Kitabı oku: «Die Seitensprung Millionärin», sayfa 2

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Endlich, endlich habe ich ihn gefunden, den Mann fürs Leben, dachte sich Tamara und schaute glücklich und zufrieden auf Bernhard, der nach dem kurzen, aber intensiven Intermezzo genauso schnell eingeschlafen, wie gekommen war. Sie kuschelte sich an ihn und ein wohliger Schauer der Lust durchfloss ihren Körper. Am liebsten hätte sie es noch einmal mit ihm getan. Als aber alle Versuche seinen kleinen Freund wieder in Form zu bringen scheiterten, kuschelte sie sich feste an ihn um kurz darauf ebenfalls glücklich einzuschlafen. Es war schon ein wenig befremdlich für Tamara, als sie mitten in der Nacht aufwachte und Bernhard auf ihrem Bett vollkommen angezogen sitzen sah. Hatte sie etwas falsch gemacht, fragte sie sich und unwillkürlich zog sich ein schlechtes, beklemmendes Gefühl von ihrem Kopf in ihren Bauch und verursachte ihr ein starkes Unwohlsein. Das konnte doch nicht sein. Sie hatten sich doch so sehr aufeinander gefreut. Erst als Bernhard sie mit offenem Mund von oben bis unten taxierte, registrierte sie, dass sie splitternackt vor ihm auf dem Boden saß. Das sie jetzt nicht hastig nach der Decke griff, um sich zu bedecken, sondern vielmehr sich vor ihn hinkniete und begann langsam seine Hose zu öffnen und sanft herunterzuziehen, rettete die Situation und verhalf Bernhard dazu, seine bedrückenden Bedenken, etwas falsch gemacht, ja versagt zu haben, schlagartig. Glücklich ließ er sich wieder auf den Flokati gleiten, um sich erneut mit Tamara zu lieben. Ab da stand für beide fest. Sie gehörten zusammen und sind ab jetzt ein Paar.

Anfangs war es gar nicht so einfach für beide sich zu outen und ihre Beziehung offen zulegen. Doch von Tag zu Tag wurde es einfacher. Nur den Eltern sagte man erst einmal nichts. Erst als sie sich heimlich in Tamaras Zimmer liebten und zufällig ihre Mutter ins Zimmer kam, gab es kein Vertuschen mehr. Komischerweise gab es sowohl von Bernhards als auch ihren Eltern keinerlei dumme Bemerkungen oder gar altbackene Ratschläge. Was die beiden sehr freute.

Kapitel 3

Bis dass der Tod euch scheidet

Drei Jahre später hatten beide ihre Prüfungen zum Chemielaboranten mit Auszeichnung bestanden und erhielten feste Übernahmeverträge mit einem wirklich guten Grundgehalt. Sie waren sich beide einig, jetzt noch zwei, drei Jahre kräftig sparen, dann ein Haus bauen und eine Familie gründen und dem Glück würde nichts mehr im Wege stehen. Tamara war rundum zufrieden. Hatte sie doch richtig Glück mit ihrem neuen Job als zweite Laborantin neben dem alteingesessenen Herrn Schmitz. Sie war sich sicher, es würde nicht lange dauern, dann wäre auch sie Platzlaborantin und würde direkt ihrem Chef unterstellt sein. Anders war es bei Bernhard. Er hatte eine knochige, ewig grantige Chemotechnikerin als direkte Vorgesetzte. Und die ließ jeden Mann in ihrer Nähe wissen, dass sie die Chemotechnikerin hier der Chef ist. Sie kam sich noch wichtiger vor als ihr Chef, der über einen Doktortitel verfügte. Für Tamara und auch Bernhard waren die bewusst gewählten und auferlegten finanziellen Einschränkungen kein Problem. Sie trieben sich nicht auf Partys und Feten herum, unternahmen keine Urlaubsreisen, die großartig Geld kosteten, sondern verreisten mal mit ihren Eltern an die Adria, wo sie seit Jahren hinfuhren oder mit seinen Eltern auf den Campingplatz bei Bad Godesberg am Rhein.

Tamara gefiel das alles sehr gut. Bernhard war ausschließlich für sie da und hatte auch keinerlei Interesse an irgendwelchen anderen Frauen. Das heimliche Getue ihrer Arbeitskollegen und -innen interessierte sie wenig. Für sie war Fremdgehen kein Thema mehr, schließlich war sie superglücklich. Und wenn alles nach Plan lief, würden sie noch dieses Jahr heiraten und bis das Haus fertig sei, in der Kellerwohnung bei seinen Eltern wohnen. Für die beiden lief alles nach Plan. Es war eine wunderschöne und stilvolle Hochzeit in kleinem Rahmen. Tamara hatte sich zusammen mit ihrer Mutter ein wunderschönes, langes Brautkleid mit ebenso langer Schleppe ausgesucht. Und sah darin bezaubernd aus. Auch Bernhard in seinem blauen Anzug und der roten Krawatte machte einen tollen Eindruck. Sie waren ein tolles Brautpaar. Die Eltern, Großeltern, die engsten Freunde und einige auserwählte Arbeitskollegen waren geladen und saßen nun versammelt in der kleinen Dorfkirche und lauschten andächtig den Worten des Geistlichen.

... und du liebe Tamara, willst du den hier anwesenden Bernhard Becker ehren und lieben, bis dass der Tod euch scheidet?

Ja, – ich will!

Tamara war rundum zufrieden. Sie hatte den besten Mann der Welt, einen tollen Job und bald würde auch ihr großes Haus am Ende der Straße fertiggestellt sein. Dann würden sie dort einziehen und eine Familie gründen.

Es war Frühjahr.

Die geschmückte Tanne mit den bunten Fahnen thronte über dem Dach und war von weither zu sehen. In den nächsten Tagen würden sie endlich einziehen können und die Nebenbei-Schufterei würde endlich ein Ende haben. Anfangs war noch alles OK zwischen ihr und Bernhard. Die Aufgaben waren groß und es blieb ihnen keine Zeit, über sich oder andere Dinge nachzudenken. Erst als ein Ende abzusehen war, kamen die beiden ein wenig zur Ruhe. Aber genau das war der Punkt, wo die noch so kleinen Dinge dazu führten, dass sie sich immer öfter in die Haare gerieten und sich manchmal auch sehr wüst beschimpften. Kaum waren sie in das wunderschöne neue Haus eingezogen, begann sich ihr Alltag wieder zu normalisieren. Tamara musste zugeben, dass ihr Verlangen nach Bernhard zurzeit ein wenig auf Eis lag und sie begann sich zu langweilen. Bernhard machte auch keine großen Anstalten daran, etwas zu ändern. Ihm reichte sein Schachklub, den er zweimal die Woche besuchte und der schöne große Fernsehapparat, den ihnen seine Tante zum Einzug geschenkt hatte. Es sind bestimmt nur die Nachwehen der anstrengenden Zeit der Entbehrung und des Hausbaus, der sie beide jetzt in diesen ehelichen Ruhestand versetze, redete sich Tamara immer dann ein, wenn sie dieses Gefühl von Langeweile gepaart mit ein wenig Traurigkeit überkam. Auch die Arbeit um das Haus herum ging nicht wirklich mit Freude von der Hand. Bernhard interessierte nicht, wo welche Pflanze hin sollte und auch nicht, dass sie von den Nachbarn zum Bierchen oder gar Grillen eingeladen wurden.

„Das muss man alles zurückgeben, und dann fressen die einem die Haare vom Kopf und saufen uns das letzte Bier weg. Zudem hängen sie dann jeden Tag bei uns rum. Das muss ich nicht haben“, betonte Bernhard jedes Mal wenn er mal wieder eine Einladung absagte bzw. sie vorschob, irgendeine Ausrede zu erfinden und die Einladung abzusagen. So blieb es auch nicht aus, dass nach und nach keiner mehr die beiden einlud oder auch spontan besuchte.

Ihre ehelichen Pflichten waren knapp vier Jahre nach der Hochzeit zum Erliegen gekommen. Was so viel hieß wie: Sex, ist tabu und lästig. Nur wenn sie beide dann mal mit ihren Eltern zusammen gefeiert hatten und der Alkohol sie beflügelte, verspürten sie so etwas wie Lust aufeinander und vollzogen den ehelichen Akt in Form eines „Koitus Interrupts“. Das ewige Rumgehänge und die langweiligen Fernsehabende führten immer öfter dazu, dass sie sich ein Bierchen oder Glas Wein zu viel einschenkten um dann schnell vor der Glotze einzuschlafen. Da kam es Tamara recht, als man im Werk davon sprach, das die Firma ein komplett neues Forschungsinstitut auf der anderen Rheinseite bauen wolle und jetzt schon Mitarbeiter aus allen Werken gesucht würden. In ihr reifte der Plan, sich zusammen mit Bernhard dort zu be-werben. Dort würde sie dann auch ihren eigenen Laborplatz erhalten und es würde sich auch endlich wieder etwas bewegen in ihrem mittlerweile grauen Ehealltag. Noch bevor sie mit Bernhard darüber sprechen würde, wollte sie sich erst bei der Personalabteilung erkundigen, was in Wirklichkeit hinter diesen Gerüchten steckte.

„Ja Frau Becker, da ist was dran. Der Grundstein für das Institut ist gelegt und wenn alles normal verläuft, dann kann der Forschungsbetrieb im nächsten Jahr aufgenommen werden. Wenn sie und ihr Mann interessiert sind, dann würde ich ihnen raten, sich schnell zu bewerben, da die Nachfrage schon jetzt sehr groß ist.“ Tamara legte den Hörer auf die Gabel. Zum ersten Mal nach langer Zeit träumte sie wieder von einer bewegten Zukunft. Davon, dass ein Wechsel der Arbeitsstelle auch ihre Ehe wieder in Schwung bringen würde. Lange und akribisch legte sie sich die Worte zurecht, mit denen sie Bernhard davon überzeugen wollte, dem Wechsel ins neue Institut zuzustimmen. Alles ließ sich auch gut an. Sie unterbreitete ihm die sich auftuenden Möglichkeiten der beruflichen Karriere, dass sie jeden Tag gemeinsam hin und auch zurückfahren könnten, dass es dort Gleitzeit gäbe und vor allem das sie raus aus dem Mief des Werkes kämen und quasi auf einer großen Wiese mitten unter Kühen arbeiten würden.Es war wie immer. Nachdem sie ihm alle Vorteile und Möglichkeiten dargelegt hatte, kam seine schon zu erwartende Antwort. „Ja - aber“

Was, wenn und was, wie und warum ... Seine Bedenken schienen nicht aufzuhören.

Tamara riss der sprichwörtliche Geduldsfaden.

„Wenn du nicht willst, dann gehe ich eben alleine!“

Das saß. Bernhard schien ein wenig verdutzt ob der lauten und bestimmenden Worte aus Tamaras Mund. Das hatte er seit der stressigen Bauphase so lange nicht mehr gehört.

„Und“, fragte Tamara mit einem entschlossen klingenden Unterton, „Kommst du jetzt mit oder nicht?“

Obwohl sich Bernhard überrumpelt fühlte stimmte er doch mit einem angedeuteten Kopfnicken zögernd zu. Geht doch, sagte Tamara. Setzte sich zu ihm auf die Couch und während sie sich an ihn ankuschelte murmelte sie „Jetzt wird alles wieder gut“.

„Was wird gut?“, fragte Bernhard und er tat so als ob ihn das wirklich interessierte.

„Nichts Schatz“, erwiderte Tamara ebenso oberflächig und es kam ihr vor, als hörte sie einem alltäglichen Gespräch zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater zu.

Noch am nächsten Tag besorgte sich Tamara die Bewerbungs-anträge aus der Personalabteilung, um sie umgehend auszufüllen und Bernhard zur Unterschrift vorzulegen, bevor er es sich wieder anders überlegen würde. Tamara konnte es kaum erwarten, dieses langweilige Leben auf dieser Rheinseite zu beenden. Und die neue Arbeitsstelle würde auch wieder frischen Wind in ihre Ehe bringen. Davon war sie fest überzeugt. Fast alle 14 Tage fuhren sie gemeinsam mit der Fähre über den Rhein, um sich den Fortschritt der Bauaktivitäten anzuschauen und die Gegend zu erkunden.

„Schau, unser Trakt ist schon fast fertig“, sagte Tamara eines Tages zu Bernhard, „In vier bis fünf Wochen setzen wir unseren ersten „Versuch“ im neuen Labor an“.

Und tatsächlich fast auf den Tag genau vier Wochen später erhielten sie den Anruf aus der Personalabteilung, dass sie zum Ersten des Folgemonats ihre neue Arbeitsstelle antreten könnten. Um den Weggang und die Nachfolge im alten Betrieb bräuchten sie sich keine Sorgen zu machen, das wäre alles schon mit der Abteilung abgesprochen. So sehr die Vorfreude auf den beruflichen Umzug bei Tamara wuchs, so sehr zog sich Bernhard zurück. Für ihn war es eine schlimme Phase. Eine Veränderung stand an. Und er hasste Veränderungen wie die Pest! Tamara beobachtete sein komisches Verhalten und anstatt ihm zu helfen, darüber hinwegzukommen, ignorierte sie es. Irgendwie war sie Müde geworden, diesen immer träger und bedächtiger werdenden Mann an ihrer Seite, der sich immer mehr zum Opa entwickelte, zu motivieren und ihn für irgendetwas zu begeistern.

„Ich lasse mir von dir die Freude nicht verderben“, hatte sie ihm grob geantwortet, nachdem er mal wieder irgendwelche Bedenken in Bezug auf den Wechsel in ein anderes Labor anbrachte.

Es war Mai, alles fing an zu blühen und auch die Temperaturen waren im Rheinland mit fast 22 Grad schon entsprechend warm und der große Tag der internen Eröffnung des Institutes stand bevor. Die Firma hatte alle neuen Mitarbeiter der Pflanzenschutzabteilung für diesem Samstag eingeladen, um sie nicht nur will-kommen zu heißen, sondern ihnen auch die neuen Räumlichkeiten und Kollegen vorzustellen.

„Zieh endlich deine Schuhe an“, sagte Tamara mit einem genervten Unterton zu ihrem Mann Bernhard, der mal wieder herumtrödelte und einfach nicht in die Pötte kam. Tamara musste sich beherrschen, um nicht laut loszubrüllen. Wie eine Schildkröte dachte sie nahm ihre Handtasche und verließ das Haus, um das Auto aus der Garage zu fahren und dann wieder warten zu müssen, bis Bernhard endlich die Haustüre abgeschlossen hatte. Während Tamara das Auto über die Rheinuferstraße Richtung Fähre steuerte, fiel ihr Blick auf Bernhard der, gelangweilt neben ihr auf dem Beifahrersitz saß. Aus den Augenwinkeln heraus musterte sie ihn von oben bis unten. Jeans, braune Schuhe, grüne Socken, das bunte, schon recht verschlissene Hemd stand über seinem Bauchansatz offen und auch die grau karierte Jacke passte absolut nicht zum restlichen Outfit. Das er auch noch um den Kopf herum aussah, als käme er gerade aus dem Bett, ließ die Wut in ihr hochsteigen. Wie peinlich war das denn? Da tritt man eine neue Arbeitsstelle an und der Partner läuft rum wie ein absoluter Penner.

Nein! Mit diesem Mann wollte sie, die sich so weit es ging, „fein“ gemacht hatte, nicht gemeinsam auf dem Empfang präsentieren. Es standen schon eine Menge Autos auf dem großen Parkplatz vor dem Institutsgelände.Tamara registrierte die unterschiedlichen Kennzeichen an den geparkten Fahrzeugen.

„Wow!“ Die kommen ja von überall her. W. Do. LEV. K. las sie laut vor, während Bernhard den Anweisungen des Parkplatzeinweisers folgte.

So aufgeregt Tamara auch war, als sie sich in die große Schlange der vor der riesigen Institutskantine versammelten Menschen einreiten, registrierte sie doch genau, wer da so alles als neue Kollegen um Einlass anstand. Ganz vorne entdeckte sie Carmen, eine Kollegin aus ihrem alten Labor, während Bernhard sie einfach stehen ließ und zu einer Gruppe Männer ging, die ebenfalls aus dem alten Labor stammte und sich hier beworben hatte. Nachdem der Pförtner ihren Namen von der Teilnehmerliste gestrichen hatte, bekam sie ein Namensschild und wurde höflich gebeten, sich irgendwo in der Kantine einen schönen Platz zu suchen. Tamara trat durch das weit offen stehende Portal in die riesige Kantine – überwältigt von dem Anblick, der sich ihr bot, blieb sie stehen. Kantine, – es war alles andere als eine Kantine, es war eine Mischung aus Zoologischem Garten, Schwimmbad und riesiger Hotellounge.

„Sorry“, sagte der junge Mann als er Tamara, die immer noch im Eingang stand, anrempelte. „Hab sie vor lauter Staunen über das Ganze völlig übersehen.“

„Leo aus Köln“, stellte er sich vor.

„Tamara von der anderen Rheinseite“, stellte sie sich ebenfalls reflexartig vor.

Erst nachdem sie der Mann am Arm packte und aus dem Eingangsbereich ins Innere der Free-Flow-Kantine zog, um nachfolgenden Kollegen den Weg frei zu machen, sah sie ihr Gegenüber an, um ihn in Sekundenschnelle von oben bis unten zu scannen. Blond, sportlich durchtrainiert , und mit einem strahlenden, ja fesselnden Lächeln in seinen blauen Augen stand er ihr direkt vor der Nase. In seinem leichten Sommeranzug wirkte er nicht wie ein Kollege, sondern vielmehr wie ein möglicher neuer Chef.

Mit: „Folgen sie mir junge Frau“, reichte der gut aussehende Charmeur den Arm, um sie dann sicher und elegant durch die Menge an einen der großen Tische zu führen. Erst als sie sich an diesem Tisch bei anderen Kollegen niedergelassen und eine andere bildhübsche Frau ihn mit „Hallo Leo“ begrüßte, war ihr klar, das konnte nur ein Kollege sein. Wie aus heiterem Himmel durchströmte sie ein warmes Gefühl von Zuneigung zu diesem Leo. Lieber Gott, – lass den mein neuer Kollege sein. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste - er wurde es ... und er wurde noch viel mehr.

Nachdem der Ressortleiter alle begrüßt hatte, pries er die neue Einrichtung und die damit verbundenen Möglichkeiten und Potentiale, neue Produkte zu entwickeln nicht ohne aber dem Hinweis – Wir zählen auf sie. Geben sie täglich ihr Bestes. Sie gehören jetzt zur Creme de la Creme im bundesweiten Forschungswesen.

Bla, bla, bla, entfuhr es Leo leise.

„Dann wollen wir mal – super Forscherin Tamara von der anderen Rheinseite“. Reichte ihr wieder seinen Arm um sie dann über das wunderschön mit Bäumen und Bächen, kleinen Löschteichen und hölzernen Brücken gestaltete Außengelände zum Forschungstrakt 1 zu geleiten.

„Bist du auch im Komplex 1?“, fragte Tamara Leo in der stillen Hoffnung, dass er ja sagen würde.

„Ja – bin ich. Box 13 - Dir. Dr. Winter.“

Für einen kurzen Augenblick blieb Tamara das Herz stehen. Box 13, Dir. Dr. Winter. Das war doch auch ihr Ziel. Schoss es Tamara augenblicklich durch den Kopf. Erst jetzt bemerkte sie wie ihr die Beine anfingen zu zittern und ganz weich wurden. Bloß jetzt nicht schlappmachen.

„Danke lieber Gott“ – flüsterte sie leise.

„Hab nicht verstanden“, sagte Leo mit einem verschmitzten Lächeln. „Dann wollen wir mal unseren neuen Arbeitsplatz und Chef besichtigen.“

Das Labor war noch nicht eingerichtet. Überall standen Kartons und noch nicht eingerichtete und angeschlossene Gerätschaften herum. Lediglich die beiden Schreibtische mit den bequemen Drehstühlen waren schon eingerichtet. „Wo möchtest du sitzen?“, fragte Leo Tamara und deutete abwechselnd auf beide Stühle. Tamara überlegte einen Augenblick und entschied sich für die Seite, von der aus sie alles im Blick hatte.

„Ok, dann werde ich hier sitzen und darauf achten, dass keine bösen Männer zu dir vordringen“, antwortete Leo und beide mussten laut lachen.

„Aha! Da habe ich aber Glück gehabt“, sagte eine tiefe männliche Stimme aus dem Büro, welches sich schräg gegenüber der Laborbox Nr. 13 befand.

„Keine Sorge, ich beiße nicht“, ergänzte der kleine ältere Herr mit der Halbglatze, „ich bin nur ihr neuer Chef. Herzlich will-kommen im neuen Forschungsinstitut Block 1 Box 13.“

„Wir beißen auch nicht“, erwiderte Leo mit einem Lächeln und reichte Dr. Winter die Hand und es sah für Tamara so aus, als würden sich die beiden schon ewig kennen.

Mit: „Sie müssen Tamara Becker sein“, begrüßte sie Dr. Winter und reichte Tamara die Hand.

Es wurde ein lustig lockeres Gespräch und Dr. Winter deutete an, dass er die beiden in Zukunft quasi sich selbst überlassen würde, hätte er doch viele Termine im „Stern“, – so nannte er den sternenförmigen Verwaltungstrakt, der sich auf der anderen Seite der Kantine als riesiges Bürogebäude präsentierte.

In den nächsten Tagen richten sie sich ihren Arbeitsplatz und das Labor entsprechend ein und bestellen einfach alles, was sie noch brauchen im Lager. Und wie er gekommen war, so verschwand er auch wieder in seinem Büro, jedoch nicht ohne noch anzumerken, dass es in diesem Labor keine Hierarchie gäbe und Tamara und Leo gleichgestellt seien.

„Schade“, sagte Leo.

„Was ist schade?“ fiel ihm Tamara ins Wort. „Der ist doch top und wir haben alle Freiheiten.“

„Schade“ - setzte Leo erneut an. „Ich wäre doch so gerne dein Boss geworden.“ Dabei schaute er sie mit leuchtenden Augen an und fixierte ihren Blick.

Da war es wieder. Dieser Typ hatte sie doch schon wieder in Verlegenheit gebracht. Stieg doch schlagartig wieder dieses Verlangen von „Drück mich“ in ihr auf. Sein Blick war so klar und ehrlich und sie hatte nicht das Gefühl wie bei anderen Männern, das er mit seinem Blick sie ausziehen wolle. Viel-mehr schien er sie zu hypnotisieren. Und es war nicht unangenehm. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich ihre Blicke voneinander lösten.

„Komm“ sagte Leo plötzlich. „Lass uns zurück in die Kantine und ein wenig plaudern.“

Eilig griff Tamara nach ihrer Handtasche und mit einem „Bis Montag Chef“ verließen beide den Labortrakt in Richtung Kantine. Was für ein Glück dachte sich Leo. Sieht nicht nur toll aus, das Mädel, sondern und das faszinierte ihn ganz besonders und hatte sofort sein Interesse an Tamara geweckt. Ihr klarer, fragender Blick. Sie war bis dato die Einzige seiner vielen tête-à-tête, die seinem intensiven Blick nicht auswich.

Das irritierte und faszinierte ihn zugleich. War es doch seine Stärke, alle – ob Mann oder Frau – mit seinem Blick entweder in Verlegenheit zu bringen oder für sich zu gewinnen. Bei Tamara bahnte sich ein „Duell“ auf Augenhöhe an.

Es war ein toller Nachmittag mit Leo und den anderen Frauen, die sich im Laufe der Zeit zu ihnen an den Tisch gesetzt hatten und sich nun fleißig den Sekt, der noch auf den Empfangswagen stand, einverleibten. Tamara war fasziniert. Obwohl Leo bis vor ein paar Stunden noch keine einzige von den anderen kannte, so hatte er es innerhalb kurzer Zeit geschafft, die Mädels für sich zu begeistern. Schnell war klar, wer sie waren, ob sie solo oder verheiratet waren. Wo sie ihren neuen Arbeitsplatz hatten und, und, und ... Als hätte er sie hypnotisiert, erzählten sie ihm alles, was er wissen wollte. Tamara fühlte sich pudelwohl und hätte nicht der Pförtner sie höflich darauf hingewiesen, dass sie nun langsam schließen würden, hätten sie wahrscheinlich noch den ganzen Abend da gesessen und rumgealbert. Umgeben von fünf tollen und ganz schön beschwipsten Frauen schlenderten Leo und Tamara in Richtung Parkplatz. „Da ist mein Mann“ rief Manuela, eine der Mädels. Ich frag ihn mal ob er uns noch in die nahe gelegene Disco „Lord Nelson“ fährt. Manuelas Mann hatte nichts dagegen und alle stiegen in den VW Bus ein.

„Willst du nicht mitkommen“ fragte Leo Tamara, als er sah, dass sie nicht einsteigen wollte. „Kann leider nicht. Da vorne wartet mein Mann im Auto und der ist bestimmt schon sauer“. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Augen und um ein Haar, wäre sie doch noch in den VW-Bus gestiegen. Mit einem Schulterzucken schloss Leo die Tür und wandte sich im nächsten Augenblick den kreischenden Mädels zu. Mit einem Hupkonzert düsten die Feierwütigen davon. Tamara ging schwankend zu ihrem Auto, in dem Bernhard schon nervös wartete.

„Na, scheinst ja viel Spaß gehabt zu haben. Und gesoffen habt ihr auch. Na, das kann ja heiter werden“. Bernhard startete den Motor und ohne ein weiteres Wort zu verlieren steuerte er den Wagen vom Parkplatz und fuhr in Richtung Autobahn. Tamara hatte die Augen geschlossen und spürte die warme Luft die aus dem Heizungsgebläse von unten sanft über ihre Beine glitt. Wie gerne wäre sie jetzt mit den anderen losgezogen um zu lachen und zu tanzen. Tanzen! Sicherlich würde Leo jetzt mit einer der heißen Girls einen flotten Tanz aufs Parkett legen oder gar schon mit einer von ihnen auf „Je t’aime“ knutschen und fummeln. Tamara spürte eine leichte Eifersucht in sich hochsteigen. Wäre sie doch jetzt so gerne in seinen Armen gelegen. Erst als Bernhard den Wagen abbremste und von der Auto-bahn in die Kurve der Ausfahrt steuerte, wurde Tamara aus ihren schönen Träumen gerissen.

Oh Gott – schoss es ihr durch den Kopf. Was ist denn mit dir los, fragte sie sich. Und als müsste sie sich selbst anzeigen murmelte sie „Jetzt bist du schon wie alle anderen und würdest ohne mit der Wimper zu zucken mit dem Erstbesten ins Bett steigen - DU SCHLAMPE!“

„Was ... wer ist eine Schlampe?“, fragte Bernhard der bis auf das Wort Schlampe ihrem Gemurmel nichts Weiteres hatte entnehmen können.

Verstört und aus dem Unterbewusstsein heraus antwortete Tamara leise. „Nichts-, hab nichts gesagt“.

Plötzlich schämte sie sich zutiefst. Hatte sie doch einen tollen Mann an ihrer Seite dem sie Treue und Liebe bis in den Tod geschworen hatte. Und jetzt spielte sie doch tatsächlich mit dem Gedanken ihn mit diesem Leo zu betrügen.

Kapitel 4LEO – zum ersten

Irgendwie hatte Tamara es geschafft, sich von den unsittlichen Gedanken an Leo, die sie immer wieder überkamen, abzulenken. Erst als sie sich am Montagmorgen zusammen mit Bernhard auf den Weg zum Institut machte, war Leo plötzlich wieder in ihrer Fantasie präsent.Tamara schaute Bernhard, der noch etwas müde hinter dem Steuer des Autos saß, von der Seite her an und schwor sich, egal was auch passieren möge, ihm für immer und ewig treu zu sein. Es war Bernhard, der mit seinem plumpen Kommentar das ehrliche Versprechen, das sie sich noch vor Sekunden gemacht hatte, mit wenigen Worten zunichtemachte.

„Wenn ihr gleich das Labor aufräumt, dann pass auf das Leo oder wie heißt dein neuer Kollege, nichts bei dir einräumt“.

Paff! Das saß!

Tamara war bis tief in ihr Herz über die Aussage von Bernhard enttäuscht. Warf er ihr, gerade ihr, die sie so auf Ehrlichkeit und Treue in der Ehe pochte, vor, dass sie ihn betrügen wolle. Von Sekunde zu Sekunde wurde aus der Enttäuschung Wut. Wut darüber, dass ihr eigener Ehemann sie vernachlässigte und ihr dann auch noch vorwarf ihn betrügen zu wollen.

„Guten Morgen“ begrüßte sie Leo mit einem strahlenden Lächeln. „Hab uns schon einen Kaffee gekocht und ein paar belegte Brötchen aus der Kantine geholt“.

Tamaras Wut auf Bernhard war schlagartig verflogen. Auf dem Tisch standen nicht nur die Brötchen und der frisch gebrühte Kaffee, sondern auch noch ein riesiger Strauß bunter Feldblumen.

Darunter ein abgerissener Kartondeckel mit der Aufschrift: Herzlich willkommen im Paradies! Darunter in Kleinbuchstaben: Der „Liebe Gott“ erschuf die Welt in 6 Tagen. Dann übergab er an Tamara und Leo. Mögen sie friedlich und liebevoll das Paradies (Labor) beleben.

Mit einem lauten Prusten spuckte Tamara den heißen Kaffee über den halben Schreibtisch. Und ein strahlendes Lächeln umhüllte ihre Augen. Was dann passierte, war wohl Gottes Werk. Tamara umrundete den Schreibtisch, fasste Leo an beiden Ohren und drückte ihm einen dicken Kuss auf die Lippen.

„Willkommen Adam“.

„Willkommen Eva“, antwortete Leo und schien kein bisschen verdutzt über ihre Reaktion zu sein.

Oh Gott, was hab ich denn jetzt gemacht, schoss es ihr durch den Kopf und ihr Gesicht lief rot an.

„Keine Panik „Eva“ musst dich nicht schämen, bist doch nicht nackt“.

Ohne den Blick in seine Augen zu unterbrechen antwortete sie wie aus der Pistole geschossen: „Wenn ich nackt wäre, dann müsstest du dich schämen weil du nicht wüsstest welchen Apfel du nehmen solltest“.

„Beide“ erwiderte Leo und seine Augen strahlten sie an.

Ohne ein weiteres Wort zu wechseln, frühstückten sie und begannen danach ihren Arbeitsbereich einzurichten. Dass dabei immer mal eine der Kolleginnen, mit denen sie noch am Samstag gefeiert hatten, im Labor auftauchte und mehr an Leo interessiert war als an ihr, störte sie nicht. Vielmehr hörte sie ihm zu, wie charmant und witzig er mit den Mädels flirtete. Dieser Charmeur wickelte sie alle im Handumdrehen um den kleinen Finger. Das Leo dies nicht alleine wegen des puren „Anmachens“ machte, stellte sich später als enormer Vorteil heraus. Die meisten von ihnen arbeiteten in der Analytik oder dem Beschaffungswesen und sorgten so dafür, dass für Tamara und Leo die Dienstwege wegfielen und sie schnell Ergebnisse oder Produkte und Informationen erhielten. Was wiederum dazu führte, das sie fast das Doppelte an Arbeitspensum schafften wie ihre direkten Kollegen in den anderen Boxen.

Im Laufe der Zeit lernte sie alle kennen und es entwickelte sich eine richtig gute Freundschaft untereinander. Sie alle schäkerten untereinander und vor allem mit Leo. Und obwohl Tamara ahnte, das Leo mit der ein oder anderen von ihnen mehr pflegte als nur eine gute Freundschaft, störte es sie nicht. Als aber eines Tages Diana, diese verdammt gut und sexy aussehende Frau aus der Bibliothek in ihrem Labor auftauchte und nach Leo, der mal wieder bei den Mädels in der Analytik war, fragte, befiel sie ein Gefühl von Eifersucht.

„Von wem darf ich ihm denn einen schönen Gruß bestellen“, fragte Tamara die exotische Schönheit.

„Diana! Er weiß dann schon Bescheid. Sag ihm, dass ich jetzt hier in der Bibliothek arbeite und jederzeit für ihn da bin“. Woraufhin sie sich elegant umdrehte und genauso lautlos verschwand wie sie aufgetaucht war.

Erst jetzt bemerkte Tamara, das ihr Mund offen stand und sie wie gebannt auf die leere Stelle starrte, an der soeben noch diese Diana stand. Instinktiv spürte sie, dass dies eine echte Gefahr darstellte und den Frieden im Paradies stören könnte. Als Leo fast eine Stunde später freudestrahlend aus der Analytik wiederkam, bemerkte er sofort, dass mit Tamara etwas nicht stimmte. Still war sie und ihr Gesicht hatte etwas Hartes.

„Was ist los „Eva - Herzilein“, so nannte Leo sie neuerdings. Hat der Chef dir eine Gehaltserhöhung angedroht? Oder war dein Mann hier?“

Langsam ging Leo auf Tamara zu, packte sie und als ob er sie beschützen müsste, drückte er sie an sich.

„Alles wird gut“. Oder? Und er schaute ihr tief in die Augen.

„Ach alles gut! Da war Besuch für dich. Eine Diana. Soll dir bestellen, dass sie jetzt hier in der Bibliothek arbeitet und sie jederzeit für dich da sei.“

Schlagartig war Leo klar, warum Tamara so zurückhaltend war. Er hatte das schon x-mal erlebt. Wenn er mit einem Mädel zusammen war und Diana auftauchte, dann zogen sie sich alle vor Angst zurück. Es war nicht so, dass Diana grob barsch oder gar hochnäsig gegenüber ihnen war, es war vielmehr ihre Ausstrahlung. Sie umgab eine Aura, die allen vermittelte, die ist mit allen Wassern gewaschen und unverwundbar sei. Leo liebte Diana. Sie war eine ständige Herausforderung. Und seit sie vor vielen Jahren dieses wunderschöne Verhältnis hatten, war das Spiel noch interessanter für die beiden. Ihre Begegnungen waren nie geplant und fanden immer nur spontan statt. Aber wenn sie stattfanden, dann waren sie von einer anderen Welt. Das konnte nur so gut funktionieren, weil niemand von beiden irgendwelche Ansprüche oder gar Forderungen an den anderen stellte.

Zwei Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Jetzt war sie wieder da. Zufrieden setzte sich Leo in den Sessel des Chefs, der mal wieder auf Dienstreise war und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf um in Gedanken zu Diana zu reisen.

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