Kitabı oku: «La mia Vita»

Yazı tipi:

Vitalija Kosoru

La mia Vita

Deutsch von

Helga Schapowalowa

Korrektur von

Melanie Pascu

1 

2 

3 Impressum:

La mia Vita

la Vita

© 2018 Vitalija Kosoru

Alle Rechte vorbehalten

Author: Vitalija Kosoru

jankovita@gmail.com

Inhalt

Prolog

Die Internatsschule

Der erste Strahl der Erleuchtung

Gewalt aus Kinderaugen

Volleyball

Meine Inspiration

Ein Trick von Vitotschka

Evas Eifersucht

Papa

Prügel

Liebe zur Natur

Pionier

Frau Winter

Wie ich mit einem Jungen verwechselt wurde

"Vorbildliche“ Erziehung von Internatslehrern

Lambada

Über Humana oder noch eine Lüge

Schlechte Eltern

Kinderannahme

Über Schmetterlinge

Schicksal oder Verdammt

Die Berufsschule

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Sascha

Mein Engel

Das Erwachsenleben aus Augen einer jungen Frau

Mein heterosexuelles Leben

Meine Ljudmila

Meine zweite Hölle

Meine kleine Familie

Abschied von Ljudmila

Das Dorfhaus

Österreich

Das Flüchtlingslager aus meinen Augen (Traiskirchen)

Gratiszeug

Caritas

Kenntnisse einer kleinen Slawin

Stolz der Österreicher

Deutschlernen

Meine Depression

Das Interview

Mein erster Job in Österreich

Scheiß Flüchtling

Die Lüge der Wahrheit

Einer lesbischen Mutter Kinder wegnehmen

Wieder auf die Beine kommen, aber schon wie eine Scheißausländerin

Österreichisches System

Das Verbot

Scheiß Ausländer

Meine langersehnte Heimfahrt

Meine Fantasien

Mama

Meine Rückkehr

Prolog

I am a lonely stranger here,

And in Ukraine

I am an orphan, my dear,

As in the foreign land.

Why is my heart is beating and torn?

I am lonely there.

Lonely... And Ukraine!

And its steppes wide!

Fierce wind is blowing there,

Talking as a brother;

Freedom in the large fields,

And blue sea is there,

Sparkling, and praising the God,

Shaking off the blues;

And graves with the tempestuous wind

In the steppe talk,

I would fly, and listen,

And cry with them...

But my fate tamed me down

Between strangers.

Т . G. Shevchenko “Kobzar” to N. Markevich

Ich wurde in Transkarpatien geboren, einer der schönsten Regionen der Ukraine. Die Natur hier ist so schön, dass sich der österreichische Kaiser Franz-Josef und Kaiserin Elisabeth (Sissi) selbst in dieses gesegnete Land verliebten und das Land bis nach Limberg eroberten. Es begann die Herrschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie...

Ich wurde in dem Dorf Khudljowo geboren, an dessen Rand sich unser Zigeunerlager befand. Meine Mutter gebar mich in einem kleinen Raum auf der Couch und eine Hebamme half ihr bei der Geburt. Die Hebamme war die letzte im Lager lebende alte Zauberin, die später meine Patin wurde. In der Kirche dieses Dorfes wurde ich später getauft. Mama gab mir den schönsten Namen der Welt: Vitalija, Vitotschka, La Vita. Und ja! Mein Name entspricht meinem Charakter und meinem ganzen Leben.

Unsere Eltern hatten sechs von uns Kindern. Ich war die Jüngste in der Familie und ihr Liebling. Ich war noch nicht einmal drei Jahre alt, als unsere Mutter starb. Papa wurde im Gefängnis eingesperrt und ihm wurden elterliche Rechte entzogen. Die Ukraine übernahm uns Kleinen unter ihre staatliche Fürsorge. Ich war die jüngste, deswegen wurde ich ins Kinderheim geschickt und meine Brüder und die Schwester in die Internatsschule.

„Guten Morgen, Kinder! Kätzchen und Mäuschen haben sich aber schon lange gewaschen und ihr müsst aufstehen: eure Bettchen machen, Zähne putzen und zum Frühstück gehen. Und das Frühstück ist heute sehr lecker!“, so begann jeder neuer Tag im Kinderheim.

Ich kann mich nicht mehr an viele Dinge aus dem Leben im Kinderheim erinnern, aber ich weiß, es war eine schöne Zeit.

Jeden Sommer wurden wir ans Meer gebracht, wo ich mir unbedingt einen Sonnenbrand holte. Während alle Kinder fröhlich im Wasser spritzten, saß ich in einem weißen Panamahut mit meinen Betreuern am Ufer und aß Eis. Ich glaube, ich aß damals zu viel davon, weil ich immer noch diese Leckerei nicht mag.

Meine Betreuerinnen waren zwei junge Frauen – Anna Wassyliwna und Nadija Mykolajiwna. Es ist ihnen zu verdanken, dass ich so einen Charakter und eine Persönlichkeit habe und ich bin immer diesen Frauen dankbar, dass sie an meinem Schicksal teilnahmen.

Die lebendigste der Erinnerungen war der Tag, bevor wir zur Schule geschickt wurden.

Es war ein Abschiedstag für uns. Wir waren so klein und naiv, dass wir nicht verstanden, warum unsere Betreuerinnen Tränen in den Augen hatten. Sie hatten ja immer so viel Gutes über die Internatsschule erzählt.

Wir wurden alle in Becken gewaschen und in neuer Schulkleidung gekleidet. Dann bekamen wir die Schulranzen, wo Buntstifte, ein Zeichenblock, ein Mäppchen und Süßigkeiten lagen. Den Mädchen wurden die Haare mit schönen großen weißen Schleifen gebunden. Dann machte die Betreuerin Fotos mit uns, alle umarmten uns, sagten uns viele freundliche Worte und belehrten uns, gute Schüler zu sein, unbedingt unsere zukünftigen Lehrer und Betreuer zu gehorchen.

Der Bus kam an. Mit dem Versprechen, gehorsam zu sein, nahmen wir mit Jubel unsere Plätze ein und fuhren zu unserem so genannten neuen Zuhause namens „Internatsschule“!

Während ziemlich langer Fahrt sangen wir alle zusammen Lieder von Erstklässlern. Aber je näher wir dem Internat kamen, desto lauter schlugen unsere kleinen Herzen. Wir begannen zu verstehen, warum unsere geliebten Betreuerinnen weinten. In unseren kleinen Jungendsinn schlich der Gedanke, dass wir nach Hause in unser Kinderheim nie mehr zurückkehren werden. Plötzlich trat eine Totenstille im Bus sogleich ein. Wir bekamen Angst und ein Stich fuhr uns durchs Herz.

Nadija Mykolajiwna umarmte mich und sagte ermutigend, dass meine älteren Geschwister schon in der Internatsschule auf mich warten. Ich war sehr überrascht, dass ich auch einen älteren Bruder hatte. Ich kannte nur meine ältere Schwester Eva. Einmal kam sie mich im Kinderheim besuchen und ich war sehr froh darüber. Ich erinnere mich daran, wie ich zufrieden auf der Schaukel sitzend und mit den Beinen baumelnd die Schokolade aß, die mir meine Schwester mitgebracht hatte. Ich bat sie mich immer höher und höher zu schaukeln. Das war einer der tollsten Tage meiner Kindheit…

Vorausschauend möchte ich sagen, dass meine Familie großes Glück hatte, dass wir nicht getrennt, nicht zu Pflegefamilien oder wie andere Kinder in die Internate in verschiedenen Städten geschickt wurden. Es war schwer zu sehen, wie viele junge Menschen ins Internat kamen, in der Hoffnung ihre kleinen Geschwister zu finden. Häufig fanden sie niemanden dort und mussten mit nichts weinend gehen. Dafür, dass so was meine Geschwister und ich nicht erlebten, bin ich besonders dankbar den Menschen, die auf die Vernunft hörten, als sie Verordnungen der Verteilung meiner Familie durchblätterten.

Und jetzt kamen wir in das sogenannte neue Haus, aber ich sah nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Uns trafen schmutzige, laute und, zu meiner Überraschung, kahle Kinder jeden Alters. Mit schmutzigen Händen berührten sie meine neue Schuluniform, den Ranzen und die weißen Schleifen und fragten mich nach meinem Namen. Ich bekam große Angst, weinte und versteckte mich hinter Nadija Mykolajiwna. An ihrer Bluse ziehend bat ich wieder in den Bus zu steigen und zurück ins Kinderheim – nach Hause zu fahren. Sie wischte meine Tränen weg und versuchte nicht zu weinen.

„Vitotschka, mein Schatz, das ist deine Schule. Das ist dein neues Zuhause“.

Ich war wütend auf sie und wollte so laut schreien: „Nadija Mykolajiwna, fahren wir nach Hause!“, aber ich konnte deutlich in ihren Augen Schmerzen sehen. In diesem Moment fühlte ich zum ersten Mal in meinem Leben Herzschmerz der Trennung von teuren und geliebten Menschen und etwas begann tief im Herzen so heftig wehzutun, dass es mir schwer zu atmen fiel. Ich begann noch heftiger zu weinen und drückte Nadija Mykolajiwna ganz fest.

Dann hörte ich, dass jemand meinen Namen rief. Die Stimme kam mir sehr bekannt vor. Ich drehte mich um und sah wie ein Mädchen auf mich zulief, wie Hurrikan, der alles und jeden aus dem Weg räumt, und es schrie: „Meine kleine Vitotschka! Du bist hier! Hab keine Angst! Weine nicht! Ich lasse nicht zu, dass dir jemand weh tut!“, sagte meine Schwester Eva und umarmte mich fest! Für einen Moment fühlte ich mich warm und ruhig in ihren Armen. Sie wischte meine Tränen mit den Worten: „Gleich kommt unser großer Bruder Grischka. Er ist der stärkste in der Schule. Alle haben Angst vor ihm!“

Ehe sie das zu Ende reden konnte, sah ich, wie zu uns ein großer, schwarzer und schmutziger Junge lief und schrie: „Vitotschkaaaa, mein kleines Schwesterchen! So schön, dich endlich zu treffen!“

Er nahm mich in seine starken Hände und begann zu drehen und ganz große Küsse zu geben. Dann sagte er: „Ich bin dein großer Bruder Grischka!“

Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor ihm Angst kriegte. Damals fand ich es aber besonders Schade, dass meine neue saubere Schuluniform, der Schulranzen und die weißen Schleife nicht mehr so niedlich waren, wie sie vor unserer Ankunft aussahen.

Grischka entschuldigte sich für sein Verhalten und erklärte, dass dafür seine starken Gefühle der Grund waren. Eva tadelte ihn.

„Schäm dich, wie kannst du, ein schmutziger Junge, und sogar ohne Hemd, unsere kleine Vitotschka erschrecken!“

Ich rannte zum Bus, wo sich meine ganze erste Klasse brav an ihren Plätzen saß. Jemand weinte, jemand sah die Betreuerinnen mit flehenden Augen an. Wir alle wollten nach Hause.

Nach Hause, ins Kinderheim! Aber es geschah kein Wunder...

Und dann kam die Zeit, Abschied zu nehmen!

Es war wie ein Albtraum! Die neuen Lehrer rissen mit großer Kraft uns Kleinen einfach von den Bussitzen weg und erklärten, dass wir keine Chance zurückzukehren haben und dass sie jetzt unsere Eltern seien! Wir schrieen den sogenannten Eltern zu, schlugen und bissen sie in die Arme und bettelten, uns in Ruhe zu lassen. Aber vergeblich! Wir wurden schmerzhaft wie kleine streunende Kätzchen am Kragen gepackt, gewaltsam aus dem Bus rausgeschmissen und in einer Reihe aufgestellt.

Nadija Mykolajiwna blieb im Bus sitzen, ohne uns zum Abschied umarmt zu haben. Damals fiel es mir schwer zu verstehen, warum... Deshalb spürte ich zum ersten Mal Wut auf diejenigen, die ich sehr liebte. Schweren Herzens sah ich mir unseren Bus in der Hoffnung an, das vertraute Gesicht von Nadija Mykolajiwna zum letzten Mal zu sehen.

Der Bus fuhr los und hinterließ uns und eine Staubwolke... Es wurde sehr ruhig. Ich fühlte Schmerz, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und eine für mich unverständliche Leere, die mir bis diesem Tag fremd war…

Die Internatsschule

Unsere neue Lehrerin vertrieb kahle, schmutzige, laute Kinder von uns und bat uns, ihr zu folgen. Schweigend kamen wir wie Mäuschen nach, denn wir hatten hervor versprochen, unsere neuen Lehrer und Betreuer zu gehorchen!

Die Internatsschule hatte einen Kindergarten für Erstklässler, so dass die Erstklässler das erste Jahr getrennt von älteren Kindern lebten. Man machte das, damit Kinder an ihr neues Zuhause, das neue System und die neue Routine gewöhnen können. Unsere schönen Schuluniformen, weißen Schleifen wurden ausgezogen und neue Schulranzen wurden in den Schrank gesteckt. Man erklärte uns, dass wir sie beschmutzen und zerknittern können, obwohl sie, glaubten wir, zu diesem Zeitpunkt bereits schlecht aussahen. Wir waren jetzt alle in den gleichen hässlichen, langen grünen Kittel aus hartem Material und grauen Pantoffeln gekleidet, und wie den Kindern, die wir gerade nur kurz gesehen hatten, rasierte man auch uns Haare ab.

Zum Glück war unsere neue Betreuerin gut. Sie blieb über Nacht bei uns, las uns Märchen vor und sang Schlaflieder. Sie musste oft unser Nörgeln hören: „Ich will nach Hause!“

Sie beruhigte uns immer Tag und Nacht. Das wurde mir später klar, als ich etwas älter wurde. Sie verbrachte oft Nächte mit uns. Sie hatte immer für uns köstliche Süßigkeiten in ihrer Tasche und ein freundliches, warmes Wort auf ihren Lippen.

Mit der Zeit gewöhnte ich mich an die Internatsschule, an neue Leute, an Lehrer und an eine neue Routine.

Die Internatsschule in Peretschyn war die beste und galt als Exempel in allen zwölf Regionen der Oblast Transkarpatien in der Ukraine. Wir waren die Besten der Besten. Uns besuchten Abgeordnete aus verschiedenen Regionen und viele gute Erwachsene, die uns etwas Leckeres mitbrachten. Sogar Journalisten interviewten uns oft. Doch in Wirklichkeit war es nur Show, eine billige Werbung!

Sobald es bekannt wurde, dass eine weitere Delegation bald kommen soll, versammelten die Lehrer alle abends im Klassenzimmer und teilten die Kinder in drei Gruppen: hübsche weiße, schwarze (Zigeuner) und kahle Kinder. Mit strenger, wütender Stimme befahlen sie, uns vor den Gästen zu verstecken, und warnten, dass sie uns bestrafen würden, wenn wir uns nicht fernhalten.

Und es gab immer unterschiedliche Strafen: Sie konnten die Schüler einfach schimpfen, beleidigen oder eine starke Ohrfeige geben, von dem man Sterne sehen konnte. Die beliebteste Bestrafung war, wenn der Sträfling kein Mittag- oder Abendessen bekam. Ein hungriges Heimkind ist wie ein kleines Hündchen, das etwas zu essen sucht. Es wird dem Besitzer auf Befehl ein Pfötchen geben, sich setzen und stehen, damit der Besitzer ihn füttert. Denn das Frühstück ist erst morgen früh und wer weiß, was ihnen noch missfallen könnte…

Der erste Strahl der Erleuchtung

Ich erinnere mich, wie wir vor der Ankunft von ehrenwerten Fernsehleuten aus Uschhorod gezwungen waren, jede Ecke unserer wunderbaren Internatsschule aufzuräumen. Danach wusch man uns, als ob wir teures Geschirr wären. Natürlich mussten sich kahle Zigeunerkinder (darunter auch ich) vor Fernsehleuten verstecken, weil wir auf das Ansehen der Schule sehr schlecht wirkten. Nicht-Zigeuner (weiße Kinder) waren in den besten Kleidern gekleidet.

Eines Tages wurde meine Klassenkameradin (weißes Mädchen) von Fernsehleuten interviewt. Keiner der Lehrer hörte, was da gesagt wurde, weil sie während des Interviews nicht reinkommen durften. Das Mädchen war ein anhängliches Kind, aber da ihre Eltern Alkoholiker waren, brachten die Sozialarbeiter es vor sechs Monaten zu uns in unsere großartige berühmte Internatsschule, nachdem man seinen Eltern das Sorgerecht entzogen hatte. In diesem Interview erzählte sie alles, was sie in der Schule selbst erlebte und was andere Kinder ertragen mussten. Es erzählte, dass Lehrer, Betreuer und ältere Kinder fluchten, mit allem, was sie gerade in der Hand hatten, schlugen sie uns und ließen uns auch hungern...

Und endlich kam der lang erwartete Tag! Hurra! Unsere berühmte und vorbildliche Schule konnten wir im Fernsehen sehen. Bei dieser Gelegenheit wurde sogar der Unterricht gekürzt und die Lehrer brachten alle Schulkinder vor den Fernsehbildschirm. Obwohl ich mein hübsches kahles Köpfchen im Beitrag nicht sah, verärgerte mich das nicht. Als ich das Interview mit meiner Klassenkameradin hörte, lachte ich von ganzem Herzen, umarmte sie und sagte: „Das hast du richtig gemacht! Du bist so mutig, dass du keine Angst vor falschen Erwachsenen hattest!“

Die Lehrer waren zuerst geschockt, dann sehr wütend. Aber sie konnten mit diesem kleinen Mädchen nichts tun, da alle Kinder einfach aufstanden und ihr laut applaudierten! Wir fühlten Bewunderung und Stolz für dieses zerbrechliche kleine Mädchen! Das war der erste Strahl der Wahrheit über unsere Schule! In diesem Interview schockierten wir Uschhorod selbst (Uschhorod ist die Hauptstadt von Transkarpatien).

Leider glaubte niemand den Heimkindern oder keiner wollte eine solche Wahrheit hören, die einfach für niemandem von Vorteil war.

Eine Woche später kamen neue Journalisten. Die Lehrer und Betreuer suchten selbst Kinder aus, trainierten sie, wie und was sie sagen sollen, und oh Gott, sie schafften das!!! Sie schafften genau das, was die Leute hören wollten - ein schönes Märchen darüber, wie gut die verlassenen Kinder unter dem Schutz des Staates leben. Dieses Märchen mochten bestimmt ganz Transkarpatien und Uschhorod. (Wenn das Fernsehen von Uschhorod dieses Interview aus seinem Archiv nicht gelöscht hat, würde ich es gerne als Andenken haben und meine Sammlung erweitern).

Gewalt aus Kinderaugen

In der Schule gab es immer einen geregelten Tag. Um sieben Uhr morgens standen wir zum Ruf eines Pionierhorns auf. Die ganze Schule stellte sich zur Morgengymnastik auf. Danach wuschen wir uns, putzten uns die Zähne und rannten zum Frühstück. Nach dem Frühstück blieben noch 20 Minuten, um uns für die Schule fertig zu machen, und nämlich: die Schuluniform anziehen, die Schultaschen überprüfen und bereits um neun Uhr auf der Schulbank sitzen. Von eins bis zwei aßen wir zu Mittag und nach dem Mittagessen waren zwei Stunden unsere Freizeit. Ich liebte diese Zeit. Ich verbrachte diese Zeit meistens alleine im Wald. Um fünf Uhr kamen wir wieder zur Schule, um mit dem Klassenlehrer Hausaufgaben zu machen. Um 19:00 Uhr aßen wir zu Abend. Und von 20:00 bis 21:00 hatten wir eine Stunde Zeit, um uns bettfertig zu machen und mit anderen Kindern spazieren zu gehen.

So macht man sich bettfertig: für morgen Kragen, Slip und weiße Socken waschen, Zähne putzen und schon um 21:00 im Bett liegen.

Jeden Abend um neun Uhr machte der diensthabende Betreuer einen Rundgang. Und die Kinder, die er nicht im Bett erwischt hatte, wurden bestraft. Aus irgendeinem Grund mochte er mich überhaupt nicht. Ich weiß immer noch nicht warum. Jedes Mal, wenn dieser Lehrer Wache machte, versuchte ich, mit geschlossenen Augen um 21 Uhr im Bett zu liegen und so zu tun, als würde ich schon lange schlafen.

Einmal haben wir uns mit einer Parallelklasse so ins Spiel vertieft, dass wir die Zeit völlig vergaßen. Wir waren sieben Mädchen. Wir dachten, wir hatten Zeit unsere Wäsche zu waschen, bis der verhasste Lehrer eine Runde macht (da er immer mit einem Block für Jungen anfing). Aber an diesem Abend beschloss unser Betreuer zuerst den Block der Mädchen und dann der Jungen zu überprüfen. Normalerweise bewachte eines der Kinder die Tür. Wie wir es damals nannten, es stand Schmiere. Und sobald der diensthabende Betreuer vorbeikam, floh das Mädchen unter dem Vorwand, auf die Toilette zu gehen, in den zweiten Stock und warnte vor dem Aufseher. Vom zweiten Stock ging sie zum dritten Stock, wo die ältesten Mädchen wohnten. Und als der Dienstlehrer ein bestimmtes Stockwerk erreichte, gab sich das gesamte Frauenbataillon bereits den Anschein, als ob alle eingeschlafen wären. Aber nicht an diesem Abend...

Es scheint mir, dass der Lehrer diesmal unsere Partisanen nicht auf die Toilette gehen ließ. Der erste Stock war schon eingeschlafen. Der Betreuer ging zum zweiten Stock und, als er unser Gelächter hörte, trat in den Waschraum. Wir lachten uns aus und besprachen unser lustiges Spiel Verstecken. Plötzlich hörten wir die laute Stimme unseres Betreuers: „Aha, erwischt, ihr Hübschen!“

Wir alle waren vor Angst starr. Ich erinnere mich, wie mein Herz in Erwartung unseres zukünftigen Schicksals zu klopfen anfing. Der Aufseher sagte furchterregend: „Was soll ich mit euch machen? Wie soll ich euch bestrafen?“

Als er mich mit einem boshaften Lächeln ansah, fügte er hinzu: „Nun, unsere Athletin, diesmal bist du wirklich im Eimer! Ich weiß, wie ich dich bestrafen werde. Stellt euch alle in eine Linie und fangt an Kniebeugen zu machen, hundert Mal für jede, und du wirst zählen, Vita! Niemand wird ins Bett gehen, bis jede ihr Zählen beendet hat!“

Wie gesagt, wir waren sieben Mädchen, was bedeutete, dass wir uns siebenhundert Mal in die Hocken gehen mussten.

Ich verstehe es nicht, wer den Pädagogen das Recht gab, wehrlose Kinder nach Belieben zu bestrafen. Wir hockten uns siebenhundert Mal. Die schwächeren Mädchen fingen an zu weinen, aber wir unterstützten sie, indem wir ihre Hände hielten. Wir verstanden, dass, wenn einer von uns kapituliert, würde es über ein neues Zählen gehen, und dies konnten wir nicht zulassen.

Am nächsten Tag schmerzte der ganze Körper und alle Muskeln, besonders die Beinmuskeln. Wir fielen, wenn wir die Treppe hoch- oder runtergingen. Und dieser Betreuer war auch unser Lehrer. Als er sah, dass wir wahnsinnige Schmerzen hatten, lachte er einfach.

„Ich hoffe, das wird eine Lektion für dich!“

Wie wir ihn damals hassten! Es hätte mich interessiert ob er seine eigenen Kinder auch so bestraft.

Jahre vergingen. Als ich aufwuchs, fühlte ich immer schärfer das Gefühl der Ungerechtigkeit mir und anderen Kindern gegenüber, die von Erwachsenen stammten. Ich äußerte immer meine Meinung und sagte immer,das ich das als Lüge fand. Natürlich mochten weder Lehrer noch Erzieher mein Verhalten, deswegen wurde ich oft für meine Redefreiheit bestraft. Mich brach aber keine Bestrafung. Ich sagte immer, ich sage und werde nur die Wahrheit sagen.

Die Lehrer unserer Schule unternahmen oft verschiedene Ausflüge, aber sie nahmen mich sehr selten mit, da ich auf den Listen der ungeliebten Kinder stand. Jedes Mal, bevor man staatliche Kinderausflüge in andere Städte der UdSSR organisierte, versammelten wir uns im Klassenzimmer. Unsere Nachnamen wurden alphabetisch auf eine Tafel geschrieben, die Lehrerin nahm Kreide und erklärte, warum dieses oder jenes Kind das Recht verdiente oder nicht verdiente, auf die nächste Reise zu gehen. Irgendwie zögernd und langsam strich sie mich von der Liste aus und wie immer blieben nur ihre Favoriten auf der Tafel. Sie erklärte es immer uns Rüpeln, dass diese Kinder eine Reise verdienten, dass sie würdige und gute Kinder sind, und wenn wir uns ein Beispiel an ihnen nehmen, wird sie uns vielleicht das nächste Mal mitnehmen.

Das beleidigte mich und machte sehr wütend. Immerhin war ich kein schlechtes Kind und ich wusste es gut, aber aus irgendeinem Grund sahen es die Lehrer nicht in mir. Selbst wenn ich mich bemühte zu schweigen, ihnen zu gehorchen, oder gute Noten zu erhalten, waren meine Chancen sehr gering, auf diese Liste zu kommen. Ich war bereits auf der Liste der ungeliebten Kinder. Mir ist auch aufgefallen, dass sie hauptsächlich "weiße" Kinder mitnahmen. Zigeunerkinder kamen in der Regel nicht auf die Liste der besten.

Wahrscheinlich tauchte dann diese Schande in mir auf, so dass ich nicht selbstbewusst mit meiner Herkunft und meiner Hautfarbe war. Meine Eltern waren Zigeuner. Man mag Zigeuner in der Ukraine nicht und betrachtet sie nicht als Menschen. Daher wurden wir Zigeunerkinder in jeder Hinsicht gedemütigt und man nannte uns eine Missgeburt. Als wir älter wurden, sagten es uns die Lehrer schon ohne Scham ins Gesicht: „Ihr vermehrt euch wie die Karnickel! Ihr seid nutzlos und der Staat muss sich um euch kümmern. Ich wünsche mir, ihr wärt tot!“

Ich verstand diesen Hass auf Zigeuner nicht und ich sah mich nicht als eine Missgeburt und wollte etwas Bedeutendes für die Schule tun, damit Lehrer und Erzieher mich als Persönlichkeit schätzen.

Eva spielte sehr gut Handball. Ihre Mannschaft war stark, sie nahmen an Wettbewerben teil, gewannen Preise und die Schule war stolz auf diese Handballspieler. Ich mochte aber keinen Sport. Ich war überhaupt nicht daran interessiert, was meine Schwester tat. Als ich aufwuchs, musste ich mich eigentlich vor ihr verstecken, weil ich sie immer aus irgendeinem Grund irritierte. Jedes Mal wenn wir uns sahen, fand Eva Gründe dafür, mich zu demütigen, irgendwie zu beleidigen, anzubrüllen und sogar mich zu schlagen. So grub sie ein Loch zwischen uns, das sich schließlich in eine riesige Kluft verwandelte. Ich versuchte es immer,eine gute Beziehung zu ihr aufzubauen, aber ohne Erfolg - Eva war kalt und unnahbar und es gelang mir nie zu ihrem Herzen durchzudringen.

Volleyball

Eines schönen Tages kam Eva zu mir, griff mir ans Ohr und zog mich zur Turnhalle, wo niemand außer uns war. Die schrecklichsten Bilder meines zukünftigen Schicksals tauchten in meinen Gedanken auf. Die Schwester sagte: „Geh, stell dich gegen die Wand. Jetzt werde ich dir verschiedene Bälle zuwerfen und du entscheidest selbst, welchen du am liebsten magst.“

Da meine Schwester Handballspielerin war, waren die Bälle in ihren Händen mit dem Werfen von Ziegelsteinen vergleichbar. Der erste Treffer war direkt in mein Gesicht. Das war ein Fußball und das war furchtbar schmerzhaft. Als zweiten warf sie einen Basketball und er traf meinen Kopf. Als Eva dann mit aller Kraft einen Handball in mich warf, sah ich die Sterne in all ihrer Pracht. Ich brach in Tränen aus wegen des Schmerzes, der Beleidigung und der Wut über sie . Ich schrie sie mit beleidigenden Worten an und bettelte darum, mich in Ruhe zu lassen.

„Ich hasse deine Bälle! Ich hasse deinen Sport und dich!“

Sie tat aber so, als würde sie mich nicht hören. Und da flog in meine Richtung der letzte Ball. Ich war so wütend, dass ich ihn fing, und um diese Rauferei zu stoppen, und sagte: „Ich mag diesen Ball am liebsten, weil er leicht ist.“

Der Ball erwies sich als Volleyball und der war wirklich leicht. An diesem Moment wurde mein Schicksal besiedelt! Von diesem Tag an brachte mir Eva Volleyballspielen bei.

Anfangs wollte ich gar nicht trainieren. Ich wollte sorglos mit den Kindern spielen, aber meine Schwester hielt nicht mit Förmlichkeiten auf und sagte sogar, dass sie mich schlüge, wenn ich das Training schwänzen würde. Übrigens war Eva die einzige Person in der Schule, die mich schlug, und wenn sie mich schlug, dann tat sie das gnadenlos stark. So, und nicht aus freiem Willen, musste ich Volleyballspielerin werden! Mit der Zeit gefiel mir die Idee, Volleyballspielerin zu sein. Ich war die einzige Volleyballspielerin, die an allen Handballspielen teilnahm. Dort sah ich, dass meine Schwester von Erwachsenen respektiert wurde, und wie sie ihre Bewunderung äußerten. Dabei war ihnen ihre Nationalität nicht wichtig. Das überraschte mich, weil wir dieselben Eltern hatten, und ich träumte davon, genauso behandelt zu werden. Ich wollte in diese Welt kommen. Als ich neun Jahre alt war, kam ein Sportlehrer auf mich zu und sagte: „Vita, ich möchte eine Jugend-Volleyballmannschaft gründen. Finde zehn Mädchen , die deiner Meinung nach Volleyball spielen können, und du wirst dann der Mannschaftskapitän sein.“

Diese Idee gefiel mir sehr gut. Ich stellte mit großer Begeisterung und Verantwortung ein Team zusammen und wir fingen an zu trainieren. Ich liebte unsere Trainings aus vielen Gründen. Zum Beispiel, während die ganze Schule hart Hausaufgaben machte, trainierten Handballer unter der Führung von meiner Schwester uns Volleyballer. Es machte mehr Spaß, als am Schreibtisch zu sitzen. Das Training war immer interessant, denn abseits des Feldes spielten wir rum und lachten viel. Auf dem Feld aber konzentrierten wir uns alle aufs Spiel. Sport brachte uns nicht nur die Technik und Genauigkeit des Ballwurfs und des Ballfangs, sondern auch Disziplin bei. Ein Teil einer Mannschaft zu sein war das Wichtigste, was wir lernten. Teil eines Teams zu sein - wurde zu meinem Lebensmotto!

Während ich trainierte und meine Fertigkeit einübte, kam ein weiteres Jahr vorbei und es war die Zeit des ersten Volleyballturniers. Wir bekamen eine schöne neue Sportuniform und Turnschuhe. Wir alle waren verzückt vor Freude. Das Verhältnis von Lehrern und Erziehern zu mir veränderte sich von Grund auf. Ich war nicht mehr auf der Liste der ungeliebten Kinder. Außerdem waren Erwachsene jetzt eher den guten Feen ähnlich, die mich vor jedem Turnier belehrten und segneten.

„Vita, du musst gewinnen! Bring unsere Schule nicht in Verruf! Wir glauben an dich, der Sieg ist unser!“

Wir gewannen das Turnier und der Pokal war unser! Und was am wichtigsten war, jetzt war ich kein Niemand mehr. Sogar im Unterricht fangen die Lehrer an, mir vieles nachzusehen. Sie sagten: „Vita ist unsere Athletin, deshalb darf sie das.“

Früher, wenn ich im Speisesaal eine zweite Portion haben wollte, wurde ich zum Gegenstand des Spottes und bekam ständig Absage. Ich musste mich heimlich in die Küche schleichen und Brot mopsen, aber jetzt hat sich die Situation geändert. Jetzt legten sie mir mit einem Lächeln einen vollen Teller mit Nachschlag zu und sagten: „Unsere Athletinnen sollen eine doppelte Portion bekommen, um sich zu stärken und immer zu gewinnen.“

Oh, diese falschen Erwachsenen!

Meine Schwester wusste freilich nichts davon, dass dank ihr mein Leben sich dann zum Besseren änderte. Die Erwachsenen fingen allmählich an, mich zu bemerken und zu hören. Bereits mit neun Jahren wusste ich genau, was ich im Leben wollte und was ich werden wollte. Ich träumte davon, Volleyballspielerin zu werden! Mein Sportlehrer und unser Trainer erkannten meinen Wunsch und halfen mir auf dem Weg zur Verwirklichung meines Ziels. Deshalb trainierte ich fast täglich sechs Jahre lang mit einer Mannschaft oder alleine. Ich ging zielgerichtet in Richtung meines Traums.

Meine Inspiration

Ich liebte Volleyball und ich liebte auch Unterricht in Geschichte und Literatur. Ich mochte diese Schulfächer. Im Unterricht hörten die Lehrer meine Gedanken respektvoll an, sie ermutigten mich und gaben mir die Möglichkeit, an Diskussionen teilzunehmen und meinen Punkt zu verdeutlichen. Sie gaben mir mit ruhiger Stimme Antworten auf meine Fragen, redeten über meine Äußerungen und machten sich nicht über sie lustig. Übrigens, ich war die einzige Schülerin, die ablehnte, einen Aufsatz zum Stück von Shakespeare „Romeo und Julia“ zu schreiben. Dies wurde dadurch erklärt, dass dieses Werk für mich nichts Interessantes war, dass ihre Liebe mir gekünstelt und unwirklich vorkam. Die Liebesgeschichte im Gedicht „Ruslan und Lyudmila“ gefiel mir besser, deswegen wollte ich den Aufsatz darüber schreiben. Trotz aller Versuche des Lehrers mir widerzusprechen verteidigte ich meinen Wunsch. Der Aufsatz nach dem Gedicht von A. S. Puschkin „Ruslan und Ljudmila“ erwies sich als hervorragend!

Zurück in der Schule gab es einen kleinen Folklorechor, in dem ich sehr gerne sang. Er wurde, so scheint es mir, von dem besten Musiklehrer geschaffen. Die Kinder wollten sich meistens nicht für den Chor anmelden, weil die Lieder, die man dort lernte, nicht so laut und klangvoll waren, wie zum Beispiel Pionierlieder. Dort sangen sie ganz andere Lieder - alte ukrainische Lieder, die vielen Kindern langweilig und wehmütig erschien. Ich sang aber gerne und beschloss mich zu versuchen, also ging ich zum Vorsingen. Der Lehrer gab mir ein bekanntes Lied, um meine musikalische Fähigkeiten zu überprüfen, und ich führte es gut auf. Natürlich war ich ein bisschen aufgeregt, aber es gelang mir gut. Nachdem der Lehrer das ganze Lied bis zum Ende gehört hatte, sagte er: „Du hast eine starke Zweitstimme, die ich für meinen kleinen Chor wirklich brauche, weil wir überwiegend ohne Musikinstrumente singen.“

Das Ziel des Chores war es, die Welt der ukrainischen Kultur für uns zu öffnen. Da wir kleine Ukrainer waren, mussten wir die Geschichte unserer Heimat kennen und lieben. Ich mochte wirklich alles, was er sagte, und ich wollte bestimmt aufgenommen werden.

Es waren fünfzehn Kinder unterschiedlichen Alters im Chor. Wir bekamen ukrainische Volkstrachten: Röcke für Mädchen und Hosen für Jungen, Pumphosen. Wie ich bereits sagte, war ich immer kahlköpfig, und als wir zu unserem Lehrer in ukrainischen Kostümen kamen, sah er mich an und sagte: „Vitotschka, du ziehst eine Pumphose an und wirst wie ein Junge sein.“

Ich war sehr verärgert, denn ich wollte wie alle Mädchen im Chor sein. Der Lehrer bemerkte das und begann mich zu beruhigen und erklärte, warum ich in Hosen sein sollte.

„Siehst du, Vitotschka, alle Mädchen haben Haare, und du hast dir leider die Haare schneiden lassen. Wenn ihr also vor dem Publikum singt, werden die Leute euren Auftritt nicht genau zuhören. Sie werden dich nur ansehen und denken: Bist du ein Junge oder ein Mädchen?! Und ich möchte, dass die Leute einfach zuhören und euren Gesang genießen.“

Ich wusste, dass er Recht hatte und stimmte zu die Pumphose anzuziehen. Also musste ich als Junge auftreten.

Wir reisten viel in der Region Transkarpatien und wir waren bei allen Arten von ukrainischen Festen. Manchmal traten Erwachsene mit unserem Chor auf und wir sangen alte, längst vergessene Volkslieder gemeinsam! Das war super!

Vor allem aber mochte ich Weihnachten. Es war voller Magie. Die Leute, die unseren Chor bevormundeten, nähten uns allen Handtaschen, die wir über den Schultern trugen, und wir gingen Weihnachtssingen, wie es in alten Traditionen üblich ist. Zu dieser Zeit hatten wir viele Süßigkeiten und Geschenke und unsere Handtaschen schwollen einfach von allerlei Leckereien an.

Nach dem Singen kamen wir fröhlich und glücklich in die Schule, und die Kinder, die nicht zum Chor gingen, bedauerten es damals sehr. Seltsamerweise nahm keiner der Lehrer unsere Beute, aber wir teilten natürlich Süßigkeiten mit anderen Kindern. Meine Gaben wurden im Grunde immer von Eva angenommen und sie sagte, dass sie mir nach und nach Süßigkeiten geben würde. Aber sobald sie in ihre Hände fielen, verschwanden sie einfach, ich bekam nichts aus meiner Tasche zurück.

Einmal wurden die Chormitglieder dringend zum Direktor gerufen. Wir gingen, ohne etwas zu verstehen, zu seinem Büro. Dort saß die Ehefrau unseres Musiklehrers in Tränen und sie sagte uns sorgfältig, dass er gestorben war, aber sie erklärte nicht warum. Er starb... Wir waren schockiert von dem, was wir gehört hatten, obwohl wir nicht wirklich verstanden, was Tod ist. Aber wir wussten, dass es traurig ist. Höchstwahrscheinlich waren wir in so jungem Alter verärgert, dass es keinen Chor, keine Reisen und vor allem keine Weihnachtsgeschenke mehr geben würde.

Unser Direktor bat uns, bei der Beerdigung unseres Lehrers zu singen, da dies sein letzter Wunsch war. Natürlich waren wir uns einig und schon am nächsten Tag bekam jeder eine rote Blume und wir gingen in ukrainischen Trachten einer Menge weinender Menschen nach.

Aufgrund unseres Alters verstanden wir nicht, was um uns herum geschah. Wir folgten nur traurigen Menschen zu dem Ort, an dem wir ein Abschiedslied für unseren lieben Lehrer aufführen sollten. Die Lehrer, die neben uns gingen, flüsterten uns ständig zu, wir sollten versuchen, gut zu singen, sonst würden wir bestraft. Warum sie das sagten, weiß ich nicht, aber ich wollte ihnen sagen, dass sie alle Idioten sind.

Auf dem Friedhof angekommen, umgaben alle Menschen ein tiefes Loch, vor dem ein Sarg stand. Dort lag ruhig unser Musiklehrer. Ich hatte ein Gefühl, als ob er nur schlief, aber sein Gesicht war aus irgendeinem Grund gelb-blau. Eines der Kinder fing an zu weinen und ich und ein anderes Mädchen fingen gerade an zu lachen. Alle weinten, aber wir konnten uns das Lachen nicht verbeißen. Vielleicht reagierte unsere Psyche so auf allgemeine Trauer. Wir mussten schon singen, aber wir konnten wegen des bezwingenden Lachens nicht. Dann fing einer der Erwachsenen unser Lied an und wir sangen auch. Ich versuchte mein Bestes, um mein hysterisches Lachen zu unterdrücken, aber ich war wie ausgewechselt. Kaum beendete ich das Lieblingslied unseres Lehrers, konnte ich am Ende es einfach nicht überstehen und lachte sehr laut. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Alle schielten meine Freundin und mich an und einige Erwachsene begannen uns zu schelten. Ich erstickte vor Lachen und konnte mich nicht steif machen. Ich erinnere mich, wie dann eine ältere Frau auf uns zukam und brachte mich und meine lachende Freundin an den Rand des Friedhofs und forderte uns auf, bis zum Ende der Zeremonie hier zu bleiben. Plötzlich verschwand unser Lachen sofort, denn wir schämten uns beide für unser Verhalten. Irgendwie wurde es uns traurig, dass unser Lehrer nicht mehr bei uns sein würde. Die Zeremonie dauerte lange, und nebenbei langweilten wir uns und beschlossen, zu allen zurückzukehren. Aber als wir uns der weinenden Menge näherten, brachen wir wieder in Gelächter aus.

Die gute Frau rettete uns wieder und brachte uns an den Rand des Friedhofs. Sie blieb bis zum Ende der Zeremonie bei uns und erzählte uns über das Leben unseres Musiklehrers. Wir sprachen unsererseits durcheinander, wie sehr wir ihn liebten und wie viel er für uns getan hatte. Dank dem Musiklehrer lernten wir unsere kleine Heimat, unser Zuhause zu lieben und es mit Seele und Wärme zu behandeln.

Ein Trick von Vitotschka

Offen gestanden, in der Schule gab es auch Fächer, die ich nicht mochte und vor denen ich sogar Angst hatte. Das war zum Beispiel Mathematik. Ab der vierten Klasse unterrichtete Mathe ein bedeutender Professor aus Uschhorod Herr Guti. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits im Ruhestand und wurde deshalb von unserem Direktor lange gebeten, in unserer Internatsschule zu unterrichten. Ich erinnere mich, wie sehr sich Erwachsene für uns Kinder freuten. Sie sagten, wir hätten viel Glück mit dem Lehrer, da er der Beste auf seinem Gebiet war. Darauf freuten wir uns auch, bis der Matheunterricht begann...

Der Professor erwies sich als grausam und streng. Bei jeder falschen Antwort schlug er die Kinder mit seinem hölzernen Lineal auf die Finger. Manchmal waren die Finger schon so wund, dass wir unsere Handflächen herhielten. Aber Herr Guti, der mit seinem verdammten Lineal auf die Hand des Kindes schlug, rief: „Ich sagte Fingerspitzen, keine Handfläche!“

Weinen und Wimmern waren strengstens verboten. Und wenn kein Lineal zur Hand war, nahm der Professor die Schüler an den Ohren und schrie, während er langsam den Körper des armen Kindes hob und nach rechts und links schwang: „Ihr seid so dumm, kleine Idioten!"

Deshalb mochte ich Mathe nicht und meine Finger erinnern sich immer noch an sein berühmtes Holzlineal. Seltsamerweise gelang es mir immer wieder alle sechs Jahre bei meiner Klassenkameradin Vera, die alles auswendig lernte, abzuschreiben.

Eines Tages mussten wir einen Mathe-Test schreiben. Am Tag zuvor mussten alle Kinder ihre Zähne untersuchen lassen. Diejenigen, die schlechte oder wackelnde Milchzähne hatten, mussten in die Zahnklinik. Das heißt, dass der Test ausfällt! Ich hatte keine Lust die Mathearbeit zu schreiben, weil ich nicht bereit dafür war. Und dann hatte ich eine verrückte Idee: Ich muss etwas tun, um auch in die Zahnklinik zu gehen. Aber wie macht man aus gesunden ungesunde Zähne?! Unsere Ärztin war sehr alt und trug eine große Brille. Das hieß, sie konnte nicht gut sehen, was mir sehr zustatten kam. Ich beschloss, meine Zähne als schlechte zu verschleiern. Dafür fand ich vorjähriges Stroh und kaute es. Meine Zähne wurden schmutzig und ich rannte schnell zum Arzt, um mich untersuchen zu lassen. Die Ärztin lächelte arglos und setzte mich in einen Zahnarztstuhl. Als sie in meinen Mund schaute, weiteten sich ihre Augen vor Überraschung. Sie wollte sie sofort reinigen, aber ich fing an zu wimmern, dass meine Zähne sehr schmerzten und es besser war, sie zu heilen. Nun, wie erwartet wurde ich auch in die Klinik geschickt. Ich musste keine Mathearbeit schreiben! Hurra!

Äußerst selbstzufrieden fuhr ich am nächsten Tag mit allen Kindern in die Klinik. Darauf vorbereitete ich mich im Voraus: am diesem Morgen putzte ich mir die Zähne absichtlich schlecht und ich konnte die Reste von faulem Stroh auf den Zähnen spüren. Der Arzt, der meinen Mund untersuchte, verstand wahrscheinlich sofort, was hier los war. Ich musste unverhohlen über den Mathe-Test erzählen. Der Arzt begann mir zu erklären, dass es nicht gut ist, einen Test zu verpassen, und besonders in der Mathematik, wie wichtig Mathematik im Leben ist, wie nützlich sie für mich sein kann. Als ich ihm genau zuhörte, vergaß ich völlig meine Zähne. Und in diesem Moment zog er einen Milchzahn. Es war so unerwartet und schmerzhaft, dass ich aufschrie, aber nichts sagen konnte, da mein Mund voller Blut und Watte war. Es erwies sich, dass meine vier Vorderzähne locker waren, also war es Zeit, sie rauszuziehen.

Als unser Professor am nächsten Tag in der Schule ankam, gab er bekannt, dass der Mathe-Test verlegen wurde, weil der größte Teil der Klasse fehlte. Deswegen fängt er jetzt an. So wurde mir klar, dass ich durch List und Täuschung nichts in meinem Leben erreichen kann. Und dank Verka schrieb ich den Mathe-Test gut.

Evas Eifersucht

Samstags hatten wir keinen Unterricht und in der Schule gab es Tanzabende. Ich sah es vielmals, wie meine Schwester und andere Mädchen sich vor einem Spiegel hübsch machten. Es war immer lustig für mich, denn ich verstand nicht, warum sie sich so kleideten. Es war ja nur eine Tanzparty! Und außerdem wenn sie schon fertig waren, war bereits die Hälfte der Disco vorbei.

Es war damals Mode, zu den Liedern von Modern Talking zu tanzen. Meine Schwester fand sie einfach unglaublich, aber ich mochte diese Gruppe im Gegenteil überhaupt nicht. Ich mochte es, zu den Liedern von Alla Pugacheva zu tanzen, denn dann waren sie sehr populär. Ihr berühmtes Lied "Eine Million scharlachroter Rosen", die im selben Jahr wie ich geschrieben wurde, blieb mir über die Jahre.

Ich mochte es nie, wenn Eva mit ihren Freunden zum Tanz kam. Sie vertrieben uns sofort von der Tanzfläche.

„Also, Kleinen, raus hier, die Erwachsenen sind da!“

Ich wollte nicht gehen und wollte auch mit meinen Freunden tanzen, aber da kriegte ich immer ihren berühmten Schlag auf den Hinterkopf und ich musste aufgeben.

Ich konnte meine Schwester da nicht verstehen. Ich verstand nie, warum sie mir das antat. Ich war ihre kleine Schwester und sie musste mich lieben und beschützen, aber sie war immer so kalt. Als ich älter wurde, wurde mir klar, dass sie nur neidisch auf meinen Bruder war. Eine Eifersucht kann, wie ihr wisst, eine Person kalt und grausam machen. Grishka verhielt sich wahrscheinlich nicht richtig Eva gegenüber. Aus irgendeinem Grund war ich für ihn immer an erster Stelle, obwohl Eva drei Jahre älter als ich war. Für ihn waren wir seine kleine und geliebte Vitotschka und die Schwester Eva.

Papa

Einmal in meinem Leben geschah ein Wunder. Es schien mir, dass die gute Fee endlich mein Verlangen hörte und es erfüllte. Eines schönen Tages lief Grischka, der außer Atem und freudig war herbei, hob und küsste mich und sagte, dass unser Vater aus dem Gefängnis zu Besuch kam! Und dass er uns wirklich sehen will.

Ich war so froh, dass uns jemand besuchte. Vor allem aber freute ich mich, weil ich wusste, dass jemand, der zu Besuch kam, unbedingt Geschenke mitbrachte. Schließlich konnte ich mit meiner Klasse Süßigkeiten teilen. Ich dankte der guten Fee und rannte Grishka nach. Aus irgendeinem Grund wartete unser Vater auf uns im Hof hinter der Schule und nicht wie andere Besucher, in der Halle neben dem Büro des Direktors.

Eva lehnte strikt ab, unseren Vater zu sehen. Das schokierte mich. Sie rannte in den Wald und versteckte sich dort. Ich fragte Grishka: „Warum will Eva nicht kommen? Immerhin ist er unser Vater!“

Er antwortete, dass sie nichts mit den Zigeunern zu tun haben wollte. Es kam mir sehr seltsam vor, aber ich war außer mir vor Freude, daher beeilte ich mich, Papa zu treffen.

Papa war glücklich uns zu sehen, obwohl er offensichtlich durch die Abwesenheit von Eva verärgert war. Er brachte mich und Grishka in den Laden und kaufte uns eine ganze Menge Süßigkeiten. Nochmals vielen Dank, gute Fee!

Das war das einzige Mal, dass ich meinen Vater sah. Er starb ein Jahr später nach unserem Treffen im Gefängnis. Leider war sein Gesicht aus meiner Erinnerung völlig verschwunden, aber ich erinnere mich noch gut an das bordeauxrote Hemd und seine goldfarbenen Stiefel. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es in meinem Kleiderschrank immer etwas Bordeauxrotes gibt.

Ich kann mich daran erinnern, dass das Gefängnis die Sterbeurkunde vom Vater an die Internatsschule schickte. Ich weiß nicht warum, aber weder mein älterer Bruder noch meine Schwester wollten dieses Dokument nehmen. Ich wollte es behalten, also bat ich unseren Lehrer, es mir vor meinem Abschluss zu geben. Ich behalte immer noch die Sterbeurkunden meiner Eltern. Manchmal, wenn ich völlig einsam bin, lese ich die Dokumente, die vom Alter ergilbten, in der Hoffnung, dass ich mich zumindest an etwas erinnern kann, vielleicht mal an ihre Gesichter. Ich sah aber nur eine Leere. Es ist wie ein schwarzes Loch, in das eine Person von oben herabschaut und nichts sieht.

Prügel

Im Sommer wurden alle Kinder aus der Internatsschule in ein Pfadfinderlager gebracht. Wir waren in Altersgruppen eingeteilt, sodass Eva und ich nie gemeinsam in einem Lager untergebracht waren. Und das war super! Aber ihr Lager war immer irgendwo in der Nähe.

Einmal beschlossen unsere Lehrer, ältere und jüngere Mädchen in einem Gebäude unterzubringen. Auf diese Weise wohnten wir, zehnjährige, in einem Zimmer mit zwölfjährigen Mädchen. Das Zimmer hatte zwanzig Betten.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die meiner Klassenkameradin Nataschka passiert ist.

Nataschka pinkelte ständig ins Bett, da die Toilette weit weg war und es wirklich beängstigend war, dahin zu laufen. Sie bat die älteren Mädchen, sie hinzubringen. Sie hatten darauf keine Lust, also wachte Nataschka am Morgen auf nassen Bettlaken auf. Die älteren Mädchen nannten sie aus diesem Grund Scheißerin und drohten sie zu verprügeln. Sie tat mir leid und ich setzte mich immer für sie und auch für die anderen Mädchen ein.

Damals wusste ich noch nicht, dass diese älteren Mädchen Angst vor meiner Schwester hatten. Obwohl wir in verschiedenen Ferienlagern waren, wussten alle, dass sie mir nichts anhaben konnten. Wenn mir jemand nur ein Härchen krümmt, wird er es dann mit Eva zu tun haben. Außerdem konnte ich auch mal einen Schlag parieren.

Die Mutter meiner Mitschülerin besuchte Maschka eines Tages im Pionierlager und brachte Geschenke mit, wie sich´s gehört - Süßigkeiten, Kekse und Fruchtgelee. Maschka teilte natürlich mit allen Mädchen, aber sie behielt die Fruchtgelee für sich zurück. Wir wussten ganz gut, dass es ihr Lieblingsdessert war, und wir tolerierten es natürlich, dass Maschka sie in ihren Nachttisch mit einem Schlüssel einschloss.

Die älteren Mädchen listeten aber dann Maschka diesen Schlüssel ab und erklärten, dass wir, die jüngeren Mädchen, ihn stehlen und ihre Fruchtgelee essen würden. Sie beteuerten Maschka, dass sie persönlich ihren "Schatz" behüten werden. Am nächsten Tag, als ich mit meinen Freundinnen spazierte, lief plötzlich meine Mitschülerin hinzu und schrie: „Vita, jemand hat Maschkas Fruchtgelee gestohlen! Der Nachtisch wurde geklaut und jetzt versammeln die älteren Mädchen den ganzen Trakt für eine Auseinandersetzung!“

Ich ging ruhig ins Gebäude. Meine Mitschülerinnen hatten damals Angst, weil es niemanden gab, der sie in Schutz nimmt, aber ich beschloss, dass ich mich nicht bei meiner Schwester beschwere. Als ich den Raum betrat, sah ich die weinende Maschka und fragte, was passiert sei. Zwei ältere Mädchen antworteten für sie, dass jemand beim Abendessen Maschkas Nachttisch geklaut, das ganze Fruchtgelee gegessen und nur eine leere Schachtel zurückgelassen hatte. Sie fügten hinzu, dass sie den Schlüssel verloren hatten, aber dass sie die Diebin bereits gefunden hatten.

Diese Diebin war angeblich meine Klassenkameradin Nataschka, die ins Bett machte und sie damit verärgerte. Ich sagte sofort, dass ich ihnen nicht glaubte, dass Nataschka das nicht tun konnte, weil wir mit ihr am selben Tisch gesessen und gegessen hatten. Ich warf Natashka einen Blick zu, um meine Worte zu bestätigen, aber sie war verängstigt und murmelte leise, dass sie die Süßigkeit gestohlen hatte. Ihre Wangen waren noch rot von den Ohrfeigen. Ich rief den Mädchen zu, sie seien selbst Diebinnen und Lügnerinnen, und Nataschka hätte Maschka niemals etwas weggenommen, weil sie seit dem Kindergarten befreundet waren. Wir klauten nie was. Sie zwangen Nataschka einfach zu sagen, dass es ihre Schuld war.

Ich drehte mich um und sah die Mädchen, die wie graue Mäuschen dastanden, in deren Augen statt Unterstützung nur Angst war. Die Bestrafung für Nataschka war streng - sie legten Nataschka auf einen Hochstuhl, zogen ihre Hose aus und entkleideten ihren Hintern. Und wir mussten uns in eine Reihe stellen. Jeder musste Natascha dreimal mit einem Zweig schlagen und wenn jemand das nicht tun wollte, soll er sich als nächster auf den Stuhl legen. In dieser schrecklichen Schlange war ich fast am Ende. Als ich an der Reihe war, Nataschka zu schlagen, war ich entsetzt, als ich Natashkas bläulich-roten Po sah. Sie war die Kleinste in der Klasse, deshalb tat sie mir richtig leid. Ich weinte und bat, sie freizulassen. Ich sagte, dass sie bereits alles verstand, und weiste ihnen glatt ab, sie zu schlagen. Ich fragte dann: „Wer ist dafür, dass niemand sonst Nataschka schlägt?“

Plötzlich stimmten mir alle zu und schmissen ihre Zweige weg. Da ohrfeigte mich das älteste Mädchen, dann schlug sie nochmal... Aber ich fiel nicht hin, weinte nicht, hielt schweigend all die zahlreichen Schläge aus, die sie machten. Mein Herz war voll von der Ungerechtigkeit, aber ich war stolz darauf, Nataschka gerettet zu haben.

Nach einer Weile rannte eine riesige Menge der ältesten Mädchen angeführt von meiner Schwester auf uns zu. Es stellte sich heraus, dass zu der Zeit, als ich zum ersten Mal geschlagen wurde, eines der Mädchen zum Pfadfinderlager meiner Schwester rannte und sagte, dass ich geschlagen wurde. Eva war wütend. Sie kam auf mich zu.

„Wer hat es gewagt dich zu schlagen und wofür?“

Ich antwortete, dass alles schon vorbei war und wenn sie mit diesen Barbaren ihre Auseinandersetzung beginnt, dann werden sie uns am Abend, wenn das ganze Pfadfinderlager schlafen wird, mit dreifacher Wut dafür bestrafen, dass wir uns beschwerten. Es war besser, alles so zu lassen, wie es war. Eva schlug mir wie immer auf den Hinterkopf, nannte mich gute Närrin, nahm meine Hand und führte mich in unser Gebäude. Die Mädchen, die mich schlugen, sahen meine Schwester und liefen schnell weg. Sie wurden aber trotzdem gefasst und zu Eva gebracht.

Eva befahl mir, die Mädchen so zu schlagen, wie sie mich geschlagen hatten. Ich wollte das nicht tun, aber sie zwang mich. Ich gab beiden Mädchen einen Klaps auf die Wangen, was meine Eva verärgerte und sie sagte, dass ich überhapt nicht zurückschlagen konnte. Sie forderte mich auf, keine Angst zu haben und stärker zu schlagen, und versprach, dass sie mir kein Härchen krümmen werden. Ich antwortete, dass ich keine Angst um mich selbst habe, dass ich Mitleid mit meinen Mitschülerinnen habe, denen diese Mädchen dann den ganzen Ärger herauslassen würden. Dann sagte die Schwester: „So geht das nicht. Durch ihr Verhalten haben sie eine Prügel verdient.“

Eine Prügel ist, wenn eine Person vollständig mit einer Decke bedeckt ist und jeder, wie stark er will, diese Person schlägt. In unserer Schule war die Prügel sehr selten eingesetzt, denn man musste eine solche Strafe wirklich verdienen und wenn schon, dann fiel die Autorität eines solchen Kindes in die Augen der anderen.

Die Schwester und ihre Freunde warfen Decken über die Mädchen und gaben, festhaltend, den Befehl zu schlagen. Alle zwanzig Mädchen stürzten sich wie kleinen Wilden auf Decken. Die Mädchen wurden mit den gleichen Stäben, ihren Armen und Beinen geschlagen. Sie schrien vor Schmerz und baten darum, losgelassen zu werden. Die Wilden hörten aber nicht auf, sondern schlugen immer härter, besonders Nataschka. Daran nahm ich nicht teil, aber stand beiseite und bat meine Schwester, das alles zu stoppen. Niemand hörte mich.

Vielleicht wird jemand sagen, dass es grausam war, jemand wird denken, dass es fair war, das ist euer Recht. Wie auch immer, nach diesem Vorfall herrschte völlige Idylle und Frieden in unserem Pfadfinderlager.

Eva und ihre Freundinnen besuchten mich und meine Mitschülerinnen fast täglich. Sie erhielten von den Pionierleitern die Erlaubnis, auf uns aufzupassen. Es war toll, die Sommerferien mit den Älteren zu verbringen. Wir waren sogar zum Abschluss auf der Bühne zusammen. Die älteren Mädchen, angeführt von meiner Schwester, schickten uns mitten in der Disco zum ersten Mal nicht von der Tanzfläche weg und tanzten mit uns.

Dies war das letzte Mal, dass Eva wirklich schien, meine ältere Schwester zu sein. Sie war so lieb, fürsorglich und verständnisvoll wie zuvor. Eva und ich waren ganz anders. Wenn etwas schief ging, fing die Schwester sofort an zu schlagen. Ich hatte Geduld und immer den Wunsch, andere zu verstehen. Ich liebte Eva, aber ich sagte ihr das nie, so wie sie mir. Sie war die ganze Zeit sauer auf mich. Ich empfand nur Mitleid für meine Schwester...

Liebe zur Natur

Hinter unserer Schule war ein großer Wald. Ich bewunderte seine Mächtigkeit, seine Anmut und Schönheit. Mit Seiner Hoheit dem Wind war ich per Du! Ich erinnere mich, wenn ein großer Wind erwachte, kletterte ich schnell auf einen Baum, hielt mich fest an den Stamm und tat so, als sei ich ein kleines Blatt. Seine Hoheit der Wind schaukelte mich auf der Schaukel. Wenn ich oben auf dem Baum saß, schien es mir, dass Seine Hoheit absichtlich doppelt oder dreifach kräftiger blies, mich wippte und mich dadurch wissen ließ, wer hier das Sagen hatte! Dann fing aber ein heftiger Regen an und mir blieb nichts anderes, als mich zurück vom kleinen Blatt in Vitotschka zu verwandeln. Ich musste mich dann beeilen und nach Hause zur Internatsschule rennen. Ich war ein Teil von Mutter Natur, und verdammt noch mal, das mochte ich sehr. Ich war vom Gesang der Vögel fasziniert, ich sang oft mit und sie sangen mir daraufhin auch mit. Wenigstens kam mir das so vor. Im Herbst begleitete ich meine kleinen Freunde in warme Länder und im Frühjahr wartete ich immer auf ihre Rückkehr! Ich liebte es lange Zeit verschiedene Käferchen zu beobachten und zu erforschen.

Oft zündete ich ein Feuer an, über dem ich im Wald gesammelte Pilze und zuvor vom Speisesaal gestohlene Kartoffeln und Brot briet, und es schien mir, dass es das köstlichste Essen der ganzen Welt war.

Wenn ich fliegen wollte, legte ich mich ins Gras, blickte zum Himmel auf und genoss das Gefühl des Fliegens... Im Wald fand ich Ruhe, die es nie in meiner Internazsschule voller schreiender Kinder gab. Außerdem wuchsen hier, wie ich dachte, die schönsten Blumen der Welt - die Wildblumen! Ich liebte es, sie anzusehen und bewunderte ihre Schönheit und ihren Mut, ohne Hilfe von Menschen zu wachsen. Ich pflückte sie nie, sondern nur beobachtete.

Ich liebte den Regen immer. Wenn er begann, versteckte ich mich nicht unter einem Baum, sondern tobte fröhlicher um, fing jeden Tropfen auf und war dann immer durchgeregnet! Ich war in diesen Momenten glücklich. Die Natur bleibt immer noch ein wesentlicher Teil meiner Seele.

Pionier

Hinter unserer Schule gab es einen Gemüsegarten, dessen Besitzer ein alter Mann war. In diesem Gemüsegarten gab es Sauerampfer, den ich liebte. Jeden Tag, wenn ich ihn wachsen sah, freute ich mich darauf, dass ich mich bald am Ampfer satt essen würde. Endlich kam dieser langersehnte Tag. Wie immer kletterte ich kühn, aber langsam über den Zaun und ging direkt an den Ort, wo der Sauerampfer wuchs und auf mich wartete.

Zu meiner Zeit dachten Kinder selten über Mikroben und Hygiene nach, deshalb fing ich sofort an, diese sauren Blätter zu essen. Wie saftvoll und lecker sie waren! Ich aß langsam Sauerampfer und spürte plötzlich, wie jemand hinter mir blickte. Ich drehte den Kopf und, oh Gott, ich sah den alten Mann mit einer Harke stehen. Er war wütend. Dann nahm ich die Beine unter den Arm. Fluchend verfolgte mich der Opa, aber er konnte mich natürlich nicht fassen. Wie eine Katze kletterte ich mühelos über den Zaun und verschwand hinter ihm, als ob ich hier überhaupt nicht gewesen wäre. Als ich in die Internatsschule kam, atmete ich erleichtert auf und dachte, dass alles vorbei sei.

Ich hatte aber nicht das Glück. Vor der Schlafenszeit stellten wir uns wie üblich in einer Linie auf, um zu überprüfen, ob alle da waren. Als ich nichts ahnend zum Appell kam und denselben Großvater sah, der jetzt schon ohne Harke war. Ich bekam so einen Schreck und mein Herz rutschte mir in die Hosen. Der Direktor fragte streng: „Wer ist heute ins Grundstück dieses Mannes eingedrängt?“

Ich versuchte mich hinter anderen Kindern zu verstecken, die so schwarz und kahl waren wie ich. Ich dachte, der Opa hätte mich vielleicht nicht erkannt, da er alt war, vielleicht hatte er schlechte Augen und er hatte mich flüchtig angesehen. Außerdem sahen wir fast alle gleich aus. Mann, wie Zwillinge!

Ich erinnere mich noch an diesen krummen Finger, mit dem er auf mich zeigte.

„Das war er!“, schrie der Mann.

Der Opa war so mit sich selbst zufrieden, als er mich erkannte. Aus lauter Freude dachte er aber nicht daran, dass ich ja kein Junge war! Ich hatte keine Wahl, als mit gesenktem Kopf aus der Reihe auszutreten. Der Direktor befahl sich zu entschuldigen. Ich schämte mich natürlich für meine Tat, deshalb entschuldigte ich mich beim alten Mann und versprach, dass ich nie wieder in seinen Gemüsegarten eindringen würde.

Ich hielt mein Versprechen. Seitdem wagte ich es nie, mein Wort zu brechen, obwohl ich manchmal den Sauerampfer wollte. Jeder Mensch hat wahrscheinlich ein paar solcher Fälle aus der Kindheit, an die man sich jetzt mit einem Lächeln erinnert. Das war für mich eine bestimmte Erfahrung und eine Lehre. Mir wurde dann klar, dass jemanden zu bestehlen, sich zu verstecken, sich zu verbergen und zu lügen - das war nichts für mich! Ich mochte mich nicht schämen und ich wollte nicht, dass jemand auf mich mit einem krummen Finger zeigt und mich als Diebin bezeichnet.

Wegen dieses Vorfalls wollte man mich nicht zu den Pionieren einreihen (ein Pionier ist Mitglied einer Jugendorganisation in der UdSSR und in einigen anderen Ländern). Ich wollte wirklich ein Pionier sein! Ich träumte davon, eine schöne Pionieruniform mit rotem Halstuch anzuziehen, eine echte Pioniertrommel zu bekommen und mit allen Kindern im Rhythmus den Trommelwirbel zu schlagen. Ich und einige andere Rüpel stiegen aber nicht einmal in die zweite Gruppe der Pionierrekruten ein. Das war eine Schande! Aber nach einiger Zeit hatte man wahrscheinlich Mitleid mit uns und wir wurden zu Pionieren zugeteilt. Gleichzeitig sagten sie, wenn wir wieder Schaden anrichten, werden wir zurück in die "Oktoberkinder-Gruppe" versetzt.

Natürlich erschreckten sie uns damals nur, aber wir hatten davor Angst und versuchten, uns gut zu benehmen. Pionier zu sein war damals sehr wichtig. Dieser Titel musste aber noch verdient werden. Es war notwendig, gut zu lernen, diszipliniert zu sein, alle Pionierlieder und Gedichte zu kennen, Veteranen und älteren Menschen zu helfen. Mit dem Satz: „Pionier, sei bereit!“ musste man strammstehend die Hand zum Gruß heben und laut und enthusiastisch antworten: „Immer bereit!“. Danach musste man gehen und einen Auftrag zum Wohle der Gesellschaft ausführen.

Das waren eigentlich schwere Zeiten für das ganze Land. Die Menschen hatten Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Ich erinnere mich an eine solche Geschichte. In unserer Schule war ein Lehrer Herr Katuna. Während die Schüler schweigend ihre Hausaufgaben machten, saß er am Lehrertisch und las die Zeitung, in der die Worte „KOMSOMOLSKAJA PRAVDA“ in großen Buchstaben geschrieben waren und darunter ein Foto des Führers der Völker Joseph Vissarionovich Stalin. Die Zeitung war leicht zerknittert, weil der Lehrer auf dem Weg zur Arbeit Fisch kaufte. Anscheinend hatte er nichts Besseres zum Verpacken als diese Zeitung. Als er im Unterricht ankam, wickelte er den Fisch in eine andere Zeitung und beschloss, jetzt die Zeitung zu lesen. Die Schüler erledigten ihre Hausaufgaben und gingen zusammen mit dem Lehrer in den Speisesaal zum Abendessen. Sobald Herr Katuna mit seiner zerknitterten und aufgerollten Zeitung in der Hand hereinkam, rannten die Lehrer mit Ausrufen auf ihn zu:

„Was ist das? Was fällt Ihnen ein? Das können Sie nicht machen!“

Der Lehrer war verwirrt und verstand nicht, worum es überhaupt ging. Natürlich erklärten sie ihm mit einem Skandal und einem Verweis, dass es unmöglich sei, Fisch in „Genosse Stalin“ zu wickeln und es sogar verboten sei, die Zeitung, auf der Joseph Vissarionovich dargestellt ist, zu zerknittern und aufzurollen. Es kam so weit, dass eine Parteisitzung arrangiert wurde, in der man besprach, ob der Lehrer von der Partei ausgeschlossen sein sollte. Herr Katuna war Mitglied in der kommunistischen Partei, wie die meisten Menschen in der Sowjetunion. Aus der Partei ausgeschlossen zu werden bedeutete eine Schande und das Ende seiner Lehrerkarriere, deshalb fürchtete sich jeder davor.

Am nächsten Tag kamen einige Leute zu unserer Internatsschule. Sie schlossen sich mit Herrn Katuna in ein Auditorium ein und sprachen laut und angespannt über etwas. Die Kinder durften nicht abhorchen, aber alle machten sich große Sorgen um Herrn Katuna. Wir verstanden, dass der Lehrer etwas Schlechtes getan hatte, verstanden aber nicht, was genau. Wir wussten nur, dass es irgendwie mit der Zeitung zu tun hatte. Wie die Parteimitglieder dieses Problem lösten, blieb hinter der Tür, aber wahrscheinlich bekam er nur eine Verwarnung, vielleicht mit etwas anderem, aber er kündigte nicht. Zum Glück endete alles gut, worüber sich alle sehr freuten!

Am ersten Mai waren wir bei der Parade. Als ich klein war, ging ich nicht gern zur Parade, weil ich dabei langsam und lange laufen, jeden anlächeln und Luftballons schwenken musste. Aber die Luftballons! Sie gaben uns einen Ballon und deshalb wartete ich ungeduldig auf die Parade. Immerhin durfte man sie dann in die Internatsschule mitnehmen und spielen, bis er platzt. Aus irgendeinem Grund platzte der gemeine Ballon immer schnell und ließ mich seine Schönheit und Luftigkeit nicht genießen. Deshalb kaufe ich jetzt, wenn ich schon erwachsen bin, manchmal in McDonalds eine Menge Luftballons und spiele dann damit wie in der Kindheit.

Als ich älter wurde, nahm ich gerne an den Paraden teil, weil ich bereits in einer Sportgruppe war. Wir zeigten unsere Gymnastik und eine Pyramide. Zu meinen Aufgaben gehörte es, einen Salto, eine Brücke und am Ende einen Spagat zu machen. Von der Seite sah es sehr schön aus. Peretschyn erinnert sich noch heute an unsere Maifeiertagspyramiden.

Frau Winter

Wie gesagt, ich liebte die Natur sehr und besonders bewunderte ich die Winterzeit. Der Winter in der Ukraine ist einfach magisch! Es fiel manchmal so viel Schnee, dass am Morgen einige Häuser vollständig mit Schnee bedeckt waren.

Hinter unserer Schule befand sich eine große Schneerutsche, von der alle Kinder Schlitten fuhren. Es gab nur wenige Schlitten, nur vier für die ganze Klasse, also fuhren wir auf allem, was zuhanden war. Grundsätzlich handelte es sich dabei um große Plastiktüten, die für Weichheit mit Schnee oder Stroh gefüllt waren.

Grischka hatte einen riesigen schwarzen Hund, der ihm immer folgte. Er setzte mich auf einen Schlitten und band den Hund vor der mich über das Feld zog. Ich hatte schreckliche Angst vor seinem schwarzen Hund, aber ich fuhr gern auf einem Schlitten und fühlte mich bei Grischka sicher. Der Hund kippte mich oft vom Schlitten und ich fiel mit dem Gesicht in eine Schneewehe. Ich heulte und gab Grischka einen guten Lacher dabei.

Unseren Betreuern gefiel es nie, dass wir nass und kalt von der Schneerutsche kamen, aber wir waren sehr zufrieden. Aufgeregt und mit rosa Wangen zogen wir uns in der Schule die vom Schnee nasse Kleidung aus und sprachen durcheinander, welchen Spaß wir da draußen hatten. Es scheint mir, dass Erwachsene unsere sorglose Kindheit beneideten, da sie uns immer belächelten.

Um keinen Rüffel zu bekommen, rannte ich nicht zu Eva, sondern zu Grischka, damit er mir half, mich trocken zu kleiden. Er wärmte meine eiskalten Händchen und hörte mit einem Lächeln zu wie ich ohne Pause plapperte: über den festen Sack den ich zufällig gefunden hatte, dass ich keine Angst hatte, vom Sprungbrett herunterzuspringen, und über alles andere. Er lachte, umarmte mich fest, küsste mich auf die Nase und führte mich meine Hand haltend zu meiner Klasse.

Natürlich liebte ich den Winter auch wegen Silvester. Das war mein Lieblingsfeiertag. Auch jetzt hab ich ihn gern. In der Schule stellte man eine wunderschöne riesige und prächtige grüne Tanne und schmückte sie mit allerlei buntem Christbaumschmuck. Unsere Lehrer bereiteten mit Kindern Neujahrsaufführungen vor in denen ich irgendwie immer den Bösen spielte. Ich war darüber nicht sehr erfreut, aber ich spielte trotzdem gut. Wir tanzten mit dem Schneewittchen und Väterchen Frost im Kreis, sangen Lieder, sagten Gedichte auf und bekamen Geschenke. Es herrschte ein träumerisches Gefühl. Ich mochte Silvester aber auch, weil wir bis spät in die Nacht spielen durften.

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08 temmuz 2025
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9783969695432
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