Kitabı oku: «Das Tagebuch der Mademoiselle S.»

Yazı tipi:

Das Tagebuch der Mademoiselle S.

Erotische Bibliothek

Band 12

Wilhelmine Schröder-Devrient

(zugeschrieben)

Das Tagebuch der Mademoiselle S.

Aus den Memoiren einer Sängerin

Erstmals erschienen 1909

© Lunata Berlin 2019

Inhalt

1. Brief

2. Brief

3. Brief

4. Brief

5. Brief

6. Brief

7. Brief

8. Brief

9. Brief

10. Brief

11. Brief

12. Brief

13. Brief

14. Brief

15. Brief

Über die Autorin

Die erotische Bibliothek

1. Brief

Warum soll ich Ihnen etwas verhehlen? Sie haben sich in so viel schwierigen Lagen meines Lebens als ein wahrer und uneigennütziger Freund erwiesen, haben mir so wesentliche Dienste geleistet, daß ich Ihnen mein vollständiges Vertrauen schenken kann. Ihr Wunsch überrascht mich übrigens nicht. Schon in unseren früheren Gesprächen bemerkte ich, daß Sie eine Neigung und Vorliebe haben, die geheimen Triebfedern zu erforschen, die bei uns Frauen zu Ursachen so mancher Handlungen werden, für die auch die geistreichsten Männer häufig um eine Erklärung verlegen sind. Obgleich uns die Verhältnisse jetzt weit auseinandergeführt haben, und wir uns aller Wahrscheinlichkeit nie wiedersehen werden, so denke ich doch stets mit Dankbarkeit an die Zeit, in der Sie mir in meinem großen Unglück beigestanden haben und in allem, was Sie getan, verschafft und abgewehrt, nie an sich gedacht, sondern nur mein Wohl gewollt haben. Das werde ich Ihnen nie vergessen. Es hing ja nur von Ihnen ab, jede Gunstbezeugung von mir zu erhalten, die ein Mann sich nur wünschen kann, denn Sie kannten mein Temperament, und ich war Ihnen sehr gut. An Gelegenheit hat es uns auch nicht gefehlt, und ich habe an Ihnen oft bewundert, welche Gewalt Sie sich angetan haben. Denn, daß auch Sie in dem fraglichen Punkt sehr reizbar, ebenso reizbar wie ich, waren, habe ich mehr als einmal bemerkt, und Sie haben es mir selbst oft gesagt, daß ich einen scharfen Blick und sehr viel mehr Verstand habe, als viele andere Frauen. Nun haben Sie das Verlangen an mich gestellt, Ihnen aufrichtig und vor allem ohne weibliche Zurückhaltung – die ich ja selbst oft genug Ziererei genannt habe – meine Erfahrungen und Anschauungen über das Fühlen und Denken der Frauen in Bezug auf das wichtigste Moment ihres Daseins, die Liebe und Vereinigung mit dem Manne, mitzuteilen. Anfangs setzte mich Ihr Wunsch in Verlegenheit, denn – lassen Sie mein Bekenntnis gleich mit der Schilderung eines entscheidenden Charakterzuges aller Frauen ohne Ausnahme beginnen: »Nichts wird uns schwerer, als die vollkommene Aufrichtigkeit gegen den Mann; denn Sitte und Notwendigkeit des gesellschaftlichen Zwangs legen uns von frühester Jugend an so viele Rücksichten auf, daß wir ohne Gefahr nicht aufrichtig sein können!« Als ich aber darüber nachdachte, was Sie eigentlich von mir verlangen, vor allen Dingen aber, als ich mich der Eigenschaften des Mannes erinnerte, der so etwas von mir verlangte, da fing Ihre Idee an, mir Vergnügen zu machen. Ich versuchte, einige meiner Erfahrungen zu Papier zu bringen. Ich stockte zwar, als ich an Dinge kam, die wirklich vollkommene Aufrichtigkeit verlangen und die man eben nicht niederzuschreiben pflegt, aber ich zwang mich dann doch dazu. Ich dachte daran, daß ich Ihnen eine Freude damit mache, und überließ mich nun ganz der Erinnerung an die vielen glücklichen Stunden, die ich genossen habe, und von denen ich nur eine bereue. Als ich erst die anfängliche Scheu besiegt hatte, empfand ich bei der Schilderung dessen, was ich von anderen Frauen erfahren, sogar ein ganz entscheidendes Vergnügen. Je ausführlicher ich wurde, desto mehr kam mein Blut auf die angenehmste Art in Wallung. Es war mir wie ein Nachgeschmack der Freuden, die ich genossen habe und deren ich mich nicht schäme, wie Sie wissen. – Wir sind durch die sonderbarsten Verhältnisse so vertraut miteinander geworden, daß es mir übel anstehen würde, mich Ihnen in einem anderen Licht zu schildern, als ich wirklich bin.

Meine Eltern, wohlhabende, aber keineswegs reiche Leute, hatten mir eine musterhafte Erziehung gegeben. Mein lebhafter Charakter, meine Begabung, alles spielend zu erlernen, und namentlich mein schon früh ausgebildetes Talent auf dem Gebiete der Musik machten mich zum Liebling nicht allein meiner Eltern, sondern aller, die unser Haus besuchten. Bis zum dreizehnten Jahr war meine temperamentvolle Veranlagung noch nicht durchgebrochen. Andere junge Mädchen hatten mir zwar erzählt, was es für eine Bewandtnis mit dem Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht habe, und daß es eine Fabel sei, wenn man uns weismachen wolle, der Storch bringe die Kinder, und daß doch gewiß recht sonderbare und geheimnisvolle Dinge vorgehen müßten, wenn man sich verheirate. Aber mein Interesse an solchen Gesprächen war immer nur das der normalen Neugier gewesen. Meine Sinne sprachen dabei noch in keiner Weise mit. Erst als sich an meinem Körper die ersten Spuren der Reife zeigten, als ein leichter Anflug gekräuselter Haare sich da bemerkbar machte, wo meine Mutter nie, selbst beim Anziehen und Waschen nicht, eine vollständige Entblößung litt, da gesellte sich zu der Neugier auch das Wohlgefallen. Wenn ich allein war, untersuchte ich die mir unerklärliche Erscheinung des krausen Haarwuchses an jener Stelle, die doch eine große Bedeutung und Wichtigkeit haben mußte, da alle Welt sie so sorgfältig hütete und den Blicken entzog. Beim Aufstehen, wenn ich mich bei verschlossenen Türen allein wußte, nahm ich einen Spiegel von der Wand, stellte ihn vor mich und rückte ihn solange schräg, bis ich alles genau sehen konnte. Um so weniger aber begriff ich, was meine Gespielinnen davon erzählten, wie die innigste Vereinigung zwischen Mann und Frau stattfinde. Der Augenschein überzeugte mich, daß eine Vereinigung meiner Meinung nach gar nicht möglich sein könne. An Bildsäulen hatte ich gesehen, wie anders der Mann von der Natur ausgestattet ist als das Mädchen. Da ich meine Untersuchungen immer beim Waschen vornahm, wobei ich an den Wochentagen ganz nackt und allein war, während ich sonntags in Gegenwart der Mutter die Hüften bis zu den Knien bedeckt halten mußte, so konnte es nicht fehlen, daß ich auch bald auf die immer mehr sich rundenden Formen der Hüften und Schenkel aufmerksam werden mußte. Das bereitete mir ein unerklärliches Vergnügen. Meine Gedanken schweiften in die Weite. Ich versuchte, mir auf alle mögliche Weise zu erklären, was ich doch nicht begreifen konnte; ich erinnere mich aber genau, daß damals sich meine Eitelkeit zu regen begann. Mein Vater war ein sehr ernster Mann, und meine Mutter ein Muster weiblicher Sitte und feinsten Anstands, so daß ich vor beiden außerordentlichen Respekt empfand, aber gerade deswegen auch die größte Liebe für sie fühlte. Höchst selten kam ein Scherzwort über die Lippen meines Vaters, und ebenso selten sah ich von ihm eine Zärtlichkeit für meine Mutter. Dabei waren beide sehr schöne Menschen. Der Vater war damals rund vierzig, die Mutter vierunddreißig Jahre alt.

Nie war mir der geringste Gedanke gekommen, daß unter dieser ernsten und in jeder Beziehung gemessen erscheinenden Außenseite soviel Sinnlichkeit und Lebensgenuss verborgen sein konnte, wie ich durch einen sonderbaren Zufall erfahren sollte. Ich war vierzehn Jahre alt geworden und ging eben in den Konfirmandenunterricht zu einem Prediger, der, nebenbei gesagt, meine erste, schwärmerische Liebe war. Nicht die meinige allein, sondern die aller seiner Schülerinnen, obgleich er weder jung noch besonders schön war. Ich habe vielfach beobachtet, daß Lehrer, darunter vorzüglich Religionslehrer, den ersten nachhaltigen Eindruck auf das Gemüt junger Mädchen machen. Ist der Prediger ein guter Kanzelredner, ein in der Gemeinde beliebter Mann, so schwärmen alle jungen Mädchen für ihn. Später komme ich vielleicht hierauf zurück, weil es ja auch zur Beantwortung Ihrer Fragen gehört. Ich war also vierzehn Jahre alt und körperlich, bis auf das eigentliche Zeichen der periodischen Blume, das Zeichen der vollen Weiblichkeit, vollkommen ausgebildet. Da kam der Geburtstag meines Vaters heran, und Mutter traf mit liebevoller Geschäftigkeit alle Vorbereitungen dazu. Ich hatte ein Gedicht gemacht – Sie kennen ja mein kleines poetisches Talent (unter uns gesagt, mit dem Wunsch, daß es unser Prediger korrigieren möge, und ich dann einen Vorwand hätte, zu ihm zu gehen) – , einen großen Blumenstrauß gewunden und war schon frühmorgens festlich angezogen, weil mein Vater schöne Toilette sehr liebte. Meine Eltern schliefen nicht zusammen, weil der Vater oft bis spät in die Nacht arbeitete und dann die Mutter nicht stören wollte – so sagten sie wenigstens; später habe ich erkannt, wie weise sie auch darin waren, ihr Eheleben zu genießen. All die Dinge, welche vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen nötig sind, all die Zwanglosigkeiten, die sich mit der Bequemlichkeit verbinden, auch die nachlässige, ja oft lächerliche Toilette des Nachtanzugs, kurz: die zu genaue Bekanntschaft sollen Eheleute von sich fernhalten, damit sie sich immer neu und reizvoll bleiben. Mein Vater schlief also nicht in dem Schlafzimmer der Mutter. Gewöhnlich stand er um sieben Uhr auf. An seinem Geburtstag war meine Mutter schon um sechs Uhr auf und im Hause tätig, um die Geschenke zu ordnen und Vaters Bild zu bekränzen. Gegen sieben Uhr sagte sie: das frühe Aufstehen mache doch recht müde, und sie wolle sich noch einen Augenblick aufs Bett legen, bis der Vater herüberkäme. Weiß der Himmel, wie mir die Idee kam – aber ich dachte, es müsse doch gar zu hübsch sein, wenn ich dem Vater gleichzeitig mit der Mutter gratulieren würde, denn ich hatte ihn schon sich in seinem Zimmer räuspern hören. Er war also auf und mußte bald herüberkommen. Während die Mutter noch mit dem Dienstmädchen sprach, schlüpfte ich in das Schlafzimmer, das einen Alkoven mit einer Glastür hatte, in dem sämtliche Garderobenschränke standen. Dort wollte ich versteckt stehenbleiben, bis Mutter dem Vater gratulierte, um dann durch mein Erscheinen die geliebten Eltern zu überraschen. Ganz stolz und glücklich über meinen Plan stand ich mäuschenstill hinter der Glastür des Alkovens, als meine Mutter hereintrat, sich schnell bis aufs Hemd entkleidete, sich auf ein bereitstehendes Bidet setzte und sorgfältig wusch. Ich sah dabei zum ersten Mal, welch einen wunderschönen Körper meine Mutter hatte. Dann stellte sie einen großen Stehspiegel, der am Fußende ihres Bettes neben ihrer Toilette stand, schräg zu ihrem Blickfeld und legte sich hin, die Augen aufmerksam nach der Tür gerichtet. Jetzt erst kam mir der Gedanke, daß ich wohl eine Ungeschicklichkeit begangen haben könnte, und ich wäre gern so weit wie möglich aus dem Alkoven weg gewesen. Ein dunkles Gefühl sagte mir, daß vor meinen Augen etwas geschehen würde, was ein junges Mädchen eigentlich nicht sehen dürfte. Ich hielt ängstlich meinen Atem an und zitterte an allen Gliedern. Da öffnete sich die Tür, und der Vater trat herein. In dem Augenblick, als die Tür sich bewegte, hielt meine Mutter die Augen geschlossen und stellte sich schlafend. Mein Vater trat an das Bett, betrachtete mit dem Ausdruck der größten Liebe die Schlafende, ging dann zur Tür zurück und schob den Riegel vor. Mir wurde immer banger, und es war mir zumute, als sollte ich in die Erde sinken, als mein Vater nun leise die Beinkleider abstreifte, so daß er unter dem Schlafrock nur noch das Hemd anhatte. Er näherte sich dem Bett wieder und hob vorsichtig die leichte Schlafdecke ab. Da sah ich zum ersten Mal einen anderen weiblichen Körper, aber ausgewachsen und in vollster Blüte, und dachte mit Beschämung an die Unreife des meinigen. In diesem Augenblick öffnete meine Mutter die Augen, als ob sie eben erst erwacht wäre, und rief mit einem langen Seufzer: »Bist Du es, geliebter Mann? Eben träumte ich von Dir. Wie schön weckst Du mich. Tausend Glückwünsche zu Deinem Geburtstag!«

»Den schönsten bringst Du mir damit, daß ich Dich überraschen konnte. Wie reizend Du heute wieder bist! Du hättest Dich nur sehen sollen!«

»Mich so zu überfallen! Du hast doch die Tür verriegelt?«

»Sei unbesorgt. Willst Du mir aber wirklich gratulieren, so sei, wie Du warst – mir ganz zugewendet. Du bist so frisch und duftig wie eine Rose.«

»Alles, was Du willst, Du Engel von einem Mann. Aber willst Du nicht lieber bis heute Abend warten?«

»Da hättest Du nicht so einladend daliegen dürfen. Ich kann nicht warten. Heute morgen wollen wir alles genießen.«

Nun sank er auf ihr Gesicht nieder, und die Küsse wollten gar kein Ende nehmen. Dabei blieb seine Hand in spielender, liebkosender Bewegung. Da er mir den Rücken zukehrte, konnte ich nicht sehen, was er tat. Ich schloß aber aus den leisen Ausrufen meiner Mutter, welches außerordentliche Vergnügen sie zu empfinden schien, denn die Augen verschwammen ihr, ihre Brust zitterte, und seufzend und abgebrochen rief sie: »Wie lieb Du heute bist!«

Jedes der Worte, die dabei gesprochen wurden, ist mir unvergeßlich. Wie oft habe ich sie mir später in Gedanken wiederholt. Wieviel darüber nachgedacht. Ist es mir doch, als tönten sie mir noch jetzt in den Ohren.

Es trat jetzt eine Pause ein. Die Mutter lag regungslos mit geschlossenen Augen; der ganze Körper schien seine Spannkraft verloren zu haben. Ich war erschrocken über den Gesichtsausdruck der beiden. Das war nicht mehr mein feiner, sanfter, ernster Vater, das war nicht meine keusche, sittliche Mutter! Das waren ein paar Wesen, die keine Rücksicht mehr kannten, die, glühend und wonnetrunken, sich gegenseitig in einem mir unbekannten Genusse überboten.

Mir war der Atem bei diesem Anblick so vollständig vergangen, daß mein heftiges Herzklopfen mich fast zu ersticken drohte. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf, aber noch war die Sorge, wie ich unbemerkt wieder aus dem Versteck herauskommen konnte, ohne von meinen Eltern entdeckt zu werden, die Hauptsache für mich. Lange sollte ich indessen in diesem Zustand nicht bleiben, denn was bis jetzt geschehen, war nur das Vorspiel gewesen. Ich sollte das erste Mal soviel auf einmal sehen und lernen, daß ich auch später kaum einer weiteren Belehrung mehr bedurfte.

Wie gesagt, hatte sich mein Vater neben meine noch immer unbeweglich daliegende Mutter auf den Rand des Bettes gesetzt, so daß er mir das Gesicht zukehrte. Es schien ihm heiß zu werden, denn plötzlich warf er seinen Schlafrock und das Hemd ab, zog aber dann den Schlafrock wieder an. Nun sah ich mit einem Mal das, worüber ich mir nach den Erzählungen meiner Gespielinnen schon so oft den Kopf zerbrochen hatte. Mir gingen die Augen über, so starrte ich vor Aufregung und Neugier darauf hin. Wie anders war das, was ich bei Statuen und kleinen Knaben gesehen hatte! Ich erinnere mich deutlich, daß ich mich davor fürchtete und doch einen angenehmen Schauder über meinen Körper rieseln fühlte.

Nachdem die Ruhe einige Minuten gedauert hatte, nahm mein Vater die kraftlos herabhängende Hand meiner Mutter … Sie schlug die Augen auf und lächelte unbeschreiblich holdselig, richtete sich auf und hing mit so leidenschaftlichen Küssen an seinem Munde, daß ich mir selbst sagte, daß alles Bisherige nur die Einleitung zu dem gewesen sei, was noch geschehen würde …

Beide sprachen kein Wort, aber nachdem sie einige Minuten die heißesten Küsse gewechselt hatten, warfen sie das Hemd und er den Schlafrock ab. Meine Mutter legte sich dann so auf das Bett, daß sie bequem in den Spiegel sehen konnte, den sie sich zurechtgerückt hatte, ehe sie sich vor dem Eintritt meines Vaters schlafend gestellt hatte. Mein Vater konnte das nicht bemerken, denn er sah in das schöne, erregte, strahlende Gesicht meiner Mutter. Ich blickte so angestrengt auf beide hin, daß mir die Augen beinahe aus dem Kopfe fallen wollten. Ihre Lage war so, daß ich alles genau sehen konnte. Mir vergingen vor Erregung fast die Sinne. Ich armes, unwissendes Mädchen! Was verstand ich damals von dem, was meine Mutter sagte. Ihre Augen leuchteten vor Vergnügen. Sie waren immer auf den Spiegel gerichtet, in dem sie genau alle Bewegungen meines Vaters sehen konnte, und sie ergötzte sich mit großem Vergnügen an diesem Bild. Die tausend Gefühle, die mich damals bewegten, ließen mich gar nicht daran denken, daß beide Körper eigentlich wunderschön waren. Jetzt weiß ich freilich, daß solche Schönheit zu den größten Seltenheiten gehört. Ich sah nur erstaunt den Vorgang, ohne an Nebendinge zu denken. Vater sprach kein Wort, sondern handelte nur. Die Mutter dagegen stieß einzelne Worte aus – manchmal unverständliche, als raubte das Vergnügen ihr die Besinnung – , aus denen ich mir zusammenreimen konnte, was zwischen beiden vorging. Merkwürdige Gedanken fuhren mir durch den Kopf: Das war Leben und Tod zugleich. So völlig dahin konnte nur sein, wer sich selbst, sein ganzes Ich aufgegeben hatte.

Nun glaubte ich, es sei alles vorbei, und obgleich meine Sinne in einer unglaublichen, fast schmerzhaften Aufregung waren, so dachte ich doch nur daran, wie ich, ohne mich zu verraten, aus dem Schlafzimmer herauskommen könnte. Ich hatte mich aber geirrt und sollte noch mehr zu sehen bekommen.

Vor dem Bett sitzend, beugte sich meine Mutter über den Liegenden und küßte ihn auf das zärtlichste.

»Warst Du glücklich?« fragte sie schmeichelnd. Ich sah, wie aus einer stillen, scheinbar temperamentlosen, höchst ruhigen Frau eine glühende Genießerin wurde. Der Augenblick war über alle Beschreibung erregend und schön! Die kräftigen Glieder meines Vaters, die blendend weißen, runden Formen meiner Mutter … Hier schien sich das Leben in seiner Fülle, das Dasein, soweit es faßbaren Höhen zustrebt, in zwei glücklichen Menschen konzentriert zu haben.

Die beiden Wesen, für die ich bis jetzt die meiste Ehrfurcht und Liebe gefühlt, hatten mich über Dinge aufgeklärt, über die sich junge Mädchen so überaus verkehrte Gedanken machen, hatten allen Schein und alle Vorstellung beiseite geworfen, durch die sie mir bisher als ganz rein, leidenschaftslos und ehrfurchtgebietend erschienen waren; hatten mir gezeigt, daß die Welt unter der äußeren Form der Sitte und des Anstandes den Genuss und die Wollust verbirgt. Aber ich will jetzt noch nicht philosophieren, sondern erst erzählen. Zehn Minuten ungefähr mochten die beiden wie leblos unter der Decke gelegen haben, dann standen sie auf, wuschen sich, zogen sich an und verließen das Zimmer. Ich wußte, daß meine Mutter den Vater zunächst in den Raum führen würde, wo die Geburtstagsgeschenke aufgestellt waren, und dieses lag an dem Balkon, der in den Garten führte. Ich schlich mich daher einige Minuten später aus dem Schlafzimmer und lief so rasch wie möglich in den Garten, von wo aus ich die Eltern begrüßte. Wie ich dann mein Gratulationsgedicht hergesagt habe, weiß ich nicht. Mein Vater hielt meine Verwirrung für Rührung. Konnte ich doch meine Eltern nicht ansehen, weil ich den Gedanken daran nicht loswerden konnte, wie ich sie vor wenigen Minuten bei einer ganz anderen Beschäftigung beobachtet hatte. Der Vater küßte mich und die Mutter; aber welch eine andere Art von Kuss war das! So kalt, so förmlich! Auch die Mutter küßte den Vater. Aber wie hatte ich sie vorher küssen sehen! Ich war so verwirrt und verlegen, daß es endlich meinen Eltern auffiel. Ich schützte Kopfweh vor, weil ich mich nur danach sehnte, auf mein Zimmer zu kommen und allein zu sein, denn ich vermochte keinen anderen Gedanken zu fassen, als das so unerwartet Gesehene zu ergründen und möglichst selbst Versuche anzustellen. Der Kopf brannte mir wie Feuer, und das Blut jagte mir fast fühlbar durch die Adern. Meine Mutter meinte, ich sei wohl zu fest geschnürt. Das war eine willkommene Gelegenheit, mich in meinem Zimmer auskleiden zu können, und das tat ich auch mit einer solchen Eile, daß ich fast alles zerriß. Wie aber war mein unreifer Körper so wenig schön im Vergleich zu der vollendeten Schönheit meiner Mutter! Kaum rundete sich bei mir, was bei ihr üppige Formen angenommen hatte. Daß man jedoch so außer sich geraten, so alle Besinnung verlieren könne, wie ich es bei meiner Mutter gesehen hatte, das konnte ich nicht begreifen. Ich schloß daraus, daß zu solcher Wollust ein Mann gehöre, und verglich in Gedanken den Prediger mit meinem Vater: ob er sich wohl mit seinem ernsten Wesen auch nur so verstellte, wie sich offenbar mein Vater gegenüber uns verstellte? Ob er wohl auch so feurig, so wollüstig, so besinnungslos wird, wenn er sich mit seiner Frau allein befindet? Ob er sich wohl mir gegenüber auch so verhalten würde, wenn ich das täte, was meine Mutter getan hatte? In einer Stunde war ich zehn Jahre älter geworden. Schon damals war ich in allen Dingen ungemein systematisch. Ich führte Tagebuch, hielt Rechnung über meine kleinen Einnahmen und Ausgaben und schrieb alles Mögliche auf. So kam ich denn auf den Gedanken, mir erst alle Worte aufzuschreiben, die ich gehört hatte; aber vorsichtig auf einzelne Papierschnitzel, damit niemand daraus klug werden könnte. Dann dachte ich über alles nach und baute mir ein Phantasieschloss zurecht.

Erstens hatte die Mutter sich schlafend gestellt und sich so zurechtgelegt, daß der Vater das tun mußte, was sie wünschte. Das hatte sie offenbar in der Absicht getan, daß der Vater nicht merken sollte, was sie wollte. Sie war also die Verlangende, wollte aber nur als die Gewährende erscheinen. Sie hatte sich ferner den Spiegel so zurechtgerückt, daß sie durch den Anblick doppeltes Vergnügen haben mußte. Auch mir hatte das Spiegelbild mehr Vergnügen gemacht als die Wirklichkeit, weil ich Dinge ganz deutlich sah, die ich sonst nicht hätte sehen können. Aber auch das hatte sie vor dem Vater verborgen. Sie hatte ihm also nicht eingestehen wollen, daß sie mehr genoß als er. Endlich hatte sie ihn gefragt, ob er nicht bis heute Abend warten wollte, während sie doch alles vorbereitet hatte, um gleich morgens zu genießen, was sie wünschte. Was bedeuteten all die merkwürdigen Worte, die sie in höchster Sinnesverwirrung gebraucht hatte, oder wohl besser: die Ausdruck der Sprache ihrer Sinnlichkeit waren? Vergebens zerbrach ich mir den Kopf, was das wohl alles bedeuten könnte. Ich mag gar nicht schreiben, welch widersinnige Erklärung ich damals fand. Bei aller gewöhnlichen Schlauheit junger Mädchen ist es erstaunlich, wie lange sie über Dinge im dunkeln tappen und wie selten sie dabei gerade auf die einfachste und natürlichste Erklärung kommen.

Das Küssen war jedenfalls nicht die Hauptsache, sondern nur eine Vorbereitung gewesen, obgleich die Mutter offenbar gerade dabei das größte Vergnügen gehabt hatte.

Kurz, es gab so viel zu denken, daß ich den ganzen Tag nicht zur Ruhe kam. Fragen wollte ich niemanden, denn da die Eltern das alles so vorsichtig verborgen hatten, so mußte es wohl etwas Unschickliches sein. Wir bekamen viel Besuch den Tag über, und am Nachmittag kam auch mein Onkel mit seiner Familie in die Stadt. Er brachte meine Tante, meine Cousine, ein zehnjähriges Mädchen, meinen Vetter von sechzehn Jahren und eine französische Gouvernante aus der Schweiz mit. Da mein Onkel am nächsten Tag noch Geschäfte in der Stadt hatte, so blieben sie die Nacht bei uns. Meine Cousine und ihre Gouvernante mußten in meinem Zimmer schlafen. Dazu wurde noch ein Bett aufgeschlagen und neben das meinige gestellt. Dort sollte Marguerite, die Gouvernante, meine Cousine aber mit mir zusammen in einem Bett schlafen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn ich im Bett der Gouvernante hätte schlafen können, denn sie war ein sehr lebhaftes Frauenzimmer, achtundzwanzig Jahre alt und nie um eine Antwort verlegen. Von ihr hätte ich vielleicht eine Belehrung erhalten können, obgleich ich nicht wußte, wie ich es anfangen sollte, sie zu fragen, da sie doch eine Erzieherin war und meine kleine Cousine sehr streng hielt. Aber ich dachte mir, die Vertraulichkeit des Zusammenliegens in einem Bett würde schon eine Gelegenheit herbeiführen, und machte tausend Pläne. Als die Zeit zum Zubettgehen herangekommen war, fand ich Marguerite schon in unserem Schlafzimmer vor. Sie hatte eine spanische Wand zwischen die beiden Betten geschoben, so daß die Schlafenden vollkommen voneinander getrennt waren. Sorgfältig brachte sie uns beide zu Bett, ließ uns unser Nachtgebet hersagen, nahm dann die Lampe auf ihre Seite mit hinüber, wünschte uns Gute Nacht und ermahnte uns, bald einzuschlafen. Das hätte sie bei meiner Cousine gar nicht nötig gehabt, denn kaum unter der Decke, war sie auch schon eingeschlafen; bei mir aber war von Schlafen gar keine Rede. Allerlei Gedanken gingen mir im Kopf herum. Ich hörte Marguerite noch einige Zeit herumwirtschaften, sich dann ausziehen und das Nachtkleid anlegen. Ein schwacher Lichtschein durch die spanische Wand zeigte mir eine kleine, kaum einen Stecknadelkopf große Öffnung, und schnell hatte ich eine Haarnadel zur Hand, um das Loch unbemerkt größer zu machen, so daß ich mich im Bett nur etwas hinabzuschieben brauchte, um ganz bequem zu Marguerite hinübersehen zu können. Sie hatte eben das Hemd ausgezogen, um das Nachthemd anzuziehen. Ich sah freilich keinen so schönen Körper wie den meiner Mutter, aber eine kleine, sehr wohlgeformte Brust und geschlossene Schenkel. Ich hatte kaum eine Sekunde Zeit für das Beschauen, denn rasch warf sie das Nachthemd über, setzte eine Haube auf und holte aus ihrem Reisesack ein Buch, mit dem sie sich an einen Tisch gegenüber dem Bett setzte und zu lesen begann.

Kaum aber hatte sie einige Minuten gelesen, als sie aufstand, die Lampe nahm und auf unsere Seite kam, um nachzusehen, ob wir auch schliefen. Natürlich schloß ich die Augen so fest wie möglich und öffnete sie erst wieder, als ich hörte, daß sich die Erzieherin jenseits der spanischen Wand auf den Stuhl setzte. Gleich war mein Auge wieder an der Öffnung. Marguerite las mit größter Aufmerksamkeit in dem Buch, Sein Inhalt mußte etwas ganz Besonderes sein, denn ihre Wangen röteten sich, ihre Augen glänzten, die Brust hob sich unruhig, und plötzlich ließ sie die rechte Hand unter das Hemd gleiten. Jetzt schien sie noch eifriger, mit noch größerem Vergnügen zu lesen. Allzuviel konnte ich freilich nicht sehen, aber ich reimte mir das heute morgen Gesehene damit zusammen. Nun holte sie aus der Reisetasche ein Paket Wäsche hervor, wickelte es auf und hatte plötzlich ein sonderbares Instrument in der Hand. Ich armes Ding, was wußte ich damals von einem Godemiché!

Mir quollen vom anstrengenden Sehen fast die Augen aus dem Kopf. Nun nahm Marguerite das Buch wieder in die linke Hand – beim Aufnehmen hatte ich bunte Bilder darin entdeckt, ohne erkennen zu können, was sie darstellten – , das Instrument in die Rechte und vollführte, was ansonsten dem Mann vorbehalten ist. Ihre Augen nahmen einen immer sonderbarer werdenden Glanz an. Den Inhalt des Buchs mit seinen Bildern schien sie verschlingen zu wollen, bis sie das Buch fallen ließ und die Augen schloß. Ihr Körper vollführte ekstatische Bewegungen. Sie kniff die Lippen gewaltsam zusammen, als fürchte sie, sich durch einen Seufzer zu verraten. Der höchste Moment schien gekommen; sie lag regungslos, aber tief atmend auf dem Stuhl. Ich rührte mich immer noch nicht. Endlich packte Marguerite Buch und Instrument sorgfältig ein, kam darauf noch einmal mit der Lampe an unser Bett, um zu sehen, ob wir schliefen, und legte sich dann selbst zur Ruhe mit einem so glücklichen Gesicht, als sei ihr das Höchste widerfahren, das es auf der Welt gibt. Während sie ins Bett stieg, schob auch ich mich zurecht und freute mich, nun eine Gelegenheit für die Lösung all der Rätsel gefunden zu haben, die sich unruhig in meinem kleinen Kopfe tummelten.

Worauf doch die Menschen in ihrer Triebhaftigkeit verfielen – oder war es sexuelle Not, die sie erfinderisch machte? Einen Phallos nachzuahmen …! Jetzt, nachdem ich die Augen geschlossen hatte und die Bilder der vergangenen Minuten wieder an mir vorüberziehen ließ, erschien mir der Godemiché als Ausbund der Verirrungen, dem das Sinnliche ebenso anhaftete wie die Tragik, die sich vom Menschlichen her dahinter verbarg. So jedenfalls empfand ich damals diesen Akt zunächst, ohne den Vorgang wie heute in Worte fassen zu können. Dann wieder schlich sich ein Gefühl in mein Denken, das tragikomische Akzente hatte. Das Sinnliche, Aufreizende aber überwog. Ich war außer mir und fest entschlossen, Marguerite dazu zu bringen, mir zu beichten, mich aufzuklären, mir zu helfen. Tausend Pläne durchkreuzten meinen Kopf. Wie ich sie ausführte, soll mein zweiter Brief Ihnen sagen. War ich nicht aufrichtig?

2. Brief

Marguerite also war meine Hoffnung. Gern wäre ich gleich zu ihr hinübergeeilt, hätte mich zu ihr ins Bett gedrängt, hätte gebeten oder gedroht, bis sie mich vollständig über all die seltsamen, verbotenen und aufregenden Dinge aufgeklärt hätte, die ich heute gesehen hatte; bis sie mich gelehrt, das nachzuahmen, was mich so unbeschreiblich lüstern gemacht hatte. Aber so jung ich war, hatte ich doch bereits denselben Verstand und dieselbe vorsichtige Berechnung, die mich später vor so vielen Unannehmlichkeiten bewahrt haben. – Konnte ich nicht durch irgendeinen Zufall ebenso belauscht werden, wie ich Marguerite und wie ich meine Eltern gesehen hatte? Ich empfand, daß es sich um Unerlaubtes handelte, und wollte ganz sicher sein. Obwohl ich ganz Feuer war, meine Gedanken ausschweiften, und mein Körper prickelte und zuckte, verhielt ich mich ruhig und zwang mich, zu überlegen. Als ich den Plan gefaßt hatte, meinen Onkel aufs Land zu begleiten, weil ich dort Gelegenheit finden würde, mit Marguerite ganz allein und unbelauscht zu sein, schlief ich ein. Es wurde mir nicht schwer, bei meinem Onkel und den Eltern meine Absichten durchzusetzen, und ich erhielt die Erlaubnis, acht Tage auf dem Lande zu verbringen. Das Gut meines Onkels lag nur wenige Meilen von der Stadt entfernt, und nach dem Mittagessen fuhren wir hinaus. Den ganzen Tag über war ich liebenswürdig und zuvorkommend gewesen, und auch Marguerite schien großen Gefallen an mir zu finden. Meine kleine Cousine war mir gleichgültig, und vor meinem Vetter fühlte ich eine unerklärliche Scheu. Da ich sonst keinen jungen Mann kannte, mit dem ich so nah und so unverdächtig hätte zusammenkommen können wie mit ihm, war er mein erster Gedanke gewesen, um über all die Rätsel aufgeklärt zu werden, die mich seit meinem Versteck im Alkoven quälten. Ich war gegen ihn so freundlich und auffordernd wie möglich gewesen, er war mir aber immer scheu ausgewichen. Bleich und mager, hatten seine Augen einen ganz sonderbaren, unsteten und trüben Ausdruck, und wenn ich ihn neckend berührte, schien ihm das unangenehm zu sein. Ich sollte bald den Grund dieser auffallenden Erscheinung kennenlernen, die ich um so weniger begriff, als ich immer gesehen hatte, daß Jünglinge seines Alters sich zur Gesellschaft junger Mädchen hin drängen. Es war gegen acht Uhr abends, als wir auf dem Gut ankamen, hoher Sommer und sehr heiß. Von der Fahrt ermüdet, eilte alles, sich bequemer zu kleiden. Es wurde Tee getrunken, und ganz unbefangen scheinend sorgte ich dafür, daß ich in das Schlafzimmer der Gouvernante gebettet wurde, weil ich vorgab, mich zu fürchten, wenn ich in einem fremden Zimmer allein schlafen solle. Man fand das ganz natürlich. Damit hatte ich meinen Willen durchgesetzt, so daß ich das übrige getrost meiner Schlauheit überlassen konnte. Ich sollte indessen nicht zu Bett kommen, ehe ich nicht noch eine andere Erfahrung gemacht hatte, an die ich aber jetzt beim Niederschreiben nur mit Widerwillen zurückdenke, wenn sie auch damals einen Eindruck ganz anderer Art in mir hervorrief. Nach dem Tee fühlte ich die Notwendigkeit, ein natürliches Bedürfnis zu befriedigen, und die Gouvernante wies mich an den dafür bestimmten Ort.

Es waren zwei Türen nebeneinander, die beiden Gemächer jedoch nur durch eine Bretterwand getrennt, die von der Hitze so ausgetrocknet war, daß einige der Fugen auseinanderklafften. Eben wollte ich wieder gehen, als ich jemand kommen hörte, der die Tür neben mir aufmachte und sogleich hinter sich verriegelte. Ich hielt mich mäuschenstill, um nicht bemerkt zu werden; ich wollte meinen unbekannten Nachbarn erst wieder fortgehen lassen, ehe ich mich entfernte. Nur aus ganz gewöhnlicher Neugier, ohne alle Nebengedanken, lugte ich durch eine Spalte und sah meinen Vetter, der sich entblößt hatte, aber völlig anders beschäftigt war, als ich erwartet hatte. So wenig mein unreifer Körper eines Vergleichs mit dem meiner Mutter würdig war, so wenig war es der meines Vetters mit meines Vaters Gestalt. Seine matten Augen nahmen nach und nach einen merkwürdigen Glanz an, dann sah ich ihn in Zuckungen geraten, sah seine Lippen beben und ihn endlich vornübersinken. Obgleich ich durch dieses sonderbare Schauspiel über vieles aufgeklärt worden war – namentlich reimte ich mir nun alles zusammen, was meine Eltern in ekstatischem Überschwang gesprochen hatten – , so war mir doch das, was ich hatte sehen müssen, unbeschreiblich widerwärtig – nicht während seines Verlaufs, denn da waren Neugier und erwachende Sinnlichkeit mit im Spiel gewesen. Aber jetzt, wo ich diese vollkommene Schlaffheit und Entkräftung eines noch so jungen Mannes sah, wo ich Zeuge sein mußte, wie er stier und gläsern aus den Augen blickte … Mein Vater und meine Mutter waren schön geworden, als sie die Erfüllung ihrer Zweisamkeit auskosteten. Mein Vetter aber häßlich, fahl und zerknickt. Daß Marguerite so etwas trieb, begriff ich, denn ein Mädchen ist überall auf Heimlichkeiten angewiesen, wenn es sich um Gefühl und Genuss handelt. Und sie hatte sich dem mit einer wahren Begeisterung, mit äußerster Heftigkeit und vollster Hingabe überlassen. Mein Vetter dagegen ohne alle Poesie, matt und tierisch. Was konnte einen kräftigen, jungen Mann dazu veranlassen, ein so elendes Vergnügen zu genießen? Ich wußte nun vieles und schloß daraus auf anderes, daß es nur noch der Bestätigung durch Marguerite bedurfte, um ganz aufgeklärt zu sein. Diese Bestätigung wollte und mußte ich haben, wollte wissen, weshalb man diese Dinge so sorgfältig verbirgt, wollte erfahren, was davon gefährlich, was erlaubt sei, und wollte an mir selbst erkennen, worin diese Verzückungen bestünden, von denen ich schon so viel gesehen hatte. Der Abend kam, und mit ihm zog ein schweres Gewitter herauf. Gegen zehn Uhr, als die ersten Blitze leuchteten, gingen wir zu Bett. Meine kleine Cousine war in das Schlafzimmer ihrer Eltern gebettet worden; so war ich mit Marguerite ganz allein. Mit größter Aufmerksamkeit beobachtete ich alles, was sie tat. Als sie die Tür verriegelt hatte, machte sie es sich erst bequem und packte dann sämtliche Sachen aus ihrer bis dahin verschlossenen Reisetasche in Kommoden und Schränke. Das bewußte Bündel sah ich zum Vorschein kommen, welches sie sorgfältig unter einen Stoß Wäsche legte. Auch das Buch, in dem sie gelesen hatte, verbarg sie dort. Sogleich war ich entschlossen, während der Zeit, die ich auf dem Gute bleiben würde, dieser Sachen habhaft zu werden und sie mir so aufmerksam wie möglich zu besehen. Beichten sollte mir Marguerite aber auch, ohne daß ich ihr mit der Entdeckung ihrer heimlichen Freuden drohte. Meine natürliche Schlauheit gefiel sich in dem Gedanken, sie durch Überraschung, Bitten und Überreden so zu bestricken, daß sich alles wie zufällig von selbst ergab. So schien es mir hübscher und versprach meiner Neugier ein größeres Vergnügen. Das Gewitter hatte unterdessen seinen Höhepunkt erreicht, der Donner rollte fast unaufhörlich. Ich stellte mich sehr ängstlich, und kaum hatte sich Marguerite ins Bett gelegt, als ich bei einem heftigen Donnerschlag aus dem meinen sprang und unter Ausrufen der größten Furcht mich zu ihr flüchtete. Ich bat sie, mich doch bei sich aufzunehmen, weil meine Mutter das bei jedem Gewitter auch getan hätte. Mit allerlei Trost und beruhigendem Zuspruch zog sie mich neben sich, ich umklammerte sie und drückte mich so fest wie möglich an sie, als wollte ich mich bei jedem Blitz in sie hineinverstecken. Alles mögliche zu meiner Beruhigung anwendend, küßte, streichelte und drückte sie mich an sich – jedoch gleichgültig und nicht, wie ich es eigentlich wünschte, so daß ich nun doch nicht recht wußte, wie ich es anfangen sollte, mehr von ihr zu erlangen.

Die Wärme ihres Körpers bereitete mir ein unbeschreibliches Vergnügen, und ich drückte mein Gesicht fortwährend zwischen ihre Brüste, wobei ich jedesmal einen eigentümlichen Schauer meine Glieder hinabrieseln fühlte. Dahin zu greifen, wo ich eigentlich wollte, getraute ich mich aber nicht; so fest ich auch zu allem entschlossen gewesen war, so hatte ich doch jetzt, wo ich der Erfüllung so nahe war, keinen Mut. Plötzlich kam mir der Einfall, über einen Schmerz zwischen meinen Schenkeln zu klagen. Ich wimmerte und erklärte, daß ich nicht wüßte, was das sein könnte, bis Marguerite dahin tastete und ich ihre Hand bald hierhin, bald dorthin schob. Ich versicherte, der Schmerz ließe nach, sobald ich nur die Wärme ihrer Hand fühlte, und wenn sie streichele, so höre das schmerzliche Gefühl vollkommen auf. Ich sagte das so unbefangen, daß sie damals gewiß noch nichts von meiner Absicht gemerkt hatte. Ihre Bemühungen waren auch nur dienstfertig, ohne irgendein Mitgefühl zu verraten. Als ich sie aber vor Dankbarkeit küßte, mich immer enger an sie schmiegte und ihre Hand zwischen meine Schenkel drückte, merkte ich, daß sich auch in ihr Gefühle zu regen begannen … Ich empfand ganz deutlich, daß bei ihr dieselben Begierden erwachten, die mich zu ihr geführt hatten, hütete mich aber sehr wohl, dies zu erkennen zu geben. Und wirklich war es etwas ganz anderes, eine fremde Hand zu fühlen, als die eigene. Eine wunderbare Wärme ergoß sich über meinen Körper, und als sie mich an einer bestimmten Stelle berührte, durchzuckte es mich so angenehm, daß ich sofort erklärte: da sitze der Schmerz, und da müsse ich mich wohl erkältet haben, daß es mir so weh tue. Offenbar machte es ihr Vergnügen, einen Vorwand dafür zu haben, mit der Hand die Erkältung vertreiben zu können … Unzweifelhaft regte sie das auf, und ich merkte an ihrer wachsenden Zärtlichkeit, an der Art, wie sie mich an sich preßte, daß ich meinen Zweck erreicht hatte. So wenig geistreich das Mittel auch war, klagte sie plötzlich an der gleichen Stelle über Schmerzen. Wahrscheinlich hatte sie sich nun ebenfalls »erkältet«. Ich bot ihr also treuherzig an, den schmerzhaften Fleck meinerseits zu wärmen, da mir das so vollkommen geholfen habe. Sie machte mir freie Bahn. Innerlich triumphierend, daß ich mit meiner List erreicht hatte, was ich gewünscht, faßte ich schüchtern und ungeschickt, um mich nicht zu verraten, an den Gegenstand meiner Neugier und fand schon bei der Berührung einen großen Unterschied zwischen ihr und mir …

Marguerite kam seufzend, küssend und zitternd in heftige Bewegung. Sie stieß heftige, unartikulierte Laute aus. Gleich darauf hörten ihre Bewegungen auf, und sie lag, schweratmend, still neben mir. Zufall und Schlauheit hatten mir geholfen, eine Vertraulichkeit herzustellen, die ich nun jedenfalls weiterführen wollte. Als sie wieder zu sich kam, war sie offenbar verlegen, wie sie mir ihr Benehmen erklären, ihre Wollust verbergen sollte. Auch ich überlegte, was nun das beste sei: ob ich mich unwissend stellen oder die Neugier meine Entschuldigung übernehmen lassen sollte. Tat ich das erstere, so konnte sie mir Falsches erzählen, mir irgend etwas aufbinden, was ich dann glauben mußte, wenn ich nicht verraten wollte, noch, mehr Lust als Neugier für die Sache zu haben. So entschloß ich mich, offen zu sein und nur zu verheimlichen, daß keineswegs der Zufall, sondern meine Berechnung die neue Lage herbeigeführt hatte, in der wir uns befanden. Als Marguerite völlig zu sich gekommen war, schien sie zu bereuen, daß sie sich so ganz ihrem Temperament überlassen hatte, und daß ich sie verraten könnte. Ich beruhigte sie aber bald, indem ich ihr nach und nach erzählte, was mir seit dem Tage vorher begegnet war, und sie bat, mir zu erklären, was das eigentlich sei, da auch ihr Seufzen und ihre Bewegungen mir bewiesen hätten, daß sie sehr wohl damit bekannt sei. Nur verschwieg ich ihr, daß ich sie belauscht hatte, und daß ich recht gut wußte, was sie im stillen trieb, weil ich mich überzeugen wollte, ob sie ganz aufrichtig gegen mich sein würde. Meine neugierigen Fragen schienen ihr eine schwere Last vom Herzen zu nehmen. Sie fühlte sich wieder im richtigen Verhältnis als älteres Mädchen gegen eine Unerfahrene, und da ich ihr alles gestand und umständlich erzählte, mit welcher Leidenschaft sich meine Mutter benommen hatte, so schämte sie sich auch nicht mehr vor mir und gestand mir ein, daß sie nächst ihrer Religion nichts Wichtigeres und Schöneres kenne, als den Genuss, mit dem die Natur alles ausgestattet und umgeben habe, was die sinnliche Liebe betrifft. Ich erfuhr nun alles, und wenn Sie in meinen späteren Betrachtungen einige Philosophie und Menschenkenntnis finden, so verdanke ich die erste Grundlage dazu der Belehrung durch meine liebe Marguerite, die gerade in der Beziehung reiche Erfahrungen gesammelt hatte.

Ich erfuhr genau, wie die Natur beide Geschlechter gestaltet hat, wie die Vereinigung geschieht, durch welche kostbaren Säfte der Zweck der Natur einerseits: nämlich die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, und andererseits der Zweck der Menschen selbst: das höchste irdische Vergnügen, erreicht wird. Ich erfuhr, warum die menschlichen Einrichtungen all diese Dinge mit einem sorgfältigen Geheimnis umgeben; wie trotz der Gefahr, die in der unbeschränkten Vereinigung liegt, beide Geschlechter sich wenigstens eine annähernde Befriedigung ihres natürlichen Triebes verschaffen können, und welche Folgen es hat, wenn ein Mädchen sich rückhaltlos diesem Trieb überlassen wollte. Wozu ich ihr eben noch verholfen und was ich bei meinem Vetter erlauscht hatte, sei eine solche, annähernde Befriedigung gewesen. Aber obwohl sie die vollen Freuden der Liebe in den Armen eines jungen, schönen Mannes in ihrer ganzen Stärke kennengelernt habe, so sei sie doch mit dem beschränkten Genuss durch sich selbst vollkommen zufrieden, da sie durch die Geburt eines Kindes die für eine Unverheiratete traurigen Folgen der ganzen Hingebung an einen Mann erkannt habe. Auch mich warnte sie auf das eindringlichste davor. Mit Vorsicht und Selbstbeherrschung könne man vieler Freuden teilhaftig werden, was sie mir durch die Erzählung dessen, was sie selbst erlebt und erfahren hatte, bewies. Es war alles so interessant, zugleich aber auch so belehrend und für mich bis zu meinem dreißigsten Jahre so maßgebend, daß ihre Erzählungen in meinem nächsten Brief eine ausführliche Wiedergabe finden sollen. In vielen Dingen sagte Marguerite mir nur, was ich mir selbst schon zusammengereimt hatte; in anderen aber doch Neues und Überraschendes. Das alles war nun recht schön und gut, aber es war doch immer noch nicht die Sache selbst. Ich brannte nun auch darauf, die Empfindungen selbst kennenzulernen und zu teilen, von denen ich jetzt bereits vier so ganz verschiedene Menschen bis zur Ohnmacht berauscht gesehen hatte. Sie schilderte mir, was sie empfunden, als sie sich zum ersten Mal dem jungen Manne hingegeben hatte, der sie später durch fortgesetzten Umgang zur Mutter gemacht habe, machte mir deutlich, welch ein himmlisches Gefühl es sei, wenn man jene wunderbare Kraft und ihr Feuer fühle, wenn man fast ineinander verschmelze, und wenn endlich jene beruhigende Erlösung aus dem tiefsten Innern beider Liebenden komme …

Das Gespräch hatte uns erhitzt. Den Worten folgten Handlungen. Alle Sinne konzentrierten sich nur noch auf den einen Moment. Wie selten habe ich das später erlebt. Marguerites Lebensglut schoß über mich hin, daß ich alle Besinnung verlor … Als ich wieder zu mir kam, lag ich, vorsichtig zugedeckt, neben Marguerite, die mich mit rührender Zärtlichkeit liebkoste. Bis dahin nur Feuer und wildes Verlangen, war ich mir plötzlich bewußt, wohl doch etwas Unanständiges getan zu haben. Eine außerordentliche Mattigkeit lag in meinen Gliedern. Mir war zumute, als hätte ich ein Verbrechen begangen, und ohne, daß ich es wollte, fing ich bitterlich zu weinen an. Marguerite mochte wohl wissen, daß in solchen Fällen nicht viel mit einem jungen, unerfahrenen Ding anzufangen ist, sagte kein Wort, drückte mein Gesicht an ihren Busen, ließ mich ruhig ausweinen und dann einschlafen.

Durch diese für mein Leben so entscheidende Nacht war mein ganzes Wesen so verändert worden, daß es meinen Eltern bei meiner Rückkehr in die Stadt auffiel und sie verwundert nach der Veranlassung fragten. Mein Verhältnis zu Marguerite war ebenfalls eigentümlich geworden. Bei Tage fremd, so daß wir uns kaum gegenseitig ansahen, und bei Nacht die ausgelassenste Vertraulichkeit, die intimsten Gespräche, die wollüstigsten Liebkosungen. Ich mußte ihr hoch und teuer versprechen, mich nie verführen zu lassen, als ich ihr erklärte, ich wolle alles genießen, was sich ohne Gefahr genießen ließe. Wenige Tage hatten ausgereicht, mich zu dem zu machen, was ich jetzt noch bin, und was Sie so oft an mir bewundert haben. Ich hatte gesehen, daß alle Welt um mich her sich verstellte, auch die besten, achtungswertesten Menschen. Teils weil ich Marguerite nicht in Verlegenheit bringen wollte, teils weil mich der Gedanke reizte, meiner Schlauheit mehr als dem guten Willen anderer zu verdanken, ließ mich meine unbezähmbare Neugier auf die Idee kommen, den Schlüssel zu dem Schrank, in dem Marguerite ihr »Geheimnis« aufbewahrte, in meine Gewalt zu bekommen, ehe ich in die Stadt zurück mußte.

Fünf Tage lang war all meine List vergebens, dann aber gelang es mir, den Schlüssel zu erhaschen. Ich benutzte die Stunde, in der Marguerite meiner Cousine in Gegenwart der Mutter Unterricht geben mußte, um meine Neugier zu befriedigen. Da hatte ich nun das seltsame Ding in der Hand, besah und befühlte es von allen Seiten und prüfte seine Elastizität, aber es war so kalt, so hart, und – als ich es anwendete – bewirkte es keine Spur von einem so angenehmen Gefühl, wie Marguerite es mir verschafft hatte. Vollkommen enttäuscht schloß ich das Instrument wieder in sein Versteck ein. Und dabei war ich unzufrieden mit mir und Marguerite, daß sie mir nicht geholfen, und daß ich etwas hinter ihrem Rücken getan hatte. Nach so vielen angenehmen Erfahrungen war dies eine unangenehme. Ich fürchtete mich vor der nächsten Nacht, vor Marguerites Zärtlichkeiten und der Entdeckung, die sie dann machen mußte. Doch hatte ich sie schon einmal getäuscht, so kostete mich das zweite Mal desto weniger Überwindung. Rasch war ich mit einem Vorwand bei der Hand. Nach Tisch vertraute ich ihr an, daß ich im Garten von einer Leiter gefallen sei und mir beim Ausgleiten sehr weh getan, sogar geblutet hätte. Beim Zubettgehen untersuchte sie mich. Und weit entfernt, die Veranlassung zu ahnen, bestätigte sie mir, daß jener unglückliche Fall mich um meine Jungfrauenschaft gebracht habe; jedoch bedauerte sie nicht mich, sondern meinen künftigen Mann, der dadurch um den Genuss gebracht sei. Das aber war mir damals gleichgültig und ist mir auch später gleichgültig geblieben. Aus Schonung für mich litt Marguerite nicht, daß ich in dieser Nacht zu ihr ins Bett kam, was mir nur willkommen war.

Für die kurze Entbehrung entschädigten mich aber die beiden letzten Nächte, die ich auf dem Gut meines Onkels zubrachte, desto vollständiger. Zum ersten Mal lernte ich die ganze Gewalt der Wollust kennen und die Befriedigung, die sich in einem langen, unbeschreiblich süßen Ermatten kundtat. Und das alles schon mit vierzehn Jahren, bei noch unvollkommen reifem Körper! Ja, und was noch mehr ist, es hat mir weder an der Gesundheit geschadet, noch an meinem späteren, recht genußreichen Leben irgendeinen Reiz fehlen lassen. Dazu gehört nun allerdings ein so früh entwickelter und so fester Charakter wie der meinige. An meinem Vetter hatte ich die Erschlaffung kennen und fürchten gelernt, die einem zu häufigen Selbstgenuss folgt. Mein scharfer Verstand ließ mich jedes Übermaß vermeiden. Immer berechnete ich die Folgen, die entstehen konnten, und nur einmal in meinem Leben haben mich Besinnung und Überlegung verlassen.

Schon früh wurde mir die Erkenntnis, daß es nach den Gesetzen, die sich die menschliche Gesellschaft nun einmal gegeben hat, nur darauf ankommt, mit Vorsicht zu genießen, wenn man ohne Nachteil für sich und andere genießen will. Wer mit starrem Kopf gegen die bestehenden Gesetze anstürmen will, zerschellt an ihnen und erntet lange Reue für kurze Befriedigung. Das Glück führte mich allerdings bei meinen ersten Schritten in die Hände eines erfahrenen und gebildeten Mädchens. Hätte ein junger Mann in meiner Nähe gelebt, der sich um mich bemüht hätte, und dem die Gelegenheit günstig gewesen wäre, so würde ich, bei meinem Temperament und meiner Neugier, wahrscheinlich sehr bald ein verlorenes Geschöpf gewesen sein. Daß ich es nicht wurde, verdanke ich den Umständen, unter denen ich die erste Belehrung über Dinge erhielt, die sehr viel weniger reizend wären, wenn sie nicht verschleiert würden. Und doch sind sie der Mittelpunkt alles menschlichen Strebens und Seins! Das weiß ich jetzt, während ich es damals nur fühlte und mit dem Takte, den wir Frauen nun einmal vor den Männern voraus haben, richtig einschätzte.

Ehe ich mit meinem nächsten Brief beginne, möchte ich nur noch bemerken, daß ich wenige Wochen nach meiner Bekanntschaft mit Marguerite zum ersten Male die Zeichen eines vollständig entwickelten Körpers an mir sah.

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