Kitabı oku: «Einführung in die neutestamentliche Exegese»

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vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich

Dem Andenken

Georg Streckers

(1929–1994)

Udo Schnelle

Einführung

in die

neutestamentliche

Exegese

8., durchgesehene und erweiterte Auflage

Vandenhoeck & Ruprecht

Prof. Dr. theol. Udo Schnelle, o. Professor für Neues Testament an der theologischen Fakultät in Halle. Veröffentlichungen: Gerechtigkeit und Christusgegenwart. Vorpaulinische und paulinische Tauftheologie, 21986; Antidoketische Christologie im Johannesevangelium, 1987; Wandlungen im paulinischen Denken, 1989; Neutestamentliche Anthropologie, 1991; Neuer Wettstein II (mit G. Strecker); Neuer Wettstein I/2, I/1.1, I/1.2, 2001.2008. 2013; Einleitung in das Neue Testament, 82013; Das Evangelium nach Johannes, 42009; Paulus. Leben und Denken, 22014; Theologie des Neuen Testaments, 22014; Aufsätze.

Online-Angebote oder elektronische Ausgaben sind erhältlich unter www.utb-shop.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliografie verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

1.–4. Auflage als Strecker/Schnelle, Einführung in die neutestamentliche Exegese

© 2014, 1983 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen/Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.

www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. – Printed in Germany.

Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Satz: Text & Form, Garbsen

Druck und Bindung: CPI books GmbH, Ulm

UTB-Band Nr. 1253

ISBN 978-3-8252-4067-7

Vorwort zur 8. Auflage

Dieses Buch möchte dazu beitragen, Studierende zu einem methodisch reflektierten Umgang mit den Texten des Neuen Testaments zu befähigen. Dabei nimmt es die neueren synchronen Fragestellungen auf, ohne jedoch auf die bewährten Methodenschritte zu verzichten. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte zeigt deutlich, dass nicht Methodenpurismus in der einen oder anderen Weise, sondern eine bewusste Methodenvielfalt und Methodenkombination sich als sinnvoll und hilfreich erwiesen haben.

Für die 8. Auflage wurde der Text wiederum durchgesehen und an zahlreichen Stellen aktualisiert und ergänzt; neu ist der Abschnitt 7.7 (Die Form der Briefe). Auch Herr PD Dr. M. Labahn (2.3.13) und Herr PD Dr. M. Lang (15) haben ihre jeweiligen Abschnitte aktualisiert bzw. durchgesehen. Zur Weiterarbeit und Vertiefung verweise ich auf: Udo Schnelle, Einleitung in das Neue Testament, UTB 1830, 82013; ders., Theologie des Neuen Testaments, UTB 2917, 22014.


Halle, im September 2013 Udo Schnelle

Inhalt

1. Einleitung

2. Hilfsmittel zum Studium des Neuen Testaments

2.1 Textausgaben

2.2 Hilfen für die Übersetzung

2.3 Weitere Hilfsmittel

3. Textkritik

3.1 Definition

3.2 Lernziele

3.3 Geschichte der Textkritik

3.4 Der gegenwärtige Stand der Textkritik

3.4.1 Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece27.28

3.4.2 Huck-Greeven, Synopse der drei ersten Evangelien

3.5 Textkritische Grundkenntnisse

3.6 Der Vollzug der Textkritik

3.7 Übung (Mk 7,24)

3.8 Aufgabe

4. Texttheorie und Methodenabfolge

5. Textanalyse

5.1 Definition

5.2 Methodische Schritte

5.2.1 Abgrenzung des Textes

5.2.2 Kontextanalyse

5.2.3 Sprachlich-syntaktische Analyse

5.2.4 Semantische Analyse

5.2.5 Narrative Analyse

5.2.6 Pragmatische Analyse

5.2.7 Feststellung der Kohärenz

5.3 Lernziel

5.4 Übung (Mk 9,14–29)

6. Literarkritik/Quellenkritik

6.1 Definition

6.2 Lernziel

6.3 Die Geschichte der synoptischen Frage

6.4 Die Zweiquellentheorie

6.4.1 Die Markuspriorität

6.4.2 Die Logienquelle

6.4.3 Das Sondergut

6.4.4 Schematische Darstellung der Zweiquellentheorie

6.5 Weitere Theorien zum synoptischen Problem

6.6 Übung (Synoptischer Vergleich von Mk 1,1–8/Mt 3,1–12/Lk 3,1–17)

6.7 Aufgabe

6.8 Literarkritik außerhalb der Synoptiker

7. Formgeschichte

7.1 Definition

7.2 Voraussetzungen der Formgeschichte

7.2.1 Der historische Rahmen der Jesusüberlieferung

7.2.2 Die Trennung von Redaktion und Tradition

7.2.3 Die mündliche Überlieferung

7.2.4 Der ‚Sitz im Leben‘

7.3 Lernziele

7.4 Die Entstehung der Formgeschichte

7.5 Ausgewählte Formen der synoptischen Überlieferung

7.5.1 Gleichnisse

7.5.2 Übung (Mk 4,30–32par)

7.5.3 Wundergeschichten

7.5.4 Übung (Mk 7,31–37)

7.5.5 Aufgabe

7.6 Die Form des Evangeliums

7.7 Die Form der Briefe

7.8 Literarische Formen in den Briefen

7.9 Kritik der Formgeschichte

8. Traditionsgeschichte

8.1 Definition

8.2 Methodik

8.3 Lernziel

8.4 Übung (Mk 2,23–28)

8.5 Aufgabe

9. Begriffs- und Motivgeschichte

9.1 Definition

9.2 Lernziele

9.3 Arbeitsmittel

9.4 Übung (Mk 9,18)

9.5 Übung (Mk 7,27–28)

9.6 Aufgabe

10. Der religionsgeschichtliche Vergleich

10.1 Definition

10.2 Lernziel

10.3 Methodik

10.4 Die religionsgeschichtliche Erforschung des Neuen Testaments

10.5 Übung (Epiktet, Diss I 15,7–8/Mk 4,26–29)

10.6 Aufgabe

11. Redaktionsgeschichte

11.1 Definition

11.2 Lernziele

11.3 Voraussetzungen der Redaktionsgeschichte

11.4 Methodik

11.5 Der Autor, das Werk und die Leser

11.6 Übung (Mt 21,33–46)

11.7 Aufgabe

12. Die Exegese der ntl. Briefliteratur

12.1 Paulus

12.2 Das nachpaulinische Schrifttum

13. Hermeneutik

13.1 Definition

13.2 Hermeneutische Methoden und Entwürfe

13.2.1 Das rabbinische Judentum

13.2.2 Paulus

13.2.3 Origenes

13.2.4 Die Lehre vom vierfachen Schriftsinn

13.2.5 Martin Luther

13.2.6 F. D. E. Schleiermacher

13.2.7 Ernst Troeltsch

13.2.8 Karl Barth

13.2.9 Rudolf Bultmann

13.3 Neuere hermeneutische Ansätze

13.3.1 Hans Georg Gadamer

13.3.2 Biblische Theologie

13.3.3 Sozialgeschichtliche Auslegung

13.3.4 Linguistik

13.3.5 Psychologische Auslegung

13.3.6 Feministische Bibelauslegung

13.3.7 Theologie als Sinnbildung

13.4 Das Ziel der neutestamentlichen Hermeneutik

13.5 Aufgabe

14. Die Anfertigung einer Proseminararbeit

15. Die Arbeit mit der Computertechnik

15.1 Messen, Layout und Zeichensätze

15.2 Satzspiegel

15.3 Absatzformate

15.4 Tabulatoren

1. Einleitung

Literatur

GENTHE, H. J., Kleine Geschichte der neutestamentlichen Wissenschaft, 1977. – KÜMMEL, W. G., Das Neue Testament. Geschichte der Erforschung seiner Probleme, 21970. – REVENTLOW, H. v., Epochen der Bibelauslegung I–IV, 1990–2001. – BAIRD, W., History of New Testament Research I.II.III, Minneapolis 1992.2003.2013.

Das Ziel der Einführung in die neutestamentliche Exegese besteht darin, die Studierenden zur eigenständigen Analyse eines neutestamentlichen Textes mit Hilfe der historisch-kritischen Auslegungsmethode zu befähigen. Sie sollen einen Text hinsichtlich seines ursprünglichen Wortlautes, seiner sprachlichen und literarischen Struktur, seiner Form, seiner Entstehungsgeschichte, seiner Begriffe und Motive, seiner religionsgeschichtlichen Stellung, seiner redaktionellen Aussagerichtung und seines theologischen Inhalts analysieren und verstehen können.

Als Mittel der Exegese ist die historisch-kritische Auslegungsmethode weder voraussetzungslos noch unveränderlich. Ihre Wurzeln hat sie in der geistesgeschichtlichen Wende der Neuzeit, die sich in den Entdeckungen und Ergebnissen der Naturwissenschaften, der Philosophie, der Ökonomie, der Philologie und der Geisteswissenschaften niederschlug. Vor allem in der französischen, englischen und deutschen Aufklärung entstand ein neues Weltbild, das durch menschliches Autonomiebewusstsein, Pluralismus, Emanzipation und eine fortschreitende Säkularisierung gekennzeichnet war. Die Vorstellungen einer historia sacra oder scriptura sacra wurden fallengelassen und eine metaphysische Welterklärung sowie die Vormachtstellung der Kirche nicht mehr als selbstverständlich hingenommen. Die Frage nach Wahrheit war hinfort nicht mehr mit dem Verweis auf kirchliche Traditionen und Lehrmeinungen zu beantworten, sondern wurde der Vernunft unterworfen.

Theologiegeschichtlich sind im Rahmen dieser Entwicklung vor allem die Unterscheidung zwischen Heiliger Schrift und Wort Gottes durch J. S. Semler, die Entgegensetzung von ewigen Vernunftwahrheiten und zufälligen Geschichtswahrheiten durch G. E. Lessing und die von J. Ph. Gabler durchgeführte Trennung von »biblischer« und »dogmatischer« Theologie wirksam geworden.

Der Hallenser Theologe JOHANN SALOMO SEMLER (1725–1791) unterzog das Neue Testament einer streng historischen Fragestellung und unterschied dabei zwischen Wort Gottes und Heiliger Schrift, weil es in der Heiligen Schrift Abschnitte gibt, die nur in der Vergangenheit von Bedeutung waren und heute dem Menschen nicht mehr zur ‚moralischen Aufbesserung‘ dienen. »Heilige Schrift und Wort Gottes ist gar sehr zu unterscheiden, weil wir den Unterschied kennen; hat man ihn vorher nicht eingesehen, so ist ja dies kein Verbot, das es uns untersagte. Zu der heiligen Schrift, wie dieser historische, relative terminus unter den Juden aufgekommen ist, gehört Ruth, Esther, Hohelied etc., aber zum Worte Gottes, das alle Menschen in aller Zeit weise macht zur Seligkeit, gehörten diese heilig genannten Bücher nicht alle.«1 Die Unterscheidung zwischen Wort Gottes und Heiliger Schrift wurde zum Prinzip einer neuen Hermeneutik, welche die Lehre von der Verbalinspiration gänzlich entwertete und ein innerbiblisches Scheidungsverfahren in Gang setzte, dem als Kriterium für die Unterscheidung zwischen dem bleibenden Wort Gottes und dem Historisch-Relativen die moralische Besserung des Menschen diente. »Da wir durch alle 24 Bücher des Alten Testaments nicht moralisch gebessert werden, so können wir uns auch von ihrer Göttlichkeit nicht überzeugen.«2 Semlers Gleichsetzung von »göttlich« und »moralischer Besserung« hatte somit eine Trennung zwischen Altem und Neuem Testament zur Folge. Ebenfalls bedeutsam war eine zweite Unterscheidung Semlers, die zwischen Religion und Theologie. Während mit dem Ausdruck ‚Religion‘ die von allen Christen zu übende rechte Frömmigkeit gemeint ist, versteht Semler unter ‚Theologie‘ die zur fachlichen Ausbildung der Theologen notwendigen wissenschaftlichen Methoden. Damit gewinnt er einen zu seiner Zeit keineswegs üblichen Freiraum für kritische wissenschaftliche Arbeit, deren Methoden und Ergebnisse die von allen auszuübende Religion grundsätzlich nicht in Frage stellen.

Dem Problem ‚Vernunft und Offenbarung‘ stellte sich in unbestechlicher Schärfe der Dichter und Philosoph GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729–1781). In dem Essay »Vom Beweis des Geistes und der Kraft« (vgl. 1Kor 2,4) betont Lessing, »daß Nachrichten von erfüllten Weissagungen nicht erfüllte Weissagungen, daß Nachrichten von Wundern nicht Wunder sind«3. Was Menschen vor 1800 Jahren unmittelbar zum Glauben veranlasste, kann heute auf die bloße Nachricht hin nicht in gleicher Weise zum Glauben führen. »Wenn keine historische Wahrheit demonstriert werden kann, so kann auch nichts durch historische Wahrheiten demonstriert werden. Das ist: Zufällige Geschichtswahrheiten können der Beweis von notwendigen Vernunftswahrheiten nie werden.«4 Damit leugnet Lessing nicht die Wahrheit des christlichen Glaubens und wendet sich nicht gegen die Offenbarung, sondern gegen die Beweismittel, die man für sie anführt: Weissagungen und Wunder. Er kämpft gegen die ‚Bibliolatrie‘, gegen die Herrschaft des inspirierten Buchstabens, die den ‚garstigen Graben‘ zwischen uns und den biblischen Schriften nicht wahrhaben will. Lessings Unterscheidung von Religion und Bibel, wonach die notwendigen Vernunftswahrheiten (natürliche Theologie) der Religion, die zufälligen Geschichtswahrheiten hingegen der Bibel zuzuordnen sind, wird in der »Erziehung des Menschengeschlechtes« (1780) ins Positive gewendet. Die Bibel erhält ihren Platz in der notwendigen Entwicklung von der Offenbarung zur Vernunft. Die biblischen Geschichtswahrheiten werden in den universalen Prozess einer zielgerichteten göttlichen Pädagogik eingebettet, an dessen Ende ein neues ewiges Evangelium stehen wird, das im Neuen Testament selbst verheißen ist und wonach der Mensch durch seine Vernunft das Gute um des Guten willen tun wird.

Von großer Bedeutung war die Unterscheidung zwischen biblischer Theologie und dogmatischer Theologie durch JOHANN PHILIPP GABLER (1753–1826). »Die biblische Theologie besitzt historischen Charakter, überliefernd, was die heiligen Schriftsteller über die göttlichen Dinge gedacht haben; die Dogmatische Theologie dagegen besitzt didaktischen Charakter, lehrend, was jeder Theologe kraft seiner Fähigkeit oder gemäß dem Zeitumstand, dem Zeitalter, dem Orte, der Sekte, der Schule und anderen ähnlichen Dingen dieser Art über die göttlichen Dinge philosophierte. Jene, da sie historisch argumentiert, ist, für sich betrachtet, sich immer gleich (obwohl sie selbst, je nach dem Lehrsystem, nach dem sie ausgearbeitet wurde, von den einen so, von den anderen anders dargestellt wird): Diese jedoch ist zusammen mit den übrigen menschlichen Disziplinen vielfältiger Veränderung unterworfen: Was ständige und fortlaufende Beobachtung so vieler Jahrhunderte übergenug beweist.«5 Die Aufgabe der biblischen Theologie liegt somit in der Erhebung des sensus scriptorum, ihr muss ein historisch-exegetisches Verfahren zugrunde liegen, während die dogmatische Theologie sich durch Rationalität, Konfessionalität und philosophische Aktualität auszeichnet. Bibelstellen dienen nicht einfach mehr zum Beweis dogmatischer Aussagen (dicta probantia), sondern als genus historicum ist die biblische Theologie eine eigenständige Wissenschaft und Voraussetzung der dogmatischen Theologie.

Beim Vollzug der biblischen Theologie als einer rein historischen Disziplin legt Gabler Wert darauf, dass die Lehre von der göttlichen Inspiration der Schrift bei der Ermittlung des sensus literalis beiseite gelassen wird, dass die Vorstellungen, Begriffe und Anschauungen der »heiligen Männer« genau unterschieden und verglichen werden, wobei Altes und Neues Testament letztlich getrennt werden müssen, und schließlich bei der Exegese genau differenziert wird zwischen der grammatischen Auslegung und der folgenden Erklärung des Textes. Während sich die grammatische Auslegung auf den Sinn eines Textes richtet, auf das, was der Schriftsteller bei der Abfassung des Textes dachte, unterzieht die Erklärung den Text einer scharfen historischen und philosophischen Kritik. »Man kann daher in der That einen gegründeten Unterschied zwischen Auslegen und Erklären machen: zu dem ersten gehört nur die Erforschung des Sinnes; zu dem letztern hingegen die Aufklärung der Sache selbst …«6 Gablers Unterscheidung zwischen Wort- und Sacherklärung ist eine grundlegende hermeneutische Anweisung, die in leicht abgewandelter Form heute in der Differenzierung von Sinn und Bedeutung eines Textes große Aktualität besitzt7.

Fortan wurde auch die Bibel wie jedes andere literarische Produkt der Antike mit den Methoden der kritischen Geschichtswissenschaft und Philologie untersucht, die vor allem im 19. Jahrhundert einen ungeheuren Aufschwung nahmen (L. v. Ranke, J. G. Droysen, Th. Mommsen, H. Usener).

Die im Rahmen dieser Entwicklung entstandene historisch-kritische Auslegungsmethode hat nun ihr Recht keineswegs in sich selbst, sondern sie hat sich als eine sachgerechte und den Texten angemessene Auslegungsform erwiesen und muss sich auch in Zukunft ständig als solche erweisen. Sie ist nicht in sich einheitlich, es gibt nicht ‚die‘ historisch-kritische Methode, sondern sowohl hinsichtlich der Methodik als auch der Ergebnisse fehlt es nicht an Unterschieden. Dies ist aber nur natürlich; denn als eine geschichtlich denkende Auslegungsmethode ist sie selbst der Geschichtlichkeit und damit der Veränderlichkeit unterworfen.

Lektüre

EBELING, G., Die Bedeutung der historisch-kritischen Methode für die protestantische Theologie und Kirche, in: ders., Wort und Glaube I, 31967, 1–49

1 J. S. Semler, Abhandlung von freier Untersuchung des Canon I, 1771, 75.

2 A.a.O. III, 1773, 26.

3 G. E. Lessing, Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft, in: Sämtliche Schriften X, hg. v. K. Lachmann, 21856, 38.

4 A.a.O., 39.

5 J. Ph. Gabler, Von der richtigen Unterscheidung der biblischen und der dogmatischen Theologie und der rechten Bestimmung ihrer beiden Ziele, in: G. Strecker (Hg.), Das Problem der Theologie des Neuen Testaments, WdF 367, 1975, (32–44) 35f.

6 Zitiert nach W. G. Kümmel, Das Neue Testament, 121.

7 Zwischen Interpretation und Kritik, Sinn und Bedeutung unterscheidet E. D. Hirsch, Prinzipien der Interpretation, UTB 104, 1972, 181 f. – Interpretation (= Exegese) meint die Erschließung des Sinnes (meaning) eines Textes, Kritik hingegen eine Stellungnahme zum Text, die Herausarbeitung seiner Bedeutung für eine Person (relevance). Zwischen beiden Schritten ist nach Hirsch streng zu unterscheiden, denn »man versteht einen Sinn, man beurteilt seine Bedeutung. Im ersten Fall unterwirft man sich einem anderen; im zweiten Fall handelt man unabhängig, aus eigener Autorität, wie ein Richter« (a.a.O., 183).

2. Hilfsmittel zum Studium des Neuen Testaments

2.1 Textausgaben

2.1.1 Die wissenschaftliche Handausgabe des Neuen Testaments ist das Novum Testamentum Graece von E. Nestle – K. Aland. Es erschien 1979 in einer völlig neu bearbeiteten 26. Auflage, die 1993 durch die im kritischen Apparat veränderte 27. Auflage abgelöst wurde. 2012 erschien die 28. revidierte Auflage (zu den Einzelheiten vgl. den Abschnitt ‚Textkritik‘).

Das im Blick auf die Aufgaben der modernen Übersetzer entworfene und von B. u. K. Aland, J. Karavidopoulos, C. M. Martini und B. M. Metzger herausgegebene ‚Greek New Testament‘ erschien 1993 in einer neu bearbeiteten 4. Auflage. Der abgedruckte Text ist identisch mit Nestle-Aland26.27, der textkritische Apparat wurde durchgehend bearbeitet und erweitert. Dennoch wird der textkritische Befund nicht in der gleichen Dichte dargeboten wie in Nestle-Aland27, so dass diese Ausgabe für das wissenschaftliche Studium des Neuen Testaments vorzuziehen ist.

Seit 1997 erscheint die Editio Critica Maior des griechischen Neuen Testaments (hg. v. B. Aland, K. Aland †, G. Mink, K. Wachtel). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, faktisch das gesamte textgeschichtliche Material zu einer ntl. Schrift darzubieten (erschienen sind bisher: Jak; 1.2 Petr.; 1.2.3Joh).

2.1.2 Ein unentbehrliches Hilfsmittel für die Arbeit an den Synoptikern und dem Johannesevangelium ist eine griechische Synopse. Die von Kurt Aland herausgegebene ‚Synopsis Quattuor Evangeliorum‘ (152001) bietet auf der Grundlage von Nestle-Aland26.27 neben den parallelen Textabschnitten der Synoptiker und des Johannesevangeliums zahlreiche patristische Belegstellen und im Anhang den koptischen Text des Thomasevangeliums mit einer deutschen Übersetzung.

In einer vollständigen Neubearbeitung durch Heinrich Greeven erschien 1981 die Synopse von A. Huck – H. Lietzmann. Auch Greeven hat die Parallelen aus dem Johannesevangelium und dem Thomasevangelium aufgenommen, wobei er für das Thomasevangelium eine eigene griechische Übersetzung anfertigte. ‚Huck-Greeven’ bietet eine völlig eigenständige Textfassung, so dass für den Bereich der synoptischen Evangelien eine Alternative zu Nestle-Aland27.28 vorhanden ist. Zur Bedeutung von ‚Huck-Greeven‘ für die neutestamentliche Textkritik vgl. den Abschnitt ‚Textkritik‘.

2.1.3 Zur Zeit der späten Schriften des Neuen Testaments und in nachneutestamentlicher Zeit entwickelte sich eine umfangreiche christliche Literatur, deren Kenntnis für die Arbeit am Neuen Testament häufig notwendig ist. Die Schriften der ‚Apostolischen Väter’ (Clemens, Ignatius, Polykarp, Didache, Barnabasbrief, Diognetbrief, Hirt des Hermas, Papiasfragmente) liegen in griechisch-deutschen Ausgaben von J. A. Fischer, 91986, K. Wengst, 1984, und U. H. J. Körtner – M. Leutzsch, 1998, sowie von A. Lindemann – H. Paulsen, Die Apostolischen Väter, 1992, vor. Die neutestamentlichen Apokryphen sind in deutscher Übersetzung leicht zugänglich in der zweibändigen Ausgabe von W. Schneemelcher (Hg.), Neutestamentliche Apokryphen, I 61990; II 51989; vgl. ferner H.-J. Klauck, Apokryphe Evangelien, 2002; ders., Apokryphe Apostelakten, 2005.

2.1.4 Von großer Bedeutung für die Arbeit am Neuen Testament ist die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die nach der Überlieferung des Aristeasbriefes durch 72 Gelehrte in 72 Tagen entstanden sein soll und daher Septuaginta (LXX) heißt. Die neutestamentlichen Schriftsteller zitieren häufig aus diesem seit der ersten Hälfte des 3. Jh. v.Chr. verfassten Werk8.

Eine handliche Ausgabe des LXX-Textes in 2 Bänden liegt von A. Rahlfs vor (Erstdruck 1935, Neubearbeitung durch R. Hanhart, 2006). Seit 1931 erscheint eine umfassende Septuaginta-Ausgabe im Auftrag der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Über die hebräische Bibel hinaus enthält die Septuaginta neben Ergänzungen und Bearbeitungen der ursprünglichen Schriften 9 Bücher zusätzlich (Sapientia Salomonis, Jesus Sirach, Psalmen Salomos, Judith, Tobit und erstes bis viertes Makkabäerbuch), die alttestamentliche Apokryphen genannt werden (von gr. ἀπόκρυφος = verborgen, geheim). Den Wortbestand der Septuaginta-Ausgabe von Rahlfs mit englischen Übersetzungen bietet J. Lust u.a. (Hg.), A Greek-English Lexicon of the Septuagint I.II, 1992.1996. Sehr hilfreich sind auch das Wörterbuch zur LXX von F. Rehkopf, Septuaginta-Vokabular, 1989, und M. Tilly, Einführung in die Septuaginta, 2005.

Eine wissenschaftlich fundierte deutsche Übersetzung der Septuaginta liegt nun erstmals vor: Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in Übersetzung, hg. v. W. Kraus – M. Karrer, 2008. Eine Übersetzung jüdischer Schriften außerhalb des alttestamentlichen Kanons (die sog. ‚Pseudepigraphen‘) bietet auch E. Kautzsch (Hg.), Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments, 41975. Eine vollständige Übersetzung der Apokryphen und Pseudepigraphen findet sich bei J. H. Charlesworth (Hg.), The Old Testament Pseudepigrapha I–II, Garden City NY 1983.1985. Das deutsche Pendant zu diesem Werk ist die von W. G. Kümmel begründete und nun von H. Lichtenberger hg. Reihe ‚Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit‘ (1973ff), in der 52 Schriften übersetzt werden. Von Bedeutung ist ferner die Übersetzung der Pseudepigraphen und anderer jüdischer Schriften durch P. Rießler, Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel, 1981 (Nachdruck).

2.1.5 Wichtig für die Arbeit am Neuen Testament ist auch die Kenntnis der Texte der Gemeinde von Qumran am Toten Meer. Hier ist die hebräisch-deutsche Ausgabe von E. Lohse, Die Texte aus Qumran, 41986; A. Steudel, Die Texte aus Qumran II, 2001, zu empfehlen. Alle Qumran-Texte sind nun in deutscher Übersetzung zugänglich bei: J. Maier, Die Qumran-Essener: Die Texte vom Toten Meer I–III, 1995–1996. Eine grundlegende Orientierung in der neu entbrannten Qumran-Debatte gibt H. Stegemann, Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus, 71998; die neueste, umstrittene Entwicklung dokumentiert Y. Hirschfeld, Qumran – die ganze Wahrheit, 2006 (nicht die Texte, sondern die archäologischen Funde bilden die Grundlage von Hypothesen). Eine auch heute noch hilfreiche Auswertung für das Neue Testament ist die Monographie von H. Braun, Qumran und das Neue Testament I–II, 1966.

2.1.6 Für das Verständnis der Sprache und Gedankenwelt des Neuen Testaments ist die Kenntnis hellenistischer bzw. stark hellenistisch beeinflusster Schriftsteller unerlässlich. Die Schriften des jüdischen Religionsphilosophen Philo von Alexandria (geb. ca. 25 v.Chr. – gest. nach 40 n.Chr.), des stoischen Philosophen Epiktet (ca. 55–135 n.Chr.), des Biographen und Schriftstellers Plutarch (ca. 45–120 n.Chr.) und des Sophisten Philostrat (gest. um 245 n.Chr.) sind in griechisch-englischen Ausgaben leicht zugänglich innerhalb der ‚Loeb Classical Library‘. Das Hauptwerk des jüdischen Historikers Flavius Josephus (37/38 – um 100 n.Chr.) ‚De Bello Judaico‘ liegt in einer von O. Michel und O. Bauernfeind hg. griechisch-deutschen Ausgabe vor (1959–1969); nach wie vor von Wert ist die deutsche Übersetzung der ‚Antiquitates Judaicae’ von Josephus durch H. Clementz, die nun in einer von M. Tilly durchgesehenen und mit der wissenschaftlich üblichen Paragraphenzählung versehenen Neuausgabe vorliegt (2004).

2.1.7 Umfangreiche Vergleichstexte zum Neuen Testament aus dem Bereich der klassischen griechischen Literatur und des Hellenismus bietet der Neue Wettstein (s.u. 10). Auf der Basis des Quellenteils von J. J. Wettstein (Hg.) Novum Testamentum Graecum, Amsterdam 1751/52, führt der II. Band des Neuen Wettstein ca. 3600 Vergleichstexte zur ntl. Briefliteratur und zur Johannesapokalypse an (Bd. II/1.2 erschien 1996; Bd. I/2 erschien 2001 und enthält 2000 Vergleichstexte zum Johannesevangelium; Bd. I/1.1 zum Markusevangelium erschien 2008; Band I/1.2 zum Matthäusevangelium umfasst 2 Teilbände, von denen 2013 der erste Teilband veröffentlicht wurde; jeder einzelne Band bietet wiederum ca. 2000 Vergleichstexte. Bd. III bietet Vergleichstexte zum luk. Doppelwerk). Alle Vergleichstexte werden unter Berücksichtigung ihres Kontextes in deutscher Sprache zitiert. Die zentralen Passagen sind jeweils im griechischen bzw. lateinischen Originaltext beigefügt. Mit dem Neuen Wettstein haben die Studierenden erstmals die Möglichkeit, umfassend Texte aus der griechisch-römischen Antike für die Interpretation des NT heranzuziehen.

2.1.8 Eine umfangreiche Auswahl gnostischer Texte in deutscher Übersetzung enthält das dreibändige Werk ‚Die Gnosis‘ (Bd. I: Zeugnisse der Kirchenväter, 21979; Bd. II: Koptische und mandäische Quellen, 1971, beide Bände hg. von W. Foerster; Bd. III: Der Manichäismus, 1980, hg. v. A. Böhlig). Eine vollständige deutsche Übersetzung aller Nag-Hammadi-Texte bietet jetzt: Nag Hammadi Deutsch I.II, hg. v. H.-M. Schenke, H.-G. Bethge u. U. U. Kaiser, 2001.2003.

2.2 Hilfen für die Übersetzung

2.2.1 Sehr hilfreich für das Verständnis und die Übersetzung des neutestamentlichen Textes sind Einführungen in die Sprache des Neuen Testaments, wie sie W. Bauer, Zur Einführung in das Wörterbuch zum Neuen Testament, in: ders., Aufsätze und Kleine Schriften, hg. v. G. Strecker, 1967, 61–90; A. Wikenhauser – J. Schmid, Einleitung in das Neue Testament, 61973, 186–202, und F. Rehkopf, Griechisch (des Neuen Testaments), TRE 14 (1985), 228–235, bieten.

2.2.2 Unentbehrlich für die Arbeit am Neuen Testament sind griechisch-deutsche Wörterbücher. Ein anerkanntes ‚Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur‘ hat Walter Bauer (51958 = 1975; 6. Auflage hg. v. K. u. B. Aland, 1988) verfasst. Durch seine zahlreichen Belege aus der jüdischen, paganen und urchristlichen Literatur, seine philologischen und exegetischen Verweise und bibliographischen Angaben ist dieses Werk weit mehr als ein normales Wörterbuch. Aufgrund einer starken Berücksichtigung des hellenistischen Griechisch (Koine) und zahlreicher unbeachteter Belege aus der Profangräzität gelingt es Bauer, die großen sprachlichen Gemeinsamkeiten zwischen dem Neuen Testament und der Literatur der jüdisch- und pagan-hellenistischen Umwelt aufzuzeigen. Eine zuverlässige erste Information bietet F. Rehkopf, Griechisch-deutsches Wörterbuch zum Neuen Testament, 1992. Ein umfassendes Lexikon zur gesamten antiken Gräzität ist H. G. Liddell – R. Scott, A Greek-English Lexicon, New Edition, Oxford 1925–1940 (ergänzt 1968). Grundlegende Einführungen in die Bedeutung, das semantische Umfeld und traditions- und religionsgeschichtliche Hintergründe eines ntl. Begriffes bieten: G. Kittel – G. Friedrich (Hg.), Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament I–X, 1933–1979; H. Balz – G. Schneider (Hg.), Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament I–III, 21992; L. Coenen – K. Haacker (Hg.), Theologisches Begriffslexikon, 2001.

2.2.3 Für die Übersetzung neutestamentlicher Texte unerlässlich ist eine Grammatik des neutestamentlichen Griechisch. Hier ist auf die Grammatik von F. Blaß – A. Debrunner – F. Rehkopf (171990) zu verweisen (abgekürzt: B.-D.-R.). Weiterhin von Wert bleibt L. Radermacher, Neutestamentliche Grammatik. Das Griechische des Neuen Testaments im Zusammenhang mit der Volkssprache, 21925. Für den Anfänger im ntl. Griechisch eignet sich besonders die ‚Griechische Grammatik zum Neuen Testament‘ von H. v. Siebenthal (Neubearbeitung 2011).

2.2.4 Das Vorkommen und der Gebrauch einzelner Wörter im Neuen Testament lassen sich leicht mit Hilfe einer Konkordanz ermitteln. Nicht vollständig, aber durch eine übersichtliche Anordnung der Parallelstellen sehr praktisch und in der Regel ausreichend ist die Handkonkordanz von A. Schmoller, die nun in einer vollständigen Neubearbeitung (161989) vorliegt. Vollständig, jedoch nicht übersichtlich genug ist die ‚Computer-Konkordanz‘ zur 26. Auflage von Nestle-Aland (1980). Völlig erfasst und übersichtlich dargeboten wird der neutestamentliche Wortschatz in der von K. Aland herausgegebenen ‚Vollständigen Konkordanz zum griechischen Neuen Testament‘ (Bd. I, 1983: Vollständige Konkordanz; Bd. II, 1978: Spezialübersichten). Eine neuartige Verbindung von Synopse und Konkordanz bietet die auf vier Bände angelegte ‚Griechische Konkordanz zu den ersten drei Evangelien in synoptischer Darstellung, statistisch ausgewertet, mit Berücksichtigung der Apostelgeschichte‘, hg. v. P. Hoffmann, Th. Hieke, U. Bauer, 1999ff. Weitere Konkordanzen und Wortstatistiken: W. S. Moulton – A. S. Geden, A Concordance to the Greek Testament, (1897) 51978; R. Morgenthaler, Statistik des neutestamentlichen Wortschatzes, 31982 (mit Beiheft); F. Neirynck – F. v. Segbroeck, New Testament Vocabulary, Leuven 1984. Zur Aufschlüsselung des außerneutestamentlichen Schrifttums stehen zahlreiche Konkordanzen zur Verfügung. Für die LXX: E. Hatch – H. A. Redpath, A Concordance to the Septuagint and the other Greek Versions of the Old Testament I–II, Oxford 1897–1906; für die zwischentestamentarische Literatur: A. Denis (Hg.), Concordance Grecque des Pseudepigraphes d’Ancien Testament, Leuven 1987; für die nachneutestamentliche Zeit: H. Kraft – U. Früchtel, Clavis Patrum Apostolicorum, 1963; für die wichtigsten hellenistischen, jüdischen und patristischen Autoren sind Konkordanzen und kritische Textausgaben vorhanden, die durch ausführliche Indizes erschlossen werden (zu Epiktet: H. Schenkl, Epicteti Dissertationes etc., 1894, 491–720; zu Qumran: K. G. Kuhn, Konkordanz zu den Qumrantexten, 1960; J. H. Charlesworth, Graphic Concordance to the Dead Sea Scrolls, 1991; zu Philo: J. Leisegang, Indices ad Philonis Alexandrini opera I–II, 1926.1930 [= 1963]; G. Mayer, Index Philoneus, 1974; P. Borgen – K. Fuglseth – R. Skarsten, The Philo Index, Trondheim 1997; zu Josephus: K.H. Rengstorf, A complete Concordance to Flavius Josephus I–III, Leiden 1973–1979, Supplement I, Namenwörterbuch zu Flavius Josephus von A. Schalit, Leiden 1968; zu Clemens Alexandrinus: O. Stählin, Clemens Alexandrinus IV [= Register], GCS 39, 1936; zu Pseudoklemens: G. Strecker, Die Pseudoklementinen III 1–2, 1986.1989).

2.3 Weitere Hilfsmittel

2.3.1 Bibelkunde

D. C. Bienert, Bibelkunde des Neuen Testaments, 2010; L. Bormann, Bibelkunde, 2005; K.-M. Bull, Bibelkunde des Neuen Testaments, 1997; K. Gutbrod, Kurze Bibelkunde zum NT, 21977; H. Merkel, Bibelkunde des NT, 41992; H.D. Preuß – K. Berger, Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments I–II, UTB 887.972, 51993. 51997; O. Weber, Grundwissen der Bibelkunde, 91970; C. Westermann, Abriß der Bibelkunde, 131991; P. Wick, Bibelkunde des Neuen Testaments, 2004.

2.3.2 Geschichte des Urchristentums

J. Becker u.a., Die Anfänge des Christentums, 1987; R. Bultmann, Das Urchristentum im Rahmen der antiken Religionen, (1949) 41976; H. Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, GNT 5, 51983; M. Ebner, Die Stadt als Lebensraum der ersten Christen, 2012; K. M. Fischer, Das Urchristentum, 21991; J. Gnilka, Die frühen Christen, HThK.S 7, 1999; L. Goppelt, Die apostolische und nachapostolische Zeit, 21966; H. Kraft, Die Entstehung des Christentums, 1981; L. Schenke, Die Urgemeinde, 1990; W. Schneemelcher, Das Urchristentum, 1981; F. Vouga, Geschichte des frühen Christentums, 1994; A. J. M. Wedderburn, A History of the First Christians, London 2004; D. Zeller, Die Entstehung des Christentums, in: Christentum I, hg. v. D. Zeller, 2002, 15–220.

2.3.3 Umwelt des Neuen Testaments

C. K. Barrett – C. J. Thornton, Texte zur Umwelt des Neuen Testaments, UTB 1591, 21991; W. Bousset – H. Greßmann, Die Religion des Judentums im späthellenistischen Zeitalter, HNT 21, (1903, 31926) 41966; A. Deißmann, Licht vom Osten, (1908) 41923; K. Erlemann – K. L. Noethlichs – K. Scherberich – J. Zangenberg (Hg.), Neues Testament und Antike Kultur I–IV, 2004–2006; W. Foerster, Neutestamentliche Zeitgeschichte I–II, 31959.1956; J. Jeremias, Jerusalem zur Zeit Jesu, 31963; H. G. Kippenberg – G. A. Wewers, Textbuch zur neutestamentlichen Zeitgeschichte, GNT 8, 1979; H. J. Klauck, Die religiöse Umwelt des Urchristentums I.II., 1995.1996; B. Kollmann, Einführung in die Neutestamentliche Zeitgeschichte, Darmstadt 2006; J. Leipoldt – W. Grundmann (Hg.), Umwelt des Urchristentums I.II.III (1966), 81990.81991.61988; E. Lohse, Umwelt des NT, GNT 1, 61983; J. Maier, Zwischen den Testamenten, NEB.AT.E 3, 1990; P. Schäfer, Geschichte der Juden in der Antike, 1983; J. Schröter/J. Zangenberg (Hg.), Texte zur Umwelt des Neuen Testaments, 2013; E. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi I–III, 3.41901–1909 (engl. Neubearbeitung: G. Vermes – F. Millar, The History of the Jewish People in the Age of Jesus Christ, Edinburgh I 1973. II 1979. III/1 1986. III/2 1987); J. E. Stambaugh – D. L. Balch, Das soziale Umfeld des Neuen Testaments, GNT 9, 1992; E. Stegemann – W. Stegemann, Urchristliche Sozialgeschichte, 21997; G. Stemberger, Einleitung in Talmud und Midrasch, 81992; Ders., Pharisäer, Sadduzäer, Essener, SBS 144, 1991; H. L. Strack – P. Billerbeck, Kommentar zum NT aus Talmud und Midrasch I–IV. V–VI, 71978.51979 (abgekürzt: Billerbeck).

2.3.4 Archäologie

In den Kontext ntl. Sozial-, Wirtschafts-, und Zeitgeschichte gehört die Archäologie. Ausgrabungen (z.B. Jerusalem, Kapernaum, Betsaida); Münzenfunde; Ostraka; Inschriften; bildhafte Darstellungen wie Fresken, Reliefs, Skulpturen; Gegenstände des Kultes und des täglichen Lebens können einen hohen Wert für das Verständnis ntl. Texte haben. Einen Forschungsüberblick zur gegenwärtigen Situation ntl. Archäologie bieten W. Klaiber, Archäologie und Neues Testament, ZNW 72 (1981), 195–215; J. Zangenberg, Archäologie und Neues Testament, ZNT 13 (2004), 2–10; als Einführung geeignet sind die Themenhefte der Zeitschrift ‚Welt und Umwelt der Bibel‘, hg. v. H. Merklein, 1997ff; geographische Überblicke vermittelt Herders großer Bibel-Atlas, hg. v. O. Keel u. M. Küchler, 1989. Als Handbücher bzw. Lexika sind für die ntl. Archäologie von Bedeutung: St. Alkier – J. Zangenberg (Hg.), Zeichen aus Text und Stein. Studien auf dem Weg zu einer Archäologie des Neuen Testaments, TANZ 42, 2003; W. Bösen, Galiläa als Lebensraum und Wirkungsfeld Jesu, 1985; J. D. Crossan – J. L. Reed, Jesus ausgraben. Zwischen den Steinen – hinter den Texten, 2003; W. Elliger, Paulus in Griechenland, 1990; J. Finegan, The Archeology of the New Testament, Princeton 21992; S. Freyne, Galilee: From Alexander the Great to Hadrian, Edinburgh 1998; M. Görg – B. Lang (Hg.), Neues Bibel-Lexikon, 1991ff; R. A. Horsley, Archaeology, History, and Society in Galilee, Valley Forge 1996; O. Keel – M. Küchler, Orte und Landschaften der Bibel, 1982ff; E. M. Meyers – J. F. Strange, Archaeology, the Rabbis, and Early Christianity, Nashville 1981; J. McRay, Archeology in the New Testament, Grand Rapids 1991.

2.3.5 Einleitungen

I. Broer, Einleitung in das Neue Testament, in Verb. mit H.-U. Weidemann, 32010; E. Brown, An Introduction to the New Testament, New York 1998; M. Ebner – St. Schreiber (Hg.), Einleitung in das Neue Testament, 2008; A. Jülicher – E. Fascher, Einleitung in das Neue Testament, 71931; R. Knopf – H. Lietzmann – H. Weinel, Einführung in das Neue Testament, 51949; H. Köster, Einführung in das NT, 1980; W. G. Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, 211983; E. Lohse, Die Entstehung des Neuen Testaments, ThW 4, 51990; W. Marxsen, Einleitung in das NT, 41978; P. Pokorný – U. Heckel, Einleitung in das Neue Testament, 2007; J. Roloff, Einführung in das Neue Testament, 1995; H. M. Schenke – K. M. Fischer, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments I–II, 1978.1979; U. Schnelle, Einleitung in das Neue Testament, 82013; G. Theißen, Das Neue Testament, 2001; Ders., Die Entstehung des Neuen Testaments als literaturgeschichtliches Problem, 2007; Ph. Vielhauer, Geschichte der urchristlichen Literatur, 1975; A. Wikenhauser – J. Schmid, Einleitung in das Neue Testament, 61973.

2.3.6 Einführungen und Arbeitsbücher zum Neuen Testament

St. Alkier, Neues Testament, 2010; K. Berger, Exegese des NT, 31991; G. Adam – O. Kaiser – W. G. Kümmel – O. Merk, Einführung in die exegetischen Methoden, 2000; H. Conzelmann – A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT, UTB 52, 142004; M. Ebner – B. Heininger, Exegese des Neuen Testaments, 22007; W. Egger, Methodenbuch zum Neuen Testament, 41996; W. Fenske, Arbeitsbuch zur Exegese des Neuen Testaments, 1999; K. Haacker, Neutestamentliche Wissenschaft, 21985; D. Lührmann, Auslegung des Neuen Testaments, 21987; St. L. McKenzie – St. R. Haynes (Hg.), To Each Its Own Meaning. An Introduction to Biblical Criticisms and their Application, Louisville 1993; M. Meiser u.a., Proseminar II. Neues Testament – Kirchengeschichte, 2000; K.-W. Niebuhr (Hg.), Grundinformation Neues Testament, 42011; S. E. Porter (Hg.), Handbook to Exegesis of the New Testament, 1997; E. Reinmuth – K.-M. Bull, Proseminar Neues Testament, 2006; J. Roloff, Neues Testament, 71999; Th. Söding, Wege der Schriftauslegung, 1998; G. Strecker, NT, in: ders. (Hg.), Grundkurs Theologie Bd. 2, 1988; H. Weder, Taschen-Tutor Neues Testament, 31989; H. Zimmermann, Neutestamentliche Methodenlehre (neubearbeitet v. K. Kliesch), 71982.

2.3.7 Theologien des Neuen Testaments

K. Berger, Theologiegeschichte des Urchristentums, 21996; R. Bultmann, Theologie des Neuen Testaments, 91984; H. Conzelmann, Grundriß der Theologie des Neuen Testaments, 41987; J. Gnilka, Theologie des Neuen Testaments, HThK.S 5, 1994; L. Goppelt, Theologie des Neuen Testaments, 31978; F. Hahn, Theologie des Neuen Testamens I.II, 2002; H. Hübner, Biblische Theologie des Neuen Testaments I–III, 1990.1993.1995; J. Jeremias, Neutestamentliche Theologie I. Die Verkündigung Jesu, 41988; W. G. Kümmel, Theologie des Neuen Testaments nach seinen Hauptzeugen, GNT 3, 51987; E. Lohse, Grundriß der neutestamentlichen Theologie, ThW 5,1, 31984; K. H. Schelkle, Theologie des Neuen Testaments I–IV, 1968–1976; R. Schnackenburg, Neutestamentliche Theologie. Der Stand der Forschung, 21965; U. Schnelle, Theologie des Neuen Testaments, 2007; G. Strecker, Theologie des Neuen Testaments, hg. v. F. W. Horn, 1996; P. Stuhlmacher, Biblische Theologie des Neuen Testaments I.II, 21997.1999; W. Thüsing, Die neutestamentlichen Theologien und Jesus Christus I.II.III, 1981.1998.1999; A. Weiser, Theologie des Neuen Testaments II, 1993; U. Wilckens, Theologie des Neuen Testaments I–III, 2002ff.

2.3.8 Ethiken des Neuen Testaments

R. Hasenstab, Modelle paulinischer Ethik, TTS 11, 1977; K. Kertelge (Hg.), Ethik im Neuen Testament, QD 102, 1984; E. Lohse, Theologische Ethik des Neuen Testaments, ThW 5,2, 1988; W. Marxsen, »Christliche« und christliche Ethik im Neuen Testament, 1989; O. Merk, Handeln aus Glauben, MThSt 5, 1968; H. Merklein, Die Gottesherrschaft als Handlungsprinzip. Untersuchung zur Ethik Jesu, FzB 34, 31984; R. Schnackenburg, Die sittliche Botschaft des Neuen Testaments, HThK.S 1.2, 1986.1988; W. Schrage, Ethik des Neuen Testaments, GNT 4, 21989; S. Schulz, Neutestamentliche Ethik, 1987; G. Strecker, Strukturen einer neutestamentlichen Ethik, ZThK 75 (1978), 112–146.

2.3.9 Wichtige Kommentarreihen


AncBAnchor Bible. Dieser Kommentar wird von einem internationalen und interkonfessionellen Herausgebergremium getragen; er bietet eine umfassende Auslegung auf hohem wissenschaftlichen Niveau.
EKKEvangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Dieses seit 1975 erscheinende Kommentarwerk berücksichtigt in vollem Umfang die Methoden historisch-kritischer Bibelexegese, wobei eine Besonderheit zahlreiche Exkurse zur ‚Wirkungsgeschichte‘ neutestamentlicher Texte sind.
EtBEtudes bibliques. Diese seit 1903 erscheinende französische Kommentarreihe bietet gründliche Auslegung mit umfangreichem Literaturverzeichnis.
HermHermeneia. A Critical and Historical Commentary on the Bible. Eine führende amerikanische Kommentarreihe, die zunächst deutsche Kommentare in Übersetzung veröffentlichte. Inzwischen ist es eine völlig eigenständige Reihe mit bedeutenden Kommentaren nordamerikanischer Exegeten/Exegetinnen, die umfassend der historisch-kritischen Exegese verpflichtet sind.
HNTHandbuch zum Neuen Testament. Die Kommentare dieser Reihe sind exegetisch und theologisch knapp gehalten, unentbehrlich sind sie wegen ihres religions-, zeit- und sprachgeschichtlichen Vergleichsmaterials.
HThKHerders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Streng wissenschaftlich ausgerichtet ist das führende katholische Kommentarwerk, ein Standardwerk neutestamentlicher Exegese.
ICCThe International Critical Commentary of the Holy Scriptures of the Old and New Testaments. Die bedeutendste englische Kommentarreihe, historischkritisch mit Schwerpunkt auf der philologischen Textanalyse.
KEKKritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament (= ‚Meyers Kommentar‘). Das führende protestantische Kommentarwerk erscheint seit 1832; es zeichnet sich durch eine streng wissenschaftliche Exegese und theologisch anspruchsvolle Auslegung unter umfassender Einbeziehung der religionsgeschichtlichen Parallelen aus.
NEBDie Neue Echter Bibel. In dieser Reihe erscheinen ausführliche, allgemeinverständliche Kommentierungen von anerkannten römischkatholischen Fachwissenschaftlern auf der Basis des Textes der Einheitsübersetzung.
NTDDas Neue Testament Deutsch. Auf der Grundlage des gegenwärtigen Standes der Forschung werden die neutestamentlichen Schriften allgemeinverständlich ausgelegt.
ÖTKÖkumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament. Eine für Studierende, Pfarrer, Lehrer und interessierte Laien gedachte Kommentarreihe, welche die Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese leicht verständlich darbieten will.
RNTRegensburger Neues Testament. Eine gut verständliche, zugleich aber in vollem Umfang wissenschaftliche Auslegung der ntl. Schriften.
ThHKTheologischer Handkommentar zum Neuen Testament. Praxisnähe, wissenschaftliche Fundiertheit und eine präzise Darstellung der grundlegenden theologischen Aussagen zeichnen diesen Kommentar aus.
ThKNTTheologischer Kommentar zum Neuen Testament Wissenschaftliche Kommentarreihe mit Betonung des christlich-jüdischen Gespräches sowie feministischer und sozialgeschichtlicher Fragestellungen.
WBCWord Biblical Commentary. Diese Kommentarreihe internationaler Autoren zeichnet sich durch ein hohes wissenschaftliches Niveau aus.
ZBKZürcher Bibelkommentare. Eine allgemeinverständliche, zugleich aber fundierte Auslegung der neutestamentlichen Schriften.

2.3.10 Wichtige Zeitschriften


BibBiblica
BZBiblische Zeitschrift
ECEarly Christianity
EvThEvangelische Theologie
JBLJournal of Biblical Literature
JSNTJournal for the Study of the New Testament
KuDKerygma und Dogma
NTSNew Testament Studies
NTNovum Testamentum
ThRTheologische Rundschau
ThZTheologische Zeitschrift
VFVerkündigung und Forschung, Beihefte zur EvTh
ZACZeitschrift für Antike und Christentum
ZNWZeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche
ZNTZeitschrift für Neues Testament
ZThKZeitschrift für Theologie und Kirche

2.3.11 Wichtige Monographienreihen und Sammelwerke


ABGArbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte
BEvThBeiträge zur evangelischen Theologie
BHThBeiträge zur historischen Theologie
BThStBiblisch-theologische Studien
BWANTBeiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament
BZNWBeihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft
FRLANTForschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments
FzBForschungen zur Bibel
GTAGöttinger Theologische Arbeiten
JACJahrbuch für Antike und Christentum
JBThJahrbuch für Biblische Theologie
JSNT. SJournal for the Study of the New Testament. Supplement Series
MSSNTSMonograph Series. Society for New Testament Studies
NTANeutestamentliche Abhandlungen
NTOANovum Testamentum et Orbis Antiquus
NT. SNovum Testamentum. Supplements
SBSStuttgarter Bibelstudien
StANTStudien zum Alten und Neuen Testament
StNTStudien zum Neuen Testament
StUNTStudien zur Umwelt des Neuen Testaments
TANZTexte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter
TUTexte und Untersuchungen
WMANTWissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament
WUNTWissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament

2.3.12 Bibliographische Hilfsmittel

Elenchus of Biblica, hg. v. R. North, Rom (EBB; erscheint jährlich; Nachweis von Monographien und Aufsätzen [sowie Rezensionen dazu] zu AT, NT und Randgebieten).

Internationale Zeitschriftenschau für Bibelwissenschaft und Grenzgebiete, hg. v. B. Lang, Düsseldorf (IZBG; erscheint jährl.). Seit dem 46. Jahrgang (1999/2000) fortgesetzt unter dem Titel International Review of Biblical Studies, hg. v. B. Lang, Leiden (Nachweis von Aufsätzen und Büchern mit knappen Inhaltsangaben).

New Testament Abstracts, hg. v. D. J. Harrington und C. R. Matthews, Cambridge/Mass. (NTAb; erscheint dreimal jährl.; Nachweis von Aufsätzen, Rezensionen und Monographien [mit kurzen Inhaltsangaben]).

Religion Index One: A Subject Index to Periodical Literature Including an Author Index with Abstracts and a Book Review Index, Chicago/III. (erscheint halbjährl.; Nachweis von Zeitschriftenaufsätzen [mit Stichwort- sowie Autorenregister; z.T. kurze Inhaltsangaben] und Buchrezensionen).

Theologische Literaturzeitung. Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft, hg. v. I. U. Dalferth, Leipzig (ThLZ; erscheint monatl.; Rezensionen zu ausgewählten Neuerscheinungen).

Theologische Revue. Zweimonatsschrift für den gesamten Bereich der Theologie und Religionswissenschaft, hg. v. d. katholisch-theologischen Fakultät Münster; Rezensionen zu ausgewählten Neuerscheinungen mit Schwerpunkt auf Katholischer Theologie.

Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie. Indices theologici, hg. von der Universitätsbibliothek Tübingen, Theologische Abteilung (mehrmals jährlich; Inhaltsverzeichnisse theol. Zeit- und Festschriften sowie Autorenregister).

2.3.13 Internet

Zu einem wichtigen Hilfsmittel wissenschaftlicher Arbeit hat sich das Internet entwickelt; es stellt aktuelle Informationen über weltweite Forschungsprojekte, Tagungen, Forschungstrends und inzwischen auch in großem Maße Publikationen bereit. Es zeichnet sich ab, dass neben dem klassischen Buchdruck und E-Books auch das Internet als Publikationsort an Bedeutung gewinnen wird. In so genannten »Blogs« werden populäre wie wissenschaftliche Publikationen vorgestellt und diskutiert; es wird über wichtige Vorträge und Tagungen informiert (z.B. http://ntweblog.blogspot.de/ von Marc Goodacre oder http://biblicalresources.wordpress.com/ von Torrey Seland). Neben dem Vorlesungsangebot und Studieninformationen der Fakultäten werden inzwischen oft »Reader« für Übungen, Vorlesungen etc. in das Netz eingestellt und können bei Bedarf abgerufen werden. Allerdings ist zu beachten, dass diese Informationen zumeist in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Lehrveranstaltung gelesen werden wollen, für die die Texte konzipiert wurden. Wissenschaftliche Hilfsmittel und Online-Angebote der jeweiligen Bibliotheken werden auf den universitären Computer-Arbeitsplätzen angeboten. Wer den Anschluss an diese Entwicklung nicht verlieren will, tut gut daran, sich frühzeitig über die Möglichkeiten zu informieren, die das Internet bietet.

Besonderes Gewicht kommt Internetseiten zu, die aktuelle Bücher und Aufsätze sowie Quellentexte, im Original und in Übersetzung, zugänglich machen. Zu den im Internet bereitgestellten Hilfsmitteln gehören kostenlose fremdsprachige Fonts, wie es beispielsweise bei http://www.ntgateway.com/greek-ntgateway/fonts/ geschieht. Zudem findet sich inzwischen eine Reihe von hilfreichen thematischen Bibliographien, die für ihre Benutzer eine erste Orientierung sein können. Vielfach sind diese Dienste kostenlos, aber vermehrt werden auch Gebühren erhoben oder wird eine Mitgliedschaft zur Nutzung notwendig, so dass auch beachtet werden muss, ob und welche Kosten bei der Nutzung entstehen.

Die Probleme, die mit einer unreflektierten Benutzung des World Wide Webs, verbunden sind, gilt es ebenfalls zu beachten. Jede Seite verfügt meistens über Verweise auf andere Internetseiten, sogenannte Links; so lassen sich einerseits wichtige Informationen erhalten und bisweilen neue Entdeckungen machen, andererseits können der Fokus auf die eigene Fragestellung und wertvolle Zeit durch zielloses Surfen im Internet verlorengehen. Jeder Benutzer von Internetseiten sollte sich Gedanken über die Seriosität und die wissenschaftliche Fundierung der besuchten Angebote machen. Nicht alles, was im Internet publiziert ist, genügt den strengen Maßstäben wissenschaftlicher Nachprüfbarkeit. Dies gilt auch für die populären Internetlexika wie »Wikipedia« (mit unterschiedlichen Artikeln von bisweilen abweichendem Informationsgehalt in Deutsch, Englisch und weiteren Fremdsprachen), die zum Teil Auskunft auf hohem und aktuellem Niveau, aber bisweilen auch subjektive und nicht hinreichend recherchierte Auskünfte enthalten. In diesen Lexika finden sich zudem Informationen zu den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die dabei helfen können, deren Werk in einen geistesgeschichtlichen und kulturellen Zusammenhang einzuordnen (s.a. das Biographisch-bibliographische Kirchenlexikon: http://www.bautz.de/bbkl/, das seit 2011 nicht mehr kostenfrei genutzt werden kann).

Der freie Zugang zu den Texten im Internet darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Materialien dem Urheberschutz unterliegen. Daher sind das Copyright und die Nutzungsbedingungen zu beachten. Zudem muss jeder aus dem Internet verwendete Text bzw. Textausschnitt in gleicher Weise sorgsam zitiert werden wie Abschnitte aus den Printmedien. Oftmals halten entsprechende Seiten ein Muster, wie der Text zitiert werden soll, vor. Die gelegentlich im Internet präsentierten vorläufigen Ergebnisse eines Forschungsprojekts besonders im Bereich der Archäologie sind zwar willkommene Hilfsmittel, es sollte aber nicht übersehen werden, dass die endgültigen Darstellungen häufig noch stark verändert werden und dass solche Versionen nicht in jedem Fall für die Veröffentlichung und damit auch nicht für die Verwendung in einer wissenschaftlichen Arbeit gedacht sind.

Auch wenn es inzwischen eine Reihe guter deutschsprachiger Internetseiten gibt, so ist Englisch als internationale Kommunikationssprache vorrangig. Auf den einzelnen Seiten sind meist auch Ansprechpartner zu den jeweiligen Themen genannt, mit denen bei Bedarf Fragen und Probleme via E-Mail besprochen werden können.

Auswahl aus Adressen, die für die ntl. Exegese von Interesse sind:

Im Folgenden werden vor allem Seiten benannt, die eine seriöse Auswahl an Links zu den wesentlichen Themen neutestamentlicher Exegese bereitstellen. Eine Fundgrube mit vielfältigen Verweisen zu anderen Internetadressen sind die Resource Pages for Biblical Studies (Links zu Bibeltexten und -übersetzungen, zur Mittelmeerwelt mit antiken Parallelen zum NT, Philo von Alexandrien), die von Prof. T. Seland gepflegt wird:

Resource Page for Biblical Studies

http://www.torreys.org/bible/

Zahlreiche Links zu Textausgaben, Bibliographien und technischen Hilfsmitteln enthält auch die von Dr. M. Goodacre betreute Seite The New Testament Gateway. Die Links finden sich unter thematischen Stichworten, aber auch unter den neutestamentlichen Schriften selbst.

The New Testament Gateway

http://www.ntgateway.com/

Neben kommerziellen Hinweisen auf das eigene Verlagsprogramm finden sich im Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft wertvolle Arbeitsmaterialien: die Texte der aktuellen kritischen Bibelausgaben (BHS, LXX, NA28, Greek New Testament, Vulgata), eine elektronische Bibelkunde (basierend auf den Ausgaben von Rösel [AT] und Bull [NT]) und Unterrichtshilfen.

Bibelportal Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart

http://www.bibelwissenschaft.de/

Als neues Projekt ist der »Online-Bibelkommentar« (OBK) initiiert, der für die lehrplanrelevanten Texte des AT und des NT einen zugleich verständlichen wie fundierten Kommentar mit Praxisanregungen und Rezeptionsverweisen zur Verfügung stellen will:

http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkommentar/ueber-das-projekt/

Ebenfalls ambitioniert ist »Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet« (WiBiLex), das mit bereits 1200 Artikeln ein Drittel der geplanten Einträge zu zentralen atl. und ntl. Stichworten von Aaron bis zum Zwölfprophetenbuch umfasst. Die Benutzung ist kostenfrei:

http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/

Für die neutestamentliche Textkritik, zu der ein Blick in die teilweise schwer zugänglichen Handschriften selbst gehört, bietet das Internet hervorragende Hilfsmittel. Eine wichtige Einstiegsseite stellt die Homepage des Instituts für Neutestamentliche Textforschung (INTF) dar, die auf die eigene Arbeiten wie auf zentrale Links verweist:

http://egora.uni-muenster.de/intf/

Neben dem New Testament Virtual Manuscript Room ist das als Prototyp bereit gestellte Hilfsmittel New Testament Transcripts, in das Transkriptionen von bedeutenden ntl. Manuskripten (vor allem die Papyri und die großen Bibelhandschriften) eingelesen wurden, zu nennen. Zur jeweiligen NT-Stelle werden die Lesarten der eingearbeiteten Manuskripte angezeigt und kenntlich gemacht:

http://nttranscripts.uni-muenster.de/

Auch einzelne Handschriften sind inzwischen digital erfasst und können somit über das Internet auf dem jeweiligen Computer gelesen werden. Ein herausragendes Beispiel, was durch eine internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet gegenwärtig geleistet wird, ist die sukzessive digitale Erfassung des Codex Sinaticus unter Beteiligung der Universitätsbibliothek Leipzig. Neben der Handschrift wird ihr Text durch Transkription und Übersetzung zugänglich gemacht:

http://www.codexsinaiticus.com/de/

Unersetzlich für die Arbeit an den antiken Parallelen ist The Perseus Digital Library. Hier findet sich eine Anzahl von antiken Texten und (vornehmlich englischsprachigen Übersetzungen) von klassischen Autoren bis hin zu Papyri. Das Angebot umfasst auch Sekundärliteratur und Lexika:

The Perseus Digital Library

http://www.perseus.tufts.edu/hopper/

Für die Literatursuche ist die bibelwissenschaftliche Datenbank der Universität von Innsbruck äußerst hilfreich:

Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck (BILDI)

http://www.uibk.ac.at/bildi/

Einige für die Exegese interessante wissenschaftliche Zeitschriften stellen ihre Artikel im Internet ein9; vgl. als Beispiele:

Biblica

http://www.bsw.org/project/biblica/

Review of Biblical Literature

http://www.bookreviews.org/

Zudem informiert der Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie der Universität Tübingen, deren Hefte im Internet eingesehen werden können, über theologische Beiträge in Fachzeitschriften, Festschriften und Kongressschriften (einsehbar für die letzten drei Monate):

http://www.ixtheo.de/zid-curr/index.html

Eine zentrale Funktion des Zeitschrifteninhaltsdienstes stellt die recherchierbare Aufsatzdatenbank dar:

http://www.ixtheo.de/

Das Internet als Informationsquelle ist nach wie vor im Wachsen begriffen. Ständig kommen neue Angebote hinzu. Um sich das Material zu erschließen, sind Suchmaschinen notwendig10. Einige Seiten werden jedoch nicht weiter aktualisiert, aus dem Netz genommen oder wechseln kurzfristig ihre Adresse. Auch bei solcher Suche steht der Erfolg nicht immer in Relation zum Aufwand. Daher ergeben sich einige Fragen und Grundregeln, die für ein erfolgreiches Arbeiten mit dem Internet zu empfehlen sind:

Klärung vor der Recherche:

1. Warum wird das Internet benötigt?

2. Präzise Festlegung, welche Information/Hilfe die Internetrecherche erbringen soll.

3. Daraus sollten sich klare Suchbegriffe ergeben.

4. Festlegung eines Zeitlimits.

Prüfung einer zu verwendenden Internetseite:

1. Wer ist für die Seite verantwortlich und was qualifiziert diese Seite. Welchem Interesse dient die Darstellung?

2. Wann wurde die Seite zuletzt aktualisiert?

3. Entstehen bei ihrer Nutzung Kosten und in welcher Höhe?

Rezeption:

Genauer Verweis auf die Seite, Aufnahme in das Literaturverzeichnis, nachprüfbare Zitation des Inhalts und Angabe des Zugriffdatums.

Bei der Beachtung dieser einfachen Grundüberlegungen ist die Beschäftigung mit dem Internet kein Freizeitvergnügen, sondern wird zu einem vollwertigen Hilfsmittel der exegetischen Arbeit.

8 Vgl. zur Einführung in die Septuaginta-Forschung R. Hanhart, Septuaginta, in: W. H. Schmidt u.a., Altes Testament, GT 1, 1989, 176–196.

9 Zum aktuellen Publikations- und Leistungsstand vgl. folgende Linkliste: http://www.ntgateway.com/tools-and-resources/journals/.

10 Für die Suche können die bekannten Internetsuchdienste verwendet werden. Hilfreiche Ratschläge für die Literaturrecherche generell aber auch zu wissenchaftlichen Suchmaschinen hält der »LOTSE Theologie« (http://lotse.unimuenster.de/theologie/index-de.php) bereit.

3. Textkritik

Literatur

ALAND, K. u. B., Der Text des Neuen Testaments, 21989. – ALAND, K. u.a., Bibelhandschriften II, TRE 6 (1980), 114–131; Bibelübersetzungen, TRE 6, 161–215. – ELLIOTT, J. K. – MOIR, I., Manuscripts and the Text of the New Testament, 1995. – GREEVEN, H., Text und Textkritik der Bibel II. Neues Testament, RGG3 VI (1962), 716–725. – HUNGER, H. u.a. (Hg.), Die Textüberlieferung der antiken Literatur und der Bibel, 21988. – KÜMMEL, W. G., Einleitung, 452–491. – MAAS, P., Textkritik, 31956. – METZGER, B. M., Der Text des Neuen Testaments, 1966. – DERS., A Textual Commentary on the Greek New Testament, 21994. – PARKER, D. C., An Introduction to the New Testament Manuscripts and their Texts, Cambridge 2008. – POKORNÝ, P. – HECKEL, U., Einleitung, 88–114. – TROBISCH, D., Die 28. Auflage des Nestle-Aland. Eine Einführung, 2013 – WIKENHAUSER, A. – SCHMID, J., Einleitung, 65–202.

3.1 Definition

Textkritik ist die Feststellung von Wortlaut und Schreibweise eines Textes, wie diese für den ursprünglichen Autor anzunehmen sind. Die Textkritik hat somit die Aufgabe, auf der Grundlage der Textzeugen den ältesten erreichbaren Text des Neuen Testaments zu rekonstruieren.

Unerlässlich ist die Textkritik aus historischen und theologischen Gründen:

a) Da die Originale (αὐτόγραφα) der neutestamentlichen Schriften nicht mehr vorhanden sind, muss der Originaltext aus der späteren Überlieferung der Texte in Handschriften, Lektionarien, Zitaten bei frühen christlichen Autoren und Übersetzungen erschlossen werden. Allein über 5.500 Abschriften auf Papyrus, Pergament und Papier liegen in griechischer Sprache vor. Dabei kann die ursprüngliche Textgestalt mit einer der überlieferten Textfassungen identisch sein. Zwar gibt es zwischen den einzelnen Textzeugen eine durchschnittliche Übereinstimmungsquote von ca. 85 Prozent, aber sie kann bei den einzelnen ntl. Schriften variieren (z. B. Apostelgeschichte, Johannesapokalypse) und es bleibt immer die Aufgabe der Textkritik, die als ursprünglich anzusehende Lesart zu finden. Selten enthält keine der überlieferten Textfassungen den ursprünglichen Text, so dass dieser hypothetisch erschlossen werden muss (Konjektur)11. Somit ist der rekonstruierte ‚Urtext‘ neutestamentlicher Schriften eine hypothetische Größe, da er immer auf Wahrscheinlichkeiten und Vermutungen beruht.

b) Geht es in der neutestamentlichen Exegese um die Auslegung und das Verstehen der neutestamentlichen Texte, so muss erarbeitet werden, was die neutestamentlichen Schriftsteller selbst uns überliefert haben, nicht aber, was in der Textüberlieferung sekundär hinzukam.

Dahinter steht auch ein hermeneutisches Interesse: Man muss zum ursprünglichen Text zurückgehen, weil nur er Auskunft über die Theologie der neutestamentlichen Schriftsteller geben kann.

3.1.1 Gegenstand der Textkritik ist also die Überlieferung von Texten, die im Original nicht mehr vorhanden sind.

3.1.2 Ziel der Textkritik ist die hypothetische Feststellung derjenigen Fassung des Textes, die der Autor einst angefertigt hat.

3.1.3 Arbeitsgrundlage sind Textausgaben mit Angaben über die divergierende Textüberlieferung und deren Bezeugung, insbesondere Nestle-Aland27.28.

3.2 Lernziele

Die Studierenden sollen über Grundkenntnisse der Geschichte des neutestamentlichen Textes und des Wertes seiner Hauptzeugen verfügen.

Sie sollen die Fähigkeit zur technischen Benutzung des kritischen Apparates des NT Graece von Nestle-Aland27.28 besitzen und in der Lage sein, die Grundregeln textkritischer Entscheidungen anzuwenden.

Die Studierenden sollen schließlich aufgrund kritischer Sichtung der Textzeugen und alten Übersetzungen den ursprünglichen Wortlaut (,Urtext‘) eines vorgegebenen Textes rekonstruieren und die Textvarianten erklären können.

3.3 Geschichte der Textkritik

1514 wurde die erste griechische Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt. Sie erschien im Auftrag des Kardinals Ximenez (gest. 1517) in der spanischen Universitätsstadt Alcala (lat. ‚Complutum‘) und wurde seit 1502 durch spanische Gelehrte vorbereitet. Das vom Kardinal in Auftrag gegebene Gesamtwerk umfasste das Alte und Neue Testament, wobei für das Alte Testament der hebräische Text, die Vulgata und die Septuaginta in drei Kolumnen nebeneinander, für das Neue Testament der griechische und lateinische Text abgedruckt wurden. Diese mehrsprachige Bibelausgabe (= Polyglotte) erhielt erst 1520 die kirchliche Druckerlaubnis, so dass die ‚complutensische Polyglotte‘ wohl die erste gedruckte griechische Ausgabe des Neuen Testaments (1514), nicht aber die erste veröffentlichte Ausgabe enthält.

Dieser Ruhm fällt der griechischen NT-Ausgabe des holländischen Humanisten ERASMUS VON ROTTERDAM (1469–1536) zu. Er fertigte auf Drängen eines Baseler Verlegers, der von dem spanischen Unternehmen gehört hatte, 1515 in großer Eile eine Ausgabe an, die 1516 auf dem Markt erschien und verlegerisch ein Erfolg wurde. Zweifelhaft hingegen war der wissenschaftliche Wert dieser Ausgabe; denn Erasmus musste sich hauptsächlich auf minderwertige Minuskeln aus dem 12. Jahrhundert stützen und hatte für die letzten Verse der Apokalypse überhaupt keine griechische Handschrift zur Verfügung, so dass er sie nach dem Vulgatatext ins Griechische zurückübersetzen musste. Dennoch war die NT-Ausgabe des Erasmus von sehr großer Bedeutung, denn nicht nur Luther benutzte die zweite Auflage von 1519 als Grundlage für seine Bibelübersetzung, sondern zahlreiche Nachdrucke des in späterer Zeit nur teilweise verbesserten Erasmustextes sicherten ihm den Vorrang.

Auch die griechischen NT-Ausgaben des Pariser Druckers und Verlegers ROBERT ESTIENNE (lat. Stephanus) basierten zum großen Teil auf der Erasmusedition. Stephanus führte als erster einen kritischen Apparat und die bis heute gültige Verseinteilung ein, und seine Ausgaben begründeten den textus receptus (= allgemein anerkannter Text)12. Dieser galt nicht nur bis zum 19. Jahrhundert im Wesentlichen als unantastbar, er hat vor allem aus liturgischen Gründen bis in die Gegenwart hinein Bedeutung (vgl. den Lobpreis am Ende des Vaterunsers in Mt 6,13).

Durch JOHANN ALBRECHT BENGEL (1687–1752) trat die neutestamentliche Textkritik in ein neues Stadium ein. Der württembergische Ausleger tastete zwar den ‚textus receptus‘ kaum an, nannte aber jeweils die Lesarten, die seiner Meinung nach ihm gegenüber den Vorzug verdienten. Zudem war Bengel der erste, der die Textzeugen in zwei große Gruppen unterteilte und bis heute bewährte Regeln der Textkritik einführte. – Die Einteilung der Handschriften in Gruppen führte JOHANN JAKOB GRIESBACH (1745–1812) weiter, der eine alexandrinische, westliche und byzantinische Textrezension unterschied. Griesbach stellte ferner zahlreiche vorbildliche Regeln für die Textkritik auf, und er wagte es als erster, den ‚textus receptus‘ an vielen Stellen aufzugeben. – Der klassische Philologe KARL LACHMANN (1793–1851) brach gänzlich mit dem ‚textus receptus‘. Er erstellte eine NT-Ausgabe, die nur auf der kritischen Bewertung der einzelnen Textzeugen beruhte.

Große Bedeutung für die Erforschung des neutestamentlichen Textes hat der Leipziger Neutestamentler CONSTANTIN VON TISCHENDORF (1815–1874). Er entdeckte im Katharinenkloster am Sinai den ‚Codex Sinaiticus‘ (1844/1859)13 und legte diese im 4. Jahrhundert entstandene Majuskel seiner großen und bis heute wertvollen Edition zugrunde (,Editio octava critica maior‘, 1869–1872). Internationale Anerkennung errang die von den Engländern B. F. WESTCOTT (1825–1901) und F. J. HORT (1828–1892) veröffentlichte NT-Ausgabe (1881/1882), die sich durch eine zuverlässige Textrekonstruktion und einsichtige methodische Kriterien auszeichnet. Wichtig sind für die neutestamentliche Textkritik die Unterscheidungen, die Westcott-Hort bei ihrer Erforschung der Verwandtschaft zwischen den einzelnen Textzeugen trafen. Danach gibt es vier Haupttypen neutestamentlicher Texte: 1. den westlichen Text (Hauptvertreter ist der ‚Codex Bezae‘ D 05); 2. den alexandrinischen Text (Hauptvertreter ‚Codex Ephraemi‘ C 04 und ‚Codex Regius‘ L 019); 3. den neutralen Text (Hauptvertreter ‚Codex Sinaiticus‘ 01 und ‚Codex Vaticanus‘ B 03); 4. den syrischen Text (Hauptvertreter ‚Codex Alexandrinus‘ A 02) 14.

Den modernen ‚textus receptus‘ schuf EBERHARD NESTLE (1851–1913) mit seinem im Auftrag der Württembergischen Bibelanstalt 1898 veröffentlichten ‚Novum Testamentum Graece‘. Nestle verzichtete bewusst auf eine eigene Textfassung und legte seiner Ausgabe die drei großen wissenschaftlichen Editionen des 19. Jahrhunderts zugrunde, nämlich Tischendorf (T), Westcott-Hort (H) und zunächst R. F. Weymouth, an dessen Stelle seit der 3. Auflage (1901) die Ausgabe von B. Weiß (W) trat. In seinem ‚apparatus criticus‘ berücksichtigte Nestle nicht nur die abweichenden Lesarten von HTW, sondern in einem zweiten Apparat auch Lesarten von neutestamentlichen Handschriften. Die Berücksichtigung der Originalzeugen wurde durch den Sohn ERWIN NESTLE (1883–1972) und durch KURT ALAND (1915–1994), seit der 21. Aufl. von 1952 Mitherausgeber) ständig ausgebaut, wobei insbesondere neugefundene Papyri von großer Bedeutung waren.

Bis zur 25. Aufl. von 1963 setzte auch Nestle-Aland durch Handschriftenfamilien repräsentierte Texttypen voraus, wobei bis in die Gegenwart hinein vier Haupttextformen des neutestamentlichen Textes unterschieden werden15:

1. Der neutrale (oder ‚alexandrinische’ bzw. ‚hesychianische’) Text (Nestle25: )

Dieser vor allem durch die Majuskeln 01, A 02, B 03, C 04 (A und C allerdings nicht für die Evangelien) und hervorragende Papyri (z.B. P66 P75 für die Evangelien, P46 für die Paulusbriefe) repräsentierte Texttyp wird als ‚neutraler‘ Text bezeichnet, weil Westcott-Hort ihn für einen unrevidierten Text hielten. ‚Alexandrinisch‘ wurde der Text genannt, weil ihn auch die alexandrinischen Väter Klemens, Origenes, Dionysius und Cyrill von Alexandrien bieten. Durch W. Bousset wurde die Bezeichnung ‚hesychianischer Text‘ eingeführt, da er den von Hieronymus erwähnten Bischof Hesychius (‘Ησύχιος) von Alexandrien mit diesem Texttyp in Verbindung brachte. Durch Einwirkung der Koine entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte der alexandrinische Text zum ägyptischen Text weiter.

2. Der westliche Text

Wie schon der Name andeutet, ist dieser Texttyp vor allem im westlichen Mittelmeerraum bezeugt. Er liegt vor in den griechisch-lateinischen Handschriften D 05, D 06, F 010, G 012 sowie in der altlateinischen Übersetzung und in lateinischen Kirchenschriftstellern. Relativ früh ist er aber auch in Ägypten und dem Osten nachweisbar (syc.s.). Charakteristisch für den westlichen Text ist seine Vorliebe für die Paraphrase (vor allem in der Apg). Bei Übereinstimmung mit dem alexandrinischen Text ist der westliche Text von hohem Wert, sonst aber eher von geringerer Bedeutung.

3. Der Koinetext (Nestle25: )

Der wegen seiner allgemeinen (= κοινή) Verbreitung so genannte Text (auch byzantinischer oder Reichstext genannt) wird vor allem durch die Majuskeln A 02 (nur für die Evangelien), E 07, F 09, G 011, H 013 und die überwiegende Mehrzahl der Minuskeln bezeugt. Hatte Hort diesen Texttypus, der seit dem 4. Jh. vorherrscht und sehr wahrscheinlich auf eine frühere Rezension zurückgeht, für völlig wertlos erklärt, so setzte sich in neuerer Zeit vor allem durch die Übereinstimmung einzelner Lesarten des Koinetextes mit neu entdeckten Papyri die Erkenntnis durch, dass auch dieser Text alte Lesarten bewahrt hat. Charakteristisch ist für den Koinetext die Glättung sprachlicher Härten, die inhaltliche Harmonisierung und das angestrebte gute Griechisch.

4. Der Cäsareatext

Die Bezeichnung ‚Cäsareatext‘ erklärt sich aus der Vermutung von B. H. Streeter, dass Origenes diesen Text nach seiner Übersiedlung von Alexandria nach Cäsarea verwendet habe und diese Textform dort auch entstanden sei. Nach neueren Untersuchungen16, vor allem zu P37 und P45, soll Origenes diesen Texttyp neben dem alexandrinischen Text schon in Alexandria und dann in Cäsarea benutzt haben. Von besonderer Bedeutung ist der Cäsareatext für Mk durch die Majuskeln Θ 038, W 032, die Minuskeln 28.565.700 und die Minuskelfamilien f1 und f13.

Während die Existenz eines alexandrinischen und Koine-Textes als gesichert gelten kann, ist in der Forschung umstritten, ob es den westlichen Text und den Cäsareatext wirklich gegeben hat17.

3.4 Der gegenwärtige Stand der Textkritik

3.4.1 NESTLE-ALAND, Novum Testamentum Graece27.28 (Ausgaben 2001/2012) 18

Lektüre

NESTLE-ALAND27 S. 1*–43* oder NESTLE-ALAND28 S. 1*–45*

Stand bisher die Erforschung der Abhängigkeitsverhältnisse einzelner Handschriften, die Zusammenfassung von Handschriften zu Texttypen und die Erhellung der Textgeschichte im Mittelpunkt neutestamentlicher Textkritik, so bringt Nestle-Aland26.27 (1979/1993) einen Neuansatz: Die bisherigen Gruppensigla für den hesychianischen Text und den Koinetext wurden aufgegeben und stattdessen eine die jeweiligen einzelnen Handschriften erfassende pro et contra-Bezeugung eingeführt. Zur Begründung dieser einschneidenden Änderung macht Aland geltend, dass insbesondere die Gruppenbezeichnung ein Problem darstelle, weil die unter diesem Zeichen zusammengefassten Handschriften in ihrer Textüberlieferung sehr uneinheitlich seien. Für die pro et contra-Bezeugung wurde das handschriftliche Material erheblich erweitert, wobei insbesondere die Angabe der als ‚ständige Zeugen‘ herangezogenen Handschriften hervorzuheben ist (vgl. Nestle-Aland27 S. 16*–22*). Als textkritische Konzeption steht hinter der pro et contra-Bezeugung die sog. ‚lokalgenealogische Methode‘, welche nicht mehr aufgrund eines Familienstammbaums, der die chronologischen und genealogischen Abhängigkeiten einzelner Handschriften darstellt, ihre textkritischen Entscheidungen trifft, sondern von Fall zu Fall (,eklektisch‘)19 der unterschiedlichen Wertigkeit einer Handschrift zu verschiedenen Textstellen Rechnung trägt. Neben dem Alter von Handschriften spielt bei dieser Methode besonders der Kontext und der innere Textzusammenhang eine erhebliche Rolle. Aber auch Aland kommt nicht ganz ohne umfassende Gruppensigel aus: Für die große Anzahl späterer Majuskeln und Minuskeln (9. bis 16. Jahrhundert) führt er das Sigel = Mehrheitstext ein20, das praktisch dem in Nestle-Aland25 entspricht. Freilich hat dieses Sigel für die Frage nach der gegenseitigen Abhängigkeit und die Aufstellung eines genealogischen Stemmas keine Funktion. Anerkannt bleiben aber weiterhin die nach K. Lake und W. H. Ferrar bezeichneten Minuskelgruppen (Familien 1 und 13 = f1 und f13).

Neben der reichen Handschriftenbezeugung, die dem Sachkenner ein eigenes Urteil erlaubt, sind seit Nestle-Aland26 besonders die Textgestaltung und die Beigaben am äußeren und inneren Rand erwähnenswert. Direkte Zitate aus dem Alten Testament sind durch Kursivdruck hervorgehoben, und die für den Leser sehr informativen Beleg- und Verweisstellen am äußeren Rand wurden völlig überarbeitet. Die von Aland vorgenommene Strukturierung hymnischer Überlieferungseinheiten ist hilfreich, wenn auch die Abgrenzungen im Einzelnen nicht immer überzeugen.

Nestle-Aland28 (2012) stellt gegenüber der 27. Auflage wiederum eine Weiterentwicklung dar21. Die Änderungen beziehen sich vor allem auf zwei Bereiche: 1) Eine grundlegende Revision und Korrektur des kritischen Apparats. So wurde die Unterscheidung von ständigen Zeugen erster und zweiter Ordnung aufgegeben. Es werden grundsätzlich alle wesentlichen Varianten als pro et contra zitiert, die für die Konstitution eines Textes wichtig sind (= ‚positiver Apparat’). Im sogenannten ‚negativen Apparat’ werden demgegenüber nur textgeschichtliche oder texterschließende Varianten contra textum angeführt. Konjekturen werden im Apparat nicht mehr zitiert; sie sollen in einem gesonderten Verzeichnis zugänglich gemacht werden. Diese Entscheidung ist zu bedauern, denn alle in den früheren Ausgaben aufgenommenen Konjekturen waren diskussionswürdig. Bei den Abkürzungen wurde auf die ungenauen und oft irreführenden pauci (pc) und alii (al) verzichtet. Drucktechnisch klarer als bisher erfolgen die Abtrennungen innerhalb der Varianten zu einem Vers (| = trennt die Varianten zu verschiedenen Stellen des Textes innerhalb eines Verses; ¦ = trennt die Varianten zu derselben Stelle eines Textes). Gründlich durchgesehen wurde der Verweisstellenapparat am äußeren Rand. 2) Die bisherigen Ergebnisse der Editio Critica Maior wurden für die katholischen Briefe übernommen, d. h. hier erfolgten Textänderungen gegenüber der 27. Auflage (Listen auf S. 6*).

Insgesamt weist bei Nestle-Aland28 der Apparat eine klarere Struktur auf, was zu begrüßen ist. Gleichzeitig setzt sich eine Tendenz zur Spezialisierung fort, die mit dem Verzicht auf Texttypen in der 26. Auflage einsetzte. Stellt die umfangreiche pro et contra-Bezeugung für den Kenner neutestamentlicher Handschriften eine willkommene Arbeitsgrundlage dar, so muss sie doch auf die Studierenden, die über die Textkritik einen Zugang zum Novum Testamentum Graece gewinnen sollen, eher verwirrend wirken. Gaben ihnen früher die – zweifellos umstrittenen – Texttypen Hilfestellung bei textkritischen Entscheidungen, so sind heute umfangreiche Handschriftenkenntnisse notwendig, um die pro et contra-Bezeugung wirklich beurteilen zu können.

3.4.2 Huck-Greeven, Synopse der drei ersten Evangelien

Lektüre

HUCK-GREEVEN S. V–XXXVII

Wie unter 2.1.2 bereits erwähnt, hat H. Greeven die 13. Auflage der Synopse von A. Huck völlig neu bearbeitet und eine eigene Rezension des Evangelientextes vorgenommen. Der von ihm erstellte Text unterscheidet sich von Nestle-Aland26–28 durchschnittlich 9mal pro Kapitel, so dass nun zumindest für die synoptischen Evangelien ein kritischer Vergleich möglich ist. Die handschriftliche Bezeugung ist bei Huck-Greeven nicht ganz so umfangreich wie bei Nestle-Aland26–28, aber es sind alle wichtigen Textzeugen berücksichtigt worden. In einem größeren Umfang als Aland benutzt Greeven Summensigel, die auch bei ihm nicht einen Texttyp bezeichnen, sondern eine Vielzahl an Einzelangaben zusammenfassen. Dennoch setzt Greeven bei seiner Abgrenzung der Gruppen die Ergebnisse der textkritischen Stemmaforschung voraus. An dem neu erstellten kritischen Apparat von Huck-Greeven ist positiv hervorzuheben, dass alle Varianten angeführt sind, die von anderen Textkritikern als Urtext angesehen werden, und dass die bei den synoptischen Evangelien zu beobachtende Harmonisierungstendenz (besonders auf Mt hin) kritisch berücksichtigt wurde. Andererseits machen es die von Nestle-Aland26–28 gänzlich abweichenden textkritischen Zeichen dem Studierenden schwer, sich in die Synopse einzuarbeiten.

3.5 Textkritische Grundkenntnisse

3.5.1 Die Bezeichnung der neutestamentlichen Textzeugen

Eine systematische Erfassung und Bezeichnung der neutestamentlichen Textzeugen führte als erster 1751/52 JOHANN JAKOB WETTSTEIN durch. Er unterschied Majuskeln (Bezeichnung mit großen Buchstaben: A = Codex Alexandrinus, B = Codex Vaticanus), Minuskeln (Zählung mit arabischen Ziffern) und Lektionare (Zählung wie bei den Minuskeln). Das bis heute gültige System der Zählung und Bezeichnung neutestamentlicher Handschriften führte 1908 der Tischendorf-Schüler C. R. GREGORY ein. Danach werden Papyri durch ein vorgesetztes P gekennzeichnet, Majuskeln durch eine vorgesetzte 0, Minuskeln und Lektionare werden durchgezählt, wobei ein l vor die Ziffer der Lektionare gesetzt wird.

3.5.2 Die Gliederung der neutestamentlichen Textzeugen

Die neutestamentlichen Handschriften können nach ihrem Inhalt, ihrer Schriftform oder ihrem Beschreibstoff gegliedert werden. Am gebräuchlichsten ist eine kombinierte Untergliederung in Papyri, Majuskeln, Minuskeln und Lektionare, wobei beachtet werden muss, dass sowohl Papyri als auch Pergamenthandschriften Majuskeln sind und sich unter den Lektionaren auch Papyri befinden.

Die ältesten neutestamentlichen Handschriften sind Papyri. Der Papyrus ist eine vornehmlich im Nildelta wachsende Sumpfpflanze, die schon seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. als Schriftträger verwendet wurde. Die Papyri (Stand 2012: 127 Papyri) sind für die neutestamentliche Textkritik nicht nur wegen ihres hohen Alters, sondern vor allem aufgrund ihrer guten Textqualität von großer Bedeutung. Besonders wertvoll und wichtig sind die Chester-Beatty-Papyri P45 P46 P47 und die Bodmer Papyri P66 P72 P74 P75. Eine der ältesten neutestamentlichen Handschriften P52 enthält Joh 18,31–33.37–38 und ist in das 2. Jh. zu datieren.

Bereits auf Pergament geschrieben sind die großen Bibelhandschriften des 4. und 5. Jh. (Majuskeln). Das aus den Häuten von Kleinoder Jungtieren (Ziege, Schaf, Esel) bestehende Pergament (gr. περγαμηνή) hat seinen Namen von König Eumenes von Pergamon, der 197–159 v.Chr. regierte und für seine Bibliothek dieses neue Schreibmaterial entwickelt haben soll. Das sehr beständige Pergament trat schon im 2. Jh. v.Chr. in Konkurrenz zum Papyrus und hielt sich als Schreibmaterial bis ins Mittelalter.

Die Majuskeln bestimmten die Textkritik bis weit ins 20. Jh. Von den bis heute verzeichneten 303 Majuskeln sind fünf besonders wichtig:

1. 01 Codex Sinaiticus

Dieser im Katharinenkloster am Sinai von C. v. Tischendorf entdeckte Kodex (1854 und 1859) enthält das gesamte Neue Testament und große Teile des Alten Testaments. Er wurde im 4. Jh. auf Pergament (Antilope) geschrieben und später teilweise mit Änderungen und Korrekturen versehen. Der Sinaiticus gehört im Wesentlichen zum alexandrinischen Texttyp und ist eine der wichtigsten neutestamentlichen Majuskeln, obwohl Tischendorf seine Bedeutung überschätzt hat.

Faksimileausgabe: D. Parker, Codex Sinaiticus: Facsimile Edition, Peabody 2011.

2. A 02 Codex Alexandrinus

Aus dem 5. Jh. stammt dieser Kodex, der das Alte Testament und den größten Teil des Neuen Testaments (es fehlen Mt 1,1–25,6; Joh 6,50–8,52; 2Kor 4,13–12,6) enthält. Die Handschrift ist seit dem 11. Jh. in der Bibliothek des Patriarchen von Aleaxandria nachweisbar und wurde 1627 dem englischen König geschenkt. Der Wert des Textes schwankt; ist er für die Evangelien gering zu bewerten, so ist für die Apk der Codex Alexandrinus die wichtigste Handschrift.

Faksimileausgabe: F. G. Kenyon, The Codex Alexandrinus, London 1909.

3. B 03 Codex Vaticanus

Die älteste erhaltene Pergamenthandschrift wurde um 350 n.Chr. geschrieben und ist seit 1475 in der Bibliothek des Vatikans nachgewiesen. Sie enthält fast das gesamte Alte Testament und das Neue Testament bis Hebr. 9, 14a (es fehlen die Pastoralbriefe, Phlm, Apk). Der Codex Vaticanus ist die bedeutendste Majuskel, vor allem wegen der Verwandtschaft mit P75, die nahezulegen scheint, dass es im 4. Jh. keine durchgehenden Rezensionen des neutestamentlichen Textes gab, wie man bisher annahm.

Faksimileausgabe: Novum Testamentum e Codice Vaticano Graeco 1209 (Codex B), tertia vice phototypice expressum: Codices e Vaticanis Selecti etc. Vol. XXX, 1968.

4. C 04 Codex Ephraemi (rescriptus)

Diese im 5. Jh. entstandene neutestamentliche Handschrift wurde im 12. Jahrhundert abgeschabt und mit dem Text von Abhandlungen des Kirchenvaters Ephraem erneut beschrieben (= Palimpsest). Mit Hilfe chemischer Substanzen konnte der frühere Text durch Tischendorf wiedergewonnen werden. Der Kodex umfasst geringe Teile des Alten Testaments, aber mehr als die Hälfte des Neuen Testaments; nur vom 2Thess und 2Joh ist nichts erhalten.

Faksimilierter Typendruck durch C. v. Tischendorf, 1843.

5. D 05 Codex Bezae Cantabrigiensis

Dieser zweisprachige Kodex (griechischer Text links) wurde 1581 vom Nachfolger Calvins THEODOR BEZA (1519–1605) der Universität Cambridge geschenkt. Er enthält den größten Teil der Evangelien, die Apostelgeschichte und ein Bruchstück des 3Joh. Datiert wird die Handschrift ins 5. oder 6. Jahrhundert, ihr Entstehungsort ist umstritten (Südgallien oder Nordafrika). Wo D 05 mit der alten Überlieferung geht, ist er ein wichtiger Zeuge, abweichende Lesarten bedürfen einer genauen Prüfung.

Faksimileausgabe: Codex Bezae Cantabrigiensis quattuor Evangelia et Actus Apostolorum complectens Graece et Latine, 1899.

Die Masse der neutestamentlichen Handschriften sind Minuskeln, deren älteste datierbare (461) im 9. Jh. entstand (vgl. Nestle-Aland27, S. 703–711/Nestle-Aland28, S. 810–814). Die Minuskeln sind für die neutestamentliche Textkritik noch nicht voll ausgewertet; wegen ihrer teilweise hohen Textqualität gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Textkritisch bedeutsam sind die nach K. LAKE benannte Minuskelfamilie f1 und die nach W. H. FERRAR22 bezeichnete Familie f13.

Eine eigene Gattung biblischer Handschriften stellen die Lektionare dar. Sie enthalten den biblischen Text aufgegliedert nach gottesdienstlichen Bedürfnissen und bieten vornehmlich den Koinetext23.

3.5.3 Die alten Übersetzungen

Um 180 n.Chr. erfolgten die ersten Übersetzungen des neutestamentlichen Textes ins Lateinische, Syrische und Koptische.

1. Die lateinischen Übersetzungen

Die altlateinischen Übersetzungen des Neuen Testaments (Vetus Latina oder Itala) repräsentieren ein weites Spektrum sehr unterschiedlicher Handschriften (vgl. das Verzeichnis bei Nestle-Aland27, S. 714–718/Nestle-Aland28, S. 815–819). Die ältesten Handschriften stammen zwar erst aus dem 4./5. Jh., lassen aber teilweise deutliche Vorformen erkennen. Exakt nachweisbar ist die Benutzung lateinischer Handschriften beim Kirchenvater Cyprian um 250. So ist zu vermuten, dass zuerst in Nordafrika gegen Ende des 2. Jh. ein lateinisches Neues Testament existierte.

Die seit dem 7. Jh. in der abendländischen Kirche allgemein verbreitete (= vulgata) Form des lateinischen Textes heißt Vulgata. Sie erlangte im 16. Jh. in der katholischen Kirche amtliche Gültigkeit. Zumeist gilt die Vulgata als Werk des Hieronymus (340/350–420), was allerdings nur für das Alte Testament und die Evangelien zutrifft (Abschluss der Revision im Jahr 383).

2. Die syrischen Übersetzungen

Am Anfang der Übersetzungen des Neuen Testaments ins Syrische steht die zu Beginn des letzten Drittels des 2. Jh. verfasste Evangelienharmonie des Apologeten Tatian, genannt Diatessaron (διὰ τεσσάρων = durch die vier Evangelien). Umstritten ist, ob das Diatessaron ursprünglich auf Griechisch oder auf Syrisch abgefasst wurde, da lediglich aus der Benutzung und Kommentierung des Diatessarons durch Ephraem Syrus (ca. 306–373) Rückschlüsse möglich sind.

Die ältesten syrischen Übersetzungen des Neuen Testaments (Vetus Syra) liegen in zwei Handschriften vor, dem Cureton-Syrer (syc) und dem Sinai-Syrer (sys), wobei allerdings jeweils nur die Evangelien erhalten sind. Da beide Handschriften aus dem 5. Jh. stammen, dürften die Vorlagen im 4. Jh. entstanden sein.

In der Mitte des 5. Jh. entstand die Peschitta (= die ‚Einfache‘), eine syrische Übersetzung des Neuen Testaments, die eine weite Verbreitung fand. Nicht mehr erhalten ist die im Jahr 507/508 geschriebene syrische Übersetzung des Neuen Testaments im Auftrag des Bischofs Philoxenus von Mabbug, die Philoxeniana. Im Jahr 616 unterzog der Mönch Thomas von Harkel die Philoxeniana einer gründlichen Neubearbeitung und schuf eine durch besondere Anlehnung ans Griechische gekennzeichnete syrische Übersetzung, die Harklensis.

3. Die koptischen Übersetzungen

Die ägyptische Kirche war zunächst eine griechisch sprechende Kirche. Im 3. Jh. erforderte die Missionstätigkeit eine umfangreiche Übersetzung des Neuen Testaments ins Koptische. ‚Koptisch‘ ist ein Sammelbegriff für ägyptische Dialekte (Achmimisch, Subachmimisch, Bohairisch, Mittelägyptisch, Mittelägyptisch-Faijumisch, Protobohairisch, Sahidisch), die erst in christlicher Zeit Schriftform erlangten. Die ältesten koptischen Handschriften sind ins 4. Jh. zu datieren, das gesamte Neue Testament wurde nur ins Sahidische und Bohairische übersetzt.

Erfolgten die Übersetzungen ins Lateinische, Syrische und Koptische direkt aus dem Griechischen, so trifft dies für andere Übersetzungen nicht zu (Armenisch, Georgisch, Äthiopisch), so dass der textkritische Wert dieser Übersetzungen gering ist.

3.5.4 Fehlerquellen der neutestamentlichen Textüberlieferung

Für die richtige Bewertung von Lesarten ist es wichtig, die möglichen Fehlerquellen der Textüberlieferung zu kennen.

1. Lese-, Schreib- und Hörfehler

– Verwechslung ähnlich aussehender Buchstaben (vgl. Röm 12,11: κυρίῳ – καιρῷ)

– Verwechslung ähnlich klingender Buchstaben beim Diktat (vgl. Röm 5,1: ἔχομεν – ἔχωμεν)

– Itazismus: In der Koine wurden die Vokale η, ι und υ, die Diphthonge ει, οι und υι sowie ῃ häufig als langes ι gesprochen, so dass es insbesondere bei den Personalpronomina (ἡμεῖς / ὑμεῖς; ἡ;μᾶς / ύμᾶς) zu Verwechslungen kam.

– Haplographie: Einfachschreibung von zwei gleichen oder ähnlichen Buchstaben, Buchstabengruppen oder Wörtern, die unmittelbar aufeinander folgen.

– Dittographie: versehentliche Doppelschreibung eines Buchstabens, Wortes oder einer Wortgruppe (Im Codex Vaticanus steht der Schrei der Volksmenge in Apg 19,34 μεγάλη ἡ ’Άρτεμις Έφεσίων zweimal).

– Ausfall durch Homoioteleuton (»gleiches Ende«) oder Homoioarkton (»gleicher Anfang«): Abirren des Blickes durch graphisch ähnliche bzw. mit dem gleichen Buchstaben endende oder beginnende Wörter (Im Codex Sinaiticus fehlt Lk 10,32, weil dieser Vers mit dem gleichen Verbum endet, wie der vorausgehende V.31: ἀντιπαρῆλθεν).

– Fehlerhafte Wortverbindung oder Worttrennung (vor allem wegen der scriptio continua).

– Missverstandene Abkürzungen.

– Einfügen von sekundären Randnotizen (Marginalien) in den Text.

2. Absichtliche Änderungen

– Änderungen in der Orthographie und Grammatik (Änderung des Nominativ nach ἀπό in Apk 1,4).

– Ersetzen altertümlicher oder ungewöhnlicher Wörter.

– Harmonisierung und Angleichung an Parallelstellen (bei den Synoptikern besonders an das Matthäusevangelium; vgl. die Zusätze am Ende des Vaterunsers in Lk 11,4).

– Berichtigung historischer und geographischer Unstimmigkeiten (vgl. Mk 1,2: Ersetzung der teilweise falschen Angabe τῷ Ήσαΐᾳ τῷ προφήτῃ durch τοῖς προφήταις).

– Anfügung von erklärenden und ergänzenden Erweiterungen (= Glossen). So ist z. B. Röm 7,25b als zusammenfassende Folgerung aus 7,1–23 und aufgrund seiner schwierigen Stellung im unmittelbaren Kontext als Glosse anzusehen.

– Änderung aus dogmatischen Erwägungen. So wurde in Joh 7,8 das οὐκ in οὔπω verwandelt, da Jesus in Joh 7,10 doch zum Fest nach Jerusalem hinaufgeht. In Lk 1,3 ergänzen einige altlateinische Handschriften ‚et spiritui sancto‘ zu κἀμοί, um so die ausdrückliche göttliche Billigung der Evangelienabfassung hervorzuheben.

3.5.5 Termini technici der Textkritik


Bilingue=zweisprachige Handschrift
Glosse=Interpolation – sekundärer Einschub
Kodex=Handschrift in Buchform
Konjektur=Änderung der modernen Herausgeber trotz einheitlicher Überlieferung bzw. ohne direkten Anhalt an der Überlieferung
Majuskel=Unziale – mit großen (griech.) Buchstaben geschriebene Handschrift
Minuskel=mit kleinen (griech.) Buchstaben geschriebene Handschrift
Palimpsest=Pergament-Handschrift, deren Beschriftung getilgt und die dann neu beschrieben wurde (z.B. Cod. Ephraemi)
Polyglotte=mehrsprachige Bibelausgabe
Revision=Überprüfung eines Textes anhand anderer Handschriften
Variante=,varia lectio‘ (vl) – abweichende Lesart

3.6 Der Vollzug der Textkritik

Die Textkritik vollzieht sich in einem analytischen und einem interpretativen Schritt:

a) Die Feststellung der äußeren Bezeugung der einzelnen Lesarten (analytischer Schritt)

Dazu müssen zuerst die textkritischen Angaben des Apparates dechiffriert werden. Es gilt festzustellen, welche Handschriften welche Lesart bezeugen und wie diese Bezeugung qualitativ (Alter und Güte der Handschrift) und quantitativ (Umfang der Bezeugung) zu beurteilen ist. Grundsätzlich gilt die Regel: Die bestbezeugte Lesart ist die ursprünglichere.

Um den analytischen Schritt sachgemäß durchführen zu können, sind gute Kenntnisse vom Wert einzelner Handschriften notwendig. Erfahrungsgemäß haben die Studierenden hier Schwierigkeiten, weil sie oft nicht wissen, wo sie sich diese Kenntnisse aneignen können. Über das unter 3.5.2. Gesagte hinaus ist deshalb folgende Lektüre zum äußeren Wert einzelner Handschriften unerlässlich: K. u. B. ALAND, Der Text des Neuen Testaments, 167–171. 342–348; B. M. METZGER, Der Text des Neuen Testaments, 36–66 und A. WIKENHAUSER – J. SCHMID, Einleitung, 79–161.

b) Die Diskussion der inneren Wahrscheinlichkeit einer Lesart (interpretativer Schritt)

Bei diesem Schritt geht es um die Frage, welche Lesart aufgrund innerer Kriterien die ursprünglichere ist. Es muss dabei geklärt werden, wie sich die einzelnen Lesarten in ihrer Entstehung zueinander verhalten, welche sachlichen Gründe für die eine oder andere Lesart sprechen und wie die divergierenden Textfassungen aus der als ursprünglich postulierten Lesart entstehen konnten. Als Grundsatz hat dabei zu gelten, dass die Lesart die ursprünglichere ist, die die Entstehung der anderen Lesarten am besten erklärt.

Für diesen Schritt der Textkritik gibt es zwei bewährte Regeln:

1. Diejenige Lesart ist die ältere, von der sich die übrigen ableiten lassen.

Es ist dann die Lesart aufzuspüren, die den höheren Schwierigkeitsgrad bietet, denn es ist wahrscheinlicher, dass eine schwierige Lesart geglättet und verständlicher gemacht wurde als umgekehrt. Es gilt also die Regel: lectio difficilior probabilior (vgl. J. A. Bengel: ‚Proclivi scriptioni praestat ardua‘). Diese Regel ist natürlich nicht anwendbar, wenn eine Lesart völlig unsinnig ist.

2. Diejenige Lesart ist gewichtiger, die kürzer ist als die anderen; denn es besteht beim Abschreiben eher die Tendenz, eine Textstelle mit Ergänzungen zu versehen als sie zu kürzen. Es gilt also die Regel: lectio brevior potior. Auch hier gibt es Ausnahmen; denn es kommt vor, dass versehentlich Wörter ausgelassen werden.

Die Diskussion der inneren Wahrscheinlichkeit von Lesarten setzt oft ein hohes Maß an exegetischer und theologiegeschichtlicher Kenntnis voraus. Sprachgebrauch und theologische Tendenz des Autors wollen bedacht sein, und häufig muss die theologische Diskussion einer bestimmten Epoche der Kirchengeschichte bekannt sein, um Glättungen und Ergänzungen als solche erkennen zu können.

3.7 Übung

Textkritische Analyse von Mk 7,24 (nach Nestle-Aland28)

1. Variante

Äußere Bezeugung: ’Eκεῖθεν δέ ἀναστάς lesen die Majuskeln 01, B 03, L 019, Δ 037; die Minuskeln 892, 1241, 1424, sowie eine Randlesart der syrischen Harklensis. Dagegen lesen die Majuskeln A 02, K 017, N 022, Γ 036, Θ 038, die Minuskelfamilien 1 und 13; die Minuskeln 28.33.565.700.2542, mit Abweichungen D 05 und 579, der Mehrheitstext sowie die Harklensis καὶ ἐκεῖθεν ἀναστάς. Die Majuskel W 032, die Itala sowie der Sinai-Syrer lesen lediglich καὶ ἀναστάς. Das Lektionar 2211 liest: ἀναστὰς ό κύριος ἡμῶν Ίησοῦς Χριστός.

Kommt den zuletzt genannten Lesarten schon wegen ihrer geringen äußeren Bezeugung nicht als ursprünglicher Text in Frage, so sind die beiden anderen Lesarten von der äußeren Bezeugung her etwa gleichwertig. Für die textkritische Entscheidung müssen somit innere Kriterien hinzugezogen werden.

Innere Bezeugung: Das καί der zweiten Lesart anstelle des bei Mk seltenen δέ könnte man als Paralleleinfluss von Mt 15,21 erklären. Wahrscheinlicher ist aber ein Einfluss von Mk 10,1, wo der Versanfang lautet: καὶ ἐκεῖθεν ἀναστάς. Dies ist um so wahrscheinlicher, als Mk 10,1 über den Anfang des Verses hinaus Parallelen zu 7,24 bietet.

Textkritisches Urteil: Nimmt man einen Einfluss von Mk 10,1 auf Mk 7,24 im Verlauf der Textüberlieferung an, so ist die Lesart ἐκεῖθεν δὲ ἀναστάς als die ursprüngliche anzusehen. Allerdings ist in diesem Fall keine Eindeutigkeit zu erreichen, was sich schon an den unterschiedlichen Entscheidungen von Nestle-Aland27.28 und Huck-Greeven zeigt.

2. Variante

Äußere Bezeugung: Die Lesart τὰ ὅρια wird durch die Majuskeln 01, B 03, D 05, L 019, W 032, Δ 037, Θ 038, die Minuskelfamilien 1 und 13, die Minuskeln 28, 579, 700, 892, 2542, l 2211 sowie den Kirchenvater Origenes bezeugt. Hingegen lesen die Majuskel A 02, K 017, N 022, Γ 036, die Minuskeln 1241, 1424 und der Mehrheitstext τὰ μεθόρια. Schließlich liest die Minuskel 565 τὰ ὅρη.

Die äußere Bezeugung spricht deutlich für die erste Lesart, obgleich die zweite Lesart im Gegensatz zur dritten auch gut bezeugt ist.

Innere Bezeugung: τὰ μεθόρια ist Hapaxlegomenon im NT und zweifellos die schwierigere Lesart. Zudem kann man für τὰ ὅρια Paralleleinfluss aus Mt 15,22 (τῶν ὁρίων) und Mk 10,1 annehmen.

Textkritisches Urteil: Für die Ursprünglichkeit von τὰ ὅρια spricht vor allem die gute äußere Bezeugung. Andererseits sprechen innere Kriterien für τὰ μεθόρια; denn es ist Hapaxlegomenon und ein Einfluss aus Mt 15,22 und Mk 10,1 ist nicht auszuschließen. Das textkritische Urteil hängt somit von der unterschiedlichen Wertung der äußeren und inneren Kriterien ab, was wiederum durch die divergierenden Meinungen von Nestle-Aland27.28 und Huck-Greeven belegt wird.

3. Variante

Äußere Bezeugung: Nach dem Wort Τύρου lesen die Majuskeln 01, A 02, B 03, K 017, N 022, Γ 036, die Minuskelfamilien 1 und 13, die Minuskeln 33, 579, 700, 892, 1241, 1424, 2542, l 2211, der Mehrheitstext, die lateinische Überlieferung, die Peschitta, die Harklensis sowie die koptischen Übersetzungen καὶ Σιδῶνος. Nur Tyrus als Ortsangabe bezeugen hingegen die Majuskeln D 05, L 019, W 032, Δ 037, Θ 038, die Minuskeln 28, 565, die Itala, der Sinai-Syrer und Origenes. Nach der äußeren Bezeugung ist der ersten Lesart eindeutig der Vorzug zu geben.

Innere Bezeugung: Für die sekundäre Hinzufügung von καὶ Σιδῶνος zum ursprünglichen Τύρου spricht einmal, dass Sidon und Tyrus sowohl im Alten Testament (vgl. Jes 23,4; Jer 27,3; 47,4; Joel 13,48; Sach 9,2) als auch im Neuen Testament (Mt 11,21.22; 15,21; Mk 3,8; 7,31; Lk 6,17; 10,13.14) in der Regel zusammen genannt werden und deshalb καὶ Σιδῶνος unter dem Einfluss von Mt 15,21 wahrscheinlich nachträglich hinzugesetzt wurde. Außerdem läge eine Doppelung der Ortsangaben in Mk 7,24 und 7,31 vor, wenn Sidon und Tyrus auch in 7,24 zusammen genannt würden. Schließlich trifft hier die Regel zu, dass die kürzere Lesart die schwierigere ist.

Textkritisches Urteil: Obwohl die äußere Bezeugung eindeutig für die Lesart Τύρου καὶ Σιδῶνος spricht, ist καὶ Σιδῶνος als spätere Hinzufügung anzusehen, die unter dem Einfluss von Mt 15,21 in den Text kam.

4. Variante

Äußere Bezeugung: Anstelle des Imperfekts ἤθελεν lesen 01, Δ 037, die Minuskelfamilie 13, die Minuskel 565 sowie Origenes die Aoristform ἠθέλησεν.

Innere Bezeugung: eine inhaltliche Differenz zwischen der Imperfekt- und der Aoristform besteht nicht.

Textkritisches Urteil: Die äußere Bezeugung spricht für die Ursprünglichkeit des Imperfekts ἤθελεν.

5. Variante

Äußere Bezeugung: Die korrekte Aoristbildung ἠδυνήθη wird durch die Majuskeln A 02, D 05, K 017, L 019, N 022, W 032, Γ 036, Δ 037, Θ 038, die Minuskelfamilien 1 und 13, die Minuskeln 28.579.700. 892.1241.1424.2542, das Lektionar 2211 sowie den Mehrheitstext bezeugt. Hingegen findet sich im Sinaiticus und im Vaticanus die singuläre Aoristform ἠδυνάσθη. Die Imperfektbildung ἠδύνατο wird nur durch die Minuskel 565 belegt. Die beiden ersten Lesarten sind gleich gut bezeugt, so dass innere Kriterien herangezogen werden müssen.

Innere Bezeugung: Die im Neuen Testament nur hier zu findende Aoristbildung ἠδυνάσθη ist zweifellos die schwierigere Lesart. Es ist zu vermuten, dass sie in das korrekte ἠδυνήθη geändert wurde.

Textkritisches Urteil: Da ἠδυνάσθη die ‚lectio difficilior‘ darstellt und auch äußerlich gut bezeugt ist, muss es als ursprünglich angesehen werden.

3.8 Aufgabe

Textkritische Analyse von Mk 14,22–25; Lk 22,17–20, 1Kor 11,23–26 sowie Joh 1,1–18 auf der Grundlage von Nestle-Aland28 und Huck-Greeven.

11 Vgl. zur problematischen Methode der Konjektur B. M. Metzger, Der Text des Neuen Testaments, 184–187. – Wer die Begründung einer Konjektur kennenlernen möchte, lese A. v. Harnack, Zwei alte dogmatische Korrekturen im Hebräerbrief, in: Studien zur Geschichte des Neuen Testaments und der alten Kirche I, AKG 19, 1931, 234–252.

12 Der Ausdruck ‚textus receptus‘ geht auf das Vorwort der 1633 erschienenen 2. Auflage der NT-Ausgabe der Familie Elzevier aus Leiden zurück, wo es heißt: »Textum ergo habes, nunc ab omnibus receptum: in quo nihil immutatum aut corruptum damus« (»Du hast nunmehr einen Text, der von allen angenommen ist, in dem wir nichts verändert oder verdorben wiedergeben«).

13 Vgl. zur aufregenden Fundgeschichte Chr. Böttrich, Der Jahrhundertfund, 2011; D. Parker, Der Codex Sinaiticus, 2012.

14 Zu den Einzelheiten der Theorie von Westcott-Hort vgl. B. M. Metzger, a.a.O., 129–138.

15 Vgl. dazu auch A. Wikenhauser – J. Schmid, Einleitung, 170–183.

16 Zur Forschungsgeschichte: R. Kieffer, Au delà des recensions?, CB.NT 3, 1968, 25 ff. – Kritisch zu der Existenz des Cäsarea-Textes äußert sich K. Aland, Bemerkungen zu den gegenwärtigen Möglichkeiten textkritischer Arbeit aus Anlass einer Untersuchung zum Cäsarea-Text der Katholischen Briefe, NTS 17 (1970/71), 1–9.

17 Vgl. K. u. B. Aland, Der Text des Neuen Testaments, 77.

18 Da die 27. Auflage noch von vielen Studierenden benutzt wird und in der 28. Auflage der Text der Evangelien, der Apostelgeschichte und der Paulusbriefe unverändert ist, lege ich hier beide Ausgaben zugrunde.

19 Dazu H. W. Bartsch, Ein neuer textus receptus für das griechische Neue Testament?, NTS 27 (1981), 585–592; Replik von K. Aland, Ein neuer textus receptus für das griechische Neue Testament?, NTS 28 (1982), 145–153.

20 Vgl. dazu die Auflistung der unter M zusammengefassten Handschriften in Nestle-Aland27, 714.

21 Vgl. hier auch D. Trobisch, Die 28. Auflage des Nestle-Aland, 22–33.

22 Zu den Minuskelfamilien f1 und f13 vgl. B. M. Metzger, Text, 61f.

23 Vgl. zu den Lektionaren K. u. B. Aland, Der Text des Neuen Testaments, 172–178; zu den alten Übersetzungen des NT: a.a.O., 181–221.

4. Texttheorie und Methodenabfolge

Die Textkritik ist die grundlegende Voraussetzung aller weiteren methodischen Arbeit, denn sie legt den zu bearbeitenden Text in seinem Wortlaut fest. Der sich anschließenden Abfolge von Methodenschritten liegt eine bestimmte Texttheorie zugrunde24:

Das Urchristentum war eine charismatische Bewegung, in der die Produktion schriftlicher Texte aller Wahrscheinlichkeit nach erst relativ spät einsetzte. So wie die Verkündigung Jesu von Nazareth mündlich erfolgte, wurden auch die Erzählungen über Jesus von Nazareth zunächst mündlich tradiert, bevor Verschriftungsprozesse in einem größeren Umfang einsetzten (Sammlungen thematisch verwandter Stoffe, Logienquelle). Die Paulusbriefe als älteste literarische Dokumente des Urchristentums (geschrieben zwischen 50 und 61 n.Chr.) setzen noch das mündlich verkündigte Evangelium voraus (vgl. 1Kor 15,1ff) und sind nicht programmatischer, sondern, durch die Missionssituation bedingt, aktueller Ausdruck der Schriftlichkeit. Erst mit dem Markusevangelium (um 70 n.Chr.) etabliert sich das Evangelium als schriftliches Phänomen.

Eine sachgemäße Texttheorie wird deshalb berücksichtigen, dass die ntl. Texte nicht nur von einem einmaligen geschichtlichen Geschehen berichten, sondern selbst eine mündliche/schriftliche Geschichte als Texte durchlaufen haben. Hinter den ntl. Texten steht in der Regel ein Prozess, in dem ältere Texte summiert, verdichtet und in einen neuen Erzählzusammenhang überführt wurden. Die Interpretation auf synchroner Ebene und die diachrone Analyse der Vorgeschichte des Textes müssen sich ergänzen, um Werden und Sosein des Textes gleichermaßen zu erfassen. Es gibt keine Autonomie der Texte gegenüber ihrer eigenen Geschichte, sondern Synchronie und Diachronie sollten in ihrer Interdependenz begriffen werden.

Diesem mehrschichtigen Textmodell entspricht eine Methodenabfolge, die nach der Textfeststellung in der Textkritik auf synchroner Ebene einsetzt (Textanalyse) und wieder dort hinführt (Redaktionsgeschichte), nachdem sie die möglichen Phasen der Vorgeschichte eines Textes analysiert hat (Literar-/Quellenkritik, Formgeschichte, Traditionsgeschichte, Begriffs- und Motivgeschichte, religionsgeschichtlicher Vergleich). Auch wenn die synchrone Ebene Ausgangs- und Zielpunkt der Exegese ist, darf die diachrone Analyse nicht als Umweg aufgefasst werden. Vielmehr stellt der Jetzttext immer nur das Endresultat eines Formungsprozesses dar, dessen bestimmende Faktoren analysiert werden müssen, um den vorliegenden Text zu verstehen.


24 Jedes Textmodell beruht auf einer Setzung, durch die Exegese im wissenschaftlichen Diskurs überhaupt kommunikabel wird; vgl. W. Iser, Der Akt des Lesens, 31990, 87: »Textmodelle stellen heuristische Entscheidungen dar. Sie sind nicht die Sache selbst, wohl aber verkörpern sie einen Zugang zu ihr.«

5. Textanalyse

Literatur

BERGER, K., Exegese des Neuen Testaments, 11–32. – EBNER, M. – HEININGER, B., Exegese des Neuen Testaments, 57–131. – EGGER, W., Methodenlehre zum Neuen Testament, 74–146. – MARGUERAT, D., Strukturale Textlektüren des Evangeliums, ThBer 13 (1985), 41–86. – SOWINSKI, B., Textlinguistik, 1983, 51–124. – POWELL, M. A., What is Narrative Criticism?, Minneapolis 1990. – REINMUTH, E. – BULL, K.-M., Proseminar Neues Testament, 11–51.

5.1 Definition

Die Textanalyse hat die Funktion eines methodisch orientierten Einstiegs in die Textwelt, ihr Ziel ist eine grundlegende Textwahrnehmung. Die Textanalyse untersucht die sprachliche Struktur der in der Textkritik rekonstruierten Urfassung eines Textes. Unter Struktur sind die an Regeln gebundenen internen Beziehungen auf syntaktischer, semantischer, narrativer und pragmatischer Ebene zu verstehen, durch die die Teilelemente eines Ganzen organisiert werden. Alle Elemente eines Textes stehen bewusst zueinander in Beziehung, sie wirken durch ihr Ineinander/Zueinander/Nacheinander zusammen und stellen so in unterschiedlicher Weise Kohärenz her. Aus dem Zusammenspiel der einzelnen Elemente eröffnet sich im Akt des Lesens der Sinn des Textes25. Dieser Sinngehalt ist nicht beliebig, sondern durch die planvoll angelegte Textstruktur wird der Leser bei einer gelingenden Kommunikation zu den Einsichten geführt, die der Autor vermitteln möchte.

5.2 Methodische Schritte

5.2.1 Abgrenzung des Textes

Bei der Abgrenzung eines Textes sind der Anfang und das Ende einer Sinneinheit festzulegen. Hierbei sind Zeit- und Ortsangaben, Veränderungen in der Konstellation der Handlungsträger sowie Themenwechsel von besonderer Bedeutung. Beachtung verdienen auch textabschließende Motive (z.B. Abschlussformeln, Akklamationen bei Wundern).

Die traditionelle Kapitel- und Verseinteilung ist sekundär (die moderne Kapiteleinteilung stammt aus dem 13. Jahrhundert, die Verszählung aus dem 16. Jahrhundert) und entspricht teilweise nicht mehr heutigen Erkenntnissen.

Beispiel: Mk 9,1 gehört nicht zur folgenden Verklärungsgeschichte (V. 2–13), sondern ist Abschluss der in Mk 8,34ff beginnenden Jüngerbelehrung.

5.2.2 Kontextanalyse

Nicht nur der Sinn von Wörtern und Sätzen, sondern auch von Teiltexten wird wesentlich durch den Kontext bestimmt. Deshalb ist eine Kontextanalyse erforderlich, die den Zusammenhang des zuvor abgegrenzten Teiltextes mit dem Gesamttext herausarbeitet. Sie soll die Stellung eines Teiltextes innerhalb einer größeren Sinneinheit (Makrokontext) und seiner unmittelbaren Umgebung (Mikrokontext) bestimmen. Diese Platzierung ist keineswegs zufällig, sondern sowohl auf sprachlicher als auch thematischer Ebene Ausdruck einer Handlungsbewegung, durch die der Autor seine Jesusgeschichte präsentiert und vorantreibt.

5.2.3 Sprachlich-syntaktische Analyse

Die sprachlich-syntaktische Analyse erhebt den Wortschatz eines Textes und untersucht die in einem Text vorkommenden Wortarten (Substantiv, Verb, Adjektiv, Pronomen, Präposition, Artikel, Konjunktion), Wortformen (Tempus, Genus, Modus, Numerus, Kasus) sowie deren Verknüpfung nach den Regeln der Grammatik. Es wird beschrieben, wie sich die Wörter, Teilsätze und Sätze zueinander verhalten, wie sie miteinander verknüpft sind und auf welche Weise Kohärenz hergestellt wird (z.B. durch Repetition, Variation, Amplifikation, Substitution, Auslassung, Platzierung von Leitworten, Proformen).

Der Wortschatz eines Textes muss im Verhältnis zum Wortschatz einer Schrift (z.B. Evangelium) bzw. Schriftengruppe (z.B. synoptische Evangelien, gesamtes Neues Testament) ermittelt werden, um so die sprachliche Eigenart des Textes zu bestimmen. Theologische Leitbegriffe, seltene Wörter, Hapaxlegomena oder Vorzugsvokabular lassen gleichermaßen Rückschlüsse auf den Autor und seine Intentionen zu.

Die Häufigkeit und der Einsatz von Wortarten gibt Auskunft über die Dichte der Textstruktur (z.B. liegt eine hohe Dichte bei einem gehäuften Einsatz von verbindenden Präpositionen vor). Auch die Art des Kommunikationsaktes wird wesentlich durch die Wortarten bestimmt (z.B. weist eine Häufung von Verben auf einen Erzähltext, eine Häufung von abstrakten Nomina auf einen argumentativen Text hin). Die Wortformen erzeugen durch die Kongruenz von Kasus, Numerus und Genus Zusammengehörigkeit; der Tempusgebrauch signalisiert nicht nur Zeitstufen, sondern auch Erzählperspektiven (z.B. verschiedene Tempora in erzählenden und argumentativen Texten). Die Verbmodi verweisen auf Aktionsarten, und Pronominalformen (speziell 1. und 2. Pers.) geben Auskunft über die Autor-/Leserkommunikation. Die interne Verknüpfung der Teil- und Einzelsätze erfolgt nach den Regeln der Syntax und muss entschlüsselt werden (z.B. durch die Bestimmung von Subjekt-Prädikat-Objekt usw.). Wichtig ist dabei die Beachtung der Satzanschlüsse, die unterschiedlich eng sein können; neben geläufigen Verknüpfungen gibt es unverbundene Sätze (Asyndeta).

Inkongruenzen bei den Wortarten und Wortformen sowie Störungen der Syntax weisen auf mangelnde Kohärenz hin.

5.2.4 Semantische Analyse

Die semantische Analyse erhebt die Bedeutungsebene eines Textes, indem sie die semantischen Beziehungen zwischen den Teilelementen beschreibt und auf Grund von Themen, Oppositionen und Sinnlinien das Sinngefüge des Textes zu erheben sucht. Die semantische Analyse umfasst somit zwei Arbeitsschritte: 1) Ausgehend von der Bedeutung eines Wortes und seiner Aktualisierung im aktuellen Kontext werden bedeutungsverwandte Worte zusammengestellt und die Bedeutungsträger eines Textes bestimmt. 2) Es gilt den Sinngehalt eines Textes zu ermitteln, indem die Sinnlinien (Gruppe bedeutungsverwandter Worte) bestimmt und aufeinander bezogen werden. Semantische Kohärenz liegt vor, wenn die Informationen eines Textes so aufeinander bezogen sind, dass der Leser keine Informationslücke oder keinen Informationsbruch feststellt.

5.2.5 Narrative Analyse

Die narrative Analyse untersucht den Handlungsablauf und die Handlungsträger. Es geht um die Frage, wie und wodurch eine Handlung vorangetrieben wird. Dabei sind die Sprachhandlungen (direkte/indirekte Rede, Fragen, Forderungen, Drohungen usw.) ebenso zu behandeln wie die chronologische Reihenfolge des Geschehens und der Aufbau von Oppositionen. Von besonderer Bedeutung sind Knotenpunkte, aus denen sich Handlungsalternativen ergeben. Die Handlungsstruktur wird wesentlich von Personen als Handlungsträger bestimmt. Es gilt zu analysieren, welche Handlungsträger auftreten und wie sie sich zueinander verhalten.Wer sind die Träger sprachlicher Äußerungen? Kann zwischen Erzählerund Figurenstimmen unterschieden werden? Wer sind die Adressaten? Welche Personen agieren aus welchem Grund zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort? Welche Personenkonstellationen und Netzwerkstrukturen liegen vor? Welche Personen erheben Machtansprüche und wo entstehen Widerstände? Wie wird Plausibilität zwischen Annahmen und Schlussfolgerungen hergestellt (Topik)? Mit Hilfe der Topoi werden Verknüpfungen, Kausalitäten und Hierarchien etabliert. Von besonderem Interesse sind Brüche in der Handlungssequenz (z.B. Unterbrechung einer Handlung durch eine Kommentierung, Inkongruenzen im Verhältnis von Fragen und Antworten, vom Handlungsablauf nicht motivierte Reaktionen von Personen).

5.2.6 Pragmatische Analyse

Die textpragmatische Analyse fragt nach der Kommunikationsabsicht des Textes und untersucht, was mit dem Text bei seinem Adressaten erreicht werden soll. Ausgangspunkt ist dabei die gemeinsame Welt von Autor und Adressaten; es sollen die Informationen herausgearbeitet werden, mit denen der Autor an die Adressaten herantritt, und es gilt festzustellen, mit welchen Mitteln er sie für sich gewinnen will (z.B. durch die Präsentation von Sympathie- bzw. Antipathieträgern im Text). Welche Gefühlsebenen werden angesprochen (Pathos)? Der Autor verfolgt mit seinem Werk eine Wirkabsicht und versucht sie durch Rezeptionssteuerung bei den Adressaten zu realisieren. Die textpragmatische Analyse erhebt die Steuerungselemente, mit denen der Autor auf Seiten der Leser eine persönliche Partizipation herbeiführen will. In den Bereich der Textpragmatik gehört auch die Rhetorik als kommunikative Kunst der Überzeugung. Welche rhetorischen Strategien werden mit welchen rhetorischen Figuren verfolgt? Welche Wissensformen und Weltsichten werden konstituiert, welche Formen von Wirklichkeit und Wahrheit entstehen?

5.2.7 Feststellung der Kohärenz

Die Ergebnisse der bisherigen Analysen werden unter der Fragestellung der Kohärenz des gesamten Textes aufgenommen und ausgewertet. Neben den bereits genannten Kriterien können als generelle Hinweise auf unzureichende Kohärenz gelten:

– unvereinbare Spannungen und Widersprüche

– gegensätzliche Angaben

– störende Doppelungen und Wiederholungen

– unterschiedliche Bezeichnungen für gleiche Personen oder Sachen

– unterschiedlicher Stil- und Sprachgebrauch

– Risse und Brüche im Satz- und Handlungsaufbau

– auffällige inhaltliche Widersprüche

Mangelnde Kohärenz auf den verschiedenen Ebenen kann die Folge einer Aufnahme heterogenen älteren Materials in einen neuen Kontext sein, sie kann auf verschiedene Verfasser hinweisen oder Ausdruck der unzureichenden literarischen Kompetenz eines Autors sein.

5.3 Lernziel

Die Studierenden sollen zu einer sorgfältigen Textuntersuchung befähigt werden, die als Grundlage für alle weiteren Methodenschritte dient.

5.4 Übung

Textanalyse von Mk 9,14–29

Abgrenzung des Textes

Die Geschichte von der Heilung des epileptischen Knaben hebt sich von der vorhergehenden Verklärungsgeschichte (V. 2–8) und dem folgenden Gespräch beim Abstieg vom Verklärungsberg (V. 9–13) durch den Beginn einer neuen Handlung (markiert durch καὶ ἐλθόντες) und eine völlig neue Thematik ab.

Der Neueinsatz in V. 30 wird durch die mit κἀκεῖθεν ἐξελθόντες eingeleitete Ortsveränderung und das wiederum veränderte Thema (2. Leidensankündigung) deutlich.

Kontextstellung

Stehen im ersten Teil des Markusevangeliums (Mk 1,1–8,26: Jesus in und um Galiläa) Heilungen, Dämonenaustreibungen und Wundergeschichten im Mittelpunkt der Darstellung der ‚vita Jesu‘, so ist auffallend, dass sie im zweiten Großabschnitt des Evangeliums (Mk 8,27–10,52: Jesus auf dem Weg nach Jerusalem) fast völlig (Ausnahmen: Mk 9,14–29; 10,46–52) und im dritten Komplex (Mk 11–16,8: Jesus in Jerusalem) gänzlich fehlen. Bereits diese Beobachtung weist auf die exponierte Stellung der Perikope hin. Thematisch ist der 2. Hauptteil des Markusevangeliums durch Jüngerbelehrungen geprägt. Zu beachten ist die Nähe der Perikope zur zweiten Passions- und Auferstehungsvoraussage in Mk 9,31 (vgl. Mk 8,31; 10,32–34). Inhaltlich ist wichtig, dass sowohl in Mk 9, 14–29 als auch in 10,46–52 der Glaube im Mittelpunkt steht.

Sprachlich-syntaktische Analyse

Der Wortschatz des Textes weist einige Besonderheiten auf. Ntl. Hapaxlegomena sind: τρίζω (V. 18); ἀφρίζω (V.18.20); κυλίομαι (V. 20); παιδιόθεν (V. 21); ἐπισυντρέχω (V. 25); συσπαράσσω (V. 20 und die Parallele Lk 9,42). Seltene Wörter sowohl im Neuen Testament als auch im Markusevangelium sind: ἄλαλος, ἀπιστία, σπαράσσω, ἐπιτάσσω, ῥήσσω, βοηθέω. Die Besonderheiten des Wortschatzes konzentrieren sich auf die Schilderung der Krankheit bzw. Heilung, ein deutlicher Hinweis auf den traditionellen Kern der Wundererzählung.

Innerhalb der Wortarten dominieren deutlich Verben, ca. 27 % des Textes bestehen aus Verben. Innerhalb der Verben wiederum herrschen Verben der Bewegung vor (z.B. ἒρχομαι, τρέχω, φέρω, καταλαμβάνω, ῥήσσω, συσπαράσσω, πίπτω, βοηθέω, ἐκβάλλω, κυλίομαι, βάλλω, ἐπισυντρέχω, κρατέω, ἐγείρω, ἀνίσταμαι). Unter den Konjunktionen ist καί bestimmend (27 Belege), nur V. 19.23 und 25 beginnen nicht mit καί. Bei der Darstellung der Krankheit finden sich zahlreiche Adjektive: ἂλαλος, ἂπιστος, δυνατός, ἀκάθαρτος, κωφός. Das Vorherrschen der Verben weist deutlich auf einen Erzähltext hin, außer in der direkten Rede stehen die Verben zumeist in der 1. P. Sg./Pl. oder in der 3. P. Sg./Pl. Die Fragesätze in V. 16.19.21.28, der Vokativ in V. 19, die Imperative in V. 19.22.24.25 und die zehnmalige direkte Rede verleihen der Handlung Lebendigkeit. Das Erzähltempus ist vornehmlich der Aorist, vielfach werden Haupt- und Gliedsätze durch participia conjuncta verbunden.

Semantische Analyse

Die den Text prägenden Themen- und Sinnlinien sind zunächst antithetisch strukturiert, um dann von Jesus aufgehoben zu werden.

Die Aktivität der Menge, das Unvermögen der Jünger und die Macht Jesu stehen sich gegenüber, angezeigt durch die Opposition ‚nicht können‘ – ‚können‘. Während das Versagen der Jünger mit οὐκ ἰσχύειν bezeichnet wird (V. 18), bringt δύναμαι (V. 22.23.28.29) die Macht Jesu bzw. die Macht des Glaubens zum Ausdruck. Damit korrespondiert der theologische Schlüsselbegriff des Textes: πιστεύειν. Auf die Opposition ἂπιστος (V. 19) bzw. ἀπιστία (V. 25) – πιστεύειν (V. 23.24) und ihre Überwindung durch Jesu Handeln läuft die gesamte Erzählung in ihrer vorliegenden Struktur zu. Mit ‚glauben‘ ist das absolute Zutrauen in Jesu Macht gemeint, der Geistträger Jesus von Nazareth (vgl. Mk. 1,9–11) überwindet die menschenquälenden unreinen Geister. In diesem Sinn findet sich πίστις/πιστεύειν im Zusammenhang mit Wundergeschichten auch in Mk 2,5; 4,40; 5,34.36; 10,52. Allerdings ist damit die besondere Konnotation des Glaubensbegriffes in Mk 9,14–29 noch nicht erfasst, denn der paradoxe Charakter der Aussage in Mk 9,24 ist einzigartig. Glaube und Unglaube werden hier nicht wie sonst im Neuen Testament als Gegensätze aufgefasst. Vielmehr entsteht der Glaube bereits dort, wo er als Schrei des Unglaubens laut wird.

Narrative Analyse

Die narrative Struktur des Textes wird wesentlich durch die Interaktionen zwischen der Menge, den Jüngern und Jesus bestimmt. Die Handlung beginnt mit dem Kommen Jesu vom Berg der Verklärung (vgl. Mk 9,2ff) zu den Jüngern, obwohl 3 Jünger unmittelbar vorher mit Jesus zusammen waren (die divergierende Textüberlieferung zu V. 14 ist aus diesem Problem entstanden). Im weiteren Verlauf der Erzählung spielen die als Disputanten der Jünger erwähnten Schriftgelehrten keine Rolle mehr. In V. 15 erfolgt ein Subjektwechsel (ὁ ὄχλος); das Volk schaut nur auf Jesus und entsetzt sich, eine Reaktion, die in der Regel erst nach einem Wunder Jesu berichtet wird (vgl. Mk 1,27; 2,12; 4,41 u.ö.). Die Frage Jesu in V. 16 richtet sich an die Jünger, es antwortet aber einer aus dem Volk (V. 17). In V. 17b ist zum ersten Mal davon die Rede, dass ein kranker Junge zu Jesus gebracht wird. Dieses Bringen wird in V. 19 und V. 20 wiederum erwähnt. Eine erste Krankheitsschilderung des Vaters erfolgt in V. 17c. 18, die auf Epilepsie schließen lässt. In V. 19 fällt auf, dass Jesus auf die Anrede des Vaters den Jüngern mit der Wendung ὦ γενεὰ ἄπιστος antwortet. Formal unterscheidet sich dieser Vers vom unmittelbaren Kontext durch den Vokativ und durch das zweimalige ἓως πότε an Stelle des sonst dominierenden parataktischen καί. Nachdem der Knabe endlich zu Jesus gebracht wurde, demonstriert der Dämon seine Macht, woraufhin sich ab V. 21 ein Dialog zwischen Jesus und dem Vater entwickelt. In V. 22a schildert der Vater zum zweiten Mal die Krankheit seines Sohnes, im Gegensatz zu V. 18 steht dabei nicht das langsame Auszehren des Kranken, sondern die wie in V. 20 auf Vernichtung zielende Attacke des Dämons im Mittelpunkt. V. 22–24b unterbrechen deutlich den Handlungsablauf. In diesem Lehrgespräch über die Macht des Glaubens geht es nicht um die Heilung des Knaben, sondern an der Person des Vaters wird demonstriert, was rechter Glaube ist. In V. 25 wird die Schilderung des Wunders fortgesetzt. Veranlasst durch das Herbeiströmen des Volkes (das seit V. 14 anwesend ist!), bedroht Jesus den Dämon, der daraufhin mit einem letzten Beweis seiner Macht aus dem Knaben ausfährt. Am Ende der Erzählung geht Jesus mit den seit V. 21 nicht mehr erwähnten Jüngern in ein Haus und erteilt ihnen eine Belehrung, dass eine derartige Krankheit nur mit Gebet ausgetrieben werden kann (V. 28.29). Die Verben der Bewegung und die Oppositionen konstituieren einen narrativen Spannungsbogen; vom anfänglichen Unvermögen der Jünger werden die Hörer und Leser zur Macht Jesu und zur Verheißung des Glaubens und des Gebetes geführt.

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Türler ve etiketler

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313 s. 23 illüstrasyon
ISBN:
9783846340677
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