Kitabı oku: «„MENSCH BLEIBEN“ bis ans Lebensende»
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1. Auflage Mai 2021
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ISBN 978-3-95963-793-0 (PDF)
ISBN 978-3-95963-791-6 (ePUB)
ISBN 978-3-95963-792-3 (Mobipocket)
ISBN der Printausgabe 978-3-95963-794-7
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Das Buch
Selbstbestimmt zu Leben ist ein elementares Recht eines jeden Menschen. Dieses Recht sollte die Gemeinschaft gewährleisten. Wenn aber die Gemeinschaft aus Menschen besteht, die sich auf dem Weg des Lebens verloren haben oder es nie gelernt haben ihre Selbstbestimmung einzufordern, dann funktioniert es nicht mehr. Und so sieht es aus für Pflegende und Pflegeempfänger. An Beispielen aus der Altenpflege zeige ich auf, dass besonders die Pflegenden, aber auch alle anderen an diesem Prozess beteiligten einen neuen Ansatz finden müssen, ihren Beruf und ihr Privatleben mit Erfüllung, kraftvoll, leidenschaftlich und voller Freude zu leben. Wenn dies gelingt, dann überträgt sich diese ungeheure Power auf die Senioren und diese Energie wird verborgene körperliche und geistige Kräfte freisetzen.
„MENSCH BLEIBEN“
bis ans Lebensende

Ein Erfahrungsbericht aus der Altenpflege
von Wiebke Wanning
Vorwort
Beruflich habe ich schon immer nur das gemacht, was ich liebe und worauf ich Lust habe. Ich bereue nicht einen Schritt meines bewegenden Werdeganges, auch den Ausflug in die Altenpflege nicht.
Aber... ich wünsche mir, dass sich für die betroffenen Menschen, die Pflegerinnen und Pfleger und auch für die Pflegeempfängerinnen und Pflegeempfänger etwas ändert, egal auf welcher Seite sie stehen.
Das Ziel eines jeden Menschen, egal welchen Alters, ist es, ein wunderbares Leben in höchstmöglichem Frieden zu führen.
Selbstständig agieren zu dürfen und in Harmonie mit der Gesellschaft zu leben.
Bedingung hierfür ist, dass wir die Fähigkeit besitzen, uns bewusst zu machen, dass alle Menschen unsere Mitmenschen sind.
Ich maße mir nicht an zu denken, dass ich viele Menschen mit diesem Buch erreiche, denn Veränderung macht Angst und ist unbequem. Aber sollten es einige wenige sein, die den Mut haben zur Veränderung beizutragen wird dies sehr viel positive Bewegung auslösen. Infolge wird der Umschwung zu spüren sein und der Respekt untereinander kann wachsen.
Stellt Euch vor, ihr würdet nachts mit einer Fackel vorangehen und Mut und Respekt zeigen. Die Fackel wird die Umgebung um euch herum ein paar hundert Meter erhellen und es ist möglich, dass ihr euch ziemlich einsam fühlt.
Doch vielleicht fällt das Licht ein paar hundert Meter weiter jemandem ins Auge. Dieser Mensch weiß dann, dass ihr dort seid, dass dort ein Licht ist und es einen Weg gibt.
Evtl. finden sich Dutzende oder später Hunderte von Lichtern um euch herum ein, die diese Menschen aussenden... und dadurch wächst der Respekt untereinander, denn „Mut“ und „Respekt“ sind ansteckend!
Wir Menschen sind keine Geschöpfe, die sich von Natur aus nach Streit, Krieg oder Gewalt sehnen. Dies bedeutet, wenn wir das Bewusstsein für das Gemeinschaftsgefühl bei allen Menschen nähren könnten, so würden viele Konflikte verhindert werden.
Allein dadurch, dass die Menschen sich ihrer Mitmenschlichkeit bewusst werden.
4 Jahre habe ich an der Rezeption und in der Pflege div. Altenheime und im ambulantem Dienst gearbeitet und als Auszubildende zur examinierten Altenpflegerin. Dadurch hatte ich die Möglichkeit hinter die Kulissen aller beteiligten Abteilungen schauen zu können.
Auch 2 unterschiedliche Pflegefachseminare habe ich erleben dürfen und schildere meine Erfahrungen.
Fakt ist:
Gute Altenpflege ist unter den jetzigen Bedingungen kaum möglich.
Es herrscht höchster Personalmangel, in manchen Bundesländern niedrige Löhne und meist sehr schlechte Arbeitsbedingungen.
Die Folge ist, dass „ein gutes und selbstbestimmtes Leben bis in den Tod“ für die alternden Menschen nicht mehr gewährleistet werden kann. Jedoch nicht nur für die Seniorinnen und Senioren, dies gilt auch für die Angestellten, die in der Pflege arbeiten. Auch diese Menschen haben das Recht auf ein solches Leben.
Die heutigen Strukturen und fehlenden Kompetenzen Einzelner lassen dies so allerdings nicht zu und es ist an der Zeit hier Veränderungen herbeizuschaffen.
Viele Unternehmen versuchen ihre Mitarbeiter durch Androhung von Restriktionen zu Leistungen anzuspornen. Angst vor Strafe ist somit der primäre Motivationsfaktor. Auf lange Sicht ist dies sicherlich nicht von Erfolg gekrönt. Natürlich lassen sich Menschen kurzzeitig mit Angst in Schach halten, aber eben nicht auf Dauer.
Die nächste Strategie folgt und besteht aus dem Schaffen von finanziellen Anreizen. So wie es aktuell gefordert wird. Die Arbeitnehmer werden dies zu schätzen wissen, aber auch dieser Wirksamkeit sind Grenzen gesetzt. Irgendwann wird auch dieser Nutzen schwinden, da die Qualität der Arbeit gleichbleibend ist. Zudem kommt hinzu, dass finanzielle Motivation dazu führt, nur noch für finanzielle Belohnungen zu arbeiten und bleiben diese aus, wird kein Finger mehr gerührt.
Die sicherlich wirkungsvollste Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die persönliche Weiterentwicklung zu fördern. Wenn Firmen ihren Mitarbeitern helfen zu wachsen und ihre Persönlichkeit zu entfalten, dann haben sie Freude am Leben. Sie gehen gerne in Kontakt mit anderen Menschen und empfinden Zufriedenheit in ihrem Beruf. Auch wird der Wunsch einer positiven Bereicherung für das Unternehmen steigen.
Der Schlüssel zum Erfolg besteht also darin, Mitarbeiter zu coachen und fortzubilden, damit sie Selbstvertrauen, das Gefühl innerer Stärke und Lebensfreude entwickeln.
Stillstand ist das Resultat mangelnder Bewegung. Alt werden z.B. ist nicht von den Lebensjahren abhängig, sondern von dem Mangel an Bewegung. Und der absolute Stillstand ist der Tod.
Was tun Kinder, wenn sie nach dem Regen auf dem Bürgersteig Pfützen sehen? Sie springen vor lauter Lebensfreude hinein. Sie lachen und amüsieren sich. Was macht ein Senior, der dort entlang geht. Er geht drum herum und beschwert sich wohlmöglich noch darüber.

Diese Leichtigkeit und Glückseligkeit muss wieder gewonnen werden und dieses Lebensgefühl überträgt sich in der Pflege von den Pflegenden auf die Pflegeempfänger.
Die generalistische Pflegeausbildung hat begonnen und es wird heftig diskutiert, ob dies Vor- oder Nachteile für die Altenpflege mit sich bringt.
Kann es funktionieren, drei unterschiedliche Pflegeberufsausbildungen 2 Jahre lang zusammenzulegen und eine darauffolgende Spezialisierung nur 1 Jahr zu lehren?
Wie attraktiv ist die Altenpflege gegenüber der Kinder- oder Krankenpflege? Dies sind offene Fragen, die erst durch die Zukunft beantwortet werden können.
In den Medien wird viel über einen gesetzlich vorgegebenen Personalschlüssel diskutiert. Die Festsetzung einer Personaluntergrenze ist aktuell ein Ansatz, den es jedoch noch zu überdenken gilt, da es zu viele Schlupflöcher gibt.
In den Krankenhäusern z. B. wird Personal spontan bei Krankheit und Urlaub o. ä. umgeschichtet, damit die Untergrenze erreicht wird.
Dies bedeutet aber auch, dass in den Abteilungen, in denen es die Personaluntergrenze nicht gibt, Personal fehlt.
Und auch diese Frage stellt sich: Ist im Arbeitsvertrag eine Art
„Springerposition“ vereinbart worden? Sehr wahrscheinlich nicht!
Ein anderer Ansatz der Politik ist, dass Pflegekräfte mit 55 Jahren in Rente gehen sollten. (Dies wird diskutiert, als wenn es ein Geschenk sei.) Was ist das bitte für eine Idee?
Dies bedeutet doch nichts anderes, als das diese Menschen im Alter von 55 Jahren keinen Mehrwert mehr für den Arbeitsmarkt darstellen.
Und warum nicht?
Weil sie körperlich und psychisch am Ende sind!?
Es gibt allerdings weder einen finanziellen Anreiz noch eine Dankesgeste und warum auch, die geringe Rente, die diesen Menschen zusteht, fällt bei der allgemeinen Lage weniger ins Gewicht als das sich der Krankenstand in der Altersklasse erhöhen würde.
(Und die viel diskutierte Grundrente ist von ihrem Betrag her ja nun auch nicht wirklich erstrebenswert.)
Dem Beruf angemessene Löhne sind zudem zwingend gefordert und „Verdi“ spricht sich für einen flächendeckenden Tarifvertrag für die Altenpflege aus.
Auch das liest sich sehr verlockend, die Frage ist die Finanzierung der Umsetzung. Sollte dies über Pflegeversicherungsbeiträge refinanziert werden, beißt sich die Katze in den Schwanz.
Der Bruttolohn steigt, und der Nettolohn könnte sinken!
Gute Pflege ist abhängig von sehr vielen Faktoren, jedoch in erster Linie von gut ausgebildetem Pflegepersonal und auch allen anderen Menschen, die an diesem Prozess beteiligt sind.
Die Zusammenarbeit muss stimmen, sonst ist die tägliche Arbeit unbefriedigend und dies macht auf Dauer krank.
Grundvoraussetzung um andere Menschen zu pflegen und zum Wohl der Arbeitskollegen agieren zu können, sollte zunächst einmal ein guter und gesunder Umgang mit der eigenen Person und dem eigenen Leben sein. Hier appelliere ich an mehr Selbstverantwortung.
Auch die Politik und die Firmeninhaber müssen verstehen, dass gute Pflege nur in einem gesunden und kollegialen Umfeld geleistet werden kann.
Fachseminare und Pflegeschulen sollten den Themen wie z.
B. Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Menschenkenntnis, Körpersprache, Kompetenzen und Kommunikation der angehenden Fachkräfte viel mehr Beachtung schenken. Auch Kniggeregeln, Umgangssprache und soziales Verhalten ist bei den meisten Schülern, Pflegehelfern und auch Fachkräften unbedingt verbesserungswürdig.
Auswirkungen psychischer Erkrankungen im Alter und der Umgang mit diesen müssten regelmäßig nach dem aktuellsten Stand geschult werden. Dies sollte unbedingt bei allen in der Pflege beteiligten Abteilungen stattfinden.
Zu Beginn der Ausbildung dieses für mich wunderschönen Berufes,
„Menschen zu unterstützen, wenn sie es am dringendsten benötigen“ war ich voller Begeisterung und sehr glücklich eine „Sinn“ gebende Tätigkeit ausführen zu dürfen. Im Laufe der Zeit wurde ich jedoch mit der nicht mehr positiven Realität konfrontiert.
Ein Beruf, der leider nicht so ausgeübt werden kann, wie es in der Ausbildung gelehrt wird und den Pflegeempfängern zusteht.
Durch den jetzigen Personalmangel wird die Pflege unter sehr schlechten Bedingungen von vielen Menschen ausgeführt, denen es zudem an sozialer Kompetenz, Fachwissen und Empathie fehlt.
Dies geht in erster Linie zu Lasten alternder, kranker Menschen, zu denen wir auch einmal gehören werden, in zweiter Linie zu Lasten der gesamten Arbeitnehmer und in dritter Linie auch zu Lasten der Arbeitgeber.
Diese oft vorhandene soziale Inkompetenz zieht sich durch alle anteiligen Fachbereiche, beginnend mit Heimleitern, Pflegedienstleitern, Wohnbereichsleitern, Praxisanleitern und allen anderen Beteiligten, bis hin zu den Hausmeistern, dem Küchenpersonal und den Reinigungskräften etc.
Mir macht dies große Angst vor dem Älter werden!
Ich hoffe, dass ich niemals abhängig sein werde von Menschen, die nicht zu mir passen, die ich mir nicht selber aussuchen kann oder die vielleicht sogar nicht gut mit mir umgehen werden.
Mit diesem Buch möchte ich aufrütteln und fordere von allen, die auch nur im Entferntesten etwas mit Pflegeempfängern zu tun haben mehr Verantwortung zu übernehmen.
Verantwortung für sich selbst, die Pflegeempfänger und die eigenen Teamkollegen.

Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim Alten zu lassen
und gleichzeitig zu hoffen,
dass sich etwas ändert!
Albert Einstein
Einleitung
Als mein Vater vor vielen Jahren an einem irreparablen Gehirntumor erkrankte, kam er direkt nach der Diagnose in ein Krankenhaus.
Dort wurde er an diverse Apparate angeschlossen, funktional lebenserhaltend und der Kontrolle der inneren Organe dienend.
Trotz sedierender und schmerzstillender Medikamente, er befand sich somit in einem komatösen Zustand, schaffte es mein Vater sich in der Nacht die Schläuche aus dem Körper zu reißen und aus dem Bett zu fallen. (Viele Jahre später erst begriff ich, dass dies wohlmöglich sein unterbewusster Wille war, nicht an Apparate angeschlossen zu sein, der ihn antrieb.)
Am nächsten Tag legte meine Mutter die Patientenverfügung vor, in welcher mein Vater seinerzeit Zeit klar und deutlich und mit notarieller Unterschrift beglaubigen lies, dass er keinen lebenserhaltenden Maßnahmen zustimmen würde.
Er wurde also seinem Wunsch entsprechend sofort in ein Sterbehospiz an seinem Heimatort verlegt.
Dort verbrachte er sehr liebevoll umsorgte und durch eine sehr gut eingestellte Schmerztherapie schmerzfreie letzte 10 Lebenswochen.
Ich war sehr dankbar für die Fürsorge die mein Vater von vielen Menschen wie Ärzten, Palliativmedizinern und Sterbebegleitern, Pflegenden und Betreuungskräften erfahren hat, da wir alle 3 erwachsenen Kinder nicht vor Ort wohnten und familiär- und berufsbedingt leider nur die Wochenenden mit ihm verbringen konnten.
Durch dieses Erlebnis ging ich seinerzeit „völlig naiv“, davon aus, dass wir in Deutschland ein Gesundheitssystem haben, welches jedem Menschen eine sichere und menschenwürdige Versorgung bis zum Lebensende garantieren würde.
Dass dem nicht immer so ist, habe ich in den Jahren meiner Arbeit in der Altenpflege erlebt, Geschehnisse die ich kaum fassen konnte und die auch kaum zu glauben sind.
Richtig heftige „Vorfälle“, die ich angezeigt habe, da es für mich keine Möglichkeit des Ignorierens bzw. Wegschauens mehr gab (aus Sicht mancher Kollegen „gepetzt“ habe), zeige ich hier nicht auf, zum Schutz der total korrekt arbeitenden Kollegen. Die Meldung haben personelle Konsequenzen für die Täter nach sich gezogen und sie arbeiten meines Wissens nicht mehr in der Pflege.
Auch dient dieses Buch absolut nicht dazu, ketzerisch über Pflegeberufe oder die dort arbeitenden Menschen herzuziehen, nein auf gar keinen Fall, auch wenn es an manchen Stellen so wirken mag.
Vielmehr möchte ich aufmerksam machen auf die Missstände und zwar nicht auf die schon bekannten, wie z.B. evtl. schlechtes Essen in Einrichtungen, oder fehlendes Pflegematerial usw.
Ich möchte den in Pflegeberufen beteiligten Menschen ihre Verantwortung an ihrem eigenen Verhalten aufzeigen und glaube fest daran, dass jeder Mensch sich verändern kann, um in Folge glücklicher und zufriedener durchs Leben zu gehen.
Für mich ist die Altenpflege immer noch einer der wundervollsten Berufe, in denen ich bislang gearbeitet habe. Und alle an der Betreuung und Pflege beteiligten Berufsgruppen haben einen so großen Anteil an dem letzten zu gestaltenden Lebensabschnitt der Senioren/innen, dessen müssen sie sich immer bewusst sein. Und .... sollten Sie es richtig machen, dann ist dieser Beruf ein großes Geschenk für alle teilhabenden Menschen.
Mit diesem Glauben habe ich mich 2016 entschieden, von der Rezeption eines Altenheimes in die Altenpflege zu wechseln, obwohl mir die Arbeit an der Rezeption auch sehr viel Spaß gemacht hatte.
Doch auch damals habe ich schon gemerkt, dass viele Dinge sich innerbetrieblich und interpersonell nicht richtig anfühlten und ich wollte dem auf den Grund gehen.
Also machte ich an einem freien Wochenende eine Art Schnupper-Praktikum in der Pflege, um herauszufinden, warum die Abteilungen sich untereinander nicht verstanden und woher diese Problematik kommt.
Ich stellte fest, wie wohl ich mich am „Menschen“ fühlte und dass ich dort auf der Station sehr viel mehr geben konnte als an der Rezeption. Dank der Unterstützung der Heimleiterin war dieser Wechsel ein Leichtes.
Zeitgleich erkrankte meine Mutter an Demenz und wieder gab es das Problem der Versorgung aus der Ferne.
Natürlich sollte sie so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, also in ihrer schönen Wohnung und dem ihr vertrauten Ort.
Wir Kinder suchten einen Pflegedienst, der sie nach unseren Vorstellungen betreuen sollte, liebevoll, fachgerecht und das Wichtigste für uns war, dass unsere Mutter mit ihrer dementiellen Erkrankung ernst genommen wurde.
Sie sollte nicht als Kind, sondern als erwachsene alte Dame behandelt und betreut werden.
Wir 3 Geschwister waren abhängig von Menschen, die wir nicht kannten und nach dem beurteilen mussten, was wir während unserer kurzen Aufenthalte bei unserer Mutter erlebten. Diese Abhängigkeit aus der Ferne von einem ambulanten Dienst, mit allen Vor- und Nachteilen, lastete schwer auf uns.
Wir waren gezwungen „Vertrauen“ zu haben zu fremden Menschen, zu einer fremden Firma, und das war wirklich zu Beginn nicht einfach.
Nicht einfach für uns und durch unser ab und an doch argwöhnisches Verhalten mit Sicherheit auch nicht für den ambulanten Pflegedienst.
Zu unserem Glück waren zu der Zeit die Wartezeiten noch recht kurz und so konnte unsere Mutter von einem ortsansässigen Pflegedienst betreut werden.
Viele der Pflegenden kannten meine Mutter noch von früher und so eben auch eine Frau, die sich für unsere Mutter und auch für uns Kinder später als regelrechter Gutmensch herausstellen sollte.
Unsere Mutter erkannte die Dame nicht mehr, aber sie spürte instinktiv, dass diese (Geschäfts-) Beziehung sich richtig anfühlte.
Sie konnte unsere Mutter duschen (dies war sehr problematisch, es durfte auf gar keinen Fall ein männlicher Pfleger sein und auch keine Pflegerin, die sie nicht mochte).
Sie aß mit ihr zusammen Mittagessen und Abendbrot (die Mahlzeiten hätte meine Mutter vergessen) und sorgte dafür, dass das soziale Umfeld in Form von arrangierten Besuchen und Spieleabenden mit alten Freundinnen noch relativ lange bestehen blieb.
Arztbesuche, die meine Mutter Zeit ihres Lebens umgangen hat, wurden von ihr begleitet und abends, nach ihrer Schicht, verbrachte sie die Zeit mit ihr, bis unsere Mutter ins Bett ging.
Es schien als wurden beide durch dieses Arrangement beschenkt und sie waren sich sehr vertraut, auch wenn dies auf dem Papier natürlich eine Geschäftsbeziehung war.
Meine Mutter fühlte sich bei ihr bzw. dem Gutmensch geborgen und geliebt wie ein Kind und die Folge war, dass sie diese Frau unter ihrer Demenz „Mama“ nannte. (Dies war umso schöner, da meine Mutter ihre eigene sehr, sehr früh verloren hatte.)
An der Seite dieser Frau durfte sie mit ihren dementiellen Veränderungen leben und somit eine sehr liebevolle Lebens-Restzeit haben. Wir Geschwister sind heute noch in Kontakt mit dieser tollen Frau und so unendlich dankbar für ihre Liebe und Hingabe unserer Mutter gegenüber, die wir aus unterschiedlichen Gründen nie hätten leisten können.
(Warum nenne ich diese Frau nicht Pflegeengel? Seit Corona hört man sehr oft diese Bezeichnung für Menschen in Pflegeberufen. Engel sind jedoch eine Gattungsbezeichnung für himmlische Wesen und nicht für Menschen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen!)

Und Engel treten leise
aus den blauen Augen der Liebenden,
die sanfter leiden.
Georg Trak
Alle Geschichten die ich hier erzähle, entsprechen allein „meiner“ eigenen Wahrnehmung.
Mein Empfinden resultiert natürlich aus meiner Lebenserfahrung und eigenen Lebensgeschichte aber ich schildere sie genau so, wie ich sie erlebt und empfunden habe.
Personen, Orte und Betriebe sind aus Datenschutzgründen unbenannt.
Sollte sich hier eine Person, sprich ein Leser, wiederfinden oder eine Institution vergleichbare Situationen erlebt haben, so darf gerne geschmunzelt, darüber nachgedacht oder vielleicht sogar eine Veränderung herbeigeführt werden.
Für ein beim Leser evtl. auslösendes, subjektives Gefühl betrachte ich mich in keiner Weise für verantwortlich.
In meinen Erzählungen springe ich zwischen den Geschlechtern hin und her, ich meine natürlich immer alle drei Geschlechter, wie m/w/d.
Auch vermische ich die Geschichten der 3 Wohnheime und der 2 Fachseminare in denen ich gearbeitet habe, aus Respekt vor den Einrichtungen und damit sich niemand auf den „Schlips“ getreten fühlt!
Und sehr, sehr wichtig ist mir, dass ich natürlich unheimlich viele, wundervolle Erfahrungen gemacht habe, speziell an meinem ersten Arbeitsplatz.
Auf allen Ebenen gab es dort Menschen, die sehr sozial, korrekt, engagiert und einfach super lieb waren, dass ich unendlich dankbar bin, diese Menschen kennengelernt zu haben und ein Stück des Weges mit Ihnen gehen durfte.
Aus diesem Grund möchte ich mich im Vorfeld unbedingt für die ganzen zauberhaften, rührenden und beeindruckenden Begegnungen mit eben diesen bedanken.
Ich durfte auf dieser Reise in der Altenpflege so wahnsinnig tolle Menschen kennenlernen, ob es in der Pflege selbst – zweifellos sehr gut ausgebildete Fachkräfte mit enormem Fachwissen – , tolle, höchst emphatische Pflegehelferinnen, Reinigungskräfte mit einem Herz aus Gold und auch Küchenpersonal, welches extrem bemüht war, die Bewohner zufrieden zu stellen.
Menschen vom sozialen Dienst die ihre Arbeit mit Leidenschaft und Herzenswärme gemacht haben, und super liebe, zufriedene und verständnisvolle Angehörige. Auch bin ich einer Heimleiterin begegnet, die mit so viel Kraft, Herzblut und Liebe ihr Haus führt, dass sich jeder Bewohner und jeder Angestellte täglich umarmt gefühlt hat, trotz der Alltagsprobleme, die eine große Firma mit sich bringt.
Ohne all diese Menschen würde es noch schlechter in der Pflege aussehen.
Diesen Menschen gilt mein größter Respekt!
Danke für Eure tolle Arbeit und dass ihr mir einen Einblick in die wundervolle Arbeitswelt von euch gegeben habt.
Jedoch würde ich so sehr gerne die „anderen“, die noch nicht verstanden haben, um was es im Leben geht zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten anregen. Denn in der Pflege gibt es zu viel „anders denkende“ Menschen, und diesen sind die Pflegeempfänger und ihre Kollegen machtlos ausgeliefert.
Und darum geht es in diesem Buch!

Besondere Menschen sind meist nicht die,
die sich dafür halten, sondern eher die,
die gar nicht wissen, wie einzigartig sie sind!
Autor unbekannt
„Nach einem Bericht des Ärzteblattes 2017, sei es besorgniserregend, wie viele Beschäftigte in Pflegeberufen aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen in einem schlechten Gesundheitszustand seien.
Sie hätten nachweislich durchschnittlich 8 Krankheitstage mehr als Arbeitnehmer aus anderen Bereichen und doppelt so viele seelische Erkrankungen.“
Der ständige zeitliche Stress, die körperliche Beanspruchung, der Schichtdienst (12 Tage durcharbeiten ist keine Seltenheit) und auch manches unsoziale Verhalten von Kollegen/innen, interpersonelle Probleme bis hin zum Mobbing macht auf Dauer etwas mit allen Betroffenen. Es macht schwach, angreifbar und in der Folge krank.
Ebenso der permanente Umgang mit dem Thema Lebenszeit bzw. Lebensende kann auf Dauer ein Gefühl der Machtlosigkeit hervorrufen und dies trägt auch nicht zu einer gesunden Verfassung bei.
Natürlich ist mir bewusst, dass jedes Erlebnis viele Betrachtungsmöglichkeiten hat.
Die Sicht der Heimleitung ist eine andere, als ich es habe und auch die Wahrnehmung einer Kollegin, muss sich nicht mit meiner decken.
Aber es wäre wünschenswert, dass die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, sich öfter und intensiver weiterbilden. Ein wichtiges Thema sollte zudem die Persönlichkeitsentwicklung sein.
Sich auf die alten Menschen/ Bewohner/ Patienten einstellen, dass der Pflegeempfänger in seiner Individualität wahrgenommen wird und dass die in diesem Bereich arbeitenden Angestellten sich nicht jedem Druck unterwerfen, auch nicht dem Druck durch Kollegen. Nur als Maschinen durchs Arbeitsleben „rennen“ und ihren Frust an den Kollegen und eigenen Familien auslassen und ... in der Folge vielleicht sogar erkranken.
Die jungen Menschen, die in der Altenpflege arbeiten möchten, sollten schon mit Beginn der Ausbildung viel mehr mental gestärkt und gecoacht werden.
Ihre Persönlichkeitsentwicklung muss unterstützt werden, erst dann verstehen sie auch die „Leitbilder“ der Einrichtungen und können diese mittragen.
Ich habe in den Schulen umwerfende, tolle junge Leute erleben dürfen, große Potentiale mit „richtig Bock und Freude“ auf diese Arbeit, sehr wissbegierig, neugierig und fleißig.
Aber schon von ihrem 1. Arbeitseinsatz berichteten sie, wie enttäuscht sie sind, weil sie regelrecht ausgebeutet wurden.
Der Satz: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ist uralt und sollte für die Pflege, bei der es um Verantwortung für hilfsbedürftige Menschen geht, nicht mehr angewendet werden.
Gerade in dieser Branche mit enorm hohen emotionalen und psychisch belastenden Bereichen, muss für die Ausbildung ein neues Konzept erarbeitet werden und ein Umdenken erfolgen.
Natürlich müssen manche unangenehmen Arbeiten erledigt werden, aber welchen Grund gibt es, dies ausschließlich junge Leute im 1. und 2. Lehrjahr erledigen zu lassen.
Ein Auszubildender im 1. Lehrjahr sollte generell nicht alleine am Pflegeempfänger arbeiten. Das gäbe ihm Sicherheit und die Folge wäre, ein respektvoller Umgang mit dem alten Menschen und eine mit Glück richtig gute Ausbildung.
In der Ausbildungsverordnung ist dies auch so vorgesehen, aber ich habe kein Haus und keine Einrichtung erlebt, die sich zu 100 % an die Ausbildungsverordnung gehalten hat bzw. es aus personellen Gründen gar nicht konnte.
Die dafür zuständigen Praxisanleiter, die sich selbst für diese Zusatzausbildung entschieden haben, müssen dieses Engagement in ihren Berufsalltag mit einfließen lassen können. Dies war in keinem Haus in dem ich gearbeitet habe zu 100 % gegeben. Es standen Praxisanleiter-Tage im Dienstplan und dieser hätte somit von seinem normalen Dienst befreit werden müssen, um die Auszubildenden zu neuen Themenfeldern anzuleiten.
Diese Tage sind aber in den meisten Häusern absolut nichts wert, da die Anleiter unter großem Stress stehen und sich während der Arbeit nicht um ihre Azubis kümmern können.
Und hinzu kommt außerdem: Wie soll ein Mensch, egal welchen Alters, Verantwortung für (oftmals schwierige) Menschen übernehmen, wenn er selbst noch nicht in seiner Mitte steht.
Ich habe Auszubildende kennen gelernt, die große Defizite im Umgang mit sich selbst, ihren Mitmenschen oder sogar rassistische Züge hatten.
All diese Problematiken müssen während der Ausbildung aus dem Weg geräumt werden. Natürlich kann man jetzt behaupten, die Azubis sind junge Erwachsene, die müssten reif genug sein! Nein, die meisten waren es nicht und speziell die sozialen Defizite müssen geschult werden!
Dies darf nicht sein und funktioniert auch nicht, wie an meinen Erlebnissen zu lesen ist.
Ich versuche für alle diese Geschehnisse eine Möglichkeit der Veränderung dieser Zustände anzuregen und die Möglichkeit deren Umsetzung.
Es gab sehr viele Erlebnisse, die mich schwer erschrocken haben und da die Anzahl dieser von der Pflege abhängigen Menschen in den kommenden Jahren stark anwachsen wird, muss sich jetzt etwas ändern.
„Artikel 1 des Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“.
Auch im Pflegebereich herrscht Einigkeit darüber, dass die Würde älterer Menschen ganz besonders zu achten und zu schützen ist.
Auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung fand in den Jahren 2003 – 2005 der „Runde Tisch Pflege“ statt. Von über 200 Experten wurde die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen zu stärken und ihre Lebenssituation zu verbessern erarbeitet.
Die acht Artikel der Pflege-Charta
Art. 1 Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe
Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe sowie auf Unterstützung um ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen zu können.
Art. 2 Körperliche und seelische Unversehrtheit, Freiheit und Sicherheit.
...das Recht vor Gefahren für Leib und Seele geschützt zu werden.
Art. 3 Privatheit
...das Recht auf Wahrung und Schutz seiner Privat- und Intimsphäre.
Art. 4 Pflege, Betreuung, Behandlung
...das Recht auf eine an seinen persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung.
Art. 5 Information, Beratung, Aufklärung
...das Recht auf umfassende Informationen über Möglich-keiten und Angebote der Beratung, der Hilfe, der Pflege sowie der Behandlung.
Art. 6 Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft
...das Recht auf Wertschätzung, Austausch mit anderen Menschen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Art. 7 Religion, Kultur und Weltanschauung
...das Recht, seiner Kultur und Weltanschauung entsprechend zu leben und seine Religion auszuüben.
Art. 8 Palliative Begleitung, Sterben und Tod
...das Recht in Würde zu sterben.
Die Umsetzung der Pflege-Charta kann nur gelingen wenn alle aus der Pflege mitmachen und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Jeder Einzelne muss bereit sein, sein eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und das Handeln nach den Leitsätzen auszurichten.
Tagtäglich werden im pflegerischen Bereich aus unterschiedlichen Gründen die Grundrechte der Menschen mit Füßen getreten.
Ganz besonders, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben oder Ableben.
Höchst aktuell wird über das Sterbehilfegesetz in Karlsruhe am Bundesverfassungsgericht diskutiert.
Es liegen mehrere Verfassungsbeschwerden gegen den § 217 des Strafgesetzbuches vor, welches lautet: „Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, macht sich strafbar und es droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. „
Diese Diskussion entstand durch den früheren Hamburger Senator Roger Kusch, welcher Sterbehilfevereine wie „Exit“ oder
„Dignitas“ aus der Schweiz auch in Deutschland etablieren wollte.
Im Netz berichtet eine damals 79 jährige Frau, die eine Krebsbehandlung gegen einen Knoten in ihrer Brust abgelehnt hatte, dass es äußerst schwer sei in Deutschland sein Leben zu einem Zeitpunkt zu beenden, an dem man dazu bereit sei und sich das Lebensende herbeiwünschte. Sie fühlte sich nicht in der Lage sich einen Revolver oder geeignete Medikamente zu beschaffen.
Die Dame klagte nicht über Schmerzen, aber ein Pflegeheim betonte sie, würde sie nie betreten wollen, das könne sie nicht ertragen! Abhängigkeit von Menschen käme für sie nicht in Frage und zu groß war die Angst vor Fremdbestimmung!
Jeder Bewohner eines Altenheimes oder ein Patient im Krankenhaus ist vornehmlich fremdbestimmt.
Mit diesem Buch möchte ich einen Beitrag dazu leisten, den Blick wieder stärker auf den alten, evtl. kranken Menschen zu richten und auf das medizinisch und menschlich-sozial Sinnvolle.
Das eigene Handeln nicht nur mit den Bewohnern oder Patienten und Angehörigen, sondern auch mit allen Kollegen des Hauses aufmerksam und kritisch zu betrachten und zu hinterfragen.
„Gehe ich mit meinen Mitmenschen so um, wie ich möchte, dass mit mir umgegangen werden soll?“
Leider geschieht dies in den seltensten Fällen.

„Menschsein“
bedeutet ein selbstbestimmtes und gutes Leben bis in den Tod!
Meine unterschiedlichen Stationen:
Ein Seniorenheim mit 80 Plätzen für pflegebedürftige, alte Menschen mit Wohn-, Pflege- und Betreuungsangebot. Grundsatz dieses Heimes ist es, durch Freundlichkeit den Menschen ein schönes zu Hause zu geben mit dem Ziel, das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden der Bewohner zu erhalten und zu fördern.
Ein erst 2014 eröffnetes Seniorenheim für 80 ältere und pflegebedürftige Menschen. Jeder Bewohner hat ein Einzelzimmer zur Verfügung, mit eigenem barrierefreien Bad. (Ist heute Standard)
Ein Pflegeheim mit 88 Bewohnerplätzen mit einem geronto-psychiatrischen Schwerpunkt, welches sich für fürsorgliche und individuelle Pflege ausspricht.
Ein ambulanter privater Pflegedienst, mit dem Leitbild für höchste, berufliche Kompetenz seines Pflegepersonals. Sieht die Hauptaufgabe darin, den Patienten und/oder die Angehörigen in hilfebedürftigen Situationen zu Hause zu begleiten und zu unterstützen.
2 Fachseminare für Altenpflege durfte ich besuchen, vom Inhalt der Lehren natürlich nahezu gleich, jedoch in der Struktur und Ausführung sehr unterschiedlich.Ein Fachseminar für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V., welches staatlich anerkannte Ausbildungen im Bereich der Altenpflege anbot. Es war eines der größten Ausbildungszentren in NRW mit über 300 Auszubildenden.Das 2. Fachseminar für Altenpflege war als Trägergesellschaft Teil einer Gruppe einer GmbH, mit Gesellschaftern und Teilhabern von christlichen Kirchengemeinden. Diese Schule hatte jedes Jahr nur jeweils 1 neuen Kurs für Altenpflege und Altenpflegehelfer und war somit recht klein.
Erfahrungen an der Rezeption
Die Arbeit an der Rezeption machte mir sehr viel Spaß, ich liebte den täglichen Kontakt zu den Bewohnern, die sich in meinem Arbeitsumfeld aufgehalten haben oder zum Essen an mir vorbei kamen.
Oft besuchten sie mich auch für einen kurzen netten Plausch oder baten um kleine Gefälligkeiten wie z.B., einen Brief vorzulesen oder einen Antrag auszufüllen, oder auch nur einen Schuh zuzuschnüren.
Von Hause aus habe ich Respekt im Umgang mit anderen Menschen gelernt. Fiel z.B. einer alten Dame ein Taschentuch zu Boden, hob ich dieses selbstverständlich auf.
Schön waren auch die Spielabende von Bewohnern vor dem Bereich der Rezeption während meiner Spätdienste.
Dieses Ritual der Damen und Herren liebte ich und habe sie dabei auch gerne bewirtet und auch oft mitgespielt. Natürlich veränderten sich manche Bewohner mit der Zeit. Der eine konnte weniger hören, die andere erzählte immer wieder die gleichen Geschichten und die, die noch relativ fit waren, lästerten gerne über die Zustände der anderen Bewohner.
Das ist der Lauf der Dinge und so tickt das Leben.
Aber das wirklich wunderschöne war, die Damen und Herren haben all abendlich mal für einen kleinen Moment vergessen wo sie leben und wie alt sie sind. Sie waren in dem Moment, in dem sie darüber nachdenken mussten lege ich jetzt rot oder schwarz, glücklich, mehr war nicht wichtig.
Ich wusste genau, welcher Bewohner wann die eine oder andere Zeitung liest und wer an welchem Tag mit wem telefonieren möchte. Die liegengebliebene Strickjacke konnte ich zuordnen und die Verwandtenbesuche habe ich versucht, nach meinen Möglichkeiten, schön zu gestalten.
Leider sahen dies einige Verwaltungsmitarbeiter anders, sie nahmen an meinem Service orientierten Verhalten Anstoß, mit der Begründung: An meinen freien Tagen, würde von den Bewohnern diese Serviceleitung ebenso angefordert und dies sei nicht ihre Aufgabe!
Es fehlte ihnen an Empathie und dem nötigen Feingefühl für die Senioren. Diese Menschen sind kaum geeignet für dieses empfindliche soziale Umfeld und wären besser in einer Firma ohne Kundenkontakt aufgehoben. Es fehlt die Fähigkeit, darüber nachzudenken, wie es wäre dieselben Gefühle und Empfindungen zu haben, wie die zu betreuenden Menschen.
Negative Stimmung
Die Rezeption war Dreh- und Angelpunkt des Hauses, die Poststelle, die Telefonvermittlung, die Wäscheausgabe usw.
Hier versammelten sich Mitarbeiter aus allen Bereichen des Hauses, sei es der Hausmeister, der Koch, die Putzfrau, Damen und Herren aus der Pflege, Praktikanten aber auch Angehörige von Bewohnern und vom Personal und auch die Heimleitung kam ab und an zu einem netten Gespräch zu mir. Inhalte des Gespräches der Kollegen waren leider zu 70%, wie manche Menschen so sind, schlechte Arbeitsbedingungen oder auch das Herziehen über andere Kollegen.
Bei ca. 100 Angestellten kann es nicht nur liebe Worte übereinander geben, aber schon damals habe ich mich gefragt, warum
z.B. ein Teil des sozialen Dienstes sich „unsozial“ verhält oder warum gerade einige Menschen aus der Pflege, so schlecht miteinander umgingen.
Durch fast das ganze Haus ging eine negative Stimmung und ich verstehe es bis heute nicht, warum ein Mensch als Hausmeister in einem Altenheim arbeitet, wenn er sich dort, nach eigener Aussage, absolut nicht wohlfühlt und zudem kein Gespür für ältere Menschen hat.
Auch warum Menschen allein aufgrund des Schichtdienstes und der hohen Anforderungen sowieso schon schweren Berufen, sich nur für negative Dinge in ihrem beruflichen Umfeld interessieren.
Der Blick für die schönen Momente war bei vielen Arbeitnehmern nicht mehr oder noch nie vorhanden.
Es ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass sie selbst der Gestalter ihres eigenen Lebens sind!
Was auch immer bis jetzt im Leben passiert ist, es hat keinen Einfluss darauf, wie derjenige von jetzt an sein Leben gestaltet. Jeder trifft ganz allein für sich die Entscheidungen. Der Mensch ist nicht so zerbrechlich, dass er evtl. vorangegangenen Traumata einfach ausgeliefert wäre.
Ich glaube an das menschliche Potential zu jeder Zeit über sich selbst bestimmen zu können.

„Ein konsequenter Mensch glaubt an das Schicksal, ein launenhafter an den Zufall.“
Benjamin Disraeli
Telefonkontakte
Fast alle eingehenden Telefonverbindungen des Hauses wurden von der Rezeption mit Ankündigung weitergeleitet. Je nachdem welcher Angestellte gerade Dienst hatte und egal welche Person der Anrufer war, kannte ich schon vorher die Reaktion auf meine Anrufweiterleitungen.
In einer Abteilung wurde regelmäßig erst einmal durchs Telefon gebrüllt: „Ich habe keine Zeit!“ bevor der Anruf dann doch entgegen genommen wurde.
Eine andere Station erklärte mir immer, was ich dem Anrufer sagen sollte, um das Gespräch nicht selbst führen zu müssen. Dass sich damit z.B. ein Angehöriger eines Pflegeempfängers nicht zufrieden gab, welcher Fragen zur gesundheitlichen Situation seines Verwandten hatte lag auf der Hand.
Natürlich war mir bewusst, dass es bei diesen immer wiederkehrenden Vorkommnissen niemals um mich als Person ging. Ich war absolut austauschbar, jedoch war ich nicht gewillt mich mit diesem Verhalten tagtäglich auseinander setzen zu müssen.
Ich fand dann eine Lösung für mich: Ich stellte keinen Anruf mehr durch, sondern schrieb den Kollegen eine Mail. So war ich den Launen und Eigenarten meiner Kollegen nicht mehr ausgeliefert. Optimal war dieses Verhalten natürlich nicht, denn es fehlten die zwischenmenschlichen Kontakte.
Serviceleistungen
Am frühen Vormittag täglich um die gleiche Uhrzeit, saßen diverse Bewohner/innen vorne gegenüber der Rezeption. Dort verweilten sie auf gemütlichen Sesseln und hatten den Eingang vom Heim im Blick.
Sie waren eine Truppe von lauten, fordernden und lästernden Frauen und Männern, die schon mal anstrengend waren, wenn es viel zu tun gab.
Ich aber hatte den Trick raus, ihre Wünsche kannte ich, die eine Dame wollte gerne Saft und Wasser gebracht haben, die andere eine Tasse Kaffee und Herr X. die Zeitung und Geld von seinem Taschengeldkonto, um sich Schokolade kaufen zu können. Auch Frau K. kam jeden Morgen zu mir, um zu wissen, wie es mir ging. Ein 5 min Schwatz, der uns beiden gut tat. Ich nahm mir die Zeit dazu, somit erfüllte ich zuerst diese Wünsche.
Danach hatte ich einigermaßen Ruhe, um meine Arbeit erledigen zu können.
Es war wieder der Dienstleistungsgedanke, welcher der Verwaltung missfiel. Den kann jedoch ein Mensch nicht unbedingt haben, der mit diesem Teil des Berufes noch nie konfrontiert wurde.
Ein Mitarbeiter erklärte sein Verhalten wie folgt: „Er wolle, dass die Menschen mobil bleiben und deshalb sollen sie sich „ihr Zeug“ selber holen!
Meiner Meinung nach war dieses Verhalten auch sehr respektlos gegenüber den alten Menschen. Was hatten diese noch vom Leben außer ihrer erlangten Weisheit. Ihnen gebührt Respekt und dies ist eine Fähigkeit, einen Menschen so zu sehen, wie er ist und sich seiner einzigartigen Persönlichkeit bewusst zu sein. (Definition nach Erich Fromm)
Respekt benötigt es für jede Art von zwischenmenschlichen Beziehungen. Ohne Respekt können keine guten Beziehungen entstehen und die Worte, die man benutzt, werden niemanden erreichen.

„Die meisten Menschen
sind in etwa so glücklich,
wie sie sich vorgenommen haben zu sein.“
Abraham Lincoln
Umgang mit Demenz
Demenz ist ein großes Thema in der Altenpflege und Seniorenbetreuung. Die psychische Störung ist nicht heilbar und bezeichnet ungefähr 50 Krankheitsformen wie z.B. Alzheimer oder vaskuläre Demenz etc.
In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Menschen betroffen, etwa 45 % älter als 85 Jahre und davon ca. 65 % Frauen. Dies erklärt sich ein wenig durch die Risikofaktoren, wie z.B. Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Depressionen und Übergewicht.
Der Umgang mit diesen Menschen benötigt viel Geduld und das Wissen, dass die gleiche hundertste Frage für diese Menschen in dem Moment die erste ist.
„Wo muss ich denn bloß hin?“
Diese Frage stellte mir eine kleine, liebe Bewohnerin, die an Demenz erkrankt war, gefühlte 50 mal während meiner Schicht an der Rezeption. Sie kam mit ihrem Rollator, mit dem sie einen kleinen Bären spazieren fuhr und sprach nur diese 6 Worte.
Geduldig zeigte ich jedes mal auf den Fahrstuhl mit den Worten: “Sie müssen mit dem Fahrstuhl in den 3. Stock, dort ist ihr Zimmer.“ Die Antwort reichte ihr, sie bedankte sich und ging für einen kleinen Augenblick in die gezeigte Richtung, bis sie wieder umdrehte, mich sah und zurückkam. Ja, das war anstrengend, aber die Dame war in sich zufrieden und glücklich.
Umgang mit Demenz klappte außerhalb der Wohnbereiche, bis auf einen Teil des Pflegepersonals und des sozialen Dienstes, kaum.
Eine meiner Kolleginnen beantwortete die Frage der alten Dame mit den Worten: „Soweit die Füße Sie tragen!“. Oder sie rief auf dem Wohnbereich an, dass jemand Frau S. abholen und auf ihr Zimmer bringen solle, sie würde stören. Dass jemand wie Frau S. aufgrund ihrer Erkrankung niemals in ihrem Zimmer bleibt, verstand sie nicht.
Auch das Service- bzw. Küchenpersonal ist betroffen, denn dem dementen Menschen wird das Mittagessen hingestellt, dieser weiß damit aber manchmal einfach nichts anzufangen. Wenn Personal zum Anreichen der Mahlzeit fehlt wird das Essen abgeräumt mit der Frage: „Oh, hatten Sie denn gar keinen Hunger?“
Eine demente Dame hat von ihrer Mahlzeit immer nur 3 Gabeln voll gegessen und dann geäußert, dass sie satt sei. Das ungeschulte Service-Personal hat dies so akzeptiert. Das geschulte Personal hat ihr mehrere Gänge von dem selben Essen angeboten, von denen sie jedes Mal ein paar Gabeln gekostet hat und somit eine ausreichende Mahlzeit zu sich nehmen konnte.
Auf die Frage, wann sie wieder nach Hause könne, bekam eine Bewohnerin die Antwort: „Gar nicht mehr, sie bleiben hier bis zum Schluss!“ In diesem Fall war es nicht verwunderlich, dass die Dame aus lauter Hilflosigkeit aggressiv gegenüber anderen Bewohnern wurde.
Dies ist keine respektable Kommunikation mit einer an Demenz erkrankten Person.
In diesem Bereich fehlen spezifische Fortbildungen und Aufklärung in allen Abteilungen. Der Umgang mit Demenz erfordert Feingefühl, Empathie und Kenntnisse über die Krankheit, deren Verlauf und die Bedürfnisse der Betroffenen.
Frau A. rennt!
Das Heim war kein geschlossenes Heim und wenn ein Bewohner an Demenz erkrankt, wird der Umgang schwierig, vor allem wenn eine Hinlauftendenz vorliegt.
Frau A. rannte den gesamten Tag durch das Haus, Tag- und Nachtrhythmus waren ebenfalls gestört, so dass es kaum möglich, bzw. sehr schwierig war ihren Aufenthalt zu kontrollieren. Natürlich wurde mit den Verwandten dieses Problem besprochen, aber diese wollten vorerst keine Verlegung für ihre Mutter.
So kam eines Tages ein Passant von außerhalb zu mir an die Rezeption und meldete, dass draußen eine fast nackte, ältere Dame herum lief, ob diese eine Bewohnerin unseres Hauses war.
Es war Frau A., die in Unterwäsche mit Hose und Schuhen in der Hand durchs Städtchen lief. Als ich sie ansprach, erklärte sie mir, dass sie zur Arbeit müsse und zu spät dran war, in ihren Augen ein ganz logischer Prozess. Ich konnte sie dazu bewegen mich zu begleiten, und während dieses Vorganges, der einige Minuten dauerte, empfand ich die Blicke der Menschen, denen Frau A. ausgesetzt war, als sehr würdelos. Sie starrten uns an, und wenn ich Blickkontakt zu ihnen aufgenommen habe, schauten sie peinlich berührt weg.
Auch dieses Erlebnis zeigt auf, wie wenig die Bevölkerung aufgeklärt ist über psychische Erkrankungen im Alter und auch wie viel Angst die Menschen haben, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.
Sehr wichtig fand ich schon während meiner Arbeit an der Rezeption, dass jeder Mitarbeiter, ob Reinigungskraft, Küchenhilfe oder Hausmeister und Verwaltung, regelmäßig eine Schulung im Umgang mit den psychischen Krankheiten wie Depression, Alzheimer oder Demenz erhalten sollte.
Nach einiger Zeit weiterhin schlimmer Fehlverhalten von Mitarbeitern – vielleicht durch ihre Unkenntnis – setzte die Heimleitung 2 Termine für Schulungen fest.
Aufklärung gerade in diesem Bereich ist sehr, sehr wichtig und kann allen Beteiligten das Miteinander sehr erleichtern.
Ich würde mir in dieser Hinsicht auch Fortbildungen für ältere Pflegerinnen wünschen, da diese von „Validation“ (eine Methode und innere Haltung im Umgang mit Menschen mit Demenz) oft noch nie etwas gehört haben und sich auf dem Gebiet des Umganges mit psychisch Erkrankten sehr, sehr viel bewegt.

Nicht das was einem passiert
spielt eine Rolle,
sondern wie man damit umgeht.
Epiktel (ca. 55-135 n. Chr.)
„Notfall“ und „Feueralarm“
Die Einarbeitung an der Rezeption war kurz und knapp. Und da nicht jeder Mitarbeiter schon Verwaltungs- bzw. Rezeptions-Erfahrung hatte, bekamen wir einen Ablaufplan für jede Schicht, den wir abhaken und unterschreiben mussten. Dies war für ungelernte Kräfte eine gute Unterstützung.
Wir befanden uns jedoch in einem Seniorenheim und dort kann sich so ein Ablaufplan auch mal verändern. Wir waren z.B. nicht auf Notfälle vorbereitet!
Es kam wie es kommen musste... im Speisesaal ist ein Bewohner gestürzt und keiner der dort Anwesenden kannte den Notknopf. Durch aktivieren des Notknopfes wäre umgehend das nötige Fachpersonal benachrichtigt worden und es wäre keine Zeit verloren gegangen.
So wurde natürlich erst einmal 1. Hilfe geleistet und dann erst jemand losgeschickt, der durch das Treppenhaus laufen musste um eine „Examinierte“ zu finden.
Es ist derzeit noch mal gut gegangen, und die Heimleitung probte darauf hin zwischendurch ab und an den Notfall, dies hielt aber leider nur ca. ein halbes Jahr an und geriet wieder in Vergessenheit. Bei dem Personalwechsel in den Häusern wäre mein Vorschlag, dies mindestens zwei Mal im Monat zu üben.
Das gleiche galt für den Feueralarm.
Immer, wenn dieser anging, hieß es nur durch alle Abteilungen: „Nicht beachten, es ist eine Übung!“
Ich fragte mich, was aber geschieht, wenn es mal zum Ernstfall kommen sollte? Wir stellten fest, dass die Bewohnerlisten für die Feuerwehr nicht aktuell waren. In den Listen wurden noch mittlerweile verstorbene Bewohner aufgeführt und auch aktuell bettlägerige Pflegebedürftige waren als mobil, also sich selbst rettend, eingetragen.
Daraufhin wurde diese Liste aktualisiert, ob dem heute noch so ist? Ich würde es mir für alle Heime wünschen.
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