir natürlich nicht zulassen!
Auch Räuberei unter Bienenvölkern ist gar nicht so selten! Daher wird JEDE Biene, die Einlass begehrt, von mir kontrolliert. Sie muss nicht zwingend zu unserem Volk gehören. Auch Zuwachs von außen ist erlaubt. Aber nur, wenn sie in friedlicher Absicht kommen und nicht schmarotzen. Hat also eine Biene fleißig gesammelt, ist aber von ihrem eigenen Stock aus irgendwelchen Gründen zu weit entfernt, kann sie gerne bei uns einziehen und mitarbeiten. Aber ohne Beladung, nur um sich von uns zu nehmen, darf keiner rein.
Meist gelingt diese Strategie. Aber manchmal werden wir ausgekundschaftet.
Völker mit viel Honig und wenig Bienen haben schlechte Karten.
Der Honig muss immer proportional zur Volksstärke sein, damit wir ihn auch verteidigen können. Ist das nicht der Fall, werden wir eingenommen…
Das ist dann ein schwarzer Tag für meinen Berufsstand. Wenn wir die Festung nicht halten können, haben wir unsere Aufgabe nicht umgesetzt. Aber in jedem Fall geben wir unser Bestes! Das ist gewiss.
Unsere gefährlichsten Feinde was Räuberei angeht, sind tatsächlich wir selbst. Keiner kennt unsere Abläufe, unsere Mechanismen und unsere Denkweise so gut wie wir selbst. Mit eigenen Waffen geschlagen und hinter die Reihen gemogelt haben wir häufiger keine Chance, als wenn so ein Bär, eine Maus oder auch Wespen zu uns kommen. Die schlagen wir schon eher in die Flucht. Das kostet uns nicht viel.
Zum Glück kommen diese Übergriffe eher selten vor.
Meist ist meine Arbeit sehr friedlich. Ich begrüße die einfliegenden Bienen und genieße die Wärme, die Farben und die Energie, die sie mitbringen. Sie schwingen schön und haben einen reichen Klang. Sie tragen so viel Schönes und Klangvolles an sich, dass das auf uns abfärbt.
Mit ihnen kommt Licht und Wärme in den Stock und ich stehe im Einflugbereich. Ein gutes Gefühl.
Wir begegnen einander freundlich und mit Respekt. Es gibt keine Rangeleien oder Unfreundlichkeiten. Alles ist ein fester Ablauf, der ritualisiert ist.
Und alle fühlen sich gut dabei. Solch feste Abläufe geben Halt und Sicherheit. Das tut uns allen gut.
Ich liebe diese Position am Einflugloch!!!
Wir haben nicht mehr so sehr viel Kraft. Reinigung und Erneuerung ist das, was Kraft und Energie gibt. Wir werden viel in unseren Abläufen und Prozessen gestört. Das ist unangenehm.
Es braucht eine Art ultimativen Befreiungsschlag.
Damit wir wieder wir selbst sind und nicht so ferngesteuerte Wesen.
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