Kitabı oku: «Architektinnen. Ihr Beruf. ihr Leben.»
ULRIKE EICHHORN
Architektinnen
Ihr Beruf. Ihr Leben.
Inhalt
Vorwort
I. Rückblick
Anfänge
Architektinnenbiografien
Architektinnen und ihr Einfluss auf berühmte Architekten
Architektinnen in der Kriegs- und Nachkriegszeit
II. Architektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben.
Architektinnen in der Ausbildung und in der Lehre
Architektinnen im Beruf
Architektinnen mit Partner und Familie
Architektinnen und ihr Einkommen
Architektinnen in Rente
Architektinnen in Europa und weltweit
III. Interviews
1. Bewerberin für die Architekturausbildung
2. Vollzeit angestellt tätige Architektin
3. Masterabsolventin Architektur in Bewerbung
4. Lehrbeauftragte Architektin
5. Freiberuflich tätige Architektin
6. Teilzeit angestellt tätige Architektin in der Verwaltung
7. Angestellt tätige Architektin im Baugewerbe
8. Arbeitssuchende Architektin
9. Berufsfremd tätige Architektin
10. Selbstständig im ländlichen Umfeld tätige Architektin
11. Selbstständig im städtischen Umfeld tätige Architektin
12. Vollzeit angestellt tätige Architektin mit Kindern
13. Selbstständig tätige Architektin mit Kindern
14. Teilzeit tätige Architektin, alleinerziehend
15. Architektin in Rente
16. Architektin in Pension
Resümee
Danksagung
Anmerkungen
Quellen
Autorin
Impressum
Vorwort
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Leserinnen und Leser,
bevor ich Sie in die Welt der Architektinnen entführe, möchte ich ein paar Worte in eigener Sache voranstellen, denn viele Kolleginnen haben mich gefragt, was mich zu diesem Projekt bewogen hat.
Ehrlich gesagt, war es nichts anderes als die Suche nach Antworten auf Fragen, die sich im Laufe meines Berufs- und Lebensweges gestellt haben und die Neugier auf Lösungen. Wie kam es zu den Fragen? Voller Begeisterung hatte ich nach dem Schulabschluss das Architekturstudium aufgenommen und nach dem Diplom die berufliche Tätigkeit begonnen. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten habe ich arbeitsreiche, zufriedenstellende, erfüllende, lehrreiche und heitere Jahre mit meinem Beruf verbracht. Eine Wende vollzog sich, einhergehend mit einer allgemeinen Baurezession, mit der Geburt meines Kindes, dessen aufmerksame Erziehung mir und meinem Mann sehr am Herzen lag. Die folgende Lebensphase war geprägt von einer Gratwanderung, zwischen Berufsausübung, Kinderbetreuung und Erziehung, Partnerschaft, Familie und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Vielen von uns, und so auch mir, wurden die Pflege der Eltern und die Begleitung bis zu ihrem Tod nicht abgenommen, sodass auch diese Phase Bestandteil meines Lebensweges ist. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, was aus meinem elanvollen Berufsstart geworden ist und wie ich ihn hätte fortsetzen können. Wie gehen meine Kolleginnen mit ihrer Situation um? Wie kann ich als Architektin erfolgreich arbeiten, wenn ich Kinder versorge, in einer Partnerschaft lebe und zudem die Elternpflege auf mir lastet? Hätte ich mit einem anderen Partner, einem Architekten, vielleicht größere Chancen gehabt, meine Karriere fortzusetzen? Und wenn, hätte ich dann genug Freiraum für eine eigene Entwicklung gehabt? Wäre ich beruflich erfolgreicher geworden, wenn ich mich mit Kolleginnen zusammengetan hätte? Ist es überhaupt möglich, in diesem Beruf erfolgreich zu arbeiten, wenn Kinder Teil des Lebens sind? Unter welchen Umständen sind Beruf und Kinder vereinbar? Wie sind die Chancen, nach einer Erziehungspause wieder in den Beruf einzusteigen?
Viele Fragen haben mich über Jahre begleitet, bevor ich mich zeitlich und mit Hilfe moderner technischer Entwicklungen in der Lage sah, ihnen nachzugehen um nach Antworten zu suchen.
Um mich den Antworten zu nähern, beschloss ich, mir zunächst mir einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Berufs für Frauen zu verschaffen. Dass die Anfänge in der Geschichte der weiblichen Berufsausübung von der ungleichen Behandlung von Mann und Frau geprägt war, und dass Frauen generell erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts zum Studium der Architektur zugelassen wurden, war mir bekannt. Dass es damals trotz aller Schwierigkeiten bei der Zulassung aber viele Frauen gab, die das Architekturstudium absolvierten, wusste ich nicht. Und die Anzahl der Absolventinnen wuchs stetig, ebenso wie die Anzahl der in diesem Beruf tätigen Frauen. 1930 waren in der Architektenschaft nahezu 16 Prozent Frauen registriert. Die politischen Ideologien der Naziherrschaft stoppten diese Entwicklung eklatant. Zahlreiche jüdische Frauen, die zu der Zeit erfolgreich als Architektinnen tätig waren, sahen sich gezwungen zu emigrieren. Andere wurden in der Ausübung des Berufs gehindert, viele zogen sich aus der aktiven Tätigkeit zurück. Nachhaltig geprägt von den Ideologien der Kriegs- und Nachkriegszeit wuchsen mindestens zwei Generationen damit auf, dass Kindererziehung, Karriere und Familie keinesfalls miteinander zu vereinbaren seien, und dass Frauen, die diesen Lebensweg anstrebten, als karrierekrank oder Rabenmütter galten. Nicht wenige Frauen sahen sich gezwungen, die Situation als gegeben hinzunehmen. Die Biografie der Architektin Trudy Frisch zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie sich eine hervorragend ausgebildete Architektin mit Beginn des Ehelebens und mit der Geburt der Kinder aus dem Beruf zurückzog. Sicherlich nicht, weil sie den Beruf nicht mehr liebte. Aber weder wurde sie von ihrem Mann noch von ihrer Familie unterstützt, ihren Beruf weiterauszuüben. Am Ende entschwand sie ganz im Schatten einer Berühmtheit, die ohne die persönliche und finanzielle Unterstützung seiner Frau sicherlich niemals diese Bekanntheit erlangt hätte.
Es ist nicht die einzige Biografie, die dieses Schicksal erzählt. Bis vor kurzem noch wurde in der Nationalgalerie Berlin die von Aino Aalto entworfene Vase Savoy als Entwurf von Alvar Aalto präsentiert. Niemand störte sich daran. Bis heute gilt es nicht als angemessen, sich als Frau in den Vordergrund zu spielen, und vielen Frauen scheint es auch nicht so wichtig, öffentlich aufgrund ihrer beruflichen Leistungen anerkannt zu werden. Warum eigentlich?
Leider ist diese Haltung ein großes Problem. Die Anerkennung einer Leistung wird durch Geld entlohnt. Frauen und auch Architektinnen erhalten 20 bis 30 Prozent weniger Entgelt als Männer bei gleichwertiger Leistung. Das führt dazu, dass Männer bei Gründung einer Familie häufig aus ökonomischen Gründen ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen und ihre Frauen sich gegebenenfalls mit einer Teilzeittätigkeit arrangieren. Viele Architektinnen tun dies.
Auch meine berufliche Tätigkeit beschränkte sich auf die Zeiten, in denen unser Kind von zu bezahlenden Kräften betreut wurde. Das Hin- und Hereilen zwischen Büro und Übergabe des Kindes musste minutiös geplant werden. Schulferien, Öffnungszeiten des Horts, Krankheiten ließen sich nicht mit Bauzeitplänen in Einklang bringen. Der Stress zehrte an meinen Nerven. Nach Verrechnung meiner Einkünfte, die ich aus meiner Arbeit erzielte und den Ausgaben für Büro, Versicherungen, Kammerbeiträgen etc., musste ich feststellen, dass mir wenig eigenes Einkommen blieb. Es gab aber Architektinnen, die dieses Problem nicht kannten. In Zeitschriften und Feuilletons jedenfalls wurde vielfach davon berichtet. In mir keimten Frust und Selbstzweifel. Was hatte ich in meiner Lebensplanung falsch gemacht? Noch während ich darüber nachdachte, wie ich mein Leben in zufriedenstellende, neue berufliche Bahnen lenken konnte, wurde ich durch ein Thema, von dem inzwischen viele Menschen meiner Generation betroffen sind, gefordert: die Pflege der Eltern. Gerade als unser Sohn zur Schule kam, im Hort versorgt wurde, ich die familiäre Situation erreicht hatte, in der ich hätte wieder beruflich durchstarten können, ereilte mich die Nachricht aus dem Krankenhaus, dass ich mich um die Zukunft meiner kranken Mutter zu kümmern hätte.
In dieser Situation bin ich kein Einzelfall. Sie wird mittlerweile auch in den Medien äußerst vielfältig kommuniziert. Die Thematisierung hat aber leider noch keine Lösungen parat, die es uns zeigen, Kinder, Beruf, und pflegebedürftige Eltern unter einen Hut zu bringen.
Warum erzähle ich das? Ich erzähle das, weil ich zehn Jahre vor dem Eintritt in das Rentenalter bin und feststellen muss, dass ich in Relation für ein engagiertes Leben in Beruf, in der Erziehung, der Betreuung kranker Familienangehöriger und im Zusammenleben mit meinem Partner eine völlig unangemessene Rente erhalte. Sollte mein Mann versterben, erhalte ich 60 Prozent seiner Rente. Warum eigentlich? Mein Mann bekommt 100 Prozent.
„Schön blöd, wer da noch Kinder bekommt, vor allem in einem Beruf, der zeitaufwendig und verantwortungsvoll ist. Das kann nicht Ziel der Politik sein“, sagte eine Kollegin bei einem Interview.
Da eine Lösung dieses gesamtgesellschaftlichen Problems nicht absehbar ist, können wir zurzeit nur darüber nachdenken, wie Architektinnen die Herausforderung meistern und Beruf und Familie vereinbaren können. Gibt es Kolleginnen, die das zufriedenstellend umsetzen? Wie gestaltet sich dieser Lebensweg? Gibt es alternative Lebensformen, in denen das möglich ist? Welche Schlüsse können wir aus diesen Beispielen ziehen?
Recherchen, Statistiken, die Ergebnisse einer Umfrage1 und 16 Interviews gaben mir Antworten. Die Erkenntnisse spiegeln natürlich nur einen Ausschnitt wieder. Meine Herangehensweise an die Fragen ist nur eine Variante und es gibt sicherlich viele andere Sichtweisen, die es darzustellen gilt. Ein neuer Fragebogen wirft neue Fragen auf und ein weiteres Interview würde ergänzende Sichtweisen offenbaren. Es bleibt ein steter Prozess, wie ein Rückblick in die Geschichte zeigt. Und ich denke, dass dieser unerlässlich ist, um für die Zukunft Veränderungen zu erzielen. Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft, sagte Wilhelm von Humboldt.
Das vorliegende Buch ist nicht nur eine Übersicht der Geschichte und eine Bestandsaufnahme, sondern vielmehr auch als Diskussionsgrundlage gedacht, nicht nur für Architektinnen. Viele der dargestellten und angesprochenen Probleme, Wünsche und Sorgen gelten auch für Frauen in anderen Berufen. Für Architektinnen aber ist, und das ist anders als in anderen Berufen, ein viel weiter gespanntes Aufgabenfeld Bestandteil des beruflichen Alltags. Deshalb ist dieses Buch auch für diejenigen Frauen gedacht, die sich für den Beruf interessieren, ihn ergreifen und studieren möchten. Denn so vielseitig dieser Beruf auch ist, so vielfältig sind auch die Herausforderungen.
Als ich mein Studium 1986 beendete, waren nur sehr wenige Architekturbüros mit einem CAD-System ausgestattet. Nahezu alle Pläne wurden per Hand gezeichnet und mithilfe von Rasierklingen geändert und den Wünschen des Bauherrn angepasst. Selbst Anfang der 1990er-Jahre war CAD noch kein Bestandteil in den Büros, selbst in Chicago nicht, wo ich in einem Architekturkonzern für ein Jahr tätig war. Inzwischen werden in nahezu allen Architekturbüros, selbst in den kleinsten, Pläne am PC oder Mac erstellt und nicht mehr mit der Post versandt, wie zurzeit meines beruflichen Einstiegs, sondern per E-Mail. Die Entwicklung wird kein Ende nehmen und immer neue Anforderungen werden immer neue Herausforderungen stellen. Wie orientieren sich junge Architektinnen im Dschungel der zahlreichen Möglichkeiten? Wie finden sie die Spezialisierung, die ihren Neigungen weitestgehend entspricht? Und wie sind diese mit Familie und Kindern vereinbar?
Die aufgezeigten Daten, Fakten und Lebenswege können eine Orientierungs- und Diskussionsgrundlage sein, Studentinnen und angehende Kolleginnen bei ihrer individuellen Lebensplanung zu unterstützen. Aber auch Architektinnen, die auf der Suche nach Veränderungen und Verbesserungen sind, kann das Buch eine Anregung sein, neue Wege anzusteuern, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Ziele in Angriff zu nehmen. Dieser Beruf bietet nach wie vor, und mehr denn je, wunderbare Möglichkeiten, künstlerische wie technische und kaufmännische Neigungen auszuleben.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Berlin, im Herbst 2013

1. Rückblick
Anfänge
Schon in der Antike und im frühen Mittelalter wurde über Frauen berichtet, die als Architektinnen, Ärztinnen, Philosophinnen tätig waren. Zwar war es ihnen nicht erlaubt, in diesen Berufen zu arbeiten, aber immerhin möglich, an Akademien zu studieren und zu lehren. Leider blieb es nicht dabei. Im weiteren Verlauf der Zeitgeschichte reduzierte sich diese Freiheit und Frauen durften sich nur noch im klösterlich-medizinischen Umfeld beruflich bilden. Auch das wurde über die Jahrhunderte mehr und mehr eingeschränkt. Letztendlich wurde Frauen der Zugang zu Bildung und Lehre gänzlich verwehrt.
Erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts und der Unterstützung des Philosophen, Theologen und Pädagogen Johann Amos Comenius (1592 — 1670), Bischof der Unität der Böhmischen Brüder, veränderte sich dies. Nach dem lateinischen Grundsatz „omnes-omnia-omnino“ (alle alles ganz zu lehren) setzte sich Comenius dafür ein, dass auch Mädchen staatliche Schulen besuchen durften. Sie zu einer weiterführenden Ausbildung zuzulassen, war man aber noch weit entfernt. So wurde ein weiteres Jahrhundert heftig diskutiert, ob Frauen von ihrer geistigen Leistungsfähigkeit und körperlichen Verfassung her überhaupt für ein Studium geeignet seien. Beispiele beweisen, dass Frauen zweifellos dazu imstande waren:
Eine von ihnen war Dorothea von Erxleben (1715 — 1762) aus Quedlinburg, die als erste deutsche Frau in den deutschen Staaten zu einer Promotion zugelassen wurde. Mit Unterstützung ihres Vaters, einem Arzt, war sie in der Medizin unterrichtet und ausgebildet. Nur mit Genehmigung des preußischen Königs wurde sie zur Disputation zugelassen. 1754 erhielt sie in Halle die Promotionsurkunde mit Auszeichnung. Eine andere Ausnahme war die Freifrau Dorothea von Rodde-Schlözer (1770 — 1825). Die Tochter eines Göttinger Professors für Staatsrecht und Geschichte wurde in klassischer Literatur, Bergbau, Baukunst und Mathematik ausgebildet. Sie promovierte 1787 zur Doktorin der Philosophie, obwohl sie keine Dissertation vorlegen musste. Zu den Ausnahmen gehörte auch Sofja Wassiljewna Kowalewskaja (1850greg. Moskau — 1891greg. Stockholm), die russischer Herkunft war. Da der slawische weibliche Name in den westlichen Ländern unbekannt war, wurde über sie meist unter dem Namen des Ehemanns berichtet. Sofia studierte ab 1869 als Gasthörerin an der Universität Heidelberg, weil ihr in Russland der Besuch einer Hochschule nicht gestattet war. 1870 wechselte sie nach Berlin. Trotz zahlreicher Empfehlungen damaliger namhafter Professoren wurde ihr eine Universitätszulassung nicht gewährt. Doch sie ließ sich nicht entmutigen und nahm Privatstunden bei ihrem Professor, der sie für eine Promotion nach Göttingen empfahl, wo sie 1874 trotz vieler Widerstände die Doktorwürde mit summa cum laude erhielt. Ihr Traum wieder zu ihrer Familie nach Russland zurückzukehren, um dort mit ihrer Promotion eine Anstellung an einer Hochschule zu bekommen, zerschlug sich. Die Lehre an einer russischen Universität blieb ihr weiterhin versagt. Auf Einladung des Mathematikers Gösta Mittag-Leffler ging sie nach Schweden, um dort als Privatdozentin tätig zu sein. Der Preis dafür war hoch: Ihre 1878 geborene Tochter musste sie in Russland bei einer nahen Freundin zurücklassen. Sofia war befreundet mit Julija Wsewolodowna Lermontowa (1847greg Sankt Petersburg — 1919 bei Moskau). Lermontowa war die erste Frau, die im Fach Chemie ihre Dissertation vorlegte. Auch sie wurde in Göttingen promoviert und 1874 mit summa cum laude ausgezeichnet. Ebenfalls in Göttingen wurde die Amerikanerin Margaret Eliza Maltby (1860 — 1944) promoviert. Sie war physikalische Chemikerin und leidenschaftliche Frauenrechtlerin. Sie hatte Naturwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology in Boston studiert und schloss dort 1891 mit dem Bachelor of Science ab. Um ihre Forschungsarbeit in Physik fortzusetzen, entschloss sie sich, nach Deutschland zu gehen, wo sie die Doktorwürde 1895 erhielt. Maltby arbeitete anschließend in Berlin als wissenschaftliche Assistentin an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin-Charlottenburg. Im Jahr 1900 kehrte sie in die USA zurück, um an der Columbia University, einem College, das dort ausschließlich für Frauen gegründet worden war, zu lehren. 1903 wurde sie außerordentliche Professorin, 1910 Juniorprofessorin und 1913 ordentliche Professorin und Vorsitzende des Fachbereichs Physik. Margaret Maltby engagierte sich zeitlebens für die Gleichstellung der Frau in Studium und Beruf, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. Sie ermunterte ihre Studentinnen, sich nicht entweder für das Studium oder für die Familie zu entscheiden, sondern möglichst beides miteinander zu verbinden. Als langjähriges Führungsmitglied der American Association of University Women rief sie 1926 ein Stipendien-Programm für studierende Frauen ins Leben.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es zahlreiche Frauen, die sich als Wegbereiterinnen für das Frauenstudium in Deutschland einen Namen machten. Zu ihnen gehörte Katharina Charlotte Friederike Auguste Windscheid (1859 — 1943), die im Jahr 1895 die Doktorwürde im Fach Philosophie erhielt. Zu nennen sind ebenfalls Marianne Theodore Charlotte v. Siebold Heidenreich, (1788 — 1859, Doktorwürde in der Entbindungskunst 1817 in Gießen), Schriftstellerin Daniel Jeanne (Johanna) Wyttenbach, (1773 — 1830, philosophische Ehrendoktorwürde 1827, Marburg), Elsa Neumann (Physik, 1899, Berlin) und Clara Immerwahr (Chemie, 1900, Breslau). Sie alle machten ihrem Geschlecht alle Ehre, auch wenn sie durch ihr Tun zunächst keine Veränderungen für die allgemeinen Zulassungsbedingungen erreichte. 1888 hatte der Allgemeine Deutsche Frauenverein eine Petition beim preußischen Abgeordnetenhaus eingereicht, um die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium und zur wissenschaftlichen Lehrerinnenausbildung zu erreichen. Im selben Jahr hatte auch der Frauenverein Reform die Zulassung für Frauen zu allen Fächern gefordert. Dennoch konnten diese Initiativen keine unmittelbaren Erfolge verbuchen. Das pragmatische Vorgehen einzelner Frauen, eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, sollte sich als erfolgreich erweisen. Der erste Schritt dazu war die Zulassung als Gasthörerin. So war Hope Bridges Adams Lehmann die erste Frau in Deutschland, die ihr Medizinstudium als Gasthörerin begann und die es letztendlich mit einem Staatsexamen abschloss. Durch diese Hintertür gelang vielen der Zugang zu den Universitäten. Was als Ausnahme begann, wurde schließlich schnell zur Regel. Die weitaus meisten Gasthörerinnen konnte die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin verzeichnen. Jüdische Frauen, besonders solche aus dem Russischen Reich, waren unter diesen ersten Jahrgängen ausnehmend zahlreich vertreten. An der Medizinischen Fakultät stellten sie sogar die Mehrheit der Studentinnen. Viele dieser Frauen hatten zuvor in der Schweiz studiert, konnten also schon Studienleistungen vorweisen. Die guten Erfahrungen, die die Schweizer Universitäten mit studierenden Frauen gemacht hatten, waren ein wichtiges Argument, die deutschen Hochschulen für Studentinnen zu öffnen. So betrachtet ist die Einführung des Frauenstudiums in Deutschland den vielen russisch-jüdischen Frauen zu verdanken, die an Schweizer Universitäten studiert hatten. Die bekannteste unter ihnen ist Rosa Luxemburg (1871 — 1919), die an der Universität Zürich Volkswirtschaft studierte. Ein anderes Beispiel ist die Philosophin Anna Tumarkin (1875 — 1951), die erste Professorin an der Universität Bern. Im Jahr 1906 wurde sie Honorarprofessorin und 1908 Extraordinaria. Sie war die erste Professorin Europas, mit dem Recht, Doktoranden und Habilitanden zu prüfen. Zudem war sie die erste Frau, die einen Sitz im akademischen Senat hatte.
Nach und nach öffneten sich die deutschen Universitäten, und noch vor der Jahrhundertwende wurde vielen Frauen der volle Zugang zu allen Studiengängen ermöglicht. Ab dem Sommersemester 1900 waren Frauen an nahezu allen Landesuniversitäten als „ordentliche Studierende“ zugelassen. Unter ihnen war auch die jüdische Medizinstudentin und spätere Ärztin Rahel Straus (1880 — 1963). Sie gilt es insofern zu erwähnen, da sie nicht nur die erste Abiturrede einer jungen Frau in Deutschland hielt (1899), als erste Medizinstudentin an der Universität Heidelberg eingeschrieben war, sondern sich auch aktiv in der Vereinigung Studierender Frauen engagierte. 1902 bestand sie das Staatsexamen mit Erfolg, promovierte 1907 und setzte ihren beruflichen Weg mit der Eröffnung einer gynäkologischen Praxis 1908 fort. Mit ihrem Ehemann, einem promovierten Juristen, bekam sie fünf Kinder. Auch mit Familie und Kindern setzte sie ihren beruflichen Weg beständig fort, kämpfte für die Abschaffung des Paragrafen 218 und engagierte sich im jüdischen Frauenbund. Nach dem Tod ihres Mannes 1933 emigrierte Rahel Straus nach Palästina, arbeitete dort weiter als Sozialarbeiterin und gründete 1952 die israelische Gruppe der Woman´s International League for Peace and Freedom, deren Ehrenpräsidentin sie bis zu ihrem Tod 1963 blieb.
Neben Erfolgsgeschichten soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch traurig endende Lebensläufe von Akademikerinnen gab, die zwar zuversichtlich begannen, im Laufe der Jahre aber in die Mühlen des Zeitgeschehens gerieten. So geschehen mit Emilie Kempin-Spyri (1853 — 1901), die erst nach der Geburt ihrer drei Kinder (1876 bis 1879) die Reifeprüfung ablegte. Im Anschluss schrieb sie sich 1885 an der Staatswissenschaftlichen Fakultät Zürich zum Jurastudium ein, promovierte mit 34 Jahren 1887 und bewarb sich auf eine Dozentenstelle. Aufgrund ihres Geschlechts wurde sie sowohl von der Universität als auch bei der Zulassung zur Anwältin abgelehnt. Wütend ob dieser Rückständigkeit überzeugte sie ihren Mann, mit ihr und den Kindern 1888 in die USA auszuwandern. Dort fand sie allerdings ähnliche Bedingungen vor. Durch eine glückliche Fügung lernte sie eine wohlhabende New Yorkerin kennen, die sie unterstützte, eine Schule für Anwältinnen zu gründen. (Die „Emily Kempin-Law-School“ ermöglichte in späteren Jahren vielen Frauen eine Ausbildung zum Anwaltsberuf.) Emily war die erste Frau, die an einer amerikanischen juristischen Fakultät lehren durfte. Sie hielt Vorträge, verfasste Aufsätze für Zeitschriften und engagierte sich in der Frauenbewegung. Doch sie war hin- und hergerissen zwischen beruflichem Erfolg und familiären Herausforderungen. Ihr Mann war mit zweien ihrer Kinder 1889 wieder in die Schweiz zurückgekehrt, da er in den USA nicht Fuß zu fassen vermochte. Schuldgefühle der jüngsten Tochter gegenüber wegen vermeintlicher mangelnder Betreuung und eine Krankheit ihres Sohnes in Zürich veranlassten sie 1891 zur Rückkehr in die Schweiz. Dort bewarb sie sich für eine Dozentenstelle. Sie gründete einen Frauenrechtsverein und engagierte sich mit Zeitungsartikeln und Vorträgen für die Sache. Das Glück stand nicht auf ihrer Seite, denn der finanzielle Erfolg blieb aus und ihre Ehe scheiterte. 1895 zog Kempin zunächst allein nach Berlin, holte ihre Kinder nach und verliebte sich in einen Privatlehrer. Dieser zog ihr allerdings ihre jüngste Tochter vor und zeugte mit ihr ein Kind. Emilie erlitt einen Nervenzusammenbruch, lebte seit 1897 in einer Heil- und Nervenanstalt und hoffte auf Erholung. Doch die Ärzte hielten sie für geisteskrank und empfahlen dem Ehemann, für sie die Vormundschaft zu übernehmen. Emilie versuchte vergeblich, aus der Anstalt zu fliehen. Sie wurde in eine Baseler Irrenanstalt überführt, wo sie einsam von Familie und Freunden abgeschottet dahinvegetierte, bis sie 1901 mit achtundvierzig Jahren starb.
Ein ähnliches Schicksal erlitt Camille Claudel (1864 — 1943). Die Bildhauerin lebte und arbeitete an der Seite des berühmten Auguste Rodin. Auch sie wurde diskriminiert und in ihrem künstlerischen Schaffen behindert, weil sie sich von Rodin getrennt hatte. Claudel begann zu trinken und vereinsamte. Ihre Familie veranlasste eine gewaltsame Überführung in eine Irrenanstalt, wo sie mehr als 30 Jahre verbrachte, bevor sie am 19. September 1943 starb.
Ungeachtet dieser betrüblichen Lebenswege konnten im Laufe der Jahre und aufgrund der Bemühungen zahlreicher Vorreiterinnen viele Frauen ermutigt werden zu studieren. Im Jahre 1913 waren etwa 8 Prozent aller Studierenden weiblichen Geschlechts. Ihr Anteil stieg bis 1930 auf etwa 16 Prozent. So können wir ab der Jahrhundertwende bis zum Beginn der nationalsozialistischen Strömungen zahlreiche Frauenbiografien lesen, die in akademischen Berufen erfolgreich waren. Zu ihnen gehörten auch zahlreiche Architektinnen:
Architektinnenbiografien
Emilie Winkelmann, (1875 — 1951) wurde als Tochter eines Lehrers in Aken an der Elbe geboren. Sie erlernte das Handwerk des Zimmerers und half als junges Mädchen im Baugeschäft ihres Großvaters. Nach Abschluss der Schule gelang es ihr− obwohl Frauen zu dieser Zeit in Preußen noch keinen Zugang zu Hochschulen hatten− eine ausnahmsweise Zulassung zur Technischen Hochschule Hannover zu bekommen: Sie hatte sich eines Kniffs bedient und ihren Antrag mit E. Winkelmann unterzeichnet. Die Zulassung zum Staatsexamen jedoch versagte man ihr. 1906 zog Emilie Winkelmann nach Berlin, arbeitete in einer Baukanzlei und eröffnete als erste selbstständige Architektin Deutschlands ihr eigenes Büro. 1907 nahm sie an einem Wettbewerb für ein Theatergebäude nahe des Strausberger Platzes teil. Mit dem ersten Preis erhielt sie den Bauauftrag. Nach erfolgreicher Umsetzung des Projektes folgten Aufträge vermögender Berliner Bürger. Emilie Winkelmann plante Villen, Land-, Herren- und Mietshäuser. Nicht nur in Berlin und Umgebung, auch in Pommern und Schleswig-Holstein sind Spuren ihrer Baukunst zu sehen. In der Leistikowstraße, Berlin, entstand 1909 bis 1910 nach ihren Plänen das Leistikowhaus, ein großes städtisches Mietshaus, das heute unter Denkmalschutz steht. Zu ihren bedeutendsten Bauten zählt das, in den Jahren 1914 bis 1915 unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Viktoria errichtete Viktoria-Studienhaus, heute als Ottilie-von-Hansemann-Haus bekannt, in der Otto-Suhr-Allee, ebenfalls in Berlin. Äußerlich der Architektur des ausgehenden 18.Jahrhunderts angepasst, basierte diese damals einmalige Wohn- und Bildungsstätte für Berliner Studentinnen auf den reformerischen Ideen der Frauenbewegung. Leider wurde Winkelmanns Karriere ab 1916 durch eine schwere chronische Erkrankung eingeschränkt, sie litt zunehmend an Schwerhörigkeit und Desorientierung. Bedingt durch die Krankheit und die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs gelang es der Architektin nicht, an ihren früheren beruflichen Erfolg anzuknüpfen. Sie versuchte mit Projekten im Kleinwohnungsbau Anschluss an die Entwicklung zu bekommen, aber da sie sich weder in den 1920er- noch in den 1930er-Jahren parteipolitisch betätigte, blieben öffentliche Aufträge aus. So konzentrierte sie sich auf die Modernisierung von Guts- und Herrenhäusern, dem Umbau von Schloss Grüntal bei Bernau und nach dem Krieg dem Wiederaufbau und der Unterbringung von Flüchtlingen. Emilie Winkelmann wurde im Familiengrab in Aken beigesetzt. Die von ihr projektierten Villen und Landhäuser gelten auch heute noch als bemerkenswert modern und ebenbürtig denen von berühmten Architekten wie Alfred Messel und Hermann Muthesius. Viele von ihr entworfene Gebäude, die meist den individuellen Bedürfnissen der Bewohner angepasst waren, stehen heute unter Denkmalschutz.
Unter Denkmalschutz gestellt und als besonders erwähnenswert werden auch die Bauten einer anderen Architektin eingeschätzt, die eine bemerkenswerte Biografie hatte:
Ella Briggs, geborene Baumfeld, (1880 — 1977) studierte nach Abschluss der Schule zunächst Malerei in der Malschule des Wiener Frauenerwerbsvereines und an der Wiener Kunstgewerbeschule. Frauen wurden zu jener Zeit für ein Architekturstudium in Österreich noch nicht zugelassen. 1907 heiratete sie den New Yorker Journalisten Walter J. Briggs. Nach ihrer Scheidung siedelte Ella Briggs 1912 aus den USA wieder nach Wien um. Als Gasthörerin besuchte sie die Technische Bauschule, nahm Zeichenunterricht und bildete sich fort. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte sie nach München und wurde dort als Studentin der Technischen Hochschule zugelassen. Sie studierte vier Semester bei Professor Theodor Fischer. Bei ihm absolvierte sie erfolgreich ihren Abschluss. 1921 wurde Ella Briggs als erste Frau Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins und erste anerkannte Architektin ihres Heimatlandes. Aus ihren Händen stammen der Pestalozzihof und das Ledigenheim in der Billrothstraße in Wien. 1930 siedelte sie nach Berlin um, wo sie bis 1933 lebte und Siedlungen und Wohnbauten entwarf. 1936 floh die Jüdin über Wien nach London. Dort eröffnete sie ihr eigenes Büro, in dem sie für eine Wohnbaugenossenschaft im Londoner Stadtteil Enfield plante und baute. Bis zu ihrem Tod im Alter von 87 Jahren war sie dort tätig. Besonders erwähnenswert ist, dass Ella Briggs die einzige Frau neben Margarete Schütte-Lihotzky war, die sich im Wien der 1920iger-Jahre für ein umfangreiches Programm an Gemeindebauten verantwortlich zeigt.
Margarete Schütte-Lihotzky, (1897 — 2000) wuchs in einem großbürgerlichen Umfeld auf, das ihr Privatunterricht und den Besuch der Grafischen Lehranstalt ermöglichte. Nach der Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule begann sie das Studium der Architektur. Sie belegte Baukonstruktion bei Heinrich Tessenow, nahm an einem Wettbewerb teil, der dem Thema Arbeiterwohnungen gewidmet war, und erwarb drei Monate Büropraxis bei Professor Oskar Strnad. Sie arbeitete an Entwürfen für Siedlungsbauten, fertigte Pläne für ein Theaterprojekt für Max Reinhardt an und entwickelte dazu Studien. Nach ihrem Abschluss und einer Auszeichnung für ihre Entwürfe verließ sie Wien in Richtung Holland, um dort im Büro Vermeer zu arbeiten. Ein Jahr später kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück. Sie begann unter der Leitung von Albert Loos an den Entwürfen für eine Siedlungsgenossenschaft zu arbeiten. Ab 1922 brachte sie ihre Erfahrungen im Büro Ernst Egli ein. Auch hier plante sie Siedlungshäuser, entwickelte Innenausstattungen, Kochnischen und Spülplätze. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Rationalisierung der Hauswirtschaft. Für ihre Arbeit erhielt Schütte-Lihotzky die bronzene Medaille der Stadt Wien. Trotz Erkrankung an Tuberkulose und damit einhergehenden Klinikaufenthalten engagierte sich die Architektin weiterhin für die Planung von Volkswohnungen, entwickelte Möbelsysteme und plante Gesamtwohnanlagen u.a. mit Adolf Loss, Peter Behrends und Josef Hoffmann. 1926 wurde sie von Ernst May an das Hochbauamt der Stadt Frankfurt berufen. Im Rahmen ihrer Arbeit entwickelte sie dort die „Frankfurter Küche“, einen Prototyp für Einbauküchen, der in drei Variationen ca. 10.000-fach gefertigt wurde. Im Jahr 1930 wurde Schütte-Lihotzky als Mitglied der Gruppe May für die Planung neuer Städte nach Moskau berufen. Dazu gehörte auch ihr späterer Mann Wilhelm Schütte, mit dem sie u. a. nach Japan und China reiste. Die Architektin siedelte mit ihrem Mann und in Begleitung Ernst Mays in die UDSSR über, in der Hoffnung dort Wohnsiedlungen bauen zu können. Doch vergeblich. 1938 emigrierte das Ehepaar in die Türkei, nach Istanbul, wo Schütte-Lihotzky an der Akademie der Bildenden Künste lehrte und u.a. Kindergärten entwarf. 1939 trat sie der kommunistischen Partei bei, um in der österreichischen Widerstandbewegung mitzukämpfen. Sie wurde 1941 festgenommen und entging nur knapp dem Todesurteil. Sie wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 wurde sie von den US-Truppen befreit. Nach einer Zwischenstation in Sofia ließ sie sich 1947 als freischaffende Architektin wieder in Wien nieder, wo sie bis 1975 aktiv plante und baute und wo sie im Jahr 2000, kurz vor ihrem 103. Geburtstag verstarb.
Zu den vor der Jahrhundertwende geborenen Architektinnen gehörte auch Lux Guyer.
Lux Guyer, (1894 — 1955) eigentlich Louise, wurde am 20. August 1894 als Lehrerstochter in Zürich geboren. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule und war Fachhörerin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Der Hochschulabschluss blieb ihr als Frau jedoch verwehrt. Sie arbeitete bei Gustav Gull in Zürich und bei Maria Frommer in Berlin In Florenz, Paris und London erweiterte sie ihr architektonisches Wissen und Können. Nach der Gründung eines eigenen Büros in Zürich, als schweizweit erste Frau, machte sie sich vor allem mit der Planung von Einfamilienhäusern einen Namen. Ihre Entwürfe überzeugten durch moderne Grundrisse und einen neoklassizistischen Stil. Zu ihren Werken gehören aber nicht nur Einfamilienhäuser, auch das Frauenwohnheim Lettenhof, das Studentinnenheim Fluntern und das Musterhaus für die SAFFA, der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit, stammen aus ihrer Hand. 1928 hatte sie den Auftrag für die architektonische Leitung der SAFFA, erhalten und in Bern die gesamte Ausstellungsanlage mit minimalen Mitteln geplant und in kürzester Zeit realisiert. Ihr ebenso für die SAFFA entwickeltes Fertighaus, das aus einem vorgefertigten Holzbausystem bestand, wurde als Beitrag zur Erneuerung der mittelständischen Wohnkultur zwar wahrgenommen, setzte sich als Bauform aber nicht durch. Das Haus steht heute in Stäfa am Zürichsee. 1932 heiratete Guyer den Bauingenieur Hans Studer. 1933 brachte sie ihren Sohn Urs zur Welt. Ab 1935 schloss sie sich mit Künstlern und Handwerkern zusammen und setzte diese fruchtbare Kooperation in mehreren Projekten in Zürich um. Guyer war es immer wichtig, in ihren Bauten für eine hohe Wohnqualität zu sorgen. Bewohner und Bewohnerinnen sollten die Räume als behaglich erleben – als Orte des Rückzugs und der Erholung. Trotz Krise und Krieg führte Guyer ihr Architekturbüro weiter. Anfang der 1950er-Jahre erlebte sie nochmals einen Aufschwung. Lux Guyer starb am 25. Mai 1955 in Zürich.
Architektinnen und ihr Einfluss auf berühmte Architekten
Neben den Architektinnen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit eigenen Büros oder in der Öffentlichkeit einen Namen erwarben, gab es viele Kolleginnen die Männer in der Karriere unterstützten und förderten. In einem 1988 erstmals erschienenen und 1992 mit einer zweiten Ausgabe erweiterten Buch über namhafte Architekten werden die Biografien und Lebenswerke von 50 bekannten Architekten präsentiert. Nicht dargestellt wird der Einfluss der Frauen, die an der Seite dieser Männer mehr als unterstützend tätig waren. Else Oppler an der Seite von Peter Behrends, Aino Marsio neben Alvar Aalto, Elisabeth Haggenmüller neben Gottfried Böhm, Anne Griswold Tyng neben Louis Kahn. Das sind nur einige. Viele Architektinnen standen im Schatten ihrer Männer oder Lebenspartner, obgleich ihr Einfluss von großer Bedeutung war. Während ihre Frauen im Hintergrund wirkten, präsentierten sich die Männer in der Öffentlichkeit, bekamen Anerkennung, Preise, Geld und öffentliche Wahrnehmung für ihre Werke. Die Namen der Frauen blieben im Schatten. Es wird Zeit, diese Frauen aus der Vergessenheit zu holen, denn unter ihnen sind viele, die Enormes bewirkt und geleistet haben.
Else Oppler (1875 — 1965) wurde in Nürnberg geboren. Sie durchlief zunächst Ausbildungen an der Münchner Kunstakademie bei Professor Maximilian Dasio, sowie bei Henry van de Velde in Berlin, bei Josef Hoffmann an der Wiener Werkstätte und ab 1901 als Meisterschülerin bei Peter Behrens in Nürnberg. Von 1901 bis 1903 war sie als künstlerische Leiterin der Kunstgewerblichen Abteilung des Nürnberger Vereins Frauenwohl tätig, anschließend als künstlerische Leiterin der Kunstgewerblichen Abteilung des Kaufhauses Wertheim in Berlin. 1904 heiratete sie den Intendanten, Regisseur und Bühnenbildner Paul Legband. Im September 1910 übernahm sie die Leitung der neu gegründeten „Höheren Schule für Dekorationskunst“, welche durch den Deutschen Werkbund, den Verband für kaufmännisches Unterrichtswesen und den Verband Berliner Spezialgeschäfte getragen wurde. 1913 siedelte sie mit ihrem Mann nach Freiburg. Dort unterstützte sie ihn mit Entwürfen von Bauten und Kostümen für Stummfilme. Ab Mitte der 1920er-Jahre knüpfte sie erneut Kontakt zu Peter Behrens. Ihr ursprünglicher Auftrag, Möbel für das Apartment im Behrens-Bau der 1927 entstandenen Stuttgarter Weißenhofsiedlung entwerfen, zerschlug sich, doch der Kontakt zu Behrends blieb. Er vertiefte sich zu einer Lebensgemeinschaft, die mehrere Entwürfe und Bauten von Peter Behrens beeinflussten. So auch den Entwurf des Alexanderhauses am Berliner Alexanderplatz. Wie viele andere erfolgreiche Frauen flüchtete auch sie vor dem Naziregime und emigrierte nach Schweden, bevor sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder nach Deutschland zurückkehrte. Sie starb 1965 am Bodensee. Die Werke und das Wirken von Peter Behrens sind in zahlreichen Publikationen veröffentlicht, über Else Oppler ist nur sehr wenig bekannt.
Marlene Moeschke (1894 — 1985) hatte sich von 1914 bis 1916 an der Hamburger Kunstgewerbeschule zur Bildhauerin ausbilden lassen. Im Anschluss war sie an die Kunstgewerbeschule München gewechselt und nach Erhalt eines Atelierstipendiums der Preußischen Akademie der Künste nach Berlin gegangen. Dort lernte sie auf einer Veranstaltung der Berliner Sezession im Frühjahr 1918 den Architekten Hans Poelzig kennen, den sie 1924 heiratete. Seit 1918 arbeitete Marlene Moeschke neben bildhauerischen auch an kunstgewerblichen Projekten, an Grabmalen und Möbelentwürfen. 1919 war sie maßgeblich am Umbau des Zirkus Schumann zur berühmten expressionistischen Tropfsteinhöhle für Max Reinhardt beteiligt. 1920/21 gründete sie mit ihrem Mann zusammen das Bauatelier Poelzig. 1923 wurde das erste der drei Kinder geboren. 1930 bezog die Familie das von ihr entworfene Wohnhaus in Berlin-Westend. Nach Hans Poelzigs Tod im Jahr 1936 führte Moeschke-Poelzig das Bauatelier noch einige Zeit fort, doch 1937 musste sie es auf Druck der NSDAP auflösen. Sie verkaufte ihr Wohnhaus, verließ Berlin und lebte bis zu ihrem Tod 1985 wieder in Hamburg. Über Hans Poelzig gibt es eine umfangreiche Werkschau, zahlreiche biografische Veröffentlichungen und Würdigungen. Über seine Frau ist so gut wie nichts bekannt.
Aino Aalto (1894 — 1949) wurde am 25. Januar 1894 unter dem Namen Aino Marsio in Helsinki geboren. Nach ihrem Studienabschluss 1920, begann sie ihre berufliche Karriere bei dem Architekten Oiva Kallio in Helsinki. Im Jahr 1924 wechselte sie in das Büro von Alvar Aalto. Nach sechsmonatiger Zusammenarbeit heirateten die beiden und eine lebenslange Partnerschaft begann. 1932 gewann Aino in Konkurrenz zu ihrem Mann einen Design-Wettbewerb mit den Aino-Aalto-glasses. Für diesen Entwurf erhielt sie 1936 die Goldmedaille bei der Triennale in Mailand. Diese Gläser wurden für den täglichen Gebrauch geschaffen. Mit ihrem einfachen, zeitlosen Design sind sie auch heute noch, 80 Jahre später, Teil unseres Alltags. Allerdings kommen die Designprodukte erst seit jüngster Zeit unter ihrem Namen an die Öffentlichkeit, jahrelang liefen sie u.a. als Museums-Exponate unter dem Namen des Aalto Büros. Als Designerin ist Aino Aalto in erster Linie für ihre Arbeit im Glasdesign und die Gestaltung von Innenräumen und Möbeldesign bekannt. Ihr Lebenswerk aber reichte von Architektur über Fotografie bis zu verschiedenen Bereichen der angewandten Kunst. Aino Aalto hat neben Glas-Objekten auch Keramik, Beleuchtung, Stoffe sowie einzelne Textilien konzipiert. Aino Aalto wird als bodenständige Rationalistin beschrieben mit einem starken Sinn für Stil, Farbe und einem Auge für Qualität. Ihr gradliniger Ansatz und ihr Interesse an der Vereinfachung des Alltags, halfen ihrem Mann seine manchmal hochfliegenden Pläne mit der Realität zu vereinbaren. Aino Aalto starb am 13. Januar 1949, kurz vor Ihrem 55. Geburtstag in Helsinki.
Erst seit einiger Zeit erfahren die Entwürfe der Architektin eine Würdigung. Seit die Iittala-Group unter ihrem Namen die Glasprodukte verkauft, wird endlich an die erfolgreiche Designerin namentlich erinnert.
Weniger bekannt, aber auch an der Seite von Alvar Aalto erfolgreich tätig, war seine zweite Frau, Elissa Mäkiniemi. Sie ging ihm, wie in dem genannten Buch über berühmte Architekten beschrieben wird, als geschickte Bauleiterin „zur Hand“:
Elsa Kaisa Mäkiniemi (1922 — 1994) arbeitete nach ihrem Studium in Helsinki seit 1949 als junge Architektin im Büro von Alvar Aalto. Nach dem Tod von Aino Aalto wurde sie zunächst Lebenspartnerin von Alvar Aalto. 1952 heirateten die beiden. Elsa Kaisa Mäkiniemi nahm an Wettbewerben teil, plante und koordinierte Aufträge im Büro. Nach dem Tod ihres Mannes setzte sie mit dem Architekten Harald Deilmann die von Aalto konzipierten Entwürfe, u.a. der des Opernhauses in Essen, in die Realität um. Kontinuierlich kümmerte sie sich um die Fortsetzung aller begonnenen Projekte, führte Sanierungen der Alvar-Aalto-Bauten durch und kämpfte dafür sein Erbe zu bewahren und der Forschung zur Verfügung zu stellen.
Lilly Reich (1885 — 1947) wurde am 16. Juni 1885 in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst eine Lehre als Kurbelstickerin. 1908 ging sie nach Wien, um dort bei den Wiener Werkstätten zu arbeiten. 1911 kehrte sie nach Berlin zurück und trat ein Jahr darauf dem Deutschen Werkbund bei, in dessen Vorstand sie 1920 als erste Frau gewählt wurde. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Innenraumgestalterin und Modedesignerin in Berlin und Frankfurt/M. lernte sie 1926 Ludwig Mies van der Rohe kennen. Mit ihm organisierte sie 1927 die Werkbund-Ausstellung Die Wohnung in Stuttgart/Weißenhof und die „Deutsche Bau-Ausstellung“ in Berlin. 1928 wurden Mies van der Rohe und Lilly Reich wohl vor allem aufgrund des großen Erfolgs der Stuttgarter Werkbundausstellung mit der künstlerischen Leitung der deutschen Abteilung der Weltausstellung 1929 in Barcelona beauftragt. Sie gestalteten auch hier einige Ausstellungsbereiche gemeinsam. Ende 1928 begann Mies van der Rohe mit dem Entwurf für Haus Tugendhat im tschechischen Brünn, das 1930 fertiggestellt wurde und neben dem Barcelona-Pavillon ebenfalls als eines der Hauptwerke der modernen Architektur gilt. Die Innenausstattung entstand in Zusammenarbeit mit Lilly Reich. Im Januar 1932 berief sie der dritte Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe zur Leiterin der Bau-/Ausbauabteilung und der Weberei am Bauhaus Dessau und später am Bauhaus Berlin, wo sie bis zur Schließung des Bauhauses im Dezember 1932 tätig war. Zusammen mit Ludwig Mies van der Rohe erhielt sie 1937 den Auftrag zur Gestaltung der Reichsausstellung der Deutschen Textil- und Bekleidungs-wirtschaft in Berlin, die dann als Abteilung Textilindustrie im deutschen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1937 zu sehen war. 1939 reiste sie nach Chicago und besuchte dort Mies van der Rohe. In der Zeit des Nationalsozialismus erging es ihr wie vielen Kolleginnen: sie erhielt nur noch wenige kleine Aufträge. Nach Kriegsende wurde Lilly Reich an die Hochschule für Bildende Künste Berlin berufen. 1947 starb sie in Berlin.
Der Name des Architekten Mies van der Rohe ist in Verbindung mit der Werkbund-, der Bauausstellung in Berlin und dem Barcelona-Pavillon stets präsent, Lilly Reichs Name nicht.
Charlotte Perriand (1903 — 1999) wurde in Paris geboren. Sie studierte von 1921 bis 1925 Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Union Centrale des Arts Décoratifs in Paris. Nach Ende des Studiums begann Perriand Möbel zu entwerfen. Ihre vollständig aus vernickeltem Kupfer und eloxiertem Aluminium konstruierte „bar sous le toit“ („Bar unterm Dach“), die sie für ihr eigenes Studio entwarf und die auf der Ausstellung „Salon d´Automne“ im Jahr 1927 ausgestellt wurde, erregte dabei besonderes Aufsehen. Im gleichen Jahr, im Alter von 24 Jahren, begann ihre zehn Jahre währende Mitarbeit an sämtlichen Möbel- und Interiordesign-Projekten im Atelier von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in der Pariser Rue de Sèvres 35. 1937 verließ sie zwar das Studio, arbeitete jedoch auch danach intensiv an einzelnen Projekten der beiden mit, so z.B. an der Innenausstattung der Unité d'Habitation in Marseille. Schon 1931 hatte Charlotte Perriand begonnen sich politisch zu engagieren. Sie war der KP-nahen Association des Écrivains et Artistes Révolutionnaires (AEAR) beigetreten und mit Mitgliedern der Partei nach Deutschland, in die Sowjetunion und nach Griechenland gereist, wo sie 1933 am Kongress des international organisierten Architektenverbandes CIAM (Congress international d´architecture moderne) teilnahm. 1937 gehörte sie zur Vorbereitungsgruppe des Folgekongresses in Paris. Als Reaktion auf den Hitler-Stalin-Pakt verließ sie 1939 die Kommunistische Partei Frankreichs und reiste 1940 auf Einladung des japanischen Ministeriums für Handel und Industrie nach Japan. Ihr Aufenthalt hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des japanischen Designs. Perriand organisierte Ausstellungen, bekam Aufträge in Indochina, wo sie von 1943 bis 1946 die Ausbildung von Kunsthandwerkern koordinierte, und als Architektin tätig war. 1946 kehrte sie nach Paris zurück. Sie arbeitete erneut mit Le Corbusier, Pierre Jeanneret und mit Jean Prouvé zusammen. Neben privaten Auftraggebern und dem Vertrieb von Möbeln waren es vor allem Projekte für staatliche Institutionen und Unternehmen wie Air France, die bei ihr Möbel und Einrichtungen in Auftrag gaben. Viele Projekte wie etwa die Einrichtung von 2.000 Studentenappartements in Antony bei Paris lassen zudem ihr soziales Engagement erkennen. Ende der 1960er-Jahre beteiligte sie sich am Entwurf von Hotels und Wohnungen in den französischen Alpen, bekannt unter dem Namen Les Arcs. Es sollte viele Jahre dauern, bis ihre Möbel nicht in demselben Atemzug mit Le Corbusier, sondern unter ihrem Namen als hochwertige Sammlergegenstände begriffen und weltweit als ihr Werk anerkannt wurden. Ob Le Corbusier ohne das Talent und Schaffen von Charlotte Perriand so erfolgreich geworden wäre, wissen wir nicht, Tatsache ist, dass eine weitere Frau, die sich mit Architektur beschäftigte und sie umsetzte, Le Corbusier beeinflusst hat:
Eileen Gray (1878 — 1976) wurde auf dem Familiensitz in der Grafschaft Wexford, Irland, als jüngstes von fünf Kindern geboren. Sie studierte von 1898 bis 1902 an der Slade School of Art in London. 1922 zog sie nach Paris, wo sie den Eintritt in die Kunstszene durch ihre Teilnahme an der Ausstellung „Union des Artistes Modernes“ schaffte. Dieser Erfolg ermöglichte ihr die Gründung einer eigenen Werkstatt. Sie begann ihre Karriere mit Entwürfen von exklusiven Lackmöbeln, in denen der ausklingende Zeitgeist des Art Noveau und Japonismus sichtbar war. Parallel zu ihrer Entwurfstätigkeit eröffnete sie im Mai 1922 in Paris die Galerie „Jean Désert“. Hier präsentierte und vertrieb sie ihre Entwürfe, zu denen neben Möbeln auch Teppiche und vor allen Dingen ihre Paravents gehörten. Anfang der 1920-Jahre lernte sie den rumänischen Architekten und Herausgeber der wichtigen Architekturzeitschrift „L'Architecture Vivante“, Jean Badovici kennen, in dessen Umkreis sich so bedeutende Kreative wie Fernand Léger, Gerrit Rietvield und Le Corbusier bewegten. Badovici ermutigte sie, sich auch an Architekturprojekte zu wagen. Gemeinsam mit ihm, ihrem damaligen Lebenspartner, realisierte sie bis 1929 ihr erstes Wohnhaus E-1027 in Roquebrune – Cap Martin an der Französischen Riviera, wenige Meter über dem Felsufer gegenüber der Bucht von Monaco gelegen. Das Haus, das sich ganz auf die Umgebung einlässt und das Thema „Meer“ und „Küste“ auf moderne Art in die Architektur integriert, ist ein Charakteristikum der sensiblen Gestaltungskraft Eileen Grays. Le Corbusier war beeindruckt von diesem Haus und war oft zu Gast, auch nach dem Auszug von Eileen Gray 1932, der sich aus dem Ende der Beziehung mit Badovici ergab. Beispielhaft für ihren Stil ist an diesem Entwurf, wie ökonomisch sie Raum- und Nutzungsplanung verzahnt und das Meublement so zu einem essenziellen Bestandteil der Architektur wird. Parallel zu ihrer Entwurfstätigkeit eröffnete sie im Mai 1922 in Paris die Galerie „Jean Désert“. Hier präsentierte und vertrieb sie ihre Entwürfe, zu denen neben Möbeln auch Teppiche und vor allen Dingen ihre Paravents gehörten. Eileen Gray realisierte weitere, wenn auch wenige, aber nichtsdestotrotz herausragende Architekturprojekte. Die „Villa Tempe a Pailla“ wurde 1932 auf einem Hügel oberhalb des Ortes Menton errichtet. Es war ihre zweite Wohnstätte an der Côte d’Azur. 1972 wurde sie von der Royal Society of Arts in London zum „Royal Designer for Industry“ ernannt. Bis zu ihrem Tod lebte Eileen Gray zurückgezogen in Paris oder in ihrem Ferienhaus „Lou Pérou“, das sie sich im Alter von 75 Jahren bei Saint-Tropez baute. Sie starb 1976. 1987 nahm das Museum of Modern Art in New York ihren „Adjustable Table E-1027“ in seine Sammlung auf.
Anne Griswold Tyng (1920 — 2011) wurde in Lushan (China) als viertes Kind eines von Boston nach China emigrierten Paares geborene. Die Familie kehrte regelmäßig in die USA zurück, was Tyng veranlasste nach ihrem Schulabschluss gänzlich in die Staaten überzusiedeln. Sie begann das Architekturstudium an der Cambridge University in Boston. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wechselte sie zur Harvard Graduate School of Design, wo Walter Gropius und Marcel Breuer lehrten. Als eine der ersten Frauen wurde sie dort zugelassen. Sie schloss ihr Studium 1944 erfolgreich ab und krönte es 1949 mit einem Doktortitel. 1945 zog sie nach Philadelphia, wo sie im Büro Stonorov und Kahn ihre erste Anstellung antrat. Ihre Faszination für komplexe geometrische Formen hatte starken Einfluss auf mehrere Projekte, wie das Trenton Bath House und die dreieckige Decke der Yale Art Gallery. Sie wurde Gefährtin Kahns, der verheiratet war. Sieben Jahre später wurde sie von ihm schwanger. Aus Angst vor einem möglichen Skandal verließ Tyng im Herbst 1953 Kahns Büro und ging nach Rom, wo ihre gemeinsame Tochter Alexandra geboren wurde. Im Alter von 82 Jahren erschien Anne Tyng in Nathaniel Kahns Dokumentarfilm „My Architect“. Sie gab Einblicke in seine Arbeit und erzählte von ihren Erfahrungen mit Louis Kahn. Endlich wurde Tyngs Einfluss auf Kahns Arbeit wahrgenommen und öffentlich gewürdigt.
Elisabeth Haggenmüller (*1921) wurde als Tochter des Goldschmiedes Georg Haggenmüller und seiner Frau Magdalena in Mindelheim geboren. Ihren frühen Wunsch Architektin zu werden, konnte sie nach ihrem Abitur 1942 an der Universität München umsetzen. 1944 musste sie ihr Studium unterbrechen, weil Frauen an Hochschulen nicht mehr erwünscht waren (siehe auch S. 31). Sie absolvierte ein Praktikum in einem Innsbrucker Architekturbüro und setzte nach Kriegsende ihr Studium fort. 1946 schloss sie es mit Auszeichnung ab. Im Anschluss daran absolvierte Elisabeth Haggenmüller ein Praktikum im Kaufbeurener Stadtbauamt. Schon während des Studiums hatte sie ihren späteren Ehemann Gottfried Böhm kennengelernt. 1948 heirateten sie. Seitdem arbeiteten sie zusammen, Elisabeth Haggenmüller offiziell als Ehefrau, nicht als Mitarbeiterin. Nach der Geburt von vier Söhnen (die Architekten Stephan, Peter und Paul sowie der Künstler Markus Böhm) war Elisabeth Böhm primär mit Haushalt und Erziehung beschäftigt. Erst als auch die Söhne ihre Berufslaufbahn einschlugen, zeigte sie im Büro Böhm mehr Präsenz. Ihre Schwerpunkte lagen im Entwurf von Grundrissen, vor allem für Wohnhäuser und Siedlungen sowie in der Gestaltung von Innenräumen. So entwarf sie die Innenraumgestaltung der Godesburg, des Bensberger Rathauses und der Kauzenburg. Bei der Erweiterung des Stuttgarter Theaters, bei dem Gottfried Böhm seinen ursprünglichen Entwurf für die Theaterraumgestaltung nicht durchsetzen konnte, stammte der schließlich realisierte Umbauplan von ihr: Das Foyer wurde um einen kreisrunden Pavillon vergrößert. In den 1980er-Jahren folgten diverse eigenständige Wohnraumprojekte und 1991 die Umgestaltung der bulgarischen Botschaft der Europäischen Union in Straßburg. Entwürfe für Villen in Italien und die bulgarische Botschaft beim Vatikan blieben im Projektstadium. Maßgeblich beteiligt war Elisabeth Böhm am Entwurf für die WDR-Arkaden in Köln, die – sehr untypisch für das Büro Böhm – einen „erfrischend“ dekonstruktivistischen Charakter haben und als besonders vielseitiges Projekt gelten.
So ist sie maßgeblich mitverantwortlich für zahlreiche realisierte Böhm-Bauten, doch als Architektin blieb sie in einer berühmten Architektendynastie stets im Hintergrund. Im Jahr 2000 wurde sie vom Kölner Architekten- und Ingenieurverein mit einer Ehrenplakette für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Immerhin ein Anfang als ein Beispiel für die Würdigung des Lebenswerkes einer Architektin. Elisabeth Böhm lebt und arbeitet in Köln.
Wendy Cheesman (? — 1989), Georgina Cheesman (?), Susan Brumwell (?). Über die beiden Schwestern und Studentinnen Cheesman und die Architektin Susan Brumwell ist wenig bekannt. 1963 gründeten sie mit Norman Foster und Richard Rogers das Büro „Team 4“. Als sich das Team gründete, war Georgina Cheesmann die einzige, die zu der Zeit die Zulassung als Architektin vorweisen konnte, und die mit ihrem Namen für das Büro bürgte. Die erfolgreiche Gruppe tat sich auch privat zusammen. 1960 heirateten Richard und Sue, 1964 Wendy und Norman. 1967 trennte sich „Team 4“. Wendy bekam vier, Susan Brumwell drei Kinder. Ohne sie wären der heute berühmte Sir Norman Foster und der nicht weniger bekannte Richard Rogers nicht in der Lage gewesen, mit ersten Projekten eigene Erfahrungen zu sammeln. Über die Architektinnen ist so gut wie nichts bekannt, nicht einmal ihre Lebensdaten werden in den Biografien ihrer ehemaligen Partner erwähnt.
All diese Frauen, deren Biografien hier nur ausschnittsweise dargelegt werden konnten, wurden in halb- oder Nebensätzen in den auf das Ausführlichste beschriebenen Biografien in der Publikation über die 50 Großen Architekten bedacht. Alle anderen Partnerinnen fanden keine Erwähnung. Nur einer der 50 Männer, die in den beiden Bänden der 1982 und 1992 veröffentlichten Publikation dargestellt werden, hat seiner Frau ausdrücklich für ihre Unterstützung gedankt. Ohne die Mithilfe der Frauen wäre fast keiner der erfolgreichen Lebenswege der Männer möglich gewesen.
Architektinnen in der Kriegs- und Nachkriegszeit
Seit Öffnung der Universitäten für Frauen und den Studienmöglichkeiten strebten verstärkt Frauen in die Architekturausbildung. In dem Zeitraum zwischen der Jahrhundert-wende und 1945 sind im deutschsprachigen Raum ca. 80 Architektinnen auszumachen. Zwei Drittel von ihnen sind als Architektinnen registriert, ca. ein Drittel als Innenarchitektinnen, Möbeldesignerinnen oder künstlerisch kreative Frauen 2. Zu den Architektinnen zählen zum Beispiel die Regierungsbauführerin Elisabeth Arnet, die Anfang der 1920er-Jahre in Darmstadt tätig war; zu ihnen gehörte auch die 1923 an der Technischen Hochschule Braunschweig diplomierte spätere Stadtbaurätin in Dessau, Edith Dinkelmann, Meisterschülerin Lucy Hillebrand, und viele andere, die sich als Architektinnen behaupteten. Nicht allen gelang dies, wie die Biografie von Elisabeth von Knobelsdorff zeigt. Die Nachfahrin des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Kobelsdorff absolvierte ihre Ausbildung an der Technischen Hochschule Berlin, war von 1914 bis 1918 bei der Militär-bauverwaltung tätig und ab 1919 als Regierungsbaumeisterin. Nach ihrer Heirat mit einem Diplomaten wurde sie 1922 „nach geltendem Recht als verheiratete Frau“ aus dem Staatsdienst entlassen. Ihr Versuch, weiter in ihrem Beruf tätig zu sein, scheiterte ebenso wie bei Liselotte von Bonin, die 1924 an der Technischen Hochschule Berlin studierte, ihr Vordiplom in München ablegte, bei Tessenow ihr Hauptstudium absolvierte und 1932 zum BDA berufen wurde. Nach ihrer Heirat mit dem Architekten Wilhelm von Gumberz gründete sie mit ihm ein Büro in Berlin. 1936 wurde die Ehe geschieden, das Büro aufgegeben, ihr Ausschluss aus der Kammer der Bildenden Künste verkündet. Ob ihre sehr erfolgreich begonnene Karriere durch die Ehe oder die Machtübernahme der Nationalsozialisten stagnierte, bleibt zu erforschen, erwiesen ist aber, dass die politische Entwicklung in den 1930er-Jahren generell zu einem heftigen und nachhaltigen Einschnitt in der Berufsentwicklung für Architektinnen sorgte. So gab es nicht nur eine große Anzahl jüdischer Architektinnen, wie Ilse Bloch, Irma Compart, Marie Frommer, Gusti Hecht, Adelheid Lesser, Dr. rer. oec. Erna Meyer, Ursula Nachtlicht, Bertha Sander, Judith Segall, die aus ihrem Beruf verdrängt wurden oder zwangsweise emigrierten, generell waren Frauen in akademischen Berufen nicht erwünscht. Ein ähnliches Schicksal erlitt Elisabeth Nießen (1894 — ?), die ihr Studium an der Kunstgewerbeschule Wien absolvierte, als einzige „technisch arbeitende Frau“ bzw. „Beamtin“ in der kommunalen Bauverwaltung der Stadt Wien arbeitete. Sie wurde Anfang 1932 entmündigt. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt.
Die Nationalsozialisten sorgten durch Agitation nicht nur dafür, dass Frauen generell aus akademischen Berufen herausgedrängt wurden, sie versuchten nach ihrer Regierungsübernahme auch den Anteil der Studentinnen auf unter zehn Prozent zu senken.

Tabelle1 Anteil der Studentinnen in der BRD, (Quelle: Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung /CEWS, www.genesis.org)
In der Grafik wird ersichtlich, dass der Anteil der Studentinnen seit der Erhebung 1909 kontinuierlich ansteigt, ausgenommen sind die Jahre 1933 bis 1947. Ab 1933 bis 1939 ist ein Rückgang von 15,7 Prozent (1931) auf 11,1 Prozent (1939) zu verzeichnen. 1941 weist der Frauenanteil einen plötzlich rasanten Anstieg auf 34,5 Prozent auf, der sich 1943 noch einmal um mehr als 10 Prozent auf 45,0 Prozent erhöht. In diesen Jahren wurden Männer in den Kriegsdienst eingezogen. Dadurch waren die verbleibenden Studenten in höherem Maße weiblich. Ab 1947 ging der Anteil der studierenden Frauen wieder auf 13,1 Prozent zurück. Seitdem steigt er kontinuierlich an bis über die 50 Prozentmarke. Da die um 1930 geborenen Männer nicht in den Kriegsdienst eingezogen wurden, waren sie ab 1947 als Studienbewerber an den Universitäten zu verzeichnen. Dies erklärt den rasanten Rückgang des Frauenanteils zurück auf 13,1 Prozent.
Die Auswirkungen der Naziideologien sorgten für einen großen Einschnitt in der beruflichen Entwicklung von Architektinnen. Sie zeigten noch viele Jahre ihre Nachwirkungen. In die Kriegs- und Nachkriegszeit fällt eine Biografie, die deutlich zeigt, wie eine hervorragend ausgebildete Architektin in den Nachkriegsjahren in ihrem Beruf einsteigt und wie sehr sich dieser im Schatten ihres Mannes und ihrer Kinder veränderte:
Trudy Frisch (1916 — 2009) wurde als Gertrud Anna Constance von Meyenburg am 2. April 1916 geboren. Als Tochter eines Pathologieprofessors an der Universität Zürich wuchs „Trudy“, wie sie in der Familie genannt wurde, im Großbürgertum auf. Ihr Vater war anerkannter Mediziner und Sohn des Bildhauers Victor von Meyenburg und seiner Frau Konstanze von May aus Schaffhauser Adel. Es war eine kunstsinnige Familie mit liberal humanistischen Lebensinhalten, zu denen auch ein geselliges Zuhause am Zürichsee und zahlreiche Reisen gehörten. Von Meyenburgs lebten in Lausanne, Zürich und auf ihrem Weingut in Herrliberg am Zürichsee. Hier wuchs Trudy als mittlere von drei Kindern auf. Ihr älterer Bruder, der Kronprinz der Familie, begann Anfang der 1930er-Jahre das Studium der Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Ihm tat es Trudy gleich. Sie war eine der wenigen Studentinnen, die zu der Zeit das technisch geprägte Studium der Architektur aufnahmen. Ihr Vater unterstützte sie dabei. Im April 1938, gerade 22-jährig, beendete sie das Grundstudium mit dem Vordiplom. Während dieser Zeit wurde sie durch Professor William Dunkel, einer schillernden Persönlichkeit, beeinflusst. Dunkel, 1893 in den USA geboren, in Buenos Aires aufgewachsen und als Architekt in Dresden ausgebildet, war bekannt mit Paul Klee, Otto Dix, Max Liebermann und Oskar Kokoschka. Er war seit 1929 als Ordinarius für Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wo er das Neue Bauen vertrat, tätig. Hier beeinflusste er auch Trudy, die sich besonders für moderne Architektur interessierte. Nach den erfolgreich abgeschlossenen Vordiplomsprüfungen machte sie sich mit Unterstützung und Empfehlungen der Eltern im April 1938 auf den Weg nach Rom. Dort wollte sie praktische Erfahrung sammeln und sich in einem Architekturbüro vorstellen. Sie mietete sich in eine Pension ein und erkundete Rom, besuchte den Vatikan, die Sixtinische Kapelle, die Bildergalerie und das Pantheon. Sie zeichnete am Trevi-Brunnen, ging zu Konzerten und ließ sich von Freunden ins Kino begleiten. Sie machte Ausflüge, reiste nach Tivoli und Orvieto, nach Ostia und Perugia, genoss die Freiheit und Unabhängigkeit. Mitte Mai waren ihre Bemühungen erfolgreich und sie bekam eine Zusage für ein Praktikum. Trudys Tagebuch verzeichnet für den 24. Mai 1938: mit Piaccentini zum Büro Spaccharelli. Die Karriere des 57-jährigen Architekten und Stadtplaners war beispiellos. Er war Vorsitzender des Obersten Rats der öffentlichen Bauten, Mitglied der italienischen Akademie, Berufsverbandspräsident, Chef der Obersten Kommission der Schönen Künste, Direktor der Architektur- und Ingenieurfakultät der Universität Rom und Chefredakteur der größten italienischen Fachzeitschrift Architettura. Unter dem Regime von Benito Mussolini konnte Piaccentini seinen Plan verwirklichen, Roms schönste und größte Baudenkmäler sichtbar zu machen. So kam es zur Projektierung einer großangelegten breiten Prachtstraße, Via della Conciliazione, die auf den Petersplatz führt. Zur Umsetzung der Pläne fielen zahlreiche historische Prachtbauten der Spitzhacke zum Opfer. Zumindest konnten der Palazzo dei Penitenzieri und die Kirche Santa Maria in Traspontina bewahrt werden, dennoch sollte eines der lebendigsten Viertel von Rom, der Borgo verschwinden. Mit der Umsetzung waren die Architekten Piaccentini und Spaccharelli beauftragt. Trudys Tagebuch am 7. Juni: Der König und Kaiser kommen ins Büro um das Projekt des Borgo Nuovo anzusehen. Im September schrieb sie in ihr Tagebuch: Fassadenzeichnungen der Bauaufgabe Petersplatz. Am 17. Dezember 1938 unterbrach Trudy ihren Aufenthalt und reiste zu ihrer Familie zum Weihnachtsfest. Sie fuhr Ski, traf sich mit Studienfreunden und feierte den Jahreswechsel, bevor sie wieder nach Italien zurückkehrte. Am 4. Februar 1939 notierte sie: bei Vollmond auf der Via Appia, Fehler beim Ausmessen korrigieren. Trudys Aufzeichnungen zeigen, wie engagiert und ernsthaft sie arbeitete. Im März wurde sie auf die Baustelle gesandt. Sie notierte: viel allein auf der Bauhütte, trübe Stimmung. Im April 1939 beendete Trudy ihre Arbeit in Rom und reiste wieder in die Schweiz zurück. Vielleicht nahm ihre Familie Einfluss auf sie, überzeugte sie zur Rückkehr, denn der Deutsch-polnische Nichtangriffspakt wurde vom Deutschen Reich gekündigt, in Danzig für die Schutz- und Landespolizei und die NS-Organisationen der Alarmzustand angeordnet. Italien annektierte Albanien und Hitler kündigte seinen Besuch in Italien an. Trudy nahm ihr Studium in Zürich wieder auf. Sie war eine engagierte Studentin, und zeichnete bis tief in die Nacht hinein. Kalendereinträge erzählen davon. Sie berichten auch, dass es drohende Gefahr in Europa gab: Pakt NS, Drohende Kriegsgefahr, Hitler fordert Danzig, Warschau gefallen, Teilung. Auch ihr Vater wurde eingezogen. Aber der Alltag in Zürich ging weiter. Am 23. Oktober war Semesterbeginn, die Abgabe einer Semesterarbeit stand bevor. 1939 erwähnte Trudy zum ersten Mal den Namen des Mannes, den sie später heiratete. Wie viele Architektinnen lernte sie ihn als Kommilitone an der Universität kennen. Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 als Kind eines Architekten und einer Erzieherin, hatte nach dem frühen Tod des Vaters seine eigenen beruflichen Interessen in den Hintergrund gestellt und das Studium der Architektur ergriffen, um das väterliche Büro fortführen zu können. Im Frühjahr 1940 absolvierte Trudy ihre Diplomprüfungen, als sich Trudys Kontakt zu Frisch vertiefte. Nach dem Studium begann sie zunächst als Hilfskraft im Krankenhaus auf der Kinderstation in Mennedorf/Zürich. 1941 absolvierte auch Max Frisch seine Prüfungen. Er begann eine Anstellung im Büro von William Dunkel. Ab 1941 arbeitete Trudy im Büro ihres Bruders Hans, der inzwischen ein eigenes Architekturbüro gegründet hatte. Als Frisch ein Haus für seinen Bruder in Basel plante, stand sie ihm bei den Planungen zur Seite. Ende September waren die Arbeiten abgeschlossen und Trudy trat im Büro von Professor Hess eine feste Stelle an. Friedrich Hess, ebenso wie Trudys Vater 1887 geboren, lehrte Baukonstruktion an der ETH Zürich. Hess brauchte Unterstützung, er arbeitete an einer Publikation, die 1943 veröffentlicht werden sollte. Konstruktion und Form im Bauen erläutert ausführlich und anhand von 1.200 Zeichnungen und 160 Tafeln die unterschiedlichsten Bauthemen. Auch Max suchte nun eine Festanstellung. Ende 1941 wurde er im Büro Gottlieb Götti in Baden bei Zürich fest eingestellt. 1942 verlobten sich die beiden Architekten und beschlossen, eine Familie zu gründen. Wie damals üblich, beendete Trudy ihre Arbeit. Sie verließ das Büro. Sie begann Möbel für die gemeinsame Wohnung zu zeichnen und an einem Wettbewerb zu arbeiten. Am 7. Februar verzeichnete ihr Kalender: nach Witikon Pläne holen, dann zu Max, Coninx Wettbewerb erklären. (Werner Coninx gehörte einer Zürcher Verlegerfamilie an, die die Tages-Anzeiger AG gründete. Er hatte weitestgehend Frischs Architekturstudium finanziert.) Trudy und Max konzipierten, zeichneten, verfassten Grundrisse, Fassaden und Perspektiven. Am 30. Juli 1842 heiraten Max und Trudy, zogen in ihr gemeinsames Heim in der Zollikerstraße in Zürich. Die Wohnung gehörte zur Wohnkolonie „Südend“, ein von der Architektin Lux Guyer (siehe auch S. 20) Mitte der 1930er-Jahre entworfenen Wohnkomplex, der sich durch eine besonders durchdachte Konzeption und interessante Grundrisse auszeichnete. Ende 1942 nahmen Trudy und Max erneut an einem Wettbewerb teil. Der Stadtrat von Zürich beabsichtigte den Neubau eines Schwimmbades. Wir können uns vorstellen, wie Trudy und Max an den ersten Skizzen arbeiteten, Ideen sammelten, Konzepte verwarfen und Alternativen entwickelten. In die Bearbeitungszeit des Wettbewerbs fielen ein Kriegsdienst-aufenthalt Frischs, journalistische Tätigkeiten für die neue Zürcher Rundschau, die Arbeit an seinem zweiten Roman, „J’adore ce qui me brûle“ oder „Die Schwierigen“, und die Arbeit als Angestellter im Büro von William Dunkel. Es kann kaum Zeit für die Arbeit an dem Wettbewerb geblieben sein. Was liegt näher als davon auszugehen, dass Trudy intensiv an dem Wettbewerb arbeitete und an der Entwicklung des Projektes maßgeblich beteiligt war. Erst kurz vor Abgabe, Trudy war inzwischen im 9. Monat schwanger, zeichnete Max mithilfe von zwei Kollegen die Pläne zur endgültigen Abgabe fertig. Trudy notierte am 26. Mai 1943 in ihren Kalender: WB Letzigraben wird fertig. Zwei Tage später gab Max Frisch die Arbeit im Amtshaus von Zürich ab. Am 9. Juli wurde Tochter Ursula geboren. Am 13. August erfolgte die Entscheidung des Preisgerichts: Von den 65 eingereichten Arbeiten wurde die Arbeit mit der Nummer 8 ausgezeichnet, Max Frisch als Verfasser genannt. An diesem Projekt atmet alles Harmonie und Ruhe, befand der Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung, und selbst die Verteilung der Wasserflächen auf die entgegengesetzten Pole der Anlage stört dieses Bild der Beschaulichkeit nicht. Sonne und Licht finden überall ungehinderten Zutritt und jedes Ding steht an seinem richtigen Platz. In einem Brief schrieb Max Frisch an einen Freund: Ja, das Glück war mir also hold. Trudy wird nicht erwähnt, weder als Mitverfasserin in den Plänen 1943, noch bei der Eröffnung des Bades 1949, als inzwischen ihr drittes Kind geboren war. Bis heute wird sie als Beteiligte an der Entwicklung des Bades nicht erwähnt. 1944 arbeiteten Max und Trudy ein letztes Mal gemeinsam an einem Wettbewerb: Es ging um die Erweiterung des Kunsthauses in Zürich. Ende 1944 reichten die beiden ihren Entwurf ein. Sie erreichten den 6. Rang. Im Januar 1954, Frisch war inzwischen erfolgreicher Theater- und Buchautor trennte sich das Ehepaar. Max zog in eine eigene Wohnung. Trudy verblieb in der „Siedlung Südend“ und versorgte die Kinder. Sie begann ein eigenes Haus zu planen. Die Seiten eines Heftes zeigen Konzepte, Skizzen und detaillierte Ausplanungen derart, wie sie schon im Schwimmbadentwurf zu sehen sind. Ab 1957 nahm Trudy ihre Arbeit als angestellte Architektin wieder auf. Sie arbeitete halbtags im Büro Eidenbenz in Zürich. Eine Haushaltshilfe und Mädchen für die Kinderbetreuung unterstützen sie. Nach der Scheidung 1959 machte Trudy den Führerschein und begann ihr erstes eigenes Projekt: die Planung und Umsetzung für die Ladengestaltung eines Silberschmieds am Weinplatz in Zürich. Weitere Projekte folgten. Auch setzte sie ihre Ideen für das eigene Haus in Herrliberg in die Realität um. Auf dem Grundstück ihrer Eltern baute sie ihr Traumhaus. Hier richtete sie sich im Dachgeschoss ihr Atelier ein. Sie entwarf ein Schulgebäude, nahm an einem Wettbewerb teil und engagierte sich sozial für Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten. Sie unterstützte Projekte in Italien, Frankreich und der Schweiz, wo sie in Zusammenarbeit mit einer Behindertenwerkstatt Kinderspielzeug entwickelte, das als Spielzeugkasten „Borgo“ auf den Markt kam. Eingespannt im Geflecht der Verpflichtungen für Familie und Beruf lebte die alleinerziehende Trudy Frisch einen Spagat, wie er bis heute üblich ist. Sie starb 2009 im Alter von 93 Jahren in Zürich.
Im Jahr 2010 wurde das Schwimmbad am Letzigraben, mittlerweile Max-Frisch-Bad, saniert. In den Veröffentlichungen über das Schwimmbad am Letzigraben wird Trudy Frisch nicht erwähnt. Ohne ihre Unterstützung und ohne ihren Einfluss wäre das Bad nicht entworfen, nicht gebaut und auch Max Frisch nicht der berühmte Schriftsteller geworden. Trudy Frisch war die Erwähnung ihres Namens nicht wichtig. Sie hielt sich, wie es damals üblich und angemessen erschien, in der Öffentlichkeit zurück.
Zurückhaltend, noch immer geschuldet den Nachwirkungen der politischen Einflüsse aus der Nazizeit, entwickelte sich denn auch in den 1960er-Jahren der Anteil der Frauen in der Architektenschaft. So verzeichnete beispielsweise die Mitgliederliste der Hamburgischen Architektenkammer3 im Jahr 1969 gerade einmal zwanzig weibliche Mitglieder in der Rubrik „freischaffende Hochbau“. Diesen zwanzig Architektinnen standen etwa 750 Kollegen gegenüber. Das war im Kontext der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich, waren Frauen, die freiberuflich arbeiteten, gesellschaftlich nicht anerkannt.
In den 1970er-Jahren änderte sich dies langsam. Es gab Frauen, die sich in der Männerdomäne der Architekten behaupteten, allein ein Büro leiteten und Bauprojekte planten und ausführten. Zu ihnen gehörten Hanna Kluth, Ursula Schwarz-Adamek, Hamburgs erste Baurätin, Edith Dinkelmann, um nur einige zu nennen. Andere fanden sich in einer Partnerschaft im doppelten Sinne zusammen, wie zum Beispiel das Ehepaar Spengelin. Ingeborg Spengelin gründete 1949 unter dem Namen Ingeborg Petzet (*1923) ein Architekturbüro in Hamburg. Drei Jahre später ging sie eine Partnerschaft fürs Leben und für den Beruf mit Friedrich Spengelin ein. Gemeinsam führten sie ein erfolgreiches Büro. Besondere Anerkennung erfuhr ihre Terrassenwohnanlage Holsteiner Chaussee in Hamburg-Eidelstedt. Weitere Bauten folgten: die Dreifaltigkeitskirche Hamburg-Harburg, das Haus der Jugend, ein Rathaus und Kurhaus auf Helgoland, die Siedlung Hölderlinstraße, Bauten für den NDR Hamburg-Lokstedt (mit Pempelfort 1964−1967).
Doch noch immer wurden mehr als 20 Jahre nach dem Kriegsende noch immer Frauen in dem Beruf kritisch beäugt, auf Baustellen ungern gesehen und nicht selten auf unschöne Weise gemobbt.
Anfang der 1980er-Jahre hörte man das erste Mal von einer irakischen, in England lebenden, Architektin, die mit ihren „dekonstruktivistischen“ Zeichnungen für Öffentlichkeit sorgte und der damals kaum jemand die Realisierung ihrer Planungen zutraute. Inzwischen ist die 1950 in Bagdad geborene Zaha Hadid weltbekannt. Sie realisierte mehr als dreißig Projekte und ist Trägerin zahlreicher Auszeichnungen und Ehrungen. Sie ist nicht mehr die alleinige Vorreiterin, andere erfolgreich agierende Architektinnen sind hinzugekommen. Wie leben und arbeiten Frauen heute in der noch immer von Männern geprägten Baubranche?

2. Architektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben.
In der Architektenschaft von rd. 100.000 Mitgliedern sind heute ca. ein Drittel Frauen. Das sind rd. 34.000 Architektinnen deutschlandweit. Wie leben und arbeiten sie? Wie gestaltet sich der Alltag? Sind Architektinnen zufrieden in ihrem Beruf? Haben Sie Partner und oder Familie? Können sie ihre Vorstellungen von dem Beruf umsetzen? Fühlen sie sich gleichberechtigt? Wie sieht die finanzielle Seite aus? Welche Wünsche und Träume haben sie? Anhand einer ausführlichen Recherche der Daten, die von Länderkammern, der Bundesarchitektenkammer, dem Statistischen Bundesamt und dem Europäischen Architektenverbund veröffentlich werden, erhoffte ich mir Antworten auf meine Fragen. Aufgrund des zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials konnte ich mir ein Bild machen über den Anteil der bei den Länderkammern gelisteten Architektinnen, nicht aber, ob diese mit Kindern berufstätig sind und wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten. Auch gibt es in den vorhandenen Umfragen keine Informationen über die familiäre Situation, d.h. werden die Kinder von Partnern, Eltern oder anderweitig betreut und wie gestaltet sich die Einkommenssituation? Weiterhin interessierte mich, ob meine Kolleginnen mit ihrer Situation zufrieden sind und welche Wünsche sie haben. Um diese Fragen beantworten zu können, verfasste ich im Jahr 2010 einen Fragebogen, den ich online platzierte, und den ich an mehr als 5.000 Architektinnen in Deutschland versandte.
Der Online-Fragebogen: Das Dokument wurde auf einem Server hinterlegt, dessen Inhalt die Angaben sukzessive in eine Excel-Datei integrierte. Die Absenderinnen blieben anonym. Nur zu Teilnehmerinnen, die ihre Adressen in dem Dokument angaben, war es mir möglich Kontakt aufzunehmen.
Die Fragen: Sie ergaben sich aus der Zielsetzung, möglichst viele Architektinnen zu erreichen. Da das Berufsfeld äußerst vielseitig und unterschiedlich geprägt ist, bestand bei einer sehr differenzierten Befragung das Problem, dass die Teilnehmerinnen zu viel Zeit aufwenden mussten. Das Ausfüllen des Fragebogens sollte nicht mehr als sieben Minuten beanspruchen. Dementsprechend musste auf tiefergehende Differenzierungen verzichtet werden, um eine breite Architektinnenschaft anzusprechen und in die Befragung miteinzubeziehen. Zum einen sind es die angestellten und die freischaffend tätigen Architektinnen, zum anderen Inhaberinnen oder Teilhaberinnen, Berufsferne und Teilzeitarbeitende und auch im Ausland lebende Frauen, die durch den Fragebogen erreicht werden sollten. Da der Fragebogen aus persönlicher Sicht zusammengestellt wurde und die Befragung nicht den Anspruch wissenschaftlicher Korrektheit erhebt, handelt es sich um einen sehr subjektiven Ansatz. Aus anderer Sicht wäre sicherlich ein anderer Fragebogen konzipiert worden. Aus heutiger Perspektive und Erkenntnis würde ich den Fragebogen ein wenig ändern, einige Punkte weglassen, andere ergänzen. Aber das liegt in der Natur der Sache, dass aus der Unternehmung Erkenntnisse gewonnen wurden, die dazu beitragen, die Fragestellungen noch differenzierter zu gestalten.
Die Adressen: Sie wurden aus den Internetseiten der Architektenkammern entnommen. Lediglich Sachsen und Bayern veröffentlichen keine E-Mail-Adressen. Freundlicherweise haben die Geschäftsführerinnen der Architektenkammer Sachsen mein Projekt unterstützt und den Fragebogen an die sächsischen Kolleginnen weitergeleitet. Die Anfrage an die Bayerische Architektenkammer, den Fragebogen an die weiblichen Mitglieder weiterzuleiten, wurde abschlägig beschieden. Freundliche Unterstützung leistete eine Kollegin aus München, die den Fragebogen an ihr bekannte Architektinnen weiterleitete. Dennoch konnte die Situation der bayerischen Kolleginnen nicht ausreichend erfasst werden.
Die Anonymität: Der Vorteil der Anonymität des Fragebogens bestand darin, dass dadurch die Bereitschaft wuchs, auch zu sehr persönlichen Belangen Auskunft zu geben, da die Teilnehmerinnen durch das System nicht identifiziert werden konnten. So wurden die Fragen zum Einkommen und den Rentenbeiträgen von allen Teilnehmerinnen ausnahmslos beantwortet.
Die Teilnahme: Der Fragebogen wurde an ca. 5.000 Architektinnen versandt. Mehr als zehn Prozent der angesprochenen Kolleginnen beteiligten sich aktiv. Insgesamt nahmen 551 Architektinnen an der Aktion teil. Auch aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Ägypten, Mexiko, den USA, Korea, Hongkong und Australien kamen Antworten. Zahlreiche Kommentare haben die Antworten mit sehr individuellen Darstellungen sehr informativ bereichert.
Die Online-Befragung fand im Zeitraum von Juni 2011 bis Dezember 2012 statt. Die Antworten auf den Fragebogen wurden in einer Excel-Liste gesammelt und nach Abschluss der Befragung nach unterschiedlichen Kriterien untersucht.
Die Teilnehmerinnen: Die jüngste Teilnehmerin (noch keine Architektin, sondern Studienbewerberin der Architektur) war zum Zeitpunkt der Befragung 19 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin hat im Alter von 89 Jahren an der Fragebogenaktion teilgenommen. 12,4 Prozent der Teilnehmerinnen waren in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahre, 51,2 Prozent zwischen 35 und 50 Jahre, 34,5 Prozent zwischen 50 und 65 Jahre und 1,9 Prozent über 65 Jahre. Den größten Anteil der in Deutschland tätigen Teilnehmerinnen konnte ich für die Region Ost verzeichnen, den kleinsten Anteil für den Süden, da ich in Bayern kaum Kolleginnen erreichen konnte.
Die Resonanz: Alle Teilnehmerinnen zeigten positives Interesse, lediglich zwei Architektinnen zweifelten an der Sinnhaftigkeit der Umfrage, nahmen aber dennoch teil. In dem Fragebogen und per E-Mail erreichten mich zahlreiche unterstützende Beiträge und motivierende Anmerkungen, für die ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke. Sie haben mich motiviert, die „Durchhänger“, die sich naturgemäß bei einem großen Vorhaben ergeben, zu überwinden, die Idee kontinuierlich weiterzuverfolgen und mir geholfen, das Projekt bis zur Publikation zu führen. 45 Prozent der teilnehmenden Kolleginnen zeigten sich offen für ein vertiefendes Gespräch, 55 Prozent lehnten dies ab, nicht aus Desinteresse, sondern mit der Begründung, die vorhandene Zeit sei knapp genug.
Die Auswertung des Fragebogens: Für die weiteren Betrachtungen wurden die 516 in Deutschland ansässigen Architektinnen vier Regionen zugeordnet, um auch regionale Unterscheide erfassen und aufzeigen zu können.
Region Ost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen)
Region Nord (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen)
Region West (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland)
Region Süd (Baden-Württemberg, Bayern)
Die 35 im Ausland tätigen Architektinnen wurden gesondert betrachtet.
Die Interviewpartnerinnen: Aus denjenigen Teilnehmerinnen, die zu einem intensiveren Austausch bereit waren, wurden Interviewpartnerinnen nach unterschiedlichen Kriterien ausgewählt: Architektinnen aus unterschiedlichen Regionen, unterschiedlichsten Alters, Freischaffende, Angestellte, Verbeamtete, Lehrende, Architektinnen mit und ohne Kinder, verrentete Architektinnen. Daraus ergaben sich 16 Interviews, die Einblicke in verschiedenste Lebens- und Arbeitswege geben.
Die Interviews: Insgesamt wurden 15 Interviews persönlich geführt. Sie haben im Büro, privat oder im Café stattgefunden. Ein Interview erfolgte per Telefon. Die aus den Gesprächen resultierenden Protokolle wurden von den Teilnehmerinnen gegengelesen und bei Bedarf korrigiert. Die Namen aller Interviewpartnerinnen sind geändert. Namengleichheiten mit anderen Personen wären rein zufällig. Alle Interviews waren von besonderer Offenheit und Herzlichkeit geprägt, für die ich mich besonders bedanke.
Folgende Themen waren Bestandteil der Interviews:
Geburtsjahr, Herkunft, Ort, Familienstand
Abschluss (TU, FH, Bachelor, Master, Promotion, Habilitation)
Form der Ausübung: angestellt, freischaffend, selbstständig, Vollzeit, Teilzeit
Tätigkeit, Kompetenz, Verantwortung
Anzahl der Kollegen, Mitarbeiter
Umfeld, Büroausstattung
Gleichberechtigung
Anzahl, Alter und Betreuung der Kinder
Bruttojahreseinkommen
Altersvorsorge
Auslandserfahrungen
Anregungen.
Die folgenden Kapitel strukturieren sich aus den Ergebnissen des Online-Fragebogens, der Auswertung von Statistiken der Bundesarchitektenkammer, der Architektenkammern der Länder, des Europäischen Architektenverbundes, der weltweit organisierten UIA, der Auswertung von Statistiken des Statistischen Bundesamtes und Angaben des Online-Portals „Baunetz“:
1 Architektinnen in der Ausbildung und in der Lehre
2 Architektinnen im Beruf
3 Architektinnen mit Partner und Familie
4 Architektinnen und ihr Einkommen
5 Architektinnen in der Rente
6 Architektinnen in Europa und Weltweit.
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