Kitabı oku: «Wochenend und Wohnmobil - Kleine Auszeiten Sauerland & Bergisches Land»

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UDO HAAFKE arbeitet als freier Fotograf und Bildjournalist, zusätzlich gründete er Mitte der 90er-Jahre sein eigenes Redaktionsbüro. Neben Veröffentlichungen zu regionalen, nationalen und internationalen Reisethemen hat er sich bundesweit mit seinen Reisereportagen und Bildbänden einen Namen gemacht. In seiner Freizeit erkundet er die Welt mit dem Wohnmobil und schreibt darüber.


KLEINE AUSZEITEN

-SAUERLAND &

BERGISCHES LAND-



INHALT

EINLEITUNG

Wald, Wasser, Wiesen und Berge

Sauerland und Bergisches Land

1 Reich des Neandertalers

Im Niederbergischen Land

2 Bergisches Dreierlei

Um die Wupper herum

3 Bergisches Herz

Unterwegs zwischen Agger und Dhünn

4 Wasserreich

An Bever-, Wupper- und Neyetalsperre

5 Heilendes Klima

Im Bergischen Süden

6 Höhen und Tiefen

Am Ahauser Stausee

7 Großartiger Süden

Am Biggesee

8 See mit Tiefgang

An der Sorpetalsperre

9 Absolute Spitze

Am Kahlen Asten

10 Gipfel, Schlösser und Wasser

Am Oberlauf der Ruhr

11 Westfälisches Meer

Am Möhnesee

12 Entdeckungen im Hochsauerland

Rund um den Hennesee

13 Im Sauerländischen Westen

Rund um Iserlohn

Orts- und Sachregister

Impressum


Pures Fachwerkidyll mit Blumenschmuck im Dörfchen Kirchveischede

WALD, WASSER, WIESEN UND BERGE

Sauerland und Bergisches Land


Die Deutsche Alleenstraße tangiert den Norden des Sauerlandes.

Bedingt durch ihre Lage nahe des geografischen Herzens der Bundesrepublik sind Sauerland und Bergisches Land populäre Naherholungsgebiete für stressgeplagte Stadtmenschen. Die Metropolregion des Ruhrgebietes liegt ebenso nah wie die Großstädte an der Rheinschiene und prädestinieren damit die landschaftlich so vielfältige Region quasi als deren Vorgarten.

Sauerland, Bergisches Land – das klingt zunächst nicht unbedingt groß-artig, eher brav und bieder, ja unspektakulär. Zumindest, wenn man sie überflüssigerweise mit alpinen Regionen oder Meeresküsten zu vergleichen sucht. Sicher, die Berge sind nicht die höchsten und die Küsten beschränken sich lediglich auf solche, die die Seen, die meist Talsperren sind, uns bieten. Doch da ist mehr, viel mehr. Man muss sich nur darauf einlassen und genau hinschauen. Unser Wohnmobil bietet für derlei Unternehmungen die allerbesten Voraussetzungen, tatkräftig unterstützt von Schusters Rappen und Drahteseln, die im 21. Jahrhundert oft zum E-Bike werden.

VON WEGEN »SAUER«

Das Sauerland heißt nicht Sauerland, weil hier alle missmutig in die Welt schauen, das Gegenteil ist definitiv der Fall, wie wir immer wieder bei den freundlichen und hilfsbereiten Eigentümern und Pächtern der Campingplätze feststellen können. Nein, es beruht auf einer sprachlichen Vereinfachung, abgeleitet aus dem mittelalterlichen Begriff »Suderland«. Das südliche Westfalen galt lange Zeit als rückständig, die Böden als wenig ertragreich, sodass man annahm »sauer« hätte etwas mit »karg« zu tun. Eine andere Interpretation also, die spätestens mit dem im 19. Jahrhundert beginnenden Tourismus gegenstandslos wurde. Schwärmerische Reisebücher in der Zeit der Romantik riefen einsetzenden Fremdenverkehr auf den Plan, führten zur Gründung des Sauerländischen Gebirgsvereins und dadurch zur Bereitstellung eines Wegenetzes mit ausgeschilderten und markierten Wanderwegen. Sie umfassten nicht nur den Bereich des Hochsauerlandes, sondern auch den Märkischen Kreis sowie Ausläufer des Siegen-Wittgensteiner Landes und des Uplandes, das teilweise bereits im benachbarten Hessen liegt.

WEGE, GANZ VIELE WEGE

Heute ist die Auswahl an Wanderwegen und Radwegen schier unerschöpflich. Von leicht bis schwierig, für jedes Anforderungsprofil von einfach bis ambitioniert, ist garantiert etwas dabei. Fernrouten, wie der Sauerland-Höhenflug oder der Rothaarsteig, können in Etappen bewältigt werden. Dies gilt auch für die Radfernstrecken wie etwa den Ruhrtal-Radweg oder den SauerlandRadRing. Da wir jeweils nur an einem Standort verbleiben, sind für uns die ausgeschilderten und stets gut beschriebenen Rundwanderwege interessanter. Sie starten nicht selten direkt am Campingplatz oder führen nah an den empfohlenen Stellplätzen vorbei. Das Bergische Land übrigens hat seinen Namen auch nicht von den zahlreichen geologischen Erhebungen bekommen, sondern beruht schlicht auf dem Grafengeschlecht derer von Berg, die über viele Jahrhunderte als Landesfürsten die Geschicke der Region maßgeblich beeinflussten. Ein Ausflug in das Untergeschoss von Bergischem Land und Sauerland kann darüber hinaus neue Einsichten liefern. Sehenswerte Tropfsteinhöhlen gehören zu den Highlights der vielfältigen Angebotspalette, die neben Wintersportaktivitäten (Schneekanonen helfen nach, wo Frau Holle kapitulieren muss) moderne Trendsportarten des 21. Jahrhunderts und eher ausgefallene Betätigungen wie Segelfliegen oder Ballonfahren umfassen.

SCHWARZ UND WEISS

Fachwerk und Schiefer, die typischen Stilelemente im regionalen Duktus, dominieren nicht nur kleine Dörfer. Beides ist oft in den kleineren, seltener den größeren Städten zu finden, die zudem mindestens genauso oft eine große Historie besitzen. Meist hat diese etwas mit der Hanse zu tun, denn Sauer- wie Bergisches Land lagen verkehrsgünstig an den wichtigen Handelswegen des Rheinlands und Westfalens, die wiederum für eine gewisse wirtschaftliche Stärke sorgten. Außerdem nahm in den zahllosen und weit verzweigten Bachtälern schon recht frühzeitig die Industrialisierung Fahrt auf. Angetrieben von Wassermühlen zur zuverlässigen Energieversorgung fassten die verschiedensten Gewerbe schon im Mittelalter Fuß, Vorläufer späterer industrieller Ansiedlungen, die das Landschaftsbild zuweilen nicht gerade positiv veränderten.


Ein Blätterdach spendet Schatten bei ausgedehnten Wanderungen.

VIEL WASSER UND DOCH KEIN MEER

Der große Reichtum der Region aber ist das Wasser. Eine unglaubliche Zahl an Bächen und kleinen Flüssen strebt gen Westen in Richtung Vater Rhein, etwas weniger in Richtung Ruhr, die ihrerseits bei Winterberg entspringt und sich längs ihres Weges, selbst im Einzugsbereich des südlichen Ruhrgebietes, verträumt bis idyllisch präsentiert, bevor sie in den Rhein mündet. Diesen Wasserreichtum, begünstigt durch die geologische Beschaffenheit des Rheinischen Schiefergebirges, begann man Ende des 19. Jahrhunderts zu nutzen, indem Bachläufe mittels Talsperren aufgestaut wurden. Manchmal unter Tränen, weil kleine Dörfer und Höfe geflutet und deren Bewohner umgesiedelt werden mussten. Die Dichte an Stauseen im Bergischen und im Sauerland sucht man andernorts vergeblich. Die Seen dienen als Wasserspeicher für Trink- und Brauchwasser, zum Hochwasserschutz, zur Energiegewinnung – und zur Freizeitgestaltung. Viele der besuchten und vorgestellten Campingplätze liegen direkt am Seeufer.


Die zahlreichen Wanderrouten sind stets bestens ausgeschildert.

REGIONALE KULINARIK

Von der ausgezeichneten Wasserqualität profitieren auch regionale Getränkehersteller. Große Brauereien stellen in der Region ihre Gerstensäfte mit dem reinen Sauerländer Wasser her, beliefern die Welt von hier mit ihren Erzeugnissen. Kleine Hausbrauereien befinden sich auf dem Vormarsch und reines Wasser wird natürlich ebenfalls in Flaschen abgefüllt. Kulinarisch geht es im Sauerland wie im Bergischen eher deftig zu. Die Bergische Kaffeetafel ist ein Klassiker. Sie besteht aus süßen wie herzhaften Produkten und wurde traditionell zu besonderen Anlässen serviert. Es fand sich alles, was der heimische Hof zu bieten hatte, und wurde auf einer großen Tafel um die »Dröppelmina«, die typische dreibeinige, einem Samowar nicht unähnliche, Kaffeekanne drapiert. Der Sauerländer mag es noch rustikaler. Pumpernickel, das schwärzeste unter den Schwarzbroten, und Wurstsorten (von Knochen-, über Rinder- und Pfeffer- bis zur Bockwurst) bestimmen die kulinarischen Traditionen. Kartoffeln, Obst und Wild finden sich auf allen Speisekarten landauf wie landab.

HÖHEN UND TIEFEN

Im »Land der 1000 Berge« sind die Erhebungen selten schroff, meist sanft gewellt und hügelig, gerne auch mit einer Burg gekrönt oder mit deren ruinösen Überbleibseln. Ausgedehnte Waldflächen verstecken die höchsten Punkte unter dichtem Baumbestand, schaffen eine wohlgeformte Landschaftskulisse, die wir von vielen Aussichtspunkten aus immer wieder bestaunen können. Vielfach passieren wir ganze Plantagen kleiner Fichten, Tannen und Nordmänner, die in Reih und Glied an den Hängen wachsen – Weihnachten lässt grüßen, stammt doch der größte Teil der in Nordrhein-Westfalen angebotenen Weihnachtsbäume aus dem Sauerland. Leider sind die Auswirkungen des Klimawandels mancherorts deutlich sichtbar, Waldflächen braun und abgestorben, von Orkanen, Schädlingen, Trockenheit oder falscher Forstwirtschaft nachhaltig zerstört. Der traurige Eindruck bleibt uns nicht verborgen, wenn wir auf Panoramastraßen unterwegs oder auf unseren Wanderausflügen plötzlich mit Kahlschlag konfrontiert sind. Das macht nachdenklich, zeigt, wie filigran und zerbrechlich unsere Natur ist, und wie wichtig demgegenüber unser eigenes Verhalten.

MIT DEM WOHNMOBIL UNTERWEGS

Die gemäßigte Mittelgebirgslandschaft, die nach Norden hin ins flache Münsterland übergeht, stellt den Wohnmobilfahrer grundsätzlich vor keine großen Herausforderungen. Dennoch gilt es, stets auf der Hut zu sein, vor allem wenn man auf kleinen Nebenstrecken unterwegs ist. Hier muss so manche knifflige Serpentine oder Steigung, die einem Alpenpass kaum nachsteht, bewältigt werden. Da heißt es, unbedingt Vorsicht walten zu lassen, speziell in der kälteren Jahreszeit, wenn die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel steht und in engen Kurven noch Laub liegt oder durch Abschattung des Waldes schon Reifglätte vorkommen kann. Just jene Strecken sind darüber hinaus bevorzugtes Gebiet von Motorradfahrern. So lautet unser Motto bei der Fahrt durchs Bergische und Sauerland stets: Der Weg ist das Ziel. Lieber mal etwas abwartend als zu forsch vorangeprescht. Und dem Navi auf alle Fälle mitteilen, dass wir kein PKW sind, sonst schickt es uns auf abenteuerliche, landschaftlich zwar reizvolle, aber für unsere Zwecke völlig ungeeignete Wegstrecken.


Ku(h)nst in Grafschaft


Viel Raum fürs Womo auf dem Campingplatz

In einigen Dörfern kann es für unser Gefährt zuweilen etwas eng werden. Fachwerkhäuser ducken sich gerne einmal zusammen, Gassen sind schmal und unübersichtlich. Ein Spaziergang empfiehlt sich und kommt dabei einer Geschichtsstunde gleich, denn vielfach haben die Häuser in ihren reich verzierten Fassadenbalken einiges aus ihrer individuellen Historie zu berichten. Da liest man etwas über den Erbauer, dessen Leben und Werk und das Datum der Errichtung des Gebäudes. An diesen Orten ist es sinnvoll, vor dem eigentlichen Zentrum zu parken, was meist problemlos und ohne allzu heftiges Rangieren möglich ist. Ausgewiesene Stellplätze finden sich recht häufig auch an innenstadtnahen Standorten. Allerdings sind diese meist eher funktional als beschaulich, ihre Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt. Angelegt bei Sportanlagen oder am Rand von Gewerbegebieten wirken sie oft etwas vernachlässigt und lassen das Komfortgefühl schnell verschwinden – sie sind halt »nur« als Abstellplatz gedacht, hilfreich letztlich nur für einen begrenzten Zeitraum.

CAMPINGKULTUR

Ein Phänomen der Campingplätze im Sauer- wie im Bergischen Land ist die überaus große Zahl an Dauercampern, die vor Ort ihren festen Platz haben und diesen wie ein Ferienhaus ausstaffieren. Das wirkt zuweilen etwas befremdlich, weil sich manche Bewohner – nicht alle! – im Stil von »My home is my castle« regelrecht zu verbarrikadieren scheinen. Und es hat zur Folge, dass viele Campingplätze nur wenige Standplätze für Touristen zur Verfügung haben. Darauf muss man gefasst sein, wenn man ohne Voranmeldung aufbricht. Um nicht enttäuscht zu werden, ist es ratsam, sich im Vorfeld kurz telefonisch mit dem Platzbetreiber über Standmöglichkeiten auszutauschen. Bei der Preisfindung für einen Aufenthalt muss an den meisten Orten eine Kurtaxe mit eingerechnet werden, denn auch wenn nicht explizit »Bad« im Namen steht, besitzen viele Orte heilklimatischen Status.

Des Weiteren gelten auf allen Campingplätzen strenge Regeln hinsichtlich der Einhaltung von Ruhe- und Öffnungszeiten. Ein Frühstart im Morgengrauen ist daher so gut wie ausgeschlossen. Dafür punkten viele Plätze mit Brötchenservice, guten Restaurants, selbstverständlich bestens gepflegten Sanitärbereichen und reichlich Sport- und Aktivangeboten. Dazu gehören Spielplätze und Streichelzoos für die Kleinsten, Fahrrad- und Bootsverleih oder ein eigener Badestrand. Den Vogel schießt hier der Hof Biggen in Attendorn ab, der ein kostenloses Mietauto für einen Tag für Ausflüge zur Verfügung stellt. Das ist keine dumme Idee, denn von dort aus sind die meisten in diesem Buch beschriebenen Regionen in kurzer Zeit zu erreichen. Alternativ haben viele Campingplätze insbesondere im Hochsauerlandkreis auch die Sauerland-Card im Angebot. Man bekommt sie im Gegenzug zur Entrichtung der Kurtaxe bei der Anreise und sie gilt für die Dauer des Aufenthaltes. Mit der Card können weite Teile des regionalen ÖPNV kostenlos genutzt werden, zudem gibt es Ermäßigungen bei vielen Museen und Parks, in Skigebieten und Schwimmbädern.


Die Maske auf der Rüthener Stadtmauer als Symbol des Zeitgeschehens

Noch ein Wort: Die Text- wie die Bildrecherche erwiesen sich im Pandemiejahr 2020 als ausgesprochen problematisch. Veränderte Öffnungszeiten, komplette Schließungen von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen waren ein ständiger Begleiter. Einige wenige der beschriebenen Orte konnte der Autor daher nicht persönlich begutachten. Zudem ist es möglich, dass zum Zeitpunkt der Drucklegung empfohlene Örtlichkeiten unter Umständen dauerhaft geschlossen sind und dies auch bleiben. Die beschriebenen Veranstaltungen können samt und sonders zu den angeführten traditionell wiederkehrenden Terminen zunächst nicht und wohl erst wieder 2022 im normalen Umfang stattfinden.

REICH DES NEANDERTALERS

Im Niederbergischen Land


Rheinisch-Deutsche Kaltblutpferde vor Haus Bürgel am Rhein

1

Der Kreis Mettmann vermarktet sich seit einigen Jahren ganz im Sinne seines berühmtesten Bewohners und Namensgebers als »neanderland«. Zum Ende des Frühjahrs erblüht die sanft gewellte Landschaft des nordwestlichen Ausläufers des Bergischen Landes zu einem gelbgrünen Flickenteppich, der sich bis hinunter an den Rhein zieht.

Nach einem entspannten wie ereignisreichen Tag im neanderland sorgt der unverstellte Blick vom Womo aus über den Rhein auf einen romantischen Sonnenuntergang für den gebührenden Ausklang. Nicht von ungefähr nennt sich der gemütliche Platz nahe der Grenze zu Düsseldorf-Urdenbach auch »Rheinblick«. Unser Fahrzeug kann hier gerne einmal pausieren, denn in unmittelbarer Umgebung sind gleich mehrere spannende Ziele zu Fuß oder mit dem Rad machbar.

RÖMISCHE GESCHICHTE

Nur fünf Minuten Spaziergang am Rheinufer nordwärts erreichen wir die Auenlandschaft der Urdenbacher Kämpe und den Anleger der kleinen Fähre zur Feste Zons, rechts gelangen wir zur biologischen Station Haus Bürgel. Die alten Römer hatten an dieser Stelle vor 2000 Jahren eine Wehrburg errichtet, deren Fundamente später Grundlage für einen Gutshof wurden. Im Eckturm und Herrenhaus berichtet ein römisches Museum mit Fundstücken und Dokumenten über diese Zeiten. Die Vermittlung eines nachhaltigen Umgangs mit der Natur und ihren Ressourcen hat sich das ebenfalls ansässige Naturschutzzentrum zur Aufgabe gemacht. Auf der Wiese vor dem Gutshaus genießen seltene, aber stattliche Rheinisch-Deutsche Kaltblutpferde die bewundernden Blicke der Spaziergänger.

RHEINAUFWÄRTS

Folgt man dem Rheinufer südwärts ist bald das Fischerboot »Fiat Voluntas« erreicht. Der historische Aalschokker, ein Fischereisegelschiff, sitzt in voller Schönheit auf dem Trockenen und behandelt auf Schautafeln und in seinem Inneren die Geschichte der Flussfischerei, die sich bis zu Beginn der 1990er-Jahre hielt, als es in Monheim und Baumberg noch Räuchereien gab. Weiter Richtung Süden, also flussaufwärts, kommen wir zum MonBerg.

DER MONBERG ERHEBT SICH über einem modernen Gewerbegebiet auf einer früheren Abraumhalde. Neben toller Aussicht über den Rheinbogen lockt nach langem Treppenaufstieg eine abwechslungsreiche Gastronomie, mit Strandkörben, Beachbar und Liegestühlen (www.monberg.de).

Am Rheinufer liegt unterhalb des Deiches noch ein weiterer Aalschokker vor Anker. Landeinwärts befindet sich das Städtchen Monheim mit dem sehenswerten Heimatmuseum Deusser Haus, dem geschichtsträchtigen Schelmenturm und der zauberhaften, von einer öffentlichen Parkanlage umgebenen Villa Marienburg.

DER ÄLTESTE BEWOHNER DES NEANDERLANDS

Über die Bundesstraße 228 fahren wir durch die Stadt Hilden in einer knappen halben Stunde dorthin, wo vor mehr als 160 Jahren die Gebeine des berühmten Urzeitmenschen zufällig beim Abbau von Kalkstein entdeckt wurden. Wirtschaftliche Interessen machten damals dem wildromantischen Tal der Düssel, das Künstlern der renommierten Düsseldorfer Malerschule gern als Motiv diente, den Garaus. Fast exakt auf der Grenze zwischen den Städten Erkrath und Mettmann rekonstruierte man den Fundort auf einem Wiesengelände, vom Neanderthal Museum über einen kurzen Fußweg zu erreichen. Das türkisgrüne Äußere des Gebäudes erinnert entfernt an ein Schneckenhaus. Im Inneren spaziert man auf einem Spiralgang aufwärts durch die reichhaltig präsentierte Evolutionsgeschichte und begegnet dabei auch Nachbildungen des Neandertalers mit Smartphone und im Businessoutfit.


EIN KLEIN WENIG von der früheren Romantik des Neandertals wird erlebbar, wenn wir auf der Entdeckerschleife des Wanderwegs »neanderland STEIG« dem Verlauf der Düssel folgen, die hier fröhlich im Wald mäandrierend vor sich hinplätschert. An einer Lichtung öffnet sich das Tal und wir erreichen das Eiszeitliche Wildgehege mit friedlich grasenden Auerochsen, Wisenten und Tarpanen. Der gesamte Rundweg ist mit 19,1 Kilometern recht lang (www.wildgehege-neandertal.de).

Romantische Ecke im Dorf Gruiten


Gänse und Aalschokker am winter-lichen Monheimer Rheinufer


Liegestühle mit Aussicht auf dem MonBerg

FACHWERK AUS DEM BILDERBUCH

Keine zehn Minuten vom Neanderthal Museum entfernt liegt in einer weitläufigen Talsenke am Düsselbach das entzückende Dorf Gruiten. Eine Symphonie aus malerischem Fachwerk und hübschen Gärten, jedoch völlig ohne Freilichtmuseumsattitüde. Auf dem Dorfanger wird traditionell ein Maibaum aufgestellt und es gehören lebhafte Sommerfeste zum alljährlichen Veranstaltungsprogramm. Einen typisch bergischen Kirchplatz finden wir in Wülfrath mit verschieferten Fachwerkhäusern, Sprossenfenstern und grünen Blendläden rund um die evangelische Kirche. Dem Sakralbau zugewandt haben die Häuser mit so seltsamen Namen wie »Große Klaus und Kleine Klaus«, »Scholle«, »Aufm Haus«, »Aufm Keller«, »Frythof« oder »Damenhaus«, meist zwei Geschosse, auf ihrer Rückseite aber bis zu vier, denn der Platz wurde auf einer Anhöhe angelegt.

Tipp

Der Kalkabbau ist für Wülfrath von großer ökonomischer Relevanz. Die bereits aufgelassenen Steinbrüche bieten viel Raum für naturkundliche Forschungen. In einem Fördertunnel des ehemaligen Bochumer Bruchs wurde der »Zeittunnel« eingerichtet, der auf einer Länge von fast 200 Metern einen eindrucksvoll inszenierten Spaziergang durch die Erdgeschichte ermöglicht.

Lichtkunst im Wülfrather Zeittunnel


Auf Wanderschaft in den Rheinauen

KONTRASTE

Den Ort Neviges, seit 1975 zur Stadt Velbert gehörend, machte der Baumeister Gottfried Böhm bekannt. Im Mai 1968 erfolgte die Einweihung des Wallfahrtsdoms »Maria, Königin des Friedens«, dessen Architektur von außen betrachtet zu den moderaten Formen des brutalistischen Baustils gehört. Asymmetrisch unförmig und ästhetisch eher fragwürdig ragt grauer Beton in den niederbergischen Himmel. Doch das Innere, das man durch eine unscheinbare Pforte betritt, verfehlt seine außerordentliche Wirkung nicht. Haben sich die Augen erst an die plötzliche Dunkelheit gewöhnt, erkennt man einen gigantischen Kirchenraum, einer Kathedrale gleich, mit Emporen, Terrassen und Balkonen und schmalen hohen Fenstern mit charakteristischem Rosenmotiv.

AUF DER HÖHE

Am Nizzabad in Velbert-Langenberg ist ein Stellplatz fürs Fahrzeug vorhanden. Von hier aus heißt es dann: Es geht aufwärts mit uns, und zwar auf den Hordtberg! Auf der östlichen Talseite zeigt der filigrane rot-weiße Sendemast des WDR eindrucksvoll, wer hier der Größte ist. Gut 300 Meter ist er hoch, aufgestellt 1989 überragt er seinen Vorgänger von 1927 um ein Vielfaches. Geradezu bescheiden kommt der Bismarckturm von 1906 mit einer Höhe von knapp 28,5 Metern aus. Dafür verfügt er aber über eine Aussichtsplattform, die mit einem wunderschönen Blick über die Altstadt Langenbergs zu reizen weiß.

Tipp

Der Kletterpark Wald-Abenteuer gleich neben dem Bismarckturm sorgt für zusätzliche Adrenalinschübe. Kinderparcours, Adventureparcours und die sogenannte Todesschleuder locken Wagemutige in luftige Höhen. Hasenfüße bleiben auf dem Boden der Tatsachen und vergnügen sich auf dem Minigolfplatz und im Kletterbistro Baumhaus (www.wald-abenteuer.de/park/velbert-langenberg).

GANZ SCHÖN BELESEN

2020 jährte sich die urkundliche Erwähnung Langenbergs zum 800. Mal. Das Dörfchen von einst, das sich am Zusammenfluss von Deilbach und Hardenberger Bach und an der Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen schon bald zum wichtigen Handelsplatz entwickelte, bekam 1831 Stadtrechte, auf die man bis heute sehr stolz ist. Trotz der Eingemeindung zum Stadtgebiet von Velbert 1975 und dem Verlust der Eigenständigkeit fühlt sich der Langenberger noch stets unabhängig. So fiel die Entscheidung, den Ort mit seinem typisch Bergischen Ambiente zur Bücherstadt zu veredeln. Gemütliche Antiquariate laden zum Verweilen, gerne auch bei Kaffee und Kuchen, es gibt Einblick in die Kalligrafie oder ins Buchbinden.


AN DER RUHR IN ESSEN-KETTWIG beginnt bzw. endet der PanoramaRadweg niederbergbahn, der auf einer ehemaligen Bahntrasse bis nach Solingen führt, wo er in den Bergischen Panorama-Radweg übergeht. Er tangiert im neanderland Haan, Gruiten, Wülfrath, Neviges, Velbert und Heiligenhaus und fasziniert durch seine tollen Aussichten über die niederbergische Landschaft. Dabei darf man in Heiligenhaus die einzigartige Waggonbrücke nicht verpassen, die aus einem kompletten Güterzugwagen besteht (www.neanderland.de/radfahren/radfahren).


Abenteuer für Groß und Klein in luftiger Höhe des Langenberger Waldes

AUF EINEN BLICK

Info

STADT/REGION: Bergisches Land, Region Niederberg, Kreis Mettmann/neanderland

BESTE REISEZEIT: März–November

OPTIMALE REISEDAUER: 1–3 Tage

TOURISTINFO: Kreis Mettmann, Team Tourismus, Düsseldorfer Str. 26, 40822 Mettmann, Tel. 02104/99 11 99, www.neanderland.de

SEHENSWÜRDIGKEITEN

FESTE ZONS: Touristinfo Zons, Schlossstr. 2–4, 41541 Dormagen, Tel. 02133/25 76 47, www.dormagen.de/tourismus-freizeit/tourist-info

HAUS BÜRGEL: Urdenbacher Weg, 40789 Monheim am Rhein, Tel. 0211/996 12 12, www.hausbuergel.de

FIAT VOLUNTAS: Aalfischerei-Museum, Klappertorstr. 38, 40789 Monheim am Rhein, Tel. 02173/95 10, www.monheim-entdecken.de

DEUSSER HAUS: An d‘r Kapell 2, 40789 Monheim am Rhein, Tel. 02173/514 54, www.monheim-entdecken.de

SCHELMENTURM: Grabenstr. 30, 40789 Monheim am Rhein, www.monheim-entdecken.de

MARIENBURG: Hotel und Park, Hofstr. 16, 40789 Monheim am Rhein, Tel. 02173/208 63 10

NEANDERTHAL MUSEUM: Talstr. 300, 40822 Mettmann, Tel. 02104/979 70, www.neanderthal.de

NEANDERLAND STEIG: Amt für Digitalisierung Kultur und Tourismus, Sachgebiet Tourismus, Düsseldorfer Str. 26, 40822 Mettmann, Tel. 02104/99 11 99, www.neanderlandsteig.de

DORF GRUITEN: www.historisches-dorf-gruiten.de

WÜLFRATH: Bürgerbüro, Am Rathaus 1, 42489 Wülfrath, Tel. 02058/180, www.wuelfrath.net

WALLFAHRTSDOM NEVIGES: Elberfelder Str. 12, 42553 Velbert

BÜCHERSTADT LANGENBERG: Pannerstr. 15, 42555 Velbert, 02052/92 57 14, www.buecherstadt-langenberg.de


Portal des Langenberger Bürgerhauses


Campingromantik am Rhein

CAMPINGPLATZ RHEINBLICK

ADRESSE: Urdenbacher Weg, In der Aue 2, 40789 Monheim am Rhein, Tel. 02173/644 00 www.campingplatz-rheinblick.de

ANFAHRT: Von der Autobahn 59, Abfahrt Anschlussstelle Richrath, über Berghausener Straße nach Baumberg, der Hauptstraße Richtung Düsseldorf-Urdenbach folgen, im Wald bei der Bushaltestelle in Richtung Rhein ausgeschildert.

GPS: N 51°7‘11“, E 6°52‘26“

Der familiengeführte, ruhige und naturbelassene Platz Rheinblick liegt unmittelbar am Rheinufer und verfügt über etwa 20 Stellplätze für Wohnmobilisten. Er grenzt zudem an ein Gelände für Dauercamper. Es gibt einen Kinderspielplatz, komplett ausgestattete sanitäre Anlagen sowie einen populären Gastronomiebetrieb. Baden im Rhein ist nicht möglich, wegen der Strömung sogar lebensgefährlich. Mit der Buslinie 788 in Richtung Benrath Paulsmühle kommt man zur S-Bahn, welche wiederum beste Verbindung nach Düsseldorf und Köln garantiert.

WOHNMOBILSTELLPLATZ NIZZABAD

ADRESSE: Nizzatal 4, 42555 Velbert-Langenberg, Tel. 02052/21 12, www.stadtwerke-velbert.de/baeder/nizzabad

ANFAHRT: Aus Richtung Langenberg über die Donnerstraße links ins Nizzatal, entsprechend von Süden kommend über Nordrather Straße und Donnerstraße, dann rechts, jeweils der Beschilderung »Nizzabad« folgen.

GPS: N 51°20‘37“, E 7°8‘9“

Geeignet für maximal 3 Fahrzeuge liegt der Platz ganz idyllisch am Waldrand und darf maximal 72 Stunden belegt werden. Die Übernachtung ist kostenlos, Müllentsorgung sowie Versorgung mit Frischwasser sind möglich. Idealer Ausgangspunkt für Wander- und Radausflüge am Deilbach und in den Ortskern von Langenberg.

BERGISCHES DREIERLEI

Um die Wupper herum


Ikone deutscher Ingenieurskunst: die Müngstener Brücke über der Wupper

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Bevor die Wupper nördlich von Leverkusen recht unspektakulär in den Vater Rhein mündet durchmisst der bedeutsame bergische Wasserlieferant das städtische Dreigestirn von Remscheid, Solingen und Wuppertal und bietet dort trotz großer Bevölkerungsdichte Natur pur und einen außerordentlich hohen Freizeitwert.

Der mitten im waldreichen Wuppertal gelegene Campingplatz Waldcamping Glüder ist idealer Ausgangspunkt für Touren zu zauberhaften Ausflugszielen beiderseits der Flussufer, aber auch in die lebhaften Zentren der drei Städte. Sanftes Plätschern des Flusses, bedächtiges Rauschen des Windes im Blattwerk der Bäume und Vogelgezwitscher bedingen eine wunderbare, beinahe oasenhafte Ruhe und Beschaulichkeit, die nur hin und wieder von etwas lautstarken Zweirädern gestört wird, welche die Serpentinenabfahrt vom Pfaffenberg aus der Höhe des südlichen Solinger Ortsteils Balkhausen für ein geräuschintensives Kräftemessen missbrauchen.

AM ANFANG WAR DIE KLINGE

Keine zehn Minuten Spazierweg durchs Tal entfernt steht mit dem Schleifermuseum Balkhauser Kotten eines der historischen Wahrzeichen der Klingenstadt Solingen. Bis ins 16. Jahrhundert reichen die Ursprünge des Schleiferhandwerks zurück, das die Grundlage für den späteren Ruhm der Stadt bildete. Durch geschickte Grabenführung nutzte man das schnell fließende Wupperwasser zur Energieerzeugung mittels Wasserrädern. Seit 1962 befindet sich in dem schmucken Fachwerkhaus ein kulturgeschichtliches Museum, während der Handwerksbetrieb sogar bis in die 1980er-Jahre fortgeführt wurde.

TIERISCH GUT

Folgt man nach Besuch des Kottens dem Balkhauser Weg und zweigt im Dörfchen links auf die Straße Balkhausen ab, erreicht man den Klingenpfad, der am Wupperufer entlangführt. An der Lichtung halten wir uns rechts und tauchen wieder in den Forst ein, wo Reste einer weiteren Kate, des Bielsteiner Kottens, zu finden sind. Es geht ordentlich bergauf und wir sind nach einer guten halben Stunde bei den Bergischland Alpakas Alpakarma angelangt. Die knuffigen wie neugierigen Vierbeiner, eigentlich Andenbewohner, fühlen sich trotz geringerer Höhen auch im Bergischen sehr wohl. Eine geführte Wanderung mit den Tieren ist unterhaltsam und sehr entschleunigend. Nur einen Steinwurf entfernt liegt mit »Et Höffken« der bestens sortierte Bio-Hofladen Gut Hohenscheid. Während sich die Kinder mit der gackernden und grunzenden Tierwelt heimischer Landwirtschaft vergnügen, genießen wir die Aussicht über Wupperberge und Wupperschleife.

AUF SCHLEIFERSPUREN

Bleiben wir an der Lichtung und folgen dem Flusslauf, kann am Wupperhof die Seite gewechselt werden. Der erste Weg rechts ab bringt uns zum Rüdenstein. Auf einer Anhöhe im Wald wurde 1924 einem Hund ein Denkmal gesetzt, der 500 Jahre zuvor in Lassie-Manier dem jungen Herzog Robert vom Berg das Leben rettete, der hier bei winterlicher Jagd abgestürzt war. Wir queren am Obenrüdener Kotten die Wupper und spazieren am Ufer bis zur Gaststätte Rüdenstein.


SEIT 1929 IN FAMILIENBESITZ gilt das Restaurant Rüdenstein als kulinarisches Kleinod dies- und jenseits der Wupper. Insbesondere die Bergische Kaffeetafel mit »Dröppelmina«, hausgemachtem Milchreis und Waffeln mit heißen Kirschen ist ein absolutes Muss (www.ruedenstein.de).

Durch den Fachwerkweiler Rüden folgen wir dem Verlauf der Wupper flussabwärts, bis wir hinter einem Zimmermannsbetrieb nach links auf die Friedrichsaue abzweigen. Wieder über den Fluss steuern wir am Waldrand und durch offene Felder dem Wupperufer unmittelbar entgegen. Zwischen Bäumen und Gebüsch und einigen größeren Felsbrocken öffnet sich hier der zu jeder Jahreszeit bezaubernde Blick über eine schmächtige Stromschnelle hinweg auf den Wipperkotten. Der letzte noch im Originalzustand verbliebene Schleifer-Doppelkotten schmiegt sich dort hinter der Mündung des Weinsberger Baches ans Ufer. Um dorthin zu gelangen, legen wir nochmals 1,5 Kilometer beiderseits der Wupper zurück, wobei sich die Gaststätte Wipperaue für einen kleinen Imbiss anbietet.


Im Solinger Ortsteil Obenrüden am Ufer der Wupper


WÄHREND DAS ZUM DOPPELKOTTEN gehörende, benachbarte Fachwerkhaus in Privatbesitz ist, kann die Schleiferei Wipperkotten mit ihren rhythmisch klappernden Wasserrädern besucht und altes Handwerk höchst lebendig bestaunt werden. Mehrmals im Jahr finden populäre Veranstaltungen rund ums Schleifen statt (www.schleiferei-wipperkotten.de).

Vom Wipperkotten nehmen wir den schmalen Pfad flussaufwärts bis zum Hohlenpuhler Weg. Ihm folgen wir 650 Meter und biegen links auf den Wanderweg. Wir erreichen nach 850 Metern die Friedrichsthaler Straße, die uns linker Hand nach Widdert bringt. Am Ortseingang sind wir rechts wieder auf dem Klingenpfad. Über Böckersberg und Rölscheider Straße kommen wir zum heimeligen privaten Puppen- und Spielzeugmuseum. Heide-Marie Lange öffnet ihr Reich nach Voranmeldung für Gruppen und veranstaltet bärige Kaffeetafeln zwischen Puppe und Kuscheltier. Wir wandern leicht bergab, schwenken dann nach links zurück auf den Klingenpfad, der uns nach gut 1,5 Kilometern zum Klingenpfad-Denkmal führt. Das runde Kupferrelief am Wegesrand wurde um 1935 aus Anlass der Einweihung des insgesamt 60 Kilometer langen Solinger Wanderpfades aufgestellt. Über den Wüstenhof gelangen wir an die Wupper, die wir am Wupperhof überqueren und am nächsten Waldweg links einbiegen. Der Weg folgt den Windungen der Wupper zurück zum Waldcampingplatz.

GRENZGÄNGE

Die Wupper begleitet uns zuverlässig auf einer Wandertour flussaufwärts, die über Teile des Klingenpfads und in Richtung der Nachbarstädte Wuppertal und Remscheid führt. Über den Pfaffenberger Weg gehen wir am Waldrand dem mäandrierenden Flussverlauf folgend entlang und erreichen über die Hänge im Wald den Klingenpfad. An einer Lichtung hat man 1926 dem Heimatdichter Hermann Löns ein Denkmal gesetzt. Efeu umrankt neckisch den mächtigen Findling mit dem Reliefporträt. Wir passieren die Burger Landstraße und erreichen eine offene Landschaft mit Pferdeweiden und prächtigem Baumbestand. Am Müngstener Brückenweg stoßen wir wieder auf das Ufer unserer fließenden Begleiterin und folgen im Wald deren Verlauf in Richtung Norden.


Luftiges Erlebnis auf der Schwebefähre über der Wupper

Der Wipperkotten blieb als einziger Schleifer-Doppelkotten erhalten.

Tipp

Mittels eines ungewöhnlichen Transportmittels kann man die Wupper südlich der Müngstener Brücke überqueren. An Stahlseilen gesichert sorgt eine einzigartige Schwebefähre seit 2006 für einen luftigen Grenzübertritt zwischen Solingen und Remscheid. Von den maximal 10 Personen an Bord darf einer an der Kurbel drehen und den Fährmann entlasten (www.haus-muengsten.de/schwebefaehre).

BERGISCHES TECHNIKWAHRZEICHEN

Über den Baumwipfeln ragt die filigrane Struktur der mit 107 Metern höchsten stählernen Eisenbahnbrücke Deutschlands heraus. Ursprünglich als Kaiser-Wilhelm-Brücke 1897 eingeweiht, befuhr der illustre Namensgeber die 465 Meter lange Trasse erst zwei Jahre später. 1918 taufte man das Monument deutscher Ingenieurskunst dann um in »Müngstener Brücke«. Zu ihren Füßen entstand zur Regionale 2006, einem gemeinsamen Arbeitsprogramm von Solingen, Remscheid und Wuppertal, der vielseitige Brückenpark mit Minigolfplatz, Kunst im öffentlichen Raum und Ausstellungen im Haus Müngsten. Warum die 1849 fertiggestellte doppelbogige Wupperbrücke neben der Bundesstraße 229 nach Napoleon benannt wurde, blieb bisher ihr Geheimnis. Immerhin war sie die erste feste Verbindung zwischen Remscheid und Solingen.

Noch schweift der Blick vom Diederichstempel ungestört übers Wuppertal.

BERGISCHES KULTURWAHRZEICHEN

So treten wir den französischen Kaiser eher flüchtig als ehrfürchtig mit Füßen und machen es per pedes der Wupper nach, die südwärts fließt. Am Hang lugt der neugotische, siebeneckige Diederichstempel aus dem Blattwerk hervor. Ein illustrer Aussichtspavillon mit geschwungenen Bögen und Kuppeldach aus dem Jahr 1901, der nach dem Willen seines Erbauers stets zugänglich sein und unverstellten Blick über die Wupper gewähren sollte. Nach zwei Kilometern über kühlen Waldweg erreichen wir den Solinger Ortsteil Burg, genauer Unterburg, talseitiger Abschnitt des typischen Dorfes voller Fachwerk und Schiefer. Im Dorfkern laden gleich mehrere Cafés zur Rast. Aus der Höhe grüßt schon die markante Silhouette von Schloss Burg. Wir haben die Wahl zwischen dem Aufstieg über die Schlossbergstraße und dem Wanderweg in Serpentinen oder einer bequemen Seilbahn, die erste ihrer Art in NRW. Eingeweiht 1952 bewältigt sie seither auf einer Länge von knapp 250 Metern eine Höhendifferenz von 91 Metern, bei einer Fahrtzeit von vier Minuten.

Schloss Burg geht in seiner Historie auf 1130 zurück, als Adolf II. von Berg mit der Errichtung des repräsentativen Stammsitzes »Neuenberge« für das gräfliche Geschlecht begann. Als wehrhafte Burg verlor das Adelshaus im 15. Jahrhundert an Bedeutung und diente fortan als Jagdschloss. Mittlerweile ist das Bergische Museum eingezogen, das Geschichte und Geschichten bis in die Zeit des Mittelalters anschaulich dokumentiert.

DIE SCHLACHT VON WORRINGEN wird seit 1990 alljährlich im Innenhof von Schloss Burg wieder lebendig. Graf Adolf V. von Berg spielte damals, 1288, eine maßgebliche Rolle und neuzeitliche Ritterspiele lassen die Geschehnisse wieder aufleben. Kurzweilige Unterhaltung vor prächtiger Kulisse ist garantiert (www.georgsritter.de).

WALDREICH

Oberburg bietet neben einem ergiebigen kulinarischen Füllhorn einen fantastischen Panoramablick über das Wuppertal und das Stadtgebiet von Solingen, das sich scheinbar inmitten dichter Wälder befindet. Über den Steinweg verlassen wir Schloss Burg, durchschreiten ein enges Tal und erreichen einen bewaldeten Höhenweg. In einer Kehre wartet der zweite Diederichstempel auf uns. Neuromanisch, achteckig und fünf Jahre älter als sein Müngstener Gegenstück. Sinnsprüche und die Wappen der umliegenden Gemeinden sind in der Kuppelwölbung zu sehen, leider beeinträchtigt durch auffällige und sinnfreie Kommentare und Malereien an den Außenwänden.

Im Forst erreichen wir die 178 Meter lange Staumauer der Sengbachtalsperre, einer der ältesten Trinkwasserspeicher des Landes vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Für den Rückweg zum Campingplatz führt eine Route am Waldrand entlang durch das Tal des Sengbaches bis zur Mündung in die Wupper, die andere noch vorbei an der Biologischen Station Solingen, der Waldschule.


Typisch Bergische Giebelfronten in Gräfrath


Gräfrather Dorfidyll

Das Solinger Kunstmuseum


Schloss Grünewald, errichtet um 1820

AB IN DIE STADT

Für Unternehmungen mit dem Wohnmobil verfügt das Bergische Städtedreieck über einige günstig gelegene Stellplätze, von denen man Ausflüge mit dem Rad oder zu Fuß problemlos unternehmen kann. Dabei ist immer zu berücksichtigen, dass manche Ortsdurchfahrt recht eng und knifflig kurvenreich sein kann und man die Breite seines Fahrzeugs stets im Auge haben muss. Im Norden Solingens liegt der Parkplatz »Brandteich« nah am pittoresken Ortsteil Gräfrath, der nicht zu Unrecht zu den 17 historisch bemerkenswerten Stadtzentren Nordrhein-Westfalens gehört.

Wir passieren das Deutsche Klingenmuseum, das einen spannenden Überblick über die facettenreiche Industriegeschichte der Schneidwaren-Herstellung verschafft. Hinter dem Museumsgebäude, einst Teil des Klosterstifts der Augustinerinnen, erhebt sich die Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt im typischen Stil bergischer Romanik. Eine Treppe führt, flankiert von verschachtelt angelegten, liebevoll dekorierten Häusern zum Gräfrather Markt, an dem gleich mehrere Cafés und Restaurants zur Einkehr laden.

Tipp

Am ersten September-Wochenende verwandelt der Gräfrather Lichterzauber den Ort in ein illuminiertes Meer. An langen Tafeln wird auf dem Marktplatz trefflich gespeist, während Gaukler und Kleinkünstler für beste Unterhaltung sorgen. Kerzen und Lichter erhellen die Fenster der Häuser und die Auslagen der Geschäfte (www.graefrather-lichterzauber.de).

Über die Straße mit dem verführerischen Namen »In der Freiheit« ist es nicht weit zum Solinger Kunstmuseum. Es repräsentiert mit Jugendstilelementen die sogenannte »Neubergische Architektur« des beginnenden 20. Jahrhunderts. Zu sehen ist Kunst der letzten beiden Jahrhunderte. Am Nümmener Bach vorbei, über den Stadtwald und den Tierpark Fauna erreichen wir den Solinger Lichtturm, der an Sommerabenden farbenprächtig illuminiert wird. Östlich von uns liegt die Wupper, dazwischen erstreckt sich eine gefällige, hügelige Landschaft: die »Bergische Schweiz«. Nicht weit entfernt erwarten uns die Ländereien von Schloss Grünewald. In den beiden letzten Adventswochen wird hier ein romantischer Weihnachtsmarkt abgehalten.

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