Kitabı oku: «Armadale», sayfa 25
»Sollte sich irgendein Unglück ereignen«, sagte die alte Dame, zur Gesellschaft im Allgemeinen sich wendend, »so gibt es wenigstens Einen Trost für uns Alle – mein Sohn kann schwimmen.«
Das Boot glitt von der Bucht in die stillen Gewässer der »Breite« hinaus, und die ganze Schönheit der Scenerie erschloß sich dem Auge.
Im Norden und Westen lag, wie das Boot die Mitte des Sees erreicht hatte, das Ufer hell und flach im Sonnenschein da, hie und da von Reihen dunkler Zwergbäume umsäumt und da und dort in den offeneren Zwischenräumen mit Windmühlen und roth bedachten Lehmhütten besetzt. Nach Süden verengerte sich die große Wasserfläche allmählig zu einer Gruppe von nah aneinander liegenden Inselchen, welche die Aussicht schlossen, während im Osten eine lange, sich sanft hinschlängelnde Linie von Schilf den Windungen des Sees folgte und die jenseits liegende Wasserwüste dem Blicke völlig abschnitt. So klar und leicht war die Sommerluft, daß die einzige Wolke, die sich am östlichen Horizonte zeigte, in dem Rauchkräuseln bestand, welches ein drei Meilen, oder mehr, entfernter Dampfer aus der unsichtbaren See zurückgelassen hatte. Wenn die Stimmen der Lustpartie schwiegen, ließ sich nah und fern kein Laut vernehmen, außer dem leisen Plätschern am Bug, während die Männer mit dem langsamen gelassenen Schlage ihrer langen Ruderstangen das Boot leicht über das flache Wasser bewegten. Es war, als sei die Welt und ihr Getümmel aus immer weit hinten am Lande zurückgeblieben. die Stille war magisch – das Verschmelzen der weichen Reinheit des Himmels mit der hellen Ruhe des Sees entzückend.
In vollkommener Bequemlichkeit im Boote installiert – der Major und seine Tochter auf der einen, der Geistliche und seine Mutter auf der andern Seite und Allan und der junge Pedgift zwischen beiden – schaukelte die Gesellschaft sanft dem kleinen Inselneste am Ende der »Breite« zu. Miß Milroy schwamm in Entzücken; Allan war begeistert, und der Major vergaß seine Uhr. Jeder empfand auf seine Weise die Ruhe und Schönheit des Anblicks. Mrs. Pentecost fühlte sie auf ihre Art, wie eine Hellseherin mit geschlossenen Augen.
»Sehen Sie sich um, Mr. Armadale«, flüsterte der junge Pedgift. »Ich glaube, der Pastor beginnt sich zu amüfiren.«
In der That zeigte sich in diesem Augenblicke eine ungewohnte Munterkeit im Wesen des Geistlichen – offenbar der Vorläufer einer kommenden Rede.
Wie ein Vogel bewegte er den Kopf von einer Seite zur andern, er räusperte sich, faltete die Hände und blickte mit milder Theilnahme auf die Gesellschaft. Das Vergnügt werden hatte bei diesem vortrefflichen Menschen eine beunruhigende Aehnlichkeit mit den letzten Vorbereitungen zur Kanzelbesteigung.
»Selbst in dieser friedlichen Stille«, sagte Se. Ehrwürden, mit seiner ersten Bemerkung zur Unterhaltung der Gesellschaft beitragend, »wird das christliche Gemüth – gewissermaßen von einem Extrem zum andern geführt und mächtiglich an die Wandelbarkeit aller irdischen Freuden erinnert. Wie wäre es, wenn diese Ruhe nicht fortdauertet? Wenn sich die Winde erhöben und die Gewässer empörten?«
»Sie brauchen sich deshalb nicht zu ängstigen, Sir«, sagte der junge Pedgift; »der Juni ist hier die günstigste Jahreszeit, und Sie können schwimmen.«
Mrs. Pentecost, von der unmittelbaren Nähe ihres Sohnes wahrscheinlich magnetisch berührt, öffnete plötzlich die Augen und fragte mit ihrem gewohnten Eifer: »Was sagt mein Sohn?«
Se. Ehrwürden wiederholte seine Worte in dem Tone, der dem Gebrechen seiner Mutter entsprach. Die alte Dame nickte hohen Beifall und verfolgte den Gedankengang ihres Sohnes vermittelst eines Citats.
»Ach!« seufzte Mrs. Pentecost mit unaussprechlichem Behagen. »Er reitet auf dem Sturmwind, Sammy, und lenke den Sturm!«
»Edle Worte!« entgegnete Se. Ehrwürden. »Edle und trostreiche Worte!«
Hören Sie«, flüsterte Allan, »was machen wir, wenn er sich noch lange in dieser Weise ergeht?«
»Ich sagte Dir« wohl, Papa, daß es gewagt sei, sie einzuladen«, fügte Miß Milroy ebenfalls flüsternd hinzu.
»Mein liebes Kind!« stellte ihr der Major vor. »Wir kannten sonst Niemanden in der Umgegend, und da Mr. Armadale uns gütig anbot, unsere Freunde mitzubringen, blieb uns ja nichts anderes übrig.«
»Wir können das Boot nicht umkippen«, bemerkte der junge Piedgift mit teuflischem Ernst. »Es ist unglücklicherweise ein Rettungsboot. Darf ich den Vorschlag wagen, Mr. Armadale, daß Sie dem geistlichen Herrn etwas in den Mund stecken? Es ist fast drei Uhr. Was meinen Sie, sollen wir zu Tische läuten, Sir?«
Noch nie war der rechte Mann mehr an dem rechten Platze, als der junge Pedgift bei diesem Picknick. In zehn Minuten lag das Boot in dem Schilfe still. Die Proviantkörbe von Thorpe-Ambrose wurden auf dem Kajütendache ausgepackt und dem Strome der Beredtsamkeit des geistlichen Herrn war damit für heute Einhalt gethan.
Wie unermeßlich wichtig in seinen moralischen Folgen, und darum wie lobenswerth an sich, ist das Essen und Trinken! Die gesellschaftlichen Tugenden finden ihren Mittelpunkt im Magen. Ein Mann, der nach seinem Mittagsessen nicht ein besserer Gatte,Vater oder Bruder ist, muß, unter uns gesagt, ein unheilbar lasterhafter Mensch sein. Welche verborgenen Charaktervorzüge entfalten sich; welche schlummernden Liebenswürdigkeiten erwachen nicht über Tische! Beim Oeffnen der Proviantkörbe von Thorpe-Ambrose ergoß sich eine süße Geselligkeit (ein Sprößling jener glücklichen Verbindung von Civilisation und Mrs. Gripper) über unsere Lustpartie und schmolz die widerstrebenden Elemente, aus denen diese bisher zusammengesetzt gewesen, zu einer lieblichen Mischung zusammen. Nun konnten Se. Ehrwürden, Mr. Samuel Pentecost, dessen Licht bis jetzt unter einem Scheffel gestanden, beweisen, daß er etwas thun könne, indem er bewies, daß er zu essen vermochte. Nun glänzte Mr. Pedgift heller als je durch Perlen von kaustischem Humor und durch seine Unerschöpflichkeit an gesellschaftlichen Hilfsquellen. Nun bewiesen der Squire und der reizende weibliche Gast des Squires die dreifache Verbindung von sprudelndem Champagner, kühner werdender Liebe und den Augen, in deren Wörterbuch das Nein fehlt. Nun tauchten in der Erinnerung des Majors frohe alte Zeiten auf, und lustige alte Geschichten, die seit Jahren nicht erzählt worden, fanden den Weg auf seine Lippen. Und nun zeigte sich Mrs. Pentecost in der vollen Stärke ihrer schätzenswerthen Mütterlichkeit, indem sie eine überschüssige Gabel ergriff und dieses nützliche Instrument unablässig zwischen den ausgesuchtesten Bissen der ganzen Versammlung von Schüsseln und den wenigen leeren Stellen auf den Tellern des ehrwürdigen Pfarrers spielen ließ. »Lachen Sie nicht über meinen Sohn«, schrie die alte Dame, die Heiterkeit bemerkend, die ihr Verfahren unter der Gesellschaft hervorrief. »Es ist meine Schuld, der arme, liebe Junge – ich bringe ihn zum Essen!« Und dennoch gibt es Leute auf dieser Welt, die, wenn sie Tugend en sich an der Speisetafel entfalten sehen, wie solche sich nirgend anderswo entfalten, das herrliche Privilegium des Essens mit jenen kleinen Leiden des menschlichen Lebens in eine Kategorie stellen können, die uns die Nothwendigkeit auferlegt – wie zum Beispiel das Zuknöpfen der Weste, oder das Zuschnüren des Corsets! Einem solchen Ungeheuer vertraue man nimmer seine zarten Geheimnisse an, weder Gefühle der Liebe, noch des Hasses, weder der Hoffnung noch der Furcht. Sein Herz wird von seinem Magen nicht gebessert, und die gesellschaftlichen Tugenden leben nicht in ihm.
Die letzten warmen Stunden des Tages und die ersten kühlen Lüfte des langen Sommerabends begegneten sich, ehe alle die Schüsseln abgeräumt und die Flaschen so leer waren, wie Flaschen es sein sollen. Als man in dieses Stadium gelangte, blickte die Picknickpartie träge nach Pedgist junior hinüber, um von ihm zu erfahren, was nun zunächst geschehen solle. Wie immer war dieser unerschöpfliche Würdenträger allen Anforderungen an ihn gewachsen. Ehe noch ein Mitglied der Gesellschaft ihn fragen konnte, welche Unterhaltung an die Reihe kommen sollte, hatte er sie schon in Bereitschaft.
»Lieben Sie die Musik auf dem Wasser, Miß Milroy?« fragte er in der leichtesten und liebenswürdigsten Weise.
Miß Milroy vergötterte die Musik auf dem Wasser sowohl, als zu Lande – den einen Fall immer ausgenommen, wenn sie die Kunst selbst zu Hause auf dem Clavier üben mußte.
»Zuvörderst müssen wir uns aus dem Schilf herausarbeiten«, sagte der junge Pedgift. Er ertheilte den Bootsleuten seine Befehle, tauchte behende in die kleine Kajüte hinab und kam mit einer Ziehharmonica in der Hand wieder zum Vorschein.
»Hübsch, Miß Milroy, nicht wahr?« sagte er auf seinen Namenszug deutend, der in Perlmutter auf dem Instrument eingelegt war. »Ich heiße Augustus, wie mein Vater. Einige meiner Freunde streichen das »A« und nennen mich »Gustus junior.« Ein mäßiger Witz reicht weit unter Freunden, nicht wahr, Mr. Armadale? Ich singe ein wenig, meine Herren und Damen, und begleite mich selber; und wenn Sie es wünschen, wird es mich stolz und glücklich machen, Ihnen mein Bestes zu produzieren.«
»Halt!« rief Mrs. Pentecost. »Ich schwärme für Music.«
Mit dieser fürchterlichen Verkündung öffnete die alte Dame eine gewaltige Ledertasche, von der sie sich Tag und Nacht nicht trennte, und nahm ein Höhrrohr von jener altmodischen Form heraus, welche die Mitte hielt zwischen Horn und Trompete. »Für gewöhnlich bediene ich mich nicht gern dieses Instruments«, rief Mrs. Pentecost, »weil ich fürchte, es könnte mich tauber machen, als ich es schon bin. Aber ich kann und will mir die Musik nicht nehmen lassen. Ich schwärme für Musik. Wenn Du das andere Ende halten willst, Sammy, so will ich dies in mein Ohr stecken. Neelie, mein Kind, lassen Sie ihn beginnen.«
Der junge Pedgift litt nicht an Verlegenheit oder Schüchternheit. er begann sofort nicht etwa mit Liedern von der neuen leichten Art, wie man sie von seinem Alter und seinem Charakter hätte erwarten dürfen, sondern mit declamatorischen und patriotischen Dithyramben, welche in jene kühne und rauschende Musik gesetzt waren, wie sie die Engländer zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts liebten und, wenn sie ihnen vorgeführt wird, noch immer lieben. »Der Tod Marmion’s«, »Die Schlacht auf dem Baltischen Meer«, »Die Bucht von Biscaya«, »Nelson« in verschiedenartigen Compositionen, wie der selige Brahom sie gab – dies waren die Gesänge, in denen die brausende Ziehharmonica und des jungen Pedgift’s greller Tenor mit einander schwelgten. »Sagen Sie mir, wenn Sie genug davon haben, meine Damen und Herren«, sprach der rechtsgelehrte Troubadour. »Ich bin nicht eitel. Möchten Sie zur Abwechselung etwas Gefühl haben? Soll ich mit dem »Mistelzweig« und der »Armen Mary Anne« vielleicht schließen?«
Nachdem er seine Zuhörer durch diese beiden letzten heiteren Melodien erfreut hatte, ersuchte Pedgift die übrige Gesellschaft ehrfurchtsvoll, seinem Beispiele zu folgen, und erbot sich zugleich, ein laufendes Accompagnement dazu zu improvisieren, wenn der Sänger ihm nur den Grundton anzugeben die Güte haben wolle.
»Fahre doch Jemand fort!« rief Mrs. Pentecost eifrig. »Ich wiederhole Ihnen, ich schwärme für Musik. Wir haben noch nicht zur Hälfte genug gehabt; wie, Sammy?«
Der geistliche Herr gab keine Antwort. Der unglückliche Mann hatte seine Gründe – nicht gerade in seiner Brust, sondern etwas weiter unten – um inmitten der allgemeinen Fröhlichkeit und des allgemeinen Beifalls zu schweigen. Du arme Menschheit! Selbst die mütterliche Liebe kann durch die irdische Trüglichkeit der Dinge vergällt werden. Seiner vortrefflichen Mutter bereits für Vieles verpflichtet, hatte Se. Ehrwürden ihr jetzt noch eine starke Indigestion zu verdanken.
Indessen bemerkte noch Niemand die Zeichen und Merkmale des inneren Aufruhres im Gesichte des geistlichen Herrn. Jedermann war beschäftigt, Jeden um ein Lied zu bitten. Miß Milroy bat den Gastgeber. »Bitte, singen Sie etwas, Mr. Armadale«, sagte sie, »ich möchte Sie so gern hören!«
»Wenn Sie einmal den Anfang gemacht, Sir«, fügte der heitere Pedgift hinzu »werden Sie die Fortsetzung außerordentlich leicht finden. Die Musik ist eine Wissenschaft, die man gleich anfangs bei der Kehle packen muß.«
»Mit dem größten Vergnügen«, erwiderte Allan in seiner gutmüthigen Art. »Ich weiß eine Masse von Liedern, aber das Schlimmste dabei ist, daß mir die Worte entfallen. Ob ich wohl im Stande sein werde, mich auf ein einziges von Moore’s Liedern zu besinnen. Meine liebe Mutter fand Gefallen daran, mich, als ich noch ein kleiner Bursche war, Moore’s Lieder zu lehren.«
»Wessen Lieder?«fragte Mrs. Pentecost »Moore’s? Aha! Ich weiß den Tom Moore auswendig.«
»Ja diesem Falle werden Sie vielleicht die Güte haben, mir zu Hilfe zu kommen, Madame, wenn mein Gedächtniß mir den Dienst versagt«, erwiderte Allan. »Ich will die leichteste Melodie in der ganzen Sammlung wählen, wenn Sie erlauben. Sie ist Jedem bekannt – »Eveline’s Laube.«
»Ich bin im allgemeinen mit den Volksmelodien von England, Schottland und Irland vertraut«, sagte Pedgift junior. »Mit dem größten Vergnügen will ich Sie begleiten, Sir. So, dass ist ungefähr die richtige Weise.« Er setzte sich mit gekreuzten Beinen auf dass Dach der Kajüte und brach in eine complicirte musikalische Improvisation aus, die wunderbar anzuhören war —’ ein Gemisch von Cadenzen und Aechzen; ein Hopser durch einen Grabgesang gehoben – ein Grabgesang durch einen Hopser erheitert. »So ist? recht«, sagte der junge Pedgift mit seinem Lächeln der höchsten Zuversicht »Losgeschossen, Sir!«
Mrs. Pentecost erhob ihre Trompete und Allan seine Stimme. »O, weinet um die Stunde, wenn zu Eveline’s Laube —.« Er hielt inne; die Begleitung hielt inne; die Zuhörer warteten. »Aeußerst merkwürdig«, sagte Allan, »ich dachte, ich hätte die nächste Zeile auf der Zunge, und jetzt scheint sie mir entfallen zu sein. Ich will noch einmal von vorn anfangen, wenn Sie nichts dawider haben: »O, weinet um die Stunde, wenn zu Eveline’s Laube —«
»Mit falschen Schwüren trat heran der Ritter aus dem Thale«, half Mrs. Pentecost ein.
»Danke, Madame«, sagte Allan »Jetzt wird es gehen. »O, weinet um die Stunde, wenn zu Eveline’s Laube mit falschen Schwüren trat heran der Ritter aus dem Thale. Hell schien der Mond —«
»Nein!« sagte Mrs. Pentecost.
»Ich bitt« um Verzeihung, Madame«, sagte Allan.
»Hell schien der Mond —«
»Es siel dem Monde gar nicht ein«, sagte Mrs. Pentecost.
In der Voraussicht eines Streites beharrte Pedgift junior im Interesse der Harmonie bei einer sotto voce Begleitung.
»Das sind Moore’s eigenen Worte, Madame«, sagte Man, »in dem Exemplar seiner »Melodien«, welches meine Mutter besaß —«
»Dann stand es falsch im Exemplar Ihrer Mutter«, entgegnete Mrs. Pentecost. »Habe ich Ihnen nicht soeben gesagt, daß ich den Tom Moore auswendig weiß?«
Die friedenstiftende Ziehharmonica säuselte und stöhnte noch immer in Moll.
»Nun, was hat denn der Mond sonst gethan?«« fragte Allan in Verzweiflung.
»Das, was der Mond thun mußte, Sir, oder Tom Moore würde es nicht so geschrieben haben«, entgegnete Mrs. Pentecoft »›Dem Himmel dieser Nacht der Mond entzog sein Licht, und um die Schande weint er Eveline’s!‹ Ich wollte, der junge Mann stellte das Spielen ein«, setzte Mrs. Pentecost hinzu, ihre zunehmende Aergerlichkeit an Gustus juuior auslassend. »Ich habe genug von ihm – er kitzelt mir die Ohren.«
»Sie machen mich stolz, Madame«, sagte der freche Pedgift. »Die ganze Wissenschaft der Musik besteht im Ohrenkitzel.«
»Es scheint, wir gerathen in eine Art von Streit«, bemerkte der Major gelassen. »Wäre es nicht besser, wenn Mr. Armadale mit seinem Liede fortführe?«
»Bitte, fahren Sie fort, Mr. Armadale«, sprach die Tochter. »Bitte, Mr. Pedgift, fahren Sie fort!«
»Der Eine weiß die Worte nicht und der Andere kennt die Melodie nicht«, sagte Mrs. Pentecost »Laßt sie fortfahren, wenn sie können!«
»Thut mir leid, Ihre Wünsche zu vereiteln, Madame«, sagte Pedgift junior; »ich meinestheils bin bereit fortzufahren, so lange es den Herrschaften beliebt. Also, Mr. Armadale!«
Allan öffnete die Lippen, um da wieder anzufangen, wo er abgebrochen hatte. Ehe er jedoch einen Ton herausbringen konnte, stand plötzlich der Geistliche mit todesbleichem Antlitze auf und preßte die Hand auf die mittlere Region seiner Weste.
»Was gibt’s?« rief die ganze Gesellschaft im Chor.
»Ich fühle mich überaus unwohl«, sagte Se. Ehrwürden, Mr. Samuel Pentecost.
Augenblicklich war das Boot in einem Zustande der Verwirrung. »Eveline’s Laube« erstarb auf Allan’s Lippen, und selbst die unheilvolle Ziehharmonica des jungen Pedgift war endlich zum Schweigen gebracht. Jndeß war der Alarm ganz überflüssig. Mrs. Pentecost’s Sohn besaß eine Mutter, und diese Mutter hatte eine Ledertasche. In zwei Minuten hatte die Heilkunst die Stelle der allgemeinen Aufmerksamkeit eingenommen, welche bisher die Musik inne gehabt hatte.
»Reibe Dir’s ein wenig, Sammy«, sagte Mrs. Pentecost. «Ich will die Flaschen herausnehmen und Dir etwas eingehen. Es ist sein armer Magen, Herr Major. Halte mir Jemand das Hörrohr, und lassen Sie das Boot still stehen. Nehmen Sie diese Flasche, Neelie, liebes Kind, und Sie diese, Mr. Armadale. Und gebt mir sie her, sowie ich sie brauche. Ach, mein armer lieber Junge, ich weiß wohl, was ihm fehlt! Es fehlt ihm an Kräften hier, Major – kalt, sauer und schlaff. Ingwer zum Warmen, Soda zur Herstellung, flüssiges Salz zur Stärkung. Hier, Sammy,trink’ es, ehe es flau wird – und dann geh’ und lege Dich in der Hundehütte dort nieder, die man hier die Kajüte nennt. Keine Musik mehr«, sagte Mrs. Pentecost, mahnend den Finger gegen den Eigenthümer der Ziehharmonica erhebend, »außer etwa einer Hymne, dann habe ich nichts dagegen.«
Da Niemand in der passenden Gemüthsstimmung zu sein schien, um eine Hymne zu singen, griff der hochbegabte Pedgist in seinen Schatz von Localkenntnissen und brachte eine neue Idee zum Vorschein. Der Curs des Boots ward unter seiner Anweisung augenblicklich verändert. In wenigen Minuten sah sich die Gesellschaft in einer kleinen Inselbucht, an deren äußerstem Ende eine einsame Hütte stand und wo ein förmlicher Schilfwald rings alle Aussicht ausschloß.
»Was sagen Sie dazu, meine Herrschaften, wenn wir ans Land stiegen und uns einmal solch’ eine Schilfschneider-Hütte ansähen?« fragte Pedgift.
»Wir sagen ja dazu, das versteht sich«, erwiderte Allan. »Ich fürchte, unser Vergnügen hat durch Mr. Pentecost’s Krankheit und Mrs. Pentecost’s Ledertasche einen kleinen Dämpfer erhalten«, setzte er flüsternd, zu Miß Milroy gewendet, hinzu. »Eine derartige kleine Veränderung ist genau das, was uns wieder in das rechte Geleise bringen wird«
Er und der junge Pedgift halfen Miß Milroy aus dem Boote. Mrs. Pentecost saß, die Ledertasche auf dem Schooße, regungslos, wie die ägyptische Sphinx, und hielt Wache über Sammy in der Kajüte.
»Wir müssen die Fröhlichkeit im Gange erhalten, Sir«, sagte Allan, während er dem Major beim Aussteigen behilflich war. »Wir sind mit unserem Amüsement noch nicht halb zu Ende.«
Seine Stimme bestätigte seine feste Ueberzeugung von solcher Perspective so kräftig, daß selbst Mrs. Pentecost ihn hörte und unheilverkündend das Haupt schüttelte.
»Ach!« seufzte die Mutter des Geistlichen. »Wenn Sie so alt wie ich wären, junger Herr, so würden Sie nicht ganz so fest an das Vergnügen des Tages glauben!«
So sprach, die Voreiligkeit der Jugend tadelnd, das vorsichtige Alter. Die negative Ansicht ist allbekannt in der ganzen Welt die sicherste – und die Pentecost’sche Philosophie erweist sich im Allgemeinen folglich als die richtige.
Fünftes Kapitel
Es war nahe an sechs Uhr, als Allan und seine Freunde das Boot verließen, und schon senkte sich der Abend’ geheimnißvoll und still über die Wasserwüste der »Breiten.«
Das Ufer dieser wilden Gegend glich keinem andern Ufer. So fest dasselbe aussah, war doch der Boden des Gartens vor dem Rohrschneider-Häuschen wankender Boden, der sich unter dem Drucke des Fußes hob und senkte und kleine Sümpfe durchsickern ließ. Die Bootsleute, welche die Gäste führten, mahnten sie, sich streng an den Weg zu halten und deuteten durch offne Stellen im Schilfrohr und in den Weidenbüschen auf Rasenflecke, auf welche Fremde zuversichtlich getreten sein würden und wo doch die Erdrinde über der bodenlosen Tiefe von Schlamm und Wasser nicht stark genug war, nur ein Kind zu tragen. Die einsame, mit Theer überzogene Holzhütte stand auf einem Pfahlroste. Am einen Ende des Daches erhob sich ein kleiner hölzerner Thurm, der in der Entenjagdzeit als Luginsland diente. Von dieser Höhe aus schweifte das Auge weit über die Wasser- und Sumpfwüste dahin. Hätte der Schilfschneider sein Boot verloren, so wäre er von allem Verkehr mit Dorf oder Stadt so vollständig abgeschnitten gewesen, als wenn er statt in einer Hütte auf einem Leuchtschiff gewohnt hätte. Weder er noch seine Familie beklagte sich über diese Einsamkeit oder sah darum im geringsten wilder oder übler aus. Seine Frau empfing die Fremden gastlich in einem gemüthlichen kleinen Zimmer, mit einer Balkendecke und mit Fenstern, die den Kajütenfenstern eines Schiffes glichen. Der Vater seiner Frau erzählte Geschichten aus jenen famosen Tagen, wo die Schmuggler in der Nacht vom Meere heraufkamen, mit gedämpften Rudern durch das Netz von Flüssen ruderten, bis sie die einsamen »Breiten« erreichten und, weit außer dem Bereiche der Küstenwächter, ihre Rumfässer ins Wasser senkten. Seine wilden kleinen Kinder spielten Verstecken mit den Gästen, und erstaunt und entzückt über den neuen Anblick von allem, was sie sahen, gingen diese im Hause und auf dem Stückchen festen Landes umher, auf dem das Häuschen stand. Der Einzige, der auf das Vorrücken des Abends achtete, der Einzige, welcher der fliehenden Zeit und der wartenden Pentecosts im Boote gedachte, war der junge Pedgift. Dieser erfahrene Lootse aus den »Breiten« sah heimlich nach seiner Uhr und zog Allan bei der ersten Gelegenheit auf die Seite.
»Ich möchte Sie nicht treiben, Mr. Armadale«, sagte Pedgift junior, »aber es fängt an spät zu werden und außerdem kommt eine Dame in Frage.«
»Eine Dame?« wiederholte Allan.
»Ja, Sir«, erwiderte der junge Pedgift; »eine Dame aus London, nebst einem, erlauben Sie mir, Sie daran zu erinnern, Ponywagen und weißem Geschirr.«
»Gerechter Himmel, die Gouvernante!« rief Allan. »Wie! Wir haben sie ganz vergessen.«
»Aengstigen Sie sich nicht, Sir; wir haben noch vollauf Zeit, wenn wir nur sogleich wieder ins Boot steigen. Die Sache steht so, Mr. Armadale. Wie Sie sich erinnern werden, kamen wir überein, unsern Zigeunerthee an der nächsten »Breite«, Hurle Mere, einzunehmen.«
»Ganz recht«, sagte Allan. »Hurle Mere ist die Stelle, wo mein Freund Midwinter uns zu treffen versprochen hat.«
»Hurle Mere ist die Stelle, an der die Erzieherin sich einfinden wird, Sir, wenn der Kutscher meine Instructionen befolgt«, fuhr der junge Pedgift fort. »Wir haben fast eine Stunde zu rudern, um zwischen den engen Gewässern nach Hurle Mere zu kommen, und nach meiner Berechnung miissen wir, wollen wir die Gouvernante und Ihren Freund treffen, in fünf Minuten wieder an Bord sein.«
»Auf keinen Fall dürfen wir meinen Freund verfehlen«, sagte Allan, »und die Gouvernante natürlich ebenso wenig. Ich will’s dem Major sagen.«
Major Milroy war eben im Begriff. den hölzernen Wachtthurm zu ersteigen, um von dort die Aussicht zu genießen. Der stets behilfliche Pedgift erbot sich, ihn zu begleiten und ihm doppelt so schnell alle nothwendige Auskunft über die ganze Gegend zu geben, wie der Schilfschneider dies über die nächste unmittelbare Umgebung hätte thun können.
Allan blieb stiller und gedankenvoller als gewöhnlich vor der Hütte stehen. Sein letztes Gespräch mit dem jungen Pedgift hatte ihn zum ersten Male, seit sie ihre Lustfahrt angetreten, an den Freund erinnert. Es überraschte ihn, daß Midwinter, der sonst so beständig seine Gedanken erfüllte, jetzt so lange diesen fern geblieben war. Wie eine Selbstanklage fiel es ihm auf die Seele, wie er nun des treuen Freundes zu Hause gedachte, der in seinem Interesse und für ihn über den Rechnungsbüchern schwitzte. »Der liebe alte Junge!« dachte Allan. »Wie werde ich mich freuen, ihn an Hurle Mere zu treffen; das Vergnügen des Tages wird nicht vollständig sein, bevor er sich nicht unter uns befindet!«
»Habe ich Recht oder Unrecht, Mr. Armadale wenn ich glaube, daß Sie an Jemanden denken?« fragte eine sanfte Stimme hinter ihm.
Allan wandte sich um und sah die Tochter des Majors neben ihm stehen. Miß Milroy, die eine gewisse zärtliche Unterhaltung hinter dem Wagen nicht vergessen, hatte gesehen, wie ihr Verehrer nachdenklich allein stand und beschlossen, ihm, während ihr Vater und der junge Pedgift auf dem Wachtthurme waren, noch eine Gelegenheit zu geben.
»Sie wissen Alles«, sagte Allan lächelnd. »Ich dachte in der That an Jemanden.«
Miß Milroy warf ihm einen verstohlenen Blick zu, einen Blick sanfter Ermuthigung. Nach dem, was sich an diesem Morgen zwischen ihnen zugetragen, konnte nur ein einziges menschliches Wesen Mr. Armadale’s Gedanken beschäftigen! Es war nur ein Art der Barmherzigkeit, wenn sie ihn alsbald wieder auf das vor wenigen Stunden gestörte Gespräch über das Thema von den Namen brachte.
»Auch ich habe an Jemanden gedacht«, sagte sie, das kommende Geständniß halb herausfordernd und halb zurückweisend »Wenn ich Ihnen den Anfangsbuchstaben des Namens meines Jemand sage, wollen Sie mir dann den Anfangsbuchstaben des Ihrigen mittheilen?«
»Ich will Ihnen alles sagen, was Sie wollen«, erwiderte Allan in höchster Begeisterung.
Noch immer sträubte sie sich kokett wider den Gegenstand, den sie gerade zur Sprache zu bringen wünschte. »Sagen Sie mir Ihren Buchstaben zuerst«, sprach sie leise, den Kopf von ihm abwendend.
Allan lachte. »Mein Anfangsbuchstabe ist M«, sagte er.
Sie zuckte ein wenig zusammen. Seltsam, daß er bei ihrem Familiennamen an sie dachte, anstatt bei ihrem Taufnamen – doch das machte wenig aus, so lange er nur wirklich an sie dachte.
»Wie heißt Ihr Buchstabe?« fragte Allan. Sie erröthete und lächelte »A, wenn Sie es durchaus wissen wollen«, antwortete sie mit widerstrebendem Flüstern. Sie warf ihm abermals einen verstohlenen Blick zu und verlängerte schwelgerisch ihren Hochgenuß an dem kommenden Geständnisse.
»Wie viele Silben hat der Name?« fragte sie, während sie mit ihrem Sonnenschirme verlegen im Sande zeichnete.
Kein Mann, der nur die mindeste Kenntniß vom weiblichen Geschlechte besessen, würde an Allan’s Stelle die Unvorsichtigkeit begangen haben, ihr die Wahrheit zu sagen. Allan, der ganz und gar nichts von der Frauennatur verstand und unter allen nur erdenklichen Verhältnissen nach rechts und links die Wahrheit sagte, antwortete, als hätte er vor den Gerichtsschranken gestanden.
»Es ist eine Name von drei Silben«, sagte er.
Miß Milrotys niedergeschlagenen Augen blitzten ihn an.
»Drei!« wiederholte sie im äußersten Erstaunen.
Allan war von einer zu tiefgewurzelten Offenheit, um sich selbst jetzt noch warnen zu lassen, »Ich zeichne mich allerdings im Buchstabieren nicht besonders aus«, sagte er mit seinem leichtherzigen Lächeln. »Aber ich glaube nicht, daß ich einen Fehler begehe, wenn ich Midwinter als einen Namen von drei Silben bezeichne. Ich dachte an meinen Freund – —aber lassen wir meine Gedanken. Sagen Sie mir, wer A ist – sagen Sie mir, an wen Sie dachten?«
»An den ersten Buchstaben des Alphabets, Mr. Armadale, und ich bitte auf das Bestimmteste, Ihnen nichts weiter sagen zu dürfen.«
Mit dieser vernichtenden Antwort öffnete die Tochter des Majors ihren Sonnenschirm und ging allein nach dem Boote zurück.
Allan stand wie versteinert da. Wenn Miß Milroy ihm eine Ohrfeige gegeben hätte – und es ist nicht zu leugnen, daß sie im Stillen große Lust hatte, ihre Hand einem solchen Zwecke zu widmen —, so hätte er kaum verdutzter sein können. »Was, in aller Welt habe ich gethan?« fragte er sich rathlos, während der Major und der junge Pedgift sich zu ihm gesellten und die Drei zusammen nach dem Wasser hinab gingen »Was wird sie nun zunächst zu mir sagen?«
Sie sagte ganz und gar nichts – sie sah Allan nicht einmal an, als er sich im Boote niederließ. Da saß sie mit ungewöhnlich glänzenden Augen und leuchtenden Wangen und legte die größte Theilnahme für das Befinden des Geistlichen, für Mrs. Pentecost’s Laune, für Mr. Pedgift, für den sie mit Ostentation an ihrer Seite Platz machte, für die Gegend und die Hütte des Schilfschneiders, für Alles und Jeden an den Tag, außer für Allan, den sie noch vor fünf Minuten mit dem größten Vergnügen von der Welt geheirathet haben würde. »Ich werd’s ihm nie verzeihen!« dachte die Tochter des Majors. »An jenes ungezogene Scheusal zu denken, während ich an ihn dachte – und mich dies fast bekennen zu lassen, ehe ich ihn verstanden hatte! Dem Himmel sei Dank, daß Mr. Pedgift im Boote ist!«
In dieser Gemüthsverfassung machte Miß Neelie sich unverzüglich ans Werk, den jungen Pedgift zu bezaubern und Allan zu vernichten. »O, Mr. Pedgift wie außerordentlich gescheidt und freundlich von Jhnen, uns jene reizende kleine Hütte zu zeigen! Einsam, Mr. Armadale? Ich finde sie durchaus nicht einsam; ich möchte hier lieber wohnen, als irgend sonst wo in der Welt. Was wäre unser Pickenick wohl ohne Sie gewesen, Mr. Pedgift? Sie können sich gar nicht denken, wie vortrefflich ich mich amüsiert habe, seit wir ins Boot stiegen. Kühl, Mr. Armadale? Was denken Sie nur, wenn Sie sagen, es sei kühl; es ist der wärmste Abend, den wir noch im ganzen Sommer gehabt haben. Und die Musik, Mr. Pedgift; wie freundlich von Ihnen, Ihre Harmonica mitzubringen! Ob ich Sie wohl auf dem Clavier begleiten könnte? Ich möchte es einmal versuchen. O ja, Mr. Armadale, ich glaube wohl, daß Sie auch dachten, etwas musikalisch zu sein, und ich zweifle nicht, daß Sie sehr gut singen, wenn Sie den Text wissen; aber, um Ihnen die Wahrheit zu gestehen, ich habe Moore’s Lieder niemals leiden können und werde sie nimmer leiden mögen.«
So unbarmherzig geschickt handhabte Miß Milroy jene schärfste aller weiblichen Waffen – die Zunge —, und so würde sie noch länger fortgefahren haben, wenn Allan nur die erforderliche Eifersucht verrathen oder der junge Pedgift ihr die nothwendige Ermuthigung gegeben hätte. Aber ihr böses Geschick hatte es gefügt, daß sie sich zwei Männer zu Opfern erkoren, die unter den bestehenden Verhältnissen völlig unangreifbar waren. Allan erfreute sich einer zu harmlosen Unkenntniß von allen weiblichen Spitzfindigkeiten und Empfindlichkeiten, um etwas Anderes zu verstehen, als daß die reizende Neelie auf ganz unbegreifliche Weise und ohne die geringste Ursache auf ihn böse war. Der schlaue Pedgift unterwarf sich, wie es einem scharfsichtigen jungen Manne unserer heutigen Generation zukommt, weiblichem Einslusse nur, während er sein eigenes Interesse fortwährend fest im Auge behielt. Gar mancher junge Mann in früheren Zeiten, der doch kein Narr war, hat Alles der Liebe geopfert. Nicht ein Einziger unter Zehntausenden unsers heutigen Geschlechts, die Narren ausgenommen, opfert ihr je einen Heller. Eva’s Töchter erben noch immer die Vorzüge ihrer Mutter und begehen ihrer Mutter Fehler. Aber die Söhne Adam’s unserer Zeit sind Männer, die den berühmten Apfel mit einer Verbeugung und einem »Danke sehr! ich könnte dadurch in Ungelegenheiten gerathen!« zurückgegeben haben würden. Als Allan, überrascht und getäuscht, sich von Miß Milroy entfernte und nach dem Vordertheile des Boots begab, stand der junge Pedgift auch auf und folgte ihm. »Du bist ein sehr hübsches Mädchen«, dachte der pfiffige und verständige junge Mann; »aber ein Client bleibt ein Client, – und es thut mir leid, Ihnen zu sagen, Miß, daß es nicht angeht.« Unverzüglich machte er sich an die Aufgabe, Allan aufzuheitern, indem er dessen Aufmerksamkeit auf einen neuen Gegenstand lenkte. Im Herbste sollte auf einer der »Breiten« eine Regatta stattfinden, und das Gutachten seines Clienten, als eines ausgezeichneten Schiffers, mußte dem Comité von Nutzen sein. »Es wäre etwas Neues für Sie, eine Segelpartie auf süßem Wasser, Sir, sollt’ ich denken!« sagte er in seiner einschmeichelndsten Weise, und Allan antwortete mit augenblicklicher Theilnahme: »Ganz neu! Bitte, erzählen Sie mir mehr davon.«
