Kitabı oku: «150 Praxistipps für inklusiven Unterricht»

Der Autor
Thomas Höchst ist Direktor einer Gesamtschule, für die er ein mittlerweile preisgekröntes Inklusionskonzept entwickelt hat. Darüber hinaus ist er als Autor von Büchern und Fachbeiträgen tätig. Als Fortbildungsreferent und Fachgutachter ist er ein Experte für Schulentwicklung im Zeichen der Inklusion.
Thomas Höchst
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1. Auflage 2020
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-038808-6
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-038809-3
epub: ISBN 978-3-17-038810-9
mobi: ISBN 978-3-17-038811-6
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 I Inklusion als Konzept
3 1. Kann mir der Index für Inklusion an meiner Schule helfen?
4 2. Was bedeutet das inklusive Motto »Alle machen das Gleiche, aber nicht jeder dasselbe«?
5 3. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Integration und Inklusion?
6 4. Wie inklusiv ist denn meine Schule?
7 5. Welche Kooperationen sind für eine inklusive Schule wichtig?
8 6. Welche Rolle spielt Inklusion für die Schulentwicklung an unserer Schule?
9 7. Kann der Index für Inklusion ein Instrument für unsere Schulentwicklung sein?
10 8. Ich habe von Schulen gehört, die eine Fachkonferenz und/oder Projektgruppe Inklusion haben. Was bedeutet das?
11 9. Was ist unter dem Konzept »Erwachsen werden« von Lions-Quest zu verstehen?
12 10. Was sind die Merkmale einer inklusiven Schule?
13 11. Was sind Schwerpunktschulen?
14 12. Welche Schritte sind wichtig, wenn wir ein Inklusionskonzept erarbeiten?
15 13. Was ist wichtig für einen Studientag, an dem wir uns als Schule auf den Weg zu einer inklusiven Schule begeben?
16 14. Können Projektgruppen bei unserer inklusiven Schulentwicklung helfen?
17 15. Welche Funktion könnte eine Fachkonferenz Inklusion an unserer Schule haben?
18 II Schüler mit Lese- und Sprachproblemen
19 16. Wie kann ich in meinem Unterricht die Sprachförderung in den Vordergrund stellen?
20 17. Wie kann ich bei bestimmten Sprachstörungen richtig reagieren?
21 18. Wie kann ich meine Schüler individuell mehr zum Lesen motivieren?
22 19. Wie kann ich meinem stotternden Schüler helfen?
23 20. Wie bewerte ich meinen Schüler mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten)?
24 21. Wie können wir die Leseförderung an unserer Schule intensivieren?
25 22. Wie kann ich meinem Schüler mit Legasthenie helfen?
26 23. Was muss ich bei einem LRS-Förderplan beachten?
27 24. Wie kann ich meinem Schüler mit Dysphonie helfen?
28 25. Wie kann ich meinen stark stotternden Schüler unterstützen?
29 26. Was bedeutet es, wenn mein Schüler unter Aphasie leidet?
30 27. Wie kann ich mit gehäuften Lesefehlern meiner Schüler richtig umgehen?
31 III Unterrichtsorganisation
32 28. Wie kann ich meinen Klassenrat so gestalten, dass er wirklich zum Konfliktmanagement in meiner Klasse beiträgt?
33 29. Welche Möglichkeiten gibt es, um ein einheitliches Differenzierungskonzept für unseren Unterricht zu erreichen?
34 30. Wie können wir die Fachbereiche bei der inklusiven Unterrichtung besser unterstützen?
35 31. Wie können wir den Unterstützungsbedarf in den einzelnen Klassen allen Kollegen sichtbar machen?
36 32. Wir würden gerne stärker mit einem Portfolio arbeiten. Was gehört alles in ein solches Portfolio?
37 33. Wie können wir die Freiarbeit an unserer Schule stärker verankern, sodass sie auch in allen Klassen wirklich als Methode zur Förderung von Selbstständigkeit durchgeführt wird?
38 34. Wie kann ich die in meiner Klasse unterrichtenden Kollegen motivieren, stärker die unterschiedlichen Schülerpersönlichkeiten, vor allem der Lernschwachen und herausfordernden Schüler, zu beachten?
39 35. Welche Formen von differenzierten Klassenarbeiten gibt es denn?
40 36. Müssen Schüler in inklusivem Unterricht mehr eigenverantwortlich lernen?
41 37. Wie kann ich im Sport auf Inklusion reagieren?
42 38. Wie kann ich mit einem Lernplan meine Schüler individueller auf eine Klassenarbeit vorbereiten?
43 39. Wie kann ich eine differenzierte Klassenarbeit gezielt vorbereiten?
44 40. Wie kann ich als Lehrer das selbstständige Lernen meiner Schüler fördern?
45 41. Wie kann ich den begabten Schülern in meiner Klasse besser gerecht werden?
46 42. Welche Formen von kooperativem Lernen kann ich in meinem Unterricht einsetzen und unterstützen?
47 43. Was bedeutet es eigentlich, dass ich in meinem Unterricht »ganzheitlich« arbeiten soll?
48 44. Wie können wir im konkreten Unterricht noch mehr für Inklusion fortbilden?
49 45. Wie können Begabungsgruppen für unsere guten Schüler eingerichtet werden?
50 46. Was muss ich beachten, wenn ich in meiner Klasse mit einem Wochenplan arbeiten will?
51 47. Wie kann eine einheitliche Portfolioarbeit an unserer Schule organisiert werden?
52 48. Wie kann ich meine Schüler zu mehr selbstverantwortlichem Unterricht anleiten?
53 49. Was bedeutet es, dass immer öfter in inklusivem Unterricht gefordert wird, dass der Lehrer Lernbegleiter sein soll?
54 50. Wie schaffe ich es in meinem Unterricht, die Aktivierung der Schüler zu verstärken?
55 51. Gibt es einen Leitfaden zur differenzierenden inklusiven Planung einer Unterrichtseinheit?
56 52. Wie können wir in unserem Kollegium im Sinne des inklusiven Gedankens einheitlicher zu Beginn einer Unterrichtseinheit verfahren?
57 53. Wie können meine Schüler insgesamt ruhiger im Unterricht lernen?
58 54. Wie kann ich in meinem Unterricht für meine Schüler entspannte Lernsituationen aufbauen?
59 55. Wie kann ich meinen Unterricht stärker nach dem Prinzip des gemeinsamen Gegenstandes vorbereiten?
60 56. Wie kann ich die Zusammenarbeit meiner Schüler bei kooperativen Lernformen stärken?
61 57. Wie kann ich erreichen, dass meine Schüler sich bei der Auswahl meiner Übungsangebote realistisch(er) einschätzen?
62 IV Elternarbeit
63 58. Wie können wir vor einem (wichtigen) Elterngespräch nochmals schnell von allen Kollegen Informationen zum Lern- und Entwicklungsstand eines Schülers bekommen?
64 59. Wie können wir die vielen Elterngespräche, die wir beratend führen, schnell und strukturiert protokollieren?
65 60. Wo finden Eltern Information zu Inklusion bzw. erhalten Beratung hierzu?
66 61. Wie kann ich meine Eltern motivieren, zum Elternabend zum inklusiven Unterrichten meiner Klasse zu kommen?
67 62. Was kann ich bei zu erwartenden schwierigen inklusiven Elterngesprächen tun?
68 63. Wie kann ich meinen Schulelternbeirat für die inklusiven Bemühungen meiner Schule gewinnen?
69 64. Wie können wir schnell und strukturiert Ergebnisse aus einem Elterngespräch, besonders die Zielvereinbarungen aus einem Lehrer-Eltern-Schülergespräch, festhalten?
70 65. Wie informiere ich Eltern am besten über besondere inklusive Berufsorientierungsmaßnahmen?
71 66. Sollen wir Eltern und Schüler bei unserer Projektgruppenarbeit zu inklusiven Themen miteinbeziehen?
72 67. Was kann ich tun, wenn sich Eltern über meinen inklusiven Unterricht bei der Schulbehörde beschweren wollen?
73 68. Wie führe ich ein gutes Lernentwicklungsgespräch?
74 69. Was kann ich tun, wenn die Eltern meiner begabten Schüler immer wieder äußern, dass ihr Kind in einer inklusiven Klasse benachteiligt ist?
75 V Verwaltung und Dokumentation, rechtliche Fragen
76 70. Darf ich an einer inklusiven Schule überhaupt äußere Differenzierungen und Förderungen stattfinden lassen?
77 71. Wie können wir bei unserer Förderung bei so vielen beteiligten Personen erreichen, dass nicht vieles doppelt gemacht wird?
78 72. Wie können wir als Kollegium einheitlicher in Übungsphasen differenzieren?
79 73. Was bedeutet eigentlich der Begriff »Nachteilsausgleich«?
80 74. Welche rechtlichen Vorgaben muss ich beim Schreiben einer differenzierten Klassenarbeit berücksichtigen?
81 75. Was muss ich beachten, wenn ich eine differenzierte Klassenarbeit für einen Schüler mit besonderem Förderbedarf vorbereite?
82 76. Wie können wir an unserer Schule Verbalbeurteilungen als Ergänzung zum Ziffernzeugnis einführen?
83 77. Wann darf ich Schülerdaten weitergeben?
84 78. Was muss ich bei meiner Stellungnahme für ein sonderpädagogisches Gutachten beachten?
85 79. Wie kann ein Nachteilsausgleich für meinen Schüler mit dem Schwerpunkt »Sehen« aussehen?
86 80. Was muss ich in meiner Stellungnahme zu einem Fördergutachten »Verhalten« beachten?
87 81. Was kann ich tun, wenn ich Zweifel an einem (ärztlichen) Gutachten/Attest habe?
88 82. Darf ich Bilder meiner inklusiven Klasse und meiner Unterrichtsmethode online stellen?
89 83. Was kann ich gegen Cyber-Mobbing zu den inklusiven Bemühungen meiner Schule tun?
90 84. Was gehört alles in einen Förderplan für einen Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten?
91 85. Was bedeuten die Begriffe »zielgleich« und »zieldifferent« für meinen Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten?
92 86. Wer muss eigentlich den Förderplan für meinen Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten schreiben?
93 VI Anlaufstellen und Unterstützungsangebote
94 87. Wo beantrage ich einen Schulbegleiter für meinen beeinträchtigten Schüler?
95 88. Welche Rolle sollte die Schulsozialarbeit an unserer inklusiven Schule einnehmen?
96 89. Wer ist Ansprechpartner und Kostenträger, wenn ein Schüler Hilfsmittel braucht?
97 90. Wie kann ich mit einem Ergotherapeuten zusammenarbeiten?
98 91. Wie kann ich ein sonderpädagogisches Förder- und Beratungszentrum nutzen?
99 92. Wann wende ich mich an einen Schulsozialarbeiter?
100 93. Wo bekomme ich Informationen zur Berufsorientierung für meine inklusiven Schüler?
101 94. Was kann ich als Schulleiter bei meinen Unterrichtsbesuchen für Inklusion erreichen?
102 95. Wie plane ich den richtigen inklusiven Fortbildungsbedarf für meine Schule?
103 96. Wie erleichtere ich mir die Kommunikation mit dem Schulsozialarbeiter?
104 97. Wie kann der Förderlehrer unserer Schule noch stärker die Kollegen beraten?
105 VII Schüler mit geistiger Beeinträchtigung/ Lernschwierigkeiten
106 98. Was muss ich über Schüler mit Down- Syndrom wissen, vor allem auch für meinen Unterricht?
107 99. Wie legen wir auf einer Förderkonferenz den Förderumfang unserer Gutachtenkinder fest?
108 100. Was sollte in einem Förderplan für den Bereich »Lernen« enthalten sein?
109 101. Wie kann ein Förderplan in Form eines Kompetenzrasters aussehen?
110 102. Was muss ich beachten, wenn ich einen Förderplan für ein Kind mit Down-Syndrom anfertige?
111 103. Was muss ich besonders beachten, wenn ich ein autistisches Kind in der Klasse habe?
112 104. Welche Empfehlungen können Sie mir geben, wenn ich ein autistisches Kind in meiner Klasse habe?
113 105. Kann ich einem Schüler mit Down-Syndrom durch eine gute Visualisierung helfen?
114 106. Wie können wir an unserer Schule eine gute Übergangsbegleitung für Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten, die neu an unsere Schule kommen, durchführen?
115 107. Ich soll einen Schüler mit Prosopagnosie in meine Klasse bekommen. Was bedeutet diese Krankheit?
116 108. Wie kann ich meinen Schüler mit Prosopagnosie unterstützen?
117 109. Ich bekomme einen Schüler mit Autismus in die Klasse. Was muss ich über diese Krankheit wissen?
118 VIII Schüler mit körperlicher Beeinträchtigung
119 110. Kann ich meine Schüler körperliche Behinderungen nachempfinden lassen?
120 111. Was muss ich beachten, wenn ich einen Schüler mit Diabetes in meiner Klasse habe?
121 112. Wie verhalte ich mich bei einem epileptischen Anfall eines Schülers richtig?
122 113. Wie kann ich meinen kleinwüchsigen Schüler unterstützen?
123 114. Was muss ich beachten, wenn ich mit einem behinderten Schüler auf Klassenfahrt gehe?
124 115. Was kann ich tun, wenn ich einen Schüler mit Glasknochen in meine Klasse bekomme?
125 116. Was muss ich beachten, wenn ich ein Kind mit starken Allergien in der Klasse habe?
126 117. Ich bekomme einen Schüler mit chronischem Erschöpfungssyndrom in meine Klasse. Was bedeutet das?
127 IX Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten
128 118. Wie kann ich die sozial-emotionale Kompetenz meiner Schüler fördern?
129 119. Wie kann ich einen Schüler mit Tourette-Syndrom unterstützen?
130 120. Wie kann ein Trainingsraum für einen effektiven Umgang mit Störungen im Unterricht organisiert werden?
131 121. Wie kann ich einen Verstärkerplan für einen Schüler meiner Klasse entwickeln?
132 122. Wie können wir in unserem Kollegium einen gemeinsamen Weg zum Umgang mit Konsequenzen finden?
133 123. Was können wir in unserer unruhigen Klasse tun, um mehr Disziplin zu erreichen?
134 124. Welche Regeln und Tipps gibt es für unsere ADS-Kinder und unruhigen Schüler an unserer Schule?
135 125. Was kann ich bei schwänzenden Schülern tun?
136 126. Wie kann ich meinen verhaltensauffälligen Schülern im Unterricht und in Pausen helfen?
137 127. Was können wir an unserer Schule noch tun, um die Schüler mit sozial-emotional auffallendem Verhalten zu unterstützen?
138 128. Was können wir noch unternehmen, um unseren Schülern mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten zu helfen?
139 129. Wie kann ich das störende Verhalten eines Schülers besser analysieren und ihm entgegenwirken?
140 X Schüler mit Migrationshintergrund
141 130. Wie muss oder darf ich meinen Schüler mit Migrationshintergrund bewerten?
142 131. Wie kann ich erreichen, dass unsere neuen Migrationsschüler sich besser in der Schule einleben?
143 132. Was muss ich in einem Erstgespräch beachten, wenn wir einen Flüchtling aufnehmen?
144 XI Teamarbeit
145 133. In meiner Teamarbeit funktioniert es nicht richtig – Was kann ich tun?
146 134. Wie kann ich meinen Teamlehrer richtig im Unterricht einsetzen?
147 135. Wie kann ich in einem Team zu einer gemeinsamen Planung des Unterrichts gelangen?
148 136. Welche Phasen der Teambildung muss eine erfolgreiche Teamarbeit durchlaufen?
149 137. Welche Formen der Zusammenarbeit im Unterricht bei Doppelbesetzung gibt es?
150 138. Wie können wir an unserer Schule eine kollegiale Fallberatung durchführen?
151 139. Wie können wir unsere Teamarbeit reflektieren?
152 140. Wie können wir unsere gemeinsamen Treffen zwischen Klassenlehrer und Förderlehrer besser strukturieren?
153 141. Wie können wir die Kollegen bei der Gestaltung von Teamsitzungen stärker einbeziehen?
154 142. Wie können wir bei der Erstellung von differenzierten Klassenarbeiten und Materialien stärker zusammenarbeiten?
155 XII Diagnostik
156 143. Wie erkenne ich einen Schüler mit Mutismus und wie kann ich ihm helfen?
157 144. Wie erkenne ich, ob ein rechenschwaches Kind Dyskalkulie hat?
158 145. Was mache ich, wenn ich bei einer Schülerin einen Verdacht auf Magersucht habe?
159 146. Wie erkenne ich eine sensorische Wahrnehmungsstörung bei einem Schüler?
160 147. Wie gehe ich vor, wenn ich den Verdacht habe, dass mein Schüler depressiv ist?
161 148. Wie kann ich feststellen, ob mein Schüler hochsensibel ist?
162 149. Was muss ich bei einem Schüler tun, wenn der Verdacht auf den Förderschwerpunkt »Sprache« besteht?
163 150. Welche Möglichkeiten bietet eine Onlinediagnose für meinen inklusiven Unterricht?
Vorwort
In den letzten zehn Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Inklusion befasst: In Gesprächen mit meinen eigenen Kollegen, in der Schulentwicklung meiner eigenen Schule, beim Schreiben meiner Bücher und beim Vorbereiten meiner Studientage und Vorträge. Bei dieser Beschäftigung sind für mich selbst einige Fragen aufgetaucht. Aber auch vor Ort an den Schulen, den Universitäten, Fortbildungsinstituten, in der freien Wirtschaft wurden bei den Studientagen, Workshops und Vorträgen viele Fragen an mich herangetragen. Diese Fragen spiegelten sowohl Interesse an dem Thema Inklusion als auch immer wieder Verunsicherung.
Dies wurde mir verstärkt klar in zahlreichen persönlichen Gesprächen mit konstruktiven wie auch kontroversen Diskussionen, die ich mit vielen Menschen führte. Irgendwann traf ich die Entscheidung, all diese fachlichen, methodischen, didaktischen wie auch persönlich-menschlichen Fragen, deren Antworten ich mich meistens stellte, zu notieren. Dies tat ich in den letzten Jahren verstärkt. Daraus ist dieses Buch entstanden. Es bietet den Vorteil Fragen aufzugreifen, die aus der Realität, aus der Inklusionspraxis heraus aufgetreten sind. Fragen, die tatsächlich gestellt wurden, manchmal zugegebenermaßen fallbezogen speziell, aber jedoch oft allgemein.
So hoffe ich für die Weiterentwicklung von Inklusion an Schulen viele Fragen aus der Praxis für die Praxis zu beantworten, weil ich sicher bin, dass gleiche, ähnliche oder ableitbare Fragen auch in Ihrer täglichen Unterrichtspraxis auftauchen.
Natürlich ist dabei auch eines klar: Ich bin mit Sicherheit kein Guru für alle Spezialgebiete des Themas Inklusion. Und deshalb steht die Beantwortung der Fragen auch nicht unter einer hundertprozentigen Allwissenheit und wissenschaftlichen Abhandlung. Allerdings sind meine Erfahrungen in den erwähnten inklusiven Beschäftigungen mit dem zentral wichtigen Thema Inklusion schon sehr vielfältig, und bei der Beantwortung war mir immer der Praxisbezug wichtiger als die langatmige theoretische Abhandlung. Insofern bin ich zuversichtlich, hier ein Kompendium von wichtigen Praxisfragen zur Inklusion anbieten zu können.
Wenn ich Ihnen auf Ihrem persönlichen inklusiven Weg oder bei der inklusiven Schulentwicklung Ihrer Schulen damit helfen kann, war es die Mühen des Aufschreibens der vielen gestellten Fragen wert.
Thomas Höchst
Homburg, den 26.01.2020
I
Inklusion als Konzept
1. Kann mir der Index für Inklusion an meiner Schule helfen?
Der Index für Inklusion soll Ihnen helfen, Bausteine davon an der eigenen Schule so anzuwenden, dass diese zur inklusiven Schule wird. Er ist damit ein Beitrag zur Schulentwicklung und hilft als Werkzeug, leichter inklusive Ziele zu setzen, zu erreichen und zu reflektieren. Im Sinne einer Entwicklung Ihrer Schule zu einer inklusiven Schule sollten Sie den Index für Inklusion als Ratgeber nutzen.
Er hat drei Dimensionen mit 44 Indikatoren und 560 Fragen, die bei der Umsetzung helfen. Hier sollen nur exemplarisch wenige Aspekte aufgezeigt werden. Den kompletten Index für Inklusion finden Sie kostenlos unter: https://www.eenet.org.uk/resources/docs/Index%20German.pdf.
Beispiele:
Dimension A: Inklusive Kultur schaffen
Beispielfragen zu A1: Gemeinschaft bilden:
• Wie fühlt sich jeder an Ihrer Schule willkommen?
• Können sich Schüler gegenseitig helfen?
• Arbeiten Eltern und Lehrer gut zusammen?
Dimension B: Inklusive Strukturen etablieren
Beispielfragen zu B1: Eine Schule für alle entwickeln:
• Ist Ihr Gebäude barrierefrei?
• Nehmen Sie alle Schüler aus der Umgebung auf?
• Wird neuen Schülern und Mitarbeitern geholfen sich in der Schule zurechtzufinden?
Dimension C: Inklusive Praktiken entwickeln
Beispielfragen zu C1: Lernarrangements organisieren:
• Gibt es ein Konzept für differenzierendes Unterrichten in heterogenen Klassen?
• Wird der Unterricht in Teams geplant?
• Wird Vielfalt als Bereicherung angesehen?
2. Was bedeutet das inklusive Motto »Alle machen das Gleiche, aber nicht jeder dasselbe«?
Ihre Klassen werden immer heterogener. Vor Ihnen sitzen Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen, Leistungsstand und Lernkanälen. Darauf müssen Sie im Unterricht reagieren. Tun Sie das nicht, kommt es zu vielfältigen Unter- und Überforderungen. Das Thema Ihres Unterrichtes können Sie nicht ändern. Es ist Ihnen vom Lehrplan her vorgegeben – das Lernniveau, wie die einzelnen Schüler am Thema üben, jedoch schon.
Am Themenbereich »Briefe schreiben« möchte ich Ihnen das exemplarisch aufzeigen. Sie wollen das Thema in einer sehr heterogenen Klasse nach einer intensiven differenzierten Erarbeitung mit den gewonnenen Strukturmerkmalen des Briefeschreibens üben:

Alle haben das Gleiche gemacht (Briefeschreiben geübt) – aber nicht jeder dasselbe (jeder auf seinem Könnensniveau).
3. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Integration und Inklusion?
Ich gebe Ihnen Recht, dass viele bis heute den Unterschied nicht kennen und die Begriffe auch in der Öffentlichkeit oft nicht getrennt verwendet werden.

4. Wie inklusiv ist denn meine Schule?
Diese Frage mögen sich manche Schulen stellen und mit der Frage einhergehend dann die Überlegungen: Wo stehen wir im inklusiven Prozess? Was funktioniert gut? Wo gibt es noch Probleme? Im Sinne einer ersten Analyse gebe ich Ihnen hier einige Kernfragen zu wichtigen Elementen, die zu einer inklusiven Schule gehören. Notieren Sie sich zu den Fragen positive wie negative Aspekte und Sie erhalten schnell einen Überblick, wo Sie stehen und was noch zu tun ist.
• Wie viel Teamarbeit findet wo an unserer Schule statt?
• Welche Kooperationen sind wir bisher eingegangen?
• Planen wir unseren Unterricht gemeinsam?
• Setzen wir Diagnosemöglichkeiten im Unterricht ein?
• Führen wir regelmäßig Lernstandsanalysen durch?
• Welche Formen der Binnendifferenzierung setzen wir regelmäßig im Unterricht ein?
• Welche Angebote der Begabtenförderung haben wir?
• Wie sieht unsere Förderung im Bereich LRS aus?
• Welche Förderung haben wir im Bereich Dyskalkulie?
• Haben wir Regeln und Strukturen zum Umgang mit autistischen Kindern?
• Werden wir Schülern mit körperlichen Einschränkungen gerecht?
• Haben wir ein gemeinsames Erziehungskonzept zum Umgang mit Schülern mit herausforderndem Verhalten?
• Schreiben wir differenzierte Klassenarbeiten für alle Schüler?
• Welche äußeren Differenzierungsangebote bieten wir?
• Haben wir einen Ansprechpartner im Kollegium für Kontakte zu außerschulischen Beratungsstellen?
• Bekommen unsere Schüler Lernpläne für ihr selbstständiges Arbeiten?
• Haben wir klare Vorgehensweisen und Zuständigkeiten für unsere Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten?
• Gibt es ein Konzept zum Umgang mit ADHS-Schülern?
• Haben wir eine Übergangsbegleitung für Schüler mit sonderpädagogischem Gutachten?
• Hat unsere Schule ein Fortbildungskonzept zur Inklusion?
• Wie steht es mit der Akzeptanz von Inklusion im Kollegium?
• Haben wir klare organisatorische und personelle Zuständigkeiten bei der Unterstützung der Schüler mit Fördergutachten?
• Setzen wir Formen des kooperativen Lernens ein?
• Haben wir ein schriftlich fixiertes Inklusionskonzept?
5. Welche Kooperationen sind für eine inklusive Schule wichtig?
Inklusive Schulen brauchen professionelle Unterstützung von außerhalb. Sie sind immer wieder mit Problemstellungen konfrontiert, die sie alleine nicht bewältigen können. Deshalb ist es wichtig ein Netzwerk zu bilden und Kooperationen einzugehen. Hierzu ein paar Ideen bzw. Vorschläge:


6. Welche Rolle spielt Inklusion für die Schulentwicklung an unserer Schule?
Der Ansatz Ihrer Schule, möglichst allen Schülern gerecht zu werden, ist eine optimale Form der Schulentwicklung und ein entscheidendes Kriterium einer guten Schule. Inklusion als zentrales Thema von Schulentwicklung hat mehrere positive Auswirkungen:

Schulen, die sich auf den Weg zu einer inklusiven Schule machen, betreiben automatisch eine intensive Schulentwicklung.
7. Kann der Index für Inklusion ein Instrument für unsere Schulentwicklung sein?
Der Index für Inklusion kann mit Sicherheit Leitfaden und Impulsgeber zugleich sein. Ziel des Index ist es, Schulentwicklungsprozesse anzustoßen, zu begleiten und zu reflektieren. Insgesamt besteht der Index aus vier Elementen:

Dieser zuletzt genannte Index-Prozess wird dabei in fünf Phasen gegliedert:
• Phase 1: den Index-Prozess starten
• Phase 2: die Schulsituation reflektieren
• Phase 3: ein inklusives Schulprogramm entwickeln
• Phase 4: die Ziele umsetzen
• Phase 5: den durchlaufenen Index-Prozess reflektieren.
Insgesamt ist der Index für Inklusion als Werkzeug zu sehen, als Orientierungshilfe, die aber an der eigenen Schule weiterentwickelt werden kann. Orientieren Sie sich dabei Schritt für Schritt an den Fragen und Beispielen/Indikatoren, die der Index bietet. An einem Beispiel möchte ich aufzeigen, wie konkret und hilfreich der Index-Prozess sein kann:
• Index-Prozess Dimension C: Inklusive Praktiken entwickeln
• Beispielindikator C1: Lernarrangements organisieren
• Beispielunterpunkt: C1.1: Der Unterricht wird auf die Vielfalt der Schüler hin geplant
• Beispielfrage, deren Beantwortung zur Profilbildung führt: Engagieren sich die Kollegen für partnerschaftliches Unterrichten?
8. Ich habe von Schulen gehört, die eine Fachkonferenz und/oder Projektgruppe Inklusion haben. Was bedeutet das?
Inklusion ist das zentrale Thema, um Bildungsgerechtigkeit an der Schule umzusetzen. Insofern halte ich es für sehr vernünftig, an einer inklusiven Schule eine Fachkonferenz Inklusion und/oder eine Projektgruppe Inklusion einzurichten. Beides bringt Ihre Schule im Umgang mit Heterogenität voran, die Konzepte stellen keine Konkurrenz dar. Sie haben folgende Eigenschaften:


Fachkonferenz InklusionProjektgruppe Inklusion
9. Was ist unter dem Konzept »Erwachsen werden« von Lions-Quest zu verstehen?
Dieses Projekt schult vielfältige wichtige Kompetenzen von Schülern auf ihrem Weg erwachsen zu werden. Diese Kompetenzen sind auch in den Bildungsstandards gefordert. Hier gebe ich Ihnen einen Überblick über das Projekt.


10. Was sind die Merkmale einer inklusiven Schule?
Hierzu könnte man sicherlich eine seitenlange Abhandlung schreiben. Ich versuche Ihnen in Kurzform eine komprimierte Übersicht zu geben:
• Die Schule hat ein inklusives Schulkonzept, das gemeinsam erarbeitet wurde.
• Die Lehrer arbeiten in verschiedenen Bereichen verstärkt zusammen, um Mehrarbeit durch Teamarbeit auszugleichen.
• Es findet vielfältige regelmäßige Kommunikation statt.
• Der tägliche Unterricht ist differenziert gestaltet unter Berücksichtigung der individuellen Heterogenität der jeweiligen Klasse. Hierzu gehören regelmäßige Lernstandsdiagnosen; der sich daraus ergebende Unterricht nimmt qualitative und quantitative Differenzierungen vor.
• Der Unterricht berücksichtigt das Prinzip: Alle machen das Gleiche, aber nicht jeder dasselbe. Die Schüler arbeiten mit unterschiedlichen Zielsetzungen am gleichen Thema.
• Diagnostische Möglichkeiten sind bekannt und werden eingesetzt.
• Die Schule geht Kooperationen mit externen Partnern ein, z. B. mit dem Autismus-Zentrum, dem schulpsychologischen Dienst …
• Es werden Differenzierungsgruppen wie Rechtschreib-AG, Matheförderung, Begabungs-AG usw. angeboten.
• Die Schule hat ein Konzept zur Binnendifferenzierung im täglichen Unterricht und kennt viele Möglichkeiten innerer Differenzierung.
• Die Schule erkennt die Heterogenität ihrer Schüler an und sieht diese als Bereicherung.
• Die Schule hat eine klare Organisation und Zuständigkeiten für inklusive Aufgaben, die schriftlich fixiert sind.
11. Was sind Schwerpunktschulen?
Schwerpunktschulen gibt es in einigen Bundesländern. Sie stellen eine Möglichkeit dar, das Konzept von Inklusion schulpolitisch umzusetzen. Zwar sind auch in diesen Ländern alle Schulen der differenzierenden individuellen Förderung verpflichtet, aber man hat, regional verteilt, Schwerpunktschulen errichtet, die bevorzugt Schüler mit sonderpädagogischen Gutachten aufnehmen und dafür eine entsprechende Personalisierung durch Förderlehrer erhalten. Somit sind Schwerpunktschulen allgemeinbildende Schulen, die eine besondere Ausstattung für inklusives Unterrichten erhalten und auch barrierefrei sind. Zielsetzung ist es, diese Schulen so zu regionalisieren, dass eine Schwerpunktschule immer in zumutbarer Entfernung erreichbar ist.
In den Bundesländern ist unterschiedlich geregelt, für welche Förderschwerpunkte die Schwerpunktschulen zuständig sind. In der Regel sind sie das nicht für Sprache und sozial-emotionale Entwicklung.
12. Welche Schritte sind wichtig, wenn wir ein Inklusionskonzept erarbeiten?
Ein Inklusionskonzept ist eine grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche inklusive Schule. Es legt ein gemeinsames Grundverständnis fest, organisiert Differenzierungsangebote ebenso wie Formen der Teamarbeit und vieles mehr. Die Erarbeitung erfordert Zeit und eine Beteiligung aller am Schulleben Involvierten. So könnte Ihr Fahrplan aussehen:
• Schritt 1: Führen Sie einen Studientag durch, der Impulse gibt, was Inklusion wirklich bedeutet und was die Zielsetzungen für Ihre Schule sind (
Frage 13).
• Schritt 2: Gründen Sie – am besten schon am Studientag – eine Projektgruppe, die an Ihrem Inklusionskonzept arbeitet. Hier sollten auch Eltern und an weiterführenden Schulen durchaus Schüler beteiligt sein. Wählen Sie einen Leiter dieser Gruppe, der nicht die Schulleitung sein muss/sollte.
• Schritt 3: Berufen Sie die erste Projektgruppensitzung ein. Sammeln Sie die Themen, die Sie erarbeiten/festlegen wollen, z. B. Teamarbeit, Kooperationen, Arbeit am gemeinsamen Gegenstand, Diagnose, Lernstandsanalysen, Begabungsförderung, LRS-Förderung, Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten, Fortbildung … (Alle hier genannten Themen sind in den Fragestellungen des Buches berücksichtigt:
Frage 4,
Frage 10)
• Schritt 4: Führen Sie weitere regelmäßige Projektsitzungen durch, bis Sie alle Themen erarbeitet und fixiert haben. Erarbeiten Sie hierfür einen festen Zeitplan (organisatorische und persönliche Terminsicherheit).
• Schritt 5: Stellen Sie den fertigen Entwurf allen am inklusiven Schulleben beteiligten Personengruppen vor:
− der Schülervertretung
− der Elternvertretung
− im Kollegium.
• Nehmen Sie die Rückmeldungen auf und ernst.
• Schritt 6: Führen Sie erneut eine Projektsitzung durch, um die Reflexionen aus den Gremien zu besprechen und auch daraus noch Veränderungen am Konzept vorzunehmen. Die Reflexionen der Kollegen, Eltern und Schüler sind durchaus als gewinnbringend einzustufen.
• Schritt 7: Verabschieden Sie Ihr fertiges Inklusionskonzept auf einer Gesamtkonferenz.
• Schritt 8: Lassen Sie in den Anfangsjahren noch halbjährlich (vierteljährlich) die Projektgruppe weiter tagen, um im Sinne der Evaluation die Umsetzung des Projektes in der täglichen Praxis zu begleiten.
13. Was ist wichtig für einen Studientag, an dem wir uns als Schule auf den Weg zu einer inklusiven Schule begeben?
Zunächst ist es wichtig, dass Sie den Entschluss gefasst haben, den Entwicklungsprozess hin zu einer inklusiven Schule bzw. die Vertiefung Ihres bereits begonnenen Weges mit einem Studientag anzustoßen. Ein einführender Studientag kann wichtige gemeinsame Grundlagen legen, motivieren und Ziele setzen. Folgende Elemente halte ich bei einem solchen Studientag für wichtig:
1. Zeigen Sie zu Beginn des Studientages ein Bild einer Klasse Ihrer Schule und lassen Sie den Klassenlehrer über die Schüler und ihr Lern- und Sozialverhalten berichten. Dies verdeutlicht die heterogene Struktur an Ihrer bzw. jeder Schule und die Notwendigkeit sich mit dem Thema Inklusion zu beschäftigen (Motivationsphase).
2. Klären Sie, was Inklusion als Begriff bedeutet, und grenzen Sie den Begriff zu dem der Integration ab (Versachlichung;
Frage 3).
3. Verdeutlichen Sie, was die Umsetzung von Inklusion konkret für Ihre Schule an Veränderungen bedeutet: Methoden, Teamarbeit, Kooperationen … (Schulbezug I)
4. Welche Inhalte gehören zu einer inklusiven Schule? (Informationsphase;
Frage 4,
Frage 10)
5. Bestandsaufnahme:
− Welche Inhalte werden bereits umgesetzt?
− In welchen Bereichen fehlen noch inklusive Lösungen? (Schulbezug II)
6. Initiierung: Gründen Sie eine Projektgruppe, die auf der Grundlage der vorgenommenen Analyse die Bausteine bearbeitet und ein Inklusionskonzept für Ihre Schule ausarbeitet (Zielsetzung I;
Frage 12).
7. Zielsetzung: Legen Sie fest, wer mit wem bis wann was macht (Zielsetzung II).
8. Bieten Sie an dem Tag noch zwei oder drei Workshops mit inklusiven Themen aus der Praxis für die Praxis an (Praxisbezug).
14. Können Projektgruppen bei unserer inklusiven Schulentwicklung helfen?
Ich persönlich halte sehr viel von Projektgruppen, auch an Schulen und vor allem dann, wenn es um Schulentwicklung geht. Hier spielt Inklusion eine zentrale Rolle. Stellen Sie hierzu auf einer Dienstbesprechung Ihre Idee der Projektgruppenarbeit vor, um an inklusiven Themen zu arbeiten.
Die Projektgruppenarbeit sollte
• freiwillig sein
• an den Interessen des Kollegiums orientiert sein
• nicht von einem Schulleitungsmitglied geleitet werden
• einen festen Tagungsrhythmus haben, der den Kollegen bekannt ist (Terminsicherheit).
Deshalb:
• Fragen Sie als Erstes die Interessen der Kollegen ab, welche inklusiven Themen im nächsten Schuljahr in einer Projektgruppe bearbeitet werden sollen, falls diese sich nicht schon aus dem Studientag ergeben haben (
Frage 13).
• Wählen Sie nun anhand der Ergebnisse drei Themen für Projektgruppen aus. Machen Sie einen Aushang mit den Themen und der Möglichkeit sich den Themen freiwillig zuzuordnen.
• Machen Sie oder die Schulleitung einen ersten Termin für die Projektgruppen aus und hängen diese aus.
• Auf der ersten Projektgruppensitzung ist es sinnvoll,
− einen Leiter für die Projektgruppe zu bestimmen (dies sollte bewusst nicht die Schulleitung sein.)
− den Rhythmus (Tag/Uhrzeit/Dauer der Sitzungen) zu besprechen
− Inhalte zu sammeln und die Reihenfolge der Bearbeitungen festzulegen
− Aufgaben zu verteilen, wer was mit wem bis wann erledigt.
15. Welche Funktion könnte eine Fachkonferenz Inklusion an unserer Schule haben?
Ich halte die Idee einer Fachkonferenz Inklusion für sehr gut – allein schon deswegen, weil sie den Stellenwert von Inklusion an Ihrer Schule verdeutlicht. Die Fachkonferenz Inklusion würde den gleichen Stellenwert einnehmen wie eine Fachkonferenz Mathematik, Deutsch usw.

II
Schüler mit Lese- und Sprachproblemen
16. Wie kann ich in meinem Unterricht die Sprachförderung in den Vordergrund stellen?
Sprachförderung ist unabhängig davon, ob Sie Schüler mit individuellem Förderbedarf Sprache haben, ein wichtiges Prinzip im Unterricht, da die sprachlichen Fähigkeiten der Schüler weniger geworden sind. Sprache aber ist ein wichtiges Medium in allen Fächern. Mit folgenden fünf Tipps kann Sprache gefördert werden:
• Tipp 1: Seien Sie selbst sprachliches Vorbild. Sprechen Sie klar und verständlich. Setzen Sie Betonung, Mimik und Gestik ein. Benutzen Sie ein angemessenes Sprachtempo. Nehmen Sie als Abwechslung immer wieder Wort- bzw. Symbolkarten zur Sprache dazu.
• Tipp 2: Schaffen Sie genügend Sprechanlässe im Unterricht. Wichtig ist, dass Sie immer wieder einfache Sprechanlässe schaffen, wie Lieder, Spiele, Unterrichtsgespräche, Bildbeschreibungen … Arbeiten Sie öfter im Unterricht in offenen Arbeitsformen mit Partner- oder Gruppenarbeit. Setzen Sie unterschiedliche Textformen ein und lassen Sie viel lesen, vor allem auch gegenseitig vorlesen. Spielen Sie zur Auflockerung immer wieder mal Spiele, die Sprache erfordern, z. B. Ich sehe was, was du nicht siehst, und lassen Sie den Schüler den Gegenstand immer genauer beschreiben.
• Tipp 3: Gehen Sie behutsam mit Sprachfehlern um. Fehler sind erlaubt, auch beim Sprechen. Wichtig ist aber eine behutsame Korrektur bei falschen Formulierungen, z. B. nicht hochdeutscher Ausdrucksweise. Wiederholen Sie einfach das Gesagte richtig, aber sagen Sie nicht: Das ist falsch.
• Tipp 4: Wenn das soziale Klima stimmt … Eine Atmosphäre in der Klasse, bei der niemand ausgelacht oder verspottet wird, trägt zu einem angstfreien und motivierenden Sprechen bei. Ein wichtiges Mittel hierzu ist das Loben. Bei schwächeren Kindern sollten Sie bereits kleinere gute sprachliche Beiträge loben. Greifen Sie dies im Klassenrat auf und nehmen es in Ihre Klassenregeln auf.
• Tipp 5: Lesen Sie immer wieder in einer guten Sprache Ihren Schülern vor, z. B. als Ritual während der Frühstückspause.
17. Wie kann ich bei bestimmten Sprachstörungen richtig reagieren?
Gewisse Sprachstörungen bedürfen unterschiedlicher Übungen, die man z. B. in einem Tages- oder Wochenplan oder in Förderstunden durchführen kann:
Artikulationsstörungen
Diese können phonologisch oder phonetisch verursacht sein.
• Phonetische Störungen: Wenn Ihr Schüler einzelne Laute nicht richtig bilden kann. Hier könnte eine Hörstörung vorliegen und ein Arztbesuch sollte unbedingt angeraten werden. Lassen Sie vorher in einer Art Selbsttest Wörter mit Kopfhörer hören und aufschreiben oder einem Partner vortragen. Wie viele sind falsch wahrgenommen? Übungen hierzu: Üben an Minimalpaaren (»Topf–Kopf«, »Hase–Nase«, »Haus–Maus«)
• Phonologische Störungen: Wenn Ihr Schüler die richtig gebildeten Laute falsch einsetzt. Ziel ist es das phonologische Bewusstsein allgemein zu erweitern. Übungen hierzu: Gleichen Anlaut finden, gleichen Auslaut finden, Silben schwingen, Silben zählen, Einzellaute im Wort zählen, Lautidentifikation: vorne, mitte, hinten …
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