Kitabı oku: «„. . . in einer steinernen Urkunde lesen“»

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Bildnachweis

Hildegard von Bingen 1098–1179, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz (Hildegard von Bingen)

Karl Moersch, Geschichte der Pfalz, Landau 1987, S. 312 (Pfalzgraf Johann Casimir)

Georg Holmsten, Freiherr vom Stein, Hamburg 1975, S. 113 (Freiherr vom Stein)

Schinderhannes – Prozess und Urteil 1803, Ausst. Kat. Mainz 2003, S. 44 (Schinderhannes)

Archiv Landesdenkmalpflege (GDKE) (Burg Rheinstein): Titelbild

Nach: TUBS, Wikimedia Commons, lizensiert unter Creative Commons Attribution 3.0 Unported, http://creativecommons.org/­licenses/­by/­3.0/­legalcode: S. 8

Katalog Mittelalterliche Werke aus dem Mainzer Raum, 1959, Abb. 6: S. 28

Worms, Institut für Stadtgeschichte: S. 40, 59

Die Autoren: S. 95, 177, 192

Mainz, Stadtarchiv: S. 108

Landau, Stadtholding: S. 204

Alle übrigen Abbildungen: Archiv Landesdenkmalpflege Mainz (GDKE)

208 Seiten mit 52 Abbildungen und 1 Karte

Titelabbildung: Hildegard von Bingen, Pfalzgraf Johann Casimir, Freiherr vom Stein, Schinderhannes, Burg Rheinstein

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2013 by Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Mainz am Rhein

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

ISBN 978-3-943904-49-9

Gestaltung: Bild1Druck GmbH

Lektorat: Annette Nünnerich-Asmus, Frauke Itzerott, Mascha Schnellbacher

Gestaltung des Titelbildes: Scancomp GmbH

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten.

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Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Bildnachweis

Impressum

Karte

Vorwort

Das frühe Mittelalter – Kontinuität und Neubeginn

Der Dom zu Trier – Kirchliche Tradition seit der Antike

Kloster Hornbach – Pirmin, Glaubensbote der Pfalz

Die karolingische Abtei Prüm – Ein Kaiser wird zum Mönch

Die Pfalz Karls des Großen – Imperiale Pracht in Ingelheim

Erzbischof Hatto und der Mäuseturm – Ein Fehlurteil der Geschichte

Das hohe Mittelalter – König, Kirche und Adel

Der Mainzer Dom – Kathedrale des Reichserzkanzlers

Der Dom der Salier zu Speyer – Höhepunkt romanischer Architektur

Bischof Burchard als Bauherr – Eine glanzvolle Epoche für Worms

Disibodenberg – Wirkungsstätte des hl. Disibod und Klosterberg der hl. Hildegard

Kloster Schönau – Wirkungsstätte der Visionärin Elisabeth

Burg Trifels – Hort der Reichsinsignien und Gefängnis für Richard Löwenherz

Hof Iben – Auf dem Weg des Naumburger Meisters

Die Burgkapelle von Kobern – Ein gebautes Reliquiar für das Haupt des hl. Matthias

Der Heilige Sand in Worms – 1.000 Jahre jüdische Kultur am Rhein

Das späte Mittelalter – Die mächtigen (vier) Kurfürsten

Die Wernerkapelle in Bacharach – Baukunst und Judenfeindlichkeit im Mittelalter

Erzbischöfliche Verkehrspolitik – Die Balduinsbrücke in Koblenz

Der Königstuhl bei Rhens – Zentraler Versammlungsort der Kurfürsten

Burg Eltz – Eine Wohngemeinschaft mit 800 Jahren Familientradition

Bernkastel-Kues und sein Universalgelehrter, Diplomat, Kardinal und Stifter – Nikolaus von Kues

Die Schlosskirche in Meisenheim – Übersteigerte fürstliche Repräsentation

Reformation - Zeit des Umbruchs

Der Marktbrunnen in Mainz – Stiftung eines kunstsinnigen Kirchenfürsten

Das Denkmal in Worms – Luther vor Kaiser und Reich

Der Retscher in Speyer – Stätte der Protestation?

Das Casimirianum in Neustadt – Ein weltoffener Kurfürst gründet eine calvinistische Universität

Absolutismus, Krieg und Zerstörung – Aufbau in barocker Pracht

Mont Royal – Die vergessene Festung des Sonnenkönigs an der Mosel

Schloss Oranienstein bei Diez – Eine Residenz starker Frauen

Die Adelshöfe – Viele kleine Hofhaltungen im kurfürstlichen Mainz

Tschifflik bei Zweibrücken – Ein Lustschloss für den König im Exil

Sulzbach und die Familie Stumm – 200 Jahre Orgeln aus dem Hunsrück

Schloss Molsberg – Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff und seine Bauten

Der Bau von St. Ignaz in Mainz – Eine Gemeinschaft im Leben wie im Tod

Die „Industriehauptstadt“ Frankenthal – und Kurfürst Carl Theodor

Oggersheim – Wallfahrt und Hof der frommen Kurfürstin Elisabeth Auguste

Frömmigkeit und Luxus – Die Möbeltischler Abraham und David Roentgen aus Neuwied

Barockschloss und Eisenhütte in Weilerbach – Emmanuel Limpach, Fürstabt und Fabrikherr

Koblenz: Neues Schloss, Neue Stadt – Kurfürst Clemens Wenzeslaus und das Ende einer Epoche

Revolution und Krieg – Der Weg zu einer neuen Ordnung 1789–1815

Weißenthurm – Ein Denkmal für den verehrten französischen General Lazare Hoche

Refugium in Herrnsheim – Karriere in Mannheim und Paris

Schinderhannesturm – Simmern und sein berühmter Gefangener

Marschall „Vorwärts“ in Kaub – Blüchers Rheinübergang in der Neujahrsnacht 1813/14

Die Rochuskapelle bei Bingen – Goethe und sein Wallfahrtserlebnis

Nassau, Steinsches Schloss und Turm – Das Vermächtnis des Freiherrn vom und zum Stein

Vom Wiener Kongress zum Ersten Weltkrieg – 100 Jahre Entwicklungen und Widersprüche

Oldenburg an der Nahe? – Seltsame Entscheidungen beim Wiener Kongress

Burg Rheinstein, Prinz Friedrich und die preußische Burgenromantik

Das Hambacher Schloss – Von der bischöflichen Burg zum Freiheitssymbol

Klause Kastel – Der blinde König Johann und ein romantischer Kronprinz

Der Rolandsbogen – Ein Dichter und die preußische Prinzessin

Karl Marx – Vom Trierer Bürgersohn zum Verfasser des „Kommunistischen Manifests“

Ludwigshöhe – Die italienische Villa König Ludwigs I. in der Pfalz

Bad Ems – Ein Kuraufenthalt König Wilhelms von Preußen und die Diplomatie

Paul Wallot – Ein Architekt aus Oppenheim für den Reichstag in Berlin

Die Jugendstil-Festhalle in Landau und ihr – unbekannter – Stifter

Glossar

Allgemeine Literatur

Ortsregister


Weitere Erinnerungsorte finden Sie hier: oder unter www.na-verlag.de/­wp-content/­uploads/­image/­Weitere-Erinnerungsorte.pdf


VORWORT

„Wie in einer steinernen Urkunde konnte man die Geschichte der Stadt Mainz architektonisch und monumentarisch in dem Bau und Zusammenhange ihrer Straßen, Kirchen und Häuser … sehen und lesen.“ Mit diesen Worten beginnt Karl Anton Schaab den zweiten, 1844 erschienen Band seiner Geschichte der Stadt Mainz. Für ihn sind Baudenkmäler wichtige Zeugnisse, gebaute Geschichtsquellen. Sie sind Teil unserer Umwelt, wir sind auf Schritt und Tritt von ihnen umgeben. Zum Verstehen, zum Begreifen gehört das Wissen um Ereignisse, Persönlichkeiten eingebunden in den Kontext geschichtlicher Entwicklungen. Erst dann kann man die Aussagen der Kulturdenkmäler verstehen. Sie tragen bei zum kollektiven Gedächtnis einer Stadt, einer Region, letztlich des ganzen Landes. Denkmäler sind somit nicht nur Werke der Architektur oder Bildhauerei, sondern auch Vermittler von Geschichte und Erinnerung.

Das junge Bundesland Rheinland-Pfalz entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hauptsächlich aus drei Provinzen von Bayern, Hessen und Preußen. Eine historische Kontinuität fehlte, die einzelnen Landesteile hatten ihre eigene wechselhafte Geschichte, die weit zurückreicht. So war diese Region zeitweise Kernland des Reiches, Schauplatz herausragender Ereignisse und Wirkungsstätte bedeutender Persönlichkeiten. Deshalb muss die Auswahl von rund 50 Geschichts- und Erinnerungsorten aus über 40.000 Kulturdenkmälern, die dieses Bundesland aufweist, zwangsläufig subjektiv sein. Manches Denkmal, das man erwartet, fehlt. Andere Erinnerungsorte überraschen vielleicht. Ziel ist es, die Vielfalt der Geschichtszeugnisse in den alten Kulturlandschaften an Rhein, Mosel und Lahn in diesem Bundesland widerzuspiegeln, vermittelt werden Geschichte und Geschichten hinter den Baudenkmälern, Menschen und ihre Schicksale. Schließlich sind sie wesentlicher Teil einer umfassenden Aussage.

Die Auswahl versucht alle Landesteile zu berücksichtigen, deshalb sind geschichtsträchtige Städte und Regionen immer nur beispielhaft vertreten. Bei Denkmälern mit einer langen und wechselvollen Geschichte wurde eine entscheidende Zeitschicht, verbunden mit einer Persönlichkeit, ausgewählt. So unterschiedlich wie die Erinnerungsorte sind auch deren Protagonisten.

Der behandelte Zeitraum beginnt nach dem Ende der römischen Zeit mit der fränkisch-karolingischen Epoche und reicht bis in die Zeit um und nach 1900, wobei der Erste Weltkrieg die Zäsur darstellt.

Die den Texten vorangestellten Zitate lassen Authentizität entstehen. Sie können von den betreffenden Personen oder aus der Entstehungszeit stammen, gelegentlich sind es prägnante Beschreibungen und Kommentare späterer Zeit. Die Texte werden ergänzt durch Schwarz-Weiß-Abbildungen, meist historische Aufnahmen, denn auch diese vermitteln Geschichte. Wo vorhanden, wurden dem Leser aktuelle Webadressen an die Hand gegeben.

Das Buch soll dazu anregen, Geschichts- und Erinnerungsorte in Rheinland-Pfalz aufzusuchen, Orte, die identitätsstiftend für eine Stadt oder eine Region sind, Persönlichkeiten kennenzulernen, die mit ihrem Wirken auf sehr unterschiedliche Weise Geschichte geschrieben haben.

DAS FRÜHE MITTELALTER – KONTINUITÄT UND NEUBEGINN

500 Jahre römische Herrschaft in unserem Raum von der Mitte des 1. Jhs. v. Chr. bis in das späte 5. Jh. hatten zu einer fast modern zu nennenden Infrastruktur mit Straßen, Grenzbefestigungen (Limes), Kastellen, Siedlungen und Städten mit funktionierenden Verwaltungen und Repräsentationsbauten geführt. Nach dem endgültigen Zusammenbruch der Römerherrschaft folgten Jahrhunderte des Niedergangs, wobei die kirchlichen Strukturen offensichtlich zum Teil fortdauerten; eine Kontinuität christlicher Gemeinden ist wahrscheinlich. Schon früh sind Bischöfe in Trier und bald darauf auch in Mainz nachweisbar. Politische Strukturen sind in dieser Zeit nicht fassbar, die kirchliche Organisation konnte hingegen wieder aufgenommen werden.

Die territoriale Einigung des fränkisch-merowingischen Reichsgebietes gelang Karl Martell. Mit der Regierungszeit Karls des Großen folgt der Höhepunkt an Machtkonzentration. Unter den karolingischen Herrschern wurde die Christianisierung weiter vorangebracht. Wandernde Mönche gründeten Klöster, die zu wirtschaftlichen und kulturellen Zentren wurden, aber auch der Sicherung der Königsherrschaft dienten. Im Reichsgebiet entstanden Pfalzen, in denen die Herrscher Station machen konnten, denn es war die Zeit des Reisekönigtums, es gab keine feste Residenzstadt. Auch die Klöster und die Bischofsstädte waren Stationen auf den Reisen. Häufig hielten sich die karolingischen Könige im Rheingebiet auf, denn hier wurden Heeresversammlungen und Hoftage einberufen und die großen kirchlichen Feste gefeiert. Schon die Enkel Karls teilten das Reich, sodass drei Teilreiche entstanden. Für die Fläche von Rheinland-Pfalz relevant sind das Mittelreich Lothars – Lotharingen – und das Ostreich Ludwigs des Deutschen. Unter dem sächsischen Herrschergeschlecht der Ottonen gelang erneut eine Reichseinheit und eine innere Stabilisierung. Durch das alleinige Herrschaftsrecht des ältesten Sohnes konnten Reichsteilungen zukünftig vermieden werden.

DER DOM ZU TRIER – KIRCHLICHE TRADITION SEIT DER ANTIKE

… War eine jener Säulen, durch ihre Länge ermüdet … jählings gestürzt, sodaß aus Furcht vor dem Zusammensturze niemand daselbst den göttlichen Dienst feierte … Poppo nun befestigte den Dom wieder mit großer Arbeit und Kosten …

(Gesta Treverorum, um 1100)*

Die Kirchengruppe von Dom und Liebfrauenkirche beherrscht noch heute den Stadtkern von Trier. An keinem anderen Ort lässt sich der Fortbestand religiöser Tradition von der Antike über die schwierigen Zeiten der Völkerwanderung bis in das Mittelalter so gut verfolgen.

Im 4. Jh., in der Zeit Kaiser Konstantins des Großen, entstand auf dem Gelände eines kaiserlichen Palastes – der Legende nach dem der hl. Helena, der Mutter Konstantins – eine Doppelkirche. Helena soll auch von einer Reise in das Heilige Land kostbare Reliquien nach Trier gebracht haben: einen Kreuznagel Christi, den Leibrock Christi und die Gebeine des hl. Apostel Matthias; Reliquien, die seit dem Mittelalter große Verehrung genießen. Im späten 4. Jh. ließ Kaiser Gratian dort einen Neubau errichten, den sog. Quadratbau. Die flache Decke der großen, quadratischen Halle trugen vier riesige Säulen aus Odenwälder Granit. Eine vor dem Dom liegende Säule, der sog. Domstein, gibt noch heute eine Vorstellung von der Monumentalität dieses Kirchenbaus. Die Maße dieser Halle waren die Vorgabe für den gesamten späteren Dombau. Nach mehreren Zerstörungen, vor allem beim Normanneneinfall im späten 9. Jh., erlitt die Kirche zwar Schäden, wesentliche Teile der Grundmauern blieben jedoch stehen. Bis zu einer Höhe von 25 m sind die spät­antiken Mauern noch im heutigen Dom erhalten, besonders eindrucksvoll zu sehen an der Nordseite.

Zwei herausragende Bischöfe bestimmten die Geschicke des Bistums Trier im ausgehenden 10. und frühen 11. Jh. Ihre Baumaßnahmen sicherten und prägten den Dom in den kommenden Jahrhunderten.


Trier, Dom (Nordseite), Mauerwerk des römischen Quadratbaus

Der aus einer holländischen Grafenfamilie stammende Erzbischof Egbert war ein hochgebildeter, tatkräftiger Mann. So brachte er die bis dahin schleppend verlaufenden Wiederaufbauarbeiten am Dom energisch wieder in Gang. Im Quadratbau ersetzte er eine eingestürzte Säule und begann mit dem Neubau einer daran anschließenden Basilika. Sein Tod verhinderte den Weiterbau. Mit seinem Namen sind vor allem hochrangige Werke der Buchkunst verknüpft, wie der sog. Codex Egberti, eine Prachthandschrift mit einem Bilderzyklus zum Leben Jesu. Auch eine hervorragende Gold­schmiedewerkstatt existierte zu seiner Zeit in Trier. Von deren außerordentlicher Kunstfertigkeit zeugen das reiche Reliquiar zur Aufbewahrung eines Kreuznagels Christi ebenso wie der Tragaltar zur Aufbewahrung einer Sandale des Apostels Andreas.

Mit Erzbischof Poppo übernahm 1016 ein Mann mit vielfältigen Begabungen und Interessen das Erzbistum Trier. Unter ihm wurde die schon wieder ins Stocken geratene Dombaustelle erneut in Angriff genommen, allerdings mit einem völlig neuen Plan. Diese Neukonzeption bestimmt das Bild der Westseite des Domes bis heute. Zuerst wurde die Erneuerung des Quadratbaus vollendet. Im Anschluss baute man ein Langhaus, dessen Ausdehnung durch die Maße des Quadratbaus festgelegt war. Nach Westen wurde der Bau durch eine Doppelturmfront mit einer Apsis abgeschlossen. Diese eindrucksvolle Fassade gehört zu den Höhepunkten der Architektur im 11. Jh. Mit den Bauarbeiten war bald nach 1030 begonnen worden. Die Vollendung erlebte Erzbischof Poppo nicht mehr. Er starb, wie die Quellen berichten, 1047 an den direkten Folgen seines Eifers beim Dombau. So soll er eines Tages auf der Baustelle gesessen haben, die Sonne schien heißer als gewöhnlich und glühte auf sein Haupt, das kahl war. Sein Gehirn entzündete sich, er wurde vom Fieber ergriffen und starb. So wird sein Tod in den Gesta Treverorum (Taten der Treverer, Geschichten und Aufzeichnungen, um 1100) beschrieben. Erst unter seinen Nachfolgern konnte der Westbau beendet werden.

Nicht nur dem Dom hat Erzbischof Poppo durch eine außergewöhnliche Baumaßnahme seine bis heute prägende Gestalt gegeben. Ein weiteres Bauwerk in Trier verdankt ihm seine Rettung. Die Porta Nigra, das nördliche römische Stadttor, war nach dem Ende der römischen Herrschaft in den nachfolgenden Jahrhunderten als Steinbruch genutzt worden. Simeon, ein Mönch aus dem Sinai-Kloster, begegnete in Trier Erzbischof Poppo und begleitete ihn auf einer zweijährigen Pilgerfahrt in das Heilige Land. Nach der Rückkehr bewegte Poppo Simeon dazu, als Eremit im Ostturm der Porta Nigra zu leben. Simeon starb nach wenigen Jahren und wurde dort auch begraben. Erzbischof Poppo betrieb nun in Rom die Heiligsprechung des Eremiten und baute in die Porta Nigra eine Doppelkirche zum Gedenken an den Heiligen ein. In unmittelbarer Nähe gründete er ein Kanonikerstift, das mit Einkünften gut ausgestattet wurde. Hier fand Poppo auf seinen Wunsch hin seine letzte Ruhestätte in der Nähe des so verehrten Heiligen und Freundes. Der Kirchenbau wurde später um eine romanische Apsis erweitert. Im frühen 19. Jh., als Trier zu Frankreich gehörte, bestimmte Kaiser Napoleon, dass die Kirche abgetragen werden sollte, um den Bau in den „alten Stand“ zu versetzen. Nur die Apsis blieb bei den Abbrucharbeiten erhalten und erinnert an den einstmaligen Kultort des hl. Simeon und die Rettung der Porta Nigra im Mittelalter.

Der Trierer Dom erfuhr im Laufe seiner Geschichte viele Veränderungen, Renovierungen, Um- und Anbauten. Durch die geniale Planung unter Erzbischof Poppo wurde der spätantike Quadratbau so im späteren mittelalterlichen Dom verankert, dass er bis heute Bestand hat.

www.bistum-trier.de

Literatur

Jochen Zink, Die Baugeschichte des Trierer Domes von den Anfängen im 4. Jh. bis zur letzten Restaurierung, in: Franz Ronig, Der Trierer Dom, Jahrbuch d. Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Neuss 1980, S. 17ff.

* zit. nach: F. Ronig, Der Trierer Dom, Jahrbuch d. Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Neuss 1980, S. 34.

KLOSTER HORNBACH – PIRMIN, GLAUBENSBOTE DER PFALZ

Pirmin selbst, Bischof und Christi Bekenner,

bewohnt dieses Haus und heiligt den Ort …

Das Volk der Franken hier suchte er mit klarer Lehre zu gewinnen

Und erbaute für Gott sehr viele heilige Stätten …

(Grabinschrift des Pirmin von Hrabanus Maurus, 818/827)*

In der Südwestpfalz, wenige Kilometer nördlich der Grenze zu Lothringen, liegt das Städtchen Hornbach, das aus einem im 8. Jh. gegründeten Benediktinerkloster entstanden ist. Vom engeren Klausurbereich nördlich der evangelischen Kirche aus dem späten 18. Jh. haben sich die Grundmauern der karolingischen Klosterkirche erhalten. Daneben liegt der spätgotische Kreuzgang mit den ehemaligen Klosterbauten, die heute als Hotel und Klostermuseum genutzt werden. Zum Klosterbereich gehörten auch die kreuzförmige romanische Kirche des Fabianstiftes und die Ruinen einer etwas jüngeren Kapelle, die möglicherweise dem hl. Michael geweiht war. Umgeben sind Kloster und anschließende Stadt mit Rathaus von einer in großen Teilen erhaltenen Befestigungsmauer.

Auf seinem langen Weg war der Mönch Pirmin 742 in die Einöde des Pfälzer Waldes gekommen. Leben und Persönlichkeit des Klostergründers sind in einer nach seinem Tod entstandenen Vita überliefert. So hatte er 724 sein erstes Kloster auf der Insel Reichenau gegründet. Mittelzell war auch das älteste Kloster auf der Insel im Bodensee, eingerichtet nach der benediktinischen Ordensregel. Pirmin gilt als der geistige Schöpfer der Reichenauer Klosterlandschaft. Weitere Klostergründungen folgten, darunter Murbach im Elsass. Belegt ist sein Wirkungskreis im Alemannischen und im Elsass, weshalb er auch als Apostel der Alemannen gilt. Seine geistige Herkunft dürfte entgegen früherer Annahmen im iro-fränkischen Mönchtum liegen, er war einer seiner letzten Vertreter. Für seine Gründungen erreichte er die „Große Klosterfreiheit“, die Unabhängigkeit vom zuständigen Diözesanbischof. Das Kloster sollte nach seiner Auffassung seinen eigenen Bischof haben.


Hornbach, Kapelle über dem Pirminius-Grab im Chor der ehemaligen Abteikirche

Sein spirituelles Ideal war die „Peregrinatio“, das klösterliche Leben in der Fremde, das er sehr konsequent betrieb. Bei seinen Unternehmungen konnte sich Pirmin auf die Förderung und den Beistand des fränkischen Hausmeiers Karl Martell stützen, der die karolingische Dynastie begründete. Klöster waren Ausgangspunkte für die Kolonisation und Entwicklung einer Infrastruktur und Verbündete bei der Sicherung der Herrschaft.

Kloster Hornbach wurde die letzte Klostergründung Pirmins. In der Vita wird berichtet, dass ein Adliger namens Warnharius von den Taten des Pirmin gehört hatte, und ihn deshalb zu sich rief. Er zeigte ihm seine Güter und versprach ihm Land, um einen Ort für den Gottesdienst zu schaffen. An dieser Stelle erbaute Pirmin die erste kleine Kirche in Fachwerk. Warnharius gehörte zum Adelsgeschlecht der Widonen, den späteren Saliern. Das Kloster entwickelte sich, Pirmin versammelte einen Kreis von Mönchen, weshalb der Bau einer größeren Klosterkirche begonnen wurde. Von diesen Anfängen haben sich Fundamentmauern einer einschiffigen Saalkirche innerhalb einer späteren, größeren, romanischen Pfeilerbasilika erhalten. Warnharius schenkte dem Kloster darüber hinaus einen großen Waldbezirk zur Sicherung der Einkünfte. An der Stelle, an der die Schweinehirten des Klosters im Wald ihre Hütten hatten, entstand eine Siedlung. Daraus entwickelte sich später Pirmasens. Als Pirmin 753 starb, konnte er vor der Chorapsis in der Klosterkirche in einer gemauerten Grabkammer beigesetzt werden. Zur Grabkammer führten vom Chor einige Stufen hinunter. Schon bald nach seinem Tod verehrte man ihn als Heiligen und Kirchenpatron. Hrabanus Maurus, Abt von Fulda und späterer Erzbischof von Mainz, formulierte im frühen 9. Jh. die Grabinschrift, deren Text überliefert ist. In späterer Zeit wurde ein in Sandstein gearbeitetes Fenster in die Grabkammer eingefügt. Wahrscheinlich konnten durch diese Öffnung die Pilger den Schrein des Heiligen sehen und verehren.

Kloster Hornbach entwickelte sich zum „reichsten und angesehensten Benediktinerkloster zwischen Speyer und Metz“ (Dehio). Im 11. Jh. wurde es zum Eigenkloster der salischen Herrscher und stand unter deren besonderem Schutz. In dieser Blütezeit des Klosters entstanden weitere Bauten. Nachgewiesen ist eine mächtige, flachgedeckte dreischiffige Pfeilerbasilika des 11.–13. Jhs. mit Ostquerhaus und Chor sowie einer Doppelturmfassade. Die Gesamtlänge der Klosterkirche belief sich auf knapp 71,5 m. Schon die Dimension des Kirchenbaus ist zusammen mit der Qualität erhaltener Steinmetzarbeiten Hinweis auf Bedeutung und Reichtum. Auch als das Kloster von König Heinrich IV. an die Bischöfe von Speyer übergeben wurde, gedieh es weiterhin gut. Als letzter wichtiger Bau wurde am Ende des 15. Jhs. der Kreuzgang in spätgotischen Formen erneuert.

Danach begann ein allmählicher Niedergang des Klosters. Man war kaum noch in der Lage, die Bauten instand zu halten. Als Folge der Reformation wurde das Kloster 1558 aufgehoben. Bereits Abt Johann Kindhausen (1512–48) hatte geheiratet und sich dem lutherischen Glauben angeschlossen. Im Kloster wurde eine Lateinschule eingerichtet. Die Gebeine des hl. Pirmin überführte man zunächst nach Speyer und dann in die Jesuitenkirche von Innsbruck.

Schon während der Nutzung einiger Bauten zu Schulzwecken verfiel das Kloster immer mehr, 1705 stürzte der Vierungsturm der Kirche ein, 1768 wurden der Ostflügel des Kreuzgangs und der östliche Abteiflügel wegen Baufälligkeit abgebrochen. In den folgenden Jahren kam es zum fast vollständigen Abbruch der mittelalterlichen Klosterkirche und zum Bau der neuen protestantischen Kirche, teilweise über dem südlichen Seitenschiff der Klosterkirche. An den bedeutenden Stifterabt Pirminius erinnert nur noch die Grabstätte vor dem Chor der Klosterkirche. Bei Ausgrabungen wurde 1956 die längliche gemauerte Grabkammer entdeckt. Über der Stätte errichtete man einen kleinen kapellenartigen Raum.

www.klosterstadt-hornbach.de

Literatur

Hornbach – Die Geschichte einer Stadt, Hrsg. Förderverein Kultur, Hornbach 2002.

Pia Heberer, Das Kloster Hornbach in der Pfalz, Baugeschichte und Sakraltopographie, Speyer 2010.

* zit. nach: Richard Antoni, Leben und Taten des Bischofs Pirmin, Stuttgart 2005, S. 108f.

DIE KAROLINGISCHE ABTEI PRÜM – EIN KAISER WIRD ZUM MÖNCH

Nach dieser Verteilung und Regelung der Regierungsaufgaben nahm er Abschied von den Seinen, verließ die Welt und zog nach dem Kloster Prüm. Dort ließ er sich sein Haupthaar abnehmen, legte das Kleid des heiligen Wandels an und beschloss sein Leben am 29.September (855) in dem Bekenntnis seines Glaubens.

(Regino von Prüm über Kaiser Lothar I.)*

Das Ortsbild der ehemaligen Kreisstadt Prüm in der Eifel wird dominiert von den mächtigen barocken Bauten der früheren Benediktiner-Abtei, der Kirche mit ihrer Doppelturmfassade und die um zwei Höfe an der Nordseite gruppierten Klosterbauten. Das Kloster wurde begründet im Jahre 721 durch die Edelfrau Bertrada und ihren Sohn Charibert, die der Sage nach auf der südwestlich von Prüm gelegenen Burg Mürlenbach lebten. Besiedelt wurde das Kloster zunächst durch Mönche aus Echternach, dort war Willibrord Abt. 755 erneuerte König Pippin der Kleine, der mit einer Enkelin Bertradas gleichen Namens verheiratet war, die Klostergründung, brachte Mönche aus Frankreich hierher und versah das Kloster mit großen Schenkungen, die dauerhaft die Einkünfte sicherten. Pippin und Bertrada die Jüngere waren die Eltern Karls des Großen. Über das Aussehen des Klosters in karolingischer Zeit ist wenig bekannt. Die Weihe der neuen Klosterkirche ist für das Jahr 761 überliefert. Eine der Hauptaufgaben der Mönche bestand zunächst im Gebetsauftrag zur Memoria Pippins und Bertradas, die damit Sorge für ihr Seelenheil trugen. Zur Aufwertung des Klosters trug unter anderem auch eine wertvolle Reliquie, die Sandalen Jesu, bei, die Pippin bald nach der Weihe der Klosterkirche geschenkt hatte.

Prüm entwickelte sich zum Familienkloster der Karolinger und zum Missionszentrum der Eifel. Das Kloster wurde wirtschaftlicher, geistiger und kultureller Mittelpunkt der Region. Durch ihre enge Beziehung zum Herrscherhaus kam den Äbten eine besondere Rolle zu: Sie hielten sich häufig in unmittelbarer Nähe des Kaisers auf und waren Begleiter auf Reisen. Im ersten Jahrhundert nach der Neugründung führten drei außergewöhnliche Äbte das Kloster mit sehr langen Amtszeiten. So stand Marquard 25 Jahre dem Kloster als Abt vor und geleitete es sicher durch die Reichskrise dieser Zeit. Er war als Vermittler in Familienstreitigkeiten, vor allem bei Erbauseinandersetzungen, gefragt. In schwierigen Situationen diente das Kloster sogar als Gefängnis für Angehörige des Kaiserhauses. Pippin der Bucklige, Sohn Karls des Großen, wagte mit Unterstützung einiger Adliger den Aufstand gegen seinen Vater, da sein Erbanspruch aufgehoben wurde. Der Aufstand scheiterte, seine Mitverschworenen wurden hingerichtet, Pippin zur Klosterhaft begnadigt und nach Prüm überstellt. Dort starb er nach fast zwanzigjähriger „Haft“. Eine Generation später betraute König Lothar I. das Kloster mit der heiklen Aufgabe, seinen damals erst zehnjährigen Halbbruder Karl in Klosterhaft zu nehmen; er wurde allerdings bereits nach acht Monaten wieder frei gelassen. Die karolingischen Herrscher nutzten Prüm auf ihren Reisen von und nach Aachen, hielten sich aber auch gerne zur Jagd in den Ardennen dort auf.

Neben reichspolitischen Aufgaben hatte das Kloster einen großen Besitz zu verwalten. Der Fernbesitz reichte bis zum Rhein, zur Mosel und zur Maas, in die Bretagne, in die Niederlande, die Pfalz, sogar bis an die Rhône. Für viele Orte ist die Nennung im Prümer Urbar, dem Besitzverzeichnis des Klosters, sowie im goldenen Buch die erste urkundliche Erwähnung. Im Kloster Prüm lebten bis zu 300 Mönche. In der Schreibstube entstanden kostbare Handschriften mit prächtigen Buchmalereien. Eine der bedeutenden Persönlichkeiten war der aus Altrip stammende Abt Regino (892–899), der Werke zur Musik, zum Kirchenrecht und eine Chronik verfasste, die von Christi Geburt bis 906 reichte. Ihr verdanken wir das Wissen um viele Ereignisse aus der Frühzeit des Klosters. Auch eine Vita des hl. Goar und ein Kalender entstanden im 9. Jh. in Prüm, Werke des Mönches Wandalbert.


Prüm, Basilika, Grabtumba Kaiser Lothars I. in der Gestaltung von 1874

Die Nachfahren Karls des Großen vermochten es nicht, dessen Reich zu erhalten. Bereits unter seinem Sohn Ludwig kam es zu Teilungen. Lothar I. musste dann im Vertrag von Verdun 843 die Dreiteilung des Reiches seines Großvaters hinnehmen. 855 dankte Kaiser Lothar ab, nachdem er in der sog. Prümer Teilung den ihm verbliebenen Reichsteil an seine Söhne weitergegeben hatte. Er trat in das Kloster Prüm ein, wo er wenige Tage später starb. Sein Grab fand er vor dem Hauptaltar der Klosterkirche. Hrabanus Maurus, der große Gelehrte und Abt von Fulda, verfasste eine Grabinschrift, die den großen Herrscher preist, der am Ende seines Lebens ein einfacher Mönch wurde.

Im Laufe des 13. Jhs. büßte Kloster Prüm seine besondere Stellung unter den deutschen Klöstern in Verbindung mit großen Gebietsverlusten an die Vögte ein. Hinzu kamen ständige Konflikte mit dem Erzbistum Trier, die darin gipfelten, dass Prüm im 16. Jh. dem Erzbistum unterstellt wurde und der Erzbischof von nun an auch Abt von Prüm war.

1721, genau 1.000 Jahre nach der Klostergründung, begann der barocke Neubau der Kirche unter dem Trierer Erzbischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, wobei lediglich ein Turm des Vorgängerbaus in das Konzept miteinbezogen wurde. Die neue Kirche entstand auch nicht genau über dem karolingisch-mittelalterlichen Bau, sondern weiter nördlich. Aus diesem Grunde mussten die Gebeine Kaiser Lothars erhoben und neu bestattet werden. Die heutige Gestaltung des Kaisergrabes an der Südseite des Chores erfolgte 1874 mit Unterstützung Kaiser Wilhelms I. Auf dem Friedhof südlich der Klosterkirche steht ein einfaches Steinkreuz, das der Überlieferung zufolge den Platz des ursprünglichen Hochaltars markiert.

Kloster Prüm erinnert an die große Bedeutung der Klöster in der Zeit der Karolinger. Heute kann dieser Teil der Klostergeschichte an den Gebäuden nicht mehr festgemacht werden, zumal sich auch der Standort verschoben hat. Das von König Pippin gestiftete Sandalenreliquiar und das Grab Kaiser Lothars I. in der Umgestaltung des 19. Jhs. sind die einzigen konkreten Bezugspunkte. Ansonsten vermittelt die Anlage das Bild einer prächtigen, unter dem Einfluss der Trierer Erzbischöfe entstandenen, Barockabtei mit zum Teil großartiger Architektur.

www.pruem.de

Literatur

Franz Josef Faas, Prüm in der Eifel, Neuss 1976.

Bernd Isphording, Prüm – Studien zur Geschichte der Abtei (721–855), Mainz 2005.

* zit. nach: Regino von Prüm, Reginonis chronica, in: Quellen zur karolingischen Reichs­- geschichte III, bearbeitet von Reinhold Rau, Darmstadt 1982, S. 189.

DIE PFALZ KARLS DES GROSSEN – IMPERIALE PRACHT IN INGELHEIM

Aber er begann auch zahlreiche Bauwerke, die dem Königreich zur Zierde und zum Nutzen gereichten … Auch begann Karl mit dem Bau von zwei herrlichen Palästen: der eine war nicht weit von Mainz in der Nähe seines Gutes Ingelheim, der andere in Nymwegen …

(Einhard, Vita Caroli Magni, um 830)*

Auf einer Hangterrasse am Rhein liegt der Ort Nieder-Ingelheim. Im Stadtgrund­riss des Ortskerns spiegeln sich noch heute die Grundzüge der karolingischen Kaiserpfalz. Bauliche Reste der Zeit Karls des Großen lassen sich im Ortsbild an mehreren Stellen finden.

In seiner Beschreibung des Lebens Karls des Großen behandelt Einhard in Kapitel 17 auch die wichtigsten Bauten, die auf den karolingischen Kaiser zurückgehen. Neben der Marienkirche in Aachen und der 500 Schritte langen Rheinbrücke in Mainz erwähnt Einhard zwei Paläste in Nymwegen und in Ingelheim. Karl hatte hier in den 770er-Jahren mit dem Bau einer repräsentativen Pfalzanlage an Stelle eines fränkischen Hofguts begonnen. Beherrschendes Bauwerk war die Aula Regia, die königliche Halle (40,5 x 16,5 m), die als Thronsaal, Ort großer Versammlungen und Gerichtsverfahren diente. Der einst 13 m hohe Raum mit einer halbrunden Apsis für den auf einem Podest stehenden Thron war prachtvoll ausgestattet. So war der Boden mit Marmorplatten und Porphyr belegt, dem seit der römischen Kaiserzeit den Herrschern vorbehaltenen purpurroten Stein. Die Wände waren mit Wandmalereien geschmückt, von denen man Fragmente gefunden hat. Ein Lobgedicht des Ermoldus Nigellus aus dem Jahre 826 auf Kaiser Ludwig den Frommen beschreibt unter anderem auch die Inhalte der Ausmalung, biblische Szenen sowie Taten heidnischer und christlicher Herrscher. Innerhalb des Pfalzbezirks stand die Pfalzkapelle mit einem Kleeblattchor, die dem Herrscher und seinem Hof diente. Pfarrfunktion für die Bevölkerung hatte die außerhalb der Pfalz gelegene Remigius-Kirche.


Ingelheim, Kaiserpfalz, staufische Stadtmauer und Apsis der karolingischen Aula Regia

Ein monumentaler Halbrundbau von knapp 90 m Durchmesser schloss den Pfalzbezirk nach Süden ab. Im Scheitel befand sich das sog. Heidesheimer Tor, von dem Teile im staufischen Umbau erhalten sind. Das Halbrund umstanden außen sieben Rundtürme. Im Inneren verlief ein Säulengang, in dem römische Spolien wie Säulenschäfte, Basen und Kapitelle verbaut waren. Der prachtvolle Halbkreisbau hat seine Vorbilder in der römischen Villen- und Palastarchitektur. Die Ingelheimer Kaiserpfalz war wohl um 800 vollendet, dürfte also etwas älter sein als die Pfalz in Aachen. Anlass für diesen in vieler Hinsicht ungewöhnlichen Bau war ein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis möglicherweise in Zusammenhang mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800 in Rom.

Karl der Große hielt sich mehrfach in Ingelheim auf, gelegentlich auch über den ganzen Winter, feierte hier Weihnachten und Ostern, berief Hoftage ein. Auch weitreichende politische Entscheidungen wurden hier getroffen, wie die Entmachtung des Bayernherzogs Tassilo, verbunden mit der Aufhebung des Herzogtums Bayern.

Karls Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme besuchte Ingelheim ebenfalls recht häufig. Hier empfing er Gesandtschaften ausländischer Herrscher wie des byzantinischen Kaisers Theophilus. Wenn in Ingelheim Reichsversammlungen abgehalten wurden, hatte die Pfalz in dieser Zeit den Rang eines repräsentativen kaiserlichen Wohnsitzes. Schwer erkrankt ließ sich Ludwig auf eine der Pfalz vorgelagerte Insel im Rhein bringen. Dort starb er 840 in Anwesenheit des Mainzer und des Trierer Bischofs. Nach seiner Bestattung in Metz folgte eine Phase des Stillstandes. Seit dem 10. Jh. wurde unter den ottonischen Herrschern wieder gebaut. Eine monumentale Saalkirche mit mächtigem Querhaus entstand, die kleine Pfalzkapelle verlor ihre Bedeutung. Regelmäßig feierte Otto der Große in Ingelheim nun die Osterfeste mit großer Prachtentfaltung. Synoden (Kirchenversammlungen) wurden abgehalten und wichtige Zusammenkünfte arrangiert. Kaiserin Theophanu beriet sich in der Pfalz mit Erzbischof Willigis von Mainz.

Zu einer besonderen Begegnung kam es 1163, als Friedrich I. Barbarossa sich hier mit der Äbtissin Hildegard von Bingen traf (s. Disibodenberg S. 42). Aus Respekt vor Karl dem Großen hatte Friedrich I. die Pfalz erneuern und zu einer befestigten Burg ausbauen lassen. Doch nach ihm erlosch das Interesse endgültig.

Das Pfalzgebiet wurde 1402 zur Bebauung frei gegeben. Die Folge waren Abbrüche, um Baumaterial zu gewinnen, sowie eine ungeordnete Bautätigkeit, welche die Struktur verunklärte. In den folgenden Jahrhunderten wurde Nieder-Ingelheim durch Bauten verschiedenster Art überformt. Die Reste der ehemaligen Kaiserpfalz verschwanden in und unter neuen Häusern. Erst seit dem 19. Jh. und vor allem in den letzten Jahrzehnten haben archäologische Grabungen in Verbindung mit Freilegung und Restaurierung karolingischer Befunde entscheidend zur Anschaulichkeit beigetragen.

Heute ist die Ingelheimer Kaiserpfalz in Verbindung mit Museum und Besucherzentrum ein historischer Ort, an dem man königliche bzw. kaiserliche Repräsentation von der Zeit Karls d. Großen bis zum Ende der Stauferzeit nachvollziehen kann. Aula Regia und Halbkreisbau gehören zu den herausragenden Zeugnissen karolingischer Architektur in Deutschland.

www.kaiserpfalz-ingelheim.de

Literatur

Holger Grewe, Die Ausgrabungen in der Königspfalz zu Ingelheim am Rhein, in: Deutsche Königspfalzen, Hrsg. Lutz Fenske u. a., Göttingen 2001, S. 155ff.

Holger Grewe, Ingelheim in der Pfalz Karls d. Großen, in: Kreuz, Rad, Löwe (Darmstadt 2012), S. 245ff.

Wolfram Letzner, Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten Deutschlands, Mainz 2013, S. 100ff.

* Einhard, Vita Karoli Magni, Kapitel 17, Lateinisch-Deutsche Ausgabe, Stuttgart 1977, S. 39.

ERZBISCHOF HATTO UND DER MÄUSETURM – EIN FEHLURTEIL DER GESCHICHTE

Er war ein Mann von großer Klugheit, der zur Zeit des jugendlichen Ludwig über das Reich der Franken mit brennender Sorge wachte, viele Zerwürfnisse im Reich einer Versöhnung zuführte …

(Widukind von Corvey über Erzbischof Hatto, in Res gestae Saxoniae, 10. Jh.)*

Unweit von Bingen liegt auf einer Felseninsel im Rhein der sog. Mäuseturm, ein im Kern mittelalterlicher, mehrgeschossiger Bau. Die neben der Loreley-Sage bekannteste Sage des Mittelrheins bringt ihn mit dem Mainzer Erzbischof Hatto in Verbindung. So soll Hatto in Zeiten einer großen Hungersnot die Armen in einer Scheune zusammen gerufen haben. Dann befahl er, die Scheune anzuzünden. Als er das Jammergeschrei hörte, bemerkte er: „Hört ihr, wie die Mäuse pfeifen?“ Alsbald verfolgten ihn Mäuse, er floh auf den Turm im Rhein, doch die Mäuse kamen durch das Wasser hinter ihm her und fraßen ihn auf.

Der historische Ausgangspunkt der Sage liegt in karolingischer Zeit. Im 9. Jh. re­gierten in Mainz zwei Bischöfe mit Namen Hatto, Hatto I. (891–913) und Hatto II. (968–970).

Bischof Hatto I. stammte aus dem alemannischem Adel; er wurde um 850 geboren. Über seine frühen Jahre ist wenig bekannt, seit den 880er-Jahren gehörte er zu den Beratern König Karls III. Als Abt des Klosters Reichenau wurde er 888 eingesetzt, wenige Jahre später zum Erzbischof von Mainz ernannt (892), blieb aber gleichzeitig Abt der Reichenau. Dem einflussreichen Bischof kam eine besondere Rolle im Reich zu, in dem in der zweiten Hälfte des 9. Jhs. infolge häufiger Reichsteilungen instabile Verhältnisse herrschten. Er fungierte in der Regierungszeit dreier Könige (Arnulf von Kärnten, Ludwig das Kind und Konrad I.) als „Königsmacher“ und galt als „Primas von Germanien“ (so Abt Regino von Prüm in einer Widmungsanrede).


Bingen, Mäuseturm mit Burg Ehrenfels (hist. Aufnahme)

Auch als Stifter von Kirchenbauten und Kunstwerken ist Hatto bekannt. Es wird berichtet, dass er vor einer Reise nach Italien seine mitgeführten Schätze seinem Freund, Bischof Salomo von Konstanz, übergab „aus Misstrauen gegen seine Mainzer“, mit der Bitte, die Schätze zu seinem Seelenheil zu verschenken, sollte er von seinem Tod hören. Salomo verkündete wahrheitswidrig den Tod Hattos und verteilte die Schätze an die Armen und an die Kathedrale von Konstanz. Hatto beließ es bei seiner wohlbehaltenen Rückkehr aus Italien dabei. In Mainz erbaute er den „Alten Dom“ (wohl die heutige Johanniskirche). Über Hattos Tod im Jahr 913 wurden verschiedene Versionen verbreitet. So soll er durch eine List den Grafen Adalbert von Babenberg an den König (Ludwig das Kind) ausgeliefert und somit dessen Hinrichtung zu verantworten haben. Deshalb sei er eines plötzlichen Todes gestorben, sein Grab ist nicht bekannt. Das fehlende Grab hatte zur Folge, dass im 13. Jh. die Mär aufkam, Hatto sei von Teufeln gepackt und in den glühenden Schlund des Ätna geworfen worden. Ebenfalls im 13. Jh. entstand die Version der Verfolgung durch die Mäuse, die aber vornehmlich Bischof Hatto II. angedichtet wurde. Dieser zweite Hatto hat allerdings nur zwei Jahre regiert; über sein Leben und Wirken sind wenig gesicherte Quellen bekannt. In dieser Zeit ist aus Hatto I. der grausame Bischof geworden, dem man viele Untaten anlastete, obwohl ihn seine Zeitgenossen als mächtigen, klugen, großzügigen und kunstsinnigen Mann beschrieben haben.

Spätestens seit der Erfindung des Buchdrucks findet die Hatto-Sage weite Verbreitung. Während der Reformationszeit wurden die Geschehnisse instrumentalisiert, der Wahrheitsgehalt geht unter im Streit der protestantischen Gegner und der katholischen Verteidiger des Bischofs. Seit dieser Zeit werden beide Bischöfe vertauscht, die Geschichte wird endgültig unübersichtlich. Auch der Turm im Rhein bei Bingen wird im 16. Jh. in die Erzählung mit einbezogen. Abbildungen des Turmes mit Mäusen finden sich u. a. in Sebastian Münsters Cosmographia (1545).

Vermutlich im 14. Jh. ließ der Mainzer Erzbischof auf einer Rheininsel bei Bingen eine Zollstation errichten, an strategisch günstiger Stelle, an der sich das Rheintal verengt. Der Name Mäuseturm ist wohl abgeleitet von Mautturm = Zollturm. Zusammen mit den Burgen Ehrenfels am Steilhang auf der rechten Rheinseite und Burg Klopp auf der linken Seite des Rheinufers bildete er zudem ein Wehrsystem, das das Territorium des Erzbistums Mainz absicherte und zugleich Zeugnis der erzbischöflichen Machtpolitik war. Seit dem 17. Jh. verlor der Turm seine Funktion und war immer mehr dem Verfall preisgegeben. Nach verschiedenen notdürftigen Reparaturen setzte sich in der 2. Hälfte des 19. Jhs. der preußische König Friedrich Wilhelm IV. persönlich für die Wiederherstellung nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Zwirner ein.

Orientiert an historischen Abbildungen wurde der Turm, dessen untere Geschosse in ihrer mittelalterlichen Substanz erhalten blieben, im oberen Teil in neugotischen Formen ergänzt. Sein Äußeres mit dem Ecktürmchen und den Zinnenkränzen wurde so zu einem Sinnbild der Rheinromantik. Hinzugefügt wurde ein großes Relief mit dem preußischen Adler, Zeichen des preußischen Hoheitsgebietes. Durch die Rheinromantik hatte die Sage neuen Auftrieb bekommen. Vor allem in englischen Reiseführern war die Erzählung beliebt, bot doch der gespenstisch in den tobenden Wogen des Binger Lochs stehende Turm die ideale Kulisse für eine Schauergeschichte.

Der Mäuseturm und Erzbischof Hatto sind durch eine jahrhundertelange Überlieferung verbunden, obwohl es dafür keinen historischen Anlass gibt. Das Bild des grausamen Erzbischofs entstand im Mittelalter durch bewusst unrichtige Überlieferungen. Es hat sich im Laufe der Zeit so verselbständigt, dass der historische Hatto völlig dahinter verschwunden ist.

www.bingen.de

Literatur

Winfried Wilhelmy (Hrsg.), Glanz der späten Karolinger – Hatto I. Erzbischof von Mainz (891–913) – Von der Reichenau in den Mäuseturm, Mainz 2013.

* zit. nach: Winfried Wilhelmy (Hrsg.), Glanz der späten Karolinger – Hatto I. Erzbischof von Mainz (891–913) – Von der Reichenau in den Mäuseturm, Mainz 2013, S. 43.


Karolingisches Kapitell aus Ingelheim

DAS HOHE MITTELALTER - KÖNIG, KIRCHE UND ADEL

Um 1000 festigten sich die Strukturen. Mit Konrad II. gelangte das Geschlecht der Salier zur Königswürde, dessen Wurzeln im Wormser Gebiet lagen. Ein Jahrhundert bestimmten sie die Geschicke des Reiches, gefolgt von den Staufern. Der rheinland-pfälzische Raum wurde Kernland des Reiches. Entscheidungen von großer Tragweite fielen hier. So konnten die Auseinandersetzungen zwischen Herrscher und Kirche um die Einsetzung von Bischöfen und Äbten erst mit dem Wormser Konkordat (1122) beendet werden, das die Rolle der Herrscher deutlich einschränkte. Die drei großen Erzbistümer Mainz, Trier und Köln festigten ihren Einfluss und erweiterten ihre Territorien. Daneben konnte sich auch die Pfalzgrafschaft bei Rhein im südlichen Landesteil etablieren. Und auch das Bild der Städte änderte sich. Etwa zur gleichen Zeit entstanden die drei Kaiserdome am Rhein: Speyer, Mainz und Worms, Großbaustellen bisher nicht gekannter Dimension. Die Gründung von Stiften und Domschulen diente der Ausbildung von Klerikern, die in den Verwaltungen eingesetzt wurden. Immer häufiger machten die Herrscher auf ihren Reisen durch das Reich in den großen Bischofsstädten Station und waren Gast des Bischofs. Die Klöster blieben geistige Zentren.

An den Verkehrswegen wurden Burgen zum Schutz, wegen der Zolleinnahmen, aber auch um Macht zu demonstrieren, errichtet. Den großen Judengemeinden kam wachsende Bedeutung zu. Sie wurden geschätzt als Garanten wirtschaftlicher Kraft. Zugleich und immer wieder aber waren Verfolgungen und Pogrome zu beobachten, so im Zusammenhang mit den Kreuzzügen.

DER MAINZER DOM – KATHEDRALE DES REICHSERZKANZLERS

Nachdem der große Kaiser Karl gestorben war, hat als erster Erzbischof Willigis aus Metall die Türflügel gemacht. Der Meister dieses Werkes, Beringer, bittet inständig den Leser, dass du für ihn zu Gott betest.

(Inschrift auf den Bronzeflügeln des Marktportals des Mainzer Domes, 1009)*

Die vieltürmige Silhouette des Domes überragt und prägt heute wie schon seit 1.000 Jahren das Bild der Innenstadt von Mainz. Der mächtige Kirchenbau ist der Mittelpunkt der Stadt, um ihn entwickelte sich über Jahrhunderte städtisches Leben. Zugleich ist der Dom sichtbares Zeichen der großen Zeit der Mainzer Erzbischöfe im Mittelalter.

Als Willigis 975 von Kaiser Otto II. zum Erzbischof von Mainz erhoben wurde, übernahm er eines der wichtigsten Bistümer nördlich der Alpen. Schon im 4. Jh. Bischofssitz, hatte das Bistum Mainz durch außergewöhnliche Bischofspersönlichkeiten wie Bonifatius eine Vormachtstellung erreicht. Willigis stand als Erzbischof der größten Kirchenprovinz mit 15 Suffraganbistümern, also nachgeordneten Bistümern, vor. Das Territorium reichte von Chur (Schweiz) im Süden bis Verden an der Aller im Norden und Prag im Osten. Auch innerhalb des Reiches erfüllte Willigis entscheidende Aufgaben. Als Reichserzkanzler war er der mächtigste geistliche Reichsfürst, was sich darin zeigte, dass er für den dreijährigen Otto III. nach dem frühen Tod Ottos II. die Regentschaft führte. Zugleich war er Berater der Witwe Ottos II., der aus Byzanz stammenden Kaiserin Theophanu. Der Nachfolger des kinderlosen Otto III., Heinrich II., gelangte mit der Hilfe von Willigis auf den Thron, der ihn kurzerhand in Mainz krönte, ohne dass eine Wahl durch die Reichsfürsten stattgefunden hätte. Die Legitimation wurde trotzdem nicht in Frage gestellt, die Salbung durch den Mainzer Erzbischof erhob ihn zur Königswürde.

Es verwundert nicht, dass Willigis hier in seiner Residenz mit dem Bau eines neuen Domes ein Zeichen setzten wollte, das dem Anspruch des Erzbischofs gerecht wurde. Der Bau sollte nicht an der Stelle des alten Domes, wohl der spätkarolingischen/ottonischen Johanniskirche entstehen, sondern auf einer Fläche östlich zum Rhein hin. Der alte Dom behielt seine Funktion bis zur Weihe des Neubaus, nicht nur aus Gründen der Tradition. Willigis hatte so auch während der Bauzeit eine repräsentative Bischofskirche zur Verfügung. Die Johanniskirche wurde später durch ein Paradies, einen langen Gang, mit dem neuen Dom verbunden. So begann am Ende des 10. Jhs. das große Werk. Es entstand eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika mit einem Querhaus im Westen sowie einem Ostquerhaus mit flankierenden Türmen. Die Dimension des Neubaus war gewaltig. Seine Länge entsprach fast dem heutigen Dom, das westliche Querhaus überragte sogar das heutige, aus staufischer Zeit stammende. Die unteren Geschosse der beiden Rundtürme sowie die Mauerflächen über den beiden östlichen Portalen haben sich noch vom Willigis-Bau erhalten. Die architektonische Gliederung der Türme bestand aus Lisenen, Rundbogenfriesen und horizontalen Gesimsen. Auch vom Westquerhaus stecken noch Reste in der Südwand der Gotthardkapelle.

Im Osten schloss sich ein Atrium an, ein geschlossener Säulen– oder Arkadenhof, mit einer vorgelagerten Eingangskirche, wahrscheinlich einer Marienkirche.


Mainz, Dom, Marktportal mit Bronzetür des Erzbischofs Willigis

Mit seinem Neubau bezog sich Willigis unmittelbar auf den Bau von Alt-Sankt Peter in Rom. Wie in Rom stand und steht heute noch der Hauptaltar im Westchor des Domes, während dem Ostchor untergeordnete liturgische Aufgaben zukommen. Das ausladende Westquerhaus und das Atrium mit der Marienkirche, später Liebfrauenkirche, haben ihr Vorbild ebenfalls in Rom. So manifestierte sich die Vorstellung, Mainz als zweites Rom zu sehen. Zusammen mit der Johanniskirche, dem alten Dom, entstand unter Willigis eine „Kirchenfamilie“ von einmaliger Ausprägung.

Aber noch ein weiteres Ziel verfolgte Willigis mit seinem Neubau. Für den Dom hatte er eine zweiflüglige Bronzetür, das Marktportal, anfertigen lassen. Die Inschrift nennt Willigis, der nach Karl dem Großen als erster ein solches Werk herstellen ließ. Damit wird der Bezug deutlich, denn Kaiser Karl hatte an der Aachener Pfalzkapelle, der Krönungskirche, ein Bronzeportal anbringen lassen. Willigis war bei seinem Amtsantritt vom Papst das Privileg verliehen worden, Vorrang vor allen Bischöfen im nördlichen Reich zu haben, besonders im Hinblick auf Salbung und Krönung des Königs. So war Willigis an Krönungen in Aachen beteiligt. 997 wurde nun durch ein Dekret angeordnet, dass nur der Bischof von Lüttich als Ortsbischof und der Erzbischof von Köln in Aachen die Messe lesen durften, die aber unverzichtbarer Bestandteil des Krönungszeremoniells war. Willigis konnte folglich in Aachen keine Krönung mehr vollziehen und beschloss mit dem Mainzer Dom eine eigene Krönungskirche zu schaffen. Durch die Bronzetüren und ihre Inschrift wird dieser Anspruch offensichtlich. Tatsächlich sind Krönungen überliefert, allerdings noch im alten Dom. Die Pläne gingen nicht in Erfüllung, Aachen behauptete seinen Rang als Krönungskirche.

Tragischerweise brannte der neue Dom am Tag der Weihe, dem Johannistag (24.Juni) 1009 ab. Obwohl sofort mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, erlebte Willigis die Vollendung nicht mehr, er starb 1011. Die Bauarbeiten zogen sich lange hin und konnten erst unter Erzbischof Bardo abgeschlossen werden. In Gegenwart Kaiser Konrads. II. und seines Sohnes und Nachfolgers Heinrich III. wurde der Dom 1036 geweiht.

Willigis initiierte in Mainz noch eine weitere Großbaustelle, den Neubau des Stiftes St. Stephan hoch über der Stadt. Wie der Dom besaß auch die Stephanskirche einen Ost- und einen Westchor. Das Stift war Ausgangspunkt für die Organisation der Pfarreien in Mainz und darüber hinaus. Willigis wurde dort nach seinem Tod bestattet.

Seit der Zeit des Erzbischofs Willigis hat der Dom immer wieder Zerstörungen, Wiederherstellungen und Neugestaltungen erfahren, ohne dass Standort und Grundrissdisposition des ersten Dombaus grundlegend verändert wurden. Der Dom ist bis heute Grabstätte der Mainzer Erzbischöfe bzw. Bischöfe, deren eindrucksvolle Grabdenkmäler seit dem 13. Jh. hier erhalten sind.

www.bistummainz.de

Literatur

Basilika Nova Moguntina – 1000 Jahre Willigis-Dom St. Martin in Mainz, Aufsatzband, Mainz 2010.

Dethard von Winterfeld, Zur Baugeschichte des Mainzer Domes, in: Der verschwundene Dom (Katalog), Mainz 2011, S. 44ff.

* zit. nach: Fritz Arens, Der Dom zu Mainz, Darmstadt 42009, S. 52ff.

DER DOM DER SALIER ZU SPEYER – ­­ HÖHEPUNKT ROMANISCHER ARCHITEKTUR

Denn jene frommen Kaiser schienen es sich zum löblichen Vorsatz gemacht zu haben, … dieses damals fast herabgekommene Speyer auf ihre Kosten zu verjüngen und ihrem Gedächtnisse zu weihen …

(aus der Vita des Benno von Osnabrück, 1020–1088)*

Bis heute dominiert der romanische Kaiserdom in Speyer das Bild der Stadt durch seine Größe und Gestalt. Er ist einbezogen in das Stadtgefüge. Alle wichtigen Straßen der alten Stadt führen auf den Dom zu, vor allem die heutige Maximilianstraße, die direkt auf den Westbau des Domes ausgerichtet ist.

Das Erbe der Ottonen, deren Machtzentrum in Sachsen lag, traten mit Konrad II. die Salier an, die ihre Besitzungen im Worms- und im Speyergau hatten. Nach seiner Wahl in Kamba, einem untergegangenen Ort gegenüber von Oppenheim, wurde Konrad II. 1024 im Mainzer Dom durch Erzbischof Aribo zum König gekrönt. Die Grablege seiner Vorfahren war der Dom zu Worms, doch wollte Konrad II. mit dem Aufstieg seines Geschlechtes auch deutliche Zeichen setzen. Die Planung für einen neuen Dom in Speyer begann. Der Sage nach soll er am selben Tag die Grundsteine für Kloster Limburg an der Haardt anstelle einer salischen Burg und für den Dom in Speyer gelegt haben. Auch aus familiären Gründen wandte er sich von Worms ab (s. Worms, Dom S. 38) und Speyer zu, was dieser kleinen, bis zu diesem Zeitpunkt unbedeutenden Bischofsstadt einen bemerkenswerten Aufschwung bescherte, weit über die Zeit der Salier hinaus.

In einem ersten Bauabschnitt wurde eine dreischiffige Basilika mit mächtigem Westbau, Kuppel und zwei Türmen sowie einem östlichen Querhaus, großem Chor, Vierungskuppel und ebenfalls zwei flankierenden Türmen konzipiert. Das Mittelschiff sollte flach gedeckt werden. Doch bereits 1039 starb Konrad II. Der Bau war bis dahin noch nicht über die Fundamente hinaus gekommen. Trotzdem wurde Konrad wunschgemäß in Speyer bestattet. Seinen Platz in der Gruft erkennt man an den schweren Eisenbändern, mit denen der steinerne Sarkophag gesichert werden musste, da er mitten in der Dombaustelle stand. Seine Frau Gisela starb wenige Jahre später und wurde an seiner Seite beigesetzt. Der Sohn und Nachfolger Heinrich III. unterstützte den Dom mit vielen Zuwendungen, sodass der Bau zügig voran ging. Als Heinrich III. 1056 starb, standen schon die Langhauswände, der Dom war jedoch noch nicht vollendet. Zwar erfolgte 1061 eine Domweihe, möglicherweise aber nur eines Teils der Kirche.

Unter Heinrich IV. wandte man sich nun von der alten Planung ab und wagte in diesem zweiten Bauabschnitt, für dessen Realisierung Teile von Bau I abgerissen werden mussten, die Einwölbung. Gleichzeitig entwickelte man das gebundene System, in dem zwei Gewölbejoche der Seitenschiffe einem Gewölbejoch im Mittelschiff entsprechen. Ein Modell, das Schule machte und vielfach nachgeahmt wurde. Der entscheidende Umbau fand zwischen 1082 und 1106 statt mit der Erweiterung der Krypta über den Chor hinaus unter das gesamte Querhaus und dem Neubau des Querhauses, der Einwölbung des Langhauses mit der außen umlaufenden Zwerggalerie. Bis heute vermitteln die Ostteile des Domes den abgeschlossenen Bauzustand des frühen 12. Jhs., wobei der bildhauerische Schmuck unvollendet blieb, was an beiden Querschiffen zu sehen ist. Mit dem Tod Heinrichs IV. ließ das Interesse am Dombau in Speyer und dadurch auch die finanzielle Förderung nach; ein Vorgang, der in Mainz gleichermaßen zu beobachten ist.


Speyer, Dom, Krypta

Schon die Dimension des am östlichen Rand der Stadt auf einem Hochufer gelegenen Domes ist gewaltig. Der Bau misst in seiner gesamten Länge 134 m, was für seine Entstehungszeit bedeutet, dass die Ost-Westerstreckung der gesamten Stadt gerade einmal dem Vierfachen des Domes entsprach. Die Häuser der Stadt waren im 11. Jh., von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht höher als zwei Geschosse, sodass die mächtige Baumasse des Domes noch imposanter wirkte als heute. Speyer entwickelte sich bereits in der Salier-Zeit zu einer recht bedeutenden Stadt, die auch Schauplatz wichtiger Ereignisse war. Von hier brach Kaiser Heinrich IV. 1076 zum Gang nach Canossa auf, um den Papst zu bitten, den Kirchenbann zu lösen. Im Speyerer Dom rief an Weihnachten 1146 Bernhard von Clairvaux Kaiser Konrad III. zum Kreuzzug auf.

Alle salischen Kaiser bzw. Könige wurden in der Kaisergruft bestattet; von Kaiser Konrad II. und seiner Gemahlin Gisela, deren Sohn Heinrich III., Heinrich IV. und seiner ersten Gemahlin Bertha bis zum letzten Salier Heinrich V., der 1125 gestorben ist.

Lange Zeit wurde wenig am Dom verändert. Nach dem Ende der Salier-Herrschaft stand Speyer nicht mehr im Mittelpunkt des reichspolitischen Interesses, auch wenn in den folgenden Jahrhunderten die fürstliche Grablege in Speyer immer wieder genutzt wurde, so für König Philipp von Schwaben (gest. 1208) und Beatrix, die Gattin Friedrichs I. Barbarossa. 1291 fand Rudolf von Habsburg hier seine letzte Ruhestätte. Neben ihm liegt sein 1308 ermordeter Sohn Albrecht von Österreich und der in der Schlacht von Göllheim 1298 gefallene Adolf von Nassau.

1689 erlitt der Dom zusammen mit der Stadt schwere Schäden durch die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. im pfälzischen Erbfolgekrieg. Am Dom blieben die Ostteile erhalten, die westlichen Partien des Langhauses stürzten ein. Der Westbau wurde niedergelegt, da er baufällig war. Beim Wiederaufbau im 18. Jh. wurde der Innenraum in den überlieferten romanischen Formen wieder hergestellt. Man fühlte sich der Tradition des ehrwürdigen Baus verpflichtet. Im 19. Jh. veranlasste der bayerische König Ludwig I. als Landesherr (s. Ludwigshöhe S. 191) die Wiederherstellung des Westbaus. Trotz aller Orientierung am mittelalterlichen Vorbild ist er in Gestaltung und Detail ein Werk der Neoromanik.

Mit dem Dom in Speyer schufen die drei salischen Kaiser nicht nur eine neue Bischofskirche, sondern auch einen repräsentativen Rahmen für die neue Grablege der Salier, ein deutliches Zeichen für das Selbstbewusstsein des an die Macht gelangten Geschlechts. Gleichzeitig gelang mit dem Dom, der heute das größte erhaltene romanische Bauwerk überhaupt darstellt, ein Sakralbau, der für die Entwicklung der Architektur im 11./12. Jh. bahnbrechend, innovativ und vorbildhaft zugleich war.

www.dom-speyer.de

Literatur

Hans Erich Kubach, Der Dom zu Speyer, Darmstadt 1974.

Matthias Müller u. a. (Hrsg.), Der Dom zu Speyer. Konstruktion, Funktion und Rezeption zwischen Salierzeit und Historismus, Darmstadt 2013.

* zit. nach: Hans Erich Kubach und Walter Haas, Der Dom zu Speyer (Kunstdenkmäler), München 1972, S. 17f.

BISCHOF BURCHARD ALS BAUHERR – EINE GLANZVOLLE EPOCHE FÜR WORMS

Er legte die Kirche des hl. Petrus an seinem Bischofssitze nieder, weil sie außerordentlich klein war und legte den Grundstein zu einer Kirche von wunderbarer Größe. Ihren Bau führte er in wenigen Jahren mit großer Schnelligkeit fast bis zur Vollendung, so dass es schien, als sei sie nicht erbaut worden, sondern wie auf Wunsch plötzlich dort entstanden.

(Lebensgeschichte Bischof Burchards, 11. Kap, 11. Jh.)*

Schon von Weitem sichtbar ist der vieltürmige Bau des romanischen Domes in Worms. Auf einer Anhöhe gebaut, bildet die doppelchörige Anlage mit dem zur Stadt gerade geschlossenen Ostchor eine beeindruckende, das Stadtbild dominierende Baugruppe.

Gründer und Bauherr des ersten großen Domes war Bischof Burchard von Worms. Er entstammte einem hessischen Adelsgeschlecht und wurde um 965 geboren. Seine Bildung erfuhr er in Koblenz, wurde aber bald von Erzbischof Willigis nach Mainz berufen und konnte dort in der erzbischöflichen Verwaltung umfassende Einblicke in die Organisation des ausgedehnten Bistums erhalten.

Nachdem drei designierte Bischöfe innerhalb kurzer Zeit verstorben waren, wurde Burchard, wohl mit Unterstützung von Erzbischof Willigis, im Jahre 1000 zum Bischof von Worms geweiht. Er fand die Stadt in schlimmem, fast verödetem Zustand vor. In seiner Vita wird beschrieben, dass die Mauern Räubern und Raubtieren leichten Zugang boten, die Stadt keine Wohnstätte, sondern ein Schlupfwinkel für wilde Tiere sei. Diese Schilderung, entstanden nach dem Tod Burchards, mag die Verhältnisse besonders drastisch darstellen, um die Leistung des Bischofs eigens zu betonen. Im Großen und Ganzen dürften die Zustände wohl so oder ähnlich gewesen sein. Sofort nach seinem Amtsantritt begann Burchard mit der Sicherung und Wiederbelebung der Stadt. Auch der Neubau des Domes ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Burchard plante, wie sein großer Förderer Willigis in Mainz, einen Bau „von wunderbarer Größe“, wie in der Vita zu lesen ist.

Seit merowingischer Zeit stand an dieser Stelle eine deutlich kleinere Bischofskirche, an der in karolingischer Zeit Baumaßnahmen vorgenommen wurden. Glanzvolle Ereignisse, wie die Hochzeit Karls des Großen mit seiner dritten Frau Fastrada fanden hier statt. Dem in Worms ansässigen Geschlecht der Salier diente der Dom als Familiengrablege. Die salische Herzogsfamilie führte eine als „ungerecht“ empfundene Herrschaft in Worms. Bischof Burchard gelang es, die Salier zum Rückzug zu bewegen und ihre Burg im Tausch gegen andere Besitzungen aufzugeben. Die Burg wurde bis auf die Grundmauern abgerissen und an ihrer Stelle das Stift St. Paul gegründet. Die Salier-Grabstätte jedoch wurde unverändert in den Neubau des Burchard-Domes übernommen. Hier bestattet war Konrad der Rote, Schwiegersohn Kaiser Ottos des Großen, der 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn gefallen war. Seine Beisetzung fand unter großen Ehren im Dom statt. Weitere Angehörige des Geschlechtes fanden dort ihre letzte Ruhestätte. Erst mit der Wahl Konrads II. zum deutschen König wurde die Grablege der Salier in den Speyerer Dom verlegt.

Die Dimension des Burchard-Baus entsprach der des heutigen Domes, auch die Bauform stimmte in wesentlichen Teilen überein. Der Dom war als dreischiffige Basilika mit einem Querhaus und zwei Choranlagen geplant, die jeweils von zwei Rundtürmen flankiert wurden. In diesen Bereichen ist der Burchard-Dom noch im aufgehenden Mauerwerk zu erkennen. Die Ausstattung war höchst aufwendig und wurde allgemein bewundert. Ein Fußboden mit geometrischen Mustern aus hellem Marmor und Schieferplatten sowie vergoldete Kapitelle, von denen berichtet wird, ließen den Dom zu einer würdigen Bischofskirche werden. Auch die häufigen Aufenthalte deutscher Könige brachten besonderen Glanz nach Worms. Während eines Besuchs von König Heinrich II. wurde auf dessen Bitte hin der Dom festlich geweiht. König und Bischof führten die feierliche Prozession an, viele Menschen nahmen an diesem außerordentlichen Ereignis teil. Doch schon kurz nach der Weihe stürzte der Westbau wegen des schlechten Baugrundes ein, konnte aber noch zu Lebzeiten des Bauherrn wiederhergestellt werden. Neben dem Dom widmete sich Burchard der Gründung der Wormser Kollegiatsstifte St. Paul, St. Andreas und St. Martin. Kollegiatsstifte waren von großer Bedeutung für das Bistum. Hier wurden Kleriker ausgebildet, die sowohl für weltliche Aufgaben, wie die Verwaltung der Güter, und geistliche Aufgaben, wie die Seelsorge, geschult wurden. Für den Bischof waren die aus adligen Familien stammenden Geistlichen loyale Helfer bei der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben innerhalb des Bistums.


Worms, Dom, Blick auf die Ostteile (Aufnahme 1927)

In der Bergkirche St. Peter in Hochheim, außerhalb von Worms gelegen, fand Burchard einen Rückzugs- und Ruheort, den er aber auch zum Schreiben nutzte. Hier entstand wohl das „Dekret“, eine Sammlung kirchenrechtlicher Vorschriften. Als Burchard 1025 starb, hatte er den Grundstock zu einer Blütezeit der Stadt gelegt. Wie in der Lebensgeschichte beschrieben wird, wurde er durch alle Kirchen zum Dom getragen und dort an zentraler Stelle im Westchor vor dem Laurentius-Altar beigesetzt.

Der Dom fand seinen Niederschlag auch in der Sage. So wird im Nibelungenlied die Domtreppe zum Schauplatz des Streites der Königinnen Kriemhild und Brunhild.

Der Dom Bischof Burchards war in der folgenden Zeit Ort vieler Hof- und Reichstage, König Heinrich IV. hielt sich häufig hier auf, feierte im Dom hohe Kirchenfeste. Seit dem frühen 12. Jh. begann eine grundlegende Erneuerung des Domes, bei der der Grundriss beibehalten wurde. Ausgehend vom Ostchor entstand der hochromanische Dom in mehreren Bauabschnitten. Die strenge, fassadenartige Ansicht zur Stadt hin betont die Monumentalität des Ostchores, es folgt das schlichtere Querhaus. Das Nordportal im Langhaus diente dem Bischof zum Einzug von der Bischofspfalz her. Zuletzt entstand der Westchor mit der fünfseitigen Chorapsis und dem achteckigen Chorturm, eine der schönsten Schöpfungen spätromanischer Architektur. Jetzt erhielt der Dom seinen charakteristischen, reichen Skulpturenschmuck an den Solbänken der Fenster und den Säulenbasen der Zwerggalerie. Am Ende des 12. Jhs. war der Neubau vollendet. Der Dom besaß nun seine, von wenigen Ergänzungen wie dem Südportal in gotischer Zeit abgesehen, bis heute gültige Form.

www.wormser-dom.de

Literatur

Bischof Burchard 1000–1025 – Tausend Jahre Romanik in Worms, hrsg. v. Gerold Bönnen, Worms 2000.

Irene Spille, Worms, Dom St. Peter, Regensburg 42007.

* zit. nach: Bischof Burchard 1000–1025 – Tausend Jahre Romanik in Worms, Worms 2000, S. 16.

DISIBODENBERG – WIRKUNGSSTÄTTE DES HL. DISIBOD UND KLOSTERBERG DER HL. HILDEGARD

Im Alter von acht Jahren ließ sie (Hildegard) sich auf dem Berg des hl. Disibod einschließen, um mit Christus begraben zu werden … Bei ihr war die fromme gottgeweihte Frau Jutta. Diese erzog sie sorgfältig im Gewande der Demut und Unschuld …

(Vita der hl. Hildegard, 12. Jh.)*

Am Zusammenfluss von Nahe und Glan liegen versteckt im Wald auf einer Bergkuppe die Ruinen des ehemaligen Klosters Disibodenberg.

Auf diesem Berg in der fruchtbaren Nahelandschaft hatte der iro-schottische Wandermönch Disibod mit einigen Gefährten im 7. Jh. eine Einsiedelei und ein kleines Kloster gegründet. Nach seinem Tod wurde das Grab des als Heiligen verehrten Disibod viel besucht und blieb unzerstört, als im Laufe der Zeit das kleine Kloster zur Ruine wurde. Erst der Mainzer Erzbischof Willigis, betrübt über den wüsten Zustand des Disibod-Klosters, besetzte den Berg erneut mit zwölf Kanonikern, deren Unterhalt er durch umfangreichen Landbesitz sicherte. Um 1108 wurde das Kanonikerstift in ein Benediktinerkloster umgewandelt, angeschlossen wurde eine Frauenklause, die der Aufsicht des Männerkonvents unterstand.

1106 wurde die damals achtjährige Hildegard, Tochter des Adligen Hildebert von Bermersheim, in die Obhut der Jutta von Sponheim gegeben. Mit ihr und einer weiteren Gefährtin zog sie kurz danach in die Frauenklause auf dem Disibodenberg. In dieser Zeit begann der große Umbau der Klosteranlage. Die mächtige Abteikirche, eine dreischiffige Pfeilerbaslika mit Querhaus, Hauptapsis und einem achteckigen Vierungsturm, wurde errichtet. An diesen schloss sich der Kreuzgang an. Die Frauenklause lag abseits des eigentlichen Klosters, war aber mit der Frauenempore der Abteikirche verbunden. Hildegard konnte, wie sie es später beschrieb, den Baufortgang von ihrer Klause aus beobachten. Friedhofskapelle, Kapitelsaal, Marienkapelle, Refektorium und Küchentrakt gehörten zu der weitläufigen Klosteranlage. Mit der Schlussweihe der Klosterkirche 1143 und der Verbringung der Gebeine des hl. Disibod in ein Grab hinter dem Hauptaltar war die Gesamtanlage vollendet.

Während dieser langen Bauzeit lebte Hildegard in der sich ständig vergrößernden Frauenklause, die inzwischen auf 20 Frauen angewachsen war. Jutta von Sponheim, die „magistra“, die Meisterin, verstarb 1136. Hildegard wurde zu ihrer Nachfolgerin gewählt, ihr zur Seite stand der Mönch Volmar. Seit ihren Jugendjahren hatte Hildegard Visionen, doch erst als sie 42 Jahre alt war, wurde ihr durch eine Erleuchtung aufgetragen: „Schreibe, was du siehst und hörst!“ So beschreibt sie die von Gott gestellte Aufgabe, die sie, wenn auch zögernd, annahm. Zusammen mit dem Mönch Volmar begann sie mit der Niederschrift. Auf dem Disibodenberg entstand das erste Buch mit dem Titel „Scivias“ (Wisse die Wege). Auf der Trierer Sy­node von 1147/48, an der Geistliche aus der ganzen europäischen Welt teilnahmen, wurden Hildegards Visionen erstmals öffentlich gemacht. Von Zweifeln geplagt, fürchtete sie das Urteil der Geistlichkeit. Papst Eugen III. jedoch war fasziniert und sicherte ihr Unterstützung zu. Ihre visionäre Begabung wurde somit von höchster Stelle sanktioniert, sie wurde zur Fortsetzung ihres Werkes ermutigt. Das Buch Scivias, dem noch viele folgen sollten, begründete ihren Ruf als Mystikerin. Viele junge, adlige Frauen ersuchten um Aufnahme in die Frauenklause des Disibodenbergs, denn Hildegards Ruhm verbreitete sich. Dies sicherte dem Kloster Einnahmen, da die Frauen ihre Mitgift einbrachten. Das Männerkloster verwaltete den Besitz der Frauenklause.


Disibodenberg, südliche Querhausapsis der ehem. Klosterkirche

Zur Zeit der Trierer Synode fasste Hildegard den Entschluss, den Disibodenberg zu verlassen. Ihre Gründe hat sie nie dargelegt. Sie plante mit ihren Schwestern ein eigenes, unabhängiges Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Der Abt von Disibodenberg wollte die berühmte Nonne, die dem Kloster weite Beachtung und beträchtliche Einnahmen brachte, nicht ziehen lassen. Erst nach Intervention des Mainzer Erzbischofs durfte Hildegard schließlich mit 20 adligen Schwestern nach fast 40 Jahren das Kloster auf dem Disibodenberg verlassen. Volmar, ihr treuer Sekretär, begleitete sie. Der Neuanfang auf dem Rupertsberg war schwer; nach mehr als zehn Jahren erhielt das neue Kloster seine völlige Unabhängigkeit und die Besitzungen aus der Mitgift der Nonnen. Hildegard lebte bis zu ihrem Tod 1179 auf dem Rupertsberg, hoch angesehen und als Ratgeberin weit geschätzt. Dort vollendete sie ihr umfassendes Werk. Ihre Schriften zur Heilkunde, zur Naturkunde, zur Musik, aber auch zu theologischen Problemen finden bis heute Beachtung. Daneben führte sie eine rege Korrespondenz mit bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit.

Nach dem Auszug Hildegards wurde es ruhig um den Disibodenberg. Das im 13. Jh. nur noch von wenigen Mönchen besetzte Kloster wurde dem Zisterzienserkloster Otterberg übergeben. Eine neue wirtschaftliche und geistige Blüte begann, was sich in mehreren Neu- und Umbauten, unter anderem auch dem der Abteikirche, niederschlug. Zahlreiche Grabsteine spiegeln die Anziehungskraft des Klosters in dieser Zeit wider. Es war begehrte Begräbnisstätte für zahlreiche Stifter.

Doch auch hier kam der Niedergang. Im 16. Jh. wurde das Kloster nach langen Querelen aufgelöst, die Bauten befanden sich in schlechtem Zustand. Der letzte Abt heiratete 1560 und wurde evangelischer Pfarrer.

Seit dieser Zeit wurden die Ländereien des Klosters verpachtet, ein Teil der Klostergebäude eine Zeit lang von den Pächtern bewohnt. Bis in das 18. Jh. standen noch eindrucksvolle Überreste der Klosteranlage, wie historische Darstellungen zeigen. Im späten 18. Jh. begann der Abbruch, die Bewohner der Gegend benutzten die Bauten als Steinbruch, die Zerstörung des Klosters konnte trotz aller Verbote nicht verhindert werden.

Im 19. Jh. wandelte man das Terrain um in eine gärtnerisch gestaltete Ruinenlandschaft ganz im Sinne der Romantik, beliebtes Ausflugsziel für die Kurgäste der nahe gelegenen Bäder Kreuznach und Bad Münster am Stein. Heute liegen die Fundamentmauern wie ein riesiger Grundriss inmitten eines Waldgebietes. Noch immer beeindruckend sind die Ruinen der Klosterkirche und des Kreuzgangs, der Marienkapelle sowie des Abteigebäudes und des Hospizes.

Auch wenn der Standort der Frauenklause nicht sicher nachgewiesen werden kann, so ist der gesamte Disibodenberg der Ort, an dem eine der außergewöhnlichsten Frauengestalten des 12. Jhs. ihre prägende Zeit erlebte.

www.disibodenberg.de

Literatur

Hildegard von Bingen 1098–1179, Ausst. Kat., Mainz 1998.

Falko Daim/Antje Kluge-Pinske (Hrsg.), Als Hildegard noch nicht in Bingen war, Regensburg/Mainz 2009.

* Das Leben der hl. Hildegard, berichtet von den Mönchen Gottfried und Theoderich, Salzburg 1980.

KLOSTER SCHÖNAU – WIRKUNGSSTÄTTE DER VISIONÄRIN ELISABETH

O Tochter, möge Gott dich zu einem Spiegel des Lebens machen … Diejenigen, die Gottes Werke zu vollbringen wünschen, sollen immer darauf achten, dass sie irdene zerbrechliche Gefäße sind, weil es nur Menschen sind.

(aus einem Brief der Hildegard von Bingen an Elisabeth von Schönau, 1152)*

Einsam in idyllischer Landschaft im Taunus liegt das ehemalige Kloster Schönau. Durch ihre Abgeschiedenheit bietet die aus nur wenigen Bauten bestehende Klosteranlage mit der Klosterkirche, dem Kreuzgang und den Klostergebäuden einen Eindruck der Ruhe und der Besinnung, wie es schon die bedeutendste Nonne Elisabeth in der Gründungszeit im 12. Jh. erlebt haben dürfte, auch wenn die Klosterbauten heute aus gotischer bzw. barocker Zeit stammen.

Wie viele Klostergründungen dieser Zeit stiftete ein Adliger, Graf Rupprecht von Laurenburg, 1132 die Abtei, um sein Seelenheil durch das ständige Gebet der Mönche zu sichern. Die Klosterkirche wurde als dreischiffige Basilika mit einer Doppelturmfassade errichtet, wie eine frühe Darstellung zeigt. Teile des Mauerwerks sind im gotischen Chor der heutigen Kirche noch erhalten, Reste der Bauplastik wie Kapitelle und Basen von Säulen lassen etwas vom einstigen architektonischen Reichtum erahnen. Mönche aus dem Benediktinerkloster St. Jakob in Mainz besiedelten Schönau, das innerhalb weniger Jahre beträchtlich anwuchs. In unmittelbarer Nähe wurde bald darauf ein Nonnenkloster gegründet, das dem Männerkonvent unterstellt war und von einer „magistra“, einer Meisterin, geleitet wurde.

Ihre Eltern gaben die zwölfjährige Adlige Elisabeth im Jahr 1142 in das Nonnenkloster. Sie lebte nach ihrer Einkleidung in Demut, Frömmigkeit und Askese in dem kleinen Frauenkonvent. Eine körperliche und seelische Krise löste 1152 die erste visionäre Verzückung bei Elisabeth aus, der in den nächsten Jahren weitere folgen sollten. Auf Elisabeths dringenden Wunsch hin trat 1155 ihr Bruder Egbert in den Männerkonvent ein. Von da an überließ sich Elisabeth ganz seiner Führung. Egbert schrieb ihre Visionen nieder, denn Elisabeth war trotz einer gewissen Bildung dazu nicht in der Lage, war sie doch des Lateinischen nur unvollkommen mächtig. So entstand das „Buch der Gotteswege“ (Liber viarum dei), das in direkter Nachfolge von Hildegard von Bingens Werk „Wisse die Wege“ (Scivias) steht. Mit dieser großen Äbtissin (s. Disibodenberg S. 42) stand Elisabeth in Briefkontakt, von ihr erfuhr sie Trost und Zuspruch, aber auch Mahnung zur Demut und Fürsorge. So schrieb ihr Hildegard, dass der Körper durch unkluge Kasteiung und Enthaltsamkeit untauglich für das geistliche Leben werde.


Kloster Schönau bei Strüth (Aufnahme 1952)

1157 starb die erste magistra des Nonnenkonvents und Elisabeth wurde zu ihrer Nachfolgerin gewählt. Es folgten weitere Werke, die unter dem Einfluss Egberts entstanden sind. Elisabeths Visionen bezogen sich häufig auf sehr konkrete Er­eignisse. So glaubte man in Köln bei einem Fund von Gräberfeldern die 11.000 Jungfrauen der hl. Ursula gefunden zu haben. Elisabeth erschaute in ihren Visionen die Geschichte der hl. Jungfrauen, das daraus entstandene Werk wurde Elisabeths am meisten verbreitete Schrift. Reliquien zweier dieser Jungfrauen wurden von Köln nach Schönau übersandt. Dort widmete man ihnen einen Altar. Auch die von ihr in Visionen gesehene „Auferstehung Mariens“ gehörte zu den bekannteren Werken.

Der ekstatische Charakter ihrer Visionen überanstrengte ihren von Askese und Krankheiten geschwächten Körper. Elisabeth starb im Alter von nur 36 Jahren und wurde neben dem Altar der Klosterkirche beigesetzt. Ihre Werke waren im Mittelalter weit verbreitet. Handschriften und später auch gedruckte Versionen fanden in ganz Europa großen Zuspruch. Ihre von den religiösen Vorstellungen ihrer Zeit bestimmten Visionen waren leichter verständlich und erfreuten sich deshalb größerer Beliebtheit als die Werke der großen Visionärin Hildegard von Bingen, deren mystische, symbolische Bilder erst in späterer Zeit eine angemessene Würdigung fanden und bis heute gelesen werden, während Elisabeths Visionen fast vergessen sind.

Nach dem Tod des ersten Abtes von Schönau, Hildelin, folgte Egbert. Unter ihm und seinen Nachfolgern erfuhr das Werk Elisabeths besondere Achtung und Verehrung. Schönau wurde ein einflussreiches Kloster mit ausgedehnten Besitztümern. Dies spiegelt sich auch in den Bauten wider. Im Kreuzgang zeugt der große zwölfeckige Klosterbrunnen mit Ecksäulchen aus dem 13. Jh. davon.

In spätgotischer Zeit wurde der Chor der Klosterkirche neu gebaut, das romanische Langhaus behielt man bei. Dies machte eine Umbettung der Gebeine der hl. Elisabeth notwendig. Sie wurden in einer eigenen Kapelle an der Nordseite der Kirche in einem Sarkophag bestattet. Durch die Erhebung der Gebeine kamen Reliquien in verschiedene Orte, unter anderem auch nach Mainz. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten Truppen das Kloster und zerstörten das Grab. Von Elisabeth blieb nur eine Schädelreliquie erhalten, die heute noch verehrt wird.

Kirche und Klostergebäude erhielten nach einem verheerenden Brand im 18. Jh. ihre heutige Gestalt. Hochaltar, Seitenaltäre und Chorgestühl sind vorzügliche Arbeiten vermutlich aus Mainzer Werkstätten. Eine Statue und ein Gemälde der hl. Elisabeth zeugen von der Hochachtung und Bewunderung, die ihr durch die Jahrhunderte zuteil wurde.

Das Nonnenkloster wurde schon im frühen 17. Jh. aufgelöst, das Männerkloster 1803. Heute ist Schönau als sog. Patronatsbau in der Obhut des Landes Rheinland-Pfalz, die Kirche dient als Pfarrkirche. An das Leben und das Werk der großen Visionärin Elisabeth in der Nachfolge der Hildegard von Bingen wird hier heute noch erinnert.

www.strueth.de

Literatur

M. Backes, Bau- und Kunstgeschichte von Kloster und Kirche Schönau, in: Festschrift anlässlich des 800 jährigen Todestages der hl. Elisabeth von Schönau, Schönau 1965, S. 101ff.

M. Backes, Kloster Schönau im Taunus, Köln 1976.

* zit. nach: Josef Loos, Hildegard von Bingen und Elisabeth von Schönau, in: Festschrift Hildegard von Bingen 1179–1979, Mainz 1979, S. 269.

BURG TRIFELS – HORT DER REICHSINSIGNIEN UND GEFÄNGNIS FÜR RICHARD LÖWENHERZ

Als wir auf dem ersten berge waren, denn es sind drei solcher felsenköpfe, die nahe beisamen liegen, da fanden wir bald den eingang, denn die türe und die stiege waren noch unversehrt, ja so wol erhalten, als wenn die steinmezen und werkmeister erst gestern weggegangen wären … Rechts gieng eine türe in die kapelle und ich trat mit einer solchen rührung hinein, dass mir schon da die hellen tränen aus den augen fielen; denn ich dachte an alle die männer, die vor mir darin gestanden hatten.

(Joseph Freiherr von Laßberg, 1829)*


Burg Trifels, Kapellenerker am Bergfried

Der Name „Trifels“, also „drei Felsen“, bezieht sich auf die landschaftliche Situation und die drei rund 500 m hohen, durch Burgruinen bekrönten Bergkegel aus Sandstein. Diese bilden ein eindrucksvolles Panorama südöstlich von Annweiler. Zur Hauptburg, dem Trifels, treten Anebos und Münz (Scharfenberg). Der grandiosen Situation entspricht die historische Bedeutung des Trifels. Auch wenn die früheste urkundliche Erwähnung erst 1081 zu verzeichnen ist, geht die Anlage doch wahrscheinlich auf den Salierkaiser Konrad II. zurück, der um 1025/30 auch den Speyerer Dom als Grablege und Kloster Limburg an der Haardt begründete. Von der salischen Burg sind nur wenige Reste erhalten.

Die sichere Lage des Trifels führte dazu, dass 1125 die Reichsinsignien durch den Salierkaiser Heinrich V. kurz vor seinem Tod hier an den Stauferherzog Friedrich von Schwaben übergeben wurden. Sie sollten „auf der besonders festen Burg“ bleiben bis zur Wahl eines neuen Königs. Mit Unterbrechungen wurden die Kleinodien auf dem Trifels bewahrt bis 1298. Seit dem frühen Mittelalter waren die Reichs­insignien fester Bestandteil der Krönungszeremonie, sie dienten der Legitimation des Herrschers. Auch bei Hoftagen oder hohen Feiertagen wurden die Insignien getragen. Wichtigstes und traditionsreichstes Herrschaftszeichen war die Reichskrone, aus Gold, Emailplatten und Edelsteinen gefertigt, deren früheste Teile im 10. Jh. entstanden sind. Auch das mit Perlen und Edelsteinen besetzte Reichskreuz, das zugleich Reliquienbehälter u. a. für Partikel vom Kreuz Christi ist, gehört zusammen mit der heiligen Lanze zu den wesentlichen, unerlässlichen Insignien. Lanze und Kreuz wurden bei Krö­nungs­zere­monien vorangetragen. Im Laufe der Zeit kamen weitere Stücke wie der Reichsapfel, das Reichsschwert und das Zepter hinzu. Auch kostbare Gewänder gehörten zum Ensemble, wie der Krönungsmantel oder bestickte Pracht­­handschuhe.

Als Reichsburg wurde der Trifels seit dem späten 12. Jh. für die verschiedenen Aufgaben repräsentativ ausgebaut. Zunächst errichtete man den ursprünglich freistehenden Kapellenturm, den Kaiser Friedrich I. Barbarossa und sein Sohn Heinrich IV. noch aufstockten. Aus staufischer Zeit stammen die unteren drei von insgesamt vier Geschossen. Bemerkenswert ist die sorgfältige Ausführung des Mauerwerks mit Buckelquadern, ein verhältnis­mä­ßig hoher Aufwand. An der Ostseite springt im zweiten Geschoss ein halbrunder Erker vor, der die Chorapsis der Kapelle umschließt. Er wird getragen von drei figürlich gestalteten Konsolen. Ein Kegeldach schließt nach oben ab. Innen zeigt die Kapelle Stilformen, die an den Wormser Dom erinnern. Der Kapellenraum besitzt ein Kreuzrippengewölbe mit einem offenen, ringförmigen Schlussstein. An den Kapellenturm wurde in der Stauferzeit der etwas niedrigere Palas angebaut. Damals entstand auch ein Brunnenturm am Rand der Anlage, die durch verschiedene Zwingermauern ergänzt wurde. Die Grundfläche des Felsplateaus entspricht einem langgezogenen Dreieck. Dies führte dazu, dass die einzelnen Bauten der Burg, vor allem Bergfried oder Kapellenturm und der Palas, dicht zusammengerückt und im Inneren miteinander verbunden sind.

Sicherheitsaspekte waren es auch, weshalb der Trifels zeitweise als Staatsgefängnis diente. Bereits im frühen 12. Jh. war hier der Mainzer Erzbischof Adalbert von Saarbrücken inhaftiert, der Kanzler Kaiser Heinrichs V. Er wurde zum Gegner des Kaisers, da er sich auf die Seite des Papstes geschlagen hatte. Zu den berühmten Gefangenen zählte der englische König Richard Löwenherz, der hier 1193 in Gewahrsam war, bis er gegen ein hohes Lösegeld wieder freigelassen wurde. Hieran erinnert eine Sage, wonach der Sänger Blondel den unbekannten Aufenthaltsort des englischen Königs ausfindig machte, indem er ein Lied sang und der prominente Häftling dann einfiel.

Weitere hochstehende Gefangene auf dem Trifels waren Wiprecht von Groitzsch, der im Streit des späteren Königs Heinrich V. mit seinem Vater auf der falschen Seite stand. 1206/1208 befand sich der Kölner Erzbischof Bruno auf dem Trifels in Haft. Im Streit zwischen Philipp von Schwaben mit seinem Gegenkönig Otto V. hatte er Partei für den Gegenkönig ergriffen. Schließlich soll auch Heinrich VII., der Sohn Friedrichs II., hier gefangen gewesen sein, da er sich gegen seinen Vater aufgelehnt hatte.

Von hier brach Kaiser Heinrich VI. zu seinem siegreichen Feldzug gegen die Normannen in Süditalien auf. Der erbeutete Schatz wurde ebenfalls auf dem Trifels sicher geborgen. Die unterhalb liegende Siedlung Annweiler gehörte zum Reichsgut und wurde 1219 zur Stadt erhoben. Dabei wurde ihr als einer der ersten mittelalterlichen Städte das Münzrecht verliehen.

Seit dem 14. Jh. verlor der Trifels seine reichspolitische und strategische Bedeutung. Die Reichsinsignien wurden an wechselnden Orten verwahrt. Heute befinden sie sich in der Schatzkammer der Wiener Hofburg. Auf dem Trifels werden Kopien der wesentlichen Stücke gezeigt.

Nach Zerstörung durch Brand 1602 wurde die Ruine als Steinbruch ausgebeutet. Restaurierungen erfolgten schon 1843 durch den bayerischen Staat mit Unterstützung des 1866 gegründeten Trifelsvereins. 1937 begannen Ausbau und Planung des Trifels zu einer nationalen Weihestätte. Die Nationalsozialisten hatten die Absicht, am historischen Ort an die Reichsgeschichte anzuknüpfen und ihren Machtanspruch auf diese Weise zu legitimieren. Der Ausbau des Trifels geriet während des Zweiten Weltkriegs ins Stocken und wurde danach auf der Grundlage der Planung der 1930er Jahre vollendet.

Trotz aller Umbauten und Rekonstruktionen im 20. Jh., die das Erscheinungsbild teilweise verfälschen, beeindruckt der Trifels noch heute durch seine einmalige Lage und vermittelt das Bild eines sicheren Hortes.

www.annweiler.de

Literatur

Bernhard Meyer, Burg Trifels, Führungsheft 15, Regensburg 2004.

Jan Keupp u. a., „Die Keyserlichen Zeychen …“ – Die Reichskleinodien – Herrschaftszeichen des Heiligen römischen Reiches, Regensburg 2009.

* Die Beschreibung der Trifelskapelle durch Joseph Freiherr von Laßberg 1786, 1829, in: Burgen und Schlösser 2/2005, S. 107ff.

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22 aralık 2023
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9783943904499
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