Kitabı oku: «Warum ich weder Calvinist noch Arminianer bin»

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Warum ich weder Calvinist noch Arminianer bin

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ISBN: 978–3–945973–15-8

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978–3–945973–09–7

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Erstellung: Digital Design Deubler, Neckargemünd

Bibelzitate werden überwiegend nach der Revidierten Elberfelder Bibel wiedergegeben (1. Auflage 1987). © Copyright 1985 R. Brockhaus Verlag Wuppertal.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Es gibt einen Weg zwischen den Extremen

Geld-zurück-Garantie

Respekt — trotz Erkenntnisunterschieden

Liebe zur Wahrheit

Teil I

Hermeneutik und Systemdenken

Grundsätzliches zur Hermeneutik (Lehre vom Verstehen eines Textes)

Die Heilige Schrift ist das inspirierte, vollkommene und fehlerfreie Wort Gottes

Die Heilige Schrift legt sich selber aus

Jesus Christus ist die Mitte der Heiligen Schrift

In der Heiligen Schrift finden wir eine „fortschreitende Offenbarung“ von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22

Der rote Faden, der sich durch die Bibel zieht, ist die Heilsgeschichte

Hermeneutische Systeme

Systemdenken

Die Unausgewogenheit von Systemen

Teil II

Das theologische System des Arminianismus

Ein geschichtlicher Überblick

Eine kurze Biografie von Arminius

Die Remonstranten und die Synode von Dordrecht

Die Lehre des Arminius Die Lehre des Arminius im Überblick

1. Der Wille des Menschen ist trotz partieller Erbsünde grundsätzlich frei

2. Bedingte Erwählung

3. Unbegrenzte Sühne

4. Der Mensch kann die Gnade Gottes ablehnen

5. Jeder Christ kann wieder vom Glauben abfallen

Die Lehre des Arminius auf dem Prüfstand

1. Verderbtheit – aber nicht »totale« Verderbtheit

2. Bedingte Erwählung

3. Unbegrenzte Sühne (Universale Genugtuung)

4. Der Mensch kann die Gnade Gottes ablehnen

5. Jeder Christ kann wieder vom Glauben abfallen

Die biblische Lehre von der Sicherheit der Erlösten

Die Ehre Gottes steht auf dem Spiel

Weitere Schwächen und Gefahren der arminianischen Sicht

Die Allwissenheit Gottes wird von manchen Arminianern angezweifelt

Arminianer neigen oft zu pragmatischen Evangelisationsmethoden

Manche arminianische-geprägte Christen bzw. Gemeinden tendieren zur Gesetzlichkeit

Teil III

Das System des Calvinismus

Geschichtlicher Überblick über Entstehung und Ausbreitung des Calvinismus Augustin — eine schillernde Persönlichkeit

Das Jahr 397 n. Chr.

Pelagius

Martin Luther

Johannes Calvin

Philipp Melanchton

Die Täufer/Balthasar Hubmaier

Wesley und Whitefiel

Die Lehren der Reformation oder die Lehren der Bibel?

Die Lehre des Calvinismus

Das calvinistische System im Überblick

Das calvinistische System auf dem Prüfstand 1. Totale Verderbtheit

Sind wirklich alle Menschen Gotteshasser?

Ist die Lehre vom Menschen (Anthropologie) falsch?

Ist der Mensch unfähig umzukehren und zu glauben?

Können Sünder umkehren und glauben?

Wie können Tote umkehren und glauben?

Was bedeutet es, dass »der Vater zieht« ?

Wem offenbart sich der Sohn bzw. wen zieht Gott zum Sohn?

Gott kann folgende Menschen nicht dem Sohn übergeben bzw. nicht retten:

Verstockung

2. Unbedingte Erwählung

Erwählung – wie und wozu?

Zusammenfassung der Botschaft von Epheser 1,3–14

Calvin und die Souveränität Gottes

Gottes wahres Wesen und seine Eigenschaften

Doppelte Vorherbestimmung

Die Liebe Gottes im Zentrum

Gibt es eine »Verordnung« zum ewigen Leben?

Exkurs: Andere Belegstellen von MacArthur

Erwählung – folgenschwere Konsequenzen

Fazit

3. Begrenzte Sühne

Fazit

4. Unwiderstehliche Gnade

Exkurs: Der Zweck der göttlichen Berufung

Augustin und der Neu-Platonismus

Der Gebrauch von religiösem Zwang

Die Annahme des Heils

Das Bild des Rettungsrings

Die Lehre, die Gott am meisten verherrlicht

Der König und die Bettlerin

Fazit

5. Beharren der Heiligen

Wiederum Augustins Lehre

Fazit

Weitere Schwächen und Gefahren des calvinistischen Systems 1. Das schlichte Evangelium wird unnötig verkompliziert

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

2. Die Verantwortung für eine persönliche Entscheidung wird abgeschwächt oder negiert

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

3. Die Schuld für das Böse in der Welt wird Gott in die Schuhe geschoben

Wer hat meinen Sohn getötet?

Der zulassende Wille Gottes

Warum greift Gott nicht ein?

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

4. Die Souveränitätslehre wird völlig überzogen

Arthur W. Pink

Jerry Bridges: »Gott vertrauen«

Steve Lawson – Wittenberg 2017

Fazit

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

5. Die Lehre von der Verderbtheit des Menschen wird überbetont

Auswirkungen auf das praktische Gemeindeleben

6. Das Vertrauen in die Liebe und Güte Gottes wird untergraben

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

7. Die Motivation zur Evangelisation wird geschwächt

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

8. Der Gebetseifer für die Verlorenen wird gelähmt

Souveränität und Gebet

Praktische Auswirkungen auf das Gemeindeleben

9. Die geistliche Überheblichkeit wird zur Gefahr

Teil IV

Weder Arminianismus noch Calvinismus

Die Verderbtheit des Menschen

Verderbtheit oder »totale Verderbtheit«

Der Wille des Menschen

Die Erwählung »in Christus«

Das Zwei-Schienen-Modell

C. H. Mackintosh

Komplementarität — ein Erklärungsversuch

Die unbegrenzte Sühne

Der Begriff »Welt«

Die angebotene Gnade

Die sichere Bewahrung

Durch Gottes Kraft bewahrt

Von den Aposteln bezeugt

Von vielen Schriftstellen belegt

Von Spurgeon bekräftigt

Fazit: Der Weg des Heils

Teil V

In Gnade miteinander umgehen

Theologische Systeme haben Spaltungspotential

Diener Gottes gehören dem Leib Christi

Systeme haben Gutes und Schlechtes

Erkenntnisunterschiede sind nicht zwingend Irrlehren

Die Einheit kann bewahrt werden

Das weise Vorgehen der Ältesten erhält die Einheit

Übergeordnete Ziele fördern die Einheit

Unter Umständen bewahrt das Verlassen der Gemeinde die Einheit

Kurskorrektur erneuert die Einheit

Weiterführende Literatur

Pro Calvinismus

Contra Calvinismus

Fußnoten

Schriftstellen

Einleitung

Es gibt Themen, die unter Christen seit Jahrhunderten kontrovers diskutiert werden. Dazu gehört sicherlich auch das Thema Calvinismus – Arminianismus. Mit diesen Schlagworten sind hitzige Debatten, heftigste Polemik und ungezählte verbale Verletzungen verbunden. Arminianismus und Calvinismus verhalten sich oft geradezu wie Erzfeinde. Nicht wenige Vertreter beider Seiten haben ihre jeweilige Sicht der Dinge zum »Schibboleth« des Christentums gemacht und zum »status confessionis« erhoben. D. h. sie erkennen nur den als Bruder an, der exakt ihr Bibelverständnis teilt. Was für eine Rechthaberei!

Die Begriffe »Calvinismus« und »Arminianismus« sind zu Reizworten mutiert. In Amerika scheint es keinen Millimeter Zwischenraum zu geben. Ich hörte einmal einen Amerikaner über Johannes Calvin sprechen. Er malte folgendes Bild: Zuerst sei die Irrlehre des Arminius aufgekommen, dann wäre sie mit den fünf Punkten des Calvinismus in die Schranken gewiesen worden. Nur schwarz oder weiß. Keine Graustufe. Seltsam. Entweder man ist das eine oder das andere. Schlussendlich wird man dann mit diesen lieblichen Etiketten behaftet.

Die Bibel ist ein sehr ausgewogenes Buch. Wir finden darin die Lehre von der Allmacht Gottes. Wir finden aber auch die Wahrheit, dass Gott in seiner Liebe den Menschen nicht zwingt. Unglücklicherweise neigen wir gefallenen Menschen zu Extremen. Für mich sind beide Lehrsysteme – der Arminianismus wie der Calvinismus – echte Extreme. Augustin, Calvin und dessen Nachfolger betonten sehr stark (zu stark?) die Souveränität Gottes, während Arminius auf der anderen Seite vom Pferd herunterfiel und besondere Betonung (zu viel Betonung?) auf die Verantwortung des Menschen legte.

Es gibt einen Weg zwischen den Extremen

Dieses Buch will einen alternativen Weg aufzeigen. Ich selbst bin weder Calvinist noch Arminianer. Warum sollten wir uns nach irgendwelchen Menschen nennen, selbst wenn sie noch so große theologische Verdienste hätten? Wir sollten uns nicht Lutheraner, Calvinisten, Arminianer, Wesleyaner, Mennoniten oder Darbysten nennen – sondern schlicht und einfach Christen (Apg 11,20)!

Und wir sollten auch nicht theologische Systeme übernehmen, selbst wenn sie noch so überzeugend klingen. Manche nennen sich 4-oder-5-Punkte-Calvinisten, John Piper behauptet, ein 7-Punkte-Calvinist zu sein. Paul Washer bezeichnet sich als 5-Punkte-Spurgeonist – was soll das alles? Warum können wir nicht »Null-Punkte-Bibelchristen« sein? Wozu diese theologischen Grabenkämpfe? Sie richten viele Parteiungen im Volk Gottes an – und draußen gehen währenddessen wertvolle Seelen verloren!

Dr. Fruchtenbaum unterscheidet in seinem Buch Gottes Wille und Menschenwille, das nicht auf Deutsch erhältlich ist, fünf verschiedene Systeme: Arminianismus, Calminianismus (fast wie Arminianismus, nur Glaube an die Sicherheit der Erlösten), Gemäßigter Calvinismus, Strenger Calvinismus und Hyper-Calvinismus (Fruchtenbaum, Arnold G.: God's Will & Man's Will, Ariel Ministries, San Antonio, TX, 2013, E-Book, S. 23–43). Wir beschränken uns in diesem Buch im Wesentlichen auf die beiden Hauptsysteme Arminianismus und Calvinismus.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen systematische Theologie. Es ist gut, wenn die Lehren über Gott, über Israel, über die Gemeinde oder über die Endzeit systematisch dargestellt werden. Aber im Blick auf das Heilsverständnis der Bibel haben die Systeme Arminianismus und Calvinismus großen Schaden angerichtet.

Geld-zurück-Garantie

Sollten Sie, lieber Leser, diese Publikation mit der Absicht erworben haben, »Kanonenfutter« für die eine oder andere Seite zu bekommen, so möchte ich Sie aufrichtig bitten, das Buch aus der Hand zu legen. Sie können es an den CMD zurücksenden – selbst, wenn Sie es irgendwo im Buchhandel erworben haben. Die CMD-Adresse finden Sie vorne im Impressum. Senden Sie uns das Buch zurück und fügen Sie Ihre Bankdaten hinzu. Wir erstatten Ihnen den Kaufbetrag.

Dem geneigten Leser wird auffallen, dass ich dem Calvinismus mehr Raum widmen werde als dem Arminianismus. Das war nicht beabsichtigt, ließ sich aber nicht vermeiden. Einerseits gibt es zum Calvinismus viel mehr zugängliche Literatur. Andererseits glaube ich, dass wir in einer Zeit leben, in der eine bestimmte Bewegung aus den USA das calvinistische Systemdenken stark in die konservativ-bibeltreuen Gemeinden des deutschsprachigen Europa gebracht hat und weiterhin bringt. Darum finde ich diese Thematik zurzeit relevanter.

Apropos Literatur. Ich habe manche Bücher aus dem angloamerikanischen Raum verwendet und die zitierten Passagen dazu aus dem Englischen übersetzt (wenn nicht anders angegeben). Auch in Großbritannien und den USA gibt es Bibellehrer, die bestimmte theologische Systeme kritisch sehen. Ich verdanke ihnen einen beträchtlichen Teil dieses Buches.

Respekt — trotz Erkenntnisunterschieden

Der Untertitel dieses Buches lautet: Verbindende Gedanken zu einem trennenden Thema. Die Debatte über Arminianismus versus Calvinismus hat in den vergangenen Jahrhunderten schon genug Familien und Gemeinden auseinandergerissen.

Ich komme nicht umhin, Lehrpositionen auf beiden Seiten zu hinterfragen. Ich werde auch hier und da Ross und Reiter nennen. Aber ich möchte es mit Respekt und möglichst ohne Polemik tun. Wir sprechen über Brüder und Schwestern. In manchen Fällen geht es um Personen, deren Lebensleistung herausragend war. Darum möchte ich hart in der Sache sein, jedoch verbindlich im Ton. Gott kennt unsere Motive – beim Schreiben und beim Lesen.

Liebe zur Wahrheit

Wenn man sich bewusst macht, dass die größten Denker und Lehrer der Christenheit nicht vor dem Einfluss der Philosophie gefeit und manchmal – ohne es zu merken – in bestimmten Auslegungstraditionen gefangen waren, dann muss man ganz klein und demütig werden.

Ich selbst beschäftige mich seit ca. 20 Jahren mit dem Thema Arminianismus – Calvinismus und in den letzten zehn Jahren besonders intensiv. Ich habe Dutzende Bücher von Vertretern beider Richtungen dazu gelesen. Ich war ergebnisoffen. Nicht festgelegt. Den heutigen Stand meiner bescheidenen Erkenntnis habe ich hier dargelegt.

Damit mache ich mich angreifbar – von beiden Seiten. Kritik will ich gerne auf mich nehmen, besonders, wenn sie wirklich mit Schriftargumenten und in der Haltung des Respekts vorgetragen wird.

Bitte prüfen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, meine Ausführungen ganz gründlich mit der Bibel in der Hand. Ich kann genauso irren wie jeder andere.

Ich wünschte mir, dass Sie dieses Buch ebenfalls mit einer großen Liebe zur Wahrheit und in einer Haltung der Achtung gegenüber anderen Überzeugungen lesen würden. Dazu von Herzen Gottes Segen!

Hünfeld, im Juni 2021

Wilfried Plock

Teil I

Grundsätzliches zur Hermeneutik (Lehre vom Verstehen eines Textes)

Folgende fünf Schlüssel halte ich für unverzichtbar, um die Bibel wirklich so zu verstehen, wie Gott, der Autor der Schrift, sie verstanden haben möchte:

Die Heilige Schrift ist das inspirierte, vollkommene und fehlerfreie Wort Gottes

Wer das glaubt, geht mit einer absolut bibeltreuen und ehrfürchtigen Grundhaltung an die Schrift heran (Jes 66,2). Wir sind nicht Meister der Schrift, sondern beugen uns unter die Schrift. Unsere Herangehensweise könnte als »Historisch Grammatische Methode« (HGM) bezeichnet werden. Die so genannte »Historisch Kritische Methode« (HKM), die dem kritischen Geist der Aufklärung entsprungen ist, lehne ich als ungeeigneten Auslegungsansatz ab.

Die Heilige Schrift legt sich selber aus

»Scriptura sui interpres« lehrten bereits die Reformatoren. D. h. ich brauche nicht unbedingt theologische Hilfsmittel. Letztere können hilfreich sein, sind aber keine Bedingung. Ich habe Menschen kennengelernt, die nie ein theologisches Buch gelesen hatten und dennoch ein fantastisches Bibelverständnis aufweisen konnten. In der Gemeinde Jesu gibt es kein Primat eines »studierten Klerus« wie beispielsweise in der katholischen Kirche.

Jesus Christus ist die Mitte der Heiligen Schrift

Wenn ich die Zirkelspitze woanders einsteche, wird alles schief. Bei den Zeugen Jehovas spielt Jesus nur eine untergeordnete Rolle. Wir alle wissen, welches schiefe Lehrgebäude dabei herauskam. Bei den Siebenten-Tags-Adventisten ist der Sabbat im Mittelpunkt ihrer Theologie etc. Christus ist die Mitte der Schrift. Die Bibel spricht auf jeder Seite von ihm. Wenn das übersehen wird, kommt alles in Schieflage.

In der Heiligen Schrift finden wir eine „fortschreitende Offenbarung“ von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22

Gott hat nicht schon alle Wahrheiten der Bibel im ersten Buch Mose enthüllt, sondern wir finden eine fortschreitende (progressive) Offenbarung in der Schrift. Nehmen wir als Beispiel den Satan. Das Alte Testament sagt relativ wenig über ihn. Er kam beim Sündenfall vor und im Buch Hiob, und auch David wurde einmal von Satan gereizt. Aber dann – in den Evangelien –, als Jesus auf die Erde gekommen war, trat er massiv auf. Schließlich haben auch die Lehrbriefe des Neuen Testaments noch einiges über den Teufel zu sagen – bis endlich die Offenbarung des Johannes den völligen Sieg über ihn vorhersagt. Ganz ähnlich verhält es sich mit anderen Lehrpunkten. Sie werden fortschreitend offenbart.

Der rote Faden, der sich durch die Bibel zieht, ist die Heilsgeschichte

In den Nachrichten der Fernsehsender sehen wir Weltgeschichte – in der Bibel finden wir die Heilsgeschichte. Es gibt einen roten Faden von der Schöpfung über Golgatha bis zur Vollendung. Diesen nennen wir Heilsgeschichte. Sie untergliedert sich in verschiedene Heilszeiten, über deren Zahl man unterschiedlicher Meinung sein kann. Viele folgen Scofields Einteilung in sieben Haushaltungen oder Heilszeiten.

Hermeneutische Systeme

Natürlich ist mir bewusst, dass unser aller Bibelverständnis durch viele Einflüsse geprägt wurde. Wir alle haben so genannte »hermeneutische Vorverständnisse« . Diese gilt es zu erkennen und abzulegen. Mit bestimmten Denksystemen können wir die Komplexität der biblischen Lehre nicht erfassen. Systemdenken steckt Gott unweigerlich in eine Schublade. Zurück zur ganzen Schrift heißt darum die Devise!

Karl-Heinz Vanheiden und Andreas Ebert zeigen in ihrem Buch Systemtreu oder bibeltreu? – Die Auswirkungen von überbetonten Auslegungsprinzipien mit messerscharfer Logik das Wesen des Systemdenkens auf. Auch wenn die Autoren in erster Linie die hermeneutischen Schwächen in der Brüderbewegung aufdecken wollten, so kann man ihre Erkenntnisse durchaus auch auf andere Lehrgebiete anwenden.

Systemdenken

Karl-Heinz Vanheiden schreibt:

Unser menschlicher Verstand ist auf systemisches Denken hin angelegt. Wenn wir die Dinge um uns herum nicht in bestimmte Systeme einordnen können, verstehen wir sie nicht. Genauso ist es mit der Bibel. Die Aussagen einzelner Bibelstellen ordnen wir systematisch zusammen. Daraus gewinnen wir biblische Lehre: die Lehre über Gott, die Lehre vom Menschen, über Erlösung, von der Gemeinde usw. Alle diese Lehren könnte man wieder in ein größeres System verschiedener kirchlicher Gruppierungen einordnen; also eine protestantische, katholische, baptistische oder Brüdertheologie. Solch ein System besteht in der Kombination verschiedener biblischer Lehren, die zu einem Ganzen zusammengeschlossen worden sind.

Es gibt nur ein Problem: Diese Systeme sind menschliche Denkkonstruktionen, von denen einerseits eine große Faszination ausgeht, die aber andererseits enge Grenzen setzen, die Schrift verkürzen und das eigenständige Denken einschränken. Ich will nun mit einigen Thesen versuchen, einige charakteristische Merkmale eines Denkens in geschlossenen Systemen dem biblischen Denken gegenüberzustellen.

1. Wer im System denkt, kennt die Ergebnisse des Systems. Er weiß z. B., wann die Entrückung stattfinden wird und wie man das Gleichnis vom Schatz im Acker auslegen muss. Wer versucht, biblisch zu denken, kennt die Grundlage, die Schriftstellen, auf die man sich bei der betreffenden Lehre gründet, und die Regeln, die man bei der Auslegung beachten sollte. Manchmal kommt er zu den gleichen Ergebnissen wie das System, denn die Systeme sind schließlich auch durch Bibelstudium entstanden.

2. Wer im System denkt, findet z. B. die Antworten auf seine Frage nach Scheidung und Wiederheirat, wenn er die Lehrschriften der Väter studiert. Auslegung ist vorgegeben. Wer versucht, biblisch zu denken, weiß vorher noch nicht, was herauskommt. Es kann sogar sein, dass er andere Antworten findet, als das System vorgibt. Auslegungen werden geprüft.

3. Wer im System denkt, arbeitet oft mit Behauptungen. Er sagt etwa: dies ist ein Bild für …, obwohl das durch nichts bewiesen werden kann. Wer versucht, biblisch zu denken, akzeptiert nur klare Schriftbeweise und fragt bei seinem Gegenüber oft vergeblich danach.

4. Wer systemtreu denkt, liest fasst nur die Schriften der Systemväter und verdächtigt jeden, der nicht zu den gleichen Ergebnissen kommt. Wer versucht, biblisch zu denken, liest auch andere bibeltreue Auslegungen und kalkuliert damit ein, dass auch die Väter irren können und prüft alles anhand der Bibel.

5. Wer im System denkt, studiert natürlich auch die Bibel, aber er liest die Bibel mit der Brille des Systems und kommt überhaupt nicht auf den Gedanken, dass es anders sein könnte. Jedes Detail, das er entdeckt, baut er in das vorgegebene System ein. Neue Überlegungen sind ihm suspekt. Wer biblisch denkt, vertieft seine Schriftkenntnis und entdeckt zu seiner Überraschung manches, was er nicht erwartet hätte und was auch nicht in das vorgegebene System passt.

6. Wer im System denkt, kennt manchmal auch Bibelstellen, die nicht ins System passen. Wer versucht, biblisch zu denken, stellt sich auch »unpassenden« Aussagen und versucht nicht, sie mit Gewalt ins System zu pressen. Denn dabei wird fast immer die Schrift vergewaltigt.

7. Wer im System denkt, verkürzt unwillkürlich biblische Wahrheit. Wer biblisch denkt, versucht, die biblische Wahrheit zu erfassen, wie sie ist, auch in ihren scheinbaren Widersprüchen. Er hütet sich davor, die Schrift zu verändern.

8. Wer im System denkt, für den sind Kompromisse kaum möglich. Extreme Vertreter des Systemdenkens sind typische Sektierer. Außerhalb ihres Systems gibt es für sie nichts mehr. Wer versucht, biblisch zu denken, weiß, wie schwer manche Schriftstellen zu erklären und zu vereinbaren sind. Er weiß, dass er manchmal auf Hilfskonstruktionen angewiesen ist. Das macht ihn vorsichtig, aber deshalb sind für ihn auch andere Hilfskonstruktionen denkbar.

9. Wer im System denkt, ist davon überzeugt, ganz auf dem Boden der Schrift zu stehen, aber in Wirklichkeit verteidigt er nur das System. Natürlich stimmt vieles in seinem System mit der Bibel überein, ich glaube sogar, wenn ich an die Brüderlehre denke, das meiste. Trotzdem muss ich mich hüten, dem System zu verfallen und es zu stützen. Ich muss mich immer zu den klaren Aussagen der Schrift stellen.

10. Wer im System denkt, von dem hört man kaum jemals eigene Aussagen, geschweige denn eine neue Sicht, denn er fürchtet, sie könnten nicht systemkonform sein. Er hat immer alles an den Schriften der Väter geprüft. Wer versucht, biblisch zu denken, kann mit Ergebnissen seines Studiums durchaus Schwierigkeiten bekommen, vor allem, wenn er mit systemkonformen Geschwistern zusammenstößt. Er wird schnell verdächtigt, unbiblische Lehren zu verbreiten. Ja, manche sind sehr schnell bereit, den anderen als liberal zu beschimpfen, wenn er mit seinen Ergebnissen nicht ins System passt.

11. Wer im System denkt, denkt z. B. über Bekehrung und Heilsgewissheit nicht mehr nach, weil sie ihm als selbstverständliche biblische Lehren erscheinen, die sich schon Jahrzehnte festgesetzt haben. Wenn er dann gefragt wird, was die Schrift tatsächlich dazu sagt, wird es gewöhnlich sehr dünn und meist sogar falsch. Wer versucht, biblisch zu denken, muss von der Schrift her neu überlegen, was Gott wirklich will, wenn er von Bekehrung spricht oder von Buße und ob es nicht auch eine falsche Heilssicherheit geben könnte.1

Die Unausgewogenheit von Systemen

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf wollen wir uns nun an die unterschiedlichen Systeme von Arminianismus und Calvinismus wagen. Sie stehen sich scheinbar diametral gegenüber. Das eine betont die Verantwortung des Menschen – das andere das Handeln Gottes; das eine ist synergistisch (ein menschlicher Beitrag ist nicht ausgeschlossen) – das andere monergistisch (Gott tut alles) usw. Es ist ja verständlich, dass die Reformatoren nach den Jahrhunderten des finstersten Katholizismus mit all seiner Werkgerechtigkeit mehr die Souveränität Gottes betonten. Aber sie gingen m. E. zu weit.

David Dunlap schreibt von einer Pendelbewegung:

Diese beiden theologischen Richtungen tendierten dazu, soweit wie möglich voneinander weg zu schwingen, anstatt dass sie versucht hätten, die Schrift in ausgewogener und fairer Weise zu behandeln.2

Dunlap zitiert C. H. Mackintoshs Ausspruch: »Der Calvinismus ist ein Vogel mit einem Flügel« und fügt hinzu, dass dasselbe auch vom Arminianismus gesagt werden könnte.3 Das ist die Crux mit allen von Menschen erdachten Systemen: Sie schaffen es nicht, die Lehre der gesamten Schrift ausgewogen darzustellen.4 Wenn man im Denken eines dieser beiden Systeme gefangen ist, könnte es sein, dass man bestimmte Bibelstellen automatisch durch die Brille des Systems liest. Arminianisch geprägte Christen lesen manchmal eine Aussage der Schrift und denken beispielsweise sofort: Hier lehren Paulus, Petrus oder Johannes, dass Gläubige wieder verloren gehen können. Calvinistisch geprägte Christen stoßen auf Begriffe wie Erwählung oder auf »das Ziehen des Vaters« und interpretieren die Aussagen sofort im Sinne ihrer Heilslehre. Genau das ist das Problem: unmerkliche Auslegungstraditionen! Hier gilt es, ein »Anti-Virus-Programm« zu installieren.

Schauen wir uns zunächst das theologische System des Arminianismus an.

Teil II

Ein geschichtlicher Überblick
Eine kurze Biografie von Arminius

Jakob Hermannszoon wurde am 10. Oktober 1560 als Sohn katholischer Eltern in Oudewater/Holland geboren. Die Familie trat zum protestantischen Glauben über. Schon im Alter von 15 Jahren besaß er Grundkenntnisse in Latein, Griechisch und Theologie und wurde zum Studium an der Universität von Marburg/Lahn eingeschrieben. Marburg ist die älteste protestantische Universität Deutschlands. Philipp Melanchthon hatte sie bereits 1527 gegründet. Anschließend wechselte Jakob H. nach Leyden/Holland, wo er weitere fünf Jahre Theologie studierte.

1582 ging Hermannszoon nach Genf und studierte unter Calvins Nachfolger Theodor Beza (franz.: de Bèze) Theologie. Beza hatte inzwischen Calvins Ansichten weiter verschärft; u. a. lehrte er den so genannten »Supralapsarianismus« 5. Nach Bezas Meinung habe Gott die Dekrete zur Erwählung und Verdammnis der Menschen schon beschlossen, bevor er sich überhaupt entschied, Menschen zu erschaffen. Während seiner Zeit an der Universität Genf änderte Jakob Hermannszoon seinen Namen. Wie es damals üblich war, nahm er einen lateinischen Namen an. Er nannte sich fortan nach einem deutschen Heerführer, der die Katholiken besiegt hatte, Arminius.

In Basel wurde ihm eine Professur angeboten, doch er verzichtete wegen seines jungen Alters. Er war ein brillanter Gelehrter, ein eloquenter Redner und galt als Theologe von höchstem Rang. Der junge Arminius liebte den Herrn und sein Wort. Er wurde 1588 zum Hauptprediger jener Kirche in Amsterdam berufen, deren Gottesdienste auch vom holländischen Königspaar besucht wurden. Seine kraftvollen Predigten zogen viele Zuhörer an. Zu jener Zeit waren die jungen holländischen Reformer noch nicht calvinistisch.

Während seines Dienstes dort begann Arminius, das Denksystem des Calvinismus zu hinterfragen. Nach fünfzehn Jahren verließ er das Pastorat und wurde Professor der Theologie an der Universität Leyden. Seine Vorlesungen über Erwählung und Vorherbestimmung sollten später zu einer tragischen Kontroverse führen.

Der katholische Humanist Dirck Coornhert hatte die Lehren Bezas öffentlich in Frage gestellt. Außerdem hatten zwei Calvinisten, Arent Corneliszoon und Reynier Donteklok, ein Buch veröffentlicht, das sich kritisch mit diesen Lehren Bezas auseinandersetzte.

Nun erwarteten alle von Bezas Schüler Arminius, dass er seinen ehemaligen Lehrer verteidigen würde. Aber Arminius steckte in einer Gewissenskrise. Er studierte die Schrift, in Sonderheit den Römerbrief. Dann folgten die Kirchenväter. Offensichtlich hatte keiner von ihnen je eine solche Lehre vertreten. Schließlich erkannte Arminius, dass der Supralapsarianismus Gott zum Urheber der Sünde machen würde. Diese Sicht konnte und wollte er nicht weiter unterstützen. Außerdem waren sie in keinem Konzil je akzeptiert worden. Darum wehrte er sich später in seinen Schriften vehement gegen dieses falsche Dogma.6

Arminius grenzte sich auch explizit von Pelagius ab, indem er z. B. lehrte:

Der freie Wille ist nicht in der Lage, irgendetwas geistlich Gutes zu beginnen oder zu vollenden.87

1603 wurde Jakobus Arminius zum Professor der Theologie an der Universität Leyden berufen. Zu jener Zeit galt er als der größte Gelehrte seiner Zeit. Seine Gegner gaben allerdings nicht auf. In Leyden wurde er von einem Calvinisten namens Franciscus Gomarus scharf angegriffen. Arminius erbat eine öffentliche Anhörung, aber er starb 1609 mit nicht einmal 50 Jahren, bevor die Synode zusammengetreten war.

Arminius lebte ein gottesfürchtiges und heiliges Leben. Zu seinen Lebzeiten konnten ihm seine Kritiker nie wirklich etwas anlasten. Aber kaum war er gestorben, wurde er vom holländischen Klerus als Irrlehrer verdammt. Der berühmte Jurist Hugo Grotius (1583–1645) sagte einmal über Arminius: »Von anderen verdammt, er verdammte niemanden.« 8 Sein Lebensmotto lautete: »Bona conscientia paradisus« (»Ein gutes Gewissen ist ein Paradies« ).9

Ich habe auch einige seiner Schriften gelesen. Ich glaube, viele, die auf Arminius herabsehen und ihn verachten oder gar als Irrlehrer betrachten, würden sich schämen, wenn sie seine feinen Ausführungen über Gott, über die Gemeinde und über das christliche Leben lesen würden. Arminius hatte eine ausgeprägte Theologie der Gnade.

Apropos Theologie. Seine Ausführungen über »Prädestination« offenbaren das tiefe Verständnis eines echten Gelehrten.10

Zurück ins Jahr 1609. In der Folgezeit begann eine Auseinandersetzung zwischen der calvinistischen Holländischen Reformierten Kirche und den Anhängern von Arminius, die sich leider bis in die Gegenwart fortsetzen sollte.

Die Remonstranten und die Synode von Dordrecht

Nach seinem Tod verfassten 42 seiner Nachfolger im Jahr 1610 ein Manifest, das unter dem Namen »Remonstranz« (Antwort, Erwiderung auf die Äußerung eines anderen) in die Geschichte eingegangen ist. Dieses Bekenntnis enthielt im Wesentlichen die theologischen Sichtweisen des Arminius (wir gehen weiter unten im Detail darauf ein). Die Anhänger des Arminius nannten sich selbst Remonstranten, wurden aber von außen als Arminianer bezeichnet.

Die Antwort der Calvinisten ließ nicht lange auf sich warten. Der Statthalter der Generalstaaten Moritz von Oranien berief daraufhin die berühmte Synode von Dordrecht ein. Am 13. November 1618 versammelte sie sich und dauerte bis Mai 1619. Obwohl Arminius für ein offenes Forum plädiert hatte, standen am Ende dreizehn Remonstranten einer Übermacht von ca. 130 Calvinisten gegenüber. Alle größeren reformierten Kirchen – mit Ausnahme der Hugenotten – hatten ihre Vertreter gesandt. Die Anhänger des Arminius wurden als Staatsgefangene betrachtet. Sie hatten kein Stimmrecht und saßen von Anfang an auf der Anklagebank.

Simon Episcopius, der Nachfolger Arminius', hielt eine zweistündige Rede, die – laut Augenzeugen – viele Teilnehmer zu Tränen rührte. Aber es half alles nichts. Die Synode von Dordrecht nahm ein hochcalvinistisches Bekenntnis an, das sogar die supralapsarische Sicht Bezas einschloss. Der Arminianismus wurde als Irrlehre verdammt und »das calvinistische Zentraldogma, die Lehre von der Prädestination« , mit weiteren Punkten fixiert11. Als Folge wurden 200 Remonstranten von ihrem geistlichen Dienst abgesetzt. Einige wurden sogar verfolgt. Offensichtlich setzte sich hier der gewaltsame Geist Calvins auch in den Niederlanden fort. Der Reformator hatte bereits 1553 in Genf den spanischen Arzt Miguel Servet auf grausame Weise bei lebendigem Leib verbrennen lassen, weil dieser u. a. die Dreieinigkeit ablehnte.12 Michael Kotsch kommt in seiner Calvin-Biografie zu einer milderen Beurteilung.13

Interessanterweise wurden die fünf Punkte der Arminianer genauso wenig von Arminius ausgearbeitet (sondern von den Remonstranten) wie die fünf Punkte des Calvinismus nicht von Calvin stammten (sondern von der Synode zu Dordrecht). Beide Bekenntnisse entstanden erst nach dem Tod der Protagonisten.

Bemerkenswert ist, dass die Arminianer viel mehr Toleranz an den Tag legten als ihre Gegner. Sie waren gut gebildet und hatten starke Überzeugungen – aber sie vertraten sie im Geist der Toleranz. Sie zeigten keine Abneigung gegen die Calvinisten, sie wollten lediglich mit ihrer Sicht akzeptiert werden.

Außerhalb der Niederlande wurden die Beschlüsse der Synode von Dordrecht (Canones Dordraceni) noch in Frankreich und der Schweiz angenommen. Wo sie in Geltung standen, wurde auch nicht die leiseste Milderung der Lehre von der partikularen Gnadenwahl geduldet.14 Erst 1795 wurde die arminianische Sichtweise »offiziell« toleriert.

In England vertrat John Wesley einige Aspekte der arminianischen Theologie. Das führte zu einer weiteren Verbreitung dieser Lehre im angelsächsischen Raum.

Die Lehre des Arminius
Die Lehre des Arminius im Überblick

Die Anhänger des Arminius verfassten nach dessen Tod eine »Remonstranz« (1610). Darin fand sich ihre Lehre in fünf Punkten zusammengefasst. Dieses Dokument stellte einen Protest gegen die Theologie des Calvinismus dar. Die Abhandlung wurde dem holländischen Staat übergeben. Man kann sie wie folgt zusammenfassen:

1. Der Wille des Menschen ist trotz partieller Erbsünde grundsätzlich frei

Der Mensch ist zwar sündig, sein Wille ist jedoch neutral. Somit kann sich der Mensch jederzeit und völlig frei für oder gegen Gott entscheiden.

2. Bedingte Erwählung

Gott hat die Menschen nach Vorkenntnis auserwählt, d. h. er hat die erwählt, von denen er wusste, dass sie sich bekehren würden.

3. Unbegrenzte Sühne

Christus hat für die Sünden aller Menschen bezahlt. Wirksam wird dies aber nur für die Menschen, die sich aus freien Stücken bekehren.

4. Der Mensch kann die Gnade Gottes ablehnen

Der Mensch kann Gottes Gnadenangebot ablehnen oder annehmen. Das ist allein seine Entscheidung.

5. Jeder Christ kann wieder vom Glauben abfallen

Gott schenkt denen, die durch den wahren Glauben mit Christus vereinigt sind, durch die Gnade des Heiligen Geistes Kraft, im Glauben beständig zu bleiben. Aber es ist für einen Gläubigen auch möglich, von der Gnade abzufallen. Wie es ihre freie Entscheidung war, sich zu bekehren, so ist es auch ihre freie Entscheidung, sich quasi »zurück zu bekehren« . Sie werden nur dann gerettet, wenn sie bis zum Ende standhaft ausharren.

Die Lehre des Arminius auf dem Prüfstand

Wir hinterfragen die Lehre des Arminius zuerst in einer tabellarischen Übersicht. Danach gehe ich detailliert auf die einzelnen Lehrpunkte ein.


Arminianische Lehre Kritische Nachfragen
Verderbtheit – aber nicht »totale« Verderbtheit Ist der gefallene Mensch fähig umzukehren und zu glauben?
Bedingte Erwählung Erwählte Gott nur bestimmte Menschen zur Errettung? Welche Rolle spielte die Vorsehung Gottes? Erwählte Gott überhaupt jemals ein Individuum zum ewigen Leben?
Unbegrenzte Sühne Bezahlte Jesus am Kreuz die Schuld für alle Menschen oder nur für die Erwählten?
Der Gnade Gottes kann widerstanden werden. Werden die Erwählten – ohne oder gar gegen ihren Willen – wiedergeboren oder werden diejenigen wiedergeboren, die umkehren und glauben?
Jeder Christ kann wieder vom Glauben abfallen Ist es erforderlich, den Glauben bis zum letzten Atemzug festzuhalten, um das ewige Leben zu bekommen oder kann ein Christ trotz Straucheln und Versagen in den Himmel kommen?

1. Verderbtheit – aber nicht »totale« Verderbtheit

Die Remonstranten (ich nenne sie von jetzt ab »Arminianer« ) lehrten:

Die Menschheit ist verdorben, aber nicht so total verdorben, dass sie nicht mehr in der Lage wäre, nach Gott zu suchen.

Arminius und seine Anhänger bejahten durchaus, dass der Mensch seit dem Sündenfall verdorben ist. Sie bestätigten, dass der Sünder nur durch Gnade gerettet wird (Eph 2,8). Allerdings gingen sie davon aus, dass der Mensch auf die Verkündigung des Evangeliums und auf das Wirken des Heiligen Geistes mit Buße und Glauben reagieren kann. Dem stimme ich zu.

Arminianer sprechen jedoch fälschlicherweise vom freien Willen des Menschen

Die Arminianer lehrten:

Die Erbsünde ist nicht absolut. Darum ist der freie Wille durch die Erbsünde nicht aufgehoben.

Hier irren die Arminianer. Einen »freien Willen« kann der gefallene Mensch nicht mehr haben. Unser Wille ist schon durch unsere Geschöpflichkeit eingeschränkt. Selbst, wenn wir aus dem Stand zehn Meter hoch springen wollten, wir könnten es nicht.

Aber auch im moralischen Sinn ist unser Wille nicht mehr frei. Adam konnte sich im Garten Eden noch frei entscheiden, ob er Gott gehorsam sein wollte oder nicht. Wir »Adamskinder« können das nicht mehr. Unser Wille muss befreit werden. Die Gefängnistüre muss zuerst aufgeschlossen werden.15

An dieser Stelle gebe ich Luther völlig recht, wenn er in seiner Kampfschrift Vom unfreien Willen ausführt:

[…] denn oben haben wir gezeigt, dass man niemandem außer Gott einen freien Willen zuschreiben kann.16

Luther erkannte richtigerweise, dass der Mensch das ewige Heil nicht allein aufgrund seiner eigenen Willensentscheidung erlangen kann. Aber dann folgte er der prädestinatorischen Theologie Augustins und fiel auf der anderen Seite vom Pferd, indem er lehrte, dass über die Rettung eines Menschen allein der souveräne Wille Gottes entscheiden würde.

Auch Roger Liebi lehnt den »freien Willen« ab:

Kein Mensch sucht von sich aus Gott (Röm 3,10). Somit kann er sich gar nicht von sich aus bekehren. Sein Wille ist gebunden durch Satan (2Kor 4,4) und durch die Sünde (1Mos 6,5). Im wahrsten Sinne des Wortes kann man also nicht von einem freien Willen des Menschen sprechen. Der Wille des Menschen ist geknechtet.17

Gott hat seine Geschöpfe jedoch als verantwortliche Wesen geschaffen. Deswegen kann der Mensch moralische Entscheidungen treffen: Er kann lügen oder nicht; er kann ehebrechen oder nicht usw. (Röm 2,12–16).

Aber in bestimmten geistlichen Dingen gilt das nicht. Ich kann mich nicht einfach für Jesus entscheiden, wann ich will. […] Erst wenn der Wille des Menschen durch die Gnade Gottes zur geistlichen Entscheidung befreit worden ist, kann er sich für oder gegen Jesus entscheiden.18

Genau aus diesem Grund spreche ich lieber von einem »befreiten Willen« . Der Sünder steht nicht wie Herkules am Scheideweg und kann sich frei für Himmel oder Hölle entscheiden. Ohne Gottes vorlaufende Gnade geht gar nichts. Nur weil der barmherzige Gott die Gefängniszelle aufschließt, kann der Sünder in die Freiheit gelangen. Das Aufschließen geschieht unter der Verkündigung des Wortes Gottes und unter dem Wirken des Heiligen Geistes (Apg 16,14; Röm 10,17).

2. Bedingte Erwählung

Die Arminianer lehrten:

Gott hat beschlossen, durch Jesus Christus diejenigen aus der sündigen Menschheit zu erretten, die durch die Gnade des Heiligen Geistes an Christus glauben, aber Gott belässt diejenigen in der Sünde, die unbelehrbar und ungläubig sind.19

Sie sahen niemanden für den Himmel oder die Hölle vorherbestimmt. Die Erwählung hatte aus ihrer Sicht eine Bedingung: Wer an Jesus Christus glaubt, ist erwählt.

Auf den Erwählungsbegriff gehe ich weiter unten noch detaillierter ein.

3. Unbegrenzte Sühne (Universale Genugtuung)

Die Arminianer lehrten:

Christus starb ausnahmslos für alle Menschen; aber Gott wählt nur diejenigen für die Erlösung aus, die auch wirklich ihr Vertrauen auf Jesus Christus setzen. Der Tod Jesu Christi gilt für die gesamte Menschheit und jeder, der an ihn glaubt, kann gerettet werden.

Die Heilige Schrift lehrt klipp und klar, dass Christus tatsächlich für alle Menschen gestorben ist. Das wird in der Theologie als das »objektive Heil« bezeichnet. Aber die Errettung muss – subjektiv – angenommen werden, und zwar durch Buße und Glauben.

Das Werk am Kreuz ist:

 Für jedes Individuum – Paulus schreibt: »für mich« (Gal 2,20)

 Für die Gottlosen (Röm 5,6)

 Um alle zu erkaufen, d. h. das Lösegeld zu bezahlen, 1Tim 2,6 – falsche Lehrer eingeschlossen (2Petr 2,1)

 Für Israel (Joh 11,50f)

 Für die Gemeinde (Eph 5,25)

 Für alle Menschen (Jes 53,6; 1Tim 2,6)

 Für jeden Menschen (Tit 2,11; Hebr 2,9)

 Für die Welt (Joh 3,16)

 Zur Versöhnung der ganzen Welt (1Joh 2,2)20

Ich stimme in diesem Punkt mit Arminius überein. Es kann mit der Bibel nicht belegt werden, dass für bestimmte Menschen keine Erlösung möglich sei. Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes hätte auch für Hitler oder Stalin ausgereicht!

4. Der Mensch kann die Gnade Gottes ablehnen

Die Arminianer lehrten:

Ein Mensch kann die Gnade ablehnen. Gott zwingt ihn nicht zum Heil.

Ich bin kein Arminianer, aber das glaube ich auch. Gott ist Liebe. Das ist sein Wesen. Und Liebe zwingt nicht. Liebe gibt immer frei zum Neinsagen. Gott zwingt keinen Menschen zum Glauben. Das wäre gegen sein Wesen.

Haben Sie eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, warum der auferstandene Christus nur seinen Jüngern erschienen ist (inklusive Paulus) und nie seinen Feinden? Weder Pilatus noch Hannas und Kaiphas, weder der johlenden Menge noch den Pharisäern oder Sadduzäern? Ich habe darauf nur eine Antwort: Weil er niemanden zum Glauben zwingen wollte! Auch Paulus wurde übrigens nicht gezwungen. Der Herr sagt zu ihm: »Paulus, es wird dir schwerfallen, gegen den Stachel (Miterleben der Steinigung des Stephanus) auszuschlagen!« (Apg 26,14) Aber er sagt nicht, dass es unmöglich gewesen wäre. Und vor dem König Agrippa bezeugte er später, dass er der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam war (Apg 26,19).

Gott zerbricht unseren Willen nicht; er will ihn in seinen Dienst nehmen. Nicht sklavische Unterwerfung will er, sondern freien Gehorsam.21

Der Gott der Bibel liebt alle Menschen mit ewiger Liebe. Darum gibt er uns das Evangelium vom Kreuz, das uns völlige Freiheit lässt, diese Botschaft zu glauben oder nicht.

Schmälert das etwa die Souveränität Gottes? Mitnichten. Das erhebt sie sogar! Gott ist so souverän, dass er es sich leisten kann, dem Menschen Freiheit zu gewähren. Übrigens, der Teufel nicht. Satan arbeitet immer mit Zwang, Bindung und Kette!

Tozer schreibt:

Der Wille des Menschen ist (relativ – Anm. d. Aut.) frei, weil Gott souverän ist. Ein Gott, der weniger als souverän wäre, könnte seinen Geschöpfen keine moralische Freiheit gewähren. Er hätte Angst davor.22

So sieht es auch Arnold Fruchtenbaum. Er schreibt:

Grenzt es denn die Souveränität Gottes überhaupt ein, wenn er dem Menschen ein gewisses Maß an freiem Willen gibt? Wenn Gottes Souveränität so definiert wird, dass Gott keine Wahl hat – ja, dann grenzt der freie Wille des Menschen die Souveränität Gottes ein. Wenn Gott aber in seiner Souveränität freiwillig beschlossen hat, dem Menschen einen relativ freien Willen zu verleihen – dann verstößt das ganz und gar nicht gegen seine Souveränität. Seine Souveränität lässt nämlich zu, dass dieser relativ freie Wille überhaupt ausgeübt wird.23

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
151 s. 3 illüstrasyon
ISBN:
9783945973158
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