Kitabı oku: «Die Nacht ist dunkelblau, nicht schwarz»

Yazı tipi:

Torsten Kelsch

Die Nacht ist dunkelblau, nicht schwarz

Gedichte


Impressum

Verfasser:

Torsten Kelsch

Viktoriastraße 2

42853 Remscheid

publiziert@t-online.de

Fotografie, Grafik, Umschlaggestaltung:

Torsten Kelsch

Druck:

epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Prinzessinnenstraße 20

10969 Berlin

Erscheinungsdatum: 29.08.2018

ISBN 978-3-7467-5740-7

Großartige Minimalnächte
Dunkelblaue Nacht

Ich habe Durst.

Ein kranker Mond geht auf.

Das Leitungswasser ist trüb.

Blumen welken im fahlen Licht der Nacht.

Bilder fallen von den Wänden.

Hunde beißen Fleisch aus meinem Leib.

Die Blumen knicken um.

Ich falle todmüde ins Bett.

Je später der Abend, erquickend und labend

Ich bin ein später Gast.

Ich komme, wenn es keinem passt.

Ich bin ein später Geist,

den man ein Nachtgespenst auch heißt.

Und später bin ich Greis,

an Weisheit reich, die Haare weiß.

Begegnung

Ich muss heute Nacht

mit jemandem sprechen.

Ich wähle eine Nummer

und warte, bis der Hörer abgenommen wird.

Aber zu meinem Entsetzen

bin ich es selbst, der sich am anderen

Ende der Leitung meldet.

Ich bin völlig verwirrt.

Darauf war ich nicht vorbereitet.

»Entschuldigung«, stammele ich,

»ich habe mich verwählt.«

Doch ich am anderen Ende sage zu mir:

»Schon gut,

reden wir eine Weile,

ich bin ein geduldiger Zuhörer.« –

»Nein, nein«, antworte ich hastig,

»ich bitte um Entschuldigung,

auf Wiederhören.« Ich lege auf.

Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen:

Ich habe Angst, ich könnte

zurückgerufen werden.

Nebelnacht

Ich stehe angewurzelt, um mich blickend,

verharrend in der Magie des Augenblicks.

Die Sterne stehen tief heute Nacht,

schweben dicht überm Erdboden,

werden schließlich völlig verschluckt.

Nebel steigt auf von der Erde,

verdichtet sich, legt sich als Ring

um die Anhöhe, wo ich stehe.

Aber als ich warte, dass auch ich

eingehüllt werde vom feuchten Nebel

oder einsinke ins schlammige Erdreich,

wird die Erde unter meinen Füßen hart.

Wasser und Erde verstoßen mich.

Ich muss mein Glück

beim Feuer und bei der Luft

versuchen.

Gefühl

Alles war leicht.

Alles war einfach, wir vergaßen

die Kompliziertheit des Lebens.

Wir fuhren sehr ruhig über die

dunkle Autobahn, wir glitten –

wie im Raumschiff vielleicht durchs

luftleere All.

Es war Nacht, wir konnten Farben und Formen

nicht genau erkennen;

aber unsere Worte waren ganz deutlich,

unsere Berührungen.

Am Tag wäre alles schwieriger gewesen,

der Tag ist grell, laut und aufdringlich.

Aber es war Nacht, und alles war leicht.

Die Sterne waren sehr nah.

Wir waren im Hier und Jetzt,

im Paradies, im Himmel.

Wir brauchten keine Farben und Formen,

wir lachten in die Nacht hinein.

Alles war leicht.

Nachtschiss

Zur Schlafenszeit geh ich aufs Klo –

vorm Pennen noch mal kacken.

Ich denke nach, sinniere so;

ich hab halt meine Macken.

Ich sitze im Toilettenraum

und schaue aus dem Fenster –

da trau ich meinen Augen kaum

und glaub, ich seh Gespenster:

Ein Brontosaurus latscht vorbei.

Den würde ich gern fangen.

Dem Dino bin ich einerlei.

Der Mond ist aufgegangen.

Schlafleid

Schlaf geschwind, jetzt schlaf, Kindchen, schlafe.

Wenn’s nicht klappt, zähl Wölfe und Schafe.

Oder zähl die Prostituierten;

träum schön von der hundertundvierten.

Denk an eine drahtige Bürste

oder an verdorbene Würste.

Zähle Kämpfe, Schlachten und Kriege,

schlafe endlich ein auf der Liege.

Schlaf schon ein bei offenem Fenster,

zähle Monster, Geister, Gespenster.

Zähl die vielen traurigen Stunden,

zähle deine Narben und Wunden.

Ausnahmsweise trink etwas Rotwein.

Nervensäge, kannst du nicht tot sein?

Runde Nacht

Die Nacht ist seltsam rund

sie dreht sich um den Kopf

in meinen Kopf hinein

verdreht mir das Gehirn

sodass mir schwindlig wird

Die Augen rollen wild

in meinem Schwindelhirn

und alles scheint verdreht

die ganze Welt steht Kopf

ist umgedreht und falsch

Die Zeiger meiner Uhr

bewegen sich normal

in ein paar Stunden kommt

der Morgen angerollt

vertreibt das Karussell

Die alte Dame

Auf dem Gehweg

stand ’ne Oma.

Ich fiel kurze

Zeit ins Koma.

Als ich wieder

zu mir fand,

stand sie noch am

Straßenrand,

schaute in das

Abendrot,

und dann plötzlich

war sie tot.

Mondlose Nacht

Eine Nacht mondlos schwärzlich

kurzer Gruß wenig herzlich

Dort ein Hund lästig bellend

kein Gespräch wirkt erhellend

Und im Wein fehlt die Wahrheit

wirrer Kopf keine Klarheit

Soll man schnell heimwärts eilen

oder doch hier verweilen

Was es bringt keiner weiß es

alles lau gar nichts Heißes

Eine Nacht mondlos gräulich

langsam nervt's, langsam heul ich

Diese Nacht bringt rein gar nichts

morgen heißt’s: Na, das war nichts

Tote

Ich beneide die Toten.

Sie fürchten den Tod nicht

und auch nicht das Leben.

Sie haben es gut, denn

sie brauchen nicht kämpfen,

kein Gegner bedroht sie.

Man lässt sie in Ruhe,

wer sollte sie schubsen,

sie rumkommandieren,

sie ausnutzen, ärgern,

beleidigen, kränken.

Sie brauchen früh morgens

nicht aufsteh’n.

Party

Ich langweile mich auf jeder Party.

Wenn ich genug gegessen

und getanzt habe,

ist mit mir nichts mehr anzufangen.

Mich interessieren keine Gespräche.

Ich gehe nicht gern auf Partys.

Ich schlafe lieber.

Ich fahre lieber Auto.

Ich töte lieber Fliegen

an der Wand.

Flucht

In der Nacht, mit mir alleine,

kann ich nicht mehr vor mir fliehen.

Tage bringen mir Zerstreuung,

lenken ab und unterhalen,

und ich kann mich selbst vergessen.

Aber nachts, da brech ich über

mich herein wie ein Gewitter,

fall mich an, mich zu zerfleischen

wie ein Untier, Ungeheuer,

bis ich tief in Schlaf versinke.

Und am nächsten Tag ist alles

ganz genauso wie am Vortag,

und ich fliehe vor mir selber.

Jedes Mal ist es das Gleiche:

zahme Tage, wilde Nächte.

Fett

Jeden Morgen, wenn ich aufwache,

ist meine Wohnung kleiner als am Vortag,

und wenn ich aus dem Fenster sehe,

sind die Häuser höher

und die Straßen breiter

als am Tag davor.

Die Welt ist fett geworden,

sie bläht sich auf,

sie erdrückt mein Heim.

Bald werde ich nur noch hocken können

in meiner Wohnung,

bald werde ich fliehen müssen,

um nicht zerquetscht zu werden,

und wenn ich dann einmal draußen bin,

komme ich nie

wieder

mehr

hinein.

Alpträume

Sich unruhig winden

im bösen Traum der Nacht

dann plötzlich aufgewacht

und keine Ruhe finden

Gedanken quälen

ein Vorwurf macht dir gleich

die Augen tränenreich

so wie beim Zwiebelschälen

Der Nacht Dämonen

sie locken keck hervor

die Ängste hinterm Tor

die lange in uns wohnen

Das Unbewusste

es schafft sich seinen Raum

es stürmt hervor im Traum

durchbricht die harte Kruste

Gesund und heil sein

die Heilung lässt sich Zeit

vermindert kaum das Leid

der Riss reißt bald erneut ein

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
10 kasım 2024
Hacim:
22 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
9783746757407
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