Kitabı oku: «ShadowPlay - Entblößt», sayfa 2

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Visitenkarten

In rasender Geschwindigkeit ging es abwärts und Elena wusste weder, was sie sagen noch wohin sie sehen sollte. Offensichtlich hatte sie ihren Meister gefunden. Und der, schien es auch zu wissen, denn er ließ sie am ausgestreckten Arm verhungern. Was für ein Spiel spielte David mit ihr? Langsam verlagerte sich das Kribbeln, das sie seit seiner leidenschaftlichen Attacke mit sich herumtrug, weiter nach oben. Und es wandelte sich – aus Lust wurde Wut. Wut, dass er nicht endlich zupackte und dort weitermachte, wo er aufgehört hatte. Doch Fehlanzeige, bis auf ihre Hand, die er ergriff, um sie aus dem Fahrstuhl in Richtung des wartenden Taxis zu dirigieren, gab es keinen Körperkontakt.

Schmollend wie ein kleines Kind und innerlich kochend, ließ Elena sich von dem Hünen abführen – immer in der Versuchung, ihm in sein wohlgeformtes Hinterteil zu treten. Galant ließ er ihr den Vortritt, um im Fahrzeug Platz zu nehmen, und für einen Augenblick war sie sich nicht sicher, ob er überhaupt einsteigen würde. Es hätte sie nicht gewundert, wenn er dem Taxifahrer das Ziel genannt, Geld in Hand gedrückt und sich verabschiedet hätte. Doch als sie saß, rückte er dicht neben sie und legte versöhnlich einen Arm um ihre Schultern.

Am liebsten hätte sie sich an seinen verführerisch warmen Körper geschmiegt, doch so einfach wollte sie es diesem arroganten Macho nicht machen! Trotzig hob sie ihr Kinn und die Nase in den Wind, um ihrerseits Unabhängigkeit zu demonstrieren. Für exakt zwei Sekunden. Dann lag sie plötzlich über seinen Knien. Der Schall war schneller als der Schmerz. Bevor sie überhaupt bemerkte, dass er ihr mit der flachen Hand auf den Po geschlagen hatte, hörte sie das Klatschen und dann lag sie auch schon in seinen Armen. Sein leidenschaftlicher Kuss verhinderte jede Form von Protest.

Wenn sein Verhalten sie auch zutiefst irritierte und sie keine Idee hatte, wie sie sich David gegenüber verhalten sollte, war sie fasziniert von seiner bestimmenden Art. Er diskutierte nicht, er fragte nicht, er packte zu. Was müsste es für ein Gefühl sein, wenn der Mann sich wirklich alles nahm, was er wollte? … unbeugsam, unbarmherzig, ungebremst.

Elena war nahe dran, einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen, als David mit ihr zusammen ausstieg und das Taxi von dannen ziehen ließ: Die Erlösung nahte!

Zielstrebig marschierte sie auf die Treppe zu und wurde jäh gestoppt. Gekonnt lenkte ihr Begleiter ihren Vorwärtsdrang im Halbkreis in seine Richtung um und fing sie in einer Umarmung auf. Mit der freien Hand strich er über ihre Wange und knetete ihr Ohrläppchen gefühlvoll zwischen den Fingerspitzen.

»Du willst also von mir gevögelt werden …?«, durchbrach er die romantische Stimmung schroff. »Und was bietest du mir dafür als Gegenleistung an?«

Als Elenas Kinnlade fassungslos herunterklappte, schob er ihr sofort zwei Finger in den Mund und stoppte erst, als sie zu würgen begann. Trotz der Wut, die gefährlich in ihren Augen aufblitzte, fürchtete er offenbar nicht, dass sie zubeißen würde. Gnadenlos schob er die Finger noch tiefer und ließ den Blickkontakt nicht abreißen. Erst als ihr die Augen fast aus dem Kopf traten, legte er den Rückwärtsgang ein und flüsterte: »Wenn du eine Antwort für mich hast, dann ruf mich an – jederzeit!« Er zog eine Visitenkarte aus dem Sakko, legte sie der Sprachlosen in die Hand, drückte behutsam ihre Finger darum, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte davon.

Elena stand immer noch bewegungslos auf dem Fleck, als David schon längst von der Dunkelheit verschluckt worden war. Was war das eben gewesen? Was hatte er sie gefragt? Was sie ihm anbieten würde, damit er mit ihr ins Bett ginge? Was für eine bodenlose Frechheit! Was nahm sich dieser unverschämte Kerl eigentlich heraus? Als wenn es kein beidseitiges Vergnügen wäre und sie noch etwas obendrauf packen müsste, damit er sich ihrer erbarmte. So hatte noch kein Mann gewagt, mit ihr zu sprechen! Na warte, der sollte was erleben. Sie knüllte die Visitenkarte zusammen und schleuderte den Klumpen in die Büsche vor dem Haus.

Scheiß auf die Umweltverschmutzung und scheiß auf David!

Elena wollte nur noch Eines: Rauf in ihre Wohnung und einen großen Schluck Irgendetwas hinunterkippen. Gleichgültig was, Hauptsache, sie bekäme den Geschmack seiner Finger aus dem Hals.

Als die bernsteinfarbene Flüssigkeit sich langsam ihre Kehle hinabbrannte, wurden auch die Lebensgeister wieder wach. Der Whisky lockerte Elenas Zunge. Obwohl es mitten in der Nacht war, posaunte sie ihren Frust nach Leibeskräften hinaus. Stören würden ihre Tiraden heute niemanden, denn ihre Vermieterin, Misses Gould, war für eine Woche zu ihrem Sohn gefahren. Elena hatte das kleine viktorianische Stadthaus in Notting Hill ganz für sich allein. Jetzt musste sie nur noch den restlichen Ärger heiß abduschen, dann würde es ihr bestimmt gleich besser gehen.

Auf dem Rückweg aus dem Bad zog sie im Vorbeigehen das Smartphone vom Ladekabel und griff sich die Whiskyflasche, obwohl das Bett bereits sehnsüchtig nach ihrer Gesellschaft verlangte. Ohne es zu bemerken, gab Elena den Namen David Levi in die Suchmaschine ein und fand mehr als zwei Millionen Einträge. Zumindest wusste sie jetzt, dass der Nachname in Israel ungefähr so häufig war wie Potter, Smith oder Jones in England. Seine Telefonnummer im Internet zu recherchieren dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Sie musste zugeben, dass sie sich ärgerte, die Visitenkarte weggeworfen zu haben.

Sei nicht albern, du siehst ihn schon morgen wieder!

Aber selbst wenn, sie müsste ihn um seine Nummer bitten. Und was sollte sie dann antworten, wenn er nach dem Warum fragte? Sie hätte seine Karte verloren … auf einer Strecke von vier Metern?

Rutsch mir doch den Buckel runter!

Warum mache ich mir eigentlich Gedanken über den Typen?

Weil er die Frechheit besessen hatte, die erfolgsverwöhnte Elena abblitzen zu lassen. Eine Schmach, die sie nicht auf sich sitzen lassen konnte. Der kannte noch nicht die Waffen einer gekränkten Frau! … und dieses aufgebrachte Exemplar war fest entschlossen, ihm damit sein anmaßendes Mundwerk zu stopfen!

Es nützte nichts, wenn sie auf unauffälligem Weg in den Besitz seiner Nummer kommen wollte, musste sie die Karte aus dem Busch angeln. Und das schnell. Bei dem Regen, der gegen die Scheibe prasselte, würde es maximal noch zehn Minuten dauern, bis sich das edle Stück aus handgeschöpftem Büttenpapier in einen klebrigen Einheitsbrei verwandelt hätte.

Elena sah an sich hinunter. Wozu sollte sie jetzt noch etwas anderes anziehen? Die Uhr war gleich eins, um diese Zeit trieb sich hier niemand mehr auf der Straße herum. Sie zog den Gürtel des Bademantels stramm und angelte nach ihren Hausschuhen, von denen einer unter das Sofa gerutscht war und sich standhaft weigerte herauszukommen. Da sie keine Lust auf lange Diskussionen mit ihrem Schuhwerk hatte, schlüpfte sie kurz entschlossen in die High Heels, die an der Garderobe standen. Beschwingten Schrittes trabte Elena die Treppe hinunter, stellte den Schließmechanismus an der Haustür auf offen und flog förmlich die letzten Stufen der Außentreppe hinab.

Es dauerte nicht lange, bis ihr im Zwielicht das elegante weiße Papierknäuel entgegen schimmerte. Sie hatte mit deutlich mehr Gegenwehr von Mutter Natur gerechnet. Doch zum Glück war die Karte am dornenbewehrten Ilex vorbei in die Hortensie gesegelt.

Die Freude über das wiedergefundene Kleinod wich schnell einem entsetzten »Mist«, als sie das klappende Geräusch hörte. Elena musste es nicht sehen, sie wusste auch so, was geschehen war: Nach dem Duschen hatte sie das Fenster im Badezimmer zum Lüften geöffnet – und vergessen, die Badezimmertür zu schließen. Der entstandene Durchzug, als sie wieder zur Haustür hereingekommen war, hatte genügt, um die Wohnungstür im Obergeschoss zuschlagen zu lassen.

Doch zumindest konnte sie ins Treppenhaus und war damit vor Wind, Wetter und neugierigen Blicken geschützt. Nicht ganz unwesentlich, wenn man sich in Ruhe für die eigene Blödheit zerfleischen wollte.

Ein Hoffnungsschimmer flammte in der Dunkelheit auf. Menschen sind Gewohnheitstiere und Elena hatte die Angewohnheit, ihre Schlüssel im Vorbeigehen von dem kleinen Schränkchen im Flur zu nehmen, und einzustecken. Sie schickte ein Stoßgebet gen Himmel, dass ihr Unterbewusstsein auch dieses Mal für sie mitgedacht hatte. Doch alles, was sie aus den Taschen ihres Bademantels beförderte, war ihr Smartphone – immerhin. Die gute Nachricht: Sie hatte den Akku aufgeladen … die schlechte: mittlerweile war es ein Uhr nachts durch.

Schlüsseldienst!

Aber genauso schnell, wie dieser Gedanken auftauchte, tauchte er auch wieder ab. Die Erinnerung an die letzte Begegnung mit einem dieser Halsabschneider war noch frisch: es war nicht bei den exorbitant hohen Kosten für das Öffnen der Tür geblieben. Sie hatte auch gleich noch eine neue Schließanlage und die Reparatur bezahlen dürfen, weil sich der seriöse Handwerker als totale Niete entpuppt hatte.

Nein danke, nie wieder!

Um diese Uhrzeit Freunde oder Bekannte zu bemühen, war auch keine Lösung. Die wohnten ausnahmslos am anderen Ende der Stadt und mussten morgen oder besser gesagt heute arbeiten. Ryan würde bestimmt sofort vorbeikommen und er wäre auch einer von denen, der diese Tür öffnen könnte, ohne etwas zu zerstören – aber Fiona und er lagen bestimmt schon im Tiefschlaf.

Elenas Blick fiel auf das nasse Stück Papier in ihrer Hand.

Nein, nein und nochmals nein!

Schnell ließ sie die Karte, die noch deutliche Spuren der Misshandlungen zeigte, wieder in der Tasche des Bademantels verschwinden.

Den Typ um Hilfe bitten?

Niemals!

Elena zog die Beine an und den Bademantel eng um sich. Sie beschloss, zu warten.

Aber worauf?

Auf den Morgen?

Dann würde sich an ihrer Lage nichts geändert haben: Die Vermieterin wäre immer noch im Urlaub, ihr wäre immer noch kalt, alle wären zur Arbeit, und Ryan hätte immer noch viel zu tun. Wenn sie nicht hier auf der Treppe übernachten wollte, hatte sie keine andere Wahl ...

Viermal musste sie neu ansetzen, weil ihr Körper sich offenbar dagegen wehrte, die richtige Nummer einzutippen. Der Daumen weigerte sich standhaft, die Fünf anzuwählen, stattdessen landete die Kuppe immer wieder auf der Zwei. Endlich kam die Verbindung zustande und Elena betete, dass David noch wach war. Gerade wollte sie das rote Hörersymbol antippen, als ein freundliches »Shalom!« erklang.

»Hallo, hier ist Elena.«

»Na, das ging ja schnell! Und wie lautet dein Angebot?«

Es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte das Smartphone an die Wand geworfen. Doch dann erklärte sie kleinlaut ihr Malheur und ließ den Kopf gegen das Treppengeländer sinken. Sie wusste nicht, womit sie gerechnet hatte, aber nicht mit seiner souveränen Reaktion: David fragte nur einmal kurz nach der Art des Schlosses, vergewisserte sich, dass sie sich im Haus befand, bat sie, genau dort zu bleiben, und orderte zeitgleich über das Haustelefon beim Concierge einen Wagen mit Fahrer. Zwölf Minuten später riss ein Klopfen sie aus den Gedanken.

Langsam schritt Elena im Dunkeln die Treppe hinunter. Warum sie kein Licht machte, wusste sie selbst nicht, aber sie fühlte sich wohler bei dem Gedanken, dass sie zwar David im schwachen Schein der Straßenlaternen sehen konnte, aber er sie nicht gleich auf Anhieb. Albern, denn das würde sich sofort ändern, wenn er eintrat. Aber dieser kurze Moment gab ihr doch das Quäntchen Selbstbewusstsein, das sie dringend brauchte, um diesem so extrem selbstsicheren Mann gegenüberzutreten.

»Guten Abend, schöne Frau, ist das Licht im Treppenhaus defekt?«, fragte er freundlich und überhaupt nicht überheblich. Statt zu antworten, drückte Elena den Knopf und suchte den Augenkontakt zu dem Mann, der sie so aus der Fassung brachte wie noch keiner vor ihm.

Keine Häme.

Kein Mitleid.

Keine Arroganz.

Sie hatte fast das Gefühl, vor ihr stünde ein ganz anderer als der, der sie vor rund einer Stunde verlassen hatte: ein Mensch.

David fingerte einen Draht aus der Tasche und fragte nur kurz nach: »Hier unten oder oben?«

Elena nickte aufwärts und schon war er die Treppe hochgetrabt. Alles, was sie hörte, war ein leises Klicken, das Licht ging aus, die Tür schwang auf und David ergriff ihre Hand, um sie daran zu hindern, das Licht wieder einzuschalten. Der schwache Schein aus der Wohnung tauchte den Treppenabsatz in ein geheimnisvolles Zwielicht.

Mit seinem Körper drängte er sie an die Wand und sah auf sie hinunter. »Was hast du eigentlich in dieser eigenwilligen Kombi um diese Zeit vor der Tür gemacht?«, spielte er auf ihre Bekleidung an.

Ihr Schweigen war nur von kurzer Dauer, aber doch lang genug, um nahezulegen, dass ihre Antwort zumindest teilweise nicht der Wahrheit entsprach.

»Ich habe Müll rausgebracht«, murmelte sie und vergrub ihre Hände hilflos in den Taschen des Bademantels. Sie musste auf jeden Fall verhindern, dass die zerknüllte Karte irgendwo hervorblitzte.

David fragte nicht weiter und er erklärte sich auch nicht. Ohne seine Augen von ihren zu nehmen, öffnete er den Bademantel und schlug ihn zu den Seiten. Sein Blick wanderte abwärts. Unverhohlen betrachtete er jeden sichtbaren Quadratzentimeter ihres Oberkörpers.

Die Selbstverständlichkeit, mit der er vorging, jagte Elena einen kalten Schauer über den Rücken. Warum fasste er sie nicht endlich an? Sie wollte seine Hände wieder auf ihrem Körper spüren. Wie würde sein Griff auf ihrer nackten Haut ausfallen?

Zärtlich?

Leidenschaftlich?

Grob?

David ging wieder in die Knie, dieses Mal aber nicht vor der Tür, sondern vor Elena. Mit gespreizten Fingern glitt er ihre Schenkel hinauf, griff um ihre Hüften und zog sie ruckartig in seine Richtung. »Beine breit«, befahl er und hatte seine Zunge bereits in ihrem Schoß vergraben, ehe sie begriff, was geschah. Doch bevor ihr Verstand Gelegenheit hatte, sich wieder einzuschalten, übernahm das unstillbare Verlangen nach Befriedigung bereits das Regiment. Zu lange hatte es schon auf kleiner Flamme vor sich hin geköchelt.

Immer tiefer drang er mit seinem Mund zwischen ihre Schenkel, bis seine Lippen das Ziel fanden. Die ungewohnte Härte, mit der er ihre Klitoris umklammerte, ließ Elena zusammenzucken. Doch David ließ sich nicht beirren: Er presste die kleine Perle mit der Zunge gegen seine Lippe und begann rhythmisch daran zu saugen. Das Wechselspiel zwischen dem Unterdruck und der Entspannung löste nach kurzer Zeit ein köstliches Prickeln aus, das durch ihren Körper flog und sie fast von den Beinen holte. Halt suchend ruderte Elena mit den Armen und landete wieder an der Wand, als David plötzlich auch noch eines ihrer Beine anhob, um es sich über die Schulter zu legen. Leidenschaftlich vergrub er seine Zunge noch tiefer in die weiche Haut.

Elena gierte danach, ganz in seinem wunderbaren Können zu versinken. Doch jedes Mal, wenn sie vor Lust laut aufstöhnte, veränderte David seine Haltung. Geringfügig, aber doch genug, um sie immer wieder körperlich aus dem Gleichgewicht zu bringen, und um ihren Besuch im Land der Sinnlichkeit abrupt zu unterbrechen. Ob das ein Zufall war? Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, katapultierte seine Zungenakrobatik sie wieder in Richtung Lust, bis sie schließlich ganz den Boden unter den Füßen verlor und sich auf seinem Arm wiederfand.

»Bett?«, fragte er nur knapp und marschierte mit großen Schritten in die angegebene Richtung. Nachdem sie schwungvoll auf der Decke gelandet war, vergrub er sofort wieder seinen Mund zwischen ihren Schenkeln. Genüsslich wühlte Elena sich in ihre Laken. Es gab nur wenige Männer, die es bisher geschafft hatten, ihr allein mit Zunge und Lippen einen Höhepunkt zu bescheren, doch David war genau auf dem richtigen Kurs – bis er unvermittelt abbrach.

Irritiert hob sie den Kopf und blinzelte unter den blonden Locken hervor, die ihr wild im Gesicht hingen. »Was …?«, stammelte sie atemlos. »Was ist los?«

»Mach fertig!«, forderte David.

Elena dachte, sich verhört zu haben. »Wie bitte?«

Doch er belehrte sie eines Besseren. »Mach fertig!«

Sie zögerte immer noch.

»Ich wiederhole mich ungern!« Sein Befehlston weckte zu ihrem Erstaunen keine Ablehnung oder Wut in ihr. Stattdessen wurden das innere Beben und die Erregung noch stärker. Stockend wanderte ihre Hand zwischen die Beine. Noch nie hatte jemand zugesehen, wenn sie sich selbst befriedigte. Als ihre Finger zwischen die Schamlippen tauchten, wurden sie sofort von Feuchtigkeit überzogen – kein Wunder bei der exquisiten Vorarbeit. In kleinen Kreisen verwöhnte sie ihre Klitoris und wünschte sich, dass er zumindest mit seinen Fingern in sie eindringen und stimulieren würde.

Als könnte sie ihn hypnotisieren, ihren Wünschen nachzukommen, sog sie sich mit den Augen an seiner Silhouette fest, die sich unscharf gegen das schwache Licht abzeichnete, das vom Flur hineinschien. Wie er dasaß und sie konzentriert beobachtete, wirkte auf Elena befremdlich und gleichzeitig hatte es etwas Majestätisches. Wie schaffte er es, völlig regungslos zu verharren, während er offensichtlich ebenso vor Gier vibrierte wie sie selbst? Immer tiefer versank sie in den schwarzen Augen, die im Zwielicht regelrecht glühten, und erschrak, als der Höhepunkt sie in Wellen durchzuckte.

David erhob sich sofort vom Bett. »Um neun Uhr fahren wir zum Flughafen«, war alles, was er ihr noch knapp zuwarf, bevor die Tür leise ins Schloss fiel.

Elenas Beine sanken entspannt auf das Bett hinab. Noch lange starrte sie einfach ins Nichts und versuchte, ihre Gefühle und Gedanken zu sortieren. David war der erste Mann, für den sie eine Betriebsanleitung brauchte. Im Allgemeinen waren Männer selbsterklärende Wesen, die nach einem eng begrenzten Reaktionsschema auf Schlüsselreize ansprangen: triebhaft.

Aber was war mit Mister Sexy los?

Sie hatte seine Lust quasi riechen können und zum zweiten Mal an diesem Abend die Beule in seiner Hose gespürt. Ob ihm das Geschehen in seiner Unterhose die Blutzufuhr zum Gehirn abgeschnürt hatte? Irgendwo hatte sie gelesen, dass es Männer gab, die tatsächlich zu nichts mehr fähig waren, wenn das Blut sich in der unteren Etage sammelte … Aber das sollte nur bei denen vorkommen, die mit einem mächtigen Stück Männlichkeit gesegnet waren. Oder war er vielleicht ein Voyeur, dem einer abging, wenn er andere in eindeutigen Situationen beobachten konnte? Aber hätte er dann nicht auch einen Höhepunkt haben müssen? Doch was es auch war, offensichtlich hatte dieser attraktive Typ kein Interesse an engem Ganzkörperhautkontakt – jedenfalls nicht mit ihr.

Elena kroch unter ihre Bettdecke und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Abheben mit David

»Hallo«, murmelte Elena ins Smartphone, bevor ihre Hand wieder kraftlos aufs Kopfkissen sackte. Irgendjemand sprach, aber sie war zu müde, um das Telefon wieder ans Ohr zu ziehen. Wer konnte nur so grausam sein, sie zu so nachtschlafender Zeit aus den schönsten Träumen von hemmungslosem Sex mit David zu reißen?

David?

»Hallo, hallo, wie bitte? Mir ist das Telefon aus der Hand gerutscht …«

»So wie die Tür heute Nacht«, brummte die männliche Stimme am anderen Ende.

Sofort saß sie kerzengerade im Bett.

David!

»Ich sehe schon, um dir das Flunkern abzugewöhnen, muss ich wohl doch härtere Geschütze auffahren«, bemerkte er sarkastisch. Da er keine Pause machte, erwartete er offensichtlich keine Antwort oder gar Kommentierung seiner anmaßenden Bemerkung. »Aber jetzt ist es Zeit aufzustehen. Es ist gleich 7.30 Uhr, Punkt 9.00 Uhr fährt der Wagen bei dir vor.«

Innerlich knallte Elena die Hacken zusammen und säuselte lieblich: »Jawohl Sir, wie der große Meister befiehlt.«

»Braves Mädchen, ich sehe, wir verstehen uns so langsam.«

Sie ließ ihren Arm wieder auf das leere Kopfkissen fallen. Eigentlich schade, der Morgen hätte so schön beginnen können – wenn David über Nacht geblieben wäre. Aber irgendwie hatte der entweder mächtig was am Kopf oder eine Etage tiefer oder irgendetwas zu verbergen.

Elena schwang die Beine aus dem Bett und schlurfte unter die Dusche. Gleichgültig, wie sehr sie auch versuchte, diesen Typen abzuschütteln, irgendwie hatte er es geschafft, sich dauerhaft in ihren Gehirnwindungen einzunisten. Ein äußerst unangenehmer Zustand! Und den beabsichtigte sie zu beenden. Doch ihre Gedanken weigerten sich, eine andere Richtung einzuschlagen. Gleichgültig, wie sehr sie sich auch um Ablenkung bemühte. Eine kalte Dusche wäre vermutlich hilfreich, doch am frühen Morgen eher ein Garant für schlechte Laune als für eine Gehirnwäsche.

Nach dem Abtrocknen schlüpfte Elena so schnell wie möglich in ihre engste Jeans und eine hochgeschlossene Bluse, bevor die frische Morgenluft, die durch das offene Fenster hereinströmte, eine Chance hatte, ihren Körper auszukühlen. Der Blick in den Schminkspiegel war nicht dazu angetan, ihre Laune zu heben. War das Make-up nicht zu auffällig für den Tag? Mit den schwarz umrahmten Augen fühlte sie sich heute eher wie ein Waschbär und nicht wie eine verführerische Frau. Doch bevor sie die Möglichkeit hatte, sich abzuschminken, bimmelte Big Ben über den Flur.

»Shalom, wenn du mir öffnest, komme ich rauf und helfe dir mit dem Gepäck!«, ertönte es aus der Gegensprechanlage.

Elena musste machtlos zusehen, wie sich ihr Zeigefinger in Richtung des Summers bewegte und den Knopf drückte. Nun ja, wenn ihre Lust schlauer war als der Verstand, dann blieb ihr nichts anderes übrig, als sich ihr zu beugen … Und wenn schon Empfang, dann richtig. Lasziv schlang sie ihren Körper um die geöffnete Wohnungstür.

Mist, oh Mist!

Ein Blick in den gegenüberliegenden Spiegel ließ sie erstarren. Wo kam dieser schwarze Fleck über dem Knie her?

Elena stürmte ins Schlafzimmer.

Kleines gieriges Biest, war Davids erster Gedanke, als er statt Elena nur die angelehnte Schlafzimmertür sah. Der Anblick, der sich ihm bot, als er eintrat, war ein anderer als er erwartet hatte, aber trotzdem äußerst appetitanregend. Dort stand die Blondine mit heruntergelassener Hose und fummelte verzweifelt an einem der Verschlüsse ihrer Pumps herum.

Sofort nahmen seine Augen Maß an dem prallen Po, der sich ihm, in eine elegante Seidenpanty verpackt, entgegenstreckte. Seine Hände umfassten ihre Hüften und er ging ein wenig in die Knie, um ihr Hinterteil direkt vor das Zucken in seiner Jeans zu ziehen. Genüsslich rieb er sich an dieser einladenden Pracht.

Als Elena sich aufrichten wollte, drückte er sie mit einer Hand im Nacken wieder herunter. Sie wehrte sich nicht und befolgte auch sofort seine Ansage, den Fersensitz einzunehmen. Bevor er sich in Bewegung setzte, kostete er für einen Moment den Anblick aus. Sie sah so wunderbar hilflos aus, mit ihrer Hose, die um die Unterschenkel und Füße schlackerte, von denen einer noch im Schuh steckte. Ihre gesamte Körperhaltung drückte gespannte Erwartung aus, weil sie nicht wusste, was als Nächstes geschehen würde. Was für einen Gesichtsausdruck sie wohl dazu machte? Langsam, jeden einzelnen Schritt genießend, umrundete er den blonden Engel, der fügsam und mit gesenktem Blick vor ihm kniete.

Entweder hatte bereits jemand Vorarbeit geleistet oder sie zählte zu den seltenen experimentierfreudigen Naturtalenten.

»Sieh mich an«, forderte er leise und musste ein Grinsen unterdrücken. Genau, wie er vermutet hatte: Ihr Blick stoppte für einen Sekundenbruchteil auf der Beule, die sich direkt vor ihrer Nase befand. Und nach ihrem Augenaufschlag zu urteilen, ahnte sie inzwischen, was ihr bevorstand. Geschluckt hatte sie bestimmt noch nie, sie hatte noch eine Menge zu lernen, aber bei ihrer Begabung wäre es mit Sicherheit ein Vergnügen, sie auszubilden.

Und Elenas Haltung bestätigte ihm noch etwas anderes: dass er ihre Signale richtig gedeutet hatte. Denn sie war offensichtlich nicht so cool und männermordend, wie sie sich nach außen hin gab. Tief in ihrem Inneren sehnte sie sich nicht nur nach Führung und Geborgenheit, sie gierte direkt danach.

Gelassen sah er auf die Unschuld zu seinen Füßen hinab, deren Ungeduld mit jedem Atemzug wuchs. Eine gute Ausgangsbasis. Er streckte ihr die Hand entgegen und fragte höflich: »Darf ich dir behilflich sein?«

Wie ferngesteuert erhob Elena sich wieder. »Danke«, murmelte sie irritiert. Da stand dieses Bild von Mann vor ihr, seine Erektion war nicht zu übersehen und was tat er? Wieder nichts, absolut gar nichts …

Was ist bloß mit ihm los?

Ein Blick auf den Wecker erlöste sie augenblicklich von der Grübelei: bereits zehn Minuten nach neun Uhr. Schnell bückte sie sich, um den zweiten Pumps auszuziehen, und fuhr erschrocken herum, als sich eine Hand direkt auf die Seide zwischen ihren Schenkeln legte.

Genüsslich steckte David sich die Fingerspitzen in den Mund und sah sie dabei so intensiv an, dass sie beschämt den Blick senkte. »Du solltest deine Panty wechseln, die ist ganz feucht.«

Flammende Röte schoss ihr in die Wangen. Er hatte eine simple Feststellung von sich gegeben. Aber was für eine – unerträglich. Unerträglich anmaßend und unerträglich erregend. Die Hitze und das Prickeln landeten ungebremst in ihren Brustwarzen – und sie war sich sicher, dass David die Verräter sah, auch wenn er kein Wort dazu sagte. Stattdessen wartete er mit einer neuen Überraschung auf. »Wo finde ich deine Unterwäsche?«, fragte er interessiert.

Sprachlos zeigte sie auf die Kommode unterhalb des Fensters.

In aller Seelenruhe öffnete er nacheinander alle Schubladen.

»Ich unterbreche dich ja ungern bei deiner wichtigen Tätigkeit, aber wir müssen los, es ist gleich 9.30 Uhr.«

»Keine Panik, ohne uns können sie nicht losfliegen«, bemerkte David gelassen und stellte einmal mehr seinen erlesenen Geschmack unter Beweis: Er reichte Elena eine schwarze Seidenpanty mit Spitzenbesatz. Seine hochgezogene Braue signalisierte allerdings, dass ihm ihre schnippische Einmischung nicht gefiel.

»Weil wir die Trauzeugen sind?«, fragte Elena, die sich bemühte, einen vorwurfsvollen Unterton zu unterdrücken.

»Weil ich der Pilot bin!«

***

Elena hatte die Hand schon am Türgriff, doch dann machte sie einen Rückzieher: Der Wagen fuhr am Abflugterminal vorbei. Erst vor einer Schranke im Sicherungszaun des Flughafens stoppte das Fahrzeug. Durch die leisen Töne von Chopin, die aus den Boxen rieselten, drang das gedämpfte Surren eines elektrischen Fensterhebers in den Fonds. Der Fahrer öffnete sein Fenster und reichte dem Kontrolleur irgendwelche Papiere. Ein Schatten im Augenwinkel lenkte Elenas Aufmerksamkeit ab und ließ sie zusammenfahren: Sie sah direkt in den Lauf einer Maschinenpistole. Der Polizist neben dem Auto hatte seine Waffe zwar nicht im Anschlag, aber so in den Händen, dass ihn nur eine kleine Bewegung davon trennte.

»Alles okay, das ist ganz normal!«, versuchte David, zu beschwichtigen. Doch ihre verkrampfte Haltung signalisierte, dass seine Pauschalaussage sie nicht beruhigte. Die Frau benötigte eindeutig weitere Informationen. »Die Sicherheitsmaßnahmen sind hier nicht höher als am Terminal, nur eben auffälliger, weil an diesem Zugang nicht so viel los ist. Er wird ausschließlich von Flugpersonal, Diplomaten und VIPs genutzt.«

Elena lächelte zaghaft und sah noch einmal zu den Schwerbewaffneten, als sie weiterfuhren. »Und was bin ich?«

»VIP!«, versicherte David nachdrücklich und zwinkerte ihr zu, als der Wagen stoppte. »Warte, ich komme rum«, bemerkte er noch kurz und schon stand er neben dem Auto, um ihr die Tür aufzuhalten.

»Mein Gepäck?«

»Bringt der Fahrer rein.« David bot ihr seinen Arm an und dirigierte Elena im Gebäude zu den Beamten an der Durchleuchtungsanlage. »Ist es okay, wenn ich zu meinem Co-Piloten gehe? Dann kann ich schnell noch ein paar Informationen von ihm einholen.« Er nickte einem jungen Mann, der die Kontrollen bereits passiert hatte, freundlich zu.

Erstaunt blickte Elena ihm hinterher. David musste sein Gepäck nicht vorzeigen. Seine Kontrolle bestand aus einem kurzen Blick in seine Papiere. Sie hoffte nur, dass er tief genug in seine Besprechung vertieft war, um nicht mitzubekommen, dass sie Berta aus der Handtasche ziehen musste, um ihren Pass herauszufischen. Doch so süffisant wie er grinste, hatte er ihr Kuscheltier gesehen. In Windeseile stopfte sie die schwarz-weiß gescheckte Kuh zurück in die Tasche, ergriff ihr schweres Gepäck und hoffte, die peinliche Situation durch hektische Betriebsamkeit überspielen zu können. Der Plan ging auf: Als die Männer sie unter der Last ächzen sahen, stürzten sie herbei, um zu helfen.

Elena folgte den Piloten zu dem Kleinbus, der vor der Tür auf sie wartete. Aus dieser Perspektive hatte sie den Flughafen noch nie gesehen: was für eine beeindruckende Kulisse. Sie fuhren direkt über das Rollfeld an den Flugzeugen, die zum Greifen nah waren, vorbei. Von hier unten aus betrachtet waren es plumpe Riesen aus Aluminium; unvorstellbar, dass die Kolosse überhaupt abheben konnten.

David tippte ihr auf die Schulter und nickte Richtung Osten. Gegen das Licht der Morgensonne zeichneten sich die Umrisse eines Businessjets ab.

Zwei Triebwerke, dachte Elena – wieder einmal zu laut.

»Ja, die Gulfstream 450 ist ein zweistrahliger Jet. Ist das für dich wichtig?«

»Beruhigend«, antwortete sie verunsichert.

David strich unauffällig über ihren Arm. »Flugangst?«, raunte er ihr diskret zu.

»Nein … ja …«

»Ich bin mir bewusst, dass du mir dein Leben anvertraust. Hilft es, wenn ich dir sage, dass ich nicht beabsichtige, es zu gefährden, weil ich noch viel mit dir vorhabe?« Süffisant grinste er sie an, ließ seine Finger vom Arm hinab auf ihren Oberschenkel rutschen und bewegte sie auf direktem Weg in Richtung Schritt. Elena blickte starr geradeaus. Wenn sie nicht damit beschäftigt wäre, die Fingerübungen des Piloten vor dem Co-Piloten zu verbergen, würde sie David zu gerne auf ganz andere Weise helfen … Jetzt war er sogar schon so dreist, sie öffentlich zu provozieren. Zum Glück waren es nur noch wenige Meter bis zum Ziel – und seine Fingerspitzen erreichten ihres nicht!

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480 s. 1 illüstrasyon
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9783738081343
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Serideki Birinci kitap "ShadowPlay"
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