Kitabı oku: «DAS BÖSE BRINGT DEN TOD», sayfa 3
Die Freundinnen
Die Familien standen eng zusammen und verstanden sich ausge-zeichnet. Während Halim und Fadi sich vorrangig um den Aufbau ihres Geschäftes kümmerten, versorgten die beiden Frauen Halima und Elena nicht nur den Haushalt, sondern übernahmen auch die Erziehung ihrer Kinder. Wovon allein Halim und Halima mit den Zwillingen „Jasin und Fatima“ und dem Nachzügler „Junis“, insgesamt drei beitrugen, während Fadi und Elena mit „Leila“ nur eine Tochter zur Welt gebracht hatten.
Fatima und Leila waren wie Schwestern. Sie waren nicht nur gleich alt, sie hatten auch immer nur Blödsinn im Kopf. So erzählten sie Kunden, denen sie das frisch gebackene Brot auslieferten, das sie damit dreimal um die Moschee in Minet ee-Mosn gelaufen seien und es nun geweiht sei und glücklich mache. Oder sie schickten ihre Freundinnen zum Schweizer Käseladen um sieben Käselöcher zu kaufen. Dass die Freundinnen sich dann regelmäßig mit einer großen, schweren und verschlossenen Holzkiste voller „NICHTS“ abquälten, um sie in die Bäckerei zu bringen, lag zum einen daran, dass sie Fadi und den Besitzer der Käserei mit ihrem kindlichen Charme um den Finger gewickelt und beide quasi zu Komplizen gemacht hatten. Das lag aber nur daran, dass diese ebenfalls einen riesigen Spaß hatten, die anderen Kinder hinters Licht zu führen. Auch jetzt im Alter von neunzehn Jahren besaßen sie immer noch den Schelm in ihren Augen und ihr Lächeln hatte nicht an Kraft verloren.
Jasin hingegen war ein sehr ruhiger und bescheidener Junge. Er erledigte seine Aufgaben, die ihm seine Eltern oder auch Fadi auftrugen, mit viel Hingabe und einem unendlichen Eifer. Während er sich mit seiner Schwester des Öfteren heftig stritt, verstand er sich mit Leila komischerweise sehr gut. Sie nörgelte nie an ihm herum und half ihm auch immer, wenn er mal in Verzug mit seinen Aufgaben war. Irgendwie suchten sie immer die Nähe des anderen. Und so wurde aus einer Kinderfreund-schaft echte Liebe.
Drei Jahre zuvor, steckten Jasin und Leila mitten in der Pubertät. Ohne es zu begreifen, entwickelte sich bei beiden ein immer stärker werdender Wunsch den anderen zu berühren und auch zu küssen. Aber keiner traute sich den ersten Schritt zu machen.
Bis zu dem Tag, als beide Elternpaare einen Termin bei einem großen Makler bezüglich einer Geschäftserweiterung hatten.
Die Arbeit war erledigt und bis auf Jasin und Leila auch niemand mehr im Hause. Sie saßen wie immer nach der Arbeit im Innenhof des Hauses auf weichen Kissen und tranken Tee. Plötzlich stand Jasin auf und verschwand ohne etwas zu sagen im Haus. Leila machte sich darüber keine Gedanken. Bis er wieder vor ihr stand. In seiner rechten Hand hielt er eine Flasche „deutschen Sekt“ und in der linken ein Wasserglas. Seine Augen leuchteten und ein verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Was willst du damit und wo hast du das her“ - fragte Leila.
„Los- Bring es wieder weg!“
„Ich hab’s von Junis“. Er sagt, es ist wie ein Zaubertrank. Er hätte es probiert und danach ….“
„Sei still - Ich will’s nichts davon hören. - sicherlich ist da Alkohol drin“.
Plopp – Leila erschrak, hatte Junis doch einfach die Flasche geöffnet. Jetzt füllte er das Wasserglas bis zum Rande voll und hielt es ihr hin.
„Ich will nicht“ - sie drehte scheinbar angewidert ab
„Schau doch wie schön es prickelt und wie es duftet“ - flüsterte Jasin.
Langsam drehte sie sich zu ihm um. Schaute auf das Glas und dann in seine Augen. Da war so etwas Tiefes, etwas was ihr sagte – tu es und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie nahm das Glas und trank einen großen Schluck
„iih“ – sie schüttelte sich, was war das für ein scharfes Zeug.
„puuuh – was ist das denn?“ -sie schüttelte sich erneut und verzog dabei ihr Gesicht als hätte sie in eine Zitrone gebissen.
„Schmeckt ja ekelhaft“ - echovierte sie sich.
„Und Junis findet das toll?“
Angewidert gab sie ihm das halbvolle Glas zurück. Ohne zu zögern trank Jasin den Rest des Glases mit einem Schluck leer.
So saßen sie ein paar Minuten schweigend nebeneinander bis Leila plötzlich sagte – „gib mir noch etwas von dem „German Sekt“.
Jasin kippte das Glas erneut randvoll und reichte es Leila, welche das Glas in einem Zug austrank. Ein wohlig warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Da war er plötzlich wieder der Wunsch, Jasin in die Arme zu nehmen und seine Lippen zu küssen.
Auch Jasin spürte die Wirkung des Sektes aus Germany. Ohne Kommentar kippte er das Glas ein drittes Mal voll und reichte es Leila. Komischerweise schien das Zeug doch zu schmecken. Sie lachten und alberten rum wie sie das früher als Kinder auch schon getan hatten. Wie nun mal pubertierende sind, neckten sie sich bis sie plötzlich übereinander lagen. Leila drückte Jasin‘s Kopf nach hinten und wie von Zauberhand geführt, suchten sich ihre Lippen und schon küssten sie sich leidenschaftlich und hingebungsvoll. Beflügelt und im Rausch des „German Sektes“.
Ganze zwei Jahre trafen sie sich immer wieder heimlich im Keller, in der Backstube turtelten rum und ihre Liebe wurde größer und größer. Keiner durfte davon wissen. Bis auf die Omas „Maria und Kadisha“. Waren sie doch schon immer ihre geheimen Verbündeten gewesen. Wie sie es auch schon mit ihren Kindern gemacht hatten, so machten sie es auch diesmal. Maria und Kadisha hatten, wie auch schon damals, bei ihren Jungs, Freude daran, wenn sie dazu beitragen konnten, das andere sich ungestört lieben konnten.
„Oma“
„ja meine Süße“- antwortete Kadisha,
„Oma-dürfen wir“ – Leila hatte ihre Beine eng aneinander-gepresst und bewegte ihren süßen Hintern schwungvoll hin und her und ihre großen Kulleraugen schauten Kadisha bittend an.
Kadisha atmete tief ein.
„OK- aber denk daran, dass deine Eltern in zwei Stunden zurück sein wollen“.
Über Leilas Gesicht huschte ein noch süßeres Lächeln als sonst. Sie nahm Kadisha in die Arme, küsste sie schmatzend auf die Wange – und mit einem „Du bist die liebste Oma der Welt – verschwand sie in Kadisha‘s Zimmer.
Kurz darauf verschwand auch Jasin in Kadisha‘s Zimmer.
„Na meine Liebe“ - sagte Maria, die sich im Nachbarzimmer aufgehalten hatte – „ist es mal wieder soweit?“
„Was da jetzt wohl passiert – fragte Kadisha Maria.
„Tja, wenn wir das noch wüssten“
Und beide lachten laut los.
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Das ging einige Monate so weiter, bis zu dem Tag, als Leila Jasin gestand, dass sie schwanger sei und ein Kind von ihm erwartete. Jasin brach in Tränen aus. Es waren Tränen der Freude. Er nahm Leila in den Arm und sagte- „Jetzt können wir endlich heiraten und brauchen uns nie mehr heimlich zu lieben“.
Noch am gleichen Abend erzählten sie es den Eltern. Halima und Elena schauten sich an und fingen gleichzeitig an zu grinsen. Während Halim und Fadi etwas bedröppelt drein-schauten, meinte Halima –
„Kinder- dass haben wir doch schon lange gewusst. Wir freuen uns ja so für euch“.
Drei Monate später wurde geheiratet. Es war eine schöne Hochzeit und fast alle aus der Straße waren eingeladen. Es war ein wunderschönes Paar. In ihrem zauberhaften weißen Hochzeitskleid sah Leila nicht nur hinreißend sexy, sondern auch wie ein wahrer Engel aus und ihr Jasin war mächtig stolz auf seine „kleine“ Leila.
„Hört endlich auf zu flennen“ – rief Halim, den Frauen zu, die wie auf Kommando in Tränen der Freude ausgebrochen waren. „Wie soll denn das auf dem Hochzeitsfoto aussehen- lauter verheulte „Mädchen“ - ergänzte er mit Blick auf Kadisha und Maria.
Doch als er sah, dass auch diese die Tränen in den Augen hatten, winkte er ab, nahm Fadi in den Arm und sagte – komm- lass uns einen Tee, womit er eigentlich Wein meinte – trinken. Bis die fertig mit Heulen sind kann noch dauern.
Fatima war auf der einen Seite glücklich, dass Leila und Jasin ein Paar waren, auf der anderen Seite hingegen ein wenig neidisch. Schließlich hatte Leila jetzt noch jemanden mit dem sie intimste Gedanken und Gefühle austauschen würde.
Aber das schlimmste was sie befürchtete und bald auch eintreffen würde, war die Geburt dieses kleinen „Hosen-scheißers“ den Leila schon im Bauch hatte. Würde er doch, sobald er das Licht der Welt erblickt hätte, nur noch im Mittelpunkt stehen. Und Leila hätte dann überhaupt keine Zeit mehr für sie haben.
Wie auch immer sich ihr Verhältnis zu Leila entwickeln würde. Sie wollte die beste Tante der Welt sein.
Obwohl sie sich oft mit Leila ausführlich, von Frau zu Frau, über Männer, Kinder und den Sex im allgemeine unterhielt, und Leila auch immer wieder mit leuchtenden Augen betonte wie schön das alles sei, konnte Fatima dieser Art von Leben nichts abgewinnen.
Sie wollte lieber ihre Schule beenden um dann zu studieren. Ärztin wollte sie werden, oder zumindest Krankenschwester. Deshalb kümmerte sie sich auch nicht um Jungs und vertiefte sich in die Arbeit in der Backstube und um ihre Schule.
Hafa Makhbis
Halims und Fadis kleine Bäckerei brummte.
Sie hatten es geschafft und mit Hilfe ihrer Frauen und Kinder innerhalb von wenigen Jahren ein gut florierendes Geschäft aufgebaut. Immer mehr Ausländer kamen in die Stadt und es sprach sich schnell unter ihnen herum, wie gut das Brot von
HAFA-MAKHBIS, so hieß nun ihre Firma, super schmeckt.
Sie konnten sich vor Aufträgen kaum retten. Dazu trug natürlich auch Junis mit seinen Kontakten über die deutsche Firma zu ansässigen Hotels bei.
Das Einzige was ihnen Sorgen bereitete, war die zunehmende Unruhe die sich, seit dem „Schwarzen September“ 1970, in der Stadt breit machte. Hatten doch die Israelis die PLO aus dem Süden vertrieben und die machte sich jetzt immer mehr in Beirut breit. Mit ihr kamen natürlich auch viele schiitisch und muslimische Flüchtlinge nach Beirut. Es bildete sich ganz allmählich ein Staat im Staate.
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Es war an einem wunderschönen Sommerabend im Jahre 1974
Halim und Fadi saßen wie immer nach einem anstrengenden Tag zusammen unter dem kleinen Apfelbaum im Innenhof ihrer, für Beiruter Verhältnisse, feudalen Villa. Sie hatten Halima vertraut und die wiederum ihr bisdato verdientes Geld geschickt angelegt und auf die Empfehlung ihres Sohnes Junis, dieses tolle Haus mit 12 Zimmern, einem Innenhof und einem schönen Garten, gekauft.
Ihr Elternhaus, in dem sie noch bis vor kurzem wohnten, wurde komplett zur Bäckerei umgebaut.
Gemeinsam lebten sie nun alle in der Villa mit ihren Kindern, die zwar schon erwachsen waren, zusammen. Es gehörte zur Tradition, dass Alle zusammen blieben und zusammen hielten, vom Opa bis zu den Enkeln.
Halima war die eigendliche Chefin des Unternehmens. Sie führte Buch und verwaltete das Geld beider Familien, während Elena sich um das Haus, den Garten und die Kinder kümmerte.
Die beiden Männer interessierte es wenig, was ihre Frauen so alles mit dem vielen Geld machten. Sie hatten nach wie vor die Einstellung, das Glück und Zufriedenheit vor dem Geldver-dienen kommt. Ihre Arbeit machte ihnen nach wie vor Spaß.
Jetzt aber war der Zeitpunkt gekommen ein wenig ernster an den weiteren Werdegang ihres Geschäftes und die Zukunft für sie und die Kinder zu denken.
Halim reichte Fadi den Tee und biss mit seinen Zähnen eine Zitrone in der Mitte durch. Mit verzogenem Gesicht, war sie doch saurer als erwartet, reichte er Fadi die andere Hälfte und drückte seine mit den immernoch kräftigen Händen über seinem Teeglass aus.
„Was meinst du?“ - fragte er Fadi, - „warum verkaufen wir in den letzten Wochen immer weniger Brot?“
„Hmmh – dass ist mir auch schon aufgefallen“ - antwortete Fadi. „Vielleicht sind es die vielen Flüchtlinge, die sich selbstständig machen und nun ihr Brot nicht nur ihren Leuten verkaufen, sondern auch unseren Kunden. Jedenfalls scheinen sie billiger zu sein“.
„Ja da könntest du recht haben“ - antwortete Halim. - „Vielleicht sind es aber auch die Amerikaner mit ihrem Weisbrot“.
„Glaub ich weniger. Ich denke wir sind nicht mehr einzigartig!“- erwiderte Fadi.
„Wie meinst du dass?“
„Nun - bis vor kurzem noch waren wir die einzigen, die in großem Stil Brot gebacken und es, dank Junis, auch an viele Hotels und ausländische Firmen geliefert haben“.
„Tun wir doch auch jetzt noch“ – fiel ihm Halim ins Wort.
„Ja aber, das ist es nicht was ich meine. Alle Brote, auch unsere schmecken gleich. Wir nehmen alle Mehl, Hefe, Salz, Wasser und Öl. Mal mehr, mal weniger“.
„Was willst du mir damit sagen?“
„Nun, - wenn wir Marktführer bleiben wollen, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Wir müssen etwas Neues, etwas Besonderes kreieren. Ein Brot was nur wir backen können. Ein Brot nach dem sich alle die Finger lecken“.
Halim nickte zustimmend.
„Eine gute Idee! Aber wie soll dass gehen?“.
Fadi runzelte die Stirn, was er übrigens immer tat, wenn er angestrengt nachdachte. Gleichzeitig musste er sich ein Grinsen verkneifen, denn er fand seine Idee genial. Und wenn er etwas genial fand, dann überkam ihn dieses Gefühl von Glück.
„Nun - ich hätte da eine Idee!“
„Erstens behalten wir für unsere normalen Kunden auf den Märkten, unser Brotrezept bei. Wir unterscheiden uns ersteinmal nicht von unseren Mitbewerbern.“
„Zweitens“ – er machte eine lange Pause.
„Nun- und was“ - bohrte Halim ungeduldig.
Fadi- atmete demonstrativ tief ein.
„Zweitens - wir gründen eine weitere Firma und geben der einen ausländischen Namen. Einen Namen, der gut klingt und den alle schnell verstehen. Vor allem die Ausländer.“
Halim wollte wieder unterbrechen, doch Fadi war jetzt in seinem Element. Kurz hob er die Hand und signalisierte Halim, das er noch etwas entscheidendes anfügen wollte.
„Also- mit einer neuen Firma gibt es auch ein neues Brot. Und das hat auch wieder einen ausländischen Namen. Und“- Fadi machte wieder eine seiner Kunstpausen
„Man machs nicht so spannend, sag endlich was es ist“ - bohrte Halim erneut.
„Geduld mein Freund“ – Fadi konnte sich nun das Grinsen nicht mehr verkneifen.
Er schlug sich mit beiden Händen auf die Oberschenkel –
„Wir backen PIZZA-Brot!“
Für gefühlte Minuten – herrschte Totenstille
„Was machen wir?“
„Wir backen PIZZA-Brot“.
„Wie kommst du denn auf so etwas“ fragte Halim.
„Ganz einfach“ - erwiederte Fadi. „Vor -einigen Tagen war ich bei Yasin, du weißt das Café in Baschura, um ihm unser Brot anzubieten, da saßen wir draußen bei einem Tee und am Nachbarstisch saßen zwei gut gekleidete Frauen aus – ich weiß nicht woher, jedenfalls hörte ich wie die eine zu der anderen sagte, Beirut ist so eine tolle Stadt. Aber das Brot wird langsam langweilig. Immer der gleiche Geschmack. Die sollten sich mal was anderes einfallen lassen. Und die andere Frau sagte darauf hin. Ja – wie zum Beispiel in Italien. Da haben die ein tolles Pizzabrot. Du kannst es zu allem essen und auch noch super mit Früchten belegen“.
„Ich bin zwischendurch zu einigen ausländischen Restaurantes gegangen und habe mir überall deren einheimisches Brot gekauft“.
„Und jetzt pass auf!“
„Einer der Bediensteten hat gesagt, dass die meisten Ausländer ihr Heimweh nur deshalb haben, weil ihnen das richtige Brot fehlt“.
„Und dann hab ich diesen jungen Mann, der in der halben Welt umher reist, getroffen. - und jetzt halte dich fest“ - Fadi machte es mal wieder richtig spannend. „Der hat mir erzählt, dass viele Italiener in andere Länder gehen um dort zu arbeiten. Ja sogar nach Amerika. Und jetzt pass auf. Überall eröffen sie dann sogenannte „Pizzerien“. Und nicht nur die Italiener gehen dorthin, sondern auch die Einheimischen“.
Halim dachte kurz nach.
„Du meinst PIZZA-Brot kennt man überall und es ist ein quasi Ersatz für das eigene Brot?“
„Genau- du hast es erkannt“ - schoß es aus Fadi heraus.
„Was machen wir jetzt?“ – fragte Halim. Und ergänzend fügte er hinzu- „sicherlich hast du schon eine Idee“.
Er schaute Fadi an und erwartete dieses breite Grinsen in seinem Gesicht. Doch Fadi blieb erstaunlich ruhig und gelas-sen. Fast emotionslos erwiderte er
„PRONTO-PIZZA - heißt unser neues Geschäft“.
Halim runzelte die Stirn
„Wie heißt unser Geschäft?“ – fragte er. „Und was heißt Pronto?“
An Halims Augenzucken merkte Fadi wie nervös Halim war.
„Setzt dich mal hin. Ich erklär es dir“.
„Also“ - Fadi holte tief Luft und sprudelte förmlich ohne Unterbrechung los.
„Vor ein paar Tagen habe ich einen Italiener auf dem Markt getroffen. Er stand bei Halib – dem Ölhändler und wollte unbedingt frisch gepresstes Olivenöl. Halib schien ihn nicht zu verstehen und so wurde der Italiener „Luigi“ heißt er, immer lauter. Wild gestikulierend fuhr er Halib an „Capisci che ho bisogno di olio d'oliva per la mia pizza”, was wohl soviel hieß wie; Ich brauche richtiges Olivenöl - und nicht so einen Saft. -oder so ähnlich. Es sah so aus, als sei Halib mit der Situation völlig überfordert. Deshalb habe ich den Italiener gefragt, ob er englisch spricht. Er hat mir dann erzählt, dass er es leid sei, immer nur das fade Brot zu essen. Er nannte unser Brot fad” - räusperte sich Halim. Und – und er wolle sich nun sein Pizzabrot selbst backen - sagte er. Und dazu bräuchte er auch unbedingt gutes Olivenöl.”
“Und noch etwas hat er gesagt. Dass, wenn er hier nicht so eingebunden wäre, er seine eigene Pizzeria in Beirut eröffnen würde”.
“Und weiter” - bohrte Halim.
“Da gibt es kein Weiter. Ich habe ihm dann gesagt, wo er mich finden könnte und das ich ihm möglicherweise seinen Traum erfüllen könnte”.
“Und - meinst du er kommt?”
“Bestimmt” - erwiderte Fadi und fügte ergänzend hinzu; “Wenn wir ihn einbinden können, ich meine als Pizzabäcker, dann könnte unser Vorhaben funktionieren”.
Ein paar Tage später
Jasin war damit beschäftigt all seine Brote, die er ausliefern musste, auf seinem Handkarren zu verstauen als er von einem Unbekannten angesprochen wurde.
“Hallo - Mi piacerebbe aver parlato con il signor Fadi” – hörte er eine Stimme von schräck hinter ihm. Langsam drehte er sich um. Was war das denn für einer- und was will der, fragte sich Jasin. Langsam ging er auf den kleinen dunkelhaarigen Mann zu.
“Was willst du?” - fragte er ihn.
Der Fremde schien ihn zu verstehen und erwiderte
“Signor Fadi – prego”.
Jasin nickte und deutete dem Fremden an, hier zu warten.
Nachdenklich ging er nach hinten in die Backstube um Fadi zu holen. Was dieser dann mit dem Fremden machte war ihm egal. Schließlich musste er ja noch seine Brote ausliefern.
Fadi gab dem Italiener die Hand. “Fadi” – “Luigi” - erwiderte der Italiener.
“Ja – ich weiß” – “dann lass uns mal zu Halim gehen und schauen was der so von dir hält”.
Mit schnellen Schritten ging Fadi auf die Tür zu, aus der er eben gekommen war. Luigi musste sich beeilen, den Anschluss nicht zu verlieren.
“Halim” – rief Fadi. “Kommst du mal eben. Ich würde dir gerne Luigi vorstellen”.
Halim legte seine Brotschere auf Seite und trat zu den beiden an den Tisch.
“Das ist Luigi – du weist, der Junge der gerne Pizzabäcker werden würde”.
“Ah-ahja” - nickte Halim. “Ich erinnere mich” - sagte er und strecket Luigi seine Hand entgegen, die dieser ohne zu zögern ergriff. Lange hielt er Luigis Hand fest umschlossen und schaute ihm dabei tief in die Augen. Plötzlich lies er die Hand los, drehte sich zu Fadi um und nickte bejahend zu.
“Wenn er nun auch noch so gut Pizza backt, wie seine Augen zu sein scheinen, dann ist er unser Mann!”. Drehte sich um und wandt sich wieder seiner Arbeit zu.
Fadi schaute Luigi an, zuckte mit den Schultern und warf ihm einen Kittel zu.
“OK- zeig uns was du kannst”.
Obwohl das alles auf arabisch war, hatte Luigi verstanden. So wie er immer alles relativ schnell verstanden hatte. Obwohl er genau wusste, das ihn die anderen “als kleinen Italiener”, immer unterschätzten. Luigi zog den Kittel, den ihm Fadi zugeworfen hatte an und fing an sich zu orientieren. Nach und nach trug er alle Inhalte die er für eine gute Pizza benötigte zusammen. Während Halim sich mit keinem Auge für das Wirken von Luigi zu interessieren schien, schaute Fadi aufmerksam dem Treiben von Luigi zu. Mehl, Salz, Hefe, Zucker, Olivenöl, Knoblauch, Wasser, Oregano standen schließlich auf dem Tisch. Luigi begann die gute Messerspitze Hefe in lauwarmem Wasser aufzulösen, dann mischte er, fast ein halbes Pfund Mehl mit etwas Salz und Zucker, Danach schüttete er das lauwarem Wasser mit der aufgelösten Hefe über das Mehlgemisch, gab noch einen Schuss Olivenöl hinzu und fing an das Ganze fleißig zu kneten. Als der Teig anfing wie Schlamm an seinen Fingern zu kleben, schüttete Luigi den gesamten Teig auf die, mit Mehl eingepuderte Tischplatte, gab nochmals etwas Olivenöl über den Teig und besteubte das Ganze nochmals mit Mehl. Dann nahm er ein Tuch und deckte den Teig fein säuberlich ab.
“PRONTO” – sagte Luigi, jetzt noch ein wenig warten und dann können wir die Pizza backen.
Fadi kannte den Prozess. Liessen auch sie immer ihren Brotteig zusammen mit der Hefe ziehen, bevor sie ihn in den Backofen schoben. Nach fast einer Stunde war es dann soweit. Luigi rollte den Teig in eine dünne, knapp einen Zentimeter, dicke Form und schob sie in den Backofen, den er vorher nochmals so richtig angeheizt hatte. Während rechts die Holzscheide nur so brannten, fing links die Pizza schnell an aufzugehen.
Alles geht viel schneller als bei unserem Brotbackvorgang dachte Fadi. Schon nach kurzer Zeit nahm Luigi seine Pizza aus dem Ofen. Der Teig sah etwas gelblicher aus, als der, den Fadi von seinen Broten kannte. Lag sicherlich am Olivenöl dachte er.
Interessiert beobachtete er Luigi, wie dieser mit einem Messer ein Stück des Pizzabrotes abschnitt und es langsam, kauend von einer Ecke in die andere seines Mundes schob.
Fadi streckte seine Hand aus um ebenfalls ein Stück des Pizzabrotes zu testen, als ihm Luigi, mit ausgestreckter Hand, bedeutete, die Finger vom Brotteig zu lassen. Überrascht schaute Fadi Luigi an- Ist doch nichts anderes als bei unserem Brot dachte Fadi- nur etwas dünner. Was soll dass?
Es folgte ein lautes
“dannazione! Che cosa è - ha un sapore terribile”
“Was ist los?” – fragte Fadi ein wenig irretiert.
“Ich weiß es nicht! Aber das ist keine Pizza. Das ist Beirut-Pappe. Das ist KARTON” - antwortete Luigi ein wenig resigniert.
“Irgend etwas ist falsch an den Zutaten.
Aber ich werde es herausfinden” - versprach Luigi.
“Ich komme morgen wieder” – sprachs und verschwand.
“Was war das denn?”- hörte Fadi Halim fragen
“Hat wohl nicht geklappt. Und jetzt ist unsere gute Idee futsch“.
Fadi brauchte einen Moment, bis auch er kappiert hatte, was da so eben passiert war. Sie standen beide da wie bedröppelt und es herrschte Totenstille.
Plötzlich sagte Fadi – “Glaub mir, der kommt wieder – der gibt nicht auf”.
Es dauerte fast drei Wochen, bis Luigi wieder auftauchte.
Wie aus dem Nichts stand er an diesem Freitagmorgen vor der Backstube. Er hatte zwei dicke Taschen voll mit Backutensilien dabei. Er hob die linke Tasche.
“Alle aus Italien” - sagte er zu Fadi, der ihn begrüssen wollte. Dann hob er die rechte Tasche in die Höhe - “Alle von hier” - aber… er machte eine Pause – “alle von mir ausgesucht!”.
“Ich würde jetzt gerne ein paar Stunden alleine in der Backstube bleiben und ausprobieren warum es beim letzten Mal nicht funktionierte und wie es funktioniert ein super Pizza-Brot zu backen” - sagte Luigi fast in einem Befehlston”.
Fadi nickte zustimmend – und deutete mit ausgestreckter Hand an, dass er sich solange frei bewegen könne, bis um 2:00 Uhr Nachts die Öfen wieder für die Arabischen Brote frei sein sollten.
Nun nickte auch Luigi - und machte sich umgehend an die Arbeit.
Es muss wohl so gegen 22:00 Uhr gewesen sein, als Fadi und Halim, die an diesem Abend, nicht wie üblich nach Hause gegangen waren, plötzlich ein lautes Geschrei aus der Back-stube vernahmen.
“Oh Gott”- was ist nun passiert entfuhr es Halim und er und Fadi sprangen auf, um nachzuschauen was da los war.
Mit einem festen Ruck stiessen sie die Tür zur Backstube auf und trauten ihren Augen nicht. Eine weiße Nebelwand drang ihnen entgegen und mittendrin stand Luigi
“ Ha funzionato – i’ho fatto” - und schleuderte Mehl in die Luft.
“Halt die Luft an” - befahl Halim mit lauter durchdringender Stimme – “und komm raus hier”.
Weiss wie ein Schneemann stand der kleine Luigi vor Fadi und Hamil und konnte sich sein “stolzes” Grinsen nicht verkneif-en.
“Ha funzionato” - wiederholte er nun wohl schon zum x-ten Male und reichte den, verduzt dreinschauenden Männern, ein Stück Pizzabrot. Fadi teilte das Brot, und gab Halim die eine Hälfte, während er selbst schon in das noch sehr warme Brot biß. Halim tat es ihm nach und beide kauten nun ausgiebig auf dem Pizza-Brot herum. Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis sie im Stande waren wieder Luft zu holen. Abwechselnd schauten von einem zum anderen und wieder auf das Brot in ihrer Hand.
“Genial” - sprudelte es förmlich aus dem sonst doch eher schweigsamen Halim heraus.
Fadi nickte zustimmend – “Jetzt kann es endlich losgehen!”.
Schon am nächsten Tag trafen sie sich wieder. Schnell war man sich einig. Luigi sollte in einer neuen Backstube mit zwei weiteren Pizzabäckern, ersteinmal Pizza-Brot für alle ausländischen Kunden und auch später, wenn es gut laufen würde, belegte Pizza backen. Luigi kündigte seinen alten Job beim Italiener und fing umgeh-end mit der Einrichtung der neuen Backstube an. Er selbst ging regelmäßig in den Basar um die verschiedenen Zutaten zu kaufen. Das Olivenöl, welches aus Italien stammte, bezog er von einem Italiener, der einen kleinen Lebensmittelladen am Rande des Zentrums betrieb.
Wenige Wochen später wurde die neue Backstube
“Pronto-Pizza” eröffnet.
Der größte Teil des Verkaufs lief über das, bereits bestehende Netztwerk der alten HA-FA Bäckerei. Schnell sprach es sich in ganz Beirut herum und alle wollten nur noch das leckere Pizza-Brot von “Pronto-Pizza.”
