Kitabı oku: «Die Arbeit am Langen Zügel»

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Autor und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.


IMPRESSUM

Copyright © 2014 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek


Gestaltung und Satz: www.ravenstein2.de Coverfoto: Shana Ritter

Fotos im Innenteil: Andreas Evertz, Maresa Mader, Shana Ritter, Dr. Thomas Ritter, Sandra Schneider

Grafiken: Alexandra Gaugl

Lektorat der Originalausgabe: Claudia Weingand


Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.


Alle Rechte vorbehalten.


Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.


eISBN: 978-3-8404-6195-8


DANKE


Dr. Thomas Ritter mit Lipizzanerhengst Maestoso II Shama II. (Foto: Mader)


Ich möchte mich an dieser Stelle kurz bei all denen bedanken, die an der Verwirklichung des vorliegenden Buches beteiligt waren. Allen voran bei meiner Frau Shana, die mir seit vielen Jahren mit ihrer unermüdlichen Unterstützung zur Seite steht. In der gemeinsamen Arbeit mit den Pferden haben wir im Lauf der Jahre die in meinen Büchern beschriebene Ausbildungsmethode entwickelt. Shana hat im vorliegenden Buch vor allem den Kapiteln über Piaffe, Passage und Levade entscheidende Anstöße gegeben.

Saskia und Andreas Evertz, die Besitzer des Aischbachhofes, haben ihre wunderbare Reitanlage für viele der Fotos in diesem Buch zur Verfügung gestellt und uns auch sonst trotz ihrer großen Arbeitsauslastung immer in jeder Hinsicht tatkräftig unterstützt. Darüber hinaus sind ihre PRE Hengste Amigo, Mulan, Kabul, der PRE Wallach Furia sowie ihr Friesenhengst Richold auf den Fotos abgebildet.



EINLEITUNG


Lipizzanerhengst Maestoso II Catrina (Foto: Shana Ritter)


Ich beschäftige mich mittlerweile seit fast drei Jahrzehnten mit der Arbeit am Langen Zügel. Ich hatte das Glück, dass meine Lehrer ausgesprochene Könner in diesem Metier waren und mir sowohl ihr Wissen als auch ihre Leidenschaft dafür mitgegeben haben. Im Lauf der Jahre habe ich sehr viele Pferde der verschiedensten Typen und Rassen am Langen Zügel gearbeitet und einige davon bis in die höchsten Klassen ausgebildet. Ich habe dabei sehr viel über die individuellen Pferde und über die Dressurausbildung im Allgemeinen gelernt. Auch meine Fertigkeiten im Sattel haben durch diese Arbeit über die Jahre und Jahrzehnte hinweg wichtige Impulse erhalten. Die Arbeit am Langen Zügel wurde nach und nach zu einer meiner Spezialitäten, die ich auch immer wieder in Schaunummern vor Publikum vorgestellt habe. Alle meine Erfahrungen und Beobachtungen habe ich jetzt in dem vorliegenden Buch verarbeitet, welches schon seit Langem geplant war und sich jetzt endlich realisieren ließ.

Unterschied zum Einfahren

Die Arbeit am Langen Zügel ist traditionell eine Form des Reitens, nicht des Fahrens, wie mancherorts fälschlich angenommen wird. Daher sagt man zum Beispiel auch, dass man eine Wendung oder eine Lektion am Langen Zügel reitet. Die Arbeit am Langen Zügel wirkt versammelnd und wird vorwiegend im versammelten Trab und Galopp ausgeführt. Daher eignet sie sich im Unterschied zur Fahrschule vom Boden auch nicht für sehr junge Pferde.

Fahrpferde werden beim Einfahren vom Boden aus mit den Fahrleinen geführt, wobei der Fahrer einen relativ großen Abstand zum Pferd hält. Im Unterschied zum Langen Zügel wird beim Einfahren sehr viel im Schritt gearbeitet. Das Pferd trägt das Fahrgeschirr und den Fahrzaum. Es werden nur gerade Linien und einfache Wendungen geübt.

Am Langen Zügel dagegen geht der Reiter auf Tuchfühlung mit dem Pferd, das nur auf Trense gezäumt ist. Der Lange Zügel ist kürzer als die Fahrleinen. Das Pferd kann alle Gänge und Bahnfiguren der hohen Schule, einschließlich der Seitengänge, fliegenden Wechsel, Pirouetten, Piaffe und Passage am Langen Zügel erlernen.

Unterschied zur Doppellongenarbeit

Die Arbeit am Langen Zügel unterscheidet sich auch von der Doppellongenarbeit, bei der das Pferd in der Regel einen Longiergurt trägt, durch dessen Ringe die beiden Longen geführt werden. An der Doppellonge befindet sich der Ausbilder meist auf der Mittellinie neben dem Pferd, das auf dem Zirkel um ihn herumgeht. Der Zirkel kann dann an der langen Seite entlang auf und ab verschoben werden. Das Pferd wird hier wie am Langen Zügel meist im Trab und Galopp gearbeitet.

Der Versammlungsgrad ist jedoch in der Regel geringer als am Langen Zügel. Man kann allerdings sehr leicht einen fließenden Übergang von der Doppellonge zum Langen Zügel finden, indem man sich hinter das Pferd setzt und den Abstand verringert. Daher eignet sich die Doppellonge sehr gut als Vorbereitung und Einstieg in die Langzügelarbeit.

WARUM LANGZÜGELARBEIT?

Vorteile, Gefahren, Problemgebiete

Lipizzanerhengst Maestoso II Shama II im Trab. (Foto: Shana Ritter)


Mancher Reiter wird sich fragen, warum er eine körperlich so anstrengende Beschäftigung auf sich nehmen sollte. Für mich selbst stand am Anfang die Faszination, dass man mit einem Pferd alle Dressurlektionen ausführen kann, ohne auf ihm zu sitzen. Wie der Zufall es wollte, war mein Lehrer ein ausgesprochener Fachmann auf diesem Gebiet und ermöglichte mir den Einstieg.

Es gibt aber über die Liebhaberei und die Traditionspflege hinaus auch praktische Gründe, die die Arbeit am Langen Zügel lohnenswert machen. Ich habe immer wieder festgestellt, dass Pferde diese Arbeit sehr gerne verrichten. Sie schafft eine engere Beziehung zwischen Mensch und Pferd, da man wortwörtlich „Seite an Seite” miteinander arbeitet und der Mensch mindestens genauso viel Energie aufwenden muss wie das Pferd.

Der Reiter kann hier sehr viel über die technischen, biomechanischen Aspekte der Pferdeausbildung lernen, da er den ganzen Pferdekörper und vor allem die Pferdebeine immer im Blickfeld hat. Indem er genau sieht, wo sich jedes Bein gerade befindet und was es tut, kann er sich das Gefühl für die richtigen Augenblicke der Hilfengebung aneignen, was ihm dann auch im Sattel zugutekommt. Da er nicht auf dem Pferd sitzt, kann er sich auf die Einwirkung mit dem Zügel konzentrieren, ohne sich um seinen Sitz sorgen zu müssen.

Ergänzung zum Reiten

Die Langzügelarbeit ist auch ein sehr gutes diagnostisches Hilfsmittel, da sich Ursache- Wirkungs-Beziehungen direkt vor den Augen des Reiters abspielen. Kommt ein Problem unter dem Sattel auf, kann man die Ursache am Langen Zügel oft schneller identifizieren. Man hat die Mechanik der Hinterhand unmittelbar vor Augen und kann Fehler nicht durch Gewichts- und Schenkelhilfen überspielen. Alle Probleme, die unter dem Sattel auftauchen, treten am Langen Zügel daher noch deutlicher zutage. Kommt es dagegen vor, dass das Pferd eine Lektion am Langen Zügel besser ausführt als unter dem Reiter, ist das möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der Reiter im Sattel das Pferd stört.


Friesenhengst Richold im Galopp. Die Arbeit unter dem Sattel und am Langen Zügel ergänzen sich sehr gut gegenseitig. (Foto: Evertz)


Das Pferd verbessert sich unter dem Reiter als direktes Resultat der Arbeit am Langen Zügel und umgekehrt. Man kann ihm bestimmte Dinge am Langen Zügel besser erklären, während andere im Sattel effektiver behandelt werden können. Analog dazu verbessert sich der Reiter im Sattel, da er am Langen Zügel sehen kann, was er unter dem Sattel fühlt. Sitzt er wieder auf dem Pferd, kann er dem Gefühl in Sitz, Schenkel und Zügel das Bild zuordnen, das er am Langen Zügel gewonnen hat. Auf diese Weise befruchten sich beide Arbeitsweisen gegenseitig und der Reiter entwickelt eine vollständigere und differenziertere Fühlpalette.


Alle Fehler und Probleme, die unter dem Sattel auftauchen, treten am Langen Zügel meist noch deutlicher zutage.

Ganz grundsätzlich sollte die Arbeit unter dem Sattel diejenige am Langen Zügel immer sinnvoll ergänzen und umgekehrt. Es ist möglich, dem Pferd bestimmte Lektionen ohne Reitergewicht erst am Langen Zügel beizubringen, bevor man sie unter dem Sattel nachreitet. Am Langen Zügel kann man schon Erlerntes verbessern, sodass das Pferd die Lektion unter dem Sattel korrekter ausführt. Umgekehrt lassen sich bestimmte Aspekte sinnvoller vom Sattel aus erarbeiten, sodass das Pferd anschließend am Langen Zügel besser geht.

Die Langzügelarbeit unterliegt genau denselben Gesetzmäßigkeiten und folgt denselben Prinzipien wie die Dressur unter dem Sattel. Daher beschränke ich mich in diesem Buch aus Platzgründen auf die Darstellung der speziellen technischen Aspekte der Arbeit am Langen Zügel und verweise für allgemeine Ausbildungsfragen auf mein Buch „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik” (Cadmos, 2010).


Die Impulse werden von den Hinterbeinen erzeugt und zum Maul weitergeleitet (blau). Die Reiterhilfen schicken diese Impulse gezielt in den Boden (rot). (Foto: Shana Ritter)


Die Beine mit dem Boden verbinden

Ein Vorteil der Arbeit am Langen Zügel besteht darin, dass die Beine des Pferdes noch effektiver mit dem Boden verbunden werden können als im Sattel. Einerseits ist der Pferderücken nicht durch das Reitergewicht belastet und der Mensch steht andererseits mit seinen eigenen Beinen auf dem Boden. Dazu finden Sie detaillierte Ausführungen in meinem Buch „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik”. Ich möchte daher an dieser Stelle nur ganz kurz zusammenfassen: Der Ausbilder stellt Verbindungen zwischen den verschiedenen Körperteilen des Pferdes, den Hilfen und dem Boden her.

Eine funktionierende Verbindung erkennt man daran, dass Energieimpulse frei und ungehindert in alle Richtungen fließen können: von hinten nach vorn, von vorn nach hinten, von rechts nach links und von links nach rechts. Die Impulse werden von den Hinterbeinen erzeugt und durch die Muskulatur und die Wirbelreihe nach vorne zum Maul weitergeleitet (siehe Foto links). Die Reiterhilfen formen und dirigieren die Bewegungsenergie des Pferdes. Sie können beispielsweise das Pferd wie einen Basketball in den Boden drücken, indem sie einem Stützbein den Hauptteil des Körpergewichts zuweisen. Der Boden federt dann das Pferd wie ein Trampolin wieder nach oben. Es ist für den Glanz der Bewegungen, die Versammlung und die Durchlässigkeit unabdingbar, dass der Reiter den Boden jederzeit durch alle Pferdebeine mit seinen Hilfen erreichen kann. Eine Verbindung kommt nicht zustande, wenn ein Muskel verspannt ist (Blockade) oder nicht genug Tonus, also Spannung, besitzt (falscher Knick). Im ersten Fall wird der Bewegungsspielraum des betroffenen Gelenks eingeschränkt.


Der Boden ist das wichtigste Hilfsmittel des Reiters, da er die Hilfen verankert und dem Reiter erlaubt, das Pferd wie ein Bildhauer zu modellieren.


Die Hinterbeine erzeugen Energieimpulse, die durch die Muskulatur und die Wirbelreihe nach vorn weitergeleitet werden.

Die Reiterhilfen greifen diese Impulse auf und schicken sie gezielt durch die Pferdebeine in den Boden, der dann wie ein Trampolin das Pferd wieder nach oben federt.



Saskia Evertz auf PRE Hengst Mulan im Trab. Dadurch, dass der Ausbilder das Pferd am Langen Zügel führt, kann die Reiterin die Zügelhilfen fühlen. (Foto: Mader)


Im zweiten Fall ist das Gelenk instabil und schwer kontrollierbar. In beiden Fällen geht die Hilfe nicht durch den Pferdekörper bis in den Boden, sondern bleibt stecken, und somit kann der Gang nicht elastisch federnd werden.

Es ist also die Aufgabe des Reiters, sowohl die Muskelverspannungen als auch die falschen Knicke aufzuspüren und zu korrigieren, damit alle theoretisch denkbaren Verbindungen in der Praxis auch tatsächlich zustande kommen.

Langzügelarbeit bei Korrekturpferden

Bei der Korrektur verrittener Pferde kann der Lange Zügel neben dem Longieren, der Handarbeit und der Doppellongenarbeit gute Dienste leisten. Er eignet sich dabei am besten für Pferde, die gut vorwärtsgehen und große Steifheiten im Körper aufweisen. Bei Pferden, die sich verhalten, ist er das falsche Hilfsmittel, weil sie sich dann meist noch mehr verhalten und unter Umständen gefährlich werden können. Der Ausbilder kann den Reiter zudem mit dem Langen Zügel in bestimmten Situationen sehr effektiv von unten unterstützen, insbesondere wenn ein Pferd die Paraden nicht respektiert oder sich nicht biegen lässt.

Weitere Vor- und Nachteile der Langzügelarbeit

Im Unterricht kann der Schüler das Gefühl für das Gleichgewicht und den schwingenden Rücken kennenlernen, wenn der Ausbilder das Pferd am Langen Zügel führt. Er fühlt dabei die Zügelhilfen des Lehrers im eigenen Oberschenkel. Das ist auch eine sehr gute Methode, dem Schüler Dressurlektionen näherzubringen und die Hilfengebung erfühlbar zu machen.

Pferde, die von einer Verletzung in die Arbeit zurückkehren und nur sehr vorsichtig belastet werden dürfen, profitieren ebenfalls von der Arbeit am Langen Zügel. Manchmal sage ich auch, nur halb im Scherz, dass die Langzügelarbeit ein sehr gutes Fitnessprogramm für den Reiter darstellt. Wer sie regelmäßig intensiv betreibt, verbrennt eine Menge Kalorien und eignet sich Ausdauer an.

Alle Formen der Arbeit sollten einander grundsätzlich sinnvoll unterstützen.

Ein gewisser Nachteil der Arbeit am Langen Zügel besteht darin, dass es schwieriger ist, eine gute Seitenbiegung auszuarbeiten als unter dem Sattel. Und da dem abgesessenen Reiter gewisse Geschwindigkeitsgrenzen gesetzt sind, besteht die Gefahr, dass das Pferd anfängt sich zu verhalten und steifer zu werden. Daher sollte die Langzügelarbeit nicht ausschließlich betrieben, sondern das Pferd auch regelmäßig unter dem Sattel gearbeitet werden, damit die Seitenbiegung und der Vorwärtsdrang nicht verloren gehen und sich beide Methoden sinnvoll ergänzen können.

VORAUSSETZUNGEN

für die Langzügelarbeit

Wallach Furia mit Andreas Evertz. Das war Furias vierte Einheit am Langen Zügel und sein erster Galopp! (Foto: Shana Ritter)


Der richtige Zeitpunkt

Da der größte Teil der Arbeit am Langen Zügel im versammelten Trab und Galopp stattfindet, sollte nicht zu früh damit begonnen werden. Die Klasse L ist ein guter Anhaltspunkt. Pferde, die in ihrer Ausbildung noch nicht bis dahin gediehen sind, können sich noch nicht genug versammeln, was der Reiter dann ausgleichen muss, indem er selbst mit dem Arbeitstrab und Arbeitsgalopp Schritt hält. Bei kleineren Pferden ist das innerhalb gewisser Grenzen oft noch möglich, vor allem wenn der Reiter groß ist. Überschreitet das Stockmaß jedoch eine bestimmte Höhe, wird es schwierig. Auch besitzt nicht jeder Reiter die hierfür notwendige Fitness, Bein- oder Schrittlänge.

Die Versammlungsfähigkeit des Pferdes diktiert, wie sehr man vorwärtsreiten muss (unter dem Sattel genauso wie am Langen Zügel), damit es nicht hinter die Hilfen gerät und sich keine Steifheiten einschleichen. Kommt der Reiter nicht mit dem Mindesttempo des Pferdes mit, hält er es unvermeidlich mit der Hand zurück und schafft damit innerhalb kürzester Zeit Probleme. In solchen Fällen muss man die Versammlungsfähigkeit des Pferdes erst unter dem Sattel weiter fördern und die Langzügelarbeit vorerst zurückstellen.

Das Pferd

Vor vielen Jahren wurde einer meiner Lehrer nach einer Reitstunde am Langen Zügel von einem Zuschauer gefragt, was für eine Art Pferd denn für diese Art der Arbeit geeignet sei, woraufhin er antwortete: „Ein ehrliches.” Das ist ein äußerst wichtiger Punkt. Pferde, die eine Neigung zum Schlagen haben, sollte man selbstverständlich nicht am Langen Zügel arbeiten. Man muss allerdings ganz realistisch feststellen, dass jedes Pferd eine gewisse Toleranzgrenze hat. Wird diese überschritten, dann schlägt auch das bravste Pferd aus. Bei manchen ist diese Toleranzgrenze sehr hoch, bei anderen ist sie ausgesprochen niedrig.

Derselbe Lehrer sagte mir auch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man einmal einen Fehler macht und ein Pferd ausschlägt, wenn man viel am Langen Zügel arbeitet. Aus diesem Grund sollte man auch nur solche Pferde an den Langen Zügel nehmen, die hinten unbeschlagen sind.

Falls einmal etwas schiefgehen sollte, ist es am besten, wenn man entweder außer Reichweite hinter dem Pferd oder direkt neben der Hinterhand geht, damit der Schlag des Hinterbeins nicht seine volle Kraft entwickeln kann und nur den Oberschenkel streift.

Alle Pferde schlagen aus, wenn ihre Toleranzgrenze überschritten wird!

Ich warne auch davor, die Langzügelarbeit mit einem Pferd auszuprobieren, das man noch nicht gut kennt. Es ist wichtig, dass man ein Vertrauensverhältnis zum Pferd aufbaut, bevor man sich in Reichweite der Hinterbeine begibt. Es ist notwendig, dass der Reiter die Reaktionen des Pferdes genau kennt und dass andererseits das Pferd mit der Persönlichkeit und der Art der Hilfengebung des Reiters vertraut ist, sodass es keine unliebsamen Überraschungen gibt.

Das Pferd sollte vertraut sein mit dem Longieren, der Doppellonge und der Handarbeit, bevor man mit der Langzügelarbeit beginnt.

VOR DEN TREIBENDEN HILFEN

Wie alle fortgeschrittenen Arbeitsmethoden funktioniert auch die Langzügelarbeit nur mit Pferden, die vor dem Schenkel beziehungsweise vor der Gerte sind. Pferde, die sich verhalten, sind gefährlich. Sie scheinen zwar faul und müde zu sein, aber der Eindruck täuscht. Solche Pferde entladen ihre aufgestaute Energie sehr leicht durch Ausschlagen, wenn man sie vorwärtstreiben will.

Bemerkt man also, dass das betreffende Pferd sich hinter den treibenden Hilfen verhält, dann wechselt man die Strategie und bringt es erst durch andere Formen der Arbeit wieder ehrlich vor Schenkel und Gerte, um die Verletzungsgefahr zu verringern, bevor man sich wieder an den Langen Zügel heranwagt. Lebhafte Pferde, die von sich aus gut vorwärtsgehen, eignen sich deshalb besser für die Langzügelarbeit.



Friesenhengst Richold. Jedes Pferd kann einmal ausschlagen. Daher ist bei der Arbeit immer Vorsicht geboten. (Foto: Shana Ritter)

Pferden mit einem dünnen Schwanenhals bekommt die Arbeit am Langen Zügel eher nicht, da sie dazu neigen, sich einzurollen. Das ist am Langen Zügel viel schwerer abzustellen als unter dem Sattel.

Das Größenverhältnis

Je größer der Reiter und je kleiner das Pferd, desto leichter hat es der Reiter. Es gibt hierbei naturgegebene Grenzen. Der Reiter muss selbst im Schritt mitgehen können, wenn das Pferd versammelt trabt und galoppiert. Je kürzer die Beine des Reiters sind, desto schwieriger wird es. Je größer das Pferd ist, desto mehr muss es sich versammeln lassen, damit der Reiter nicht ins Laufen gerät. Das Laufen sollte so weit wie möglich vermieden werden, da der Reiter während der Schwebephase keine Verbindung mehr mit dem Boden hat und dadurch auch die Hilfen in dem Moment nicht reell durchkommen können.

Traditionell sind die Langzügelpferde eher klein. Ich selbst bevorzuge Pferde, die circa 1,50 m bis 1, 60 m Stockmaß haben.

Die Reitbahn

Die Standardvierecke 20 m mal 40 m und 20 m mal 60 m sind für die Langzügelarbeit am besten geeignet. Der Belag soll fest, aber elastisch federnd sein. Ist man gezwungen, in tiefen Sandböden zu arbeiten, dann rutscht die Fußspitze bei jedem Abdrücken ein paar Zentimeter zurück, was die Arbeit mühsam macht. Sehr wichtig ist, zumindest im Anfangsstadium, eine feste Bande, da sie dem noch unerfahrenen Pferd einen guten optischen Anhaltspunkt bietet und es auch dem ungeübten Reiter erleichtert, das Pferd auf dem Hufschlag zu halten und geradeaus gehen zu lassen. Abgesehen davon kann das Pferd dann nicht weit davonlaufen, sollte einmal etwas schiefgehen und es sich losreißen.

Das Aufwärmen

Die Aufgabe der Aufwärmphase besteht darin, das Pferd in einen Zustand des psychischen und physischen Gleichgewichts zu versetzen, damit es sich mental auf das Training einstellen kann. Es soll behutsam auf die Hilfen abgestimmt werden, so wie ein Musikinstrument gestimmt wird, bevor man anfängt zu spielen. Die Muskeln werden aufgewärmt und gedehnt, wozu sich das Biegen in der Bewegung oft am besten eignet.

Es ist wichtig, dass man beim Aufwärmen die Beine schont und keine Energie verschwendet, denn das Pferd braucht seine Kraft und Frische für die eigentliche Arbeitsphase, in der es etwas Neues lernen und eine, seinem Ausbildungsstand entsprechende, Leistung bringen soll.

Mit einem erschöpften Pferd ist das unmöglich. Hinzu kommt, dass müde Muskeln das Skelett nicht mehr abstützen können. Dann übernehmen automatisch die Sehnen und Bänder diese Aufgabe. In der Folge können Überlastungsschäden und Verletzungen auftreten, die sogar die Karriere des Pferdes beenden können oder zumindest eine mehrmonatige Pause erfordern.

Viele Reiter begehen dennoch den Fehler, ihre Pferde viel zu lange „aufzuwärmen”. Wenn sie dann endlich mit der eigentlichen Arbeitsphase anfangen, sind die Pferde nass geschwitzt, müde und steif, eine sinnvolle Arbeit unmöglich. Am schlimmsten ist das Abjagen des steifen und unausbalancierten Pferdes im Trab und Galopp. Das ist der schnellste Weg zur permanenten Lahmheit!

Andererseits darf das Pferd nicht vor Übermut und überschüssiger Energie aus allen Nähten platzen. Sonst kann es zu leicht passieren, dass es aus lauter Lebensfreude Bocksprünge macht und auskeilt, was für den Reiter bei der Langzügelarbeit lebensgefährlich werden kann.

Die Langzügelarbeit selbst kann verwendet werden, um das Pferd vor dem Reiten aufzuwärmen. Soll der Lange Zügel die Arbeitsphase ausfüllen, schadet es nicht, das Pferd ein paar Minuten vorher zu longieren. Die Handarbeit ist ebenfalls eine sehr gute Einstimmung für das Pferd. Vor allem die portugiesische Variante der Handarbeit (siehe Kapitel „Die portugiesische Handarbeit”) eignet sich gut, weil man hier nahtlos von der Handarbeit zur Langzügelarbeit übergehen kann. Welche Form des Aufwärmens gewählt wird, hängt vom Temperament des Pferdes, seinem Ausbildungsstand und seiner Tagesform ab.


Das Aufwärmen dient der Einstimmung des Pferdes auf die Arbeit und der Abstimmung auf die Hilfen. Es darf auf gar keinen Fall in ein mechanisches Müdemachen ausarten.



Longieren dient dazu, das Pferd physisch und psychisch auszubalancieren und damit auf die eigentliche Arbeit vorzubereiten. Hier trabt Friesenhengst Richold an der Longe mit Trense, Kappzaum, Ausbindern und Longiergurt, gemäß der Tradition der Spanischen Reitschule in Wien. (Foto: Shana Ritter)




PRE Hengst Toledano beim sogenannten Abbrechen, das heißt dem seitlichen Mobilisieren der oberen Halswirbelsäule durch Dehnen der äußeren Halsmuskulatur. (Fotos: Evertz)


DAS DEHNEN

Bevor man mit der Arbeit an der Hand anfängt, sollten Dehnungsübungen an der Hand vorausgeschickt werden, die früher als Abbiegen und Abbrechen (siehe Fotos) bezeichnet wurden, um Muskelblockaden in Ganasche und Genick aufzuspüren und wenn nötig zu beseitigen. Der Grund hierfür liegt darin, dass Steifheiten im Genick und Hals den Rücken und die Hinterhand blockieren. Die Pferde kommen dadurch leicht hinter die treibenden Hilfen und gehen nicht durchs Genick. Es empfiehlt sich daher, auch im Laufe der späteren Dressurarbeit immer wieder auf diese Übungen zurückzugreifen und die Beweglichkeit des Genicks wiederherzustellen beziehungsweise zu verbessern. In der preußischen und österreichischen Kavallerie wurde früher jeden Tag vor dem Aufsitzen einige Minuten lang abgebrochen und die Arbeit wurde immer wieder durch solche Dehnungsübungen sowohl im Sattel als auch vom Boden aus unterbrochen.

Die Ausrüstung des Pferdes

DIE TRENSE

Der traditionelle Zaum für die Langzügelarbeit ist die Knebeltrense mit dem Hannoveranischen Reithalfter. Man kann aber auch Wasser- oder Olivenkopftrensen verwenden. Das Mundstück kann ein einfach oder doppelt gebrochenes Gebiss sein. Kandarengebisse finden keine Verwendung, da die Kandarenkonstruktion einerseits das seitliche Biegen sehr erschwert und sie andererseits den Vorwärtsdrang des Pferdes zu sehr hemmen kann.

DER KAPPZAUM

In der Regel wird das Pferd am Langen Zügel mit der Trense geführt. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen es sich anbietet, den Langen Zügel in einen Kappzaum einzuschnallen. Ich verwende diese Variante insbesondere, wenn ich einen Reiter vom Boden aus durch den Langen Zügel unterstütze. Das bietet den Vorteil, dass der Reiter die Verbindung zum Pferd über das Mundstück herstellt, während ich auf die Nase einwirken kann. Auch bei Pferden mit Genickschwierigkeiten kann es unter Umständen helfen, wenn der Lange Zügel eine Zeit lang in den Kappzaum statt in der Trense eingeschnallt wird.

Der Kappzaum soll folgendermaßen beschaffen sein: Das Nasenstück besteht aus einem ungebrochenen Stück Metall, an dem drei Ringe beweglich befestigt sind. Dieses Nasenstück darf nicht zu dick gepolstert sein, da eine feine Einwirkung nicht mehr möglich ist, wenn die Polsterung nur sehr grobe Hilfen durchlässt. Portugiesische Kappzäume und der Kappzaum, den die Spanische Reitschule verkauft, sind am besten geeignet.

DER LANGE ZÜGEL

Es sei gleich vorab gesagt: Es gibt im Fachhandel derzeit keine geeigneten Langen Zügel zu kaufen. Sie sind meist viel zu lang und erinnern eher an eine Doppellonge. Manche Reiter funktionieren handelsübliche Schlaufzügel zu Langen Zügeln um. Auch diese Variante eignet sich oft nicht, da die Schlaufzügel für die meisten Pferde zu kurz sind. Man muss sich die Langen Zügel also entweder selbst nähen oder von einem Sattler anfertigen lassen. Man sollte sich dafür ein Material aussuchen, das weich genug ist, damit man das Pferd gut fühlen kann. Es darf außerdem nicht zu glatt sein, damit dem Ausbilder nicht die Zügel aus den Händen gleiten, wenn er Handschuhe trägt.

Der korrekt verschnallte Kappzaum bietet die Möglichkeit, den Langen Zügel einzuschnallen oder den Zügel des Assistenten, der so bei den ersten Schritten am Langen Zügel unterstützen kann. (Foto: Mader)


Ich persönlich arbeite gern mit Baumwolle, da sie nicht so leicht in die Hand einschneiden kann, wenn das Pferd doch mal einen Satz nach vorn machen sollte, und weil sie ein gutes Gefühl für den Pferdekörper vermittelt. Harte Kunstfasern sind ungeeignet.

Die Breite des Zügels sollte der Größe der Reiterhand entsprechen, was bedeutet, dass Reiter mit großen Händen wahrscheinlich einen etwas breiteren Zügel bevorzugen, während kleinere Reiter mit zierlichen Händen einen etwas schmaleren Zügel brauchen. Passt die Breite des Zügels nicht zur Länge der Finger, dann ist der Zügel unbequem, und das stört die Konzentration auf das Pferd. Es ist wichtig für den Erfolg der Arbeit, dass der Zügel dem Reiter angenehm in der Hand liegt.

Die Enden des Langen Zügels münden entweder in ein Stück Leder mit einer Schnalle aus Metall oder in einen Clip aus Metall, der in den Trensenring eingehängt wird. Was die Farbe anbelangt, verwende ich in der Ausbildung meist Schwarz. Für Schaunummern kann man den Langen Zügel farblich auf die Schabracke abstimmen, falls man eine solche verwenden sollte. Es bietet sich dann auch an, den Langen Zügel an die Farbe des Pferdes anzugleichen, damit man ihn so wenig wie möglich sieht. Das erzeugt die Illusion, das Pferd ginge von ganz allein und der Reiter ginge nur einfach nebenher.


DIE LÄNGE DES ZÜGELS

Der Lange Zügel sollte nicht zu lang sein. Es gibt viele sogenannte „Langzügel”, die eigentlich eher Doppellongen sind. Sie sind so lang, dass man dicke unhandliche Schlaufen in der Hand halten muss, wenn man direkt an der Hinterhand des Pferdes geht. Darüber hinaus haben sie vorn an der Schnalle einen dünnen, gerollten Teil, der mindestens bis zur Hinterhand reicht. Dieser Teil ist zu dünn, um dem Reiter ein gutes Gefühl zu erlauben. Daher eignen sich diese Zügel nur zur Doppellongen-, aber nicht zur Langzügelarbeit.

Die optimale Länge des Zügels hängt ein wenig von der Größe und dem Ausbildungsstand des Pferdes ab. Ist der Zügel zu kurz, schränkt er die Bewegungsfreiheit des Reiters zu sehr ein. Ist er zu lang, wird er unhandlich. Ich selbst bevorzuge eine Länge, die bequem um das Pferd herumreicht und bei der ich noch eine Schlaufe in der Hand halte, wenn ich direkt neben der Kruppe gehe. Ein solcher Zügel hat eine Länge von etwa fünf bis fünfeinhalb Metern.


Für den Erfolg der Arbeit am Langen Zügel ist es wichtig, dass der Zügel dem Reiter angenehm in der Hand liegt. (Foto: Thomas Ritter)


ZU BEGINN EINE LONGE VERWENDEN

Wenn ich mit einem neuen Pferd im Anfangsstadium einen etwas größeren Abstand zur Hinterhand halten will, dann verwende ich eine Longe als Langen Zügel. Hierfür eignen sich nur Longen, die eine Schlaufe am Ende haben, durch die man die Schnalle hindurchfädeln kann. Man steckt dazu die Schlaufe durch einen Trensenring, fädelt dann die Schnalle durch die Schlaufe und zieht die ganze Longe hindurch, bis sie fest am Trensenring sitzt. Die Schnalle wird dann in den anderen Trensenring eingehängt. Longe ausdrehen nicht vergessen! Am besten sind Longen ohne Drehgelenk geeignet, da sie sich nicht mehr von selbst verdrehen können. Das Drehgelenk macht diese Seite des „Langen Zügels” auch schwerer als die andere und verfälscht das Gefühl etwas.


LONGIERGURT UND SCHABRACKE

Ein Longiergurt ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man aus Sicherheitsgründen weit hinter dem Pferd bleiben will. Geht man in großem Abstand hinter dem Pferd her, kann der Lange Zügel durch die seitlichen Ringe des Longiergurts hindurchgeführt werden, um zu verhindern, dass er zu tief absackt oder über den Rücken rutscht, sollte das Pferd versuchen, sich umzudrehen. Das verleiht der Anlehnung in diesem Fall eine bessere Stabilität. Sobald man jedoch in dem Ausbildungsstadium angelangt ist, in dem man direkt neben oder hinter der Kruppe auf Tuchfühlung mit dem Pferd gehen kann, ist Flexibilität unbedingt notwendig. Der Zügel muss höher oder tiefer oder auch bewusst über den Rücken des Pferdes geführt werden können. Ringe und Umlenkrollen schränken diese Freiheit ein und erschweren die Aufgabe eher als dass sie sie erleichtern.

Schabracken verwendet man eigentlich nur zu Vorführzwecken, nicht während der Ausbildung. Sie haben keinen praktischen Nutzen und sind rein dekorativer Natur. Sie sind kleiner als die gewöhnlichen Sattelunterlagen und dürfen auch keine Schlaufen oder Ähnliches aufweisen. Stattdessen wird nur ein Gurt benötigt, der die Schabracke fixiert.


DIE AUSBINDER

Manche Ausbilder verwenden anfangs Ausbinder bei unerfahrenen Reitern und bei Pferden, die nicht so leicht durchs Genick gehen. Ich selbst habe damit aber aus zweierlei Gründen keine guten Erfahrungen gemacht.

Zum einen hemmen die Ausbinder den Vorwärtsdrang des Pferdes. Das ist am Langen Zügel besonders gravierend, da Pferde sich bei der Langzügelarbeit ohnehin leichter verhalten als unter dem Sattel. Zum anderen erlauben sie nicht genügend Seitenbiegung. Sie schränken die Bewegungsfreiheit des Halses ein und verhindern damit ein Geschmeidigmachen des Pferdes durch Biegen in der Bewegung oder auch im Halten.

Ausbinder erschweren also die Arbeit zusätzlich. Schwierigkeiten mit der Beizäumung kann man besser durch korrekte Gymnastizierung korrigieren.

Die Ausrüstung des Reiters

STIEFEL UND HANDSCHUHE

Da die Langzügelarbeit ein gewichtsloses Reiten ist, gilt für den Reiter traditionsgemäß auch die gleiche Kleiderordnung wie beim Reiten: entweder Reithosen und Schaftstiefel oder Jodhpurhosen und Stiefeletten. Ich muss allerdings einräumen, dass Lederreitstiefel nicht zum Marschieren gemacht sind und sehr unter der Belastung der Langzügelarbeit leiden, vor allem wenn man in Sandboden gehen muss. Daher ist es verständlich, seine guten Reitstiefel zu schonen und stattdessen anderes Schuhwerk zu tragen. Dabei gibt es jedoch aus Sicherheitsgünden einige allgemeine Regeln zu beachten: Man sollte nur feste Schuhe tragen, die über den Knöchel reichen. Beim Gehen kann man sich sonst leicht selbst an den Knöcheln streifen und wund reiben. Außerdem kann es vorkommen, dass ein Hinterfuß des Pferdes aus Versehen den Knöchel des Reiters streift, was Verletzungen verursachen kann. Ein fester Stiefel schützt auch besser vor dem Umknicken. Stahlkappen im Zehenbereich sind ebenfalls keine schlechte Idee, da es hin und wieder passieren kann, dass man mit seinem Fuß unter dem Hinterhuf des Pferdes landet, wenn es eng zugeht. Offene Schuhe oder Laufschuhe sind aus diesen Gründen völlig ungeeignet. Feste,hohe Wanderschuhe, Fallschirmspringerstiefel oder Bauschuhe erfüllen dagegen die Sicherheitsanforderungen.

Die Verwendung von Handschuhen ist im Grunde eine Sache der persönlichen Präferenz. Ein Pferd, das den Reiter davon zieht, ist noch nicht reif für die Langzügelarbeit. Ich selbst trage Handschuhe deshalb eigentlich nur bei kühlem Wetter. Wenn es sehr warm ist, sind sie mir eher unangenehm. Ich bevorzuge Handschuhe aus Leder, die strapazierfähig sind und ein gutes Gefühl zulassen.


DIE GERTE

Die Länge der Gerte richtet sich nach der Position des Reiters. Je weiter man vom Pferd entfernt ist, desto länger muss die Gerte oder Peitsche sein. Wenn man beispielsweise so weit hinter dem Pferd geht, dass man sich außer Reichtweite der Hinterbeine befindet, muss man unter Umständen eine Longierpeitsche verwenden, um das Pferd mit dem Peitschenschlag noch erreichen zu können. Verkürzt man die Distanz bis auf zwei Meter, reicht eine Fahrpeitsche aus. Wenn man bei der Hinterhand angekommen ist, tauscht man die Fahrpeitsche gegen eine Dressurgerte ein. Manchmal ist es von Vorteil, eine relativ kurze Reitgerte zu verwenden, damit man sie leicht von einer Seite auf die andere wechseln kann, ohne damit am Pferd hängen zu bleiben.

HALTUNG UND POSITION

des Reiters

PRE Hengst Kabul mit Shana Ritter. Eine aufrechte Haltung mit angespanntem Kreuz ist auch am langen Zügel notwendig. (Foto: Thomas Ritter)


Immer in Balance bleiben

Es ist wichtig, dass der Reiter sich immer im Gleichgewicht befindet. Der Oberkörper sollte deshalb so aufrecht sein, dass die Schultern senkrecht über den Hüften stehen. Nur so sind Arme und Beine unabhängig voneinander einsetzbar. Verliert der Reiter sein Gleichgewicht, indem er sich zum Beispiel zu weit nach vorn neigt, kann er das Pferd weder unterstützen noch klare Anweisungen geben. Die Verbindung der Hand zu Kreuz und Gewicht und die solide Verankerung des Reitergewichts im Boden gehen dann verloren. Das Gleichgewicht wird hauptsächlich durch die Bauch- und Rückenmuskulatur, also durch das Kreuz, kontrolliert. Fällt der Reiter vornüber, vielleicht weil er außer Atem gekommen ist, sollte er durchparieren und erst nach einer kleinen Verschnaufpause weitermachen. Es ist besser, kurze Reprisen in hoher Qualität zu üben als lange Reprisen in mangelhafter.


DER EINSATZ DES KREUZES

Wie beim Reiten, so muss auch beim Longieren, in der Handarbeit und am Langen Zügel das Kreuz eingesetzt werden. Das klingt vielleicht auf Anhieb paradox, da man dabei nicht auf dem Pferd sitzt. Doch die Hilfen können nur dann durchkommen, wenn sie aus dem Kreuz kommen und im Kreuz verankert sind. Das funktioniert nur, wenn der Ellbogen mit der Hüfte verbunden ist und die Bauch- und Rückenmuskulatur des Reiters angespannt. Sonst fehlt den Hilfen der nötige Zusammenhalt, sie machen für das Pferd keinen Sinn und bleiben irgendwo im Pferdekörper stecken. Wie beim Reiten auf dem Pferd auch, sollte man die Ellbogen nicht zu weit vom Körper entfernen, da sonst die Verbindung vom Kreuz zur Hand abgeschwächt wird. Das belastet die Reiterschultern unnötig, die Handgelenke werden hart und das Pferd wehrt sich gegen die Zügeleinwirkung.


Lipizzanerhengst Maestoso II Shama II im Galopp. Die Kreuzeinwirkung erlaubt es dem Reiter, auch am langen Zügel eine elastische, positive Spannung in der Wirbelsäule des Pferdes aufzubauen und seine Energie nach oben in einen Bergaufgalopp zu kanalisieren. (Foto: Mader)


Zum besseren Verständnis hilft es auch, sich von der fernöstlichen Kultur inspirieren zu lassen: Der Begriff des „Kreuzes“ ist sehr eng verwandt mit dem der „Hara” in den asiatischen Kampfsportarten. Es handelt sich um ein Anspannen der Bauch- und Rückenmuskulatur, die den Schwerpunkt absenkt und dadurch die Balance des Menschen bedeutend erhöht. Die auf diese Weise gewonnene Stabilität ermöglicht es, die Arm- und Beinmuskeln locker und unverkrampft zu belassen. Schwache Bauch- und Rückenmuskeln führen dagegen zu einem schlechten Gleichgewicht. Dieser hier nur ganz kurz angedeutete Sachverhalt gilt für den Reiter im Sattel ebenso wie beim Longieren, bei der Handarbeit und am Langen Zügel.

Auch am Langen Zügel braucht der Reiter sein Kreuz, damit die Hilfen durchkommen.

DIE VERBINDUNG ZUM BODEN

Darüber hinaus nutzt der Reiter die Unterstützung des Bodens aus, um den Paraden Nachdruck zu verleihen. Das funktioniert, indem er im Moment der Parade einen Absatz fest in den Boden drückt. Auf diese Weise wird eine Verbindung vom Gebiss durch den Zügel und den Reiterkörper in den Boden hergestellt, was der Zügelhilfe mehr Effektivität verleiht. Sollte das Pferd mit der Kruppe oder mit dem Hals gegen die parierende Hand drücken, dann trifft es praktisch auf den Widerstand des Bodens. Die Reiterhand ist dann nur noch ein Bindeglied und das Pferd pariert sich sozusagen selbst. Auf diese Weise kann man auch große und starke Pferde anhalten, wenn einmal etwas schiefgehen sollte und das Pferd davonstürmen will. Verliert der Reiter jedoch seine Verbindung zum Boden, dann kann ihn auch ein kleines Pferd ohne Weiteres „abschleppen” und aus dem Gleichgewicht bringen.

Der Reiter kann also die Energie der Schubkraft der Hinterhand im Zügel spüren und durch sein eigenes Bein wie durch einen Blitzableiter in den Boden abfließen lassen. Mithilfe dieser Verankerung kann er Schub- in Tragkraft umwandeln.

Die Position des Reiters

Was die Position des Reiters zum Pferd angeht, gibt es verschiedene Traditionen. An der Spanischen Reitschule ist es üblich, dass der Reiter im Schritt und Trab auf einfachem Hufschlag und im Schulterherein neben beziehungsweise seitlich hinter dem inneren Hinterfuß geht. Im Galopp, im Travers, Renvers und in der Traversale geht er neben dem äußeren Hinterbein, und in der Piaffe und Passage bleibt er in der Mitte hinter dem Pferd. Im Reitinstitut von Egon von Neindorff in Karlsruhe war es üblich, eher in der Mitte hinter dem Pferd zu bleiben und nur wenig seitlich abzuweichen.


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PRE Hengst Amigo mit Andreas Evertz. In der Tradition der Spanischen Reitschule zu Wien wird auf einfachem Hufschlag und im Schulterherein von innen geführt. (Foto: Shana Ritter)


Hengst Amigo mit Andreas Evertz. Bei Egon von Neindorff war es eher üblich, in der Mitte hinter dem Pferd zu gehen.


Hengst Amigo mit Andreas Evertz. Geht der Reiter neben dem äußeren Hinterbein, kann er mit dem inneren Zügel das innere Hinterbein zu sich herholen und leicht übertreten lassen. (Fotos: Shana Ritter)


VOR- UND NACHTEILE DER POSITIONEN

Ich persönlich suche diejenige Position, von der aus ich am effektivsten auf das jeweilige Pferd einwirken kann.

Geht man in der Mitte hinter dem Pferd, kann man es mit den Zügeln besser beidseitig einrahmen. An dieser Stelle können auch die vortreibenden Hilfen besser eingesetzt werden. Diese Position empfiehlt sich, wenn etwa ohne Anlehnung an eine Bande gearbeitet wird, da das Pferd dann leichter gerade gehalten werden kann. Bei Pferden, von denen man größeren Abstand halten will, ist es aus demselben Grund ratsam, in der Mitte hinter dem Pferd zu bleiben. Bei größerem Abstand ist eine genaue Führung von der Seite nicht mehr möglich.

Kann man bereits sehr dicht hinter dem Pferd gehen, kommt es gelegentlich vor, dass der Reiter dem Pferd in der mittigen Position in die Hacken tritt. Der Grund dafür liegt darin, dass das Pferd noch nicht geschlossen ist und die Hinterbeine nicht weit genug unter dem Körper bleiben. Sobald die Hinterbeine besser untertreten und sich unter der Last auch beugen, gibt sich das Problem.

Weicht das Pferd vom Hufschlag beziehungsweise von der Zirkellinie nach innen ab, kann es besser in der Spur gehalten werden, wenn der Ausbilder außen neben der Kruppe geht.

Der innere Zügel, tief geführt, rahmt den inneren Hinterfuß und den Brustkorb ein und schiebt das Pferd nach außen. Ganz allgemein kann man die Faustregel aufstellen, dass man in dieser Situation die Masse des Pferdes besser zu sich „hinheben” kann als sie von sich wegzuschieben. Ein Beispiel: Auf der steifen Seite drängelt das unerfahrene Pferd oft von der Bande weg nach innen; es fällt dabei auf die innere Schulter. Es wird viel leichter zurück auf den Hufschlag gehen, wenn man außen zwischen Pferd und Wand geht, als wenn man versucht, es von der Innenseite nach außen zu schieben.

In der nächsten Ausbildungsstufe ist es möglich, in der Mitte hinter dem Pferd zu gehen. Dabei wird der innere Zügel zwischen dem inneren Pferdeknie und dem inneren Hüfthöcker geführt und die innere Schulter eingerahmt. Der äußere Zügel läuft über die Mitte der Kruppe.

Weicht dagegen die Kruppe von der gerittenen Linie ab, kann dies oft sehr geschickt dadurch verhindert werden, dass der Ausbilder neben dem Hinterbein der hohlen Seite geht, um ihm das Ausweichen zu verwehren. Kommt die Kruppe nach innen, geht man besser nach innen. Weicht die Kruppe dagegen nach außen aus, geht man besser zwischen dem äußeren Hinterbein und der Wand. Auf diese Weise kontrolliert der Reiter die Hüfte, die zu ihm hindrängt, und die diagonale Schulter, die von ihm wegdrängt.

Während der Ausbildung sollte man in der Position gehen, von der aus man situationsbedingt am besten auf das Pferd einwirken kann.

DIE HILFEN


Lipizzanerhengst Conversano Sorria mit Shana Ritter in der Trabtraversale. (Foto: Thomas Ritter)


Unterschiede zur Arbeit unterm Sattel

Die Prinzipien der Hilfengebung sind bei allen Formen der Arbeit mit dem Pferd gleich. Der Reiter kann am Langen Zügel aber hauptsächlich nur Zügel, Stimme und Gerte einsetzen. Daneben ist es sinnvoll, in bestimmten Momenten den Handrücken, den Unterarm, die Schulter oder sogar die eigene Hüfte einzusetzen, um dem Pferd einen Impuls zu geben. Alles in allem ist die Hilfengebung also flexibler als im Sattel.

Gewisse Dinge bleiben jedoch immer gleich. Die treibenden Hilfen bringen beispielsweise auch bei der Langzügelarbeit das Pferd zum Zügel. Dieser empfängt die Energie und schickt sie an die Hinterhand zurück – ein Energiekreislauf entsteht. Die inneren Hilfen unterstützen die Biegung, die äußeren die Wendung.

Als treibende Hilfen stehen bei der Langzügelarbeit nur die Gerte und die Stimme zur Verfügung. Daneben spielt indirekt auch die Körperhaltung und die Konzentration des Ausbilders eine entscheidende Rolle. Richtet man sich groß auf und spannt die Bauchund Rückenmuskulatur an, dann wird das Pferd darauf reagieren, indem es vorne größer wird und Anlehnung zu nehmen beginnt. Ist der Reiter zu schlaff, dann wird auch bald das Pferd in sich zusammenfallen.

Die Stimmhilfen

Die Stimme kann sowohl treibend als auch beruhigend wirken. Eine kurze, energische Hilfe mit ansteigender Intonationskontur hat eine eher treibende Wirkung. Eine länger ausgedehnte, tiefere Stimmhilfe mit fallender Intonationskontur wirkt dagegen beruhigend auf das Pferd.

Man kann dem Pferd auch vor Beginn der Arbeit am Langen Zügel bestimmte Stimmkommandos beibringen, die ihm dann als „Eselsbrücke” dienen können. Ähnlich wie beim Longieren könnte man beispielsweise dem Pferd die Übergänge zwischen den Gangarten dadurch erklären, dass man zunächst bekannte verbale Kommandos mit den regulären Hilfen verbindet. Wenn das Pferd die gewöhnlichen Hilfen verstanden hat, können auch die Stimmhilfen wieder weggelassen werden.

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