Kitabı oku: «Es gibt nichts zu tun»

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Inhalt
1Der Mensch, für den es nichts zu tun gibt
2Wie man die Aufzeichnungen des Meisters Linji lesen sollte
3Die Aufzeichnungen des Meisters Linji
4Kommentare zu den Aufzeichnungen des Meisters Linji
Zen-Gefechte
1. Kommentar
2. Kommentar
3. Kommentar
4. Kommentar
5. Kommentar
6. Kommentar
7. Kommentar
8. Kommentar
9. Kommentar
Abendvorträge
10. Kommentar
11. Kommentar
12. Kommentar
13. Kommentar
14. Kommentar
15. Kommentar
16. Kommentar
17. Kommentar
18. Kommentar
19. Kommentar
20. Kommentar
21. Kommentar
22. Kommentar
23. Kommentar
5Übungen, die auf den Aufzeichnungen des Meisters Linji aufbauen
Zuflucht nehmen zu der Insel in uns
Einatmen, ausatmen
Ein, aus, tief, langsam
Hier ist das Reine Land
Ich bin angekommen, ich bin zuhause
Anmerkungen
1
DER MENSCH, FÜR DEN ES NICHTS ZU TUN GIBT
»Wie ich es sehe, gibt es nicht viel zu tun.
Seid ganz natürlich – legt eure Robe an,
esst euer Essen und verbringt die Zeit damit,
nichts zu tun.«
MEISTER LINJI, 18. UNTERWEISUNG
Viele Schülerinnen und Schüler des Buddhismus sind Kinder von Meister Linji, selbst wenn sie nicht einmal seinen Namen kennen. In der Zen-Tradition ist der Geist von Meister Linji in allem, was uns gelehrt wird und was wir tun.
Meister Linji lebte im China der Tang-Dynastie. Geboren wurde er zwischen 810 und 815 in der westlichen Provinz Shandong, südlich des Huang-Ho-Flusses (des Gelben Flusses). Als junger Mann verließ er seine Familie und reiste nach Norden, um bei Zen-Meister Huangbo in dessen Kloster nahe Hongzhou in der Provinz Jiangxi, südlich des Yangzi-Flusses, zu studieren. Es war eine Zeit politischer Instabilität in China. Der Buddhismus wurde von staatlicher Seite unterdrückt, was 845 in einem Dekret des Kaisers Tang Wu Zong kulminierte, demzufolge Mönche und Nonnen die Roben ablegen und wieder als Laien leben mussten. Viele Tempel und Statuen wurden zerstört, vor allem in den Städten. Klöster in entlegenen Gebieten waren weniger betroffen.
Nach einigen Jahren sandte sein Lehrer den jungen Linji zu dem als Einsiedler lebenden Mönch Dayu, damit er bei ihm für kurze Zeit studierte. Danach kehrte Linji zum Tempel Huangbos zurück und lebte dort mit den anderen Mönchen. Später leitete er in Zhengzhou in der Provinz Hebei einen eigenen Tempel, wo er in dem für ihn charakteristischen unmittelbaren und dramatischen Stil lehrte. Wie damals in China üblich, wählte er seinen Namen, Linji, nach dem Berg, auf dem er lebte und lehrte. Dort wohnte er bis zu seinem Tod 867. Er selbst schrieb seine Unterweisungen nie auf, doch seine Schüler sammelten sie und stellten sie in den Aufzeichnungen des Meisters Linji zusammen.
Als junger Mönch studierte Meister Linji voller Eifer und gewann tiefe und umfassende Kenntnisse im Tripitaka, den drei Körben buddhistischer Lehren: Sutras, Kommentare und Vinaya (monastische Regeln). Ihm fiel auf, dass viele Mönche zwar sehr fleißig studierten, dies jedoch keine Wirkung auf ihr Verstehen und ihre Transformation hatte. Sie schienen nur nach Wissen zu streben, um ihren Ruhm zu vergrößern oder eine bessere Position im Kloster einzunehmen. Deshalb gab Meister Linji seine Studien auf, um der wahren Zen-Praxis zu folgen.
Viele von uns haben ihr ganzes Leben damit verbracht, zu lernen, zu befragen, zu suchen. Doch auch auf dem Weg der Erleuchtung verschwenden wir unsere Zeit und die unseres Lehrers, wenn wir nichts anderes tun, als zu studieren. Das bedeutet nicht, dass wir nicht studieren sollten; Studium und Praxis können einander unterstützen. Doch wichtig ist nicht das Ziel, das wir anstreben – auch wenn dieses Ziel Erleuchtung ist –, sondern dass wir jeden Moment unseres täglichen Lebens voll und wahrhaft leben.
Meister Linji verfügte über ein fundiertes Wissen des buddhistischen Kanon, doch gründete seine Lehrmethode auf der Zuversicht, dass Menschen nur zu ihrer wahren Natur erwachen und als ganz normale Menschen leben müssen. Er bezeichnete sich nicht als Zen-Meister, vielmehr sah er sich als »guten spirituellen Freund« – jemanden, der anderen auf dem Pfad helfen konnte. Menschen, die über genügend Einsicht verfügten, um zu lehren, nannte Meister Linji »Gastgeber« und Schüler, die kamen, um zu lernen, »Gäste«.
Zu seiner Zeit wurden einige buddhistische Begriffe so oft benutzt, dass sie bedeutungslos geworden waren. Die Menschen grübelten über Worte wie »Befreiung« und »Erleuchtung« nach, bis diese ihre Kraft verloren, und das ist heute nicht anders. Viele Leute verwenden Worte, die unsere Ohren ermüden. Wir hören im Fernsehen oder Radio so oft die Worte »Freiheit« und »Sicherheit« oder lesen sie in den Zeitungen, dass sie ihre Wirkung einbüßen. Selbst die schönsten Worte verlieren ihre wahre Bedeutung, wenn sie zu oft benutzt werden. So ist zum Beispiel das Wort »Liebe« ein wundervolles Wort. Essen wir gern Hamburger, sagen wir: »Ich liebe Hamburger.« Was bleibt dann von der tieferen Bedeutung des Wortes »Liebe« übrig?
Ähnlich ist es mit buddhistischen Begriffen. Es mag jemand sehr schön über Mitgefühl, Weisheit oder Nicht-Selbst sprechen können, aber das hilft anderen nicht notwendigerweise. Er oder sie kann zum Beispiel weiterhin ein großes Ego haben oder andere schlecht behandeln. Die wortgewandte Rede besteht möglicherweise nur aus leeren Worten. Wir können all der Worte müde werden, sogar des Wortes »Buddha«. Um Menschen aufzuwecken, führte Meister Linji neue Begriffe ein, entwickelte neue Ausdrucksweisen, die den Bedürfnissen seiner Zeit entsprachen.
So verwendete er zum Beispiel den neuen Begriff »ungeschäftiger Mensch« für jemanden, der nichts zu tun hat und nirgendwo hingehen muss. Das war sein Idealbeispiel dafür, was ein Mensch sein könnte. Im Theravada-Buddhismus galt der arhat als idealer Mensch, jemand, der Geburt und Tod überwunden hat. Im Mahayana-Buddhismus war dies der bodhisattva, ein mitfühlendes Wesen, das anderen auf dem Pfad der Erleuchtung hilft.
Meister Linji zufolge ist der ungeschäftige Mensch jemand, der der Erleuchtung nicht hinterherläuft und nicht nach etwas greift, und sei dieses Etwas der Buddha. Dieser Mensch hat einfach innegehalten. Er ist nicht länger in etwas verstrickt, auch nicht in Theorien oder Lehren. Der ungeschäftige Mensch ist der wahre Mensch in einem jeden von uns. Er bildet sozusagen das Zentrum in der Lehre Meister Linjis.
Wenn wir lernen, innezuhalten und im gegenwärtigen Moment wahrhaft lebendig zu sein, sind wir mit dem, das in uns und um uns herum geschieht, in Berührung. Wir werden nicht von der Vergangenheit, der Zukunft, von unserem Denken, von Ideen, Emotionen und Projekten davongetragen. Wir glauben oft, dass unsere Vorstellung von den Dingen auch die Wirklichkeit dieser Dinge wäre. Unsere Vorstellung von Buddha ist vielleicht nur eine Idee und weit von der Wirklichkeit entfernt. Der Buddha außerhalb von uns war ein Mensch, der geboren wurde, lebte und starb. Nach solch einem Buddha zu suchen bedeutet, einen Schatten, einen Geist-Buddha zu suchen. Unsere Vorstellung von Buddha wird ab einem bestimmen Punkt zu einem Hindernis für uns.
Meister Linji sagte, dass wir dem Geist-Buddha, wenn wir ihm begegnen, den Kopf abschlagen sollen. Ob wir im Innen oder Außen schauen, wir müssen dem, dem wir begegnen, den Kopf abschlagen, also unsere Ansichten und Ideen über die Dinge, selbst über Buddhismus und Buddha, hinter uns lassen. Buddhistische Lehren sind keine hehren Worte und Schriften, die außerhalb von uns existieren und auf einem hohen Podest im Tempel stehen, sondern sie sind Arznei für unsere Krankheit. Buddhistische Lehren sind geschickte Mittel, um unsere Verblendung, unser Verlangen, unsere Wut zu heilen sowie unsere Gewohnheit, nach Dingen außerhalb unserer selbst zu suchen und kein Vertrauen zu uns selbst zu haben.
In Sutras, Kommentaren oder Dharma-Vorträgen können wir keine Einsicht finden. Befreiung und erwachtes Verstehen sind nicht durch das Studium buddhistischer Schriften zu erlangen. Das wäre wie die Hoffnung, frisches Wasser in trockenen Knochen zu entdecken. Doch kehren wir zum gegenwärtigen Moment zurück, benutzen wir unseren klaren Geist, der hier und jetzt existiert, dann ist es uns möglich, mit Befreiung und Erleuchtung in Berührung zu sein, ebenso wie mit dem Buddha und all seinen Schülerinnen und Schülern als lebendigen Wirklichkeiten genau in diesem Augenblick.
Ein Mensch, für den es nichts zu tun gibt, ist Meister seiner selbst. Er braucht sich nicht aufzuspielen oder irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Der wahre Mensch ist ein aktiv teilnehmender Mensch, in seinem Umfeld engagiert, doch ohne sich davon bedrücken zu lassen. Alle Phänomene durchlaufen die verschiedenen Erscheinungsformen von Geburt, Verbleiben, Wandel und Tod, und doch ist der wahre Mensch kein Opfer von Traurigkeit, Glück, Liebe oder Hass. Er lebt voller Gewahrsein als ein ganz normaler Mensch, ob er nun steht, geht, liegt oder sitzt. Er spielt keine Rolle, auch nicht die Rolle eines großen Zen-Meisters. Das meint Meister Linji mit seinen Worten: »Seid unabhängig, wo immer ihr seid, und nutzt diesen Ort als Sitz des Erwachens.«
Wir überlegen vielleicht: »Wenn ein Mensch keine Richtung hat, nicht bestrebt ist, ein Ideal zu erreichen und kein Ziel im Leben hat, wer wird dann den Lebewesen helfen, frei zu werden, wer wird jene retten, die im Ozean des Leidens zu ertrinken drohen?« Ein Buddha ist ein Mensch, der keine Geschäfte mehr zu erledigen hat und nach nichts mehr Ausschau hält. Indem wir nichts tun, einfach innehalten, können wir frei und uns selbst treu leben, und unsere Befreiung wird zu der Befreiung aller Wesen beitragen.
2
WIE MAN DIE AUFZEICHNUNGEN DES MEISTERS LINJI LESEN SOLLTE
Meister Linji lehrte, weil er die Dinge drastisch verändern wollte. Er wollte Hindernisse zerschmettern, Krankheiten heilen und Fesseln lösen. Seine Worte zu lesen ist, als würde man eine sehr wirksame Arznei einnehmen. Die meisten von uns glauben, dass wir uns gesünder fühlen, wenn wir unseren Körper mit Vitaminen oder Stärkungsmitteln versorgen. Doch manchmal müssen wir ihn, statt ihm immer noch mehr zuzuführen, von allem reinigen. Dann brauchen wir eine ausreichende Dosis der Lehren Meister Linjis. Sie sind keine Vitamine, sie sind ein Abführmittel.
Haben wir innerlich zu viel Wissen angehäuft, können wir es nicht richtig verdauen. Auch wenn wir zu viel gegessen haben, können wir nicht verdauen und leiden an Verstopfung. Verstehen wir nicht, was wir gelernt haben, und können wir es in unserer Übung, im täglichen Leben nicht anwenden, dann blockiert das Wissen unseren Körper und unseren Geist. Aber wir müssen nicht auf die Verstopfung warten, um von Meister Linjis Lehren zu profitieren; Prävention ist besser als eine Behandlung.
Meister Linji wollte keine tiefsinnigen, wunderbaren Ideen präsentieren, die wir dann studieren und debattieren könnten. Wir kommen nicht auf der Suche nach absoluten Wahrheiten zu seinen Unterweisungen oder in der Hoffnung, schwierige Konzepte oder geheimnisvolle Ideen zu entdecken. Alle Lehren sind zuallererst Worte, bloße Bezeichnungen. Meister Linji nennt sie »leere Worte« oder »-ismus«. Sie sind keine objektiven Wirklichkeiten. Meister Linji will seine Worte nicht als goldenes Gerüst oder als zu verehrenden Jade-Kaiser verstanden wissen. Er sagt, dass seine Worte nur Skizzen im leeren Raum sind.
Der Zweck von Meister Linjis Werk liegt darin, dass es uns helfen will, unser Suchen aufzugeben und zu uns selbst in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren. Dort können wir alles finden, wonach wir suchen, sei es Buddha, vollkommenes Verstehen, Frieden oder Befreiung.
Lesen Sie als Erstes die Unterweisungen selbst, bevor Sie sich den Kommentaren und Übungen zuwenden. Beim ersten Lesen brauchen Sie keine Anleitung. So wie Sie bei Ihrem ersten Besuch in einer Ausstellung zunächst die Bilder auf sich wirken lassen, bevor Sie den Katalog studieren oder sich einer Führung anschließen. Lesen Sie Unterweisungen als Geschichten und nehmen Sie wahr, was Sie verstehen und fühlen. Lassen Sie Ihre alten Vorstellungen über einen wahren Menschen, über Buddha und die Lehren verblassen. Beim Lesen sollten wir uns einen Lehrer vorstellen, der vor uns steht und schreit: »Komm nicht zu mir auf der Suche nach etwas! Die Erleuchtung, das Glück, die Stabilität und Freiheit, die du suchst, sind bereits in dir!«
Man kann sich diese Unterweisungen vielleicht am besten als Gedichte vorstellen. Wenn wir sie anfangs nicht verstehen, ist das in Ordnung. Diese Worte sind, für sich genommen, keine Weisheit. Meister Linji bot sie als Werkzeuge an, um unser Herz zu öffnen und die Weisheit langsam eindringen zu lassen. Die Lehren sind wie eine Schaufel, mit deren Hilfe wir nach einem vergrabenen Schatz graben.
Die Aufzeichnungen des Meisters Linji bestehen aus zwei Teilen, den Zen-Gefechten und den abendlichen Vorträgen. Jene Unterweisungen, die Meister Linji morgens gab, die Zen-Gefechte, sind in der Form von Fragen und Antworten gehalten. Am Nachmittag oder Abend gab er erläuternde Unterweisungen, erklärte das Dharma und erzählte Geschichten. Ich empfehle, zuerst diese abendlichen Vorträge (10 bis 23) zu lesen, auch wenn sie hier als Zweites präsentiert werden, denn sie vermitteln grundsätzliche Vorstellungen, die eure Praxis anleiten können. Diese Unterweisungen helfen auch, die Zen-Gefechte besser zu verstehen, die oft sehr rätselhaft anmuten mögen.
Die Zen-Gefechte haben einen satirisch-spöttischen Charakter. Einer der Sprecher hat die Rolle des Lehrers, er ist »der Gastgeber«. Der andere ist der Rolle des Schülers, das ist »der Gast«. Der Gastgeber weiß, worum es geht, und der Gast kommt, um zu lernen. Manchmal tauschen sie auch die Rollen: Der Gastgeber spielt die Rolle des Gastes, der Gast die des Gastgebers. Manchmal übernehmen auch beide die Rolle des Gastes oder des Gastgebers.
Zu Zeiten Meister Linjis war es üblich, dass ein Schüler auf den Meister zutrat, ihm von Angesicht zu Angesicht eine Frage stellte und vom Meister erfuhr, ob sein Verständnis bereits gereift war. Dies erforderte einen gewissen Mut vonseiten des Schülers. Manchmal gab es einen Sieg, manchmal eine Niederlage. Manchmal führten die Gefechte zu Zerstörung; manchmal waren sowohl Gast als auch Gastgeber siegreich.
Meister Linji versuchte nicht, seine Schüler in diesen Gefechten niederzuringen; er wollte nur ihre Tendenz zu übermäßigem Denken und Rationalisieren besiegen. Für ihn war Denken nicht gleichbedeutend mit erwachtem Verstehen. Von daher dauerten die Gefechte auch nicht lang. Der Zen-Meister musste nicht über einen längeren Zeitraum sitzen und reden. Der Schüler brauchte nur ein Wort zu sagen, und der Zen-Meister kannte dessen Geist. Der Schüler musste nur einen Gedanken aufkommen lassen, und schon ging er in die falsche Richtung. Ob er verstand oder nicht verstand, entschied sich in diesem einen Moment. Ging er in die falsche Richtung und unternahm dann eine Anstrengung, war er verloren.
In der Schule bleiben wir für gewöhnlich sitzen und heben die Hand, wenn wir eine Frage stellen wollen. Wir benutzen unseren Kopf, unseren Verstand, um eine Frage zu stellen und dafür ein wenig neues Wissen zu erhalten. Doch das ist nicht Zen. Unser Ziel ist es hier nicht, Wissen über den Buddhismus zu erwerben und anzusammeln. Es geht darum, die richtige Frage zu stellen, jene Frage, die unsere inneren Hindernisse zu zerstören vermag. Wenn wir diese Frage nicht haben, ist es besser, nicht vorzutreten. Unsere Frage sollte den Schleier der Verblendung niederreißen und uns befreien können. Vielleicht kann sie unseren Lehrer und die ganze Gemeinschaft etwas lehren. Danach hält Meister Linji Ausschau, wenn er fragt: »Gibt es irgendeinen Krieger, der auf das Schlachtfeld kommen will?«
Nachdem Sie die abendlichen Vorträge und die Zen-Gefechte gelesen haben, können Sie sich den Kommentaren und dem ergänzenden Material am Ende des Buches zuwenden, das konkrete Praxismethoden enthält. Die Übungen geben Anregungen, die Lehren in unserem täglichen Leben anzuwenden. Auch wenn der wahre Mensch jener Mensch ist, für den es nichts zu tun gibt und der nirgendwohin gehen muss, so bedarf es doch einer Menge freudvoller Praxis, nichts zu tun und nirgendwohin zu gehen.

3
DIE AUFZEICHNUNGEN DES MEISTERS LINJI
1
Der Präfekt namens Wang und einige andere Beamte baten den Zen-Meister, den Dharma-Sitz einzunehmen. Als der Meister hinaufgestiegen war, sagte er: »Heute bin ich, wenn auch ungern, dem Brauch gefolgt und habe den Sitz eingenommen. Wenn ich in formaler Weise sprechen müsste, die großen Errungenschaften der Zen-Schule darlegend, wäre ich nicht in der Lage, den Mund zu öffnen, und ihr wüsstet nicht, wo ihr eine Stütze für eure Füße finden könntet. Da der Präfekt sein Anliegen heute viele Male wiederholt hat, wie könnte ich da die essentiellen Lehren der Zen-Schulen weiterhin geheim halten. Wenn also irgendein Krieger hier bereit ist, auf das Schlachtfeld zu kommen, sollte er hervortreten und der Sangha gegenübertreten, um sich in einigen Punkten zu beweisen.«
Ein Mönch trat vor und fragte: »Was ist die letztendliche Bedeutung des Buddha-Dharma?« Der Meister stieß einen Schrei aus. Der Mönch verbeugte sich. Der Meister sagte: »Dieser Mönch hat die Fähigkeit zu sprechen.«
Ein anderer fragte: »Zu welcher Tradition gehört das Lied, das der Meister singt, und welche Zen-Richtung setzt er fort?« Der Meister antwortete: »In der Vergangenheit, als ich noch bei Meister Huangbo war, da stellte ich dreimal eine Frage und wurde dreimal geschlagen.« Der Mönch hielt inne, um nachzudenken. Der Meister stieß einen Schrei aus. Dann schlug er ihn und sagte: »Mönch, hoffe nicht darauf, einen Pflock in leeren Raum zu treiben.«
Ein älterer Mönch fragte: »Es gibt keinen Grund, warum die Lehren der Drei Fahrzeuge und Zwölf Abteilungen unsere Buddha-Natur nicht erstrahlen lassen, oder?« Der Meister sagte: »Du hast noch nicht das Unkraut im Gartens deines Geistes umgegraben.« Der ältere Mönch sagte: »Es gibt keinen Grund, warum der Buddha die Menschen getäuscht haben könnte.« Der Meister fragte: »Wo ist Buddha?« Der ältere Mönch vermochte nicht zu antworten. Der Meister sagte: »Du wolltest diesen alten Mönch wohl in Gegenwart des Präfekten zum Narren halten, oder? Geh, geh! Mach Platz, damit andere Fragen stellen können.« Der Zen-Meister sagte: »Das Dharma-Festmahl ist heute aus einem wichtigen Grunde abgehalten worden. Gibt es noch jemanden, der etwas fragen oder sagen möchte? Tretet schnell vor. Ich will euch bereits im Voraus wissen lassen, dass ihr nur den Mund aufmachen müsst, und schon ist die Nachricht verlorengegangen. Warum? Habt ihr gehört, dass der Buddha sagt, das Dharma sei nicht in Worten und Vorstellungen gefangen, und es entstehe nicht aus einer Ursache, und es entstehe nicht aus Bedingungen? Weil ihr noch kein Vertrauen in euch besitzt, haben wir heute nur einige merkwürdige Worte, gesprochen hier und da, deren einzige Funktion es ist, den Weg des Präfekten und der anderen Beamten zu blockieren und eure Buddha-Natur noch mehr zu verdunkeln. Es wäre besser, sich zurückzuziehen.«
Dann stieß der Meister einen Schrei aus und sagte: »Für die, deren Vertrauen schwach ist, ist es nutzlos, einen ganzen Tag damit zu verbringen, Worte wie diese auszutauschen. Ihr habt lange gestanden, eure Beine müssen müde sein. Lebt wohl einstweilen.«
2
Eines Tages ging der Meister nach Hefu. Der Präfekt Wang bat ihn, den Dharma-Thron einzunehmen. Der ehrwürdige Magu trat nach vorn und fragte: »Von all den tausend Augen und tausend Armen des Bodhisattva des Mitgefühls, welches ist das wichtigste Auge?«
Der Meister sagte: »Von all den tausend Augen und tausend Armen des Bodhisattva des Mitgefühls, welches ist das wichtigste Auge? Sprich schnell.« Magu zog den Meister vom Dharma-Thron herunter und setzte sich selbst darauf. Der Zen-Meister trat nah an ihn heran und sagte: »Du verstehst nicht.« Magu war verwirrt. Der Meister zog Magu vom Thron herunter und setzte sich selbst wieder. Magu verließ die Dharma-Halle. Der Meister stieg vom Thron herab.
3
Eines Tages betrat der Zen-Meister die Dharma-Halle und sagte: »Auf diesem Klumpen aus rotem Fleisch gibt es einen wahren Menschen ohne Position, der direkt vor euch ein- und ausgeht. Wer diesen Menschen noch nicht gesehen hat, sollte genau hinschauen. Schaut gut hin.« Da trat ein Mönch hervor und fragte: »Was ist der wahre Mensch ohne Position?« Der Meister kam von der Meditationsplattform herab, packte den Mönch und sagte: »Sprich, sprich! Was ist der wahre Mensch ohne Position?« Der Mönch war verwirrt. Der Meister ließ ihn los und sagte: »Der wahre Mensch ohne Position ist nicht mehr als getrocknete Exkremente an einem Stock.« Nach diesen Worten kehrte er sofort in seinen Raum zurück.
4
Der Meister hatte gerade die Dharma-Halle betreten, als ein Mönch hervortrat und sich verbeugte. Der Meister stieß einen Schrei aus. Der Mönch sagte: »Upadhyaya, bitte testet mich nicht.« Der Meister fragte: »Mönch, sag mir, wohin ist der Klang dieses Schreis gefallen?« Der Mönch stieß sofort einen Schrei aus.
Ein anderer Mönch trat hervor und fragte: »Was ist die essentielle Lehre des Buddhadharma?« Der Meister stieß einen Schrei aus. Der Mönch verbeugte sich. Der Meister fragte: »Worin liegt der Mangel?« Der Mönch sagte: »Wenn jemand wieder Anstoß erregt, wird es nicht vergeben.« Der Meister stieß sofort einen Schrei aus.
Als sich an diesem Tag die Hauptmönche der beiden Meditationshallen trafen, stießen sie zur selben Zeit einen Schrei aus. Ein Mönch fragte den Meister: »Gibt es in diesem Fall einen richtigen Gastgeber und einen richtigen Gast?« Der Meister sagte: »Wer Gastgeber und wer Gast ist, das ist eindeutig.« Dann fügte er hinzu: »Edle Sangha, wenn ihr die Prinzipien der vier Beziehungen zwischen Gastgeber und Gast erfahren wollt, dann geht zu den Hauptmönchen und fragt sie.« Nach diesen Worten stieg er herab.
Der Zen-Meister kam in die Dharma-Halle, und ein Mönch fragte: »Was ist der Kern des Buddhadharma?« Der Meister hob seinen Fliegenwedel. Der Mönch stieß einen Schrei aus, und der Meister schlug ihn.
5
Ein anderer Mönch trat hervor und fragte: »Was ist die Essenz des Buddhadharma?« Der Meister hob erneut seinen Fliegenwedel. Der Mönch stieß einen Schrei aus. Der Meister stieß auch einen Schrei aus. Der Mönch zögerte, und der Meister schlug ihn sofort.
Der Zen-Meister sagte dann: »Edle Sangha, wenn das Dharma auf dem Spiel steht, dann fürchtet man nicht um seinen Körper und sein Leben. Vor zwanzig Jahren lebte ich noch im Kloster des früheren Meisters Huangbo. Dreimal fragte ich ihn nach der Essenz des Buddhadharma, und dreimal versetzte er mir einen Schlag, als riebe er meinen Kopf mit einem Zweig Beifuß. Noch heute spüre ich leichte Sehnsucht nach dem Tag, an dem er mich schlug. Gibt es hier jemanden, der zu mir kommen und mir helfen würde, diesen Augenblick erneut zu erleben?« Ein Mönch trat vor und sagte: »Ich könnte es.« Der Meister nahm seinen Stock und gab ihn dem Mönch. Der Mönch zögerte, als er den Stock empfing. Sofort schlug der Meister ihn.
6
Der Meister betrat die Dharma-Halle, und ein Mönch fragte: »Was hat es mit der scharfen Spitze der Schwertklinge auf sich?« Der Meister sagte: »Sie ist nicht sicher! Sie ist nicht sicher!« Der Mönch zögerte und wurde sofort geschlagen.
Ein anderer fragte: »Im Falle des Laien-Praktizierenden Shi Shi, der Reis zerstieß: In dem Augenblick, als er vergaß, mit seinen Füßen das Mörserpedal zu treten, wo ging er da hin?« Der Zen-Meister sagte: »Er ertrank in einem tiefen Brunnen.«
Der Zen-Meister fuhr fort: »Ich lasse niemanden im Stich, der zu mir kommt. Immer weiß ich, woher dieser Mensch kommt. Wenn jemand in einer bestimmten Haltung kommt, hat er sich selbst verloren. Wenn jemand nicht in einer bestimmten Haltung kommt, ist es, als hätte er sich ohne Strick gefesselt.
Seid niemals, zu keiner Zeit, leichtsinnig in eurem Denken und trefft Urteile. Ob ihr verstanden habt oder nicht verstanden habt, ihr irrt euch. Ich sage es geradeheraus. Wenn Leute über mein Verhalten reden, lasst sie reden. Ihr habt lange Zeit gestanden. Ihr müsst müde sein. Wir sollten uns bald wieder treffen.«
7
Der Meister kam in die Dharma-Halle und sagte: »Jemand steht allein auf einer Bergspitze. Es führt kein Weg von dem Gipfel hinab. Jemand anderes steht an einer Straßenkreuzung und kann nicht vorwärts gehen. Wer von diesen beiden wird zuerst kommen, wer danach? Gebt nicht vor, Vimalakirti zu sein, oder spielt nicht die Rolle des großen Meisters Fu. Lebt wohl.«
8
Der Meister betrat die Dharma-Halle und sagte: »Da gibt es jemanden, der immer auf dem Weg ist, aber nie sein Zuhause verlassen hat. Da gibt es auch jemanden, der sein Zuhause verlassen hat, doch nicht auf dem Weg ist. Wem von beiden gebühren die Opfergaben der Götter und Menschen?« Nach diesen Worten stieg er sofort herab.
9
Der Meister kam in die Dharma-Halle.
Ein Mönch fragte: »Was ist der erste Satz?«
Der Meister erwiderte: »Wenn das Siegel der Drei essentiellen Prinzipien entfernt ist, ist der rote Stempel klar. Da gibt es kein Zögern – Gastgeber und Gast können unterschieden werden.«
»Was ist der zweite Satz?«
»Die wundervolle Erklärung ist nicht verdunkelt, in der Beantwortung der Frage hat sie keine Hindernisse. Die Realisierung der geschickten Mittel teilt den Strom nicht.«
»Wie ist es mit dem dritten Satz?«
»Betrachte das Spiel der Marionetten. Da ist jemand, der innen die Fäden zieht.«
Der Meister fügte hinzu: »Jeder Satz muss drei wundervolle Eingänge haben. Jeder Eingang muss die Drei essentiellen Prinzipien haben. Da muss es geschickte Mittel und Wirken geben. Wie versteht ihr das?«
Nach diesen Worten, stieg er herab.
10
Während einer abendlichen Sitzung begann der Meister mit der folgenden Erklärung: »Manchmal ist es notwendig, die Person wegzunehmen, doch nicht ihre Objekte. Manchmal ist es notwendig, die Objekte der Person wegzunehmen, doch nicht die Person. Manchmal ist es notwendig, sowohl die Person als auch ihre Objekte wegzunehmen. Manchmal ist es notwendig, weder die Person noch ihre Objekte wegzunehmen.«
Darauf fragte ein Mönch: »Was bedeutet es, die Person wegzunehmen, doch nicht ihre Objekte?« Der Meister antwortete: »Die Sonne geht auf, lässt die Erde zu einer Stickerei werden. Die Haare des Kindes hängen herab, so weiß wie Seidenfäden.«
Der Mönch fragte: »Was bedeutet es, das Objekt der Person wegzunehmen, doch nicht die Person?« Der Meister antwortete: »Die Befehle des Königs sind an jeden Ort der Welt weitergemeldet worden. Die Offiziere im Grenzgebiet haben die Rauchwolken zerstreut.«
Der Mönch fragte: »Was bedeutet es, sowohl die Person als auch das Objekt wegzunehmen?« Der Meister antwortete: »Die beiden Distrikte Bun und Phan stehen nicht in Verbindung. Die Menschen sind in ihrer eigenen Welt isoliert.«
Der Mönch fragte: »Was bedeutet es, weder die Person noch das Objekt wegzunehmen?« Der Meister antwortete: »Der König geht in den Juwelenpalast. Alte Männer singen auf dem Land.«
11
Der Meister lehrte: »Wer immer in diesen Zeiten das Buddhadharma studiert, braucht rechte Ansicht. Sobald rechte Ansicht da ist, können Geburt und Tod euch nicht länger berühren. Ob ihr dann bleibt oder geht, ihr tut es als freie Menschen. Ihr braucht euch nicht auf die Suche nach dem Transzendenten zu machen, denn das Transzendente wird euch aufspüren.
Freunde des Weges, die tugendhaften Mönche von einst haben den Menschen einen Pfad der Befreiung angeboten. Das Amt dieses Bergmönchs besteht nur in der Ermutigung, anderen nicht zu erlauben, euch in die Irre zu führen. Mein Rat sollte sofort umgesetzt werden. Seid nicht unentschlossen oder zweifelnd.
Warum sind Menschen in unserer Zeit nicht in der Lage, die Früchte der Übung zu realisieren? Es ist so, weil sie nicht über die Tugend des Selbstvertrauens verfügen. Weil ihr nicht über die Tugend des Selbstvertrauens verfügt, seid ihr ständig beschäftigt, habt es eilig, Myriaden Arten von Objekten außerhalb eurer selbst hinterherzulaufen, und dann werdet ihr von diesen Objekten im Kreis herumgeführt und verliert all eure Freiheit.
Wenn ihr imstande seid, dem Denken, das hinter äußeren Objekten herjagt, ein Ende zu machen, dann werdet ihr erkennen, dass es keinen Unterschied zwischen euch selbst und unserem Lehrer, dem Buddha, gibt. Wollt ihr wissen, wer unser Lehrer, der Buddha, ist? Der Buddha seid ihr selbst, wie ihr hier vor mir steht und mir zuhört, wie ich das Dharma lehre. Der Praktizierende, der nicht genügend Selbstvertrauen hat, wird seine Aufmerksamkeit immer auf das richten, was außen ist, und wird umherwandern und nach etwas Ausschau halten. Selbst wenn er etwas findet, ist dieses Objekt nur eine schöne Form von Geschriebenem und Worten. Es ist nicht der lebendige Geist des Meisters. Ihr guten Mönche, macht diesen Fehler nicht! Wenn ihr dem Buddha im gegenwärtigen Moment nicht persönlich zu begegnen vermögt, dann werdet ihr für zahllose zukünftige Leben in den Drei Bereichen des samsara wiedergeboren werden, immer auf der Suche nach etwas, das ihr festhalten könnt, um euch behaglich zu fühlen, fortwährend im Bauch einer Kuh oder eines Esels geboren.
Meine Freunde, der Einsicht dieses Bergmönchs zufolge gibt es keinen Unterschied zwischen euch und Shakyamuni Buddha. In all euren gewöhnlichen, alltäglichen Aktivitäten habt ihr da das Gefühl, es fehlte euch etwas? Gibt es einen Moment, in dem die sechs wunderbaren Lichtstrahlen nicht leuchten? Jeder, der diese Einsicht hat, wird ein Mensch sein, für den es in seinem ganzen Leben nichts zu tun gibt.
Ehrwürdige Mönche, in den Drei Bereichen ist nichts sicher. Diese Bereiche sind wie ein brennendes Haus. Da könnt ihr nicht euer Leben lang bleiben. In jedem Augenblick streckt die Vergänglichkeit wie ein Dämon ihre Hand aus und nimmt euer Leben, ohne zwischen jung und alt, edel und nieder zu unterscheiden.
Wenn ihr nicht verschieden von Buddha, unserem Lehrer, sein wollt, dann lauft keinen äußeren Dingen nach. Jede Bewegung eures Geistes, die das Licht der Reinheit auszustrahlen vermag, ist der Dharma-Körper des Buddha, der hier in eurem Haus ist. Das Licht der Nicht-Unterscheidung, das in einem Moment der Sammlung entsteht, ist der glorreiche Retributionskörper1 des Buddha hier in eurem Haus. Das Licht der Leuchtenden Klarheit, das aus jedem Moment der Sammlung entsteht, ist der Verwandlungskörper des Buddha, der hier in eurem Haus ist. Diese drei Körper sind nicht verschieden von euch, die ihr hier vor mir steht und dem Dharma lauscht. Dieses wundervolle Wirken ist nur möglich, wenn ihr eure Energie nicht darauf ausrichtet, Dingen außerhalb eurer selbst nachzujagen.
Den Gelehrten vertrauend, welche die Sutras und Shastras studiert und Kommentare dazu verfasst haben, suchen die Menschen nach den drei Körpern als absoluten Maßstäben außerhalb ihrer selbst.2 Meiner Ansicht nach ist das nicht so. Die drei Körper, von denen sie sprechen, sind nur Namen und Worte. Sie können auch zu drei Zufluchtsorten werden, an denen Menschen anhaften und gefangen sind. Ein Lehrer alter Zeit sagte: ›Die Drei Körper werden abhängig von der wahren Bedeutung begründet. Die Buddha-Länder werden abhängig von der ursprünglichen Natur erläutert.‹ Von daher sind die Körper und die Länder hinsichtlich der Dharma-Natur lediglich Lichtspiegelungen.
Ehrwürdige Mönche, ihr solltet wissen, dass die Spiegelungen, an denen sich die Leute festhalten und mit denen sie herumspielen, die Quelle der Buddhas sind. Soweit es den Sprecher betrifft, ist jeder Ort ein Ort der Ankunft, und jeder Ort ist das wahre Zuhause des Praktizierenden.
Euer Körper, der aus den vier Elementen besteht, weiß nicht, wie er über das Dharma sprechen oder es hören könnte. Eure Milz, euer Magen, eure Leber, eure Galle können weder über das Dharma sprechen noch es hören. Was ist es also, das über das Dharma zu sprechen oder es zu hören weiß? Es ist die leuchtende Klarheit, welche ohne jede äußere Form ist, die hier vor uns steht. Das ist es, was über das Dharma zu sprechen oder es zu hören weiß. Wenn ihr das erkennen könnt, dann seid ihr vom Buddha und den Meistern nicht verschieden. Diese Einsicht gilt es fortwährend zu bewahren, lasst keine Unterbrechung zu; wann immer eure Augen damit in Kontakt sind, werdet ihr es sehen.
Nur weil gefühlsmäßige Anhaftung entsteht, wird das Verstehen verdunkelt. Weil sich Wahrnehmungen verändern, verändert sich die Form der wahren Natur. Darum gibt es Wiedergeburt in den Drei Bereichen, und darum sind wir so vielen Arten des Leidens unterworfen. Meinem Verständnis nach gibt es nichts, das nicht tief und wunderbar wäre; es gibt nichts, das nicht befreit wäre.
Meine Freunde, Bewusstsein hat keine Form. Es durchdringt frei die Zehn Richtungen. In den Augen wird es Sehen genannt, in den Ohren wird es Hören genannt; in der Nase wird es Riechen genannt; im Mund wird es Unterhaltung genannt; in den Händen wird es Greifen genannt, in den Füßen Laufen und Springen. Alle entstehen sie aus einem strahlenden Licht, das in sechs Funktionen unterteilt ist, die in Harmonie zusammenwirken. Wann immer falsches Denken nicht entsteht, ist Befreiung da. Was meine ich damit? Nur weil ihr nicht in der Lage seid, das Suchen zu beenden, geratet ihr in die Fallen, die die Alten für euch aufgestellt haben.
Meine Freunde, erprobt meine Einsicht und wendet sie an. Sitzt still und schneidet die Köpfe jedes Retributions- und Verwandlungskörpers des Buddha ab. Seht, dass alle Bodhisattvas auf den zehn Bodhisattva-Stufen, alle vollkommen Erwachten und wundervoll Erwachten wie Fesseln sind, die euch einkerkern wollen. Arhats und Pratyekas sind wie ein Latrinenloch. Erwachen (bodhi) und Nirwana sind wie Eselspflöcke. Warum? Weil ihr kein klares Verständnis der Leerheit der drei unermesslich langen kalpas erlangen konntet, rennt ihr in die Hindernisse, die ihr gegenwärtig erfahrt. Würdet ihr die wahren Lehren korrekt praktizieren, wäre das anders. Ihr braucht nur diese günstigen Umstände zu nutzen, um euer vergangenes Karma zu beenden. Legt eure Robe als freie Menschen an. Ist es erforderlich zu gehen, geht. Ist es erforderlich zu sitzen, sitzt. Verlangt nicht einen Augenblick lang nach Buddhaschaft.
Warum? Ein Meister alter Zeit sagte: ›Wenn du den Buddha dadurch finden willst, dass du aus der Praxis harte Arbeit machst, wird der Buddha jene Vergeltung, die dich im Kreislauf von Geburt und Tod hält.‹ Ehrwürdige Mönche, Zeit ist etwas sehr Kostbares. Ihr solltet den Geist anhalten, der stets umherwandert, ins Nachbarhaus rennt, um dort Zen zu studieren oder den Weg, auf der Suche nach einer Redewendung, auf der Suche nach Worten, Ausschau haltend nach Meistern, nach dem Buddha, nach einem guten spirituellen Freund. Schlagt nicht diese falsche Richtung ein. Ihr müsst in euch selbst hineinschauen. Ein Lehrer alter Zeit sagte, Yajnadatta habe geglaubt, er habe seinen Kopf verloren, doch als sein Geist fähig war, mit der Suche aufzuhören, sei er sofort in der Lage gewesen, den Zustand, in dem es nichts zu tun gibt, zu erlangen.
Ehrwürdige Mönche, ihr solltet euer Leben in ganz natürlicher Weise leben. Spielt euch nicht auf. Es gibt eine Reihe von geschorenen Köpfen, die gut von schlecht nicht unterscheiden können. Sie sagen, dass sie Geister und Dämonen sähen. Sie deuten nach Osten und nach Westen und beten um Regen und Sonnenschein. Diese Gruppe wird mit Sicherheit das zurückzahlen müssen, was sie sich geliehen hat, und eines Tages wird sie vor Yama, dem Herrscher des Todes, Klumpen von geschmolzenem Eisen schlucken. Und die aus guter Familie, die von dieser Gruppe wilder Fuchsgeister getäuscht wurden, werden auch die Schulden für den Reis, den sie gegessen haben, zahlen müssen. Sie werden das nicht vermeiden können.«
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Der Meister sprach zu der Versammlung:
»Meine Freunde, das, was ihr entdecken müsst, ist rechte Sicht. Ihr solltet frei in der Welt handeln, um euch nicht durch die Worte der Gruppe der Geister in die Irre führen zu lassen. Nichts zu tun zu haben ist die Basis eines edlen Menschen. Der edelste Mensch ist der, für den es nichts zu tun gibt. Das Einzige, das ihr vermeiden solltet, ist, darüber nachzudenken, was ihr tun werdet. Alles, was ihr tun müsst, ist, ein ganz normaler Mensch zu sein. Seid unabhängig, wo ihr auch seid, und nutzt diesen Ort als Sitz des Erwachens. Wenn ihr weiterhin darüber nachdenkt und plant, wie ihr eure Suche auf das, was außerhalb von euch liegt, ausrichten könnt, habt ihr einen großen Fehler begangen.
Sucht nicht nach Buddha. Buddha ist nur ein leerer Begriff. Wisst ihr, wer das ist, der sucht? Die Meister und die Buddhas der Drei Zeiten haben immer nur nach dem Dharma gesucht. Gegenwärtig geht ihr dem Zen nach und studiert den Weg, um das Dharma zu suchen. Wenn ihr das Dharma realisiert, dann ist alles gelöst. Habt ihr es noch nicht realisiert, werdet ihr weiterhin in den Fünf Fügungen wiedergeboren. Was ist Dharma? Dharma ist das Dharma des Geistes. Der Geist hat keine andere Form; er durchdringt frei die Zehn Richtungen. Sein wundervolles Wirken offenbart er direkt vor euren Augen. Weil die Menschen nicht genügend Vertrauen in den Geist haben, verwechseln sie ihn mit Begriffen und Redewendungen. Sie halten in Worten und Schriften nach der Lehre des Buddha Ausschau. Weil das so ist, sind sie vom Dharma so weit entfernt wie der Himmel von der Erde.
Meine Freunde, wenn ich das Dharma lehre, was ist das dann für ein Dharma? Ich spreche vom Dharma des Erd-Geistes, um Menschen zu helfen, das Heilige und das Profane, das Reine und das Unreine, das Wahre und das Konventionelle zu durchdringen. Doch das innere Wahre und Konventionelle, Heilige und Profane kann nicht in Begriffen des Profanen, Heiligen, Konventionellen und Wahren beschrieben werden. Profanes, Heiliges, Konventionelles und Wahres verweisen nie auf sich selbst als Profanes, Heiliges, Konventionelles und Wahres.
Meine Freunde, wenn ihr die Essenz dessen erfassen könnt, dann wendet sie sofort an. Haftet nicht an Begriffen. Ich nenne dies das wundervolle Prinzip.
Das Dharma dieses Bergmönchs unterscheidet sich sehr vom Dharma der Menschen, die der Welt anhängen. Selbst wenn Manjushri und Samantabhadra in ihren verschiedenen Manifestationen vor mir erschienen und mich über das Dharma befragten, würde ich, sobald sie ihre Münder öffneten und ›verehrter Meister‹ sagten, imstande sein, sie herauszuriechen. Ich sitze still da, und wenn jemand mich aufsucht, fühle ich sofort seinen Puls und kenne ihn. Warum? Weil meine Art zu schauen anders ist – im Außen bin ich nicht in heilig und profan gefangen, im Innen stütze ich mich nicht auf grundlegende Prinzipien. Meine Art des Sehens ist durchdringend, da bleibt kein Raum für Zweifel.«
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Der Meister hielt einen Vortrag:
»Meine Freunde, in der Praxis des Buddhadharma ist harte Arbeit nicht erforderlich. Das Prinzip ist: nicht zu versuchen, etwas Besonderes zu sein; und nichts zu tun zu haben. Wenn ihr eure Robe anlegt, euer Mahl esst, uriniert, eure Notdurft verrichtet, ruht, wenn ihr müde seid, dann werden die Törichten lachen, doch die Weisen werden verstehen. Die Lehrer alter Zeit sagten: ›Wenn ihr eure Praxis auf die äußere Form richtet, seid ihr nur eine Gruppe törichter Leute.‹ Ihr solltet eure Unabhängigkeit bewahren in Übereinstimmung mit dem, wo ihr euch befindet; seid der wahre Mensch, wo immer ihr seid, gestattet nicht den Umständen, euch wegzuzerren. Selbst wenn ihr eure Gewohnheitsenergien über tausende Jahre herausgebildet oder die fünf unsühnbaren Verbrechen begangen habt, sie alle werden zum Ozean der Befreiung.
Die meisten Menschen, die in unserer Zeit den Buddhismus studieren, verstehen das Dharma nicht. Sie sind wie Ziegen, die alles fressen, was ihnen gegeben wird; sie können den Meister nicht vom Diener unterscheiden, den Gastgeber nicht vom Gast. Solche Menschen begeben sich mit der falschen Motivation auf den Übungsweg, allzeit bereit, Orte des Lärms und Trubels aufzusuchen. Ihr könnt sie nicht wahre Mönche nennen. Tatsächlich sind sie weltliche Menschen. Wahre Mönche müssen in ihrem täglichen Leben eine rechte Sichtweise haben, wodurch sie Buddha von Mara, das Wahre vom Falschen, das Heilige vom Profanen zu unterscheiden vermögen. Nur wenn sie über diese Fähigkeit verfügen, haben sie wahrhaft auf das Leben eines Haushälters verzichtet. Können Sie Mara nicht von Buddha unterscheiden, dann haben sie nur ein Haus aufgegeben, um ein anderes zu betreten. Man kann sie Karma schaffende Lebewesen nennen, aber nicht solche, die das Haushälterleben aufgegeben haben. In unserer Zeit gibt es ein Phänomen, Buddha-Mara genannt, ein Gebilde, in dem Mara und Buddha nicht unterschieden werden können, wie Milch und Wasser, die zusammengerührt wurden. Es heißt, dass der König der Gänse aus einer solchen Mischung die Milch allein trinken kann. Meine Dharma-Freunde mit guten Augen sollten meiner Auffassung nach sowohl Buddha als auch Mara umstürzen. Wenn sie immer noch dazu neigen, das Heilige zu lieben und das Profane zu hassen, dann werden sie im Ozean von Geburt und Tod weiterhin für eine lange Zeit versinken.«
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Jemand fragte: »Was ist Buddha, und was ist Mara?« Der Meister antwortete: »Ist in eurem Geist noch ein einziger Gedanke des Zweifels, dann ist das Mara. Gelangt ihr zu dem Verständnis der ungeborenen Natur von allem, was ist, und erkennt, dass der Geist ein Phantom ist, dass es kein Objekt, kein Phänomen mit einer realen Existenz gibt, dann gibt es, wo immer ihr seid, Reinheit, und das ist Buddha. Trotzdem glauben die Menschen im Allgemeinen, dass Buddha und Mara zwei verschiedene Welten wären; die eine rein, die andere befleckt. Wie ich die Dinge sehe, gibt es Buddha nicht, Lebewesen gibt es nicht, es gibt weder Vergangenheit noch Gegenwart. Wenn ihr die Wahrheit realisiert, realisiert ihr sie direkt. Ihr braucht dazu keine Zeit. Ihr braucht sie nicht zu kultivieren, ihr braucht sie nicht zu realisieren, es gibt keinen Gewinn und keinen Verlust. Es kann nie eine andere Lehre als diese geben. Gäbe es eine andere Lehre als diese, würde ich sagen, dass sie nur ein Traum, ein Phantom wäre. Das ist alles, was ich sagen möchte.
Meine Freunde, ihr alle sitzt hier im gegenwärtigen Moment und lauscht dem Dharma. Ihr alle seid die klare, ursprüngliche Natur, niemand von euch ist darin behindert, die Zehn Richtungen zu durchdringen. Ihr könnt frei in den Drei Bereichen umherstreifen. Jeder von euch kann sich frei in jeden dieser Bereiche begeben, ohne behindert zu werden. Jeder kann im Bruchteil eines Augenblicks die Dharma-Bereiche durchdringen. Trefft ihr den Buddha, sprecht ihr mit Buddha; trefft ihr den Meister, sprecht ihr mit dem Meister; trefft ihr einen Arhat, sprecht ihr mit dem Arhat, trefft ihr einen Hungrigen Geist, sprecht ihr mit dem Hungrigen Geist. Ihr könnt euch daran erfreuen, jedes Land zu bereisen, die Lebwesen zu unterweisen, und ihr seht nicht für einen Augenblick, dass ihr nicht zu Hause seid. Überall ist Reinheit, das Licht der Klarheit erleuchtet die Zehn Richtungen, und ihr erkennt die Einheit von allem, was ist.
Meine Freunde, wenn ihr heute große Ehrenmänner sein wollt, müsst ihr die Wahrheit der Tatsache erkennen, dass es nie etwas zu tun gab. Nur weil euer Vertrauen unreif ist, sucht ihr weiterhin in jedem Augenblick. Ihr nehmt euren Kopf weg, und dann sucht ihr danach; und ihr könnt euch von der Suche nicht abbringen.
Stellt euch Bodhisattvas der vollkommenen und plötzlichen Erleuchtung vor, welche die Dharma-Bereiche manifestieren und in sie eintreten. Sie wenden sich zum Reinen Land hin. Sie mögen das Profane nicht und lieben das Heilige. Gäbe es solche Bodhisattvas, so wären sie noch immer Anhaftung und Ablehnung unterworfen. Die Vorstellung von rein und befleckt wäre noch immer in ihrem Geist. Der Einsicht der Meditationsschule zufolge ist das nicht so. Verstehen geschieht jetzt, in diesem Augenblick; ihr müsst auf keine andere Gelegenheit warten. Was ich stets sage, ist, dass alles geschieht. Die Arznei und die Krankheit, die zu heilen ist, müssen zur gleichen Zeit zusammenkommen, denn Arznei und Krankheit müssen sich aufeinander beziehen. Abgesehen davon gibt es nichts anderes, das wir Wahrheit nennen. Wenn ihr das erkennen könnt, seid ihr wahrlich jemand, der vorangegangen ist und der es würdig ist, jeden Tag materielle Opfergaben im Werte von zehntausend Goldmünzen zu empfangen.
Meine Freunde, lasst euch nicht von unechten Meistern hier und da ohne Sinn und Verstand das Siegel der Realisierung aufdrücken, um dann umherzuziehen und die Nachricht zu verbreiten: ›Ich habe Zen, ich habe verstanden, was der Weg bedeutet‹, und eine wortreiche Rede zu halten, die wie ein Wasserfall fortwährend dahinfließt, doch deren einziges Wirken es ist, jenes Karma zu schaffen, das zur Hölle führt. Jemand, der den wahren Pfad praktiziert, braucht nicht zu scharren und die Fehler der Welt herauszupicken. Alles, was er braucht, ist, sofort rechte Sicht zu realisieren. Nur die Realisierung vollkommener rechter Einsicht kann als Erfolg angesehen werden.«
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Jemand fragte: »Was ist rechte Sicht?«
Der Meister antwortete: »Rechte Sicht ist die Fähigkeit, die Natur des Werdens, Verbleibens, Erlöschens und der Leerheit in allen Erscheinungen zu erkennen, ob ihr nun in das Heilige oder Profane, das Reine oder Befleckte eintretet oder in die Buddha-Länder oder die Paläste Sukhavatis oder die Dharma-Bereiche Vairochanas. Rechte Sicht bedeutet, im Erscheinen des Buddha in der Welt, in seiner Erleuchtung, im Drehen des Dharma-Rades und in seinem Eingehen ins Nirwana die Kennzeichen von Nicht-Kommen, Nicht-Gehen, von Ungeboren und Unsterblich zu erkennen. Rechte Sicht bedeutet, in durchdringender Weise das Kenneichen der Leerheit aller Phänomene zu erkennen. Ihr erkennt, dass nichts wirklich ist, so wie ihr es geglaubt habt, als ihr die Dharma-Bereiche des Ungeborenen betreten habt, zu eurem Vergnügen in den Buddha-Ländern umhergereist seid und den Avatamsaka-Bereich aufgesucht habt. Rechte Sicht bedeutet zu erkennen, dass die Person, die keinen Ort braucht, auf den sie sich stützen kann, wenn sie das Dharma hört, tatsächlich die Mutter aller Buddhas ist. Warum? Weil alle Buddhas aus einem Ort der Unabhängigkeit geboren wurden. Seid ihr in der Lage, zu dem Zustand zu erwachen, bei dem ihr zu nichts zurückkehren müsst, werdet ihr erkennen, dass die Natur des Buddha Nicht-Erlangen ist. Dies zu erkennen ist rechte Sicht.
Praktizierende, die nicht verstehen, sind weiterhin in Worten und Redewendungen gefangen und werden von Begriffen wie heilig, profan und so weiter behindert, so dass sie ihr Weisheitsauge nicht öffnen und deshalb die wahre Natur der Dinge nicht klar sehen können. Die Zwölf Abteilungen der Lehren gibt es nur, um diese wahre Natur deutlich zu zeigen. Praktizierende, die nicht verstehen, wenden sich Worten zu und suchen irrtümlicherweise dort nach Einsicht. Diese Haltung, nach einem Ort zu suchen, den man festhalten, auf den man sich stützen kann, lässt uns in den Kreislauf von Geburt und Tod fallen und hindert uns daran, den Kreislauf von Leben und Tod in den Drei Bereichen zu verlassen.
Wenn ihr als freie Menschen in Geburt und Tod umherwandern wollt, solltet ihr erkennen, wer es ist, der hier dem Dharma lauscht. Obwohl dieser Mensch keine Form hat, kein unterscheidendes Merkmal, keine Basis, keinen Ursprung, keinen Ort des Verweilens, lebt er, unendlich aktiv und imstande, zehntausende wundervolle Wirkungsweisen zu entfalten, und all diese Wirkungsweisen haben die Natur des Nicht-Verweilens.
Je mehr ihr, auf der anderen Seite, nach etwas Ausschau haltet, umso weiter seid ihr davon entfernt, umso mehr liegt ihr daneben.
Meine Freunde, identifiziert euch nicht mit diesem illusorischen Freund, dem Körper, denn er muss früher oder später in die Hände des Dämons der Vergänglichkeit zurückkehren. Was braucht ihr in dieser Welt, um euch der Suche nach Befreiung zuzuwenden? Alles, was ihr braucht, sind eine Schale mit braunem Reis und ein Stoffumhang; ansonsten solltet ihr eure gesamte psychische Kraft und eure Zeit dazu nutzen, einen guten spirituellen Freund zu finden. Verschwendet nicht eure Tage und Stunden, indem ihr verschiedenen Vergnügungen folgt. Die Zeit ist kostbar, das Leben ist vergänglich, die vier großen Elemente (mahabhuta) und die vier Zeichen (Geburt, Verweilen, Wandel, Erlöschen) treiben euch voran. Ihr müsst die zeichenlose Natur dieser vier unmittelbar erkennen, um nicht durch eure Umgebung hin und her gestoßen zu werden.«
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Jemand fragte: »Was sind die vier zeichenlosen Umstände?«
Der Meister erwiderte: »Ein Augenblick der Verblendung (Zweifel) entsteht, und ihr werdet vom Erdelement behindert. Ein Augenblick des Verlangens entsteht, und ihr werdet vom Wasser behindert. Ein Augenblick des Zorns entsteht, und ihr werdet vom Feuer behindert. Ein Augenblick freudiger Erregung entsteht, und ihr werdet vom Wind behindert.
Verfügt ihr über diese Einsicht, werdet ihr durch eure Umgebung nicht hin und her gestoßen. Ihr werdet eure Umgebung gut nutzen können, wo immer ihr auch seid. Ihr geht im Osten auf und im Westen unter. Ihr geht im Süden auf und im Norden unter. Ihr geht in der Mitte auf und am Rand unter. Ihr geht am Rand auf und in der Mitte unter. Ihr geht auf dem Wasser wie auf der Erde und auf der Erde wie auf dem Wasser.
Wie ist das möglich? Es ist möglich, weil ihr erkannt habt, dass die vier großen Elemente ein Traum sind, ein Phantom.
Meine Freunde, der Mensch, der hier sitzt und dem Dharma lauscht, ist nicht die vier Elemente in eurem Körper. Dieser Mensch kann die vier Elemente gut nutzen, aber die vier Elemente machen von ihm keinen Gebrauch. Ob der Praktizierende geht oder verweilt, so ist er mit dieser Einsicht ein freier Mensch. Soweit ich das sehe, sollten wir keine Abneigung gegen irgendetwas hegen (oder uns von etwas angezogen fühlen). Ihr mögt das Heilige und lehnt das Profane ab, nicht wahr?
Das Heilige ist nur das Wort »heilig«. Pilger steigen auf den Wutai-Berg, um Manjushri zu finden. Das ist ein Irrtum. Wie könnte Manjushri auf Wutai Shan sein? Wollt ihr mit Manjushri Bekanntschaft schließen? Manjushri ist das wundervolle Wirken, das ihr vor euren Augen seht. Es war immer da. Daran gibt es keinen Zweifel. Das ist der lebendige Manjushri. Das Licht der Nicht-Unterscheidung, das in jedem Augenblick der Sammlung in alle Richtungen strahlt, ist der wahre Bodhisattva Samantabhadra, der in diesem Licht erscheint. Jeder Augenblick der Sammlung, der ungebunden, an allen Orten frei ist, ist die meditative Konzentration von Bodhisattva Avalokiteshvara. Abwechselnd sind diese drei Bodhisattvas Gastgeber und Freund. Manifestiert sich einer, manifestieren sich alle. Einer ist alle drei, und alle drei sind einer. Nur wenn ihr das erkennt, könnt ihr die Sutras des Weges wirklich studieren.«
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Der Meister sprach zu der Gruppe:
»Diejenigen, die sich heutzutage im Pfad schulen, müssen über Selbstvertrauen verfügen und nicht außerhalb ihrer selbst nach Buddha Ausschau halten. Außerhalb nach etwas zu suchen bedeutet, dass ihr euch im Objekt eurer Suche verfangt und richtig und falsch nicht unterscheiden könnt. Die Leute sagen, es gebe einen Buddha, es gebe Meister, aber sie beziehen sich lediglich auf Spuren, die im Schriftenkanon hinterlassen wurden. Unterbreitet jemand einen Satz oder ein Wort aus den Sutras, ob nun in einer verdeckten oder offenkundigen Weise, so stellen sie sofort auf Zweifel beruhende Fragen, sie suchen in den Himmeln und auf der Erde, halten nach jemandem Ausschau, den sie zu Rate ziehen können. Der wahre, große Ehrenmann redet nicht über Meister und Diener, über richtig und falsch, Schönheit und Begabung. Er verbringt nicht all seine Zeit mit Debattieren. Wenn jemand zu diesem Mönch hier kommt, sei es ein Mönch oder Laie, kann dieser ihn bis zu dessen Ursprung durchschauen und erkennen, dass alle Klänge, Redewendungen und alles Geschriebene, das er verwendet, nur illusorische Träume sind. Er sieht auch den wahren Menschen in dieser Person, der von den umgebenden Sinnesobjekten behindert wird. Diese Art des Schauens ist das wundervolle Ziel des Buddha. Die Buddha-Welt verkündet nicht von sich selbst, die Buddha-Welt zu sein. Der Praktizierende des Weges, der übt, ohne sich auf jemanden zu stützen, an dem er sich festkrallt, ist imstande, diese Buddha-Welt zu bezeugen. Wenn mich jemand nach dem Buddha fragt, werde ich als Antwort eine reine Welt zeigen. Wenn er mich darüber befragt, was ein Bodhisattva sei, werde ich als Antwort eine mitfühlende Welt zeigen. Will mich jemand zu Bodhi, dem Erwachen, befragen, werde ich als Antwort eine Welt der wundervollen Reinheit zeigen. Möchte mich jemand zu Nirwana befragen, werde ich als Antwort eine Welt zeigen, in der alle Gedanken zur Ruhe gekommen sind. Es kann Hunderte oder Tausende verschiedener Welten geben, aber der Mensch ist nicht verschieden. Wir können als Antwort auf die Frage also eine Form manifestieren, genau so, wie der Mond sich im Wasser spiegelt.
Meine Freunde, wollt ihr in eurer Praxis Soheit realisieren, müsst ihr große Ehrenmänner werden. Seid ihr hingegen weiterhin ohne Rückgrat und schließt Kompromisse, werdet ihr sie nie realisieren. Ihr seid dann wie ein gesprungenes Gefäß und könnt den lebensspendenden Nektar nicht halten. Wollt ihr ein großes Instrument des Dharma sein, müsst ihr entschlossen sein, euch von anderen nicht täuschen zu lassen. Ihr solltet jederzeit Meister eurer selbst sein. Ihr solltet euer wahrer Mensch sein, wo immer ihr steht. Ihr erlaubt euch nicht, euch von denen, die zu euch kommen, beeinflussen zu lassen. Nur ein Augenblick des Zweifels bedeutet, dass Mara in euch eingetreten ist. Zweifel ist für den Mara von Geburt und Tod, was einen Bodhisattva betrifft, die beste Gelegenheit. Entsteht ein Objekt der Sinneswahrnehmung, schaut tief. Habt Vertrauen in die wundervolle Wirkungsweise, die in eurem Geist gegenwärtig ist, und dann werdet ihr sehen, dass es nichts zu tun gibt. Jeder Gedanke, den ihr habt, hat die Funktion, die Drei Bereiche hervorzubringen, und die sechs Sinnesobjekte werden als Ergebnis dessen mit dem Bereich in Übereinstimmung sein, in dem ihr euch jeweils befindet. In eurem alltäglichen Wirken, in dem ihr auf eure Umstände reagiert, was fehlt euch da? Im Bruchteil eines Augenblicks könnt ihr einen unreinen oder einen reinen Bereich betreten, den Palast von Maitreya oder die Länder der Drei Augen. Ihr könnt nach Belieben zu jedem Ort reisen und die Leerheit der Bezeichnungen erkennen.«
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Jemand fragte: »Was sind die Länder der Drei Augen?«
Der Meister antwortete: »Ihr und ich betreten das Land der Wundervollen Reinheit; wir tragen die Robe der Reinheit und sprechen über den dharmakaya des Buddha. Dann betreten wir das Land der Nicht-Unterscheidung, tragen die Robe der Nicht-Unterscheidung und sprechen über den Retributionskörper des Buddha (sambhogakaya). Dann betreten wir das Land der Befreiung, tragen die Robe der Leuchtenden Klarheit und sprechen über den Verwandlungskörper des Buddha (nirmanakaya). All diese Länder der Drei Augen manifestieren sich in Abhängigkeit von ihrer wahren Natur oder der Bedeutung des Wortes, mit dem sie beschrieben werden. Den Sutras und Kommentaren zufolge ist der Dharma-Körper die Basis, und der Retributions- und der Verwandlungskörper sind die Wirkung.
So wie ich es sehe, weiß der Dharma-Körper nicht, wie man einen Dharma-Vortrag hält. Darum sagten die Lehrer der alten Zeit: ›Die Körper werden abhängig von der Wortbedeutung geschaffen; die Länder werden auf der wahren Natur gründend erörtert.‹ Das bedeutet, dass die Körper in Übereinstimmung mit der Bedeutung, welche die Menschen den Worten geben, geschaffen werden. Die Länder sind nur insoweit da, wie es ihre wahre Natur erlaubt. Der Körper der Dharma-Natur und die Länder der Dharma-Natur sind ganz klar Objekte, die geschaffen werden können. Das ist bei allen Ländern gleich – sie sind in Abhängigkeit von Bedeutung und Natur geschaffen. Sie alle sind gelbe Blätter und leere Fäuste, die Menschen benutzen, um Kinder zu täuschen. Sie sind Kaktusfeigen und dornige Wasserkastanien; sie sind wie der Versuch, frisches Wasser in trockenen Knochen zu finden. Das Dharma ist nicht außerhalb des Geistes, noch ist es innerhalb. Wonach also sucht ihr?
Überall reden Menschen über den spirituellen Pfad und sagen, dass ihr die Praxis realisieren werdet, wenn ihr euch dabei anstrengt. Macht keinen Fehler; selbst wenn ihr in der Praxis Realisationen erfahrt, so sind das nur Ursache und Wirkung des Handelns im Kreislauf von Geburt und Tod. Sagt ihr, dass ihr die sechs paramitas praktiziert und die hunderttausend tugendhaften Handlungen, so sehe ich das noch immer als Erzeugen von Handlungen als Ursache und Wirkung. Den Buddha suchen und das Dharma suchen bedeutet, ein Handeln zu erzeugen, das zu den Höllenbereichen führen kann. Die Bodhisattva-Frucht zu erstreben ist das Gleiche. Auch die Sutras und den Pfad studieren bedeutet, Handeln als Ursache und Wirkung zu schaffen. Für den Buddha und die Meister gibt es nichts zu tun. Soweit es sie betrifft, ist es gereinigtes Karma, ob es Geistesplagen und Handeln gibt oder ob es keine Geistesplagen und kein Handeln gibt.
Da gibt es eine Gruppe blinder Kahlköpfe, die sich, nachdem sie sich satt gegessen haben, zur Meditation hinsetzen. Sie zügeln ihr Denken und lassen Gedanken nicht aufkommen. Sie können den Lärm nicht ertragen, doch mögen sie die Stille. Ihre Art zu praktizieren unterscheidet sich nicht von der Art, in der Nicht-Buddhisten praktizieren. Ein Meister sagte: ›Diejenigen, die üben, den Geist zu konzentrieren, um Stille zu kontemplieren, die dann den Geist außerhalb des Geistes kontemplieren lassen oder den Geist im Inneren sammeln oder den Geist anhalten, um in samadhi einzutreten, sie alle tun etwas und praktizieren noch nicht Nicht-Tun.‹
Ihr, die ihr hier seid, um dem Dharma zu lauschen, was könnt ihr tun, damit euer Mensch üben, die Früchte der Übung realisieren und ein schöner Mensch sein kann? Euer Mensch ist nicht in der Lage, zu üben, zu realisieren oder schön zu werden. Könnt ihr jemanden lehren, schön zu werden, dann kann alles schön werden. Geht nicht in die Irre.
Meine Freunde, wenn ihr an den Worten der Zen-Meister festhaltet und sagt, sie begründeten den wahren Pfad; wenn ihr meint, diese Meister seien gute spirituelle Freunde von unfassbarer Kompetenz, und wenn ihr gleichzeitig euren Geist für so profan haltet, dass ihr es nicht wagen könnt, sie zu beurteilen, dann seid ihr wirklich blind. Ihr werdet diese Befangenheit euer ganzes Leben mit euch herumtragen. Ihr erkennt nicht, was eure eigenen Augen euch zeigen könnten. Ihr seid wie junge Affen, die auf Eis stehen, zitternd vor Angst. Ihr sagt: ›Ich würde es nicht wagen, schlecht von diesen guten spirituellen Freunden zu sprechen, aus Angst, schlechtes Rede-Karma zu schaffen.‹ Meine Freunde, nur wenn jemand ein großer spiritueller guter Freund ist, wagt er es, schlecht von Buddha und den Meistern zu sprechen, am Leben etwas auszusetzen zu haben, die Lehren des Tripitaka zu boykottieren, mit anderen zu schimpfen, so wie ihr Kinder ausschimpft, und in allen Umständen, seien sie günstig oder ungünstig, den wahren Menschen zu entdecken.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, kann ich in den vergangenen zwölf Jahren nichts entdecken – und sei es so klein wie ein Senfkorn –, das die Natur karmischer Vergeltung hätte. Die Zen-Meister, die ihr normalerweise trefft, sind wie Bräute, die gerade erst in das Haus ihrer Ehemänner gekommen sind: immer in Angst, dass sie aus dem Kloster getrieben werden und nichts zu essen haben. Darum können sie keinen Frieden oder keine Freude haben. Den Älteren, die an der Spitze stehen, wurde – in der Vergangenheit wie auch heute – von niemandem geglaubt. Sie wurden vertrieben, und dann erst wurde ihr Wert erkannt. Wenn die Leute sofort Vertrauen zu euch haben, wo ihr auch hingeht, was werdet ihr jemals tun können? Sobald der Löwe brüllt, platzt der Schädel des Schakals.
Meine Freunde, überall sagen die Leute, es gebe einen Pfad, der praktiziert werden, ein Dharma, das erkannt werden solle. Was ist das Dharma, das erkannt, der Pfad, der praktiziert werden soll? In eurem gegenwärtigen, alltäglichen Leben, was fehlt euch da? Was muss bewahrt werden? Die Mönche, die gerade erst geboren wurden, verstehen das nicht in aller Tiefe, so laufen sie immer hinter einer Meute Fuchsgeister her. Sie erlauben diesen Geistern, über Dinge zu prahlen, die andere fesseln. Sie sagen: ›Das Prinzip und die Praxis müssen miteinander übereinstimmen, und dann, wenn ihr die drei Handlungen befolgt, könnt ihr Buddha werden.‹ Sie grübeln und grübeln über solche Ideen. Sie sind wie Sprühregen im Frühjahr.
Der tugendhafte alte Meister sagte: ›Wenn du auf deinem Weg jemanden triffst, der den Pfad realisiert hat, dann ist es am besten, nicht über die Praxis mit ihm zu sprechen.‹
Aus demselben Grund hat jemand gesagt: ›Wenn ihr beabsichtigt, den Weg zu praktizieren, dann wird der Weg es euch nicht erlauben zu praktizieren; alle möglichen schlechten Umstände werden in ihrem Entstehen miteinander wetteifern. Sobald das Schwert der Weisheit aufblitzt, bleibt nicht ein Ding. Solange sich das Licht nicht zeigt, zeigt sich die Dunkelheit als Licht.‹
Darum sagten die Alten: ›Der Weg ist der alltägliche Geist.‹
Mönche, wonach sucht ihr? Gegenwärtig steht ihr vor mir und lauscht dem Dharma. Es ist leuchtend und klar. Ihr braucht von nichts abhängig zu sein, und weil es euch an nichts fehlt, müsst ihr nach nichts suchen. Wie ich es sehe, gibt es nicht viel zu tun. Seid ganz natürlich – legt eure Robe an, esst euer Essen und verbringt die Zeit damit, nichts zu tun.
Wenn ihr wollt, dass nichts zwischen euch und den Buddhas und Meistern steht, müsst ihr das erkennen. Zweifelt nicht mehr, geht nicht mehr in die Irre. Könnt ihr euch diese Einsicht bewahren, seid ihr lebende Meister. Könnt ihr euch diese Einsicht nicht bewahren, wird es einen Unterschied zwischen Wesen und Erscheinung geben. Wenn der Geist diese Einsicht bewahrt, dann sind Wesen und Erscheinung nicht zwei verschiedene Dinge.«
19
Jemand fragte: »Was ist mit dem Geist, der diese Einsicht bewahrt, gemeint?«
Der Meister antwortete: »Indem du diese Frage stellst, unterscheidest du bereits und trennst das Wesen von der Erscheinung.
Meine Freunde, geht nicht in die Irre. Alle Erscheinungen, ob weltlich oder überweltlich, sind ohne Selbst-Natur. Sie sind alle ungeboren, und darum sind sie bloße Bezeichnungen, leere Namen. Der Name ›bloße Bezeichnung‹ selbst ist leer. Warum haltet ihr den Namen für die Wahrheit? Tut ihr das, so geht ihr in die Irre.
Selbst wenn ihr sagt, dass Phänomene existieren, so existieren sie nur als Manifestationen, die in wechselseitiger Abhängigkeit voneinander entstehen, was paratantra genannt wird. Dies gilt für das Erwachen (bodhi) und für Nirwana und auch für das Wissen um die Objekte, die Bodhisattvas und Buddhas. Was sucht ihr in diesen Buddha-Feldern, die sich abhängig von anderen Faktoren manifestieren? Die Drei Fahrzeuge und die Zwölf Abteilungen der Lehren sind nichts als Toilettenpapier (Kotstöcke). Der Buddha ist ein illusorischer Körper. Die Meister sind alte bhikshus. Und ihr seid Sprösslinge eurer Mutter. Wenn ihr euch auf die Suche nach Buddha begebt, wird eure Seele von Mara-Buddha ausgesaugt. Wenn ihr euch auf die Suche nach den Meistern begebt, werdet ihr von den Mara-Meistern gefesselt. Je mehr ihr sucht, desto mehr werdet ihr leiden. Am besten ist es, nichts zu tun. Es gibt eine Gruppe von Mönchen mit geschorenem Kopf, die zu Schülern des Weges sagen: ›Buddha ist das letztendliche Ziel. Ihr müsst drei große asamkhya kalpas praktizieren, um die Früchte eurer Übung zu realisieren und Buddha zu werden.‹
Meine Freunde, wenn ihr sagt, der Buddha sei das letztendliche Ziel, warum musste dann der Buddha mit nur achtzig Jahren zwischen zwei Sala-Bäumen in den Wäldern bei der Stadt Kushinagar auf der Seite liegen und sterben? Wo ist der Buddha jetzt? Wir sollten klar sehen, dass der Buddha geboren wurde und dass er starb, so wie wir auch. Wenn ihr sagt, dass der Buddha die zweiunddreißig Hauptmerkmale und die achtzig offenkundigen Zeichen trage, dann müsst ihr auch sagen, dass der Chakravartin ebenfalls Buddha sei. Daher solltet ihr wissen, dass alles illusorisch ist. Ein alter Lehrer sagte: ›Der Tathagata erschien in körperlicher Form, weil er das tun wollte, was die Welt erwartete. Er fürchtete, dass Leute nihilistischen Theorien folgen würden, und verwendete als Hilfsmittel die bloßen Bezeichnungen. Als solches Hilfsmittel gelten uns die zweiunddreißig Merkmale. Die achtzig Zeichen sind auch nur leere Geräusche. Der Körper ist nicht erwachte Natur. Das Zeichenlose ist die wahre Form.‹
Ihr sagt, dass die sechs übernatürlichen Kräfte zum Buddha gehören. In diesem Fall müssten auch die Götter, Geister, Asuras und Hungrigen Geister von großer Stärke, die ebenfalls über sechs übernatürliche Kräfte verfügen, Buddha sein. Freunde, geht nicht in die Irre. Als die Armee der Asuras von der Armee des Gottes Indra im Kampf geschlagen wurde, zusammen mit 8400 Anhängern, da drangen sie in die Faser einer Lotoswurzel ein, um sich zu verbergen. Das war ein Wunder, doch könnt ihr nicht sagen, dass Asuras Buddhas oder Heilige seien. Meiner Auffassung zufolge sind all diese Wunder karmische Resultate und hängen in ihrem Entstehen von Ursachen und Bedingungen ab.
Die sechs Wunder des Buddha sind ganz anders – der Buddha betritt die Welt der Farben und Formen, wird von ihnen aber nicht getäuscht; er betritt die Welt der Klänge, Gerüche, Geschmäcker und Berührungen und wird von ihnen nicht getäuscht; er betritt die Welt der Geistesobjekte und wird von ihnen nicht getäuscht – denn der Buddha hat die Einsicht erlangt, dass die sechs Sinnesobjekte alle die Natur der Leerheit manifestieren. Sie können den Praktizierenden, der sich nicht in ihnen verfängt, nicht fesseln.
Praktizierende unserer Zeit können das Wunder, auf der Erde zu gehen, vollbringen, auch wenn noch Unreinheiten in ihren fünf Skandhas sind.
Freunde, der wahre Buddha hat keine Form, das wahre Dharma hat kein Zeichen.
Warum verlasst ihr euch auf Illusionen, um Lehmformen zu schaffen, nach denen ihr dann greift? Wenn ihr es fertig bringt, nach irgendetwas zu greifen, so ist das nur ein Fuchsgeist. Es ist nicht der wahre Buddha; es ist nur die Einsicht eines Häretikers. Ein wahrhaft Praktizierender ergreift nicht Buddha, Bodhisattva oder Arhat. Er greift nicht nach dem, was in den Drei Bereichen als schön und gut bezeichnet wird. Er weiß, wie er allein in Freiheit leben kann. Nichts behindert ihn. Selbst wenn Himmel und Erde auf den Kopf gestellt würden, würde kein Gefühl des Zweifels mich trüben. Selbst wenn die Buddhas der Zehn Richtungen vor mir erschienen, würde ich kein Gefühl der Freude aufkommen lassen. Selbst wenn die Höllenbereiche und die drei unheilsamen Schicksale vor mir erschienen, würde ich kein Gefühl der Angst aufkommen lassen. Warum? Weil ich die leere Natur aller Erscheinungen erkannt habe. Manifestieren sie sich, heißt es, sie existieren. Wenn sie sich nicht manifestieren, heißt es, sie existieren nicht. Alle Drei Bereiche entstehen aus dem Geist. Alles, was existiert, entsteht im Bewusstsein. Das alles sind nur illusorische Träume, unwirkliche Staubkörnchen, die vor uns niederrieseln. Warum sollten wir uns damit ermüden, ihnen hinterherzulaufen?
Nur euer wahrer Mensch, der in diesem Augenblick hier dem Dharma lauscht, kann ins Feuer gehen und verbrennt nicht, kann ins Wasser gehen und wird davon nicht mitgerissen, kann in die Höllenbereiche und die drei unheilsamen Schicksale gehen wie jemand, der einen Spaziergang durch einen Park macht. Er kann die Welt der Hungrigen Geister und Tiere betreten, ohne die Vergeltung dieser Welten zu erleiden. Warum? Weil er nicht gegen etwas ist. Wenn ihr noch immer das Heilige liebt und das Profane hasst, dann werdet ihr weiterhin im Ozean von Geburt und Tod treiben und darin versinken. Geistesplagen entstehen im Geist. Wenn da kein Geist ist, wie können uns dann die Geistesplagen binden? Wenn ihr eure Zeit nicht mit Unterscheidungen verschwendet, nicht in Zeichen verfangen seid, dann werdet ihr die Frucht des Pfades automatisch und augenblicklich realisieren.
Aber wenn ihr weiterhin umherwandert und jemandem hinterherlauft, von dem ihr die Praxis erlernen wollt, dann werdet ihr, selbst wenn ihr zahllose Äonen lang studiert, am Ende doch in der Welt von Geburt und Tod ein- und ausgehen. Ihr werdet nicht dem Menschen ebenbürtig sein, für den es, wenn er den Tempel betritt und sich in der Lotosposition niedersetzt, nichts zu tun gibt.
Meine Weggefährten, angenommen, ein Schüler kommt von irgendwoher, um den Weg zu erlernen. Nachdem Gastgeber und Gast einander wahrgenommen haben, sagt der Gast etwas, um den vor ihm sitzenden, guten spirituellen Freund auszufragen. Der Gast schleudert dem guten spirituellen Freund einen gefährlichen Satz entgegen. Die Vorstellung, die dem zugrunde liegt, lautet: ›Lehrer, versteht ihr?‹ Wenn der spirituelle Freund weiß, dass dies nur ein Objekt ist, wird er es sofort ergreifen und in den See werfen. Der Schüler wird zu seinem alltäglichen Selbst zurückfinden und den guten spirituellen Freund bitten, etwas zu sagen. Der spirituelle Freund wird weiterhin das tun, was er bisher getan hat, und das Verlangen des Schülers, nach etwas zu suchen, abschneiden. An dieser Stelle wird der Schüler sagen: ›Lehrer, ihr seid wirklich herausragend, wahrhaftig weise, ein großer spiritueller Freund.‹ Und der spirituelle Freund wird sagen: ›Mein Freund, du verfügst über keinerlei Fähigkeit, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden.‹
Oder der gute spirituelle Freund wird ein Objekt zum Vorschein kommen lassen und damit vor dem Schüler herumspielen. Der Schüler vermag es als Objekt zu erkennen und geht nicht in die Falle dieses Objektes, und er ist dann nicht mehr Gast, sondern Gastgeber. Der gute spirituelle Freund erscheint nun als halber Körper, und der Schüler stößt einen Schrei aus. Im Gegenzug nutzt der gute spirituelle Freund in hundert verschiedenen Weisen Worte und Ausdrücke, um den Schüler herabzusetzen. Doch der Schüler sagt vielleicht: ›Dieser glatzköpfige Mönch weiß nicht, gut und schlecht zu unterscheiden.‹ Der spirituelle Freund lobt den Schüler sofort: ›Du bist wirklich ein wahrer Praktizierender.‹
Es gibt Lehrer hier, die Falsches nicht von Richtigem unterscheiden können, wenn Schüler zu ihnen kommen und sie über Bodhi, Nirwana und die Drei Körper befragen; diese blinden Älteren versuchen, sofort zu erklären. Werden sie von ihren Schülern kritisiert, nehmen sie den Stock und schlagen diese, wobei sie sagen: ›Du willst die Praxis erlernen, aber du kennst keine guten Manieren.‹ Ihr solltet euch über sie nicht ärgern, weil sie, auch wenn sie Lehrer genannt werden, nicht das Auge des Verstehens haben.
Es gibt eine Reihe von glatzköpfigen Mönchen, die nicht wissen, was gut und schlecht ist. Sie zeigen den Osten und deuten auf den Westen. Sie mögen Regen, und sie mögen Sonnenschein. Sie preisen diese Laternen als schön und jene Säulen als hübsch. Schaut sie an und seht, wie viele Haare in ihren Augenbrauen noch übrig sind. Es gibt einen triftigen Grund dafür, dass sie ihre Augenbrauen verlieren. Der Schüler versteht nicht, und seine Weisheit wird durch seine Vernarrtheit in den Lehrer davongetragen. Solche Lehrer sind nichts anderes als eine Meute Fuchsgeister. Wahre Dharma-Schüler glucksen vor Verachtung und sagen, dass diese Gruppe von blinden, glatzköpfigen Mönchen Verwirrung schafft und die Menschen täuscht.
Freunde, junge Mönche und Nonnen müssen studieren und praktizieren. Als ich jung war, habe ich tagtäglich voller Eifer den Vinaya und gute Umgangsformen studiert. Ich habe geforscht, wollte verstehen und habe zahllose Sutras und Kommentare zu Rate gezogen. Nach einer Weile erkannte ich, dass sie nur in theoretische Begriffe gefasste Mittel waren, um Menschen zu helfen. Da habe ich sie ein für allemal weggeworfen, um loszuziehen und große Meister zu befragen und Meditation zu praktizieren. Glücklicherweise traf ich mir überlegene spirituelle Freunde, so hatte ich also Dharma-Augen, die es mir ermöglichten, klar zu sehen und die großen Lehrer auf dieser Erde zu erkennen, aber auch die, die unecht waren. Diese Einsicht hatte ich nicht von Geburt an, doch sie entwickelte sich durch Polieren, Verfeinern, Schulung, Erfahrung und Erforschung, und dann, eines Tages, brach ich zur Wahrheit durch.
Meine Freunde, wenn es euch nach korrekter Einsicht in die Wahrheit verlangt, dann lasst euch nicht von anderen täuschen. Was immer zu euch kommt, sei es von außen oder von innen, tötet es sofort. Wenn ihr den Buddha trefft, tötet den Buddha. Wenn ihr den Meister oder einen Arhat trefft, tötet ihn. Wenn ihr eure Eltern trefft, tötet eure Eltern. Nur dann könnt ihr befreit sein. Lasst euch nicht von Dingen binden, dann werdet ihr frei und ungezwungen sein.
Unter den Schülern, die aus den vier Gegenden hierhergekommen sind, gab es keinen einzigen, der nicht mit einer Anhaftung an etwas oder jemanden kam. Wenn dieser Bergmönch das Objekt der Anhaftung erkennen kann, wird er es sofort schlagen. Wenn sie ihr Objekt mit ihren Händen beschreiben, schlage ich ihnen auf die Hände. Wenn sie es mit ihrem Mund beschreiben, schlage ich ihnen auf den Mund. Wenn sie es mit ihren Augen beschreiben, schlage ich ihnen auf die Augen. Bisher ist niemand gekommen, der in der Lage war, zu beweisen, dass er frei und unabhängig ist. Sie sitzen alle in Fallen, die von den alten Lehrern aufgestellt wurden. Ich selbst habe kein einziges Dharma, das ich euch geben könnte. Alles, was ich tun kann, ist, bei der Heilung eurer Krankheit zu helfen und die Knoten zu lösen, die euch fesseln.
Ihr Schüler, die ihr aus unterschiedlichen Orten kommt, versucht, nicht von irgendetwas abhängig zu sein. Ich möchte euch etwas erzählen. In den letzten fünfzehn Jahren habe ich keinen Menschen getroffen. Ich habe nur Geister getroffen, die in Bambus oder Gehölzen, Gräsern oder Blättern leben. Sie sind Fuchsgeister, die gestört sind und auf Dungklumpen herumkauen. Sie sind wirklich ein Haufen blinder Menschen. Sie verprassen die Gaben, die ihnen überall von Gönnern dargeboten wurden. Sie sagen: ›Wir sind junge Mönche, die in der Hauslosigkeit leben.‹ Ihre Einsicht umfasst nicht mehr als das.
Was ich euch sagen will, ist, dass es keinen Buddha, kein Dharma, keine Praxis, keine Realisierung gibt. Wonach sucht ihr bei anderen Menschen? Was fehlt euch? Seid nicht wie blinde Menschen. Es ist so, als wolltet ihr euch auf euren eigenen Kopf noch einen weiteren setzen. Meine Freunde, euer wundervolles Wirken unterscheidet sich in diesem Augenblick nicht vom wundervollen Wirken der Meister und der Buddhas. Nur weil euch das Vertrauen fehlt, haltet ihr nach etwas außerhalb von euch Ausschau. Macht keinen Fehler, es gibt kein Dharma außerhalb von euch, dem ihr nachlaufen könntet, es gibt kein Dharma in euch, das zu erlangen wäre. Es wäre besser, meinen Worten zu lauschen, euch auszuruhen und Nicht-Tun zu praktizieren. Ist etwas entstanden, versucht nicht, es fortzusetzen. Ist etwas nicht entstanden, dann versucht nicht, es entstehen zu lassen. Solches Tun ist wertvoller als zehn Jahre Pilgerschaft.
Meiner Einsicht zufolge gibt es nichts, das ihr tun müsstet. Ihr müsst nur als ganz normale Menschen leben. Tragt eure Robe, esst euer Essen. Seid tagein, tagaus ein Mensch, für den es nichts zu tun gibt. Die Schüler, die aus den vier Gegenden hierherkommen, halten sich alle für Leute, die Buddha, Dharma, Befreiung, einen Ausweg aus den Drei Bereichen suchen. Törichte Leute. Wenn ihr die Drei Bereiche verlasst, wohin wollt ihr dann gehen? ›Buddha‹ und ›Meister‹ sind nur verbale Ausdrücke, in die sich die Leute verstricken. Wisst ihr, was die Drei Bereiche sind? Sie sind der Grund eures eigenen Geistes, sie sind die Menschen, die jetzt, in diesem Augenblick, hier sitzen, um das Dharma zu hören. Wenn ihr einen Gedanken der Begierde aufkommen lasst, ist das der Bereich der Begierde. Wenn ihr Wut aufkommen lasst, ist das der Bereich der Form. Wenn ihr einen Moment des Zweifels aufkommen lasst, ist das der formlose Bereich. Diese verschiedenen Geisteszustände sind die Tische, Stühle, Matten und Betten eures eigenen Hauses. Die Drei Bereiche sagen niemals: ›Wir sind die Drei Bereiche.‹ Ihr selbst hier habt das klare Licht, das alles, was ist, erleuchten und reflektieren kann; ihr seid diejenigen, die die Welt ermessen und jedem der Drei Bereiche einen Namen geben wollen.
Mönche! Dieser Körper, diese vier Elemente hier, sind unbeständig, einschließlich Milz, Magen, Leber, Gallenblase, Haare, Zähne, Nägel. Wenn ihr in euch hineinschaut, seht ihr nur die Leerheit eines jeden Teils. Könnt ihr jede Vorstellung in eurem Geist anhalten, so ist das Bodhi, Erwachen. Ist die Vorstellung noch nicht zur Ruhe gekommen, ist das Dunkelheit. Dunkelheit hat keinen Wohnsitz, hat keinen Anfang und kein Ende. Könnt ihr euren Geist nicht zur Ruhe bringen, werdet ihr den Baum des Nicht-Erwachens erklettern, in die sechs Schicksale eintreten, in die vier Arten des Geborenwerdens, ihr werdet einen Pelzmantel und Hörner tragen. Seid ihr imstande innezuhalten, werdet ihr sofort im Bereich des reinen Dharma-Körpers ankommen. Wenn ihr den Zustand erreicht, in dem nicht ein einziger Gedanke entsteht, seid ihr in der Lage, die Bodhi-Bäume zu erklettern, und ihr könnt das Wunder vollbringen, überall dort in den Drei Bereichen zu erscheinen, wo das gebraucht wird. Ihr könnt den Transformationskörper benutzen, der aus dem Geist entsteht. Ihr könnt die Dharma-Freude erleben und die Glückseligkeit der Meditation. Ein Lichtschein wird von eurem Körper ausstrahlen. Wenn ihr darüber nachdenkt, was ihr anziehen sollt, werden euch hunderttausend Brokatlängen zugänglich sein; denkt ihr an etwas zu essen, so werden hundert Delikatessen vorhanden sein. Ihr werdet nie an einer ernsten Krankheit leiden. Bodhi, Erwachen, hat keinen Wohnort und wird deshalb ›nicht zu erlangen‹ genannt.
Meine Freunde, was gibt es für euch als große Menschen darüber hinaus zu bezweifeln? Das wundervolle Wirken, das im gegenwärtigen Moment geschieht – wer vollzieht es? Ergreift es und benutzt es und verfangt euch nicht in Worten. Das wird ›das geheimnisvolle Prinzip‹ genannt. Wer auch immer über diese Einsicht verfügt, wird nicht länger von Hindernissen behindert. Die Menschen aus alter Zeit sagten: ›Der Geist verändert sich in Übereinstimmung mit den zehntausend Objekten, und was ist Seltsames mit diesem Wandel?‹ Ihr solltet diesen Wandel geschehen lassen, um eure wahre Natur zu erkennen. Sobald ihr sie erkannt habt, seid ihr frei von aufgeregter Freude und von Furcht.
Meine Freunde, gemäß der Einsicht der Meditationsschule folgen Geburt und Tod aufeinander.
Wir sollten mit ganzem Herzen und Geist dabei sein, wenn wir uns mit einem guten spirituellen Freund beraten. Wenn Gastgeber und Gast einander begegnen, werden Worte zwischen ihnen hin- und hergehen. Der Meister mag reagieren, indem er verschiedene Formen manifestiert, oder er nutzt seine ganze Person, um dem Gast zu begegnen. Manchmal benutzt er vielleicht Hilfsmittel wie Freude oder Wut, oder er zeigt die Hälfte seiner Person, oder er sitzt auf dem Rücken eines Löwen oder Elefantenkönigs. Ist der Schüler aufrichtig, könnte er einen Schrei ausstoßen oder eine Falle vor dem guten spirituellen Freund aufstellen. Ist der Gastgeber nicht in der Lage, das Objekt, das ihm gezeigt wird, zu erkennen, und geht er in die aufgestellte Falle, wird er auf diese Falle vertrauen, um sich alle Arten von Lehmmodellen auszudenken. Dann könnte der Schüler einen weiteren Schrei ausstoßen. Ist der gute spirituelle Freund noch immer nicht imstande loszulassen, dann haben wir es mit einer schwer heilbaren Krankheit zu tun. Das wird ›der Gast prüft den Gastgeber‹ genannt.
Oder aber der gute spirituelle Freund bietet gar nichts an. Er wartet darauf, dass der Schüler etwas vorbringt, und entreißt es ihm dann. Der Schüler mag von allem beraubt sein, was er vorbringen wollte, widersteht aber noch immer und würde lieber sterben, als loszulassen. Das wird ›der Gastgeber prüft den Gast‹ genannt.
Oder aber der Schüler steht vor dem guten spirituellen Freund und bietet Reinheit als Objekt. Der gute spirituelle Freund erkennt dieses Objekt, ergreift es und wirft es in ein tiefes Loch. Der Schüler sagt: ›Welch großer Lehrer seid ihr!‹ Der gute spirituelle Freund erwidert: ›Gütiger Himmel, du kannst gut nicht von schlecht unterscheiden.‹ Der Schüler verbeugt sich. Dies wird ›der Gastgeber prüft den Gastgeber‹ genannt.
Oder der Schüler präsentiert vor dem guten spirituellen Freund einen Menschen in Ketten. Wenn der gute spirituelle Freund das sieht, holt er noch mehr Ketten und fesselt ihn noch mehr. Der Schüler ist außer sich vor Freude und kann nicht mehr unterscheiden, wer Gast und wer Gastgeber ist. Dieser Fall wird ›der Gast prüft den Gast‹ genannt.
Ehrenwerte Mönche, ich habe euch das nur gesagt, damit ihr die Teufel und falschen Pfade erkennen und Richtiges von Falschem unterscheiden könnt.
Freunde, es ist schwer, die Wahrheit zu entdecken. Das Buddhadharma ist sehr tief und geheimnisvoll. Nichtsdestotrotz können wir uns in dieses Territorium begeben, um Einsicht zu erlangen. Tag für Tag sitze ich hier und gebe Unterweisungen und erteile Schläge, doch kaum jemand in der Gruppe meiner Schüler ist geneigt, davon groß Notiz zu nehmen. Tausendmal, zehntausendmal halten sie sich an dunklen Orten auf und sind nicht in der Lage, etwas unabhängig und mit Klarheit und Unterscheidungskraft zu erkennen. Weil es ihnen an der Tugend des Selbstvertrauens mangelt, suchen sie weiterhin nach Einsicht, Weisheit und geschriebenen Worten. Ihr halbes Leben ist vorbei, und sie verlassen sich noch immer auf jemand anderen, und während sie sich in der Menschenwelt bewegen, schleppen sie ihren Leichnam wie eine schwere Bürde mit sich herum. Früher oder später werden sie den Preis für die Schuhe, die sie getragen haben, zahlen müssen.
Mönche, es gibt Schüler, die mich missverstehen, wenn ich sage, dass es für sie nichts außerhalb ihrer selbst zu suchen gebe, und die dann in ihrem Inneren nach etwas Ausschau halten. Sie sitzen bewegungslos in Meditation, das Gesicht zur Wand gerichtet, die Zunge an den Gaumen gepresst. Sie sagen, dies sei das von Buddha und den Meistern gelehrte Dharma-Tor. Welch großer Fehler. Behauptet ihr, wenn das Sinnesobjekt ruhig und unbeweglich sei, handle es sich um den Pfad, so habt ihr die Verblendung zu eurem Meister gemacht. Ein Lehrer alter Zeit sagte: ›Stille Ruhe ist ein tiefes schwarzes Loch, ein beängstigender Zustand.‹ Glaubt ihr andererseits, Bewegung sei der Pfad, sind dann auch die Pflanzen, die sich da draußen im Windhauch bewegen, der Pfad? Bewegung ist das Luftelement, Bewegungslosigkeit ist das Erdelement, und beide, Bewegung und Bewegungslosigkeit, sind ohne Selbst-Natur. Wenn ihr es in der Bewegung sucht, wird es seine Position in der Bewegungslosigkeit einnehmen. Wenn ihr es in der Bewegungslosigkeit sucht, wird es seine Position in der Bewegung einnehmen, so wie ein Fisch in einem Gewässer Wellen schlägt, wenn er emporspringt.
Mönche, Bewegung und Bewegungslosigkeit sind nur zwei Zustände. Der Praktizierende, der sich nicht in ihnen verfängt, kann beide, Bewegung und Bewegungslosigkeit, nutzbringend verwenden.
Kommen Schüler zu mir, so nutze ich drei Kategorien, um mit den drei Arten von Befähigungen umzugehen. Wenn ein Schüler mit unterdurchschnittlicher Befähigung kommt, nehme ich das Objekt weg, aber nicht seinen Übungsweg. Kommt ein Schüler mit überdurchschnittlicher Befähigung, nehme ich sowohl das Objekt weg als auch seinen Übungsweg. Wenn jemand mit einer scharfsinnigen, aufgeweckten Befähigung kommt, werde ich weder das Objekt noch den Übungsweg, noch das Subjekt wegnehmen. Kommt ein Mensch mit außergewöhnlicher Einsicht, trete ich ihm mit meiner ganzen Person gegenüber und ordne ihn in keine dieser Kategorien ein.
Mönche, im letzteren Falle kann die Dharma-Kraft dieses Schülers jedem Sturm widerstehen, und die Geschwindigkeit seiner Dharma-Kraft ist größer als der Funke eines Feuersteins oder ein Blitzstrahl. Dieser Schüler muss nur blinzeln, und die wechselseitige Beziehung geht verloren; er muss nur eine Idee aufkommen lassen, und schon wendet er sich in die falsche Richtung. Ob er versteht oder nicht, wird sich in diesem Augenblick entscheiden.
Mönche, ihr kommt zu einem Lehrer, eure Schale, euren Beutel und eine Darmlänge voller Exkremente mit euch herumtragend, und fragt nach dem Buddhadharma. Wisst ihr, wer dieser Mensch ist, der kommt und fragt? Er ist vital, lebendig und haftet an keiner Wurzel an. Wollt ihr ihn hineintreiben, wird er nicht hineingehen. Wollt ihr ihn hinaustreiben, wird er nicht hinausgehen. Je mehr ihr ihm nachjagt, desto weiter wird er von euch entfernt sein. Wenn ihr nicht nach ihm sucht, wird er direkt vor euch stehen. Der Klang seiner Stimme ertönt direkt in euren Ohren. Wenn ihr dem nicht genug vertraut, lebt ihr euer Leben umsonst.
Freunde, wir können in einem Augenblick den Avatamsaka-Bereich oder den Bereich von Buddha Vairochana betreten. Wir können alle Bereiche der Befreiung, der Wunder und Reinheit betreten. Wir können den Dharma-Bereich betreten, die Welt der Befleckung und die der Reinheit, die des Profanen und die des Heiligen, den Bereich der Hungrigen Geister oder den der Tiere. Nirgendwo werdet ihr das finden, was ihr Geburt und Tod nennt. Das sind nichts als leere Worte, illusorischer Staub, der vor euch herabrieselt. Sie sind es nicht wert, dass man hart arbeitend nach ihnen sucht. Wenn wir das erkennen, werden wir in der Lage sein, alles Erlangte und alles Nicht-Erlangte, alles Richtige und alles Falsche loszulassen.
Meine Freunde, mein Verständnis des Buddhadharma habe ich von Upadhyaya Magu, Danxia, Daoyi, Lushan und Shitou. Die Überlieferung der Praxisschule fand unter den Menschen weite Verbreitung, doch weil niemand genügend Vertrauen besaß, sie zu empfangen, wird sie von allen weiterhin verleumdet. Obwohl die Absicht von Meister Daoyi so einfach und gradlinig war, vermochte keiner der 350 Schüler, die zu ihm kamen, um bei ihm zu lernen, sie zu erfassen. Obwohl Meister Lushan frei und vollkommen aufrichtig war sowie in der Lage zu erfassen, wann es notwendig ist, sich zu fügen, und wann, sich etwas zu verweigern, blieben seine Schüler voller Verwirrung und vermochten nicht die Grenzen seines erwachten Verständnisses auszuloten. Das Gleiche gilt für Meister Danxia. Er spielte mit einer Perle; manchmal verbarg er sie, manchmal zeigte er sie; er tadelte jeden Schüler, der zu ihm kam. Die Handlungen von Meister Magu sind so bitter wie die Rinde einer Berberitze. Keiner kann ihm je nahe kommen. Meister Shitous Geheimnis bestand darin, dass er auf einer Pfeilspitze nach Menschen Ausschau hielt. Das ängstigte alle.
Was das Verhalten dieses Bergmönchs betrifft – es ist wahrlich erschaffend und zerstörend. Ich spiele mit spirituellen Transformationen. Ich bin in der Lage, alle möglichen Umstände zu durchdringen, und wo immer ich auch bin, bewahre ich die Übung des Nicht-Tuns. Das Objekt kann meine wahre Natur nicht entfernen. Wenn jemand nach mir Ausschau hält, gehe ich nach draußen, um ihn mir anzusehen. Der Besucher kennt mich nicht. Ich lege sofort eine meiner vielen Roben an. Der Schüler sieht die Robe und entwickelt die eine oder andere Idee darüber.
Im Nu verfängt er sich in meinen Worten und Sätzen. Welche Schande für den glatzköpfigen Mönch, der blind ist und keine Augen hat zu sehen. Er verwechselt die Robe mit mir. Er sagt, ich sei gelb oder blau oder weiß oder rot. Wenn ich das sehe, ziehe ich meine Kleidung aus und manifestiere meine Reinheit. Sieht das der Schüler, ist er sehr erfreut und voller Verlangen. Dann lege ich auch die Robe der Reinheit ab. Jetzt fürchtet er sich, läuft verwirrt und den Kopf verlierend davon und sagt: ›Warum seid Ihr ganz nackt?‹ Ich sage dann zu ihm: ›Kennst du den Menschen in mir, der die Kleidung trägt?‹ Er wird sich sofort umdrehen und mich erkennen.
Mönche, verfangt euch nicht in Kleidung. Roben sind bewegungslos; es muss jemanden geben, der die Kleidung trägt. Es gibt die Kleidung der Reinheit, des Erwachens, des Nirwana, des Meisters oder des Buddha.
Mönche, diese Dinge sind nur Klänge, Äußerungen und Worte. Sie sind lediglich sich verändernde Manifestationen wie verschiedene Kleidungsstücke. Sie entstehen durch die Luft aus dem qihai-Punkt unterhalb des Nabels, und die zusammen- und auseinanderklappenden Kiefer produzieren die Sätze und Ideen. Ihr solltet ganz klar sehen, dass dies nur magische Tricks sind.
Mönche, Aktivität im Äußeren schafft Klänge und Worte. Aktivität im Inneren ist der Geist, der Ideen hervorbringt. Sie alle sind nur verschiedene Arten von Kleidung. Warum nehmt ihr diese Kleidung als echte Einsicht wahr? Wenn ihr so fortfahrt, werdet ihr, selbst wenn ihr Millionen Lebzeiten als Mönche durchlauft, nicht mehr erreicht haben, als fortlaufend neue Kleidungsstücke anzuziehen. Das ist nicht die geheimnisvolle Durchdringung der Wahrheit, sondern das Tragen verschiedenster Kleidungsstücke. Ihr werdet nicht über Geburt und Tod hinausgelangen, ihr werdet euch nicht mit dem Menschen messen können, für den es nichts zu tun gibt. ›Wenn sie sich treffen, erkennen sie sich nicht. Sie kennen nicht den Namen ihres Gesprächspartners.‹
In unserer Zeit sind die Mönche nicht in der Lage, den Pfad zu realisieren, weil sie Worte und Redeweisen mit Einsicht verwechseln. Sie schreiben sich Dinge auf, die gesagt wurden; die Worte irgendwelcher verstorbener alter Männer schreiben sie in ein großes Buch, das sie in drei oder vier Lagen von Stofftüchern verbergen. Sie erlauben niemandem, es zu sehen, und sagen, das Niedergeschriebene sei das ›geheimnisvolle Prinzip‹; dann verstecken sie es und hüten es sorgfältig. Ein großer Fehler. Wie kann diese Gruppe blinder Menschen in diesem Haufen trockener Knochen einen Tropfen kalten Wassers finden? Es gibt eine andere Gruppe, die nicht weiß, was gut und was schlecht ist. Sie entnimmt den Lehren geheimnisvolle Redewendungen, denkt darüber nach und macht aus ihnen Schriften und Dogmen. Es ist so, als nähme man Exkremente in den Mund, spuckte sie aus und legte sie anderen in den Mund. Da besteht kein Unterschied zu weltlichen Menschen, die Chinesisches Flüstern spielen. Ihr Leben vergeht, wird vertan, aber sie sagen weiterhin: ›Wir sind Mönche, die in der Hauslosigkeit leben.‹
Bei einigen Menschen, die herkommen und nach dem Buddhadharma fragen, ist der Mund verschlossen, und sie haben kein Wort zu sagen. Sie öffnen ihre Augen, die so leer und schwarz sind wie rauchige Löcher. Ihre Münder hängen herab wie eine Tragestange mit einer Last an jedem Ende. Selbst wenn jetzt Maitreya geboren würde, sie würden in eine andere Welt oder in die Höllenbereiche getrieben werden, um ihre Strafe an Leiden zu übernehmen.
Mönche, was hofft ihr zu finden, wenn ihr in der Welt umherwandert, bis eure Füße plattgetreten sind? Wo ist der Buddha, den ihr sucht, der Pfad, den ihr realisieren wollt, das Dharma, das ihr erlangen wollt? Der Buddha mit den wunderschönen Kennzeichen, nach dem ihr sucht, ist kein bisschen wie ihr. Wenn ihr euren eigenen ursprünglichen Geist erkennen wollt, müsst ihr diesen Buddha sehen und erkennen, dass ihr weder miteinander vereint noch getrennt voneinander seid.
Liebe Freunde, der wahre Buddha hat keine Form, kein Bild. Der wahre Pfad hat keine Substanz, das wahre Dharma hat kein äußeres Zeichen. Diese drei passen zusammen und werden eins. Diejenigen, die das nicht erkennen, sind weiterhin Geburt und Tod unterworfen, weil ihr Bewusstsein immer noch entsprechend der Ansammlung vergangener Aktivitäten, Karma, operiert.«
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