Kitabı oku: «Moderne Hypnosetechnik»
Tony Gaschler
Moderne HypnoseTechnik
Hypnotisieren & Selbsthypnose
Hypnose lernen mit zahlreichen Experimenten nach Anleitung
Die perfekte Hypnoseausbildung für Jung und Alt
Auch als Hypnosetherapie
für Ärzte und Heilpraktiker bestens geeignet

www.verlag4you.de
© 2019 by verlag4you - Germany
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2. Auflage (EBOOK) aus 3. Auflage (PRINT)
ISBN 978-3-936612-81-3 (EBOOK)
ISBN 978-3-936612-13-4 (PRINT)
Buch- und Umschlaggestaltung: verlag4you
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Die vorliegende Selbstunterrichtsmethode hat ein klares und fest umrissenes Ziel: zu jeder Zeit planmäßig und erfolgreich hypnotisieren zu können. Da dieses Ziel mit bestimmten Erfahrungen und Erlebnissen verbunden ist, die für den vollen Erfolg ausschlaggebend sind, bedarf es Ihrer freiwilligen und aktiven Mitarbeit. Diese besteht darin, dass Sie die einzelnen Lektionen mit Ihrer vollen Aufmerksamkeit durchstudieren und die beschriebenen Versuche vorbehaltlos durchführen.
In den vorliegenden Lektionen lernen Sie alles kennen, was Sie wissen und können müssen, um das Ziel schnell und sicher zu erreichen. Damit tatsächlich die größtmögliche Sicherheit geboten wird, bringe ich eine neue Version der Theorie, die es Ihnen ermöglicht, Hypnose und Suggestion auch theoretisch zu verstehen und aus diesem Verstehen heraus planmäßig anzuwenden.
Hypnose - Forum
Damit angehende und ausübende Hypnotiseure spezielle Fragen klären oder Ihre ersten Erfahrungen austauschen können, steht Ihnen exklusiv ein Hypnose-Forum zur Verfügung, welches auf der Webseite www.verlag4you.de eigens für die MODERNE HYPNOSETECHNIK eingerichtet wurde.
Das Forum ist langfristig eine hilfreiche Plattform, um Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu optimieren oder auch bei möglichen Fragen von neuen Teilnehmern einfach nur behilflich zu sein.
Und nun wünschen wir Ihnen beim Studium faszinierende und beeindruckende Lernstunden und viel Erfolg bei der praktischen Durchführung.
| Ihr Tony Gaschler (Autor) |
1. Lektion
Es ist eine alte Tatsache, dass man eigene Erlebnisse besser im Gedächtnis behält als Gelesenes. Und es ist auch eine Tatsache, dass man Hypnotisieren nur durch praktische Versuche lernt und nicht durch das bloße Lesen von Broschüren und Büchern. Es gibt Zehntausende, die schon solche Broschüren und Bücher gelesen haben, aber in der Tat können nur sehr wenige perfekt hypnotisieren.
In dieser Selbstunterrichtsmethode sind daher praktische Versuche ein fester Bestandteil. Sie führen praktische Versuche nach Anleitung durch und lernen so am eigenen Erfolg. Erst nachher, wenn Sie durch die Versuche schon Erfahrungen gewonnen haben, erfolgt die theoretische Vertiefung des Wissens und Könnens.
Ich glaube, dass diese Lehrmethode Ihren Zuspruch findet und dass sie Ihnen sogar Freude bereitet. Und ich bin sicher, dass Sie dadurch den gewünschten Erfolg erreichen können.
Hypnotisieren ist nur Technik
Denjenigen, die glauben, dass sich hinter der Hypnose und Suggestion irgendwelche übernatürliche Mächte, magische Kräfte oder Strahlen verbergen, möchte ich sagen, dass Hypnotisieren nichts weiter ist als Technik. Es geht tatsächlich nur darum, im Menschen ideomotorische Aktionen auszulösen, und das kann jeder erlernen. Eine besondere Begabung ist dazu nicht erforderlich und auch kein eiserner Wille oder andere Besonderheiten. Jeder normal intelligente und gesunde Mensch kann nach dieser Selbstunterrichtsmethode in relativ kurzer Zeit perfekt hypnotisieren lernen, worunter keine Zufallserfolge verstanden sind, sondern ein aus eigenem Erleben und eigenen Erfahrungen kommendes planmäßiges Hypnotisieren gemeint ist. Und nun wollen wir uns gleich der Praxis zuwenden.
Download der Hilfsmittel
Zu den Hilfsmitteln gehören eine Pendeltafel (Hypnotisiertafel) sowie vertonte Ausdruckstechniken, die bei Bedarf als Hörbeispiele dienen und Ihnen für Ihre ersten Suggestions- und Hypnotisierversuche die bestmögliche Intonation vermitteln soll. Mit Besitz der Printausführung liegen Ihnen die Hilfsmittel zusätzlich in physischer Ausführung (Audio-CD und Pendeltafel in DIN A5) vor. Falls Sie aber die Methode als Ebook erworben haben, laden Sie zunächst auf der Internetseite www.verlag4you.de die Hilfsmittel herunter.
Rufen Sie dazu auf der Internetseite den Artikel „Moderne Hypnosetechnik“ auf und scrollen auf dieser Artikelseite ganz nach unten. Dort klicken Sie auf den Download-Button und geben folgende Zugangsdaten ein, um den Download zu starten:
Benutzername: modtech
Passwort:hypnose
Speichern Sie nun die ZIP-Datei in einen beliebigen Ordner. Die Vorlage für die Pendeltafel ist ein PDF-Dokument und kann mit dem Adobe Acrobat Reader aufgerufen werden. Falls nicht vorhanden, können Sie den Reader von Adobe kostenlos unter www.adobe.de herunterladen. Für die praktische Durchführung ist es notwendig, die Pendeltafel auf Papier auszudrucken.
Die vertonten Hörbeispiele für die Suggestions- und Hypnotisierversuche stehen Ihnen im MP3-Format zur Verfügung und können über die geläufigen Audio-Player abgespielt werden.
Die Anwendung der Hilfsmittel wird in den nachfolgenden Kapitel eingehend erläutert.
Hinweis: Falls beim Herunterladen, abspeichern oder öffnen der Datei irgendwelche Schwierigkeiten auftreten sollten oder Ihnen die Voraussetzung zum Download und/oder zum Ausdrucken nicht gegeben ist, nehmen Sie über www.verlag4you.de Kontakt auf. Telefonisch oder per E-Mail wird Ihnen dann umgehend geholfen.
Rechtshinweis zum Urheberschutz: Die Pendeltafel sowie die vertonten Hörbeispiele für die Suggestions- und Hypnotisierversuche dürfen nur für den persönlichen Gebrauch auf ein Speichermedium kopiert, gesichert als auch die Pendeltafel auf eine Printvorlage ausgedruckt werden.
Hörbeispiele für Suggestions- und Hypnotisierversuche
Die „Moderne Hypnosetechnik“ wurde im Laufe der Zeit weltweit zum Standardwerk unzähliger Hypnotiseure. Immer wieder wurden wir darum gebeten, einige in diesem Werk vorgestellten Suggestions- und Hypnotisierversuche zusätzlich auch vertont wiederzugeben. Diesen Wunsch haben wir erfüllt.
Damit Sie von der Ausdrucksweise des Hypnotisieurs einen Eindruck bekommen, stehen Ihnen einige vertonte Hörbeispiele im MP3-Format zur Verfügung (siehe Absatz „Download der Hilfsmittel“). Die von Tony Gaschler vertonten Suggestions- und Hypnosebeispiele dienen ausschließlich als Muster.
Die vertonten Musterbeispiele sind also lediglich nur als Leitbild zu betrachten, um die Vorstellung zu bekommen, wie die Ausdrucksweise während der Versuche, die nachfolgend in dieser Methode für die praktische Anwendung beschrieben stehen, im Vorfeld eingeübt und ausgedrückt werden können. Da jeder Anwender einen individuellen Entfaltungscharakter besitzt, ist es selbstverständlich, dass Sie ihre natürliche Ausdrucksweise beibehalten, die ihrem Charakter entspricht.
Bevor Sie mit den Übungen beginnen, möchten wir Sie an dieser Stelle nochmals daran erinnern die ganze Methode mit Ihrer vollen Aufmerksamkeit durch zu lesen, damit Sie einen klaren und eindeutigen Überblick bekommen.
Die vertonten Musterübungen haben insgesamt eine Laufzeit von ca. 40 Minuten und umfassen folgende Versuche:
1. Alle 8 Suggestionsversuche aus den Lektionen 1 bis 6 (Laufzeit 13 Minuten)
2. Die ersten 5 Hypnotisierversuche aus den Lektionen 7 bis 12 und aus der 21. Lektion: „Hypnotisieren aus dem natürlichen Schlaf heraus“ (Laufzeit 28,5 Minuten)
Das Chevreulsche Pendel
Zu Grundversuchen über das Wesen der Suggestion und Hypnose gibt es kein Instrument, das einfacher und leichter zu handhaben wäre als das so genannte „Chevreulsche Pendel“. (Der Name kommt von Chevreul, der schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts damit Versuche machte.) Außerdem sind die Versuche mit dem Pendel, wie wir es kurz nennen wollen, sehr interessant und faszinierend.
Fertigen Sie sich selber so ein Pendel an. (Abb. 1) Es besteht aus einem dünnen Faden und einem daran befestigten Gewicht, wofür Sie entweder einen Siegelring, eine Metallkugel oder sonstige kleine Gegenstände nehmen können. Der Faden soll 40 bis 60 cm lang und nicht zu dick sein. Das Material spielt keine Rolle.

Abb. 1

Abb. 2
Der erste Grundversuch (Chevreulsches Pendel)
Nehmen Sie die beiliegende bzw. ausgedruckte Pendeltafel und das Pendel. Setzen Sie sich an einen Tisch (Abb. 2). Nun halten Sie das Pendel über den dicken Punkt in der Mitte des Kreises und versuchen, es soweit wie möglich zum Stillstand zu bringen. Notfalls können Sie es mit der linken Hand eine zeitlang festhalten. Wenn es stillsteht, die Hand wieder wegnehmen. Nun entspannen Sie sich am ganzen Körper und besonders die Arme, und sehen Sie auf das Pendel (auf den Gegenstand den Sie als Pendel verwenden.) Versuche Sie nun, sich lebhaft vorzustellen, dass das Pendel rechts herum im Kreis, also im Uhrzeigersinn, zu kreisen beginnt. Je lebhafter Sie sich das vorstellen, um so schneller beginnt das Pendel, sich in der vorgestellten Richtung zu bewegen. Denken Sie bei diesem Versuch an nichts als nur an das Pendel, und stellen Sie sich ganz, ganz lebhaft vor, wie das Pendel rechts herum kreist. Der Versuch gelingt am besten, wenn Sie folgendes beachten:
1. Körper und Arme leicht entspannen - nicht verkrampfen oder anspannen!
2. Das Pendel ganz passiv und ohne jede willkürliche Bewegung halten!
3. Jeden bewussten Willen ausschalten und nur die lebhafte Vorstellung von der Bewegung des Pendels im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit halten.
4. Obwohl diese Vorstellung ganz lebhaft sein muss, darf sie doch nicht anstrengen, wenn Sie es richtig machen.
5. Sie müssen die vorgestellte Bewegung des Pendels innerlich bereits vorerleben, innerlich fühlen.
Warum das Pendel schwingt
Das Effekt, dass ein Pendel in der Richtung schwingt, in der man sich das lebhaft vorstellt, ist schon lange bekannt. Früher wurden geheimnisvolle und magische Mächte, magnetische Strahlen usw. als Ursache der Pendelbewegung angesehen. Heute weiß man, dass es nur ideomotorische Aktionen sind, die das Pendel in Bewegung setzen. Durch die lebhafte Vorstellung, die identisch ist mit einer Erzeugung lebendiger Ideen (vitaler Ideen), werden über das ideomotorische System (Unterbewusstsein) in den Armmuskeln ganz leichte Muskelbewegungen ausgelöst, die der Vorstellung entsprechen und das Pendel in Bewegung setzen. Diese Erscheinung ist eigentlich eine der wichtigsten und grundlegendsten bei der Suggestion und Hypnose. Vitale Ideen (durch lebhafte Vorstellung hervorgerufen) erzeugen ideomotorische Aktionen. Dies ist das erste Grundgesetz der Suggestion.
Der zweite Grundversuch
Setzen Sie sich mit dem Pendel und der Pendeltafel wieder an den Tisch (Abb. 2) und bringen Sie das Pendel zum Stillstand. Jetzt stellen Sie sich vor, dass das Pendel von links nach rechts auf der dicken Linie L - R hin- und her schwingt. Ist dies eingetreten und schwingt das Pendel ganz deutlich, dann schalten Sie die Vorstellung um auf die Linie O - U, so dass Sie sich vorstellen, das Pendel schwingt nun von oben nach unten. Schon nach wenigen Sekunden wird sich die Bewegung des Pendels ändern. Zuerst wird eine flache Ellipse und dann passt es sich immer mehr und mehr der neuen Richtung an. Wenn das Pendel ganz deutlich auf der Linie O - U hin- und her schwingt, ist der Versuch beendet.
Das zielstrebige ideomotorische System
Dieser Versuch zeigt deutlich, dass das ideomotorische System zielstrebig ist. Die Pendelbewegungen (ideomotorische Aktionen) werden immer dem Ziel der lebhaften Vorstellungen angepasst. Mit anderen Worten: Vitale Ideen (durch lebhafte Vorstellungen ausgelöst) verursachen über das ideomotorische System zielstrebige Aktionen. Darauf beruht zum Beispiel die Hypnosetherapie, bei der in das ideomotorische System (Unterbewusstsein) des Patienten zielstrebige Heilsuggestionen gebracht werden, die dann entsprechende Wirkungen (ideomotorische Aktionen) auslösen.
Merken Sie sich als zweites Grundgesetz der Suggestion: Das ideomotorische System (Unterbewusstsein) arbeitet zielstrebig. Dies ist besonders für die Technik der Suggestion wichtig, denn daraus geht hervor, dass jede Suggestion ganz klar und zielgerecht ausgedrückt werden muss, damit das ideomotorische System dann genauso klar und zielgerecht die gewünschten Aktionen auslösen kann. Unklarheiten bei Suggestionen verursachen nicht nur Misserfolge, sie können auch gefährlich werden!
Der dritte Grundversuch
Setzen Sie sich mit dem Pendel und der Pendeltafel an den Tisch. Nun denken Sie an die Stunde, zu der Sie morgen früh aufwachen wollen. Nehmen Sie jetzt eine halbe Stunde früher als sonst üblich. Jetzt bringen Sie das Pendel zum Stillstand und stellen sich lebhaft vor, dass es über dem Sektor der Zahl schwingt, welche die gedachte Stunde anzeigt. (Für halbe Stunden nehmen Sie die Trennstriche zwischen den einzelnen Zahlensektoren.) Nach wenigen Sekunden wird das Pendel beginnen zu schwingen. Nun folgen Sie mit den Augen dem Pendel, wie es hin- und her schwingt, und bei jeder Schwingung sagen Sie leise und monoton die Stundenzahl, zum Beispiel: „Acht Uhr - acht Uhr ...usw.“ So bleiben Sie etwa 3 bis 5 Minuten sitzen, dann beendigen Sie den Versuch. Sie werden sehen, dass Sie tatsächlich zu der Stunde aufwachen, die das Pendel durch Ihre Vorstellung anzeigt und die Sie immer vor sich hersagten.
Vitale Ideen wirken termingerecht
An diesem Versuch sehen Sie, dass vitale Ideen auch termingerecht wirken, also auf ein zeitliches Ziel hin die gewünschte ideomotorische Aktion auslösen (die sich in unserem Fall durch ein termingerechtes Aufwachen zeigt).
Dieser Effekt ist die Grundlage der so genannten nachhypnotischen Suggestion (Posthypnose). Merken Sie sich als drittes Grundgesetz der Suggestion: Im ideomotorischen System können vitale Ideen gespeichert werden. Diese lösen dann termingerecht ideomotorische Aktionen aus.
Hinweise zum erfolgreichen Selbstunterricht
Selbstunterricht besteht nicht darin, dass Sie die Lektionen nur durchlesen. Selbstunterricht bedeutet mehr. Zuerst lesen Sie die Lektionen 1 bis 6 ganz durch, um ein Gesamtbild und eine Übersicht zu bekommen. Dann beginnen Sie bei der ersten Lektion und studieren diese langsam und aufmerksam durch. Alles, was Sie für besonders wichtig halten, streichen Sie mit einem Farbstift an. Und erst wenn Sie so alle sechs Lektionen durchstudiert haben, beginnen Sie mit den einzelnen Versuchen. So machen Sie es separat auch mit den Lektionen 7 bis 12, 13 bis 18, 19 bis 24, 25 bis 30, 31 bis 36, 37 bis 42, 43 bis 48.
Bevor Sie einen Versuch machen, überlegen Sie sich jede Einzelheit. Erst wenn Sie sich ganz klar sind, beginnen Sie den eigentlichen Versuch. Dies gilt für alle Versuche.
Auf die Suggestionsversuche bereiten Sie sich mit Hilfe so genannter Imaginationsübungen vor. Diese bestehen darin, dass Sie den ganzen Versuch zuerst mit einer eingebildeten Versuchsperson durchführen. Sie stellen sich also lebhaft vor, Sie hätten eine Versuchsperson vor sich und machen, reden und tun mit dieser alles, was zu dem Versuch gehört. Dadurch werden Sie mit den Einzelheiten vertraut, und wenn Sie dann eine wirkliche Versuchsperson vor sich haben, kommt Ihnen das Ganze schon vertraut und nicht mehr ganz neu vor. Bei Versuchen, die Ihnen als schwierig erscheinen, wiederholen Sie die Imaginationsversuche so lange, bis Sie sich sicher fühlen.
2. Lektion
Der Carpenter-Effekt
Schon im Jahre 1874 formulierte der englische Arzt W.B. Carpenter das so genannte „ideomotorische Gesetz“. Es besagt, dass die Vorstellung einer Bewegung diese bereits in verkleinertem Maße auslöst. Diese Erscheinung, die wir bei den Pendelversuchen studieren können, wird auch „Carpenter-Effekt“ genannt. Im Wachzustand, wenn das volle ICHBewusstsein eingeschaltet ist, bewirkt die Vorstellung einer Bewegung nur das verkleinerte, meist nur schwach wahrnehmbare Abbild dieser Bewegung. In Zustand der Hypnose, wenn das ICH ganz oder teilweise abgeschaltet ist, kann eine durch Suggestion (seelische Beeinflussung) erzeugte Vorstellung die entsprechende Bewegung in ihrer vollen Ganzheit auslösen.
Für uns ist wichtig zu wissen: Die Vorstellung einer Bewegung kann diese bereits auslösen. Vorstellungen haben also eine Verwirklichungstendenz.
Was sind „Ideomotorische Aktionen“?
Ideomotorische Aktionen sind solche Aktionen (Tätigkeiten, Handlungen, Bewegungen, Wirkungen usw.), die durch Ideen ausgelöst werden. Dabei möchte ich hervorheben, dass diese Ideen lebhaft, lebendig (vital) sein müssen. Sie dürfen keinesfalls als Gedanken oder gedachte Worte betrachtet werden. Je lebhafter und lebendiger (vitaler) eine Idee ist, um so deutlicher und wahrnehmbarer ist auch die Aktion. Das müssen Sie bei allen späteren Suggestions- und Hypnoseversuchen beachten. Den klaren Unterschied zwischen Gedanken und vitalen Ideen zeigt Ihnen der vierte Grundversuch, der anschließend folgt. Wiederholen Sie den Versuch, bis Ihnen der Unterschied klar ist.
Der vierte Grundversuch
Setzen Sie sich mit dem Pendel und der Pendeltafel an den Tisch (Abb. 2) und bringen Sie das Pendel zum Stillstand. Dann stellen Sie sich, wie beim ersten Grundversuch, ganz lebhaft vor, dass das Pendel rechts herum im Uhrzeigersinn zu kreisen beginnt. Aber bitte ganz, ganz lebhaft. Sie dürfen dazu auch die Augen benutzen, indem Sie mit dem Blick bereits die vorgestellte Rechtsbewegung des Pendels verfolgen. Den Blick können Sie dabei im Kreise herumgehen lassen. Dadurch wird die Vorstellung unterstützt und lebendiger. Zur gleichen Zeit beginnen Sie, wörtlich das Folgende zu denken: „Das Pendel kreist links herum, entgegen dem Uhrzeigersinn! --- Das Pendel......“, usw.
Dadurch entsteht ein Widerspruch zwischen Vorstellen und Denken. Also ein innerer Kampf zwischen vitalen Ideen und Gedanken. Sie werden sehen, dass die Vorstellung über das Denken siegt und das Pendel tatsächlich rechts herum kreist, genauso, wie Sie es sich vorstellen.
Der Unterschied zwischen Gedanken und Vorstellungen
Dieser vierte Grundversuch zeigt uns:
1. Dass Vorstellungen (vitale Ideen) und Gedanken zur gleichen Zeit im Mittelpunkt des Bewusstseins sein können.
2. Dass beide zugleich entgegengesetzt sein können.
3. Dass im Kampf oder Widerstreit zwischen Gedanken und Vorstellungen immer die Vorstellung siegt.
4. Dass zwischen Gedanken und Vorstellung ein Unterschied besteht, der deutlich erkennbar ist.
Unterbewusstsein oder „Ideomotorisches System“
In der Hypnoseliteratur, und noch viel mehr in der psychologischen Literatur, liest man viel von einem so genannten Unterbewusstsein. In ihm sollen sich Suggestionen und Autosuggestionen verwirklichen. Nun --- wer kann sich dieses fragliche Unterbewusstsein vorstellen? Ich verwende in dieser Selbstunterrichtsmethode dafür die Bezeichnung „Ideomotorisches System“. Darunter kann man sich etwas vorstellen und das ist wichtig, wenn man Erfolge erzielen und nicht nur totes Wissen ansammeln will.
Das Wort „ideomotorisch“ besteht aus „Idee“ und „motorisch“. In seinem Zusammenhang bedeutet es dann: „Durch Ideen Bewegung hervorrufen“. Unter „System“ ist dabei der Teil unseres Gesamtnervensystems gemeint, der die ideomotorischen Aktionen ermöglicht. So kann man sich das ideomotorische System des Menschen als den Teil des Nervensystems vorstellen, der an der Wahrnehmung vitaler Ideen und an der Auslösung ideomotorischer Aktionen beteiligt ist. Sie werden zugeben, dass diese Bezeichnung viel klarer ist als das Wort „Unterbewusstsein“, mit dem man in der Praxis nicht viel anfangen kann.
Weitere Grundversuche
Bei der Beherrschung der Suggestion und Hypnose kommt es auf Ihre eigenen Erfahrungen an. Daher rate ich Ihnen, selber weitere Versuche mit dem Pendel zu machen. Hier einige Anregungen:
1. Verlängern Sie das Pendel und machen Sie die Versuche im Stehen.
2. Pendeln Sie bei verschiedenen Stimmungen. Wenn Sie aufgeregt sind, wird Sie die lebhafte Konzentration auf eine Vorstellung beruhigen und ablenken.
3. Erfinden Sie selber weitere Pendelversuche.
Das Pendel, wie es hier benutzt wird, ist ein sachliches, wissenschaftliches Instrument.
Benutzen Sie es bitte nicht zu abergläubischen Spielereien und Unfug wie Wahrsagen, Lottopendeln usw. Sie als werdender Hypnotiseur sollen klar und sachlich denken, denn nur daraus können Erfolge wachsen.
Leute, die sich mit Aberglauben und Mystik beschäftigen, haben im Leben nie Erfolg, denn ihr Denken ist nicht auf das Wesentliche gerichtet, nicht auf die Wirklichkeit in ihnen und um sie herum. Wer die Wahrheit nicht dort sucht, wo sie wirklich ist, nämlich im Leben und im Tätigsein, der stellt sich außerhalb des Lebens und darf sich nicht wundern, wenn ihn die Erfolge auf allen Gebieten meiden wie einen Aussätzigen.
Klare Grundbegriffe
Bevor wir in der nächsten Lektion zu Versuchen mit Versuchspersonen übergehen, möchte ich versuchen, Ihnen verschiedene Grundbegriffe näher zubringen.
1. Idee: Unter einer Idee versteht man ein geistiges Urbild, einen Grundbegriff. Wir müssen zwischen normalen Ideen, die keine ideomotorische Aktion auslösen, und vitalen Ideen unterscheiden. Daher verwenden wir ab jetzt ein neues Wort: Videe (zusammengesetzt aus vital und Idee). Wir verstehen darunter lebendige (vitale) Ideen, die im ideomotorischen System wirken und dort Aktionen auslösen.
2. Einbilden - Vorstellen: Darunter versteht man Tätigkeiten, die darin bestehen, sich eine Idee oder Videe einzubilden oder vorzustellen. Einbilden = in sich etwas hineinbilden (eine Idee oder Videe). Vorstellen = sich etwas vor das Bewusstsein stellen.
3. Suggestion - Autosuggestion: Unter Suggestion versteht man allgemein jede Art von seelischer Beeinflussung. Wir verstehen darunter alles, was Videen enthält. Dazu gehören: Worte, Gesten, Handlungen, Bilder, Symbole, Geschriebenes usw. Suggerieren ist die Tätigkeit, Videen durch Worte, Gesten, Handlungen, Bilder, Symbole, Geschriebenes usw. in das ideomotorische System einer Person zu bringen. Autosuggestion = Selbstsuggestion, Selbstbeeinflussung, sich selber Videen in das eigene ideomotorische System hineinzubringen durch Selbsteinreden, Vorstellen usw.
Ein neuer Begriff: Videe
Um den neuen Begriff Videe so klar wie möglich zu erklären, ein Beispiel: Wenn sich jemand Napoleon vorstellt, so wie er ihn auf einem Bild gesehen hat, dann stellt er sich eine Idee vor. Diese ist passiv und löst in ihm keine besondere Wirkung aus. Stellt sich einer vor, er wäre Napoleon oder er hätte die Rolle Napoleons zu spielen, dann stellt er sich eine Videe vor das Bewusstsein. Sein ganzes Verhalten, sein Auftreten, seine Gesichtszüge und seine ganze Persönlichkeit verändern sich und passen sich zielstrebig der Videe an. Merken Sie sich: Ideen sind passive Vorstellungen, passive Urbilder. Sie erzeugen im ideomotorischen System keine Wirkung. Videen dagegen sind aktive, dynamische Vorstellungen, aktive und wirkende Urbilder. Sie lösen im ideomotorischen System Aktionen aus.
3. Lektion
Der erste Suggestionsversuch
Diesen Versuch können Sie in Anwesenheit mehrerer Personen machen, die wir ab jetzt Versuchspersonen nennen. (Abkürzung VP, Mehrzahl: VPs.) Sagen Sie zu Ihren VPs, dass Sie interessante psychologische Versuche machen möchten, welche zeigen, wie leicht sich lebhafte Vorstellungen verwirklichen können. Zeigen Sie zuerst selber, wie leicht bei Ihnen das Pendel auf die bloße Vorstellung hin zu schwingen beginnt. Dann lassen Sie die erste VP an den Tisch setzen, an dessen andere Seite Sie sich stellen (Abb. 3).
Jetzt sagen Sie zur VP: „Nehmen Sie das Pendel so wie ich vorhin. Sehen Sie das Pendel an und bringen Sie es zum Stillstand über dem Mittelpunkt des Kreises“. Wenn das der VP nicht gleich gelingen sollte, halten Sie das Pendel etwas fest, bis es stillsteht. „Ab jetzt achten Sie nicht mehr auf den Arm und auch nicht auf die Hand, die das Pendel hält. Achten Sie dafür ganz genau auf meine Worte, die ich zu Ihnen sage. --- Stellen Sie sich jetzt ganz, ganz lebhaft vor, dass das Pendel von links nach rechts hin- und her schwingt. --- Immer mehr und mehr auf die Linie L-R hin- und her schwingt“. Dabei deuten Sie selber mit Ihrem Finger dieses Hin- und Herschwingen auf dem Tisch an, wie in Abb. 3 gezeigt. Passen Sie dabei den Rhythmus Ihres Fingers den sich gleich zeigenden schwachen Hin- und Herbewegungen an. Wenn das Pendel deutlich zu schwingen begonnen hat, sagen Sie weiter: „Jetzt wird die Schwingung immer stärker. --- immer stärker und stärker. --- Immer mehr und mehr schwingt das Pendel hin --- her --- hin --- her--- hin --- her.“ Diese letzten Worte passen Sie den Schwingungen des Pendels an. Wenn die Schwingung des Pendels ganz deutlich ist, beendigen Sie den Versuch und sagen zur VP: „Sie haben jetzt gesehen, wie leicht sich auch bei Ihnen lebhafte Vorstellungen verwirklichen. Der Versuch ist jetzt beendet. Legen Sie das Pendel weg!“
Dieser Versuch, wenn er mit mehreren Personen hintereinander gemacht wird, zeigt ihnen, wie verschieden die VPs reagieren. Der Unterschied zeigt sich sowohl in der Reaktionszeit wir auch in der Intensität des Pendelausschlages. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, das Pendel als Messinstrument für die Beeinflussbarkeit einer Person zu verwenden. Kurze Reaktionszeit und großer Pendelausschlag = leicht beeinflussbar. Lange Reaktionszeit und geringer Pendelausschlag = weniger leicht beeinflussbar. Keine Reaktion und nur ganz schwacher Pendelausschlag = schwer beeinflussbar.
Planmäßig Versuchspersonen finden
Um weitere Versuche planmäßig gestalten zu können, legen Sie sich ein Heft an, in welches Sie die Ergebnisse Ihrer Versuche eintragen.
Nehmen Sie dabei eine Klassifizierung Ihrer Versuchspersonen vor. Je nach Ergebnis eines Versuchs bekommt also jede einzelne VP eine Bewertung.
KLASSE I = Personen, bei denen die Versuche überdurchschnittlich gut gelungen ist (besser als erwartet)
KLASSE II = Personen, bei denen ein Versuch gut gelungen ist. (wie erwartet)
KLASSE III = Personen, bei denen der Versuch mangelhaft gelungen ist. (schlechter als erwartet)
KLASSE IV = Personen, bei denen der Versuch nicht gelungen ist oder bei denen sich Schwierigkeiten einstellten. Mit solchen Personen machen Sie keine weiteren Versuche mehr. Gehen Sie von dem Grundsatz aus, dass Versuche mit guten oder geeigneten VPs Ihnen Erfahrungen vermitteln. Dass aber jeder Versuch mit einer schlechten und ungeeigneten VP immer nur Zeitverschwendung ist und Ihnen außerdem schaden kann, denn durch Misserfolge leidet Ihr Selbstvertrauen und Ihr Interesse am Studium.
Damit Sie klar wissen, welche VPs Sie zu Versuchen verwenden sollen, wiederholen Sie mit der Klasse III den jeweiligen Versuch. Gelingt es wieder mangelhaft, dann geben Sie der betreffenden VP Klasse IV. Ist der Versuch besser als der erste, geben Sie Ihr Klasse II.
Zu den weiteren Versuchen nehmen Sie immer nur VPs mit Klasse I oder II.
Wachsuggestionsversuche
Es gibt eine Reihe von Versuchen, die sich bereits mit wachen VPs durchführen lassen, ohne das diese zuerst hypnotisiert worden sind. In der Literatur findet man dafür die Bezeichnung: Wachsuggestion oder Wachhypnose. Da aber meiner Erfahrung nach die VPs bei solchen Versuchen weder ganz wach noch ganz in Hypnose sind, verwende ich dazu die Bezeichnung: Suggestionsexperimente, beziehungsweise in dieser Selbstunterrichtsmethode: Suggestionsversuche. Da bei solchen Versuchen fast immer ein Zustand auftritt, der zwischen Wachsein und eigentlicher Hypnose liegt, ein halber Hypnosezustand oder eine Halbtrance, könnte man auch von Halbtranceversuchen sprechen. Aber wollen wir nicht unnötig zu viele neue Begriffe einführen. Solche Versuche werden vielfach zum Erlernen des Hypnotisierens verwendet, besonders in den Vereinigten Staaten, wo Hypnose viel mehr bekannt und viel weiter verbreitet ist als bei uns. Und in der Tat eignen sich diese Versuche auch gut dazu, da die Halbtrance sich leicht zur Vollhypnose ausweiten lässt, wie Sie in den Lektionen 7 bis 12 noch erfahren werden.
Worum es bei Suggestionsversuchen geht
Bei Suggestionsexperimenten geht es darum, dass es Ihnen gelingt, Ihre Worte, Gesten und Handlungen bei den Versuchen so zu gestalten, dass diese klare und intensive Videen ausdrücken. Nur wenn Sie tatsächlich die VP beeindrucken und beeinflussen können, gelingt es Ihnen, deren ICH aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins zu verdrängen und dann können Ihre Videen in das ideomotorische System der VP gelangen, wo sie die gewünschten Wirkungen auslösen.
Da Suggestionsversuche schon tief in das seelische Gefüge eines Menschen eingreifen können, muss ich Ihnen jetzt eine Aufstellung von Grundregeln vorlegen, die Sie alle berücksichtigen müssen, wenn Ihre Versuche ungefährlich sein sollen.
Grundregeln für Suggestionsversuche
1. Als Versuchspersonen NUR gesunde und normal intelligente Menschen verwenden.
2. Dafür sorgen, dass jeder Versuch vollkommen ungestört durchgeführt und vollendet werden kann.
3. Jedes Wort und jeder Satz, der zur VP gesprochen wird, muss klar, präzise und eindeutig sein.
4. Jede Beeinflussung muss durch entgegen gesetzte Beeinflussung wieder aufgehoben werden. Dies ist sehr wichtig, da Beeinflussungen auch nach dem Versuch in der VP weiterwirken können.
5. Bei allen Versuchen ganz ruhig und selbst beherrscht sein. Auch dann, wenn etwas nicht gelingt. Sie dürfen bei den Versuchen NIE die Ruhe verlieren!
6. Jeder Versuch soll vorher geplant und schriftlich fixiert werden. Wenn es Ihnen möglich ist, nehmen Sie jeden Versuch auf ein Tongerät auf.
7. Auch wenn eine VP auf eine Beeinflussung (Suggestion) nicht reagiert, immer die Gegenbeeinflussung (Gegensuggestion) geben. Wenn Sie z.B. sagen: „Sie können jetzt den Arm nicht mehr bewegen!“ und die VP bewegt ihn doch, dann MÜSSEN Sie auf jeden Fall nachher die Gegensuggestion geben: „Sie können jetzt Ihren Arm wieder bewegen!“
8. Machen Sie nie einen Versuch, den Sie nicht vorher beherrschen. Imaginationsübungen mit eingebildeten VPs (wie in 1. Lektion, letzter Absatz beschrieben) helfen Ihnen, einen Versuch zu beherrschen.
9. Versuche nicht einfach mechanisch nachmachen, sondern immer versuchen, sie theoretisch zu verstehen, das gibt Ihnen Selbstsicherheit und Versuchssicherheit.

Abb. 3

Abb. 4
Der zweite Suggestionsversuch
Beginnen Sie, wie beim ersten Suggestionsversuch beschrieben steht. Nehmen Sie dazu eine gute VP. Wenn das Pendel stark hin- und her schwingt, sagen Sie:
„Jetzt schwingt das Pendel ganz von selber! Sie können es nicht mehr aufhalten! Je mehr Sie versuchen, das Pendel aufzuhalten, um so mehr und um so stärker schwingt es!“ Dabei machen Sie mit den Händen vor der VP Hin- und Herbewegungen im Rhythmus der Pendelschwingungen, wie in Abb. 4 gezeigt wird. Sagen Sie weiter: „Die Schwingungen des Pendels werden immer stärker -- immer stärker --- immer stärker und stärker. Je mehr Sie das Pendel anhalten wollen, um so stärker schwingt es --- immer stärker und stärker!“
Jetzt schwingt das Pendel bestimmt so stark, wie Sie es nicht erwartet haben. Die VP wird sich bemühen, es aufzuhalten, aber dadurch macht sie gerade die Bewegungen, die das Pendel immer stärker schwingen lassen. Wenn Sie den Versuch beendigen wollen, sagen Sie: „Jetzt wird das Pendel langsamer --- Sie können es jetzt wieder aufhalten. Halten Sie es auf!“ Wenn Sie bemerken, dass die VP wieder die Herrschaft über das Pendel hat, sagen Sie weiter: „Gut so! Sie fühlen sich wohl. Sie sind ganz wach! Legen Sie das Pendel weg, der Versuch ist beendet!“
Dynamik der Gesten
bei diesem Versuch können Sie sich darin üben, Ihre Gesten, in diesem Falle Ihre Handbewegungen, so lebhaft und dynamisch wie möglich zu gestalten. Machen Sie auch diesen Versuch zuerst als Imaginationsversuch. Denn wenn Sie alleine sind, können Sie ungestört versuchen, die Handbewegungen, die übrigens den Pendelbewegungen angepasst sein müssen, so lebhaft und dynamisch wie möglich zu machen.
4. Lektion
Was bei Suggestionsversuchen geschieht
Im Wachzustand ist das ICH des Menschen wach und befindet sich, funktionell gesehen, zwischen den Sinnesorganen und dem ideomotorischen System. Wenn eine Videe über die Sinnesorgane in den Menschen eintritt, wird Sie vom ICH kontrolliert, gehemmt und geschwächt. Daher sind Menschen im Wachzustand schwer zu beeinflussen.
Bei Suggestionsversuchen wird das ICH durch intensive Videen (eindringliche Worte und Gesten) zeitweise aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt und eindringende weitere Videen können besser in das ideomotorische System kommen, wo sie Aktionen auslösen.
In der eigentlichen Hypnose wird das ICH durch physiologische Vorgänge soweit ausgeschaltet, dass es die eindringenden Videen nicht mehr hemmt, so dass diese direkt in das ideomotorische System eindringen können. Daher verwirklichen sich diese Suggestionen in Hypnose leicht.
Bei Suggestionsversuchen geschieht also zweierlei:
1. Durch besonders starke und wirksame Videen, die mittels eindringlicher Worte und Gesten erzeugt werden, wird das hemmende ICH zeitweise vom Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt.
2. Die in diesem Zustand weiter eindringenden Videen gelangen in das ideomotorische System, wo sie entsprechende Aktionen und Wirkungen auslösen. Der wesentliche Unterschied zwischen Suggestionsversuchen und Hypnoseversuchen ist der, dass bei Suggestionsversuchen das ICH nur zeitweise ausgeschaltet oder verdrängt ist und bei Hypnoseversuchen eine längere Zeitdauer der Zustand anhält, in dem das ICH verdrängt also unwirksam ist. Bei genügend tiefer Hypnose kann der entsprechende Zustand der ICHAusschaltung sogar mehrere Tag lang aufrechterhalten werden.
Freiheitsberaubung durch Hypnose und Suggestion
Durch Hypnose und auch schon durch Suggestionsversuche kann der Mensch des Gebrauchs seiner persönlichen Freiheit beraubt werden. Daher muss ich Sie darauf hinweisen, bei allen Ihren Versuchen das Folgende strengstens zu berücksichtigen:
1. Verwenden Sie zu Ihren Versuchen NUR solche VPs, die sich vollkommen freiwillig dafür zur Verfügung stellen. Überreden Sie niemanden, mit sich Versuche machen zu lassen. Weisen Sie jede VP darauf hin, dass Sie sich vollkommen freiwillig unter Ihren Einfluss stellt, und lassen Sie das in Zweifelsfällen schriftlich vor Zeugen bestätigen.
2. Machen Sie nie Versuche mit fragwürdigen Personen, deren Geisteszustand nicht vollkommen in Ordnung ist, besonders nicht mit Unzurechnungsfähigen.
3. Wenn Sie Versuche mit Jugendlichen oder Kindern machen, sorgen Sie immer dafür, dass Sie das volle Einverständnis der Eltern oder Erziehungsberechtigten haben.
4. Wenn Sie Versuche mit weiblichen VPs machen, sorgen Sie dafür, dass immer Zeugen anwesend sind.
Der dritte Suggestionsversuch
Dieser Versuch, der sehr imponierend aussieht, ist eigentlich ganz leicht durchzuführen. Er lässt sich vorzüglich vor mehreren Zuschauern machen, die dann ebenfalls als VPs mitmachen können. Nun nehmen Sie eine VP Klasse I oder II und sehen Sie ihr in die Augen. Dann sagen Sie: „Nehmen Sie jetzt die Füße ganz zusammen, so dass sich Fersen und Zehen berühren (Abb. 6). Ich mache jetzt einen Versuch mit Ihnen, bei dem Sie nach hinten fallen. Haben Sie keine Angst, ich fange Sie sicher auf. Sie werden bei diesem Versuch alles so fühlen, wie ich es Ihnen sage.“
Nun treten Sie hinter die VP und halten die Hände so vor deren Gesicht (Abb. 5), dass sich die beiden Mittelfinger etwa 10 cm vor den Augen der VP berühren (Abb. 7). Dann sprechen Sie weiter: „Sehen Sie jetzt auf die beiden Fingerspitzen, die sich berühren! ---Achten Sie auf meine Worte. --- Entspannen Sie jetzt Ihren ganzen Körper --- und jetzt besonders die Arme --- noch besser entspannen. --- Jetzt fühlen Sie, wie Ihre Arme schwer werden --- ganz schwer! --- Achten Sie auf Ihre Arme --- diese werden schwer, immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer. --- Sie fühlen es jetzt ganz deutlich. --- Jetzt achten Sie gut auf meine Fingerspitzen. --- Wenn ich die Fingerspitzen jetzt auseinander nehme, --- fühlen Sie ganz deutlich eine Kraft, --- die Sie nach hinten zieht! --- immer mehr und mehr nach hinten zieht! (Nun nehmen Sie die beiden Mittelfinger etwa 2 bis 4 cm auseinander.) --- jetzt zieht Sie eine Kraft nach hinten. --- Es zieht Sie immer mehr und mehr nach hinten, es zieht Sie immer mehr --- zieht Sie immer mehr --- und wenn ich jetzt meine Hände nach hinten ziehe, dann zieht es Sie ganz nach hinten und Sie fallen nach hinten, --- ich fange Sie auf! --- Es zieht ------------- (Jetzt ziehen Sie langsam die Hände nach hinten vom Gesicht der VP weg.) Zieht! Fallen Sie! Sie fallen --- fallen --- fallen --- Sie FALLEN!“
Wenn die VP nach hinten fällt, fangen Sie sie sicher auf, damit Ihr nichts geschieht. Sehr leicht beeinflussbare VPs fallen bedeutend früher als andere. Seien Sie daher immer auffangbereit! Besondere Vorsicht ist zu beachten bei VPs weiblichen Geschlechts mit hohen Schuhabsätzen. Beim Zurückfallen können die Schuhe umkippen und die VP sich am Fuß verletzen. Lassen Sie daher solche Schuhe mit hohen Absätzen immer vor dem Versuch ausziehen.
Wenn die VP zurückgefallen ist und Sie nach dem Auffangen wieder vor ihr stehen, sagen Sie: „Jetzt ist der Versuch beendet! Sie fühlen sich wohl, frisch und sind ganz wach! Auch Ihre Arme fühlen sich wieder ganz normal, und Sie haben keinen Drang mehr, nach hinten zu fallen! Sie sind ganz wach und fühlen sich ganz wohl und frisch!“

Abb. 5

Abb. 6

Abb.7
Das dynamische Moment bei Ihren Versuchen
Erstreben Sie bei Ihren Versuchen, ein gewisses dynamisches Moment zu entwickeln. Drücken Sie alles das, was Sie zur VP sagen, am ganzen Körper aus. Sie müssen genauso die Herrschaft über Ihre VP ausdrücken können, wie ein Dompteur seine Herrschaft über die Raubtiere ausdrückt. Der ganze Körper, die Augen, das Gesicht, die Hände, die Haltung und sogar Ihre Atmung muss diese Herrschaft ausdrücken. Nur dadurch gelingt es Ihnen, im Wachzustand das ICH der VP aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins zu verdrängen. Später bei den Hypnoseversuchen ist dies dann nicht mehr so wichtig, denn da ist das ICH ja durch den Hypnotisiervorgang bereits ausgeschaltet. Aber bei Suggestionsversuchen muss das ICH der VP immer wieder neu aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt werden.
Das Kernproblem der Suggestionstechnik
Das Kernproblem der Suggestionstechnik liegt darin, dass in jeder einzelnen Einheit Videen ausgedrückt werden. Besonders aber, da es sich meist um wörtliche Suggestionen handelt, in der Sprache. Sie müssen lernen, Ihre Sprache zu beseelen. Wenn Sie sagen: „Es zieht....“, dann muss man aus diesem Wort das Ziehen ganz deutlich herausfühlen, so lebendig muss es sein. Und wenn Sie sagen: „Sie sind ruhig!“, dann muss dieses Wort schon an sich die vollkommene Ruhe ausdrücken, die man ganz deutlich fühlen muss.
Ihre Worte, Gesten, Handlungen usw. müssen immer genau das gefühlsmäßig ausdrücken, und zwar auch von anderen fühlbar, was Sie sagen wollen. Dabei ist auch darauf zu achten, dass die Gesten, Bewegungen usw. genau mit Ihren Worten übereinstimmen und so die Worte deutlich verstärken und unterstreichen. Das was in der VP wirkt, was in ihr ideomotorisches System eindringt, sind nicht die Worte oder Gesten, es sind einzig und alleine die darin enthaltenen Videen! Das müssen Sie in der vollen Tragweite erkennen.
Videen sind irrational und können mit dem Verstand nicht begriffen werden. Man kann sie nur fühlen, erleben. Versuchen Sie es selber. Sprechen Sie das Wort „ja“ mit folgenden Bedeutungen aus: bejahend - zweifelnd - leise und zärtlich - freudig - fragend - bestimmt und fest - verzweifelt - erlösend - verärgert. Sie erkennen daraus sofort, dass jedes Mal eine andere Videe enthalten ist und ausgedrückt wird, obwohl für den Verstand immer nur dasselbe Wort gegeben ist. Wichtig ist wie man es sagt!
5. Lektion
Der vierte Suggestionsversuch
Bei diesem Versuch, den Sie gleich anschließend an den vorhergehenden machen können, fällt die VP nach vorne.
Lassen Sie die VP vor sich hinstellen (Abb. 8) und sagen Sie: „Schließen Sie die Augen! ---Atmen Sie ruhig und tief --- ruhig und tief --- ganz ruhig und tief! --- In wenigen Sekunden fühlen Sie eine Kraft, die Sie nach vorne zieht --- immer mehr und mehr nach vorne zieht --- haben Sie keine Angst, wenn Sie fallen, --- fange ich Sie auf --- es zieht Sie nach vorne --- gleich fallen Sie nach vorne --- es zieht Sie immer mehr und mehr --- gleich fallen Sie --- lassen Sie sich gehen --- es zieht --- zieht immer mehr und mehr --- jetzt können Sie sich kaum noch halten --- es zieht --- nach vorne --- jetzt fallen Sie --- fallen Sie --- fallen --- Sie FALLEN!“
Fangen Sie die VP wieder auf. Dann sagen Sie zu ihr: „Sie fühlen sich ganz wohl --- Sie sind ganz wach und munter! Sie fühlen sich wohl und munter. Der Versuch ist beendet!“
Was tun, wenn bei Suggestionsversuchen Hypnose eintritt
Es kommt manchmal vor, dass bei guten VPs während solcher Suggestionsversuche eine regelrechte Hypnose eintritt. Dann sagen Sie einfach zur VP: „Ich werde Sie jetzt wecken. Wenn ich bis drei gezählt habe, sind Sie vollkommen wach und fühlen sich frisch und munter. Eins --- zwei --- drei! Sie sind nun ganz wach und fühlen sich frisch und munter!“ Bitte lernen Sie diese Weckformel auswendig.
Wie müssen Wortsuggestionen sein
Beim letzten Versuch hatte die VP die Augen zu und Ihre Suggestionen bestanden nur aus gesprochenen Worten. Wenn Sie alles verstanden haben, was bisher über Videen gebracht wurde, gelingen Ihnen solche Versuche leicht. Beachten Sie aber dabei folgende Hinweise:
1. Wortsuggestionen müssen klar und eindeutig sein.
2. Passen Sie immer Ihre Stimme den jeweils beabsichtigten Wirkungen an.
3. Sprechen Sie nicht zaghaft, nicht leise und auch nicht zu laut. Ihre Stimme muss Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein ausdrücken und außerdem noch die Momente, die bei der VP wirken sollen.
4. Denken Sie daran, nicht nur Worte oder Sätze auszudrücken. Drücken Sie klare Videen aus, denn nur diese können im ideomotorischen System der VP die beabsichtigten Wirkungen hervorbringen.
5. Wenn ein Versuch beendet ist, lassen Sie die VP nicht einfach stehen. Sagen Sie immer die nach jedem Versuch beschriebenen Gegensuggestionen: „Sie fühlen sich wohl. --- Sie sind wieder ganz normal. --- Sie sind vollkommen wach. --- Der Versuch ist beendet!“ Diese Formel ist natürlich nicht fest und kann je nach Versuch erweitert und spezifiziert werden. Sie hat auch alle Gegensuggestionen zu enthalten für spezielle, während des Versuches gegebene weitere Suggestionen.
6. Die beste Übung für Sie ist es, wenn Sie auch außerhalb der Versuche beeinflussend wirken. Wenn Sie überall dynamisch sprechen und immer Videen ausdrücken wollen. Bedenken Sie stets: ÜBUNG macht den Meister!
Der fünfte Suggestionsversuch
Diesen Versuch können Sie gleich anschließend an die letzten beiden machen. Verwenden Sie dazu VPs, mit denen bisher alle Versuche gut gelungen sind.
Stellen Sie die VP nahe einer Zimmerecke. Sie soll dadurch die Videe empfinden, dass es vor ihr in das Zimmer hineingeht. Dann sehen Sie ihr fest auf die Nasenwurzel und sagen: „Sehen Sie mir in die Augen. --- In wenigen Augenblicken fühlen Sie eine Kraft, die Sie nach vorne zieht --- immer mehr und mehr nach vorne zieht. --- Damit Sie nicht fallen, müssen Sie einen Schritt nach vorne machen. --- Es zieht Sie immer mehr und mehr nach vorne --- immer fester und fester. --- Sehen Sie mir fest in die Augen. --- Es zieht Sie --- zieht Sie nach vorne --- (Wenn Sie bemerken, dass sich die VP leicht nach vorne bewegt, sagen Sie:) Machen Sie einen Schritt, damit Sie nicht fallen --- (Sie selber gehen dabei langsam einen Schritt zurück, damit Ihnen die VP folgen kann.) Es zieht Sie immer mehr --- immer mehr nach vorne. (Dabei gehen Sie immer langsam einen Schritt weiter zurück.) Sie werden immer mehr nach vorne gezogen, folgen Sie, damit Sie nicht fallen! Immer weiter ---- weiter --- weiter“ (Abb. 9). (Wenn Ihnen die VP folgt, hören Sie auf zu sprechen und leiten diese nur durch Ihren festen Blick und das langsame Zurückweichen.) „Halt jetzt! Sie können wieder stehen bleiben. Sie fühlen sich ganz wohl. --- (Dabei klatschen Sie in die Hände und sagen:) Sie sich jetzt vollkommen wach und können sich wieder bewegen wie Sie wollen! Der Versuch ist beendet, Sie fühlen sich wohl!“

Abb. 8

Abb. 9
Ist ein hypnotisierender Blick nötig ?
Bei diesem Versuch müssen Sie der VP längere Zeit ruhig und fest in die Augen sehen. Sie brauchen deshalb aber keinen so genannten hypnotisierenden Blick haben. Es genügt, wenn Sie sich hin und wieder darin üben, zwei oder drei Minuten lang ganz ruhig und fest auf einen Punkt zu sehen. Dazu können Sie eine Punkt an der Wand fixieren oder sich im Spiegel selber auf die Nasenwurzel sehen. Da normalerweise der Blick des Menschen nicht sehr stetig ist, helfen Ihnen solche Übungen dazu, einen festen, ruhigen und stetigen Blick zu bekommen.
Die Vielfältigkeit des Ausdrucks
Wenn ein kleiner Junge vor Ihnen steht und mit einer Wasserpistole auf Sie zielt, welches Gefühl haben Sie dann? (Bitte stellen Sie sich das lebhaft vor!)
Wenn Sie im Theater auf der Bühne stehen und vor Ihnen Ihr Rivale die Platzpatronenpistole auf Sie richtet, was für ein Gefühl haben Sie da? (Bitte vorstellen!)
Und wenn im halbdunklen Zimmer ein Einbrecher seine Pistole auf Sie richtet. Was fühlen Sie dann? (Vorstellen!)
Bitte versetzen Sie sich ganz deutlich in diese verschiedenen Situationen hinein. Sie erkennen daraus, dass derselbe Ausdruck (jemand zielt auf Sie mit der Pistole) jedes mal eine andere Wirkung auf Sie hat. Wenn hundertmal das gleiche geschieht, es ist nie das gleiche. Es kommt nicht auf den Ausdruck einer Sache alleine an, sondern auf den Sinngehalt, auf den Videengehalt.
So kann auch ein scheinbar toter Gegenstand, zum Beispiel ein Kleid, die verschiedensten Videen ausdrücken, die beim Betrachter tatsächliche Gefühle (ideomotorische Aktionen) auslösen und damit die Stimmung und sein Verhalten beeinflussen. So kann ein Kleid u.a. folgende Gefühle auslösen: traurig - jugendlich -schlampig - nett - schön - reizend - hässlich – schlank machend – dick machend - anstößig usw.
Wenn Sie es sich zur Gewohnheit machen, alles in Videen zu betrachten und auszudrücken, dann haben Sie bei den Versuchen die besten und sichersten Erfolge. Aber nicht nur bei den Versuchen, sondern überall im Leben.
Der sechste Suggestionsversuch
Fixieren Sie die vor Ihnen stehende VP und sagen Sie: „Nehmen Sie jetzt die Füße eng zusammen, so dass sich Fersen und Zehen berühren (Abb. 6) --- Nun stellen Sie sich lebhaft vor, dass Sie sich nicht mehr gerade halten können --- dass Sie immer hin- und herschwanken müssen --- nach vorne - nach links - nach rechts - nach hinten und so weiter. --- Stellen Sie sich das ganz lebhaft vor. Ich zähle jetzt bis drei --- wenn ich die Zahl Drei erreicht hab, ist es unmöglich, dass Sie gerade stehen blieben. --- Eins --- zwei --- drei! Sie schwanken --- Sie schwanken wie ein Betrunkener hin und her --- (Bitte sorgen Sie dafür, dass hinter der VP jemand steht, der sie im Falle, dass sie umfällt, sicher auffangen kann. Auch Sie seien immer auffangbereit, denn bei VPs, die sehr leicht auf Videen ansprechen, könnte es vorkommen, dass das Gleichgewicht verloren wird.) --- Jetzt schwanken Sie nach vorne --- nach vorne --- jetzt nach rechts --- nach rechts --- nach hinten --- nach hinten ---“ usw.
Wenn Sie den Versuch beendigen wollen, sagen Sie zur VP: „Jetzt zähle ich von drei rückwärts. --- Wenn ich bei eins angekommen bin, können Sie wieder ganz normal und gerade stehen. Drei --- zwei --- eins! Sie sind wach und fühlen sich wohl und munter!“
Bei diesem Versuch kann es vorkommen, dass sich Ihre VP nachher noch betrunken fühlt. Sollte das der Fall sein, sehen Sie ihr in die Augen und sagen: „Jetzt sind Sie wieder wie vor dem Versuch --- Sie fühlen sich ganz nüchtern!“
Die zweckmäßige Reihenfolge bei Versuchen
Im Interesse gesteigerter Erfolgsaussicht ist es ratsam, die in den Lektionen 1 bis 6 beschriebenen Versuche, solang Sie noch ein Anfänger sind, in der Reihenfolge zu machen, wie beschrieben. Die Versuche sind so aufgebaut, dass sie nach ihrer Schwierigkeit aufeinander folgen. Wenn Ihnen der erste Suggestionsversuch mit einer VP nicht gelungen ist, wäre es sinnlose Zeitverschwendung, daraufhin zum Beispiel den vierten oder fünften Versuch mit derselben VP zu machen. Bleiben Sie zuerst bei der beschriebenen Reihenfolge, und wenn Sie einige Erfahrungen haben, machen Sie die Versuche nach folgender Reihenfolge: 1. Den ersten Suggestionsversuch mit dem Pendel. 2. Den dritten Suggestionsversuch mit dem Rückwärtsfallen. 3. Den vierten Suggestionsversuch mit dem Vorwärtsfallen. 4. Den siebten Suggestionsversuch mit dem Händeschluss. 5. Den achten Suggestionsversuch mit dem Augenschluss. Nachfolgend können Sie zu den beschriebenen Versuchen der nächsten 6 Lektionen (7 bis 12) übergehen. Alles mit derselben Versuchsperson.
6. Lektion
Die Theorie der Bewegungen
Es gibt beim Menschen verschiedene Arten von Bewegungen. Davon interessieren uns hier vor allem die folgenden drei: 1. Willkürliche Bewegungen. 2. Suggerierte Bewegungen. 3. Reflektorische Bewegungen. Um den Vorgang, der sich dabei abspielt, zu verstehen, müssen wir wissen, dass jede Bewegung vom ideomotorischen System ausgelöst wird und dass zu jeder Bewegung eine Videe nötig ist. Ferner müssen wir die Funktion des ICH verstehen. Das ICH des Menschen kann eine Videe entweder in das ideomotorische System eintreten lassen (gewollte Bewegung) oder aber durch Erzeugung einer Gegenvidee die erste Videe schwächen oder gänzlich neutralisieren, sie also unwirksam machen (Nichtwollen einer Bewegung).
Bei den uns interessierenden drei Arten von Bewegungen geschieht folgendes:
1. Bei willkürlichen Bewegungen taucht zuerst die Videe auf (durch Reize oder Notwendigkeit angeregt). Will das ICH die Bewegung, dann erzeugt es keine Gegenvidee und die der Bewegung entsprechende Videe kann sich über das ideomotorische System realisieren.
2. Bei suggerierten Bewegungen wird das ICH entweder teilweise oder für eine kurze Zeit ganz aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt. Da das ICH aber nur im Mittelpunkt des Bewusstseins die Fähigkeit hat, Gegenvideen zu erzeugen (selber Videen zu verursachen), ist es am Rande des Bewusstseins unfähig, eine Videe zu hemmen oder zu neutralisieren. Die Videe der Bewegung kann sich so verwirklichen.
3. Bei reflektorischen Bewegungen wird durch die so genannten Reflexbögen das ICH einfach umgangen (und/oder für einen kurzen Moment kurzgeschlossen). Die Videen können also auf schnellstem und kürzestem Weg ungehemmt in des ideomotorische System kommen und sich dort verwirklichen.
Theorie in Praxis verwandeln
Theoretische Gedankengänge haben für Sie nur dann einen Sinn, wenn Sie dieselben in die Praxis umsetzen. Wie Sie das können, deute ich hier an:
1. Verhindern Sie bei Ihren Versuchen, dass die VP Gegenvideen erzeugt. Dies erreichen Sie durch Wiederholung Ihrer Suggestionen. Aus diesem Grunde werden bei den Versuchen bestimmte Wörter immer wiederholt.
2. Versuchen Sie stets durch Ihre dynamischen und intensiven Suggestionen das ICH der VP aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins zu drängen.
3. Verwenden Sie zu den Versuchen immer solche Personen, die zumindest durchschnittlich intelligent sind. Denn diese können sich das, was Sie durch Videen ausdrücken, gut und lebhaft vorstellen. Dadurch werden Ihre Videen gut und intensiv genug aufgenommen. Bei beschränkten und unintelligenten Versuchspersonen können Ihre Suggestionen nicht lebendig genug aufgenommen werden und haben daher wenig oder gar keine Wirkung.
Der siebente Suggestionsversuch
Bei diesem Versuch soll die VP die Hände leer haben. Lassen Sie also Fingerringe restlos abnehmen. Dann stellen Sie sich vor die VP hin und sagen zu ihr: „Nehmen Sie bitte die Hände zusammen, genauso wie ich hier. (Dabei zeigen Sie der VP, wie sie es machen muss - Abb. 10 zeigt ihnen das genau.) Sehen Sie mir fest in die Augen und klammern Sie Ihre Hände ganz fest zusammen. (Jetzt nehmen Sie die Hände der VP, wie Ihnen Abb. 11 zeigt, und drücken diese fest zusammen, dabei die Augen der VP fixierend, sagen Sie weiter:) Pressen Sie die Hände jetzt fest zusammen --- ganz fest --- noch fester. --- (Dabei lassen Sie die Hände der VP los.) Je mehr Sie die Hände zusammenpressen, um so mehr klammern sich Ihre Finger zusammen --- immer mehr und mehr --- Jetzt pressen sich die Hände von selber immer fester und fester zusammen --- immer fester und fester --- Jetzt (dabei gehen Sie zur Körperhaltung auf Abb. 12 über) sind Ihre Hände fest zusammen, die Finger sind ganz fest ineeinandergeklammert. Sie bringen die Hände nicht mehr auseinander. Es geht nicht! Versuchen Sie es! Es geht nicht! Je mehr Sie es versuchen, um so fester klammern sich Ihre Finger zusammen. Versuchen Sie es noch fester! Es geht nicht --- Sie können nicht!“
Wenn sich die VP einige Sekunden vergeblich bemüht hat, beendigen Sie den Versuch mit folgenden Worten: „Jetzt! (Dabei nehmen Sie die Hände der VP wieder wie in Abb. 11 gezeigt wird, aber nicht mehr pressen.) Jetzt bringen Sie die Hände wieder auseinander. Es geht ganz leicht. Sie sind ganz wach! Sie fühlen sich wohl! Der Versuch ist beendet.“
Sollten Sie beim Versuch bemerken, dass die VP dabei ist, die Hände doch auseinanderzunehmen, sagen Sie schnell: „Jetzt geht es! Es ging aber sehr schwer! Nicht wahr? Das nächste Mal geht es noch viel schwerer.“ Darauf können Sie den Versuch wiederholen, und er wird besser gelingen, wenn es sich um eine geeignete VP handelt.
In Abb. 12 sehen Sie, wie dynamisch die ganze Körperhaltung sein soll. Diese Körperhaltung verdrängt das Ich der VP aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins und hilft mit, Ihre Worte intensiv zu unterstreichen. Diese Haltung ist aber bei guten VPs nicht so wichtig. Für Sie aber als Anfänger hat sie ihre Bedeutung, denn erst wenn Sie mehrere Versuche gemacht haben, werden Sie es können, durch Worte allein die beabsichtigte Wirkung zu erzeugen.
Der Übergang zur Hypnosetechnik
Mit dem folgenden Versuch betreten wir schon das Gebiet der Hypnosetechnik, denn wenn dieser gelungen ist, brauchen Sie zur VP nur noch zu sagen: „Und jetzt schlafen Sie ein --- ganz tief und fest ---“ usw., und die VP kommt damit tatsächlich in Hypnose.

Abb. 10

Abb. 11

Abb. 12
Der achte Suggestionsversuch
Stellen Sie sich nahe an die VP und sagen Sie folgendes: „Schließen Sie die Augen. --- (Wenn das geschehen ist, legen Sie Ihre Finger auf die Stirn der VP, wie in Abb. 13 gezeigt wird.) Halten Sie Ihre Augen fest geschlossen und drehen Sie die Pupillen nach oben, genauso, als wenn Sie durch die Stirne hindurch auf meine Fingerspitzen sehen würden. --- Halten Sie ihre Augen dicht geschlossen und sehen Sie immer nach oben. Sie empfinden jetzt, wie Ihre Augenlider schwerer werden und sich noch dichter schließen, immer dichter und dichter. Die Augenlider stecken jetzt ganz fest zusammen, sie werden immer schwerer und schwerer und schließen sich immer dichter und dichter, dichter und dichter! --- Wenn ich in einigen Sekunden zu Ihnen sage, Sie sollen versuchen, die Augen zu öffnen, werden Sie feststellen, dass dies sehr schwer geht, sehr schwer, denn die Augenlider sind so dicht zusammen, als ob sie zusammengeleimt wären. Die Augenlider fühlen sich schwer wie Blei du sind ganz fest und steif verschlossen. --- Ihre Augen sind so dicht verschlossen, als ob sie zusammengeleimt wären, ganz fest zusammengeleimt --- Ihre Augen sind ganz dicht --- ganz --- dicht --- verschlossen --- ganz --- dicht. Sie können die Augen nicht mehr öffnen, versuchen Sie es! Es geht nicht! Sie können nicht! --- Je mehr Sie es versuchen, um so dichter schließen sich die Augenlider zusammen! Versuchen Sie es! ES GEHT NICHT!“
Zur Beendigung des Versuches sagen Sie: „Ich zähle nun bis drei und Sie können die Augen wieder öffnen. Sie fühlen sich wohl, ganz wohl! Eins --- zwei --- DREI! Sie können die Augen wieder öffnen. Sie sind wach und munter und fühlen sich ganz wohl.“ Bemerken Sie, dass während des Versuchs die VP trotzdem die Augen öffnen kann, dann sagen Sie schnell: „Es geht jetzt! Es ging aber sehr schwer! Nicht wahr? Beim nächsten Versuch wird es noch viel schwerer gehen!“

Abb. 13
Dann versuchen Sie es noch einmal, und wenn Sie eine einigermaßen gute VP haben, gelingt der Versuch bestimmt.
Sollte eine VP vor diesem VersuchSollte eine VP vor diesem Versuch Angst haben, dass sie ohne ihr Wissen und Willen hypnotisiert wird (was Sie ja nicht tun dürfen, es könnte als Freiheitsberaubung im Sinne des § 239 laut StGB verstanden werden und kann auch bestraft werden!), dann sagen Sie: „Ich werde Sie bei diesem Versuch noch nicht hypnotisieren!“ Dadurch nehmen Sie der VP die Angst und geben ihr keine Gegensuggestion. Wenn Sie nämlich sagen würden: „Ich werde Sie nicht hypnotisieren!“ dann könnte das für spätere Hypnoseversuche eine Gegensuggestion darstellen.
Da Sie aber sagen: „Ich werde Sie bei diesem Versuch noch nicht hypnotisieren!“ behalten Sie sich das Hypnotisieren für einen weiteren Versuch offen. Sie sehen daraus, wie bedeutsam einzelne Worte sein können. Und nun sind wir am Ende der ersten 6 Lektionen (1 bis 6) angekommen. Wenn Sie ein perfekter Hypnotiseur werden wollen, gehen Sie bitte nicht zu den nächsten 6 Lektionen (7 bis 12) der Selbstunterrichtsmethode über, bevor Sie nicht die ersten 6 Lektionen (1 bis 6) voll und ganz beherrschen, und zwar in Theorie und Praxis. Die gebrachten Versuche sind so ausgewählt, dass sie vollkommen ausreichen, um Ihnen die Grundlagen der Suggestionstechnik zu vermitteln, und sie sind tatsächlich so leicht, dass sie Ihnen bei Einhaltung der Reihenfolge ganz sicher gelingen.
Und nun beginnen Sie mit der praktischen Arbeit. Studieren Sie die einzelnen Lektionen nochmals eingehend durch. Streichen Sie alles das, was Ihnen besonders wichtig erscheint, mit einem Farbstift an. Nach dem wiederholten Studium beginnen Sie dann mit den Versuchen. Wie ich Ihnen ja schon beschrieben habe, ist es gut, zuerst sogenannte Imaginationsversuche durchzuführen, also Versuche mit eingebildeten, vorgestellten und in Wirklichkeit gar nicht anwesenden VPs. Diese Art des Übens bringt Ihnen alle Einzelheiten eines Versuches nahe und gibt Ihnen die erforderliche Versuchssicherheit.
7. Lektion
Wenn ich hier zu Beginn der 7. Lektion eine Warnung aussprechen möchte, so mache ich das nicht deshalb, weil ich Ihnen eine Moralpredigt halten möchte. Nein! Ich möchte Sie nur warnen, unüberlegt oder gar in betrunkenem Zustand die hier beschriebenen Versuche zu machen!
Wenn Sie schon Versuche machen, dann bitte deshalb, um Erfahrungen und Erkenntnisse zu erwerben. Nie aber deshalb, um Freunden und Bekannten zu imponieren oder zu gefallen. Versuche, die Ihnen Nutzen bringen, sind zu verantworten, nie aber solche, die nur dazu dienen, die Neugierde und das Geltungsbestreben zu befriedigen. Solche Versuche sind abzulehnen.
Und nun kommen wir zum ersten Hypnoseversuch. Falls Sie nicht schon eine Menge Vorkenntnisse und Erfahrungen besitzen, beginnen Sie ihn bitte erst dann, wenn Ihnen alle in den Lektionen (1 bis 6) gezeigten Suggestionsversuche mehrmals gut gelungen sind. Ärzte und Heilpraktiker, welche Hypnose nur zu therapeutischen Zwecken praktizieren wollen, können nach eingehendem Studium der in den Lektionen (1 bis 6) gebrachten theoretischen Abhandlungen auch gleich zum eigentlichen Hypnotisieren übergehen. Da die Therapeuten im Umgang mit Menschen und auch in der Suggestionstechnik meist erfahren sind, gelingen ihnen die Hypnotisierversuche relativ leicht.
Der erste Hypnotisierversuch
Nehmen Sie dazu eine sehr gute VP, mit welcher Ihnen die Suggestionsversuche restlos gelungen sind. Stellen Sie diese VP vor sich hin und beginnen mit ihr den achten Suggestionsversuch. Sobald die VP nicht mehr die Augen öffnen kann, sagen Sie zu ihr:
“Jetzt sind Ihre Augen geschlossen. Versuchen Sie nicht weiter, diese zu öffnen. Entspannen Sie sich am ganzen Körper und achten Sie genau auf meine Worte. Sie werden ganz schläfrig, immer schläfriger und schläfriger. Sie haben den Wunsch, zu schlafen, tief und ruhig einzuschlafen. Nach wenigen Sekunden beginnen Sie, ganz tief und ruhig einzuschlafen. Sie hören dann nur noch meine Stimme und sonst nichts. --- Sie werden jetzt immer schläfriger und schläfriger --- immer schläfriger und schläfriger. --- Wenn ich jetzt bis drei gezählt habe, sind Sie tief und ruhig, ganz tief und ruhig eingeschlafen. Nichts wird Sie wecken, bis ich Ihnen sage, dass Sie erwachen sollen. Sie werden ganz tief, ganz tief schlafen. --- Eins --- Sie werden immer schläfriger und schläfriger --- immer schläfriger und schläfriger. --- Zwei --- Sie fühlen jetzt, wie ein ganz tiefer und ruhiger Schlaf über Sie kommt, genauso, als ob Schneeflocken über Sie herabfallen --- genauso kommt der Schlaf über sie --- immer mehr und mehr, und gleich schlafen Sie tief und ruhig, ganz tief und ruhig --- DREI! SIE SCHLAFEN JETZT GANZ TIEF UND RUHIG!”
Diese letzten Worte sagen Sie mit gehobener Stimme, etwas eindringlich und fest.
Die VP wird jetzt schlafen, und Sie könnten verschiedene Experimente machen, wie in den Lektionen (13 bis 18) dieser Selbstunterrichtsmethode beschrieben. Aber bei Ihrem ersten Hypnotisierversuch machen Sie nur einen kleinen Test.
Test in der Ersthypnose
Heben Sie den rechten Arm der VP, wie in Abb. 14 dargestellt, halten Sie ihn fest und sagen Sie dann: “Wenn ich bis drei gezählt habe, ist Ihr Arm steif, ganz steif --- eins --- zwei --- DREI! --- Ihr Arm ist jetzt ganz steif und lässt sich nicht mehr abbiegen.” Nehmen Sie Ihre Hand jetzt weg und versuchen Sie den Arm der VP vorsichtig zu biegen, es wird nicht gelingen, da er tatsächlich ganz steif ist. Darauf sagen Sie: “Wenn ich jetzt ab drei rückwärts zähle, wird Ihr Arm wieder ganz normal und fällt entspannt und normal an Ihre Körperseite: --- drei --- zwei --- eins! --- Ihr Arm ist wieder normal.” Jetzt wird der Arm entspannt an die Körperseite der VP fallen, wie er vorher war. Nun sagen Sie weiter: “Jetzt öffnen Sie den Mund --- weit --- weit! --- Und wenn ich jetzt bis drei gezählt habe, können Sie den Mund nicht mehr schließen: --- eins --- zwei --- drei! Sie können den Mund nicht mehr schließen! Versuchen Sie es! Es geht nicht!” Wenn die VP einige Augenblicke lang vergeblich versucht hat, sagen Sie weiter: “Jetzt zähle ich ab drei rückwärts und wenn ich die Zahl EINS erreicht habe, können Sie den Mund wieder schließen: --- drei --- zwei ---EINS! Sie können den Mund wieder schließen! Schließen Sie den Mund!”
Nun wollen wir mit der VP nichts weiter tun, denn dieser kleine Testversuch soll Ihnen zeigen, dass Sie die VP wirklich hypnotisiert haben. Wecken Sie nun die VP nach der nun folgenden bereits in den Lektionen (1 bis 6) beschriebenen Methode.
Die einfache Weckmethode
Diese einfache Weckmethode haben Sie schon in der 5. Lektion kennengelernt. Ich will sie aber hier noch einmal beschreiben. Sagen Sie zur VP: “Ich werde Sie jetzt wecken. Wenn ich bis drei gezählt habe, sind Sie vollkommen wach und fühlen sich frisch und munter. Eins --- zwei --- drei! Sie sind nun ganz wach und fühlen sich frisch und munter!” Bitte vergessen Sie nicht, diese einfache Weckmethode, bevor Sie den ersten Hypnotisierversuch machen, vollkommen auswendig zu lernen. Sollte eine VP nicht gleich erwachen, wiederholen Sie die Methode, sprechen Sie die Zahl: „DREI“ ganz kräftig und laut aus und rütteln Sie die VP kräftig an den Schultern. Dann wacht sie bestimmt auf, denn auch Hypnotisierte kann man so wecken wie Normalschläfer.
Manchmal findet man in schlechten Romanen die Behauptung, dass Hypnotisierte nicht mehr geweckt werden konnten und dann wochenlang schliefen und schließlich verhungert sind. Solche Schauermärchen entsprechen nicht den Tatsachen, denn eine hypnotisierte VP kann immer geweckt werden, und wenn eine der üblichen Weckmethoden nicht hilft, da die VP vielleicht zu bequem oder zu träge ist, um zu erwachen, kann man sie kräftig beim Namen rufen und sie tüchtig wachrütteln wie eine verschlafene Person im Bett.
Eine Weckformel für tiefe Hypnose
Wenn eine VP in tiefer Hypnose ist, was meist eintritt, wenn eine Anzahl von Experimenten mit ihr gemacht wurde, oder wenn die Hypnose, wie gleich beschrieben, absichtlich vertieft wurde, dann benutzen Sie bitte die Weckformel, die ich selber oft verwende:
“Ihr Schlaf wird jetzt leichter --- immer leichter. --- Ich werde Sie jetzt langsam wecken. --- Sie werden nach dem Erwachen keinerlei Kopfschmerzen oder Benommenheit fühlen. ---Ihr Schlaf wird immer leichter und leichter. --- Ich zähle jetzt bis drei --- wenn ich die Zahl DREI erreicht habe, öffnen Sie die Augen und Sie sind vollkommen wach --- eins --- Ihr Schlaf wird leichter und leichter --- zwei --- Sie beginnen bereits zu erwachen --- DREI! Sie sind wach, vollkommen wach! Sie fühlen sich wohl!”
Die Zahl DREI sprechen Sie dabei laut und befehlsmäßig aus. Sollte bei dieser Methode tatsächlich einmal eine VP nicht gleich erwachen, wiederholen Sie das Ganze mit gehobener und lauterer Stimme, und bei DREI! rütteln Sie die VP kräftig an den Schultern und sagen noch: “DU BIST WACH! GANZ WACH!” Bei normalen VPs haben Sie beim Wecken nie Schwierigkeiten, höchstens bei so genannten hysterischen Personen. Nehmen Sie daher solche nie als VP!
Eine einfache Methode zum Vertiefen der Hypnose
Hier will ich Ihnen eine der einfachsten Methoden beschreiben, mit der Sie die Hypnose vertiefen können.
Nachdem Sie eine VP hypnotisiert haben, sagen Sie zu ihr: “Ich werde Sie jetzt wecken und gleich darauf noch mal einschläfern --- dann wird Ihr Schlaf noch viel tiefer und fester sein, als er jetzt ist.” Dann wecken Sie die VP auf und beginnen nach wenigen Sekunden wieder, sie einzuschläfern. Wenn sie schläft, sagen Sie: “Bei jedem Atemzug wird jetzt Ihr Schlaf tiefer und tiefer --- immer tiefer und tiefer!”
Dann sagen Sie im Atemrhythmus der VP, jedes Mal wenn diese ausatmet: “Tiefer --- tiefer --- tiefer --- usw.” Nach etwa 20 bis 30 Atemzügen sagen Sie dann: “Jetzt schlafen Sie ganz tief, ganz tief und fest und hören nur meine Worte, sonst hören Sie nichts, nur meine Worte!” Dann können Sie solche Versuche machen, zu denen eine tiefere Hypnose erwünscht ist.
Hinweis für Ärzte: Zur therapeutischen Anwendung der Hypnose reicht ein leichter Schlafzustand vollkommen aus. Das ideomotorische System ist in diesem Zustand schon weit geöffnet, so dass Ihre Heilsuggestionen (Videen) eindringen können. Dabei können sich die Suggestionen entweder sofort verwirklichen oder aber sich aufspeichern und dann später oder bei Dauersuggestionen erst im Laufe der Zeit verwirklichen. Das Vertiefen der Hypnose ist nur bei solchen Versuchen wichtig, die vielleicht das ICH-Bewusstsein vorzeitig aktivieren könnten. Dies wird durch tiefe Hypnose verzögert.
8. Lektion
Der zweite Hypnotisierversuch (eine schnelle Methode)
Lassen Sie die VP vor sich hinstellen und legen Sie Ihre beiden Arme auf deren Schultern, wie in Abb. 14 gezeigt. Dann sehen Sie der VP in die Augen und beginnen.

Abb. 14

Abb. 15
Sagen Sie zur VP: “Sehen Sie in meine Augen. --- Stellen Sie sich vor, wie Sie jetzt schläfrig werden --- ganz schläfrig --- immer schläfriger und schläfriger. --- Sehen Sie mir fest in die Augen. --- Sie fühlen jetzt, wie Ihre Arme schwer werden, immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer --- und wie jetzt Ihre Beine schwer werden, immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer --- und wie jetzt das Gefühl der Schwere Ihren ganzen Körper überkommt, als ob Schneeflocken auf Sie hernieder fallen würden. ---Ihr ganzer Körper wird immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer --- und jetzt werden Ihre Augenlider schwer, ganz schwer --- immer schwerer und schwerer. --- Sie werden immer schläfriger und schläfriger --- Ihre Augenlider werden so schwer wie Blei. ---Sie können die Augen kaum noch offen halten --- ich zähle jetzt bis drei. --- Ihre Augenlider werden immer schwerer und Sie werden immer schläfriger --- wenn ich die Zahl DREI erreicht habe, sind Ihre Augenlider so schwer, dass sie zufallen --- und Sie sind so schläfrig, dass Sie einschlafen --- ganz tief und fest einschlafen --- eins --- Ihr ganzer Körper ist schwer und Ihre Augenlider sind so schwer wie Blei --- zwei --- Sie sind so schläfrig, dass Sie kaum noch wach bleiben können --- Sie schlafen gleich ein --- ganz tief und fest --- tief und fest --- DREI! Sie schlafen ein --- die Augen fallen zu --- Sie schlafen tief und fest! SCHLAFEN SIE! SCHLAFEN SIE TIEF UND FEST! GANZ TIEF UND FEST!”
Diese Methode geht ziemlich schnell, wenn Sie eine normale VP haben. Wollen wir nun, um den Vorgang beim Hypnotisieren auch theoretisch zu verstehen, diese Methode analysieren.
Die Theorie des Hypnotisierens
Bei obiger Hypnotisiermethode geschieht das Folgende:
1. Durch die Worte: “Sehen Sie mir in die Augen...”, wird der Hypnotiseur bei der VP in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gebracht. Dies bewirkt, dass das ICH der VP bereits ganz leicht aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt wird. Dadurch können die vom Hypnotiseur kommenden Videen bereits etwas wirken.
2. Die Vorstellung: “... wie Sie jetzt schläfrig werden”, stellt eine Videe dar, die sich verwirklichen will. In diesem Moment ist das ICH bereits schon leicht geschwächt und die Videe kann sich etwas verwirklichen, wodurch das ICH natürlich noch mehr geschwächt wird. (Beachten Sie, wie stufenweise dabei das ICH immer mehr und mehr ausgeschaltet wird und wie sich Videen immer mehr und mehr verwirklichen können, da dass ICH immer mehr an Einfluss verliert.)
3. Die Suggestion: “schwer werden”, die sich durch die Lenkung der Aufmerksamkeit auf Arme, Beine und schließlich den ganzen Körper erstreckt, bewirkt den zur ICH-Ausschaltung nötigen physiologischen Vorgang der Durchblutungsänderung im Gehirn, wie gleich näher erklärt wird.
4. Wenn die VP sich schwer fühlt, ist bereits das ICH passiv und alle weiteren Videen können sich immer mehr verwirklichen, beziehungsweise in das ideomotorische System eindringen und dort Aktionen auslösen.
5. Wenn dann der Hypnotiseur zu Ende des Hypnotisiervorgangs sagt: ”SCHLAFEN SIE!”, dann ist das ICH schon unfähig, auch nur die schwächste Gegenvidee zu erzeugen, denn diese müsste sein: “ICH BLEIBE WACH!”
Der Hypnotisiervorgang muss also so stufenweise als möglich das ICH immer mehr und mehr abschalten, bis es ganz passiv ist und die entscheidende Videe: “SCHLAFEN SIE!” in das ideomotorische System kommen kann und dort im Körper und im Gehirn dann alle Vorgänge auf Schlaf stellt. Also das ICH vollkommen abschaltet und ganz passiv macht.
Der geheimnisvolle physiologische Hypnosevorgang
Der ausschlaggebende Hypnosevorgang bei den modernen Hypnotisiermethoden besteht darin, dass durch die Videe der Schwere in den Gliedern tatsächlich eine echte Schwere erzeugt wird, und zwar dadurch, dass das ideomotorische System ganz und gar zielstrebig das einzig Mögliche macht, um die Schwere tatsächlich zu verwirklichen. Das ideomotorische System veranlasst nämlich, dass in den Gliedern die Blutgefäße entspannt werden und sich erweitern. Dadurch kommt in die Glieder mehr Blut und --- sie werden tatsächlich schwer. Das ideomotorische System arbeitet also so zielstrebig, dass es auf die Videe: SCHWERE oder SCHWER in den Gliedern, auf welche zugleich die Aufmerksamkeit gelenkt wird, eine tatsächliche Schwere herbeiführt, und diese ist der eigentliche Hauptwirkungsfaktor bei den modernen Hypnotisiermethoden. Denn wenn in den Gliedern durch die Entspannung mehr Blut vorhanden ist, dann hat das Gehirn weniger Blut zur Verfügung, und was geschieht, wenn das Gehirn weniger Blut zur Verfügung hat?
Wenn im Gehirn die Blutzufuhr geringer wird, und zwar nur ein klein wenig geringer, dann schaltet sich automatisch ein Zentrum ab, und zwar das so genannte ICHZENTRUM. Und das ist gerade das, was wir bei der Hypnose brauchen: Das ICHZENTRUM muss abgeschaltet werden, damit das ICH nicht mehr funktioniert und keine Gegenvideen mehr erzeugt. Dabei aber sind alle anderen Gehirnfunktionen noch voll tätig, also auch das ideomotorische System. Bei gesunden Personen kann durch Schweresuggestionen die Blutleere im Gehirn nicht so weit gesteigert werden, dass außer dem ICHZentrum auch noch andere Zentren abgeschaltet werden. Daher sind Hypnotisiertechniken mit Schweresuggestionen bei gesunden Personen mit normalem Blutvolumen vollkommen ungefährlich. Bei solchen Personen aber, die irgendwie durch Verletzungen oder Blutspenden usw. eine gewisse Menge Blut verloren haben, sollen keine Schweresuggestionen zur Anwendung gebracht werden, bevor sich nicht die fehlende Blutmenge wieder erneuert hat.
Kurz zusammen gefasst: Durch Schwerevideen wird über das ideomotorische System eine Entspannung und Erweiterung der Blutgefäße in den Extremitäten ausgelöst, die automatisch im Gehirn eine Ausschaltung des ICHZentrums durch Blutmangel verursacht. Das ICH kann also weitere Videen nicht mehr durch Gegenvideen hemmen oder neutralisieren. Das ist eigentlich das ganze Geheimnis der Hypnose.
Hypnose und die Geschlechtsfunktion des Menschen
Einen ähnlichen Vorgang wie der beim Hypnotisieren nach modernen Methoden in Erscheinung tretende Entblutungsvorgang des ICHZentrums hat die Natur bei der Geschlechtsfunktion des Menschen vorgesehen.
Durch Videen wird die stärkere Durchblutung der Genitalzonen ausgelöst. Die nun im Gehirn fehlende Blutmenge schaltet nicht das ganze Ich ab, da sie dazu zu gering ist, sondern nur einen Teil des ICHZentrums, nämlich den des Verstandes und der Kritik.
Wenn man diesen Vorgang kennt, kann man sich erklären, warum so viele Menschen in der Liebe die größten Dummheiten begehen. Man sagt ja allgemein: “Wo die Liebe herrscht, fehlt der Verstand!” Dass dies tatsächlich der Fall ist, erklärt sich spätestens jetzt von selbst. Sie haben also nun die Freiheit, sich vor solchen Videen (Reizen) zu schützen, die Ihnen in dieser Beziehung schaden könnten.
Planmäßig hypnotisieren können - jetzt möglich
Wenn man die Vorgänge begreift, die beim Hypnotisieren eine Rolle spielen, und zwar eine entscheidende Rolle, dann ist man in der Lage, planmäßig zu hypnotisieren. Planmäßig kann nur der erfolgreich hypnotisieren, der sich außer der praktischen Anwendung auch theoretisch hineinfühlen kann, das Hintergrundwissen besitzt und es versteht, warum etwas möglich ist und warum etwas nicht möglich ist. Selbst bei sehr gewandten Hypnotiseuren kann man immer wieder Misserfolge feststellen, da sie unzureichende Kenntnisse und theoretisches Grundwissen besitzen. Sie bauen ihre Versuche nur auf praktische Erfahrungen auf, nicht aber auf grundlegende und planmäßige theoretische Erwägungen.
9. Lektion
Zwei Arten des Hypnotisierens
Bei den modernen Hypnotisiermethoden kann man zwei Arten des Hypnotisierens deutlich unterscheiden.
1. Das indirekte Hypnotisieren
Dabei wird von leichten Suggestionsversuchen ausgegangen und das ICH durch lebhafte und beeinflussend wirkende Worte und Gesten aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt. Wird das öfters wiederholt, dann bleibt das ICH passiv und untätig, weitere Videen können also ungehemmt in das ideomotorische System gelangen.
Dazu muss man wissen, dass das ICH eine gewisse Trägheit hat. Wenn es einmal aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt ist, hat es die Tendenz, so zu bleiben, wie es ist, wenn nicht triftige Gründe oder starke Reize es dazu bringen, wieder in den Mittelpunkt des Bewusstseins zurückzukehren.
2. Das direkte Hypnotisieren
Dabei wird direkt eine ICHAusschaltung erstrebt und zwar durch die Änderung der Durchblutungsverhältnisse im Körper der VP. Schweresuggestionen lenken das Blut in die Außenbezirke, und das ICHZentrum im Gehirn muss daraufhin abschalten. Der Zustand der ICHAusschaltung durch Entblutung des ICHZentrums hält dabei so lange an, bis irgendein Reiz oder eine natürliche Notwendigkeit das Blut wieder in das ICHZentrum lenkt. Dann erwacht die VP.
Soll die Reizschwelle, durch welche das ICH wieder eingeschaltet wird, erhöht werden, so dass nur ganz starke Reize das ICH wecken können, dann muss die Hypnose vertieft werden. Eine Methode dazu haben wir schon kennen gelernt, eine weitere wird später noch vorgestellt.
Beim indirekten Hypnotisieren kommt es darauf an, so lebhafte und wirksame Suggestionen wie möglich zu geben, damit die darin enthaltenen Videen so intensiv wie möglich sind. Beim direkten Hypnotisieren kommt es nur darauf an, dass die VP so gut wie möglich entspannt ist, so dass dann die Schwerevidee wirken kann. Diese besteht, wie Sie schon wissen, in der stärkeren Durchblutung der Extremitäten und der damit verbundenen Unterdurchblutung des ICHZentrums im Gehirn.
Die einzige Schwierigkeit beim Hypnotisieren
Wenn sich eine VP ganz unvoreingenommen und körperlich wie seelisch gut entspannt hypnotisieren lässt, wird der Erfolg nie ausbleiben, wenigstens nicht mit der direkten Methode. Nun gibt es aber einen hochwirksamen Faktor, der jeden Hypnotisiervorgang scheitern lassen kann: Die ANGST. Wenn eine VP irgendwie Angst vor dem Hypnotisieren oder vor dem Hypnotiseur hat, kann das ICH nicht abgeschaltet werden. Denn bei Angst wirkt im Menschen ein gewisser Schutzmechanismus, der verhindert, dass das ICHZentrum abgeschaltet wird. Dieser Schutzmechanismus dient der Sicherheit der eigenen Person und ist mit dem Selbsterhaltungstrieb, der ja in jedem Menschen einer der stärksten Triebe ist, gekoppelt.
Die Videe der Schwere kann sich nicht verwirklichen, denn der Schutzreflex, wie man den Schutzmechanismus auch nennen könnte, bewirkt immer automatisch, dass sich die Muskeln und Blutgefäße verkrampfen. Und dabei ist es natürlich unmöglich, eine Entspannung und Erweiterung der Blutgefäße herbeizuführen. Das ICH erhält also immer genügend Blut und schaltet nicht ab. Diese Angst der VP zu verhindern oder zu beseitigen, ist die einzige und bedeutendste Schwierigkeit beim Hypnotisieren.
Wie diese einzige Schwierigkeit beseitigt wird
Ich will Ihnen hier Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie die soeben beschriebene Schwierigkeit bei der VP weitgehend beseitigen können.
1. Wenn Sie bemerken, dass eine VP Angst vor dem Hypnotisieren hat, versuchen Sie in einem ruhigen und selbstsicheren Gespräch festzustellen, wo die Ursache dieser Angst liegt. Dabei versuchen Sie, alle Einwände der VP genau zu erklären und sachlich zu widerlegen.
2. Erklären Sie der VP, dass Hypnotisieren vollkommen ungefährlich ist, und dass es außerdem durchaus interessant und lehrreich für sie selber ist.
3. Versuchen Sie, der VP klarzumachen, dass Sie tatsächlich auf diesem Gebiet etwas könne. Der sicherste Beweis ist, wenn Sie der VP durch Suggestionsversuche zeigen, was Sie können, und das ist nicht schwer. Die VP muss Ihnen zutrauen, dass Sie sicher und ohne jede Gefahr hypnotisieren können.
4. Manchmal hat eine VP durch unsachliche Bücher oder durch Schauhypnotiseure eine falsche und irrige Ansicht über den ganzen Vorgang. Widerlegen Sie ihr diese in klaren, vertrauenserweckenden und sachlichen Worten.
5. Sorgen Sie bei ängstlichen VPs immer dafür, dass diese entspannt und ganz bequem sitzen oder liegen können, denn körperliche Entspannung verursacht auch eine seelische Entspannung.
6. Sagen Sie der VP vor dem Hypnotisieren, dass sie sich ganz passiv verhalten soll, sich sozusagen gehen lassen soll. Dass sie weder versuchen soll, Ihnen zu helfen, noch Ihnen zu widerstreben. Die VP soll überhaupt nicht versuchen, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun.
7. Sagen Sie nie: “Ich werde jetzt versuchen, Sie zu hypnotisieren!” denn das würde in der VP den Zweifel auftauchen lassen, ob Sie es überhaupt können. Sagen Sie immer ganz schlicht, einfach und mit Selbstüberzeugung: “Ich werde Sie jetzt hypnotisieren!”
8. Machen Sie Ihre Hypnotisierversuche in einem geschlossenen Raum. Möglichst bei angenehmer Temperatur und ohne Ablenkung durch starke Geräusche. Sind irgendwelche Geräusche in der Nachbarschaft, dann können Sie leise das Radio spielen lassen. Wenn möglich aber nur schwere Musik und diese so leise wie möglich. Lichtreize dämpfen Sie durch Schließen der Vorhänge oder Abschalten von besonders hellen Lampen. Die VP soll nicht in eine helle Lichtquelle sehen müssen. Die geeignetsten Stunden zum Hypnotisieren für den Anfänger sind die frühen Abendstunden.
9. Wenn die VP vor Ihnen persönlich irgendwelche Angst verspürt, führen Sie nur dann Versuche durch, wenn eine oder mehrere Vetrauenspersonen anwesend sind, denen auch die VP ihr volles Vertrauen schenkt.
Der dritte Hypnotisierversuch
Hier beschreibe ich Ihnen jetzt eine ganz schnelle und leichte Hypnotisiermethode, die so genannte “ULI-Reflexmethode”. Diese wurde erstmals von A. Ulrich in seiner Broschüre: “Das Geheimnis der Hypnose” beschrieben. Er selber wendete sie laufend mit gutem Erfolg an.
Stellen Sie die VP mit der rechten Körperhälfte zur Wand, wie in Abb. 16 gezeigt. Der Abstand von der Wand zur VP sollte etwa 20 cm betragen. Sagen Sie zur VP: “Drücken Sie jetzt Ihren Handrücken ganz fest gegen die Wand. Stellen Sie sich dabei vor, Sie möchten die Wand zur Seite schieben --- fester drücken --- noch fester drücken! Jetzt drücken Sie solange fest gegen die Wand, bis ich bis zehn gezählt habe: eins --- zwei --- drei --- vier ---fünf --- sechs --- sieben --- acht --- neun --- ZEHN!”
Jetzt legen Sie der VP schnell die Hände auf die Schulter, drehen sie von der Wand weg, so dass sie nun mit dem Rücken zur Wand steht und sagen: “Achten Sie auf Ihren rechten Arm! Sie fühlen jetzt, wie er hochgezogen wird, ganz von selber hochgezogen wird. --- (Dabei zeigen Sie der VP, wie der Arm hochgeht, indem Sie Ihren linken Arm, der ja auf der gleichen Seite ist wie der rechte Arm der VP, langsam hochnehmen, wie in Abb. 17 gezeigt. Dann sagen Sie weiter:) --- Ihr Arm ist ganz leicht --- ganz leicht --- er geht hoch --- höher --- immer höher --- “ usw. Wenn Sie sehen, dass der Arm der VP hochgeht und schließlich in Schulterhöhe ist, sagen Sie, indem Sie der VP fest in die Augen sehen: “Schließen Sie jetzt die Augen! --- Wenn ich bis drei gezählt habe, schlafen Sie tief und fest, ganz tief und fest! Eins --- zwei --- drei! SIE SCHLAFEN TIEF UND FEST --- SCHLAFEN TIEF UND FEST!”
Nun sagen Sie: “Wenn ich jetzt Ihre rechte Hand berühre, fällt Ihr rechter Arm entspannt an Ihre Seite! (Berühren Sie leicht die rechte Hand der VP.) Wenn ich jetzt Ihre Augen berühre, können Sie diese nicht mehr öffnen. Die Augenlider sind wie zusammengeklebt, ganz fest zusammengeklebt, und Sie können diese nicht mehr öffnen!”
Jetzt berühren Sie die Augen der VP, wie in Abb. 18 gezeigt, und sagen weiter: “Je mehr Sie versuchen, die Augen zu öffnen, um so mehr sind diese wie zugeklebt! Versuchen Sie die Augen zu öffnen! ES GEHT NICHT! Je mehr Sie es versuchen, um so weniger geht es! (Wenn die VP einige Sekunden vergeblich versuchte, die Augen zu öffnen, sagen Sie:) Versuchen Sie es nicht weiter. Es geht nicht --- SIE SCHLAFEN JETZT TIEF UND FEST! --- Mit jedem Atemzug immer tiefer und fester --- tiefer und fester!” Jetzt können Sie weitere Versuche machen oder die VP wecken.
10. Lektion
Erfolgreiches Hypnotisieren in drei Stufen
Man kann den Hypnotisiervorgang auf drei Stufen aufteilen:
1. Vorbereitung der VP. Dabei muss jede Angst soweit wie möglich beseitigt und das Vertrauen der VP gewonnen werden. Dies geschieht in einer vorbereitenden Unterhaltung mit der VP.
2. Die Erzeugung des hypnotischen Zustandes selbst. Dies geschieht bei modernen Methoden durch Schwerevideen.
3. Die Vertiefung der Hypnose. Um die ICHAusschaltung so vollkommen wie möglich zu bewirken, ist eine Vertiefung der Hypnose angebracht. Für eine Hypnosetherapie reicht aber bereits der leichte Hypnosezustand vollkommen.

Abb. 16

Abb. 17

Abb. 18
Der vierte Hypnotisierversuch
Wollen wir jetzt einen ganz und gar planmäßigen Hypnotisierversuch machen. Bevor Sie den Versuch praktisch durchführen, machen Sie ihn mehrmals als Imaginationsversuch mit einer eingebildeten, nicht anwesenden VP. Den Text, den Sie dabei sprechen müssen, studieren Sie ein wie ein Schauspieler, und zwar in kleinen Absätzen. Wenn Sie glauben, dass Sie die Methode beherrschen, dann suchen Sie eine gute VP aus, mit welcher die Suggestionsversuche gut gelungen sind, und bereiten diese vor. Setzen Sie sich mit ihr zusammen und versuchen Sie, ihr jede, auch die geringste Angst vor dem Hypnotisieren zu nehmen. Wenn die VP ganz beruhigt und entspannt ist, lassen Sie sie auf eine Couch oder auf ein Sofa legen, so dass sie ganz und gar bequem und entspannt liegen kann. Weisen Sie die VP darauf hin, alles abzulegen, was irgendwie unangenehm drückt oder presst, besonders aber enge Schuhe, Gürtel usw. Beginnen Sie erst, wenn Sie sicher sind, dass die VP ganz bequem und entspannt liegt und durch nichts gestört werden kann.
Sagen Sie: “Entspannen Sie Ihren ganzen Körper --- machen Sie es sich so bequem wie nur möglich --- noch besser entspannen --- recken und strecken Sie sich, bis Sie ganz bequem und entspannt liegen. --- Machen Sie es so, als ob Sie eine halbe Stunde schlafen möchten. --- Jetzt atmen Sie langsam und tief, wie ich es Ihnen zeige. (Dabei atmen Sie einige Male mit der VP langsam und tief ein und aus. Wenn die VP den Atemrhythmus befolgt, stellen Sie Ihren Atem genau auf den der VP ein und sagen:) Atmen Sie so weiter --- aus --- aus --- aus --- aus --- aus --- (Dabei sagen Sie beim Einatmen nichts, lassen aber leise hören, wie Sie im Rhythmus der VP einatmen.) aus --- aus ---” (Das machen Sie etwa zwei Minuten lang, dann beginnen Sie mit dem eigentlichen Hypnotisieren.)
Sagen Sie: “Sehen Sie jetzt auf die Zimmerdecke und suchen Sie sich dort einen Punkt aus, ganz gleich welchen. Diesen Punkt sehen Sie jetzt ganz ruhig und gleichmäßig an. Fixieren Sie ihn --- es macht nichts, wenn dabei die Augen müde werden oder wenn sie schwer werden. --- Jetzt entspannen Sie Ihren ganzen Körper noch besser --- noch bequemer machen --- achten Sie jetzt auf meine Worte! --- Denken Sie jetzt an Ihre rechte Hand --- fühlen Sie sich hinein und stellen Sie sich vor, wie sie schwer wird, immer schwerer und schwerer --- achten Sie genau auf die Hand --- diese wird immer schwerer und schwerer --- immer schwerer und schwerer --- Jetzt achten Sie auf Ihre linke Hand --- sie wird ganz schwer --- schwer --- immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer. --- Jetzt fühlen Sie deutlich, dass die Hände schwer sind und dass diese noch immer schwerer und schwerer werden. --- Und jetzt achten Sie auf Ihren rechten Unterarm --- Sie fühlen, wie er schwer wird, schwer --- immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer --- (Das Wort schwer muss tatsächlich so gesprochen werden, dass es ganz deutlich die Videe der SCHWERE ausdrückt!) Und jetzt achten Sie auf den linken Unterarm... (So machen Sie es jetzt mit dem linken Unterarm, dem rechten Oberarm, dem linken Oberarm, dem rechten Fuß, dem linken Fuß, dem rechten Unterschenkel, dem linken Unterschenkel und dann mit beiden Oberschenkeln.) --- Jetzt sind alle Ihre Glieder schwer, ganz schwer, und jetzt dehnt sich diese Schwere über den Unterkörper aus --- er wird ganz schwer --- Sie fühlen es ganz deutlich --- immer schwerer und schwerer --- und jetzt wird auch der Oberkörper schwer, immer schwerer und schwerer --- schwerer und schwerer ---und jetzt werden die Augenlider schwer, so schwer wie Blei --- genauso schwer wie Blei --- Sie können die Augen kaum noch offenhalten --- so schwer sind die Augenlider --- so schwer ---so schwer --- (Jetzt muss die Stimme die Videe des Schläfrigseins ausdrücken! Also schläfrig sprechen.) Und jetzt sind die Augenlider so schwer, dass sie sich schließen --- sie schließen sich --- immer fester und fester --- und Sie schlafen jetzt ein, ganz tief und ruhig, ganz tief und ruhig --- wenn ich bis drei gezählt habe, schlafen Sie ganz tief und fest. Ganz tief und fest --- eins --- zwei --- drei --- Sie schlafen tief und fest --- SIE SCHLAFEN --- TIEF UND FEST --- SIE SCHLAFEN! (Diese Worte können Sie mit etwas gehobener Stimme sprechen!) Jetzt hören Sie nur noch meine Worte --- nichts wird Sie stören oder wecken, so lange ich nicht gesagt habe, dass Sie erwachen sollen --- Sie schlafen mit jedem Atemzug tiefer und tiefer --- tiefer und tiefer ---”.
Um die Hypnose zu vertiefen, können Sie nun 20 bis 30 Atemzüge lang jedes Mal, wenn die VP ausatmet, sagen: “tiefer” usw.
Nun wird die VP sicher zumindest in mitteltiefer Hypnose sein, und Sie können die in den Lektionen (13 bis 18) beschriebenen Versuche machen.
Schnellyhpnose oder Tiefhypnose
Vielleicht kommt Ihnen diese Methode zu lang vor und Sie möchten eine schnelle Hypnosetechnik erlernen, womöglich mit einem Aufwand von nur einigen Sekunden. Dazu muss ich Ihnen sagen, dass schnelle Hypnotisiermethoden meist nur eine flache und oberflächliche Leichthypnose bringen. Wenn Sie aber Experimente machen wollen, dann müssen Sie zumindest eine mitteltiefe Hypnose erreichen, und dazu ist die soeben beschriebene Methode ausgezeichnet. Sie ist sicher und erzeugt meist eine mitteltiefe oder sogar tiefe Hypnose.
Schnellhypnose oder wie man auch sagt ”Sofort-Hypnose”, kann man nach mehreren Hypnotisierversuchen leicht durch Posthypnose erreichen. Man gibt der VP die Suggestion, dass sie beim nächsten Hypnotisierversuch bereits auf das Wort: “SCHLAFE!” tief und fest einschläft. Genaue Anleitung dazu folgt später bei der Posthypnose.
Der Unterschied zwischen Hypnose und Schlaf
Oft wird Hypnose mit Schlaf verwechselt, und man ist leicht der Meinung, es handelt sich bei der Hypnose tatsächlich nur um einen Schlafzustand. In der Praxis aber hat Hypnose viel mehr mit dem Wachsein als mit dem Schlaf zu tun. Im Schlaf ist nicht nur das ICH abgeschaltet, es sind auch die Sinnesorgane bis zu einer bestimmten Reizschwelle außer Funktion, und somit ist der Eingang zum ideomotorischen System nach außenhin verschlossen. Das ideomotorische System ist bis auf die lebensnotwendigen Funktionen wie Herztätigkeit, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel usw. abgeschaltet.
In der Hypnose dagegen sind sowohl die Sinnesorgane wie auch das ideomotorische System genauso in Tätigkeit wie im Wachzustand. Nur das ICHZentrum ist abgeschaltet. Daher gleicht die Hypnose mehr dem Wachzustand als dem Schlaf. In der modernen Hypnoseliteratur wird die Hypnose auch als eine Modifizierung des Wachzustandes bezeichnet, bei der lediglich das Bewusstsein eingeengt ist bis auf die Verbindung zum Hypnotiseur, die auch als Rapport bezeichnet wird. Bei unserer Theorie wollen wir die Bezeichnung RAPPORT nicht verwenden, sondern von Kontakt zwischen VP und Hypnotiseur sprechen.
Die Rolle des Glaubens beim Hypnotisieren
Glaubt das ICH eines Menschen an etwas, dann versucht es gar nicht, eine Gegenvorstellung zu erzeugen. Daher betrachten wir den Glauben lediglich als einen Faktor, der verhindern kann, dass das ICH eine Gegenvidee erzeugt. Um die VP dazu zu bringen, an Ihre Fähigkeiten als Hypnotiseur zu glauben, brauchen Sie nur die leicht gelingenden Suggestionsversuche vorzuführen. Dann ist die Tätigkeit des ICH als Gegenvideenerzeuger bereits weitgehend geschwächt, was zum Erfolg der folgenden Versuche viel beiträgt.
11. Lektion
Hypnotisieren wandelt den Menschen
Schon Dr. Paul Joire schrieb zu Beginn des Jahrhunderts, dass der Hypnotismus zur Entwicklung der bewussten Persönlichkeit führt. Wenn Ihnen der erste Hypnotisierversuch gelungen ist, werden Sie feststellen, dass Sie wie gewandelt sind. Die Tatsache, dass es Ihnen gelungen ist, einen Menschen durch bloße Worte einschlafen zu lassen, weckt in Ihnen das ureigenste Selbst. Daraus wächst ein ganz neues, sicheres und selbstbewusstes Auftreten. Der erste gelungene Hypnotisierversuch ist immer ein Erlebnis, und ich konnte darüber schon viele enthusiastische Dankschreiben meiner Schüler studieren. Dieses Erlebnis hinterlässt einen tiefen Eindruck im Menschen.
Um den Nutzen, der aus diesem tiefen Eindruck kommt, auch für Sie verwertbar zu machen muss Ihnen der erste Hypnotisierversuch gelingen. Daher bitte ich Sie nochmals, keinen Versuch zu machen, wenn Ihnen nicht vorher alle Suggestionsversuche voll und ganz gelungen sind.
Eine wirksame Methode zur Vertiefung der Hypnose
Eine einfache, aber sehr wirksame Methode zur Hypnosevertiefung besteht darin, die VP für mehrere Minuten in Ruhe zu lassen und nicht mit ihr zu sprechen. Damit aber die VP nicht in einen normalen Schlaf kommt, in dem sie ja nicht mehr auf Ihre Suggestionen reagieren könnte, leiten Sie solche Ruhe-Perioden wie folgt ein. Sagen Sie zur VP:
„In wenigen Augenblicken werde ich aufhören, mit Ihnen zu sprechen. Dabei werden Sie tief und fest weiterschlafen. Ich lasse Sie genau 10 Minuten ungestört und in diesen 10 Minuten wird Ihr Schlaf immer tiefer und tiefer --- mit jedem Atemzug, den Sie tun, tiefer und tiefer. --- Wenn ich nach 10 Minuten wieder zu Ihnen spreche, werden Sie mich genauso verstehen wie jetzt und von meiner Stimme nicht überrascht sein. --- Sie werden erst aufwachen, wenn ich es Ihnen sage. --- Und nun höre ich auf, mit Ihnen zu sprechen ---Sie schlafen mit jedem Atemzug immer tiefer und tiefer!“
Nun sehen Sie nach der Uhr und in genau 10 Minuten beginnen Sie, wieder mit der VP zu sprechen: „Sie schlafen jetzt ganz tief und fest --- Sie hören mich wieder sprechen und können alles tun, was ich Ihnen sage!“
Nun ist die VP in tieferer Hypnose als vorher, und Sie können beginnen zu experimentieren, wie in den Lektionen (13 bis 18) dieser Selbstunterrichtsmethode beschrieben ist.
Wie Sie Ihre eigene Hypnotisiermethode finden
Um weitere Erfahrungen zu bekommen, führen sie zuerst die Versuche aller hier geschilderten Hypnotisiermethoden der Reihe nach durch. Sie werden dabei feststellen, dass Ihnen eine Methode besser zusagt als die anderen. Mit dieser Methode machen Sie dann mehrere Versuche, und wenn alle gelingen, wenden Sie diese Methode als Ihre eigene Standardmethode an.
Versuchen Sie aber zwischendurch auch die anderen Methoden, denn es könnte sein, dass Ihre Standardmethode einmal bei einer VP nicht sofort anspricht, dann müssen Sie es mit einer anderen Methode versuchen. Sie sollten vermeiden, nur an einer einzigen Methode festzuhalten, sondern jede hier beschriebene Methode so weit beherrschen lernen, dass Sie jederzeit in der Lage sind, sie anzuwenden.
Wenn Sie genug Erfahrung gesammelt haben, können Sie sich auch aus den hier beschriebenen Methoden eine eigene Methode zusammensetzen. Versuche dieser Art sind erst interessant, wenn Sie mindestens 20 bis 30 mal erfolgreich hypnotisiert haben.
Die Anpassung an die Versuchsperson
Bei Hypnoseversuchen wird meist zuviel Wert auf die Methodik gelegt und dabei ein sehr wichtiger Faktor nicht beachtet. Dieser Faktor ist die Anpassung an den Bildungsstand der VP. Es hat wenig Zweck, einer VP mit geringerer Bildung und Intelligenz solche Suggestionen zu vermitteln, die nur von höher Gebildeten verstanden werden können. Ihre Worte müssen immer dem Bildungsgrad der VP angepasst sein.
Da aber gewöhnliche, schlichte und einfache Worte jeder Mensch versteht, auch der Gebildetste, so ist es vorteilhaft, wenn Sie alle Ihre Suggestionen in einer leicht verständlichen Alltagssprache formulieren. Vermeiden Sie jedes Fremdwort und jeden gezierten Ausdruck. Sagen Sie also das, was Sie der VP vermitteln wollen, in schlichten, klaren und einfachen Worten. So kann kein Zweifel bestehen, ob die VP den Suggestionsinhalt versteht oder nicht.
Der fünfte Hypnoseversuch
Jetzt will ich Ihnen eine Methode beschreiben, die schon sehr alt ist. Die sogenannte Fixiermethode. Dabei lassen Sie die VP bequem auf einem Lehnstuhl Platz nehmen und stellen sich schräg davor. Nach einigen einleitenden Worten über die Ungefährlichkeit der Hypnose und über den wertvollen Nutzen, den sie erzielen kann, halten Sie einen gläsernen Gegenstand vor die Augen der VP (Abb. 19). Der Gegenstand kann entweder eine Glaskugel, ein glänzender Knopf oder Ähnliches sein. Die Entfernung vom Gegenstand zu den Augen der VP soll etwa 20 cm bis 30 cm betragen, und der Gegenstand soll so gehalten werden, dass die VP etwas schräg nach oben sehen muss, was die Augen schneller ermüden lässt. Gut ist es, wenn Sie die VP vor eine Lampe setzen lassen, so dass das Licht die VP von hinten trifft und sich im glänzenden Gegenstand in Ihrer Hand wiederspiegelt.
Sagen Sie zur VP: „Achten Sie jetzt nur auf meine Worte und konzentrieren Sie Ihren Blick ganz fest auf den Gegenstand. (Dabei halten Sie der VP den Gegenstand wie beschrieben vor die Augen.) In wenigen Augenblicken werden Ihre Augen müde, so müde, dass Sie diese nicht mehr offenhalten können. --- (Jetzt beobachten Sie die Augen der VP. Sie werden bald bemerken, dass sich die Pupillen erweitern, dann sagen Sie sofort:) Entspannen Sie sich --- Sie werden schläfrig --- gleich schlafen Sie ein --- Ihre Augen werden schwer, ganz schwer --- immer schwerer und schwerer, und jetzt sind Ihre Augen so schwer, als ob sie durch ein schweres Gewicht zugezogen würden. --- Entspannen Sie sich --- gleich schließen sich die Augen und Sie schlafen ein. (Dabei gehen Sie mit dem glänzenden Gegenstand ganz langsam und unmerklich näher an die Augen der VP heran.) --- Jetzt fallen die Augen zu! (Das sagen Sie, wenn Sie bemerken, dass die Augen der VP leicht zu zittern beginnen.) SCHLAFEN SIE! SCHLAFEN SIE! TIEF UND FEST! GANZ TIEF UND FEST! --- Sie schlafen jetzt und hören deutlich meine Stimme.“
Ab hier können Sie nun die Hypnose vertiefen, denn erfahrungsgemäß erzeugt diese Methode nur einen leichten Hypnosezustand. Wenn Sie die Hypnose vertieft haben, können Sie mit der VP Experimente machen.
Die Theorie der Fixiermethoden
Wenn man für eine gewisse Zeit scharf auf einen Punkt oder auf einen glänzenden Gegenstand sieht, kommt der Moment, wo das Sehzentrum infolge der Überanspruchung ganz stark mit Blut versorgt wird. Dieser Moment zeigt sich in der Erweiterung der Pupillen.

Abb. 19
Die Blutmenge, die sich dabei im Sehzentrum sammelt, fehlt nun dem ICHZentrum und somit schaltet es für einen Moment ab, und wenn man diesen Moment genau trifft, kann man eine VP leicht beeinflussen und in das ideomotorische System der VP eine Schlafvidee übertragen, die sich dann verwirklicht. Die VP schläft ein und damit ist das ICHZentrum gänzlich passiviert und abgeschaltet.
12. Lektion
Arbeiten Sie wissenschaftlich
Schon in den Lektionen (1 bis 6) habe ich ihnen vorgeschlagen, sich ein Heft anzulegen, in welches Sie jeden Versuch eintragen und das Ergebnis fixieren. Noch wichtiger als bei den Suggestionsversuchen ist das bei Ihren Hypnotisierversuchen. Schreiben Sie jeden Versuch auf und fixieren Sie den ganzen Versuchsverlauf. Wenn Sie das machen, dann habe ich keine Zweifel, dass Sie das gesteckte Ziel erreichen. Sie erreichen es ganz sicher.
Eigene Erfahrungen sind durch nichts zu ersetzen. Und die Erkenntnisse, die Sie aus eigenen Versuchen gewinnen, kann Ihnen niemand nehmen. Wenn Sie wissenschaftlich arbeiten und jeden einzelnen Versuch protokollieren, dann werden Sie eines Tages stolz auf Ihre Versuche zurückblicken und sagen können: Jetzt habe ich es geschafft, ich bin ein perfekter Hypnotiseur.
Es gibt viele Hypnotisiermethoden
Wenn man die Hypnoseliteratur durchstudiert, stellt man fest, dass es Hunderte von verschiedenen Hypnotisiermethoden gibt und dass immer wieder neue Variationen dazukommen. Man kann eigentlich mit jeder Methode Erfolge erzielen, aber auch sehr oft nur Zufallserfolge. Ich habe Ihnen in diesen Lektionen die Methoden ausgesucht, die tatsächlich die größtmögliche Erfolgssicherheit wieder geben, und das ist zum perfekten Erlernen des Hypnotisierens wichtiger als alles andere. Später, wenn Sie Erfahrungen haben, können Sie weitere Methoden versuchen und testen. Sie werden dabei feststellen, dass es nur ganz wenige gibt, die erfolgssicher sind. Wenn Sie Interesse haben, können Sie selber neue Hypnotisiermethoden ersinnen, sie versuchen und testen und dann das Ergebnis schriftlich niederlegen. Ich würde mich freuen, wenn Sie darüber im Forum von www.verlag4you.de einmal berichten könnten.
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