Kitabı oku: «Das Radreisebuch Deutschland»

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Die Wasserradlwege erschließen auf mehreren Panoramaschleifen ganz Oberbayern.

DAS
RADREISEBUCH
DEUTSCHLAND

30 außergewöhnliche

Fernradwege

Exklusiv für Sie als Leser:

MIT GPS-DATEN ZUM DOWNLOAD

unter: gps.bruckmann.de


Inhalt

Fahrradland Deutschland

NORDDEUTSCHLAND

1Nordseeküsten-Radweg

Im Bann der Gezeiten

2Weser-Radweg

Flussfahrt mit Überraschungen

3Leine-Heide-Radweg

Doppelte Idylle

Weitere Touren im Norden

4100-Schlösser-Route

Entspannt durch die Parklandschaften

5Rhein-Radweg

Zeitreise mit dem Fahrrad

6RuhrtalRadweg

Ein grünes Wunder

Weitere Touren im Norden

7Ostseeküsten-Radweg

Ich will Meer!

8Radweg Hamburg-Rügen

Jede Etappe ein Erlebnis!

9Elberadweg

Genussradeln vom Feinsten

Weitere Touren im Norden

MITTELDEUTSCHLAND

10Mecklenburgischer Seen-Radweg

Seensucht

11Havel-Radweg

Stille Landpartie

12Mulderadweg

Beschauliche Flussfahrt

Weitere Touren in der Mitte

13Spreeradweg

Spreewaldromantik und Großstadtdschungel

14Oder-Neiße-Radweg

Landschaftskino im Osten

15Moselradweg

Flussschleifen zum Radlerglück

Weitere Touren in der Mitte

16Radweg Deutsche Einheit

Von der alten Hauptstadt in die neue

17Europa-Radweg Eiserner Vorhang

Stille Wege auf geschichtsträchtigem Boden

18Bahnradweg Hessen

Eisenbahnfeeling für Radler

Weitere Touren in der Mitte

19Main-Radweg

Entspannt durch die Landesmitte

20Saaleradweg

Naturerlebnis und Fahrrausch

21Neckartal-Radweg

Einmal durchs »Ländle«

Weitere Touren in der Mitte

SÜDDEUTSCHLAND

22Kocher-Jagst-Radweg

Folge den Zwillingsflüssen!

23Altmühltal-Radweg

Besuch bei Archäopteryx

24Fünf-Flüsse-Radweg

Geheimtipp in der Mitte Bayerns

Weitere Touren im Süden

25Naabtal-Radweg

Eins, zwei oder drei? Alle!

26Donau-Radweg

Grenzenloses Radeln bis zum Schwarzen Meer

27Bodensee-Radweg

Bummeln, baden, Bodensee

Weitere Touren im Süden

28Bodensee-Königssee-Radweg

Wer ist der Schönste im ganzen Land?

29Isar-Radweg

Unterm weiß-blauen Himmel

30Innradweg

Auf leichten Wegen durch die Berge

Weitere Touren im Süden

Register

Impressum


Von der Binnenalster eröffnen sich prächtige Blicke auf das Hamburger Rathaus..


Der Fluss Spree leitet Radler ins Herz von Berlin.


Die Kirche St. Lukas begrüßt Radler bei der Einfahrt nach München.


Flussradwege wie hier entlang der Mosel zählen zu den beliebtesten Routen Deutschlands.

Fahrradland Deutschland


Ein Fahrrad ist das ideale Gefährt, um durch Deutschland zu reisen. Hinter jeder Wegbiegung frische Farben und neue Gerüche.

Ein Maler würde den Staat so skizzieren: Im Norden zeichnet er zwei Küsten ein mit Buchten, Flussmündungen und Inseln. Hier finden Radler flaches Terrain, genauso im Norddeutschen Tiefland. Felder wogen bis zum Horizont. Im Ostteil reiht sich See an See. Südlich davon tupft der Künstler mehrere Mittelgebirge hin. Sie sind mit Wäldern bepackt und von Flüssen umschlungen.

Was ist befreiender, als unbeschwert an einem gemächlich dahinströmenden Wasserlauf entlangzurollen und den Blick über die grünen Landschaften schweifen zu lassen? Zu sehen, wie der Bergbach an der Seite zum Fluss anschwillt, dann zum Strom wird. Während man am Rad freudig einen Gang zulegt, schaltet das Gehirn einen herunter. Glücksgefühle durchfluten den Körper.

Überall gibt es im Lande sehenswerte Städte und Dörfer. Sie sind verbunden durch feine Linien – die Radfernwege. Manche tragen den Namen einer Landschaft, andere hat man einem Thema zugeordnet.

Werden Sie zum Maler und füllen Sie den eigenen Urlaubstraum mit Farbe! Sich am Meer vom Wind nach Osten wehen lassen oder eines der Mittelgebirge durchqueren. Alles ist möglich. Radler können hierzulande nicht nur vorwärts strampeln, sondern auch rückwärts in der Zeit. Sie drehen die Sanduhr um und schauen, was am Wegesrand auftaucht. Fachwerkstädtchen erwärmen das Herz, Ruinen beflügeln die Fantasie und uralte Kirchen lassen einen still werden.

Hunderte Radfernwege ziehen sich durch Deutschland. Das Radreisebuch dient zur Inspiration und hilft bei der Wahl, wohin zu radeln. Neben den 30 Hauptrouten zeigt es in den Regionen 90 Geheimtipps. Lesen Sie, ob die nachgeschlagene Tour Ihren Wünschen entspricht. Zusätzliche Infos gibt es auf den aufgelisteten Seiten der Tourismusverbände. Jede Fahrt führt raus aus dem Vertrauten. Tag für Tag ein Stück weiterziehen, erleben, wie sich das Umfeld allmählich ändert. Neue Landschaften, in den Städten eine andere Architektur. Einfach losstrampeln – es lohnt sich.

Entdecken Sie die Heimat per Rad!

Ich wünsche beim Radeln gutes Wetter und tolle Erlebnisse.

Thorsten Brönner


Zwischen Wallgau und Vorderriß darf sich die Isar vor der Kulisse des Karwendelgebirges frei entfalten.


Norddeutschland


Weite Landschaften, historische Städte und überall Wasser. Radeln Sie am Meer entlang, folgen Sie einem der Flüsse oder umrunden Sie mehrere Seen. Es lohnt sich!


Die Kreidefelsen haben den Nationalpark Jasmund auf Rügen bekannt gemacht.


1
Nordseeküsten-Radweg

Im Bann der Gezeiten

Die Nordseeküste fasziniert jeden Tag aufs Neue. Sie setzt für den Touristenfang besondere Köder ein. Lenker gen Osten und von Bucht zu Bucht steuern. Radler genießen das Deichpanorama und lassen den Blick über die weiten Landschaften gleiten.

Ebbe–Flut–Ebbe–Flut. Das Herz der Nordsee schlägt irgendwo weit draußen, und es schlägt in einem gleichmäßigen Takt. Das Pulsieren dauert gut sechs Stunden. Im Bann der Gezeiten ziehen Radler gen Osten, fasziniert vom Watt. Jenem Landstrich, der sich nicht entscheiden kann, ob er Meer oder Land sein möchte.

Die Reise beginnt in Leer. Es ist eine Stadt, die einem schnell ans Herz wächst. Hier überrascht die historisch gewachsene Altstadt mit ihren roten Bürgerhäusern, dort das Bünting Teemuseum. Jacke überstreifen, rauf aufs Rad und raus in den Wind! An der Seite der Ems bahnt man sich einen Weg durch blökende Schafe. Die Räder rollen leicht über die asphaltierten Dammkronenwege der Halbinsel Krummhörn. Hier trotzen Deutschlands größter und kleinster Leuchtturm Wind und Wetter. Das nächste Ziel versteckt sich im Schatten eines grünen Schutzdeichs. Es ist das idyllische Fischer- und Künstlerdorf Greetsiel mit seinen Zwillingsmühlen. Giebelhäuser aus dem 17. Jahrhundert rahmen die malerische Szenerie ein.

Jade, Weser und Elbe

Radler steuern weiter entlang der Deutschen Bucht. Von der Bierbrauerstadt Jever mit seinem Schloss sind es im Sattel zwei Stunden bis Wilhelmshaven. Dass Wilhelmshaven durch die nahe Nordsee geprägt ist, sieht man in drei Ausstellungen. Zur Auswahl stehen: das Küstenmuseum, das Wattenmeerhaus und das Marinemuseum. Nach der Fahrt um den Jadebusen bildet der einen Kilometer breite Weserstrom die nächste Landmarke. Am Ostufer ragt die Silhouette von Bremerhaven auf. Spannend ist ein Besuch des Museumshafens. Hier ankern Schmuckstücke wie der hölzerne Handels-Großsegler »Seute Deern«, der Walfangdampfer »Rau IX« sowie das U-Boot »Wilhelm Bauer«. Daneben zieht das futuristische Klimahaus Bremerhaven 8° Ost die Blicke an. Es ist wie das Deutsche Auswandererhaus einer der Besuchermagneten der Stadt. Hinter dem weitläufigen Containerterminal vollzieht die Umgebung einen Wandel: Aus den bunten Containern werden rote Backsteinhäuser, aus den zugebauten Flächen grünes Deichland mit Schafen und Kühen. Mittendrin die Weser, die sich gen Norden trichterförmig öffnet. Man macht es sich auf einer Parkbank unweit der Kugelbake in Cuxhaven bequem. In der Ferne scheinen die Ozeanriesen einer Fata Morgana gleich durch das Wattenmeer zu gleiten – lautlos und anmutig. Die Elbe prägt das mittlere Teilstück. Unterwegs reißen die Höhepunkte nicht ab: Den Anfang macht Hemmoor, wo man mit der nostalgischen Schwebefähre über den Fluss Oste schweben kann. Es folgt Stade mit seinem Freilichtmuseum, den verschachtelten Gassen und dem Hafen.


Der historische Ortskern von Stade erstreckt sich um den Alten Hafen.


Wesermarsch

Die Zugvögel scheinen es zu wissen, jedes Jahr finden sie sich in der Wesermarsch zum Tischleindeckdich ein. Auch für Radler bietet die Gegend, in der sich die Flüsse Weser und Jade trichterförmig zur Nordsee öffnen, viel. Die ADFC-RadReiseRegion umfasst 840 Kilometer markierte Wege. Vom Wattenmeer aus landeinwärts wechseln Marschgebiete mit Mooren, Feldern und Wäldern. Der Wind weht Radler in Dörfer mit roten Backsteinbauten. Man besichtigt eine der Mühlen, rastet in einem Landcafé oder beobachtet am Horizont die Hochseeschiffe.

Die Große Welt in Hamburg

Im Alten Land wechseln sich Reihen von Obstbäumen mit gepflegten Fachwerkhäusern ab. Die Dörfer weichen Vorstädten. Die Vorstädte wachsen zu Hamburg zusammen. Hafen, Alster und Michel – diese drei Klassiker sind ein absolutes Muss in der Hansestadt. Doch es gibt weitaus mehr zu entdecken, wie z. B. die größte Modelleisenbahn der Welt im Miniatur Wunderland in der Speicherstadt. Ein weiterer Publikumsliebling ist der Hamburger Fischmarkt. Neben den Obstsorten aus dem Umland bieten die Marktschreier die Schätze der Nordsee an. So wandern hier Garnelen, Aale, Schollen, Makrelen und Heringe über die Ladentheken und bereichern die norddeutsche Küche. Elbabwärts lösen sich Fischerhäuschen mit Kapitänsvillen ab. In Wedel zieht ein Schild mit der Aufschrift »Willkomm-Höft« die Blicke an.


Die Greetsieler Zwillingsmühlen geben am östlichen Ortsausgang ein schönes Fotomotiv ab.


Der Hamburger Hafen blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück.


Der Pilsumer Leuchtturm wurde am 1. Oktober 1891 in Dienst gestellt.

An der Nordsee beweiden Schafe die Deiche.

Es lohnt sich, den Nordseeküsten-Radweg zu verlassen und eine der Inseln anzusteuern.


Alle ein- und auslaufenden Schiffe mit einer Bruttoraumzahl größer als 1000 werden mit der jeweiligen Nationalhymne begrüßt oder verabschiedet. Über die Lautsprecher erzählt der Begrüßungskapitän Wissenswertes zu den einzelnen Meeresriesen. Voraus liegt Glückstadt. 1617 sprach der Dänenkönig Christian IV. bei der Gründung: »Dat schall glücken und dat mutt glücken, un dann schall se ok Glückstadt heten«.

Sylt oder weiterradeln?

Die Küste gibt den Weg Richtung St. Michaelisdonn und der Nationalparkgemeinde Büsum vor. Dahinter kommen die vor 100 Jahren errichteten Pfahlbauten von St. Peter-Ording in Sicht. Was man hier macht? Entspannen! Und zwar in einem der Strandkörbe mit Blick auf die Surfer und Strandsegler. Der Weg verläuft anschließend durch weite Wiesen, Weiden und Felder. Gräben und lange Wallhecken durchschneiden die Landschaft. Nach einem Besuch der Stadt Husum fegt der Wind Radler auf die Halbinsel Nordstrand. In der Ferne blitzen die Halligen im Wattenmeer auf, die sich um die Insel Pellworm drängen. Der Schriftsteller Theodor Storm nannte die zehn Eilande einst »schwimmende Träume«. Das Schimmelreiterland ist durchschritten. In Niebüll steht eine Entscheidung an: Weiterhin dem Küstenradweg folgen und via Dänemark und Schweden bis zu den Fjorden Norwegens radeln? Oder doch besser die Füße auf Sylt – Deutschlands nördlichster Insel hochlegen? Klingt beides verlockend!


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 902 km

CHARAKTER Der für Kinder gut geeignete Radweg nutzt die asphaltierten Wege entlang der Deiche und schwenkt teils ins Hinterland.

WEGMARKIERUNG Logo mit dem Schriftzug »North Sea Cycle Route« und einem blau umrahmten Fahrrad.

E-BIKE In Niedersachsen findet man auf www.friesland-touristik.de und www.cuxland.de alle Infos zum Thema E-Biken. Die Webseite www.nordseetourismus.de listet Verleihstationen und Akkutausch-Stationen für E-Bikes an der Nordsee in Schleswig-Holstein auf.

AUSGANGSPUNKT Leer (Niedersachsen)

ENDPUNKT Niebüll (Schleswig-Holstein)

AN- UND ABREISE Leer und Niebüll erreicht man mit der Bahn. Dazu gibt es unterwegs in mehreren Städten an der Route Bahnhöfe.

TOURISTINFO de.eurovelo.com/ev12; Die Nordsee, www.die-nordsee.de; Nordseetourismus, www.nordseetourismus.de


2
Weser-Radweg

Flussfahrt mit Überraschungen

Das Tal der Weser ist eines, das Radler lieben. Flache Wege führen in historische Städte. Auf Hann. Münden folgen Bad Karlshafen, Hameln und Minden. Im letzten Reisedrittel kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Von Bremen geht es nach Bremerhaven – und an die Nordsee.

Wenn Radler nach 500 Kilometern an der Kugelbake in Cuxhaven einen Strandkorb entern, sind sie zugleich beseelt wie verwundert. Warum ist einem die Weser in den letzten Tagen so ans Herz gewachsen? So sehr, dass man den ganzen Tag draußen umhergezogen ist.

Die Fahrt beginnt im Herzen Deutschlands mit einem »Kuss.« Wie der Weserstein in Hann. Münden verrät, entsteht der Strom durch die Vereinigung von Fulda und Werra. Die eine zieht von der Rhön herab, die andere aus dem Thüringer Wald. Im Herzen der von Fachwerkhäusern gesäumten Gassen von Hann. Münden steht das im Stil der Weserrenaissance errichtete Rathaus. Unter der Uhr hat man ein Glockenspiel installiert. Es erklingt dreimal täglich das Spottlied auf Doktor Eisenbarth. 500 Meter entfernt schickt uns der Weserstein auf die Reise. Wer den Schleifen folgt, muss nicht viel entscheiden. Der Fluss zeichnet die Richtung vor, die Routenschilder den Weg. Das Rad flitzt voran, Fahrtwind streicht über das Gesicht und langsam gleiten die Panoramen vorbei.

Perlen der Weserrenaissance

In Bad Karlshafen lohnt ein Spaziergang. Die blütenweißen Häuserkarrees und die symmetrisch angelegten Straßen sind typisch für die Barockstadt. Sie wurde im Jahr 1699 unter dem Landgrafen Carl zu Hessen errichtet. Er siedelte in der Planstadt Flüchtlinge aus Frankreich (Hugenotten) an. Wir kehren der nördlichsten Stadt Hessens den Rücken zu und fahren nach Nordrhein-Westfalen hinein.


In Hann. Münden vereinigen sich die Flüsse Fulda und Werra zur Weser.


Hann. Münden lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden.

Einer der Pflichtstopps gebührt dem Kloster Corvey, einem Weltkulturerbe der UNESCO. Die Geschichte der Reichsabtei lässt sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Anschließend wirft die Weser ihre nächsten Schleifen. Mal umschlingen sie ein Dorf, dann wieder eine Stadt.

Man bummelt an Holzminden und Bodenwerder vorbei nach Hameln. Wer kennt sie nicht, die Sage über den Rattenfänger? Bei einer Führung durch die Weserrenaissancebauten wird sie lebendig. Man dreht den Kopf und staunt: Das Auge erfreut sich an reich verzierten Giebeln, Erkern und Schmuckleisten.

Der Radweg kehrt der Weser von Zeit zu Zeit den Rücken und durchläuft im reizvollen Wechsel Waldstücke und Felder. Vorbei an Vlotho führt die Reise ins Zentrum von Bad Oeynhausen. Das Staatsbad liegt idyllisch zwischen dem Wiehengebirge und dem Lipper Bergland. Sein Herz schlägt im Kurpark, den man 1853 nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné anlegte. Zehn Kilometer entfernt durchbricht die Weser die Porta Westfalica. Hoch oben steht das 88 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Denkmal.


Nördlich von Höxter befindet sich die ehemalige Benediktinerabtei Corvey mit ihren großzügig angelegten Innenhöfen.

Fahrt ins Norddeutsche Tiefland

Die Höhenzüge des Wiehengebirges und des Wesergebirges weichen zurück. Voraus dehnt sich das Norddeutsche Tiefland aus. An dieser Stelle liegt Minden. In der Stadt ist man stolz auf den Dom St. Gorgonius und Petrus. Die Hallenkirche vereint die Stilrichtungen der Romanik mit der Gotik und blickt auf eine 1000-jährige Geschichte zurück. Die Weser schlüpft unter dem Mittellandkanal durch und führt in eine idyllische Geestlandschaft mit Uferwiesen, Holländerwindmühlen und Baumreihen.

Mittlerweile ist mehr als die Hälfte des Radweges bis zur Nordsee zurückgelegt, und man durchläuft in der weit einzusehenden Landschaft Dörfer und Gehöfte. Wo sich die Aller mit der Weser vereint, liegt Verden mit seinem beeindruckenden Backsteindom. Hinter Achim rollen wir in das Bundesland Bremen. Durch den florierenden Handel der Hanse erlebte die Stadt zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert einen Bauboom, der heutige Touristen auf Schritt und Tritt zum Fotoapparat greifen lässt. Malerisch ist es auf dem kopfsteingepflasterten Marktplatz mit dem Rathaus, der Rolandstatue und der Ratskirche. Gegenüber steht das heimliche Wahrzeichen der Stadt – die Bremer Stadtmusikanten. Hund steht auf Esel, Katze steht auf Hund, Hahn steht auf Katze.


Fahrt durch Bremerhaven mit dem Deutschen Schifffahrtsmuseum


Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ist eine der Attraktionen der Stadt.

Die Bremer Wallanlagen wurden zu einer Parkanlage umgestaltet, aus der die Herdentorsmühle herausragt.

Die Statue der Bremer Stadtmusikanten ziert den Marktplatz von Bremen.


Freie Hansestadt Bremen

In der »guten Stube«, wie die Bremer ihren Marktplatz liebevoll nennen, empfängt uns der lächelnde Roland. Seit 1404 symbolisiert er Freiheit und Stadtrechte. Sein Blick schweift in Richtung des Domes St. Petri mit den zwei Türmen und einer Geschichte von über 1200 Jahren. Lüder von Bentheim renovierte die Fassade Anfang des 17. Jahrhunderts im Stil der Weserrenaissance. »Das Rathaus und der Roland auf dem Bremer Marktplatz sind einzigartige Zeugnisse für die Entwicklung von Autonomie und Marktrechten des europäischen Bürgertums speziell im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation«, erklärte die UNESCO bei der Aufnahme in die Welterbeliste im Juli 2004.

Seeluft schnuppern

Die Bremer Weserpromenade bleibt zurück. Der Strom fließt der Nordsee entgegen und nimmt mit der Wümme und der Hunte zwei weitere Flüsse auf. Er zieht breit und gemächlich durch die Marsch- und Moorlandschaften. Vom asphaltierten Deichkronenradweg lassen sich gut die vorbeiziehenden Schiffe beobachten. Sie künden das nächste Ziel an – Bremerhaven. In der 1827 gegründeten Seestadt dreht sich vieles um das Meer. Hier das Deutsche Schifffahrtsmuseum und das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost, daneben das Deutsche Auswandererhaus und der Zoo am Meer. Radler überqueren die alte Kaiserschleuse, werfen einen Blick in die riesigen Kaianlagen und die Becken der Docks. Das Panorama des zwei Millionen Quadratmeter umfassenden Containerterminals mit seinen modernen Kranbrücken wird kleiner. Voraus liegt der finale Abschnitt der Radtour. An der Kugelbake in Cuxhaven steigt man zufrieden vom Sattel und mietet sich einen Strandkorb. Hinsetzen, genießen, den Meeresriesen nachschauen.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 497 km

CHARAKTER Die Topografie ist meist flach und familienfreundlich. Dabei rollt man über asphaltierte Radwege.

WEGMARKIERUNG Schilder mit der Aufschrift »Weser-Radweg« zeigen die Route an.

E-BIKE Die Webseite www.weserradweg-info.de und die Weser-Radweg App listen E-Bike-Ladestationen, Radverleihe und Reparaturstätten auf.

AUSGANGSPUNKT Hann. Münden (Niedersachsen)

ENDPUNKT Cuxhaven (Niedersachsen)

AN- UND ABREISE Entlang der Weser gibt es viele Bahnhöfe, auch am Startort Hann. Münden und dem Reiseziel Cuxhaven.

TOURISTINFO www.weserradweg-info.de mit Weserradweg-App; Weserbergland Tourismus, www.weserbergland-tourismus.de; TourismusMarketing Niedersachsen, www.reiseland-niedersachsen.de und www.niedersachsen-radroutenplaner.de; Bremer Touristik-Zentrale, www.bremen-tourismus.de


3
Leine-Heide-Radweg

Doppelte Idylle

Diese Radroute hat drei Gesichter. Auf das thüringische Eichsfeld folgt das beschauliche Leinetal. Nördlich von Hannover übernimmt die Heide die Regie. Hier ist das Terrain leicht wellig. Die Weite der Landschaft stimmt auf das Reiseziel ein – Hamburg das Tor zur Welt. Man könnte glatt weiterradeln!

Der Leine-Heide-Radweg ist einer, der vom Start weg beeindruckt und bis zum Reiseziel nicht mehr loslässt. Der knapp 280 Kilometer lange Fluss entspringt in der Mitte Deutschlands in Leinefelde. Wir sind im Eichsfeld, einer plateauähnlichen Landschaft im Grenzland zwischen Niedersachsen, Thüringen und Hessen. Auf der Fahrt gen Norden schweift der Blick über Felder, Wiesen und Wälder. Die Gegend verzückte bereits Theodor Storm. Er schrieb: »Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdenfleckens so innerlichst berührt worden wäre.« Im Heilbad Heiligenstadt diente der Dichter zwischen 1856 und 1864 als Amtsrichter. In der Stadt lohnt es, die drei gotischen Kirchen anzuschauen: St. Aegidien, St. Marien und St. Martin.

Auf das Leinebergland folgt die Universitätsstadt Göttingen. Bei der Anfahrt fallen die gepflegten Radwege auf. 2019 wurde die Stadt als fahrradfreundliche Kommune zertifiziert und beim Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in der Stadtgrößengruppe 100 000 bis 200 000 Einwohner mit dem ersten Rang prämiert.

Süffiges Bier und große Architektur

Entspannt lässt es sich zur Northeimer Seenplatte radeln. Dahinter erreicht man Einbeck. Die ehemalige Hansestadt liegt am Fluss Ilme. In dem Stadtkern bilden mehrere Straßenzüge mit spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern eine architektonische Einheit. Garant für den Wohlstand war das »Ainpöckisch Bier«. Man exportierte es nach Amsterdam, München, Dänemark und sogar bis Riga. Martin Luther soll im Jahr 1521 auf dem Reichstag zu Worms gesagt haben: »Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt.«

Zwei Radstunden entfernt liegt das im 13. Jahrhundert gegründete Fachwerkstädtchen Alfeld. Neugierig rollt man über den von Fachwerkbauten eingefassten Marktplatz. Der nächste Wegweiser schickt einen ans Westufer der Leine. Es fällt die geometrische Stahlbetonkonstruktion des Fagus-Werkes mit seinen gläsernen Vorhangfassaden auf.


Der Maschpark in Hannover wird vom Neuen Rathaus überstrahlt. Es wurde 1913 im Prunkstil der wilhelminischen Epoche fertiggestellt.


Der kreisförmig angelegte Heidegarten in Schneverdingen ist frei zugänglich und vermittelt einen Überblick zu den verschiedenen Heidearten.

Das Schloss Marienburg wurde 1867 fertiggestellt und kann bei einer Schlossführung bestaunt werden.

Hier verewigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts der Architekt Walter Gropius. Er gestaltete im Auftrag des Firmengründers Carl Benscheidt eine Schuhleistenfabrik, die als Ursprungswerk der modernen Industriearchitektur gilt. Dass der damalige Bauherr Mut bewiesen hatte, sah man am 25. Juni 2011 zum 100-jährigen Jubiläum des Fagus-Werkes, als die UNESCO das Areal zum Weltkulturerbe erhob. Bei der Weiterfahrt staffeln sich im Osten abgerundete Waldhügel auf.

Fahrradregion Hannover

Zwei Stunden entfernt rückt das Schloss Marienburg ins Bild und bewacht majestätisch den Eingang des Leinetales. Der neugotische Prunkbau war ein Geburtstagsgeschenk des hannoverschen Königs Georg V. an seine Frau, Königin Marie, und diente als Sommerresidenz der Welfen. Die bewaldeten Höhenzüge weichen zurück. Voraus liegt die Norddeutsche Tiefebene. Auf dem nächsten Teilstück nutzen wir das rund 1000 Kilometer umspannende Wegenetz der Fahrradregion Hannover, das zielsicher in die Landeshauptstadt geleitet. Dort steuert man im Maschpark das neue Rathaus an. Beliebt ist eine Fahrt mit dem Bogenaufzug hinauf in die knapp 100 Meter hohe Kuppel des 1913 errichteten Prachtbaus. Oben schweift der Blick über Hannover und seine Parks.

Auf der Reise durch die flache Wald- und Wiesenlandschaft zieht es den Fluss zur Aller hin. Wir lassen die Leine bei Hodenhagen ziehen und folgen der Radtour ins Hinterland. Unterwegs gibt es lohnende Ausflugsziele: etwa den Serengeti-Park, den Weltvogelpark in Walsrode oder Soltau, das sich gerne als »Herz der Heide« bezeichnet.


Fahrt durch die Heide bei Schneverdingen


Das Hamburger Rathaus wurde 1897 im Stil der Neorenaissance erbaut.


Ziel erreicht: der Hamburger Hafen

UNESCO-Welterbe Speicherstadt

13 000 Seeschiffe laufen jährlich den Hamburger Hafen an. Er wurde vor mehr als 800 Jahren gegründet. Um diesen Umschlagplatz im und am Wasser kennenzulernen, bietet sich eine Hafenrundfahrt an. Die Kapitäne fahren an den Landungsbrücken los und lenken ihre Boote durch die Wasserläufe der über 120 Jahre alten Speicherstadt. In dem weltweit größten auf Eichenpfählen errichteten Lagerhauskomplex haben u. a. das Internationale Maritime Museum, das Miniatur Wunderland sowie das Deutsche Zollmuseum eine stilvolle Bleibe. Im Kontorhausviertel sticht das eindrucksvolle, aus 4,8 Millionen Backsteinen erbaute zehnstöckige Chilehaus von 1922 heraus.

Von der Heide zum Hafen

Die Natur- und Kulturlandschaft der Lüneburger Heide ist aus der jahrhundertealten Tradition der Heidebauernwirtschaft hervorgegangen. Die sonnenliebende Besenheide kommt gut mit den unfruchtbaren, sandigen Böden der Region zurecht und war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Norddeutschland weitverbreitet.

Hinter Schneverdingen steigt das Gelände an. Die Route führt zum Wilseder Berg. Das Herzstück der Heide wurde 1921 zum ersten Naturschutzgebiet in Deutschland erklärt. Vor uns liegt eine von der Saaleeiszeit modellierte Urlandschaft, über die sich violette Heideteppiche und romantische Kiefernwälder gelegt haben. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts inspirierte die Landschaft mit ihren Stimmungen Maler und Schriftsteller.

Durch die bewaldete Nordheide rollen wir ins Elbetal und erreichen schließlich Hamburg. Hafen, Alster und Michel – diese drei Klassiker sind ein Muss bei einem Besuch in der Hansestadt. Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken, wie beispielsweise die größte Modelleisenbahn der Welt im Miniatur Wunderland in der Speicherstadt. Weitere Publikumslieblinge sind der Fischmarkt und der Hamburger Seehafen. Dort setzt die abwechslungsreiche Radtour ihren Schlusspunkt.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 412 km

CHARAKTER Die zweigeteilte Radroute führt im ersten Abschnitt talwärts. Nur das letzte Drittel der Fahrt verlangt mehr Kondition. Auf wechselndem Untergrund genießt man Radwege und meist ruhige Nebenstraßen.

WEGMARKIERUNG Am Fluss leiten einen die Schilder mit der Aufschrift »Leine-Fernradweg« und weiter nördlich mit »Leine-Heide-Radweg«.

E-BIKE Radverleihe und Servicestätten stehen im Handbuch der Route auf www.leineheideradweg.de. Eine Trittunterstützung benötigt man erst im letzten, hügeligen Teil.

AUSGANGSPUNKT Leinefelde

ENDPUNKT Hansestadt Hamburg

AN- UND ABREISE Der Startort Leinefelde hat einen Bahnhof. Von Hamburg aus kann man per Zug und per Fernbus abreisen.

TOURISTINFO HVE Eichsfeld Touristik e.V., www.leineheideradweg.de; TourismusMarketing Niedersachsen, www.reiseland-niedersachsen.de, www.niedersachsen-radroutenplaner.de; Thüringer Tourismus, www.thueringen-tourismus.de, www.radroutenplaner.thueringen.de; Hamburg Tourismus, www.hamburg-tourism.de


Radwege im Norden

Weitere Touren im Überblick

OSTE-RADWEG UND DEUTSCHE FÄHRSTRASSE

Die Vorteile des Oste-Radweges und der Deutschen Fährstraße liegen auf der Hand: An beiden Routen muss man keine Steigungen bezwingen oder sich mit unangenehmem Verkehrslärm herumärgern. Wer hier unterwegs ist, genießt die Weite des Horizontes und die wechselnden Eindrücke. Mal bezaubert ein See, mal ein Fluss, dann wieder ein Kreuzfahrtschiff. Acht Schwebefähren gibt es weltweit – allein zwei von ihnen zieren diese Tour. Während die Reise längs der Oste als klassischer Flussradweg beginnt, zählt im zweiten Abschnitt nur eines – Schiffeschauen auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Wann ein Frachter oder ein Kreuzfahrtschiff naht, verrät eine Shiptracker-App.


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Tostedt

ENDPUNKT

Bahnhof in Kiel

WEGLÄNGE

305 km

HUNTERADWEG

Auf der Fahrt durch Niedersachsen entdeckt man einladende Landschaften und sehenswerte Städte. Zu Beginn dürfen sich Radler über den Dümmer freuen. Man umrundet den See und steuert der Hunte nach. Auf die Kreisstadt Diepholz folgt der Naturpark Wildeshauser Geest. In dem von der Eiszeit geprägten Boden schlummern über 500 Grabhügel. Mit Schleifen zieht die Hunte durch das Land. Voraus liegt Oldenburg. Die radlerfreundliche Stadt empfängt mit Parks, einem Schloss und der Galerie Alte Meister. Kurz vor der Mündung in die Weser ist die Landschaft völlig flach. Weit geht der Blick über das Grün. Hier und da erspäht man Deiche, Wassergräben und kleine Seen.


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Lemförde

ENDPUNKT

Bahnhof in Elsfleth

WEGLÄNGE

121 km

ALLER-RADWEG

Soll man Freunden einen Geheimtipp in Norddeutschland nennen, könnte man den Aller-Radweg ins Spiel bringen. Die flache, über 300 Kilometer lange Landschaftsroute verbindet die Elbe im Osten mit der Weser im Westen. Einer der Trümpfe dieser stillen Fahrt sind die Wälder, die Wiesen und romantischen Flusspartien. Sie führen einen von Magdeburg nach Wolfsburg, von Celle nach Verden. Am Magdeburger Dom legt man den Kopf staunend in den Nacken. Die modernen Bauten der Erlebniswelt Autostadt in Wolfsburg muten futuristisch an, die Fachwerkbauten von Celle erinnern an vergangene Tage. Und am Reiseziel steigt man zufrieden aus dem Sattel – herrlich diese weite Landschaft!


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Eggenstedt

ENDPUNKT

Bahnhof in Verden

WEGLÄNGE

247 km


Der Nordseeküsten-Radweg führt an vielen Leuchttürmen vorbei.


4
100-Schlösser-Route

Entspannt durch die Parklandschaften

Im Nordwesten Deutschlands zieht sich ein top ausgebautes Radroutennetz durch stille Landkreise. Seine Königin ist die 100-Schlösser-Route. Sie wirft ihre Schleifen in die parkartigen Landschaften des Münsterlandes und steuert viele Prachtbauten an. Vier Rundkurse zum Staunen.

Es macht richtig Spaß, durch das Münsterland zu strampeln. Nach jeder Kurve könnte ein Schloss, eine Wasserburg oder ein Herrensitz stehen. Während Radler in anderen deutschen Städten von guten Wegen nur träumen, genießen sie in Münster ihre Promenade. Diese ist autofrei, 4500 Meter lang und umschließt die komplette Altstadt. In Münster beginnen zwei der Rundschleifen. Nach wenigen Kilometern liegen die letzten Häuser der Großstadt hinter uns. Felder und Wiesen prägen mit kleinen Wäldern das Bild der Landschaft.

Der erste Stopp gilt der Burg Hülshoff. In der Renaissanceanlage erblickte im Jahr 1797 Annette von Droste-Hülshoff das Licht der Welt. Das Museum gewährt Einblicke in die Geschichte des Baues und in das Leben der Dichterin. Die Routenschilder leiten zur Burg Bentheim. Eine Wehrmauer schützt zusammen mit massigen Türmen die größte Höhenburg Nordwestdeutschlands. Die Route senkt sich ins Tal der Ems.

In Rheine lohnt ein längerer Stopp. Hier die sehenswerte Altstadt, dort die Saline Gottesgabe und ein Stück entfernt das Kloster Bentlage. Auf dem Weg zurück nach Münster überschreiten Radler den Teutoburger Wald.

Römer und niederländischer Barock

Die Runde durch das Westmünsterland schlängelt sich auf ruhigen Wegen entlang der niederländischen Grenze und beginnt in Coesfeld. Backsteingebäude umfassen den Marktplatz, dahinter die eindrucksvolle Lambertikirche.

Wir erklimmen mit dem »Coesfelder Berg« die einzig nennenswerte Steigung der Reise und steuern Haltern am See an. Auf dem Boden der heutigen 38 000-Einwohner-Stadt stand vor 2000 Jahren eines der größten Römerlager jener Zeit. Im LWL-Römermuseum stellt man anhand vieler Fundstücke das Leben der Germanen dem der Römer gegenüber, und es wird die Lebensweise beider Völker dokumentiert.


Die Burg Bentheim ist die größte Höhenburg Nordwestdeutschlands und wurde erstmals 1050 erwähnt.

Zielsicher leiten die Routenschilder mit dem grünen Burgsymbol zum Schloss Lembeck und von dort aus zum Schloss Raesfeld. Ebenfalls imposant gibt sich die Wasserburg Anholt. Die im Stil des niederländischen Barocks erbaute Anlage erstreckt sich über zwei Inseln und kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

In einem weiten Bogen geht es zur deutsch-niederländischen Grenze. Die Route bleibt beschaulich, sei es am Radeln längs des Flüsschens Bocholter Aa an der Burg Gemen oder an dem efeuumrankten Schloss Velen.

Pferdeland

Vor den Toren von Münster beginnt der Ostkurs und hält gleich die erste Überraschung parat – das Schloss Loburg. Die 100-Schlösser-Route schlängelt sich durch Felder und passiert mit dem Kloster Vinnenberg und der Doppelschlossanlage Harkotten weitere Zeugnisse der westfälischen Baukunst.

Warendorf, der nächste Stopp, ist bekannt für das NRW-Landgestüt. Das beschauliche Emsstädtchen entwickelte sich durch den Leinhandel, die Textilindustrie und vor allem die Pferdezucht zu einem wohlhabenden Marktplatz. In der Altstadt spaziert man zur gotischen Hallenkirche St. Laurentius aus dem 15. Jahrhundert, die wertvolle Kunstgegenstände beinhaltet. Von Warendorf aus geht es zum Wasserschloss Vornholz. In ihm residiert ein Kavalleriemuseum. Zu sehen gibt es die Ausrüstung der Reiterregimenter aus der Zeit von 1748 bis zum Ersten Weltkrieg. Der Rundkurs wendet sich nach Norden und steuert Beckum an. Drei südlich der Siedlung gelegene Steinkistengräber aus der Jungsteinzeit zeugen von der frühen Besiedlung der Region um die Beckumer Berge. Wir radeln durch die Münsterländer Parklandschaft, folgen der Werse und kommen zurück nach Ostbevern.


Das Wasserschloss Oberwerries zählt zu den kulturhistorisch wertvollsten Gebäuden der Stadt Hamm.


In der Wasserburg Anholt haben die Fürsten zu Salm-Salm eine umfangreiche Gemäldesammlung zusammengetragen.

EmsRadweg

Radler, die der Ems folgen, erleben Norddeutschland von seiner lieblichen Seite. Im Naturschutzgebiet Moosheide sprudeln gleich mehrere Quellen aus dem Untergrund und vereinigen sich zur Ems. Zu den ersten Höhepunkten gehören das Zisterzienserkloster Marienfeld, der Pferdeort Warendorf und die Stadt Greven. Die Ems legt an Breite zu, zieht Rheine und Meppen entgegen. Hier wie dort liegen einladende Zentren an der Strecke, so auch in Papenburg. Anschließend ist es nicht mehr weit nach Emden, wo der Fluss in der Nordsee aufgeht.


Die Lambertikirche dominiert den Marktplatz der Kreisstadt Coesfeld.


Der Bergfried der Burg Gemen geht auf das Jahr 1280 zurück.


Schloss Velen wurde bereits im Jahr 1240 als Märchenschloss bezeichnet und ist heute ein Hotel.

Das »Westfälische Versailles«

Der Schlossgarten von Münster markiert den Anfang des Südkurses. Auf dem ersten Abschnitt überschneidet sich die südliche Runde mit dem Ostkurs und führt nach Wolbeck. Das beherrschende Bauwerk ist der herrschaftliche Drostenhof, der sich in drei miteinander verbundene Gebäude untergliedert. Der Radweg zieht sich vorbei an Pferdekoppeln, Feldern und Waldstücken. Dann steht man vor dem erhabensten Bauwerk des Münsterlandes – dem Schloss Nordkirchen. An diesem Flecken Erde ließ sich der kunstliebende Fürstbischof Friedrich Christian von Münster einen Prunkbau im französisch-klassizistischen Stil erbauen. Das »Westfälische Versailles« streckt sich auf einer Insel aus, die in eine Seen- und Parklandschaft eingebettet ist. Die 100-Schlösser-Route nimmt uns mit nach Lüdinghausen. Die schönste Veste am Platz ist die durch Gräften, Wehrmauern und Zugbrücken geschützte Burg Vischering. Wer heute die »Ringmantelburg« erstürmt, findet im Inneren das Münsterlandmuseum und ein Kulturzentrum. Die letzten Kilometer sind geprägt von zwei Anstiegen. Nachdem die Hügel bezwungen sind, rollen wir entspannt zurück nach Münster und genießen das eindrucksvolle Ende einer königlichen Radtour durch das Münsterland.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE N 298 km, W 314 km, O 241 km, S 207 km

CHARAKTER Das meist flache, gelegentlich sanft hügelige Münsterland eignet sich bestens für eine Familientour. Die Wegequalität ist fast überall gut. Nur kurze Teilstücke führen über Kieswege.

WEGMARKIERUNG Als Streckenbezeichnung dient ein grünes Torsymbol mit drei Zinnen.

E-BIKE Im Münsterland gibt es ein dichtes Netz an E-Bike-Vermiet- und Ladestationen. Für Infos die Webseite www.muensterland-tourismus.de besuchen.

AUSGANGSPUNKT Münster, Coesfeld oder Ostbevern

ENDPUNKT Münster, Coesfeld oder Ostbevern

AN- UND ABREISE Die vier Runden beginnen in Münster, Coesfeld oder Ostbevern. Jede dieser Städte erreicht man mit dem Zug. Münster auch mit dem Fernbus.

TOURISTINFO Münsterland e.V., www.100-schloesser-route.de; Tourismus NRW e.V., www.nrw-tourismus.de, www.radroutenplaner.nrw.de


5
Rhein-Radweg

Zeitreise mit dem Fahrrad

Kein anderer Fluss hat Deutschlands Entwicklung so geprägt wie der Rhein. Unterwegs öffnen Radler jeden Tag bunte Seiten eines Geschichtsbuches. Neben den Städten verzücken an beiden Ufern die flachen Wege. Mal führen sie durch Auwälder, mal direkt am Strom entlang. Burgen wechseln sich mit Schlössern, Weinberge mit Wäldern ab.

Wer in Konstanz auf den Rhein-Radweg schwenkt, kann schon einmal nervös werden. Das Teilstück durch Deutschland saugt auf 950 Kilometern die Energie aus den Beinen. Täglich stundenlang im Sattel, gut zwei Wochen lang. Puh! Doch dieser Radweg ist einer, den jeder schafft. Die Tour einfach in appetitliche Häppchen schneiden. Der Rhein entspringt in der Schweiz, in den Bergen Graubündens. Er strömt gen Norden zum Bodensee. Als Startort auf dem deutschen Abschnitt des Rhein-Radweges bietet sich das am Abfluss des Obersees gelegene Konstanz an. Nach einem Bummel durch die Altstadt folgen wir zunächst dem Ufer des Untersees. Westlich der Kantonshauptstadt Schaffhausen kündigt sich der Rheinfall mit lautem Getöse an. Er bringt es auf eine Breite von 150 Metern, eine Höhe von 23 Metern und eine durchschnittliche Abflussmenge im Sommer von 600 000 Litern pro Sekunde. Die EuroVelo-Route 2 steuert über Bad Säckingen, Rheinfelden und Basel längs der Ausläufer des Schwarzwaldes.

Genussradeln in der Rheinebene

Im Rheinknie biegt der Fluss vor den Bergen des Schweizer Juras nach Norden ab und bildet die deutsch-französische Grenze. Hinter dem Markgräflerland führt die Fahrt malerisch am Mittelgebirge Kaiserstuhl entlang. Der Rhein nimmt uns mit nach Karlsruhe, das seinen Namen dem Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach verdankt, der 1715 seine Residenz hierher verlegte. Im Zentrum der fächerförmig angelegten Stadt erstrahlt das klassizistische Residenzschloss, von dem 32 Straßen in alle Himmelsrichtungen führen. Auf dem Abschnitt durch die Pfalz sorgen Altrheinarme für liebliche Bilder.

Speyer bietet sich als nächster Etappenort an. Seit über 900 Jahren ziert der Dom das Stadtbild. Das von den salischen Kaisern als Grablege erbaute Baudenkmal beherbergt eine der schönsten und größten Krypten der Welt. Man radelt angenehm durch die breite Rheinebene und blickt im Westen auf den Pfälzer Wald und im Osten auf den Odenwald. Worms und Mainz bilden die nächsten Stationen. In der Fastnachtsstadt befindet sich gegenüber dem romanischen Dom das Gutenbergmuseum mit der berühmten 42-zeiligen Gutenberg-Bibel. Der um 1400 in Mainz geborene Johannes Gutenberg revolutionierte die Gesellschaft durch die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern in Europa und zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten des zweiten Jahrtausends.


Der Dom St. Peter zu Worms wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ist der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome.


Der flache Rhein-Radweg ist ideal zum Radwandern. Jeden Tag kommt man durch sehenswerte Städte.

In der Pfalz hat sich der Rhein auf eine ordentliche Breite vergrößert und bietet Flussschiffen eine gute Fahrrinne.

Romantik im Oberen Mittelrheintal

Das malerischste Teilstück des Rhein-Radweges beginnt in Bingen. Voraus liegen 67 Kilometer im Bilderrausch: Kleinstädte, Burgen, Schlösser, Felsvorsprünge, Weinberge und mittendrin der Fluss. Hier zieht der Strom mit eleganten Schleifen durch das Rheinische Schiefergebirge. Rasch füllen sich die Fotospeicherkarten.

Den Anfang macht die Burg Klopp, gefolgt vom Binger Mäuseturm. Voraus die Binger Pforte. Ständig sitzt ein Wehrbau über den Weinbergen. Lohnende Stopps gibt es viele. Rüdesheim ist für Romantiker Pflicht. Sei es bei einem Gang durch die Drosselgasse oder einer Seilbahnfahrt zum Niederwalddenkmal. Hinter dem Loreleyfelsen nimmt der Rhein erst die Lahn auf, dann die Mosel. Koblenz ist erreicht.

Hier endet das unter dem Schutz der UNESCO stehende Obere Mittelrheintal. Am Ostufer wacht die Festung Ehrenbreitstein. Gegenüber sitzt Kaiser Wilhelm I. auf seinem Sockel. Am Deutschen Eck beginnt ein neuer Flussabschnitt. Die Mittelgebirge treten zurück, die Landschaft wird weiter. Radler rollen in die alte Bundeshauptstadt Bonn. Bei einer Sightseeingtour sollte man die Villa Hammerschmidt, das Beethoven-Haus und das alte Rathaus am historischen Bonner Marktplatz ansteuern.


Zwischen Mainz und Koblenz zeigt sich der Rhein von seiner romantischen Seite und strömt an vielen Burgen vorüber.


Das Schloss Arenfels sitzt in den Weinbergen über Bad Hönningen.


Der Kölner Dom gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands.

Rhein-Route Nr. 2

Einer der schönsten Abschnitte des Rheins fließt durch die Schweiz. Radler klettern hier in Andermatt auf den Sattel und haben zu Beginn den 2044 Meter hohen Oberalppass vor sich. Wer ihn bequem erreichen möchte, fährt mit dem berühmten Glacier Express hinauf. Die Abfahrt führt durch die Surselva, wo man noch heute Rätoromanisch spricht. Besuchen Sie auf dem nächsten Teilstück die Ferienregion Heidiland, unternehmen Sie einen Abstecher nach Liechtenstein und picknicken Sie am Ufer des Bodensees. Die Berge bleiben zurück, voraus donnert der Rheinfall bei Schaffhausen durch sein felsiges Bett. Am Ende der Tour wartet mit Basel ein letzter Höhepunkt.

Spannend bis zum Schluss

Auf dem letzten Abschnitt fließt der Strom frei von natürlichen Hindernissen durch das Niederrheinische Tiefland. Der doppeltürmige Dom weist den Weg ins Zentrum von Köln. In einem goldenen Schrein beherbergt er seit dem 12. Jahrhundert als Reliquien die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Jahrhundertelang arbeitete man an der hochgotischen Kathedrale. Der Dom zählt zu den bedeutendsten Bauten der Christenheit und ist Teil des Welterbes der UNESCO. Radler wechseln auf die linke Seite des Niederrheins und genießen den weiten Blick über das flache Land.

Xanten bildet die letzte Station. Die Geschichte der Stadt begann vor etwa 2000 Jahren, als sich die Römer in Niedergermanien ansiedelten. An die 10 000 Männer, Frauen und Kinder lebten in der imposanten Provinzstadt, die Kaiser Trajan um 100 n. Chr. zur Colonia Ulpia Traiana ernannte. Im LVR-Archäologischen Park Xanten wird die römische Stadt durch Ausgrabungen und Rekonstruktionen für die Öffentlichkeit zugänglich und verständlich gemacht. Im dortigen neuen LVR-Römer-Museum werden zahlreiche interessante Funde der archäologischen Ausgrabungen gezeigt.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 954 km

CHARAKTER Die Strecke ist familienfreundlich und steigungsfrei. Unterwegs radelt man auf Wald-, Neben- und Deichwegen mit wechselnden Bodenbelägen.

WEGMARKIERUNG Radler orientieren sich an verschiedenen Kennzeichnungen mit dem Namenszusatz »Rhein«.

E-BIKE Infos zum E-Biken sowie zu Verleih- und Ladestationen erhält man auf www.tourismus-bw.de.

AUSGANGSPUNKT Konstanz

ENDPUNKT Grenzübergang Millingen

AN- UND ABREISE Bahnstrecken begleiten den Rhein an beiden Ufern. So kann man gut anreisen und Abschnitte abkürzen.

TOURISTINFO www.rheinradweg.eu; Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, www.tourismus-bw.de; Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, www.rlp-info.de; HA Hessen Agentur GmbH, www.hessen-tourismus.de; Tourismus NRW e. V., www.nrw-tourismus.de

Von hier aus ist es nicht mehr weit zur niederländischen Grenze, die das letzte Teilstück des Rhein-Radweges einläutet.


6
RuhrtalRadweg

Ein grünes Wunder

Wer dem Fluss Ruhr folgt, freut sich über die gut ausgebaute Route und die langen Passagen durch die Natur. Das Beste: Immer wieder bieten sich rechts und links lohnende Abstecher an, in pulsierende Städte und zu Industriedinosauriern. Die vielen Radwege führen einen hin.

Mit dem Fahrrad durch das Ruhrgebiet? Ja, das klappt gut, denn der Fluss sorgt abschnittsweise für ein grünes Wunder. Die Ruhr beginnt ihre Reise in Winterberg. Der Ferienort breitet sich zwischen Hügeln und Tannen zu Füßen des 842 Meter hohen Berges Kahler Asten aus. Hier durchzieht die Elbe-Weser-Wasserscheide das quellenreiche Rothaargebirge. Die von Fachwerkhäusern eingerahmte Fußgängerzone bleibt zurück. Radler erklimmen eine kurze Steigung und rollen auf einem breiten Forstweg zur Ruhrquelle.

Nach dem Fotostopp orientiert sich der geschotterte Radweg an dem von Bergwiesen gesäumten Wasserlauf und passiert ein Waldinfozentrum. Tannenbäume, geschwungene Hügel: Alles sieht aus, wie einem Märchen der Brüder Grimm entstiegen. Der Bach hüpft wie ein Kind voller Energie zwischen den Steinen hindurch. Jagt zu Tal. Die Ruhr wird breiter, langsamer, gönnt sich schließlich bei Olsberg eine erste Verschnaufpause, wo sie in einem Stausee aufgeht. Fachwerkdörfer kommen und gehen.

Kohle an der Ruhr

Dann grüßt die Ruhr Meschede und Oeventrop, legt ihren Arm um Arnsberg. Die Stadt nennt sich gerne das historische Eingangstor in das »Land der 1000 Berge«. In der gut erhaltenen Altstadt drängen sich schwarz-weiße Häuser aneinander. Unweit der Kirche gibt das Sauerland-Museum Wissenswertes zur Region preis. Allmählich flachen die Hügel ab. Für uns bedeutet dies mehr strampeln, schließlich sind die meisten Höhenmeter aufgebraucht. Das Sauerland geht ins Ruhrgebiet über.

In Fröndenberg stoppen Radler vor dem Kettenschmiedemuseum. Die 1999 eröffnete Ausstellung präsentiert Spezialmaschinen aus den 1920er- bis 1950er-Jahren. Als im 18. Jahrhundert die Industrialisierung von England herüberschwappte, begann man beiderseits der Ruhr mit der Ausbeutung der ergiebigen Kohleflöze. Bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges standen 440 000 Kumpel in Lohn und Brot. Sie förderten 114 Millionen Tonnen Steinkohle zutage. Zwischen den Städten, den Autobahnen und Bahntrassen blitzt immer wieder die Ruhr hervor. Oft trägt sie einen grünen Schleier. Und ja, manchmal kann die Jugendliche nicht anders. Dann legt ihre Strömung plötzlich zu, als möchte sie es allen zeigen, den Paddlern, den Kanadagänsen und den Radlern. Man lässt sich anstecken und saust über den Radweg.


Die Zeche Zollverein ist Teil des UNESCO-Welterbes und lässt sich über einen Abstecher erreichen.

Schwerte empfängt seine Gäste mit einem Fachwerkensemble, der historischen Senfmühle und einer ehemaligen Rohrmeisterei. Das im Alten Rathaus untergebrachte Ruhrtalmuseum befasst sich mit der Ortsgeschichte und der Geologie.

Die Ruhr eine Sklavin

Auch auf den nächsten ebenen Kilometern, die malerisch am Ufer des lang gestreckten Hengsteysees verlaufen, bekommen Radler nicht viel von den Großstadtlandschaften des Ruhrgebietes mit.

Die Route unterquert bei Herdecke das Ruhrviadukt der rheinischen Eisenbahn, läuft um den aufgestauten Harkortsee herum und trifft westlich von Bommern auf das nächste Relikt der Industriegeschichte – die Zeche Nachtigall.

Das touristisch erschlossene Besucherbergwerk zeigt die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Bergleute, die hier in den niedrigen Gängen unter Tage das »schwarze Gold« förderten. Einst war die Ruhr eine Sklavin, musste schuften. Sie trug auf ihrem Wasser die Kohleschiffe und wusch die Abwasserbrühe der Industrie davon. Dann kam die Bahn, der Fluss atmete auf. Ein weiterer Höhepunkt der Kulturhauptstadt RUHR.2010 befindet sich wenige Kilometer stromabwärts in Hattingen.


In der Hattinger Altstadt dominieren mittelalterliche Fachwerkfassaden das Ortsbild.


Die Henrichshütte ist einer der Höhepunkte am RuhrtalRadweg. Heute kann man den Stahldinosaurier besichtigen.

Wir stehen vor der traditionsreichen Henrichshütte, die 1854 ihren Betrieb aufnahm. Zu ihrer Glanzzeit schufteten über 10 000 Menschen auf diesem riesigen Industrieareal und produzierten Koks, Eisen und veredelten Stahl. Kernstück des LWL-Industriemuseums ist der verbliebene Hochofen Nr. 3, der 1987 ausgeblasen wurde und eine Höhe von 55 Metern aufweist.


Radrevier.ruhr

Die Ruhr ist die Leitlinie durch das Ruhrgebiet. Da sich viele Sehenswürdigkeiten im Hinterland des Flusses befinden, bieten sich Abstecher an, um keine der Attraktionen zu verpassen. Das Radrevier.ruhr umfasst 15 Themenrouten und wurde vom ADFC als RadReiseRegion zertifiziert. Die Strecken sind als Knotenpunktnetz angelegt. Die gut ausgebauten 1200 Radtourenkilometer führen fernab vom lärmenden Straßenverkehr über stillgelegte Bahntrassen, an Kanälen entlang und zu Industriedenkmälern, die an den Bergbau früherer Zeiten erinnern.


Am Unterlauf der Ruhr gibt es lange Passagen durch die Natur.


Geschafft! An der Skulptur Rheinorange mündet die Ruhr in den Strom.

Rothenburg des Ruhrgebietes

Hattingen bezaubert mit einer charmanten Altstadt, die ihr den Namen »Rothenburg des Ruhrgebietes« einbrachte. Bis zum Zweiten Weltkrieg sahen viele Orte in der Gegend so aus. Zurück an der Ruhr geht es am zugewucherten Südufer des Baldeneysees entlang. Wasservögel paddeln zwischen den Seerosen umher.

Der Fluss an unserer Seite ist erwachsen geworden, schiffbar und voller Kraft. Er wirft seine letzten Schleifen. Eine bei Kupferdreh, eine bei Kettwig und eine finale bei Oberhausen. Oder windet er sich vor dem, was gleich kommt? Denn der Duisburger Hafen rückt ins Bild. Wir folgen dem Dammradweg bis an sein Ende.

Vor der Skulptur Rheinorange vermählt sich die Ruhr mit dem Strom. Der Rhein hat sie alle mitgenommen: die Aare, die Lahn, die Mosel. Nun teilt die Ruhr ihr Schicksal. Zusammen ziehen sie der Nordsee entgegen. Die Reise endet. Auf dem Tacho stehen 232 Kilometer; 232 Kilometer gespickt mit Höhepunkten.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 232 km

CHARAKTER Dank des nahezu steigungsfreien Geländes und vieler Abschnitte auf Radwegen ist der RuhrtalRadweg familienfreundlich.

WEGMARKIERUNG Die Route ist mit einem vierfarbigen Radschild mit der Aufschrift »RuhrtalRadweg« gekennzeichnet.

E-BIKE Entlang des RuhrtalRadweges gibt es viele E-Bike-Ladestationen, Infos auf www.ruhrtalradweg.de.

AUSGANGSPUNKT Winterberg

ENDPUNKT Duisburg

AN- UND ABREISE Winterberg, Duisburg und viele Städte an der Radroute haben einen Bahnhof. Duisburg und die großen Zentren im Ruhrgebiet sind Ziel von Fernbussen.

TOURISTINFO Ruhr Tourismus, www.ruhr-tourismus.de, www.ruhrtalradweg.de; Nordrhein-Westfalen-Tourismus, www.nrwtourismus.de und www.radroutenplaner.nrw.de



Radwege im Norden

Weitere Touren im Überblick

FISCHLAND-DARSSZINGST-RUNDWEG

Wind, Wellen, Weite – mehr braucht es nicht, um den Kopf freizublasen. Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist wie geschaffen zum Radfahren. Sieht die Steilküste von Ahrenshoop nicht aus, wie eine abgebrochene Tafel Schokolade? Könnten die knorrigen Kiefern des Darßwaldes nicht in einem Fantasyfilm als Kulisse dienen? Und die Bodden, eine Kette von Lagunen, gleicht doch einer Wasser-Serengeti. Radler genießen die Fahrt an der Ostsee genauso wie die durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Halbinsel bietet reichlich Auslauf und Bilder wie auf der Kinoleinwand. 45 Kilometer Breitformatpanorama verbunden durch einen tollen Radrundweg.


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Ribnitz-Damgarten

ENDPUNKT

Bahnhof in Ribnitz-Damgarten

WEGLÄNGE

200 km

ALTE SALZSTRASSE

Eine Reise auf der Alten Salzstraße verzaubert: Denn egal, welchen Abschnitt man befährt, die flachen Wege an Kanälen und Seen begeistern. Radler steuern in die Transportrichtung des Salzes. Das erste Mal staunt man über die Altstadt von Lüneburg. Hier wurde das »Weiße Gold« abgebaut. Im Südteil der Strecke überraschen Lauenburg und Mölln, im Finale Lübeck und Travemünde. Besonders die Königin der Hanse bietet reizvolle Fotomotive und Einblick in die Geschichte. Die UNESCO erklärte die gesamte Altstadtinsel von Lübeck zum Welterbe. Besucher bummeln durch das Holstentor und staunen über die Fassade von St. Marien, die »Mutterkirche der Backsteingotik«.


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Lüneburg

ENDPUNKT

Bahnhof in Travemünde

WEGLÄNGE

116 km

ALTMARKRUNDKURS

Wenn man auf dem Elbe-Radweg von Havelberg nach Wittenberge rollt und im Landkreis Stendal über das flache Land im Süden schaut, fragt man sich, was es dort wohl zu sehen gibt. Der Altmarkrundkurs lüftet dieses Geheimnis. Er erschließt für Radler den Norden von Sachsen-Anhalt. Die Gegend ist so dünn besiedelt, dass man seine Unterkünfte besser vorab bucht. Idealerweise in den historischen Hansestädten übernachten. Acht liegen an der Route: Stendal, Tangermünde, Salzwedel, Werben, Seehausen, Osterburg, Havelberg und Gardelegen – alle laden zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Auf dem Land bilden in den Dörfern die Feldsteinkirchen weitere Fotomotive.


AUSGANGSPUNKT

Bahnhof in Salzwedel

ENDPUNKT

Bahnhof in Salzwedel

WEGLÄNGE

500 km


Die Nordsee fasziniert Radler mit ihren weiten Panoramen.


7
Ostseeküsten-Radweg

Ich will Meer!

Auch nach Tagen hat sich das Auge nicht sattgesehen. Dieses Meer! Weite Strände, Buchten und Inseln. Die Ostsee ist für Urlauber eine der verlockendsten Landschaften Europas. Radler können einem der schönsten Radwege Deutschlands gen Osten folgen. Der Rückenwind schiebt an und die alten Hansestädte verzaubern.

Jeder ist ihnen verfallen – Orte, an denen es nicht mehr weitergeht. Orte, an denen sich Land und See vereinen, Strände sich um eine Bucht schwingen und ringsum nur noch Wasser kommt. Die Ostsee ist voll solcher Orte. Wer der EuroVelo-Route 10 folgt, legt knapp 8000 Kilometer zurück und durchquert neun Länder. Das deutsche Teilstück beginnt in Flensburg. Als Drehscheibe von Skandinavien nach Mitteleuropa erlangte die Seefahrer- und Hafenstadt früh eine Vorrangstellung. Mit den bunten Patrizierhäusern, den Kaufmannshöfen und der hoch aufragenden Kirche St. Jürgen versprüht die Stadt maritimes Flair.

Die Meeresluft in der Nase geht es die Flensburger Förde entlang. Dort lädt das strahlend weiße Wasserschloss von Glücksburg zu einem Besuch ein. Radler passieren Gutshöfe und fahren durch romantische Fischerorte, in denen Museen vom Leben am Meer erzählen. Kiel gibt sich mit seinem Hafen weltoffen. Die Ozeanriesen kommen vom offenen Meer und durch die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals – der am meisten befahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt.

Wismar, Warnemünde und Weite

Die Reise setzt sich an der Kieler Förde fort. Unterwegs Dörfer mit reetgedeckten Katen, Mühlen und reizvoll gelegenen Badestränden. Anschließend umrunden Urlauber die Lübecker Bucht und bewundern in Travemünde den Viermaster »Passat«, der 1911 vom Stapel lief. Einst durchkreuzten acht nahezu baugleiche Viermastbarken die Weltmeere. Der Radweg erreicht Mecklenburg-Vorpommern. In der Wismarer Bucht würzen tolle Panoramen die Radtour. Freudig über den Klützer Winkel strampeln. Rein in ein Dorf, raus aufs grüne Land. Felder, Wäldchen, freies Gelände – ständig neue Eindrücke. Der Radweg schmiegt sich ans Meer. Leicht erhöht bummelt man voran. Herrlich diese Weite! Die Weite füllt sich nach Stunden mit Schiffen, Kirchtürmen und Bürgerhäusern. In Wismar konserviert der Backstein die Epoche der Hanse. Staunend holpert man über das ausgetretene Pflaster der Altstadt. 2002 wurden die historischen Zentren von Wismar und Stralsund gemeinsam in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Östlich von Heiligendamm taucht man in den Gespensterwald Nienhagen ein, der bis an das Seebad Warnemünde reicht. In dem Küstenort kann man in einem der vielen Strandkörbe die Füße hochlegen. Die windtaugliche Sitzeinrichtung wurde 1882 in Rostock erfunden. Auf dem nächsten Teilstück verwöhnt die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst mit wechselnden Eindrücken. Sie riegelt auf 45 Kilometern den Saaler Bodden gegen die Mecklenburger Bucht ab. Reisende erwarten Fischerdörfer mit reetgedeckten Häusern, darunter die Künstlerkolonie Ahrenshoop.


Die Seebäder versüßen Radlern auf dem Ostseeküsten-Radweg die Urlaubstage.


Die Nikolaikirche im Zentrum der Hansestadt Anklam ist einer der wenigen erhaltenen Zeugen der Backsteingotik aus der 750 Jahre zurückliegenden Gründungszeit der Stadt.

Auf nach Rügen!

Der östliche Teil ist als Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft geschützt. Vor allem im Herbst, wenn Zehntausende Kraniche einfliegen, packt dieser Flecken Erde. Ihre Rufe klingen nach Sehnsucht. Einmal auf Fischland-Darß-Zingst den Fuß in den Sand gesetzt, möchte man in den Gesang einstimmen.

In Stralsund beeindrucken andere Bilder. Roter Backstein und blaues Meer sind die Schlagworte der zweiten Stadt im UNESCO-Bunde. Stralsund bietet sowohl historisches als auch modernes, wie das im Juli 2008 eröffnete OZEANEUM. 2010 verlieh man dem Schauhaus den Titel »Europas Museum des Jahres«. Lust auf einen Inselausflug? Dann über den Rügendamm zu Deutschlands größter Insel.



Reethäuser in Prerow an der Ostsee


Der Hafen hat Wismar in der Hansezeit groß gemacht.


Die Kreidefelsen der Insel Rügen im Nationalpark Jasmund

Am Kap Arkona stehen der Neue Leuchtturm und der Schinkelturm.

Pause in einem Strandkorb vor der Seebrücke im Seebad Sellin auf Rügen


Stettiner Haff-Rundweg

Die Ostsee zu umrunden ist eine Aufgabe für mehrere Urlaube. Um das komplette Stettiner Haff zu beradeln, genügt eine Woche. Im Seebad Ahlbeck muss man sich vom Strand und der Seebrücke lösen. Lenker nach Westen drehen und über die Insel Usedom steuern. Die Zecheriner Brücke führt auf das Festland. Schön ist es im Tal der Peene, in der Altstadt von Anklam am Stettiner Haff sowieso. In einem sanften Auf und Ab geht es in die Stadt Szczecin (Stettin) und in den Nationalpark Wollin. Von hier aus ist es nur eine Fährfahrt zurück nach Deutschland.

Rügen beeindruckt. Im Norden das Kap Arkona mit seinem Hochuferweg. In der Inselmitte die seichte Boddenküste. Und im Osten breiten sich Deutschlands vielleicht schönste drei Quadratkilometer aus: der vor 30 Jahren ausgerufene Nationalpark Jasmund. Am Königsstuhl stehen die Buchen wie Klippenspringer beieinander. Die bis zu 118 Meter hohe Felswand sieht wie ein abgebrochenes Stück Kreide aus. Wind und Wetter malen die Kulisse. Wer nach Süden steuert, erreicht die Seebäder von Binz, Sellin und Göhren mit eleganter Bäderarchitektur, Seebrücken und Stränden.

Zugabe des Ostseeküsten-Radweges

Zurück auf dem Festland erfreuen sich Radler an Feldern, durch die sich Alleen ziehen. In Wolgast setzt der Radweg über die blaue Peenebrücke und führt auf die Insel Usedom. Einen Höhepunkt bilden die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Sie verbindet eine 8,5 Kilometer lange, von Villen aus der Gründerzeit gesäumte Strandpromenade. Im Angesicht der Seebrücke von Ahlbeck mit ihrem roten Dach, den vier grünen Türmen und dem 280 Meter langen Landungssteg heißt es Abschied nehmen. Die letzten Tage waren von herrlichen Meeresblicken und Hansebauten geprägt. Wer noch nicht genug Seeluft geschnuppert hat, der radelt weiter ins polnische Swinemünde (Świnoujście). Denn dort beginnt der zweite Abschnitt auf dem Ostseeküsten-Radweg.


Gut zu wissen

SCHWIERIGKEIT Leicht

WEGLÄNGE 1023 km

CHARAKTER Der nahezu ebene Küstenweg ist für jedes Leistungsniveau und jede Altersklasse geeignet. Die vorhandenen Radwege sind asphaltiert, geschottert oder gepflastert.

WEGMARKIERUNG Das mehrfarbige Routenschild trägt die Überschrift »OSTSEE Küsten-Radweg«. Darunter sind das Meer, ein Strand sowie ein Hügel zu sehen.

E-BIKE Für die flache Tour braucht man kein E-Bike. Wichtiger ist es, dass man mit dem meist vorherrschenden Westwind gen Osten radelt.

AUSGANGSPUNKT Flensburg

ENDPUNKT Ahlbeck

AN- UND ABREISE Flensburg und Ahlbeck haben einen eigenen Bahnhof. Auch die größeren Tourismusorte an der Küste erreicht man per Zug.

TOURISTINFO Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V., www.auf-nach-mv.de; Ostsee-Holstein-Tourismus e.V., www.ostsee-schleswig-holstein.de; Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH, www.sh-tourismus.de und www.sh-radroutenplaner.de

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